Sonntag, 30. August 2026

Ein wenig Kunst

Thema: Potiphar's Weib

Notwendiger denn je ist heute das eine: Den vielfältigsten Versuchungen und Verführungen unseres Zeitalters zu widerstehen.

Aber wie widersteht man denn eigentlich Versuchungen und Verführungen?

Abb. 1: Joseph und Potiphar's Weib - Gemälde von Cornelis Bisschop (1630-1674) (Ausschnitt)

Womöglich kann uns die Kunstgeschichte dazu einige Hinweise geben.

Da gibt es doch diese alttestamentarische Geschichte rund um Joseph und "das Weib des Potiphar" (Wiki). Joseph ist als Sklave des Potiphar tätig. Während der Abwesenheit des Potiphar will ihn dessen Weib verführen. Er aber entzieht sich der Verführung. Dabei entreißt sie ihm Teile seiner Kleidung.

Als Potiphar zurückkehrt, verklagt seine verschmähte Frau Joseph bei ihrem Ehemann, daß er sie vergewaltigt habe und zeigt als Zeugnis dafür die ihm entrissene Kleidung. 

Abb. 2: Joseph und Potiphar's Weib - Gemälde von Antonio Mara Esquivel (1806-1857) (Wiki)

Es ist ja selten genug in der Geschichte so gewesen, daß Männer weiblichen Verführungen hatten standhalten können. Kein Wunder, daß auch dieses "seltene" Thema Künstler immer einmal wieder zur Darstellung gereizt hat.

Und zwar spätestens seit dem Spätmittelalter (WikiC) und auch sogar von Buchminiaturen (WikiC).

Im vorliegenden Beitrag soll deshalb einmal eine kleine Auswahl davon zusammen gestellt werden.

Eine wie wir finden besonders gelungene psychologische Deutung hat der niederländische Maler Cornelis Bisschop (1630-1674) vorgelegt. Er trifft einerseits die Abneigung, den Abscheu des Joseph recht markant. Andererseits kommt auch die freundliche, zugewandte, fast liebevolle Verführung durch das Weib des Potiphar zu gelungener Darstellung (Abb. 1).

Abb. 3: Joseph und Potiphar's Weib - Gemälde von Antonio Mara Esquivel (1806-1857)

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat der spanische Maler Esquivel gleich zwei recht passable Darstellungen zu diesem Thema geschaffen (Abb. 2 und 3).

Im ersten dieser beiden Gemälde scheint das Weib alles auf seine Nacktheit zu legen und glaubt, keiner weiteren Verführungs-"Künste" zu bedürfen. Joseph schaut deshalb auf diesen Versuch auch eher mit Verwunderung als daß er Willensstärke bräuchte. Er scheint nicht wirklich in Gefahr zu sein. So auch im zweiten Gemälde.

Hier kommt Potiphar's Weib mit ihren Verführungskünsten als ein wenig unbeholfen und schlicht zur Darstellung.

Abb. 4: Joseph und Potiphar's Weib - Gemälde von Jean-Baptiste Nattier (1678-1726, Paris) (Wiki)

Der französische Maler Nattier hat schon einhundert Jahre zuvor ein hinreißendes, verführerisches blondes Weib gemalt. Seine Erregung ist schon am geröteten Gesicht erkennbar.

Dieses Weib macht sicherlich alles richtig, soweit es um Verführungskünste geht.

Um so "naiver" und zugleich willensstärker und entschiedener muß sich der Joseph dieses Gemäldes von ihr abwenden.

Abb. 5: Joseph und Potiphar's Weib - Zeichnung von Rembrandt (1606-1669)

Beim großen Rembrandt van Rijn (1606-1669) ist das Weib des Potiphar lüsterner, es wirkt direkter und verworfener als bei fast allen anderen Darstellungen zu diesem Thema (Abb. 5).

Schamlos rückt der Künstler ihre lüsterne, dunstige Scham ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Auf diese scheint ihm in dieser Darstellung alles anzukommen.

Aber auch hier scheint das Weib in seiner Vorgehensweise als gar zu plump dargestellt. Und dennoch scheint es dem Joseph nur mit Mühe zu gelingen, sich außer Reichweite dieser schwülen, schwülstigen Szene zu bringen.

Abb. 6: Potiphar's Weib und Joseph - Miniatur aus der Furtmeyr-Bibel, Regensburg, Ende 15. Jhdt. (Wiki)

Auch eine spätmittelalterliche Miniatur des Regensburger Buch-Illustrators Berthold Furtmeyr (vor 1470 bis nach 1501) (Wiki) findet sich zu diesem Thema. Tatsächlich ist dieses Weib des Potiphar schon die Königin selbst, die den Reiz ihres Körpers, sowie ihre Königskrone unverfroren ausspielt. Weit wallen ihre langen blonden Haare über ihren Rücken hinunter.

Mit überlegenen Mienen schaut sie auf den Potiphar. Sie ist sich ihres Sieges gewiß. 

Der hier ebenfalls blond dargestellte Joseph scheint geradezu fröhlich zu sein über diesen Versuch. Zugleich aber weiß er auch um die Gefahr. Er bleibt bei sich und bei Sinnen. Ihm fällt es nicht schwer, die Situation zu meistern. Zu diesem Berthold Furtmeyr sei übrigens noch zitiert (Bav):

Noch heute beeindruckt seine Malerei durch virtuose Farbigkeit, fantasievolle Ornamentik und erzählerischen Reichtum. Besonders feinfühlig gestalten sich seine Menschendarstellungen. 

Diese Worte sehen wir anhand dieser Miniatur voll bestätigt.

Abb. 7: Potiphars Weib und Joseph - Gemälde des Franzosen Auguste Toulmouche (1829-1890)

Auch der Franzose Auguste Toulmouche (1829-1890) malt ein hinreißend schönes Weib.

Sein Joseph muß sich vor ihren Sirenen-Klängen die Ohren verschließen. Er ist so fürchterlich abgewandt, daß wir keine Gelegenheit haben, in seinem vermutlich entsetzten Mienenspiel zu lesen.

Auch in den Mienen des Weibes liegt schon dreierlei, einerseits ihre Siegesgewissenheit, andererseits die Vergeblichkeit ihres Mühens und zum dritten sogar schon ihre Rachegelüst.

Abb. 8: Bartolome Murillo - Joseph und Potiphars Weib

Eine lebendige Darstellung zu diesem Thema hat auch der spanische Maler Barolome Murillo (1618-1682) (Wiki) gegeben (Abb. 8).

Auch der Maler Lovis Corinth hat sich dieses Themas angenommen - übrigens. Er hat dies aber so außerordentlich unbeschwert getan, daß es uns nicht lohnend erscheint, ihn in unsere Sammlung mit aufzunehmen. Das von ihm dargestellte Weib ist voll Fröhlichkeit. Nirgendwo ist erkennbar oder auch nur erahnbar, daß dieses Weib als Verschmähte und Zurückgestoßene den Joseph später verklagen wird. Wozu dann dieser Darstellung den Titel "Weib des Potiphar" geben?

Abb. 9: Joseph und Potiphar's Weib - Gemälde von Cornelis Bisschop (1630-1674)

Abschließend sei das eingangs nur in einem Ausschnitt eingestellte Gemälde von Cornelis Bisschop noch ganz eingestellt (Abb. 9). Die Wirkung ist grandios, wenn es auch als Ganzes betrachtet wird, wohl vor allem infolge der Farbgebung.

Insgesamt: Eine solche Vielfalt an Möglichkeiten der Versuchung. Und eine solche Vielfalt an Möglichkeiten, der Versuchung zu widerstehen!

Wohlan, Mensch, mach dich auf den Weg in dieses dein Zeitalter.

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