Mittwoch, 26. Dezember 2012

"Wenn Politiker vergewaltigen ..."

Wie in Indien, so anderwärts
Abb.: "Bestraft Vergewaltiger, nicht Protestierende"
In Indien ereignen sich derzeit Massenproteste in Reaktion auf den brutalstmöglichen Fall der Vergewaltigung einer jungen Studentin durch sechs Männer in einem privaten Bus, der als ein öffentlicher vorgetäuscht worden war. - Aber worum geht es bei diesen Protesten eigentlich? Christine Möllhoff schreibt im Tagesspiegel (vom 24.12.2012):
Der Zorn der Demonstranten richtet sich vor allem gegen Regierung und Polizei, denen sie Untätigkeit vorwerfen. So ist ein großer Teil der Polizisten in Delhi zum Schutz von Politikern abgestellt. "Die Anti-Vergewaltigungs-Proteste in Delhi zielen in Wahrheit auf eine politische Klasse, die selbst Bodyguard-Schutz genießt, sich aber wenig um die Sicherheit der Bürger schert", meint der Analyst Brahma Chellaney.

Wie sehr die Politik Gewalt gegen Frauen als Kavaliersdelikt sieht, zeigt sich daran, daß fast alle Parteien Politiker in ihren Reihen haben, gegen die wegen sexueller Delikte ermittelt wird. "Eine Gesellschaft, die wegschaut, wenn Politiker vergewaltigen, rauben, kidnappen und töten, lädt Ärger ein", meint Shobdaa De.
Wer viele Beiträge hier auf dem Blog gelesen hat, wird für die hier berichteten Proteste Sensibilität entwickelt haben. Ähnliches hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Renate Rennenbach ebenfalls erfahren, als sie herausbekommen wollte, warum die Parteien des Deutschen Bundestages nicht entschiedener gegen Elitären Satanismus vorgehen. Indien, so muß man also schlußfolgern, wenn man viele vereinzelte Medienberichte zusammen nimmt, ist überall. Ist in Portugal, in Spanien, in Belgien, in Frankreich, in Deutschland, in den USA.

"Gegen Politiker aller Parteien wird wegen sexueller Delikte ermittelt"

Selbst in jenem Fall, der die Proteste ausgelöst hat, scheint die indischen Polizei wieder nicht astrein zu ermitteln (DW, 25.12.2012):
Welche Rolle spielt die Polizei?
Möglicherweise gibt es auch eine Verwicklung der Polizei in den Fall. Tatsache ist jedenfalls: Die Regierungschefin von Delhi, Sheila Dikshit, reichte eine Beschwerde bei Innenminister Sushilkumar Shinde ein, derzufolge ranghohe Polizeibeamte Druck auf eine Richterin ausgeübt haben sollen, als sie das Opfer mehrere Tage nach der Tat erstmals kurz befragen konnte.

Wie die Zeitung "Times of India" berichtet, sollen die Polizisten die Richterin aufgefordert haben, die Befragung nicht auf Video aufzunehmen sowie einen von ihnen vorbereiteten Fragebogen zu verwenden. Als sie sich weigerte, sollen die Polizisten ungehalten gewesen sein.

Die Polizei wies die Vorwürfe zurück. Aus Ministeriumskreisen verlautete, wahrscheinlich werde wegen der Vorwürfe eine Ermittlung eingeleitet und diese Untersuchungen sollten von einer Frau geführt werden. Das Ministerium nehme die Vorwürfe sehr ernst.
Klingt das nicht alles höchst "bekannt"? Wann wird es zu solchen Massenprotesten auch in Deutschland kommen? In Belgien hat es sie nach dem Dutroux-Fall schon gegeben. So weit übersehbar bis heute folgenlos.

"Ranghohe Polizeibeamte übten Druck auf eine Richterin aus"

In Indien soll außerdem die Frauenverachtung außerordentlich stark verbreitet sein. Besonders krass ist auch der folgende Fall in Indien (lt. Tagesspiegel):
In Ranchi im Bundesstaat Jharkhand reagierten Menschen nun selbst mit Gewalt: Dort steinigten 100 wütende Dorfbewohner, die meisten Frauen, fünf Männer, die Mädchen beleidigt hatten, zu Tode. Unter den Toten war ein Jugendlicher, der bereits wegen Vergewaltigung verurteilt, aber auf Bewährung freigelassen worden war. 30 Dorfbewohner stellten sich danach freiwillig der Polizei und übernahmen die Verantwortung dafür, daß die fünf Männer getötet wurden.
(Siehe etwa auch Süddeutsche.) Gerade erst gestern ist hier auf dem Blog im Videoblog gesagt worden, daß das Autorenehepaar Trimondi die These vertritt, der tantrische Buddhismus bestünde in seinem Kern in der Frauenverachtung. Wenn das wahr ist, wäre die Religion des Buddhismus wahrhaftig keine Gegenkraft gegen die derzeitigen Zustände in Indien - eher wohl das Gegenteil. Und dann wäre zu fragen, welche Rolle in diesem Zusammenhang elitäre Männerklügel, -gesellschaften, -bünde und Priesterkasten spielen. In Neu Delhi und anderwärts.

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