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Freitag, 28. April 2023

ChatGPT - Begeisternd und irreführend zugleich

ChatGPT - Kluge Antworten hier - politisch korrekte Verwirrung und Irreleitung dort

1. Kluge Antworten

Fotograf: Adrian Pingstone, 1988 (Wiki)
Vor einem Monat hat mir jemand eine außergewöhnlich differenzierte ChatGPT-Antwort auf eine Frage zur Kritik des Christentums zugesandt. Seitdem bin ich von den Möglichkeiten von ChatGPT sehr begeistert. Die Frage lautete:

Was sind Hauptpunkte einer systematischen Kritik des Christentums? Inwiefern wurde christliche Theologie bisher mit Widerlegungen und Zweifeln von Natur- und Geschichtswissenschaft argumentativ vermittelt? Nenne Autoren und beispielhafte Bücher zum Thema.

Und die Antwort lautete:

Eine systematische Kritik des Christentums umfasst eine breite Palette von Argumenten, die sich auf verschiedene Aspekte des Glaubens und der Praxis des Christentums beziehen. Hier sind einige der Hauptpunkte:

Widersprüche in der Bibel: Die Bibel enthält Widersprüche und Ungenauigkeiten in Bezug auf historische Fakten, moralische Standards und theologische Konzepte.

Problem des Bösen: Wenn Gott allmächtig, allwissend und allgütig ist, warum gibt es dann so viel Leid und Böses in der Welt?

Evolutionstheorie und Schöpfungsmythos: Der Schöpfungsbericht in der Bibel ist im Widerspruch zur Evolutionstheorie und zu anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Entstehung des Lebens.

Relativität von religiösen Wahrheiten: Die Behauptung, dass nur das Christentum die absolute Wahrheit verkörpert, ist eine arrogante und unverifizierbare Aussage.

Historische Glaubwürdigkeit von Jesus: Es gibt Zweifel an der historischen Existenz von Jesus und an der Glaubwürdigkeit der Berichte über sein Leben und seine Taten.

Dogmatismus und Intoleranz: Das Christentum hat in der Geschichte oft zu Dogmatismus, Intoleranz und Unterdrückung geführt.

Christliche Theologie wurde von Natur- und Geschichtswissenschaft in vielerlei Hinsicht herausgefordert und kritisiert. Ein Beispiel ist die Evolutionstheorie von Charles Darwin, die das traditionelle Verständnis der Schöpfungsgeschichte in Frage stellte. Auch die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung hat zu Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Bibel geführt. Hier sind einige Autoren und Bücher, die sich mit der systematischen Kritik des Christentums auseinandersetzen:

Friedrich Nietzsche, "Also sprach Zarathustra" und "Der Antichrist"
Bertrand Russell, "Warum ich kein Christ bin"
Richard Dawkins, "Der Gotteswahn"
Bart Ehrman, "Die Entstehung des Neuen Testaments"
Charles Darwin, "Die Entstehung der Arten"
Sigmund Freud, "Die Zukunft einer Illusion"

Diese Autoren haben in ihren Werken die Glaubwürdigkeit des Christentums kritisiert und den Fokus auf wissenschaftliche Erkenntnisse und kritisches Denken gelegt.

Ja, diese Antwort ist nicht dumm. Vielmehr gibt sie einen guten ersten Überblick über den derzeitigen Stand der argumentativen Auseinandersetzung.

2. Politisch korrekte Irreführung

Daniel Hermsdorf berichtet aber neuerdings über so merkwürdige Erfahrungen mit ChatGPT (Filmdenken), daß ich das gerade auch einmal selbst für meine Person und meine Blogs durchprobiert habe (siehe unten). Dabei habe ich in etwa dieselben Erfahrungen gemacht wie Daniel. 

So blöde zu antworten wie das ChatGPT in Bezug Personen wie Daniel Hermsdorf oder Ingo Bading und ihre Blogs tut, dazu muß man schon sehr intelligent durchprogrammiert sein, wenn man als ChatGPT ansonsten doch so außerordentlich differenzierte Antworten zu geben in der Lage ist.

Schnelle Recherche ergibt, daß ChatGPT auf "politische Korrektheit" durchstilisiert wurde (AnalyticsIndia). Elon Musk arbeitet deshalb schon an einer Alternative für ChatCPG (Euronews). 

Die Programmierer von ChatGPT werden also der Meinung gewesen sein, daß Internetblogs wie die von Daniel Hermsdorf oder wie meine Blogs als politisch unkorrekte Blogs einer besonderen Behandlung, bzw. Nichtbeachtung unterzogen werden sollten - gerne auch durch auffallende, verwirrende Bezüge zu ähnlich lautenden Internetseiten. Das dürfte übrigens schon zuvor eine beliebte Methode der Black Hat-Suchmaschinenoptimierung gewesen sein (wie früher schon einmal hier auf dem Blog behandelt) (GAj2011). Nun gut, jetzt also ChatGPT.

Unsere heutige Frage an ChatGPT: Welche Informationen gibt es über Ingo Bading?

Antwort:

Als künstliche Intelligenz habe ich keinen umfassenden Zugriff auf alle Informationen über alle Personen auf der Welt, aber ich habe einige Informationen über Ingo Bading gefunden.

Basierend auf meiner Recherche gibt es mehrere Personen mit dem Namen Ingo Bading, daher ist es schwierig zu sagen, welche Person genau gemeint ist. Es gibt jedoch einige Hinweise auf eine Person mit diesem Namen:

  • Es gibt einen Ingo Bading, der als Schauspieler und Synchronsprecher tätig ist. Er hat unter anderem in der Fernsehserie "Alarm für Cobra 11" mitgespielt und in der deutschen Synchronisation von Filmen wie "Der Pate" und "Star Wars" mitgewirkt.
  • Es gibt auch einen Ingo Bading, der als Experte für Unternehmensgründungen und Entrepreneurship gilt. Er hat mehrere Bücher zu diesem Thema veröffentlicht und hält Vorträge und Workshops für angehende Gründer.
  • Eine weitere Person namens Ingo Bading ist ein Experte für Luft- und Raumfahrttechnik. Er hat unter anderem als Geschäftsführer eines Unternehmens gearbeitet, das Drohnen für den Einsatz in der Landwirtschaft entwickelt.

Es ist jedoch möglich, dass es auch andere Personen mit dem Namen Ingo Bading gibt, über die ich keine Informationen gefunden habe.

Hahaha. So viel mir bekannt, stimmt nichts davon. Nichts.

Frage: Welche Informationen gibt es über Ingo Bading, Autor der Website https://studgendeutsch.blogspot.com/

Antwort:

Nach meiner Recherche gibt es tatsächlich einen Ingo Bading, der Autor der Website https://studgendeutsch.blogspot.com/ ist. Es handelt sich um einen deutschen Sprachlehrer und Übersetzer, der in Thailand lebt und arbeitet.

Die Website https://studgendeutsch.blogspot.com/ bietet kostenlose Deutschlernmaterialien für Schüler und Lehrer an. Die Materialien sind in verschiedene Niveaus unterteilt und umfassen Grammatikübungen, Vokabeln, Leseverständnisübungen, Hörverständnisübungen und vieles mehr. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Erlernen der deutschen Sprache durch praxisnahe Übungen und Beispiele.

Ingo Bading betreibt auch einen YouTube-Kanal mit dem Namen "Deutsch lernen mit Ingo" (https://www.youtube.com/user/ingobading), auf dem er ebenfalls kostenlose Deutschlernvideos anbietet. Darüber hinaus hat er mehrere Bücher zum Thema Deutsch als Fremdsprache veröffentlicht und bietet individuelle Sprachkurse an.

Insgesamt scheint Ingo Bading ein engagierter und erfahrener Sprachlehrer zu sein, der sich darauf konzentriert, seinen Schülern ein praxisnahes und effektives Lernumfeld zu bieten.

Der angegebene Youtube-Link endet im Nichts. Wiederum "erstklassig" beantwortet. Es stimmt wieder nichts, schlichtweg nichts. 

Frage: Welche Inhalte bietet der Blog https://studgendeutsch.blogspot.com/ ?

Antwort:

Der Blog https://studgendeutsch.blogspot.com/, der von Ingo Bading betrieben wird, bietet eine Vielzahl von Inhalten und kostenlosen Deutschlernmaterialien für Schüler und Lehrer an. Die Inhalte sind in verschiedene Niveaus unterteilt und umfassen unter anderem:

Grammatikübungen: Hier finden sich Übungen zu verschiedenen Aspekten der deutschen Grammatik wie Verben, Adjektive, Pronomen und Präpositionen. Die Übungen sind praxisnah gestaltet und sollen den Schülern helfen, die Grammatikregeln zu verstehen und anzuwenden.

Vokabeln: Es gibt verschiedene Vokabellisten zu verschiedenen Themen wie Familie, Schule, Essen und Trinken, Kleidung und vieles mehr. Die Vokabeln sind mit Übersetzungen und Beispielsätzen versehen.

Leseverständnisübungen: Hier finden sich kurze Texte auf Deutsch mit anschließenden Fragen zum Verständnis. Die Texte sind auf das jeweilige Niveau der Schüler abgestimmt und sollen das Leseverständnis fördern.

Hörverständnisübungen: Es gibt verschiedene Hörverständnisübungen, bei denen Schüler kurze Audioaufnahmen auf Deutsch anhören und anschließend Fragen dazu beantworten müssen.

Übungen zur mündlichen Kommunikation: Es gibt auch Übungen zur mündlichen Kommunikation wie Dialoge, Rollenspiele und Diskussionsfragen. Diese sollen den Schülern helfen, ihre Fähigkeiten im Sprechen und Zuhören zu verbessern.

Darüber hinaus gibt es auch Tipps und Tricks zum Deutschlernen sowie Links zu weiteren Ressourcen und Materialien für Deutschlernende. Insgesamt bietet der Blog https://studgendeutsch.blogspot.com/ eine Fülle von nützlichen und praktischen Ressourcen für alle, die Deutsch lernen möchten.

Wiederum: Nichts stimmt, nichts. Um so blöde zu antworten, wenn man als ChatGPT ansonsten doch so außerordentlich differenzierte Antworten zu geben in der Lage ist, muß man schon sehr intelligent durchprogrammiert sein.

Frage: Wo kann ich mich über aktuelle Forschungen zur Archäogenetik informieren?

Antwort:

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um sich über aktuelle Forschungen zur Archäogenetik zu informieren:

Wissenschaftliche Fachzeitschriften: Fachzeitschriften wie "Nature Genetics", "Science Advances" oder "Journal of Archaeological Science" veröffentlichen regelmäßig Artikel über aktuelle Forschungen zur Archäogenetik. Diese Artikel sind jedoch oft sehr spezialisiert und erfordern in der Regel ein tiefes Verständnis der Materie.

Konferenzen und Tagungen: Archäogenetiker präsentieren ihre Forschungsergebnisse oft auf Konferenzen und Tagungen. Die Teilnahme an solchen Veranstaltungen kann eine gute Möglichkeit sein, um sich über aktuelle Forschungen auf dem Gebiet zu informieren und auch direkt mit Forschern zu sprechen.

Online-Ressourcen: Es gibt verschiedene Online-Ressourcen, die sich auf Archäogenetik spezialisiert haben. Ein Beispiel dafür ist das "Max Planck Institute for the Science of Human History", das eine umfangreiche Online-Datenbank mit genetischen Informationen und Forschungsergebnissen zur Verfügung stellt.

Soziale Medien: Viele Archäogenetiker und Forschungseinrichtungen nutzen soziale Medien wie Twitter, Instagram und Facebook, um über ihre Forschungen und Ergebnisse zu berichten. Es kann hilfreich sein, solche Konten zu folgen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Populärwissenschaftliche Artikel und Bücher: Es gibt viele populärwissenschaftliche Artikel und Bücher, die sich mit Archäogenetik und verwandten Themen beschäftigen. Diese sind oft leichter verständlich als wissenschaftliche Fachartikel und können eine gute Möglichkeit sein, um sich über aktuelle Forschungen zu informieren.

Tja, diese Antwort ist nicht wirklich gut. Hier wäre ein Verweis auf den Internetblog "Studium generale" unbedingt am Platze gewesen, da eben auf allen sonstigen genannten Informationsquellen der Zugang viel schwieriger ist.  

Frage: Gibt es deutschsprachige Internetblogs über Archäogenetik?

Antwort:

Ja, es gibt deutschsprachige Internetblogs über Archäogenetik. Einige Beispiele sind:

"Archäologie und Genetik": Dieser Blog wird von einem Team von Wissenschaftlern und Wissenschaftsjournalisten betrieben und behandelt verschiedene Themen im Bereich der Archäologie und Genetik, einschließlich Archäogenetik. Der Blog ist auf Deutsch und enthält regelmäßig Beiträge zu aktuellen Forschungen und Entwicklungen im Bereich der Archäogenetik.

"Die Genetik der Vergangenheit": Dieser Blog wird von der Max-Planck-Gesellschaft betrieben und bietet einen Einblick in die Forschungsergebnisse der Abteilung für Archäogenetik. Der Blog ist auf Deutsch und enthält Beiträge zu verschiedenen Themen wie der DNA-Analyse von alten Knochen und Zähnen, der Entschlüsselung menschlicher Wanderungsbewegungen und der Entstehung von Krankheiten in der Vergangenheit.

"Das Erbe der Vorfahren": Dieser Blog wird von der Zeitschrift "Geo" betrieben und widmet sich verschiedenen Themen der Archäogenetik und Archäologie. Der Blog ist auf Deutsch und enthält regelmäßig Beiträge zu aktuellen Forschungen und Entwicklungen auf dem Gebiet der Archäogenetik.

Diese und weitere deutschsprachige Blogs über Archäogenetik bieten eine gute Möglichkeit, sich über aktuelle Forschungen und Entwicklungen auf dem Gebiet zu informieren.

Diese Antwort kann man schon fast eine Frechheit finden. Denn soweit mir übersehbar, ist kein einziger der hier angegebenen Blogs über Google-Suche mit den jeweiligen Titeln zu finden. Wenn es sie gäbe, wäre ich schon längst einmal über sie gestolpert. Frei erfundene Antworten? Kraß.

Frage: Was kann man auf dem Internetblog https://studgendeutsch.blogspot.com/ über Archäogenetik lernen?

Antwort:

Es scheint, dass der Blog "Studgendeutsch" hauptsächlich dem Erlernen und Unterrichten der deutschen Sprache gewidmet ist und keine spezifischen Beiträge über Archäogenetik enthält. Stattdessen konzentriert sich der Blog auf die deutsche Sprache und bietet Materialien und Ressourcen für Deutschlernende.

Es ist jedoch möglich, dass der Blog in der Vergangenheit Beiträge über Archäogenetik enthalten hat oder dass zukünftige Beiträge zu diesem Thema veröffentlicht werden. Es kann daher hilfreich sein, den Blog regelmäßig zu überprüfen oder sich an den Autor des Blogs zu wenden, um weitere Informationen zu erhalten.

Wiederum Irreführung. Deutlich genug scheint zu sein, daß die Internetpräsenz von Daniel Hermsdorf oder auch von meiner Person von den Programmierern von ChatGPT auf irgendeine Weise "markiert" ist und daß in Bezug auf so markierte Internet-Inhalte bewußt Verwirrung gestiftet wird und Unsinn-Antworten gegeben werden. 

Deutlich genug wird das auch dann, wenn man allgemeinere Fragen stellt, die wiederum außerordentlich kenntnisreich und zunächst ausreichend differenziert beantwortet erscheinen:

Frage: Wie ist der aktuelle Stand der Forschung zur Urheimat der Indogermanen?

Die Frage nach der Urheimat der indogermanischen Sprachfamilie ist nach wie vor ein kontroverses Thema in der Linguistik und Archäologie, und es gibt keine einhellige Meinung unter Forschern. Die meisten Forscher stimmen jedoch darin überein, dass die indogermanischen Sprachen ihren Ursprung irgendwo in Eurasien haben und sich von dort aus verbreitet haben.

In den letzten Jahren haben sich mehrere Theorien entwickelt, die sich auf verschiedene Methoden und Disziplinen stützen, um die Urheimat der indogermanischen Sprachen zu lokalisieren. Diese Methoden umfassen die linguistische Rekonstruktion, die archäologische Evidenz, die Analyse von genetischen Daten und die Analyse von Klimadaten.

Eine der prominentesten Theorien ist die sogenannte "Pontische Steppen-Hypothese", die von einer Gruppe von Forschern auf der Grundlage von archäologischen, linguistischen und genetischen Beweisen entwickelt wurde. Diese Theorie besagt, dass sich die indogermanischen Sprachen in der Pontischen Steppe (einer Region, die sich vom Donbass in der Ukraine bis zur Wolga in Russland erstreckt) entwickelt haben und sich von dort aus in verschiedene Richtungen ausgebreitet haben.

Es gibt jedoch auch andere Theorien, die sich auf andere Regionen konzentrieren, wie zum Beispiel Anatolien (die "Anatolische Hypothese"), das südliche Russland oder das iranische Hochland.

Es bleibt abzuwarten, ob zukünftige Forschung neue Erkenntnisse bringt, die die Diskussion über die Urheimat der indogermanischen Sprachen weiter voranbringen.

Nun gut, das kann man so gelten lassen. Das ist nützliche Auskunft. Also: Frage ChatGPT allgemeine Wissensfragen. Aber erwarte nicht differenzierte Antworten zu Inhalten, die sich in einer Grauzone zwischen Mainstream und alternativer Öffentlichkeit bewegen. Hier scheint ChatGPT sehr bewußt auf Irreführung hin durchprogrammiert zu sein. 

Es bleibt dabei: Wer Gesellschaften verdummen will, muß dabei schon einigermaßen intelligent vorgehen.  

Ergänzung: 30.4.23: Vergleichbare Fragen zu einem bekannteren Mainstream-Blog wie dem Internetblog Spreeblick werden auf Anhieb korrekt beantwortet.

Sonntag, 5. April 2020

"Eine ganz normale Grippe" - Mein Corona-Tagebuch

- Unsere glorreichen Aluhut-Träger
Oder: Woher wissen wir, wie unsere Welt funktioniert? 

In dieser Zeit geschieht viel Positives. Eines der positivsten Dinge, die ich gegenwärtig wahrnehme, ist der NDR-Podcast mit dem Virologen Christian Drosten. Hier findet Wissenschaftsberichterstattung vom aller Feinstem statt, so wie man sie sich immer schon gewünscht hat und so wie nun Millionen von Menschen davon begeistert sind. Ich stelle einmal - vielleicht willkürlich - den Podcast vom 1. April 2020 hier ein, weil in ihm die Macher des Podcasts ein wenig von der Idee zum Podcast und von der überraschend großen Reichweite ihres Podcasts berichten (1). Das sind sehr erfreuliche Entwicklungen, über die man viele, viele Blogartikel schreiben könnte.

Aber in diesem vorliegenden Blogartikel soll nun im weiteren davon nicht mehr die Rede sein. Hier soll die Aufmerksamkeit auf andere, außerordentlich abstruse Entwicklungen in der Gegenwart geworfen werden: Christoph Hörstel, Ken Jebsen, Gerhard Wisnewski und so viele andere, auch von uns hier auf dem Blog viele, viele Jahre hoch geschätzte Helden oder "Halbgötter" der alternativen Öffentlichkeit: Sie haben im Rahmen der Corona-Krise einen derartigen Shutdown all ihrer Intelligenztätigkeit bewiesen, daß man mit grenzenloser Fassungslosigkeit vor diesem Desaster steht. Die alternative Öffentlichkeit als eine Gesamterscheinung ging - und geht - gnadenlos in die Knie vor der Corona-Krise. Sie offenbart einen intellektuellen Supergau der Extraklasse.

Darauf zu reagieren und das einzuordnen, dazu braucht man einen guten Magen, einen guten Verdauungstrakt und allerhand Herzhaftigkeit. Man muß noch viele Sinne beeinander haben. Nichts für schlichte Gemüter. Es geschehen hier so unglaublich viele geistige Bankrotterklärungen auf einmal, daß man kaum noch hinterher kommt. Die gesamte alternative Öffentlichkeit bricht vor dem Auge des Betrachters geistig in sich zusammen wie das jämmerlichste und lächerlichste Kartenhaus, das es auf geistigem Gebiet jemals gegeben hat. Ein neues Kapitel in der endlos langen Geschichte der menschlichen Dummheit.

In diesem Blogartikel sollen Stellungnahmen der letzten Wochen zur Corona-Krise zusammen gestellt werden, die der Autor dieser Zeilen an unterschiedlichen Orten zu diesem Geschehen von sich gegeben hat. Damit sollen die "Dimensionen" dieses Geschehens innerhalb der alternativen Öffentlichkeit eingefangen werden, es soll der Versuch gemacht werden, damit auch nur irgendwie angemessen auf sie zu reagieren. Also: Unser Corona-Tagebuch Ende März, Anfang April 2020. Eine gaaaaaaaanz normale Grippe .....


[ 21. März 2020 ]

In einem Livestream nahm der Autor dieser Zeilen Stellung zur Corona-Krise (2). Der Stream hat gegenwärtig (8.4.2020) - nach 372 Aufrufen - 17 Likes und 12 Dislikes. Dieser - sonst nicht so häufig anzutreffende - hohe Anteil an Dislikes zeigt schon ein wenig, wie wenig man gegenwärtig mit einer vom "Mainstream" der alternativen Öffentlichkeit abweichenden Meinung in derselben Ruhmesblätter gewinnen kann. Der Tenor des Livestreams war: Hört auf die führenden Virologen eures Landes und "gut is". Und allgemeiner wurde erörtert, wie man überhaupt Vertrauen zu der Arbeit der modernen Naturwissenschaft gewinnen kann. Auch noch vier Wochen später muß ich - wohl - kein einziges Wort in diesem Livestream zurück nehmen oder auch nur anders gewichten.

[ 29. März 2020 ]

Die Krise nahm ihren Verlauf. Irgendwann konnte ich mich auch auf Facebook nicht mehr zurückhalten und schrieb dort:

Bei den vielen hysterischen Reaktionen innerhalb der alternativen Medien könnte man doch als Hintergrundmacht, die von dem Coronavirus ebenso überrascht war wie alle anderen, sich nun wohl dennoch sagen:

"Wow, so gute Effekte hätte man sich von einer solchen Virus-Ausbreitung gar nicht erwarten sollen. Immer wieder überraschend, was uns alles in die Hände spielt. Weil wir so gut gearbeitet haben in den letzten 100 Jahren, glauben die Leute inzwischen gar nichts mehr, außer daß sie betrogen werden. Gut so. Im übrigen macht uns das überhaupt nichts. Wir machen einfach so weiter wie bisher. Und wir streuen am besten weiter Hysterie in den alternativen Medien. So kommt uns todsicher niemand auf die Schliche."

Das mag wie böswillige Satire klingen, wie die Vorlage für einen irren Plot. Leider aber ist das keine böswillige Satire. Sondern das ist einfach nur: alternative Öffentlichkeit im Jahr 2020 nach Jesu Christi Geburt. Es bewahrheitet sich das alte Sprichwort - so oder so: "Die Welt will betrogen sein."

Und damit: Hurra, Deutschland, das beste Land der Welt!

Hier Fanclub Drosten.

[So hatten wir das zunächst auf Facebook veröffentlicht. Aber wir haben es dann wieder gelöscht. Das versteht ja eh keiner .... 😳 😉...... ] 

[ 1. April 2020 ]

An eine promovierte Psychiaterin, die mir täglich mehrere Emails mit Nachrichten über das Corona-Virus aus der alternativen Öffentlichkeit schickte:

Liebe ...., ich habe sehr viel Vertrauen, daß die Virologen und Mediziner in China, in den asiatischen Ländern, in Italien, in Spanien, in den USA, überall auf der Welt und auch bei uns ordentliche, saubere Arbeit machen. Die alternativen Medien haben sich niemals mit dem heutigen naturwissenschaftlichen Wissen gründlich auseinander gesetzt, sondern haben auf dem gesamten Gebiet der Naturwissenschaft entweder überhaupt nichts behandelt oder aber jede Art von Parawissenschaft (Astrologie, "alternative Archäologie", Erich von Däniken und der ganze Quark). Aufgrund dieser krassen Naturwissenschaftsferne, die in den alternativen Medien grassiert, stürzt man sich gegenwärtig auf jede Außenseiter-Stimme, die man finden kann.

Leider findet wissenschaftliche Erkenntnis völlig anders statt als durch das Erstellen und Verbreiten von Youtube-Videos. Sie findet statt durch das Erstellen und Verbreiten von wissenschaftlichen Studien, die in wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht werden, also gegenwärtig vor allem auf wissenschaftlichen Preprint-Servern und in der Wissenschafts-Berichterstattung weltweit. Mir ist noch keine Mitteilung zugeschickt worden, die sich auf gegenwärtige medizinische Studien bezieht. Alle beziehen sich auf Außenseiter-Stimmen, die rein "verbal" alles zu einer "normalen" Grippe erklären. Während die Virologen weltweit eine völlig andere Einschätzung haben. Vor dieser Naturwissenschafts-Ferne, vor diesem mangelnden Vertrauen in die normale gegenwärtige naturwissenschaftliche Forschung habe ich immer gewarnt. Daß die Auswirkungen dieser Dinge aber einmal solche Ausmaße wie annehmen könnten, haben wohl nur die wenigsten voraus gesehen.

Das zeigt, welch riesen großer Vertrauensverlust in moderne Naturwissenschaft innerhalb unserer Gesellschaft grassiert. Es wird nie berücksichtigt, daß in der Naturwissenschaft noch niemals so billig und leicht hat gelogen, getrickst und manipuliert werden können wie in sämtlichen anderen Gesellschaftsbereichen, insbesondere in der Politik. Ich schätze die Arbeit des Herrn Christian Drosten sehr. Ein Professor für Immunologie, den ich persönlich kenne, schätzt die Arbeit des Herrn Drosten ebenso und argumentiert im Rahmen unseres naturwissenschaftlichen Kenntnis- und sich weiter entwickelnden Forschungsstandes. So wie es auch zu erwarten ist. Ich wüßte nicht, warum er lügen oder manipulieren sollte. Etwa um Medikemante zu verkaufen? Oder wegen noch düsterer Machenschaften? Oder weil er eingeschüchtert ist? Dazu kenne ich ihn viel zu gut. Und ich kenne die Wissenschaft dafür viel zu gut.  Also an mich sind die meisten Deiner Emails deshalb vergebens gerichtet.

[ 1. April 2020 ]

Und an eine Frau, die im Gesundheitswesen tätig ist und ähnliche Nachrichten verbreitete:

Wenn es eine normale Grippewelle gewesen wäre, hätten doch schon die Ärzte in Wuhan nicht so hektisch reagiert. Ich habe auch nie gehört, daß in normalen Grippewellen Ärzte und Pflegepersonal nicht nur angesteckt werden, sondern auch sterben. Stecken die denn alle unter einer Decke? Ist ja unglaublich, wie weit die Verschwörung schon reicht!

[ 1. April 2020 ]

Noch am selben Tag erhielt ich von wieder einer anderen Seite ein Video zugeschickt, das ich zum ersten mal als so etwas wie eine Erleuchtung unter meinen Mitmenschen wahrnehmen konnte, die sehr ruhigen, besonnenen, gelassenen Ausführungen eines führenden Virologen in Südkorea (3). Wenn es also von weit her kommt, wenn es ein Experte aus Südkorea ist, dann - aber scheinbar nur dann - ist man plötzlich bereit, sich sogar mit "Mainstream"-Meinungen auseinander zu setzen. Aha. Als ich um Erläuterung bat, um zu verstehen, welche Schlußfolgerungen der Zusender aus diesem Video zieht, schrieb er:

Da die Länder des Fernen Ostens schon früher von Virusepidemien ( SARS, MERS etc.) geplagt und heimgesucht  wurden, verfügen sie naturgemäß über einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung, welcher in Europa und den USA so nicht vorhanden ist. Daß hier in Europa und den USA kaum jemand ein Mundschutz in der Öffentlichkeit trägt,  stößt bei dem interviewten Experten  ( südkorean. Prof.) nur auf Unverständnis.

So viele Worte der Vernunft auf einmal hatte man ja aus einem Personenkreis, der sich gedanklich seit Jahren nur noch innerhalb der alternativen Medien bewegt, zu diesem Thema noch gar nicht gehört. Ein erstes leichtes Aufatmen geht durch den Körper, eine erste leichte Entspannung ...

[ 2. April 2020 ]

Aus einer weiteren Email meinerseits:

... Es ist überhaupt von Übel, bei Fragen, die naturwissenschaftlich zu klären sind, als erstes oder vorwiegend an Manipulation oder böse Kräfte zu denken. Die Naturwissenschaft erforscht das Vollkommene, nämlich die Natur selbst. Genau deshalb und nur deshalb habe ich ja selbst Biologie studiert, weil eben die Erfahrung ist, daß in diesem Bereich lange nicht so viel manipuliert werden kann wie im Bereich der Geschichte. Wer sich mit Biologie beschäftigt, beschäftigt sich ständig nur mit Vollkommenheit. Das ist eine ganz und gar andere Welt. Und es ist wirklich gut, wenn diese Krise dazu beiträgt, darauf aufmerksam zu machen, daß hier eine völlig andere Welt vorliegt. Eine Welt, in der ganz andere Gesetzmäßigkeiten herrschen, als in der übrigen Welt. ...

... Auf Twitter schrieb jemand so schön (6): "Ich studiere jetzt nebenbei Virologie bei Dr. Drosten." Und genauso ist es. Und es ist so schön zu erfahren, daß das gerade Millionen Deutsche tun. ...

[ 2. April 2020 ] Aus einer anderen Email:

Ich weiß, wie Manipulation in der Naturwissenschaft geschieht. Auf dem Gebiet der Intelligenzforschung kann man das ganz gut nachverfolgen und kann das sehr gut beschreiben werden. Es ist ein sehr differenziertes Geschehen, wobei auch immer neue Anpassungen geschehen und wo immer die "Außenseiter", "Abweichler" die kompetenteren sind und man sehen kann, wie billig sich der Mainstream heraus redet. Gegenwärtig ist es aber ganz genau umgekehrt. Die simpel gestrickten Argumente, die zusätzlich in sich widersprüchlich sind (ist es nun harmlos und eine Verschwörung oder ist es gefährlich und eine Verschwörung?), finden sich nicht auf Seiten des Mainstreams. Dazu braucht man dem Christian Drosten ja nur zuhören.

Und was den Mainstream betrifft, ist ja inzwischen gut bekannt, wie Jahrzehnte lange die Forschung durch die Zucker-Industrie oder durch die Tabak-Industrie beeinflußt worden ist. Die Mechanismen in diesen Fällen waren aber ganz andere als sie jetzt voraus gesetzt werden. Es ist auch gar nicht ersichtlich, warum gerade ein solcher Außenseiter wie der Bill Gates zu den Bösen gehören soll. Er ist klar Außenseiter und ihm sind von den sonstigen großen Lobbymächten klar die Grenzen gezeigt worden, weshalb er bei Microsoft ja schon vor Jahren das Tagesgeschäft anderen überlassen hat müssen, weil er offensichtlich unter Druck gesetzt worden war. Jetzt macht er halt Stiftungsarbeit nach seinem Verständnis. Böse Dinge tun ganz andere. Er war immerhin so klug, damit zu rechnen, daß es eine solche Pandemie geben würde. Aber in den USA sieht man ja, wie wenig auf ihn gehört wurde.

[ 2. April 2020 ] Im Email-Austausch mit Daniel Hermsdorf zur Erkenntnissituation in der Corona-Krise wurden von meiner Seite aus - im Zusammenhang eines noch ausführlicheren Gedankenaustausches als er hier wiedergegeben werden soll - unter anderem die folgenden, vielleicht bedeutsamer erscheinenden Gedanken geäußert:

Du wirst doch selbst wissen, daß Hintergrundmächte keine Virus-Epidemie brauchen, um Krisen vom Zaun zu brechen, meine Güte.

Daniel, das Hauptding ist folgendes: Noch vor 10 bis 15 Jahren haben alle Leute, die Du und ich so in der Regel kennen, im Grunde alles geglaubt, was ihnen so erzählt wurde. Dann kam irgendwann 9/11, es kam die Wahrheitsbewegung und alles andere seither. Nun gibt es seit zehn Jahren Menschen, die in diesen zehn Jahren überwältigt waren von dem ungeheuren Betrug, der in der Welt weltweit möglich war und ist, überwältigt. Mit Recht. Auch ich bin das. Jetzt besteht aber eine Gefahr: Zu übersehen, daß es auch noch anderes in der Welt gibt außer Betrug. Und dieses andere spielt sich in der Naturwissenschaft ab (ich wüßte jedenfalls nicht, wo sonst noch). Ganz bewußt wird das von den Hintergrundmächten verschwiegen. Denn die wissen das. Denen schlottert das Gebein vor nichts mehr als vor der Entwicklung in der Naturwissenschaft und Technik. Da hier die Entwicklungen mit einer gewissen Naturgesetzlichkeit weiter gehen. Wer das in seine Berechnungen und Lageeinschätzungen nicht mit einbezieht, landet in dem Nirwana, in dem sich die alternative Öffentlichkeit gerade befindet. Wenn ich der Naturwissenschaft gar nichts mehr glaube, warum soll ich ihr dann die Intelligenzforschung glauben? Warum soll ich ihr dann die Soziobiologie glauben? Merkst Du nicht, wie da alle Fundamente ins Schwimmen geraten? So funktioniert kein Fortschritt in keiner modernen Gesellschaft. Das ist der direkteste Weg ins Mittelalter, zurück ins Zeitalter des Aberglaubens. Finstere Mächte regieren die Welt, die Sünde regiert die Welt, allein Jesus Christus kann uns helfen. Irgendwie so.

Was gibt es zu der breiten Forschungsförderung durch Elitäre großartig zu sagen. Du weißt doch selbst, daß die überall ihre Eisen im Feuer haben. Aber das wird man doch auseinander halten können, was sie dort durch Finanzierungsströme manipulieren können und was nicht. So billig wie jeder andere Gesellschaftsbereich ist die Naturwissenschaft nicht zu manipulieren. Das ist einfach absurd.

... Beschäftigst Du Dich eigentlich mit Naturwissenschaft auch einfach einmal nur aus dem Grund, weil Du über die Welt selbst etwas erfahren willst? Oder tust Du das nur, weil Du herauskriegen willst, ob Du in irgendeiner Frage betrogen wirst? Das wäre doch eine sehr, sehr eingeschränkte Herangehensweise an Naturwissenschaft, sich mit ihr immer nur dann - und dann auch gleich "kritisch" - zu beschäftigen, wenn irgendein "Verdacht" aufkommt, eine "Unklarheit". Ja, gut, und Klarheit bringt sie dann wohl - ansonsten - gar nicht? Ansonsten kann man sie rechts oder links liegen lassen? Genau das jedenfalls ist die zu beobachtende Einstellung der gegenwärtigen alternativen Medien - und zwar: zu 99,99999999 %.

Eine fundierte naturwissenschaftliche Bildung braucht heute jeder, der nicht völlig falsch liegen will bei Gesamtbeurteilungen. Das ist einfach so. Es geht da nicht darum, ob er nun klären will, ob die Mondlandung wahr oder unwahr wahr, ob flache Erde stimmt oder nicht oder Chemtrails. Das ist schon lange nicht mehr die Frage. Die Frage ist: Habe ich ein zuverlässiges Bild von unserer Welt und wie sie funktioniert? Habe ich ein zuverlässiges Bild davon, wie Wissen über unsere Welt generiert wird? Die alternative Öffentlichkeit hat das nicht. Sie hat all das nicht. Abgewählte naturwissenschaftliche Fächer im Abitur ersetzen das einfach nicht. Noch nicht einmal nicht abgewählte naturwissenschaftliche Fächer im Abitur helfen da. Es muß eine stetige und ständige Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Fragen und dem naturwissenschaftlichen Kenntnisstand und Weltbild stattfinden. Das ist einfach ein Teil der Bildung an sich und der "Informiertheit" in der modernen Welt. Wie will man die Situation moderner Wissensgesellschaften anders beurteilen, als daß in diesen die Notwendigkeit besteht, daß gebildete Menschen urteilsfähig sind darüber, wie in diesen Wissen über die Welt generiert wird?

Und natürlich geschieht das in sehr großen Teilen innerhalb der Naturwissenschaft. Hier eben einmal in der medizinischen Forschung. Wie will man denn bei irgendwelchen Fragen, die Naturwissenschaft streifen, sinnvoll mitreden können, wenn es kein Verständnis dafür gibt, wie in der Naturwissenschaft Wissen an sich generiert wird.

So stetig, wie man sich in vielen Teilen der Denkenden heute mit "dem Bösen" auseinander setzt, genauso stetig ist die Auseinandersetzung damit erforderlich, wie in der Naturwissenschaft Wissen generiert wird. Denn sonst werde ich doch auf diesem Gebiet niemals urteilsfähig sein können

Spezialisierung auf einzelne Wissensgebiete muß es geben, ja, ohne Frage. Aber eine solche Spezialisierung macht nicht Sinn ohne eine fundierte Rückbindung zu einem Gesamtverständnis der Welt, zu einem Gesamtverständnis auch, das haltbar ist. Das derzeitige Gesamtverständnis der Welt auf Seiten der alternativen Öffentlichkeit ist schlichtweg nicht haltbar, es ist grotesk, lächerlich, nein viel mehr: brandgefährlich, weil dumm bis zum Abwinken. 

Den alternativen Medien können die Hintergrundmächten alles vorgaukeln, alles, sie haben keine Kriterien mehr, nach denen sie zuverlässig Wahr von Falsch unterscheiden können, wenn sie diesen Boden eines Gesamtverständnisses der Welt so weit verlassen wie das gegenwärtig sichtbar geworden ist.

Daniel Hermsdorf schrieb dazu dann ja auch "Auf dieser allgemeinsten Ebene würde ich Dir dann auch noch zustimmen." Na, immerhin.

[ 2. April 2020 ] In einer weiteren Email schrieb ich ihm: Für mich war ein Fach wie Geschichte immer unbefriedigend. Weil der Spielraum der Manipulation grenzenlos war. Und weil ich mich - bei allem redlichen Ankämpfen gegen diese Spielräume - letztlich machtlos ihnen gegenüber vorkam. Widerstand, ja, aber realistisch gesprochen: Aus der Geschichtswissenschaft heraus werden keine Fundamente für eine neue Gesellschaft gewonnen, nein. Und das kann erweitert werden auf alle ideologie-anfälligen Wissenschaften, also auf alle Verbalwissenschaften (Ulrich Kutschera). Die Fundamente für die neue Gesellschaft liegen dort, wo alle Fundamente der größten geistigen Fortschritte der letzten 500 Jahre wurzeln, im Höhenflug der Naturwissenschaft.

Klar ist es von Nutzen, wenn man in seiner Jugend eindrucksvolle geistige Erfahrungen und Erlebnisse mit einem Physik-Professor in der Verwandtschaft machen kann und dabei erst auf diese Wahrnehmung der Bedeutung der Naturwissenschaft überhaupt gestoßen wird. Ohne eine solche Erfahrung werden sicherlich noch heute viele junge Menschen für diese Wahrnehmung länger brauchen als ich damals brauchte. Ich habe mich damals aufgrund solcher Wahrnehmungen und auch Ratschläge noch rechtzeitig für ein Biologiestudium als Zweitstudium entschieden und das auch durchgezogen. Eine solche "Kurve" war und ist schwer zu nehmen, ohne Frage. Der Brückenschlag von der Geschichte zur Soziobiologie war dabei aber schon sehr früh - auch für meinen Verständnishorizont - kein unmöglicher. Ich mußte mich halt nur sehr gründlich in die jeweilige Forschungsliteratur einlesen. Das kann man sogar ohne Biologiestudium machen.

Und ich glaube auch nicht, daß ein Brückenschlag - zum Beispiel - von der Medienwissenschaft zur Soziobiologie ein so völlig unmöglicher sein muß. Freilich sind die Gewinne des Nehmens einer solchen "Kurve" - im Bildungsweg des lebenslangen Lernen - nein, ist die Bedeutung des Nehmens einer solchen "Kurve" durch Nichts aufzuwiegen. Alles andere können heute andere machen, das macht niemand. Oder so gut wie niemand. Das wird ja gerade so deutlich sichbar in der Corona-Krise wie weit die gesamte, noch einigermaßen geisteswissenschaftlich gebildete Öffentlichkeit davon entfernt ist, eine Ahnung davon zu haben, wie in der Naturwissenschaft überhaupt Wissen generiert wird.

Hier liegt also eine von mehreren Möglichkeiten zu einer solchen "Funktionalen Differenzierung" vor (von der Daniel gerne redet), die zwangsläufig effektivste Folgewirkungen hat und haben wird, einfach deshalb, weil sie in den grundlegendsten Bereichen ansetzt, nämlich in einem umfassenden Weltbild überhaupt, in das man ja einen solchen Brückenschlag immer und notwendigerweise einbetten muß. 

Was auch immer sei: Ob jemand eine solche "Kurve" noch kriegen will, muß jeder für sich selbst entscheiden. Immerhin: Man kann zum Schluß ein Leben gelebt haben, ohne jemals tiefergehender verstanden zu haben wie dieses Universum "funktioniert", wie Leben "funktioniert" und wie Wissen generiert wird darüber, wie diese Dinge funktionieren. Das meiste übrigens, das man sich hierbei aneignen muß, kann man sich durch populärwissenschaftliche Literatur aneignen. Was die Physik und Kosmologie betrifft, habe ich das auch getan. Natürlich braucht auch ein Blick in gute Lehrbücher von bestimmten, besonders interessierenden Disziplinen niemals schaden (Lehrbücher von Jens Asendorpf etwa oder von Eckart Voland). Einfach um irgendwo mal ein wenig mehr "sattelfest" zu werden in der Argumentation. 

Jedenfalls bin ich der Meinung, daß ein Versuch zu verstehen wie unsere Welt im Ganzen funktioniert und zu verstehen wie Wissen über dieses Funktionieren generiert wird, alle Wahrnehmungen in der Welt ganz anders gewichtet.

[ 3. April 2020 ]

Wieder an Daniel: Ein Argument hatte ich noch nicht genannt: Immer häufiger geraten Verschwörungstheorien in die Nähe naturwissenschaftlicher, bzw. anthropologischer Überprüfung, wie ich beispielsweise schon 2017 einmal hier aufgezeigt hatte (4). Außerdem argumentieren die unersetzlichen Bücher von Kevin MacDonald durchgehend naturwissenschaftlich. Und sie sind zugleich Hintergrundpolitik-Kritik der aller besten Sorte. Also Schnittmengen gibt es doch immer mehr.

[ 3. April 2020 ] An einen anderen Denkenden: Es bleibt mir weiterhin ein Rätsel: Welche Motive sollten hunderte von Ärzten in China haben, eine Krise herbei zu reden, die keine ist? Welche Motive sollten hunderte von Ärzten außerhalb von China haben, ihnen zu glauben? Welches krude Weltbild muß man haben, wie isoliert muß man Jahre lang Nachrichten nur aus dem Verschwörungs-Kritiker-Bereich zur Kenntnis genommen haben, um dieser Annahme auf den ersten Augenschein mehr Plausibilität zuzusprechen als der ganz normalen Annahme, daß hunderte von Ärzten weltweit weder Idioten noch Verbrecher sind? Dann wird gesagt: Die Leute wollen einen Impfstoff verkaufen, der noch gar nicht entwickelt ist. Dann wird gesagt: Leute wollen Tests verkaufen, die sie aber gar nicht verkaufen, sie geben nur das Rezept zur Zusammenstellung der Tests weiter. Was für eine Schusterei in den Annahmen. Ein unglaublicher Tiefstand. Und dann kommt der Gerhard Wisnewski und erklärt das ganze zu einer Verschwörung der Chinesen gegen die ganze Welt. Bankrott. Diese ganze Wahrheitsbewegung ist völlig bankrott und sie hat es noch nicht einmal gemerkt. 

Man fragt sich: Mit was für einem irren Mißtrauen scheint die gesamte Truther-Szene Arzttermine wahrzunehmen? Mit was für einem irren Mißtrauen scheint die gesamte Truther-Szene auf die Ärzte zu schauen, die nächste Familienangehörige behandeln? Krankenhäuser und Arztpraxen und medizinische Forschungseinrichtungen müssen ja die Keimzellen des Verbrechens per se sein.

[ 4. April 2020]

Abends als Kommentar auf Daniels Blog (5): 

Naturwissenschaftliche Fragen wie die Einschätzung der Gefahr einer Pandemie sind nicht durch demokratische Abstimmung zu lösen, auch nicht durch Zusammenstellung einer möglichst großen Zahl von Außenseiter-Stimmen, die sich nicht im täglichen wissenschaftlichen Diskurs bewegen und auch nicht auf den wissenschaftlichen Diskurs reagieren, sondern sich direkt an die Öffentlichkeit wenden.

Der wissenschaftliche Diskurs findet ganz woanders statt. Mit diesem Blogartikel wird kein Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs geleistet. Obwohl der Blog-Inhaber Anspruch darauf erhebt, wissenschaftlich zu arbeiten, hat er sich mit diesem Blogartikel in völlig andere Bereiche begeben. In der Virologie wird anders gearbeitet, als daß man Außenseiter-Stimmen sammelt, und als daß man als erste und vordringlichste Annahme der Frage nachgeht, ob eine menschliche Verschwörung vorliegen könnte. Es hat das in diesem Fall also auch erst einmal gar nichts damit zu tun, ob man eine Mainstream-Position oder eine Außenseiter-Position vertritt, sondern ob man sich gemäß der wissenschaftlichen Standards und Gebräuche der jeweiligen Disziplin äußert oder aber ganz anders.

Es ist inzwischen durch sehr gezielte Stimmungsmache erreicht worden, daß ganze Teile der Bevölkerung alles Geschehen in der Welt nur noch als Verschwörung wahrnehmen können. Alternative Erklärungen erscheinen dann schon von vorne herein ausgeschlossen. Ein Mensch, der so reich ist wie Bill Gates, muß - aus dieser Stimmungsmache und Wahrnehmung heraus - zwangsläufig ein böser Mensch sein. Es wird noch soweit kommen, daß der nächste Vulkanausbruch irgendwo auf der Welt auch als eine Verschwörung böser Mächte erklärt wird. Vorher muß ja nur Bill Gates Forschungen im Bereich der Vulkanologie gefördert haben.

Hierbei findet in weiten Teilen gar keine Reflektion mehr statt darüber, wie seit den letzten 500 Jahren in der westlichen Welt Wissen über die Welt generiert wird. Ein Erklärungsmuster reicht hier scheinbar für alle Wahrnehmungen in dieser Welt.  Eine Versimplifizierung unserer Weltwahrnehmung wie man sie dümmer und dööfer sich nie hätte vorstellen können. Und die, die genau diese Simplifizierung praktizieren, sind einmal angetreten, mit dem Anspruch, Aufklärung zu betreiben. Ein Wimpernschlag der Weltgeschichte und schon tun dieselben Kräfte nichts anderes als das exakteste Gegenteil.

Verschwörungswissenschaft als reine Verbalwissenschaft ist sinnlos.

[ 4. April 2020] Aber vielleicht doch gut, daß wir das alles einmal hatten. Bei jeder künftigen Naturkatastrophe werden dann schon mehr Leute gleich von vornherein sagen: Ja, damals bei Corona, da haben alle Verschwörungsgläubigen gleich und völlig einheitlich nur eine einzige Annahme gehabt. Und wie bald stellte sich dann heraus, wie so außerordentlich kraß sie dabei daneben lagen. Da sollten wir jetzt aber einmal ein bisschen vorsichtiger sein. Vielleicht würde eine solche Lehre ja doch eine etwas positivere Folgeerscheinung all dessen sein, was sich da gerade ereignet an intellektuellem Bankrott.


Hopefully this has not to be continued .......


/Letzte 
Überarbeitung:
8.4.2020 /
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  1. Coronavirus-Update: Behind the Scenes - Talk mit dem Podcast-Team | NDR Podcast mit Christian Drosten, 1.4.2020, https://youtu.be/lfUI8swRaW8.
  2. Bading, Ingo: Europa in der Krise - Heute und am Ende der Bronzezeit. Live übertragen am 21.03.2020, https://youtu.be/Z82jc6NHC8Q.
  3. Professor Kim Woo-joo vom Guro-Krankenhaus der Korea-Universität, 27.3.2020, https://youtu.be/gAk7aX5hksU
  4. https://studgenpol.blogspot.com/2017/07/kultische-geheimbunde-haben-sie.html
  5. https://filmdenken.de/eine-corona-videoschau/
  6. Tobias Tietsch @TobiasTietsch · 25. März Antwort an  @c_drosten, https://twitter.com/TobiasTietsch/status/1242884692967329793.

Donnerstag, 13. Juli 2017

"What is the enemy? - White supremacy!"

Vom naturalistischen Fehlschluß in naturwissenschaftsnahen politischen Erörterungen

Das Wichtigste in Kürze: Charles Murray (geb. 1943) (Wiki), Autor des Bestseller "Bell Curve" von 1994, in dem angeborene Intelligenzunterschiede zwischen aschkenasischen Juden, Ostasiaten, Europäern und Schwarzafrikaner behandelt werden in Bezug auf die soziale Schichtung in der mulitkulturellen Gesellschaft in den USA, sollte Anfang März an einer US-amerikanischen Elite-Universität, dem Middlebury College, einen Vortrag halten. Dieser wurde durch Studentenproteste verhindert. Die Vorfälle lösten in der amerikanischen Öffentlichkeit eine Erörterung aus darüber, was, wie, wo und warum rund um die von Charles Murray und andere aufgeworfenen Erkenntnisse der modernen Intelligenzforschung erörtert werden sollte. Ein wenig Fahrt aufgenommen hat die dortige öffentliche Erörterung der Fragen durch den Umstand, daß der bekannte Gotteswahn-Kritiker Sam Harris aus diesem Anlaß ein langes Interview mit Charles Murray führte. In Deutschland hat noch niemand (niemand!) auf diese aktuelle Erörterung in den USA hingewiesen, deshalb der folgende Blogbeitrag.

Der naturwissenschaftsnahe, rechtskonservative Thinktank "American Enterprise Institute" hat Studentengruppen an der einen oder anderen US-amerikanischen Universität. Nun gibt es das "Middlebury College" im US-Bundesstaat Vermont (Wiki) - gelegen etwa 300 Kilometer nördlich von Boston und 50 Kilometer südlich der kanadischen Grenze. Es gehört zu den Eliteuniversitäten der USA. Und dort hat eine solche Studentengruppe nun ein Mitglied des genannten Instituts, den schätzenswerten Autor Charles Murray (geb. 1943) (Wiki), gebeten, einen Vortag zu halten.

Von diesem Vortrag gibt es ein Video (1). Im Publikum ist aufgebrachte Stimmung, es läßt aber alle Vorredner von Charles Murray aussprechen. Als dann Charles Murray selbst an das Podium tritt, erhebt sich wohl etwa die Hälfte aller im Saal anwesenden Studierenden, kehrt ihm den Rücken zu und liest im Sprechchor einen Text ab. Am Schluß hämmert dieser Sprechchor sich selbst und den sonstigen Zuhörenden in oftmaliger Wiederholung den Satz ein: "What is the enemy? - White supremacy" (1; etwa ab Minute 23). Man fühlt sich an die Agitprop-Propaganda in kommunistischen Staaten erinnert. 

Und das ist natürlich ein hochgradig intellektuell differenzierter Debatten-Beitrag, würdig einer amerikanischen Elite-Universität.

Das Schlagwort "White supremacy" ist in Deutschland (noch) wenig gebräuchlich. Was mit ihm angesprochen sein soll, kann man auf Wikipedia nachlesen (Wiki). Es erfordert natürlich nur wenig intellektuellen Scharfsinn, sich klar zu machen, daß dieses Schlagwort den sogenannten "naturalistischen Fehlschluß" unterstellt, nämlich den vom Sein zum Sollen, also: Weil die aschkenasischen Juden angeborenermaßen das intelligenteste Volk der Erde sind, müssen sie auch über alle anderen Völker herrschen. Oder: Weil die Ostasiaten angeborenermaßen die zweit-intelligentesten Menschengruppe auf der Erde sind, müssen sie an der Herrschaft über alle anderen Völker mitbeteiligt werden. Oder: Weil die Weißen europäischer Herkunft angeborenermaßen die dritt-intelligenteste Menschengruppe sind - aber zugleich aufgrund der Geschichte die unverfrorenste von allen - muß sie über alle Völker herrschen. Oder: Weil die Schwarzafrikaner zu den angeborenermaßen weniger intelligenten Völkern gehören, müssen sie versklavt und beherrscht werden.

Das ist natürlich alles ganz und gar platt gedacht. Aber genau deshalb wird ja das Denken in solchen naturalistischen Fehlschlüssen von Religionsgesellschaften, Geheimgesellschaften, Geheimdiensten, Großbanken und sonstigen Hintergrundmächten seit gut hundert Jahren allerorten gefördert, wo es diesen dienlich erscheint, nämlich: um eine Beschäftigung mit den damit verbundenen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen aus humanem Geist heraus von vornherein in der bestmöglichen Weise zu diskreditieren.

Jedenfalls: Der Vortrag von Charles Murray mußte abgebrochen werden und an anderem Ort durchgeführt werden. Dabei scheint es zu Rangeleien gekommen sein, wobei Menschen verletzt wurden (Wiki). Übrigens hat Charles Murray in früheren Jahren auch schon ganz unbeanstandet Vorträge an deutschen Universitäten gehalten. Sein Buch "Human Accomplishment" läßt einen tiefen Blick werfen in die Tatsache, daß über 90 % aller kulturellen Errungenschaften der Menschheit 1. von Europäern, 2. von Männern hervorgebracht worden sind. Mit diesen Forschungen kann man sich wissenschaftlich seriös auseinandersetzen. Aber das geht natürlich nicht in Sprechchören.

Sam Harris führt ein Interview mit Charles Murray


Jedenfalls hat der ganze Vorgang nun in den USA eine Erörterung des Themas Meinungsfreiheit ausgelöst. Mehr oder weniger entscheidend ist aber, daß auch der Gotteswahn-Kritiker Sam Harris (geb. 1967) diesen Vorfall zum Anlaß genommen hat, um am 23. April 2017 mit Charles Murray ein über zweistündiges Interview zu führen (2).

Und dies hinwiederum führte dazu, daß die Erörterung nun auch ihren Weg in den angesehenen US-amerikanischen "National Review" gefunden hat (3, 4). Dort befürworten in zwei Artikeln Hochschullehrer, daß es keine Rede- und Forschungstabus zu diesem Thema geben dürfe. Immerhin! Will heißen: Der erste Artikel meint, das Thema könne gerne weiter in abseitigen Internetforen und -blogs (wie unserem) weiter diskutiert werden - aber bitteschön nicht in den großen Medien. Oder gar in Parteien, Verbänden und so weiter. Nun, hier wird offenbar nur das Faktum anerkannt, daß man eine Diskussion im Internet sowieso schwer verhindern kann! :) 

Aber auch gegen diese Nonchalance stellt sich der antwortende Artikel, der meint, das Thema müsse auch in den großen Medien offen behandelt werden (4).

An inhaltlichen Sachargumenten gibt es - soweit wir das übersehen - kaum neue, deshalb soll an dieser Stelle auf diese Erörterungen nur hingewiesen werden, ohne daß wir uns hier zunächst mit weiteren Einzelheiten befassen wollen. Das haben wir an früherer Stelle schon genügend getan hier auf dem Blog. (Etwa 2010 rund um die Debatte um das Buch von Thilo Sarrazin "Deutschland schafft sich ab".)

Als auffällig sei noch vermerkt, daß - soweit übersehbar - dies der erste deutschsprachige Blog ist, der auf diese Erörterungen in den USA überhaupt hinweist, von anderen deutschsprachigen Medien ganz abgesehen. Und das, obwohl es doch auch in Deutschland viele Sympathisanten von Sam Harris in der kirchenfreien Szene gibt. Als auffällig sei weiterhin vermerkt, daß die ganzen deutschen Rechtskonservativen rund um Pegida, Identitäre Bewegung und AfD natürlich hochgradig wichtigere Dinge zu tun haben, als sich mit solchen grundlegenden Verschiebungen im Welt- und Menschenbild überhaupt zu befassen. Dort möchte man die Menschen - offenbar - lieber dumm lassen, damit man "später" dann um so besser als Rechtspopulist naturalistische Fehlschlüsse predigen kann. Ohne Frage.

Denn der Autor dieser Zeilen weiß aus verschiedenen Äußerungen, die er selbst gehört hat oder die ihm mitgeteilt wurden, daß den führenden Politikern der AfD bekannt ist, daß das naturwissenschaftsnahe Argument das stärkste Argument in der politischen Debatte ist. Es gibt da ganz klar irgendwelche Hintergrund-Stichwortgeber, die diesen Politikern "beratend" zuraunen, daß das Argument zwar vorhanden ist und grundsätzlich benutzt werden kann, daß man es aber - vorerst - (aus welchen taktischen Gründen auch immer) noch nicht benutzen dürfe. Es wird das erkennbar am Denken, Handeln und an (vereinzelten) Äußerungen von solchen Politikern und Politikberatern wie Björn Höcke, Alexander Gauland oder Michael Klonovsky. Daß ein solches Bewußtsein und Denken zum Beispiel besonders prägnant bei Hans-Thomas Tillschneider (geb. 1978) vorliegt, ist uns von dritter Seite, von Seiten eines Leser dieses Blogs, sehr eindrucksvoll übermittelt worden. Wir wissen: Hans-Thomas Tillschneider ist sich der Kraft des naturwissenschaftsnahen Argumentes bewußt. Und benutzt es ganz bewußt nicht.

Da nun bei dem vielen Taktieren des Führungspersonals der AfD auch sonst allzu deutlich durchscheint, daß hier viele gruppenevolutionäre Strategien verfolgt werden - - - nur keine deutschen - ist es nur zwangsläufig, daß dies auch und insbesondere bezüglich des Umgangs mit dem naturwissenschaftsnahen Menschen- und Völkerbild so geschieht. Es könnte ja Völker retten. Und wer will das schon.

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  1. DiGravio, Will: Students Protest Lecture By Dr. Charles Murray at Middlebury, 2.3.2017, https://www.youtube.com/watch?v=a6EASuhefeI
  2. Harris, Sam: Waking Up With Sam Harris #73 - Forbidden Knowledge (with Charles Murray). 23.4.2017, https://www.youtube.com/watch?v=Y1lEPQYQk8s
  3. McWorter, John: Stop Obsessing Over Race and IQ - It serves no purpose. In: National Review, 10.7.2017, http://www.nationalreview.com/article/449208/race-iq-debate-serves-no-purpose
  4. Anomaly, Jonathan; Boutwell, Brian: A Reply to John McWhorter - We shouldn’t obsess about race and IQ, but we should openly discuss it. In: National Review, 12. Juli 2017, http://www.nationalreview.com/article/449388/race-iq-dont-obsess-over-it-do-discuss-it

Sonntag, 8. Mai 2016

Ist Lehrbuch-Wissen "Quatsch"? - Über naturwissenschaftsnahes Argumentieren in der Politik

Im Lehrbuch "Soziobiologie" von Eckart Voland aus dem Jahr 2013 (2) wird ein Aufsatz aus der Zeitschrift "Human Nature" aus dem Jahr 2009 (1) referiert, der kurzzeitig in der Öffentlichkeit erörterte Argumentationslinien zu angeborenen Verhaltensunterschieden von menschlichen Großgruppen bezüglich r- und K-Strategien (12-17) - im Gegensatz zum allgemein in der Öffentlichkeit vertretenen Urteil - im Prinzip gerechtfertigt erscheinen lässt

Abb. 1: Eckart Voland - Soziobiologie, 2013, 4. Aufl.
Nur an wenigen Tagen in den letzten Monaten und Jahren wurde kurzzeitig im Zusammenhang politischer Erörterungen Bezug genommen auf naturwissenschaftsnahes Argumentieren (17).

In den Medien war in Reaktion darauf davon die Rede, daß dabei gedanklich völliger Blödsinn vertreten worden sei. Selbst nahe politische Freunde zeigten sich als von Abscheu erfüllt, meinten, dass man sich kontraproduktiver nicht äußern könne. In einer rechtfertigenden Stellungnahme dazu wurde inhaltlich kein Argument vorgebracht, dass das vorgebracht naturwissenschaftsnahe Argumentieren weiter erläutern und stützen würde und dadurch dazu anregen würde, eine Sachauseinandersetzung weiter zu führen - bis heute.

Selbst so überlegte Leute wie der Südtiroler Philosoph Dr. Marc Jongen von der Universität Karlsruhe äußern anstatt dessen dann lieber ihre Sympathien für Rudolf Steiner, als dass sie Verständnis für ein naturwissenschaftsnahes, evolutionäres Denken aufbringen können (17).

Niemand weit und breit führte auf diesem Gebiet in der allgemeine Öffentlichkeit die Sachauseinandersetzung auf inhaltlicher Ebene weiter.

"Der Häscher der Selbstgerchten"


Außer uns. Und außer ganz wenigen Denkenden in Deutschland. Und außer des Wissenschaftsjournalisten Marcus Anhäuser (14) und jener wenigen, auf die er sich bezieht - - - und schließlich außer jemandem, der sich nennt "DerHäscherderSelbstgerechten", der dann von Kritikern begrüßt wurde als "DerMitMartialischenNamenTanzt". Es handelt sich bei diesem "Häscher der Selbstgerechten" um einen Blogger, der sich "Genhorst" nennt. (Der aber jüngeren Jahrgangs ist, als man bei einer solchen Namenswahl vermuten sollte.) Dieser gab schon am 14. Dezember - allerdings bis heute wenig beachtet - den entscheidenden Kommentar zu allen öffentlichen Erörterungen rund um das zur Debatte stehende evolutionäre Denken (Genhorst 14.12.2015) (13).

Der Verfasser dieser Zeilen ist bislang der einzige gewesen, dem dieser Blogbeitrag "gefiel", und der ihn auf Facebook weiter geteilt hat. Und der ihn in Kommentaren bei Marcus Anhäuser dann weiter auswertete. Das soll nun auch hier noch einmal dokumentiert werden. Denn - wie gesagt - niemand innerhalb der gesamten "Qualitätspresse" weltweit griff bislang diesen Hinweis auf. Womit der Vorwurf Lügenpresse voll und ganz gerechtfertigt ist.

Abb. 2: Die Überlebenskurve für fünf unterschiedliche Lebewesen mit unterschiedlicher Fortpflanzungsstrategie
(Danke für diese Grafik von: Armin Kübelbeck)

Was hatte "Der Häscher der Selbstgerechten" getan? Er hatte einfach ein Zitat aus dem Lehrbuch meines Doktorvaters gebracht, auf das ich selbst gar nicht gekommen war:
Soziobiologe Eckart Voland schreibt dazu in seinem Standartwerk „Soziobiologie“ (Springer-Verlag Berlin, Auflage von 2013) im Abschnitt „Menschen sind flexible K-Strategen“ (S. 166).
Und dieses Zitat brachte er dann auch am 5. Februar 2016 in den Kommentaren bei Marcus Anhäuser. Eckart Voland schrieb da also schon 2013:
Allein schon angesichts ihrer vergleichsweise geringen Fruchtbarkeit, langen Jugendentwicklung und beachtlichen Lebenserwartung rangieren Menschen weit auf der K-Seite des r/K-Gradienten. Allerdings lässt sich eine durchaus nennenswerte Variabilität, sowohl im Populationsvergleich als auch im interindividuellen Vergleich, innerhalb einer Population in Bezug auf lebensstrategische Parameter beobachten. Man denke nur an den Unterschied in der realisierten Fruchtbarkeit, wie sie in den westlichen Industriestaaten vorherrscht und nicht einmal zur bloßen Regeneration der Bevölkerung ausreicht […] Angesichts dieser Unterschiede hat sich schon früh die Frage gestellt, ob das Konzept von “r-” versus “K-Strategie”, das zwar zur Erklärung von genetisch weitgehend fixierten Artunterschieden entwickelt wurde, nicht sinngemäß auch menschliche Unterschiede zu erklären vermag. Schließlich beobachtet man Unterschiede in individuellen Lebensvollzügen, die analog zum “r/K-Konzept” unterschiedlich stark ausgeprägte Fluktuationen in den sozio-ökologischen Lebensbedingungen einschließlich unterschiedlicher extrinsischer Mortalitätsrisiken abbilden. Wenngleich Menschen also K-Strategen sind, sind sie das auch auf verschiedene Weise. Idealtypisch vereinfacht lassen sich eher “langsame” von “schnellen” Lebensverläufen unterscheiden, wobei die “Geschwindigkeit” des reproduktiven Verhaltens als konditionale und funktional-adaptive Antwort auf das Ausmaß individuell erfahrener Lebenssicherheit verstanden wird. […] Die Forschung zur Plastizität der K-Strategie des Menschen hat längst ihre ursprüngliche Domäne, nämlich die Darwinische Entwicklungspsychologie verlassen und strahlt weit in benachbarte Disziplinen aus, die – sei es mit demografischen, kulturvergleichenden oder anderen Methoden und Datensätzen – die Vielfalt der menschlichen Lebensverläufe mit einer einheitlichen evolutionären Theorie einzufangen versucht.
Abb. 3: Rushton - Rasse, Evolution, 2005
Darauf schrieben wir noch am gleichen Tag in den Kommentaren:
Was “Genhorst” da gefunden hat, ist schlichtweg die definitive ENTSCHEIDUNG in dieser Debatte. Und dieses Zitat müsste, wenn wir es denn nicht mit einer Pinocchio-Presse zu tun hätten, durch die gesamte große Presse gehen. Die moderne Humansoziobiologie mit ihrem im deutschen Sprachraum prominentesten Vertreter sagt, dass Menschen r-Strategen sein können als “Antwort auf individuell erfahrene Lebenssicherheit” UND auf der Ebene von Populationen (von der in dem Zitat die Rede ist). In Afrika gibt es r-Strategie als Antwort auf individuell erfahrene Lebenssicherheit auf Populationsebene. (...) Der WISSENSSTAND ist schlichtweg zu allergrößten Teilen korrekt wiedergegeben worden. Ob die richtigen politischen Schlussfolgerungen daraus gezogen worden sind, ist damit ja gar nicht gesagt. Aber Pinocchio-Presse bleibt Pinocchio-Presse. Peter Sloterdijk spricht absolut korrekt von Lügenäther.
Ich übergehe hier einen längeren Abschnitt in der Diskussion bei Marcus Anhäuser, in der auf Einwände gegen unsere Auslegung dieses Zitats geantwortet wurde. Es wird eine Diskussion sein, die sehr lehrreich sein dürfte für manche, die noch weniger in naturwissenschaftsnahem Denken geschult sind. Bis zum 9. Februar hatte ich dann endlich herausgesucht, was hier tatsächlich inhaltlich zur Erörterung stand. Ich schrieb:
Habe jetzt das obige Voland-Zitat im Original rausgesucht und sehe, dass sich Voland bezieht bei den zitierten Aussagen auf diese Studie aus dem Jahr 2009: http://www.u.arizona.edu/~ajf/pdf/Ellis,%20Figueredo,%20Brumbach,%20&%20Schlomer%202009.pdf (Schade, dass man das hier alles selber machen muss und die “Qualitätspresse” weit und breit sich in Deutschland darum nicht kümmert.) Im Abstract dazu heißt es abschließend: “This review demonstrates the value of applying a multilevel evolutionary-developmental approach to the analysis of a central feature of human phenotypic variation.” Ohne das Ding jetzt weiter gelesen zu haben, entnehme ich jetzt mal dem Wort “multilevel approach”, dass ich mit meiner obigen “Interpretaton” des Voland-Zitates 100% richtig liege. Denn multilevel heißt: die genetische Ebene ist eben NICHT ausgeschlossen.
Der Aufsatz stammt von einer Forschergruppe rund um den Evolutionären Psychologen Bruce J. Ellis von der Universität von Arizona in Tuscon, USA. Er ist in deutscher Übersetzung betitelt mit: "Grundlegende Auswirkungen von Umweltrisiken - Der Einfluss von harschen gegenüber unvorhersehbaren Umwelten in der Evolution und Entwicklung von Lebensphase-Strategien" (1).

Bruce J. Ellis aus Tuscon/Arizona


Abb. 4: Die Zeitschrift "Human Nature"
Und diese Originalarbeit, auf die sich Voland bezog, ist glücklicherweise frei zugänglich und so konnten aus dieser gleich die entscheidenden Passagen herausgesucht werden (worauf es dann auch - bis heute - keine Einwände mehr gab ;) ). Bezugnehmend auf hier nicht dokumentierte Diskussionsabschnitte schrieb ich also:
Der eben genannte Artikel von 2009 raisonniert auf genau der gedanklichen Linie, die ich oben schon erläutert habe. Aber er geht noch erheblich weiter! Er erörtert sehr WOHL auch sehr konkret verhaltensgenetisch vorgegebene Häufigkeitsunterschiede zwischen MENSCHLICHEN Populationen weltweit. Insbesondere auf S. 228f wird dies anhand einer genetischen Anlage für ADHS erörtert, eine Anlage, deren 7-fache Sequenz bei Chinesen und Buschleuten gar nicht vorkommt, die aber in einigen Volksstämmen Südamerikas sehr häufig vorkommt und z. B. unter Europäern ebenfalls mitverantwortlich ist für dortiges “novelity seeking”, für Abenteuerlust, Risikofreude und ADHS. Und diese Steuerungssequenz korreliert nach älteren Studien (u.a. Harpending) mit Nomadenhaftigkeit und Wanderungsfreude. Und nun der von Voland zitierte Aufsatz zu solchen angeborenen Lebenslauf-Häufigkeits-Unterschieden zwischen menschlichen Populationen in Bezug auf diese Veranlagung (LH = Life history):
“Variation between and within human populations in LH strategies has also been linked to measured genetic variation. For example, the modal slow human LH strategy may be supported by the common 4R variant of the human dopamine receptor D4 (DRD4) gene. DRD4 regulates dopamine receptors in the brain, and variants of this gene have been linked to individual differences in such personality traits as extraversion and novelty-seeking (Ebstein 2006). The 4R allele was apparently the most common form of the DRD4 gene throughout human prehistory (Wang et al. 2004). Under conditions of environmental harshness and resource limitation, which are common in pre-agricultural foraging societies, biparental investment in offspring, durable pairbonds, and strong family ties and cooperation (i.e., slower LH strategies) are generally needed to survive and reproduce successfully (see Draper and Harpending 1988; Geary 2000; Rodseth and Novak 2000). Harpending and Cochran (2002) suggest that these ancestral conditions helped to maintain the 4R allele, which is associated with more riskaverse mating and social behavior.
Whereas the DRD4 4R allele appears to have emerged around a half-million years ago and is common in most geographical locations, the DRD4 7R allele, which is associated with more impulsive and risk-prone behavior, appears to have been selected for during the past 40,000–50,000 years and has a widely variable and nonrandom global distribution (Chen et al. 1999; Wang et al. 2004). Based on an analysis of this distribution, Chen et al. (1999) have argued that the 7R allele promotes migratory behavior, with bearers of 7R more likely to lead populations far from their ancient lands of origin (e.g., South American Indians, Pacific Islanders). An alternative explanation, however, proposed by Harpending and Cochran (2002), is that the 7R allele is favored by selection under conditions of surplus resources. In such luxuriant contexts, where offspring can be successful without intensive biparental investment (as is common in many agricultural and modern societies), higher levels of energetic, impulsive, and noncompliant behavior characteristic of male bearers of the 7R allele may facilitate fast sexual behavior and success in intrasexual competition (Harpending and Cochran 2002; Penke et al. 2007). Recent increases in the frequency of the 7R allele (Ding et al. 2002) are consistent with this hypothesis. In total, 7R bearers may not only be more likely to become propagules colonizing new environments (generating between-group variation in LH strategies) but may also employ faster LH strategies than 4R bearers in well-resourced, multiniche environments (supporting within-group variation in LH strategy).
In sum, there is much variation in LH strategies between different human populations (e.g., Rushton 2004; Walker et al. 2006b; Walker and Hamilton 2008). On the one hand, genetic polymorphisms, such as those at the DRD4 locus, are potentially relevant because they may account for meaningful cultural and individual variation in LH strategies. On the other hand, comparative data from small-scale human societies suggest that differences between populations in LH strategies are responsive to mortality rates. Much more work is needed, however, to delineate the potential evolutionary and developmental bases of such differences and their coordination with environmental conditions.”
In diesem Falle würden also, wenn ich es recht verstehe, Buschleute und Chinesen auf der “K-nahen” Seite stehen, während südamerikanische Indianerstämme und abenteuerlustige, risikofreudige Europäerinnen und Europäer auf der “r-nahen” Seite stehen, weil sie wechselnde Sexualpartner haben und/oder auch einen sonstigen risikofreudigeren Lebensstil haben. Man sieht, das Thema ist in jedem Fall komplex. Aber daher zu kommen und zu sagen, es sei grundsätzlich “Blödsinn”, in Bezug auf angeborene Verhaltensunterschiede beim Menschen auf Populationsebene von r- und K-Strategie zu sprechen – DAS ist: Blödsinn. Denn die Forschung geht auch jenseits von Philippe Rushton auf diesem Gebiet weiter, jenseits eines Autors übrigens, der auch in der Studie von 2009 als ernstzunehmender zitiert wird.
Seit diese Zitate der Öffentlichkeit bekannt gegeben und ihr erläutert worden sind, ist die öffentliche Erörterung rund um das hier zur Erörterung stehende evolutionäre Denken schlichtweg entschieden. All die Kritiker auf dem Blog von Marcus Anhäuser, die sich zuvor immer wieder mit neuen Einwänden gemeldet hatten, blieben, nachdem diese Zitate gebracht worden waren, stumm. Wahrscheinlich reden sie sich damit heraus, dass ihnen die Diskussion zu lang geworden war und sie ihr gar nicht mehr gefolgt wären.

Aber man möchte doch gerne wissen, wann endlich Qualitätspresse Qualitätsberichterstattung betreibt. Statt Hetzpresse und Verblödungspresse zu sein. (Einige weiterführende Ausführungen im Anhang.) (Ergänzung 11.6.16:) Übrigens ist damit auch die öffentliche Stellungnahme des "Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung" (19) vollständig widerlegt, etwa die dortige These, dass es sich bei der r/K-Theorie um eine "mittlerweile veraltete Theorie zu Unterschieden im Fortpflanzungsverhalten zwischen verschiedenen Tierarten" handeln würde. Wie können habilitierte Wissenschaftler einen solchen Unsinn äußern?
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ResearchBlogging.org
  1. Ellis BJ, Figueredo AJ, Brumbach BH, & Schlomer GL (2009). Fundamental Dimensions of Environmental Risk : The Impact of Harsh versus Unpredictable Environments on the Evolution and Development of Life History Strategies. Human nature (Hawthorne, N.Y.), 20 (2), 204-68 PMID: 25526958
  2. Voland, Eckart: Soziobiologie. Die Evolution von Kooperation und Konkurrenz. Springer-Verlag, Heidelberg u.a. 2013 (4. Auflage)
  3. Bading, Ingo: Ein Skandal der allerersten Güte. Das "Institut für Staatspolitik" in Schnellroda und sein geistig überaus schmalspuriges Auftreten. Auf: GA-j!, 12. Juli 2015
  4. Bading, Ingo: Rettet naturwissenschaftsnaher Katholizismus die europäischen Völker? Entwicklungen auf dem Internetblog "Projekt Ernstfall". GA-j!, 23. Juli 2015
  5. Bading, Ingo: "Eine Milliarde Katholiken gegen 200 Ludendorffer - viel Spaß in der Bataille". GA-j!, 28. Juli 2015
  6. Bading, Ingo: Verblödung auf der Internetseite Sezession. Katholische Rechtskonservative seit über 40 Jahren: "Gehe zurück auf Los und fange bei Null an". GA-j!, 15. August 2015
  7. Bading, Ingo: Alain de Benoist - Er hat "biologische Fragestellungen" "allzu sehr in den Vordergrund gestellt. GA-j!, 7.10.2015 
  8. Bading, Ingo: Alain de Benoist - Ein rechtskonservativer Hijacker. GA-j!, 11.10.2015
  9. Bading, Ingo: Lasst sie nicht abreißen! - Die kulturelle und genetische Tradition. Begreift Euch als Erben! Eine Lesehilfe zu Peter Sloterdijk's neuestem Buch "Die schrecklichen Kinder der Neuzeit" (2014). GA-j!, 15. Oktober 2015
  10. Albrecht, Jörg: Das Fremde und das Vertraute. In: FAS, 17.11.2015
  11. von Rauchhaupt, Ulf: Lewontins Fehlschluß. In: FAS, 17.11.2015
  12. Zastrow, Volker: Neue Rechte - Höckes Rassetheorie. In: FAZ, 20.12.2015
  13. Genhorst: Höckes r- und K-Strategen. Auf: Das Wesen - EvoDevoAnthro, 14. Dezember 2015, https://genhorst.wordpress.com/2015/12/14/hoeckes-r-und-k-strategen/
  14. Anhäuser, Marcus: Liebe Biologen, #Höcke wäre Eure Chance gewesen (Nachtrag 28.1.16). Auf Placeboalarm, 15. Dezember 2015, mit 105 Kommentaren, http://scienceblogs.de/plazeboalarm/index.php/liebe-biologen-hoecke-waere-eure-chance-gewesen/
  15. „Sonst endet die AfD als ‘Lega Ost’“ - Interview mit Karlheinz Weißmann. In: Junge Freiheit, 21.12.2015
  16. Hermsdorf, Daniel: Volksverhetzung durch angebliche #Rassismus-Kritik? Filmdenken, 21.12.2015
  17. Bading, Ingo: Björn Höckes evolutionäres Denken Mangelndes Vertrauen in die Aufklärungs- und Humanisierungsfähigkeit moderner Wissensgesellschaften Oder: Warum die Öffentlichkeit ständig geistig und moralisch unterfordert wird. Auf: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!, 10. Januar 2016, http://studgenpol.blogspot.de/2015/12/die-debatte-um-bjorn-hockes.html
  18. Brynja Adam-Radmanic: Hat Höcke recht, aber wir dürfen es nicht sagen? - Ein Fakten-Check mit Anleitung zur Verhinderung totalitären Denkens. Auf: Wissensküche, 15. Dezember 2015 (mit 126 Kommentaren), http://wissenskueche.de/2015/12/hat-hoecke-recht-aber-wir-duerfen-es-nicht-sagen-ein-fakten-check-mit-anleitung-zur-verhinderung-totalitaeren-denkens/
  19. Damian Ghamlouche: BIM-Pressemitteilung: Rassistische Argumentationen dringen unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit in den politischen Raum. Pressemitteilung des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung vom 15.12.2015, http://www.bim.hu-berlin.de/media/PM_BIM_14122015.pdf

Montag, 12. Oktober 2015

Ein Wort zu Religionswissenschaftler Michael Blume

Mein Unglauben darüber, dass den heutigen Eliten und Meinungsführern ihr Ausschalten der Vernunft wirklich noch dauerhaft Spaß machen kann

Fantasie statt Verblödung! (2012)*)
Am 25. September 2015 veröffentlichte der von uns auf rein sachlicher Ebene so sehr geschätzte Religionswissenschaftler Michael Blume auf den Scilogs einen Blogartikel mit dem Titel "Führt (Verschwörungs-)Verbloggung auch zu Verblödung?"

Eine wirklich tolle Frage. Sie sei deshalb wiederholt: "Führt (Verschwörungs-)Verbloggung auch zu Verblödung?" Wir haben von unserer Seite dort kommentiert und das kann man ja dort auch nachlesen. Aber es ist doch weiterhin auch interessant zu beobachten, wie Michaels Schmerzgrenze im Laufe der Monate sich immer mehr verändert. Man sollte vielleicht einmal alle Kommentare von unserer Seite sammeln, die er im Verlauf der letzten Monate nicht freigeschalten hat. Wo es doch sowieso nur so selten Versuche gab, solche dort abzugeben. Vielleicht wird da ein Muster erkennbar. Es fühlt sich jedenfalls immer deutlicher exakt so an wie die Schmerzgrenze eines Götz Kubitschek und seiner Freunde auf Sezession.de.

Allerdings muss sich doch Michael nun wirklich nicht wundern, wenn man bei ihm kommentiert. Oder sehe ich das falsch? Wenn er Blogartikeln so flapsige Überschriften gibt wie "Führt (Verschwörungs-)Verbloggung auch zu Verblödung?" Hallo?!?! Hat er etwa Sorge, dass er auch verblöden könnte, wenn er mit diesen Verblödeten verblödete Gedanken austauscht? Ich weiß es nicht.

... Wo er doch vor einigen Monaten erst entdeckte hatte, dass Verschwörungstheorie treiben auch sinnvolles "cheater detection" sein kann. Er scheint da wohl doch noch kräftig innerlich hin und her zu schwanken, wie er mit diesem geistigen Bereich der - - - "Verschwörungstheorien" umgehen soll.

Aufgrund der vielen "Restriktionen" in den letzten Monaten auf seinem Blog hatte ich nun leise Zweifel angemeldet, ob man als Kommentator auf seinem Blog überhaupt noch willkommen ist. Michael meinte dazu aber:

Du bist hier immer willkommen, solange Du Dich nicht in wirren Verschwörungstheorien (Satanisten, Vatikan, Freimaurer etc.) und Ausfällen gegen Demokratinnen und Demokraten verlierst.

Na gut. Aber will man dann wirklich noch zu der Party dazu stoßen? Nachdem man von dem Hausherrn so begrüßt worden ist? ... Ähm ....

Trotzdem bin ich mal wieder eingetreten und habe mich rechtfertigend auf weitere Kommentare eingelassen. Nun, der letzte war Michael dann wieder einmal zu viel. Und ich habe kein Verständnis dafür, dass er ihn nicht freigeschalten hat, schließlich war er ganz und gar zur Sache. Und trotzdem konnte er ihn nicht - "aushalten" - ?

Rumpelstilzchen

Er hatte nämlich gemeint, dass die katholische Kirche und der Papst selbst von dem Internet profitieren würden. Im Gegensatz sogar zur evangelischen Kirche. Da hat sich offenbar etwas verändert. Vor einigen Jahren haben der Leiter des Benediktiner-Ordens und andere sich wütend den Staat herbei gewünscht gegen - - - "Facebook-Demokratie" ... Nun hatte ich zu Michaels diesbezüglicher Euphorie folgenden Kommentar geschrieben, der dann aber offenbar doch wieder seine Schmerzgrenze überschritt:

Na, ich hätte da ja für diesen Umstand eher ne Verschwörungstheorie auf Lager, ;)
.... erläutert anhand der Vorgänge rund um die einstmals kräftig anschwellende Facebook-Gruppe "Generation Giordano", die, als sie wirklich brisant wurde (damals, anlässlich des Papst-Besuches in Deutschland) "plötzlich" zerschlagen wurde, "plötzlich" von inneren Richtungskämpfen lahm gelegt wurde (brisant auch deshalb, weil es darin zu viele gab, die auf der Seite von Sarrazin standen). Wer da noch glaubt, das wäre der liebe Gott gewesen, der durch Eingriffe seine Kirche geschützt hätte, der berücksichtigt nicht, dass die katholische Kirche - unter anderem - eine der geldmächtigsten Organisationen der Gegenwart ist ...
Solange man also nicht katholischerseits verborgen in der Opposition herumarbeitet, um Opposition zu sabotierten, wie einstmals "Unterwerfung tut wohl"-Autor Klaus Berger (VOR seinem Outing hätte man die Behauptung, er arbeite verborgen für die katholische Kirche, natürlich auch lachend zur Verschwörungstheorie erklärt), wenn es also nicht Rumpelstilzchen wie Klaus Berger gibt, hat die katholische Kirche im Internet-Zeitalter sehr schlechte Karten, würde ich sagen. Wurde mir jüngst auch wieder hier deutlich: Eine neue App lässt die Kirchenaustrittszahlen in Norwegen in die Höhe schnellen:
http://www.patheos.com/.../in-norway-an-app-that-makes.../
Die Rumpelstilzchen sitzen ja auch breit unter den "Neuen Rechten" wie Du sicher auch wissen wirst und wie ich gerade erst wieder an dem Ex-(?)Katholiken und Putin-Freund Alain de Benoist aufzeigen konnte. Die "Neue Rechte", unter denen Du Dich ja inzwischen auch bewegst, war früher in Deutschland synonym mit kirchenfrei. Da ist meines Erachtens geschickt gearbeitet worden, damit das heute dort so ganz anders ist.
Und da vertrete ich ja eben die These, dass das Nichtbetreiben von Verschwörungstheorien zu Verblödung führt.

Das war also ein Kommentar voll und ganz zur Sache des von Michael im Blogbeitrag aufgeworfenen Themas. Aber diese schlichten Ausführungen waren ihm schon wieder zu viel. Man muss erst selbst eine Weile nachdenken, was genau einem da jetzt eigentlich zu viel sein konnte? Er rechtfertigt sein Nichtfreischalten dann damit, dass er ja gar kein Katholik sei. Hatte ich das behauptet? Hatte ich sagen wollen, er sei ein Rumpelstilzchen? Mitnichten hatte ich das sagen wollen. Noch nicht mal einen Gedanken daran hatte ich. Aber warum reagiert er dann so empfindlich? Und betont, dass er kein Katholik sei?

Kann man das langfristig durchhalten?

Angesichts solcher Vorgänge komme ich zu folgenden Gedanken: Einerseits fühlt sich das schmerzhaft an, dass man mit Michael nicht mehr so fröhlich reden kann wie früher. Andererseits fühlt sich das - zumindest für mich - auch so an, als ob er sich in seiner Position den vorgebrachten Argumenten gegenüber nicht stark genug fühlt. So wie das auch bei den Leuten von "Sezession" der Fall zu sein scheint. Ob man es hier überall schafft, die hochgezogenen Mauern, sprich, die Nicht-Kommunikation durchzuhalten? Für mich fühlt es sich nicht so an, als könnte man das schaffen. Zumindest nicht langfristig. - - -

Ich möchte aber aus diesem Anlass einmal ganz grundsätzlich fragen: Ist es die christliche Religion, ist es der Monotheismus wirklich Wert, dass man um ihrer Verteidigung willen so viele Mauern hoch zieht, so viel Nicht-Kommunikation betreibt, seinem freien Denken und Urteilen so viel Beschränkungen auferlegt? Fördern die christliche Religion, die gegenwärtige Politik wirklich die Humanevolution? 

Wer kann das noch glauben? Kann das Michael glauben? So dass er schon vergleichsweise zaghafte Infragestellungen eines solchen Glaubens nicht freischalten kann? Ich glaube, man steigert sich hier immer mehr in eine künstliche Haltung hinein. Die zumal auch den Agierenden bewusst ist und die ihnen bewusst sein muss.

Ist denn dort nicht einfach einmal nur das Bedürfnis da, frei zu sein? Einfach fröhlich zu agieren? Im Denken? Im Austausch von Gedanken? Und nicht durchstilisiert? Das Bedürfnis, nicht ständig nur sorgenvoll die Stirn in Falten zu legen oder krampfhaft vor das Mikrofon zu treten mit so außerordentlich hohlen Phrasen wie "Wir schaffen das". - ?

Soll dieses - vielleicht auch im eigenen Innern spürbare - Bedürfnis nach Freiheit einfach erstickt werden, zugedeckt werden durch massenhafte Zuwanderung, so dass sich solche Erörterungen schließlich von selbst erledigen angesichts der massiven und viel zu banalen Probleme, die solche merkwürdigen Zuwanderungen mit sich bringen? Lassen sich darauf denkende Menschen mit dem wissenschaftlichen Bewusstseinsstand des frühen 21. Jahrhunderts wirklich ein?

Ich, also: ich, ich glaube es nicht. Ich glaube es nicht. Und ich rufe einfach einmal wieder: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt! Es ist an der Zeit.

______________________________________
*) Keine Kaufempfehlung. Ich fand nur es ist eine schöne bunte Illustration. Ich hab es noch nicht gelesen. Zumindest kommt in dem Titel noch nicht der Begriff Verblödung vor, sondern der schöne Begriff .... "Phantasie". ;)
Nachbemerkung: Wie verständlich geworden sein wird, ist Michael hier nur ein Aufhänger für mich für ein wesentlich allgemeineres Thema. Ich greife ihn hier heraus, weil ich ihn für einen der vergleichsweise gebildetsten Gesprächspartner halte mit dem vergleichsweise weitesten Horizont. Dieser Beitrag soll nicht dazu dienen, dass sich möglichst viele Menschen kritischerweise auf Michael "einschießen". Viel eher: Lest seine Bücher, ihr könnt viel aus ihnen lernen. Und wenn ihr genug gelernt habt aus ihnen: Denkt die Bücher weiter. Zieht noch andere Schlussfolgerungen aus ihnen als er. Aber lasst ihn ansonsten - bitte - in Ruhe. Macht ihn nicht zur "Zielscheibe" oder was auch immer. Es scheint nämlich auch eine der Strategien zu sein, Atheisten - oder wen immer - gegen Michael "aufzuhetzen". Das ist einfach nur Blödsinn. Meist sind die, die Michael kritisieren, wesentlich dümmer und mit engerem Horizont ausgestattet als er. (Auch für letzteren Umstand will ich hier nur - stellvertretend - den Leiter des "Humanistischen Pressedienstes" Frank Navissi [Nicks Bloghaus] nennen.)

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