Freitag, 17. Mai 2019

Kolonialismus - In umgekehrter Richtung - ?

Die Rückkehr der Rassewissenschaft 
- Oder: "Wie die indische Wissenschaft gerade die Weltherrschaft übernimmt"

In einem Buch aus dem Jahr 2012 hat die indische Wissenschaftsjournalistin Angela Saini mal eben die "Übernahme der Weltherrschaft" durch die offenbar "überlegene" indische Wissenschaft vorausgesagt. Nun, im Jahr 2019, macht sie sich in einem neuen Buch, betitelt "Superior", Sorgen über die Wiederkehr der Rasseforschung. Ob sich das nicht alles irgendwie ein wenig "bekannt" anfühlt. Aus welchem "Film" kennt man so etwas schon? Soll diese Wissenschaftsjournalistin eine Satire sein?


"Solche Dinge wie 'Rasse', die gibt es nicht. Menschliche Vielfalt kann auch studiert werden ohne derartige uralte, verstaubte Konzepte."*) Das liest man im heutigen Newsletter des "New Scientist". Und man erhält über die Verlinkung zu (1) die Anregung für das Verfassen des nachfolgenden Beitrages. Nach der US-amerikanischen Humangenetikerin jüdischer Herkunft Paige Harden (von uns schon behandelt: 5) wird nun von Seiten des Mainstream einer weitereren "attraktiven", sehr einfühlsamen, sehr weiblichen, ja, auch sehr mütterlich wirkenden Frau, Sichtbarkeit eingeräumt in Erörterungen von heutigen Fragen rund um Begabungsunterschiede zwischen Völkern und Rassen: der britischen Journalistin indischer Herkunft Angela Saini (1). Sie scheint aus der Intelligenzelite Indiens hervorgegangen zu sein (3) und sie hat stolz in einer Buchveröffentlichung des Jahres 2012 den Beginn der Weltherrschaft ihrer indischen "Streber-Nation" voraus gesagt. Also wieder so eine Verschwörungstheoretikerin, eine ganz lustige (Abb. 1).


Abb. 1: Eine neue Verschwörungstheorie: Die Indische Weltherrschaft - Buchveröffentlichung von 2012

Ihr neuer Artikel im "New Scientist" ist nicht vollständig zugänglich, aber ein eingebundenes Interview dort ist es (1; s.a. 2, 3). Noch 2012 hatte sie sich auffallend positiv auf Begabungsunterschiede zwischen Ethnien bezogen, hatte doch ihr Buchtitel gelautet: "Die Streber-Nation - Wie die indische Wissenschaft die Weltherrschaft übernimmt" (4) (Abb. 1). Das war aber natürlich lustig gemeint, lieber Leser, lustig! Es war Satire? Natürlich. Ob es ganz, ganz böse Satire war, wollen wir gerade einmal überhaupt nicht wissen. Nun aber kommt - mal eben so - ihr neues Buch heraus "Superior - The Return of Race Science - The Mad Science of Race and its Fatal Return". Ups, was soll uns das sagen? Ups. Holzauge sei wachsam. Sei mal ganz vorsichtig. Hier will uns doch irgendwer provozieren ..... - - - ?

Der Sinn all dessen könnte nämlich tatsächlich sein: Man möchte Rechtskonservative provozieren und "emotionalisieren". Denn auf sie allein kommt es ja heute nur noch an und auf die Art, wie sie wahrgenommen werden. Um so mehr sich diese "daneben" benehmen, um so besser. Man könnte sich also denken, daß genau das der Hintergedanke von all dem ist, was in diesem Blogbeitrag zu behandeln ist, wenn nämlich Leuten wie Paige Harden oder Angela Saini vom Mainstream bezüglich eines so "brisanten" Themas in so besonders auffallender Weise Sichtbarkeit in der Wissenschaftsvermittlung eingeräumt wird. 

Das Interview ist nämlich überhaupt - sagen wir einmal: auffallend - aufgezogen: Eine ansonsten hervorragende, schätzenswerte englische populärwissenschaftliche Zeitschrift mit großer Tradition (nämlich der "New Scientist") läßt eine Frau afrikanischer Herkunft mit einer Frau indischer Herkunft darüber reden, wie "wir" - in Europa (oder in der Welt) - über ethnische Herkunft denken, reden und handeln sollen. Ob sich Boris Palmer jetzt auch wieder provozieren läßt? Aber man versuche das doch einmal umgekehrt in Indien oder Afrika heute zu machen. Wie würde es sich anfühlen? Könnte da nicht sehr bald der Gedanke von Kolonialismus aufkommen? Hallo? Und weiter gedacht, fällt einem gerade auf, daß womöglich der Mainstream gerade wahrnimmt, daß die Geschichte des Kolonialismus "umgeschrieben" werden muß. Was geschah denn da? Fröhliche Multikulti-Leute wanderten in andere Kontinente ein.

Jedenfalls, umgekehrt lassen diese Dinge schon in einem selbst gerade die Frage aufkommen: Ja, was geschieht denn eigentlich gerade in weiten Teilen der Nordhalbkugel? Etwa - - - Kolonialismus? Und wenn der heutige Kolonialismus "gut" ist - mitsamt zuwandernder Intelligenzeliten - war denn dann nicht auch der Kolonialismus der Frühen Neuzeit "gut" - mitsamt all der damals sich ausbreitenden Intelligenzeliten? Ja, was denn: Übernimmt - etwa - gerade "indische Wissenschaft" (ooooooder Wissenschaft anderer ethnischer Herkunft?) "die Weltherrschaft"? Fragen stellen sich einem hier. So viele Fragen. Man glaubt es ja kaum. Man kommt gar nicht mehr hinterher mit all seinen Irritationen.

Wird gerade bewußt Östrogen-gesteuerten Frauen die Wissenschaftsvermittlung überlassen?


Im Interview (1) sieht man, daß sich Angela Saini auskennt und viel verstanden hat, daß sie sich deshalb auch - zwangsläufig - immer einmal wieder widerspricht. Denn sie anerkennt zwischendurch immer einmal wieder die Bedeutung angeborener ethnischer und rassischer Unterschiede für die soziale Wahrnehmung, für Begabungen und für die Medizin, kleidet das aber zugleich in eine Rhethorik, die das alles zugleich ganz, ganz schlimm findet, da all das ja schon einmal nach Auschwitz geführt habe.

Auch David Reich's Buch wird im Interview ab 5'00 behandelt (1). Insgesamt bekommt man hier ein Gefühl dafür, wie viele Leute im Hintergrund gerade sich Gedanken machen darüber wie man diese neue Revolution, die da aus der Wissenschaft heraus schwappt, "geframed" werden soll gegenüber der Öffentlichkeit, wie man Bevölkerungen weiter gegeneinander aufhetzen könnte, wenn diese Fragen in der Öffentlicheit diskutiert werden. Man lasse besonders Östrogen-gesteuerte Frauen über solche Fragen vor der Öffentlichkeit reden. Das bringt das Testosteron daran Anteil-nehmender Wissenschaftler wahrscheinlich am schnellsten in Wallung. Sind das die Hintergedanken?

Eines ist klar: Mit einer Diskussion über die Fallgesetze Isaak Newtons wird man heute niemanden mehr gegeneinander emotionalisieren können, selbst wenn man die mütterlichsten aller mütterlichen Frauen darüber reden ließe. Künftig wird das sicherlich auch der Fall sein hinsichtlich der Akzeptanz der Bedeutung angeborener ethnischer und rassischer Unterschiede für die soziale Wahrnehmung, für Begabungen und für die Medizin. Aber in der "Zwischenzeit" kann ja noch viel geschehen. Den Zeitpunkt, daß man Naturgesetze einfach ohne Kontroverse als gegeben annimmt und nun weiter Politik und Gesellschaftsgestaltung danach ausrichtet, den kann man ja ggfs. immer noch einmal weit in die Zukunft hinein verschieben. Man muß das von Seiten des "Mainstream" nur geschickt genug aufziehen. Man muß geschickt Anlaß geben zu emotionalen Äußerungen, auch wenn es - rein von der Sache her gesehen - für eine echt humane Gesellschaft gar keinen Grund für Emotionen gäbe.

... Und werden  Arschlöcher im Wandschrank weiter gebraucht?


Angela Saini hat auch den von uns geschätzten britischen Humangenetiker Mark Jobling interviewt und führt ihn als einen Humanegnetiker an, der ihr gegenüber gesagt hätte, es mache keinen Sinn, auf ethnische und rassische Unterschiede besonders zu achten. Er scheint also seine wissenschaftlichen Erkenntnisse gerade ähnlich zu "framen" wie (bislang) unser deutscher Humangenetiker Johannes Krause. Nun, halten wir uns auf dem Laufenden, wie der Mainstream die Erörterungen weiter "framen" wird.

Natürlich auch der Mainstream in vorgeblich ach so "freien Medien", wohlgesagt, wo man ja gerne emotional argumentiert ("populistisch" lautet das Fachwort) und wo man schon munkelt, daß Donald Trump in den USA die Diktatur einführen könnte, wenn er bei der nächsten Wahl nicht wieder gewählt würde. So wie in der Türkei, so wie in Rußland. Und warum auch nicht? Diktaturen fanden Hintergrundmächte immer schon toll, insbesondere gehijackte Diktaturen und insbesondere wenn mit Diktaturen "Strategien der Spannung" gefahren werden konnten und können. Wenn es ein "Arschloch im Wandschrank" gibt, wie das der politisch doch so ganz und gar dumme Volker Pispers nannte, dieser respektlose Mensch.


*) "There's no such thing as race - Studying human variation is possible without outdated concepts, says Angela Saini"
_________________________________
  1. Saini, Angela: Does population genetics have a racism problem, even today?  Efforts to group us by our genes are arbitrary and encourage the subtle return of race within mainstream science. In: New Scientist, 15.5.2019, https://www.newscientist.com/article/mg24232300-600-does-population-genetics-have-a-racism-problem-even-today/
  2. Saini, Angela: Racism is creeping back into mainstream science - we have to stop it. In: The Guardian, 22.1.2018, https://www.theguardian.com/commentisfree/2018/jan/22/eugenics-racism-mainstream-science
  3. Fulford, James: The GUARDIAN's Angela Saini (Guess How She Got That Name!) vs. "Eugenics"… AKA Science, 13.2.2018, https://vdare.com/articles/the-guardian-s-angela-saini-guess-how-she-got-that-name-vs-eugenics-aka-science
  4. Saini, Angela: Geek Nation. How Indian Science is Taking Over the World. 2012
  5. Bading, Ingo: "Reine Glückssache" - deine Gene ... Der Diskurs über die Humangenetik wird neu "ge-framed", 1.4.2019, https://youtu.be/LA6E6vbAFKE

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