Freitag, 21. Dezember 2018

Ausnahmesituationen des Lebens - Religiöse Menschen kommen mit ihnen besser zurecht

Erörterungen auf der diesjährigen Tagung der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft in Nürnberg

Zeitschrift der Feuerbach-Gesellschaft
Spannende Fragen wurden auf der jüngsten Tagung der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft in Nürnberg erörtert, auf der der emeritierte kirchenfreie Soziobiologe Eckart Voland und der emeritierte katholische Informatiker Bernd Schmidt referierten. Der Humanistische Pressedienst schreibt zur dortigen Diskussion abschließend (1):
Wie auch Voland in seinem Vortrag erklärt hatte, gibt es ja tatsächlich ernstzunehmende empirische Evidenz dafür, daß Gläubige mit Ausnahme-Situationen des Lebens, die von Angst, Streß und Schmerz geprägt sind, im statistischen Mittel besser fertig werden.
Folgt man Ludwig Feuerbach, der in seinem Werk dafür warb, Menschen nicht nur als Vernunftwesen, sondern auch als Wesen mit emotionalen Bedürfnissen zu verstehen, müssen Schmidts Schlußfolgerungen also nicht nur provozieren, sondern können auch zum Anlaß genommen werden, um zu fragen: Gibt es wirklich keinen Ersatz für Religion in dieser emotionalen Funktion? Und wenn doch: Was wirkt außer Religion noch emotional stabilisierend in möglichen Krisen? Und: Habe ich persönlich genug dieser haltgebenden Faktoren in meinem Leben?
Was für grundlegende Fragen. Gerne würde man noch einmal die wissenschaftlichen Studien durchsehen, in denen diese empirische Evidenz herausgearbeitet ist. Aber es wird sie sicher geben. Im "lustigen", gedankenlosen oder streßreichen Alltag sind solche grundlegenden Fragen verdrängt. Eckart Voland beendete seinen Vortrag mit dem Satz (zit. n. 2):
Wenn Religiosität Naturgeschichte hat, dann können wir erwarten, daß Aufklärung und Wissenschaft sie niemals verdrängen können.
Mit dieser Aussage gehe ich vollkommen einig. Sie hätte gerne auch im Bericht des "Humanistischen Pressedienstes" enthalten sein können. Womöglich aber wollte man der teil-atheistischen Leserschaft so weitgehende Aussagen nicht zumuten. Allerdings kann man noch viel, viel weiter gehen und sagen:
Religiosität hat Naturgeschichte - und Aufklärung und Wissenschaft werden mit modernen, nicht-supranaturalistischen, nicht-okkulten Formen von Religiosität die Menschen und Völker der Nordhalbkugel wieder emotional und damit auch demographisch stabilisieren. Das ist die große Erwartung, die - etwa - in der bis heute sehr wissenschaftsnahen Philosophie von Mathilde Ludendorff enthalten ist, die moderne, philosophisch nachvollziehbare Sinnangebote für Menschen und Völker bereit hält, zumal für Völker in geschichtlichen Ausnahmesituationen
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  1. Brynja Adam-Radmanic: Ist Religion in ihrer emotionalen Funktion ersetzbar?  Tagung der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft. 9. Nov 2018, https://hpd.de/artikel/religion-ihrer-emotionalen-funktion-ersetzbar-16164 
  2. Ulrike Ackermann-Hajek: Bericht vom Tagesseminar der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft am 27.10.2018 in Nürnberg, http://www.ludwig-feuerbach.de/denkmal.htm#n3

Donnerstag, 20. September 2018

"Hegel und die Pathologien der Moderne - Oder: Das Ende des Geistes im Anthropozän"

Eine sehr grundlegende Fragestellung mit weitem Fragehorizont

Was für ein Titel: "Hegel und die Pathologien der Moderne - oder: Das Ende des Geistes im Anthropozän". So ist ein neuer Aufsatz benannt, erschienen in der Zeitschrift "History & Theory - Studies in the Philosophy of History" (1). Was für fundamentale und grundlegende Gedanken sind da schon im Titel angesprochen, welche grundlegenden Phänomene lassen sich da vor dem Hintergrund des Hegel'schen Philosophierens erörtern. Zum Begriff Anthropozän siehe Wikipedia (Wiki).

Abb.: Georg Friedrich Wilhelm Hegel

Der Aufsatz dreht sich um die weltweite ökologische Krise, um den Klimawandel und um die "Selbstregulierung", "Selbstkorrektur" des freien, selbstverantwortlichen menschlichen Geistes in Antwort auf diese Krise, bzw. er dreht sich um die Frage, ob der freien menschliche Geist zu einer solchen Selbstkorrektur überhaupt noch fähig ist.

Nun, die hier behandelte Fragestellung kann in dieser fundamentalen und tiefgehenden Weise auch auf die kulturelle Krise der Menschheit ganz allgemein ausgedehnt werden. Auch bezüglich der letzteren ist es doch - und mit noch viel mehr Berechtigung - möglich und sinnvoll, von einem "Ende des Geistes", des Geistes an sich, im "Anthropozän" zu sprechen. Es handelt sich hierbei um einen Umstand, den die Philosophin Mathilde Ludendorff (1877-1966), die hundert Jahre nach Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770-1831) lebte, mit dem Begriff von der "Todesnot des Gottesbewußtseins auf unserer Erde" benannte, eine Todesnot, die ebenfalls umfangreichste gesellschaftliche Pathologien in der Moderne nach sich ziehen würde, bzw. mit diesen Pathologien einhergehen würde.

Und tatsächlich ist die Frage unbeantwortet: Wie kommt es zu einer Selbstkorrektur des menschlichen Geistes im Angesicht dieser unglaublich weitreichenden gesellschaftlichen Pathologien? Der Aufsatz scheint aber über viele Seiten hinweg nur die Frage selbst in immer neuen Varianten zu stellen, etwa wenn es heißt (1):
"Trotz des Selbstkorrektur-Potentials der Moderne kann dasselbe verkümmern, weil seine belebenden Prinzipien - wie jede andere Kultur - naturalisiert werden als Gewohnheiten und Gebräuche. Wenn die belebenden Normen der Gestalt dieses Geistes in Dissonanz stehen mit den Notwendigkeiten der Gegenwart, werden sie ebenfalls kollabieren."
Original: "Despite modernity’s self-correcting potential, it can atrophy, because its animating principles, as with any other culture, become naturalized as habits and customs. If the animating norms of this shape of spirit are dissonant with the needs of the present, it too will collapse."
Und es wird in dem Aufsatz gefragt (1, S. 375),
"ob die Moderne den natürlichen Kreislauf von Fortschritt und Niedergang, durch den er (Hegel) den Fortgang der Weltgeschichte beschreibt, entkommen kann."
Original: "of whether modernity can escape the natural cycle of progress and decline by which he describes the movement of world history."
Es wird ausgeführt, daß Hegel postuliert, daß die Hochkulturen der Welt jeweils vier Phasen durchlaufen (1, S. 373):
"Entwicklung, Bildung, Überbildung, Verbildung"
Soweit so gut. Aber nachdem die Frage gestellt ist und erste Überlegungen angestellt sind, tut sich Ratlosigkeit auf. Natürlich stand Hegel noch nicht vor der Dringlichkeit der hier eröffneten Fragestellung so wie wir heute vor einer solchen stehen. Mit entwicklungsmäßigem Niedergang, Entfremdung, Vernichtung als Voraussetzung für Neues hat Hegel es ja immer wieder in seinem Philosophieren zu tun. Er beschreibt ja alles weltgeschichtliche und individuelle Zu-sich-selbst kommen als einen dialektischen Prozeß. Und offensichtlich stehen wir heute wieder an dem Übergang zu einem neuen Zeitalter, einem Übergang, der durch Züge des Katastrophalen, der Zerstörung, der Entfremdung bestimmt ist. Wo kündigt sich nun in dieser allgemeinen Zerstörung jene Verheißung aus der "Seherin Gesicht" in der "Edda" an (Gutbg):
"Auftauchen sehe ich zum anderen male ..."
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  1. Lumbsden, Simon: Hegel and Pathologized Modernity, or: The Ende of Spirit in the Anthropocene. In: History & Theory, Volume 57, Issue 3, September 2018, S. 371-389, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/hith.12070
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropoz%C3%A4n

Donnerstag, 19. Juli 2018

Eos, die Göttin der Morgenröte ...

... verehrt von unseren Vorfahren

Ist es nicht entzückend, dieses Gemälde von Honoré Fragonard? Dieses Weib im Licht, während im Dunkel auf dem Boden noch die Nacht in letzten Träumen liegt - mit glühenden Bäckchen?

Abb.: Honoré Fragonard (1732-1806) - Die Göttin Aurora triumphiert über die Nacht (1755)

So viel rosiger Duft, der da über das gesamte Gemälde ausgebreitet ist.

Schon unsere Vorfahren am Beginn der Bronzezeit haben ähnlich empfunden wie dieser Künstler. Laut einer neuen Forschungsstudie haben sie Weihgaben für die Sonnen-Gottheit in der freien Natur abgelegt und zwar am liebsten an Orten mit freiem Blick zum Sonnenaufgang, insbesondere am Tag der Sommer- oder der Wintersonnenwende (1).

Sorgfältig ausgewählte Bronze-Gegenstände wurden in der Frühen Bronzezeit in Schottland an auffallenden Orten innerhalb der Landschaft als Weihgaben für die Gottheit niedergelegt. Mehr als die Hälfte dieser Orte hatten direkte Sicht auf den Punkt des Sonnenaufgangs oder Sonnenuntergangs zur Winter- oder Sommersonnenwende. Diese Forschungsergebnisse erinnern daran, daß die Beobachtung von Sonnenauf- und -untergang an markanten Punkten in der Landschaft auch eine Rolle spielt etwa bei der Himmelsscheibe von Nebra (2).

Der Schwerpunkt scheint auf der Wintersonnenwende gelegen zu haben. In einer früheren archäologischen Studie war schon dargelegt worden, daß diese Bronzegegenstände immer an hervorgehobenen Punkten der Landschaft niedergelegt worden waren, an landschaftlich schönen Punkten, auch in Grenzbereichen von Landschaften. Das heißt etwa am Übergang von Ackerland zu Weideland (3). Alles Umstände, die bezeugen, daß unsere Vorfahren in der Bronzezeit Sinn für die Schönheiten der Landschaft hatten. 

Wenn es solche Sitten von Sachsen-Anhalt bis hinauf nach Schottland gegeben hat in der Frühen Bronzezeit, dann wird deutlich, von welcher Sehnsucht nach der Sonne die Menschen dieser Zeit beseelt gewesen sind, welche Verehrung sie ihr zugedacht haben. Es ist dies eine Verehrung, die sich ja auch noch in der "Ilias" von Homer wiederfindet, wenn er etwa Eos, die Göttin der Morgenröte (Wiki). Und in diese Verehrung reiht sich auch der "Sonnenwagen von Trundholm" (4) ein.

Aber diese Sehnsucht gab es in Mitteleuropa schon vor dem Eintreffen der Indogermanen. In zahlreichen Kreisgrabenanlagen wie der von Goseck aus dem Mittelneolithikum kann man am Tag der längsten Nacht beobachten, wie im Südwesttor die Sonne untergeht. Am Morgen danach geht die Sonne im Südosttor wieder auf (Wiki). Vermutlich haben die Indogermanen die Verehrung der Sonne in Mitteleuropa von den Vorgängerkulturen übernommen.
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  1. The Placing of Early Bronze Age Metalwork Deposits: New Evidence from Scotland. By Richard Bradley, Chris Green, Aaron Watson. First published: 01 February 2018, Oxford Journal of Archaeology, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/ojoa.12135?campaign=woletoc& 
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Himmelsscheibe_von_Nebra 
  3. Bading, Ingo: Menschen aus der Bronzezeit hatten ein Auge für die Landschaft. 13.2.2018, https://plus.google.com/+IngoBading/posts/LzyU4J9NFgR 
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenwagen_von_Trundholm

Sonntag, 1. Juli 2018

"Söhne der Sonne" - Die Indogermanen Asiens



00:00:00 - Einleitung: Die genetische Geschichte Europas ist in den Grundzügen schon gut verstanden. Wie aber sieht es aus mit der genetischen Geschichte Asiens, hier vor allem Asiens westlich und nördlich von China?

00:03:45 - Ethnische Rückzugsräume, Rand- und Reliktbevölkerungen haben in der Weltgeschichte mehrfach große weitere Bedeutung bekommen - sowohl in Europa wie in Asien. Beispiele dafür: Blätterhöhle in Westfalen, Schweriner See, östlicher Ostseeraum noch lange nach der Neolithisierung, Baikalsee-Fischer noch lange nach der Indogermanisierung als Vorfahren der Turkvölker.

00:09:35 - Man findet im deutschsprachigen Raum keine Berichterstattung über den derzeitigen recht faszinierenden Forschungsstand zur genetischen Geschichte Asiens, also der Archäogenetik, Ancient-DNA-Forschung (1-3). Deshalb mache ich darüber dieses Video, obwohl ein solcher Vortrag von kompetenterer, fachwissenschaftlicher Seite gehalten werden sollte. Immerhin behandelt der Kanal "RuStAG Netzwerk 2.0" (nicht "Virulent National"!)  schon die (inzwischen etwas veraltete) Haplotypen-Genetik.

00:13:26 - Erst West-, dann Ostwanderung der Schnurkeramiker als Shintashta- und Andronowo-Kultur bis an die Grenzen Chinas. Damit ergeben sich zwei genetisch unterschiedliche Phasen der Geschichte der indogermanischen Völker des Steppenraumes, einmal die ursprüngliche Yamnaya-Kultur (3.300 v. Ztr.) mit nur geringen genetischen Anteilen anatolisch-neolithischer Herkunft und ab 2.100 v. Ztr. die Shintaschta-Kultur der Ukraine und die Andronovo-Kultur Sibiriens als Nachkommen der Schnurkeramiker Mitteleuropas.

00:26:30 - Die erste europäische Zuwanderung nach Indien, ebenso wie die Hethiter in Anatolien weisen bislang zwar beide kaukasische, aber beide keine spezifisch indogermanische Herkunft auf.

00:31:19 - Um Anteilnahme für die indogermanische Völkerwelt zu wecken, werden aus ihrer reichen kulturellen Vielfalt exemplarisch die 36 tocharischen Königreiche entlang der Seidenstraße (ab 2.000 v. Ztr.) und das Königreich der Sogder in Samarkand vorgestellt, sowie der Fernhandel der Sogder mit Kamel-Karawanen weit in das Tang-zeitliche China hinein, wo diese einerseits als "Exoten" vielfältige Darstellungen in der chinesischen Kunst gefunden haben und andererseits auch hohe Regierungsbeamte werden konnten.

00:34:45 - Die hunderte von europäischen tocharischen Wüstenmumien am Westrand Chinas gewähren die aller faszinierendsten Einblicke auch in unsere eigene mitteleuropäische Bronzezeit, die nur denkbar sind, da der Erhaltungszustand ihrer Körper, ihrer Tätowierungen, ihrer Kleidung, ihres Schmucks, ihrer hölzernen Grabausstattungen so hervorragend ist wie nirgends sonst in der indogermanischen Welt.

00:54:45 - Restvölker in Rückzugsräumen der Weltgeschichte können - aus diesen Rückzugsräumen heraus und nach erneuten genetischen und kulturellen Neuanpassungen - ganze neue Zeitepochen der Weltgeschichte einläuten und dominieren. Dies wird am Beispiel der Hunnen/Turkvölker/Mongolen aufgezeigt, deren Vorfahren einst von allen Seiten von Indogermanen umgeben und "umzingelt" waren, die dennoch ihre genetische, sprachliche und kulturelle Eigenart erhalten haben und mehrere tausend Jahre später selbst das Ruder der weltgeschichtlichen Entwicklung Asiens in die Hand genommen haben, nämlich in der Spätantike und mit dem Untergang von hunderten indogermanischer Königreiche, Fürstentümer, Stämme und Völker in Asien.

01:08:33 - In den neuesten Studien schälen sich immer mehr "Geister"-Völker des Kaukasus-Raumes als wichtige Vorfahren der genetischen Geschichte sowohl einerseits 1. Indiens als andererseits 2. Anatoliens und schließlich 3. der Indogermanen heraus.

01:13:00 - Die genetische Geschichte der Skythen zwischen Ungarn und dem Altai-Gebirge. Es wird auf die genetische Einmischung von Hunnen, bzw. Turkvölkernn in die unterschiedlichen Stämme und Konföderationen des großen Völkerstammes der skythischen Völker hingewiesen. Die Skythen in Ungarn weisen gar keine hunnischen Einmischungen auf, während nördlich des Tianshan die skythischen Reitervölker (Saken) schon bis zur Hälfte hunnischer Abstammung sein konnten. Im Zusammenhang mit diesen skythischen Mischvölkern entstanden dann fast rein hunnische, turksprachliche Völker wie die Xiongnu der Mongolei, die seit der Spätantike in Asien den Lauf der Weltgeschichte bestimmten.
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  1. Allentoft et. al. 2015 (Eske Willerslev): Population genomics of bronze age Eurasia. Nature Magazine 
  2. Damgaard et. al. 2018 (Eske Willerslev): The first herders and the impact of early Bronze Age steppe expansions into Asia. Science Magazine, 9. Mai 2018
  3. Damgaard et. al. 2018 (Eske Willerslev): 137 ancient human genomes from across the Eurasian steppes. Nature Magazine, 9. Mai 2018
  4. Bading, Ingo: Die Frühbronzezeit in den Fürstentümern der Seidenstraße. 4. November 2007, http://studgendeutsch.blogspot.com/2007/11/die-vor-wenigen-wochen-erffnete.html 
  5. Bading, Ingo: Aufsatzreihe zu den Sogdern und Tocharern, 2007, http://studgendeutsch.blogspot.com/search/label/Sogder
  6. Bading, Ingo: Neue Forschungen zur Entstehung der Indogermanen. Wie entstanden die modernen europäischen Völker? - Ancient-DNA-Forscher David Reich berichtet über den aktuellen Forschungsstand. 2. Juli 2017, http://studgendeutsch.blogspot.com/2017/07/neue-forschungen-zur-entstehung-der.html
  7. Bading, Ingo: Aufsätze zur Indoeuropäer-Frage, 2007-2017, http://studgendeutsch.blogspot.com/search/label/Indoeurop%C3%A4er
  8. Bading, Ingo: Aktuellste schriftliche Blogbeiträge seit 2018 immer auf: https://plus.google.com/+IngoBading
  9. London, Jack: Ein Sohn der Sonne. http://gutenberg.spiegel.de/buch/ein-sohn-der-sonne-10086/1
  10. Wade, Lizzie: Ancient DNA untangles South Asian roots. In: Science, 20 Apr 2018: Vol. 360, Issue 6386, pp. 252 DOI: 10.1126/science.360.6386.252, http://science.sciencemag.org/content/360/6386/252.full

Donnerstag, 7. Juni 2018

"Alexander Dugin und die rechtsextremen Netzwerke" (2007)

Vorbemerkung: Am 1. Mai 2014 habe ich den folgenden Aufsatz-Entwurf abgespeichert, den ich seither niemals abschließend bearbeitet hatte. Gerade sehe ich aber, daß in diesem Aufsatz-Entwurf meine erste Begegnung mit Alexander Dugin festgehalten ist, und daß ich dabei - sofort - alle Zusammenhänge, die ich bis heute bezüglich Dugin glaube sehen zu können, schon mit einem mal sah. Ich möchte diesen Aufsatz-Entwurf darum unverändert veröffentlichen. Wesentlich und neu sind eigentlich nur seine beiden letzten Abschnitte ab "Die Dan Brown-Industrie".

Der Satanismusroman "Das Foucault'sche Pendel" von Dan Brown


Die "Holocaust-Industrie"

Bis mindestens in die 1980er Jahre hinein musste die "Holocaust-Industrie" (Noam Finkelstein) alle paar Jahre, mindestens alle drei bis fünf Jahre eine neue Sau durch's Dorf treiben. Wir erkennen heute, aus dem historischen Abstand und mit dem Wissen um die Involviertheit der Geheimdienste aller Länder in all dieses "Sautreiben" besser die Systematik, die dahinter stand. Dieses Sautreiben nannte sich dann ganz offiziell "Vergangenheitsbewältigung". Es war nichts als Propaganda. Der Holocaust als Public Relation-Aktion. Denn wenn es um die Warnung vor Menschheitsverbrechen an sich gegangen wäre, hätten ja im gleichen Zuge oder in ähnlich öffentlichkeitswirksamer Weise immer auch mindestens die zeitgleichen (vorhergehenden und nachherigen) kommunistischen Verbrechen behandelt werden müssen. Sind sie aber nicht. Also nichts weiter als Propaganda. - Hey, wacht doch mal auf! Denkt doch mal nach!

Ein paar Einzelheiten dazu: Weihnachten 1959 die von östlichen Geheimdiensten inszenierten Hakenkreuzschmierereien an der Kölner Synagoge und von da ab dann in der ganzen westlichen Hemisphäre bis nach Australien hinunter. Und da es zuvor von den Diensten aller Länder - vermutlich in Camp David zwischen Eisenhower und Chruschtschow - abgesprochen war (so vermutet es Armin Mohler in "Vergangenheitsbewältigung"), drückten die westlichen Medien nicht nur beide Augen, sondern auch noch alle Hühneraugen zusätzlich zu und gerieten in Empörung über den "Neonazismus" in Deutschland, der da wieder sein greuliches Haupt erheben würde, anstatt die Drahtzieher dieser Hakenkreuzschmierereien zu benennen, zu denen es gleich von Anfang an viele Verdachtsmomente gab.

Gerne ließ man die Truppe von Armin Mohler rund um Franz Josef Strauß da auf die wahren Drahtzieher schon gleich zu Anfang in aller Öffentlichkeit hinweisen. Wenn diese Hinweise aus dieser Ecke kamen, musste das damals als ein Hinweis darauf gelten, dass die breite Öffentlichkeit sie nicht beachten brauchte! 10 Punkte für die Drahtzieher!

Nun, 1960 dann die Entführung Adolf Eichmanns aus Argentinien - was schon viel früher hätte geschehen können, aber offenbar nicht in den Zeitplan der PR-Aktion gepasst hätte - und der Prozess gegen ihn in Jerusalem. Legendäre Bücher entstanden. "Eichmann in Jerusalem" etc. pp.. 1965 dann der große Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main. Es gab dort einen regelrechten Zeugentourismus. Reihenweise wurden Zeugen aus Polen nach Frankfurt eingeladen. Niemand kam auf den Gedanken, dass man zeitgleich auch einen Prozess hätte machen können gegen die Täter etwa in den polnischen Konzentrationslagern nach 1945. Es wäre ein Sakrileg gewesen, damals darauf hinzuweisen. Womöglich ist es das heute noch. Dabei ist es absurd hoch Zehn. Das ein Sakrileg zu nennen. Verbrechen sind Verbrechen. Aber wo Propaganda wirksam ist, gerät das normale menschliche Denken und Urteilen aus den Fugen.

Es sollen nicht alle Stationen aufgeführt werden dieses "Sautreibens". Erinnert sei hier nur noch: Anfang der 1980er Jahre der sechsteilige Fernsehfilm "Holocaust". Einer der Filme, die meine Generation prägte, imprägnierte sozusagen. Dann 1985 der durch Jürgen Habermas zur Einschüchterung der deutschen Historikerschaft und Publizisten ausgelöste und in seiner Einschüchterung bis heute außerordentlich wirksame "Historikerstreit".

Dann noch Mitte der 1990er Jahre die breite öffentliche Diskussion um das Holocaust-Mahnmal. Spätestens aber ab dem Jahr 2005 wurde es um solches Sautreiben ruhiger. Es war das Jahr, in dem der Aufsatz "Natural History of Ashkenazy Intelligence" erschien und in der "New York Times" und im "Economist" an prominenter Stelle behandelt wurden und der vom Leiter der ADL Teddy Foxman grünes Licht erhielt, womit antizipiert war, dass künftig ein Denken auf der Linie von Kevin MacDonald - Judentum und Antisemitismus als gruppenevolutionäre Strategien - möglich wäre, und dass man das nicht noch zusätzlich beschleunigen dürfe durch weiteres unbedachtes Sautreiben. Seitdem tritt die Israellobby auffallend zurückhaltender auf. (Nun, so ganz kann sie sich an diese Zurückhaltung noch nicht immer und überall gewöhnen - Henrik Broder und Co. seligen Angedenkens.)

Die "Dan Brown-Industrie"

Indem man aber nun gerade "Das Foucaultsche Pendel" von Umberto Eco liest und sich Gedanken macht, mit welcher Zielrichtung dieser Roman wohl veröffentlicht worden ist, geht einem durch den Kopf, dass man parallel zu dem "Sautreiben" der Holocaust-Industrie wohl auch ein "Sautreiben" der, nennen wir sie einmal die "Dan Brown-Industrie" nachzeichnen könnte. Oder besser gesagt der "östlichen Esoterik-" oder "Tibet-Industrie". Man könnte auch sagen "Erik von Däniken"- oder Kopp-Verlag-Industrie. Denn um nichts anderes geht es dabei. Eine Fülle von prominent veröffentlichten "Verschwörungs-Romanen" und von "Verschwörungs-Literatur" treibt seit Jahrzehnten in schöner Regelmäßigkeit immer wieder neu die gleiche Sau durch's Dorf. Wobei es - selbstredend - wie auch bei der Holocaust-Industrie eine wunderschöne Gemengelage von "Fact and Fiction" gibt, von bewußt eingeblendeten und bewusst ausgeblendeten Tatsachen. Sprich: Propaganda. Es seien auch hier wieder nur einige wenige "Glanz- und Höhepunkte" dieser Jahrzehnte langen PR-Aktion genannt:
1968 - "Erinnerungen an die Zukunft" von Erich von Däniken
1972 - "Der Speer des Schicksals" von Trevor Ravenscroft
1988 - "Das Foucaultsche Pendel" von Umberto Eco
1994 - "Das schwarze Reich" von E. R. Carmin (eigentlich keine Sau, sondern ein echtes Sachbuch)
2000 - "Illuminati" von Dan Brown (OA.: "Angels & Demons")
2003 - "Sakrileg" von Dan Brown (OA.: "The da Vinci Code")
Diese Liste ist sicherlich leicht zu verdoppeln oder zu verdreifachen. Auf Amazon gibt es derzeit 176 deutschsprachige Kundenrezensionen zu dem Roman "Das Foucaultsche Pendel" (1988) von Umberto Eco.

Man müßte sie einmal alle gründlich durchsehen, ob hier schon einmal irgendwo das geäußert wird, was andeutungsweise in "Alexander Dugin und die rechtsextremen Netzwerke" (2007) erörtert wird. Bis auf weiteres scheint es das erste und einzige Buch überhaupt zu sein, das wenigstens andeutungsweise unterstellt, dass Umberto Eco nicht eine ironische Parodie auf Verschwörungstheorien geschrieben hat, sondern schlicht eine reale Verschwörung schildert, die Umberto Eco selbst deshalb natürlich auch sehr gut bekannt ist, und die er unter einer der "tausend Masken des Meisters", hier unter der Maske der nur leicht angedeuteten überlegen-ironischen Infragestellung quasi wie ein Sachbuch zu lesend darstellt.

Umberto Eco Parodist von Verschwörungstheorien oder Logenpropagandist?

Dass also Umberto Eco selbst ein Teil der Verschwörung ist, die er schildert und dass er mit seinem Roman Werbung für diese Verschwörung macht. Die Nagelprobe darauf ist eigentlich leicht gemacht: Liest man zeitgleiche echte Sachbücher über dieselben Themen, die Eco behandelt, weisen sie niemals diese thematische Breite auf, die Eco aufweist. Sie haben jeweils immer nur Einblick in einen viel beschränkteren Sektor der Gesamtthematik. Etwa nur die Templer, etwa nur die Synarchie oder nur der Satanismus usw.. Aber Eco greift aus dem Vollen. Und das mit unglaublich instinktsicherem Griff. Alles "sitzt", kein Griff erfolgt in "dümmliche" Spekulationen, die gar nicht zum Thema gehören würden. Nein, immer bewegt sich Eco mit seinen Themen im Hauptstrom der Mythen und Legenden der Dan Brown-Industrie.

Wozu wäre das eigentlich nötig, wenn man nur einen Roman schreiben wollte? Da hätte man doch freie Wahl, könnte seiner Phantasie und Spekulation die Zügel schießen lassen. Das aber tut Eco keineswegs. Derjenige, der sich mit den Themen seines Buches nur annähernd auskennt, sieht sofort, dass dieser Roman von seinem sachlichen Gehalt her wie ein Sachbuch gelesen werden könnte. Dass er vom sachlichen Gehalt her die Grenzen eines solchen Sachbuches jedenfalls nie überschreitet.

In dem genannten Buch über die "rechtsextremen Netzwerke" heißt es (1, S. 84f):
Eco konnte die für seinen Roman dokumentierten Hintergrundkenntnisse auch deshalb erwerben, weil zur Entstehungszeit des Buchs ein enger Austausch zwischen französischen und italienischen Esoterikern stattfand, geleitet von den Wertvorstellungen des "faschistischen Guru" (Eco) Julius Evola.
Es ist bemerkenswert, daß Eco aus der Fülle des esoterischen Angebots, das Italien in jenen Jahren überflutete, jene Beispiele wählte, die auch für die Parvulesco-Dugin-Bewegung charakteristisch sind. (...) Die Templer, um die es in Ecos Buch vor allem geht, spielen auch in der Parvulesco-Dugin-Bewegung eine Rolle. (...)
Daß es wirklich geheime Verbindungen in der Nachfolge d'Alveydres gibt - das ist die Pointe von Ecos Buch. Dugin hat z.B. (...) ein Kapitel Saint-Yves d'Alveydre gewidmet. (...) Gibt es die Synarchen wirklich?
Das Buch bejaht diese Frage dann, die natürlich auch noch aus vielerlei anderer Hinsicht bejaht werden kann. Darüber gibt es ja eine umfangreiche, wenngleich zumeist nur in französischer Sprache erschienene Literatur. Auch beispielsweise Heinrich Mann beschäftigt sich in einem Spätwerk mit dieser Synarchie.
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  1. Ivanov, Vladimir: Alexander Dugin und die rechtsextremen Netzwerke. Fakten und Hypothesen zu den internationalen Verflechtungen der russischen Neuen Rechten. Mit einem Vorwort von Andreas Umland. ibidem, 2007

Montag, 2. April 2018

Um der Kunst willen - Leidenswilligkeit und Leidensfähigkeit

Die weltberühmte koreanische Sopranistin Sumi Jo
- Ihre Kindheit und Jugend in Korea

In Abwendung von so viel Nichtigem, Scheußlichen und Banalen, das uns politisch, menschlich und kulturell umgibt kann es so wertvoll sein, diese oder jene Dokumentation, dieses oder jenes Interview, manches Konzert anzusehen und anzuhören, die es derzeit auf Youtube zu finden gibt über den deutschen Dirigenten Herbert von Karajan (1908-1989) (Wiki) und über seine Schülerin, die deutsche Violinistin Anne Sophie Mutter (s.a. GooglePlus). Man darf diese Video's alle für sehens- und hörenswert erachten. Man erfährt hier, daß sogar der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt sich in einem Interview sehr positiv über Herbert von Karajan ausgesprochen hat. Unmittelbar nach dem Tod Wilhelm Furtwänglers Ende 1954 begann die "Ära Karajan" im deutschsprachigen, europäischen und weltweiten Musikleben. Und sie endete erst mit seinem Tod im Jahr 1989. Es waren gute Jahre und es kann wertvoll sein, sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Abb. 1: Herbert von Karajan, 1987
Wenn man etwa eine Karajan-Biographie liest (etwa die von Franz Endler), in der all das diplomatische "Ränkespiel" auf nationaler und internationaler Ebene rund um den "Tyrannen", den "Despoten", den "Herrscher", den sich seiner Macht bewußten "Renaissance-Menschen" Herbert von Karajan zu Darstellung kommt, kommt einem zugleich der Gedanke, daß künftig die Zeit zwischen 1955 und 1989 nicht mehr benannt werden wird nach den ekelhaftesten Aspekten dieser Jahre, also nicht mit Begriffen wie "Adenauer-Ära", Zeit des "Kalten Krieges", Zeit des weltweiten Regierungs- und False Flag-Terrorismus, "Terrorjahre" oder welchen verbrecherischen, ekelhaften Aspekt man sonst für diese Zeit herausgreifen will. Nein, man wird mit den benutzten Benennungen dann nicht mehr in erster Linie die Aufmerksamkeit auf die ekelhaften, verbrecherischen, banalen, schändlichen, schamvollen Dinge richten. So wie wir die Bismarck-Zeit nach dem hervorragendsten Menschen benennen, der damals in Deutschland, in Europa und der Welt Friedenspolitik betrieben hat, von allen Seiten anerkannt und geschätzt, so wird künftig die Zeit zwischen 1955 und 1989 die "Ära Karajan" heißen. Und genug.

Und damit wäre dann auch jener Bereich benannt, in dem Deutschland seine Weltgeltung behielt, auch noch in einer Zeit, in der es ansonsten politisch und kulturell ein Bild beispielloser Schande abgegeben hat und abgibt.





Schon im Jahr 2007 war auf unserem Blog die Aufmerksamkeit gerichtet worden auch auf jene Filmsequenz, in der man unmittelbar daneben steht, als Herbert von Karajan 1988 die bedeutende Sopranistin unserer Zeit entdeckte, die Koreanerin Sumi Jo (geb. 1962) (Wiki) (s. St.gen.2007).  Das wurde letztes Jahr noch einmal in überarbeiteter Form veröffentlicht (s. Für Kultur2017). Schon bei der Zurkenntnisnahme dieser Filmsequenzen und der Weltkarriere von Sumi Jo konnte bei manchem Zuschauer die Frage entstehen, wie diese Frau eigentlich in Südkorea aufgewachsen ist, was sie erlebt hat, wie sie zu jenem Menschen wurde, der da 1988 bei Herbert von Karajan vorsang. Und endlich - seit knapp einem Jahr - kann man auf Youtube darauf eine Antwort finden (Yt)!! Dieser Umstand ist der eigentliche Anlaß für den vorliegenden Blogartikel.

In der Dokumentation werden viele Stationen der Lebensgeschichte von Sumi Jo von Schauspielern nachgespielt. So entsteht eine sehr "rührende" Geschichte. Dadurch daß Sumi Jo aber zwischendurch immer wieder selbst zu Wort kommt im Interview über ihre Lebensgeschichte, erhält die Dokumentation eine sehr große Authentizität. Diese Form der Dokumentation einer Lebensgeschichte ist im Westen wohl nicht so gebräuchlich, aber eigentlich gar nicht schlecht.

Der Film wendet sich ins Heroische


Alles fühlt sich in dieser Dokumentation - natürlicherweise - sehr "koreanisch" an. Sumi Jo ist in Korea selbst schon sehr früh als Wunderkind entdeckt worden. An einer Stelle drohte ihr Vater mit dem gemeinsamen familiären Selbstmord, als sie begann, ihr Musikstudium schleifen zu lassen, da sie innerhalb von Korea keine Herausforderungen mehr fand, zugleich in einen jungen Mann verliebt war und nur noch in Disco's ging. Und dann die abrupte Wendung: Ihre Lehrerin schlägt ihr vor, ins Ausland zu gehen, ins Land des Gesanges, nach Italien. Sumi Jo verläßt Lehrerin, Eltern und ihre große Liebe: Um der Kunst willen verzichtet sie auf alles. Der Film wendet sich ins Heroische.

Aber man darf das eindrucksvoll finden. Noch heute spricht die ebenfalls von Karajan entdeckte Geigerin Anne-Sophie Mutter davon, daß es in den ostasiatischen Ländern deshalb so viele musikalische Spitzentalente gibt, weil der Ehrgeiz, die Leidensfähigkeit und Leidenswilligkeit um der Kunst willen dort noch viel größer sind. Dieser Umstand ist auch an dem Lebensweg von Sumi Jo aufzeigbar. Es werden schließlich ihre Leidensjahre in Italien dargestellt, in denen sie täglich Italienisch lernte, Gesang studierte und nur vier Stunden in der Nacht schlief, in denen es ihr schwer fiel, all die vielen unterschiedlichen Ratschläge der Gesanglehrer auf sich anzuwenden und unter den verwirrenden Eindrücken ihren eigenen Stil zu finden.

Mit Leidenschaft bringen die koreanischen Regisseure das "Hecheln" vor die Kamera, das zu den Übungen des Gesangsunterrichts in Italien gehörte, und dessen sehr komische Wirkung auf das koreanische Publikum man auch als Regisseur offenbar empfand. An solchen Szenen ist deutlich spürbar, daß diese Dokumentation nicht auf europäisches Publikum berechnet sein kann. Und genau dieser Umstand macht sie zugleich auch so authentisch. - Leider gibt es für den zweiten Teil der Dokumentation (Yt) noch keine englischen Untertitel. Und so auch leider nicht von so vielen anderen verfügbaren Dokumentationen in koranischer Sprache über das Leben dieser Sumi Jo, das von so viel Leidenschaft erfüllt ist und in der Lage ist, jeden Zuschauer so durch und durch lebendig zu machen, selbst wenn er längst zu Wachs geworden sein sollte. Aber in einem anderen Video (Yt) erzählt Sumi Jo immerhin, wie sie in den drei Jahren, bevor sie 1988 bei Herbert von Karajan vorsang, sich oft verloren gefühlt hätte auf den internationalen Bühnen:
"I often felt lost on the international stage."
Es wird auch in der ersten Dokumentation nachgespielt wie ihre Manager ihr vorschlagen, um der internationalen Karriere willen einen europäischen Namen anzunehmen. Sie spricht schließlich davon, daß das Zusammentreffen mit Karajan so gewesen wäre als ob sie einen Lehrer getroffen hätte:
"Meeting Karajan was like meeting a mentor."
Er gab ihr den gebührenden Platz im weltweiten Musikleben. Und natürlich war das möglich, ohne den Namen zu ändern. Womöglich wäre aber Sumi Jo ohne Karajan nie so berühmt geworden wie sie es heute ist. Diese Frage darf man wohl stellen. Deshalb sei in diesem Beitrag auch noch einmal das Video eingestellt von den acht Minuten im Leben von Sumi Jo, die dieses Leben die Wendung hin zur Weltkarriere machen ließ (s. Yt, es liegt auch vor: hier und hier mit englischen Untertiteln). Das Besondere und die Seltenheit dieser Filmaufnahme besteht ja eben darin, daß hier der Zuschauer unmittelbar daneben sitzen darf, wie eine außergewöhnliche musikalische Begabung - quasi mitten aus der künstlerischen Alltagsarbeit heraus - von einem so schöpferischen, kongenialen Menschen wie Karajan entdeckt wird.




Bekannterweise sind von Karajan viele der begabtesten Musiker unserer Zeit entdeckt worden. Aber natürlich war nicht in jedem Fall ein Filmteam - geradezu wie "nebenbei" - dabei und filmte mit (1). Man wird also selten so unmittelbar das Geschehen nacherleben können wie hier, würde es auch noch so anschaulich in Worten der Erinnerung wiedergegeben werden.

Zum Beispiel gibt es auch seit 2017 ein schönes Video, in dem die Sängerin Gundula Janowitz in eben jenem Jahr 2017 außerordentlich eindrucksvoll über ihre Zusammenarbeit mit Karajan - und auch das Ende dieser Zusammenarbeit berichtet (Yt, 2017). Das Ende der Zusammenarbeit ergab sich daraus, daß Karajan wünschte, daß Gundula Janowitz Beethovens "Fidelio" für ihn singen sollte. Gundula Janowitz fühlte sich aber noch nicht reif genug dazu und spielte ihm in der Gesangsprobe dazu eine gar zu naive Sängerin vor. Sie tat dies, weil sie sich nicht traute, ihm rundweg abzusagen. Karajan durchschaute sie aber sofort (!) und wünschte sich dann, daß sie später mit ihm den Fidelio machen würde. Und man darf es in der Tat bedauern, daß es dazu nicht mehr kam. Gundula Janowitz machte den Fidelio nämlich dann - entgegen der Absprache - mit Leonard Bernstein. Und sie erzählt, daß Bernstein sie von Anfang an ebenso wenig mochte wie sie ihn. Und sieht man Aufnahmen von der dabei entstandenen Inszenierung, wird einem klar, wie Gundula Janowitz tatsächlich - ohne Karajan - so ganz und gar "mißraten" konnte in einer Rolle wie dem Fidelio. Und man empfindet zugleich den riesen großen Verrat an der Kunst, den Karajan empfand als er hörte, die Janowitz singt den Fidelio für Bernstein. Danach jedenfalls wollte er nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten und verabschiedete sich, wie sie berichtet, sehr höflich von ihr. - Außerordentlich krass. Im Musikleben um Herbert von Karajan ist überall so viel "Leben" drin, so viel "Dramatik", so viel pure Kraft und Leidenschaft. - Aber nun abschließend nur noch einige weitere Videos mit Sumi Jo.





Hier singt sie die "Königin der Nacht" und es wird ein kleiner Überblick über die "Legende" dieser Sängerinnen-Karriere gegeben (Yt).




Hier singt sie den "Frühlingsstimmen" -Walzer von Johann Strauß,
Die Lerche in blaue Höh' entschwebt,
der Tauwind weht so lau;
sein wonniger milder Hauch belebt
und küsst das Feld, die Au.
Der Frühling in holder Pracht erwacht, – ah, ah, ah –
alle Pein zu End' mag sein,
alles Leid, entfloh'n ist es weit!

Schmerz wird milder, frohe Bilder,
Glaub' an Glück kehrt zurück;
Sonnenschein – ah – dringt nun ein, – ah –
alles lacht, ach, ach, erwacht!
Sonnenschein …

Die Lerche in blaue Höh' entschwebt, …



Hier singt sie "Wiener Blut" von demselben.
Ich spür' es,
das Wiener Blut.
Wiener Blut,
Wiener Blut!
Eig'ner Saft,
Voller Kraft,
Voller Glut,
Du erhebst,
Du belebst
Unser'n Mut!
Wiener Blut!
Wiener Blut!
Was die Stadt
Schönes hat,
In dir ruht!
Wiener Blut,
Heiße Flut!
Allerort
Gilt das Wort:
Wiener Blut!
Und hier erzählt sie ein bißchen, wie sie sich auf einen Auftritt vorbereitet. Und hier gibt es ein sehr interessantes 25-minütiges Interview aus dem Jahr 2005 mit Sumi Jo im "New York Public Radio", in der sie einiges über ihr Leben und ihren Beruf erzählt. Auch über die Oper des nächsten Abends "La Sonambula" ("Die Schlafwandlerin"), eine Oper des Italieners Vincenzo Bellini (1801-1835).
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  1. Froemke, Susan; Gelb, Peter; Dickson, Deborah: Karajan at the Salzburg Festival. Rehearsal (Probe) and backstage from the Salzburg Festival. Deutsch: Karajan in Salzburg, 1 h 22 min, Sony, 1988, http://www.medici.tv/en/documentaries/karajan-in-salzburg-deborah-dickson-susan-froemke/, auch https://www.youtube.com/user/cagin/videos

Montag, 26. März 2018

Peder S. Krøyer, Marie Krøyer und Hugo Alfvén - Eine vergangene Welt

Die Skagen-Künstler - Unbeschwertheit, Fröhlichkeit, Glück, Gelassenheit, Ruhe im Kulturleben Europas vor 1914

Wendet man sich nach langen, kulturlosen Zeiten einmal wieder der Kultur zu, so kann es so leicht sein, überrascht zu werden. Man könnte zum Beispiel eines morgens im Radio noch einigermaßen verschlafen den "Tanz des Hirtenmädchens" hören  (6). Das Musikstück könnte auffälliger Weise den ganzen Tag über in einem nachklingen. Und es könnte einen veranlassen, nach seinem Schöpfer, seinem Komponisten zu fragen. Und indem man sich mit diesem Komponisten beschäftigt, könnte man - nach einer Weile - auch auf die Bilder eines dänischen Malers norwegischer Abstammung stoßen, namens Peder S. Krøyer (1851-1909) (Wikiengl). Weil der betreffende Komponist nach dem Tod dieses Malers fast zwanzig Jahre lang mit der vormaligen Frau dieses Malers verheiratet war, einer Frau, die dieser Maler in zahlreichen, zum Teil weltberühmten festgehalten hat (s. z.B. Abbildung 1), und die man über diese besser wohl kennenlernen kann als über so vieles andere.

Abb. 1: Peder S. Krøyer - Marie Krøyer, 1890

Nanu, wie konnte dieser Maler solche eindrucksvollen Bilder malen? Bilder, denen sogar ein eigener Wikipedia-Artikel gewidmet ist (Wiki). Und das mit Recht, wie man sich sogleich sagen muß. Was sind denn das für Leute? Und nun wühlt man sich statt in das Leben eines Komponisten in das Leben eines Malers hinein, dieses Peder S. Krøyer, fragt nach seinen Werken, seinen Lebensumständen.

Und erneut findet sich so viel. Eine ganze verlorene, vergangene Welt. Man findet die Welt der "Skagen-Künstler" (Wiki). Skagen, ein Küstendorf im Norden Dänemarks war - sozusagen  - das dänische Worpswede in der Zeit vor 1914. Und auch hier - wie in Worpswede: Eine verlorene Welt. Eine Welt, in die man voller Sehnsucht blickt, mit geradezu zaghafter, trauriger, wehmütiger Neugier (1, 2). Wer war denn das? Was waren denn das für Leute? So viel Glück! Gab es das einmal? Wirklich? Hier auf dieser Erde? Ein so lebendiges, fruchtbares Kulturleben? Dessen Lebensfäden sich von Nordjütland über ganz Europa hinweg bis hinunter nach Sizilien zogen? Ist Frieden möglich? Diese Bilder, sie werfen so viele Fragen auf. Aber sie geben zugleich Antworten, zusammen mit Fotografien, zusammen mit komponierter Musik. Und all das sollte dann doch eigentlich Beweis genug sein ....


Abb. 2: Peder S. Krøyer - "Hip, hip, hurra!, 1888

Während es damals im deutschen Sprachraum eine Alma Mahler (1879-1964) (Wiki) gab, die in erster Ehe verheiratet war mit einem weltberühmten Komponisten, später ein Verhältnis hatte mit einem weltberühmten Maler, ein zweites mal verheiratet war mit einem weltberühmten Architekten, schließlich eine Verbindung einging mit einem berühmten Schriftsteller, während es in Schweden und Deutschland August Strindberg gab und seine erschütternden Erlebnisse in Ehen, während es in Norwegen und Deutschland Edvard Munch gab, der Bilder malte wie "Der Schrei", während es in Norddeutschland die Künstlerkolonie Worpswede gab, der eine Künstlerin angehörte, mit der der deutsche Dichter Rainer Maria Rilke verheiratet war - - - in dieser Zeit gab es in Dänemark die "Skagen-Maler". Und unter diesen war das Künstlerehepaar Peder S. Krøyer und Marie Krøyer das bedeutendste, bekannteste. Als das Paar aus Paris nach Dänemark zurückkehrte und Marie Krøyer, diese schöne Frau, nach der neuesten Pariser Mode gekleidet war ... da blickten alle Menschen diesem Paar hinterher, wie im Märchen. Da geht Marie, die schönste Frau Kopenhagens ....

... Das wundersame Märchen "Es war einmal ...."

1888 lernten sie sich kennen, ein Jahr später heiratete der 38-jährige Maler Peder S. Krøyer, genannt Søren, Marie Triepke (1867-1940) (Wiki). Marie war damals 22 Jahre alt. Ihre Eltern waren zwar Deutsche, lebten aber zumeist in Kopenhagen. In Augsburg jedoch fand die Hochzeit statt.

Der Stolz des Malers Krøyer auf Marie, die Begeisterung für sie ist auf keinem der vielen Bilder, die er von ihr gemalt hat, verhohlen. Weltberühmte Bilder sind darunter wie "Sommerabend am Skagener Südstrand" (1893) oder "Sommerabend am Strand von Skagen" (1899) (Wiki).

Abb. 3: Peder S. Krøyer - Ferdinand Meldahl, 1882

Für diesen Blogbeitrag ist nur eines der schönsten dieser Bilder von Marie herausgegriffen (siehe Abb. 1). Es steht den zeitgleichen Bildern eines Lovis Corinth wohl nicht nach. - Oder sollte der Pinsel geworfen werden nach demjenigen, der solche Vergleiche überhaupt anstellt? ... Kreuziget ihn, steinigt ihn!

Über viele Bilder von P. S. Krøyer, die einen nicht auf den ersten Blick beeindrucken, möchte man hinweg gehen, weil zunächst der Eindruck entsteht, es handele sich um etwas zu seichte, gar zu "melancholische", süßliche Bilder. Aber nein. Auf gar keinen Fall. Schaut man genauer hin, umfangen sie einen mit einer Atmosphäre so großen Friedens, einer solchen inneren Ruhe und Ausgeglichenheit. Das mag zum Beispiel auch gelten für das Gemälde "Hip, hip, hurra!" von 1888. Im Internet findet man, was die inzwischen schon verstorbene junge Bloggerin Linda 2016 über dieses Gemälde ganz richtig schrieb (Linda 2016) (3):
Auf einem Bild meines Lieblings-Skagenmalers, P.S. Krøyer wird auch ordentlich gefeiert. „Hip, Hip, Hurrah!“ ist der Titel eines seiner berühmten Werke (...). Das Bild zeigt einige der Skagenmaler, die vergnügt beisammen sitzen, anstoßen und offensichtlich etwas zu feiern haben. Ich mag das Bild sehr. Ich mag es auch, mit Freunden zusammen zu sein und das Leben zu genießen. Uns geht es so gut, daß wir das manchmal vergessen. Das Bild erinnert mich jedes Mal daran, daß mein Glück nicht selbstverständlich ist und ich es hüten muß wie einen Schatz.

Abb. 4: Søren und Marie Krøyer, Doppelportrait, 1890 (jeder von beiden malte den anderen)

Oft aber auch müssen wir überhaupt erst einmal diesen inneren Frieden in uns finden, der auf dem Gemälde ausgedrückt ist, um diesem Gemälde seinen ganzen Wert dann auch abgewinnen zu können.

1895 kam die Tochter Vibeke zur Welt. Die vielen gehaltvollen historische Fotografien dieser Zeit (1, 2) geben einen Eindruck von dem beseelten Familienleben, von dem Schönheitssinn in den damaligen Künstlerfamilien in Skagen, von ihren Wohnungen, ihren Einrichtungen. So vieles erinnert an Worpswede, an die Heimatbewegung, an diese große Sehnsucht nach Frieden, Schönheit, Geborgenheit, Ausgeglichenheit.

Wenn man das Glück sieht, die Gelassenheit, die innere Selbstsicherheit, die innere Erfülltheit, die auf diesen Gemälden und in den historischen Fotografien zum Ausdruck kommen, ist man betroffen, daß all dem nur grob zehn Jahre Dauer beschieden sein sollte. Was muß Søren Krøyer für ein Mensch gewesen sein, daß er all dem Ausdruck geben konnte, aber dann psychisch so sehr erkrankte, daß er zeitweise in die Nervenheilanstalt eingewiesen werden mußte (ab 1900). War es zu viel des Glückes für ihn geworden?

Im Mittelpunkt fast der meisten seiner bedeutendsten Gemälde steht immer nur sie, Marie. Sie, sie, sie. Nun, man erinnere sich: So gehört sich das doch eigentlich auch für einen großen Künstler. Könnte von Titian, könnte von Rembrandt, von Renoir, von Lovis Corinth oder wie sie alle heißen, könnte von ihnen etwa etwas anderes gesagt werden? Als daß "sie" im Mittelpunkt stand? Sie, sie, sie? Oh, wir Menschen, wir sind gebannt von Schönheit und sinken dann ins Grab.

Aber auch schon Krøyer's Portrait von Ferdinand Meldahl aus dem Jahr 1882 spricht unmittelbar an, aus einer Zeit, in der es Marie in seinem Leben noch nicht gab. So ruhig, so klar, so friedvoll (Abb. 3) (Wiki). Wer diesen - porträtierten - Menschen zum Freund hat - dem sollte doch eigentlich nichts Böses im Leben mehr geschehen, so ist der Eindruck. Und geschähe es doch, so wäre es zu bestehen - - - wie auch immer.

Hugo Alfvén, ein Komponist, tritt in die Welt der Maler


Der schwedische Komponist Hugo Alfvén (1872-1960) (Wiki, engl) wirkt  in dieser Welt der Skagen-Künstler fast ein wenig wie ein Fremdkörper. Und irgendwie hat ihn Krøyer auf seinem letzten großen Gemälde aus dem Jahr 1906 - "Sonnwendfeuer am Strand von Skagen" (Wiki) - auch so dargestellt: Nun, nach der Trennung Marie's von ihm ein Paar mit Hugo Alfvén. Der junge 30-jährige schwedische Komponist galt in diesem Kreis als oberflächlich. Dennoch verliebte sich die 35-jährige Marie auf Sizilien in ihn. Das zerrüttete ihre Ehe mit Søren zusätzlich zu dem Umstand seiner wiederholten psychischen Erkrankung.

Ihr Ehemann lud Hugo Alfvén schließlich zum Wohnen im gleichen Haus in Skagen ein. 1905 ging aus der Beziehung zwischen Marie und Hugo Alfvén die spätere Schauspielerin Margita Alfvén (1905-1962) (Wiki) hervor. Nach ihrer Geburt wünschte Marie die Heirat mit Hugo Alfvén. Dieser jedoch erklärte ihr - seinem Ruf als oberflächlicher Mensch offenbar tatsächlich gerecht werdend - er könne sie nicht heiraten, da er schon verlobt sei (4). Nun, man erinnere sich doch an so viele andere Künstler-Ehen und -Beziehungen der damaligen Zeit (von denen einige oben erwähnt wurden), um zu verstehen, daß auch ein solches Schicksal nicht gar so ungewöhnlich sein mußte.

Marie verbrachte dennoch seither die meiste Zeit mit Hugo Alfvén, ihre Tochter Vibeke auf deren Wunsch hin mit ihrem Kindermädchen bei ihrem Vater zurücklassend.

Abb. 5: Die Welt der Schären, die Welt von Hugo Alfvén

In die vormalige, hinreißende Idylle, in dieses friedvolle Leben, in diese glückliche Ehe war das Leid eingebrochen, tief - und fast eine Welt war unwiderbringlich zerstört. Man glaube nicht, daß moderne Verfilmungen (4) dem damaligen Leben gar zu leicht gerecht werden könnten oder würden. Dazu ist unsere Zeit zu weit von der damaligen entfernt. Dazu sind auch die seelischen Bedürfnisse der meisten Menschen von heute, auch der Filmschaffenden von der seelischen Erfülltheit der damaligen Menschen viel zu weit entfernt. Wer wollte diesen damaligen Zauber festhalten? Müßte er nicht selbst Künstler sein, von ähnlicher Sehnsucht erfüllt wie die Menschen und Künstler damals? Das wäre doch das mindeste ...

1909 starb der Maler so vieler kostbarer Gemälde mit 58 Jahren: Peder S. Krøyer. Konnte er für diese Welt ersetzbar sein? Nein. Und doch ist auch der Autor dieser Zeilen auf ihn erst nach dem 50. Lebensjahr zum ersten mal aufmerksam geworden. Ist Krøyer im deutschen Sprachraum ausreichend bekannt? Womöglich dürfen diesbezüglich Zweifel geäußert werden.

Hugo Alfvén und Marie Krøyer, sie heirateten 1912 doch, obwohl letztere wußte, daß ihr zweiter Ehemann auch Beziehungen zu anderen Frauen hatte. Sie wünschte sich für ihre beiden Töchter einen Vater. Alfvén hinwiederum hatte mit der Heirat auch deshalb gezögert, weil er zu Lebzeiten des bekannten Malers Krøyer fürchten mußte, um seines Ehebruches willen seine Stelle als Chorleiter in Uppsala zu verlieren.

Nun folgten noch einmal friedvolle Jahre. Ja, auch in Hugo Alfvén muß - vielleicht ebenfalls durch die Verbindung mit Marie Krøyer - ein Übermut gewachsen sein, ein Übermut, der sich spätestens im Jahr 1916 Ausbruch verschaffte in seinem berühmten "Tanz des Hirtenmädchens" (6).

Der "Tanz des Hirtenmädchens" (1916)


1916, als die Tochter Margita 11 Jahre alt war (und Vibeke 21), komponierte Hugo Alfvén das Ballett "Der Bergkönig" und darin den "Tanz des Hirtenmädchens" (6). Ist darin noch einmal die ganze Welt des Künstler-Idylls von Skagen vor 1914 zusammen gefaßt? Der Friede, der Übermut, die Lebensfreude, der Überschwang? Es handelt sich um ein Musikstück, das so viel Schwermut, so viel Mißmut vertreiben kann, ja, das allen Mißmut geradezu im Keim ersticken hilft.*) Darf man diesen Tanz vielleicht auch hören als eine Erinnerung an den so unbeschwerten, fröhlichen Maler Peder S. Krøyer, der sieben Jahr zuvor gestorben war, an seine Ehe, an das übermütige, stolze, selbstbewußte Glück dieser Ehe, das sich in allen seinen Bildern dieser Zeit wieder findet, und das der damalige Ehemann seiner Frau auch gönnte, als er selbst es - für sich - schon verloren hatte (siehe sein Gemälde von 1906)? Was für ein stolzer, freier Mensch muß Krøyer gewesen sein.

Peder S. und Marie Krøyer, Hugo Alfvén - sie gehören zu uns. Wir wollen uns durch all die schlimmen Schicksale, die zwischen uns und der fernen, vergangenen Zeit vor 1914 liegen, nicht mißmutig machen lassen, nicht uns den alten Übermut, nicht die alte Fröhlichkeit, die alte Sorglosigkeit, Unbeschwertheit, Gelassenheit nehmen lassen. Nein, sie gehören zu uns, immer, sie sind immer da. Wenn wir nur wollen. Niemand kann sie uns nehmen, niemand darf sie uns nehmen, niemand soll sie uns nehmen.

Niemand auch darf sich und andere im Unklaren lassen darüber, daß es die Frauen sind, die uns glücklich machen und die uns zu Hochleistungen in der Kunst und im Kulturleben anfeuern, begeistern, auffordern, ihre Schönheit, ihre Stille, ihre Ruhe, ihre Anteilnahme. Immer wieder ist das die Erfahrung, die der kulturbewußte, dem Seelischen aufgeschlossene Mensch machen muß, immer wieder ist das die Erkenntnis, zu der er zurück kehrt. Wohl ihm, wenn er zu dieser Erkenntnis zurück kehrt, zurückkehren kann.

Denn wie so oft, wie so leicht, wie so unendlich leicht lassen wir uns von unserem Weg abbringen.

Verfolgen wir noch ein wenig die privaten Schicksale weiter.

1928 wollte Hugo Alfvén sich scheiden lassen, seine Frau Marie wollte aber zu diesem Zeitpunkt nicht.

1936 wurde die Ehe dann dennoch geschieden.

Nach der Scheidung heiratete Hugo Alfvén Carin Wessberg (1891-1956) und blieb mit ihr bis zu ihrem Lebensende zusammen.

1940 starb Marie Krøyer. Sie starb mit 73 Jahren vereinsamt in Stockholm. Diese Frau. - Wir wissen oft nicht, wohin uns das Leben führt.

1957, ein Jahr nach dem Tod seiner zweiten Frau, schrieb Alfvén mit 75 Jahren im volkstümlichen Stil das Ballett "Der verlorene Sohn". Es handelt sich um anmutige, zauberhafte Melodien, vor allem Polka's (8). Auch der Satz manches wunderschönen Volksliedes stammt von Hugo Alfvén (9, 10). Hugo Alfvén hat auch Gemälde hinterlassen, er hat Lebenserinnerungen hinterlassen, die sehr schön zu lesen sein sollen und in denen viele Abenteuer aufgezeichnet sein sollen.

1959 heiratete Hugo Alfvén mit 77 Jahren sogar noch ein drittes mal, und zwar die 68-jährige Anna Lund (1891-1990).

Ein Jahr später, 1960, starb auch er. Seine Musik lebt weiter. So wie die Gemälde von Peder S. Krøyer noch viele Generationen fröhliche und beseelte Menschen gefangen nehmen werden, nicht zuletzt - - - von der Schönheit Marie's.

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*) Es gibt auch ein skandinavisches Saxophon-Quartett, das diesen "Tanz des Hirtenmädchens" sehr schön spielt (7). (Als Besonderheit kommt dazu, daß dessen junge Musiker auch optisch auffallen ...) 

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  1. Marie Krøyer - Fotografien, https://www.marie-kroyer.dk/
  2. Marie Krøyer - Fotografien, auch von Wohnung und Einrichtung, http://www.kunstnerhjemiskagen.dk/
  3. Linda: Die Skagenmaler - Søren und Marie Krøyer. Auf dem Internetblog "Dänemark, wo das Glück wohnt", http://www.xn--dnemarkwodasglckwohnt-51b97c.de/die-skagenmaler-soren-und-marie-kroyer/
  4. Marie Krøyer, Spielfilm, Dänemark 2012, (Wiki), http://net.adjara.com/Movie/main?id=3305http://zeilenkino.de/die-liebe-im-lichte-daenemarks-ueber-marie-kryer-von-bille-august
  5. Aaselind: Marie Krøyer, Danish Painter in Skagen. Kunstblog, 30.11.2012, https://aaselind.wordpress.com/category/hugo-alfven/
  6. Alfvén, Hugo: Tanz des Hirtenmädchens ("Vallflickans dans", engl. "Dance of the Shepherd Girl" oder "Hermaidens Dance") aus dem Ballett "Der Bergkönig" (Bergakungen"), op. 37 (1916-23), gespielt vom "Royal Scottish National Orchestra" geleitet von Niklas Willén, https://youtu.be/0sez0LzN3Sk?t=11m53s, auch: https://youtu.be/WavIvzYiV5o
  7. Alfvén, Hugo: Tanz des Hirtenmädchens, gespielt vom Skandinavischen Saxophon-Quartett (2011), https://youtu.be/Sd7z-WW4nro
  8. Alfvén, Hugo: Das Ballett "Der verlorene Sohn" ("Den förlorade sonen", engl. "The Podrigal Son") (1957), https://youtu.be/eHKoqbJYpvI
  9. Uti vår hage - Schwedisches Volkslied, Satz: Hugo Alfvén, https://youtu.be/6LPuMZ_gq6w
  10. Och jungfrun hun går i ringen, (Deutsch: Zum Tanze da ging ein Mädel), Schwedisches Volkslied, Satz: Hugo Alfvén, https://youtu.be/P_yAlO84LiE

Donnerstag, 8. März 2018

Wilhelm Furtwängler - Der bedeutendste Dirigent seiner Zeit

Die "Ära Furtwängler" und die "Ära Karajan" 
- Wären sie nicht geeigneter zur Benennung der Epocheneinteilungen des 20. Jahrhunderts überhaupt?

Das politische Geschehen des 20. Jahrhunderts war voller Abgründe und Ekelhaftigkeiten. Doch parallel dazu hat sich bis eine große Höhe der Geistigkeit und Kultur erhalten. Eigentlich ist dieser Umstand kaum verständlich. Auf der einen Seite eine solche Verworrenheit, eine solche Unzahl an Verbrechen an den Völkern und Kulturen - und auf der anderen Seite schwingt sich das Kulturleben - geradezu mühelos - immer wieder zu höchsten Höhen auf. Dieser Umstand wirft mancherei Fragen auf.

Eine der ersten könnte lauten: Warum sprechen wir hinsichtlich des Zwanzigsten Jahrhunderts eigentlich immer und zuerst von dem Jahrhundert einiger "bedeutender" Unheilsgestalten der Geschichte, von dem Jahrhundert Stalins, Hitlers, Churchills oder Roosevelts? Warum sprechen wir nicht lieber - zum Beispiel - - - - von dem Jahrhundert Wilhelm Furtwänglers, von dem Jahrhundert Herbert von Karajans? Muß man in letzter Instanz eine solche Kennzeichnung nicht für viel angemessener halten? Denken wir - sagen wir: bei der Eiszeit zuerst an die vielen Grausamkeiten, die zwischen Menschen vorkamen - oder an die Höhlenmalereien und Elfenbeinschnitzereien? Denken wir bei der antik-griechischen Kultur zuerst an die vielen Grausamkeiten - oder an die Bildwerke und Bauwerke, die wir bis heute bewundern? Denken wir beim Mittelalter an die vielen Grausamkeiten und unbarmherzigen Tyrannen - - - oder nicht doch eher an die Dome?

Und war es nicht gerade das sehr bewußte - oder unbewußte - Ziel aller Geschichtegestaltung des 20. Jahrhunderts, uns von der Kultur der Vorfahren zu trennen? Ist es denn gelungen? Nein, mühelos schwingt sich das Gottlied der Kultur über die Zeiten hinaus und bringt uns in Sphären würdigen Menschseins. Auch heute noch. Und so wollen wir heute den Blick einmal auf Wilhelm Furtwängler richten, einen der großen, bedeutenden Menschen des 20. Jahrhunderts.


Abb. 1: Wilhelm Furtwängler - (Wohl) Nachträglich kolorierte Aufnahme

Wilhelm Furtwängler (1886-1954) (Wikiengl) muß seine Zeitgenossen beeindruckt haben in einem Ausmaß wie man es sich heute wohl kaum noch vorstellen kann. Nur wenn auch heutige Musikexperten (1) und zahllose Dirigenten heutiger Zeit oder in der Zeit nach Wilhelm Furtwängler über Wilhelm Furtwängler sprechen, gewinnt man einen Eindruck davon. Für die meisten Dirigenten seit Wilhelm Furtwängler ist er das große Vorbild. Auch für Herbert von Karajan war er das große Vorbild (neben Toscanini). Vielleicht kann eine - sicherlich - nachträglich kolorierte Fotografie Furtwänglers etwas von dem Faszinierenden  der Persönlichkeit Furtwänglers einfangen und deutlich machen (Abb. 1).

Es gibt viele Möglichkeiten, sich über Leben und Persönlichkeit von Wilhelm Furtwängler kundig zu machen, auf Wikipedia, Youtube und in ("Offline-")Bibliotheken (1-34). Als erstes fällt da auf, daß zumindest gegenwärtig eine Annäherung an das Leben von Wilhelm Furtwängler über das englischsprachige Wikipedia viel leichter und differenzierter möglich ist als über das deutschsprachige. Insbesondere auf dieses englischsprachige wird im folgenden auch häufig Bezug genommen, zumal der hier vorliegende Beitrag bis auf weiteres ganz ohne Besuch von Offline-Bibliotheken verfaßt worden ist (der aber dringend zur Klärung vieler weiterer Fragen notwendig wäre).

In einer schon älteren Film-Dokumentation (die derzeit leider nur auf Englisch verfügbar zu sein scheint) (4) wird eine erste respektvolle Begegnung mit seinem Leben möglich. Man gewinnt insbesondere einen Eindruck von den Jugendjahren Furtwänglers, von einem Aufenthalt in Griechenland als junger Mensch als er seinen Vater zu einer Ausgrabung nach Ägina begleitete und von seinen Gefühlen, die er damals in Briefen an seine Verlobte zum Ausdruck brachte. Furtwänglers langjährige Privatsekretärin Berta Geissmar (Wiki, engl) schrieb 1944 über Furtwänglers Jugend (11; zit. n. engl. Wikipedia; eigene Übersetzung):
Furwängler wurde im Skifahren so gut, daß er fast Spitzen-Fähigkeiten darin erreichte. .... Fast jeder Sport zog ihn an: Er liebte Tennis, Segeln, Schwimmen .... Er war ein guter Reiter.
Im Internet findet sich eine Fotografie, wie Furtwängler Anfang der 1930er Jahre hoch zu Pferde zu einer Orchesterprobe in Bayreuth ritt. Es wird auch berichtet von seiner Liebe zum Bergsteigen und Klettern. Nach dem Namen seines Bruders ist sogar ein Berggipfel benannt, weil dieser aus dem Bergsteigen einen Beruf gemacht hat. All solche Dinge erscheinen einem doch wichtig, wenn man Furtwängler sonst in Bild- und Tondokumenten immer nur als älteren Dirigenten wahrnehmen kann.

1900 bis 1907 - Furtwänglers erste große Liebe


Abb. 2: Bertele von Hildebrand
Die erste große Liebe eines Lebens kann einen großen Glanz und hellen Schein über das ganze weitere Leben werfen. So jedenfalls scheint es bei Wilhelm Furtwängler gewesen zu sein. Er und seine Geschwister waren in guter Freundschaft verbunden mit den Kindern des Bildhauers Adolf von Hildebrand (1847-1921) (Wiki, engl). Man musizierte gemeinsam, man machte gemeinsame Touren in die Berge. Und eine der Töchter der Hildebrands war Bertele von Hildebrand. Beide lernten sich im Jahr 1900 kennen als Furtwängler 15 Jahre alt war. Schon ein Jahr später verlobten sie sich. Und sie blieben fünf Jahre miteinander verlobt, bis zu Furtwänglers 20. Lebensjahr. Es scheint sich bei beiden um frühreife Menschen gehandelt zu haben. Sie bezeichneten beide die Verlobung später als Ehe. 1909 heiratete Bertele den Komponisten Walter Braunfels (1882-1954) (Wiki) (33). Und es wird berichtet, was Bertele nach dem Tod beider Männer über ihre Beziehung zu Furtwängler erzählte (34, S. 32):
Die Beziehungen zwischen Wilhelm Furtwängler und Walter Braunfels blieben zeitlebens davon überschattet, daß der Komponist Bertele von Hildebrand geheiratet hatte, die mit Wilhelm Furtwängler verlobt gewesen war. Drei Jahre nach beider Tod schilderte Bertele Braunfels die entscheidende Begegnung mit dem gleichaltrigen „Willy“ im Dezember 1900: „den jungen Furtwängler sah ich erst wieder, als er vierzehn Jahre alt war. ... Er war vollkommen ausgewachsen (wurde da auch gleich 15 Jahre alt), sehr schlank und groß; blondes wild gelocktes Haar; sehr starke Augenbrauen über seinen feurigen, schönen, ausdrucksvollen Augen. ..... Er hatte etwas Sieghaftes und machte mir gleich einen riesen Eindruck. ... Im darauffolgenden Winter verlobten wir uns. ... Wir glichen Zweien, die tief verbunden in großer Liebe durch Länder ziehen. Nicht versunken ineinander, sondern in die Herrlichkeit, die uns aufging und uns umgab, und das Hauptland war die Musik, durch das er mich führte. Nach fünf Jahren fühlten wir „die Qualen der langen Verlobung, waren längst reif zu heiraten, aber viel zu jung. ... Er schrieb auch viel weniger, kam dann zu Weihnachten auf ein paar Tage und löste selbst die Verlobung auf. ... Plötzlich wachte er dann auf und das war furchtbar. ... Er schrieb mir: All das vom Fortgehen ist ja falsch, ich will dich wiedersehen so bald wie möglich, ich laß mir meine Hoffnung nicht nehmen.“ Furtwänglers Werben blieb jedoch vergeblich, Bertele von Hildebrand hatte sich inzwischen Walter Braunfels zugewandt, den sie 1909 heiratete. Die Briefe, die Willy und Bertele während ihrer Verlobungszeit gewechselt hatten - sie bezeichneten sie im Rückblick als Ehe - bewahrten sie beide auf.
Abb. 3: Bertele von Hildebrand
in der Verlobungszeit mit Furtwängler
Es scheint: Wer einmal im Leben so starke, nach innen gekehrte und gerichtete Liebe erlebt hat und wer zugleich manche geniale Begabung in sich trägt, aus dem muß danach etwas werden. Es muß geradezu so sein. Eine große Liebe kann durch ein ganzes Leben tragen. - Der Autor dieser Zeilen möchte an dieser Stelle einmal nicht verschweigen, dass ihn die Fotografie von Bertele, insbesondere Abbildung 1, sehr stark an seine eigene erste grosse Liebe erinnert, wobei auch bei dieser eine Begabung im Bereich der Musik, ja, des Komponierens vorlag. Und er möchte aus eigener Erfahrung sagen, dass so etwas das eigene, weitere Leben in tiefer, ja tiefster Weise prägen kann, sowohl was den Anspruch an das Leben betrifft, das Wissen um die Möglichkeiten seelischens Seins - als auch, insofern es ein Wissen um die grossen Gefährdungen eines solchen mit sich bringen kann.

1907, als Furtwängler 21 Jahre alt war, starb sein Vater. Furtwängler mußte nun für seinen Lebensunterhalt selbst sorgen. Er tat dies mit Dirigieren.

In einer ganz hervorragenden BBC-Radiodokumentation aus dem Jahr 1964 (3), veröffentlicht zehn Jahre nach dem Tod Furtwänglers, erhält man ebenfalls einen geradezu hinreißenden Zugang zu dem Musizieren Furtwänglers. Zu dieser Zeit zitterte sozusagen die Erinnerung an Furtwänglers Musizieren in der Musikwelt weltweit noch "nach". Dieser Umstand kommt in vielen gebrachten Interviews zum Ausdruck. Um sich in die englische Sprache der Sendung hinein zu hören, macht es Sinn und es lohnt sich, einzelne Passagen der Sendung zwei mal zu hören.

Als Furtwängler 1921 in Hannover die 8. Sinfonie Bruckners dirigierte (3)(5'03ff), sagte der Orchesterleiter einen Tag nach dem Konzert zu seinem Schüler: "Ja, es war ein wundervolles, wundervolles Konzert, aber er holt die Seele aus einem heraus, deshalb kann man so etwas höchstens zwei mal im Monat machen, es wäre sonst zu harte Arbeit für uns." Es waren seine Aufführungen der Bruckner-Sinfonien, mit denen Furtwängler seine frühen Erfolge hatte.

Insbesondere die Wiedergabe des Cembalo-, bzw. Klaviersolos des Brandenburgischen Konzerts Nr. 5 von Johann Sebastian Bach, gespielt von Furtwängler selbst, zieht einen unmittelbar in Bann (3) (etwa 11'00). Auch das, was Berthold Goldschmidt, Hans Keller und Daniel Barenboim über Furtwänglers Bach-Interpretation sagen, ist sehr interessant (3) (10'25-16'32):
Die Kritik mochte Furtwänglers Bach nicht, obwohl sie den enormen Erfolg seiner Aufführung der Brandenburgischen Konzerte anerkannte. Bei der nächsten Probe sagte Furtwängler dazu: "Zu viele Menschen denken, daß wenn sie von der Musik von Bach nicht gelangweilt sind, sie nicht im richtigen Stil gespielt worden ist."
Auch die gebrachte Interpretation einer Bruckner-Sinfonie, zu der womöglich ansonsten nicht jeder leicht Zugang finden würde, spricht unmittelbar an. Ab 44'33 erzählt eine Tochter - offenbar eines Fahrers oder Hausmeisters von Furtwängler über diesen (3) (44'33):
Ich erinnere mich immer an seine Kraft sich zu konzentrieren, die etwas wirklich sehr Außerordentliches war. Seine Art, in der er aus dem gewöhnlichen, alltäglichen Leben heraus und hinüber wechseln konnte zu seinem eigenen Leben. Zum Beispiel konnte er eine halbe Stunde vor dem Beginn seines Konzerts beim Essen sitzen und wenn mein Vater kam und sagte: "Sie müssen jetzt kommen, der Wagen steht schon draußen", dann konnte er sagen: "Oh, ... warten Sie einen Moment, ich möchte ein kleines Nickerchen machen." Und auf seinem Stuhl sitzend schlief er für fünf Minuten ein. Und als er wieder aufwachte, war er in einer völlig anderen Welt. Man konnte ihn immer noch ansprechen und er antwortete auf die Fragen. Aber irgendwie war er weit weg.
Er konnte zwei Stunden im Garten sitzen und ganz ohne Partitur vor einem imaginären Orchester dirigieren, ohne sich um die Kinder zu kümmern, die um ihn herum spielten, so erzählt sie.

Der "Damenwald" hinter Wilhelm Furtwängler


Über Furtwänglers sehr besonderes Verhältnis zu Frauen berichtet die langjährige Privatsekretärin, mit der Furtwängler auch lange Telefonate führte, die später von der Gestapo abgehört wurden, womit ihn die Nazis auch zu erpressen versuchten (zit. n. Wiki):
Er war ein Genie, zusammengesetzt aus intellektueller Direktheit und fast exzessiver Schüchternheit, dessen Ängstlichkeit ihn bei jedem gesellschaftlichen Anlaß geradezu unsichtbar machte, der aber eine so große Anziehungskraft auf Frauen ausübte, daß sie, wenn sie nicht seinem musikalischen Genie zum Opfer fielen, stark von seiner Persönlichkeit eingenommen wurden.
A "genius compounded of intellectual directness and an almost excessive shyness: whose timidity made him efface himself in any gathering, but who had such a great attraction for women that, if they did not fall victim to his musical genius, [they] were fascinated by his personality."
Und von solchen Frauen scheint es unglaublich viele gegeben zu haben. Seine zweite Ehefrau spricht von einem ganzen "Damenwald", der hinter Furtwängler gestanden habe, als sie ihn 1940 kennenlernte (7). Indem man sich diese Frauenbekanntschaften ansieht, bekommt man zugleich auch einen guten Einblick in das deutsche Kulturbürgertum der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Denn diese Frauen stammen mehrmals aus recht bekannten Familien. Im Internet findet man dazu aber einstweilen nur bruchstückhafte Ausschnitte. Das folgende wird also künftig nach Bibliotheksbesuch noch zu ergänzen sein.

Furtwängler hatte zwei Söhne und vier Töchter: Wilhelm (Geburtsjahr nicht bekannt), Dagmar (geb. 1920), Friederike (geb. 1921), Iva (geb. 1922), Almut (geb. 1934) und Andreas, sein letztes Kind. Sie hatten wohl alle andere Mütter.

Seit 1911 kannte Furtwängler die Schauspielerin Elisabeth Huch (1883-1956), eine Tochter der deutschen Schriftstellerin Marie Huch (1853-1934) (Wiki), (Diese war wiederum Tochter des deutschen Schriftstellers Friedrich Gerstäcker (1816-1872) (Wiki), eines zu seiner Zeit sehr bekannten und viel gelesenen Reiseschriftstellers. Er schrieb im etwas "gefühlvollen" Stil der damaligen Zeit.) Furtwängler wollte Elisabeth Huch heiraten. Aber da sie zwei Jahre älter war als er, wollte sie darauf nicht eingehen. Und das, obwohl er zeitlebens für sie die große Liebe ihres Lebens war und blieb. So berichtet es ihre gemeinsame Tochter Friederike Huch (spätere verheiratete Kunz) 2010 (8). Als sie ihn später dann doch heiraten wollte, so erzählt die Tochter weiter,
war er berühmt geworden und hatte unendlich viele Erlebnisse.
Gemeint ist natürlich: mit Frauen. Aus diesen Frauenbekanntschaften, -affären und aus den Beziehungen mit diesen gingen mehrere uneheliche Kinder hervor. 1920 wurde (offenbar) Furtwänglers uneheliche Tochter Dagmar Bella geboren (MyHeritage), die spätere Pianistin Dagmar Bella-Sturli (1920-1999), die (offenbar) mit ihrem Vater auch Konzerte gab (s. Google Gruppen). Außerdem gab es noch den unehelichen Sohn Wilhelm "Willi" Furtwängler.

Abb. 4: Wilhelm Furtwängler, 1920er Jahre
1921 wurde die schon genannte Tochter Friederike Huch in München geboren. Sie ist Anfang der 1940er Jahre Schauspielerin geworden und wurde selbst nach dem Krieg Mutter von sieben Kindern. In einem Interview des Jahres 2010 blickt sie sehr gelassen auf ein rundum erfülltes Leben zurück. Sie sagt auch, daß sie ein ausgesprochenes Wunschkind ihrer Mutter gewesen war (8). Und ähnliches berichtet Furtwänglers zweite Ehefrau Elisabeth auch über die anderen unehelichen Kinder Furtwänglers, die in dieser Zeit geboren wurden (n. Shirakawa):
Die Frauen, von denen er Kinder hatte, waren alle über dreißig und sie wußten alle sehr genau, was sie taten - Sie verstehen, was ich meine. Wilhelm aber hatte niemals im geringsten die Absicht, sie zu heiraten, auch wenn er mit ihnen immer in gutem Einvernehmen blieb.
Eine seiner Geliebten war eine Frau Hutchinson, die 1922 die gemeinsame Tochter Iva Hutchinson auf die Welt brachte. Er hatte offenbar mit Mutter und Tochter noch bis 1935 einen gemeinsamen Haushalt. Sie lebten in München. 1935 aber kam es aber (offenbar) zu einer Trennung mit ihr. Die Beziehung hatte unter den langen Zeiten der Abwesenheit Furtwänglers gelitten. Eine Bekannte war bei einem Gespräch beider miteinander anwesend und schrieb anschließend in einem Privatbrief (GB):
Da er die Frau zu lange allein ließ, ist nun vieles schwierig geworden. (...) Darum reist er ab.
Verstanden war dies von ihr so, daß Furtwängler um der Trennung von dieser Frau willen 1935 die ihm angebotene Stelle in New York annehmen wollte, die er dann doch nicht annahm, was auch viele politische Gründe und Folgen hatte.

Am 22. Mai 1923 heiratete Furtwängler die gleichaltrige Dänin Zitla Lund, eine außerordentlich schöne Frau, die er erst drei Monate zuvor kennen gelernt hatte. Zitla Lund war zum Zeitpunkt des Kennenlernens in zweiter Ehe mit einem Millionär verheiratet gewesen. Aber Furtwänglers außerordentlicher Charme scheint ausgereicht zu haben dafür, daß sie sich sofort scheiden ließ, um Furtwängler zu heiraten. Elisabeth Furtwängler erzählte dem Furtwängler-Biographen Shirakawa, daß Zitla ihr einmal gesagt habe, daß sie so wohlhabend geblieben wäre, wenn sie mit ihrem zweiten Ehemann zusammen geblieben wäre, und daß sie sich wundern muß, warum sie ihn für Furtwängler verlassen habe. (Die zweite Ehefrau Wilhelm Furtwänglers macht in vielen ihrer Äußerungen einen gefühlsmäßig außerordentlich "nüchternen", ja, unbeseelten Eindruck, so daß man sich wundern muß, daß Furtwängler mit ihr sein letztes Lebensjahrzehnt verheiratet war. Das Interview mit ihr muß nicht unbedingt den besten Eindruck von Furtwängler selbst und auch von ihr geben. Auch in den eben getätigten Ausführungen hebt sie außerordentlich materielle Motive für das Bedauern darüber hervor, sich haben scheiden zu lassen um eines anderen Mannes willen.) Die Anziehung zwischen Zitla Lund und Wilhelm Furtwängler scheint nicht von langer Dauer gewesen zu sein, beide scheinen schon ziemlich bald nach der Hochzeit andere Beziehungen eingegangen zu sein. - Die Schauspielerin Irmgard (Irme oder Irma) Schwab (1905-1995) (MyHeritage) (GB) stammte aus Weil der Stadt und wurde dort (nach freundlichen Auskünften von W. Schütz, Stadtmuseum Weil der Stadt)
1905 als Tochter des praktischen Arztes Dr. med. Ernst Schwab (*23.10.1863 in Öhrringen, † 11.9.1907 in Weil der Stadt) und seiner  Ehefrau Agnes, geb. Schöninger (Tochter des Ochsenwirts August Schöninger  in Weil der Stadt) geboren. Sie lebte in der Nachkriegszeit in Weil der Stadt, später in München.
1934 hat sie die gemeinsame Tochter Almut bekommen, spätere verheiratete Hahn. In der Ausgabe der Furtwängler-Briefe aus dem Jahr 1965 sind auch Briefe an seine Tochter Almut enthalten und es ist in den Briefen von ihr die Rede (GB). Bis 1941 hatte er fünf bekannte uneheliche Kinder. Und manche vermuteten, daß es noch uneheliche Kinder gab, die nicht bekannt wurden. (Wenn jetzt die Menschen - wie der Autor dieser Zeilen - auf MyHeritage ihre Gene sequenzieren lassen, könnten noch weitere Nachkommen Furtwänglers festgestellt werden.)






Auf die berufliche Karriere Furtwänglers soll im vorliegenden Beitrag nicht eingegangen werden, auch nicht auf die vielen überlieferten Tonaufnahmen von Konzerten, die Furtwängler gegeben hat. Von diesen kann man sich ja auf Youtube heute leicht einen Eindruck verschaffen.

1933 - Für Furtwängler sind die Nazis eine "Schweinerei"


Kraftvoll setzte sich Furtwängler 1933 und danach für deutsches Kulturbewußtsein ein. Es ist eine Freude, Furtwängler zu erleben, wie geradezu "saftig" er es den Nazis wieder und wieder "gab". Und es ist hochgradig bedauerlich, daß so viele Verehrer Furtwänglers im In- und Ausland sich darüber noch heute oft so wenig scheinen freuen zu können, nur weil Furtwängler in späteren Jahren des Dritten Reiches - gegen seine eigenen Prinzipien - zwei oder drei Konzerte mit eindeutigerem politischen Bezug gegeben hat. Meines Erachtens fällt das kaum ins Gewicht, wenn man sieht, mit welcher lebendigen Freudigkeit der Furtwängler die Nazis aus tiefster Seele verachtet und gehaßt hat und wie er auch - zumindest in den Anfangsjahren - dabei aus seinem Herzen nie eine Mördergrube gemacht hat. In der deutschen Musik geschah damals das gleiche wie in der deutschen Physik und Naturwissenschaft: Hervorragende Wissenschaftler jüdischer Herkunft verloren ebenso ihre Stellen wie hervorragende Künstler jüdischer Herkunft. Furtwängler stand an der Spitze des deutschen Musiklebens. Und er wurde seiner Stellung vollkommen gerecht. Anfang Mai 1933 schrieb er an Goebbels ein sehr, sehr schönes Schreiben, aus dem nur die folgenden Kernsätze gebracht seien. Den Kampf der Nationalsozialisten gegen die Verflachung des Kulturlebens begrüßte Furtwängler, aber, so schrieb er weiter:
 
Wenn dieser Kampf sich auch gegen wirkliche Künstler richtet, ist das nicht im Interesse des Kulturlebens. Schon weil Künstler, wo es auch sei, viel zu rar sind, als daß irgendein Land sich leisten könnte, ohne kulturelle Einbuße auf ihr Wirken zu verzichten. Es muß deshalb klar ausgesprochen werden, daß Männer wie Walter, Klemperer, Reinhardt usw. auch in Zukunft in Deutschland mit ihrer Kunst zu Worte kommen müssen. Deshalb noch einmal: Unser Kampf gelte dem wurzellosen, zersetzenden, verflachend destruktiven Geiste, nicht aber dem wirklichen Künstler, der in seiner Art immer, wie man seine Kunst auch einschätzen möge, ein gestaltender ist und als solcher aufbauend wirkt. 
Ich unterstreiche seine Worte drei und vier mal. Im Juni 1933 notierte er sich in Vorbereitung auf ein Gespräch mit Goebbels (zit. n. Wiki): 
Die jüdische Frage in der Sphäre der Musik: eine Rasse brillanter Leute! 
(Rückübersetzt von: "The Jewish question in musical spheres: a race of brilliant people!")
Auch diesen Satz unterstreiche ich drei oder vier mal und freue mich an ihm. Die Nazis waren Barbaren. Punkt. 1934 nannte Furtwängler Hitler öffentlich einen "Feind der Menschheit" und die politische Situation in Deutschland eine "Schweinerei". Und daran soll man sich nicht freuen? Im September 1935 berichtete der Bariton Oskar Jölli, ein Parteimitglied, an die Gestapo, daß Furtwängler gesagt hatte (zit. n. Wiki):
Die an der Macht sollten alle erschossen werden, es wird sich nichts ändern, so lange das nicht geschehen ist.
Ob man Erschießen befürworten soll, bleibe dahin gestellt. Das ist einem Rechtsstaat nicht angemessen. Erich Ludendorff zum Beispiel hatte in jener Zeit gefordert, sie sollten alle vor Gericht gestellt werden, das hätte ja reichen sollen. Bis Januar 1936 durfte Furtwängler auf Befehl Hitlers nicht mehr dirigieren. Dann boten ihm Hitler und Goebbels teure Geschenke an. Furtwängler lehnte sie ab. Hitler gegenüber war er keineswegs derart bestechlich wie es etwa Paul von Hindenburg war, dessen Bereitschaft zur Ernennung Hitlers zum Reichskanzler mit seinem hoch verschuldeten ostpreußischen Gut Neudeck "erkauft" werden konnte von den Nazis (siehe andere Beiträge hier auf dem Blog). In Bayreuth kam es erneut zu einem Gespräch zwischen Hitler und Furtwängler. Ein Mitglied der Familie Wagner - Friedelind Wagner (1918-1991) (Wiki, engl) - erlebte es persönlich mit und berichtete darüber (in Rückübersetzung) (zit. n. Wiki): 
Ich erinnere mich, daß sich Hitler an Furtwängler wandte und ihm sagte, daß er sich dazu durchringen solle, sich für Propagandazwecke der Partei benutzen zu lassen, und ich erinnere mich, daß Furtwängler das kategorisch ablehnte. Hitler wurde wütend und sagte Furtwängler, daß für diesen Fall ein Konzentrationslager für ihn bereit stünde. Furtwängler antwortete leise: "In diesem Fall, Herr Reichskanzler, wäre ich wenigstens in guter Gesellschaft." Hitler konnte noch nicht einmal antworten und verließ den Raum. 
(Rückübersetzung von: I remember Hitler turning to Furtwängler and telling him that he would now have to allow himself to be used by the party for propaganda purposes, and I remember that Furtwängler refused categorically. Hitler flew into a fury and told Furtwängler that in that case there would be a concentration camp ready for him. Furtwängler quietly replied: "In that case, Herr Reichskanzler, at least I will be in very good company." Hitler couldn't even answer, and vanished from the room.)
Was für herrliche Worte, die da einem Diktator ins Angesicht gesprochen wurden. Furtwängler brachte Hitler dieselbe Haltung entgegen wie zu gleicher Zeit - unter anderem - das Ehepaar Erich und Mathilde Ludendorff, dem Hitler ja auch verschiedentlich mit KZ und Ermordung drohte. Und über all das soll man sich nicht freuen? Nun, vieles davon wurde ja damals in der großen Öffentlichkeit gar nicht bekannt. Und zumindest der große italienische Dirigenten-Kollege Furtwänglers, Toscanini, freute sich gar nicht über Furtwängler. Er kritisierte auf den Salzburger Festspielen desselben Jahres Furtwängler dafür, daß er überhaupt für das Dritte Reich arbeite. Furtwängler versuchte, sich durchgehend an den Grundsatz zu halten, daß er Politik und Kunst voneinander streng trennte. Nur bei ganz wenigen Gelegenheiten gelang es den Nationalsozialisten, ihn zu übertölpeln oder mehr oder weniger zu erpressen, diesen Grundsatz nicht einzuhalten. Furtwängler jedenfalls war klar wie selten jemand dem deutschen Widerstand gegen Hitler und den Nationalsozialismus zuzurechnen.


Abb. 5: Furtwängler und der Bühnenbildner Emil Preetorius (Wiki) in Bayreuth 1937

Furtwängler kritisierte in einem Brief an Winifred Wagner, den er zugleich an Hitler, Göring und Goebbels schickte, daß sie das Erbe Richard Wagners verraten würde, indem sie rassische und nicht künstlerische Maßstäbe bei der Wahl der Künstler anwende würde, und indem sie ihr "Vertrauen in die Macht des autoritären Staates" setze.  Furtwängler war also immer noch absolut freimütig.


Furtwängler hatte in seiner Jugend von einem Schüler seines Vaters zeitweise Klavierunterricht erhalten. Es war dies der Archäologen, Kunsthistoriker und Musikwissenschaftler Walter Riezler (1878-1965) (Wiki), der damals auch Hauslehrer in der Familie von Hildebrand war. 1933 hat Riezler - als Befürworter der modernen Kunst - seine Stellung als Museumsleiter in Stettin verloren, ebenso wie die von ihm heraus gegebene Kunstzeitschrift "Form". 1936 veröffentlichte Riezler aus seiner Zurückgezogenheit heraus ein Beethoven-Buch. Furtwängler schrieb dafür das Vorwort. 1938 erschien das Buch auch in den USA (35).

Gleich nach dem Anschluß Österreichs im März 1938 sah Furtwängler eine Hakenkreuzfahne in dem Wiener Konzertsaal, in dem er dirigieren sollte. Er ließ sie abhängen, bevor er anfing zu dirigieren. Weiterhin: absolut freimütig.

1939 nahm er den Orden der Ehrenlegion der französischen Regierung an. Das wurde in Deutschland als Affront empfunden und in der deutschen Presse durfte darüber nicht berichtet werden. Er handelte weiter absolut freimütig.


Nach Beginn des Krieges weigerte sich Furtwängler allezeit, in von Deutschland besetzten Gebieten - insbesondere in dem von ihm sehr geliebten Frankreich - zu konzertieren. Nur bei einem Konzert in Prag machte er eine Ausnahme. Und dort spielte er den Nationalkomponisten der Tschechen: Smetana.


1940 - Seine zweite Ehe bahnt sich an


Nun noch ein Blick in sein Privatleben in dieser Zeit. Zwischen 1936 und 1940 war Wilhelm Furtwängler - unter anderem - mit Maria Daelen befreundet und liiert, eine Ärztin, die vorher schon mit vielen anderen Männern liiert war. Sie stammte aus der ersten Ehe ihrer Mutter Katharina von Kardorff-Oheimb (1879-1962) (Wiki). Letztere war eine privat, frauenrechtlich und politisch umtriebige Frau gewesen. Sie galt zeitweise - Mitte der 1920er Jahre - als politische Beraterin des deutschen Reichskanzlers Gustav Stresemann
(Wiki). Sie war in ihrem Leben mit vier Ehemännern verheiratet und hatte sechs Kinder bekommen. Ihr bekannter und einflußreicher liberaler politischer Salon in Berlin wurde - beispielsweise - 1930 in einem Gedicht von Kurt Tucholsky verspottet. Der Tenor des Gedichtes lautete: Sie könne noch so geziert-betulich-geistreich fortschrittlich sein in ihrem Salon, die roten Arbeiterbataillone seien "schneller" als sie und würden über sie und ihr Wirken hinweg gehen. Und wie nebenbei wirft dieses Gedicht ein Licht auf die Frage, warum so viele Deutsche damals die NSDAP gewählt haben. - Über ihre Tochter Maria Daelen nun lernte Furtwängler auch deren jüngere Halbschwester kennen, die damalige Elisabeth Ackermann, die aus der zweiten Ehe der gemeinsamen Mutter hervorgegangen war. Im Juni 1940 wurde diese Elisabeth Ackermann mit vier Kindern Kriegerwitwe, nachdem ihr erster Mann als Soldat in Paris beim Hantieren mit Schußwaffen tödlich verunglückt war. Viele Details über ihr Leben hat diese Elisabeth Furtwängler (1910-2013) (Wiki) erst 2007 in einem Buch veröffentlicht, über das es im Klappentext heißt (Amaz, 2007):

Mit vier Kindern und im Alter von 30 Jahren wird sie Kriegerwitwe und lernt 1940 den 25 Jahre älteren Dirigenten kennen. Er ist mit Maria, ihrer Lieblingsschwester liiert. Daß er sich für Elisabeth entscheidet, ist der Ausgangspunkt tiefgreifendster Konflikte. Davon zeugen die etwa 500 Briefe, von denen in diesem Buch zum ersten Mal eine prägnante Auswahl abgedruckt wird. Die Dokumente zeigen ganz neue Facetten des Musikgenies Furtwängler und geben einen tiefen Einblick in das Innenleben seiner ihm ergebenen und doch selbstbewußten Ehefrau.
In dieses Buch also muß unbedingt noch ein Blick geworfen werden, wenn ein vollständiges Bild von Person und Wirken von Wilhelm Furtwängler gewonnen werden soll. Im Sommer 1941 schickt Wilhelm Furtwängler Elisabeth Ackermann sein Porträt mit Widmung und zeigt ihr sein Haus in Potsdam. Seinen Annäherungsversuch, der heute recht eindeutig als "sexuelle Belästigung" gelten würde, weist sie da noch mit einem kräftigen Rippenstoß zurück. Aber am 1. Januar 1942 fahren die beiden Schwestern nach Wien, um Furtwängler zu treffen. Und dort verliebt sich Elisabeth in Wilhelm Furtwängler. Das charakterisiert sie im Interview sehr schön. Es sei gewesen, wie wenn Amor seine Pfeile versendet und dabei ganz "Unschuldige" träfe. Eine irre Zeit! Und irgendwie auch irre Leute. Nun durfte sie Furtwängler auch küssen. Und sie war am Abend danach damit "zufrieden". Und nun begann ein intensiver Briefwechsel zwischen Wilhelm Furtwängler und Elisabeth Ackermann. Im Juni 1942 sahen sie sich in Heidelberg wieder, wo die Mutter Furtwänglers lebte. Furtwängler sprach ihr gegenüber gleich von Ehe. Elisabeth sagte im Interview noch lange nach seinem Tod dazu:
Ehe - der Furtwängler, ausgerechnet er, mit diesem - ich meine, wie soll ich sagen - "Damenwald" hinter ihm!
Wie gesagt: Irre Leute. Nun, und doch wurde diese Ehe schließlich geschlossen, in aller Heimlichkeit. Aber das "Ja!" habe Furtwängler sehr laut heraus gerufen auf dem Standesamt.



Abb.: Wilhelm Furtwängler (1944?)


1944 - "Große Hochachtung bringt der Führer Furtwängler entgegen"


Zurück zur Politik. Zu dieser können im vorliegenden Beitrag natürlich noch nicht alle Zusammenhänge vollständig dargestellt werden. Aber am 4. März 1944 schreibt Joseph Goebbels in sein Tagebuch:

Große Hochachtung bringt der Führer Furtwängler entgegen. Er hat sich in nationalen Fragen tadellos benommen; das werden wir ihm nach dem Kriege nicht vergessen. Der Führer hat angeordnet, daß ihm ein Bunker gebaut ...
Dieser Bunker wurde ihm tatsächlich in sein Wohnhaus in Berlin gebaut. Furtwängler weigerte sich aber, ihn zu benutzen. Er ließ sich weiterhin nicht kurzerhand "Geschenke" geben. Goebbels schrieb weiter in sein Tagebuch:

Er ist nie Nationalsozialist gewesen, hat auch nie ein Hehl daraus gemacht.
Das hätte Juden und Emigranten ausgereicht, um ihn als einen der ihren zu erachten, als eine Schlüsselfigur der sogenannten "inneren Emigration". Furtwänglers Haltung gegenüber ihnen, den Nationalsozialisten, hätte sich nie geändert. Er sei eine "Persönlichkeit aus einem Guß", auch sei er im Bombenkrieg nicht aus Berlin "ausgerissen wie viele andere sogenannte Künstler", sondern habe sich voll in den Dienst seines Berliner Publikums gestellt. Englisch (zit. n. Wiki):
"Furtwängler has never been a National Socialist. Nor has he ever made any bones about it. Which Jews and emigrants thought was sufficient to consider him as one of them, a key representative of so-called 'inner emigration'. Furtwängler['s] stance towards us has not changed in the least ...."
Nun, was von dem "Lob" eines Joseph Goebbels zu halten ist - nach der einen oder anderen Richtung hin - ist ja allgemein bekannt. Wenn es im Dritten Reich auch viele "falsche Fufziger", verlogene Politiker gab - Goebbels war sicherlich einer der verlogensten unter ihnen. Der Justizminister Gürtler sagte dazu in anderem Zusammenhang, daß Goebbels es fertig brächte, noch aus der hell leuchtendsten Wahrheit ein Lüge zu machen.
 

1946 - Wilhelm Furtwänglers "Entnazifizierung"


Ein Mann wie Wilhelm Furtwängler mußte "entnazifiziert" werden, man glaubt es kaum. Und nichts ist kennzeichnender für diese sogenannte "Entnazifizierung" wie dieser Umstand. Der zum Deutschenhasser und "Antideutschen" gewandelte deutsche Schriftsteller Thomas Mann, der schließlich sogar Kriegsverbrechen wie die Zerstörung seiner Heimatstadt Lübeck schönredete, schrieb - wie konnte es wohl anders sein - eine Schrift gegen Wilhelm Furtwängler, den auch er bis 1933 verehrt hatte. Am 6. August 1946 hatte ein "Deutscher Prüfungsausschuß" festgestellt:
Der Deutsche Prüfungsausschuß ist der Ansicht, daß Herrn Dr. Wilhelm Furtwängler das Dirigieren gestattet werden kann. Der Ausschuß ist nicht der Ansicht, daß Herrn Dr. Furtwängler zur Zeit eine direktorale Tätigkeit übertragen werden sollte.
In der Begründung hieß es:
Belastend für Herrn Dr. Furtwängler ist, daß er den Widerstand, den er anfangs gegen die kulturpolitischen Forderungen des Dritten Reiches leistete, 1935 aufgab und von diesem Zeitpunkt ab - zumindest für die deutsche Öffentlichkeit - mit dem Gewicht seiner künstlerischen Bedeutung den kulturellen Interessen des Dritten Reiches diente. Diesem Verhalten stand keine antifaschistische Aktion von Bedeutung gegenüber.
Nun, er hatte nicht den kulturellen Interessen des Dritten Reiches gedient, sondern den kulturellen Interessen Deutschlands. Aber das konnten Leute wie Thomas Mann und Menschen seines Geistes damals nicht mehr auseinander halten. Furtwängler beantragte schließlich auf eigenen Wunsch einen Entnazifizierungsprozeß gegen sich. Das Vorgespräch dazu fand am 10. Dezember 1946, die Verhandlung fand am 11. und 17. Dezember 1946 statt. Furtwängler sagte darin gegen die Kritik von Thomas Mann (zit. n. Kanzog 2013):
Meint Thomas Mann wirklich, daß man im Deutschland Himmlers nicht Beethoven musizieren durfte? Konnte er sich nicht denken, daß niemals Menschen es nötiger hatten, es inniger und schmerzlicher ersehnten, Beethoven und seine Botschaft der Freiheit und Menschenliebe zu hören, zu erleben, als gerade die Deutschen, die unter dem Terror Himmlers leben mußten? Ich konnte Deutschland in seiner tiefsten Not nicht verlassen!
Erst in letzter Zeit findet mehr Berücksichtigung, daß Furtwängler in Deutschland den Unterhalt zu zahlen hatte für fünf Kinder, daß diese Kinder unter seinem Schutz standen, ebenso deren Mütter. Wie konnte er sich da - ohne große Not - einfach aus dem Staube machen? Es gibt da viele Umstände zu berücksichtigen. Darüber soll an dieser Stelle auch gar kein abschließendes Urteil gefällt werden. Am 1. Juli 1947 - nachdem er als "Minderbelasteter" eingestuft worden war von der Entnazifierungsbehörde - schrieb Furtwängler einen persönlichen Brief an Thomas Mann und bat ihn um eine Aussprache. In seiner Antwort zeigte sich Thomas Mann unversöhnlich und sagte das von Furtwängler gewünschte Treffen ab. Auf einen zweiten Brief Furtwänglers antwortete Mann gar nicht mehr. In sein Tagebuch schrieb er nur: "Neues, langes Schreiben von Furtwängler, töricht."


Abb. 6: Sonderbarerweise rücken einem auch nur "irgendwie" kolorierte Aufnahmen
Menschen aus der Zeit der Schwarz-Weiß-Fotografie viel näher

Ein Klima des Hasses und der Unversöhnlichkeit zwischen zwei erklärten Gegnern des Nationalsozialismus und Hitlers. Man glaubt es kaum.

1951 - "Das Größte und das Wesentlichste an der Zauberflöte ist der Adel der Natur"


Es ist eine Tonaufnahme überliefert, in der Wilhelm Furtwängler 1951 Fragen von Musikstudenten an der Hochschule für Musik in Berlin beantwortet (2). Hier kann man manche schöne Äußerung von ihm hören. Man hört auch sein berühmtes "Zögern" heraus, wie er noch während des Sprechens um Ausdruck ringt. Über die Auswahl von Sängerinnen sagt er bei diesem Anlaß etwa die schönen Worte (2):
Ich weiß aus Erfahrung soundso viele Fälle, wo Sängerinnen, die ich für technisch ziemlich mäßig hielt, viel mehr gewirkt haben als andere, die technisch absolut fabelhaft waren.
Ist es nicht so? Was hilft alle Vollkommenheit in der technischen Beherrschung einer Sache, wenn das eine fehlt: die Seele? Oder wenn auch nur die Fähigkeit fehlt, Seele wirksam nach außen mitzuteilen. Es wird gesprochen über die Natur der Mozart-Oper "Die Zauberflöte" und wie man sie aufführen solle (1951; 9'20):
Sie meinen also, ob man's (aufführen solle) als Märchen, ob man's als Weihefestspiel oder ob man's als Singspiel oder als Operette (aufführen solle)? [Heiterkeit im Publikum] Ja, ... das liegt an der Zauberflöte. Das ist ein einzigartiges Werk in dieser Beziehung. (...) Das Genre der Zauberflöte ist eigentlich auch nicht zu definieren als solches. (...) Es ist zum Teil eine Freimaurer-Oper (...), zum Teil ist es zu einem Vorgänger der späteren Operette [geworden - durch die nachmalige Entwicklung] ... - allerdings in einer ganz hohen Weise, nicht wahr. Es ist der Versuch, wie soll man sagen, absolut gemeinverständlich, bis zum äußersten gemeinverständlich zu sein, ohne irgendetwas von den hohen, den höchsten Ambitionen auf zu geben, die Mozart in sich trug. Und das ist das Einzigartige daran. Und es ist ganz falsch, es ist meiner Meinung nach ein falscher Intellektualismus, sozusagen, wenn man das nun restringieren will auf irgend etwas. Wenn man also nur das Märchen sieht oder wenn man es als große Schau-Oper macht oder nur als Weihe-Festspiel. Man muß eben verstehen, daß da die ganze Natur drin ist. ... Hier ist eine Idee, daß grade keine Idee (da) ist, sondern etwas viel Größeres. Darin liegt das ganz Einzigartige dieses Werkes. ... Die Zauberflöte ist das reifste und das unbegreiflichste Werk der ganzen Weltliteratur.
Und er sagt (2; Min. 13'09):
Das Größte und das Wesentlichste an der Zauberflöte ist der Adel der Natur, der aus allem, jeder musikalischen Bildung spricht. Und dieser Adel, das ist Eigentum von Mozart. Das heißt also, nicht nur des Menschen Mozart, man kann auch sagen, des ganzen Menschentums, was hinter ihm steht, das ist ganz Europa in gewissem Sinne. Aber nicht nur die Epoche, sondern ein ganz- .... Und dieses Menschentum ist eigentlich das Wesentliche. (...) Warm, schlicht, einfach und edel. (...) Diese Art von hoher Naivität. Das ist so schwer, weil wir heute im allgemeinen unsere Naivität verloren haben und sie wieder suchen.
Als Wilhelm Furtwängler starb, stand sofort als ein Nachfolger allerorten Herbert von Karajan bereit. Und soweit man sieht, ist er allseits als würdiger Nachfolger Wilhelm Furtwänglers empfunden worden. Über ihn soll ebenfalls noch ein Beitrag erscheinen, so daß die größte Zeit des 20. Jahrhunderts abgedeckt worden ist: Die "Ära Furtwängler" (1922-1954) und die "Ära Karajan" (1955-1989), jene Epocheneinteilung des 20. Jahrhunderts, die vermutlich die einzig erinnerungswürdige ist. Karajan jedoch lebte und erlebte nicht den erschütternden Zwiespalt, den Wilhelm Furtwängler noch kurz vor seinem Tod mit 68 Jahren spürte, nämlich daß er zeitlebens glaubte, in seinem Leben - eigentlich - versagt zu haben. Noch während seiner letzten Krankheit schrieb Furtwängler in einem Brief (zit. n. 3; 1'21'00)(eigene Rückübersetzung aus dem Englischen):
Die Arbeit eines Dirigenten ist am Abend nach dem Konzert vorbei. Deshalb ist das Dirigieren eine Tätigkeit, die auf (verwehendem) Klang beruht. Im Angesicht der Nachwelt ist eine vollendete Komposition mehr wert als ein ganzes Leben als Dirigent. Deshalb erscheint mir Komponieren als die dringlichere Aufgabe. Unglücklicherweise verführten mich die Umstände der Welt und ich widmete dieser Aufgabe zu wenig Zeit. Heute hat mich meine schwere Krankheit an mein Versäumnis erinnert.
Was ist unsere Antwort auf dieses fast letzte Lebenszeugnis Furtwänglers?

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Korrigiert und ergänzt nach Auskünften 
von W. Schütz, Stadtmuseum Weil der Stadt:
9.8.2019

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  1. Kaiser, Joachim: Warum gilt Furtwängler als größter Dirigent aller Zeiten? Kaisers Klassik-Kunde, Folge 11. In: Süddeutsche Zeitung, 27. Juli 2009, http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/30009/kaisers-klassik-blog, https://youtu.be/TTLm8EsC2KU
  2. Werner Egk und seine Studenten befragen Wilhelm Furtwängler. Aufgenommen am 27. Februar 1951 in der Hochschule für Musik in Berlin), https://youtu.be/adHEtPF4sy8
  3. Wilhelm Furtwängler 1886-1954. A commemorative programme on the tenth anniversary of his death. Transmitted by the BBC Third Programme on Monday 30th November 1964, Compiled and introduced by Christopher Nupen, Produced by Christopher Sykes, 1 Std., 20 Min., https://youtu.be/9NTO1VItLmE
  4. Furtwängler Dokumentation - Wilhelm Furtwängler Interviews und Biographie. 1 Stunde. Auf Englisch. o. J., https://youtu.be/L2D_vGdwsUo
  5. Wright, Stephen: Pultstars unseres Jahrhunderts. 1. und 2. Teil. 1994https://www.youtube.com/watch?v=0VA_tvZYpPI
  6. Szábo, István: Taking Sides. Spielfilm, 2001https://youtu.be/V5fo4hEe1RQ
  7. Jan Schmidt-Garre: So war er. Maria Furtwängler blickte auf ihr Leben mit dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler. Bayerischer Rundfunk, pars media 2004, https://youtu.be/TYtzewocufs?t=5m6s
  8. Furtwängler-Tochter Friederike Kunz erzählt von Wilhelm Furtwängler (Juli 2010). Youtube-Kanal "Music Film Art" von Ute Neumerkel, 2012, https://youtu.be/r8yxzMJSmGQ
  9. Friederike Kunz erzählt - Kostproben aus 2 DVDs Familiengeschichte. Ohne Datum, http://uteneumerkel.de/filme_Kunz_Kostproben.html
  10. Briefwechsel Furtwängler - Goebbels. Deutsche Allgemeine Zeitung, 11. April 1933; abgedruckt in Paul Meier Benneckenstein (Hg.): Dokumente der deutschen Politik, Band 1: Die Nationalsozialistische Revolution 1933, bearbeitet von Axel Friedrichs. Berlin, 1935, S. 255-58; http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/pdf/deu/German84.pdf
  11. Geissmar, Berta: The Baton and the Jackboot: Recollections of Musical Life. London and Edinburgh: Morrison and Gibb ltd. 1944; Deutsche Übersetzungen: Musik im Schatten der Politik. Atlantis, Zürich, 1951; Taktstock und Schaftstiefel. Erinnerungen an Wilhelm Furtwängler. Vorwort und Anmerkungen von Fred K. Prieberg. Dittrich, Berlin 1996
  12. Riess, Curt: Furtwängler, Musik und Politik. Scherz, Bern 1953
  13. Höcker, Karla: Begegnung mit Furtwängler. Bertelsmann 1956; Wilhelm Furtwängler: Begegnungen und Gespräche. Rembrandt, 1961; Die nie vergessenen Klänge. Erinnerungen an Wilhelm Furtwängler. Arani, 1979, 1999
  14. Furtwängler, Wilhelm: Briefe. Mit vier Bildnissen und einem Handschrift-Faksimile. Hrsg. von Frank Thiess, F. A. Brockhaus, Wiesbaden 1965 (GB)
  15. Furtwängler, Elisabeth: Über Wilhelm Furtwängler. Brockhaus, Wiesbaden 1979; 4. Auflage, Atlantis-Musikbuch-Verlag, Zürich/Mainz 2006
  16. Prieberg, Fred K.: Kraftprobe. Wilhelm Furtwängler im Dritten Reich. Brockhaus, Wiesbaden 1986
  17. Schönzeler, Hans-Hubert: Furtwängler. Portland, Oregon: Timber Press 1990
  18. Kraus, Gottfried (Hg.): Ein Maß, das heute fehlt. Wilhelm Furtwängler im Echo der Nachwelt. 1991
  19. Shirakawa, Sam H.: The devil’s music master - the controversial life and career of Wilhelm Furtwängler. Oxford Univ. Press, New York 1992 (GB)
  20. Ardoin, John: The Furtwängler Record. Portland, Oregon: Amadeus Press 1994
  21. Schmidt-Garre, Jan: Furtwänglers Liebe, Filmessay. Auf DVD bei Arthaus
  22. Haffner, Herbert: Furtwängler. Parthas, Berlin 2003 (GB)
  23. Straub, Eberhard: Die Furtwänglers. Geschichte einer deutschen Familie. Siedler Verlag, München 2007 (In der Hauptsache handelt das Buch von Wilhelm Furtwängler)
  24. Lang, Klaus: Elisabeth Furtwängler - Mädchen mit 95 Jahren? Novum Publishing, 2007 (Amaz)
  25. Misha Aster: Das Reichsorchester. 2007
  26. Furtwängler, Wilhelm: Aufzeichnungen 1924-1954. Hrsg. v. Elisabeth Furtwängler und Günter Birkner. Schott Music, Mainz 2009‎ 
  27. Dietrich Fischer-Dieskau: Jupiter und ich. 2009
  28. Roncigli, Audrey: Le cas Furtwängler. Paris: Imago 2009
  29. Lang, Klaus: Wilhelm Furtwängler und seine Entnazifizierung. Shaker Media Verlag, Aachen 2012 (Rez.: Udo Badelt)
  30. Kanzog, Klaus: Offene Wunden. Wilhelm Furtwängler und Thomas Mann. Vortrag in der Furtwängler-Gesellschaft, Berlin, 12. Mai 2013 http://www.furtwaengler-gesellschaft.de/download/Kanzog_Vortrag1.pdf
  31. Wilhelm Furtwängler In Diskussion / Werkverzeichnis Wilhelm Furtwängler. Amadeus Verlag (Bernhard Päuler), Winterthur, Schweiz
  32. Götz Teutsch: Wilhelm Furtwängler in den Fängen der Nazis. Der philharmonische Salon, 6. und 13. Mai 2018https://www.berliner-philharmoniker.de/konzerte/kalender/details/51195/
  33. Pollems, Katrin: “Ganz München ist eben so mit Künstlertum durchtränkt…” - Walter Braunfels: Kindheit und Jugend. o.J. [nach 1980], http://www.walter-braunfels.de/wb-html/deutsch/kindheitjugend
  34. Walter Braunfels (1882-1954). Eine Ausstellung der Walter-Braunfels-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Deutschen Oper Berlin. http://www.walter-braunfels.de/wb-html/wp-content/uploads/2015/05/broschuere-Walter-Braunfels-ger3.pdf
  35. Rietzler, Walter: Beethoven. Atlantis, Berlin 1936; E.P. Dutton, New York 1938 (mit einem Vorwort von Wilhelm Furtwängler) (Archiv)

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