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Montag, 3. Mai 2010

Facharbeiter-Mangel in Deutschland und seine Folgen

"Natürlich geht es auch ohne Handwerk"

- Eine aussagekräftige Werbekampagne des deutschen Handwerks zu seiner Zukunft und der Zukunft Deutschlands?




"Unser Leben ohne das Handwerk ..."



Den künftigen Facharbeitermangel in Deutschland und auf der Nordhalbkugel aufgrund der Kinderarmut wird man aber durch solche Werbekampagnen allein auch nicht beheben. Die Komplexität einer Gesellschaft (ihr materieller Reichtum) ist - unter anderem - abhängig vom durchschnittlichen angeborenen Intelligenz-Quotienten derselben.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Leistungsträger und Opportunisten

Peter Sloterdijk fordert - siehe voriger Beitrag - einen "Aufbruch der Leistungsträger". Können die eigentlichen Leistungsträger einer Gesellschaft überhaupt aufbrechen, solange Geheimdienste über Leben und Tod gerade der leistungsstärksten und integersten Politiker einer Epoche entscheiden?

Leistungsträger bei den Linken und den Sozialdemokraten

Es hätten einen Worte von Peter Sloterdijk interessiert zu vorbildlichen Leistungsträgern bei den "Linken" und bei den Sozialdemokraten. Zu denken wäre an Oskar Lafontaine oder Christa Müller, die bisher noch überlebt haben - auch schon einen Mordanschlag (1990). Oder zu Politikern wie Olof Palme (siehe Bild) und Anna Lindh, die beide Mordanschläge nicht überlebt haben (1986 und 2003).

Bei Olof Palme gibt es - wie bei Uwe Barschel - viele Indizien in Richtung israelischem Mossad als dem eigentlichen Auftraggeber, bzw. Ausführenden des Mordes an ihm. Diese Leistungsträger sind jeweils durch opportunistische Konkurrenten ersetzt worden und man versucht es weiterhin. Man denke an Leute vom Schlage Björn Engholm oder Gerhard Schröder. Und es ist bis heute mehr von den opportunistischen Konkurrenten und Nachfolgern dieser Leistungsträger die Rede als von den eigentlichen, integeren Politikern, die ermordet worden sind. Sie hätten - wahrscheinlich - eine bessere Politik gemacht als ihre Nachfolger. Ist es denn da überhaupt noch ein Wunder, wenn es mit der Sozialdemokratie bergab geht?

Leistungsträger im Umfeld von "Bündnis 90" und den "Grünen"

Es hätten einen Worte interessiert zu Leistungsträgern bei den "Grünen" und in ihrem Umfeld. Wie Rudi Dutschke (1968/1979), Petra Kelly und Gert Bastian (1992), Rudolf Bahro (1997), Gerulf Pannach (1998) und Jürgen Fuchs (1999). Sie alle sind eines unnatürlichen Todes gestorben. Und die Todesursachen sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Auch hier machen die opportunistischen Überlebenden jeweils heute mehr von sich Reden, als die integren Ermordeten. Also solche Figuren wie Kriegsbefürworter Joschka Fischer oder Geheimdienstförderer Otto Schily. Die Ermordeten hingegen scheinen längst vergessen.

Das Ausschalten solcher integerer Persönlichkeiten aber hat den heutigen Zeitgeist sehr stark mitbeeinflußt. Das merkt man schon allein daran, daß man heute solche integeren, idealistischen Persönlichkeiten im öffentlichen Leben gar nicht mehr antrifft. Das ist ein klares Anzeichen dafür, daß sich sehr vieles derzeit keineswegs zum Besseren hin entwickelt: ganz im Gegenteil.

Leistungsträger bei den Liberalen und Freiheitlichen

Es hätten einen Worte interessiert zu Leistungsträgern bei den Liberalen und Freiheitlichen wie Heinz-Herbert Karry (1981), Jürgen Möllemann (2003) und Jörg Haider (2008) - auch schon alle wieder vergessen in unserer schnellebigen Zeit, ersetzt durch solche offensichtlichen Opportunisten vom Schlage Guido Westerwelle in Deutschland oder vom Schlage Heinz-Christian Strache in Österreich.

Leistungsträger in der "konservativen Mitte"

Es hätten einen Worte interessiert zu Leistungsträgern der "konservativen Mitte" wie Hanns-Martin Schleyer (1977), Uwe Barschel (1987) und Alfred Herrhausen (1989), alle Helmut Kohl und der CDU zumindest sehr nahestehend. Sie hätten an der Stelle von solchen Opportunisten wie Gerhard Stoltenberg, Helmut Kohl, Angela Merkel und Wolfgang Schäuble stehen können und dabei wahrscheinlich eine wesentlich glaubwürdigere Politik gemacht als diese jeweiligen überlebenden Opportunisten, die stattdessen von sich Reden machen. Ähnliches ist übrigens von Aldo Moro und Italien zu sagen. Im Bild rechts das Flugzeug, mit dem Uwe Barschel abgestürzt ist: Barschel überlebte diesen Flugzeugabsturz und ließ sich dennoch nicht einschüchtern.

Leistungsträger in den USA, Großbritannien und Rußland

Es hätten einen Worte interessiert zu Leistungsträgern in den USA wie den Feind geheimer Gesellschaften, den Demokraten John F. Kennedy (1963). John F. Kennedy fand solche unglaublichen Opportunisten als Nachfolger wie Jimmy Carter, Bill Clinton und Barak Obama. Oder man denke an den Vater John F. Kennedy's, an die Geschwister John F. Kennedy's und an andere Angehörige der Kennedy-Familie. Der gemeinsame Nenner des vielgenannten "Fluches" der Familie Kennedy wird schlicht in Geheimdienst-Machenschaften liegen. Die Carter's, Clinton's und Obamas machen allesamt heute mehr von sich Reden als der integre und glaubwürdige Politiker John F. Kennedy und auch als viele andere Angehörige seiner Familie.

Es hätten einen Worte zu Leistungsträgern in Großbritannien interessiert wie Prinzessin Diana (1997), die in der öffentlichen Aufmerksamkeit ersetzt wurde durch Opportunisten wie ihre unkönigliche Schwiegermutter und den unköniglichen Vater ihrer beiden Söhne.

Es hätten einen Worte interessiert zu Leistungsträgern in Rußland wie Natalja Estemirowa (15. 7. 2009) (siehe Bild links), Alexander Litwinenko (23. 11. 2006) und Anna Politkowskaja (7. 10. 2006). Sie sind weitgehend vergessen. Geheimdienst-Offiziere, Opportunisten und Verbrecher wie Wladimir Putin oder Ramsan Kadyrow jedoch treiben weiter ihr Unwesen, gelten als integere Gesprächspartner im politischen Raum.

Und solche Förderer des Sturzes von Michail Gorbatschow durch frühere KGB-Mitarbeiter, wie der britische "Medientycoon" und Mossad-Mitarbeiter Robert Maxwell, erhalten in Israel Staatsbegräbnisse (1991). (Mehr zum Fall des letzteren siehe u.a.: Victor Ostrovsky/Geheimakte Mossad).

Nur die Spitze des Eisberges

Diese Liste von echten Leistungsträgern, die ermordet oder kalt gestellt, beiseite gedrängt worden sind und die durch unglaublich opportunistische "politische Erben" ersetzt worden sind, könnte noch um unzählige Namen verlängert werden. Und die hier genannten Mordfälle sind nur die Spitze des Eisberges. Nicht nur daß ein aufsehenerregender politischer Mord oft viele weniger beachtete Morde nach sich zieht: Bekanntlich erreichen Geheimdienste, für die Geld "keine Rolle spielt", und die mit der Freimaurerei und anderen Lobbygruppen eng zusammenarbeiten, mittels Drohungen und Korruption aller Art das allermeiste auch schon ohne Mord.

Die Stasi arbeitet weiter

Über eine Art "Reinhard Gehlen Italiens", über den italienischen Geheimdienst-General, Freimaurer und CIA-Agenten Giovanni De Lorenzo (1907 - 1973) (Wikip. dt., ital.) berichtet das so wichtige Buch von Regine Igel (1):
Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts (...) erklärt der (...) Leiter der ersten parlamentarischen Untersuchungskommission zur Geheimpolitik am 21. Dezember 1990 (...), daß General Giovanni de Lorenzo die Mehrheit der politischen Klasse in der Hand gehabt habe und diese Mehrheit sich seinen Drohungen auch fügte. (...)

In 157.000 Dossiers zu sage und schreibe 157.000 Persönlichkeiten hält de Lorenzo nicht nur politische Vorlieben und Verhaltensweisen fest. Von Interesse ist alles, was sich über das Privatleben der observierten Personen herausfinden läßt. (...)

Es ist nicht das erste und nicht das letzte mal, daß in der Spionage Datensammlungen dieser Art als hervorragendes Mittel zur Zähmung und zur Erpressung nicht ganz linientreuer Personen genutzt werden. (...)
Man kann von Italien leicht auf Deutschland hochrechnen. Wenn der CIA für ein Land wie Italien mit 60 Millionen Einwohnern 157.000 Personen mit waschechten Stasi-Methoden kontrolliert und kontrollieren läßt, dann hat er in einem Land wie Deutschland mit 82 Millionen Einwohnern 215.000 Personen - ebenfalls mit waschechten Stasi-Methoden - unter Kontrolle. Man hört Telefone ab, kennt die Kontostände von Journalisten, läßt sie ausspähen, um sie kontrollieren zu können (--> Berliner Ztg. 17.5.06). Da macht es nichts, wenn man einmal, wie soeben geschehen, als BND mit einer Zahlung von 10.000 Euro bestraft wird. (Spiegel)

Mindestens 215.000 Menschen werden in Deutschland von der CIA kontrolliert - mit Stasi-Methoden

Nachdem man von der Jahrzehnte langen engen Zusammenarbeit zwischen CIA, BND und dem MfS (Markus Wolf u.a.) Kenntnis genommen hat (siehe Alexander von Bülow und andere), wird einem bei diesen Tatsachen schlagartig klar, worum es 1989 bei der Wiedervereinigung eigentlich ging. Doch nicht um die Abschaffung der Macht von Geheimdiensten. Nein, es ging um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Geheimdiensten. Es ging darum, die Geheimdienstpartner in Osteuropa leichter mit besseren Computern und einfach auch mit besseren, nach außen hin demokratisch getarnten, das heißt "moderneren" politischen Methoden ausstatten zu können. - Leben wir denn in einer Demokratie, die diesen Namen verdient? Oder herrschen von Geheimdiensten gelenkte "Blockparteien"? Die politischen Morde der letzten Jahrzehnte lassen doch ganz klar werden, daß von Geheimdiensten gelenkte und massiv eingeschüchterte "Blockparteien" herrschen.

Vieles spricht dafür, daß die "Aktion Wiedervereinigung" von der CIA von langer Hand vorbereitet worden ist. (Siehe auch den Bericht von Alfred de Zayas über seine CIA-Kontakte vor 1989 oder "Spiegel"-Osteuropa-Korrespondent Fritjof Meyer über sein frühzeitiges Voraussehen und Hinwirken auf dieses Ziel*). Auch die Biographie von Markus Wolf gibt so ihre Hinweise.) Daß ein paar Menschen auf der Straße 1989/90 für ein paar Monate, ja, sogar für Jahre etwas "glücklicher" wurden, das war eine von den Geheimdiensten in Kauf genommene "Nebenerscheinung". Sie braucht keineswegs in der Absicht dieser Aktion gelegen haben. Und die "Strategie der (Ost-West-)Spannung" konnte ja - spätestens 2001 - leicht umgewandelt werden in eine "Strategie der (Islam-West-)Spannung".

Daß die Stasi weiterarbeitet, haben übrigens viele DDR-Bürgerrechtler von Anfang an vermutet. Etwa Jürgen Fuchs in seinem biographischen Roman "Magdalena".

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*) Wolfram Baentsch läßt in "Doppelmord an Uwe Barschel" übrigens deutlich werden, daß die Zusammenarbeit zwischen dem "Spiegel" und diversen Geheimdiensten eine seit langem eingespielten Sache sein muß. So wie der BND frühere NS-Seilschaften nach 1945 übernommen hat, so hat auch die "Spiegel"-Redaktion parallel frühere NS-Seilschaften übernommen. Daß sich hier zeitgleich parallele Entwicklungen vollzogen, läßt einen mehr als eine äußere Zufälligkeit vermuten.
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1. Igel, Regine: Terrorjahre. Die dunkle Seite der CIA in Italien. Herbig, München 1997, 2006, S. 85

Donnerstag, 3. Dezember 2009

"Aufbruch der Leistungsträger"

Aber mit welcher Moral?

Peter Sloterdijk ist einer der wenigen selbständigeren, geistreicheren Denker, Kultur- und Gesellschaftskritiker im heutigen Deutschland. Immer wieder einmal ist es lohnend, sich mit seinen Gedanken auseinanderzusetzen. Im November-Heft des "Cicero" ist sein neuester Aufsatz unter dem Titel "Aufbruch der Leistungsträger" veröffentlicht. - War es Sloterdijk selbst oder war es die "Cicero"-Redaktion, die diesen Aufsatz im Untertitel aufgepäppelt hat zu einem "bürgerliche(n) Manifest" (siehe Bild rechts)?

Und gibt das dieser Text her?

Einer der wesentlichsten Kritikpunkt an diesem Text ist sicherlich die inkonsequente, ja, fast gedankenlose Verwendung des Begriffes "Leistungsträger" durch Peter Sloterdijk. Sloterdijk unterscheidet - wie die meisten Denkenden heute - zu wenig zwischen gesellschaftsstabilisierenden und -weiterführenden Leistungen, die in einer Gesellschaft erbracht werden und "Leistungen" des Opportunismus, die den Fortbestand und die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft existentiell gefährden. Er scheint sich noch davor zu scheuen - wie so viele andere ebenfalls - sich einmal selbst und anderen zu verdeutlichen, wie hoch eigentlich der Anteil der bloßen Opportunisten unter der von ihm definierten Gruppe der "Leistungsträger" ist. Jedenfalls findet man zu diesem Thema auch nicht ansatzweise Abschätzungen in seinem Text.

Daß Sloterdijk durchaus ein ganz klares Gefühl für die gesellschaftsschädigende Wirkung der Opportunisten unter den Leistungsträgern hat, wird ja schon gleich im ersten, aufsehenerregendsten Abschnitt seines Textes deutlich. Da spricht er doch ebenfalls von jenen "Leistungsträgern", die er in den hinteren Abschnitten so herausstellt. Oder etwa nicht? Aber im vorderen Teil in einem ganz anderen Tonfall, als im hinteren. Macht sich Sloterdijk das denn nicht ausreichend klar? Warum bezieht er die im ersten Abschnitt gewonnenen Erkenntnisse über die vorherrschende Feigheit unter den heutigen "Leistungsträgern" nicht mit ein in sein Raisonement in den späteren Abschnitten?

"Leistungsträger" Axel Weber

Im ersten Abschnitt zeigt er anhand des Beispiels eines nicht unwichtigen "Leistungsträgers" in unserer Gesellschaft, nämlich anhand von Axel Weber, des Chefs der Deutschen Bundesbank, und anhand seines Verhaltens gegenüber seinem Kollegen Thilo Sarrazin:

... Auch die Leitung der Deutschen Bundesbank erweist sich gegen die Epidemie des Opportunismus als nicht immun. (...) Statt sich gelassen vor seinen Kollegen zu stellen (...), statt irgendetwas Souveränes, Aufheiterndes, gut Ventiliertes zu sagen, spricht Axel Weber (...) die allgemein erwartete Sklavensprache (...). Er kommt nicht auf den Gedanken, seine eigene entkernte Haltung, sein serviles Vorwegnehmen von eingebildeten Nachteilen, sein Floaten mit dem Tageskurs der Empörerei könnten die wirkliche Gefahr für das Ansehen seines Unternehmens bedeuten.

(Hervorhebungen nicht im Original.) Hier spricht Sloterdijk nicht nur von einer Gefahr für die Deutsche Bundesbank, sondern von Gefahren für die deutsche Gesellschaft überhaupt. Und ausgerechnet solche gefährlich-opportunistischen "Leistungsträger" soll man bei einer allgemeinen Beurteilung von "Leistungsträgern" in die gleiche Kategorie stecken wie jene - wenigen? - anderen "Leistungsträger", die nicht opportunistisch sind, nicht lethargisch sind und darum - nach Meinung von Sloterdijk - nicht die "Zukunft blockieren"?

Erst wenn man "Leistungsträger" nicht mit "Besserverdienenden" gleichsetzt und wenn man aus der Gruppe der Besserverdienenden (ebenso wie aus der Gruppe der weniger gut Verdienenden) jeweils den Anteil der Nicht-Opportunisten als einen speziellen Fall betrachtet, wird es doch sinnvoll, von einem "Aufbruch der Leistungsträger" überhaupt zu sprechen. Wollen wir denn einen Aufbruch in Bezug auf die "Leistungen" auf dem Gebiet des Opportunismus? Auf dem Gebiet der Feigheit? Auf dem Gebiet der (altchinesischen) Lethargie? Die entscheidende Frage ist doch: Wer sind denn die eigentlichen Leistungsträger in einer Gesellschaft?

Wo werden gesellschaftsstabilisierende Leistungen erbracht?

Erkennt man sie etwa - wie plump! - an dem Gehalt, das sie aufgrund ihrer "Leistungen" - etwa gar auf dem Gebiet des Opportunismus (?) - auf ihr Bankkonto überwiesen bekommen?

Nein. Die wichtigste gesellschaftsstabilisierende und -weiterführende Leistung ist es heute - "Studium generale" machte schon häufiger darauf aufmerksam -, wenn Eltern Kinder groß ziehen. Das kann doch nicht so schwer zu verstehen sein. Sollte das einem so klugen Kopf wie Peter Sloterdijk nicht endlich auch irgendwann einmal zugänglich sein? Daß zu aller Motivation, zu aller Fähigkeit für Leistung ein heiles Elternhaus die beste Grundlage ist?

Wer wenn nicht Eltern würden - zumindest doch ihrem eigenen Ideal nach - sogar jene "thymotischen Tugenden" des großzügigen Gebens alltäglich leisten, die Peter Sloterdijk so ganz richtig in unserer Gesellschaft - ansonsten - so sehr vermißt? Eines der Hauptprobleme unserer Gesellschaft ist doch, daß wir noch nicht einmal mehr großzügig genug sind, um überhaupt genügend Kindern das Leben zu schenken. - Oder sollte man diese thymotischen Tugenden wiederum ausgerechnet bei den vielen Opportunisten unter den "Besserverdienenden" suchen? Wie viele unter den Besserverdienenden gehören nur deshalb zu ihnen, weil sie insbesondere einer einzigen "Tugend" folgen, nämlich dem Opportunismus und dem eigenen Vorteil?

Auch Peter Sloterdijk läßt - wieder einmal - die entscheidendste, gesellschaftsstabilisierende Leistung außen vor. Obwohl er andererseits - wie Thilo Sarrazin - herrlich davon reden kann, wie schwierig es ist, die Kinder von Menschen anderer Kulturen zu integrieren. Also die Kinder jener, die zu den aus dem Ausland eingeführten "Streikbrechern" gezählt werden müssen, die den deutschen Geburtenstreik brechen. Aufgrund dieser ständigen Nachfuhr von Streikbrechern muß der offenbar so notwendige, schon Jahrzehnte lang anhaltende "Geburtenstreik" unter den Deutschen in Wirkungs- und Folgenlosigkeit verpuffen. Womit kein ausreichender Veränderungsdruck wirksam werden kann in Richtung einer Verbesserung der Lebensbedingung von Eltern, von in Lebenspartnerschaft lebenden Menschen und von Single's, die sich Kinder wünschen. Also insgesamt von grob sechs bis acht Millionen Menschen, die sich derzeit ihren vorhandenen Kinderwunsch - aufgrund von erforschbaren Ursachen - nicht erfüllen. (siehe St. gen.)

Wenn man dieser Gruppe von Leistungswilligen und Leistungsträgern nach jeder Richtung hin gerecht geworden ist, dann darf man sich - gerne - auch auf andere Gruppen, etwa auf die besondere Gruppe der Leistungsträger unter den Besserverdienenden konzentrieren.

Welcher Moral entspringen gesellschaftsstabilisierende und -weiterführende Leistungen?

Aber hat sich eigentlich Sloterdijk ausreichend klar gemacht, wie Leistungen auch im beruflichen Bereich überhaupt zustande kommen? Wie eigentlich die menschlichen Motivationssysteme beschaffen sind, die - auf die eine oder andere Weise - gesellschaftsstabilisierende und gesellschaftsweiterführende Leistungen hervorbringen? Oder konkreter: Woher stammt die Motivation, kein Opportunist zu sein, nicht in der einen oder anderen Weise nur angepaßt zu sein, mitzuschwimmen im Strom? Das ist doch die entscheidende Frage.

Und: Kann diese Motivation überhaupt mit Geld bezahlt werden? Mit Steuervergünstigungen? Mit dem Abbremsen von Steuererhöhungen? Was für eine Trivialmoral wird hier wiederum vertreten?

Über die menschlichen Motivationssysteme kann man sich informieren bei Joachim Bauer oder bei Konrad Lorenz. Auch ein Nachdenken über die protestantische Ethik und ihre geistesgeschichtlichen Wurzeln (Rechtfertigungslehre von Martin Luther) könnte viel zu Tage bringen: Ist es allein die auch von Peter Sloterdijk umsonnene, schon im Alten Testament und im Mittelalter favorisierte "tit-for-tat"-Moral und ihr möglichst reibungsloses Funktionieren, die unsere Gesellschaft voranbringen wird?

Herr Peter Sloterdijk! Hören Sie, womit Sie mit Ihren "thymotischen Energien" noch hinkommen, wenn Sie diese einmal konsequent zu Ende denken? Sie rufen nach einer neuen "Reformation". Also nach einem neuen Martin Luther. Welcher Art waren die "thymotischen Energien", die Martin Luther zur Entfaltung brachte? Entsprangen sie im tiefsten Kern der "tit-for-tat"-Moral?

Wie kam nach Martin Luther der Mensch mit sich selbst ins Reine? Indem er Gutes tat, um in den Himmel zu kommen? Nein, indem er das Gute um seiner selbst willen tat. Allein um des Guten selbst willen. Um keines anderen Grundes willen. Und das ist doch die große, "thymotische Großzügigkeit" im guten Handeln, nach der Sie suchen. Muß man bibelgläubig sein, um eine solche Moral leben und allgemeingültiger formulieren zu können?

Freitag, 13. November 2009

Das Ehrenamt - Einige statistische Angaben ...

... lassen zentrale Grundkonstanten der sozialen Natur des Menschen sichtbar werden

Auf einem Kommentareintrag zum Thema Gruppenselektion auf dem Wissenschaftsblog "Natur des Glaubens" ist vor mehr als einem Jahr mit dem Thema "Ehrenamt" argumentiert worden.

Es sollen hier noch ein paar statistische Angaben zum Thema Ehrenamt mitgeteilt werden. Ein wenig Recherche diesbezüglich könnte nämlich sichtbar werden lassen, daß eine tiefergehende Analyse der Frage, wann Menschen in unserer Gesellschaft mehr oder weniger zur Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeit neigen und warum, viel ans Tageslicht bringen könnte darüber, wie menschliches Sozialverhalten und menschliche Verantwortungsübernahme überhaupt - auch noch in arbeitsteiligen Gesellschaften - strukturiert und motiviert sind.

Wieder einmal treten Familie und Religiosität - und ihre gegenseitige Verstärkung - in den Fokus der Aufmerksamkeit:
"In Deutschland haben 18 Prozent der Erwachsenen ein Ehrenamt übernommen, das sind 12,1 Mio. Menschen." (Familienministerium 2003)
"Ehrenamtlich Aktive zeichnen sich überproportional häufig durch eine christliche Wertvorstellung aus." (Allensbach 2008)

Bei einem Anteil der Konfessionslosen in Deutschland von insgesamt 19 Prozent stellen sie unter den ehrenamtlich Engagierten nur 12 Prozent. Unter den ehrenamtlich Engagierten finden sich in Deutschland 26 Prozent Katholiken, 22 Prozent Protestanten und nur 12 Prozent Konfessionslose.

"Mit steigender Haushaltsgröße steigt das Engagement. Das unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der Familie für die Entwicklung des sozialen Bewusstseins. Dabei wird auch deutlich, dass kein einfacher Zusammenhang zwischen "Freizeit" und "Ehrenamt" besteht. Arbeitslose engagierten sich in Thüringen nicht ganz so stark wie Menschen, die Arbeit haben. (...) Daraus kann man schlussfolgern: Ehrenamtlicher Einsatz wird besonders durch stabile Einbindung in soziale Gemeinschaften gefördert. Engagement braucht Integration, und Integration fördert Engagement." (Erfurt.de)

Das scheinen sehr wesentliche Einsichten in die soziale Natur des Menschen überhaupt zu sein.

"Männer als Singles haben die (relativ) meisten Schwierigkeiten, Berufstätigkeit und Ehrenamt zu koordinieren, gefolgt von Männern mit Partnerin ohne Nachwuchs." (Klenner 2001, S. 21)

"... Besonders aktiv sind dabei die Mitglieder großer Familien, regelmäßige Kirchgänger und Pendler, die am Rande der Großstädte ihre oft neu gewachsene Nachbarschaft gestalten." (Geo 2005)

"Entsprechend den Daten des Freiwilligensurveys ist davon auszugehen, dass etwa 40% des Freiwilligenengagements, das insgesamt in Deutschland erbracht wird, jungen Familien zugute kommt. (...) Die Engagierten gehören meist selbst der "Zielgruppe" an, für die sie sich engagieren, oder sie haben zumindest einen engen Bezug zu ihr." (Klocke 2001)

Die breiten Medien und das öffentliche Bewußtsein tun auch heute noch so, als ob nicht die Familie im Zentrum des Lebens jedes Menschen stehen würde oder sollte, sondern die individuelle "Selbstverwirklichung". Mit allen sichtbaren Folgen für den inneren, sozialen Zusammenhalt in einer Gesellschaft, insbesondere auch hinsichtlich des Verhaltens einer Gesellschaft gegenüber Rand- und Unterschichten. Das gemeinschaftliche Zusammenleben von Menschen - zumal verschiedener Generationen, Interessen und sogar Bildungsniveau's - motiviert. Die Vereinzelung des Menschen demotiviert - auch - bezüglich freiwillig übernommenen sozialen Engagements.

(Weiteres zum Thema auch schon einmal an früherer Stelle --> Stud. gen..)

Literatur:
1. C. Klenner, S. Pfahl, H. Seifert (2001): Ehrenamt und Erwerbsarbeit – Zeitbalance oder Zeitkonkurrenz? Forschungsprojekt im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen. (
pdf.)
2. Klocke, A.; Limmer, R.; Lück, D. (2001): Das Ehrenamt im Umfeld der Familie.
ifb-Materialien 7-2001

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

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