Donnerstag, 20. September 2018

"Hegel und die Pathologien der Moderne - Oder: Das Ende des Geistes im Anthropozän"

Eine sehr grundlegende Fragestellung mit weitem Fragehorizont

Was für ein Titel: "Hegel und die Pathologien der Moderne - oder: Das Ende des Geistes im Anthropozän". So ist ein neuer Aufsatz benannt, erschienen in der Zeitschrift "History & Theory - Studies in the Philosophy of History" (1). Was für fundamentale und grundlegende Gedanken sind da schon im Titel angesprochen, welche grundlegenden Phänomene lassen sich da vor dem Hintergrund des Hegel'schen Philosophierens erörtern. Zum Begriff Anthropozän siehe Wikipedia (Wiki).

Abb.: Georg Friedrich Wilhelm Hegel
Der Aufsatz dreht sich um die weltweite ökologische Krise, um den Klimawandel und um die "Selbstregulierung", "Selbstkorrektur" des freien, selbstverantwortlichen menschlichen Geistes in Antwort auf diese Krise, bzw. er dreht sich um die Frage, ob der freien menschliche Geist zu einer solchen Selbstkorrektur überhaupt noch fähig ist.

Nun, die hier behandelte Fragestellung kann in dieser fundamentalen und tiefgehenden Weise auch auf die kulturelle Krise der Menschheit ganz allgemein ausgedehnt werden. Auch bezüglich der letzteren ist es doch - und mit noch viel mehr Berechtigung - möglich und sinnvoll, von einem "Ende des Geistes", des Geistes an sich, im "Anthropozän" zu sprechen. Es handelt sich hierbei um einen Umstand, den die Philosophin Mathilde Ludendorff (1877-1966), die hundert Jahre nach Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770-1831) lebte, mit dem Begriff von der "Todesnot des Gottesbewußtseins auf unserer Erde" benannte, eine Todesnot, die ebenfalls umfangreichste gesellschaftliche Pathologien in der Moderne nach sich ziehen würde, bzw. mit diesen Pathologien einhergehen würde.

Und tatsächlich ist die Frage unbeantwortet: Wie kommt es zu einer Selbstkorrektur des menschlichen Geistes im Angesicht dieser unglaublich weitreichenden gesellschaftlichen Pathologien? Der Aufsatz scheint aber über viele Seiten hinweg nur die Frage selbst in immer neuen Varianten zu stellen, etwa wenn es heißt (1):
"Trotz des Selbstkorrektur-Potentials der Moderne kann dasselbe verkümmern, weil seine belebenden Prinzipien - wie jede andere Kultur - naturalisiert werden als Gewohnheiten und Gebräuche. Wenn die belebenden Normen der Gestalt dieses Geistes in Dissonanz stehen mit den Notwendigkeiten der Gegenwart, werden sie ebenfalls kollabieren."
Original: "Despite modernity’s self-correcting potential, it can atrophy, because its animating principles, as with any other culture, become naturalized as habits and customs. If the animating norms of this shape of spirit are dissonant with the needs of the present, it too will collapse."
Und es wird in dem Aufsatz gefragt (1, S. 375),
"ob die Moderne den natürlichen Kreislauf von Fortschritt und Niedergang, durch den er (Hegel) den Fortgang der Weltgeschichte beschreibt, entkommen kann."
Original: "of whether modernity can escape the natural cycle of progress and decline by which he describes the movement of world history."
Es wird ausgeführt, daß Hegel postuliert, daß die Hochkulturen der Welt jeweils vier Phasen durchlaufen (1, S. 373):
"Entwicklung, Bildung, Überbildung, Verbildung"
Soweit so gut. Aber nachdem die Frage gestellt ist und erste Überlegungen angestellt sind, tut sich Ratlosigkeit auf. Natürlich stand Hegel noch nicht vor der Dringlichkeit der hier eröffneten Fragestellung so wie wir heute vor einer solchen stehen. Mit entwicklungsmäßigem Niedergang, Entfremdung, Vernichtung als Voraussetzung für Neues hat Hegel es ja immer wieder in seinem Philosophieren zu tun. Er beschreibt ja alles weltgeschichtliche und individuelle Zu-sich-selbst kommen als einen dialektischen Prozeß. Und offensichtlich stehen wir heute wieder an dem Übergang zu einem neuen Zeitalter, einem Übergang, der durch Züge des Katastrophalen, der Zerstörung, der Entfremdung bestimmt ist. Wo kündigt sich nun in dieser allgemeinen Zerstörung jene Verheißung aus der "Seherin Gesicht" in der "Edda" an (Gutbg):
"Auftauchen sehe ich zum anderen male ..."
__________________________________________
  1. Lumbsden, Simon: Hegel and Pathologized Modernity, or: The Ende of Spirit in the Anthropocene. In: History & Theory, Volume 57, Issue 3, September 2018, S. 371-389, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/hith.12070
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropoz%C3%A4n

Dienstag, 4. September 2018

"Seid nur fromm, wie der Grieche war ..."


Die Griechenland-Begeisterung der deutschen Klassik - Unsere Religion

In diesem Video wird ein kleiner Bildungsgang skizziert, über den wir unserer deutschen Kultur wieder nahe kommen können. Eine solche Annäherung geht fast gar nicht ohne den Umweg über eine Auseinandersetzung mit der antik-griechischen Kultur. Sich an diesen Grundgedanken anzunähern, darum geht es in diesem Video. Dieses Video beginnt aber - vielleicht ganz unprosaisch - mit einer Bettszene.

00:00 - Eine Bettszene der deutschen Literaturgeschichte: Eduard Mörike's "Häusliche Szene".

08:48 - Den Rhythmus dieser Dichtung findet man auch in der "Ilias" von Homer. Aber warum sollte es Gründe geben dafür, daß man die "Ilias" von Homer kennt? Sie ist eines der grundlegendsten Religionsbücher der Deutschen. Sie war auch schon eines von den antiken Griechen und Römern selbst. Es ist sehr wesentlich, die antik-griechische Kultur zu verstehen. Ohne ein solches Verständnis versteht man auch nicht, warum die Deutschen des Sturm und Drang, der Klassik und Romantik sich so sehr für die antik-griechische Kultur begeistert haben. Es geht in diesem Video also darum, den Geist der heidnischen, antiken Welt zu verstehen und sich in diesen hinein zu denken.

12:05 - Begeisterung für das antike Griechenland ist eine durchgehende Konstante im Gesamtwerk des großen deutschen Dichters Friedrich Schiller.

12:29 - Nur als Beispiel: "Die Götter Griechenlands" von Schiller.

16:10 - Seine Schrift "Über die ästhetische Erziehung des Menschen". Eine solche Erziehung ist - nach Schiller - die Voraussetzung für jede politische Revolution. Und hier ist man am Kern humanistischen deutschen Bildungsideals. Der Kern ist - im Sinne Schillers - "furchtbar wie Agamemnons Sohn" zu sein, um in diesem Geist unser Jahrhundert "zu reinigen".

19:25 - Der Ton, die Stimmung der "Ilias" von Homer, ihr Geist - wie kommt man diesen nahe? Der Grundzug ist: Dieses Buch ist durchtränkt von Schönheit. Alle Menschen sind edel, schön, erhaben, groß, voller Würde, voll Glanz, sie mögen tun was immer sie wollen. Dasselbe gilt von allen Göttern. Es gilt von den Göttern im Himmel, auf der Erde und im Meer.

23:45 - Hektors Abschied von Andromache. Schillers leidenschaftliches Gedicht dazu. Auch der griechische Biograph Plutarch ist eine wichtige Quelle, um die Griechenland-Begeisterung der Deutschen zu verstehen und sich in sie hinein zu leben.

27:20 - Hektors Abschied von Andromache im Originaltext der Ilias - als ganz willkürlich gewählter Textauszug, als ganz willkürlich gewähltes Textbeispiel.

39:35 - Mein Grundstudium der Alten Geschichte in Mainz. Althistoriker können heute kaum oder so gut wie gar nicht Anteil wecken für den außerordentlich tiefen SEELISCHEN Gehalt der antik-griechischen Kultur. Nicht die politische Geschichte der damaligen Zeit erschließt einem diesen seelischen Gehalt. Sie vielmehr verbirgt ihn sogar sehr tief. Es ist ganz allein Dichtung wie die von Homer oder bildende Kunst nach der Deutung von J. J. Winckelmann. Neben Winckelmann's Schriften ist ein weiterer Zugang zu dem Geist der antik-griechischen Kultur: Die Archäologie Pompeji's.

44:30 - Friedrich Hölderlin's Roman "Hyperion". Norbert von Hellingrath, gefallen mit 28 Jahren 1916 vor Verdun, hat sich noch unmittelbar vor seinem Soldatentod um das Bekanntwerden Hölderlins in Deutschland sehr verdient gemacht.

"Seid nur fromm, wie der Grieche war ..." (Hölderlin)

/ Titel geändert: 19.9.18 /

Dienstag, 28. August 2018

Unser 2. Kennenlern-Treffen im Berliner Raum - Rückblick


00:00 - Eindrücke vom letzten Wochenende
01:20 - Neue Teilnehmer-Zusammensetzung - Diesmal auch mit zwei kinderreichen Familien
03:30 - Künftig auch eine weibliche Tagungs-Leitung. Verbesserungen künftig: a) kultureller Teil muß immer noch mehr Beachtung finden, 
04:30 - b) es soll sich künftig auch an den Wochenenden - wenn möglich - eine Gemeinschaft bilden (u.a. Teilnahme aller an Gemeinschaftsverpflegung wäre gut dafür)
06:30 - Thema: "Des Menschen Seele" - 1. Die Seele als Wille, 2. Die Seele als Bewußtsein
07:30 - Gewünschte künftige Themen: 
- weitere Teile aus der Psychologie Mathilde Ludendorffs
- die Psychologie beseelter Sexualität Mathilde Ludendorffs
- Themen aus dem großen Themenfeld Evolution und Philosophie
- Aspekte des persönlichen Lebens Mathilde Ludendorffs
- Aspekte der Geschichte der Ludendorff-Bewegung
- Kindererziehung
- Kontaktbörse
11:05 - Gerhard Roth's Vortrag "Wie das Gehirn die Seele macht"
14:20 - Frage, die immer wieder aufkommt: Gibt es ein Fortleben nach dem Tod?
16:00 - Erb-Erinnern a) an die Unsterblichkeit der Einzeller oder b) an das religiöse Erleben unserer Vorfahren
18:40 - Wir wollen künftig auch mehrstimmig singen.
19:10 - Volksseele wird in der Gemeinschaft erlebt, auch wir können uns als Gemeinschaft erleben auf solchen Treffen.
20:00 - Vorgesehene nächste gemeinsame Termine zum Vormerken: 13.10., 17.11., sowie 24.11..
22:30 - Video-Produzenten können sich gerne noch einbringen.
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