Samstag, 9. Dezember 2023

Michaela Huber reagiert auf Jan Böhmermann

2010 sind wir hier auf dem Blog auf das Thema Elitärer Satanismus und geheimgesesellschaftlich organisierte Pädokriminalität gestoßen. Wir haben hier auf dem Blog dazu dann in den folgenden fünf Jahren sehr viel Material zusammen getragen. 

Schon früh waren wir dabei auch auf die Veröffentlichungen von Michaela Huber gestoßen. Aber erst jetzt werden  wir darauf aufmerksam, daß Michael Huber inzwischen auch in den sozialen Medien viel präsenter ist als wir das lange Zeit wahrgenommen und angenommen hatten. 

Nun ist Michaela Huber von Jan Böhmermann übel angegriffen worden. 

Und das führt dazu, daß viele Menschen auf die außerordentlich wertvolle Arbeit von Michaela Huber vielleicht erstmals aufmerksam werden. 

Zunächst waren wir nur auf die sehr gute Stellungnahme von Meike Büttner zu Jan Böhmermann aufmerksam geworden (1) (Yt2023). Sie hat ihr Video sehr gut gemacht, wie wir finden.

Aber sicherlich noch wesentlich schwerwiegender und bedeutungsvoller ist, was Michaela Huber selbst zu diesem Thema sagt (2).

In diesem Video sagt sie nach und nach eigentlich auch alles das, was wir hier auf dem Blog an Teilaspekten zum Thema zusammen getragen hatten. 

Dadurch ergibt sich schlicht ein Gesamtbild, das im politischen Bereich unmittelbar zum Handeln auffordert. 

Unmittelbar.

Das schreibe ich, nachdem ich Minute 35 in diesem Video erreicht habe, wo von dem ungeheuerlichen Material an Kinderpornographie die Rede ist, das von Seiten der Kriminalpolizei sicher gestellt worden ist. Und sie sagt ganz klar: Das muß doch irgendwo produziert worden sein. Und es paßt doch oft haargenau zu dem, was Überlebende berichten. 

Und sie sagt auch: Elitäre Pädokriminalität und Kinderpornographie dienen nach Aussage der Überlebenden - unter anderem - dazu, Politiker erpreßbar zu machen und erpreßbar zu halten. 

Und der Staat und die Zivilgesellschaft stehen - so scheint es - "machtlos" daneben wie wir schon aus Anlaß der Ausstrahlung des Fernsehfilmes "Operation Zucker - Jagdgesellschaft" feststellten (GAj2017).

Ein völlig unhaltbarer Zustand. 

Weiterhin ein völlig unhaltbarer Zustand.

__________

  1. Büttner, Meike: Überlebende ritueller Gewalt reagiert auf Jan Böhmermann. BÄMM 16.9.2023 (Yt2023
  2. Stockmann, Ulrike: Jan Böhmermanns Spott über Gewalt an Kindern - Michaela Huber im Interview 2.10.2023 (Yt2023)

Sonntag, 26. November 2023

Wo liegen die Reichsbürger falsch?

Und warum?

Ausgangspunkt der "Reichsbürger" (Wiki) und aller Menschen, die sich in dem Umfeld der Reichsbürger-Bewegung bewegen, ist ein unglaublich großes Unbehagen. Ein unglaublich großes Unbehagen an den gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen und in vielen Fällen auch an der persönlichen Lebenssituation. In den meisten Fällen wird zwischen beiden - und zwar mit Recht - ein Zusammenhang gesehen, zwischen dem Unbehagen an der gesellschaftlichen Entwicklung und der persönlichen Lebenssituation.

Abb. 1: Demontage, bzw. Abriß des Kaiser-Wilhelm-Denkmals vor dem Berliner Schloß, Januar 1950 (Wiki) (Fotografiert von Otto Donath [1898–1971])

Die geringen Selbstgestaltungsmöglichkeiten, mit denen einhergehend die gesellschaftliche Lebenssituation wahrgenommen wird, führen dazu, daß man die staatliche Ordnung, in der wir leben als etwas "Fremdes", "Aufoktroiertes" wahrnimmt. Der Hinweis darauf, daß die staatliche Ordnung, in der wir leben, etwas geschichtlich Gewachsenes ist, auch über die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts hinweg, wird hinweg gefegt, weil man selbst die heutige gesellschaftliche Situation als sehr große Unfreiheit wahrnimmt, als Lähmung, als ein im äußersten Maße fremdbestimmtes "System", das als solches von  außen her auferlegt und seit vielen Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten durchgestaltet worden sei.

In Wahrheit ist die heutige gesellschaftliche Situation aber eine andere. Es ist ja unübersehbar, daß selbst noch die heutige Gesellschaft große wissenschaftliche und technologische Errungenschaften mit sich bringt. Es kann also nicht alles "falsch" sein. Wir stehen inmitten eines geschichtlichen Prozesses, in dem aufbauende und zerstörende Kraftlinien in unmittelbarer Nähe zueinander sich weiter bewegen.  

Schon Joseph A. Tainter hat beschrieben, daß moderne, komplex-arbeitsteilige Gesellschaften einer "Mindestproduktion innovativen Wandels" bedürften, um über die Zeitläufte hinweg ihre Lebens- und Zukunftsfähigkeit zu erhalten. Es ist nun diese "Mindestproduktion innovativen Wandels", die seit Jahrzehnten von bestimmten gesellschaftlichen Kräften bewußt und sehr gezielt und sogar methodisch geschult unterwandert und gelähmt wird. Dabei wird sehr gerne im technisch-wissenschaftlichen Bereich eine weiter fortbestehende "Mindestproduktion innovativen Wandels" toleriert. Und diese ist ja bis heute nicht nur "Mindestproduktion", sondern läuft heute immer noch auf Hochtouren. Es dürfte auch sehr schwer sein, hier gar zu viel  zu untergraben. 

Das ist auch gar nicht notwendig. Denn es reicht ja mittel- und langfristig völlig, auf dem sozial-gesellschaftlichen Bereich die "Mindestproduktion innovativen Wandels" zu untergraben, zu lähmen und zu paralysieren. Damit fährt man sehr schnell und sehr zielgerichtet die geschichtlich über mehr als ein Jahrtausend gewachsenen komplex-arbeitsteiligen Gesellschaften der Nordhalbkugel gegen die Wand. Allein über Demographie.

Dieses Untergraben und Lähmen der "Mindestproduktion innovativen Wandels" auf sozial-gesellschaftlichem Bereich hat gar nichts damit zu tun, daß das politische "System", in dem wir leben, und das geschichtlich gewachsen ist, schon an sich "schlecht", böse, falsch oder grundschädlich durchgestaltet wäre. Nein, vielmehr: Der notwendige sozial-gesellschaftliche Wandel hinkt seit vielen Jahrzehnten dem hinterher, was auf diesem Gebiet notwendig wäre und und was wache gesellschaftliche Kreise schon seit Jahrzehnten sehen. Aber auf diese wird nicht gehört. Dadurch wirkt auch das politische "System" selbst als völlig verkrustet und es wirkt so, als ob es keinerlei gesellschaftliche Gestaltungsspielräume und Innovationsmöglichkeiten lassen würde und auch an sich gar nicht könnte. Natürlich kann es das. Deutschland hat noch nie eine so gute Verfassung oder Grundordnung gehabt wie heute. Man nehme doch nur den Wortlaut dieser feierlichen Präambel:

Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.

So muß das. Und nicht anders. Im Grundgesetz geht es - schon von seiner Präambel an - um das geschichtlich gewachsene deutsche Volk. Nicht um ideologische Konstrukte. Man lasse sich doch nichts einreden. Man braucht doch nur zu lesen. Unser Parlament dient "Dem Deutschen  Volke", nichts anderem. Der Rechtstheorie nach. 

Nicht "das System" ist schlecht - Medien und Lobbygruppen sind grundschlecht

Ein politische "System", das auf einer solchen Grundordnung beruht, hat mit der gelähmten sozial-gesellschaftlichen Innovationsfähigkeit gar nichts zu tun. Es hat eine lebendige sozial-gesellschaftliche Innovationsfähigkeit immer als selbstverständlich vorausgesetzt - weil die Mütter und Väter des Grundgesetztes auch gar nichts anderes kannten. Ein geändertes politisches, rechtliches System könnte eine solche Innovationsfähigkeit auch gar nicht für sich genommen hervor zaubern.

Aber die viele Jahrzehnte lang weidlich genutzten Manipulationsmöglichkeiten im Bereich der Gestaltung der öffentlichen Meinung reichen völlig dazu hin, ein an sich gutes politisches "System" zu hijacken und die Gesellschaft so umzugestalten, daß notwendige gesellschaftlich-soziale Innovation gar nicht mehr stattfindet, gelähmt und paralysiert ist (Stichwort: "Wir amüsieren uns zu Tode").

Mit diesen Gedanken sollen nicht nur "Reichsbürger" angesprochen sein, sondern alle, die von "System" sprechen und damit die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland - der Sache nach - ablehnen und infrage stellen. Das ist - bekanntlich und mit Recht - Hochverrat. Und das war es immer schon. Und viele Menschen machen sich gar nicht bewußt, daß es das ist oder nehmen diesen Umstand billigend in Kauf. Dann müssen sie aber auch mit den Konsequenzen rechnen, die der auf gesellschaftlich-sozialem Gebiet verkrustete und gelähmte Staat, als "Rechtsstaat" auftretend, ihnen gegenüber aufgrund ihrer - der Sache nach - hochverräterischen Haltung zieht. 

Ein gesellschaftlicher Aufbruch hat es nicht notwendig, ein anderes staatliche System, eine andere Rechtsordnung zu fordern als die, in der wir gegenwärtig leben. Sie ist die Errungenschaft Jahrhunderte langer glänzender gesellschaftliche Entwicklung. 

Ein gesellschaftlicher Aufbruch will vielmehr die durch die Medien gelähmte und außer Kraft gesetzte Innovationsfähigkeit unserer Gesellschaft auf sozial-gesellschaftlichem Gebiet wieder beleben. Und dafür ist es höchste, nein, allerhöchste Zeit.

Uns helfen weder Indianertänze, noch chaotische, hilflose Infragestellungen und "terroristische" Akte, die die geschichtlich gewachsene staatliche  Ordnung der Nordhalbkugel in Chaos setzen wollen nach dem Motto "Macht kaputt, was euch kaputt macht". Freilich haben zum Beispiel Freimaurer an der Durchstrukturierung der staatlichen Ordnungen der Nordhalbkugel zu einem beträchtlichen Anteil mitgewirkt. Sie konnten es aber nur entsprechend der modernen Ideen der Neuzeit, die es auch ohne sie gegeben hätte, und denen gegenüber auch sie nur auf einen "fahrenden Zug" aufgesprungen sind. Die Anpassungsfähigkeit, zu der die Freimaurer fähig sind, ermöglicht es ihnen, Staaten auch trotz Gewaltenteilung und vom Grundsatz her funktionierenden Rechtsstaat von innen heraus zu lenken. Denn Geheimgesellschaften und Geheimdiensten unterliegen ja so gut wie keiner demokratischen Kontrolle. Alles, was uns diesbezüglich erzählt wird, ist ein Witz.

Ein Otto von Bismarck jedenfalls würde heute nichts anderes sagen als das, was in diesem Blogartikel an Gedanken nieder gelegt ist. Er war nie ein Mensch der Total-Verweigerung und der Alles-Infrage-Stellung und des "Macht kaputt was euch kaputt macht". Er nahm die geschichtliche Situation, wie er sie vorfand und bewegte sich in den Spielräumen, die sie gewährte. Er war damit: das Inbild eines konservativen Revolutionärs. Nur in diesem Sinne ist auch heute sinnvoll Politik und Gesellschaftsreform zu betreiben.

Sie muß freilich viel grundlegender ansetzen als das noch zu Bismarcks Zeiten möglich und notwendig war. 

Sie muß - zum Beispiel - fragen, welche religiöse Ausrichtung wird den modernen Gesellschaften der Nordhalbkugel wieder demographische und soziale Stabilität verleihen? Welche wird ihnen Berechenbarkeit verleihen? Welche wird den Bürger mit den gesellschafltlichen und politischen Verhältnissen und damit mit sich selbst wieder versöhnen? Ohne diese Versöhnung über jene gesellschaftliche Bewußtlosigkeit herbei zuführen, die heute gängig ist und sich wie ein Gift verbreitet hat und in die Seelen der Menschen gesenkt hat.

Zudem ist zu sagen: Viele "Reichsbürger" liegen auch darin - und zwar völlig - falsch, daß sie die notwendige Debatte über die gesellschaftliche-soziale Innovationsfähigkeit auf ein Gebiet lenken, das völlig unfruchtbar ist, um gesellschaftliche Lebendigkeit und Innovationsfähigkeit zu befördern, nämlich das Gebiet des Rechtes. Es gibt nichts Trockeneres und weniger Innovatives als ausgerechnet Rechtsfragen. Rechtsfragen sind im Grunde immer konservativer Natur. Sie hemmen eher Innovation als daß sie diese befördern können. Sollte darüber nicht sogar schon Bismarck das eine oder andere gesagt haben? 

Das Recht hinkt der gesellschaftlichen Entwicklung - das liegt in seiner Natur - fast immer hinterher. Und wenn man jetzt die Uhr bezüglich der rechtlichen Grundlagen auch noch noch weiter "zurück" stellen will, als sie eh schon gestellt ist, macht man alles noch viel schlimmer als es eh schon ist. Die Probleme der heutigen Zeit müssen aus dem gesellschaftlichen Innovationswillen der heutigen Menschen heraus gelöst werden, nicht dadurch, daß ich die Uhren der Grundlagen der staatlichen Ordnung um hundert Jahre und mehr zurück stelle.

Aber vielleicht haben sich die Ausführungen dieses Blogartikels eh schon wieder erübrigt, da die gesellschaftliche Entwicklung auch über die "Hochzeit" der Reichsbürgerbewegung längst wieder hinweg geeilt ist.  

Mittwoch, 28. Juni 2023

Eine englische Malerin, Jahrgang 1760

Brodelnde Wasser, gurgelnde Flut
- Leidenschaften in der Sturm- und Drang-Zeit
- Eine Malerin des Sturm und Drang

Menschen im Aufruhr der Leidenschaft. Die englische Malerin Maria Cosway (1760-1838) (Wiki) lebte in ihrer Jugend in Zeiten des "Sturm und Drang". Sie gehörte  derselben Generation an wie die Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft (GAj2009). Unter anderem wurde Maria Cosway in ihrer Jugend auch gefördert von der zwanzig Jahre älteren Deutsch-Schweizer Malerin Angelika Kaufmann (1741-1807).

Abb. 1: "Eine Perserin in Anbetung der Sonne" - Gemälde von Maria Cosway, 1784

Das Genie hat es schwer. Nicht zu allen Zeiten möchten Menschen auf Genie's treffen. In Zeiten  des Sturm und Drang gab es dafür womöglich mehr Offenheit in der Gesellschaft als sonst. Denn in den meisten Zeitepochen möchten Menschen eher, daß alle, denen sie begegnen, so sind wie sie selbst. Alles andere würde zu viel Unruhe und Verwirrung hervorrufen, im Herzen, im Leben.

Deshalb, Genie, sei klug, gib dich nicht als solches zu erkennen. Tu so, als wärest du wie alle. Hat nicht selbst Jesus so getan als wäre er - "wie alle"? Nein, das hat er nicht getan. Aber wer von uns ist schon Jesus?

Bei den antiken Griechen gab es - offenbar - vor allem einen Grund dafür, daß das Genie aus der Stadt verbannt wurde: Man wollte selbst Genie sein und möglichst vielen anderen die Möglichkeit geben, Genie zu ein. So zumindest nach der Deutung von Friedrich Nietzsche (Stgen2023). Nietzsche, der selbst so ehrgeizige könnte dafür ja ein Verständnis gehabt haben.

Und heute?

Auch heute gibt es diese Einstellung, gegenüber der sich das Genie zu allen Zeiten aufgelehnt hat, die Einstellung, die Nietzsche in die Worte faßte: Ein Lüstchen für den Tag, ein Lüstchen für die Nacht.*) 

Die englische Malerin Maria Cosway, Jahrgang 1760

Maria Cosway hat schon mit 21 Jahren einen zwanzig Jahre älteren Mann geheiratet, ebenfalls einen Maler. Es scheint sich dabei nur um eine Standesehe gehandelt zu haben. Die Leidenschaften scheinen weiter in ihr gebrodelt zu haben. 

Mit 24 Jahren malte sie "Eine Perserin geht, um die Sonne anzubeten" (Abb. 1). Die dargestellte Frau wirkt leidend und emphatisch.

Abb. 2: "Ein Mädchen am Meer, sich dem Geist der Melancholie widersetzend" - Gemälde von Maria Cosway

In Zeiten des "Sturm und Drang" probieren die Menschen viele Gefühle aus. Sie geben sich mit bekannten Gefühlen nicht zufrieden. Sie gehen dem Unbekannten, gerne auch Verwirrenden, Maßlosen nach. 

Ähnlich das "Mädchen am nächtlichen Meer, das sich dem Geist der Melancholie widersetzt". Dem menschlichen Gefühl, der menschlichen Gefühlswelt sind keine Schranken gesetzt.

Es sind titanische Kräfte, die in uns lodern. Es sind flammende Feuersäulen, die zum Himmel lohen in wabernder Glut, wenn menschliches, heftiges Verlangen umschlägt in unendliche Seufzer himmlischer Sehnsucht in stürmischer, gewittriger Nacht. 

Brodelnde, gurgelnde Wasser in dunkler stürmischer Nacht auf dem weiten, unendlichen, grausamen Meer - sie mögen angemessen sein für die leidende Seele, die im Aufruhr der Leidenschaften sich sehnt und leidet.

Heftige Winde, stürzende Wasser, brodelnde, brausende Flut, enge Felsen, hoch hinauf schlagende, peitschende Wellen. 

Abb. 3: Der Tanz am nächtlichen Meer - Gemälde von Maria Cosway

Grausig rächt sich das Meer an den Lebenden, grausig rächt sich das Meer am toten, fühllosen Stein, grausam und unendlich in liebender Flut umfängt es die Gestade der Himmlischen und Seligen. Es reißt sie hinunter in die Fluten. Und nicht weit entfernt zürnt herauf - wie ein Titan - der Ätna, eine Feuersäule loht zum Himmel hinan, Ascheregen überall, erstickt alles Leben, tötet alles Leben. Titanische Kräfte ringen mit lebender Materie, Leben ringt sich unter der Vernichtung hervor.

Wir wissen heute, daß es solches Geschehen häufig in der Erdgeschichte gegeben hat (Wiki). Es mag so einigermaßen angemessen sein, der leidenschaftlichen, empfindsamen, in heftigem Verlangen befindlichen Seele.

Maria Cosway malt ein Mädchen, das nachts am Meer tanzt (Abb. 3). Ihre Augen blicken ängstlich. Aber sie stellt sich den vernichtenden Mächten in ihrer Angst - und tanzt mit ihnen. In wabernder Furcht.

Abb. 4: Klythia, die verschmähte Geliebte des Apollon - geschaffen von Maria Cosway, 1785

Klythia (Wiki) war die Geliebte des Apoll, die - von ihm verschmäht - seine neue Geliebte in Verruf brachte. Deren Vater ließ diese daraufhin bei lebendigem Leibe begraben.

Auch dadurch jedoch konnte Klythia Apollon's Liebe nicht zurück gewinnen. Apollon grollte ihr vielmehr um dieser Tat willen. 

Im Aufruhr ihrer Leidenschaften setzte sich Klytia in Auflösung auf einen Felsen nieder, aß und trank nichts mehr und starrte in die Sonne. Ihr Herz war zerrissen vor Sehnsucht und Schmerz. 

Dieses Geschehen einzufangen, scheint sich Maria Cosway bemüht zu haben (Abb. 4). Kythia wurde durch ihr Herzeleid nach neun Tagen in eine Blume verwandelt (behauptet Ovid). Sie dreht ihre Blüte stets nach Apollons Sonnenwagen.**)

Poesie, wohin man schaut bei den Griechen.

Abb. 5: Ariadne - Gemälde von Angelika Kauffmann, 1782

In ihrer Jugend hat auch Angelika Kauffmann Menschen im Aufruhr der Leidenschaften gemalt. Wir greifen hier eine Ariadne (Wiki) heraus (Abb. 5). Ariadne wird auf der Insel Naxos von ihrem Geliebten Theseus zurück gelassen, so das Motiv des Gemäldes (im Hintergrund das abfahrende Schiff des Theseus).

Die Geschichte sollte den folgenden Fortgang haben: Hesiod und die meisten anderen Erzähler berichten, daß sie am Strand der Insel von Dionysos völlig verlassen und schlafend aufgefunden wurde. Der Weingott verliebte sich in sie und erkor sie zu seiner Braut. Ihr Diadem schleuderte er hoch hinaus in den Himmel. Dort wurde es zum Sternbild der Nördlichen Krone. Dionysos und Ariadne bekamen mehrere Söhne. Ariadne blieb trotz ihrer Verbindung mit Dionysos weiterhin auch in Theseus verliebt. Seinen Tod beweinte sie bitterlich. Dionysos holte Ariadne dennoch nach ihrem Tod aus dem Tartarus zu sich hinauf auf den Olymp.

_____________

*) Man versteht: ein Zitat aus Nietzsche's Zarathustra
**) Im 19. Jahrhundert meinte man, Ovid hätte auf die Sonnenblume hingedeutet. Diese wurde aber erst 1530 aus Amerika in Europa eingeführt. So daß er eine andere Blumenart gemeint haben wird (Gottw):
Aber der Klytie mag, wenn auch entschuldigen konnte
Liebe den Schmerz und Schmerz den Verrat, der Spender des Lichtes
Nicht mehr nahn, und er setzt dem Bund mit jener ein Ende.
Seitdem schwand sie dahin, unsinnig sich härmend in Sehnsucht, 
Nie zu den Nymphen gesellt, und im Freien auf offener Erde
Saß sie bei Tag und Nacht, achtlos auf das hangende Haupthaar,
Und neun Tage hindurch sich Trank und Speise versagend
Gab sie dem nüchternen Mund nur Tau und eigene Tränen.
Nie auch wich sie vom Sitz. Zum Gesicht des wandelnden Gottes
Schaute sie nur und wandte sich stets nach ihm mit dem Antlitz,
Haften blieb, wie es heißt, am Boden ihr Leib, und die fahle
Blässe entfärbt sich zum Teil zu saftentbehrendem Kraute;
Rot ist gefärbt ein Teil, und violenähnliche Blume
Deckt das Gesicht. Sie wendet, obgleich von der Wurzel gehalten,
Immer dem Sol sich zu und bewahrt verwandelt die Liebe. 

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