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Mittwoch, 25. September 2019

Ernst Jünger - Er schwelgte in der "Schönheit des Untergangs" Europas

- Und ihn entzückte "in hoher Ordnung konzentrierte Macht"

[Mitautoren dieses Beitrages: Daniel Hermsdorf, Frieder.] Ein fleißiger Blogleser (Frieder) ist auf eine Antrittsvorlesung aus dem Jahr 2009 über den Roman "Gläserne Bienen" von Ernst Jünger aus dem Jahr 1957 gestoßen (1). Und Frieder sieht, so schreibt er uns, Verknüpfungen dieses Buches

"mit den neuesten Erkenntnissen und Themen. Ich dachte da an Transhumanismus, Koevolution von Mensch und Maschine, Bienensterben, Massensuggestionen."
Abb: Jevgenij Kulikov (Bildhauer): Ernst Jünger, 1994
Fotograf: Hoibo [CC BY-SA 4.0]
über Wikimedia Commons

Da werden ja gleich viele Themen zusammen gewürfelt. Folgt man der genannten Antrittsvorlesung, kommt der Roman - typisch für Ernst Jünger - geistreich-hohl daher. Es wird seitenweise geistreich-hohl geschwätzt und alles, was diesen Roman "interessant" macht, ist - typisch für Jünger - nur der Umstand, daß er als "Eingeweihter" in Logen und Priesterorden über viel Hintergrundpolitikwissen und über die Methoden der Steuerung von Politik und Wirtschaft durch Hintergrundmächte verfügt.

Wenn man sich mit dem Leben sozialer Insekten beschäftigen möchte auf heutigem Kenntnisstand, dann lese man meinen Blog "Studium generale" (zuletzt: Monogamie und genetische Verwandtschaft als Wurzel allen komplex-sozialen Lebens auf der Erde), lese man Lehrbücher oder einführende Bücher zur Soziobiologie oder Verhaltenswissenschaft. Alle Bücher von Konrad Lorenz sind diesbezüglich ein Muß. Echte Naturwissenschaft ist um so vieles "lebendiger" und unvorhersehbarer als dieses geistreich-hohle Geschwätz eines Ernst Jünger und solcher Leute, die dieses Geschwätz für geistreich halten können. Jünger war nie echter Naturwissenschaftler, er war seelisch toter "Logen-Automat".

Jüngers Roman ist deshalb - wie fast jeder Zukunftsroman - vor allem Gegenwartsbeschreibung des Jahres seines Entstehens, also hier des Jahres 1957. So wie der Roman "1984" das Jahr 1948 sehr gültig beschrieben hat, worauf schon vor Jahrzehnten unter anderem von dem Orwell-Biographen Schröder hingewiesen worden ist, und worauf ich auch in meiner Magisterarbeit hingewiesen habe. Als Gegenwarts-Beschreibung des Jahres 1957 darf man aus Jüngers Roman etwa die Aussage nehmen (auch nachdem man Regina Igels "Terrorjahre" über dieselbe Zeit gelesen hat) (1):

Die Akten über "jeden der in den Zapparoni-Werken Beschäftigten" waren lang und gingen ins Detail.

Na wunderbar! So haben es doch schnöselige Eingeweihte am Liebsten, seelenlose, seelenarme vor allem. Das dulden sie doch, glorifizieren sie doch, analysieren sie doch "geistreich" - anstatt es zu kritisieren und infrage zu stellen. Ähnlich hat das doch schon Hermann Hesse in den "Morgenlandfahrern" getan. Ernst Jünger und Hermann Hesse sind zwei der bekanntesten deutschsprachigen Logen-Autoren und faszinierte Glorifizierer und Propagandisten von Männerorden, beide hier auf dem Blog diesbezüglich schon sehr gründlich analysiert. Die Firmenleitung des Romans von Jünger befindet sich - wieder einmal typisch für einen Jünger wie für einen Hesse - in einem umgebauten Zisterzienserkloster. Und dann auch das wieder typisch für Jünger (1, S. 15):

Am  Ende  seiner  Betrachtung  des  "Systems  der  Anlage"  steht  allerdings  eine  ästhetische  Beurteilung  des  Schwarms,  keine  "technische":  "Vielleicht  war  es  im  tiefsten  Grunde  die  tänzerische  Kraft  des  Anblicks,  die  mich  entzückte,  in  hoher  Ordnung  konzentrierte  Macht."

Hier redet Ernst Jünger - OFFENSICHTLICH - nicht mit Interessen eines Naturwissenschaftlers. Ein Bienenschwarm hat nicht die Macht, von der Ernst Jünger hier "fasziniert" ist. Ernst Jünger ist von ganz anderen Dingen "fasziniert". Man lasse sich doch solche Worte auf der Zunge zergehen, ihn entzückte "in hoher Ordnung konzentrierte Macht". Darum geht es doch in allen seinen Romanen - in letzter Instanz. Und so nun also auch hier in seinem Roman "Gläserne Bienen". Seelentote Menschen funktionieren wie Automaten. Und sie können auch immer nur das gleiche wiederholen, es bleibt das gleiche, auch wenn ihnen als begabte Schriftsteller viele "geistreiche" Worte dafür zur Verfügung stehen. Und weil sie selbst Automaten sind, reden sie auch gerne über Automaten und sehen alle anderen als Automaten an. Frieder schrieb mir im Zusammenhang seines Hinweises:

Lieber Ingo, ich schreibe gerade Artikel über (meist) vergessene Autoren aus der Zeit des 1. WK. (...) Nun möchte ich mir Ernst Jünger vornehmen. Dazu hast Du doch bestimmt schon was geschrieben: Seine "Gläserne Bienen" von 1957 drehen sich um Nanoroboter und Unterhaltungsindustrie. Ich wollte das Buch verknüpfen mit den neuesten Erkenntnissen und Thesen. Dachte da an Transhumanismus, Koevolution von Mensch und Maschine, Bienensterben, Massensuggestionen.
In der Antrittsvorlesung (1) würde ausgeführt, so Frieder,
dass Jünger die Schwarmintelligenz noch nicht dezentral gesehen hat wie schon vor ihm Stapledon. (...) Ich habe die Möglichkeit des Dezentralisierens noch gar nicht richtig verstanden und denke mir deshalb konspirologisch: Wollen sie damit ablenken von den Dunkelmächten, die oben in der Hackordnung stehen?

Ich möchte im flüchtigen Lesen der Antrittsvorlesung sehr wohl meinen, daß auch Jünger schon gesehen hat, daß "dezentrale" Steuerung der Idealfall - für Hintergrundmächte wie für Staaten insgesamt - ist. Um so selbstständiger und mit um so geringerer Steuerung die "fleißigen Bienen", die "Arbeiter" den Honig für die Hintergrundmächte sammeln, um so besser, oder nicht? Warum sollen das Logen-Autoren wie Ernst Jünger 1957 anders gesehen haben als das die Hintergrundmächte heute sehen. 1989 haben die Maurer "die Mauer" eingerissen, weil sie die starke zentrale Steuerung satt waren und gesehen haben, daß sie kontraproduktiv ist. Ich finde diese Frage insgesamt - zumindest aus konspirologischer Sicht - nicht so bedeutsam. Aus anthropologischer und geschichtlicher Sicht allerdings ist sie sehr bedeutsam. Es wäre hier zu thematisieren der von Hegel/Hölderlin so benannte weltgeschichtliche Weg im Bewußtsein der Freiheit von despotischen Herrschaftsformen des Orients (die schon im Vorkeramikum angetroffen werden können) zu freiheitlichen Herrschaftsformen Nordeuropas.

Ernst Jünger auf Seiten der Vorsehung

Ich antwortete Frieder aber zunächst einmal auf seine Zuschrift:

Hallo Frieder,

das letzte, was ich über Ernst Jünger geschrieben habe, war das hier:

Vorher schon das hier:

Außerdem taucht er im Freundeskreis von Friedrich Hielscher auf, mit dem ich mich auch gründlicher beschäftigt habe:

Mir ist der Hochgradfreimaurer Ernst Jünger - wie man an diesen Beiträgen sehen kann - zutiefst unsympathisch. So ähnlich ging es Erich Ludendorff schon 1926, worauf ich auch irgendwann stieß: 

Ich habe noch nie etwas gelesen von diesem Ernst Jünger, was mich - trotz des Unsympathischen - irgendwie positiv berührt hätte (wie ich das etwa - trotz allem - über den Satanisten Hermann Hesse sagen könnte). Das ist Nihilismus und schönseliges Eliten-Geschwätz und Salonbolschewismus in Reinkultur bei diesem Ernst Jünger und seinem ganzen Freundeskreis und Frauentauschkreis. Auch der Tod seines Sohnes am Ende des Zweiten Weltkrieges und wie Ernst Jünger darüber spricht kommt mir hochgradig "merkwürdig" vor. Sein Sekretär Armin Mohler paßt auch in alles hervorragend hinein. Nein, das sind alles Hochgradfreimaurer, Jesuiten und Satanisten, Eingeweihte, Mitwisser, Mittäter, nichts anderes. Aber ohne allen "Geist".

Die mir selbst wichtigsten vergessenen Autoren des Ersten Weltkrieges sind: Walter Flex, der damalige Bestseller "Kriegsbriefe gefallener Studenten", viele Kriegsdichter, Bogislaw von Selchow, Agnes Miegel, später Josef Weinheber, die Lebenserinnerungen von Mathilde Ludendorff. Hm, ich habe sicher noch viele wichtige Namen vergessen (Heinrich Lersch ...). Rommels Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg lesen sich toll, Karl Springenschmid ("Costabella, Berg meiner Jugend"), Edwin Erich Dwinger natürlich.

Wo Du da sonst noch alles gedanklich gerade herumspringst zwischen Bienen und Transhumanismus. Über Transhumanismus wird mir zu viel gefaselt, ohne daß man vorher gründlich Evolution und Humanevolution studiert hätte. Ohne solche Grundlagen kann nichts Vernünftiges dabei herauskommen. Erst aus einem gründlichen Studium dessen wie wir GEWORDEN sind, können Schlußfolgerungen abgeleitet werden, wie es wohl künftig weiter gehen könnte mit der Intelligenz-Evolution.  Außerdem sollte man dabei im Auge behalten, daß es nicht der Sinn des Menschenlebens und der Geschichte und Evolution ist, intelligent zu sein, sondern Gott zu erleben. Daraus ergeben sich dann ganz andere Schwerpunkte der Sichtweise. Wir sind unfähig gemacht worden, sinnvoll über Gotterleben zu reden, darin liegt unsere ganze moralische Schwäche.

Da ich meine Antwort CC auch an Daniel Hermsdorf gesendet hatte, schrieb dieser:

Ich mische mich da nur mal kurz ein. Ein Problem, das ich mit Deiner Perspektive habe, ist, dass Du "Freimaurer" als erweiterten Begriff verwendest, soweit ich sehe. Als Google-Ergebnis zu Jünger dazu findest Du als Erstes ... Dich selbst. Du solltest vielleicht besser die in der Literatur gängige Variante "Maurer ohne Schurz" verwenden, wenn Du mich fragst. Man sollte da möglichst genau sein - denn wenn die Gegenseite solche Merkwürdigkeiten und 'Fehler' entdeckt, vermeint sie in der Regel, die Diskussion gleich wieder abbrechen zu können. (Ob das die Lösung ist, sage ich damit auch noch nicht. Du identifizierst ein solches Denken mit "Freimaurern". Kann es, abgesehen von persönlichen Umfeldern und deren Verbindungen, nicht auch das eines Einzelgängers und Freidenkers in seinem Sinne gewesen sein? Das ist ja noch kein Verbot für eine Kritik daran.)  Allgemein habe ich mir immer gedacht, dass Herrn Jüngers Schreibe eine gänzlich andere gewesen sein dürfte, wenn er z.B. im Krieg ein Bein verloren hätte. Vor dem Hintergrund sehe ich solche Haltungen, die in der Geschichte vermeintlich so marmorn vor uns stehen. Jüngers archaische und (ich sage mal verkürzt:) materialistische Weltsicht hat, neben einem geschliffenen Stil, schon ein paar höchst relevante und hellsichtige Texte hervorgebracht, soweit mir bekannt - ich meine etwa den "Arbeiter". Manche Diagnosen zum Technikgebrauch kenne ich aus dieser Zeit nirgendwo anders her. Was Frieder hier anspricht, wirkt deshalb auch nicht abwegig auf mich. Jünger hat Einiges vorausgedacht, was Staunen macht, wie man es von Orwell oder Huxley auch sagen kann. 

Nun darauf habe ich jetzt schon einleitend einiges gesagt. Siehe auch noch eine andere Antwort in einer Anmerkung.*) In unmittelbarer Antwort schrieb ich an Daniel und Frieder unter anderem:

Bei der Schilderung seiner "Mauretanier" (die natürlich gaaaaaar nichts mit "Maurern" zu tun haben), hat Ernst Jünger nun wirklich mit einem fetten Zaunpfahl gewunken. Wenn ich es recht verstanden habe, war der Zaunpfahl für das Jahr 1939 so fett und dick, daß er erstens in dem Roman sagen mußte, daß er und sein Bruder schon seit Ende der 1920er Jahre ihre Mitgliedschaft im Orden der Mauretanier ruhen gelassen hätten (was - bekanntlich - Nonsense und eine billige Schutzbehauptung ist) und daß natürlich auch diese Schutzbehauptung nicht half, daß es Bestrebungen gab, die Veröffentlichung des Romans zu verhindern. Im Roman ist ja ausdrücklich von den Labyrinthen der Männerorden die Rede. Was soll denn das anderes sein als die Freimaurerei? Verwundern tut es mich ALLERDINGS, daß ich immer noch der einzige bin, der den Jünger frank und frei einen Freimaurer nennt. Aber der Jünger hat eben so seine Fürsprecher und Beschützer allerorten noch heute ebenso wie der Karl Haushofer. Man muß halt verstehen wie Eliten-Kontinuität funktioniert und daß die noch heute allerorten "ihre Leut" schützen. Auch bei Hermann Hesse ist das ja spürbar. Es soll immer das gleiche sein: Jeder, der Bescheid wissen WILL, soll Bescheid wissen - aber das naive, blöde Volk soll weiterhin nichts über all diese Katakomben im politischen und geistigen Leben ahnen.

Bei Hermann Hesse liegt ja alles sehr ähnlich. Auch bei ihm ist mir nicht bekannt, daß offiziell gesagt würde, er wäre Freimaurer. Dennoch handeln alle seine größeren Romane von Männerbünden und Priesterkasten, verherrlichen sie.  Hier gilt es eben, für die Literaturwissenschaft ein ganz neues Forschungsfeld zu eröffnen. Sollte mich wundern, wenn das noch kein alter Hut sein sollte.

"Das Vernichtet-Werden der Völker als Voraussetzung einer neuen und höheren Schöpfung"

Toll aber, was darauf dann noch der Frieder geschrieben hat - und um dessentwillen vor allem habe ich diesen Blogartikel zusammen gestellt:

Lieber Ingo,
vielen Dank für das geistige Futter. Zwischenfazit der ersten Lektüre zu den Marmorklippen: Der Maurer-Zaunpfahl ist wahrlich dick. Viele Indizien sprechen dafür: Erstens, dass es sonst in den Interpretationen unerwähnt bleibt. Dann der gegenseitige Schutz: Adolf Hitler hält persönlich Goebbels gegen ihn zurück, dafür macht er bei keinen Attentaten mit. Der Genuß an der Feuerzerstörung, also des "Ganzbrand-Opfers" der Großen Marina (Germania): „Das Schauspiel dehnte sich in fürchterlicher Stille aus […] Von allen Schrecken der Vernichtung stieg zu den Marmorklippen einzig der goldene Schimmer empor. So flammen ferne Welten zur Lust der Augen in der Schönheit des Untergangs auf" bei gleichzeitigem Hochhalten guter Werte, je nach Epoche passend. U.v., von Dir gezeigt.
Wenn er einen Mix aus Hitler und Stalin darstellen hätte wollen, um das Totalitäre an sich zu zeigen, hätte er doch risikolos Stalin zeichnen können mit Merkmalen von Hitler, was viele russische antikommunistische Autoren umgekehrt mit Hitler machten, um zu zeigen, dass der gemeinsame Nenner eine Art Nationalbolschewismus war. Wozu dann das eigene Eingeweihtsein in die Hintergrundmächte präsentieren? Eben weil er wusste, dass ihm daraus kein Strick gedreht werden würde, womit die ungebrochene Macht der Hintergrundstrukturen besungen wird.  Aus einer 1981-Interpretation: "Die ethische Problematik der Erzählung liegt darin, dass sie das Vernichten-Wollen kritisiert, aber das Vernichtet-Werden ästhetisch verbrämt und als Voraussetzung einer neuen und höheren Schöpfung feiert." Ohne Bezug zu den Maurern ist das eine ethische Problematik, also irgendwie komisch, mit Bezug ist das konsequent.
LG Frieder

Da hat Frieder noch einmal eindrucksvoll Dinge auf den Punkt gebracht. Das scheint uns fast zu den Schilderungen von dem Hans Bernd Gisevius zu passen über den Reichstagsbrand, die sich über viele Seiten seines Buches hinweg ziehen, und die sich lesen wie Begeisterung über ein großes satanistisches Ereignis. Und eigentlich noch besser passen diese Dinge zu Ernst Jüngers Freund Friedrich Hielscher, der schon 1931 voller Entzücken war über die "kommende Vernichtung".

Spiegelt sich in der Erzählung eher die Stimmung des Jahres 1931 wieder?

Ergänzung 22.10.2019: Beim wiederholten Lesen kann einem erst auffallen, daß in dem von uns Erarbeiteten zu dem Roman "Auf den Marmorklippen" von Ernst Jünger noch gar nicht berücksichtigt ist, daß Ernst Jünger und sein Freundeskreis (Friedrich Hielscher und andere) ja schon Ende der 1920er Jahre zu jenen innerhalb der deutschen rechtskonservativen Kreise gehörten, die sich auf den für 1932 anvisierten Zweiten Weltkrieg sehr konkret vorbereitet haben. Es ist deshalb gut denkbar, daß die damalige gedankliche Vorbereitung auf das Jahr 1932 viel dazu beigetragen hat, daß dieser Roman zehn Jahre später in der Weise erschienen ist wie er eben erschienen ist.

Erich Ludendorff hatte diesen damals für 1932 anvisierten Weltkrieg dadurch "zerredet", daß er in seiner weit verbreiteten und in viele Weltsprachen übersetzten Schrift "Weltkrieg droht auf Deutschem Boden" (1930) den Verlauf dieses für 1932 anvisierten Krieges und die Zerstörung und Bolschewisierung Ostdeutschlands bis zur Elbe schon sehr genau voraus gesagt hat. Er kritisierte damals öffentlich die "hirnverbrannte nationalsozialistische Außenpolitik", die glaubte, mit der unbewaffneten und militärisch nicht ausgebildeten "SA-Armee" und im Bündnis mit den rechtskonservativen Stahlhelm-"Einheiten" gegen die hoch gerüsteten europäischen Militärmächte antreten zu wollen. Vermutlich läßt sich aufzeigen, daß die Stimmung in dem Roman "Auf den Marmorklippen" auch sehr von diesen Erörterungen Anfang der 1930er Jahre mitgeprägt sind, in denen schon damals die Neuen Nationalisten im Bündnis mit der NSDAP sich für einen Weltkrieg auf deutschem Boden im Jahr 1932 vorbereiteten.

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*) [26.9.2019]: Ein Leser schreibt noch zu den von Daniel geäußerten Worten ("Allgemein habe ich mir immer gedacht, daß Herrn Jüngers Schreibe eine gänzlich andere gewesen sein dürfte, wenn er z.B. im Krieg ein Bein verloren hätte. Vor dem Hintergrund sehe ich solche Haltungen, die in der Geschichte vermeintlich so marmorn vor uns stehen"):
Jemand hat mir das Buch "Konzert für die linke Hand" von Lea Singer geschenkt. Dort verliert der Protagonist Paul Wittgenstein im Ersten Weltkrieg den rechten Arm und wird trotzdem ein Klaviervirtuose. Ein bemerkenswertes Stück über die gesellschaftlichen Zustände und Strömungen in Wien und Österreich vor und nach dem Ersten Weltkrieg.
Allgemein ist das Thema Körperbehinderung ja behandelt im ersten Abschnitt von Peter Sloterdijks Buch "Du mußt dein Leben ändern". Und gut, zu diesen Worten von Daniel hatte bislang nichts gesagt, glaube aber nicht, daß sie den Kern treffen. Der Friedrich Hielscher war gar kein Kriegsteilnehmer und hat genauso geredet, Hermann Hesse war Krankenpfleger und so weiter. Aber ich  möchte diesen Hinweis von meiner Seite aus dann doch noch ergänzen mit dem Hinweis auf den - wie ich finde - sehr wertvollen, gehaltvollen, zukunftsweisenden deutschen Schriftsteller Friedrich Franz von Unruh (1893-1986) (Wiki). Er ist der Bruder des expressionistischen Schriftsteller Fritz von Unruh und des Ludendorff-Mitarbeiters Karl von Unruh. Auch Friedrich Franz von Unruh ist ein vergessener Autor aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Auch er hat einen Arm im Krieg verloren. Und wie er zu diesem überaus wertvollen, gehaltvollen Schriftsteller wurde, das schildert er in dem autobiographischen Büchlein "Der innere Befehl", das von dem gleichen inneren Befehl handelt, dem viele Angehörige der damaligen Frontgeneration gefolgt sind. Gerade deshalb ja ist die Literatur während und nach dem Ersten Weltkrieg so reich.
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  1. Niels Werber: Formen des Schwärmens. Ernst Jünger, Olaf Stapledon. Antrittsvorlesung Siegen, 8. Juli 2009, https://blogs.uni-siegen.de/nielswerber/files/2017/06/Formen-des-Schwaermens_lang.pdf
  2. Bading, Ingo: Erich Ludendorffs militärwissenschaftliche Schriften über einen neuen Krieg (1930 bis 1937), https://studiengruppe.blogspot.com/2016/04/erich-ludendorffs-militarwissenschaftli.html

Dienstag, 25. Oktober 2016

Bolschewisierung Osteuropas - Ernst Jünger wusste schon 1939 um dieses freimaurerische Kriegsziel

Der Roman "Auf den Marmorklippen" munkelt im Jahr 1939 viel über die Kriegsziel-Planung der westlichen Alliierten und - natürlich - der 1939 weiter bestehenden deutschen Freimaurerei (etwa im Umfeld des Admirals Canaris und seiner Leute)

Wie ich in meiner Magisterarbeit (3) dargelegt habe, hat es Planungen zur Bolschewisierung Osteuropas und zur Zweiteilung Europas und Deutschlands entlang der Elbe unter Vertreibung der Deutschen östlich der Oder etwa seit 1937 in den USA (William Bullitt) und in Großbritannien gegeben. Dass 1939 auch Ernst Jünger (1895-1998) und wohl auch sein Bruder Friedrich Georg Jünger (1898-1977) in diese Pläne eingeweiht waren, zeigt allzu deutlich sein Roman "Auf den Marmorklippen". Nachdem Alexander Benesch auf den Autor Guido Giacomo Preparata und sein Buch "Wer Hitler mächtig machte", hingewiesen hat (1, 2), fällt uns in diesem Buch unter anderem die darin enthaltene Deutung des Romanes "Auf den Marmorklippen" von Ernst Jünger auf. Sie gibt erste Anhaltspunkte dazu, wie eigentlich sein Roman "Auf den Marmorklippen" zu lesen ist. Hat man diese ersten Anhaltspunkte erst einmal zur Kenntnis genommen, ist die vollständige Entschlüsselung dieses Romans nicht mehr schwer. Ob der US-Italiener Guido Giacomo Preparata (geb. 1968) (Wiki) der erste war, der mit einer solchen Deutung begonnen hat, ist nicht ganz klar. Er bewegt sich jedenfalls im akademischen Bereich, vergleichbar in etwa mit dem Schweizer Daniele Ganser (geb. 1972) (Wiki). Über Preparata heißt es etwa auf Wikipedia:

Seine Hypothesen ähneln stellenweise dem Denken von Antony C. Sutton und Carroll Quigley. Ernst Jüngers „Auf den Marmorklippen“ deutet er nicht als Werk versteckten Widerstandes, sondern im Gegenteil als Allegorie auf den kommenden Krieg gegen Josef Stalin und das bolschewistische Russland.
Abb: Jevgenij Kulikov (Bildhauer): Ernst Jünger, 1994
Fotograf: Hoibo [CC BY-SA 4.0]
über Wikimedia Commons

Nun, fast richtig, aber nicht ganz richtig. Denn in dem von Freimaurern und Katholisch-Gesinnten durchsetzten deutschen Widerstand standen keineswegs alle Beteiligten für das "Gegenteil", sondern einflussreiche Kräfte um Wilhelm Canaris, Reinhard Gehlen, Alexis von Roenne - vermutlich auch Martin Bormann - arbeiteten offensichtlich ebenfalls auf diese Bolschewisierung Osteuropas hin.

Jedenfalls gehört in diesen Zusammenhang auch, dass Jünger die Niederschrift des Romans am 28. Juli 1939 beendete (s. Helmut Kiesel). Zwei Tage zuvor, am 26. Juli, hatte der deutsche Legationsrat Karl Schnurre dem sowjetischen Botschaftsrat Astachow die deutsche Bereitschaft zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt gegeben (Wiki). Jüngers Buch erschien dann nach Kriegsausbruch im Spätherbst 1939, als sowohl Deutschland wie die Sowjetunion ihren Machtbereich territorial erweiterten.

Wenn man den Roman von Ernst Jünger aber nun aus dieser neuen Perspektive liest, dann weiß man auch, dass Jünger - wie die führenden westliche Planer (3) - den künftigen Kriegsablauf und das künftige Kriegsende mit der Bolschewisierung Osteuropas, der Ermordung von 2,5 Millionen Ostdeutschen und der Vertreibung von 15 Millionen Deutschen aus Ostmitteleuropa sehr klar voraus gewusst hat und dementsprechend sehr detailliert schildern konnte. Also natürlich voraus gewusst hat, nicht nur geahnt hat. Denn dafür sind seine Voraussagen in vielen Details viel zu genau und treffend.

1914 - "Die Luft der Freimaurerei, die von Grund auf böse war"

Die beiden Brüder Jünger hatten Teile ihrer Jugend vor 1914 in Hannover verbracht. Und sie waren vermutlich schon vor 1914 Freimaurer geworden. Diese werden in dem auffallend autobiographisch gefärbten Roman "Mauretanier" genannt. Wer hätte das vor 1914 anderes sein können als die Freimaurer? Es dürfte deshalb lohnend sein, einmal zusammen zu tragen, wer in der Freimaurerei Hannovers damals eine Rolle gespielt hat. Hannover war unter anderem auch der Lebensmittelpunkt von Paul von Hindenburg und natürlich zahlreicher anderer "alter Herren" der konservativen (und verborgen: freimaurerisch-revolutionären) Eliten.

Zentral zum Verständnis seines Romans ist eine Figur, die Ernst Jünger den "Oberförster" nennt. Er beschreibt diese Figur als ein leitendes Mitglied seiner Freimaurerloge, das offenbar rechtskonservativen Adelskreisen angehört, das aber im künftig voraus gewussten Krieg als leitende Figur auf Seiten der bolschewistischen Mordhorden kämpft und siegt und dann auch in den besiegten Städten mit seinem Mitarbeiter "Biedenhorn" die Polizeigewalt übernimmt. Unter diesen Figuren kann man sich natürlich viele Gestalten der Geschichte vorstellen, Nationalsozialisten, die bewusst das Vordringen des Kommunismus förderten (dies ist von Martin Bormann mit guten Argumenten angenommen worden), Gegner der Nationalsozialisten, die bewusst das Vordringen des Kommunismus förderten oder später auch Offiziere des "Nationalkommittes Freies Deutschland" um den General von Seydlitz. Ernst Jünger hatte ja auch gute Kontakte zur Stahlhelmführung, in der wohl die Mehrheit Freimaurer waren, und von denen viele wohl auch nach Hannover gravitierten. Unter all diesen gab es ja auch offen oder verdeckt agierende "Nationalbolschewisten".

Um so mehr wir über die Geschichte des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges erfahren (auch hier auf dem Blog schon oft behandelt), um so mehr wird ja deutlich, wie viele Figuren es gegeben hat, die äußerlich auf der Seite des Dritten Reiches standen, innerlich und im Hintergrund aber auf eine Niederlage Deutschlands in diesem Krieg hinarbeiteten, eine Niederlage aber erst nach einem langen und erschöpfenden Krieg. So gibt es beispielsweise nicht nur hinsichtlich des Erfolges der westalliierten Invasion im Sommer 1944, sondern auch hinsichtlich des gleichzeitigen überraschend schnellen Zusammenbruchs der Heeresgruppe Mitte im Sommer 1944 im Osten deutliche Hinweise darauf, dass beides von Seiten der leitenden Figuren des deutschen Geheimdienstes vorbereitet und ermöglicht worden war, nämlich von Alexis von Roenne im Westen und von Reinhard Gehlen im Osten. Und auch Wilhelm Canaris ist offensichtlich in einem solchen Sinne tätig gewesen.

Leute, die Adolf Hitler schon vor 1933 nur als den "Eisbrecher" des Kommunismus in Mitteleuropa betrachtet haben, und die ihm in diesem Sinne zu Macht und zu Erfolg verholfen haben, kann man inzwischen sehr viele heranziehen, um sich eine solche merkwürdige Figur des Romans wie den "Oberförster" zu veranschaulichen. Am Schluss des Romans ist er tätig wie eine Art sowjetischer Kommissar, anfangs erhält man den Eindruck, es könnte jemand gemeint sein wie Paul von Hindenburg oder Alfred Hugenberg, bzw. natürlich noch ein höher Eingeweihter als diese beiden Politikdarsteller bei den Freimaurern (im Roman "Mauretanier" genannt) (alle Hervorhebungen im folgenden nicht im Original) (4):

Der Oberförster war uns seit langem als Alter Herr der Mauretania bekannt. Wir hatten ihn auf den Conventen oft gesehen und manche Nacht mit ihm beim Spiel gesessen und gezecht. Er zählte zu den Gestalten, die bei den Mauretaniern zugleich als große Herren angesehen und als ein wenig ridikül
(komisch, lächerlich, lachhaft)
empfunden werden - so wie man etwa einen alten Oberst der Landwehr-Kavallerie, der hin und wieder von seinen Gütern kommt, beim Regiment empfängt. (...) Damals empfand ich auch das Starre an seinem Wesen kaum als störend, denn alle Mauretanier nehmen im Lauf der Zeit den automatischen Charakter an. Vor allem in den Blicken tritt dieser Zug hervor. So lag auch in den Augen des Oberförsters, besonders wenn er lachte, der Schimmer einer fürchterlichen Jovialität.

Bei diesen "automatischen" freimaurerischen Charakteren darf man gerne an die freimaurerischen "Freiheitskämpfer", dargestellt an und in dem größten Freimaurertempel der Welt, nämlich dem Völkerschlachtdenkmal von Leipzig, denken (siehe andere Beiträge hier auf dem Blog). Zusammen mit seinem Bruder Friedrich Georg habe er die Mauretanier- (sprich Freimaurer-)Zeiten später als Irrtum erkannt. Nun aber dachte er 

an die Lage, in der wir uns befanden, als dieser Orden uns an sich zog. (...) Wir begannen, von Macht und Übermacht zu träumen. (...) Bei solcher Neigung war es unvermeidlich, daß Mauretanier sich uns näherten. Wir wurden durch den Capitano, der den großen Aufstand in den Iberischen Provinzen erledigt hatte, eingeführt.

Vielleicht handelte es sich um einen höheren Offizier, der 1900 den Boxeraufstand in China oder 1906 den Hereroaufstand in Südwestafrika oder der ähnliche Aufstände niederschlug. Jünger munkelt wissend weiter und an der Treffsicherheit, mit der er hier spricht, wird nur allzu schnell klar, dass er die Freimaurerei nicht nur "von außen" kennt:

Wer die Geschichte der geheimen Orden kennt, der weiß, daß sich ihr Umfang schwierig schätzen läßt. Desgleichen ist die Fruchtbarkeit bekannt, mit der sie Zweige und Kolonien bilden, so daß man, wenn man ihren Spuren folgt, sich bald in einem Labyrinth verliert. Das traf auch für die Mauretanier zu. Besonders seltsam war es für den Neuling, wenn er in ihren Räumen Angehörige von Gruppen, die sich tödlich haßten, im friedlichen Gespräche sah. Zu den Zielen der Mauretanier zählte auch die artistische Behandlung der Geschäfte dieser Welt. Sie verlangten, daß die Macht ganz ohne Leidenschaft und göttergleich gehandhabt würde, und entsprechend sandten ihre Schulen einen Schlag von klaren, freien und stets fürchterlichen Geistern aus. Gleichviel, ob sie innerhalb des Aufruhrs oder an der Ordnung tätig waren - wo sie siegten, siegten sie als Mauretanier, und das stolze „Semper victrix" dieses Ordens galt nicht seinen Gliedern, sondern seinem Haupte, der Doktrin. Mitten in der Zeit und ihren wilden Läufen stand er unerschütterlich, und in seinen Residenzen und Palästen setzte man den Fuß auf festen Grund.
Auffälligerweise wird auf dem Wikipedia-Artikel zu diesem Roman gar nicht erwähnt, dass dieser Roman in zentralen Handlungssträngen es mit "geheimen Orden" zu tun hat. Merkwürdig, nicht? Sollten die bisherigen Deuter und Interpreten des Romans diese Seite desselben völlig überschlagen haben? Jünger erlebte in der Loge das Herannahen des Ersten Weltkrieges folgendermaßen:
Bei den Mauretaniern aber herrschte unberührte Stille wie im Zentrum des Zyklons. Wenn man in den Abgrund stürzt, soll man die Dinge in dem letzten Grad der Klarheit wie durch überschärfte Gläser sehen. Diesen Blick, doch ohne Furcht, gewann man in der Luft der Mauretania, die von Grund auf böse war. (...) Seit jenen Tagen kannte ich die Grenzen, die dem Übermut gezogen sind, und vermied, den dunklen Saum der Forsten zu betreten, die der Alte seinen „Teutoburger Wald" zu nennen liebte, wie er überhaupt in vorgespielter, schlingenreicher Biederkeit ein Meister war.

Der Alte ist hier wieder der "Oberförster". Der Krieg wurde also - offensichtlich - ausgelöst, um zur Weltrevolution des Oberförsters zu kommen. Wahrlich eine Luft, die von Grund auf böse war.

Der Bolschewismus - Die Frucht des Ersten Weltkrieges

Dann wächst - während des Ersten Weltkrieges und danach - die Macht des Bolschewismus in Osteuropa und in Deutschland, und zwar unterschwellig genährt von dem freimaurerischen "Oberförster", weshalb man sich bei diesem auch jemanden wie den Grafen Brockdorf-Ranzau vorstellen könnte, der als deutscher Botschafter in Dänemark für die Finanzierung der bolschewistischen Revolution in Petersburg mitverantwortlich war und der 1917 dafür sorgte, dass Lenin von der Schweiz nach Rußland reisen konnte. Über einen solchen freimaurerischen "Oberförster" schreibt Ernst Jünger jedenfalls:

Gerade hierin lag ein meisterhafter Zug des Oberförsters: er gab die Furcht in kleinen Dosen ein, die er allmählich steigerte, und deren Ziel die Lähmung des Widerstandes war. Die Rolle, die er in diesen Wirren, die sehr fein in seinen Wäldern ausgesponnen wurden, spielte, war die der Ordnungsmacht, denn während seine niederen Agenten, die in den Hirtenbünden saßen
also: unter den Kommunisten
den Stoff der Anarchie vermehrten, drangen die Eingeweihten in die Ämter und Magistrate, ja selbst in Klöster ein, und wurden dort als starke Geister, die den Pöbel zu Paaren treiben würden, angesehen. So glich der Oberförster einem bösen Arzte, der zunächst das Leiden fördert, um sodann dem Kranken die Schnitte zuzufügen, die er im Sinne hat.

Der Widerstand (gegen den Kommunismus) soll also allmählich gelähmt werden. Wenn Ernst Jünger das 1939 schreiben konnte, dann wusste er auch, dass das Dritte Reich - aus der Sicht solcher Oberförster - dazu diente, in der richtigen "Dosierung" den Widerstand gegen den Bolschewismus zu lähmen. Und genau das ist ja die Geschichte des 30-jährigen Krieges von 1914 bis 1945. Bei diesem "Oberförster" könnte man also auch an Menschen denken wie den Admiral Canaris, an Martin Bormann, an Freimaurer und Katholisch-Gesinnte jedenfalls, die die "weltgeschichtliche Rolle", die der Kommunismus zu spielen hatte, kannten: nämlich die bürgerliche Welt zu zerstören im Dienste der weltweiten Globalisierung und Versklavung der Völker.

1925 - Ernst Jünger lässt seine Freimaurermitgliedschaft "ruhen" (angeblich)

Sieben Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges - also 1925, als er dazu ausersehen wurde, eine Bewegung wie die "Neuen Nationalisten" hervorzurufen, will Ernst Jünger in die "Feierzunft" der Freimaurerei versetzt worden sei, sprich, seine Mitgliedschaft in dieser ruhen gelassen haben:

Wir kamen bei den Mauretaniern um ehrenvollen Abschied ein und wurden mit dem schwarz-rot-schwarzen Bande in die Feierzunft versetzt. 

Ein kleiner Scherz des Ernst Jünger. Bekanntlich kann man aus der Freimaurerei sich nicht "verabschieden", man bleibt immer Mitglied. Und gewiss wird - so wissend wie Ernst Jünger ständig geredet und geschrieben hat, er nicht nur Johannisfreimaurer, sondern Hochgradfreimaurer geworden sein. Auch achte man auf "sieben" Jahre. Dieser Siebenjahres-Zyklus spielt ja auch im Leben des Anthroposophen Otto Schily so seine Rolle und im Denken so manches anderen Okkultgläubigen. Aber lassen wir dem Ernst Jünger einmal diesen Scherz durchgehen, wenn er fortsetzt:

In diesem Orden hoch emporzusteigen, hatte es uns wohl nicht an Mut und Urteilskraft gefehlt. Doch war die Gabe uns versagt geblieben, auf das Leiden der Schwachen und Namenlosen herabzusehen, wie man vom Senatoren-Sitze in die Arena blickt.

Dieser Scherz ist schon ein etwas heftigerer. Das möchte er zwar vielleicht sich und den Lesern einreden. So musste er ja auch schreiben, schließlich war die Freimaurerei 1939 - offiziell - verboten. Da tat eine gewisse Distanzierung not. Aber natürlich nur eine gewisse. Tatsächlich nämlich schreibt Ernst Jünger fast durchgängig genauso so wie er es hier charakterisiert hat: "wie vom Senatoren-Sitze in die Arena" hinabblickend, so wurde er auch von unzähligen anderen Lesern schon empfunden. Diese Gabe ist ihm also keineswegs "versagt geblieben", nein, er lebte sie schlicht ein Leben lang. Nun, das ist dann eben so die "Logik" von Freimaurern und sonstigen Eingeweihten. Man behaupte nur dreist, wie man gesehen werden möchte - es werden schon genug glauben. So verdammt ja auch E. R. Carmin in "Das Schwarze Reich" jene "Zombifizierung der Politik", die er in diesem Buch letztlich nur wissend glorifiziert. Und um solche Trickserei nicht gar zu schwer entschlüsselbar zu machen, folgt denn auch bei Ernst Jünger gleich wieder eine Verteidigung der Freimaurerei:

Wie aber, wenn die Schwachen das Gesetz verkennen, und so in der Verblendung mit eigener Hand die Riegel öffnen, die zu ihrem Schütze geschlossen sind? So konnten wir auch die Mauretanier nicht durchaus tadeln, denn tief war Recht und Unrecht nun vermischt; die Festen wankten, und die Zeit war für die Fürchterlichen reif. Die Menschen-Ordnung gleicht dem Kosmos darin, daß sie von Zeit zu Zeiten, um sich von neuem zu gebären, ins Feuer tauchen muß.

Nein, die Freimaurer sind nicht schuld, dass die "Schwachen" mit "eigener Hand" die Riegel öffneten. Wie sollten sie denn auch! Haben Sie noch nicht genug, lieber Leser? Der Autor kann Ihnen versichern: dieser Artikel wurde nicht an einem Tag verfasst. Zwischen dem ersten Entwurf und der abschließenden Bearbeitung lagen mehrere Wochen. Zu doof kommt einem der ganze Inhalt dieses Romanes vor.

1927 oder 1928 übrigens sprach Erich Ludendorff Ernst Jünger persönlich an auf seinen Kampf gegen die Freimaurerei (wie Jünger irgendwo berichtet). Ludendorff versuchte, Ernst Jünger auf seine Seite zu ziehen. Dafür hatte Jünger zwar nur ein müdes Lächeln. Aber vielleicht waren es auch solche Anlässe, die ihn seine Freimaurermitgliedschaft "ruhen" ließen. Unter Rechtskonservativen und Völkischen hatte man damals mit einer Freimaurermitgliedschaft nicht mehr gar so viel Ansehen.

Ein lebender Leichnam Loyolas warnt und schützt Ernst Jünger wiederholt vor persönlichen Gefahren

Ernst Jünger ist ja noch kurz vor seinem Tod zum Katholizismus übergetreten. Wie bei vielen Elitären - etwa auch Hermann Hesse - fließen bei Enrst Jünger Freimaurerei und der in Orden gegossene Katholizismus fast übergangslos ineinander. Und so wandte er sich denn einem Jesuiten oder führenden Katholiken zu, nachdem er seine Freimaurermitgliedschaft ruhen ließ. Im Roman besteht eine gute Freundschaft zu einem Mönch, einem einflußreichen Kleriker in Deutschland. Ganz offensichtlich soll ein Jesuit dargestellt werden, ein "lebender Leichnam":

Wir fanden in Pater Lampros einen Mann, der etwa fünfzig Jahre zählen mochte, von mittlerer Gestalt und feinem Gliederbau. Als wir ihm nähertraten, faßte uns ein Bangen, denn Gesicht und Hände dieses Mönches kamen uns ungewöhnlich und befremdend vor. Es schien, wenn ich es sagen soll, als ob sie einem Leichnam angehörten, und es war schwer zu glauben, daß Blut und Leben sich darin befand. Sie waren wie aus zartem Wachs gebildet - so kam es, daß das Mienenspiel nur langsam an die Oberfläche drang und mehr im Schimmer als in den Zügen des Gesichtes lag. Auch wirkte es seltsam starr und zeichenhaft, wenn er, wie er es liebte, während des Gespräches die Hand erhob. Und dennoch webte in diesem Körper eine Art von feiner Leichtigkeit, die in ihn eingezogen war gleich einem Atem-Hauche, der ein Puppenbild belebt. Auch fehlte es ihm nicht an Heiterkeit.
Der letzte Satz darf natürlich nicht fehlen zu dem kaffkaesken Bild, das Ernst Jünger hier wieder einmal über die Hintergrundpolitik des 20. Jahrhunderts zu geben weiß, hier und auch sonst. Vielleicht soll hier der Nuntius Pacelli dargestellt sein, der sich ja auch gut mit dem rechtskonservativen bayerischen Thronfolger Kronprinz Rupprecht und der ganzen bayerischen Königsfamilie bestens verstand. Wozu jedenfalls auch das folgende passen könnte:
Sein Grundsatz war, daß jede Theorie in der Natur-Geschichte einen Beitrag zur Genesis bedeute, weil der Menschengeist in jedem Alter die Schöpfung von neuem concipiere - und daß in jeder Deutung nicht mehr an Wahrheit lebe als in einem Blatte, das sich entfaltet und gar bald vergeht.
Und weiter:
Wir durften die Muße, die uns Pater Lampros schenkte, um so höher schätzen, als sein Name bei den Christen in hohem Ansehn stand, und viele, die Rat und Trost erhofften, sich ihm näherten. Doch liebten ihn auch solche, die an den Zwölf Göttern hingen, oder die aus dem Norden stammten, wo man die Äsen in weiten Hallen und umzäunten Hainen ehrt. 
Gemeint sind also die Neuheiden oder jene, die äußerlich so taten, als wären sie Neuheiden, also etwa jemand wie Friedrich Hielscher:
Auch ihnen, wenn sie zu ihm kamen, spendete der Pater aus der gleichen Kraft, doch nicht in priesterlicher Form. Oft nannte Bruder Otho, der viele Tempel und Mysterien kannte, es an diesem Geiste das Wundersame, daß er so hohe Grade der Erkenntnis mit der strikten Regel zu vereinigen verstand.
Wahrlich "wunderbar"!!!! Und weiter:
Bei dem Vertrauen, das alle Kräfte, die an der Marina (sprich: in Deutschland) wirkten, dem Pater Lampros zollten, war er in den Gang der Dinge vollkommen eingeweiht. Er übersah das Spiel, das dort getrieben wurde, wohl besser als jeder andere.
Und:
Wir fragten uns zuweilen, ob die Verderbnis ihm schon zu weit fortgeschritten scheine, um sie zu heilen; oder ob Bescheidenheit und Stolz ihn hinderten, im Streite der Parteien aufzutreten, sei es in Worten, sei es mit der Tat. Doch traf wohl Bruder Otho den Zusammenhang am besten, wenn er sagte, daß für Naturen wie die seine die Zerstörung des Schrecklichen entbehre, und sie geschaffen seien, in die hohen Grade des Feuers einzutreten wie durch Portale in das Vaterhaus.
Nein, ein Satanist hat das gewiss nicht geschrieben ... Und er spricht auch nicht von einem Satanisten. Und so macht man es in Geheimgesellschaften, wenn alles dem Feuer ausgeliefert werden soll, aber gewiss nicht die engsten Mitarbeiter und Freunde:
Wie dem auch sei - wenn Pater Lampros die Sicherheit für sich verschmähte, so zeigte er sich doch getreu um uns besorgt. Oft kamen seine Zettel (...) und mahnten uns, (...) auf Exkursion zu gehn. Wir ahnten dann, daß er uns zu bestimmter Stunde an entferntem Orte wissen wollte, und handelten danach. Er mochte diese Form wohl wählen, weil er vieles unter Siegeln, die unverletzlich sind, erfuhr.

Also, sie waren wieder bei einem "Mauretanier", nur diesmal im christlichen und Mönchs-Gewand. Sie hatten sich von Geheimgesellschaften gar nicht "verabschiedet". Wir ahnten es ja schon. Und diese Zettel scheint Ernst Jünger auch viele zwischen 1939 und 1945 erhalten zu haben, er scheint auf manche "Exkursionen" nach Paris und anderwärts gesandt worden zu sein, die ihn vor allzu großer Frontnähe in Sicherheit brachten.

Dann berichtet Ernst Jünger von Versuchungen, sich vor 1933 auf die Seite Adolf Hitlers zu schlagen. Aber der Rat des genannten lebenden Leichnams bewahrte sie vor dieser Versuchung. Es gab aber auch, so nennt es Jünger, "schwache Tage":

Doch sollen wir auch jene nicht verschweigen, in denen das Niedere über uns Gewalt gewann. In unseren schwachen Stunden erscheint uns die Vernichtung in schrecklicher Gestalt, wie jene Bilder, die man in den Tempeln der Rache-Götter sieht.

In unseren "schwachen Stunden". Wenn man also nicht vom Senator-Sitz aus in die Arena blickte. Es wird an solchen Stellen deutlich wie tief Ernst Jünger vom satanistischen Denken durchtränkt gewesen sein muss: Der Schrecken verliert seine Schrecken, wenn man nur seinen Standpunkt hoch genug wählt, wenn man zu den - angelich - "Starken" gehört. Hier ist er ganz dicht bei Friedrich Hielscher, der exakt genauso geschwafelt hat. Dann wird geschildert, wie der Bolschewismus näher und näher kommt mit Grausamkeiten und Vernichtungen aller Art. Dabei kann natürlich berücksichtigt sein, dass Ernst Jünger auch den Faschismus als eine Art Bolschewismus verstanden wissen können wollte. Aber natürlich wusste er 1939, dass noch viel mehr "Bolschewismus" über Europa kommen würde, als bis dahin über Europa gekommen war.

1939 - Diskussionen in Logen und Orden rund um einen Morgenthau-Plan

Der weitere Handlungsablauf wird dann eher Zukunftsprognose. Da kommt - kurz vor Kriegsende 1945 - ein adliger Freimaurer (sprich "Mauretanier") mit dem Namen Braquemart zu Besuch auf die Marmorklippen am Bodensee (wo die Jünger-Brüder 1939 wohnten, und den den autobiographischen Bezugspunkt im Roman darstellt):

Er  war der Meinung, daß es auf Erden seit Anbeginn  zwei Rassen gebe, die Herren und die Knechte, und  daß im Lauf der Zeiten zwischen ihnen Vermischung eingetreten sei. In dieser Hinsicht war er ein  Schüler vom alten Pulverkopf und forderte wie dieser die neue Sonderung.
Mit dem "alten Pulverkopf" ist natürlich der Oberförster gemeint. Auch hier ist wieder Friedrich Hielscher ganz nah. Braquemart träumt von dem alten Ägypten, einem Idealstaat der Freimaurer:
Auch ließ  er den längst versiegten Strom die Schiffe mit den Purpurdecks hinunterfahren; man sah die hundert Ruder mit insektenhaftem Regelmaß ins Wasser tauchen und hörte den Klang der Becken und der Geißel, die auf den Rücken der unglückseligen Galeeren-Sklaven fiel. Das waren Bilder für Braquemart. Er zählte zum Schlage der konkreten Träumer, der sehr gefährlich ist.
Und weiter lässt sich Jünger aus über einen damaligen inneren Konflikt unter den Freimaurern, nämlich einen solchen zwischen "Nihilisten" und "Anarchisten", zwischen den Plänen des freimaurerischen "Oberförsters" und den Plänen des freimaureischen Braquemart für die Zukunft Deutschlands ("Marina"). Wenn man diese Gedanken zu Ende denkt, schwant einem, was für Ungeheuerlichkeiten damals die freimaurerischen Logen und katholischen Orden auch in Deutschland ausbrüteten. Es werden hier die Diskussionen geführt, wie sie nur wenige Jahre später rund um den "Morgenthau-Plan" und vergleichbare Pläne vor allem in den USA geführt wurden:
Darin bestand jedoch Verschiedenheit insofern, als der Alte die Marina mit wilden Bestien  zu bevölkern im Sinne hatte, indessen Braquemart sie als den Boden für Sklaven und für Sklaven-Heere betrachtete. Es drehte sich dabei im Grunde um einen der inneren Konflikte unter Mauretaniern, den hier in seinen Einzelheiten zu beschreiben nicht  tunlich ist.
Allerdings: "nicht tunlich", den Nazis schon im Jahr 1939 die Zukunft Deuschlands so konkret voraus zu sagen. Für das Deutschland östlich der Oder, des Bayerischen Waldes und der Karwanken setzten sich die Pläne des "Oberförsters" durch (Entvölkerung), für das verbliebene Deutschland die Pläne Braquemarts (Sklaverei mit der Peitsche des Kapitalismus links, Sklaverei mit der Peitsche des Sozialismus rechts der Elbe). Schöne "Arbeitsteilung" und Dreiteilung Deutschlands. Und weiter über Braquemart wieder so recht freimaurerisch-satanistisch:
Auch faßte er wie alle seinesgleichen das Leben als ein Uhrwerk auf, und so erblickte er in Gewalt und Schrecken die Antriebs-Räder der Lebensuhr.
Ernst Jünger spricht ganz wie ein viel wissender Okkultgläubiger:
Vor der Entscheidung treffen sich die Geister wie die Ärzte am Krankenbett. Der eine möchte zum Messer greifen, der  andere will den Kranken schonen, und der Dritte sinnt auf Mittel von besonderer Art. Doch was sind Menschenrat und -wille, wenn in den Sternen schon der Untergang beschlossen liegt?

Womit dann abschließend die Astrologiegläubigkeit des Herrn Jünger zu Tage tritt. Logen- und Ordensgespräche kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Einige Details des Infernos von 1945 sehr präzise im Voraus geschildert

Dieser Freimaurer Braquemart zieht mit einem freimaurerischen Begleiter in die Schlacht mit dem freimaurerischen, bolschewistischen Oberförster und wird von dem Lumpenpack des Oberförsters gelyncht. Also einmal erneut wie in der im Freimaurerdenkmal für die Völkerschlacht von Leipzig von 1813 zelebriert: Freimaurer gegen Freimaurer. Die Köpfe der beiden Freimaurer, mit denen die Jünger-Brüder noch kurz zuvor Freimaurergespräche geführt hatten, werden von den bolschewistischen Horden auf Spieße gesteckt. Man möge sich vielleicht an die Leiche Mussolinis im Jahr 1945 erinnern. Ernst Jünger erfasst Begeisterung beim Anblick dieser beiden aufgespießten Köpfe:

Ich fühlte (...) die Tränen mir in  die Augen schießen - doch jene Tränen, in welchen mit der Trauer uns herrlich die Begeisterung ergreift. Auf dieser bleichen Maske, von der die abgeschundene Haut in Fetzen herunterhing, und die aus der Erhöhung am Marterpfahle auf die Feuer herniederblickte, spielte der Schatten eines Lächelns von höchster Süße und Heiterkeit, und ich erriet, wie von dem hohen Menschen an diesem Tage Schritt für Schritt die Schwäche abgefallen war - so wie die Lumpen von einem König, der als Bettler verkleidet ging.
So also haben Freimaurer und Ordensnahe ihre - - - "notwendigen" "Opfertode" im Zweiten Weltkrieg gefeiert oder feiern lassen. Man mag auch denken an die noch kurz vor Kriegsende erschossenen Eingeweihten Wilhelm Canaris oder Albrecht Haushofer. Bei der Schilderung des Todes des Begleiters des Freimaurers Braquemart darf man dann gerne an Adolf Hitler, Joseph Goebbels, Heinrich Himmler oder Hermann Göring denken und sich dabei fragen: Woher hatten die ihre Ideen? Ernst Jünger 1939:
Ich erriet, daß er zur rechten Zeit die Pille eingenommen hatte, die jeder Mauretanier am Körper führt. Es ist dies eine Kapsel aus buntem Glase, die man zumeist im Ringe und in den Augenblicken der Bedrohung im Munde führt. In dieser Haltung genügt ein Biß, die Kapsel zu zermalmen, in die ein Gift von ausgesuchter Wirkung eingeschlossen ist.
Das ist schon erstaunlich, dass der Jünger das so genau voraus wusste. Hatte man denn gar nichts dem Zufall überlassen? Aber Hitler hatte ja schon 1923 und 1932 über Selbstmord-Pläne nachgedacht und sich zu ihnen geäußert. Und auch für ihn stand ja vieles in den Sternen geschrieben. Da hier so präzise die Zukunft vorausgesagt wird, sei aber auch noch zitiert, was weiter dazu von Ernst Jünger ausgeführt wird:
Dies ist die Prozedur, die in der Mauretanier-Sprache als die Berufung an die dritte Instanz bezeichnet wird - entsprechend dem dritten Grade der Gewalt, und sie gehört zum Bilde, das man in diesem Orden von der Würde des Menschen hegt. Man hält die Würde durch den gefährdet, der niedere Gewalt erduldet; und man erwartet, daß jeder Mauretanier zu jeder Stunde zum tödlichen Appell gerüstet sei.
War das die Lehre, die auch Adolf Hitler früh von seinen "Artamanenbrüdern" gelehrt bekommen hatte? Man wundert sich ja schon ein wenig über die Einheitlichkeit der Todesart an der Spitze des Dritten Reiches. Solche "Selbstmord-Epidemien" wie in Deutschland im Frühjahr 1945 (5) hat es während oder nach dem Ersten Weltkrieg nicht gegeben. Kam sie 1945 wirklich aus heiterem Himmel? Oder hatten - - - Orden ein Losungswort ausgegeben?

Aus dem Inferno der Endtage des Zweiten Weltkrieges mit Totschlag, Raub und Morden, Vergewaltigungen, brandlohen Städten, vertriebenen Männern, Frauen und Kindern retten sich Ernst Jünger und sein Bruder nach England, das abgeschlagene Haupt desjenigen Freimaurers mit sich führend, der sich mit einer Giftkapsel das Leben genommen hatte. Dieses Haupt - vermutlich sinnbildlich eines Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus? oder gegen den Bolschewismus? oder gegen beide?, jedenfalls ein echter und rechter "Freimaurer" - sollte beim Wiederaufbau der zerstörten Dome in Deutschland in die Grundmauern eingemauert werden. Also auch schon an den freimaurerischen Wiederaufbau nach dem Krieg dachte Ernst Jünger 1939 ....

Soweit in einem ersten - vermutlich noch viel zu schnell dahin geschriebenen - Durchgang das, was man im dem Roman "Auf den Marmorklippen" finden und lesen kann. Jedenfalls, wahrlich "die Luft" war böse, aus der das alles kroch. Und wahrlich im letzten Teil eine sehr lebensnahe Prophetie. Ist es mehr? Nein. Bertold Brecht hatte schon recht, als er diesem Werk rundweg absprach, zu guter Literatur zu gehören. Es ist bestenfalls Logen-, bzw. Ordens-Literatur, so wie sie hier auf dem Blog schon in vielen führeren Beiträgen charakterisiert worden ist. BEsonders erinnert dieser Roman an das Buch "Das Reich" von Friedrich Hielscher aus dem Jahr 1932, das hier auf dem Blog schon gründlich behandelt worden ist. Der Roman bezieht seine ganze Bedeutung, all das angeblich "Geheimnisvolle", das ihn umgibt, aus einem Wissen, das Uneingeweihten nicht zugänglich ist. Aber nur geheimnisvoll munkeln ist noch nicht eine Literatur, die auch ohne Munkeln irgendeinen Wert hätte.

/25.9.2019: Dieser Artikel hat inzwischen eine Ergänzug erfahren hier:

studgenpol.blogspot.com/2019/09/ernst-junger-er-schwelgte-in-der.html /
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  1. Preparata, Guido Giacomo: Wer Hitler mächtig machte. Wie britisch-amerikanische Finanzeliten dem Dritten Reich den Weg bereiteten. Perseus-Verlag Basel 2010 (engl. OA.: Conjuring Hitler. How Britain and America made the Third Reich. Pluto Press, London Ann Arbor 2005)
  2. Benesch, Alexander: Der Geheimplan zur Neutralisierung von Europas Konservativen. Auf: Recentr.com, 30. Mai 2016, http://recentr.com/2016/05/30/der-geheimplan-zur-neutralisierung-von-europas-konservativen/
  3. Bading, Ingo: Wie kam Stalin in die Mitte Europas .... 
  4. Jünger, Ernst: "Auf den Marmorklippen" (1939) 
  5. Huber, Florian: "Kind, versprich mir, dass du dich erschießt". Der Untergang der kleinen Leute 1945. Berlin Verlag, Berlin 2015 (303 S.)

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