Donnerstag, 17. August 2017

Menschen wie von einem anderen Stern

Fünf wohlerzogene junge Erwachsene der Amish-People erleben die moderne Welt

- Zwei britische Fernseh-Dokumentationen aus den Jahren 2010 und 2011 nehmen sich endlich einmal ausreichend Zeit, um die amische Lebens- und Denkweise kennen zu lernen - Sie haben das Potential, "Kultstatus" zu erlangen

Überzeugender als ein Wahlkampf-Video der AfD allemal

Hier auf dem Blog haben wir uns schon in früheren Jahren gelegentlich mit den Amischen (Wiki, engl) beschäftigt (1), bäuerlich lebenden, streng bibelgläubigen deutschsprachigen Gruppen in den USA. Ich bin fasziniert von ihnen seit etwa 1994, seit ich im Zusammenhang mit meiner Doktorarbeit auf sie gestoßen bin und dabei die wissenschaftliche Standardliteratur zu ihnen zur Kenntnis genommen habe. Die Amischen leben - als streng bibelgläubige Christen, die die Kindertaufe ablehnen - außerordentlich authentisch ein Leben so wie es unsere Vorfahren in vielen Aspekten vor 500 oder noch vor 100 Jahren lebten. Man kann an ihnen ganz hervorragend studieren, wie Gemeinschaftsleben in der Familie und auf Gemeinde-Ebene erfolgreich und nachhaltig - das heißt auch: demographisch nachhaltig - funktioniert.

Worauf ich gerade jetzt mit großer Überraschung stoße, das sind zwei britische, mehrstündige sogenannte "Dokusoap's" über die Amischen aus den Jahren 2010 und 2011 (2, 3), in denen die Amischen einen über das Medium Film dichter an sich herankommen lassen als das jemals zuvor geschehen ist. Zuvor hat man abstrakt über Literatur sie als menschlich sympathisch kennen lernen können. Jetzt geht das auch über diese Dokumentationen - und noch wesentlich unmittelbarer.





Ich habe den Verdacht, daß diese beiden Dokumentationen das Potential haben, eine Art Kultstatus zu erlangen. Man sieht sie sich über viele Stunden hinweg an. Und doch merkt man ein paar Tage später, daß man sie sich sogar noch ein zweites mal anschauen könnte mit dem gleichen inneren Gewinn. Eine solche Erfahrung macht man wirklich sehr selten.

Wie kommt diese Wirkung zustande? Dafür sind viele Ursachen zu nennen. Die Annäherung an die Amischen erfolgt hier einmal - soweit übersehbar - nicht über dezidierte "Aussteiger" der Amischen wie das in früheren Jahrzehnten oft der Fall war, sondern über sehr "echte" und "ursprüngliche", sprich über solche, die auch selbst weiter als Amische leben wollen. Das ist - soweit übersehbar - etwas ganz Neues. Es sind außerordentlich berührende, nein, man muß sagen: aufwühlende Dokumentationen entstanden.

Warum sind diese Dokumentationen so aufwühlend? Die erste handelt davon, wie fünf ganz traditionell aufgewachsene Amisch-Jugendliche mit dem Leben Gleichaltriger in der modernen Welt Großbritanniens konfrontiert werden (2). In den Gesprächen der jungen Erwachsenen untereinander werden immer wieder die Unterschiede zwischen beiden Lebensweisen recht offen besprochen. Und was einen fast noch am meisten packt, das ist, wie bei den Amischen das Kennenlernen und Zusammenkommen von Mann und Frau kulturell durchgestaltet ist, so daß es möglich ist, daß dabei Ehen entstehen können, die ein Leben lang auch wirklich halten können. Das ist fast noch der berührendste Teil in diesen Gesprächen.

Und indem wir hier darauf zu sprechen kommen, knüpfen wir unmittelbar an an einen Beitrag und einen Videoblog vom 1. Juni über die Gestaltung des Verhältnisses zwischen Männern und Frauen (7).

Warum sind diese Fernsehdokumentationen über die Amischen so überzeugend? Weil gelebtes Leben überzeugender ist als "Theorie". Weil gelebtes Leben überzeugender ist als jede "Forderung", es solle so oder so gelebt werden. Weil gelebtes Leben überzeugender ist als jede "Utopie", es könne doch so oder so gelebt werden. Diese Dokumentationen sind schon vor fünf Jahren auch auf RTL in Deutschland ausgestrahlt worden und endlich einmal bekommt man mit ihnen eine Sendung eine solchen Genres zu sehen, aus der man wirklich - und aus der jedermann und jederfrau - Gewinn ziehen kann, für die man sich richtig gehend begeistern kann.

Man wundert sich, daß heute Filmemacher noch fähig sind, so verständnisvoll, so einfühlsam mit etwas so Ungewöhnlichem wie den Amischen umzugehen. Und dann auch gleich noch in einer Extremsituation wie derjenigen, in der fünf junge Erwachsenen dieser Gruppierung mit wirklich krassen Auswüchsen der modernen Welt konfrontiert werden.

Und es drängt sich bald der Eindruck auf: Diese Dokumentation ist tausend mal besser, überzeugender, begeisternder, hinreißender als jedes Video von Hagen Grell, als jede noch so "gelungene" gefilmte "Aktion" der "Identitären Bewegung" oder beliebiger anderer Versuche, das gewachsene kulturelle Erbe in Deutschland und Europa zu bewahren, erst recht als jedes Wahlplakat, jedes Wahlkampfvideo, jede Parlaments- oder sonstige Rede, stamme sie nun von einem Björn Höcke, einem Christoph Hörstel oder einem beliebigen anderen Politiker, sei er nun von der AfD, sei er von der "Deutschen Mitte" oder einer anderen Partei, die sich für die Bewahrung unseres kulturellen Erbes einsetzt.

Der Unterschied ist, daß nicht nur der Lebensstil selbst ein überzeugender ist, sondern daß letztlich immer spürbar wird, daß hinter ihm authentische religiöse Lebenshaltungen stehen. Das ist der entscheidende Unterschied.

Die Erkenntnis, die anhand gerade dieser Dokumentation so klar wie selten nachvollzogen werden kann, ist schlicht: Es kommt nicht auf Politik an. Es kommt nicht auf Politiktreiben an für das Überleben eines Volkes, für das Überleben einer Gemeinschaft. Es kommt darauf an, den Gottglauben einfach in den Mittelpunkt des persönlichen Lebens und der Gemeinschaft zu stellen, so dass sich auch auf religiöser Ebene eine Selbstsicherheit ergibt und aus dieser heraus gelebt werden kann. Und zwar nicht nur als Einzelmensch, sondern als Gemeinschaft.




Wenn Politiker der AfD so leben würden, religiös authentisch wären, müßte es ihnen im Grunde leicht fallen, genauso cool herüber zu kommen in einer beliebigen Rede oder in einem beliebigen Video wie diese fünf jungen Erwachsenen der Amischen, die in Großbritannien mit dem Leben gleichaltriger Jugendlicher konfrontiert werden. Sie dürften vor allem schon einmal: gar nicht laut werden. Schon daran allein ist ein Unterschied erkennbar.

Die fünf Jugendlichen dieser Dokumentation können einen lehren, daß es auf ganz andere Dinge ankommt. Es kommt darauf, einen anderen, einen besseren, zukunftsträchtigeren, lebensoffenen, fröhlicheren Lebensstil zu leben - als Gemeinschaft - im Angesicht einer degenerierten, untergehenden, abartigen Gesellschaft rund um einen herum. Es kommt darauf an, aus einem Gottglauben heraus zu leben und zwar sicher, beständig. Es kommt darauf an, Gottvertrauen zu gewinnen und immer wieder abzusichern, insbesondere über Gemeinschaftsleben.

Aus der Dokumentation des Jahres 2010 (2)

Es scheint, als könne einem das heute niemand überzeugender zeigen als die Amischen und insbesondere solche mehrstündigen Filmdokumentationen und "Reality-Show's", die sich eben auch Zeit lassen, sich auf ein so fremd gewordenes Leben, Denken und Erleben wirklich einzulassen.

Bei den fünf Jugendlichen handelt es sich um etwas, das man früher einmal einfach "wohlgeratene Kinder" genannt hätte, "wohlerzogene", um derentwillen die Eltern sich keine großen Sorgen machen müssen und deren Eltern sich wohl hatten sagen können: So ganz falsch kann unsere Erziehung nicht gewesen sein ... Und die amischen Eltern der Dokumentation sind tatsächlich auch ihrer Kinder so sicher, daß sie sie getrost auf Konfrontations-Kurs mit der modernen Welt gehen lassen können. Sie versichern ihnen lediglich, daß sie für sie beten werden. Im Grunde auch das eine Versicherung, die berührend ist.

Diese amischen Jugendlichen sind tief und fest in ihren Familien verwurzelt, in ihrem Leben verwurzelt, in ihrer Denkweise verwurzelt. Und sie durchschauen zu leicht aus dieser tiefen Verwurzelung heraus, wie lächerlich oberflächlich, seicht und abartig das Leben moderner Jugendlicher ist, bzw. sein und werden kann. Sie können sich an den guten Seiten dieses Lebens freuen, tief erfreuen. - Wie schön etwa mitzuerleben, wie eine junge Frau der Amischen das erste mal das Meer erlebt und die berauschende Kraft brechender Wellen. - Sie können sich tief freuen: Und sie lehnen zugleich mit großer innerer Sicherheit, aus tiefstem Inneren und in tiefer innerer Bewegtheit die bösen und schlechten Seiten dieses Lebens ab. Sie empfinden authentische Trauer, wenn sie Menschen so leben sehen.


Aus der Dokumentation des Jahres 2010 (2)

Eine hinreißende Fernsehdokumentation wie man sie in dieser Form noch nie gesehen hat.

Fünf Amisch-Jugendlichen, die da über viele Stunden hinweg mit der modernen, westlichen Jugendkultur konfrontiert werden und die dabei ganz und gar cool bleiben. Sie ruhen völlig in sich. Sie blicken mit dem Blick des Fremden, Befremdeten auf diese Welt. Man fühlt sich an Bücher wie den "Papalagi" erinnert (4).

Junge Menschen im Umfeld der Identitären Bewegung 

- Diese innere Sicherheit haben sie nicht


Wenn Jugendliche im Umfeld der "Identitären Bewegung" mit so viel innerer Sicherheit vor diese moderne Welt treten können und sagen können: So wollen wir nicht leben - dann sind sie glaubwürdig. Vorher nicht. Die meisten Jugendlichen und Familien auch im Umfeld der Identitären Bewegung sind insgesamt schon viel mehr seelisch aus dem Gleichgewicht geraten als diese Amischen. Die jedoch ruhen ganz und gar in sich, haben inneren Frieden. Vor allem können sie dadurch auch ganz offen einem Leben gegenüber stehen, dem sie selbst ansonsten ganz ablehnend gegenüber stehen. Gibt es ein solches Leben außerhalb der Old-Order-Amischen noch? Man hat große Zweifel.

Allein diesem Film zuzusehen, erhebt einen in eine bessere Sphäre. Und anders als mit solchen Lebenshaltungen ist das Überleben als ein großes Volk gar nicht möglich. Anders sind dauerhaft nicht jene kinderreichen Familien zu leben, die notwendig sind für das Überleben als ein Volk. Daran kann es eigentlich kaum einen Zweifel geben. Und um so leben zu können - das ist auch klar - braucht man eine ganz sichere, feste weltanschauliche Verwurzelung, Verankerung. Man darf auch nicht zu viel an einer solchen ständig herumkritteln, herumbohren und infrage stellen. Sondern man muß ruhig und sicher aus ihr heraus leben. Man muß in einer solchen seine Heimat haben.

Die Dokumentation aus dem Jahr 2011 (3)
Man darf sich innerlich nicht aufreiben an der Unterschiedlichkeit seines eigenen Lebensstiles im Vergleich zu dem, was um einen herum gelebt wird. Sonst findet man auch seinen eigenen inneren Frieden nicht. Man muß sich entscheiden.

Daß solche Dokumentationen überhaupt entstehen konnten, scheint daran zu liegen, daß zumindest einige Old-Order-Amische Gruppen offener geworden zu sein scheinen. Denn es gibt ja auch Gemeinden, die sogar Fotografieren und Filmen ganz ablehnen. Weshalb man sich bislang zumeist nur über Literatur oder über "Abtrünnige" von ihnen ein "Bild" machen konnte. Vielleicht weil der Unterschied zwischen ihrer Lebensweise und der Abartigkeit unserer Lebensweise inzwischen so krass und offensichtlich geworden ist und so leicht nachvollziehbar ist, fällt es ihnen leichter, offen auf diese Abartigkeit zuzugehen. Sie stellt vielleicht - und mit Recht - gar keine Versuchung mehr dar so wie oft noch in früheren Jahrzehnten, als die Abartigkeit noch nicht so krass war. Aber für wen stellt denn das Leben in der heutigen "modernen Welt" auch sonst noch wirklich eine Versuchung dar? Im Grunde leidet doch fast jeder darunter. Daß das die Amischen inzwischen so empfinden und deshalb diese Lebensweise kaum noch als Versuchung empfinden können, könnte man jedenfalls als nachvollziehbar empfinden.

Zunehmend mehr verliert das typische Leben in modernen Gesellschaften an Anziehungskraft. Wer will denn diesen ganzen Schrott noch? Die Gefahr ist aber, daß es modernen Menschen zunehmend schwerer fallen könnte, zu einem solchen "einfachen Leben" noch rechtzeitig zurück zu kehren. Denn dazu ist die erste Voraussetzung jene, die in den beiden Filmdokumentationen immer wieder ein Hauptthema sind: Wie lernen sich Mann und Frau kennen? Wie beginnen sie eine eheliche Gemeinschaft? Und das Aufregende ist, daß zumindest zwei der "gewöhnlichen" britischen Mädchen nachdem sie sechs Wochen bei Amisch-Familien gelebt haben, sagen, daß sie künftig anders leben wollen, daß sie sich nicht mehr von ihrer Umgebung unter Druck setzen lassen wollen, möglichst früh alle Erfahrungen auszuleben, die man als Erwachsener ausleben kann (3).

"Die Amischen - Die ordentlichsten Jugendlichen der Welt" so lautet der englische Originaltitel der ersten Dokumentation auf Deutsch übersetzt ("Amish - World's Squarest Teenagers") (2). Zwischendurch ist in ihr immer wieder eingeblendet, wie der Vater der beiden jungen Erwachsenen Leah und Andrew Miller aus der Bibel vorliest zum jeweiligen erörterten Thema. Das ist im Grunde ganz gut gemacht. Bei den Jugendlichen der ersten Dokumentation handelt es sich um Leah Miller (die Erzählerin), um Leon Lehman, Andrew Miller, Jerry Miller und Becky Shrock. Letztere stammt aus den am konservativsten lebenden Gruppen der Old-Order-Amisch, den "Schwarzentrubers" (Wiki). In der zweiten Dokumentation ist der Erzähler Jonathan Hershberger (3).

Inzwischen gibt es auch eine US-amerikanische Reality-Serie dieser Art: "Breaking Amish" (2012-2016) (Wiki). Dieser gegenüber gibt es aber laut Wikipedia Vorwürfe, daß keine echte Authentizität vorläge, da alle Hauptbeteiligten mit ihren Gemeinden schon vor Beginn der Dokumentation gebrochen hatten.

Zusammengefaßt jedenfalls: Menschen wie von einem anderen Stern, die eigentlich nur so leben wie unsere Vorfahren vor hundert oder mehr Jahren. So weit haben wir uns heute von der Lebenswelt unserer Vorfahren schon entfernt, was insbesondere im Kernbereich der Partnerfindung zu so krassen Schieflagen führt, wie sie heute fast jeder kennt.

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  1. Bading, Ingo: Die Amischen - Einige Filmdokumentationen. Auf: GA-!, 1.2010, http://studgenpol.blogspot.de/2010/01/die-amischen-einige-filmdokumentationen.html
  2. Die Amischen sind gelandet, Originaltitel: Meet the Amish bzw. Amish - World's Squarest Teenagers, Dokusoap GB 2010, KEO films und Channel 4 Television Corporation; Original-Erstausstrahlung: 25.07.2010; Deutsche Erstausstrahlung, RTL Living, 02.03.2012 (IMDb); Deutsch: https://www.youtube.com/watch?v=gApZNR-FcFEhttps://www.youtube.com/watch?v=bJdxwzb59Wshttps://www.youtube.com/watch?v=wgDtEPLreXshttps://www.youtube.com/watch?v=Lqx0qiX6fTY; Englisch: https://www.youtube.com/watch?v=m64X1hMCJoE oder: https://www.youtube.com/watch?v=IZdxiN_WyjA
  3. Unter Amischen, Originaltitel: Living with the Amish, Dokusoap, GB November 2011, KEO films und Channel 4 Television Corporation (IMDb); 1. Teil (nur Englisch verfügbar) https://www.youtube.com/watch?v=eoXG3__vL8A, ab 2. Teil auch Deutsch: https://www.youtube.com/watch?v=JQyDUZgsdI8, 3. Teil https://www.youtube.com/watch?v=hE3C6uznL5Q&t=34s, 4. Teil https://www.youtube.com/watch?v=bQdfXa7sxfc&t=112s, 5. Teil https://www.youtube.com/watch?v=phh4XSAWDKU, 6. und letzter Teil https://www.youtube.com/watch?v=z0hB9Cg4C6I&t=20s
  4. Scheurmann, Erich: Der Papalagi. 1920, https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Papalagi
  5. Gee, Catherine: Amish teens: pious, prudish - yet remarkably tolerant - Members of the sect have come to the UK for a C4 series. In: The Telegraph, 23 Jul 2010, http://www.telegraph.co.uk/culture/tvandradio/7905385/Amish-teens-pious-prudish-yet-remarkably-tolerant.html
  6. Beck, Sally: From spoilt British teen to Amish girl. In: Dailymail, 21. November 2011, http://www.dailymail.co.uk/femail/article-2064064/Charlotte-Allison-From-spoilt-party-mad-British-teen-Amish-girl.html
  7. Bading, Ingo: Ehret die Frauen! Männer und Frauen - Ein viel erörtertes Thema. Auf. GA-j!, 1. Juni 2017, http://studgenpol.blogspot.de/2017/06/ehret-die-frauen.html

Samstag, 12. August 2017

Menschenopfer-Darstellungen im Besitz Heinrich Himmlers auf der Wewelsburg

Aus 10 Kilogramm reinem Gold: Der sogenannte "Chiemsee-Kessel"

Der sogenannte "Chiemsee-Kessel" (Wiki, engl.) ist aller Wahrscheinlichkeit nach um 1930 herum für satanistische Rituale in völkischen Okkultlogen im Umfeld der NSDAP angefertigt worden, etwa solchen, für die auf der Wewelsburg Räumlichkeiten eingerichtet worden waren. Er ist damit ein ziemlich eindeutiger und auch zuverlässiger Beleg dafür - ein weiterer Beleg dafür - daß hinter dem Dritten Reich satanistische Okkultlogen standen (1), wofür ja hier auf dem Blog schon viele andere Belege gesammelt worden sind.





Insbesondere die Erinnerungen und Zeugenaussagen jener heute noch bestehenden Goldschmied-Firma in München, in der dieser Kessel um 1930 herum angefertigt worden ist, geben eine ziemlich gute Sicherheit hinsichtlich der Zuverlässigkeit der in einem Dokumentar-Film von "National Geographic" aus dem Jahr 2012 vorgestellten historischen Deutung (1). Der Film ist ziemlich langwierig, deshalb seien hier in Kurzform seine wesentlichsten Inhalte referiert.

Der Münchner Unternehmer Albert Pietzsch (1874-1957) (Wiki) war - mit Putzi Hanfstengl - ein früher finanzieller Unterstützer der NSDAP. Er war auch - auffallender Weise - Wirtschaftsberater des Okkultgläubigen Rudolf Heß (2). Um 1930 herum gab dieser Albert Pietzsch nun jenem Münchner Silberschmied, der auch andere Okkult-Objekte für die SS angefertigt hat, die seither raunend und bewundernd in satanistischen Logen herumgereicht werden (Totenkopfringe und solche Dinge), nämlich einem Otto Gahr (gest. 1932), zehn Kilogramm reines Gold, um daraus eine goldene Opferschale zu fertigen im "keltischen" Stil, bzw. im Stil des damals schon bekannten und bewunderten keltischen "Kessels von Gundestrup". Dieser war 1891 in Jütland gefunden worden.

Eine Opferschale im Besitz Heinrich Himmlers


Aufgrund von Hinweisen in der Bevölkerung wurde diese Opferschale nun 2001 mit Metalldetektoren auf dem Grund des Chiemsees entdeckt, wo sie vermutlich 1945 versenkt worden war. Also typischstes "Nazigold". Anfangs bestand nach 2001 noch der Verdacht, es könnte sich um eine echte keltische Schale handeln. Aber es werden auf ihr viel zu eindeutig als man das jemals von solchen archäologischen Objekten kennt Menschenopfer dargestellt. Einem Menschen wird gerade der Kopf abgeschlagen und anderes mehr. Als ich das gleich am Anfang des Filmes (1) sah, dachte ich mir gleich, daß es sich um eine Fälschung handelt. So ist es heute auch von der Forschung festgestellt aufgrund der chemischen Zusammensetzung des Goldes und der Verarbeitung der Schale.

Damit soll nicht gesagt sein, daß es etwa bei den Kelten keine Menschenopfer gegeben hätte. Ganz im Gegenteil. Darüber weiß man heute noch wesentlich mehr als um 1930. Die Kelten haben unzählige Gefangene abgeschlachtet und ihre Leichen demonstrativ aufgehängt an ihren heiligen Tempeln und vor ihren Stadtmauern zur Abschreckung von Feinden. Das ist erst in jüngeren archäologischen Forschungen als sehr weit verbreitetes Phänomen - etwa rund um die keltischen Viereckschanzen - gut nachgewiesen worden. Aber für den vorliegenden Zusammenhang ist das nicht von besonders großer Bedeutung.

Nun gibt es jedenfalls Hinweise, daß diese 10 Kilogramm schwere Opferschale aus reinem Gold auf der Wewelsburg aufbewahrt wurde, wo ja - nach Berichten Überlebender ritueller Gewalt - noch lange nach 1945 von elitären Satanisten Menschenopfer dargebracht worden sein sollen, wo sie vielleicht auch noch dargebracht werden. Es gibt Berichte, wonach die Beteiligten dafür mit Hubschraubern eingeflogen wurden, wonach die Täter auch aus den USA gekommen seien. Diese Dinge freilich werden im Dokumentar-Film nicht explizit erwähnt, obwohl sie natürlich in diesen Sachzusammenhang gehören.

Im Film wird dennoch ganz klar von "schwarzer Magie" bei geheimen Ritualen der SS im Zusammenhang mit diesem Kessel gesprochen. Es würde sich eindeutig um ein Objekt handeln, das Macht darstellen solle. Am Ende des Krieges wurden alle Schätze der Wewelsburg abtransportiert, bevor die Burg gesprengt und angezündet wurde. Es gab vermutlich einen Marschbefehl, die Schätze dann von Bayern nach Böhmen zu schaffen. Man kam damit aber nicht mehr durch, da die Amerikaner vorrückten. Am Ende wäre der Schatz mit der SS-Division Nibelungen an den Chiemsee gelangt und die Soldaten hätten ihn dort versenkt, um ihn nicht in den Besitz der Feinde gelangen zu lassen, bevor sie in Gefangenschaft gingen. So eine denkbare Version, wobei allerdings betont wird, daß es auch noch andere SS-Divisionen gab, die im Bereich des Chiemsees in Gefangenschaft gingen.

Auch wenn das mit der SS-Division Nibelungen stimmen sollte, sollten sich keinesfalls Gefühle von "Romantik" einstellen. Der Okkultismus der Dritten Reiches war als ideologisches Selbstmordprogramm eines Volkes - oder sogar der Völker der westlichen Welt - konstruiert, in den dann natürlich der mörderische Nibelungenzug gut hinein paßt aus der Sicht von abartigen internationalen Satanisten. Ihr abartiges, ekelhaftes Treiben aus Geheimdiensten und Schattenregierungen heraus zieht sich bis heute und ohne sie hätte es vermutlich die großen Kriege und Verbrechen des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts nie gegeben.
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  1. "Nazi Temple of Doom", zu Deutsch "Der Geheime Tempel der Nazis". 44 Minuten, National Geographic Channel. 2012, Deutsch: https://www.youtube.com/watch?v=QieqfpzaVy0, Englisch: http://www.smithsonianmag.com/videos/category/history/a-gold-cauldrons-sinister-secrets/
  2. Maier, Helmut: Chemiker im "Dritten Reich". Die Deutsche Chemische Gesellschaft und der Verein deutscher Chemiker im NS-Herrschaftsapparat. Wiley VCH, Weinheim 2015, S. 201 (GB)

Freitag, 11. August 2017

Staatsraison in Deutschland: International organisierte Pädokriminalität

"Operation Zucker - Jagdgesellschaft"
- Das "Erste Deutsche Fernsehen" machte am 20. Januar 2016 ganz Deutschland zum Mitwisser der pädokriminellen Eliten-Herrschaft

Am 20. Januar 2016 und an den Folgetagen geschah etwas sehr Bedeutsames in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. An diesem Tag wurde vom Ersten Deutschen Fernsehen und von der begleitenden Berichterstattung in den großen bundesdeutschen Medien als Tatsache hingestellt:
  1. Es besteht eine Verschwörung.
  2. Menschen auf höchster politischer Ebene sind darin verstrickt.
  3. Sie ist geheimgesellschaftlich organisiert.
  4. Sie ist international.
  5. Sie wird durch Pädokriminalität zusammen gehalten.
  6. Deutsche Innenminister auf Länderebene und ihre Staatssekretäre, sowie Richter, Staatsanwälte und höhere Polizeibeamte, Bauunternehmer vertuschen und decken diese Verschwörung als Mitwisser und Mittäter.
  7. Deutsche Politiker gehen in deutschen Wäldern mit dem Jagdgewehr zur Jagd auf Kinder und erschießen sie dabei.
  8. Und die vielleicht wesentlichste transportierte Botschaft: Der einzelne ist ohnmächtig gegenüber der Übermacht des/dieses - - - "Systems".
Alles das ist dargestellt in dem Fernsehfilm "Operation Zucker - Jagdgesellschaft", der zum ersten mal am 20. Januar 2016 im Ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt worden ist und über fünf Millionen Zuschauer hatte, und in der ihn begleitenden Presseberichterstattung (1-8). Der Programmdirektor des ARD Volker Herres erklärte aus diesem Anlaß als Erwartung, indem er auf den Vorgängerfernsehfilm "Operation Zucker" verwies, der im Januar 2013 ausgestrahlt wurde (Das Erste):
"Operation Zucker" hat 2013 für Diskussionen, auch auf politischer Ebene, gesorgt.
"Auch auf politischer Ebene". - Ein merkwürdiger Satz - angesichts der Dinge, die hier auf die Tagesordnung gesetzt worden waren. - Wo sonst als auf politischer Ebene? Die Erwartung, daß der "auch" auf politischer Ebene zu Diskussionen führen würde, impliziert schon für sich die Erwartung, daß diese Diskussionen nicht sehr umfangreich sein werden. Und die Gründe sind ja implizit dann auch schon genannt dafür, daß diese Diskussionen nicht sehr umfangreich waren und sind.

Laß flattern deine schmutzige Fahne, Deutschland
Fotograf: NEUROtiker
Dabei wurde im Januar 2016 in den begleitenden Presseartikeln, die der Ausstrahlung voran gingen und ihr folgten (3-8), in allen großen deutschen Medien festgestellt und betont, daß alles das, was in diesem Fernsehfilm dargestellt wurde, im vollen Umfang der Wirklichkeit entsprechen würde. Nur der Ort und die dargestellten Personen - die Staatsministerien in Potsdam, der Innenminister des Landes Brandenburg, einer seiner Staatssekretäre und verschieden Staatsbeamte, sowie ein ermordeter investigativer Journalist - wären als solche fiktiv. Sprich, es hätte auch jede andere bundesdeutsche Landesregierung als Ort der Handlung ausgewählt sein können und es kämen diverse investigative Journalisten infrage, die als Folge ihres Drängens von Mord bedroht sein können. Also Stuttgart, Wiesbaden, Mainz, Kiel, Hannover, Düsseldorf, München, Erfurt, Magdeburg, Schwerin, Saarbrücken, Bremen, Hamburg. Das ganze Land ist verseucht.

Man ist fast gezwungen, davon auszugehen, daß die fünf Millionen Fernsehzuschauer auf die Schnelle gar nicht mitbekommen haben, was sie da gerade mit angesehen hatten, daß sie da keineswegs gerade nur einen der üblichen Krimis gesehen hatten, sondern daß sie mit der größten Staatskrise der Bundesrepublik Deutschland seit ihrem Bestehen konfrontiert worden waren. Doch so ist das ja von allen Medien gar nicht vorbereitet gewesen und bewertet worden. Einigermaßen merkwürdig. Kann eine ganze politische Klasse nicht mehr klar denken?

Auch in der nachfolgenden Sendung bei Sandra Maischberger wurde noch einmal besonders betont, daß jeder Aspekt des Fernsehfilmes Tatsächlichkeit behandele. Ebenso wurde das in allen begleitenden Presseartikeln getan: Ja, das ist Wirklichkeit. Und das ist kein Grund, von der größten Staatskrise der Bundesrepublik Deutschland seit ihrem Bestehen zu sprechen?

Wir hier auf dem Blog stellen fest, daß mit diesen Feststellungen alle Zutaten beisammen sind, die man braucht, um zum Beispiel den Erlebnisbericht der Cathy O'Brien (geb. 1957) (Wiki), einer amerikanischen Regierungs-Prostituierten, für wahr halten zu können (9). Eine der "unglaublichsten", "unglaubhaftesten" Bestandteile dieses Erlebnisberichtes war bestimmt die Jagd auf nackte Mädchen im Wald durch regierende amerikanische Präsidenten. Aber in dem Film wird schon im Titel mit dem Begriff "Jagdgesellschaft" genau auf diesen fast noch unglaublichsten Inhalt des Berichtes von Cathy O'Brien als Tatsächlichkeit hingewiesen. Nicht in den fernen USA, nicht im "Bohemian Grove". Nein, hier, mitten in Deutschland, in deutschen Wäldern jagen deutsche Politiker minderjährige deutsche Kinder mit dem Jagdgewehr.

Die Tatsachen an sich, die wir hier auf dem Blog seit 2011 erörtern, werden also von den großen Medien nun gar nicht mehr geleugnet! Man darf sie nun gar nicht mehr Verschwörungsleugner nennen. Der einzige Vorwurf, der ihnen noch gemacht werden kann, ist, daß die Bedeutung dieser Tatsachen für das Funktionieren einer Demokratie im Nachgang zu diesem Film auffallend wenig - nein: gar nicht - erörtert wurde. Für so blöd verkaufen sich Chefredakteure und Journalisten großer Tages- und Wochenzeitungen, für so blöd verkaufen sich Programmdirektoren, Filmemacher, naja: und Politiker sowieso.

An diesem Umstand ist erkennbar, daß dieser Film klar berechnete, bewußt zugelassene Transparenz darstellt, daß hier die bundesdeutsche Öffentlichkeit scheibchenweise zum Mitwisser von elitärer Pädokriminalität gemacht werden soll. Sie soll davon wissen - aber nicht aufmucken. Dabei wird auch im Fernsehfilm selbst ständig die Botschaft transportiert: Wer davon weiß und dagegen nicht handelt, macht sich mitschuldig. Also sind nun fünf Millionen Fernsehzuschauer mitschuldig gemacht worden. Das haben die Satanisten besonders gern. Andere Menschen mitschuldig machen zu können. Oh, sie lieben das. Sie werden es dem "Pack" schon ins Gesicht schreien, bei Gelegenheit: Regt euch mal nicht so auf. Ihr habt doch alles gewußt - . . . und habt uns trotzdem gewählt.

Der Fernsehfilm transportiert zwei Botschaften: 1. Diese Verbrechen exisiteren. 2. So ohnmächtig ist der einzelne, der sich als einzelner innerhalb des Systems dagegen auflehnt. Und das Entscheidende ist, daß dieser Ohnmacht im Vorlauf und Nachgang nirgendwo entschiedener widersprochen wird in den großen Medien. Überall wird hingegen der Ohnmacht selbst Ausdruck verliehen - ohne es freilich ganz offen zu sagen.

Das muß man nicht zur Staatsaffäre hochschaukeln, meine Herren, ich bitte Sie!


Die beiden Fernsehfilme an sich sind ohne Belang, ihre filmischen, künstlerischen, schauspielerischen, dramaturgischen Qualitäten oder Schwächen, all das ist ohne Belang. Von Belang ist, daß diese Filme ohne alle Frage "gewollte", "geduldete" "Transparenz" darstellen, beabsichtigte Transparenz. Daß man mit ihnen weiterhin auslotet, was man dem blöden Volk, dem "Pack" alles zumuten kann. Oh, man kann ihm viel zumuten, sehr viel. Alles, was bislang als üble Verschwörungstheorien entweder beschwiegen oder lächerlich gemacht wurde oder in abseitigen spät ausgestrahlten Fernsehdokumentationen behandelt wurde, was in abseitige Buchverlage abgeschoben wurde, wird in diesen beiden Fernsehfilmen der ARD und in den vielen begleitenden Presseartikeln nun wie selbstverständlich und nun plötzlich ganz ohne alles weitere kritische Hinterfragen vollumfänglich als bestehende Realität in Deutschland dargestellt. Letztlich wird es doch als nichts anderes als die bestehende Staatsräson in Deutschland dargestellt (was sonst?). Oder kann die Zusammenhänge niemand zu Ende denken?

Diese gewollte Transparenz hätte man auch anders haben können. Man hätte auf die Vorschläge und Ideen von Renate Rennenbach (SPD-Sektenbeauftragte des Deutschen Bundestages) hören können, parlamentarische Untersuchungsausschüsse einrichten können, Sonderkommissionen bei Polizei und Staatsanwaltschaft einrichten können, eigene Gesetze geben können zur Strafverfolgung von ritueller Gewalt und Pädokriminalität. Man hätte die Verjährungsfrist bei sexueller Gewalt aufheben können. All das war - ganz offensichtlich - politisch "nicht erwünscht". Es war auch nicht erwünscht vom "Perception Management" her.

Da hätten doch zu viele Menschen herkommen können und grundlegende politische Reformen fordern können, das politische System an sich infrage stellen können. All das kann - natürlich (ich bitte Sie, lieber Leser!) - nicht erwünscht sein.

Aber wie wäre es, wenn wir das Ganze in spannende, emotional aufwühlende Fernsehfilme verpacken mit einer Handlung, fokussiert auf einige, wenige Menschenleben vor allem im Ermittler-Bereich. Das klappte doch schon so gut in "Das Leben der anderen". Wenn wir das zerfahrene Leben einer Beamtin der deutschen, der Berliner Kriminalpolizei darstellen und ihren - erfolglosen - Kampf gegen "das System" in Deutschland, das das internationale System der Pädokriminellen ganz eindeutig schützt. Und man kann dann einmal bei Maischberger ein paar "Experten" und Überlebende über das Thema sprechen lassen. Man kann viele begleitende Presseartikel erscheinen lassen, die das Thema einerseits nicht mehr wegzudiskutieren versuchen, auch nicht zu verharmlosen suchen, die aber andererseits auch nicht gleich eine große Staatsaffäre daraus machen. Das wäre ja auch nun wirklich übertrieben. Und wenn wir so vorgehen, dann sind die deutschen, öffentlich-rechtlichen Medien doch ihrer Informationspflicht nachgekommen. Oder gibt es Zweifel?

Man staunt, was sich insbesondere der zweite Fernsehfilm "Operation Zucker - Jagdgesellschaft" aus dem Jahr 2016 alles herausnimmt. Dem Innenminister eines deutschen Bundeslandes und seinem Staatssekretär wird unterstellt, Mitwisser, Vertuscher oder gar Mittäter von Pädokriminalität zu sein. Im ersten deutschen Fernsehen des Jahres 2016. Das ist in etwa so, wie wenn die Prawda unter Stalin Stalin selbst der Verbrechen angeklagt hätte. Ein hinkender Vergleich? Ich zeige Ihnen gleich, wer oder was hier hinkt, lieber, verdammter Leser!

Übrigens hat man von den von ARD-Programmdirektor Volker Herres (Das Erste) erwähnten "Diskussionen auch auf politischer Ebene" schlichtweg nichts gehört. Er sollte einfach einmal ein paar konkrete Belege geben, daß solche Diskussionen tatsächlich auf politischer Ebene stattgefunden hätten. Solche Belege sind - zumindest im Internet - nicht zu finden (oder ist der Autor dieser Zeilen zu blöd zum Finden?). Welcher Politiker hat sich zu diesem Fernsehfilm geäußert? Welcher? Warum hat man überhaupt als interessierter Bürger nicht schon ganz ohne viel Suchen von diesen so notwendigen Diskussionen "auf politischer Ebene" mitbekommen?

Da wird im zweiten Fernsehfilm "Operation Zucker - Jagdgesellschaft"  ein investigativer Journalist dargestellt, der Pädokriminalität in Berlin aufdeckt und eines Tages tot ist (ermordet ist). Dem Autor dieser Zeilen ist vor allem ein investigativer Journalist bekannt - Jürgen Roth (Wiki) - der zu elitärer ritueller Gewalt und Pädokriminalität in Berlin und Brandenburg recherchiert und veröffentlicht hat. Was Jürgen Roth wohl zu seiner eigenen Darstellung in diesem Fernsehfilm sagt? Wie er sich wohl gefühlt hat als er sich darin als Leiche sah? - - -

Und niemand sagt, daß es vor allem oder zumindest einen Innenminster gegenwärtig in Deutschland gibt, dem gegenüber der Vorwurf im Raum steht, Pädokriminalität im Bundesland Sachsen vertuscht zu haben, nämlich der heutige Bundesinnenminister (Stichwort "Sachsensumpf", siehe: Wiki) (10)? - - - Im Zusammenhang damit wurden übrigens auch schon ansatzweise die notwendigen politischen Diskussionen geführt. Erkannte doch Thomas de Maizière damals nach eigenen Worten, daß hier der Rechtsstaat, daß die freiheitlich-demokratische Grundordnung auf dem Spiel steht. Von solchen Diskussionen auf politischer Ebene rund um den Fernsehfilm hat man hingegen nichts gehört.

Natürlich, es gibt noch andere Journalisten, die auch recherchiert und veröffentlicht haben, viele andere. Einer sagte uns, daß er in Belgien zum Fall Dutroux recherchieren wollte, daß man ihm davon aber abgeraten habe, wenn ihm sein Leben lieb sei. - Und solche Verhältnisse gibt es in der freiesten Demokratie, die es je auf Erden gegeben hat? Und Stalin ist wirklich ganz, ganz weit weg?

Auch hinsichtlich der Vertuschung von Pädokriminalität, etwa in Sachsen - oder sagen wir: des Staatsterrorismus im Umfeld unter anderem des sogenannten NSU-Phänomens in allerhand Bundesländern - gibt es viele noch allerhand mehr investigative Journalisten außer Jürgen Roth, die dem Film als Vorbild gedient haben können. Und entsprechend gibt es auch sicher noch zahlreiche andere Innenminister und Staatssekretäre in Deutschland, die dem Film als Vorlage gedient haben können.

Solche Fernsehfilme sollen wohl die "Bürgernähe" der Politik vergrößern? Entschuldigung, man weiß sich nicht mehr anders zu helfen als mit Sarkasmus.

Was treibt Gabriela Sperl, die Filmemacherin an?


Hauptverantwortliche für beide Filme ist - nach den Presseberichten - Gabriela Sperl (geb. 1952). Ihr haben zahlreiche erfolgreiche, namhafte Schauspieler, Regisseure und Drehbuchautoren für diese beiden Filme zugearbeitet. Über sie wird gesagt (3) (David Denk, Süddt., 2015):
Im Austausch mit den Drehbuchautoren Friedrich Ani und Ina Jung habe sich dann die Geschichte herauskristallisiert. "Das ist nicht die Sorte Film, wo man einen Drehbuchauftrag vergibt und auf das Ergebnis wartet", sagt Sperl. Zwei Jahre lang recherchierten die Autoren intensiv - mit Folgen für alle Beteiligten: "Man macht nicht am Ende den Deckel drauf, und die Welt ist wieder in Ordnung", sagt Sperl.
Geben diese Worte ein außerordentliches Engagement wieder, wie es allein den hier bestehenden Sachverhalten angemessen wäre? Sonderbarerweise nicht. Von Sperl liest man an keiner Stelle im Internet etwa, daß sie massiv die Demokratie für gefährdet halten würde, das Funktionieren des Rechtstaates. Sie ist kein Wutbürgerin, nein, auch keine Zornbürgerin. Sie ist Filmemacherin, sie kippt auch bei großen Staatsaffären nicht aus ihren Schuhen. Die Produzentin Sperl spricht nicht aus innerster Empörung heraus. Sie spricht nicht aus Zorn heraus. Es ist das nicht sehr angenehm zu erleben und zu lesen, was über sie geschrieben wird in diesem Zusammenhang und mit welchen Nuancen sie sich äußert (3):
Die Produzentin glaubt daran, daß ihre Filme ein "Bewußtsein für Frauen- und Kinderschutz schaffen" können, sagt Gabriela Sperl, ein Bereich, in dem Deutschland immer noch der EU hinterherhinke. Darüber hinaus gehe es darum, "innerhalb der bestehenden Gesetze das Unrechtsbewusstsein weiter zu schärfen", ergänzt Sophie von Uslar.
Und um mehr geht es nicht? Mehr steht nicht auf dem Spiel? Und weiter (3):
Gabriela Sperl produziert Jagdgesellschaft im Auftrag von BR und ARD Degeto für Wiedemann & Berg Television. (...) "Man darf beim Thema Kinderprostitution in Deutschland nicht unterschätzen, daß man einen politischen Nerv trifft", sagt sie. Das weiß sie seit Operation Zucker. Sperl fühlte "fast eine moralische Verpflichtung", das Thema nicht ruhen zu lassen.
"Fast eine moralische Verpflichtung", "einen politischen Nerv". Wo wurde ein politischer Nerv getroffen? Woran hätte man das erkennen sollen? In welchem Innenministerium wurde man unruhig? Der Film ist unter "Geheimhaltung" gedreht worden deshalb. - Wer will einen hier für blöd verkaufen?

Man möchte doch wohl meinen, all das sind sehr eingeschränkte Ziele angesichts der Schrillheit der dargestellten Verbrechen und angesichts insbesondere der politischen Implikationen, die ihnen innewohnen. Anfang 2016 sagte Gabriela Sperl im Interview mit der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" (4):
Mit unserem ersten Film haben wir zwar einiges losgetreten, aber es hat sich auf Seiten der Gesetzgebung noch nichts verändert. Laut Unicef werden im Bereich Kinderhandel und Kinderprostitution jährlich Milliarden verdient. Und der ehemalige BKA-Präsident Ziercke sagt schon 2013, die Nachfrage steige exponentiell. An einem Phänomen, das nicht besser, sondern immer schlimmer wird, muß man dranbleiben, damit sich irgendwann etwas ändert. Wenn die Gesellschaft hinschaut, wird auch die Politik das tun.
Es geht um "Hinschauen"? Wenn Politiker polizeiliche Ermittlungen gegen Pädokriminelle verhindern? Ich bitte Sie, Frau Sperl. Es geht doch nicht um "Hinschauen". Mann! Weiter im MAZ-Interview (4):
Frage: Wie haben Sie und Ihre Drehbuchautoren dieses heikle Thema recherchiert?
Sperl : Ina Jung hat ja ein Buch über das 2001 in Lichtenberg verschwundene Mädchen Peggy geschrieben.
Das Buch erschien im Jahr 2013 (11). In ihm fällt auf den bayerischen Innenminster Günther Beckstein (geb. 1943) (Wiki) kein gutes Licht. Der Fernsehfilm "Operation Zucker - Jagdgesellschaft" handelt also indirekt von Leuten wie Günther Beckstein darf man schlußfolgern. Gabriela Sperl hat also für den Fernsehfilm insbesondere mit Ina Jung zusammen gearbeitet, wenn man ihre Worte recht versteht, sagt sie doch über Ina Jung (4) (Hervorhebung nicht im Original):
Da gab es viele Anknüpfungspunkte, Kontakte und Quellen, die sie genutzt hat. Eineinhalb Jahre hat die Recherche insgesamt gedauert. (...) Uns haben das Kriminalisten immer wieder bestätigt: Je höher jemand in der Gesellschaft angesiedelt ist, desto weniger wird er verfolgt. Die halten alle dicht, vor allem auch, weil sie ihren jeweiligen Berufsstand schützen wollen. Es geht dabei nicht um den Einzelnen, sondern stets um das Image von ganzen Berufsgruppen. Denken Sie nur an die Regensburger Domspatzen, 700 Fälle sind Jahrzehntelang unter den Teppich gekehrt worden. Das schadet der Kirche insgesamt viel mehr, als gegen Verfehlungen hart vorzugehen und die Täter zu bestrafen.
Hier wird doch indirekt sehr klar insbesondere vom Berufsstand des Politikers gesprochen. Von welchem sonst. Und das ist kein Skandal, keine Staatsaffäre? Und weiter (4):
Frage: Die Kommissarin Wegemann, die Nadja Uhl spielt, redet von einem Täterschutzland ... 
Sperl: Wegemann als Figur bringt damit Dinge auf den Punkt, die das Publikum aufrütteln sollen. Heiko Maas, der Justizminister, ist an der Veränderung des Sexualstrafrechts, aber da gibt es noch viel zu tun. Die Kinder, die sexueller, psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt sind, geraten nicht ins Blickfeld, die meisten Fälle kommen niemals zur Anzeige. 
Frage: Was ist zu tun?
Sperl: Eine Anzeigepflicht von Gewaltdelikten gegenüber Kindern wäre ein erster, sehr hilfreicher Schritt. Therapeuten, Ärzte, Anwälte würden - wie zum Beispiel in Frankreich oder Österreich - ihrer Schweigepflicht entbunden und ihre Zulassung verlieren, wenn sie Übergriffe nicht melden. 
Welches Publikum wurde wann und wo aufgerüttelt? Wo sich doch alle, die sich zum Thema auch nur äußern, selbst schon so wenig aufgerüttelt wirken? An anderer Stelle sage Gabriela Sperl (Das Erste, wohl 2016):
Wir sind dankbar, daß uns die ARD, hier der BR und die ARD Degeto, für Filme, die dieses Verbrechen ins Bewußtsein bringen, Finanzierung und eine Plattform bieten. Wir brauchen die Zuschauerinnen und Zuschauer im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Kindern. In einem der reichsten und freiesten Länder der Welt darf es das nicht geben. Wir dürfen kein Täterschutzland sein, sondern müssen ein Land sein, das die Opfer schützt. Vor allem unsere Kinder.

"Der geheimgesellschaftlich organisierte Zusammenschluß der Täter"


Nun, es stellt sich da doch eigentlich nur noch die Frage: Wie kann man erreichen, daß solche Worte nicht leere Formeln bleiben? In der FAZ wurde Anfang 2016 anläßlich der Erstausstrahlung des Fernsehfilmes "Operation Zucker - Jagdgesellschaft" in jeder zweiten Zeile betont, daß das in dem Spielfilm Dargestellte Wirklichkeit ist (5):
Alles, was hier dargestellt wird, beruht auf sorgfältigen Recherchen. Es sind keine fiktiven Fälle und Hintergründe, welche die Produzentin Gabriela Sperl zunächst mit Rolf Basedow und Philip Koch, nun mit den Autoren Friedrich Ani und Ina Jung zu einem Dossier der Schande zusammengetragen hat.
Ein solches Dossier müssen Fernsehjournalisten zusammen tragen? Schon dieser Umstand ist doch ein Zeichen dafür, daß in unserem Staat etwas kraß schief läuft. Der Umstand nämlich, daß Innenministerien selbst nicht solche Dossiers zusammenzutragen scheinen. Oder Bundes- oder Landesämter für "Verfassungsschutz". Gegenfrage: Sollen die über sich selbst ermitteln? Ja, doofe Frage, nicht? Und weiter (5):
Kinderhandel ist ein lukrativer Wirtschaftszweig, wie Waffen- und Drogenhandel. Deutschland ist einer der besten „Absatzmärkte“. Besonders schwierig zu verfolgen und nachzuweisen sind die abscheulichen Verbrechen, die Erwachsene an den Wehrlosen begehen.
Wenn der politische Wille zur Verbrechens-Aufklärung und -Prävention wirklich vorhanden wäre, wäre das alles keineswegs "schwierig". Man verbarrikadiert sich hinter Adjektiven wie "schwierig". Warum wird die Forderung des Journalisten Guido Grandt in der Politik nicht aufgenommen, daß Politiker ihre Mitgliedschaften in allen geheimen Gesellschaften angeben müssen? Warum wird nicht massiv über das Wirken satanismusnaher Geheimgesellschaften aufgeklärt so wie hier auf dem Blog seit 2011? Warum wird den Hinweisen nicht nachgegangen, daß viele Überlebende sexueller und ritueller Gewalt weltweit und unabhängig voneinander davon sprechen, daß diese sich im Umfeld oder innerhalb der Freimaurerei und des Jesuitenordens abgespielt habe? Aber nein, man schiebt es auf die Kinder, die Überlebenden. Die "Schwierigkeit" läge vor allem ... (5)
... an der Traumatisierung und Konditionierung der Opfer oder ihrer völligen Hilflosigkeit und an der Vernetzung und am geheimgesellschaftlich organisierten Zusammenschluß der „Täter“.
Immerhin, da ist sie ja dann doch genannt, die Hauptschwierigkeit: Der geheimgesellschaftlich organisierte Zusammenschluß der Täter. Also muß man sich doch endlich einmal mit diesen Geheimgesellschaften befassen, von denen auch die Überlebenden wieder und wieder sprechen. Warum wird nicht klar gesagt (wie hier auf dem Blog schon 2012), daß es sich hier um eine  "Zombifizierung der Politik durch Okkultlogen" handelt? Warum wird nicht klar darauf hingewiesen, daß auch Geheimdienste geheimgesellschaftlich organisiert sind? Weiter (5):
Bis in höchste Kreise weisen die Spuren, die Täter sind Juristen und Politiker, vielleicht Minister, Arbeitgeber, Ärzte und sonstige Honoratioren. Mehr als die Hälfte von ihnen ist, so sagen Statistiken, nicht pädophil. Es geht um Macht und Kontrolle, um die Erniedrigung eines Mädchens oder Jungen zur Ware.
Am meisten fragt man sich, woher diese Statistiken kommen. Da ist ja dann doch offenbar der Täterkreis auch noch bestens bekannt. Und warum geht es um Erniedrigung? Weil man - als Satanist - das regierte Volk, das "Pack", insgesamt zur Ware erniedrigen will. Und weiter über den Fernsehfilm(5):
Nun sieht man, wie die Frau des brandenburgischen Bauunternehmers Kai Voss (Sebastian Hülk), Helen Voss (Jördis Triebel), die zehnjährige Lucy herrichtet, bevor sie in den Kofferraum des Geländewagens von Voss krabbelt, um von ihm zum Sex mit einem Mann ausgeliefert zu werden. „Lebendpizza“ heißt diese Art der Bereitstellung der „Ware“ im Jargon. (...) Undurchsichtig bleibt der Innenminister (Matthias Matschke), sein Staatssekretär (Robert Schupp) zählt zum Kreis der Kinderschänder.
Hier wird der Begriff "Lebendpizza" in einem deutschen Fernsehfilm, der am 20. Januar 2016 vor fünf Millionen Zuschauern ausgestrahlt worden ist, verwendet und in der Öffentlichkeit höhnt man und macht man sich lustig, wenn nur wenige Monate später in den USA von einem "Pizzagate" (Wiki) die Rede ist? Während doch dieser Fernsehfilm gerade vollumfänglich die gänzliche Plausiblität des im Pizzagate Behandelten - schon von der Wortwahl her - bestätigt!?

Im Staat Friedrichs des Großen wäre das, was heute geschieht, unmöglich gewesen


Schon der deutsche Fernsehfilm "Operation Zucker" aus dem Jahr 2012 (1), der am 16. Januar 2013 auf dem Fernsehsender "Das Erste" ausgestrahlt wurde und dabei über sechs Millionen Zuschauer hatte (Wiki), hätte ein politisches Erdbeben in Deutschland auslösen müssen. Jede andere Wirkung dieses Filmes ist den in diesem Film dargestellten Inhalten nicht angemessen. Weil jede andere Wirkung dieses Filmes die Verbrechen perpetuiert, die Widerstandskraft des Volkes gegen diese Verbrechen weiter erlahmen läßt und den früheren und gegenwärtigen Leidtragenden dieser Verbrechen so gut wie alle Hoffnungen auf Gerechtigkeit nimmt. Letztlich besteht fast die größte Gefahr solcher Fernsehfilme darin, daß die heutige Aufklärung über solche Verbrechen mehr dahin wirkt, daß die modernen Gesellschaften diese Verbrechen als etwas nicht Auszurottendes dulden und hinnehmen als daß sie jenes politische Erdbeben auslösen, das erforderlich wäre, um solche Verbrechen endlich unmöglich zu machen.

Warum wird über solche Verbrechen, die ein eindeutiger Indikator sind für die moralische Zersetzung unseres Gemeinwesens und für das Nichtfunktionieren des Rechtsstaates und der Demokratie ausgerechnet und vornehmlich über einen Fernsehfilm aufgeklärt? Warum hat nicht längst zuvor die Politik die Aufklärung dieser Verbrechen zur Chefsache erklärt, weil sie ja viel früher von ihnen erfahren hat und haben muß? Ist nicht dieser Befund allein schon ausreichend, um festzustellen, daß die Mehrheit der Spitzenpolitiker Pädokriminalität als Mitwisser vertuschen?

Das Entscheidende an dem Film ist, daß er - weithin unwidersprochen - davon ausgeht und darstellt, daß Rechtsbeugung mitten in Deutschland stattfindet, weil die Verbrecher in den Staatsanwaltschaften selbst sitzen, weil die Verbrecher Politiker sind, die wir auf Wahlplakaten sehen und wählen sollen. Das stellt dieser Fernsehfilm als Wirklichkeit in Deutschland dar und er löst damit kein politisches Erdbeben in Deutschland aus. Und damit sagen dieser Film und seine Wirkung schon alles über den politischen Zustand Deutschlands, ja, über das in der hiesigen Bevölkerung ausgeprägte Gefühl für Rechtsstaatlichkeit, Recht, Moral und Widerstandspflicht.

Eine Demokratie, ein Rechtsstaat, die nicht schon auf die leiseste Andeutung des Bestehens solcher Verhältnisse wie in diesem Film dargestellt, mit dem größten politischen Erdbeben ihrer Geschichte reagiert, sind das, was sie von sich selbst behaupten und nach außen von sich darstellen, im Kern nicht mehr. Und die so gepriesene verantwortungsvolle Bürgergesellschaft existiert gar nicht. Und der Schulunterricht, der uns einstmals zu "aufgeklärten", selbstbewußten Bürgern dieses Staates erziehen sollte, er war einfach gelogen und verlogen. Wir leben in einem Meer von Lüge.

Der Vorwurf "Lügenpresse" stimmt schon deshalb, weil in den etablierten Medien nicht jeden Tag mit dicken Lettern auf diese völlig unhaltbaren Zustände in Deutschland hingewiesen wird solange bis sie abgestellt sind. Eine Presse, die das nicht tut, küngelt und kooperiert vielmehr mit den vorliegenden Verhältnissen. Sie setzt die Prioritäten falsch. Sie ist keine freie Presse. Sie ist eine erstunkene und erlogene Presse.

Um einmal einen historischen Vergleich zu bemühen: Kann man sich vorstellen, daß Zusammenhänge, wie sie in diesem Fernsehfilm dargestellt werden, im Staat Friedrichs des Großen der Öffentlichkeit bekannt geworden wären ohne daß es zu einem politischen Erdbeben gekommen wäre wie wir es aus der Geschichte im Grunde noch gar nicht kennen? Kann man sich das vom Staat Bismarcks vorstellen? Otto von Bismarck wäre über das Wissen um solche Verbrechen hinweg zur "politischen Tagesordnung" zurückgekehrt, anstatt sie sofort zur Chefsache erklärt zu haben und auf das Schärfste politisch, juristisch und polizeilich verfolgen lassen? Ebenso Friedrich der Große? Es ist nicht bekannt, daß in früheren Jahrhunderten in einem Staat Verbrechen von einer solchen Bedeutung, einem solchen Ausmaß und Umfang öffentlich bekannt geworden sind, die dann nicht sofort scharf bekämpft worden wären.

Daß übrigens schon auf den ersten der beiden Fernsehfilme "Operation Zucker" bislang nicht in dem hier erörterten Sinne hingewiesen worden war hier auf dem Blog (außer 12, 13), lag einfach daran, daß der erste der beiden Fernsehfilme im Internet bis 2016 - offenbar - nicht frei zugänglich war, jedenfalls wußte der Bloginhaber nicht, daß er es doch schon war.  ...

Der Mainstream übernimmt die Kernthemen der alternativen Öffentlichkeit - und niemand merkt es


Zumindest für den vorliegenden Blog sind damit alle seine wichtigsten Themen seit etwa 2011 in den öffentlich-rechtlichen Medien und in der großen Presse angekommen. Dort werden sie nicht mehr geleugnet und vertuscht, sie werden nicht mehr beschwiegen. Und es ist sehr bedauerlich, daß genau dieser Umstand scheinbar von der gesamten deutschen alternativen Öffentlichkeit übersehen worden ist.

Der in vielen von ihm behandelten Themen sehr schätzenswerte Blog "Filmdenken" von Daniel Hermsdorf liefert zu dem Suchwort "Operation Zucker" gar kein Ergebnis. Jürgen Roth, Thilo Jung, Ken Jebsen, Gerhard Wisnewski, Wolfgang Eggert, Alexander Benesch, Andreas Popp - niemand scheint sich - nach dem ersten Durchsehen von Suchmaschinen-Ergebnissen - zu diesem Film geäußert zu haben. Auf den ersten Blick jedenfalls findet man nichts. Innerhalb der alternativen Öffentlichkeit haben diese beiden Fernsehfilme und ihre Implikationen keinerlei Erörterungen ausgelöst. Auch Guido Grandt scheint sich zu dem Film selbst nicht ausführlicher geäußert zu haben. (Er hätte es auch am wenigsten nötig, schließlich hat er zu genau diesem Thema genug publiziert.) Auch auf der "netzwerk b"-Seite scheint sich niemand zu diesen Fernsehfilmen geäußert zu haben. Immerhin hat Andrea Sadegh angemessen kritisch Stellung genommen (17). (Die Internetseite von Andrea Sadegh scheint überhaupt viele wertvolle Auskünfte, auch zu Forschungsstudien, zu enthalten.) Und ein "nereus" auf dem "Gelben Forum" die tatsächlich zu stellende Frage (14): "Warum gerade jetzt?" - gemeint: warum gerade jetzt die Produktion und Ausstrahlung dieses Filmes mit fünf Millionen Fernsehzuschauern. Sollen wir jetzt alle zu lammfrommen Mitwissern gemacht werden? Das wäre meine Vermutung. "nereus" allerdings gibt auf seine Frage keineswegs eine besonders hintergründige Antwort.

Ich bin der Meinung, daß diese beiden Fernsehfilme sehr wohl eine sehr breite Erörterung in der alternativen Öffentlichkeit verdient haben, sogar eine wesentlich breitere als viele andere Themen innerhalb derselben. 
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  1. Operation Zucker. 90 Minuten, ARD und Bayerischer Rundfunk, 2012, Fernseherstausstrahlung Januar 2013, https://www.youtube.com/watch?v=XD0A74UuwPw, https://www.youtube.com/watch?v=pbmBkDl9C0o
  2. Operation Zucker - Jagdgesellschaft. ARD, 2016, Fernseherstausstrahlung Januar 2016, https://www.youtube.com/watch?v=COxUhN0PZEc
  3. Denk, David: Fortsetzung zum Missbrauchsfilm "Operation Zucker" Dreharbeiten unter Geheimhaltung. Süddeutsche Ztg., 22. Mai 2015, http://www.sueddeutsche.de/medien/spielfilm-im-verborgenen-1.2488545
  4. Palma, Claudia: Film über Kindesmissbrauch in Deutschland. MAZ, 18.1.2016, http://www.maz-online.de/Nachrichten/Kultur/Film-ueber-Kindesmissbrauch-in-Deutschland
  5. Hupertz, Heike: Was Kinderschänder anrichten Der Film „Operation Zucker. Jagdgesellschaft“. In: FAZ, 20.01.2016, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/der-ard-film-operation-zucker-jagdgesellschaft-14023177.html
  6. Ehrenberg, Markus: Was an dem ARD-Film über Kindesmissbrauch wahr ist. In: Tagesspiegel, 2016, http://www.tagesspiegel.de/medien/operation-zucker-was-an-dem-ard-film-ueber-kindesmissbrauch-wahr-ist/12860068.html
  7. Meinholz, Viktoria: Kinderprostitution - die Realität ist schlimmer als jeder Film. In: Stern, 21.1.16, http://www.stern.de/familie/leben/operation-zucker-zweiter-teil-bei-kinderprostitution-ist-die-realitaet-schlimmer-als-jeder-film-6659484.html
  8. Hickisch, Astrid: "90 Prozent der Täter sind Männer" - Produzentin Gabriela Sperl und "Operation Zucker". BR, 09.01.2013, http://www.br.de/themen/kultur/inhalt/gesellschaft/operation-zucker-hintergrund-100.html; zugehöriges Interview: http://www.br.de/mediathek/video/video/a-interview-gabriela-sperl-100.html
  9. Bading, Ingo: CIA-Sexsklavinnen für Spitzenpolitiker? Angela Lenz und Jessie Marsson in Deutschland - Cathy O'Brien in den USA. Auf: GA-j!, 2. März 2011, http://studgenpol.blogspot.de/2011/03/cia-sexsklavinnen-fur-spitzenpolitiker.html
  10. Bading, Ingo: Thomas de Maizière - ein Minderjährigenbordell-Vertuscher - Treten Sie zurück, Frau Angela Merkel - und mit Ihnen Ihr ganzes gräuliches Kabinett! Auf: GA-j!, 5. März 2011, http://studgenpol.blogspot.de/2011/03/thomas-de-maiziere-ein-kinderbordell.html
  11. Jung, Ina; Lemmer, Christoph: Der Fall Peggy. Die Geschichte eines Skandals. 2013; Video dazu: https://www.youtube.com/watch?v=v_DVTu6hxj0
  12. Bading, Ingo: "Operation Zucker" - Jessie Marsson hat recht Zumindest in einigen seiner sehr konkreten und ungewöhnlichen Behauptungen. Auf: GA-j!, 14. September 2013, http://studgenpol.blogspot.de/2013/09/operation-zucker-jessie-marsson-hat.html
  13. Bading, Ingo: Elitärer Satanismus im Ersten Deutschen Fernsehen Sandra Maischberger nimmt sich des Themas rituelle Gewalt an Kindern an. Auf: GA-j!, 22. Januar 2016, http://studgenpol.blogspot.de/2016/01/elitarer-satanismus-im-ersten-deutschen.html
  14. nereus: Operation Zucker - warum gerade jetzt? Gelbes Forum, 21.01.2016, http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=391302
  15. Bading, Ingo: Herrschaftsverhältnisse, die stabilisiert werden durch die Vertuschung von Pädokriminalität. GA-j!, 17. Juli 2015, http://studgenpol.blogspot.de/2015/07/herrschaftsverhaltnisse-die.html
  16. Schaaf, Julia: „Ich bin nicht bereit, die Heldin zu geben“ - Nadja Uhl im Gespräch. Frankfurter Allg. Ztg., 05.01.2013, http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/nadja-uhl-im-gespraech-ich-bin-nicht-bereit-die-heldin-zu-geben-12015712.html
  17. Sadegh, Andrea: Operation Zucker. Januar 2016, http://traumabasedmindcontrol.com/index.php/operation-zucker/

Montag, 7. August 2017

Anregungen für die Naturwissenschaft durch Okkultwahn?

Manche Okkulte und Wahngläubige sehen offenbar ihre Felle davon schwimmen

In der alternativen Öffentlichkeit gibt es eine geistige Strömung, die versucht, die moderne Naturwissenschaft - Kosmologie und Evolution - als Leistung und Ausfluß okkulten Denkens darzustellen. Nichts ist so doof als daß es nicht Leute geben würde, die solche Gedanken auch vertreten.

Wir wurden von einem Blogleser auf einen entsprechenden Aufsatz (1) hingewiesen. Ein "Möchtegern-Philosoph finnischer Herkunft" (About), der mit dem Namen "Hauki Pesukone" auftritt - was auf Deutsch übersetzt heißen würde "Hecht Waschmaschine" (also: der Hecht in der Waschmaschine?) -, und der im Leitwort seines Blogs erklärt, an Zufälle zu glauben, doch kein Vertrauen in sie zu haben (wow, was für ein hipper Kerl!), erzählt erst einmal etwas darüber, daß er den Jesuiten die Fortsetzung ihrer Jahrhunderte langen Verschwörung in heutiger Zeit mit angepaßten Mitteln zutraut. Man beginnt innerlich mitzugehen. Bis er erklärt, daß die Theorie von der flachen Erde nicht per se zurück zu weisen sei. Ooooooookayyy ..... Ähm.

Und dann geht er der Theorie nach, daß es die Sphären (Umlaufbahnen) des Kopernikus schon in der Kabbala gegeben hätte. War Nikolaus Kopernikus, der große deutsche Astronom (2), also Kabbalist? Doofe Frage, ich weiß. Aber wie gesagt: Nichts ist so doof als daß es nicht Leute gäbe, die das vertreten (vielleicht weil sie dafür bezahlt werden, vielleicht von Jesuiten .... man weiß es nicht). - Erst antwortete ich dem Blogleser, der mir den Link gesendet hatte:
Warum schickst Du das?
Am Anfang schreibt der sehr gut, wie ich fand. "Hätte ich selbst schreiben können," ist da so mein Gedanke. (Und das kann einen ja dann auch wieder Verdacht schöpfen lassen ...) Aber an der Stelle, wo er mit der Flachen Erde anfängt, wird klar, daß er in keiner Weise fest im modernen naturwissenschaftlichen Wetlbild verankert ist. Und das haben alle Okkulten am allerliebsten. Denn erst solche Leute sind mit jedem, wirklich jedem Quark zu manipulieren. Deshalb ja auch halte ich die Verankerung im modernen naturwissenschaftlichen Weltbild für so durch und durch zentral. Daß das heliozentrische Weltbild kabbalistisch sein soll, ist einfach nur Schwachsinn. Da lese ich gar nicht weiter. Kopernikus war Naturwissenschaftler.
Ich vermute, Du schickst es mir, um darauf hinzuweisen, daß die Okkulten neuerdings die modernsten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse als ihre eigenen beanspruchen, weil sie merken, daß ihnen sonst die Felle wegschwimmen. Wenn Du es in diesem Sinne meinst: vielen Dank, ja, das wußte ich in diesem Extrem-Ausmaß noch nicht. Und das ist natürlich ein deutlicher Hinweis. Die verfügen über immense Ressourcen. Sie haben viel Zeit, viele Köpfe. Und sie kämpfen mit allen Mitteln und auf allen Fronten. Es ist ein sehr eigenes Geschehen, sich in Konfrontation mit diesen Mächten eigenes seelisches Erleben und selbstständiges Denken zu bewahren, bzw. überhaupt erst zu entwickeln und zu entfalten. Da man ja auch allerseits sieht, mit welchem Erfolg Okkulte die Welt vernebeln. Irgendwelche Dumme, die es glauben, finden sich ja offenbar fast immer.
Der Blogleser antwortete unter anderem darauf:
Wer sich auf das Newtonsche Weltbild bezieht, muß doch zumindest auch beachten, daß dieses Denken parallel zu okkultistischen Studien verlief (s. Wiki: Isaac Newton's occult studies).
Muß er das? Nun gut, diese Seite von Isaak Newton wird nicht jedem bekannt gewesen sein, dem Autor dieser Zeilen nicht. Aber daß die okkulten Studien von Issak Newton oder auch seine religiösen Ansichten größeren Anteil hatten an der Entwicklung seiner naturwissenschaftlichen Erkenntnisse hatte, findet man auf Wikipedia zunächst nirgendwo deutlicher ausgeführt (oder übersieht man etwas?). Unsere Antwort darauf zunächst:
Na, das läuft auf eine ähnliche These hinaus wie die, die mir ein Katholik und Biologiestudent aus Österreich vor zwei Jahren schrieb, der meinte, die gesamte moderne Naturwissenschaft wäre freimaurerisch verfremdet.
Er hatte mir geschrieben, daß das "katholische Abendland vor der Aufklärung" das einzige System gewesen wäre, das "nicht von Okkultreligionen (oder offenem Satanismus, z.B. der Punier) gelenkt" gewesen wäre. Man muß sich einmal in dieses völlig bigotte Denken hinein denken und sich zugleich klar machen: Es gibt heute Biologiestudenten im deutschsprachigen Raum, die so denken. Bei so etwas wird einem mehr als unheimlich. Es gibt nämlich eine zumeist kaum bemerkbare Strömung unter gebildeteren katholischen Rechtskonservativen, die durchaus sehr naturwissenschaftsnah argumentieren können, und deren Existenz erst und immer erst dann spürbar wird, wenn naturwissenschaftsnahes Argumentieren auf rechtskonservativer Seite absolut nicht mehr zu vermeiden ist, die aber sonst ihre Existenz tunlichst unbemerkbar lassen und deshalb auch einmal schnell ganze "Ernstfall"-Projekte wieder unsichtbar machen können (3). Es handelt sich hier um eine typische gruppenevolutionäre Strategie, wenn man für Gotteswahn und die Macht von Männerorden und Priesterkasten steht, es ist die katholisch-jesuitische gruppenevolutionäre Strategie zum Überleben der eigenen völlig verquasteten Existenz. Jedenfalls schrieben wir vor einigen Tagen weiter an den befreundeten Blogleser:
Eine andere einseitig geisteswissenschaftlich gebildete Autorin, der die Erhaltung des deutschen Volkes wichtig ist, meint, die ganze moderne Naturwissenschaft wäre durch das angloamerikanische Denken verhunzt und verfremdet worden. Nur deutsches naturwissenschaftsnahes Denken wäre zu tolerieren. Und so findet jeder für sich Wege, um diese Naturwissenschaft - die ganz aus eigenen Gesetzen heraus lebt, die auch, da es sich um Vernunfterkenntnisse handelt, weltweit gelten - nicht ganz für sich sprechen zu lassen, um ihnen nicht das Gewicht und die Bedeutung beizusprechen, die sie heute haben, und um Naturwissenschaft stattdessen in ein vergleichsweise kleines, dümmliches, krummes Weltbild einzuordnen, bzw. in diesem ganz an den Rand zu drängen. Die Welt ist komisch. Wer weiß, wie Naturwissenschaft funktioniert, der weiß auch, daß sie kein Anregungen nicht-naturwissenschaftlicher Art (jedenfalls nicht solcher) braucht, um zu funktionieren. Soweit ich weiß, war Johannes Kepler einer der letzten Naturwissenschaftler, der an Astrologie geglaubt hat. Aber auch dessen große naturwissenschaftliche Theorie hat mit seiner Astrologie vergleichsweise wenig zu tun. Sonst würden ja Naturwissenschaftler darüber sprechen.
Das von Hauki Pesukone-Waschmaschine vorgebrachte Argument läuft im übrigen auf ein ähnliches Argument hinaus, auf das der Religionswissenschaftler und Mitblogger Michael Blume und andere Christen gerne Bezug nehmen, nämlich wenn sie es als bedeutsam erklären, daß Charles Darwin Christ gewesen wäre.

Nun ernsthafter: Ideengeschichte und Diskursanalyse zur Geschichte der Naturwissenschaft


Nun gut, unser Blogleser schrieb darauf:
Es ist aber eine andere Disziplin und Methodik, sich zu fragen, inwiefern auch die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Genannten von Okkultinteressen in irgendeiner Form beeinflusst wurden - ob als Störung der Rationalität oder in irgendeiner Korrelation, die 'zufällig' produktiv war (dann auch wohl in Deinem Sinn). Die von mir gemeinte Disziplin ist Ideengeschichte und Diskursanalyse. Sie geht in Naturwissenschaft ebensowenig auf wie umgekehrt. Soweit gehe ich die Dilthey-These mit, nicht vollumfänglich bzgl. aktuellerer Entwicklungen in den sog. Verstehens-Wissenschaften.
Dazu nun schrieben wir als letzte Antwort (hier erweitert):

Lieber Blogleser,

gewiß gibt es unter den vielen nicht-wissenschaftlichen Einflüssen auf wissenschaftliches Denken auch okkulte Einflüsse. Es sind ja viele Naturwissenschaftler bekannt, die Vertreter von Gotteswahn sind. Und auch von Vertretern von Satanswahn ist bekannt, daß sie Naturwissenschaftler sein können. Der Hochgradfreimaurer und Gründer völkischer Okkultlogen Paul Köthner (1870-1932) (Wiki) zum Beispiel, der Mitte der 1920er Jahre ausplauderte, daß die Freimaurerei den Ersten Weltkrieg geplant hatte, weil er dies in Logen in ganz Europa vor 1914 gehört hatte, und der voraussagte, daß "der Osten" in näherer Zukunft Europa überfluten und zerstören würde (was ja 1945 geschah), war Chemiker. Womöglich war der Übergang von der Chemie über die Alchimie zum Okkultwahn sowieso einer der häufiger begangenen Wege. Wer sich in der Welt umschaut, wird auf viele promovierte und habilitierte Naturwissenschaftler stoßen, die die abstrusesten Dinge glauben.

Nein, ich möchte sogar noch weiter gehen und sagen, daß Gotteswahn Naturwissenschaftler mitunter sogar ermutigen kann, wertvolle naturwissenschaftliche Forschungen zu unternehmen und die Ergebnisse dazu mitzuteilen. Man könnte vermuten, daß dies für Christen wie den Paläontologen Simon Conway Morris (8) oder Guillermo Gonzales (9) gilt, die beide - meines Erachtens - ganz hervorragende Wissenschaft gemacht haben bislang.

Auch dürften Gottes- und Satanswahn eine ausschlaggebende Rolle gespielt haben beim Manhatten-Projekt, also bei der Entwicklung und dem Bau der ersten Atombombe. Wie überhaupt von Gottes- und Satanswahn ausgelöste Kriege und gesellschaftliche Entwicklungen viel weitere Forschungen veanlassen. Das ist sicherlich ein weites Feld.

Wer sich aber nun für "Ideengeschichte und Diskursanalyse zur Geschichte der Naturwissenschaft" interessiert, was doch ein unglaublich spannendes, und meines Erachtens wichtiges Thema ist, dem möchte man zunächst einmal sagen, daß die rein innerwissenschaftliche Diskursanalyse und Ideengeschichte, die Abfolge von Induktionen und Deduktionen dabei schon von aller größtem Wert ist (4). 

In diesem Zusammenhang hat mich mein Onkel Gerold Adam (siehe neuerdings: 5), für den gerade dieses Thema unglaublich zentral und wesentlich war und das er sehr gründlich behandelt hat, einmal vor dreißig Jahren geraten, ein Buch zu lesen, mit dem ich bis heute nie zu Ende gekommen bin, weil es sehr anspruchsvoll Ideengeschichte und Diskursanalyse in der Geschichte der Naturwissenschaft analysiert (4). In diesem Buch des Astrophysikers David Layzer wird sehr gründlich erörtert, aufgrund welcher Motive es zum Wechsel von einem naturwissenschaftlichen Weltbild zu einem anderen gekommen ist, und zwar insbesondere in Auseinandersetzung mit Thomas S. Kuhn, bzw. als Antwort auf ihn. Und ich denke, hier gibt es schon genügend Dinge zu klären, die viele Menschen sich heute gar nicht klar gemacht haben.

Abb. 1: David Layzer, 1989 (1984)

Es ist ja von vornherein klar, daß Wahnglauben viel mehr aller Orten von der Naturwissenschaft zurück gedrängt wurde, wird und werden mußte, um überhaupt Geltung zu erlangen. Auch der (inner-)naturwissenschaftliche Erkenntnisfortschritt ist keineswegs etwas, das man als einen selbstlaufenden Automatismus beschreiben und hinnehmen darf. Es wurde und wird hier schwer gerungen um Erkenntnis. So ist es Layzer zum Beispiel wichtig, ausführlich darzulegen, daß die Theorie vor Kopernikus die meisten Erscheinungen am Himmel nicht schlechter erklären konnte als Kopernikus selbst. Denn Kopernikus nahm ja noch fälschlicherweise kreisrunde Planetenbahnen an. Layzer schreibt (4, S. 32):
Das heliozentrische kopernikanische Planetensystem war genauso kompliziert wie seine geozentrischen Vorläufer; es war auch nicht merklich exakter, und seine Konsequenzen im Hinblick auf die Größe der Sterne schien absurd und im Widerspruch zu einer Kernaussage des Modells zu stehen. (...) Entstanden ist dabei ein mathematisches Dickicht, unter dem das bewunderswert einfache Modell selbst fast ein Jahrhundert wie im Verborgenen schlummerte.
Dennoch waren Galilei und Kepler begeistert, dennoch stieß dieses Weltmodell auf vehementen Widerstand. Soweit nur ein kleiner Ausschnitt aus dieser rein innerwissenchaftlichen Auseinandersetzung. Und ich will damit nur andeuten, daß es hier innerwissenschaftlich eine solche Fülle von Problemen gab, denen gegenüber eine irgendwie wahnhafte "Anregung", ein irgendwie wahnhafter "Anstoß" wirklich völlig zweitrangig ist, ja, zu völliger Bedeutungslosigkeit absinkt.

Bevor man hier Vermutungen nachgeht, könnte es Sinn machen, erst einmal einen tieferen Blick in die innewissenschaftliche Debatte selbst zu werfen und sich dann zu fragen: Bedurfte eine solche Fülle von Problemen noch des Anstoßes von außen, um zu einer neuen Klärung gedrängt zu werden? Ich habe mich viel mit der Geschichte der Naturwissenschaft beschäftigt und ich kann mich gerade an kein Beispiel erinnern. Newton fiel ein Apfel auf den Kopf, ja. Aber selbst dieses Geschehen war schlicht: Wissenschaft. Nichts dezidiert Außerwissenschaftliches.

Was man anstelle dessen aber behandeln kann und was der Wissenschaftsphilosoph Max Hartmann (1876-1962) (Wiki) gründlich behandelt hat, das ist eben die genannte Abfolge von Induktion und Deduktion im Verlauf der Wissenschaftsgeschichte (6).

Und Hartmann hat dabei eben auch darauf hingewiesen, daß die Induktion durchaus durch Intuition zustande kommen kann. Aber ich kann mich an keinen Bericht einer solchen durchbrechenden Intuition eines Naturwissenschaftlers erinnern - also an das vorrationale Gewinnen einer neuen Einsicht, die dann erst im Nachhinein rational begründet wird - in der irgendein Wahnglaube eine größere Rolle gespielt hat. Es gibt das berühmte Beispiel vom Benzolring, wo der Chemiker träumte, eine Schlange würde sich in den Schwanz beißen. Nun darfst Du ja gerne nachforschen, ob dieser Forscher dabei etwa okkulte Anregungen hatte. - - - Ist ja nahe liegend!!!!! Ich sage nur: Schlange!!!!!

Werner Heisenberg schildert seinen zunächst stark intuitiven Erkenntnis-Durchbruch beim Gewinnen der Quantenphysik 1924 auf Helgoland sehr genau (7), soweit das möglich ist, und zwar insbesondere auch die erlebnishafte Seite dieses Durchbruchs. Von Einflüssen von Wahnglaube ist dort nirgendwo die Rede. Roger Penrose, der Freund von Stephen Hawkings (oder war es letzterer selbst?), erzählt, daß ihm eine entscheidende Einsicht beim Duschen gekommen sei. 

Ich habe viele naturwissenschaftliche Sachbücher gelesen, oft von Nobelpreisträgern. Ich kann mich an keinen Fall erinnern, wo intuitives Erkennen nicht durch die unglaublich intensive Auseinandersetzung mit den vorliegenden Forschungsfragen selbst, sondern ausgelöst worden wären durch irgendeine Art von Wahnglaube. Vielleicht müssen wir dafür noch auf einen Bericht von Simon Conway Morris warten. Aber auch bei ihm vermute ich vornehmlich, daß seine wissenschaftlichen Intutionen wissenschaftliche Anlässe hatten und daß er durch ein christliches Weltbild nur ermutigt wurde, diese nun auch nach außen hin zu vertreten und weiter zu verfolgen.

Auch Michael Blume dürfte durch sein christliches Weltbild - und durch christliche gruppenevolutionäre Strategien - ermutigt worden sein, seine religionsdemographischen Forschungen und Erkenntnisse zu veröffentlichen und zu vertreten.

Das mag man dann aus einer gewissen (Hegel'schen) Perspektive heraus die wissenschaftsgeschichtliche "List der Vernunft" nennen. Überhaupt ist vielen Menschen, die Forschung fördern, bewußt, daß die Forschungsgeschichte zeigt, daß insbesondere in der Grundlagenforschung die künftigen Entwicklungen kaum vorauszusehen waren, daß die größten Durchbrüche fast immer unerwartet und völlig überraschend kamen, daß man hier den Erkenntnisfortschritt also am ehesten fördern kann, um so größere Freiheit man kreativen Forschern läßt. Denn wer in der Forschung nur das Erwartete erwartet von sich selbst und anderen (wie es in der angewandten Forschung zu oft geschieht), der wird dann - zumeist - auch nur das Erwartete hervor bringen.

Ich darf auch von meinem eigenen Jahre langen naturwissenschaftlichen Forschen zur Soziobiologie arbeitsteiliger Gesellschaften sagen, daß ich natürlich versuche, die ganze Bandbreite meiner Erfahrungen im eigenen Leben wie in dem, was man liest, zu berücksichtigen und zu bewerten auf die Wichtigkeit des jeweils Umsonnenen für eine theoretische Weiterentwicklung. Hier ist es aber zumeist eher umgekehrt: Man findet allerorten evolutionspsychologische Erklärungen dafür, warum Wahnglaube und warum die gruppenevolutionären Strategien von Männerorden und Priesterkasten aus evolutionsbiologischer Sicht "funktionieren", bzw. wann sie - zum Beispiel - der Intelligenz- und Altruismus-Evolution der Menschheit zuträglich, wann sie derselben abträglich sind.

Ich glaube, die Naturwissenschaft hat schon lange ein Stadium erreicht, wo sie sich bewußt ist, daß zu krasse außerwissenschaftliche Einflüsse eher Forschungshemmnis sind. So nannte ja noch Konrad Lorenz den philosophischen Idealismus ein klares Hemmnis für naturwissenschaftliche Forschung und für die möglichst voraussetzungsfreie Entgegennahme der Ergebnisse dieser Forschung durch Geisteswissenschaftler. Also außerwissenschaftliche Einflüsse, wenn sie nicht kulturell-künstlerisch wertvoller Art sind, die also - etwa - das Schönheitserleben (und damit das intuitive Erleben überhaupt) stärken, die den Wahrheitswillen stärken, die den Wunsch zum Guten stärken, werden häufiger abträglich als zuträglich sein für den Erkenntnisfortschritt.

Das ist auch der Grund, weshalb Simon Conway Morris auf mehreren hundert Seiten nur aktuellste Forschungsliteratur zitiert und sich auf sie bezieht und nur im aller letzten, kurzen Kapitel - ganz kurz - auf seinen eigenen christlichen Hintergrund zu sprechen kommt (9). Beispielsweise der Ex-Jesuit Teilhard de Chardin ging da - im Zusammenhang seiner naturwissenschaftlichen Argumentation - ganz anders vor. Und er wird schon allein deshalb sicherlich nur noch von wenigen Naturwissenschaftlern für irgendwie aktuell oder anregend gehalten.
_______________________________________
  1. Haukipesukone (a wannabe-philosopher of Finnish origin): Kabbalistic Origins of the Copernican Model, 3. August 2017, https://concordiaabchao.wordpress.com/2017/08/03/copernican-model/
  2. Meinecke, Erich: "Oh, daß doch dies alles gebessert würde, solange es noch Zeit ist und ehe ein großer Fall geschieht". Nikolaus Kopernikus und die Geschichte Westpreußens. In: Die Deutsche Volkshochschule, Folge 102, März 1996, S. 13-24
  3. Bading, Ingo: "Eine Milliarde Katholiken gegen 200 Ludendorffer - viel Spaß in der Bataille" "Voran, Soldaten Christi" - "Im Namen des Kreuzes Kriegsdienste tun". Auf: GA-j!, 28. Juli 2015, http://studgenpol.blogspot.de/2015/07/eine-milliarden-katholiken-gegen-200.html
  4. Layzer, David: Das Universum - Aufbau, Entdeckungen, Theorien. Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft, Heidelberg, 3. Auflage 1989 (dt. zuerst 1986, engl. zuerst 1984) 
  5. Bading, Ingo: Was zu tun ist am wichtigsten? Antworten auf Lebensfragen junger Menschen - Mitschrift eines Vortrages von Gerold Adam aus dem November 1993. In: Die Deutsche Volkshochschule - digitale Ausgabe, 1. August 2017, http://fuerkultur.blogspot.de/2017/08/was-zu-tun-ist-am-wichtigsten.html
  6. Hartmann, Max: Die philosophischen Grundlagen der Naturwissenschaften. 1948
  7. Heisenberg, Werner: Der Teil und das Ganze. Gespräche im Umkreis der Atomphysik. Piper, München 1969
  8. Conway Morris, Simon: Life’s Solution: Inevitable humans in a Lonely Universe. Cambridge University Press, 2003
  9. Gonzales, Guillermo; Richards, Jay Wesley: The Privileged Planet: How Our Place in the Cosmos Is Designed for Discovery. Regnery Publishing, Washington D.C. 2004

Samstag, 5. August 2017

1946 - Die USA verurteilten Deutsche wegen Menschenversuchen zum Tode, die sie selbst begingen ....

Karl Brandt - Der Leibarzt Adolf Hitlers 
- Eine Biographie über ihn wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet

Zur Mordmoral der Nazis, zu ihrer Euthanasie, ihren Menschenversuchen und zur Haltung der Kriegsgegner in diesen Fragen

Eine Biographie über Hitlers Beauftragten für die geheime Durchführung der Euthanasie an Geisteskranken und Schwerstbehinderten im Dritten Reich, also eine Biographie über seinen Leibarzt Karl Brandt (1904-1948) (Wiki) (1) macht nachdenklich. Sie macht schon allein deshalb nachdenklich, weil Karl Brandt - wie von vielen festgestellt wurde - auf allen überlieferten Fotografien als ein menschlich sympathischer, vor allem auch sehr ernsthafter und überlegter Arzt und Mensch zu sehen ist und weil es viele Anzeichen in seiner Biographie dafür gibt, daß sein Leben auch eine ganz andere Richtung hätte einschlagen können. So wollte Karl Brandt in seiner Jugend etwa Mitarbeiter von Albert Schweitzer in Afrika werden. Er führte eine sehr glückliche Ehe mit der mehrfachen deutschen Meisterin im Schwimmen Anni Rehborn (geb. 1904) (Wiki).

Abb. 1: Karl Brandt - Während seines Schlußwortes im Nürnberger Ärzteprozeß

Er gehörte lange Jahre zum engsten Kreis Adolf Hitlers. Was aber nicht verhindern konnte, daß er noch Anfang 1945 im Auftrag Adolf Hitlers von einem Standgericht zum Tode verurteilt werden konnte, weil er - angeblich - versucht hatte, die westliche Front hin zu den Amerikanern zu überschreiten und weil er seine Familie in Thüringen zurück gelassen hatte, das von den Amerikanern besetzt worden war und weil er den einen oder anderen tatsächlichen oder vermuteten Fürsprecher unter den Leuten des 20. Juli hatte.

In der Affäre rund um den Leibarzt Adolf Hitlers Theodor Morell im Herbst 1944, in der sich mehrere Ärzte - darunter Brandt - gegen Morell ausgesprochen hatten, hatte sich letzterer durchsetzen können, was auch zur Absetzung Brandts geführt hatte.

Dem Verfasser dieses Blogbeitrages will es scheinen, daß die Zugehörigkeit zum engsten Kreis um Adolf Hitler und der damit verbundene "Führerglaube" dazu führte, daß Karl Brandt kaum noch wahrzunehmen schien, welche Mordmoral von Adolf Hitler schon vor 1933 öffentlich vertreten worden war und im Röhm-Putsch 1934 praktiziert worden war, und daß gerade diese gelebte und praktizierte Mordmoral, daß das dabei gelebte Ausschalten des Rechtsstaates ihn als Arzt vor besonders schwere Entscheidungen stellen konnte, wenn er schließlich - im Auftrag Adolf Hitlers - leitende Positionen im deutschen Gesundheitswesen, bei der Durchführung der Euthanasie und bei Menschenversuchen übernehmen sollte. Daß es bei den ihm vorgeworfenen Taten keine einwandfreie Rechtsstaatlichkeit gegeben hatte, daß ihnen nicht der frei gebildete Konsens der deutschen Öffentlichkeit zugrunde lag, diese Umstände wiegen schwer.

Man hat das Gefühl, daß der "Führerglaube" dazu führte, daß bestimmte Gehirnregionen, die moralisches Verhalten kritisch bewerten, einfach ausgeschaltet wurden, auch bei so ernsthaft und überlegt erscheinenden Menschen wie dem Arzt Karl Brandt. Jedenfalls findet man in der Biographie über ihn (1) keinen wirklich deutlicheren Hinweis darauf, daß er sich des Prekären seiner Situation im Umfeld von Adolf Hitler überhaupt bewußt gewesen wäre. Aber ein rundes Bild ermöglicht diese Biographie schon deshalb nicht, weil aus den benutzten Lebenszeugnissen von Karl Brandt immer nur ausschnittsweise zitiert wurde und weil man den Gesamtzusammenhang des jeweiligen Originaltextes dieser Dokumente nicht auf sich wirken lassen kann.

Im Internet finden sich ausschnittsweise Filmaufnahmen des Prozeß-Schlußwortes von Karl Brandt (2) und es findet sich - leider nur auf zynischsten Nazi-Seiten - das Schlußwort wenigstens einmal im Gesamtzusammenhang, ebenso die letzten Worte von Karl Brandt kurz bevor er hingerichtet wurde, und nachdem eine Fülle von Gnadengesuchen - auch von deutschen Bischöfen - abgewiesen worden waren (3). Das Schlußwort zeigt, daß Brandt immer noch eine Beauftragung durch Adolf Hitler als "Motiv, das der Gemeinschaft gilt" empfand und als solches vor Gericht auch nicht hinterfragte. Dazu fehlte ihm sicherlich der zeitliche Abstand. Hätte er ein ähnlich langes Leben gehabt, wie Albert Speer, so hätte er sicherlich wie Albert Speer sein eigenes Verhalten vor 1945 mehr hinterfragt als es ihm bis 1946 möglich gewesen ist.

Das Schlußwort zeigt weiterhin, daß für Karl Brandt die Gespräche mit dem Pastor Friedrich von Bodelschwingh (1877-1946) (Wiki) über das Thema Euthanasie 1940 und 1941 sehr wichtig waren. Nach der Biographie wird es nicht für unglaubwürdig gehalten, daß auch von Bodelschwingh in diesen Gesprächen für besonders schwere Fälle Euthanasie befürwortete, daß sich seine Kritik aber insbesondere gegen die damalige Art der Durchführung derselben, insbesondere ohne gesetzliche Grundlage richtete (1, S. 243). Es ist sehr schwer, sich über diese Biographie (1) zügig ein rundes Bild von Karl Brandt zu verschaffen, da diese Biographie Defizite aufweist, von denen einige in einer vor einigen Tagen veröffentlichten Amazon-Rezension wie folgt benannt worden sind (4).





Eine Einordnung in das internationale Szenario - Sie fehlt völlig (Amazon-Rezension)


Diese Biographie (1) weist eine Fülle von Defiziten auf. Auf drei wesentlichere soll im folgenden hingewiesen werden. So hätte zunächst schon einmal historisch eingeordnet werden müssen, wo die Mordmoral der Nationalsozialisten eigentlich herkommt, innerhalb dessen Rahmen sich diese Biographie bewegt.

Allen aufmerksamen politischen Beobachtern, insbesondere auch den vielen demokratischen deutschen Politikern, die 1933 dem Ermächtigungsgesetz Adolf Hitlers zustimmten oder die sich außerhalb Deutschlands positiv über den Unrechtsstaat Hitlers aussprachen, mußte die Mordmoral der Nationalsozialisten, die Adolf Hitler selbst öffentlich schon vor 1933 befürwortet hatte, bekannt sein. Sie wußten also, was sie taten, als sie den Rechtsstaat in Deutschland außer Kraft setzten oder seine Außerkraft-Setzung befürworteten. Diese Mordmoral war bekannt geworden etwa durch die "Boxheimer Dokumente" des Werner Best aus dem Jahr 1931, jenes nachmaligen, bis 1989 niemals in Deutschland verurteilten "dritten Mannes hinter Himmler und Heydrich", der in Vorbereitung des kommenden Krieges 1937 die Einsatzkommandos aufstellte, wozu zuvor das Reichssicherheitshauptamt in Berlin begründet werden mußte. Auch hatte Hitlers Reaktion auf den "Mord von Potempa" schon vor seiner Machtübernahme keinen Zweifel an seiner Mordmoral lassen können. Viel weniger noch dann die Durchführung der Morde während des sogenannten Röhm-Putsches.

Daß es nun weiterhin viele Hinweise darauf gibt, daß diese nationalsozialistische Mordmoral spätestens seit 1919 in eben jenen völkischen Okkultlogen gepflegt und unterschwellig propagiert wurde, aus denen auch die NSDAP hervorging (Thuleorden, Skaldenorden usw. usf.), wird ebenfalls nicht abgehandelt. Dabei kann man das etwa anhand der Person Ludwig Müller von Hausen schon auf Wikipedia nachlesen.

So hatte es jeder demokratische Politiker und aufgeweckte politische Beobachter eigentlich nur als eine Frage der Zeit ansehen können, wann im Dritten Reich Euthanasie an Geisteskranken und Schwerstbehinderten durchgeführt werden würde - natürlich im Geheimen, ohne Recht und Gesetz und unter fast größtmöglicher Rücksichtslosigkeit gegenüber den davon Betroffenen und ihren nächsten Angehörigen.

Warum es aber nun im Dritten Reich so viele deutsche Ärzte gab, die diesen Zusammenhang zwischen der Mordmoral der Nazis einerseits und dem Euthanasie-Programm andererseits NICHT sahen und sich auch noch nach 1945 zu sehen weigerten, hier einen Zusammenhang zu sehen, das schlüssig zu erklären, bleibt diese Biographie einfach schuldig. Soweit der erste Punkt.

Bemerkenswert ist aber besonders, aus welchen Gründen  Karl Brandt 1947 in Nürnberg zum Tode verurteilt worden ist und aus welchen Gründen nicht. Und hier werden weitere besondere Versäumnisse des Biographen deutlich.

Das Urteil war ja doch - so wie es darstellt wird - letztlich sehr "spitzfindisch". Es ließ überraschenderweise offen, ob die durchgeführte Euthanasie als Ganzes würdig der Todesstrafe wäre oder nicht. Es betrachtete das (wenn man das als Leser recht versteht) quasi als "innerdeutsche" Angelegenheit. Karl Brandt wurde allein deshalb zum Tode verurteilt, weil er nicht scharf genug darauf geachtet hätte, daß nicht auch Nichtdeutsche, also ausländische Staatsangehörige unter die Euthanasie mit einbezogen werden würden. Natürlich, das geltende Völkerrecht läßt das - soweit man das als Leser erkennen kann - nicht zu. Ob aber die damalige Siegermacht - angesichts der zahllosen eigenen Kriegsverbrechen - befugt war, deshalb ein Todesurteil auszusprechen und ob es etwas mit menschlicher Größe zu tun hat, dass es auch ausgeführt wurde, stehe aber unter solchen Umständen wirklich dahin und man vermißt hier wiederum eine klare Einordnung von Seiten des Biographen.

Noch interessanter ist aber die erörterte Diskussion um die durchgeführten Menschenversuche im Nürnberger Prozeß, für die Karl Brandt mitverantwortlich war und um derentwillen er weiterhin zum Tode verurteilt wurde. Sein deutscher Verteidiger legte schlicht Belege vor, daß Menschenversuche in den USA zu gleicher Zeit an Gefängnisinsassen ebenfalls durchgeführt worden waren, die zum Tode führen konnten (Infizierung mit Malaria). Und nun wurde interessanterweise sogar jener Verantwortliche für die amerikanischen Menschenversuche als Gutachter vor das Gericht gezogen. Interessant. Wußte man ja gar nicht! Und die Versuche an sich wurden nun gar nicht in Abrede gestellt. Aber aufgrund des Hinweises auf sie wurde Karl Brandt nun nicht wegen Menschenversuchen an sich zum Tode verurteilt (!), sondern nur weil er nicht die "informierte Einwilligung" jener Menschen eingeholt hatte, die diesen Versuchen unterworfen worden waren, wie das - angeblich - zeitgleich in den USA geschehen sei.

Und die Brandt-Biographie, die von einem deutschen Historiker in Großbritannien verfaßt worden ist, hat nun überhaupt kein Interesse daran zu überprüfen, wie die Aussage dieses US-amerikanischen Gutachters vor dem Nürnberger Gericht eigentlich zu bewerten ist aus heutiger Sicht, entweder vom ethischen Standpunkt aus oder auch einfach nur dahingehend, ob sie überhaupt wahr war oder nicht. Welcher Gefängnisinsasse gibt denn freiwillig und informiert seine Zustimmung dazu, sich mit Malaria infizieren zu lassen? Man entschuldige schon einmal. So etwas muß doch erörtert und aufgeklärt werden.

Scheinbar hatte aber auch die westliche Öffentlichkeit damals kaum ein kritisches Interesse für das, was hier von dem US-amerikanischen Gutachter eingestanden worden war, nämlich daß es Menschenversuche in US-amerikanischen Gefängnissen gab.

All das ist in der vorliegenden Biographie überhaupt nicht ausgelotet worden. Man kann aber einmal - nachdem man hier ein Interesse entwickelt hat - einen Blick in Wikipedia-Artikel werfen wie "Unethical human experimentation in the United States". Da liest man, nachdem die eben schon erwähnten Malaria-Versuche an Gefängnisinsassen - wiederum - ganz unkritisch aufgeführt worden waren: "In related studies from 1944 to 1946, Dr. Alf Alving, a professor at the University of Chicago Medical School, purposely infected psychiatric patients at the Illinois State Hospital with malaria, so that he could test experimental treatments on them."

Und da wird man ja wohl schon einmal die kritische Frage stellen dürfen, ob ausgerechnet psychiatrisch erkrankte Patienten besonders geeignet sind, "informierte Einwilligungen" zu den an ihnen vorgenommenen Versuchen zu geben. Muß man das alles nicht behandeln, wenn man eine Biographie über Karl Brandt schreibt?

Das alles ist eine reichlich irre Thematik. Aber darüber muß es doch kritische historische Aufarbeitungen geben. Aber der Biograph von Karl Brandt bedient ausschließlich das übliche klischeehafte "germano-zentrische" Geschichtsbild. Er hat es scheinbar gar nicht nötig, die Biographie von Karl Brandt in ein internationales Szenario hineinzustellen. Das würde ja scheinbar wieder einmal die - vorgebliche - "Einzigartigkeit" der deutschen Verbrechen "relativieren" - - - ? Dabei haben das ja ganz eindeutig die Nürnberger Richter selbst schon getan, indem sie Brandt nicht für das verurteilten, was eingestandenermaßen zeitgleich gängige Praxis in den USA war.

Im übrigen ging das von Seiten US-amerikanischer Wissenschaft noch "fröhlicher", "informiert" und "freiwillig" weiter damals, direkt zeitlich parallel zum Prozeß in Nürnberg und zum Vollzug des Todesurteils an Brandt! Heißt doch schon der nächste Satz des zitierten Wikipedia-Artikels:

"In a 1946 to 1948 study in Guatemala, U.S. researchers used prostitutes to infect prison inmates, insane asylum patients, and Guatemalan soldiers with syphilis and other sexually transmitted diseases, in order to test the effectiveness of penicillin in treating the STDs."

Na, das wird ja doch wohl alles herrlich freiwillig und informiert gewesen sein. Daran wird man doch keinen Zweifel haben dürfen.

Schon aus diesen wenigen Anhaltspunkten entnimmt der Autor der vorliegenden Rezension: Das Todesurteil an Karl Brandt ist schlichtweg als heuchlerische "Siegerjustiz" einzuschätzen. Und der Gesamttenor der vorgelegten Biographie läßt eine gründliche Einordnung des Geschehens in Deutschland in das damals international "übliche" Szenario vermissen. Ein außerordentlich deutliches Versäumnis.

Solche unkritischen Biographien tragen zur Perpetuierung US-amerikanischer Verbrechen weltweit bis heute bei. Unsere drei Cent zu solchen Fragen.
_____________________________________________________
  1. Schmidt, Ulf: Hitlers Arzt Karl Brandt. Medizin und Macht im Dritten Reich. Aus dem Engl. von Helmut Ettinger. Aufbau, Berlin 2009 (zuerst englisch 2007)
  2. Brandt, Karl: Ausschnitt aus seinen Schlußworten im Nürnberger Ärzteprozeß, https://www.youtube.com/watch?v=EcD12nO3BVA
  3. Brandt, Karl: Prozeß-Schlußwort und Letzte Worte. https://deutschesreichforever.wordpress.com/tag/dr-karl-brandt/
  4. Bading, Ingo: Rezension von "Hitlers Arzt Karl Brandt", 2. August 2017, https://www.amazon.de/review/R1EKKTXO6NJ2M4/ref=pe_1604851_66412761_cm_rv_eml_rv0_rv
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