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Donnerstag, 28. Juli 2016

Merkelsommer

Aus aktuellem Anlass soll im folgenden ein Artikel neu eingestellt werden, der schon vor drei Jahren, im August 2013, hier auf dem Blog veröffentlicht worden ist.


Abb.: Rettungskräfte im Einsatz nach Anschlag in Ansbach - Foto: Screenshot / YouTube / RT

MAOA 2R-Gen und Gewalttätigkeit in islamischen Ländern

Der Anthropologe Andreas Vonderach auf "Sezession.de" (August 2013)

Der wissenschaftlich sehr sauber und stringent argumentierende Evolutionäre Anthropologe Andreas Vonderach hat schon im August 2013 im Kommentarbereich der Internetseite "Sezession" (1) aus Anlass der damaligen abstoßenden Vergewaltigung in Indien etwas geschrieben, von dem zuvor auch hier auf dem Blog gesprochen worden war (Wenn Politiker vergewaltigen), und was natürlich heute, im deutschen Sommer des Jahres 2016 erneute Aktualität bekommen hat. 

Über die Gewalt in islamischen Ländern sagte er dort:

Ich fürchte, das ist nicht nur eine Sache der Kultur. 

Die meisten außereuropäischen Rassen sind impulsiver und aggressiver als wir. Das 2er-Allel des Monoaminoxidase A-Gens (MAOA 2R), eine Variante des sogenannten „Krieger-Gens“, das mit Impulsivität und Aggressivität korreliert ist, und das bei wegen schweren Straftaten verurteilten Gefängnisinsassen fast dreimal so häufig ist wie in der Normalbevölkerung, kommt bei weißen Europäern zu 0,1 bis 0,5 %, bei Ostasiaten nach bisherigen Untersuchungen gar nicht, bei Schwarzafrikanern zu 5,0 bis 5,5 % und bei Arabern zu 15,6 % vor. 

Da das Gen auf dem X-Chromosom liegt, von dem Frauen zwei haben, betrifft die Korrelation mit Impulsivität und Gewalttätigkeit fast nur Männer. Dazu paßt, daß in diesen Kulturen nach ethnologischen Berichten und der allgemeinen Homizidrate (Häufigkeit von Mord und Totschlag) Gewalt viel verbreiteter ist als bei uns.
Auf die Frage:
Daß das verminderte Vorkommen des „Krieger-Gens“ bei innereuropäischen und innerasiatischen Rassen eine Folge der Kultur ist (und nicht deren Ursache) halten Sie für ausgeschlossen ?
schreibt Vonderach:
Nein, das halte ich sogar für wahrscheinlich. Wir und die Ostasiaten haben uns unsere aggressiven Impulse in der Zivilisation weitgehend weggezüchtet, während die Araber als ausgesprochene Kriegergesellschaft sich die, verstärkt durch die Polygamie, wahrscheinlich regelrecht angezüchtet haben.

Ich kenne keine MAOA-2R-Daten für die Inder. Aber allgemein gelten die Südinder als eher friedlich, während die Nordinder schon etwas zu den Iranern und Arabern tendieren.
In diesen Ausführungen wird einmal erneut auf jene Gen-Kultur-Koevolution hingewiesen, die in den letzten Jahren immer stärker in das Blickfeld der Humangenetik geraten ist. Auch schreibt Vonderach:
Die Impulsivität, Aggressivität und starke sexuelle Ansprechbarkeit der Araber entspricht nicht nur der allgemeinen Erfahrung, sondern ist auch seit der Antike und dem Mittelalter immer wieder bezeugt. Die extremen Sanktionen in der islamischen Rechtsprechung scheinen hier ein notwendiges Korrektiv zu sein. Ebenso wie die Wegsperrung und Verschleierung der Frauen, die es in Nordafrika und dem Nahen und Mittleren Osten schon in der Antike gab, lange vor dem Islam.

Den ethischen Unterschieden in der Aggressivität und der sexuellen Ansprechbarkeit entsprechen übrigens auch der Testosteronspiegel, bzw. der anderer Androgene (männliche Geschlechtshormone). Der ist bei den Ostasiaten am niedrigsten, bei uns etwas höher, und bei Arabern und Schwarzen am höchsten. Die ethnischen Unterschiede bestehen übrigens in erster Linie bei jungen Männern und verschwinden im Alter weitgehend.
Und:
Kulturen unterscheiden sich auch in den Werten, die in ihnen gelten. Vergewaltigung als Tatbestand ist eine europäische Erfindung. In anderen Kulturen gibt es höchstens den Tatsbestand der „Schändung“, aber dabei geht es um die (Familien-)Ehre und die Jungfräulichkeit, nicht um das Wohlergehen der Frau.


In vielen Kulturen gilt es nicht als Schande, wenn ein Mann sich eine Frau „nimmt“, wenn er die Gelegenheit dazu hat. Deswegen werden ja im Islam die Frauen so weggeschlossen, weil man es dort für geradezu normal hält, daß es zu Sexualkontakten kommt, wenn ein Mann und eine Frau allein und unbeobachtet sind. 

Vergewaltigung in der Ehe war im Islam geradezu die Norm. Im Irak war es üblich, daß der Mann zu Beginn der Hochzeitsnacht vor den Augen seiner Braut eine Katze schlachtete, um sie gefügig zu machen. Die Frau sollte beim ehelichen Beischlaf ausdrücklich keine sexuelle Befriedigung erlangen, denn sonst würde sie die auch bei anderen Männern suchen, meinte man. 

Und die Zwangsheiraten von Minderjährigen in Indien sind ja wohl auch nicht allzuweit von Vergewaltigungen entfernt.

Natürlich können diese Aussagen von Andreas Vonderach noch nach vielerlei Richtungen hin differenziert werden. So könnte hervorgehoben werden, dass die islamische Hochkultur reiche Zeugnisse beseelter Liebesgemeinschaften zwischen Frau und Mann kennt. Hierfür könnte unter anderem zurückgegriffen werden auf das Buch von Sigrid Hunke "Allahs Sonne über dem Abendland". Aber auch diese Differenzierungen werden an der Richtigkeit der sehr allgemeinen Aussagen von Vonderach nichts ändern.

Niedrigerer IQ = geringere Empathiefähigkeit?

Andreas Vonderach sagt auch:

Die Grausamkeit in vielen außereuropäischen Kulturen hängt übrigens auch mit dem – praktisch überall außer in Ostasien – niedrigeren IQ zusammen. Mit dem ist eine geringere Fähigkeit, von sich selbst zu abstrahieren und die Position des anderen einzunehmen, verbunden. Dies bedingt nach Auffassung der kulturvergleichenden Piaget-Forschung (Georg W. Oesterdiekhoff u.a.) eine geringere Empathiefähigkeit. Eine Folge ist die große Grausamkeit im Strafrecht oder gegen Gefangene oder auch gegenüber Tieren. Das gilt tendenziell auch für unsere Unterschichten.

Ob hier Oesterdiekhoff zu folgen ist, dessen Forschungen doch noch nicht so breit anerkannt (oder auch nur bekannt sind) wie die Forschungen sonstiger Forscher auf dem Gebiet der Erblichkeit von Intelligenz und Verhalten, sei hier zunächst dahingestellt. Einen wahren Kern können auch diese Aussagen haben. Gegenüber einem auch heute noch üblichen Einwand betont Vonderach noch einmal - es dauert in derartigen Diskussionen heute noch lange, bis es alle verstanden haben:

Ich habe nicht gesagt, daß a l l e s Genetik ist, und ja auch selbst einige Beispiele für kulturelle Faktoren angeführt. Und natürlich erklärt auch ein einziges Gen wie das MAOA-2R-Gen nicht a l l e s.

Aber ganz sicher ist auch nicht a l l e s Kultur. Es besteht eine Wechselbeziehung zwischen Kultur und Biologie. In traditionellen Kulturen (quasi allen außer unserer seit dem 19. Jhdt.) ist sozialer, ökonomischer und politischer Erfolg mit größerem Fortpflanzungserfolg verbunden. Dadurch züchtete sich jede Kultur auf die Werte hin, die in ihr anerkannt waren und die den sozialen Erfolg ermöglichten. Bäuerliche Kulturen züchteten sich so auf Fleiß, Voraussicht und Verlässlichkeit, kriegerische auf Maskulinität und Aggressivität. 

Die Araber sind auch körperlich maskuliner als wir, haben einen maskulineren Körperbau, stärkeren Bartwuchs usw. und eben auch mehr Androgene, die Ostasiaten dagegen einen weniger maskulinen Körperbau, weniger Androgene usw. Das sind natürlich nur grobe Tendenzen, die in jedem Volk ihre besondere Ausprägung finden.

Die Wikinger und alten Germanen waren sicher aggressiver als wir, weil sie auf einer entsprechenden historischen kulturellen Entwicklungsstufe standen, mit entsprechenden Werten. Aber wir sind auch nicht mehr genetisch mit ihnen identisch. Zwischen den alten Germanen und uns liegen außerdem 2 000 Jahre bäuerliche und städtische Kultur. Übrigens besteht auch heute noch eine positive Korrelation zwischen hellblonder Haarfarbe und Risikobereitschaft.
Das dürfte man alles als wesentliche Ausführungen erachten. Und auf einen weiteren Einwand:
Die Korrelationen des MAOA-2R-Gens sind eine Tatsache, genauso wie die von mir angeführten Populationsunterschiede. Die kann man nicht einfach so als „angeblich“ vom Tisch wischen. Der Begriff „Krieger-Gen“ ist natürlich eine Journalistenerfindung gewesen. Es geht um spontane, impulsive Aggressivität und geringe affektive Selbstkontrolle.

Das ist eine Eigenschaft, die nach allem, was wir wissen, wir Deutschen sehr wenig aufweisen. Das zeigt zum Beispiel die Tatsache, dass die spontanen Gewaltverbrechen in Deutschland und den anderen germanischen Ländern seit Beginn der Kriminalstatistik wesentlich seltener sind als in Ost- oder Südeuropa, von Außereuropa ganz zu schweigen. Meiner Meinung nach zeigt das auch das Verhalten der deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg, wo spontane Übergriffe auf Zivilisten viel seltener waren als bei unseren Kriegsgegnern. Man denke nur an die Exzesse der Russen oder Tschechen, und selbst die Franzosen hatten da mehr auf dem Kerbholz als wir.
Das ist übrigens eine Frage, die hier auf dem Blog nach und nach noch genauer zu klären ist, inbesondere anhand der neueren Veröffentlichungen des Historikers Sönke Neitzel. Leider hat Neitzel noch nicht den Versuch gemacht, sein reichhaltiges, geheimdienstliches Quellenmaterial diesbezüglich statistisch auszuwerten, was erst eine wirklich fundierte Auswertung wäre. Vonderach aber ganz richtig weiter:
Soldatische Leistungen beruhen natürlich auf ganz anderen Eigenschaften.

Die amerikanischen Nationalcharakter-Studien im II. WK waren rein spekulativer, großteils psychoanalytischer Natur und keine wissenschaftlich seriösen Untersuchungen.

Die von Richard Lynn vorgebrachten Daten sind selbstverständlich empirische und belastbare Daten, selbst wenn er irgendwann einmal den IQ eines Landes aufgrund von anderen, ethnisch verwandten Nachbarländern geschätzt haben sollte. Das ist, wenn man den Landes-IQ wissen will und es keine Daten gibt, absolut legitim. Er hat darauf natürlich keine weiteren Schlussfolgerungen aufgebaut. Deswegen seine Ergebnisse, die wie gesagt auf belastbaren Daten beruhen, in Bausch und Bogen zu verwerfen, geht natürlich nicht an. Selbst wenn man Lynn beiseite ließe, gäbe es immer noch genug Daten, um die von ihm beschriebenen Rassenunterschiede zu belegen. 

Interessant - wieder einmal: Danach wurde die Diskussion recht schnell geschlossen. Was einmal erneut zeigt: Ob es also wirklich Anliegen von "Sezession" ist, dass alle Leser und Diskutanten eine einwandfreie Klärung der Zusammenhänge zwischen Genetik, Verhalten und den Unterschieden zwischen den Völkern bezüglich dieser Dinge wirklich verstehen, stehe dahin. Man ist Teil der christ-katholischen Lobby in Deutschland und fühlt sich da geistigen Zusammenhängen verpflichtet, die selten deutlich genug nach außen zum Vorschein kommen. Diese Zusammenhänge sind aber für den, der genau hinschaut, immer wieder klar erkennbar. Auch erkennbar in diesem Diskussionsabbruch. Man lässt auch Leute wie Andreas Vonderach nur so lange reden, so lange es nicht zu sehr ins Grundsätzliche und Weltanschauliche geht, so lange ein "christliches Menschenbild" nicht allzu sehr als obsolet im Raum steht und solange nicht nach alternativen, mit dem modernen naturwissenschaftsnahen Menschen- und Völkerbild besser vereinbaren humanen Welt- und Menschenbild gefragt wird.

Es sei abschließend noch gesagt, dass auch ein Begriff wie "Merkelsommer" natürlich verharmlosend und missleitend ist. Angela Merkel ist nur Politikdarstellerin und verantwortet nach außen eine Völkerzerstörung, für die ganz andere Kreise verantwortlich sind als nach außen sichtbar werden. Solange diese - nur allzu oft pädokriminellen, satanistischen - Kreise nicht intensiver unter die Lupe genommen werden, gewinnen wir ein falsches Bild von der heutigen Politik und was in ihr möglich ist und wie man sich dagegen wehren kann und sollte.

Im August 2013 hieß es in unserem Blogbeitrag noch: Im aktuellen Heft der Zeitschrift "Sezession" (August 2013) hat der wissenschaftlich sehr sauber und stringent argumentierende Evolutionäre Anthropologe Andreas Vonderach einen Beitrag über Kevin MacDonald veröffentlicht unter dem Titel "Jüdische Gruppenstrategie". In einer Inhaltsangabe heißt es:

Andreas Vonderach untersucht abwägend die jüngst übersetzten Bücher des US-Psychologen Kevin MacDonald, dessen Lebenswerk dem Judentum gewidmet ist.
Leider ist der Artikel offenbar nicht im Internet zugänglich. Auch wurde damals berichtet:
Ellen Kositza (...) schloss das Lektorat am neuen Buch von Andreas Vonderach ab, das die Völkerpsychologie zum Thema haben wird.

Hier sind überall Quellen genannt für ein modernes, aufgeklärtes, naturwissenschaftsnahes und humanes Menschen- und Völkerbild, das allein modernen Wissenschaftsgesellschaften würdig ist und von diesen breit zu erörtern ist, ganz unabhängig von der sonstigen politischen Zielsetzung und Ausrichtung. 

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  1. Vonderach, Andreas: Kommentare zu dem Artikel von Heino Bosselmann "Frauen in der Fremde" auf: Sezession.de, 19. März 2013

Freitag, 13. Mai 2016

Mein Genom: Begabungen, Neigungen, Körperreaktionen, Erbkrankheiten

Die Gene, die Begabungen, Neigungen, Körperreaktionen und Erbkrankheiten bestimmen, kann inzwischen jeder für sich ablesen lassen
- Hier als Beispiel ein Ausschnitt meiner eigenen

Vor zwei Wochen war er endlich da, der "Ancestry Report", mein Vorfahren-Bericht von der Firma 23andMe, bei der ich mein Genom hatte sequenzieren lassen (GA-j!, 27.4.2016). Aber es hatte zunächst eine Enttäuschung gegeben: Der "Health Report", der Gesundheits-Bericht der Firma 23andMe, wird in Deutschland nicht zur Verfügung gestellt. Warum auch immer.

Aber nicht so schlimm! Auf dem Nutzer-Forum von 23andMe habe ich nun zwischenzeitlich den wertvollen Hinweis erhalten, dass man diesen "Health Report" auch bei "Promethase" bekommen kann (SNPedia, bzw. Promethease.com). Das kostet nur 5 Dollar (zu bezahlen per Kreditkarte oder über Bitcoin). Und nur fünf Minuten nach der Bezahlung bekommt man von dort den Bericht. Nämlich nachdem man die Rohdaten, die man von 23andMe erhalten hat, Promethase zur Verfügung gestellt hat.

Und nun lese ich die ersten Auszüge aus diesem Gesundheitsbericht von Promethase und schreibe hier gleich mit. Es soll im folgenden nur ein erster Ein- und Überblick gegeben werden. Es wird bald deutlich, dass es da zu fast jedem gefundenen Genotyp noch viel zu erforschen und weiter zu fragen gibt. Auch wird deutlich, dass es sich beim folgenden nur um einen ersten Ausschnitt handelt, und dass man Tag für Tag neue Entdeckungen macht.

Ein Wikipedia für humangenetische Beratung: "SNPedia"

SNPedia, so kann kurz gefasst gesagt werden, ist das Wikipedia für humangenetische Beratung. Da man mit ihm arbeiten muss, sollte man sich zuvor klar machen, wie SNPedia seine Auskünfte aufschlüsselt (nach SNPedia-Hilfe). Jedes SNP, also jeder "Einzelnukleotid-Polymorphismus" (Wiki), wird von SNPedia folgendermaßen charakterisiert, bzw. eingeordnet:

- Unter "Repute" (Ansehen) wird eine Aussage gemacht darüber, ob es generell als ein positives genetisches Merkmal eingeschätzt wird oder als ein negatives (good oder bad, gut oder schlecht). Entsprechend erfolgt auch eine farbliche Charakterisierung.

- Unter "Magnitude" (Bedeutsamkeit) wird eine Einschätzung gegeben, wie spannend das jeweilige SNP sein könnte, zum Beispiel aufgrund seiner Seltenheit oder seiner bedeutsamen Auswirkung willen. (Diese Einschätzung kann sich im Laufe der Zeit ändern, etwa durch neue Nutzer-Bewertungen oder durch neue Forschungsergebnisse.)

- Unter "References" (Referenzen) wird die Zahl der wissenschaftlichen Studien genannt, die bislang zu diesem SNP Erkenntnisse liefern (es können aber inzwischen auch schon mehr sein als angegeben).

- Unter "Frequency" (Häufigkeit) wird eine Angabe gemacht über die Häufigkeit des SNPs in jener Population, der man von SNPedia (bzw. 23andMe) - vorläufig - zugeordnet worden ist. Es handelt sich auffälliger Weise schlussendlich wieder einmal um Ethnien. Weil wenig anderes "Sinn" macht. Und warum macht es wenig Sinn? Nun, weil der Mensch, wie wir seit bald zehn Jahren unaufhörlich auf unseren Blogs und auch auf den Scilogs*) betonen und herausarbeiten, bislang immer in Völkern, in Ethnien evoluiert ist. Und weil es viel Sinn macht, wenn die Menschen sich darauf ausrichten, dass das auch künftig so sein wird. Weshalb auch Frauke Petry so viel recht gehabt haben wird, als sie einen Tag vor dem letzten AfD-Parteitag in Stuttgart, nämlich am 28. April 2016, in einem Fernseh-Interview - und im Anschluss daran auf ihrem Facebook-Profil - dazu angeregt hat (Facebook),
mit dem Begriff ,Volk' oder ,völkisch' entspannter umgehen, denn sich für das eigene Volk einzusetzen, ist die Aufgabe eines jeden Politikers und ich spreche über die Zukunft unserer Partei.
Aber das hier nur am Rande. Populationen jedenfalls werden auf SNPedia zunächst nur von jenen gebildet, die auch am häufigsten bei SNPedia mitarbeiten. Ich bin bislang dort eingeordnet in die Population der Europäer nord- und westeuropäischer Abstammung ("Caucasians from Northern and Western Europe"). Aber es gibt dort inzwischen auch schon die Populationen der Mexikaner, der Hanchinesen, der Toscana-Italiener, der Japaner, der (Yoruba-)Afrikaner, der Massai und der Inder. Und es ist mitunter außerordentlich spannend, die Häufigkeit der eigenen Gene (genauer: SNP's) in der eigenen Bevölkerung mit der Häufigkeit der eigenen Gene (genauer: SNP's) in den anderen Populationen zu vergleichen. Was mit einem Mausklick möglich ist. Das ist fantastisch. Bei der Koffeinverstoffwechslung beispielsweise oder bei der Hautfarbe habe ich da gleich sehr spannende Dinge gefunden (siehe unten!).

- Unter den "Topics" kann man dann auch noch zusätzlich nach typischen ethnischen Genmerkmalen suchen, etwa für "aschkenasische Juden" (bislang 23 SNP's), Afrikaner (bislang 4 SNP's), amerikanische Ureinwohner (bislang 2 SNP's), Neandertaler (bislang 36 SNP's). Man kann hier aber auch suchen nach SNP's, die verantwortlich gemacht werden für die Lebensdauer (aging), für Sommersprossen, Haarfarbe, Augenfarbe, Intelligenz, Persönlichkeitstyp, psychische Anfälligkeiten ("mental health"), musikalische Begabung, Schmerzverarbeitung und so weiter und so fort.

Nach all diesen Sortierungs-Möglichkeiten kann ich meine eigenen SNP's sortieren und einordnen, vergleichen, bzw. werden mir die "spannendsten" zunächst vorgeschlagen. Ich muss zugeben, dass ich trotz all dieser Sortierungsmöglichkeiten vieles nicht gleich finde, was ich gerne schneller finden würde. Aber hier lernt man ja Tag für Tag dazu durch Ausprobieren. Und dieser Blogbeitrag kann und will eigentlich nur jeden Leser dazu anregen, dieses Ausprobieren selbst durchzuführen. Es handelt sich dabei um humangenetische Volksbildung vom Allerfeinsten. Sozusagen um ein "Selbstlernprogramm". Obwohl natürlich - zum Beispiel - die Volkshochschulen ruhig auch einmal Kurse anbieten könnten, wie man solche Dinge für sich recherchiert. 

Erhöhtes Risiko für Schilddürsenkrebs

Also. Ich habe (gegenüber der Durchschnittsbevölkerung)

- ein 1,6 fach größeres Risiko, Prostatakrebs zu bekommen ("rs6983267(G;G) 1.6x increased risk for prostate cancer; also other cancers 1.4 times as likely to develop colorectal cancer"),

- ein siebenfach größeres Risiko, eine Glatze zu bekommen ("gs122").

Ich habe ein erhöhtes Risiko gastrointestinale Blutungen zu bekommen, wenn ich Ibuprofen nehme ("problem metabolizing NSAIDs impaired NSAID drug metabolism, which is a risk factor for gastrointestinal bleeding when taking any of these medications: aceclofenac, celecoxib, diclofenac, ibuprofen, indomethazine, lornoxicam, meloxicam, naproxen, piroxicam, tenoxicam and valdecoxib").

Ich habe eine genetische Anlage für hellgrüne, braune oder haselnussbraune Augenfarbe ("gs241"). Mein Phänotyp ist aber graublau! :)

Ich habe ein 9,2-fach erhöhtes Risiko, Schilddrüsen-Krebs zu bekommen, weil mein damit in Verbindung stehendes SNP homozygot ist ("rs2145418(G;G)"). Und sofort stellt sich mir die Frage, ob dieses SNP auch etwas mit jener Schilddrüsenhormonmangel-Erkrankung zu tun haben kann, die nicht bei mir, aber bei Verwandten erstes Grades vorkommt. Da ist also gleich ein erster konkreter Ansatzpunkt da, in der nächsten Zeit weiter zu recherchieren.

Ich habe - aufgrund einer Genvariante ("rs16969968(A;A)") - ein höheres Risiko, von Nikotin abhängig zu werden, die zugleich ein geringeres Risiko mit sich bringt, von Kokain abhängig zu werden. Nun scheint diese Genvariante aber durch andere (bekannte oder unbekannte) Genvarianten wieder modifiziert zu werden. Sowie durch günstige Kindheits- und Sozialisierungs-Bedingungen. Beide Eigenschaften sind jedenfalls seit fünfzig Jahren phänotypisch Null Komma nichts zu beobachten gewesen bei mir.

Ich habe ein erhöhtes Risiko, an Zöliakie zu erkranken ("rs3184504(T;T)"). Und in der Tat: Zöliakie-Erkrankung gibt es zwar nicht unter den Verwandten ersten, wohl aber unter genetischen Verwandten zweiten Grades.

Ich habe ein 3,6-fach erhöhtes Risiko, sexuelle Dysfunktion zu bekommen, wenn ich SSRI-Antidepressiva nehme ("rs6311(C;C)"). Zum Glück habe ich noch keine genommen. Aber Citalopram ist mir vor knapp zwei Jahren schon einmal - angesichts von Dauerstress - von Bekannten empfohlen worden. Ich hab es ungebraucht in der Schublade liegen lassen, inzwischen ist das Verfallsdatum überschritten. Eine innere Stimme muss mich gewarnt haben. - Weiter heißt es:
"rs6311 together with rs6314 have a modest effect on depression severity. (...) Three (rs643627-rs594242-rs6311: A-C-T), two (rs594242-rs6311: C-T) and a single functional (rs6311: T) marker were protective against suicidal behavior. The complementary markers (rs594242-rs6311: G-C and rs6311: C) were associated with increased risk for non-violent and impulsive suicidal behavior. Furthermore, CC-homozygotes for the functional SNP rs6311 reported more anger- and aggression-related behavior."
Also dieses SNP scheint schon für sich ein Schutz gegen Selbstmord-Verhalten zu sein, scheint aber überdurchschnittlich mit Zorn- und Aggressions-Verhalten verbunden zu sein. Vielleicht ist ja letzteres der Schutz gegen Selbstmord-Verhalten, weil man Frust nicht in sich hinein frisst. Ja, so würde ich mich schon mitunter charakterisieren. (Schon in der Schule plädierte ich im Unterricht für den Grundsatz: "Macht kaputt was euch kaputt macht!")

Erhöhtes Risiko für Zöliakie

Ich bin heterozygot, was eine genetische Anlage für Hemochromatose betrifft, die eine häufige nord- und mitteleuropäische Erbkrankheit ist, und die (wohl) auftritt, wenn man homozygot ist. ("You are unlikely to be affected unless also a carrier of rs1800562(A) C282Y, but others in your family may be. This is a treatable condition.") ("rs1799945(C;G)") Ich habe noch nicht gehört, dass das in meiner Familie irgendwo aufgetreten ist.

Tja, was nicht alles in Deinen Genen steht, kleiner Mann
(Aufnahme von 1966)

Ich habe noch eine weitere Anlage, die ein zweifaches Risiko mit sich bringt, eine Glatze zu bekommen ("rs2180439(T;T)"). Die Gene haben sich gegen mich verschworen.

Ich habe ein 1,3-fach erhöhtes Risiko, Brustkrebs zu bekommen (das sollen auch Männer kriegen können, wir mir gerade gesagt) ("rs2981582(C;T)".

Ich habe ein 1,5-fach größeres Risiko, eine koronare Herzerkankung zu bekommen ("rs1333049(C;G)").

Wow, und das folgende ist ja auch spannend: Ich kann leichter Irrtümer vermeiden dank einer Dopamin-Rezeptor-Variante ("rs1800497(C;C)"), die zugleich mein Risiko, ADHS, Alkohol-, Nikotin- und Essen-abhängig zu werden (sprich übergewichtig zu werden), sowie zu postoperativer Übelkeit, herabsenkt. Es gibt da etwa den schönen Satz: "Lower obesity due to increased pleasure response to food." Also: Ich habe eine geringeres Risiko, übergewichtig zu werden, weil ich eine intensivere Lust-Reaktion, Befriedigung habe über Essen, das ich zu mir genommen habe. Aha, aha. .... 

Wem soll ich noch etwas von dieser tollen Variante abgeben? :) Dopamin gilt ja als Glückshormon. Und es dürfte sehr spannend sein, nun allerhand Forschungsstudien zu dieser Genvariante zu lesen ... (Die findet man, das kann ich ja gleich mal sagen, schön versammelt auf der OMIM-Datenbank, die "Online Mendelian Inheritance of Man"-Datenbank.) Hier kommen wir dick hinein in den Bereich der Verhaltensgenetik, der ja noch viel spannender ist als die Genetik bloß körperlicher Merkmale. Das ist übrigens fast schon ein philosophischer Satz: Indem mir mein Körper eine intensivere Lust-Empfindung beim Essen gibt, esse ich nicht mehr (!), sondern weniger. Hätte man nicht ohne diese Erkenntnis geglaubt, dass größere Lustreaktion dazu führt, dass man noch mehr essen möchte?

"Increased pleasure response to food"

Ich habe auch eine Variante, die die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ich das Empfinden habe, dass Koriander wie Soße schmeckt. So so.

Ich habe ein 1,3-fach erhöhtes Risiko, an Typ 2-Diabetes zu erkranken. Das damit in Zusammenhang stehende SNP (Einzelnukleotid-Polymorphismus) liegt auf Chromosom 6 und kommt, häufiger bei aschkenasischen Juden vor und haben - soweit ich sehe - im nördlichen und westlichen Europa ("Caucasians from Northern and Western Europe") 10 % der Bevölkerung ("rs7754840(C;C)".

Soweit ein erster kleiner Einblick. Übrigens gibt es in den USA eine neue Berufsrichtung, den "genetic counselor" (Wiki). Also den "genetischen Ratgeber". Jemanden, der einem hilft, die Rohdaten der Sequenzierung seines persönlichen Genoms besser zu verstehen und daraus konkrete Handlungsrichtlinien abzuleiten. Ein toller Beruf, in Deutschland läuft das unter "humangenetische Beratung" (Wiki).

Ein Blick in die Verwandtschaft bestätigt vieles

Ergänzung: Noch am gleichen Tag der Veröffentlichung dieses Beitrages (da war er nur halb so lang wie jetzt) habe ich die Zuschrift einer weiblichen Verwandten mütterlicherseits bekommen:
Hier einige Familien-Krankheiten: Eine Deiner Tanten hat Typ II Diabetes. Deine Großmutter hatte Dickdarmkrebs (und auch schwarzen Hautkrebs), Brustkrebs können auch Männer kriegen (Brustkrebs hatten eine Deiner Großtanten und eine ihrer Töchter), zwei oder drei Deiner Onkel haben/hatten Prostatakrebs, Glatze hatte Dein Großvater, seine Söhne haben noch keine. Nikotinsüchtig waren Dein Großvater und zwei seiner Söhne, einer davon ist es noch immer.
Das bestätigt ja sehr schnell sehr deutlich vieles von dem oben Gesagten. Durch weitere Gespräche erfahre ich: Mein Großvater mütterlicherseits kam schon mit schütterem Haar aus dem Ersten Weltkrieg nach Hause. Weil er so viel den Helm tragen musste, heißt es. Mein Opa väterlicherseits war ebenfalls ein starker Raucher ("Overstolz ohne"). Und eine Tante väterlicherseits hatte Brustkrebs.

Da wären also in unserer Familie baldmöglichst Vorsorge-Untersuchungen anzuraten. Das war mir so noch nicht klar. Und das dürfte schon ein erster sehr konkreter Nutzen sein, wenn man seine Gene sequenzieren lässt. Nämlich zu wissen, dass und welche Vorsorgeuntersuchungen für einen von Bedeutung sein könnten.

Meine Leber verstoffwechselt Koffein sehr schnell

Fortsetzung am Folgetag, den 15.5.: Aha, indem ich aus der Rubrik "Topics" einige spannende auswähle, erhalte ich schnell weitere spannende Ergebnisse. Nämlich:

Meine Leber verstoffwechselt Koffein schnell ("rs762551(A;A)"). Dieses SNP haben 53 % aller Nordmitteleuropäer, 58 % aller Mexikaner, 44 % aller Hanchinesen, 40 % der Toscana-Italiener, 35 % der Japaner, 32 % der (Yoruba-)Afrikaner, 28 % der Massai, 25 % der Inder:
"caffeine is broken down faster in your liver, so it has less effect on you. (...) In terms of genotypes, only rs762551(A;A) individuals are considered fast metabolizers. Individuals who are rs762551(A;C) heterozygotes or rs762551(C;C) homozygotes are both considered slow metabolizers."
- - - Ich bin allerdings der Meinung, dass Koffein eine sehr große Wirkung auf mich hat. Deshalb ist für mich genaue Dosierung sehr wichtig. Zum Frühstück zwei Tassen Kaffee (nicht zu stark und nicht zu schwach) und um 15 Uhr noch einmal eine Tasse Kaffee ist für mich gleichbedeutend mit der Möglichkeit geistiger Höchstleistungen. Trinke ich den Nachmittagskaffee (oder grünen oder schwarzen Tee) nach 17 Uhr, schlafe ich in der Regel schlecht ein oder schlafe überhaupt schlechter, bzw. unruhiger. Tja, da gibt es also allerhand Diskussions- und Vergleichsbedarf.

Wann gibt es für so etwas endlich ein deutschsprachiges Forum? Das - wie mir scheint - sehr stark moderierte Nutzer-Forum auf 23andMe (auch nur für angemeldete Nutzer) ist vornehmlich mit Herkunfts-Haplotypen befasst, die man - im Vergleich mit den hier behandelten kodierenden SNP's - inzwischen doch längst als ziemlich langweilig empfinden kann. Außerdem ist es auch noch thematisch wenig übersichtlich gegliedert. Ich kann den Eindruck nicht loswerden, als hätte das Methode. Mag sich aber jeder denken dazu, was er will. Jedenfalls ist mir noch nicht ganz klar geworden, warum der Konstanzer Biologe Axel Meyer die Internetseite von 23andMe als so empfehlenswert ansieht, wie er das Anfang des Jahres auf Facebook getan hat. Es wäre gut, wenn dieser Bereich der "consumer genetics" bald wieder weniger monopolisiert würde als dies derzeit der Fall ist mit 23andMe und als Folge der Einstellung des Dienstes der Isländischen Firma DeCodeMe, die lange Zeit so gute wissenschaftliche Arbeit geleistet hat, und die auch weiterhin viel Schwung in diese Entwicklung hätte bringen können (Wiki).

Wie spannend die ganze Thematik ist, wird auch gleich sehr deutlich an dem folgenden, sehr tollen Ergebnis: "rs1426654(A;A)" auf Chromosom 18 ist (mit-)verantwortlich für die Hautfarbe und bedeutet laut SNPedia, dass ich "wahrscheinlich hellhäutig und europäischer Abstammung" bin:
estimates that the rs1426654(A) allele (light skin pigmentation) spread through the European population around 6,000 - 12,000 years ago. Prior to that, 'European ancestors' were most likely relatively brown-skinned.
Dieses SNP hat sich also erst seit und mit der Einführung des Ackerbaus in Europa ausgebreitet. Die ausgestorbenen Jäger und Sammler, die zuvor in Mitteleuropa lebten, waren (nach der Untersuchung der erhaltenen DNA in ihren Skeletten dunkelhäutiger. Aufgrund dieser evolutionären Geschichte hat dieses SNP heute bei Nordwesteuropäern eine Häufigkeit von 100 %, bei Toscana-Italienern eine solche von 99 %, bei Indern von 89 %, bei Mexikanern von - - - 33 %, bei Massai von - - - 10 % (- immerhin! auffällig! spannend! - woher kommen überhaupt die 10 %?!) und bei Hanchinesen, Japanern, Afrikanern eine Häufigkeit von sage und schreibe - - - 0 %! Es liegt hier also konvergente Evolution von heller Hautfarbe vor, sprich parallele Evolution in Nordeuropa und in Nordasien. Das ist ja schon seit einigen Jahren bekannt und ich schrieb darüber auch schon auf meinem Wissenschaftsblog. Schön, das jetzt in den eigenen Genen wieder zu sehen.

Ich bin voller Vertrauen und Einfühlsamkeit gegenüber meinen Mitmenschen - und gegenüber Kindern ;)

Weiter: SNP "rs53576(G;G)" auf Chromosom 3 ergibt eine Variante im Oxytocin-Rezeptor-Gen und lässt mich - womöglich - Stress besser verarbeiten und mich leichter die Emotionen anderer erkennen und mich weniger schreckhaft sein. Es scheint so zu wirken, als ob ich eines zusätzlichen Sprühstosses Oxytocin in die Nase nicht bedürfte, um all diese positiven Eigenschaften Wirklichkeit werden zu lassen. Es lässt mich also allgemein mehr Vertrauen in meine Umwelt haben und mich ein verträglicher, umgänglicher Mensch sein! Wer möchte diese Variante auch haben? ;)

Sie scheint aber nur zu 0,4 % in der Bevölkerung verbreitet zu sein (- ?). Wirklich? Vielleicht lese ich das auch grade falsch. Studien haben jedenfalls ergeben, dass Menschen mit dem G-Allel einfühlsamer sind, sich weniger allein fühlen, auch als Eltern einfühlsamer sind und niedrigere Häufigkeit von Autismus aufweisen. SNPedia führt zahlreiche neuere Studien an für das eben Gesagte. Das ist ja praktisch ein Supergen! Super, Ingo! (Oh, weia, wenn ich das meinen nächsten Angehörigen erzähle, die verstehen die Welt nicht mehr ... Die werden sagen: Ingo, was bloß hast Du mit dieser Begabung gemacht. Wie ist sie auf den Hund gekommen!)

Der einsichtsvolle Humangenetiker sagt an dieser Stelle vielleicht: Da wird es noch Antagonisten geben, also Genvarianten, die gegenteiliges Verhalten wahrscheinlich machen! :) Tja, wir können eben nichts Positives ohne das Gegenteil denken!

Aber noch ein anderer Gedanke: Hat jemand, der so verträglich und vertrauensvoll ist, mehr Mut, sich von Menschen zu isolieren, als jemand, der das nicht ist? Sprich, mehr Mut, abweichende Meinungen zu vertreten? Könnte ja sein ... Dann wäre der Blog "Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!" der "rs53576(G;G)"-Blog! :)

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*) Aus diesem Anlass sehe ich heute, am 15. Mai 2016 gerade, dass mein Scilogs-Beitrag aus dem Jahr 2011 im Rahmen des dortigen "Bloggewitters" "Deutungshoheit der Biowissenschaften" (siehe auch hier) nicht mehr im Netz zugänglich ist! (siehe auch GA-j! 2011) Deshalb wurde er gerade hier auf dem Blog (erneut) öffentlich zugänglich gemacht.

Freitag, 1. November 2013

"Das Fremde in mir, in meinem Gesicht"

Sind Kulturunterschiede des Gehens und des In-die-Welt-Sehens angeboren?

Eine 1977 in Daegu in Südkorea geborene, dort von den leiblichen koreanischen Eltern ausgesetzte und von einem dortigen katholischen Waisenheim im siebten oder neunten Lebensmonat in eine deutsche Familie nach Osnabrück abgegebene Frau, ein Adoptivkind, fragt in ihrem 30. Lebensjahr, nachdem sie in ihrem Leben vor allem beruflichem Erfolg hinterher gejagt war, nach Grund, Herkunft und Ziel ihres Lebens.

Abb. 1: Miriam Yung Min Stein - in ihrem Lebensbericht "Black Tie" (2012)

Wir sprechen von der Journalistin, Film- und Theaterproduzentin Miriam Yung Min Stein (geb. 1977) (Wiki) (1-3). Der berufliche Erfolg für sich genommen hat bei ihr nur innere Leere zurückgelassen. Und so fragt sie nach dem Sinn ihres eigenen, ganz persönlichen Lebens. Zum ersten mal stellt sie sich bei diesem Anlaß dem "Fremden" in ihr und in ihrem Gesicht. Diese Frage hatte sie lange verdrängt. Nun stellt sie sich diesem Fremden, sie fragt ihm hinterher.

Sie reist nach Südkorea, nach Daegu. Ihr wird bewußt, daß diese Fragen mit vielen Schmerzen verbunden sind. Als Schlußfolgerung ihrer Auseinandersetzung befürwortet sie es nicht, nämlich das Abgeben und Annehmen von Adoptivkindern von einem Erdteil in einen anderen.

Philipp Rösler auf weiblich und koreanisch, statt männlich und vietnamesisch. Gleich ist auffälligerweise, daß beide durch ein katholisches Waisenheim nach Deutschland abgegeben worden sind in norddeutsche Familien, wo beide Adoptivkinder je auf Adoptiveltern stießen, die schon leibliche Kinder hatten, die nun ihre Geschwister wurden.

Man legt den Bericht von dieser Konfrontation mit dem Fremden in sich, in ihrem Gesicht (1) mit Betroffenheit zur Seite, bzw. sieht sie mit Betroffenheit darüber reden (2). Und man wird sich erst beim Lesen ihres Buches, beim Hören ihres Berichtes bewußt, welche Wohltat es ist zu wissen, woher man kommt, wo die eigene Heimat ist und keinen Zwiespalt in sich zu spüren zwischen dem, was man ist und dem, wie man aussieht.

Ein deutsches Adoptivkind koreanischer Herkunft betreibt Verhaltensforschung und Kulturpsychologie am lebenden Objekt - an sich selbst

Nach dem Lesen ihres Buches kann man sich auch ein Hörinterview mit ihr anhören (Berlin Audiovisuell, Januar 2009). Folgende Sätze in diesem lassen einen besonders aufhorchen und müßten im Grunde jeden klassischen Verhaltensforscher nach der Art eines Irenäus Eibl-Eibesfeld aufhorchen lassen (etwa nach der Hälfte des Interviews):

... Frage: So nach dem Motto, wie viel asiatische Mentalität ist in mir, obwohl ich dort nie war und die Sprache nicht beherrsche?
Antwort von Miriam Stein: Es gibt tatsächlich so körperlich asiatische Dinge an mir, die - da kommt dann die Frage nach der Genetik auf und so weiter - also bestimmte Sachen, motorische Sachen, kulinarische Sachen, die sehr asiatisch sind.
Frage: Ja, man geht anders in Europa?
Antwort: Man geht anders in Asien, würde ich sagen. Aber es kommt auf die Perspektive an. Es fängt ja schon da an, daß im Durchschnitt, durchschnittliche Frauen in Ostasien kleiner sind, überhaupt Menschen sind einfach kleiner, ein bischen schmaler und so weiter. Und mein Bild, das Bild, das ich kenne, sind natürlich große, blonde deutsche Menschen. Und allein das ist natürlich schon extrem anders. Jede Kultur oder jedes soziale Netzwerk hat natürlich seine eigenen Gepflogenheiten, auch aus motorischer Sicht. Sie wissen ja, Deutsche neigen ja eher zur Bodenständigkeit und in Frankreich wird eher getippelt und in Italien wird eher gegockelt. Und so ist es natürlich in Asien auch. Und Ostasien hat halt so eine ganz bestimmte (Art zu gehen), grade bei Frauen so mit dem leicht gesenkten Blick und nach unten mit kleinen komischen Schritten. Und das habe ich tatsächlich immer gehabt. Und ich bin immer ausgelacht worden. Und als ich dort war, habe ich so ehrlich gesagt: na also.

Es wäre noch einmal zu klären, ob diese Beobachtung mit den Forschungen des Soziobiologen Daniel G. Freedman (1927-2008) (Amaz., UChicago) abgeglichen werden können, der Verhaltens- und Motorik-Unterschiede schon bei neugeborenen Babies unterschiedlicher kontinentaler Herkunft festgestellt hat und diese in größere kulturwissenschaftliche Zusammenhänge gestellt hat (6).

In einem anderen Interview fällt der Satz (Brigitte):

Du schreibst, daß du manchmal das Gefühl hattest, im falschen Land zu Hause zu sein.

Sie sagt in diesem Interview auch:

Auf der Reise habe ich gemerkt, daß Korea ein tolles Land ist. Das Fremde in mir, in meinem Gesicht, ist mir quasi vorgestellt worden.

Da redet sie wirklich sehr kraß: "Das Fremde in mir, in meinem Gesicht."

"Ich hatte früher immer Heimweh, ich habe als Baby nachts wahnsinnig viel geweint"

  Und sie sagt:

Ich hatte früher immer Heimweh. Und als Baby habe ich nachts wahnsinnig viel geweint. Das ist hart - auch für die Eltern. Und dann das kulturelle Chaos, das eine Adoption auslösen kann.
Sie sagt über Adoption aus einem anderen Erdteil:
Wenn man einem Kind helfen will, warum nicht im eigenen Land? Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen: Man muß den Müttern helfen. In Korea wurden über 200.000 Kinder aus dem Land adoptiert. Was hat das für diese 200.000 Frauen bedeutet?
Auf die Frage nach Reaktionen auf ihr Buch sagt sie:
Von jungen Adoptierten habe ich viele positive Rückmeldungen bekommen. Es gab aber auch ganz böse Reaktionen von Adoptivmüttern, die jetzt noch kleinere Kinder haben. Ich will natürlich niemandem verbieten, Kinder zu adoptieren. Aber die jetzt erwachsenen Adoptierten haben das Recht auf eine kritische Debatte.

Daß in westlichen Gesellschaften noch heute so viele Adoptivkinder aus anderen Erdteilen "importiert" werden, beruht klar auf ideologischen Vorgaben. Auf der Multi-Kulti-Ideologie. Auf der ideologischen Vorgabe, daß die unterschiedliche genetische Herkunft und die unterschiedliche frühkindliche muttersprachliche Prägung weltweit nicht wichtig sind für die Herausbildung der eigenen Identität von Menschen und der von ihnen gebildeten "Vergemeinschaftungen". Es paßt auch nahtlos zu den globalisierenden Doktrinen der katholischen Kirche. Es wird derartiges Adoptieren noch heute richtiggehend beworben, indem bekannte Stars wie Madonna oder Angelina Jolie und Brad Pitt, die das tun, als vorbildlich hingestellt werden.

Miriam Stein spricht von schnulzigen oder schmalzigen Presseberichten über diese - - - "Vorbilder". Aber wer glaubt, daß genetische Herkunft und frühkindliche muttersprachliche Prägung "nicht wichtig" seien, der höre doch einfach einmal nur inzwischen erwachsen gewordenen Adoptivkindern zu. Sie erzählen etwas anderes. Und man bekommt plötzlich Hochachtung vor dieser großen Macht. Der Macht der Gene, der Macht der Herkunft, der Macht der Muttersprache, der Macht der Heimat, der "Macht" des eigenen Volkes. Warum auch wird diese große Macht, diese Größe in unserem Leben fortlaufend kleingeredet, weggeredet? Was ist das Ziel? Was ist die Absicht? All das ist doch etwas durch und durch Natürliches. Hier hat der Mensch Heimat, hier hat er Geborgenheit - alles Größen, nach denen doch moderne Gesellschaften händeringend suchen.

Man möchte fast meinen, daß Miriam Stein ihre Situation mit geradezu deutscher Gründlichkeit analysiert. Im Gegensatz zu vielen anderen Buchlesern (auf Amazon oder sonst) kann ich am Ende ihres Buches nichts wirklich Versöhnliches finden. In einem nachfolgenden Interview (3) wird Miriam Stein geradezu zu einer Lobpreiserin der multikulturellen Gesellschaft, in der sie nun in Berlin lebt. Oder auch: in die sie sich geflüchtet hat. Dies ist ihre "Heimat". Hier sind die Menschen so "bunt", daß sie mit ihrem typisch asiatischen Aussehen nicht gar so sehr auffällt. Wo sie nicht so auffällt wie sie in den 1980er Jahren in Osnabrück aufgefallen ist. Hier spricht man - im Gegensatz zu Südkorea - eine Sprache, die sie selbst spricht, und in der sie sich selbst sich und anderen erklären kann. Was ihr in Südkorea nicht möglich war. Denn ohne die Sprache zu beherrschen, stand sie dort - obwohl dort alle so aussehen wie sie selbst - außen vor.

Ihr wurde erst in Südkorea bewußt, wie sehr der Mensch durch die Muttersprache zu dem gemacht wird, was er ist und wie sehr ihn die Muttersprache mit anderen Menschen verbindet, bzw. ihn von diesen trennt.

Sind Äußerlichkeiten "nur" Äußerlichkeiten?

Beim Lesen dieses Buches wird einem deutlich: Es ist schon reichlich merkwürdig, daß unsere heutige Kultur, die sonst immer so viel auf "Äußerlichkeiten" wert legt, gerade die "Äußerlichkeiten" der physischen Rasseunterschiede kleinzureden versucht und so tut, als wären sie ganz ohne Bedeutung.

Man frage dann doch einmal, wie es Adoptivkindern damit geht oder gehen kann. 

Miriam Stein hat sich ständig damit auseinanderzusetzen. Wenn man Videos von ihr im Internet sieht (abc), wird einem erst bewußt, wie sehr koreanisch sie aussieht. Wer Koreaner kennt, weiß, daß es auch unter ihnen Menschen gibt, die mehr Europäern ähneln als andere Koreaner. Aber Miriam Yun Min Stein wirkt aus irgendeinem Grund noch koreanischer als viele  Menschen, die in Korea geboren und aufgewachsen sind. Deshalb wird sie diesen Gegensatz und Zwiespalt womöglich noch krasser empfinden als andere. Zumal auch noch einmal die norddeutsche Art, ihr norddeutscher Sprachduktus den Gegensatz zu ihrer Herkunft verstärken, mehr verstärken als dies womöglich ein süddeutscher Dialekt und damit verbundene süddeutsche Art tun würden. (In Süddeutschland findet man ja auch häufiger Menschen, die trotz ihrer Jahrhunderte alten deutschen Herkunft Miriam Stein äußerlich mehr ähneln als in Norddeutschland.)

"Ich bin nicht undankbar, aber: Internationale Hilfe kotzt mich an."

In ihrem Bühnenauftritt "Black Tie" versucht sie, sich ihre Gefühle als neun Monate altes Mädchen klar zu machen, als sie in ihrer deutschen Adoptivfamilie ankommt (Black Tie, 22'00):

Du schaust hinaus und siehst nur Leute, die deutsch aussehen. Du schaust in den Spiegel und schaust anders aus, als du dich fühlst. Du bist nie ganz innen. Und du paßt nie ganz nach außen. Du hörst immer wieder: Dies ist das Beste, was dir passieren konnte. (...) Immer wieder merkst du, daß du den anderen fremd bist, weil du anders aussiehst. Dieses Fremde ist dir selbst aber auch fremd. (...) Du hast keine Ahnung, wie es klang, dort, wo du herkamst. Wie die Straßen klingen und wie die Menschen sprechen. (...) Du hast es mit Systemen zu tun. (...) Du bist eine Versuchsanordnung.

Miriam Yung Min Stein geht so weit zu sagen (Black Tie, 33'20):

Ich bin nicht undankbar, aber: Internationale Hilfe kotzt mich an.

Sollte man nicht auch irgendwann die Schlußfolgerung ziehen und sagen: Ich bin nicht undankbar, aber: Die Geringachtung der demographischen und damit auch kulturellen Erhaltung gewachsener Völker und Kulturen auf der Nordhalbkugel, die mit internationaler Migration in Maßen in Einklang zu bringen wäre, die aber mit Massenmigration wie sie heute stattfindet, nicht mehr in Einklang zu bringen ist - - - kotzt mich an?

Veröffentlichungen und Aktivitäten seit 2022

Ergänzung 20.5.2025: Inzwischen ist Miriam Stein mit weiteren sehr interessanten Veröffentlichungen und Aktivitäten an die Öffentlichkeit getreten (7-10). Im Februar 2024 erschien ein Interview mit ihr in der Zeit, das hinter einer Zahl-Schranke verborgen ist, und von dem folgende Ausschnitte zugänglich sind (8):

Als Baby wurde unsere Autorin in Südkorea ausgesetzt und später in Deutschland adoptiert. Jahrzehntelang kannte sie keine Blutsverwandte. Dann machte sie sich auf die Suche. (...)
Miriam, welches Sternzeichen bist du?
Keine Ahnung.
Wieso das denn nicht?
Weil ich nicht weiß, wann und wo ich geboren wurde.
Waaas? Nicht mal den Tag?
Nope.
Aber ... wie kommt das?
Weil ich aus Südkorea adoptiert bin und weder meine biologischen Eltern noch meinen Geburtsort und Geburtstag, geschweige denn die Uhrzeit kenne.
Gespräche wie dieses führe ich ständig. Wenn es um Sternzeichen geht oder auch wenn mein Gegenüber meinen Namen nicht mit meinem asiatischen Gesicht übereinbringt. Wie eine Superheldin habe ich eine eigene "Origin-Story", die ich dann immer wieder erzähle: Als ich ein paar Wochen alt war, hat meine biologische Mutter mich in der südkoreanischen Stadt Daegu ausgesetzt. Laut den wenigen Papieren, die mit mir aus Südkorea nach Deutschland kamen, wurde ich von einem Polizisten gefunden und ins Waisenhaus gebracht. Offenbar habe ich danach ein paar Monate bei einer nicht näher bekannten Pflegemutter gelebt. Nur die paar nichtssagenden Dokumente sind mir aus diesem kurzen Leben geblieben, außerdem ein Babyfoto und der zweiteilige weiße Schlafanzug mit Bärchen, den ich trug, als ich gefunden wurde.

Auf Instagram kann man inzwischen ihre Vorträge und Veröffentlichungen verfolgen (Insta). Vielleicht kommen wir hier gelegentlich darauf zurück.

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  1. Stein, Miriam Yung Min: Berlin - Seoul - Berlin. Fischer-Krüger, Frankfurt/Main 2008 (Amazon)
  2. Helgard Haug; Daniel Wetzel; Co-Author Miriam Yung Min Stein: Black Tie, Rimini Protokoll, Berlin, 12.3.2012; auch: BBAW, Januar 2012
  3. Interview mit Miriam Yung Min Stein. Auf: Berlin Audiovisuell, Januar 2009
  4. Stein, Miriam: Wie die Wilden. Modetrend Ethno-Muster. (Früher trugen sie nur Globetrotter: Kleidung, die aussieht, als hätte sie ein Naturvolk gefertigt. Jetzt ist eine wahre Ethno-Manie in der Mode ausgebrochen, auch Prominente sind dem Trend bereits verfallen. Doch was ist der Unterschied zwischen Ikat, Navajo, afrikanischem Wachsdruck und Aborigine-Print? Eine kleine Musterkunde.) In: Süddeutsche Zeitung, 23.4.2012
  5. Stein, Miriam: Girls am Rande des Zusammenbruchs. (Laut, bunt und niemals erwachsen: Nach den Erfolgen des Korea-Pop wollen nun asiatische Popbands wie Perfume den Westen erobern. Dazu gehören, neben Musik und viel Fashion, Disziplin und harte Arbeit.) In: Süddeutsche Zeitung, 09.08.2013
  6. Freedman, Daniel G.: Human Sociobiology - A Holistic Approach. Free Press 1979
  7. Stein, Miriam: Die gereizte Frau. Was unsere Gesellschaft mit meinen Wechseljahren zu tun hat. Goldmann Verlag 2022 (Amaz)
  8. Sawsan Chebli, Miriam Yung Min Stein: Laut. Warum Hate Speech echte Gewalt ist und wie wir sie stoppen können. Goldmann, Frankfurt 2023
  9. Stein, Miriam: Ist da jemand? Adoptivkind auf der Suche nach Blutsverwandten. In: Die Zeit, Nr. 7/2024, 8. Februar 2024 (Zeit2024)
  10. Stein, Miriam: Weise Frauen. Warum unsere Gesellschaft mehr weibliches Wissen braucht – eine Spurensuche. Goldmann Verlag 2024 (Amaz)

Freitag, 23. August 2013

MAOA 2R-Gen und Gewalttätigkeit in islamischen Ländern

Der Anthropologe Andreas Vonderach auf "Sezession.de"

Im aktuellen Heft der Zeitschrift "Sezession" (August 2013) hat der von uns wissenschaftlich sehr geschätzte Anthropologe Andreas Vonderach einen Beitrag über Kevin MacDonald veröffentlicht unter dem Titel "Jüdische Gruppenstrategie". In einer Inhaltsangabe heißt es:

Andreas Vonderach untersucht abwägend die jüngst übersetzten Bücher des US-Psychologen Kevin MacDonald, dessen Lebenswerk dem Judentum gewidmet ist.

Leider ist der Artikel offenbar nicht im Internet zugänglich. Auch wird berichtet:

Ellen Kositza (...) schloß das Lektorat am neuen Buch von Andreas Vonderach ab, das die Völkerpsychologie zum Thema haben wird.
Abb. 1: "Bestraft Vergewaltiger, nicht Protestierende" (enew)

Man darf gespannt sein! Einen ersten Vorgeschmack erhält man vielleicht schon in Äußerungen von Andreas Vonderach (Sez) (1), die er aus Anlaß jener abstoßenden Vergewaltigung in Indien getätigt hat, die vor einigen Monaten auch hier auf dem Blog angesprochen worden war (Wenn Politiker vergewaltigen):

Ich fürchte, das ist nicht nur eine Sache der Kultur. 
Die meisten außereuropäischen Rassen sind impulsiver und aggressiver als wir. Das 2er-Allel des Monoaminoxidase A-Gens (MAOA 2R), eine Variante des sogenannten „Krieger-Gens“, das mit Impulsivität und Aggressivität korreliert ist, und das bei wegen schweren Straftaten verurteilten Gefängnisinsassen fast dreimal so häufig ist wie in der Normalbevölkerung, kommt bei weißen Europäern zu 0,1 bis 0,5 %, bei Ostasiaten nach bisherigen Untersuchungen gar nicht, bei Schwarzafrikanern zu 5,0 bis 5,5 % und bei Arabern zu 15,6 % vor. 
Da das Gen auf dem X-Chromosom liegt, von dem Frauen zwei haben, betrifft die Korrelation mit Impulsivität und Gewalttätigkeit fast nur Männer. Dazu paßt, daß in diesen Kulturen nach ethnologischen Berichten und der allgemeinen Homizidrate (Häufigkeit von Mord und Totschlag) Gewalt viel verbreiteter ist als bei uns.
Das sind in der Tat spannende Ausführungen. Auf die Frage:
Daß das verminderte Vorkommen des „Krieger-Gens“ bei innereuropäischen und innerasiatischen Rassen eine Folge der Kultur ist (und nicht deren Ursache) halten Sie für ausgeschlossen ?
schreibt Vonderach:
Nein, das halte ich sogar für wahrscheinlich. Wir und die Ostasiaten haben uns unsere aggressiven Impulse in der Zivilisation weitgehend weggezüchtet, während die Araber als ausgesprochene Kriegergesellschaft sich die, verstärkt durch die Polygamie, wahrscheinlich regelrecht angezüchtet haben.
Ich kenne keine MAOA-2R-Daten für die Inder. Aber allgemein gelten die Südinder als eher friedlich, während die Nordinder schon etwas zu den Iranern und Arabern tendieren.
In diesen Ausführungen wird einmal erneut auf jene Gen-Kultur-Koevolution hingewiesen, die in den letzten Jahren immer stärker in das Blickfeld der Humangenetik gerät. Auch schreibt Vonderach:
Die Impulsivität, Aggressivität und starke sexuelle Ansprechbarkeit der Araber entspricht nicht nur der allgemeinen Erfahrung, sondern ist auch seit der Antike und dem Mittelalter immer wieder bezeugt. Die extremen Sanktionen in der islamischen Rechtsprechung scheinen hier ein notwendiges Korrektiv zu sein. Ebenso wie die Wegsperrung und Verschleierung der Frauen, die es in Nordafrika und dem Nahen und Mittleren Osten schon in der Antike gab, lange vor dem Islam.
Den ethischen Unterschieden in der Aggressivität und der sexuellen Ansprechbarkeit entsprechen übrigens auch der Testosteronspiegel, bzw. der anderer Androgene (männliche Geschlechtshormone). Der ist bei den Ostasiaten am niedrigsten, bei uns etwas höher, und bei Arabern und Schwarzen am höchsten. Die ethnischen Unterschiede bestehen übrigens in erster Linie bei jungen Männern und verschwinden im Alter weitgehend.
Und:
Kulturen unterscheiden sich auch in den Werten, die in ihnen gelten. Verwgewaltigung als Tatbestand ist eine europäische Erfindung. In anderen Kulturen gibt es höchstens den Tatsbestand der „Schändung“, aber dabei geht es um die (Familien-)Ehre und die Jungfräulichkeit, nicht um das Wohlergehen der Frau.
In vielen Kulturen gilt es nicht als Schande, wenn ein Mann sich eine Frau „nimmt“, wenn er die Gelegenheit dazu hat. Deswegen werden ja im Islam die Frauen so weggeschlossen, weil man es dort für geradezu normal hält, daß es zu Sexualkontakten kommt, wenn ein Mann und eine Frau allein und unbeobachtet sind. 
Vergewaltigung in der Ehe war im Islam geradezu die Norm. Im Irak war es üblich, daß der Mann zu Beginn der Hochzeitsnacht vor den Augen seiner Braut eine Katze schlachtete, um sie gefügig zu machen. Die Frau sollte beim ehelichen Beischlaf ausdrücklich keine sexuelle Befriedigung erlangen, denn sonst würde sie die auch bei anderen Männern suchen, meinte man. 
Und die Zwangsheiraten von Minderjährigen in Indien sind ja wohl auch nicht allzuweit von Vergewaltigungen entfernt.

Nun, diese Aussagen von Vonderach wären sicherlich noch nach vielerlei Richtungen hin zu differenzieren. Es wäre natürlich insbesondere hervorzuheben, daß die islmaische Hochkultur reiche Zeugnisse beseelter Liebesgemeinschaften zwischen Frau und Mann kennt. (Vielleicht wäre auch für differenziertere Aussagen zurückzugreifen auf Sigrid Hunkes "Allahs Sonne über dem Abendland".) 

Niedrigerer IQ = geringere Empathiefähigkeit?

Was man noch keinesfalls unbesehen hinnehmen möchte, ist folgende Aussage von Andreas Vonderach:

Die Grausamkeit in vielen außereuropäischen Kulturen hängt übrigens auch mit dem – praktisch überall außer in Ostasien – niedrigeren IQ zusammen. Mit dem ist eine geringere Fähigkeit, von sich selbst zu abstrahieren und die Position des anderen einzunehmen, verbunden. Dies bedingt nach Auffassung der kulturvergleichenden Piaget-Forschung (Georg W. Oesterdiekhoff u.a.) eine geringere Empathiefähigkeit. Eine Folge ist die große Grausamkeit im Strafrecht oder gegen Gefangene oder auch gegenüber Tieren. Das gilt tendenziell auch für unsere Unterschichten.

Ob hier Oesterdiekhoff zu folgen ist, dessen Forschungen doch bei weitem nicht so breit anerkannt (oder auch nur bekannt sind) wie sonstige IQ-Forscher, muß doch noch arg in Frage gestellt werden. Man liest so etwas sonst in der Literatur auch vergleichsweise selten. Daraus müßten sich ja auch große Schwierigkeiten ergeben in der sozialen Kommunikation zwischen Menschen mit höherem und niedrigerem IQ. Darf das so allgemein unterstellt werden? Wo doch Forscher wie der auch von Vonderach so geschätzte Eibl-Eibesfeldt von mangelnder Empathiefähigkeit von Jäger-Sammler-Völkern nun wirklich nichts zu berichten wußten!?

Gegenüber einem üblichen Einwand betont Vonderach noch einmal - es dauert in derartigen Diskussionen heute noch lange, bis es alle verstanden haben:

Ich habe nicht gesagt, daß a l l e s Genetik ist, und ja auch selbst einige Beispiele für kulturelle Faktoren angeführt. Und natürlich erklärt auch ein einziges Gen wie das MAOA-2R-Gen nicht a l l e s.
Aber ganz sicher ist auch nicht a l l e s Kultur. Es besteht eine Wechselbeziehung zwischen Kultur und Biologie. In traditionellen Kulturen (quasi allen außer unserer seit dem 19. Jhdt.) ist sozialer, ökonomischer und politischer Erfolg mit größerem Fortpflanzungserfolg verbunden. Dadurch züchtete sich jede Kultur auf die Werte hin, die in ihr anerkannt waren und die den sozialen Erfiolg ermöglichten. Bäuerliche Kulturen züchteten sich so auf Fleiß, Voraussicht und Verläßlichkeit, kriegerische auf Maskulinität und Aggressivität. 
Die Araber sind auch körperlich maskuliner als wir, haben einen maskulineren Körperbau, stärkeren Bartwuchs usw. und eben auch mehr Androgene, die Ostasiaten dagen einen weniger maskulinen Körperbau, weniger Androgene usw. Das sind natürlich nur grobe Tendenzen, die in jedem Volk ihre besondere Ausprägung finden.
Die Wikinger und alten Germanen waren sicher aggressiver als wir, weil sie auf einer entsprechenden historischen kulturellen Entwicklungsstufe standen, mit entsprechenden Werten. Aber wir sind auch nicht mehr genetisch mit ihnen identisch. Zwischen den alten Germanen und uns liegen außerdem 2 000 Jahre bäuerliche und städtische Kultur. Übrigens besteht auch heute noch eine positive Korrelation zwischen hellblonder Haarfarbe und Risikobereitschaft.
Das dürfte man alles als wesentliche Ausführungen erachten. Und auf einen weiteren Einwand:
Die Korrelationen des MAOA-2R-Gens sind eine Tatsache, genauso wie die von mir angeführten Populationsunterschiede. Die kann man nicht einfach so als „angeblich“ vom Tisch wischen. Der Begriff „Krieger-Gen“ ist natürlich eine Journalistenerfindung gewesen. Es geht um spontane, impulsive Aggressivität und geringe affektive Selbstkontrolle.
Das ist eine Eigenschaft, die nach allem, was wir wissen, wir Deutschen sehr wenig aufweisen. Das zeigt zum Beispiel die Tatsache, daß die spontanen Gewaltverbrechen in Deutschland und den anderen germanischen Ländern seit Beginn der Kriminalstatistik wesentlich seltener sind als in Ost- oder Südeuropa, von Außereuropa ganz zu schweigen. Meiner Meinung nach zeigt das auch das Verhalten der deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg, wo spontane Übergriffe auf Zivilisten viel seltener waren als bei unseren Kriegsgegnern. Man denke nur an die Exzesse der Russen oder Tschechen, und selbst die Franzosen hatten da mehr auf dem Kerbholz als wir.
Das ist übrigens eine Frage, die hier auf dem Blog nach und nach noch genauer zu klären ist, inbesondere anhand der neueren Veröffentlichungen des Historikers Neitzel. Leider hat Neitzel noch nicht den Versuch gemacht, sein reichhaltiges, geheimdienstliches Quellenmaterial diesbezüglich statistisch auszuwerten, was erst eine wirklich fundierte Auswertung wäre. Vonderach aber ganz richtig weiter:
Soldatische Leistungen beruhen natürlich auf ganz anderen Eigenschaften.
Die amerikanischen Nationalcharakter-Studien im II. WK waren rein spekulativer, großteils psychoanalytischer Natur und keine wissenschaftlich seriösen Untersuchungen.
Die von Richard Lynn vorgebrachten Daten sind selbstverständlich empirische und belastbare Daten, selbst wenn er irgendwann einmal den IQ eines Landes aufgrund von anderen, ethnisch verwandten Nachbarländern geschätzt haben sollte. Das ist, wenn man den Landes-IQ wissen will und es keine Daten gibt, absolut legitim. Er hat darauf natürlich keine weiteren Schlußfolgerungen aufgebaut. Deswegen seine Ergebnisse, die wie gesagt auf belastbaren Daten beruhen, in Bausch und Bogen zu verwerfen, geht natürlich nicht an. Selbst wenn man Lynn beiseite ließe, gäbe es immer noch genug Daten, um die von ihm beschriebenen Rassenunterschiede zu belegen. 
Sie machen es sich entschieden zu einfach, und, ehrlich gesagt, erinnert mich ihre „Argumentationsweise“ an die von linken „Antirassisten“, die mit ähnlichen Unterstellungen und Verkürzungen arbeiten.

Interessant - wieder einmal: Danach wurde die Diskussion recht schnell geschlossen. Was einmal erneut zeigt: Daß alle Leser und Diskutanten eine einwandfreie Klärung der Zusammenhänge zwischen Genetik, Verhalten und den Unterschieden zwischen den Völkern bezüglich dieser Dinge wirklich verstehen, ist gar nicht das Anliegen von "Sezession". Man ist Teil der christ-katholischen Lobby in Deutschland und fühlt sich da geistigen Zusammenhängen verpflichtet, die selten deutlich genug nach außen zum Vorschein kommen. Die aber immer wieder klar erkennbar sind. Auch in diesem Diskussionsabbruch. Man läßt auch einen Andreas Vonderach immer nur so lange reden, so lange es nicht ins Grundsätzliche geht und so lange aus der Forschung nicht gar zu deutliche Schlußfolgerungen gezogen werden in Richtung auf das Weltbild überhaupt.


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  1. Vonderach, Andreas: Kommentare zu dem Artikel von Heino Bosselmann "Frauen in der Fremde" auf: Sezession.de, 19. März 2013

Sonntag, 29. November 2009

Sind Atheisten die Krone der Schöpfung?

Tobias Maier, dessen Wissenschaftsblog "Weitergen" man sonst als sehr schätzenswert empfinden kann, hat neuerdings einen recht flappsigen Artikel zu den Themen Gruppenselektion und Religionsdemographie geschrieben. (--> hier) Ulrich Berger hat dort in den Kommentaren schon vieles Richtigstellende gesagt. "Studium generale" hat dort als Kommentar geschrieben (dabei auch auf den Inhalt der jüngsten Beiträge von St.gen.-Research-Blogging Bezug nehmend):

Die ancient-DNA-Untersuchungen, die sich derzeit immer stärker ausweiten, zeigen auf, daß eine Fülle von früher sehr weit verbreiteten, großen menschlichen Populationen heute genetisch als weitgehend ausgestorben angesehen werden müssen.

Das gilt auch für Europa: Etwa die letzten Jäger und Sammler-Völker im Ostsee-Raum, etwa die ersten Ackerbauern in Mitteleuropa (die Bandkeramiker), offenbar auch der Stamm, dem der Ötzi angehörte - für die Etrusker ist dieser Umstand noch umstritten. Und auf dieser Linie könnte noch viel gesagt werden. (Etwa die Skythen in Nordsibirien, die Tocharer in der Taklamakan ...)

Weiterhin wissen wir, daß sich Populationen weltweit sehr deutlich in Häufigkeitsmustern unterscheiden was ihre Verhaltens- und Intelligenzgenetik betrifft.

All diese Daten - und eine Fülle weiterer - deuten darauf hin, daß mit neuer Lebensweise - beispielsweise Ackerbau - auch eine neue Genetik von Populationen herausselektiert wurde. Auch beim Menschen. Und zwar eine Genetik auf allen Ebenen menschlichen Seins: Ernährung, Krankheitsabwehr, Intelligenz, Sozialverhalten etc..

Jüngst wurde ja über ein humangenetisches Selektionsereignis berichtet, das nur 200 Jahre zurückliegt: eine Mutation, die auf Neuguinea das Überleben sichert, obwohl man Menschenfleisch aß (BSE etc.).

Und all diese Erkenntnisse sollten nun nichts mit der weltweit verbreiteten Neigung des Menschen zu tun haben, religiöse Vorstellungen aller Art zu entwickeln? Und mit der menschlichen Neigung, aufgrund von Religiosität kooperativer, altruistischer zu sein, als wenn man nicht religiös ist?

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Tobias, ich habe schon abgeklärtere Blogbeiträge von Dir gelesen und bin von diesem hier doch etwas arg enttäuscht. Michael Blume als unwissenschaftlich hinzustellen, ist doch absurd. Er mag Daten anders interpretieren als Du. Aber das ist Teil von Wissenschaft. Daß Du dazu so flappsig und oberflächlich Stellung nimmst, zeigt meiner Meinung nur, daß Du Dich nicht ausreichend mit Verhaltensgenetik und mit "Evolutionary Religious Studies" und mit Religionsdemographie beschäftigt hast bisher. Niemand zwingt Dich dazu. Aber dann sei auch ein bischen zurückhaltender in den Urteilen.

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Manche Erkenntnisse sind unbequem. In der Tat. Und manchmal sogar für Atheisten. Denn die Krone der Schöpfung sind sie nicht. (Wer wollte beurteilen, wer das ist?) Die Atheisten sagen, die ganze Welt, das Leben etc. ist - letztlich - eine Zufallserscheinung. Aber reiner Zufall ist etwas so langweiliges wie reine Determiniertheit. Erst das Wechselspiel von Zufall und Gesetzmäßigkeit, auch was Welt und Leben überhaupt betrifft (und Menschsein), machen dieselben so interessant und macht auch Wissenschaft nicht nur besonders interessant, sondern überhaupt erst in unserem Sinne möglich.

Genetische Selektionsprozesse präsentieren zu weit vorausgeeilten kulturellen Lernprozessen irgendwann die Rechnung

Und auf einen Einwurf von "Saper aude":

Sapere aude -

haben Sie denn das Buch von Blume und Rüdiger Vaas - letzter übrigens ein hervorragender Wissenschaftsjournalist und (soweit ich weiß) überzeugter Atheist - gelesen?

Nirgends behauptet irgend jemand, daß Atheisten grundsätzlich genetisch anders gepolt wären als Gläubige irgend einer Religion. Was für eine absurde These soll das denn sein? Glauben Sie wirklich, daß nach allem, was wir heute in der Anthropologie wissen, noch jemand einen so platten "genetischen Determinismus" vertritt, vertreten kann?

In der Humangenetik geht es heute immer nur um Häufigkeits-Verteilungen, um Wahrscheinlichkeiten, um Neigungen. Es gibt genetisch vorgegebene stärkere oder schwächere Neigungen, altruistisch zu sein, schneller denken zu können, ängstlich zu sein (Depressionen entwickeln zu können), ADHS zu entwickeln.

In der Anthropologie kommt es heute darauf an, die sehr diffizile, offenbar ziemlich "intelligente" Kombination zwischen Genen und Kultur, das sehr dehnbare, aber auch reißbare Band, das zwischen beiden besteht, nach und nach immer besser zu verstehen. Aber dieses Band ist keine Pleuelstange, wie Sie noch zu unterstellen bereit scheinen.

Auch ist die menschliche Psyche kein System von gegeneinander abgeschlossenen Kammern. Musikalität und Schönheitswahrnehmung spielen natürlich hinüber in Vorstellungsbereiche, in Ideologien, in die Art meines Philosophierens, in die Art der phantastischen Geschichten, die ich mir und anderen über meine Herkunft und die Herkunft der Welt erzähle. Und Vorstellungsbereiche spielen wiederum hinüber in die Art der Musikalität und dessen, was ich für schön und für häßlich erachte. Und auch in diesen Bereichen sind natürlich die kulturellen Lernprozesse schneller als die genetischen Selektionsprozesse.

Aber immer deutlicher erkennen wir, daß die genetischen Selektionsprozesse zu weit vorausgeeilten kulturellen Lernprozessen irgendwann "die Rechnung" präsentieren. Etwa durch gesellschaftsweite Aussterbeereignisse und durch das Herausselektieren von neuen, an die vorausgeeilten kulturellen Lernprozesse auch genetisch besser angepaßten Gründerpopulationen.

Mittwoch, 15. Juli 2009

Ist Religiosität per se konservativ-autoritär?

Zwillingsforscher Thomas Bouchard über seine früheren und aktuellen verhaltensgenetischen Forschungen

In der Zeitschrift "Science" vom 3. Juli gibt es auf Seite 27 ein Interview mit Thomas Bouchard, dem berühmten Zwillingsforscher, dessen Forschungen an getrennt aufgewachsenen, eineiigen Zwillingen in den 1970er Jahren in Deutschland unter anderem Hoimar von Ditfurth bekannt gemacht hat. Dieses Interview enthält mancherlei Bemerkenswertes zum Teil recht allgemeiner Natur und auch Hinweise auf sehr konkrete, neue Forschungsergebnisse der wenigen letzten Jahre. Da macht Bouchard unter anderem die doch recht bemerkenswerte Feststellung:
Academics, like teenagers, sometimes don’t have any sense regarding the degree to which they are conformists.
(Also: "Akademiker haben manchmal - ebenso wie Teenager - nicht den geringsten Sinn dafür, in welchem Ausmaß sie Konformisten sind.")

Und Bouchard gibt einige Beispiele für sein eigenes, lebenslang nonkonformistisches Verhalten im akademischen Bereich, das ja auch wirklich zu entscheidenen wissenschaftlichen Fortschritten beitragen konnte:
In the ’70s, when I was teaching research by [IQ researcher Arthur] Jensen and [twin researcher Francis] Galton, people picketed me, called me a racist, tried to get me fired. The progressive student association sent members in to ask hostile questions. … So I put a tape recorder on the podium and said: “I’m going to tape my lectures.” I never heard from them again. They knew what they were saying was nonsense and I would be able to prove it.
Widerlegte Vermutungen über Ursachen der Intelligenz-Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen

Viele Forscher heute machen sich gar nicht mehr klar, mit wieviel nonkonformistischem Verhalten von Wissenschaftlern eigentlich erst ihr eigenes Forschungsgebiet etabliert worden ist - und auch nur werden konnte. Und wie sehr es auch heute nonkonformistischen Verhaltens bedürfte, um das eigene Wissensgebiet wirklich effektiv weiter voran zu bringen. Bouchard:
We still have whole domains we can’t talk about. One of the great dangers in the psychology of individual differences is self-censorship. For example, when I was a student, it was widely accepted that black self-esteem was much lower than white selfesteem, and that was a cause of differences in achievement between the two groups. Now that’s been completely overturned—there is virtually no racial difference in self-esteem. But people had enormous amounts of data [showing this] that they didn’t publish because it did not fit the prevailing belief system. How much wasted effort was generated by the flawed self-esteem work as an explanation of the black-white IQ difference?
"Wieviel unnütz vertane Bemühungen ..." - weil Wissenschaftler sich zu konformistisch selbst zensieren.

Neueste Forschungen zur Erblichkeit religiöser Neigungen


Und was macht Bouchard zur Zeit?
Q: What are you working on now?
T.B.: I’m studying what I call the traditional-values triad: religiousness, conservatism, and authoritarianism. They correlate with each other. In our most recent paper [based on Minnesota twin data], we showed that the same genes affect all three traits. The superfactor [the underlying trait they share] is traditionalism; I think the underlying psychological process is the notion of obedience. It’s exactly the same trait that Stanley Milgram studied in the ’60s [when students willingly administered electric shocks to unseen victims]. Most researchers talk about obedience as being a bad thing. But it’s also the glue that holds societies together.
Ob das nicht auch Michael (Blume) interessieren könnte? Und wo das wohl veröffentlicht wird? - Es wäre insbesondere spannend zu sehen, welche Art von Religiosität hier im Vordergrund der Betrachtung von Bouchard steht. Ob es vielleicht doch vornehmlich die monotheistische ist, die zugleich auch von vornherein einen ausgeprägt autoritären Charakter aufweist. Nämlich mit einem personalen Gott als "dritten Bestrafer" im gesellschaftlichen "Third-Party-Punishment-Spiel". Eine Religiosität insbesondere auch, die in den letzten tausend Jahren Verhaltensneigungen selektiv bevorteilt haben könnte, die mit ihrem autoritären Charakter übereinstimmen? - Oder ob seine Forschungsergebnisse auf alle Formen von Religiosität gleichermaßen verallgemeinert werden können?

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