Hier zum Thema: Potiphar's Weib
Heute ist eines notwendiger denn je: Versuchungen zu widerstehen. Kann die Kunstgeschichte dazu eine Hilfestellung geben?
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| Abb. 1: Joseph und Potiphar's Weib - Gemälde von Cornelis Bisschop (1630-1674) |
Da gibt es doch diese alttestamentarische Geschichte rund um Joseph und "das Weib des Potiphar" (Wiki). Joseph ist als Sklave des Potiphar tätig. Während der Abwesenheit des Potiphar will ihn dessen Weib verführen. Er aber entzieht sich der Verführung. Dabei entreißt sie ihm Teile seiner Kleidung.
Als Potiphar zurückkehrt, verklagt seine verschmähte Frau Joseph bei ihrem Ehemann, daß er sie vergewaltigt habe und zeigt als Zeugnis dafür die ihm entrissene Kleidung.
Diese Geschichte ist als Motiv spätestens ab dem Spätmittelalter Thema vieler Gemälde geworden (WikiC), auch von Buchminiaturen (WikiC).
Im vorliegenden Beitrag soll davon eine kleine Auswahl zusammen gestellt werden. Denn es ist ja selten genug in der Geschichte so gewesen, daß Männer weiblichen Verführungen hatten standhalten können. Kein Wunder, daß auch dieses "seltene" Thema Künstler immer einmal wieder zur Darstellung gereizt hat.
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| Abb. 2: Joseph und Potiphar's Weib - Gemälde von Antonio Mara Esquivel (1806-1857) (Wiki) |
Eine wie wir finden besonders gelungene psychologische Deutung hat der niederländische Maler Cornelis Bisschop (1630-1674) vorgelegt. Er trifft einerseits die Abneigung, den Abscheu des Joseph recht markant. Andererseits kommt auch die freundliche, zugewandte, fast liebevolle Verführung durch das Weib des Potiphar zu gelungener Darstellung (Abb. 1).
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat der spanische Maler Esquivel gleich zwei recht passable Darstellungen zu diesem Thema geschaffen (Abb. 2 und 3).
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| Abb. 3: Joseph und Potiphar's Weib - Gemälde von Antonio Mara Esquivel (1806-1857) |
Im ersten dieser beiden Gemälde scheint das Weib alles auf seine Nacktheit zu legen und glaubt, keiner weiteren Verführungs-"Künste" zu bedürfen. Joseph schaut deshalb auf diesen Versuch auch eher mit Verwunderung als daß er Willensstärke bräuchte. Er scheint nicht wirklich in Gefahr zu sein. So auch im zweiten Gemälde.
Hier kommt Potiphar's Weib mit ihren Verführungskünsten als ein wenig unbeholfen und schlicht zur Darstellung.
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| Abb. 4: Joseph und Potiphar's Weib - Gemälde von Jean-Baptiste Nattier (1678-1726, Paris) (Wiki) |
Der französische Maler Nattier hat schon einhundert Jahre zuvor ein hinreißendes, verführerisches blondes Weib gemalt. Seine Erregung ist schon am geröteten Gesicht erkennbar.
Dieses Weib macht sicherlich alles richtig, soweit es um Verführungskünste geht.
Um so "naiver" und zugleich willensstärker und entschiedener muß sich der Joseph dieses Gemäldes von ihr abwenden.
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| Abb. 5: Joseph und Potiphar's Weib - Zeichnung von Rembrandt (1606-1669) |
Beim großen Rembrandt van Rijn (1606-1669) ist das Weib des Potiphar lüsterner, es wirkt direkter und verworfener als bei fast allen anderen Darstellungen zu diesem Thema sonst (Abb. 5).
Schamlos ist ihre dunstige, lüsterne Scham zu sehen.
Auf diese scheint in dieser Darstellung alles anzukommen.
Aber auch hier scheint das Weib in seiner Vorgehensweise als gar zu plump dargestellt. Und dennoch scheint es dem Joseph nur mit Mühe zu gelingen, sich aus dieser außerordentlich schwülen und schwülstigen Szene zu entfernen.
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| Abb. 6: Potiphar's Weib und Joseph - Miniatur aus der Furtmeyr-Bibel, Regensburg, Ende 15. Jhdt. (Wiki) |
Auch eine spätmittelalterliche Miniatur des Regensburger Buch-Illustrators Berthold Furtmeyr (vor 1470 bis nach 1501) (Wiki) findet sich zu diesem Thema. Tatsächlich ist dieses Weib des Potiphar schon die Königin selbst, die den Reiz ihres Körpers, sowie ihre Königskrone voll ausspielt. Weit wallen ihre langen blonden Haare über ihren Rücken hinunter.
Mit überlegenen Mienen schaut sie auf den Potiphar. Ihres Sieges ist sie sich gewiß.
Der hier ebenfalls blond dargestellte Joseph scheint geradezu fröhlich zu sein über diesen Versuch. Zugleich aber weiß er auch um die Gefahr. Er bleibt bei sich und bei Sinnen. Ihm fällt es nicht schwer, die Situation zu meistern. Zu diesem Berthold Furtmeyr sei übrigens noch zitiert (Bav):
Noch heute beeindruckt seine Malerei durch virtuose Farbigkeit, fantasievolle Ornamentik und erzählerischen Reichtum. Besonders feinfühlig gestalten sich seine Menschendarstellungen.
Diese Worte möchten wir anhand dieser Miniatur bestätigen.
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| Abb. 7: Potiphars Weib und Joseph - Gemälde des Franzosen Auguste Toulmouche (1829-1890) |
Auch der Franzose Auguste Toulmouche (1829-1890) malt ein hinreißend schönes Weib.
Sein Joseph muß sich vor ihren Sirenen-Klängen die Ohren verschließen.
In ihren Mienen liegt schon die Vergeblichkeit.
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| Abb. 8: Bartolome Murillo - Joseph und Potiphars Weib |
Der spanische Maler Barolome Murillo (1618-1682) (Wiki) hat auch eine lebendige Darstellung geliefert (Abb. 8).
Übrigens hat sich auch der Maler Lovis Corinth dieses Themas angenommen. Er hat dies aber außerordentlich unbeschwert getan. Das von ihm dargestellte Weib ist voll Fröhlichkeit. Nirgendwo ist erkennbar oder auch nur angedeutet, daß dieses Weib als Verschmähte und Zurückgestoßene den Joseph später verklagen wird.
Eine solche Vielfalt möglicher Versuchungen. Und eine solche Vielfalt der Möglichkeiten, Versuchungen zu widerstehen!


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