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Samstag, 27. Februar 2021

Zur Erinnerung an den deutschen Schauspieler Andreas Schmidt (1963-2017)

Auf Youtube gezappt und - ausnahmsweise - Gutes gefunden

Auf den Schauspieler Andreas Schmidt (1963-2017) (Wiki) kann man aufmerksam werden, wenn man durch den schönen Film "Das Mädchen auf dem Meeresgrund" von 2011 zappt (2). Dabei handelt es sich um die Verfilmung der Jugend der Wiener Taucherlegende Hans Hass (1919-2013) (Wiki).

Andreas Schmidt (1963-2017)

Diese Taucherlegende ist uns hier auf dem Blog wohlbekannt. Als Leser aller Bücher des Schülers von Konrad Lorenz, des Wiener Verhaltensforschers Irenäus Eibl-Eibesfeldt, wissen wir, welche Bedeutung Hans Hass im Leben von Eibl-Eibesfeldt spielte.*)

Und nun das Erstaunen: Diesen Schauspieler in dem Film kennt man doch irgendwoher!? Ja, aus dem so traurig-schönen-wehmütigen, irre-realen Film "Sommer vorm Balkon" aus dem Jahr 2004 (3). Dieser hatte damals so viel Eindruck hinterlassen. Und er wirkt immer noch weiter, über Jahrzehnte. Er fing das Lebensgefühl einer ganzen Generation ein.

Und was kann man jetzt auf Wikipedia lesen? Dieser Andreas Schmidt, der 2004 noch so JUNG wirkte - der diesen LKW-Fahrer spielte, der Teppiche fuhr, was ihm aber nicht "genug" war - ach, er ist schon tot. 2017 gestorben. An Krebs. Mit 53 Jahren.

Er ist fast die Generation des Bloginhabers: Nur drei Jahre älter.

Und wie man nun auf diesen Film von 1999 kommt? Das ist wohl nur aufgrund von Symptomen eines "Serien-Junkies" möglich. Jedenfalls war der Bloginhaber so begeistert von der vierteiligen Verfilmung des Lebens des Entdeckers und Familienvaters James Cook aus dem Jahr 1987 ("Wind und Sterne") (4), auf die er nur sehr zufällig auf Youtube gestoßen war. Sehr beeindruckt von diesem Film recherchierte er weiter über Leben und Sterben von James Cook. Und er erfuhr: Hans Hass hatte schon 1971 einen Film herausgebracht mit dem Titel "Unsere Reise mit Kapitän Cook".

Diesen Film findet man nun offenbar im Internet nicht zugänglich. Aber dafür stößt man eben erstens auf eine wunderschöne Dokumentation zum Leben von Hans Hass aus dem Jahr 1999 (5) und zweitens auf den genannten Film von 2011 (2).

Wer hätte gedacht, daß man noch so viel Bewegendes, noch so viel - - - Kultur findet ausgerechnet auf ... Youtube. Ist womöglich doch noch alles ganz anders? Gibt es mehr Lebenswertes auf dieser Erde als wir mitunter ahnen? In - - - "unseren Zeiten"?

Andreas Schmidt, ruhe in Frieden.

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*) Auf die Taucherlegende Hans Hass ist hier auf dem Blog schon einmal vor 12 Jahren (!) aufmerksam gemacht worden (6). Damals lebte Hans Hass noch.

___________

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Schmidt_(Schauspieler)
  2. Das Mädchen auf dem Meeresgrund, 2011, https://youtu.be/Sn5v88BrQr4
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Sommer_vorm_Balkon (Alterfreigabe ab 12 Jahren bitte nicht beachten, es ist schlicht ein Erwachsenenfilm)
  4. Wind und Sterne. James Cook. 1987, https://youtu.be/ocRnS2jpUEM
  5. Hans Hass - Der Mann, der das Meer entdeckte, 1999,  https://youtu.be/BJ7gPBXUhaw
  6. Bading, Ingo: Taucherlegende Hans Hass wird 90 Jahre alt. Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt?: Taucher-Legende Hans Hass 90 Jahre alt (studgenpol.blogspot.com), 2011

Sonntag, 6. Dezember 2020

Gute Filme

Ein Film-Tagebuch

In diesem Beitrag sind Bemerkungen und Gedanken gesammelt über wertvollere Filme, die man als empfehlenswert erachten möchte, ein Filmtagebuch (gegenchronologisch angeordnet)*). Leider sind die meisten der hier erwähnten Filme dort, wo sie erstmals frei zugänglich auf Youtube zu sehen waren, inzwischen schon wieder nicht mehr zugänglich. Frei zugänglich ist dafür - haufenweise - "Schrott". Wer das "Zufall" nennen möchte - - - bitteschön.

Abb. 1: Symbolbild - Kino in Florenz (Fotograf: sailko)

Freuen wir uns deshalb lieber über die wenigen Perlen in diesem riesigen Haufen Schrott, die man als eine Art Trüffelschwein sich so "erriechen" muß .... Ergänzung: Vielleicht sollte man immer auch einmal auf Archive.org oder OK schauen, wozu man durch einen neuen Beitrag von Thomas Wangenheim angeregt wird, der ergänzend zu diesem Blogbeitrag gelesen werden kann (1) (Wangh). Unsere eigene Filmliste auf Youtube "Gute Filme" ist noch sehr unvollständig (Yt).

"Immer wenn ich glücklich bin" (1938)

[8.01.2026] Schon ein wertvoller Film, der in letzter Instanz auch von der Aussage her überzeugen kann (Yt). Da es sich um einen "Revuefilm" handelt, zieht sich alles ein wenig übermäßig in die Länge. Aber unterhaltsam.

"Das alte Lied" (1944/45)

[6.12.2020] Dies ist ein Film (Wiki, Yt), der einem - insgesamt - nicht gefallen muß. Denn was für alte, versumpfte Verhältnisse werden über den größten Teil des Handlungsverlaufes des Filmes hindurch zur Darstellung gebracht. Und wie wird sogar noch neben abstoßenden Gefühlen gegenüber diesen Verhältnissen zugleich "Verständnis" für diese versumpften Verhältnisse geweckt. Das muß einem wirklich nicht gefallen. Und dennoch ergreift der Film. Was ergreift, ist aber, daß man - wie nicht selten in Spielfilmen dieser Zeit - echtes, tiefes Mitleid mit den Frauen hat, mit der sonderbaren Art, in der man es den Frauen zumutete, mit dem Egoismus der Männer zurecht kommen zu sollen. Das ist es, was auch an diesem Film ergreift. Ansonsten wünscht man sich diesen Film und die versumpften Verhältnisse, die er darstellt, zum Mond.

- - - Bis man sich plötzlich bewußt wird, daß ja zumindest der letzte deutsche Kaiser und sein Sohn so ziemlich genauso gelebt haben, sprich, mit "Liebschaften" neben der Ehe, wie auch in diesem Film der männliche Hochadel Preußens dargestellt wird. Auch vom britischen Thronfolger Prinz Charles ist ja genau dieses Verhalten - und seine Folgen - allzu bestens bekannt. Und man versteht nun von einem solchen Spielfilm aus eher die Lebensentscheidung des ältesten Sohnes des deutschen Kronprinzen, des Prinzen Wilhelm, im Jahr 1934, lieber eine Liebesheirat einzugehen und auf den Anspruch auf die Thronfolge zu verzichten als sich in diesem moralischen Sumpf und Moder von Generation zu Generation weiter zu bewegen. Über den Spielfilm ist noch zu erfahren (Wiki):

Das Drehbuch entstand frei nach den Novellen "Stine" (1890) und "Irrungen, Wirrungen" (1888) von Theodor Fontane.

"Ein hoffnungsloser Fall" (1939)

[Nov. 2020] Ein deutscher Arzt-Film aus dem Jahr 1939 (Wiki). Sehr schön werden die Verhältnisse und Anschauungen unter den Studenten an der Charite in Berlin in dieser Zeit dargestellt. Heiter - aber nicht ohne Tiefe. 

Jenny und der Herr im Frack (1941)

[2020] Unterhaltsam, mehr nicht. Aber eben auf einem Niveau wie es 1941 noch üblich war, also auch nicht herunter ziehend (Yt).

Katharina die Letzte (1936)

[2019] Ganz richtig steht in der Videobeschreibung (Yt): "Nachdem ich den Film das erste mal gesehen hatte, war ich etwas verwirrt: Wie kann etwas lustig daherkommen, gar ein Happy End bieten und mich zugleich so erschüttert, ja traurig aus dem Kinosaal treten lassen?" Das ist genau auch meine Erfahrung.

"Liebe muß verstanden sein" (1933)

[24.11.2017] Das ist ein so harmloser und fröhlicher Film (Wiki), den man sich sogar mit achtjährigen Mädchen ansehen kann und sie haben einen riesengroßen Spaß daran. Verwechslungskomödie. Ein toller Spaß. Hauptdarstellerin ist die jüdisch-ungarische Schauspielerin Rózsi Bársony-Sonnenschein, die ab 1935 Aufführungsverbot in Deutschland hatte, aber die Kriegszeit in Budapest überstand. Sie starb 1977 und ist in Wien begraben.

  1. https://youtu.be/ZG_D2hap2BM

"Der Gasmann" (1941)

Alltag im Dritten Reich - eingestreut in einen Spielfilm. Hitlergruß und Ariernachweis, hier einfach wie selbstverständlich zwischen die sonstige Handlung hinein gestreut. Zum Verständnis der Normalität des - für uns - Ungewöhnlichen ist ein solcher Spielfilm sicher ganz nützlich. Aber auch sonst hat der Film "Der Gasmann" aus dem Jahr 1941 mit Heinz Rühmann seinen Wert. Es handelt sich um die Verfilmung eines Romans von Heinrich Spoerl.

Google+, 6.6.2017

"Ein Mann mit Grundsätzen" (1943)

Über weite Strecken ein oberflächlicher, seichter Unterhaltungsfilm. Durch die Auflösung am Ende ist er jedoch ergreifend. - Dem Zweiten Weltkrieg parallel ging - so wird einem hier bewußt - eine gesellschaftliche Debatte darüber, ob eine beruflich erfolgreiche Frau auch eine gute Ehefrau sein könne. Allerhand Filme jener Jahre sind mit dieser Frage beschäftigt,  bzw. suchen das Publikum zu überzeugen: ja, sie kann es sein. Immerhin interessant, denn: beruflich erfolgreiche, gute Ehefrauen hatte es auch schon eine Generation zuvor gegeben. Die Debatte darüber war also nicht zu Ende.

Google+, 20.5.2017

"Die 4 Gesellen" (1938)

Einer der ersten Filme mit Ingrid Bergmann.

Was soll man sagen, außer das Wort: Wertvoll. 

"Fahrt ins Abenteuer" (Spielfilm, 1943)

Erstaunlich, was für eine Fülle von "harmlosen" - aber doch keineswegs völlig wertlosen - Unterhaltungsfilmen bis 1945 produziert worden ist. Das wird einem erst bewußt, wenn man sich gegenwärtig diesbezüglich unter den auf Youtube hoch geladenen Spielfilmen aus dieser Zeit umtut. - Oft ist erkennbar, daß diese im DDR-Fernsehen ausgestrahlt worden waren (wobei dann nämlich oft die jetzt hoch geladenen Aufnahmen entstanden sind).

In der Masse stechen diese Filme durchaus ab von der Masse des nach 1945 Produzierten. Das läßt sich, so möchte man meinen, objektiv sagen. Es geht also auch anders - als heute. Und es geht besser  - als heute.

Erwähnt sei auch eine Kritik aus einer ganz anderen Richtung, die nämlich besagte, daß auch schon die Goebbel'sche Filmpolitik die Massen "abgelenkt" und "bloß unterhalten" habe. Eine solche zeitgenössische Kritik von Menschen, die dem Dritten Reich kritisch gegenüber standen, läßt sich von den Erfahrungen SEIT 1945 nur noch schwer nachvollziehen. Aber sie kann ein Umstand sein, den man in der Gesamteinordnung mit berücksichtigen könnte.

Festzustellen ist: Die ganzen Liebesschnulzen, Verfilmungen von "Arzt-Romanen" etc. pp., die HEUTE nach den 20-Uhr-Nachrichten (vor allem für Frauen) gesendet werden, sind tiefste Unkultur, weil Gehirn-erweichend bis zum Abwinken.

Und mit ziemlicher Sicherheit kann - dem gegenüber - gesagt werden: Solche Themen wurden vor 1945 oft viel wertvoller behandelt. Und zwar so, daß die Sphäre der Kultur (in Richtung von gar zu großer Seichtheit oder Kitsch oder bloßem Ansprechen der Sensationslust) eigentlich nur sehr selten verlassen wurde. Und man darf auch sagen - vor den Erfahrungen seither (also seit 1945): Dies kann man einen geradezu begeisternden Umstand nennen.

"Operettenklänge" (1945)

"Und wieder ein Glück erlebt," möchte man mit Hölderlin sagen. Der Film "Operettenklänge" (so der Titel in Österreich), bzw. "Glück muß man haben" (so Titel in Deutschland) war 1945 zwar fertig gestellt, Theo Lingen hatte die Regie geführt. Aber er erlebte 1950 in Österreich seine Uraufführung, 1954 in Deutschland. Im DDR-Fernsehen lief er erst 1987 das erste mal. Und jetzt ist er frei auf Youtube verfügbar. Eine außerordentlich anrührende Geschichte. Erst durch Recherche erfährt man:

"Der Film erzählt Skizzen aus dem Leben des Wiener Komponisten Carl Millöcker - bis zur Entstehung seiner Operette Der arme Jonathan (1890)."

Carl Millöcker (1842-1899) war ein berühmter Wiener Operetten-Komponist. Von ihm stammt die Operette "Der Bettelstudent", von ihm stammt das Lied "Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküßt".

"Nationalsozialistisches Filmpolitik"

[18.4.2017] Den Einschätzungen meines bisherigen Filmtagebuches wird auf dem Wikipedia-Artikel "Nationalsozialistische Filmpolitik" eigentlich nirgendwo widersprochen. Da sollten doch einmal längere Zitate gebracht werden. Es heißt da:

"In den Kurz- und Spielfilmen lassen sich politisch-propagandistische Inhalte grundsätzlich seltener nachweisen als in den nichtfiktionalen Genres. Der Filmhistoriker Gerd Albrecht, der in den späten 1960er Jahren die erste umfangreiche Datenerhebung zum NS-Spielfilm durchführte, bezifferte den Anteil der Propagandafilme an der gesamten Spielfilmproduktion auf 14,1 %. Wenn man ein vollständigeres Sample zugrunde legt, als Albrecht zur Verfügung stand – z. B. hat er keine internationalen Koproduktionen berücksichtigt –, beträgt der Anteil der Propagandafilme sogar nur 12,7 %."
Wenn das nicht eine Aussage ist. Im weiteren wird der Eindruck, den man heute auf Youtube sammeln kann, gut bestätigt:
"Die größte Gruppe innerhalb der Spielfilmproduktion der NS-Zeit bilden die heiteren Filme. 569 Filme – das sind 47,2 % der Gesamtproduktion – lassen sich als Komödie, Verwechslungslustspiel, Schwank, Groteske, Satire oder ähnliches einstufen. Daß die Zugehörigkeit zum heiteren Genre nicht immer ideologische Unbedenklichkeit garantiert, zeigen etwa die zeitgenössischen Militärkomödien (z. B. Soldaten – Kameraden, 1936), aber auch Lustspiele wie Robert und Bertram (1939) und Venus vor Gericht (1941), in denen starke antisemitische Momente vorhanden sind. In der Mehrzahl der heiteren Filme, für die Die Feuerzangenbowle das bekannteste und noch heute populärste Beispiel bildet, finden sich jedoch kaum Hinweise auf nationalsozialistische Propaganda."
Und was uns mindestens genauso wichtig ist: Es finden sich auch kaum Hinweise auf sonstige bodenlose Seichtheit und Unkultur. Und weiter:
"Die zweite große Gruppe bilden Filme, die vor allem an ein weibliches Publikum adressiert sind. 508 NS-Spielfilme (42,2 %) sind Liebes- oder Ehefilme bzw. lassen sich einem der verwandten Genres – wie Frauenfilm, psychologischer Film, Sittenfilm, Arztfilm, Schicksalsfilm, Jungmädchenfilm usw. – zuordnen. Auch in dieser Gruppe gibt es Filme, die eine hochbrisante Mischung aus Propaganda und Unterhaltung boten: z. B. Annemarie (1936), Wunschkonzert (1940), Auf Wiedersehen, Franziska! (1941) und Die große Liebe (1942). Wunschkonzert und Die große Liebe waren sogar die kommerziell erfolgreichsten Filme der gesamten NS-Zeit. Diesen offensichtlich mit NS-Ideologie angereicherten Filmen stand jedoch wiederum eine Vielzahl von weitgehend unauffälligen Filmen gegenüber, die – wie Der Schritt vom Wege (1939) oder Romanze in Moll (1943) – noch heute ihr Publikum finden."
Wir können ergänzen: "... die noch heute ihr Publikum finden dürfen". :) Aber das ja sogar schon, soweit man sieht, in der DDR! Und hier wird sogar noch deutlicher gesagt:
"Das Menschenbild der NS-Spielfilme stimmt mit den Vorgaben der nationalsozialistischen Ideologie nur selten eng überein. (...) Die Mehrzahl der weiblichen Hauptfiguren kinderlos und berufstätig."
An solchen Umständen wird wohl schon manche berechtigtere zeitgenössische Kritik angesetzt haben, über deren Existenz ich oben mutmaßte. Interessant übrigens, dass Goebbels irgendwann jede Filmkritik verbot. Auch DAS ist interessant! Und:
"Unter den männlichen Hauptfiguren bilden nicht Soldaten und Helden, sondern ganz alltägliche Zivilisten die wichtigste Gruppe, besonders solche Männer, die als Liebhaber zwar etwas ungeschickt und hölzern, dafür jedoch durch und durch nett und verläßlich sind."
Und eine vorwiegend männliche Zuschauergruppe wurde folgendermaßen angesprochen:
"Wenn Liebes- und Ehefilme auf der Skala der Filmgenres den weiblichen Pol markieren, so findet man am „männlichen“ Ende die aktionsbetonten Genres. 333 NS-Spielfilme (27,6 %) sind Abenteuer-, Kriminal-, Kriegs-, Spionage- oder Sensationsfilme. Der Anteil der Propagandafilme ist in dieser Gruppe auffällig hoch, es sind 75 Einzelfilme, also fast ein Viertel aller vornehmlich für ein männliches Publikum produzierten Spielfilme."
Und:
"179 NS-Spielfilme (14,8 %) sind im Hochgebirgs- oder Dorfmilieu angesiedelt, darunter klassische Heimatfilme wie Der Jäger von Fall (1936), Der Edelweißkönig (1938) und Die Geierwally (1940). Fast 90 % dieser Filme weisen keine offene Propaganda auf."
Und dann noch folgendes:
"Eine Sondergruppe stellen die Filmbiografien und Historienfilme dar, die an der Spielfilmproduktion der NS-Zeit einen Anteil von 5,9 % haben. Auffällig viele dieser Filme besitzen politisch-propagandistischen Charakter; fast alle der 19 Historienfilme, von denen viele den preußischen Königshof zum Schauplatz haben, nutzen die Gelegenheit zu einer Geschichtslektion im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. Von den 52 Filmbiografien enthält fast jede zweite propagandistische Elemente, bilden die Helden dieser Filme in ihrer Gesamtheit doch sozusagen eine „Hall of Fame“ von – in den Augen der nationalsozialistischen Machthaber – herausragenden Deutschen. Obwohl Filmbiografien und Historienfilme von den Nationalsozialisten besonders häufig als Propagandamedium genutzt worden sind, sind sie andererseits keine Erfindung des NS-Kinos, sondern Teil einer langen Tradition des Genres, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg einsetzt, weit in die Geschichte des Nachkriegsfilms hinein reicht und keineswegs auf Deutschland beschränkt war."
Ich glaube also, man darf sich von der Spielfilm-Produktion in der Zeit des Dritten Reiches durchaus - was die Masse betrifft - begeistert zeigen. Eben immer, wie gesagt, vor dem Hintergrund dessen, was nach 1945 geschah.

Ich möchte sogar noch weiter gehen. Aus künstlerischer Sicht ist den Schauspielern nicht zum Vorwurf zu machen, dass sie vor 1945 beim deutschen Film mitgearbeitet haben --- sondern danach. 

Google+, 18.4.17

"Ein Mann wie Maximilian" (Spielfilm, 1944)

Selbst oberflächlichere Filme bereut man nicht, gesehen zu haben, wenn sie nicht gar zu tief unter Niveau - oder gar in Kitsch - absinken. Der Film "Ein Mann wie Maximilian" (1944) (Erstaufführung März 1945) tut genau das eben auch nicht.

Vor allem die Schauspielerin Karin Hardt (1910-1992) (Wiki) hinterläßt Eindruck. Sie spielt die frisch verheiratete Ehefrau. Damals war Karin Hardt mit dem Schauspieler Rolf von Goth (1906-1981) (Wiki) verheiratet. 


Google+, 11.4.17

"Der schwarze Husar" (1932)

Ein deutscher Historienfilm. Auf Wikipedia heißt es (Wiki):

"Im Kinojahr 1931/32 wurden in der Weimarer Republik acht 'vaterländische Filme' uraufgeführt, die UFA produzierte dabei neben 'Der schwarze Husar' noch den Film Yorck und setzte damit zum einen das Genre der Filme mit 'nationalem Inhalt' fort, mit deren Produktion sie bereits in den 1920er Jahren begonnen hatte."

Google+, 7.4.17
  1. Der schwarze Husar, 1932, https://youtu.be/xjbFYhfhEBs 

"Engel mit dem Saitenspiel" (1944)

Ein sehr schöner Film von Heinz Rühmann aus dem Jahr 1944. (Von ihm, nicht mit ihm.)

30.3.17

Maischberger trifft Riefenstahl 2002

Ein Interview von Sandra Maischberger mit Leni Riefenstahl  im Jahr 2002, dem Jahr des 100. Geburtstages von Leni Riefenstahl und ein Jahr vor ihrem Tod.

Man sieht hier noch einmal jene Leni Riefenstahl, die man schon in der mehrstündigen Film-Dokumentation "Macht der Bilder" von 1993 als Mensch und Künstler so außerordentlich faszinierend, ja, begeisternd erfahren konnte. Was sie hier am Ende über die Penthesilea sagt ...

Wie so häufig empfindet man das Verhalten von Sandra Maischberger ein bisschen störend. Während man als Zuschauer schon verstanden hat, was Leni Riefenstahl sagen will, fragt die Maischberger noch einmal nach und noch einmal und noch einmal - und jedes mal weitgehend verständnislos. - Etwas unheimlich.

Leni Riefenstahl war ein sehr, sehr guter Mensch. Das Sensorium für eine solchen Menschen scheint bei der Frau Maischberger nicht wirklich vorhanden zu sein. ....

23.3.17 
  1. "Die Maßlosigkeit, die in mir ist - Sandra Maischberger trifft Leni Riefenstahl", 2002, https://youtu.be/xjgYS8uXwFk

Amateurfilme als historische Quelle zum Dritten Reich

Ein Vortrag über Amateurfilme als historische Quelle zum Dritten Reich. Er enthält eine schöne Sequenz über eine Kanufahrt auf der Oder von Ratibor in Oberschlesien abwärts im Jahr 1939. Er enthält auch Sequenzen von der Erschießung von Juden. Es wird auch erwähnt, daß sich bis heute nur wenige Filmaufnahmen von dem Geschehen in Konzentrationslagern erhalten haben.

22.9.16

"Geronimo - Eine Legende" (1993)

Dies ist ein sehr wertvoller Film (Wiki). Die Apachen unter Geronimo. Ein Volk, das um sein Überleben kämpft. Für jeden dieser Indianer war es normal, völlig normal, ERST an das eigene Volk zu denken. Und dann - - - lange, lange später an sich. Und sie zwangen Mit- und Nachlebenden bis heute Bewunderung dafür ab. Warum bewundern wir bei anderen - was wir bei uns selbst verteufeln? Ernste Männer sind es. Auch alle überlieferten historischen Fotos von Geronimo sagen nichts anderes als das: tiefer Ernst. Wir sollten uns wirklich auf etwas anderes besinnen und uns diese Indianer zum Vorbild nehmen.

10.7.16

"Wie sagen wir es unseren Kindern" (1949)

Ein sehenswerter Film. Aus dem Jahr 1949.

  1. https://www.murnau-stiftung.de/movie/1004
7.6.16

Alt-Berlin in den 1930er Jahren

Ein schöner Film!, https://youtu.be/sK6mxLL2M84

23.11.15

"Die Anstalt" vom 20.10.15

ALLES, was zur Flüchtlingskrise zu sagen ist, ALLES wird gesagt in "Die Anstalt" vom 20. Oktober ab 29. Sendeminute bis 39. Sendeminute im "Zweiten Deutschen Fernsehen". Eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen man sich freuen kann darüber, daß man GEZ zahlt.

- Ob das, was da gesagt wird, auch bei der Pegida in Dresden angekommen ist? Und ob jetzt endlich - ALLE gemeinsam: die Deutschen, die Syrer, ... - auf DIE hinweisen, die EIGENTLICH schuldig sind, anstatt sich in Talkshows gegenseitig metaphorisch und auf den Straßen tatsächlich die Schädel einzuschlagen?

Ob sich wenigstens - wie in der "Anstalt" gespielt - WENIGSTENS die CSU in Bayern um diese Dinge kümmert? Ob man merkt, daß die großen Medien AUSSERHALB "der Anstalt" bei diesem Spiel trotzdem immer weiter mitmachen?

  1. https://youtu.be/YLr65tP1W44
4.11.15

Hermann Hesse liest

Darüber ist nichts zu sagen. Es ist schön, Hermann Hesse zuzuhören.

  1. Hermann Hesse liest - Über das Glück, https://youtu.be/7rLsb3w8ZaM
29.10.15

"Ewiger Rembrandt" (1942)

11.3.2015

Der Massenselbstmord von Demmin, Mai 1945

11.3.2015

"Der gebieterische Ruf" (1944)  

Ein erstklassiger Film. Den kann man sich ansehen.

31.12.14

"Der Verräter" (1936)

Ein Geheimdienst-Film, vom Drehbuch her sehr schlicht.

Was hier schon im Jahr 1936 zur Darstellung kam, ist nichts anderes, als was in jener Zeit - und seither - in großem Stil betrieben wurde und wird: Landesverrat mit und ohne "Stil". Erstaunlich, für wie "normal" das schon damals im Film gehalten und dargestellt wurde.

Wilhelm Canaris und seine Leute von der Wehrmacht-Abwehr (die in diesem Film eine wichtige Rolle spielt) ebenso wie die damaligen Gestapo-Leute (die in diesem Film ebenfalls eine wichtige Rolle spielen) werden sich an vielen Stellen in diesem Film fast historisch genau wieder gesehen haben.

Sollte der Film womöglich "einstimmen" auf all die Dinge, die schon damals geschahen oder noch kommen würden im Umfeld von Geheimdiensten ... - ?

Die Verbindung zwischen deutschem Geheimdienst und Film ist schon spätestens seit 1924 enger gewesen als das der Öffentlichkeit bewußt ist, so etwa bezeugt durch die Aktivitäten des damaligen Geheimdienstchefs Walter Lohmann (1878-1930) (Wiki).

 
20.12.14

"Jugendliebe" (1944)

Das Drehbuch ist ziemlich holprig, fast unbeholfen, klischeehaft. Aber insgesamt dennoch ein liebenswerter, nicht oberflächlicher Film. Man bereut nicht, ihn gesehen zu haben.

20.12.14

"Dreimal Komödie" (1945)

Sehr schön, sehr sehenswert, dieser unterhaltsame Film.

20.12.14

"Das Mädchen vom Moorhof" (1935)

Eine sehr gelungene, "milieu-genaue" Verfilmung einer Novelle von Selma Lagerlöff. Schon in den ersten Minuten erschüttert die Filmhandlung. Sehr wertvoll, dieser Film.

20.12.14

"Franz Schubert - Ein unvollendetes Leben" (1954)

Dieser Film kann sehr stark bewegen. Selbst wenn man das letzte Drittel noch gar nicht gesehen hat. Schon mit 31 Jahren ist er gestorben, der Franz Schubert!  Musiker verändern die Welt. Musiker verändern die Welt vielleicht mehr als alle anderen Menschen zusammen.

Es entsteht deshalb auch die Frage danach, ob es nicht noch mehr solcher erschütternder Verfilmungen von Musiker-Biographien gibt. Karl Marx hat den bekannten Satz geprägt: "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt drauf an sie zu verändern." Für Musiker, so wird einem gerade bewußt, würde dieser bekannte Satz gar nicht gelten, denn für sie gilt: "Musiker haben die Welt nicht nur verschieden interpretiert, sondern sie DAMIT zugleich auch verändert." Und dieser Umstand gilt, so fällt einem in diesem Zusammenhang auf, eigentlich für alle großen kulturellen, wissenschaftlichen und philosophischen Leistungen. Denn jeder Wechsel im WIE der Art, wie wir die Welt wahrnehmen, ÄNDERT die Welt zugleich auch.

Der Satz von Karl Marx drückt also - genau besehen - nicht jenes Vertrauen gegenüber Philosophie, Wissenschaft und Kultur aus, wie es ihnen eigentlich zukommt.

Übrigens wird die genannte große Macht der Musik auch einer der Gründe dafür sein, daß sich elitäre Satanisten und Pädokriminelle gerade dem Musikschaffen immer wieder so sorgfältig scheinen "angenommen" zu haben ...

7.12.14

Stranger than Emma Thompson 

"Stranger than Fiction", eine Verfilmung mit Emma Thompson als Hauptdarstellerin. Emma Thompson ist ja eigentlich immer schon eine Empfehlung, die für sich selbst spricht. Es muß halt nur jemanden geben, der einen dankbarerweise darauf hinweist, daß es einen solchen (neuen) Film gibt, der sich durch Emma Thompson empfiehlt ....

Emma Thompson

Es kommt ein Busunfall darin vor. Der Film kann einen total erschüttern und umwerfen. Bestimmt nicht wegen des kitschigen Inhalts. Und der Film ist von vorne bis hinten kitschig - rein vom Inhalt her gesehen. Aber wenn es jemanden gibt, der aus Kitsch ernst macht - machen kann, dann sollte dies - - - Emma Thompson sein. Sie ist brutal genug, all dem Seichten in unserer Welt (in unserer kulturellen Welt) eine brutale Wendung zu geben. Und sie ist ironisch genug, um allem Brutalen in unserer Welt (in unserer kulturellen Welt) jenen Hauch von Ironie zu geben, ... - - - nun, also, es muß ja charakterisiert werden, oder? Also: jenen Hauch von Ironie, ... der auch unseren besten Talk-Show-Mastern schon vor mehreren Jahrtausenden abhanden gekommen ist.

Maggie Gyllenhaal

Nachdem dieses also gesagt wurde, kann weiterhin nur gewarnt werden. Man sollte sich den Film nicht allein anschauen. Denn: Es ist ja doch ein Liebesfilm. Letztlich. Es kann ja doch kaum einen guten Film geben, wenn er nicht - letztlich - in irgend einer Weise ein Liebesfilm wäre. Und diese Maggie Gyllenhaal ... - Na also.

25.2.2007

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*) Bis 2017 auf dem Social-Media-Dienst "Google+" veröffentlicht, den ich eigentlich sehr mochte, der aber 2017 eingestampft wurde. Dort hatte ich in den letzten Jahren allerhand Kurzbeiträge eingestellt, die zwischenzeitlich in verschiedenen Blogbeiträgen gesichert worden sind. In diesem Blogbeitrag wird - sozusagen - "Mein Film-Tagebuch 2014 bis 2017" eingestellt, ergänzt durch spätere "Eintragungen". 
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  1. Wangenheim, Thomas: Die schönsten Vorkriegsfilme, 7. Dez. 2020, https://thwangenheim.wordpress.com/2020/12/07/die-schonsten-vorkriegsfilme/

Sonntag, 22. Juni 2014

Hintergrundpolitik-Kritik auf Abwegen

Zu Daniel Hermsdorf

In den Weiten und Tiefen des Internets bin ich irgendwann auf Daniel Hermsdorf gestoßen. Da Daniel Medienwissenschaftler ist, da seine Seite äußerlich gut aufgemacht ist, da er sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel hat, war ich doch nicht wenig angetan und beeindruckt. Das machte doch alles schon einen sehr seriösen Eindruck. 

Daniel Hermsdorf - Vorschaubild seines neuesten Videos
Insbesondere der Grundgedanke seines Projektes "Kino okkult" war mir zuvor schon selbst gekommen: Es müsste einmal jemand einen guten Überblick geben über die Behandlung von Okkultismus und Satanismus in Filmproduktionen. Denn das war mir bald aufgegangen, dass lange bevor es Fernsehdokumentationen gegeben hat über die Verbrechen des elitären, rituellen Satanismus, das Thema längst präsent war in zum Teil sehr bekannten Spielfilmen. Nun, dachte ich, schön dass sich da ein Medienwissenschaftler einmal dieses wichtigen Themas annimmt. Und ich habe einen Verweis zu seiner Seite auf meinen Blog gesetzt und wollte das künftig im Auge behalten und mir gelegentlich noch einmal genauer anschauen.

Im weiteren Verlauf lernten wir uns kennen und visierten gemeinsame Arbeit an. Ein erstes Produkt derselben war das Video zu den Montagsdemonstrationen, das schon öffentlich ist.

Um so mehr ich mich aber nun mit Daniels Arbeit auseinandersetze, um so mehr entsteht bei mir der Eindruck: Es besteht die Möglichkeit - besser: die Gefahr - dass man nach acht Semestern Medienwissenschaft und weiteren Semestern Promotions-Studium in diesem Fach und vielhundertseitiger Promotion dazu - "noch dazu in Bochum" muss ich wohl boshafter Weise anfügen - und bei großer Aufgeschlossenheit für Verschwörungstheorien im Allgemeinen und Besonderen noch mehr als viele andere in die Gefahr gerät, plötzlich überall nur noch Symbole, Symbole, Symbole, Zeichen, Arrangements, Auswahl der Politik-Darsteller und ihre Inszenierung zu sehen.

Vorsicht!

Die Hauptdarsteller in der Politik seien nach der Ähnlichkeit mit Gesichtern anderer Politiker ausgewählt worden (!!!). Er bringt nicht den Funken von Beleg in der Okkultliteratur für all seine Unterstellungen. Aber er spekuliert in einer Weise fröhlich darauf los, wozu wohl nur ein Medienwissenschaftler wie er - der studiert hat an der Selbstmord-Uni Bochum - überhaupt nur fähig sein kann. Mann! Dieses geradezu zwanghafte Wahrnehmen von Symbolen und Bedeutung überall.

Nun, ich hätte darüber geschwiegen. Aber weil mir grade wieder sein blasiertes, neuestes Video zur Fußball-WM gewaltig aufstößt, veröffentliche ich das jetzt. Was für ein Schrott. Was für ein elendiger Schrott. Technisch mit den vorhandenen Mitteln einwandfrei gemacht. - Seine Videos ebenso wie seine Bücher. Aber was für ein Schrott inhaltlich.

Die Gedanken, die dahinter stehen, werden überhaupt nicht erläutert und sind völlig absurd. Wenn ich es recht verstehe, sollen die Spieler der deutschen Nationalmannschaft nach irgendwelchen Gesichter-Ähnlichkeiten ausgewählt worden sein. Das ist eine irre Theorie, für die ich von Daniel noch nirgendwo eine gute Herleitung und Verortung in irgendwelchen okkulten Texten gelesen habe. Kritiken, die ich schon vor Monaten auf seinem Blog dazu geschrieben habe, hat er nie gut beantworten können bis heute. Nachdem ich mich inzwischen intensiver mit Daniels Kernthemen beschäftigt habe, kann ich vor all dem nur warnen.

Bestimmte medienwissenschaftliche Diskurse und Sichtweisen verleiten ihn dazu, überall - richtiggehend überall - Symbole, Zeichen, Bedeutungen, Inszenierungen zu sehen. Er unterstellt okkulte Zeichen auch dort noch, wo er nicht ansatzweise nachweisen kann, dass diese bewusst aus okkulten Gründen gesetzt worden sind. Hier also jetzt die deutsche Nationalmannschaft. Dabei sollte es doch wahrlich Wichtigeres zu kritisieren geben.

Gesichter-Ähnlichkeit als "Casting-Karussell mit Humor-Effekt für die Logen im Hintergrund" - was für ein Quatsch

Es wird nicht erklärt, warum Gesichter-Ähnlichkeiten in Fußballmannschaften eine "Spaßbremse" sein sollen. Das werden sie doch nur, wenn man die dahinterstehenden Gedankenkonstrukte des Daniel Hermsdorf für plausibel halten kann. Nämlich dass Hintergrundmächte Vordergrundpolitiker - und nun also auch Profisportler - nach Gesichter-Ähnlichkeit auswählen. Aber wenn man diese schon verfolgt und einer Leserschaft nahe bringen will, muss man zunächst einmal die Grundlagen dafür legen und nicht mit den weitest entfernten Schlussfolgerungen derselben anfangen. Es erscheint reichlich blasiert, vom Zuschauer zu erwarten, er würde dieselbe "Inszenierung" in den von ihm dargestellten Gesichter-Ähnlichkeiten sehen wie er selbst. Das allein würde ja nur verständlich machen, warum er dann einzelne Kommentare von dem Philipp Lahm etc. so bewertet, wie er es tut. Wobei einmal erneut der Sinn nicht klar wird. Ist aber auch egal, weil das Thema eh höchst beiläufig ist. Gibt es doch wahrlich, wie schon gesagt, Wichtigeres als Fußballspieler und Trainer-Interviews.

In Facebook-Diskussionen dazu fasst er seine dahinter stehende Hypothese dahingehend zusammen, dass vorliegen würde "ein Casting-Karussell mit Humor-Effekt für die Logen im Hintergrund". Auch diese Phrase lasse man sich doch einmal auf der Zunge zergehen. Solange das alles so nebulös begründet wird, wie er es tut, halte ich seine Arbeit für eine Diskreditierung ernster Hintergrundpolitik-Kritik. Es könnte leicht der Eindruck entstehen: So wie er arbeiten alle. Oder er könnte andere darin ermutigen, ebenfalls so oberflächlich und seicht irgend etwas zu unterstellen, wofür er nicht die Bohne von Anhaltspunkten in okkulter Literatur hat, noch nicht einmal in Äußerungen, die irgendwo "aus Versehen" gemacht worden sind, oder die von Eingeweihten gemacht worden sind aus irgendwelchen anderen Gründen heraus. Oder von sogenannten "Verrätern".

Wie arbeitet ernsthafte Hintergrundpolitik-Kritik?

Denn das sind ja doch zumeist die ersten Quellen gewesen, um sich von einer tatsächlich vorliegenden Inszenierung zu überzeugen. Die Attentäter von Sarajewo sagten von sich selbst vor Gericht, sie wären Freimaurer. Thomas Mann wusste es von seinem Bruder und zählte eins und eins zusammen, während er dessen Reaktionen während des Ersten Weltkrieges beobachtete (s. Thomas Manns berühmte "Betrachtungen eines Unpolitischen"). Der Hochgrad-Freimaurer Paul Köthner schrieb im "Femstern" selbst, dass er von dem Plan zur Ermordung des Thronfolgers in Logen gehört hätte. So sehen die Quellen von Hintergrundpolitk-Kritik aus. Sie sind der Ausgangspunkt. Oder heute natürlich die Erlebnisberichte der Ritual-Opfer von satanistischen Logen. Aber doch nicht so vage Gesichter-Vergleiche ohne die winzigste Äußerung dazu, dass ein solches Auswahl-Prinzip tatsächlich bestehen würde.

Und dann rechtfertigt er sein Vorgehen mit dem Satz: "Es gebe einen Anteil, der ausschließlich mündlich tradiert werde", nämlich bei dem Wirken von Geheimgesellschaften. Mag ja sein. Als anständiger Wissenschaftler hält man sich aber zurück und spekuliert nicht wild in der Gegend herum, was das nun etwa sein könnte, was da mündlich tradiert wird.

Bevor die Verbrechen rituellen Satanismus nicht bekannt waren, wäre niemand auf die Idee gekommen, dass so etwas "mündlich tradiert" würde. Es ist doch ganz unmöglich zu wissen, was "mündlich tradiert" wird. Und was natürlich sonst noch alles in Logen- und sonstigen Archiven geheim gehalten wird. Mündliche Tradierung ist ja auch gar nicht der Punkt, sondern Geheimhaltung. Und eine so umfangreiche Symbol- und Zeichenverwendung, wie sie von Daniel unterstellt wird - warum sollte die so streng geheim gehalten werden? Das ist doch alles nur Unsinn und wilde Spekulation. Sie bringt für eine seriöse, ernsthafte Argumentation gar nichts. Sondern macht andere Argumentationen, die damit in Verbindung gebracht werden, lächerlich und stellt sie in das denkbar unsinnigste Licht.

Man kann nur hoffen, dass Daniel das auch noch einmal von anderer Seite gesagt bekommt, was ich hier sage.

Und dass er nicht - diese Gefahr besteht in der heutigen Welt durchaus! - auch noch andere mit diesem "Denken" und "Wahrnehmen" ansteckt. Wenn man sieht, was es auf diesem Gebiet alles schon so gibt, möchte man ihm da im Grunde eine große Karriere voraussagen. Boah, nee. Nicht mit mir. Bitte nicht noch mehr Grillenfänger.

(Anmerkung: Nach Einspruch von Daniel ist der vorliegende Beitrag - außer im Einleitungsteil - erheblich umgearbeitet worden und erneut veröffentlicht worden am 24.6.14)
(Erneute Anmerkung: Nach - verständlicherweise - weiter anhaltender Unzufriedenheit von Daniel ist ein von mir verwendeter, von Emil Kraepelin in die Wissenschaft eingeführter Begriff aus dem vorliegenden Text und seiner Überschrift wieder herausgenommen worden, 26.4.14 )
(Ergänzung 18.12.14: Der Artikel war ursprünglich benannt worden "Induziertes Irresein durch Medienwissenschaft". Es ist schon verständlich, dass Daniel auf einen solchen Titel allergisch reagierte. Der Sache nach halte ich diese Einschätzung aufrecht.)

Montag, 6. Februar 2012

Der "große Schweiger" spricht!

Wenig bekannte Ton- und Bildaufnahmen von Bismarck bis Konrad Lorenz

In historischen Dokumentationen bekommt man wieder und wieder die Schreihälse Adolf Hitler, Josef Goebbels und ähnliche Gestalten zu sehen und zu hören, als hätte es in Deutschland niemals anderer Politiker gegeben als diese beiden und als wären nur von den Nazis Film- und Tonaufnahmen überhaupt überliefert.

Dabei kann man sich doch z.B. an Interviews von Politikern aus der Weimarer Republik während seines Geschichtsunterrichts in den 1980er Jahren erinnern, die doch irgendwie sehr authentisch herüberkamen und die ein sehr vielfältiges Bild vom Denken der damaligen Politiker geliefert hatben. Soweit man es in Erinnerung hat, waren die Politiker gefragt worden, wie sie sich Deutschlands Zukunft vorstellen. So blieb einem die kurze und knappte Antwort eines bayerischen Politikers - wohl des Ministerpräsidenten Held? - , in Erinnerung, der in etwa sagte: "Deutschlands Zukunft? Zeugende Männer, säugende Frauen." Was deutlich macht, daß das sehr andere Zeiten gewesen sein müssen.

Solche scheinbar seltenen Aufnahmen finden sich auch derzeit offenbar noch nicht im Internet und man hat auch sonst nie wieder etwas von ihnen gehört. Außer Reden von Nationalsozialisten scheinen auch heute noch außerordentlich wenige Reden von deutschen Politikern anderer politischer Richtungen vor 1945 im Internet zu finden zu sein. Allerdings sind inzwischen - siehe unten - sehr viele Reden aus dem Dritten Reich und kurz danach - nicht nur der beiden "Hauptagitatoren" - im Internet zugänglich.

Daß derzeit gerade durch die Presse geht, daß alte Tonaufnahmen von Otto von Bismarck und Helmuth von Moltke aus dem Jahr 1889 aufgetaucht sind (Epoc, 2.2.2012), war Anlaß für die Zusammenstellung des vorliegenden Blogartikels. Eine vielleicht reichlich willkürliche Zusammenstellung von Ton- und Bilddokumenten der letzten 100 Jahre deutscher Geschichte - dennoch vielleicht von Interesse. 

Bismarck 1889



Die genauen Texte, die Bismarck hier aufsagt - und im nächsten Video Helmuth von Moltke -, kann man unter anderem hier nachlesen. Daß Bismarck hier so wenig "gewichtige" Worte spricht, liegt einfach daran, daß das die ersten Experimente mit Tonaufnahmen überhaupt waren und Bismarck wohl einfach aus dem Stegreif irgendetwas daraus gesprochen hat.

Moltke 1889


Im zweiten Teil dieses Videos - ab 1'20 - sind auch die Aufnahmen von Helmuth von Moltke enthalten, die in Kreisau entstanden sind. Es ist schon interessant, daß hier jener Mann, der als der "große Schweiger" in die Geschichte eingegangen ist mit seinem Leitwort "Mehr sein als scheinen!" doch auffallend viel redet! Er sagt und wiederholt dabei den ersten Absatz, weil er erst vom Telephon, statt vom Phonographen gesprochen hatte:
Diese neueste Erfindung des Herrn Edison ist in der Tat staunenswert. Der Phonograph ermöglicht, daß ein Mann, der schon lange im Grabe ruht, noch einmal seine Stimme erhebt und die Gegenwart begrüßt.
"Ihr Instrumente spottet mein
Mit Rad und Kämmen, Walz' und Bügel;
Ich stand am Thor, ihr solltet Schlüssel sein;
Zwar euer Bart ist kraus, doch hebt ihr nicht die Riegel.
"Geheimnissvoll am lichten Tag
Lässt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag.
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben."
Wilhelm II. 1914

Was aber die beiden Deutschen Bismarck und Moltke nicht verhindern konnten, ein neuer Krieg, dem sie immer besorgt entgegengesehen hatte, dieser sollte Anlaß geben, um Worte des Kaiser Wilhelm II. vom 6. August 1914 technisch aufzubewahren.

Weitere interessante zugängliche historische Aufnahmen aus jener zeit stammen von Kaiser Franz Josef aus dem Jahr 1915, vom österreichischen Thronfolger Karl aus derselben Zeit. Und von Generalfeldmarschall von Hindenburg aus dem Jahr 1917.

Von Politikern der Weimarer Republik findet man, wie gesagt, nicht so leicht Tondokumente. Ganz willkürlich sei hier nur auf eine Rede des Reichskanzlers Heinrich Brüning vom April 1932 verwiesen, nach der das Deutschlandlied gesungen wird und auf eine kurze Sequenz mit Albert Einstein vom Juni 1932. Auch von Hindenburg gibt es wieder eine Rede aus dem Jahr 1932.

Hindenburg 1933


Und schließlich gibt es noch mindestens zwei Reden Hindenburgs aus dem Jahr 1933. Die oben ist gehalten im Lustgarten in Berlin.

Ludendorff 1935

Schon in einem anderen Beitrag ist darauf hingewiesen worden, daß die "Deutsche Wochenschau" vom 9. April 1935 Aufnahmen von der Feier des 70. Geburtstages des Generals Erich Ludendorff brachte, bei dem die Wehrmachtführung unter Oberbefehlshaber Blomberg Ludendorff in seinem Haus in Tutzing besuchte und ihm zu Ehren eine Parade abgehalten wurde (Criticalpast). Nach Hindenburgs Tod suchte die Wehrmacht Ludendorff als Gegengewicht zu Hitler zu gewinnen.

Bei diesen Aufnahmen fällt unter anderem auf, daß Erich Ludendorff nach seiner Rede - ähnlich wie oben Hindenburg - keineswegs mit Hitler-Gruß "Sieg Heil!" ruft - wie es zum Teil die Menge tut -, sondern daß er drei mal den Arm nach oben schwenkt und dabei bloß "Heil!" ruft, wie es wohl auch schon in Kaiserszeiten üblich war, zumindest aber in der frühen völkischen Bewegung, bei der Ludendorff ja bis 1925 dabei gewesen war. Außerdem konnte man zuvor schon während der "Sieg Heil!"-Rufe der großen Menge in der Nähe der Filmkamera jemanden sehr deutlich "Heiho, Heiho!" rufen hören.

Zugehörige Filmaufnahme auf: "Criticalpast"
Ob das eine Verhöhnung der "Sieg Heil!"-Rufe durch Ludendorff-Anhänger gewesen sein sollte, in welcher Form das eine Art Nonkonformität, eine Art kleiner Protest gegen das damalige Massenverhalten darstellte, kann mit letzter Sicherheit nicht gesagt werden. "Heiho!" war damals der Titel einer der Ludendorff-Bewegung nahestehenden Jugendzeitschrift, die ein Fritz Hugo Hoffmann herausgab (ZVAB).

Mit "Heiho!" fing damals auch ein unter Neuheiden populäres antichristliches, antipäpstliches Lied an: "Heiho, die Heidenfahnen weh'n, sie grüßen unsere Schar ...". Es enthält unter anderem die Strophe: "St. Peters Felsen wanket schon, bestürmt ihn, bis er bricht / wenn fällt der letzte Priesterthron, dann wird's in Deutschland licht." HAuch diese Worte empfand man als gegen den Nationalsozialismus gerichtet, der oft von Kirchenkritikern als romhörig empfunden worden ist.

Weitere Aufnahmen aus dieser Zeit sind etwa ein Interview des Kronprinzen Wilhelm aus dem Jahr 1934 (in Englisch), eine Ansprache des Gauleiter Gorlitzer aus dem Jahr 1934 und eine Rede von Julius Streicher im Jahr 1935a, b (natürlich mit dem Thema Antisemitismus).

Max Planck 1942


Natürlich gibt es aus dem Dritten Reich auch sonst viele Aufnahmen. Allerdings findet man doch auch manches Individuelle in ihnen wieder, etwa in den folgenden: Erwin Rommel, Okt. 1942Alfred Rosenberg 1943 a, b (er spricht im baltendeutschen Dialekt von seinem Leben).

Schließlich: Karl Dönitz am 1. Mai 1945 oder etwa der Spezialkommando-Führer Otto Skorzeny am 2.8.1945 bei seiner Vernehmung in Dachau. Von den Prozessen in Nürnberg im Jahr 1946 gibt es inzwischen zugängliche Aufnahmen, die einem ebenfalls vieles Individuelle mitteilen können, etwa von: Julius Streicher, Konstantin von NeurathFranz von Papen, Wilhelm Keitel (gesteht geschichtliche Schuld ein), Alfred Rosenberg a, b (wieder im baltendeutschen Dialekt), Alfred Jodl und anderen.

Konrad Lorenz und Karl Raimund Popper 1983


Es gibt inzwischen auch viele interessante Tonaufnahmen von Werner Heisenberg im Internet, auch - etwa - von Agnes Miegel. Aber schließlich sei an den Schluß - ganz willkürlich - gestellt eine Aufnahme, die man sehr mögen kann, da sie zwei Exzentriker im "altersweisen" Gespräch miteinander zeigt: Den Philosophen Karl Raimund Popper mit dem Verhaltensforscher und Philosophen Konrad Lorenz, beide aus Wien stammend.

An dieser Aufnahme wird vielleicht deutlich, was für ein weiter Weg zurückgelegt worden war - seit Moltke und Bismarck im Jahr 1889. 

Donnerstag, 2. Dezember 2010

"Die Mörder sind unter uns" (1946)


"Die Mörder sind unter uns". Dieser Titel des ersten deutschen Filmes nach dem Zweiten Weltkrieg wird oft benutzt, um die Situation der deutschen Nachkriegsgesellschaft zu kennzeichnen. Denn viele Menschen, die bis 1945 Verbrechen begangen hatten, lebten nach 1945, zumeist von ihren Mitmenschen unerkannt, in der bundesdeutschen Gesellschaft unbehelligt weiter. Oft auch in guten beruflichen Positionen. Dieses Thema war schon Inhalt früherer Beiträge (GA-j!) und soll auch noch in künftigen Beiträgen weiter behandelt werden. Aber um einfach auch einmal dieses vielgebrauchte Wort "Die Mörder sind unter uns" richtig einschätzen zu können, ist es sicherlich sinnvoll, Person und Werk des deutschen Filmemachers Wolfgang Staudte zu kennen, der diesen Film "Die Mörder sind unter uns" 1945 gedreht hat (s.a. Youtube).

Die markanten Gesichter des Wolfgang Staudte selbst und vieler seiner Schauspieler, in der sich eine typische asketische, entbehrungsreiche Lebenshaltung wiederspiegelt, wie sie wohl gerade für die 1950er Jahre typisch ist, findet sich noch in einem seiner letzten Filme, in der Jack London-Verfilmung "Der Seewolf" von 1971 wieder. Mit Raimund Harmstorf in der Hauptrolle hinterlies dieser Film auch noch auf die Generation des Autors dieser Zeilen (Jg. 1966) einigen Eindruck, ähnlich wie vielleicht der Film "Der eiserne Gustav". Eine gewisse Düsterkeit, Unheimlichkeit ist die Grundstimmung all solcher Filme.

Aber diesen Eindruck versteht man eigentlich erst richtig, wenn man das Lebenswerk von Wolfgang Staudte ganz überblickt, nämlich angefangen von "Die Mörder sind unter uns" aus dem Jahr 1946. Es ist ein Lebenswerk, das einen vielleicht auch die Geschichte der bundesdeutschen Nachkriegsjahre  überhaupt ein wenig mehr verstehen hilft (1). "Moral" ist hier überall darauf reduziert, die ziemlich durchstilisierte Moral eines angeblichen typischen deutschen Kleinbürgers abzulehnen. Das ist natürlich banal.

Und auch sonst wird schnell klar, wie absurd es im Jahr 1946 war, ein gerade vergangenes Konzentrationslager- und Unrechtsystem zu kritisieren, ohne auch nur ansatzweise anzudeuten, daß sich gerade erst ein neues dabei war zu etablieren und fröhliche Urständ' feierte. Diese gänzliche Eindimensionalität des "Moralisierens", auch dieses Wolfgang Staudte, nimmt dem Lebenswerk natürlich viel von einer 100%ig künstlerischen Gültigkeit und macht seine Filme allesamt zu Tendenzwerken.

Eindimensionale Moral

In der Zeit, in der Staudte seinen Film drehte, starb beispielsweise Heinrich George im Konzentrationslager Sachsenhausen infolge von Unterernährung, so wie zehntausende von Deutschen östlich der Oder zur gleichen Zeit. War das der richtige Zeitpunkt, mit "Moralisieren" anzufangen, noch dazu in einer solchen Weise? Aber einfach nur, um die Zeitstimmung nach 1945 zu verstehen, eignen sich die Filme von Wolfgang Staudte sicherlich als "Zeitdokumente". Über den Film "Die Mörder sind unter uns", ist zu erfahren (Fotos: a, b, c, d):
Das Zentralkomitee (ZK) der SED forderte die Landes- und Provinzialleitungen der Partei auf, für diesen Film eine "besondere Propaganda durch Aushängeplakate in den Büros, Kulturstätten etc. …" zu entwickeln, und begründete das damit, daß er gemessen an der bisherigen deutschen Filmproduktion eine ausgesprochene Spitzenleistung darstelle und der erste große Film eines neuen Deutschland sei.
Auf dem Grabstein des Filmemachers steht das Wort:
"Feigheit macht jede Staatsform zur Diktatur."
Dieses Wort könnte auch ein Leitwort dieses Blogs sein. Aber ob Wolfgang Staudte diesem Wort selbst gerecht geworden ist, indem er sagte (1), daß eigentlich alle Diktaturen und Kriege jeden einzelnen Menschen "überfordern", stehe dahin. Die Schlußfolgerung wäre: Weil wir "überfordert" sind, leben wir quasi immer in Diktaturen. Das sollte man einer solchen hedonistischen Gesellschaft wie der heutigen nicht sagen, weil es schlicht nicht stimmt. Wir sind nicht überfordert.
__________________
  1. Mörsdorf, Rüdiger: Ein unbequemer Moralist. Wolfgang Staudte - Filmregisseur in Deutschland. (Teil 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9)

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

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