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Freitag, 18. März 2011

Ungewöhnlich, gewiß ...

Die Geschehnisse in Japan und Frank Schirrmacher

Frank Schirrmacher hat sich zu den Geschehnissen in Japan geäußert (FAZ). Und der Wissenschaftsjournalist Lars Fischer sagt dazu auf seinem Facebook-Profil vielleicht recht kennzeichnend und sehr ehrlich:
Ich frag mich bei Schirrmacher immer, ob in seinen Texten nicht doch irgendwo verborgener Tiefgang lauert, den ich nur nicht durchschaue.
Wir kommentieren dazu das Kernzitat, auf das sich Schirrmacher in seinem Artikel als Augenöffner bezog:
"Das Land, das sie einst aufgebaut haben, kann vielen Alten nun nicht mehr helfen . . . Es ist die Generation, die Japan aufgebaut hat, und nun schließt sich tragisch der Lebenskreis in den Trümmern der Katastrophe.“ 
Wir glauben, Schirrmacher zu verstehen ...

Wir glauben, Schirrmacher zu verstehen, wenn er über einen solchen Satz stolpert: Einer Generation und all ihren Idealen und Werten (nämlich der Generation des Wirtschaftswunders) wird vor Augen geführt, daß ihr gelebtes Leben als solches, als ein Leben des Wirtschaftswunders, gänzlich nutzlos, sinnlos war. Daß es im tiefsten Kern fehlerhaft, "katastrophal", Katastrophen nicht verhindernd war. Es fahre dahin, ruft ihnen die Natur zu.

Oft hatte man doch seinem eigenen Vater das gleiche in die Ohren schreien wollen, wenn er lebte, um zu arbeiten - und sonst war da nix. Man mag Schirrmachers Worte als eine säkulare Predigt empfinden. Mancher könnte eine solche dennoch - im Gegensatz zu Lars - als Versuch registrieren, der geschichtlichen Dimension des Geschehens gerecht zu werden. Der Schirrmacher hat schon ein Empfinden dafür, daß die Gesellschaften der Nordhalbkugel ebenso untergehen können, wie die Gesellschaften des Mittelmeerraumes am Ende der Spätantike. Und er spürt so etwas wie Verlust dabei. - Ungewöhnlich. Gewiß.

*) Fotos anläßlich der Verleihung des "Jacob-Grimm-Preises", des "Kulturpreis Deutsche Sprache" in Kassel im Oktober 2007.

Sonntag, 1. August 2010

Die "Killer von Volkswirtschaften"

Die "Economic Hit Man" im Dienst der überstaatlichen Bankenherrschaft

Ein "Hitman" bezeichnet im Amerikanischen und Englischen einen "Schläger", "Berufskiller", bzw. "Auftragskiller". Oft sind solche Leute im Dienst der Mafia oder im Dienst von staatlichen Geheimdiensten wie CIA, Mossad, dem russischen Geheimdienst und anderen unterwegs. Hier auf dem Blog ist - etwa unter der Rubrik "politischer Mord" - schon oft von solchen Auftragsmördern die Rede gewesen. Schon das Drohen mit ihnen kann weitreichende Einflüsse auf die Politikgestaltung national und international haben. Diese Auftragskiller werden in Finanzkreisen auch "Schakale" genannt.

Ein "Economic Hit Man" ist nun dementsprechend ein Mann, also ein "Schakal", der nicht nur einzelne Menschen, bzw. einzelne Repräsentanten des Volkswillens eines Landes seines Lebens beraubt, sondern der ganze Volkswirtschaften selbst zerstört. Der sie durch seine vorgeblichen "Experten-Ratschläge" im Dienste der internationalen Finanzmächte aus dem inneren Gleichgewicht stößt, der sie durch übertriebene Kreditvergaben der Weltbank oder anderer einflußreicher ausländlischer Investoren, bzw. durch ausländische Geldwäsche der inländischen Geldanhäufungen künstlich aufbläht (als Beispiel für letzteres: Saudi-Arabien). Eine solche, durch übertriebene Kredite oder Investitionen und damit durch übertriebene Verschuldung aufgeblähte Volkswirtschaft soll die ihr zugrundeliegende Kultur, die kulturelle Gemeinschaft oder zumindest die kulturtragenden Schichten, Eliten "fat but impotent" machen, "fett und abwehrlos", das heißt allen Erpressungen übergeordneter, überstaatlicher Finanzmächte abwehrlos ausliefern.

Elitenbildung weltweit: "Fett", verschuldet und "impotent"

Das ist der Inhalt des brisanten Buches "Bekenntnisse eines Economic Hit Man" (1), das schon 2004 und 2005 in den USA und in Deutschland erschienen ist, auf das aber erst im Mai dieses Jahres eine Dokumentarsendung im ORF (2), produziert von einem griechischen Filmemacher, ein größeres und wacheres Publikum aufmerksam gemacht hat. Es geht also um das Phänomen des "Killers von Volkswirtschaften", des Killers von ökologischer und kultureller Vielfalt und Mannigfaltigkeit weltweit, des Killers gleichmäßiger, natürlicher Wohlstandsverteilung weltweit zugunsten der globalisierten, proletarisierten Einheitskultur von MacDonalds und Coca Cola, von Hartz IV und Loveparade, von BP, Aral und Shell, von Euro, Multikulti und kultur- und naturzerstörender Migrationsströme und aus dem Gleichgewicht geratener Geburtenraten in allen Teilen der Welt.


Es wird so seine eigene Bedeutung haben, daß die genannte Fernsehdokumentation von einem Griechen produziert worden ist, also dem Angehörigen eines der ersten europäischen Länder, das die volle Wucht des Erpressungspotentiales durch das Ausland erfahren hat, das in der übertriebenen Verschuldung seines Staates liegt. Aber Griechenland ist "überall". Island ist "überall". Wer wüßte das heute nicht? Vom Staatsbankrott kann heute fast jedes Land der Erde betroffen sein. Und es waren Leute im Geiste des "Economic Hit Man", des Zerstörers eigenständiger, bis dato von seiten des Auslandes vergleichsweise wenig erpreßbarer Volkswirtschaften, die die Grundlagen dazu gelegt haben in den Staaten weltweit.

Völker aus dem finanziellen, demographischen, kulturellen und sittlichen Gleichgewicht bringen

Durch die übertriebene Kreditvergabe an Staaten und ihre Eliten - möglicherweise schon mit dem Marschall-Plan des Jahres 1948, der das deutsche und westeuropäische "Wirtschaftswunder" hervorbrachte - werden ganze Volkswirtschaften und Kulturen noch mehr als das bis dahin geschehen war, auf den bloßen, glatten, kalten Materialismus hin ausgerichtet, auf den Mammon, auf das Schulden-Machen, auf Produzieren und Konsumieren. Aber zugleich werden Volkswirtschaften nach und nach - in den Ländern der Dritten Welt früher als in den Ländern der Ersten Welt - darauf ausgerichtet, daß sich die Schere zwischen Arm und Reich immer stärker öffnet, daß immer kleinere Eliten über immer größeren Reichtum verfügen, während immer größere verelendete Massen kulturlos, instinktlos, abwehrlos, "proletarisiert" der Verarmung, der Verelendung, ja, der (... Hartz IV- und sonstigen)Sklaverei überlassen werden.

Ein gigantischer Raubzug der "Economic Hit Man", der "Killer von Volkswirtschaften" über alle Länder der Erde. Die parasitäre Existenz der globalisierten "Korporatokratie" mit ihrem weltweiten Machtzentrum in New York und Washington. Kapitalismus und Ausbeutung, Mehrwert-Abschöpfung weltweit, Zerstörung von Regenwäldern, Meeren, Naturräumen und menschlichen Kulturen auf die aller äußerste Spitze getrieben.

Mit Bibel und Ölförderung Kulturen zerstören

Während also Leser eines Autors wie William Engdahl immer noch mittels eines Blickes von außen - beispielsweise - auf die Zusammenhänge zwischen Öl, Weltmacht und überstaatlicher Finanzwelt aufmerksam gemacht werden, erhält man mit dieser neuen Dokumentation von Stelios Kouloglou (2) und der dazugehörigen Buchveröffentlichung des reuigen, früheren "Economic Hit Man" John Perkins (1) einen "Insider"-Bericht an die Hand mit oft noch viel weitgehenderen Implikationen, als diese wohl fast alle bisherigen Buchveröffentlichungen sonst zu diesem Thema nahegelegt worden wären. Dem Autor dieser Zeilen ist jedenfalls kein zweites Buch dieser Art bekannt.

Daß beispielsweise das vielgenannte "Summer Institute of Linguistics" (SIL) von dem 1981 vom CIA ermordeten Staatspräsidenten von Ecuador, Jaime Roldos, als der Kungelei mit der überstaatlichen Finanzmafia verdächtigt wurde und deshalb in Ecuador verboten wurde, weil mit Ölförderung und Bibel hier weitere, zurückgezogen lebende Indianerkulturen kaputt gemacht werden sollten (1, S. 238ff), erfährt man in diesem Buch ebenso wie viele andere Einzelheiten zu der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung von Ländern in Südostasien und Südamerika.

Alfred Herrhausen, einer der wenigen Anti-"Economic Hit Man"

Die Parallelen zu den zeitgleichen Vorgängen in Europa sind da nur unschwer zu ziehen. Schnell erinnert man sich, daß der Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, insbesondere deshalb Morddrohungen aus der amerikanischen Finanzwelt erhalten hatte (s. G. Wisnewsksi/"Das RAF-Syndrom"), weil er schon 1989 eine umfassende Entschuldung der Länder der Dritten Welt gefordert hatte. Wie konnte das die überstaatliche Finanzwelt zulassen, wo sie doch diese Schulden aufgebaut hatte, wie John Perkins berichtet, um weltweit sich die Staaten und Kulturen erpreßbar zu machen und erpreßbar zu halten?

_____________

1. Perkins, John: Bekenntnisse eines Economic Hit Man. Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia. Engl. 2004, Dt. 2005, 2008
2. Stelios Kouloglou: Im Dienst der Wirtschaftsmafia - Ein Geheimagent packt aus. (Orig.: "Apology of an Economic Hit Man".) Griechenland, Ecuador, Venezuela, UK, USA 2007. ORF 2, 16.5.2010. 1 1/2 Std.. Auf: Nuoviso.tv oder Youtube (in 9 Teilen).

Mittwoch, 29. Juli 2009

Gruppenselektion? - Etrusker starben erst nach dem Mittelalter endgültig aus

Trotz viel bejammerten "Sommerloches" gelangte die folgende, vor einer Woche in "Nature" gebrachte, spannende Meldung nicht in die deutsche Wissenschaftspresse:

... The Etruscans' genes survived into the Middle Ages, say Guido Barbujani of the University of Ferrara, Italy, and his colleagues. But between then and now, the line of descent has become much more complicated.

The researchers compared mitochondrial DNA taken from Etruscan remains, from Tuscan bones dating from the tenth to fifteenth centuries, and from modern Tuscans. The same markers were detectable in the two older groups, but not in today's Tuscans, probably owing to migration.

Also die schon seit längerem umstrittene Frage, ob die Etrusker nach ihrer kulturellen Assimilation, nach ihrem kulturellen Aufgehen im römischen Weltreich genetisch fortexistiert haben, würde durch diese neuen Forschungsergebnisse eine vielleicht unerwartet differenzierte Antwort erhalten. Genetisch starben sie nicht sofort vollständig aus, sondern existierten in Linien bis in das Mittelalter, bis ins 10. und 15. Jahrhundert hinein, in der Toskana fort. Nachgewiesen an mittelalterlichen Skeletten.

Aber im weiteren Verlauf der Geschichte bis heute müssen diese genetischen Linien dann doch verloren gegangen sein, denn heute sind sie in der Toskana nicht mehr (in vergleichbarer Häufigkeit) feststellbar. Interessant wäre nun zu spekulieren, auf welchem Wege zunächst diese Jahrhunderte lange Fortexistenz und dann dieses endgültige Aussterben erklärt werden könnte. Sozialgeschichtliche "Auslese"-Prozesse? Aufbrechen von örtlichen "Isolaten"? Weiträumigere Wanderbewegungen der Menschen in der Frühen Neuzeit? Dazu wird man sich den Originalartikel noch einmal genauer darauf hin ansehen müssen, wie man dort über Erklärungsmöglichkeiten nachdenkt.

Verallgemeinerbar?

Und noch allgemeiner wäre zu fragen, inwiefern eine solche Antwort erweitert, verallgemeinert werden kann etwa auf das ebenfalls schon mit größerer Wahrscheinlichkeit von Mainzer Genetikern festgestellte genetische Aussterben der Bandkeramiker, jener Kultur, die den Ackerbau in Mitteleuropa von einer vergleichsweise kleinen Ausgangspopulation am Neusiedler See ausgehend wahrscheinlich in einer Art "Bevölkerungsexplosion" bis zur Ukraine, nach Schlesien, zu den Vogesen, zur Kanalküste und bis zum Nordrand der Mittelgebirge ausgebreitet hat (5.700 v. Ztr. - 4.800 v. Ztr.) - innerhalb weniger Jahrhunderte. Also ein riesiges Territorium mit sehr einheitlicher, kaum voneinander abweichender Kultur über tausende von Kilometern hinweg zu einer Zeit, als das Rad noch nicht erfunden und das Pferd (wahrsscheinlich) noch nicht domestiziert war.

Auch von diesen Bandkeramikern könnte man nun annehmen, daß sie nicht sofort und vollständig ausstarben, sondern daß sich ihre Gene in den vielen kulturellen Umbrüchen der nachfolgenden Jahrtausende dann eben doch nach und nach fast vollständig in Europa verloren haben.

Gruppenselektion?

Ein erstaunliches Geschehen, das ein weiterer Hinweis darauf sein würde, daß geographisch, kulturell und sprachlich sich voneinander absetzende Gruppen, Stämme und Völker in der Regel nicht nur aus kleineren Ausgangspopulationen (Gründerpopulationen) zu großen Völkern und Kulturen heranwachsen können, sondern daß - da eben andere Völker auf ähnliche Weise heranwachsen und sich ausbreiten können - große Völker auch genetisch wieder weitgehend vollständig aussterben können, aufgrund von Zuwanderungen, Assimilation, Überlagerung und unterschiedlichen Demographien, Aufbrechen von "Isolaten" und von Wanderbewegungen.

All das könnte nicht zuletzt mancherlei neuer Hinweis darauf sein, daß und wie sich "Gruppenselektion" in der Menschheitsgeschichte beschreiben lassen könnte oder müßte, wenn theoretische Modelle möglichst nah an die Empirie herangeführt werden sollen.

Evolution und Weltgeschichte kennen jedenfalls beides: Ethnogenese aus kleinen Ausgangspopulationen heraus und Völkertod (- "Genozid"?) von vergleichsweise einflußreichen, großen kulturellen Gruppierungen und Völkern. Aber sie kennen - das sollte nicht übersehen werden - auch die genetische Fortexistenz von Völkern und Kulturen über Jahrzehntausende hinweg. Dies darf etwa von vielen Ureinwohner-Völkern angenommen werden - oder etwa auch von der großartigen, Jahrtausende langen kulturellen (und damit auch genetischen?) Kontinuität der chinesischen Kultur. - Zumindest solange es keine dem widersprechenden Forschungsergebnisse dazu geben sollte.

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

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