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Montag, 22. November 2010

Kirsten Heisig - Wisnewski bekam Recht gesprochen

Wer das Internet mit dem Namen des derzeitigen Pressesprechers der Berliner Justiz absucht, stößt auf manche interessante Meldung. - Dieses Interview zum Tod von Kirsten Heisig ist jedenfalls nun schon in einigen Teilen wieder veraltet:


Denn nun hat die Staatsanwaltschaft Berlin (wie gesagt: Justizsprecher Oberstaatsanwalt Martin Steltner) endlich, endlich gesprochen (Pressemitteilung Justizbehörden; sowie: a, b, c, d, e, f, ...), nachdem sich Gerhard Wisnewski rechtlich durchgessetzt hatte und dann ein Ultimatum gestellt hatte. - Und doch: So viele Ungereimtheiten bleiben. Wisnewski wird sich sicherlich selbst noch ausführlich dazu äußern.

Frau Heisig soll sich an einem Ast erhängt haben, der 2,30 Meter über dem Boden wuchs, und den sie vom Boden aus herunterbog. Sie kletterte also gar nicht auf einen Baum. Aber warum fuhr dann die Polizei lange Leitern an, als die Leiche geborgen werden sollte, wie man auf Pressefotos sehen kann (GA-j!)? Um den Tatort von oben zu fotografieren? Wird das "normalerweise" so gemacht? Schon gar in einem dichten Wald, wo man von oben gar nicht viel fotografieren kann?

Ihre Knie hingen dicht über dem Erdboden, 500 Meter von ihrem Auto entfernt und die Polizei hat sie im Großeinsatz mit Suchhunden tagelang nicht gefunden? Die Stelle soll erreichbar gewesen sein, dadurch daß man sich zum Teil "durch Büsche schlagen" mußte:
„Der Auffindeort liegt circa 500 Meter von dem Punkt entfernt, an dem am 30. Juni ihr Auto gefunden wurde. Um dorthin zu gelangen, muss man sich teilweise durch die Büsche schlagen."
Das paßt zu der dortigen Gegend wie der Schreiber dieser Zeilen selbst bestätigen kann. Dennoch unglaubwürdig, daß die Polizei sie im Großeinsatz tagelang nicht gefunden haben soll. Völlig unglaubwürdig.

Zumal Leichen bei den damaligen sommerlichen Temperaturen nach wenigen Stunden anfangen, bestialisch zu stinken. Ähnliche Einwände bringen auch die meisten der Kommentatoren etwa auf der Seite vom "Focus". Dann sagte Steltner:
(...) Und es ging uns bei unserer Entscheidung darum, so wenig wie möglich von den zum Teil mehr als unschönen Einzelheiten des Falles bekannt zu geben.
So so. Und:
„Die Staatsanwaltschaft hofft insbesondere im Interesse der Angehörigen, dass durch die Veröffentlichung dieser Ermittlungsdetails die Spekulationen jetzt ein Ende finden.“
Wieder diese Munkelei. Wieder diese Bigotterie. Wie schon gleich nach dem Auffinden der Leiche (siehe unser früherer Beitrag). Aber: Was kann an diesem Selbstmord so "unschön" sein, was an so vielen anderen Selbstmorden nicht unschön ist, so daß breit darüber berichtet wird? Was ist übrigens "unschön" daran, wenn eine Leiche mit den Knien über dem Erdboden in einer Schlinge hängt? (Abgesehen davon, daß ein Selbstmord sowieso nicht "schön" sein kann ..., wie man als Oberstaatsanwalt eigentlich wissen sollte.)
„Die Tote hat sich anscheinend nach vorne in die um ihren Hals liegende Schlinge fallen lassen und sich vor dem Erhängen nicht auf einen Gegenstand gestellt.“
Da denke sich jeder, was er will dabei: Ist es besonders leicht, sich so umzubringen?
In der Nähe fanden die Ermittler eine Plastikflasche „Lipton-Icetea“ mit einer gelblichen Flüssigkeit, unter ihr eine leere Flasche „Active-02“. 
Zum Zeitpunkt des Erhängens hat Kirsten Heisig noch gelebt.
Man muß ja fast Sorge haben, daß diese beiden Plastikflaschen (siehe auch Abbildungen) von den durch den Wald stolpernden Polizisten verloren worden sind ...

Anderes Thema, gleiche Staatsanwaltschaft: Steckte die DDR hinter Rudi Dutschkes Tod?

Aber vielleicht noch viel spannender übrigens, was man derzeit noch so alles unter dem Suchwort "Martin Steltner" findet: "Steckte die DDR hinter Dutschkes Tod – und hinter dem seines Attentäters?" Gute Frage. Sie zu stellen, heißt fast schon, sie mit Ja zu beantworten. Aber das ist ein anderes Thema. Die Zusammenhänge rund um den "Staatsterrorismus" namens RAF werden jedenfalls auch immer deutlicher, ohne daß man sich auch nur irgendwo bemüßigt fühlt, endlich einmal Konsequenzen zu ziehen.
___________________

Nachtrag am Abend: Wisnewski hat heute zunächst den Bericht der Leitenden Oberstaatsanwältin Lentz dankbarerweise vollständig ins Netz gestellt mit einem dem Anlaß entsprechenden, völlig passenden Kommentar (Kopp-Nachrichten). Was an diesem Bericht zunächst am meisten verblüfft: Der Fundort wird genau beschrieben und man hat das Gefühl, in den fünf Tagen zwischen dem Verschwinden von Frau Heisig und dem Auffinden der Leiche müssen an diesem Fundort hunderte von Polizisten vorbeigelaufen sein. An der Leiche gab es beim Auffindezeitpunkt schon "starke Fäulnisveränderungen". Und das soll niemand gerochen haben - auch nicht die Hunde. Man soll die Leiche noch aus 40 Meter Entfernung zwischen den Blättern haben sehen können - und niemand hat sie gesehen? Zu diesen Umständen werden keine Erklärungen abgegeben.

Der angegebene Fundort ist genau der Ort, an dem auch der Schreiber dieser Zeilen zunächst als erstes gesucht hat, als er sich den Wald angesehen hat (siehe früherer Bericht). Es mutet so irrsinnig an, daß bei so viel hundert eingesetzten Polizisten am naheliegendsten Fundort überhaupt, nämlich an der Anhöhe, die man über den direkten Weg in  den Wald hinein erreicht, die Leiche nicht sofort gefunden worden sein soll. Obwohl sie auf 40 Meter sichtbar gewesen war! Welcher "Großmutter" wollen sie das denn erzählen? Und obwohl sie nicht oben im Baum, sondern wie schon geschildert, direkt über dem Boden hing.

Außerdem heißt es im letzten Satz des Berichtes lakonisch, daß Frau Heisig am 28. Juni in einer Apotheke ein Anti-Depressionsmittel gekauft habe, "das als Überdosis in ihrem Leichnam festgestellt wurde". Schluß. - "Hochachtungsvoll."

Als einfacher Bürger möchte man sagen: Verwegen. Kein Kommentar dazu, ob diese Überdosis Todesfolgen haben konnte. Das Handeln der Berliner Oberstaatsanwaltschaft ist mit dieser von ihm erzwungenen Auskunft nur noch mehr als bisher als Frechheit gegenüber der Öffentlichkeit zu bewerten. Was glauben die eigentlich, wie kaltschnäuzig sie eine demokratische Öffentlichkeit abfertigen können?

Donnerstag, 19. August 2010

Kirsten Heisig: "Mir springt keiner zur Seite."

Ein zweiter Fall "Benno Ohnesorg"?

Der Bestseller der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig soll auf Türkisch erscheinen, wie gestern berichtet wurde.

Lassen wir aus diesem Anlaß noch einmal Revue passieren die Berichterstattung über die polizeiliche Suche nach ihr und über das Auffinden ihrer Leiche. Und zwar anhand zahlreicher, öffentlich zugänglicher Pressefotos (im folgenden aus: Bild, 1.7., t-online, 2.7., t-online, 3.7., Heute, 3.7., Süddt., 3.7., Morgenpost 4.7., RTL, 4.7., HAZ 4.7., Stern, 4.7. a, b, Spreeradio 4.7., News, 5.7., Märk. Allg. 5.7.). Im Anschluß daran wollen wir noch einmal darauf eingehen, wie derzeit die Berliner Generalstaatsanwaltschaft und das Verwaltungsgericht Berlin die Auskunftspflicht hinsichtlich dieses Falles sehen (s.a.: a, b).

Im großer Zahl rücken Anfang Juli in einem Waldstück bei Berlin-Tegel
Polizisten an zur Suche nach Kirsten Heisig


Hier der Anhänger mit Suchhunden

Tagelang finden sie nichts, weil sie - so erfahren wir später - nicht in die Baumwipfel gucken

Es sind heiße Sommertage in einem sonnen- und lichtdurchfluteten Wald,
in dem die Bäume nicht auffallend dicht stehen


Es wird in Waldstücken am Elchdamm gesucht und in Verlängerung des Schauflerpfades (siehe frühere Beiträge hier auf dem Blog). Aber auch an der S-Bahn-Strecke, sowie auf Wiesenflächen. Auch vom Hubschrauber aus (Fotos dazu findet man in den angebenen Berichten ebenfalls). Und es wird bei Nacht gesucht.

Ein Laptop der Polizei - oder der Feuerwehr - mit dem weiß eingegrenzten Suchgebiet: Warum gerade da,
wo doch der Wald so groß ist und - beispielsweise - die S-Bahn so viel weiter weg ist?



Die Gerichtsmedizin fährt vor


3. Juli 2010: Schließlich erfährt die Öffentlichkeit nach mehreren Tagen, daß die Leiche doch noch gefunden worden ist. Und die Pressefotografen machen folgende Fotos von den Geschehnissen:

Der blaue Wagen, offenbar der Gerichtsmedizin, ist vorgefahren.

Das Straßenstück wird abgesperrt.

Zwei Gerichtsmediziner ziehen sich weiße Schutzanzüge an.

Leitern werden gebracht.

Das Straßenschild macht den Straßenknick des Elchdamms eindeutig lokalisierbar.

Ein grüner Wagen der Gerichtsmedizin fährt vor.

Offenbar die Gerichtsmediziner: Eine Frau und ein Mann in ihren Schutzanzügen mit Koffern

Fotos von einer Bahre oder einem Sarg mit der geborgenen Leiche von Kirsten Heisig finden sich in der Presseberichterstattung - soweit übersehbar - nicht. Wurde die Absperrung im Anschluß an die hier fotografierten Szenen erweitert? - Auch Videos über die Suche sind übrigens im Netz zugänglich (RBB Abendschau 1.7., ZDF, 1.7., Morgenpost TV 2.7.).

Juli/August 2010: Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin verweigert Auskünfte

Der Journalist Gerhard Wisnewski hat sich nun in den letzten Wochen um weitere Auskünfte von Seiten der Behörden bemüht. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin weigert sich aber, genaue Auskünfte über die Todesumstände und den Todesort von Kirsten Heisig zu geben (Teil 7, pdf. a, pdf. b). Und das Verwaltungsgericht Berlin meint, daß die Generalstaatsanwaltschaft ein ...
... "Auskunftsverweigerungsrecht" habe, da "schutzwürdige private Interessen, nämlich das ideelle, postmortale Persönlichkeitsrecht der Verstorbenen und das Persönlichkeitsrecht ihrer hinterbliebenen Angehörigen verletzt werden" (pdf. b, S. 3)
könnten, bzw. würden, wenn weitere Auskünfte gegeben würden. Auch die "Menschenwürde" von Kirsten Heisig würde verletzt, wenn genauere Details bekannt gegeben würden (S. 4)! Dann folgt etwa auch folgender Satz:
"Ein Mensch, der Suizid begeht, kann grundsätzlich verlangen, daß in den Medien nicht eingehend über seinen Tod (...) berichtet wird."
Offenbar gibt es darüber also keine einigermaßen einheitlichen Regelungen. Und man faßt sich an die Stirn, was hier Richter im Namen von Kirsten Heisig glauben, sagen zu dürfen. Als wüßten sie selbst, was Kirsten Heisig verlangt hätte. Aber: Wenn das dieser Mensch denn wirklich so ernsthaft wollte, daß nicht eingehend über seinen Tod berichtet wird (!!!), hätte er ja nur eine persönliche Erklärung zuvor hinterlassen brauchen. Jemand, der gerade ein Buch veröffentlicht zu dem brisanten Thema Jugend- und Migrantenkriminalität und der am Ende schreibt "Deutschland wird mich aushalten", der gerade einen Talkshow-Termin zugesagt hat, der wird wohl damit rechnen müssen, daß die Öffentlichkeit sehr genau Bescheid wissen will, wie und warum sich dieser Mensch - angeblich - so plötzlich und unvermittelt "selbst" umgebringt.

Man kann es als geradezu ungeheuerlich empfinden, was hier das Verwaltungsgericht Berlin formuliert. Im Grunde sind das ganz unglaubliche Schriftstücke, die hier von der Berliner Justiz verfaßt werden. Und man sollte sie wirklich noch umfangreicher auf sich wirken lassen. Die Richter und Staatsanwälte werden sich doch auch alle persönlich untereinander kennen, was man auch in diesem Text glaubt, mitschwingen zu spüren.

Und das Berliner Verwaltungsgericht weiß, warum die Auskunftsverweigerung richtig ist

Kann man sich in fünf Meter Höhe in einem Baum auf eine Weise umbringen, selbst töten, daß eine Auskunft über diese Art und Weise der Tötung der Öffentlichkeit nicht gegeben werden darf, um - - - die "Menschenwürde" der betroffenen Person zu wahren? - ??? Wie stellt sich denn in anderen, vergleichbaren Fällen die Berichterstattung und die Wahrnehmung der Auskunftspflicht der Behörden dar?

Als wäre nicht jeder gewaltsame Tod die tiefste Infragestellung der Menschenwürde an sich. Aber in diesem Fall sogar noch, wie gesagt, eines Menschen, der von sich sagt: "Deutschland wird mich aushalten." Eines Menschen, der Zusagen zu Talkshow's gibt, der Besteller-Manuskripte gerade druckfertig gemacht hat. Liest man den Text des Berliner Verwaltungsgerichtes, gewinnt man geradezu den Eindruck, als wäre die Art, mit der sich Kirsten Heisig umgebracht hat, eine irgendwie hochgradig peinliche gewesen. Es liest sich geradezu so, als hätte dies etwas mit ihren primären Geschlechtsmerksmalen zu tun. Zumal wenn dauernd von "hochpersönlichen" Gründen gesprochen wird für diesen Suizid. "Persönliche" Gründe reichten den Richtern offenbar gar nicht aus. Nein, auch "hochpersönliche" taten es noch nicht. Es mußten "höchstpersönliche" sein. Erst dann kamen sich diese Richter der Öffentlichkeit gegenüber überzeugend genug vor.

Und das können sie allein aus einer einzigen SMS ablesen, die Kirsten Heisig hinterlassen hat?

Und damit läßt sich unsere hochgepriesene, demokratisch-kritische Öffentlichkeit abspeisen? Hier riecht doch etwas - wieder einmal, wieder einmal: zehn Meter gegen den Wind.

Am 19. Juli, also zwei Wochen nach Auffinden der Leiche von Kirsten Heisig, lagen übrigens noch nicht alle toxikologischen Untersuchungen zu ihrem Todesfall vor (pdf. a, S. 2). Solche sind also - offenbar gründlich - vorgenommen worden. Die Öffentlichkeit harrt der Erklärung.

"Mir springt keiner zur Seite ...."

In der Süddeutschen Zeitung vom 1. Juli hieß es bedeutungsschwanger:
Die frühere Staatsanwältin erhält in ihrer Öffentlichkeitsarbeit wenig Rückendeckung von Kollegen. "Mir springt keiner zur Seite", sagte sie.
Wie weit sind diese Sätze auch auf Kollegen bei der Generalstaatsanwaltschaft Berlin und beim Berliner Verwaltungsgericht anwendbar? Und darauf folgen die Sätze:
Aber die Tatsache, dass ihr auch niemand in die Parade fahre, niemand ihr das Gegenteil dessen beweise, was sie erzähle, stärke sie.
Wirklich? Ist ihr wirklich keiner der "Kollegen" "in die Parade" gefahren? Tut es wirklich niemand heute? Was ist mit dem Ehemann, von dem sie getrennt lebte, dem Herrn Oberstaatsanwalt? Etwa so eine Art zweiter Prinz Charles? ...

Schon am 3. Juli hieß es in der Süddeutschen Zeitung, die wie der "Spiegel" oft ihre Informationen aus jenen Kreisen bekommt, die die eigentliche Macht haben heute: "Von einer Entführung war die Polizei von Anfang an nicht ausgegangen." Man wußte also offenbar "von Anfang an", daß die Gründe für ihr Verschwinden im ... "höchstpersönlichen Bereich" ... lagen.

In Berlin morden Polizisten und Verfassungsschützer seit Jahrzehnten, gerne werfen sie auch Steine auf ihre eigenen Kollegen (siehe 1. Mai)

Erinnern wir uns: In Berlin haben schon Polizisten und Vertrauensleute von Geheimdiensten mehrerer früherer Generationen politische Morde und Straftaten begangen. Es sei - nur als Beispiel - erinnert an den Reichstagsbrand von 1933. Es sei an den Mord an Benno Ohnesorg erinnert. Es sei an Morde im Grunewald erinnert im Zusammenhang der Geschichte der RAF. Es sei erinnert an die Durchfilzung der Berliner und Brandenburger Polizei durch Geheimdienste, unter anderem der DDR-Staatssicherheit, deren Seilschaften fortbestehen. Überall Polizisten, die von ihren eigenen Kollegen und dem Behördenapparat lebenslang gedeckt worden sind.
Polizisten, die auf die Deckung durch die Justizbehörden und die "kritischen" Presseorgane dieser Stadt fast bis heute rechnen konnten. Von den Straftaten in den offensichtlich totalitären Systemen des Dritten Reiches, der Sowjetunion und der DDR ganz abgesehen.

Und hatte nicht auf einer der letzten 1. Mai-Demonstrationen am Kottbuser Tor in Berlin ein Frankfurter Polizist in Zivil Steine auf seine uniformierten Berliner Kollegen geworfen? Alles nur Zufälle. Sie stehen natürlich in keinem Zusammenhang miteinander.

Sonntag, 8. August 2010

Im Wald bei Tegel: Selbstmord oder Mord?

Zum Tod der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig (Teil 2)

Abb. 1.: Kirsten Heisig - Der Ort, an dem sie - mit ihrem Hund - zunächst notdürftig
verscharrt worden war? (Von der Wegekreuzung von Abb. 2 aus fotografiert.)

Das neu erschienene Buch der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig wird breit in der Presse erörtert (s. Google News). Darin ist viel von Kriminalität die Rede. Doch außer dem Journalisten Gerhard Wisnewski (s. früherer Beitrag) scheint sich in der Presse niemand weiter Gedanken zu machen über die dürftigen Angaben der Berliner Polizei- und Justizbehörden zu den Todesumständen von Kirsten Heisig. Folgt man Gerhard Wisnewski, ist der Öffentlichkeit noch nicht einmal der Baum selbst bekannt gegeben worden, an dem sich die Jugendrichterin in fünf Metern Höhe erhängt haben soll.

Der Tegeler Forst - Ein vielbesuchter Wald

Die weiteren Angaben von Gerhard Wisnewski (Kopp, Teil 3, Teil 4) wollte der Autor dieser Zeilen heute persönlich so weit als möglich überprüfen. Wisnewski schreibt:
Durch den Wald führen zahlreiche Spazierwege, auf denen Radfahrer unterwegs sind und Anwohner ihre Hunde spazieren führen.
Dieser Satz kann nach Ortsbesichtigung vollständig bestätigt werden (s. etwa Abb. 2). Das betroffene Waldstück liegt nur knapp vier Kilometer allein von Wald getrennt von dem Schloß Wilhelm von Humboldt's in Tegel entfernt.

Abb. 2: Die Wegekreuzung, an dem die abgesägten Baumstämme (links jenseits
des Bildrandes) liegen -
Blick in Richtung Schauflerpfad

Und es liegt in unmittelbarer Nähe eines Wohngebietes. Während der kurzen heutigen Besichtigung durch den Autor dieser Zeilen kam beispielsweise eine große "Nordic Walking"-Gruppe älterer Damen und Herren im eifrigen Gespräch vertieft fröhlich vorbeigewandert. Und in einem solchen Wald soll eine Leiche, nach der auch die Polizei in einer aufsehenerregenden Aktion intensiv sucht, fünf Tage lang unentdeckt fünf Meter hoch in einem Baum hängen? Soll man das für plausibel halten können? Auch von den frechen, im Wald herumlaufenden Wildschweinen konnte sich der Autor dieser Zeilen selbst ein Bild machen (s.a. a, b, c). Wisnewski berichtet:
In derselben Gegend wurde einmal ein junges Wildschwein überfahren – das habe wahnsinnig gestunken, sagen die Anwohner.
Ein vergrabener Hund

Und dann berichtet der Journalist Wisnewski:
Tatsächlich fand ein Spaziergänger drei Tage nach der Bergung der Toten am 3. Juli 2010 an der in den Medien angegebenen Stelle eine grüne Plastikplane mit Verwesungsgeruch, in der gut ein Mensch gelegen haben könnte, sowie einen mit Klebeband verschnürten Hundekadaver.
Es handelt sich um jene Stelle im Wald, die man in Verlängerung des Schauflerpfades auf einem Waldweg nach etwa 100 Metern an einer Kreuzung mit einem quer verlaufenden Waldweg findet. Der Informant informierte die Polizei, die wiederum die Kriminalpolizei informierte. Das weitere wird also, so wird man vermuten dürfen, mit Wissen, Zustimmung oder gar auf Veranlassung der Kriminalpolizei hin geschehen sein. Es fragt sich nur: Warum?

Mit frischen Baumstämmen abgedeckt - auf Wunsch der Kriminalpolizei?

Wisnewski weiter:
Außerdem geschah noch etwas Merkwürdiges: »Als ich am nächsten Tag dort vorbeischaute, war die Stelle mit frischen Baumstämmen abgedeckt«, schrieb mir mein Informant. Daneben seien noch Reifenspuren eines schweren Waldfahrzeuges zu sehen gewesen.
Wisnewski schreibt dann in seinem Teil 4:
Der Holzstapel ist kein Zufall, sondern eine Anomalie und wurde ganz bewußt an dieser Stelle platziert. In der Nähe des jetzigen Holzstapels lag nur ein umgelegter Baum, von dem die kurzen, aber sehr schweren Stücke abgesägt wurden.
Auch diese Angabe kann bestätigt werden. Es handelt sich allerdings nicht um einen von Menschen "umgelegten" Baum, sondern um einen entwurzelten und im Sturm umgeworfenen Baum (s. Abb. 3), wie es deren hier viele im Wald gibt und wie sie meistens offenbar mit Absicht vom Förster auch so liegen gelassen werden.

Abb. 3: Der schon seit längerem entwurzelte Baum, von dessen oberem Ende kürzlich
große Holzstücke abgesägt wurden (Blick Richtung Wegekreuzung von Abb. 2)

Der Wald sieht übrigens auch sonst erfreulicherweise wenig "aufgeräumt" und "ausgeräumt" aus, was ihn zusammen mit den hohen Dünen, die ihn untypischerweise durchziehen, sehr abwechslungsreich und sehenswert macht. Diese Besonderheit nutzen übrigens auch die Berliner Verkehrsbetriebe, um für den Wanderweg "Von Heiligensee durch den Forst nach Tegel" zu werben. Dafür haben sie sogar einen schönen Flyer ins Netz gestellt (BVG). Weiter Wisnewski:
Dafür wurde offenbar extra ein schweres Waldfahrzeug heran transportiert, dessen Spuren mein Informant gesehen hat. Dieses Fahrzeug wurde benötigt, weil die schweren Stämme sonst nur von mehreren Männern zu bewegen gewesen wären. Möglicherweise konnte das Fahrzeug auch gleich sägen.
Die Spuren eines schweren Waldfahrzeuges meint man auch heute noch zu erkennen, wobei man aber Zweifel zurückbehält: Die Zufahrt eines solchen Fahrzeuges über die vier Waldwege in der Nähe, ist heute nirgends (mehr?) zu erkennen, nur direkt unterhalb des Stapels sind deutliche Abdrücke zu sehen. (Auf den gemachten Fotos zu undeutlich zu erkennen.) Aber auch die Sägespäne sieht man heute noch in regelmäßigen Abständen neben dem früheren Fundort des Baumes liegen.

Hier ist gegraben worden - warum?

Am heutigen Tag lagen die abgesägten Baumstücke auch nicht mehr übereinander gestapelt, sondern waren auseinandergeworfen worden. Dadurch ist auf jeden Fall erkennbar, daß im Boden ein rechteckige Vertiefung ausgehoben worden sein muß (Abb. 4).

Abb. 4: Rechteckige Eintiefung in den Waldboden neben/unter den abgesägten Stämmen
(im Foto v.a. links unten)

Abb. 5: Wegekreuz mit dem entwurzelten Baum (links hinten) und den abgesägten Baumstücken noch
weiter rechts hinten (rechts oben von der Bildmitte)

Abb. 6: Links der entwurzelte Baum mit Sägefläche, davor die Arbeitsspuren (Sägespäne,
Vertiefungen/Wagenspuren im Waldboden), rechts hinten die abgesägten Baumstämme


Daß diese Baumstämme ausgerechnet vom Weg weggeschafft wurden, anstatt sie am Weg für den Abtransport aufzustapeln, ist schon hochgradig merkwürdig. Die Kriminalpolizei wird die Gründe dafür ja kennen ... - ?

Ein Blasenkatheter

Und ob man es für gewöhnlich oder für ungewöhnlich halten soll, daß man unweit dieser abgesägten Baumstämme links am Weg Richtung Schauflerpfad (20 Schritte vom Wegkreuz entfernt) die alte, geöffnete Hülle eines Blasenkatheters der Firma LoFric im Laub findet (s. Abb. 7) ("Astra Lofric H 20 Nelaton 10")*), stehe dahin. Eigentlich möchte man zunächst meinen, daß Leute, die derartige Dinge brauchen, diese nicht im Wald verlieren oder liegen lassen. (Erst Internetrecherche machte einem klar, daß es sich bis diesem Teil offenbar um die Hülle eines "Blasenkatheters" handelt.) Die durch Abriß geöffnete Spitze der Plastikhülle (im Foto unten) war durch die Aufhänge-(?)-Lasche (im Foto oben, im Foto nach oben abgenickt) gezogen worden. (Mehr dazu siehe: Nachtrag. *))

Abb. 7: Blasenkatheter der Firma LoFric im Laub neben dem Waldweg,
20 Schritte vom Wegekreuz der Abb. 2 Richtung Schauflerpfad

Oder hat die Kriminalpolizei diese Plastikhülle hier verloren? - Man kann die laienhaften, kriminologischen Beobachtungen dieses Beitrages für lächerlich halten. Die Berliner Behörden, insbesondere die Justizministerin müssen schlicht so umfassend Auskunft geben, wie es Gerhard Wisnewski verlangt. Dann macht man sich auch nicht als einfacher Bürger mit solchen Beiträgen wie diesen hier ... "lächerlich".

Abb. 8: Blick vom Wegkreuz Richtung Westen (rechts außerhalb des Fotos der gestürzte Baum und die abgesägten Baumteile): War dies der letzte Weg, den Kirsten Heisig ging?

_________

*) Nachtrag, bzw. Korrektur (nach weiteren Netzrecherchen,
9.8.2010): Der Name der Hersteller-Firma lautet "LoFric". Zugehörig zu der schwedischen Firma AstraTech. (Nélaton ist der Name eines berühmten französischen Chirurgen, nach dem diese Katheter-Art benannt ist.) Auf der Netzseite dieser Firma "LoFric" findet man eine Bedienungsanleitung (pdf.) für das "LoFric Hydrokit". Aus dieser geht hervor, daß das vorgefundene Teil nicht der Katheter selbst ist, sondern die Außenhülle, die den einzelnen Katheter selbst steril halten soll, und die als etwaiger Sammelbehälter für die abgelassene Blasenflüssigkeit dienen kann. Falls sie gefüllt wird, soll sie mit einem Knoten geschlossen werden (siehe im pdf. die Abb. 8). Ein solcher Knoten war bei der im Wald vorgefundenen Hülle nicht sichtbar.

Falls nun ein Zusammenhang mit dem Fall Kirsten Heisig und/oder mit ihrem - etwaig hier vergrabenen Hund - bestehen sollte: Natürlich spielt Urinentnahme in der Rechtsmedizin eine große Rolle. Aber ungewöhnlich wäre es wohl, wenn dieselbe gleich am Fundort einer Leiche, anstatt im gerichtsmedizinischen Institut durchgeführt würde. (- ?)

Deshalb wäre - nochmals betont: falls ein Zusammenhang bestünde - als ein schlimmstmögliches Szenario eher noch denkbar, daß der etwaig hier wieder ausgegrabenen Leiche von Kirsten Heisig, bevor sie, um einen Selbstmord vorzutäuschen, in einen Baum gehängt wurde, zuvor Urin entnommen worden sein könnte, um nachzuprüfen, ob eine etwaig eingegebene tödliche Substanz noch in ihrem Körper nachweisbar wäre.

Jedenfalls: Wer so wenig Auskunft gibt wie bis dato die Berliner Justizministerin, muß es sich gefallen lassen, daß sich die Leute derartige Gedanken machen wie im vorigen Absatz erläutert.

Montag, 2. August 2010

Kirsten Heisig - "vielen war sie unbequem"

Berliner, nimm die U 6 und fahre nach Norden bis Endhaltestelle Alt-Tegel. Vom Bahnhof Friedrichstraße nur 20 Minuten. Steige dann um in die Buslinie 133 und fahre noch 5 Minuten durch den Tegeler Wald bis zur Haltestation "Konradshöher Str./Heiligenseestr." oder bis zur Haltestation "An der Schneise". (BVG) Von dort sind es jeweils nur noch etwa zehn Minuten Fußweg in jenes Waldstück am Elchdamm 17 a, bzw. am Schauflerpfad 1, in dem die am 28. Juni verschwundene Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig von der Polizei am 3. Juli 2010 in einem Baum in etwa fünf Meter Höhe erhängt aufgefunden worden ist. Leg dort Blumen nieder, um zu zeigen, daß dir wie tausenden anderer Menschen die derzeitige "offizielle Version" zum Tod von Kirsten Heisig als zu "dünn" erscheint, um dich mit dieser Version zufrieden zu geben. Und vor allem: Kaufe ihr Buch, ihr Vermächtnis.

"Buchvermächtnis der Jugendrichterin"

In Neukölln und Berlin war sie, wie es heißt - vielen - unbequem. Eine so quirllebendige Frau, die am Schluß ihres gerade fertiggestellten Buches schreibt: "Deutschland wird mich aushalten," soll sich das Leben genommen haben? Arabische Banden sollen sie ermordet haben? Oder war es ganz anders? Mancher wird noch gezögert haben, dieses Buch zu kaufen. Nach ---> diesem kurzen ZDF-Beitrag aber wird mancher nicht mehr zögern:


Es ist auch gut und beruhigend zu wissen, daß der verdiente investigative Journalist Gerhard Wisnewski schon intensiv mit dem Fall befaßt ist (Kopp-Verlag Teil 1, 2, 3, 4, 5, 6). Hoffentlich nicht intensiver als die ermittelnden Berliner Behörden. Denn er schreibt:
(...) Ihre Bemühungen gehen als das "Neuköllner Modell" in die Justizgeschichte ein. Die Frage ist nur, ob wirkliche Verbesserungen auch erwünscht sind – oder ob in Wirklichkeit nicht vielmehr das Abrutschen der deutschen Städte in die Kriminalität auf dem Programm steht.

Der Fall Reusch

Diese Frage stellte sich möglicherweise auch der Berliner Oberstaatsanwalt Roman Reusch, der einen härteren Umgang mit ausländischen "Intensivtätern" forderte. Laut einem Bericht des Tagesspiegel vom 18. Januar 2008 wurde er deshalb abgesägt. Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) hätte im Mai 2007 "disziplinarische Ermittlungen gegen Reusch eingeleitet, nachdem dieser in einem Interview 'U-Haft als Erziehungsmittel' gefordert hatte. Es half Reusch nichts, dass das Interview zuvor genehmigt worden war – eine Rüge und das Disziplinarverfahren hatte er weg." Und nicht nur das: Genau das, was nun bei Heisig en masse anstand, nämlich Auftritte in Talkshows, hatte man dem Oberstaatsanwalt verboten. (...)
Da bleiben einem zunächst alle weiteren Worte im Halse stecken, wenn man berücksichtigt, daß eben diese Justizsenatorin nur zwei Stunden nach Auffinden der Leiche von Kirsten Heisig erklärte, es habe sich um einen Selbstmord gehandelt ... Man fühlt sich an die Österreichische Justizministerin Claudia Bandion-Ortner erinnert, die bis heute den Todesfall Jörg Haider trotz eklatanter Zweifel und massiver Forderungen aus der Bevölkerung nicht neu aufgerollt hat.

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