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Montag, 10. Februar 2025

Pfaffenmief im Weserbergland

- und die "Neue Rechte" in Deutschland
Klerikale Einflüsse auf die Politik - In Deutschland und weltweit

Für diesen Blog war es immer schon sehr verstörend, daß die heutigen Vordenker der "Neuen Rechten" die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse über das Sein und Werden der Völker weltweit so außergewöhnlich sparsam zur Kenntnis nehmen wollen und sich so außergewöhnlich sparsam darum bemühen, diese in den politischen Diskurs einfließen zu lassen. Seit Jahrzehnten. 

Abb. 1: Kloster Buchhagen im Weserbergland - Mönche vom Berg Athos in Griechenland

Die Gründe dafür werden sofort deutlich, wenn man sich klar macht, welche geistigen, spirituellen Hintergründe hinter den Vordenkern der Neuen Rechten stehen. Diese sind so verquastet klerikal, daß die geringe Freude an den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zum Menschsein, zu unserer Welt und zu dem Sein und Werden der Völker nichts weniger als folgerichtig ist.

Es stehen Kräfte hinter der Neuen Rechten, die die gesamte moderne Welt seit dem Mittelalter ablehnen. Es sind das sehr viele orthodoxe Klerikale und es sind das viele katholische Klerikale. Derselbe Umstand gilt übrigens auch für die wachsende, rein demographische Macht des orthodoxen Judentums im modernen Israel und weltweit. Die ultraorthodoxen Juden interessieren sich Null Komma nichts für alles "Moderne". Für sie zählen keine Schulbildung, keine Universitäten, sondern allein die religiösen Schriften des Judentums. So auch die Klerikalen in der katholischen, in der evangelischen, in den orthodoxen oder in den freikirchlichen Gemeinden. Dieser Umstand ist so verstörend und irritierend und erschreckend, daß man sich diesen gar nicht oft genug vor Augen führen kann. Welcher "Macht" dienen all diese Kräfte? Dem Mittelalter? Zutiefst gruselig und unheimlich.

Warum spielen naturwissenschaftliche Argumente noch heute innerhalb der AfD so gut wie keine Rolle, ja, sind tabuisiert und verpönt wie es schlimmer nicht gehen kann? Warum haben konservative Christen wie Beatrix von Storch in der AfD einen solchen großen Einfluß? Um all das besser zu verstehen, ist jüngst ein neues Puzzle-Teil bekannt geworden (1, 2).

Mönchsgezänk am Berg Athos in Griechenland

Das "sagenumwobene" Kloster am Berg Athos (Wiki) in Griechenland - es ist schon seit Jahrhunderten ein religiös und politisch sehr einflußreiches Kloster. 

So wie seit Jahrhunderten in allen orthodoxen Kirchen Osteuropas ein Kampf geführt wird darüber, ob sich diese Kirchen der Oberherrschaft des Papstes in Rom unterwerfen sollen - wie das die Jesuiten wollen - oder ob sie die Oberherrschaft des Patriarchen von Moskau anerkennen sollen, so wird dieser Kampf auch innerhalb des Klosters auf dem Berg Athos - noch bis heute - in aller Schärfe geführt. Auch der orthodoxe Patriarch der Ukraine in Kiew hat sich schon vor Jahrhunderten der Oberherrschaft des Papstes in Rom unterworfen. Am Berg Athos jedoch - und anderwärts - gibt man sich weiterhin sehr, sehr "störrisch".

Die - nicht selten pädokriminellen - Päpste in Rom und ihre fanatische Jesuiten-Truppe wollen also nicht nur jede Menschenseele weltweit und insbesondere auch in Rußland, sondern auch die Mönchsgemeinde auf dem Berg Athos schon seit Jahrhunderten unter ihre Oberherrschaft bringen. So hat es Mönchsgezänk auf dem Berg Athos schon seit Jahrhunderten gegeben, Mönchsgezänk, das dumpf-muffig mittelalterlich anmutet, in das sich aber - bezeichnenderweise - einflußreiche weltliche Mächtige bis heute immer wieder einmischen. Über die heutige Situation im Kloster auf dem Berg Athos heißt es (Wiki):

Auch noch im Jahr 2022 galt (...) der unbestrittene Einfluß der russischen Kirche auf die Mönchsrepublik als erheblich und Rußland versuche, den kulturellen Einfluß auf den Norden Griechenlands auszuweiten. Russische Staatsbeamte und Oligarchen versuchten mit Spenden, bestimmte Geistliche und die russische Präsenz zu stärken. Es wurde über falsche Mönche berichtet und den Kampf gegen Kriegspropaganda auf russischen Websites, welche „Vertreibungen“ russischer Mönche herbeischrieben.

Rund um den Berg Athos schwelt mithin derselbe religionsimperialistische, fanatisch geführte Pfaffen-Zank zwischen Moskau und Rom, wie er auch sonst über ganz Europa, bzw. Eurasien hinweg seit Jahrhunderten zu beobachten ist, und worauf wir in früheren Beiträgen hier auf dem Blog schon den einen oder anderen Blick geworfen haben (s. GAj2010, GAj2021, a). Über den Berg Athos lesen wir noch detaillierter (Wiki):

Für internationale Schlagzeilen sorgte im Dezember 2005 die Besetzung des Konáki (Sitz des Vorstandes der Mönchsrepublik) durch 20 Mönche des Klosters Esfigménou. Damit protestierten sie gegen den Beschluß der übrigen 19 Klöster, die Vertretung ihres Klosters in den Gremien der Mönchsrepublik nicht mehr anzuerkennen. Ausgelöst wurde der Eklat nach jahrzehntelang schwelender Krise 2003, als die Mönche von Esfigménou dem Oberhaupt der orthodoxen Kirche, Patriarch Bartholomäus I. von Konstantinopel „Verrat an der Orthodoxie“ vorwarfen, weil er mit der römisch-katholischen Kirche Gespräche aufgenommen hatte. Daraufhin forderte der Patriarch die Rebellen zum Verlassen der Mönchsrepublik auf. Die Mönche von Esfigménou ignorierten die Forderung. Im Dezember 2006 kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung, als gemäßigte Mönche versuchten, den besetzten Verwaltungskomplex zu räumen. Es gab eine Handvoll Verletzte, aber die Besetzung dauert an. Die griechische Regierung bot Polizei- und Militärhilfe an, was vonseiten der Mönche abgelehnt wurde. Im August 2008 drohten die Mönche damit, sich und ihr Kloster in die Luft zu sprengen, falls die Polizei versuche, es zu räumen. „Orthodoxie oder Tod“ ist denn auch das Motto dieser auch Zeloten genannten Mönche der GOC (Kirche der wahren orthodoxen Christen Griechenlands).
Die Mönche hielten die Räumlichkeiten auch im Jahr 2022 besetzt. Auf Nachfrage der NZZ beklagte Abt Bartholomäus die klandestinen Bewegungen der Unterstützer illegal über die Landesgrenzen; niemand wisse genau, wer sich in dem besetzten Gebäude verstecke.

Mönchsgezänk also vom Allerfeinsten. 

Auf den ersten Blick könnte man denken: Alles weit weg, nicht unsere Welt. - - - Aber: Von wegen! Diese Mönche wollen Europa zu ihrem Glauben bekehren und missionieren eifrig. Und sie sind damit so erfolgreich, daß über ihre abstrusen Missionsbemühungen nicht nur TAZ und Neues Deutschland berichten, sondern auch Vordenker der Neuen Rechten in sie involviert sind.

"Reconquista" - Ein orthodoxes Missionskloster für Deutschland

So gab es da beispielsweise den bulgarischen orthodoxen Metropoliten Simeon (1926-2016) (Wiki), der viele Jahrzehnte als orthodoxer Missionsbischof in Westeuropa tätig war. Über seinen religiösen Werdegang ist zu erfahren, daß er 1957 in Moskau Theologie studierte (Wiki),

... wo er am 8. Oktober 1958 vom Moskauer Patriarchen Alexius I. zum Mönchspriester geweiht wurde.

Dieser Metropolit unterstand also dem Patriarchen von Moskau - nicht dem Papst in Rom. Seit 1980 war er "Missionsbischof" der bulgarisch-orthodoxen Kirche - und damit auch des Patriarchen von Moskau - in Westeuropa (Wiki). Als solcher entfaltete er Wirksamkeit an Standorten wie Budapest, Wien, Berlin und andernorts.

Als dieser Missionsbischof hat dieser Herr Simeon 1994 nun das bislang einzige bulgarisch-orthodoxe Missionskloster in Westeuropa eingeweiht, nämlich das "deutsch-orthodoxe" Kloster Buchhagen (Wiki) im Weserbergland. Sein "Abt" ist ein Mensch, der mit bürgerlichem Namen Johannes Pfeiffer (geb. 1955) heißt und aus Hofgeismar in Hessen stammt. Und vermutlich war auch damals schon Götz Kubitschek (geb. 1970) (Wiki) dabei, der sehr umfangreich in den Aufbau dieses Klosters involviert ist - wie neuerdings bekannt geworden ist (1, 2). Der Johannes Pfeiffer hat lange unter den Mönchen auf dem Berg Athos in Griechenland gelebt. Vermutlich ja doch insbesondere auch unter solchen Mönchen, wie sie seit 2006 mit dem Schlachtruf "Orthodoxie oder Tod" das Verwaltungsgebäude des Klosters gewaltsam besetzt halten und damit drohen, sich mit dem gesamten Gebäude in die Luft zu sprengen. Diese wunderliebsten Leute. Dieser Johannes Pfeiffer nennt sich also "Abt". Und Götz Kubitschek unterwirft sich ihm. Man kommt ja fast auf den Gedanken, daß Götz Kubitschek und manche seiner Freunde dann nicht nur "Raki am Igman" getrunken haben (s. Amaz), sondern auch den Berg Athos besucht haben werden. Ehrfürchtig. Ohne Raki.

Götz Kubitschek - Einem orthodoxen Abt vom Berg Athos unterworfen

Mitbegründet und sehr engagiert in seinen Aufbau ist also niemand geringerer als Götz Kubitschek, der langjährige "Vordenker" der Neuen Rechten in seinem Tagungszentrum Schnellroda (1, 2). Ob zu dem Unterstützerkreis dieses Klosters nicht auch Jürgen Elsässer gehört, der sich doch auch schon seit Jahren zur "Orthodoxie" hingezogen fühlt, kann an dieser Stelle einstweilen offen bleiben. Er bewegt sich in jedem Fall religiös in ähnlichen Zusammenhängen. Es werden aber gewiß noch zahlreiche andere Leute sein, die im politischen und vorpolitischen Raum tätig sind, und die solchen Klerikalen Ehrerbietung zeigen.

Der langjährige rechte französische "Vordenker" Alain de Benoist (geb. 1943) (Wiki) versteht sich ja in ähnlicher Weise schon seit vielen Jahren mit dem russischen Vordenker Alexander Dugin so herzerwärmend gut (GAj2015, a) - warum sollten da seine deutschen Freunde Karlheinz Weißmann oder Götz Kubitschek auch so ganz und gar anders gestrickt sein? Karlheinz Weißmann hätte von seinem Wohnort Northeim aus auch einen viel kürzeren Weg zum Meditationszentrum Kloster Buchhagen. 

Es wird zu berücksichtigen sein, daß sowohl der Patriarch von Moskau wie auch die Mönche vom Berg Athos in Verbindung stehen mit der Priesterkaste von Tibet, die nach außen hin durch den Dalai Lama repräsentiert wird, der nun wieder auch gute Kontakte aufrecht erhielt etwa zu einem Jörg Haider in Kärnten (wenn wir uns recht erinnern) (GAj2012). 

Man mag sich in diesem Zusammenhang auch an Äußerungen von Ernst Jünger, Friedrich Hielscher oder Hermann Hesse erinnern (die alle hier auf dem Blog schon behandelt worden sind), nach denen Angehörige östlicher oder westlicher Priesterkasten oft über die jeweiligen "Machtgrenzen" hinweg im friedlichem Gespräch miteinander stehen würden. Etwa in Berliner Cafe's oder in Freimaurerlogen. Vermutlich auch öffentlich, etwa so, wie sich der Atheist Jürgen Habermas mit dem - im weltlichen Bereich nie verurteilten Pädokriminellen - Josef Ratzinger unterhalten konnte.

Missionsversuche unter "Neuen Rechten"

Nun gibt es da den einstmals "links-", heute "rechtsorientierten" politischen Aktivisten Erik Ahrens (geb. 1994) (Wiki), der neben anderer Verwandtschaft in Griechenland auch eine griechisch-orthodoxe Großtante hat, mit der er schon früher griechisch-orthodoxe Gottesdienste besucht hat.

In einem neuen Video berichtet er von Geschehnissen aus dem Mai 2019, also von Geschehnissen, die fünf Jahre zurück liegen, und zwar von einem Besuch im Kloster Buchhagen, zu dem er von Götz Kubitschek eingeladen worden war, und der ihn, den Erik Ahrens, offenbar ebenfalls zu Gläubigkeit und Pfaffen-Verehrung bekehren wollte (1, 2):

"Der Kubitschek betreibt da dieses Kloster oder ist Teil dieses Klosters. (...) Er fährt da sehr oft hin und er hilft seit Jahrzehnten, dieses Kloster aufzubauen. Er hat mich eingeladen, da doch auch mal hinzufahren."

Und über den "Abt", den Herr Pfeiffer aus Hofgeismar, sagt er (1, 2): 

"Götz Kubitschek unterwirft sich ihm spirituell. Das heißt, hier ist das innere geistige Zentrum der Neuen Rechten." "Hier kommen die Ideen her."

Und (1, 2):

"Alles, was die Neurechte predigt, kommt von dem."   

Und (1, 2):

"Er will einen deindustrialisierten, mitteldeutschen Agrarstaat, im besten Fall feudal, so eine Art völkische, christliche Bauernromantik" 

Ahrens spricht von einem "deutsch-orthodoxen Sektenkult", zu dem er auch Martin Sellner zählt, der den Götz Kubitschek "Chef" nennen würde. Es hat schon 2019 Streit gegeben zwischen Ahrens und Kubitschek, nämlich darüber, daß der AfD-Politiker Maximilian Krah aus der rechtskonservativen Fraktion des Europäischen Parlamentes ausgeschlossen wurde. Seither scheint der Haussegen zwischen Kubitschek und Ahrens schief zu hängen und Ahrens plaudert solche Missionsversuche aus und äußert sich auch sonst äußerst abfällig über die Aktivitäten der Leute in Schnellroda (1, 2):

"Was ihr macht, ist GZSZ, was ihr macht, ist Fake."  

Nun, dieser Blog sieht das schon seit vielen Jahren so (GAj2018). Die ganze "konservative Revolution" dient im Wesentlichen nicht dazu, Völker erhaltende, sondern Völker zerstörende Ziele zu verfolgen. Nämlich solche, wie sie in klerikalen Kreisen schon seit Jahrhunderten verfolgt werden. In dem Kloster Buchhagen leben nur wenige Mönche. Aber es gibt einen größeren Unterstützerkreis von Seiten offenbar "gläubiger" Menschen und Familien rund um dieses Kloster herum. "Viele junge Männer" kommen immer wieder zu Besuch in dieses Kloster. Frauen sind dort - offenbar - weniger erwünscht. (Vielleicht gibt es für die ja Nonnenkloster und sonstige Schwestern-Zirkel, die noch nicht bekannt geworden sind.)

Ein Bericht über das Kloster auf dem Berg Athos, 1920/1961

Frauen dürfen auch das Kloster des Berges Athos nicht betreten. Der griechische Schriftsteller Nikos Kazantzakis (1863-1957) (Wiki) gab 1961 sein aufgesetzt-tiefsinniges Buch "Rechenschaft vor El Greco" heraus. Es war das jene aufgesetzte Tiefsinnigkeit, die in den 1950er und 1960er Jahren in der westeuropäischen Literatur so üblich war, und die sich heute oft außerordentlich unangenehm liest in all ihrer Aufgesetztheit. In dem Kapitel "Berg Athos" berichtet er über einen Besuch, der zu jenem Zeitpunkt schon vierzig Jahre zurück lag, der also Anfang der 1920er Jahre stattfand:

Wir betraten den heiligen Boden; die Mönche am Landungskai prüften mit geübtem Auge jeden einzelnen, der an Land ging, ob er eine Frau in Männerkleidung sei. Seit tausend Jahren, da der Heilige Berg der Jungfrau geweiht wurde, hat kein Frauenfuß den Boden betreten, kein Frauenatem die Luft entweiht. (...)
"Und hat niemals eine Frau den Heiligen Berg betreten?" fragte ich. 
"Niemals, niemals", antwortete der Ältere und spie in die Luft. "Geh hinter mich, Satan," murmelte er.

Manchmal würden Frauen trotzdem versuchen, in Männerkleidung ins Kloster zu kommen. Aber die Mönche würden sie sofort erkennen, nämlich am Geruch:

"Riechen Frauen denn anders, heiliger Vater?" fragte er ihn. "Wie denn?"
"Wie Stinktiere", antwortete der Alte und beschleunigt den Schritt.  

Wir merken: Wir begegnen hier dem Tiefsinn auf höherer Ebene. Statt daß der Autor nach einer so ekelhaften Begegnung stante pede diesen zutiefst ekelhaften Boden wieder verlassen hätte, führte er seine "Pilgerreise" fort - und zwar, wie es heißt: "verzückt und glücklich". Der ganze Bericht, der sich über viele Seiten hinzieht, liest sich abscheulich. Es findet sich auch folgender Wortwechsel, der trotz seiner sehr eindeutigen Andeutung kommentarlos stehen bleibt:

"Hast du jemals, heiliger Pförtner, den Teufel gesehen?" fragte wiederum mein Freund.
"Und ob ich ihn gesehen habe! Natürlich habe ich ihn gesehen."
"Wie sieht er aus?"
"Bartlos, mollig, zarthäutig, zwölf Jahre alt."

Es ekelt und würgt einen, wohin man in diesem Bericht blickt. Überall nur solcher - - - "Tiefsinn". 1961. "Geh hinter mich, Satan," möchte man in der Tat dauernd nur zu all dem Ekelhaften sagen.

"Rechte" wie "Linke" - Mit Blick zum Patriarchen von Moskau?

Spätestens seit 2003 hat der der "Abt" Pfeiffer und sein Missionskloster von Mainstream-, und vor allem linksorientierten Presseorganen keineswegs nur keine oder bestenfalls spöttische oder neutrale mediale Anteilnahme erhalten. Im Gegenteil: Ehrfurchtsvolle (s. Welt2003, TAZ2003, NeuesDtschld2008). Von kritischer Berichterstattung bislang in solchen Presseorganen keine Spur. Peinlich, oder, TAZ? Hat der Abt Johannes euch etwas vorgegaukelt? Auch euch? Kann doch wohl nicht sein? Götz Kubitschek baut dieses Kloster auf und linke Presseorgane berichten positiv über dasselbe. Dann versteht man womöglich auch, warum ein Jürgen Elsässer so leicht zwischen "links" und "rechts" changieren kann ....  

Bemerkenswert ist womöglich auch eine Stelle in dem Literaturverzeichnis des Wikipedia-Artikels zum Kloster Buchhagen (Wiki):

Archimandrit Johannes: Vom Mysterium des Mönchtums. Verlag des Klosters Buchhagen, 2012, ISBN 978-3-926236-16-6 (64 Seiten).
Auf Veranlassung des Patriarchats von Moskau und der ganzen Rus ins Russische übersetzt:[30] Схиархимандрит Иоанн: О таинстве монашества, 2016

Nachfolger des Metropoliten Simeon ist seit 2013 der sicherlich ähnlich glaubensfeste Metropolit Antonij (geb. 1978) (Wiki). Über diesen heißt es  (Wiki):

Am 27. November 2021 traf sich Metropolit Antonij bei einer Privataudienz mit Papst Franziskus. Diesem war er bereits bei Franziskus’ Bulgarienreise 2019 begegnet.

Wir können nur innigst hoffen, daß er bei solchen Gesprächen keinen "Verrat an der Orthodoxie" begeht. Aber traue niemals. Satan ist überall ... 

Wir selbst hatten Leute wie Alain de Benoist, Götz Kubitschek, Ellen Kositza oder Karlheinz Weißmann bislang als "Rechtskatholiken" eingeordnet. Sind sie vom Jesuitenorden als Sturmtruppe aufgestellt worden, um die Machtbasis des Patriarchen von Moskau zu untergraben durch freundliche Gespräche mit Alexander Dugin und Konsorten? Man soll auf diesem Gebiet nichts für unmöglich halten. "Falsche Mönche" gibt es überall. Und falsche "Nonnen" sowieso. Patriarch von Moskau hüte dich, der Jesuit verkleidet sich in die unmöglichsten Gewänder. Manchmal in die Gewänder von "Rechtsintellektuellen".

Aber vielleicht nimmt das Kloster Buchhagen auch ganz offiziell eine Art "Mittler"-Stellung, "Vermittler"-Stellung ein zwischen den beiden stark verfeindeten, miteinander im Bekehrungskrieg stehenden Priesterkasten, nämlich der Päpstlich-jesuitisch-westlich-orthodoxen und der Moskau-orthodoxen. Vielleicht ködert man auch junge Männer, die katholisch aufgewachsen sind - wie Götz Kubitschek -, damit, daß sie in der orthodoxen Kirche alles als viel "ursprünglicher" vorfinden würden als in der auf Abwege geratenen katholischen Kirche. Am Berg Athos erkennt man den Satan ja noch am Körpergeruch. Das ist doch was!   

Es kann also - wie wir unterstellen möchten - auch sein, daß sich hier der Jesuitenorden als "deutsch-orthodox" tarnt, um - auch - über dieses Kloster sowohl in den Bereich der Neuen Rechten in Deutschland als auch in die russisch-orthodoxe Kirche in Osteuropa hineinzuwirken (was er ja auch sonst auf vielerlei Art in so gut wie alle Richtungen hin über die möglichsten und unmöglichsten Vertarnungen hinweg tut). Es kann aber auch heißen, daß das Moskauer Patriarchat sich hier einen Kommunikationskanal offen hält, über den es hofft, seinen Machtbereich - im Sinne von Alexander Dugin und Co - weiter nach Westen ausdehnen zu können.

Die moderne Welt ist auf einem Abgrund von klerikalen Bestrebungen errichtet. Die Gefahr, daß sie in diesen Abgrund hinein stürzt, war in keinem Geschichtsabschnitt der Neuzeit größer als im heutigen.

Spiegel TV fragt erstmals kritisch nach ....

/ Nachtrag, 28.2.25: In einem Beitrag wird betont, das Kloster Buchhagen sei ein ganz und gar unpolitischer Ort. Zu behaupten, in und mit dem Kloster würden politische Ziele verfolgt, würde das Kloster "beschmutzen" (3). Das hört sich sehr genau danach an, als ob sich jemand stark angegriffen fühlt. Und die Ausflüchte verfangen nicht. Auch im Kloster von Berg Athos geht es ja - offensichtlich - nicht völlig unpolitisch zu. Seit wann wäre Religion, zumal christliche Religion, jemals "unpolitisch" gewesen. In diesem Zusammenhang kann man sich gerne auch einmal den vielsagenden X-Account des Klosters selbst ansehen (X/Deutschorthodox). Entgegnung zu erstgenannten Beitrag hat es auch gegeben (Yt6.2.2025). / 

/ Nachtrag, 5.3.2025: SpiegelTV hat auf all das überraschend schnell reagiert. Im Verlauf des Februar 2025 hat ein Team das Kloster Buchhagen besucht und den dortigen Abt vor laufender Kamera zu Stellungnahmen gedrängt (4). /

/ Ergänzt durch Ausführungen 
zu Kazantzakis: 16.2.25
zu Jonathan Rudolph: 28.2.25 / 

________

  1. Ahrens, Erik: Mit Kubitschek im Kloster (das Geheimnis von Schnellroda), 3.2.2024 (Yt2024) (Kurzfassung)
  2. Ahrens, Erik: VRIL-Talk: Bericht aus der Unterwelt (mit Kubitschek im Kloster), 3.2.2024 (Yt2024) (Langfassung)
  3. Rudolph, Jonathan ("einwaldgaenger"): Ahrens, Kubitschek und das Kloster - eine Klarstellung (X, 5.2.2025)
  4. Neumann, Henrik: Pilgerort für Rechtsextreme - Kubitscheks Denkfabrik. SpiegelTV, 26.02.2025 (Yt)
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Labels: Hijacking, Neues Deutsches Mittelalter, Rechtskatholisch

Montag, 27. Dezember 2021

Ärztlicher Rat

Fragen zum Jahr 2021

Hat man es jemals erlebt, daß Liebende eine geliebte Person verlassen haben, weil diese Person auf einen anderen ärztlichen Rat gehört hat, als den, den man selbst für richtig hält? 

Nein, oder ... ?

... Oder ...? - ... Vielleicht ... - ... doch ...? 

Ach ja!

Kennt man denn das nicht - womöglich - aus dem Mittelalter? 

Als Liebende eine geliebte Person verlassen haben, weil sie diese für verhext hielten ....?


Weil sie diese der "falschen Buhlschaft" (Wiki) für verdächtig hielten ...

Das gab es schon. Ja. 

Im Mittelalter. 

Also.

Atmen wir alle einmal tief durch und - - - heißen wir es willkommen: Das Mittelalter.

"Sei uns gegrüßt - - -  heiß geliebtes Mittelalter!"

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Labels: Neues Deutsches Mittelalter

Samstag, 15. August 2015

Verblödung auf der Internetseite Sezession

Katholische Rechtskonservative seit über 40 Jahren: "Gehe zurück auf Los"

Abb.: Giordano Bruno-Denkmal, Berlin
(Fotograf OTFW)
Hier auf dem Blog ist die Internetseite "Sezession" schon ausreichend gekennzeichnet worden. Auf "Sezession" hat es jüngst wieder einmal einen - nun, reichlich dümmlichen - Blogartikel gegeben ("Out of Africa"). Dieser führte dann zu vielen ähnlich, reichlich dümmlichen Kommentaren (nach 134 wurde diesmal die Diskussion geschlossen, sonst wird doch dort die Diskussion immer schon viel früher geschlossen ... meeeerkwürdig ...!). Doch das Schöne ist, daß sich fast der einzige Lichtblick auf "Sezession", nämlich der Autor Andreas Vonderach, in der Diskussion zu Wort gemeldet hat. Man atmet fast immer auf, wenn man ihn irgendwo liest. Hier sagte er:

Also, daß es in (Schwarz-)Afrika Hochkulturen gegeben hat, ist reichlich übertrieben. Schon im Jungpaläolthikum hinkte Afrika hinter Europa und Asien zivilisatorisch hinterher (z.B. Parzinger, die Kinder des Prometheus). Die Schwarzafrikaner hatten von den antiken Kulturen zwar das Eisen übernommen, befanden sich bis zur Kolonialzeit aber im wesentlichen noch auf neolithischem Niveau, hatten z.B. nur Hackbau und keinen Pflugbau. Auch von nicht-rechten Paläoanthropologen wird in der Anpassung an das kalte Eiszeitklima der entscheidende Entwicklungsimpuls der Menschheit gesehen (z.B. Henke und Rothe), nur wird dabei unterschlagen, daß davon Afrikaner und andere Südvölker eben nicht betroffen waren. Das entscheidende Entwicklungshemmnis Schwarzafrikas ist der niedrige IQ seiner Bewohner, im Durchschnitt 67, mit wenig geographischen Unterschieden.

Andreas weiß selbst, daß der amerikanische Anthropologe Jared Diamond diesen Befund in "Arm und Reich" rein kulturell und ökologisch interpretieren wollte. Dem Diamond wird heute wohl kaum noch jemand folgen, der es ernst meint. Aber selbst diese simplen Sachaussagen werden dann von den weiteren Diskutanten wieder infrage gestellt, zerredet und so weiter. Ach, ihr Jesuiten ... Was soll man denn noch sagen? ... Verblöden tut ihr. Weiter nichts. - Nun, wenigstens einer scheint es dort kapiert zu haben, er nennt sich "Bernhard":

@ Vonderach: Gerne würde ich mehr von Ihnen lesen. Schön, daß Sie sich wenigstens hier immer wieder kenntnisreich einbringen. Volle Zustimmung. Schade, daß Ihre hervorragenden Bücher „Soziobiologie“, „Anthropologie Europas“ und „Völkerpsychologie“ den meisten hier nicht bekannt sind. Das würde die Diskussion befördern, anstatt immer wieder bei Null anzufangen. J. Philippe Rustons „Rasse, Evolution und Vererbung“ (Ares) wäre auch eine gute Grundlage.

Diesem Kommentar ist nichts hinzuzufügen. Er sagt dasselbe was wir sagen: Denn wer immer wieder bei Null anfängt, ist verblödet. Man möchte das Götz Kubitschek und seinen Leuten direkt ins Stammbuch geschrieben haben. Und auch im nächsten seiner Kommentare fängt Andreas Vonderach - man möchte ihn bewundern für seine Engelsgeduld (oder ist es die Geduld des Schlachtviehs, das zum Schlachter geführt wird?) - wieder bei Null an:

Ich glaube, ich muß mal was zur Ehrenrettung der IQ-Tests sagen: die heutigen Intelligenztests sind kulturneutral und fragen kein Wissen oder erlernte Fertigkeiten ab, sondern nur die voraussetzungslose Fähigkeit zum logischen Denken, z.B. Objekte nach ihrer Form sortieren, Zahlenreihen fortsetzen usw. Natürlich gehört zur Urteilsfähigkeit noch mehr als Intelligenz, etwa Erfahrung und Bildung. Den höchsten IQ haben bei uns wahrscheinlich irgendwelche 18jährigen Computerfreaks, denen man sicher nicht viel Urteilsfähigkeit zubilligen kann. Ganz ohne Intelligenz geht es aber auch nicht. Die Schwarzafrikaner bewegen sich mit ihrem IQ noch unter unseren Hauptschülern. Versuche in Amerika mit jahrelanger intensiver Förderung von Schwarzen haben nur einen sehr geringen Anstieg des IQ um wenige Punkte bewirkt, der nach wenigen Jahren wieder verloren ging.

Und dann wird weiter diskutiert und diskutiert und diskutiert. Wie schon seit zehn Jahren. Oder seit vierzig Jahren. Will Kubitschek sein schlechtes Gewissen damit beschwichtigen, daß er so lange darüber diskutieren läßt? Und auch das mußte - typischerweise! und einmal erneut bei Null beginnend - in diesen rechtskatholischen Kreisen wiederholt werden, was nämlich "Bernhard" am 8. August zu sagen hatte:

Die Wortwahl „biologistisch“ ist aus dem Vokabular des politischen Gegners, der damit die Ergebnisse der modernen Humanwissenschaften relativieren und entwerten will. Das ist wie mit der Unterscheidung von „islamisch/islamistisch“ oder „rassistisch“, usw. Hier werden Wörter zu Begriffen, die politisch genutzt werden. „Biologistische THESEN“ ist eine noch grobere Zumutung. Es gibt nur eine Biologie, keine Biologistik. Mit „biologistisch“ wird unterstellt, die Biologie überzubewerten. Im Gegensatz zu was? Im Gegensatz zur kulturmarxistischen Utopie. Die Grundlage unserer Existenz ist nun einmal die Biologie mit ihren mehr oder weniger verwandten Gebieten von der Psychologie über die Soziobiologie bis zur Evolutionsbiologie. und Genetik. Ein realistisches Menschbild muss von der Biologie ausgehen und nicht von kulturmarxistischen Träumereien. Wer „biologistische Thesen“ sagt, diffamiert jene, die im Gegensatz zu linken und liberalen Träumern sehr solide empirisch verifizierbare Grundlagen haben.

Was hatten wir gesagt: Gehe zurück auf Los und beginne bei Null. Wir wiederholen uns: Wir bewundern die Engelsgeduld, die Geduld des Schlachtviehs eines Andreas Vonderach. Das Gebaren der Rechtskatholiken ist schlichtweg nichts anderes als empörend. Daß über solche Dinge überhaupt noch "diskutiert" wird und werden muß. Leider äußert sich Andreas Vonderach in seinem letzten Diskussionsbeitrag unseres Erachtens nach auch zur Sache nicht ausreichend klar genug. Wir sind klarer: Alles deutet darauf hin, daß der Mensch in Gruppen und Völkern evoluiert ist. Das ist auch auf der genetischen Ebene klar aufzeigbar. Zuletzt an den aschkenasischen Juden, die tatsächlich Neuzuwanderer in Europa waren. Aber das gilt für jedes Volk auf der Erde. Es gibt Ethnogenese und es gibt Völkertod. Und dazwischen gibt es das herrliche, stolze, vielfältige Leben der Völker und Kulturen. Weltweit und auf allen Entwicklungsstufen. Und das gibt es, wohin Menschen jemals gekommen sind.

Daraus läßt sich keine Multikulti-Ideologie basteln oder ableiten.

Es kann durch die gegenwärtigen Selektionsprozesse auf der Nordhalbkugel zur Entstehung neuer Völker kommen. Aber völkerlos wird der Mensch nie leben. Woran sollte man das festmachen? Es gibt keinen Hinweis darauf. - Exkurs (21.08.15): Die Kinderseele, so möchte man hier zwischenschiebend einfügen, drängt - sozusagen - nach ihrer eigenen Einbettung in Muttersprache, nach etwas "einheimelndem". Und daraus entsteht dann eben eine neue Muttersprache. Wie wir aus der Sprachforschung (Derek Bickerton) wissen (das hat er an der Entstehung neuer Pigdin-, bzw. Kreolen-Sprachen erforscht), entstehen neue Muttersprachen - und damit Völker - dadurch, daß sich Kinder verschiedener Muttersprache auf dem Spielplatz miteinander verständigen wollen und hierzu eine neue Sprache formen aus den Resten der überkommenen. Diese wissenschaftliche Erkenntnis läßt so tief in die menschlichen Individual- und Gruppen-Psychologie blicken wie selten eine. Alle unsere Muttersprachen könnten Sprachen sein, die Kinder geschaffen haben. Indem wir Sprache benutzen, könnten wir in Verbindung mit der Kinderseele stehen. All das hat viele Implikationen. (Die man - sicherlich - aus der Richtung eines Philosophie und Psychologie der Kinderseele nach Mathilde Ludendorff sehr gut verstehen kann. Wir wüßten jedenfalls keine andere "Theorie", keinen anderen Deutungsrahmen, der das oft beklagte Theoriedefizit auf diesen Gebieten besser ausfüllen könnte.) Exkurs-Ende. - Auch nach dem Untergang des Römischen Reiches, einer multikulturellen Gesellschaft, wie sie sicher weithin als das kulturelle und politische Ideal von heute empfunden wird, haben sich überall wieder Völker gebildet. Das, was wir am Römischen Reich und seiner griechischen Kultur bewundern, ist von Völkern geschaffen worden. Nämlich vom antik-griechischen Volk und vom römischen Volk. Dazu gehören auch so - kein Ironiemodus - herrliche Errungenschaften wie die Demokratie, die Herrschaft eines Volkes durch sich selbst, wie die Republik, wie die Lebensform des Republikaners. Und so vieles andere mehr. (Die Lebensform eines antik-römischen Senators.)

Über derartige Dinge sollte geredet werden. All das sollte geklärt werden. Aber nicht, indem ständig bei Null angefangen wird und man sich - in rechtskatholischen Kreisen - mit dem Biologismus-Vorwurf auseinandersetzen muß. Ekelhaft. Wer tut sich denn so etwas an? Verdummung pur. So wie das in katholischen Kreisen seit zweitausend Jahren betrieben wird und wie es durch den Jesuitenorden systematisiert und "verwissenschaftlicht" worden ist.

Aber übrigens hat offenbar nicht Götz Kubitschek diese Diskussion moderiert, sondern der Autor des Blogartikels Lutz Meyer. Da er keine Ahnung hat von Naturwissenschaft und nur wild im geistigen Raum herumspekuliert, wollen wir ihm die Art seiner Moderation zunächst nicht weiter nachtragen. Und möchten ihn nur bitten, beim nächsten Artikel über das Thema "Out of Africa" zuvor etwas tiefer in der naturwissenschaftlichen Literatur zu recherchieren. Sonst bringt das doch alles nichts. Wirklich! Oder will auch er - bewußt - verblöden? Entschuldigung. Aber das weiß man bei Leuten, wie sie sich dort herumtreiben, nie so wirklich.

(... Und ein Martin Sellner beantwortet Sinnfragen dort weiterhin ohne jeden Bezug zum naturwissenschaftlichen Kenntnisstand unserer Zeit. Er stochert im rechtskonservativen Ideologiegebräu herum wie seit eh und je. Hauptsache beschäftigt, scheint das Motto zu sein. Hauptsache, "sich selber fühlen". Dass es um ganz andere Dinge geht, hat er nicht kapiert. Scheinbar nicht ansatzweise. Dabei ist das Buch von Thilo Sarrazin nun auch schon wieder fünf Jahre alt .... Und es fällt einem zunehmend schwer, an die Echtheit einer solchen Haltung, vorliegend bei einem gebildeten Menschen überhaupt noch zu glauben. Aber es gibt ja genug Naive, denen das egal zu sein scheint ....)

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Labels: Biopolitik, Darwinischer Konservatismus, Neues Deutsches Mittelalter, Rechtskatholisch, Rechtskonservativ, Verdummung

Montag, 24. Oktober 2011

Priesterdiktaturen zwischen Europa und Asien

Keine Parteipolitik ohne Priester, ob in Europa oder im Orient

In Ergänzung zu unserem letzten Artikel über die von zahlreichen Geheimdiensten geduldete, geförderte oder begrüßte "Priesterdiktatur im Iran": Der Politikwissenschaftler Ali Arbia von "Zoon politikon", offenbar ein Schweizer mit doppelter (sprich zusätzlicher tunesischer) Staatsbürgerschaft, hat gerade einen erhellenden Vergleich zwischen der Parteipolitik in der Schweiz und in Tunesien aufgestellt. Fazit: Keine Parteipolitik ohne Priester, ob in Europa oder im Orient. 

Vereint voran für einen "europäischen Islam"!
Daß Priesterkasten nicht im Vormarsch wären, ob im Orient oder bei uns, der Beweis für eine solche kühne These steht also einstweilen immer noch aus. Und wenn sich Herr Winfried Kretschmer und der Papst einig sind darin, daß in Deutschland mit Steuergeldern Islamlehrstühle eingerichtet werden sollten ..., 
Kretschmer: Unseren neuen Tübinger Lehrstuhl, wo Imame und islamische Religionslehrer ausgebildet werden, hat der Papst sehr positiv gewürdigt, weil auch die Hoffnung besteht, dass sich eine Art europäischer Islam entwickeln kann.
... dann sind dem Papst und Herrn Kretschmer wohl ebenfalls Priester lieber als keine Priester, egal welche ...  Und sind ihnen ein europäischer Islam lieber als gar keine Religion!!! Und wo doch die Imame von Indien bis Marokko und Norwegen alle an denselben Gott glauben wie der Papst und Herr Kretschmer - Jehova sei's gepriesen und gepfiffen!

Der Papst und Winfried Kretschmer: Priester zu haben, ist besser als keine Priester zu haben

Aber da wir kürzlich von "vereinnahmenden Synthesen" verschiedener asiatischer und westlicher priesterlicher Bestrebungen sprachen, die auch schon früh in der 1968er Bewegung wirksam waren und bis heute blieben (siehe Anthropophen-Freunde wie Otto Schily, Hans-Christian Ströbele oder Horst Mahler), kann man sich durchaus auch fragen, ob die Vatikantreuen nicht sogar Morgenluft wittern, was die letztendliche - offene, halboffene oder auch nur "unterirdische" - Unterordnung der islamischen Priesterkaste unter die römische betrifft.*)

Würde der Papst denn sonst einen "europäischen Islam" begrüßen anstatt wie frühere Päpste die europäischen Völker gegen den Islam aufzuhetzen? Am Ende hetzt der Papst lieber noch die islamischen Gottgläubigen und Priesterhörigen gegen die europäischen Ungläubigen und Priesterablehnenden auf. Das läge völlig in der Konsequenz von zweitausend Jahren Kriminalgeschichte des Christentums.

__________
*) Und die genannten Anthroposophen-Freunde erinnern in diesem Zusammenhang auch in vielerlei Hinsicht an "vereinnahmende Synthesen" gegenüber der tibetischen Priesterkaste, bzw. von seiten derselben, einer Priesterkaste, die nicht nur bei Jörg Haider auf viel Verständnis traf und trifft.
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Donnerstag, 23. September 2010

Neues deutsches Mittelalter - SPD und Kirche auf einer Linie in Sachen Sarrazin

Deutschland heute: Einmal Klappsmühle und zurück

von Haeftens Blog hat recht (über Feuerbringer) (Hervorhebung nicht im Original!):
(...) Das Interessante an dieser Sarrazin-Klatsche (...) ist aber nicht die Einigkeit der sich ansonsten heftigst bekämpfendenen Beteiligten, sondern es sind die aus dem Mittelalter stammenden wissenschaftsfeindlichen Argumente, die die Protagonisten der Sarrazinhasserszene in die Nähe von Bischöfen, Päpsten und Theologen rücken. Ohne daß sie es merken, bedienen sich Gabriel, Künast und die zahllosen anderen in den Talkshows sich ereifernden Gutmenschen einer Sprache, die man eigentlich eher aus Interviews mit bischöflichen Würdenträgern oder katholischen Chefärzten ([13],[14]) gewohnt ist. (...)

Wer also behauptet, daß "Menschen genetisch disponiert sind und bestimmte Verhaltensweisen sich nicht etwa kulturell vererben, sondern genetisch, biologisch", wer also nur das wiedergibt, was schon seit Jahrzehnten von der Wissenschaft bestätigt wird, der wird aus der SPD ausgeschlossen. Und falls er noch nicht aus der Kirche ausgetreten ist, von Bischof Müller exkommuniziert. (...)

In der Tat: daß Intelligenz vererbt wird, lernt man an der Universität schon im dritten Semester Psychologie [12]. Auch wer Germanistik, Theaterwissenschaften oder Politik studiert und später als SPD-Vorsitzender oder Fernsehmoderator anderen Leuten Rassismus vorwirft, sollte doch in der Lage sein, sich vorher zu informieren, z.B. indem er die 35 Seiten des Kapitels 4 mit dem Titel "Der begrenzte Einfluß der Erziehung auf die Intelligenz (IQ)" im Buch des amerikanischen Psychologen David C.Rowe liest [3].
Und Andreas Müller (Feuerbringer) ergänzt *):
Politiker können problemlos die ignoranten Thesen von Kirchenmännern und Marxisten über Vererbung und Intelligenz vertreten, ohne dass es irgendwelche Folgen hätte.
"Die aus dem Mittelalter stammenden wissenschaftsfeindlichen Argumente"

Und ganz richtig zitiert Müller auch einen früheren Beitrag von von Haeften zu dem Wissenschafts-Journalisten Jörg Blech im "Spiegel":
Offenkundig hat dieser Autor nicht die allergeringste Ahnung von den Ergebnissen der Intelligenzforschung. Intelligenz gehört seit mehr als hundert Jahren zu den am intensivsten erforschten Konzepten der Psychologie und anderer Wissenschaften und sämtliche ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Befunde belegen eindeutig, dass die Intelligenz eine ganz substanzielle biologische Basis hat. Die empirischen Belege sind zahllos. Es gibt kaum einen Befund aus der psychologischen Forschung, der in vergleichbarer Weise durch empirische Daten gestützt wird. – Da hilft es auch nichts, dass Journalisten, Politiker und andere gebetsmühlenartig immer und immer wieder das Gegenteil behaupten.
- Edelkatholiken von der CDU fallen angesichts der derzeitigen Debatten sowieso nur noch in Gehirnstarre. Überextatisch erregt fällt ihnen nur noch eine Rettung ein, eine total idiotische, wie sie tiefer aus dem Mittelalter wohl gar nicht hervorgezogen werden könnte:
"Katholische Einwanderung fördern!"
Wolfgang Böhmer, seines Zeichens Ministerpräsident eines Bundeslandes, das im Osten heute an das katholischste Land Europas grenzt sagte da (laut Hamburger Abendblatt, 18.9.10, a):
Familienbildung kommt immer mehr aus der Mode. Die Deutschen bekommen zu wenige Kinder. Die Geburtenrate ist so weit gesunken, dass wir ohne Zuzug von außen eine langsam absterbende Bevölkerungsgruppe wären. Deutschland ist angewiesen auf Zuwanderung aus Gegenden, in denen es noch zum Lebensverständnis gehört, Kinder zu bekommen. Dabei denke ich vor allem an sehr katholische Regionen.
Wem es da nicht hochgradig im Gehirn ballert. Boleslaw Chrobry, der tapfere mittelalterliche Streiter für den rechten Glauben, läßt grüßen. Und was werden wir wohl alles noch vom mittelalterlichen Engel Gabriel hören? "Katholiken sind die besseren SPD-Wähler," wir er vielleicht bald tönen. "Ist nicht 'Solidarnosc' auch ein katholisches Phänomen?" (oder so, ähnlich ...) ... Deutschland heute: Einmal Klappsmühle und zurück.

Und wie Faust auf Auge paßt zu all dem die neue Meldung "Deutschland schafft sich nicht ab - meint die Bertelsmann Stiftung". Die darf ja nicht fehlen bei der Ausgestaltung des Projektes "Neues deutsches Mittelalter 2.0".

_______________
*) Interessant übrigens, wie leicht widersprüchlich Andreas Müller noch gegenüber den amerikanischen "Rasse-Realisten" herumzackert. Da will er sich lieber "als Versuchskaninchen für Bio-Kampfstoffe zur Verfügung" stellen, als die Ansichten der "Rasse-Realisten" zu vertreten. Dabei tut das jeder, der die Erblichkeit der Intelligenz anerkennt. - Naja, ein bischen Furcht muß man ja doch auch noch haben, selbst als "Ritter ohne Furcht und Tadel" in Sachen "Aufklärung 2.0", der die Aufklärung gerne mit der Waffe in der Hand am Hindukusch verteidigen läßt (- von anderen, versteht sich ...).
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Mittwoch, 22. September 2010

"Christlich inspirierte Politiker und Multikulti-Romantiker sorgen für die Abschaffung unserer Grundwerte." (TAZ)

"Die Zeit wird katholisch"

In der TAZ wird davon berichtet, daß der katholische "Rheinische Merkur" künftig seine Leserschaft erweitert, indem er äußerlich seine Selbständigkeit aufgibt. Er erscheint künftig als allerliebst-christliche Beilage der sich äußerlich aufgeklärt gebenden Wochenzeitung "Zeit". Das bedeutet für den "Rheinischen Merkur" eine Auflagensteigerung von 35.000 auf nicht weniger als 500.000. Haben se' ja wieder gut hingekriegt, die Pfaffen. Die ideologischen Oberlehrer und die christlichen Pfaffen wieder einmal in der schönsten Harmonie. Ein "T. Oleranz" schreibt darüber in einem Leserkommentar in der TAZ:
Toleranz! Von Toleranz handeln fast alle Artikel, die in der ZEIT über Religionen und deren gewaltbereiten und gewalttätigen Gläubigen berichten. Wer als Christ weiterhin seine Macht nicht verlieren will, muss auch dem Islam und andere gewaltbereiten Ideologien (solange diese sich den Namen "Religion" geben) tolerieren und Toleranz predigen. Und das tun die Priester und christlichen Journalisten auch tagtäglich.
Weiter der Herr T. Oleranz:
So sind sie bereit Freiheit, Demokratie und Menschenrechte zu opfern. Sie haben diese Werte ja auch nicht erfunden. Der Papst hat die Charta der Menschenrechte gar nicht erst unterschrieben. Warum auch?

Der ZEIT-Leser hält sich gern für aufgeklärt und erhält als Gratis-Beilage bereits die christliche Zeitschrift CHRISMON. Nun kommt noch der katholische MERKUR dazu. Viel Spaß beim Lesen und sich dabei modern-gläubig Fühlen.
Und dann noch deutlicher (Hervorhebung nicht im Original):
Für die Abschaffung unserer Grundwerte sorgen: christlich inspirierte Politiker, Multikulti-Romantiker, Priester, Islam-Vertreter, TV und Printmedien sowie ein manipuliertes Volk aus Gläubigen, die sich für alles stark machen, was sich religiös nennt und einem gleichgültigen Rest-Volk.
Nicht schlecht analysiert ... Und ein Jens Schmidt schreibt dazu auf der Facebook-Seite des Humanistischen Pressedienstes:
und Tschüss, die Pfaffenpropaganda wird trotzdem weiterhin in den Medien überrepräsentiert bleiben.
Dem ist wohl nur noch hinzuzufügen, daß zwei TAZ-Leser meinen, daß der Rheinische Merkur doch wesentlich besser bei der "Jungen Freiheit" aufgehoben wäre. Aber sie wissen ja nicht, wie sehr Pfaffen auf die Auflage schielen und wie wichtig es nicht nur rechten, sondern auch linken Ideologen - mitunter - ist, "dem Volke die Religion zu erhalten" ...

Ergänzung 29.9.: Witz komm raus, Du bist umzingelt (Finanznachrichten 29.9.):
... Nach dem Aus des Rheinischen Merkur ist die JUNGE FREIHEIT die zweitgrößte politische Wochenzeitung auf dem deutschen Markt und die einzige mit einem dezidiert konservativen Profil. Im Zuge der Blattreform wurde der Umfang der Zeitung um 20 Prozent erweitert und die Redaktion personell verstärkt. Somit werden nun neben dem inhaltlichen Ausbau der vorhandenen Rubriken auch neue Themengebiete erschlossen.
Peter Brandt, der Sohn von Willy Brandt ist dabei. Im Klartext: Die christlich-bigotte Presse expandiert auf allen Fronten.
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Montag, 8. März 2010

Katholisches Innenleben in moderner Zeit

Die fremde Welt des Katholizismus

Die Welt des Katholizismus und der Jesuiten ist vielen Menschen eine so fremde, daß man leicht unterschätzt, welche Bedeutung die Dinge, die hier vorgehen, für die gesamte Gesellschaft haben oder doch haben können.

Und zwar immer noch, trotz all der Kirchen- und Religionskritik der letzten Jahrzehnte, trotz all der massiven Kirchenaustritte, trotz all des Priestermangels auf der Nordhalbkugel dieser Erde.

In der Fernsehunterhaltung spielen überzeugtere Katholiken fast eine dominierende Rolle, wie wir schon in früheren Beiträgen zum Thema "Sacro pop" aufgezeigt haben. Und man kann von hier darauf schließen, daß dies auch an vielen anderen Stellen der Fall sein wird.

Und spätestens seit Richard Sosis wissen wir: religiöse Institutionen wie die katholische Kirche haben ein viel zäheres Leben als atheistische Institutionen, als etwa jener Marxismus-Leninismus in Osteuropa und weltweit bis 1989. Letzterer ist längst zusammengebrochen. Wo findet er in heutiger Zeit noch überzeugungsfestere Vertreter?

Das zähe Leben der katholischen Kirche 

Und hätte man nicht ähnliches längst auch vom Katholizismus erwarten können angesichts der grenzenlos-hoffnungslosen Unangepaßtheit der katholischen Lehrinhalte, der katholischen Moral und eines traditioneller katholischen Lebensstils innerhalb der heutigen Zeit?

Und dennoch quält sich das Leben dieser reptilienhaften, Jahrtausende alten Institution in ganz merkwürdigen, schillernden Erscheinungen weiter fort in der Weltgeschichte.

Aber genau dieser Umstand ist es, der zu würdigen ist und der zunächst einmal auch nur erst in seinen Ursachen und von seinem Wesen her gültiger zu verstehen ist.

Erinnerungen eines Jesuiten-Schülers (2004) 

Gerade aus diesem Grund wird man ein Buch wie jenes von Miguel Abrantes Ostrowski (geb. 1972) ("Sacro pop - Ein Schuljungen-Report", 2004) über seine Erinnerungen an einem jesuitische Elite-Internat zwischen 1981 und 1991 gerade auch für Nichtkatholiken und für solche Katholiken, die vielen Erscheinungen innerhalb des Katholizismus kritisch gegenüber stehen, zur Lektüre sehr empfehlen müssen (1).

Abb. 1: Jesuiten-Schüler Miguel Abrantes Ostrowksi, geb. 1972 (Schauspieler, Buchautor)

Leider "müssen". Nämlich nicht deshalb, weil man seinen Mitmenschen damit irgend eine erbauliche Lektüre empfehlen kann. Sondern weil man an solchen Erinnerungen lernt, welche Psychologie offenbar hinter dem Verhalten vieler überzeugterer Katholiken auch heute noch steht oder stehen kann. Fast hat man das Gefühl, daß der Katholik Abrantes Ostrowski gar kein Gefühl mehr dafür hat, von welchem Ausmaß an Unmoral er in seinen Erinnerungen Kenntnis gibt. Und wenn er es haben sollte: Warum äußert sich dann von seiner Seite aus nirgends deutlicheres Entsetzen über dieselbe? Warum bestimmt stattdessen nur eine so süßlich-zynisch-wohlwollende Stimmung all seine Erinnerungen, mag da das Ungeheuerlichste erzählt werden, was immer möglich ist und in einer Sprache, die abgebrühter nicht sein kann?

In seiner Sprache: Er berichtet von einem Schülerleben zwischen Messen und F- - -.

"Spannung zwischen Askese und Weltbejahung" 

Nach dem, was man zuvor schon über diese Erinnerungen gelesen hatte, etwa in der TAZ (TAZ2005), war man eigentlich davon ausgegangen, daß sich Abrantes Ostrowski längst von der katholischen Kirche abgewandt hätte. Das scheint aber keineswegs der Fall zu sein. Auf Seite 55 berichtet er:

Kürzlich bei der Priesterweihe eines guten Freundes ...
- Daß jemand, der der Kirche ablehnend gegenüber steht, einen guten Freund hat, zu dessen Priesterweihe er geht, wird man nicht gerade für den "gewöhnlichsten" Fall halten. Und dementsprechend heißt es dann auch weiter:
... sang der Vorsänger mehr als zwanzig Minuten eine Aufzählung aller Heiligen: Heiliger Hieronymus, (Alle) bitte für uns - Heilige Barbara, (wieder Alle) bitte für uns ... Konsequenterweise müßte ich eigentlich das gesamte Programm aufzählen. (...) Aber ersparen wir uns die schönen Namen aller heiliggesprochenen Personen. Ja, so eine Priesterweihe ist schon etwas ganz Besonderes, ein Muß für jeden Liebhaber endloser Zeremonien.

Daß er selbst die Liebe zu solchen Zeremonien in seiner zehnjährigen Internatszeit mit all ihren Meßbesuchen verloren hätte, hört man bei Abrantes Ostrowski an keiner einzigen Stelle.  

Abb. 2: Die endlose Zeremonie der Priesterweihe: 2009 in St. Blasien

Hingegen gibt er in einer fünfseitigen (!) kleingedruckten Fußnote ausführlich und ganz sachlich-unkritisch-wohlwollend Auskunft über das Leben des Ordensgründers der Jesuiten, des Ignatius von Loyola. Und dann folgt das Resümee:

Ignatius ist es gelungen, in seiner Person die Spannung zwischen Askese und Weltbejahung, innerlichem Gebet und aktivem, öffentlichen Engagement auszuhalten und fruchtbar zu machen.

Vielleicht sollen wir auch die Schulerinnerungen von A. Ostrowski zwischen - Messen und F--- - als Ausdruck einer solchen "gelungenen Spannung" lesen? Erinnerungen, in denen aber - die TAZ gibt das richtig wieder - ständig nur von Pimmeln, von Ficken, von Schwänzen, von Frauen-Flachlegen und ähnlichen Dingen die Rede ist? (Leider müssen wir diese flache Redensweise selbst übernehmen, um überhaupt deutlich zu machen, wovon hier die Rede ist. Es wird also deutlich, wie die Hände aussehen, wenn man ein solches Buch anfaßt.)

Abb. 3: Jesuitische Priesterweihe in St. Blasien 2009

Jedenfalls folgen noch weitere Lobpreisungen des Ignatius in dieser Art. - War dieser "Schuljungenreport", so stellt sich beim Lesen dieser Abschnitte die Frage, schon im Jahr 2004 die Vorausnahme der (Selbst-)Kritik früherer jesuitischer Erziehungspraktiken bei gleichzeitiger Beibehaltung des Kerns der "ignatianischen Botschaft", so wie das jetzt von den Jesuiten selbst - nur leicht seriöser - auch ganz offiziell betrieben wird? Sieht eigentlich Abrantes Ostrowski an seiner Schulzeit irgendetwas wirklich Kritikwürdiges? Oder überall nur Sünden, die leicht vergeben werden können? Letzteres ist das Naheliegendste. Aber glaubt man denn, das ließe sich eine kritische Öffentlichkeit einfach alles so unwidersprochen bieten? Einen solchen Sumpf voll Unmoral?

Weltoffene, moderne, zeitgemäße Jesuiten - ? 

Jedenfalls: Unter derartigen Blickwinkeln nimmt das Thema "Sacro pop" ständig neue, ständig größere Dimension an. Es bläht sich vor unserem Augen auf zu einem immer größeren Untier, Monster. Weil sich einfach die Frage stellt: Was glauben überzeugtere Katholiken eigentlich alles, was weniger überzeugte Katholiken an ihrem Glaubensleben noch gut finden sollen? Etwa eine gelungene Spannung zwischen Messe-Gehen und F---? Welche Erwartungen bestehen da? Sollen wir es jetzt toll finden, in welcher Sprache da Jungen untereinander auf Jesuiten-Internaten "Thema Nummer eins" behandeln, in einer Sprache, die dem Autor dieser Zeilen in seiner Gymnasialzeit selbst zum Glück nie begegnet ist (außer in der Verfilmung der Blechtrommel von Günter Graß), und der er in seiner Bundewehrzeit so weit als möglich aus dem Weg ging - was leider in der Tat nicht immer möglich war - ? Jesuiten? Bundeswehr? Bestehen da immer noch Parallelen?

Es braucht einen guten Magen zum Verdauen, wer sich mit all diesen Dingen beschäftigen will.

Vielleicht ist ja der "gute Freund", der da zum Priester geweiht wird, nun, ... der Beichtvater von Abrantes Ostrowski? Und er - oder andere "gute Freunde" (... SJ) - haben ihm vielleicht gut zugeredet, seinen "Schuljungenreport" doch zu veröffentlichen? Als Zeichen dafür, wie "weltoffen", aufgeschlossen, modern, zeitgemäß man als Katholik in der heutigen Welt leben könne - zwischen Messe-Gehen und ... - und wie so ganz und gar "modern", "weltaufgeschlossen" und "zeitgemäß" es auf Jesuiten-Internaten zugehen würde?

Es muß guttun - und Abrantes Ostrowski scheint es noch heute gut zu tun -, auf die eingeschworene Gemeinschaft katholischer Schüler und auf eine Schulkameradschaft zurückzublicken, eingeschworen in den ähnlichen Sünden (bzw. "Sünden"), die man als Schüler beging und die man gegenseitig voneinander wußte, eingeschworen in der ähnlichen Haltung des halboffenen Verschweigens dieser Sünden in der Beichte, eingeschworen in der ähnlichen Haltung des Wissens, daß praktisch jede Sünde auch vergeben werden kann und vergeben wird, solang man nicht von der Schule fliegt ... 

Und so wird auch die Sünde des Veröffentlichens dieses "Sündenreportes" schon längst wieder vergeben worden sein ..., so wird man einmal ganz unbedarft als Nichtkatholik vermuten. Denn auch zum Thema Beichte hören wir von Abrantes Ostrowski sehr ähnliche Töne, wie wir sie schon von dem Jesuitenschüler Matthias Matussek gehört hatten:

Ich fand es immer bemerkenswert, mit welcher Leichtigkeit einem bei Messen (...) Sünden vergeben wurden. (...) Machen es sich die die Katholiken nicht ein bischen einfach? Ich sage: Nein! Denn auf diese Art werden nur kleine Sünden, bzw. klitzekleine Sündchen vergeben.

Man achte zunächst einmal auf den Widerspruch zwischen dem Eingangssatz und den Folgesätzen. Vielleicht sagt dem Herrn Abrantes Ostrowski eine innere Stimme doch noch etwas anderes zu der Leichtigkeit der Sündenvergebung. Aber sonst: So, so. Oh, du himmlische Güte: klitzekleine Sündchen sind also Gegenstand der erhabenen, katholischen Messe? So genau hatte man es nun auch wieder nicht wissen wollen. - Aber folgen wir Ostrowski weiter:

Die wirklich schweren Todsünden (...)

- also laut Wikipedia: Mord, Ehebruch und Glaubensabfall, klar, Glaubensabfall ist eine Todsünden, wir halten das einmal fest, so schlimm wie Mord:

kann man nur bei einer persönlichen Beichte loswerden.

Aber "loswerden" kann man sie auch! Klar! Beichten, wieder gläubig werden - und alles ist OK. Und: Mord, Ehebruch und Glaubensabfall - das sind also jene Bereiche, wo es sich auch ein Katholik "nicht leicht" machen soll. Und bei allen anderen dann also wohl schon. Das scheint auch in der Tat dem Handeln der gegenwärtigen Verantwortlichen in der katholischen Kirche zu entsprechen. Hier scheint sowieso überhaupt niemand wirklich zu Verantwortung fähig zu sein. Bis zu höchsten Erzbischöfen hinauf, die sich alle innerlich sagen: Ist schon vergeben in dem Augenblick, in dem ich meine Sünde ausspreche ...

Ist das Abnehmen von Kinderbeichten eine Straftat? 

Freilich: Warum eigentlich aussprechen? Auch hier weiß Abrantes Ostrowski Bemerkenswertes hinsichtlich Beichtpraxis auf dem Jesuiteninternat mitzuteilen: Klug war es auf der Schule, so sagt er, einerseits nicht die schlimmsten und andererseits nicht die harmlosesten "Sünden" zu beichten, sondern irgend etwas "dazwischen", damit die Beichtväter etwas zu hören bekamen und irgendeinen "Ernst" heraushörten - aber eben doch nicht gerade so, daß es für einen selbst wirklich nachteilig werden könnte. Denn schließlich wäre auch nicht sicher gewesen, ob das Beichgeheimnis wirklich eingehalten worden wäre.

Haben alle diese Dinge noch etwas mit humaner, menschenwürdiger Pädagogik zu tun, die den Menschen in seiner Eigenverantwortung wirklich ernst nimmt? Oder sagt nur niemand etwas gegen eine solche "Pädagogik", weil man sie schon seit vielen hundert Jahren so gewohnt ist?

- Das ist doch alles tiefste Unmoral. Muß man das noch erklären? Das ist einfach alles nur: gräßlich, gräßlich, gräßlich. Auf dieser Unmoral im Wechselspiel zwischen Sünden, Beichten und Vergebung scheint der gesamte Katholizismus und all das Anrüchige, das damit verbunden ist, zu beruhen. All das mangelnde Verantwortungsbewußtsein, das überall stärker ausgeprägt scheint als innerhalb der katholischen Kirche, wenn es um bestimmten Gebiete geht. Wobei dann noch hinzutritt, was unter "Sünde" verstanden wird: Natürlich Sexual- und Frauenherabsetzung größten Ausmaßes.

Dem Autor dieser Zeilen sind Veröffentlichungen über eine würdige, weder irgendwie übersteigerte, noch irgendwie gar zu absprechende Wertung des menschlichen Geschlechtslebens aus den letzten Jahren aus dem katholischen Raum kaum bekannt geworden. Man kann diesbezüglich eine Autorin wie Christa Mewes sehr schätzen gelernt haben. Aber sie ist erst sehr spät zum Katholizismus übergetreten und ist Schülerin des Evolutionären Psychologen Konrad Lorenz.

Nur zwei Möglichkeiten der Haltung gegenüber der Geschlechtlichkeit? 

Aber was schreiben, reden und tun da heute eigentlich Jesuitenschüler oder tiefer im Katholizismus verwurzelte Menschen vom Schlage Miguel Abrantes Ostrwowski (geb. 1972), Stefan Raab (geb. 1966), Daniel Kehlmann (geb. 1975), Matthias Matussek (geb. 1954), Harald Schmidt (geb. 1957) ...? Offenbar scheint es in vielen Kreisen überzeugterer Katholiken, ob nun Laien oder Priester, nur zwei Möglichkeiten zu geben, insofern es um die Geschlechtlichkeit des Menschen geht:

  1. entweder gar nicht davon reden, sie tabuisieren, sie als Feind christlicher Gläubigkeit zu betrachten, als etwas Sündiges, Abzulehnendes, Ungeistiges oder aber 
  2. wenn man davon redet, wie in der Fülle eines Wasserfalles von ihr ständig nur in der aller absprechendsten Weise zu reden, so daß man geradezu zum Vorreiter und Einpeitscher des abgebrühtesten, denkbar zynischsten Zeitgeistes auf diesem Gebiet wird.

Zeigt einem Miguel Abrantes Ostrowski in seinem "Schuljungen-Report" auf, daß er während seiner zehnjährigen Zeit am Jesuiten-Internat auch nur in irgendeiner Weise zu einem würdigen Umgang, ja, überhaupt nur zu einem würdigen Sprechen über seine eigene Geschlechtlichkeit hingefunden hätte?

Und zeigt das einer der vielen anderen Jesuiten oder Jesuiten-Schüler oder bekannteren, überzeugteren Katholiken auf, die man bei längerem Umhersuchen gefunden hat? Wie ist das etwa bei Daniel Kehlmann? Warum findet man in seinen Roman "Die Vermessung der Welt" über Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt so viel Absprechendes über viele idealere Lebensinhalte, die ja gerade diese beiden Persönlichkeiten so ausgesprochen verkörperten? Warum ist ihm ganz entgangen, welche hohe Auffassung etwa Carl Friedrich Gauß von den Frauen hatte, mit denen er verheiratet war, vom Geschlechtsleben überhaupt?

Nein, an seiner katholischen, jesuitischen Erziehung wird es gewiß nicht liegen - ? Oder etwa doch? An was denn eigentlich sonst? Sind die Gemeinsamkeiten, die hier zutage treten, nicht allzu deutlich?

"Sex-Messen"? 

Der Königsweg, den es hinsichtlich von Geschlechtlichkeit ja nun einmal auch noch gibt im menschlichen Leben, einfach nämlich, "das Beste", das wirklich Allerbeste daraus zu machen - und natürlich wird das jeder Mensch in seinem Sinne verstehen dürfen - aber niemandem scheint dieser Königsweg krasser kaputt gemacht worden zu sein, als einem von Jesuiten oder von bewußteren Katholiken erzogenen Menschen. Man zeige doch einfach Gegenbeispiele auf, die diese These korrigieren würden. Gibt es edle, astreine Menschen unter den heutigen Katholiken? Ist es der Papst? Sind es die Bischöfe?

Findet man Menschen, die einfach nur anständig sind auf diesem Gebiet? Und von denen man nach jeder Richtung hin durch und durch Anständiges hört?

Pater Löwenstein, noch vor kurzem Leiter der katholischen Studentengemeinde in Frankfurt am Main, lädt Pornoproduzenten zu Gesprächsrunden mit Studenten ein. Er hätte wirklich nichts Besseres zu tun? Wirklich nicht? Warum hört man von ihm nichts Besseres gerade zu dieser zentralen, wesentlichen Thematik? Warum berichtet die "Bild"-Zeitung nur über einen solchen Quark? Hat sie von Pater Löwenstein nichts anderes zu hören bekommen?

Und was erfährt man aus den USA? Auf vielen katholischen und jesuitischen Universitäten in den USA ist offenbar in den letzten Jahren mit besonderer Inbrunst das Theaterstück "Vagina-Monologe" aufgeführt und besucht worden (Good Jesuit - Bad Jesuit, 7.2.08):

Mehr als die Hälfte aller (Schulen und) Hochschulen, an denen das Theaterstück "Vagina-Monologe" aufgeführt wurde, waren solche von Jesuiten.
More than half of the colleges hosting the play in 2008 are Jesuit.

Welchen Sprung haben diese Leute in der Schüssel, fragt man sich bei Zurkenntnisnahme einer solchen Meldung. Oder erinnern diese "Vagina-Monologe" die Jesuiten einfach nur an die Auszüge der Beichtmoral des Alfons von Liguori? Man weiß so wenig! (Man will es womöglich auch gar nicht wissen! Zu viel Widerwille hemmt einen ...)

Aber hat man als Jesuit und überzeugungsfesterer Katholik wirklich nichts Besseres zu tun, als solche Theaterstücke zu feiern? Was sollen derartige Verhöhnungen? Verlese man doch gleich die Vagina-Monologe in seinen Messen. Um es klar genug werden zu lassen für alle abergläubischen Katholikenkritiker, wie sehr Satanas anstelle von Gott in der Kirche den Platz eingenommen hat? 

/ Ergänzung 31.12.2021: Man weiß einfach keine Worte zur Kennzeichnung mehr und erinnert sich bei diesem Anlaß daran, daß wir zwischenzeitlich auf diesem Blog viele Hinweise darauf gesammelt haben, daß zumindest innerhalb von inneren Zirkeln des Jesuitenordens und womöglich schon spätestens seit dem 18. Jahrhundert elitärer Satanismus betrieben wird. Z.B. Cathy O'Brien hat darüber berichtet, die in einer katholischen Familie aufgewachsen ist, die direkt neben einer Freimaurerloge wohnte (und so weiter). /

Auswirkungen auf machtpolitisches Handeln? 

Warum nun aber ist dieses moralische Herabzerren möglicherweise auch politisch und auf dem Gebiet der Machtpolitik von so großer Bedeutung?

Nun, es könnte durch dieses moralische Herabzerren eine Aversion unter bewußteren Katholiken und insbesondere Jesuiten erzeugt werden oder erzeugt worden sein. Da sie selbst keinen würdigen Umgang mit ihrer Geschlechtlichkeit leben können, da man deshalb mit sich selbst zynisch umgeht, neigt man möglicherweise auch dazu, anderen Menschen gegenüber zynisch entgegenzutreten. Mit Aversionen. Mit instinktiver Ablehnung. Man könnte andere Menschen als eine Gefahr für den eigenen Seelenzustand empfinden.

Andere Menschen sehen vielleicht mit Distanz, ja, Abscheu und Ekel auf diese innerseelischen Zustände bei solchartig katholisch verwurzelten Menschen. Man könnte das als ein so von Kindesbeinen an mißbrauchter Katholik empfinden, diese Aversion, die einem entgegen gebracht wird. Und insofern man sich bewußter festgelegt hat auf den katholischen Glauben, der einem von Kindesbeinen an gelehrt worden ist, könnte man aus dieser Festlegung, aus dieser Starre heraus auch heftige Ablehnung gegenüber Menschen entwicklen, die über all diese Dinge ganz anders denken. Und die auf diesen Gebieten anders handeln.

Man käme damit zur berühmten "Psychologie des Ressentiments", die auf Friedrich Nietzsche zurückgeht, und über die man so manches auch bei Peter Sloterdijk nachlesen kann. Nietzsche (Wiki):

Während der vornehme Mensch vor sich selbst mit Vertrauen und Offenheit lebt (...), so ist der Mensch des Ressentiment weder aufrichtig, noch naiv, noch mit sich selber ehrlich und geradezu. Seine Seele schielt; sein Geist liebt Schlupfwinkel, Schleichwege und Hintertüren, alles Versteckte mutet ihn an als seine Welt, seine Sicherheit, sein Labsal; er versteht sich auf das Schweigen, das Nicht-Vergessen, das Warten, das vorläufige Sich-verkleinern, Sich-demütigen.

/ Einschub, 31.12.2021: Was für treffende Worte von diesem großen Psychologen Friedrich Nietzsche, was für treffende Worte. Wer mit solcher Jesuiten-Moral schon im eigenen Leben persönlichere Erfahrungen sammeln "durfte", der weiß sofort - sofort - wovon hier die Rede ist. Er weiß es sofort. /

Oh, Nietsche, großer Psychologe, von so großer Aktualität bist du noch heute.

Aber immer dann, wenn man dieses Ressentiment in heutiger Zeit äußerlich und ehrlich zeigt - der Papst Ratzinger und der Bischof Mixa zeigen es ja auf -, weckt man nur Gegenkräfte. Das wissen der Jesuitenorden und die katholische Kirche aus vielhundertjähriger Erfahrung. Und sie wenden diese Provokation des Zeigens ihrer Aversion, ihres Ressentiments, ihres Mißtrauens, ihres Hasses auf die moderne Welt deshalb auch immer nur "wohldosiert" an. Aber sie steht ihnen jederzeit psychologisch zur Verfügung, da dies die Gefühle sind, aus denen dieser Glaube lebt.

Die Psychologie des Ressentiments 

Ansonsten verbirgt man natürlich diese Aversionen und Ressentiments sehr häufig und sehr bewußt. Aber heißt das, daß man denselben deshalb auch im Geheimen, wo man ihnen nachgehen könnte, in Intrigen hinter den Kulissen, nicht Raum geben könnte? Wo man doch so häufig als katholische Kirche über Macht und Einfluß verfügt?

Alles das sind Gedanken, die sich aufdrängen, wenn man ein solches Buch wie "Sacro pop" von Ostrowski liest (1). Man fühlt sich an den süßlich-zynischen Gesichtsausdruck eines der großen Morallehrer des Jesuitenordens und der katholischen Kirche erinnert, den er auf vielen "Heiligenbildern" zeigt, man fühlt sich erinnert an Alfons von Liguori: 

Abb. 4: Alfons von Liguori

Auf Wikipedia liest man zur Kritik der Moraltheologie von Liguori (Wiki):

Liguoris Moraltheologie hat bis zum heutigen Tage einen großen Einfluß insbesondere auf die weltweite Beichtpraxis katholischer Priester. In diesem Zusammenhang wird der Umgang mit Minderjährigen und sexuell noch unerfahrenen Menschen kritisiert, die von manchen Beichtvätern zur Beschäftigung mit "sündigen Gedanken und Taten" geradezu gedrängt würden. Dies verstoße gegen die sexuelle Selbstbestimmung und grenze an eine strafbare Handlung. Der Umgang mit diesem Problem wird insbesondere unter Sexualwissenschaftlern diskutiert.

/ 11.8.2025: Diese Passage zitierten wir 2010 von Wikipedia.  Heute findet sich diese Passage dort so nicht mehr. Stattdessen findet sich die Aussage:

Robert Grassmanns Broschüre "Auszüge aus der von den Päpsten Pius IX. und Leo XIII. ex Cathedra als Norm für die Römisch-katholische Kirche sanktionierten Moraltheologie des Heiligen Dr. Alphonsus Maria de’ Liguori und die furchtbare Gefahr dieser Moraltheologie für die Sittlichkeit" (Stettin 1894) war um 1900 und danach in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitet.

Nach dem heutigen Artikel wurde die Liguori-Moral also insbesondere 1894 kritisiert. Das wäre dann ja lange her ... ;-) /   

Abb. 5: Alfons von Liguori

/ Ergänzung 31.12.2021: Ein Problem moderner Wissensgesellschaften ist das folgende: Werden Menschen auf die Auseinandersetzung mit diesen Themen gestoßen, werden sie aufgeklärt darüber, ist ihre Reaktion eine ganz klare. Heute noch mehr als etwa vor fünfzig oder hundert Jahren. Aber im heutigen moralischen "Delta der Beliebigkeit" formt sich aus dieser Haltung keine klare gesellschaftliche Haltung mehr gegenüber der Existenz solcher verbrecherischer Psychosekten wie dem Jesuitenorden. Diese Psychosekten können fröhlich weiter existieren als würde es gar keine Verbrechen in ihnen geben. Da waren viele Staaten des 19. Jahrhunderts deutlich fortschrittlicher als die heutigen Staaten des 21. Jahrhunderts. Obwohl sie noch so viel weniger "wußten" über die internen Verbrechen des Jesuitenordens. Aber das wenige reichte ihnen schon. Weil sie einfach über klare Haltungen in bestimmten Fragen verfügten.

Das heutige "Delta der Beliebigkeit" wirkt sich also auf den Fortbestand solcher einflußreicher Psychosekten günstig aus. Sie müssen ein Interesse an dem Fortbestand dieses für sie günstigen gesellschaftlichen Klimas haben. Und genau so sieht unsere Welt auch aus. /

/ Überarbeitet: 31.12.2021 /

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  1. Ostrowski, Miguel Abrantes: Sacro pop. Ein Schuljungen-Report. Klartext, Essen 2004
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Labels: Jesuiten, Katholisch, moralisches Herabzerren, Neues Deutsches Mittelalter, Sacro pop

Freitag, 5. März 2010

Ein Blick ins Gruselkabinett des Katholizismus

Oder: Von der Trennung der katholischen "Seele" vom "unreinen", weltlichen, "schmutzigen" Körper
Oder: Katholische und jesuitische Jugenderziehung live - im Jahr 2010 im WDR

Im WDR hat Ende Februar Martin Bachmann viele Verantwortliche im Bereich der katholischen und jesuitischen Jugend- und Schulerziehung vor der Kamera interviewt.
--> WDR Spezial, 21.2.10, über Jesuiten-Erziehung
Keiner der hier Interviewten macht einen wirklich kompetenten, glaubwürdigen Eindruck. Sie stottern herum, sie drucksen herum, sie zögern zu reden.

Wie kann es nur angehen, daß die Öffentlichkeit sich von Stellungnahmen derartigen Charakters abspeisen läßt. Geht es hier etwa nicht um Seelenmord? - Man zeigt doch hier nur seine eigene Unfähigkeit auf, über solche Themen überhaupt zu reden! Und das im Jahr 2010 nach Christi Geburt! Und es wird deutlich, aus welchen verdrucksten Haltungen heraus man das bisher immer innerhalb der Kirchen hatte "regeln" wollen, "handhaben" wollen. Aber so kann man doch gar nichts regeln. Das Unheil setzte sich doch nur immer weiter fort. Und es wird sich weiter fortsetzen. Bei derartig verdrucksten Haltungen.

Warum tauchen innerlich immer Bilder von Lurchen und Echsen auf, wenn man solchen Leuten zuhört?

Die katholische Moral selbst: jugendgefährdend

Was muß denn eigentlich noch alles passieren, bis man solchen Leuten schlicht das Recht auf Jugenderziehung entzieht? Ist eigentlich katholische Moral, ist eigentlich priesterlich-zölibatere Lebensweise nicht an sich jugendgefährdend, wenn sie personifiziert in Gestalt von solchen Lehrern, Jugenderziehern, "Schulseelsorgern" auftritt? Wollen wir in unserem Land, daß Jugendliche von solchen Menschen Sexualerziehung erhalten? Im 21. Jahrhundert? Daß solche Leute vor Jugendlichen über "Liebe" reden? Solche zutiefst gestörten Menschen?

Jeder weltliche Lehrer tritt glaubwürdiger auf, kann offener über alle angesprochenen Fragen reden, als all diese verdrucksten, zum Teil sehr wohlbeleibten Priester: Mitten in Deutschland lebt hier tiefstes Mittelalter fort.

Sexualität: Da sprechen Leute dauernd über Dinge, als würden diese - für sie - nur auf dem Mond stattfinden. So weit entfernt von der eigenen Lebenserfahrung vollzieht sich das für mehrere der Menschen, die hier interviewt werden. Sie können doch per se gar nicht glaubwürdig darüber sprechen. Wie kann sich denn so etwas - - - "Schulseelsorger" nennen? Da wird doch nicht für die Seele gesorgt, da wird Seele schlichtweg: entsorgt. Denn da wird die Seele vom Körper getrennt, da macht man der Seele den Körper schlecht. Und damit fängt doch alles Unheil an: Ein "abgespaltener Bereich meines Ich" - so beschreiben auch Mißbrauchsopfer den durch den Mißbrauch an ihnen hervorgerufenen Seelenzustand.

"Ich werd sie nicht wegbeten können, meine Sexualität"

Da sagt der "Schulseelsorger" (in der 12. Sendeminute) - und das im Jahr 2010 nach Christi Geburt:
Aber ich werd' sie nicht wegbeten können, meine Sexualität.
Er will also verdrängen. Es ist ihm ein unangenehmes Geschehen! Man muß doch diesen Leuten einmal zuhören. Man muß doch einmal auf ihre Körperhaltung dabei achten. Gütiger Gott! Spricht sich so nicht seelische Verkrüppelung aus? Ein zu hartes Wort? Vielleicht haben sich auch zu viele Menschen auch einfach schon viel zu sehr daran gewöhnt, als daß sie derartige Dingen noch als solche erkennen können?
Man muß Fußball spielen ...
Alles, was schon vor 40 Jahren geredet wurde, und was zu so vielen Mißständen führte, was mit so vielen Mißständen verbunden war, wird heute immer noch geredet von Seiten katholischer Schulseelsorger: Fußball. Sogar direkt in die Kamera hinein. Um Körperlichkeit, Geschlechtlichkeit - - - "wegzudrücken". Schon solche "Lehren", von Autoritäten Schülern gegenüber zum Ausdruck gebracht, kann man als Seelenmißbrauch empfinden. Denn hier wird auf wesentlichste Lebensbereiche geschaut so, als ob man sie "wegdrücken" müßte.

Das große Vorbild für die Jugend: ein Heiliger, der sich schon mit 10 Jahren zur Keuschheit verpflichtete

Eine "ausgeglichene und balancierte Person" soll der Schüler werden. - Ja, offenbar muß da viel "balanciert" werden. Wenn katholische Schulseelsorger reden. Genauso hört es sich an, wenn man - "herum-eiert". Nein, in der 12. Sendeminute brichte der Verfasser dieser Zeilen das Ansehen dieser Sendung erst einmal ab. Denn jetzt ist auch noch vom "Heiligen Aloisius" die Rede, dem Namensgeber des Jesuiten-Internats in Bonn-Bad Godesberg, von dem so viele "namhafte" Persönlichkeiten in ihrer Jugendzeit geprägt wurden (siehe frühere Beiträge hier auf dem Blog). Alighieri Tondi hat das genügend gekennzeichnet in seinem Buch über den Jesuitenorden, die primitive Religiosität, die mit der Verehrung solcher Heiliger verbunden ist.

Daß sich der "Heilige Aloisius" schon im Alter von 10 Jahren zur "Keuschheit" verpflichtet haben soll. Und solche "Heilige" werden Schülern mitten in Europa im 21. Jahrhundert so sehr als Vorbild gepriesen, daß man ganze Schulen nach ihnen benennt? Elite-Schulen? Muß das nicht als ein grotesker Wahnsinn bezeichnet werden?

Und Schülerinnen und Schüler werden mit so etwas täglich konfrontiert? Hallo? Ist denn hier irgendjemand überhaupt noch wach? Da wünscht man sich in der Tat manchmal den alten Voltaire zurück - - - Und man versteht allmählich besser, was ein Jesuiten-Schüler sagte: Sie mögen mir auf Knieen dafür danken, daß ich kein Terrorist geworden bin.
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Labels: Jesuiten, Neues Deutsches Mittelalter, Sacro pop, Seelenmord

Freitag, 26. Februar 2010

Die Frage nach einer zweigleisigen gruppenevolutionären Strategie der katholischen Kirche

Woher kommt der postpubertäre "Sacro pop" in den Medien? Und was soll er?
- Teil 2: Josef Ackermann, Matthias Matussek und Daniel Kehlmann
Ich bin katholisch aufgewachsen, war Messdiener und später – wie alle meine Brüder – auf dem Jesuiteninternat. Ich habe also einen sehr katholischen Background. (...) Heute bin ich ein ganz normaler Katholik, der sonntags in die Kirche geht. (Tagespost, 17.4.07)

Zu Ostern sind wir mit dem Weihwasser-Becken hinter meinem Vater hergelaufen und haben die Wohnung eingesegnet, so katholisch waren wir! Und als ich noch zu jung fürs Messdieneramt war, haben meine Brüder und ich sonntags die Messe zu Hause nachgespielt. (Cicero, Jan. 09)
In dem eingangs gebrachten Zitat war wieder einmal die Rede vom Aloisius-Jesuiten-Internat in Bonn-Bad Godesberg. Das Zitat stammt weder von Johannes B. Kerner, noch von Stefan Raab (siehe --> Teil 1), sondern von Matthias Mattusek, dem mehrjährigen Leiter der Kulturredaktion des "Spiegel". Auch er also war - wie Heiner Geißler und die beiden anderen genannten "Entertainer" - Schüler am Jesuiten-Internat in Bonn-Bad Godesberg.

Der jüngste Spiegel-Titel zum Thema "Sünde" stammt von Matthias Matussek (Spiegel, 7/2010) (siehe links). Er erscheint - befremdlicherweise - nur eine Folge nach dem kirchenkritischen "Spiegel"-Titel über die katholische Kirche (Spiegel, 6/2010). Und das wirft dann doch irgendwann einmal die Frage auf, in wessen Interessen eigentlich Spiegel-Redakteure tätig sind.

Matussek-Fan-Blog war früher

Von Matthias Matussek und von seinen modischen, mitunter kulturkonservativen Haltungen kann sich mancher leicht um den Finger wickeln lassen (St. gen., 2.4.6.07, 4.7.07, 5.7.07, 9.7.07, 27.7.07). Aber viel kann einen auch stutzig werden lassen. (6.10.07) Dieser Blog war im schon Dezember 2007 zu folgender Beurteilung von Matthias Mattusek gekommen (8.12.07):
So mancher mag sich eine Zeit lang für den Video-Blog von Matthias Matussek begeistern. (...) Größtenteils treibt er da kindlichen, kindischen Klamauk. Das mag zur Abwechslung ja einmal ganz gut sein - wenn es aber geradezu zur Regel wird?
Der Video-Blog von Matussek hat inzwischen weithin seinen Ruf weg und braucht man stellt inhaltlich gar nichts Neues mehr fest, wenn man denselben unter die Rubrik "Sacro pop" einordnet. Nur daß der Autor eben aus katholischem Hintergrund heraus so handelt, das war einem bislang gar nicht bewußt. Warum eigentlich nicht?

Im Jahr 2008 war Matussek, wie Netzrecherchen zeigen, auf einem Kongreß "Freude am Glauben" im Zentrum deutscher Katholiken, in Fulda (Katholisch.de, 15.9.08) ...
im Fuldaer Kongreßzentrum Esperanto. "Wir versichern Eure Heiligkeit unserer unverbrüchlichen Treue zum katholischen Glauben, zur Kirche und zum Papstamt als dem Garanten der Einheit und Universalität der Weltkirche" ...
ließ der Vorsitzende des dort tagenden Forums Deutscher Katholiken in einer Grußadresse an Benedikt XVI. verlauten:
... Nur die Lehre der Kirche mit ihrer Botschaft könne echte Hilfe und Orientierung für einen Neuaufbruch im Glauben und für das Gedeihen der Gesellschaft geben. ...
"Unverbrüchliche Treue zum katholischen Glauben ..."

Matthias Matussek auf einer solchen Veranstaltung? Und ein Jahr später läßt Matussek in einem Interview verlauten (Kath.net, 19.10.09):
Kath.Net: Herr Matussek, würden Sie sich selbst als „gläubig“ bezeichnen? Falls ja, was für einen Glauben haben Sie?

Matussek: Den "Glauben meiner Väter", wir sind eine durch und durch katholische Familie, seit Generationen. Der Kalender meiner Jugendzeit war der Kirchenkalender. Messe, Gebet, Beichte waren Selbstverständlichkeiten. Eigentlich sind sie es immer noch.

Kath.Net: Sie sind selbst Vater. Was im Glauben wollen Sie unbedingt weitergeben?

Matussek: Den Glauben, der Trost und Zuversicht und Halt geben kann, was für einen Jungen in der Pubertät besonders wichtig ist.
Kath.Net: Sie gehörten der 68er-Bewegung an. Haben die Kirchen versäumt, diesen im Grunde genommen doch idealistischen Menschen Antworten zu geben?

Matussek: Haben sie, ja. Der Katholikentag in Essen 1968 war dem Vernehmen nach sehr stürmisch, da hat sich die „Kirche von unten“ zum ersten Mal vehement gemeldet. Allerdings habe ich das nicht mitgekriegt - ich war einfach zu bekifft.
Sacro pop: Bekifft auf dem katholischen Kirchentag ...
Kath.Net: Nicht wenige Menschen auch heute sagen „Jesus ja, Kirche nein!“ Können Sie das verstehen? Was halten Sie davon?

Matussek: Mein Pfarrer in New York, Father O'Connor, hat einmal gesagt: "Ritual ohne Glaube ist leer, aber Glaube ohne Ritual ist gestaltlos". Nein, ich glaube, beides gehört zusammen. (...)

Kath.Net: Ihr Videoblog gehörte zu den ersten etablierten Medienbeiträgen dieser Art. Spielt das Fernsehen bei der Glaubensvermittlung über die Medien eine größere Rolle als das bloße Wort der Presse?

Matussek: Ich spreche in meinen Blogs so gut wie nie über den Glauben. Aber es schadet mir auch nicht, öffentlich zu bekennen, dass ich Katholik bin. Selbst der Spiegel ist da mittlerweile tolerant.
Kommentar erübrigt sich.
Kath.Net: Was ist Ihres Erachtens derzeit das größte Problem der katholischen Kirche?

Matussek: Der Nachwuchs, nicht nur auf Gemeindeebene. Es fehlt an Priestern, aber auch an neuen Gesichtern in der Leitungsebene. Ich würde mir wünschen, dass es auch in der Deutschen Bischofskonferenz ein paar Stürmer und Dränger gäbe.

Kath.Net: Was stellt für Sie Papst Benedikt XVI. dar?

Matussek: Die Güte in Person.
Ob bekifft oder nicht: "Der Papst ist die Güte in Person"

Man versteht es natürlich schon, warum Herr Matussek so deutlich im "Spiegel" nicht spricht. Da wäre es mit seiner Popularität bei seiner Leserschaft wohl sehr schnell vorbei. Offenbar hat Mattusek auch schon etwas über seine Internats-Erfahrungen publiziert (Glaubeaktuell, 19.12.08, Bücher):
... Der Sohn eines katholischen CDU-Bürgermeisters besuchte damals ein Jesuiten-Internat, musste morgens um sechs in die Frühmesse und abends sündige Gedanken mit kalten Duschen bekämpfen.
- Sacro pop. Im Gespräch mit dem Schriftsteller Martin Walser, der, was Gewissensprüfung betrifft, offenbar doch noch etwas protestantischer ist, sagt Matussek auf "Sacro pop"-Art zum Thema Sünden und Beichten (Cicero, Jan. 09):
…nee, nee, nee, da haben Sie etwas falsch verstanden! Man muss es nur richtig bereuen, dann ist die Sünde vergeben!
So einfach ist das also, was der Herr Matussek da aus seiner katholischen Lebenspraxis zu berichten weiß: Bloß nicht zu viel das Gewissen überprüfen. Dabei können nur viel zu viele, ganz falsche Dinge herauskommen. An diesem Punkt kommt wohl schon sehr deutlich eine nicht gerade hochstehende Moral, wie sie mit "Sacro pop" verbunden sein kann, zum Vorschein. Und bei dem nächsten Zitat möchte man am liebsten entsetzt wegschauen, denn Herr Matussek gibt Einblicke in sein katholisches Familienleben - es fehlen einem die Worte zur Charaterisierung:
In unserer Familie war es immer das ganze Paket – Samstagnachmittag kamen wir in die Badewanne, und nach dem Baden gingen wir zur Beichte. Man war also sauber, innen und außen (Gelächter) und hat sich gefühlt wie ein neugeborenes Lämmchen. Es war ein schönes Gefühl, völlig sündenfrei zu sein, zumindest für fünf Minuten. Bei uns gab es nur die kleine Komplikation, dass mein Vater mit uns zusammen den Beichtzettel machte: Big Brother was watching! (lacht) Das war eine kleine List von ihm, und ich vermute, dass wir damals angefangen haben, die Bilanzen zu schönen. Doch an das tolle Gefühl, die Sündenlast abzuwerfen, kann ich mich heute noch erinnern.
Nur so viel: Ein solcher Vater möge einem weit vom Leibe bleiben. Es fehlen einem die Worte. Wie soll da das folgende Lachen des Herrn Matussek noch groß ins Gewicht fallen:
Die Kirche und das Eigentum haben sich eigentlich immer ganz gut vertragen. (Lachen)
Die katholische Kirche und das Eigentum - Josef Ackermann hat auch was davon

Aber passen wird dazu, daß auch Josef Ackermann Jesuiten-Schüler sein soll, wie man neuerdings erfährt (3Sat, 5.2.10). Josef Ackermann, einer der reichsten Männer Deutschlands, der unsere Gesellschaft nicht zu einer großzügigen, sozial gerechten Umverteilung auffordert? Wohl ebenfalls deshalb, weil sich Eigentum und Kirche - oder soll man sagen: Ausbeutung und Kirche - "eigentlich immer ganz gut vertragen" haben und er deshalb von Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit während seiner Schulzeit wenig gehört hat? Weil er noch heute, wenn er auf katholischen Akademien referiert, keine andersartigen Ratschläge - oder gar Vorwürfe - von dieser Seite erhält?

- Reichen bei all solchen Feststellungen eigentlich die bisherigen, zurückhaltend-kritischen Stimmen zum Zusammenhang von Kirche und Medien, zum Zusammenhang von Kirche und Großkapital überhaupt aus (NDR, 2.5.07)?

Auch Daniel Kehlmann, Sohn einer katholischen Mutter und eines jüdischen, katholisch getauften Vaters (Cic., 12/09), besuchte, wie man neuerdings erfährt (3Sat, 5.2.10), in Wien das Jesuiten-Gymnasium Kalksburg. Und dem "Deutschlandradio" sagte er in der Tat schon vor einem Jahr (Dradio, 16.1.09):
Ja, die Jesuiten: (...) Voltaire, der größte Feind, den die katholische Kirche je hatte, unterhielt Zeit seines Lebens die freundlichsten Beziehungen zu seinen ehemaligen jesuitischen Lehrern. Das hat eine schöne Tradition.
Daniel Kehlmann's Naturwissenschafts-feindlicher Roman

Natürlich werden das Jesuiten als eine "schöne Tradition" erachten, wenn Kirchenkritiker freundschaftliche Beziehungen zu ehemaligen jesuitschen Lehrern behalten. Selbst den größten Feind, den die katholische Kirche je hatte (- ob es nach Voltaire wirklich keine größeren mehr gegeben hat?), könnte man theoretisch noch in die katholische Kirche zurückführen (!).

Der Roman "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann über Carl Friedrich Gauss und Alexander von Humboldt hat eine sehr großes Aufsehen in der Medienwelt erregt. Er ist - umstritten. Trotzdem wird er inzwischen sogar schon an deutschen Schulen als Unterrichtsmaterial eingesetzt. Ob einer guten Popularisierung der Naturwissenschaft mit diesem Roman wirklich ein Dienst geleistet worden ist, wird mit allzu viel Recht von sehr vielen Lesern bezweifelt. Der Roman ist ganz und gar ehrfurchtslos geschrieben. (Der Eindruck des Biologen Emanuel Heitlinger deckt sich völlig mit dem des Schreibers dieser Zeilen: a, b)

Unter der Voraussetzung, daß dieser Roman von einem Jesuiten-Schüler verfaßt worden ist, was bislang der Öffentlichkeit ja gar nicht bekannt war, bekommt man sicher noch eine ganz neue und andere Sichtweise auf diesen Roman. Ganz offensichtlich läßt er sich auf einen gemeinsamen Nenner zurückführen mit so vielen anderen katholischen Kulturerscheinungen unserer Zeit. Ob dieser gemeinsame Nenner wohl schlicht heißt: Sacro pop?

Ehrfurchtsloses Schreiben über große Naturwissenschaftler

Ob dieser gemeinsame Nenner heißt "Wache gegen den Traum vom neuen Menschen", den naturalistisch denkende Menschen in der Tradition von Gauß und Humboldt seit mehreren hundert Jahren hegen? Und zwar gewiß nicht zur Freude der Kirche? Ja, man sollte die Kirche nicht unterschätzen. Auch sie kann innovativ sein in der Abwehr solcher "Träume". Unter den 392 (!) Kundenrezensionen auf Amazon hat sich offenbar bisher kein einziger über den katholischen Hintergrund des Autors Daniel Kehlmann Gedanken gemacht (--> Amaz.). Wie soll man sich auch darüber Gedanken machen, wenn man auf diesen Hintergrund erst lange nach Erscheinen des Romans hingewiesen wird, so wie dies derzeit allein durch eine Meldung von 3Sat geschieht (3Sat, 5.2.10)?

Zweigleisige Strategie?

Allmählich erscheint es einem immer sinnvoller, derartige Zusammenhänge einmal aus dem Blickfeld von katholischen "gruppenevolutionären Strategien" heraus zu analysieren - im Sinne von Kevin MacDonald, David Sloan Wilson, Richard Sosis und vielen anderen. Auch die katholische Kirche gebraucht "intelligente" Strategien, um sich langfristig das Überleben zu sichern. Vielleicht manchmal "intereligentere" und zweigleisigere als viele ahnen: "Sacro pop" für die Massen und wo immer es möglich ist, Beibehaltung der, bzw. Rückkehr zur absoluten kirchlichen Monarchie des Mittelalters - gerne auch in Kooperation mit politisch Linksstehenden (Tagesschau, 27.2.10).
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Wenn der weiße Mann die Erde beherrscht ...

... wird es sicher gut sein, daß ein solcher Umstand kritisch erörtert wird. Für den Fall, daß irgendjemand anderer die Erde beherrscht, gilt dasselbe.


Vaterländische Wende ...

Vaterländische Wende einer erneuerten Zukunft entgegen - Welche kennen wir?

Die Reformation war eine gesellschaftsweite, geistig-moralische Wende zum Besseren hin. Aufklärung, klassisches Zeitalter und und Humboldtsches Bildungsideal waren ebenfalls gesellschaftsweite, geistig-moralische Wenden einer erneuerten Zukunft entgegen. Aber zum Beispiel der Darwinismus und der damit einhergehende Materialismus und alle mit ihnen vereinbaren "Diesseits-Religionen" des 20. Jahrhunderts auf der Nordhalbkugel: Haben sie - für sich genommen - gesellschaftsweite, tiefgreifende Erneuerungen, Umwandlungen einer besseren Zukunft entgegen mit sich gebracht?

Ähm ... nein.

Dies scheint nun der Unterschied zu sein zwischen den kulturellen und geistigen Entwicklungen der Menschheit BIS 1859 (bis zum Erscheinen des Hauptwerkes von Charles Darwin) und den diesbezüglichen Entwicklungen SEIT 1859.

Hier liegt die Wegscheide. Seit 1859 geht es mit der geistig-moralischen Verfaßtheit der Menschheit spürbar bergab. Eine angemessene philosophische Deutung der nichtrationalen Seite der Wirklichkeit und der schöpferischen Kräfte der Menschenseele, die sich diese nichtrationale Seite zugänglich machen können, haben sich diese fortgeschrittenen Wissensgesellschaften noch zu erarbeiten und dann auch - zu leben. Zu leben nämlich eine Ethik, die diese schöpferischen Kräfte der Menschenseele in ihren Mittelpunkt stellt.

Anstelle dessen wirken auf allen Ebenen die Mechanismen seelischer Abstumpfung.

Darwinismus (als Ideologie), Materialismus, Existentialismus, Hedonismus, Atheismus, Monotheismus, Handysucht hocken grinsend am Wege untergehender fortschrittlicher Wissensgesellschaften.
Leben weckende und Leben zum Absterben bringende Kräfte stehen eng nebeneinander.

Laß dich nicht von den Diesseits-Religionen unserer Zeit hinunterziehen, du Mensch, halte die Augen und Sinne auf die andere Seite hin ausgerichtet ...

Die Philosophie ...

muß sinnlich werden und das Sinnliche muß philosophisch werden. (Sinngemäß: Hölderlin)

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