Einleitend wollen wir einmal die Hamburger unter den Lesern fragen: Wer war der bedeutendste Hamburger in der Geschichte? - Der Verfasser dieser Zeilen muß gestehen: Er weiß es nicht. Er könnte keinen Namen nennen. Aber wenn man sich die lange Liste bedeutender Hamburger anschaut (Wiki), dann fällt einem vielleicht doch der eine oder andere Name ins Auge: Der Afrikaforscher Heinrich Barth (1821-1865) etwa: er wurde in Hamburg geboren. Der Biologe und Philosoph J. J. von Uexküll (1864-1944) etwa: er verbrachte seine beiden letzten Lebensjahrzehnte in Hamburg.
Waren das schon die bedeutendsten Hamburger? Wem ist bewußt, daß der bedeutendste Hamburger der Geschichte der bedeutendste Bibel- und Christentums-Kritiker weltweit und bis heute war? Er hieß Hermann Samuel Reimarus (1694-1758) (Wiki).
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| Abb. 1: G. E. Lessing um 1755 - Gemalt von Johann Heinrich Tischbein (Md) |
Seine bis 1758 entstandene "Apologie", die erst 1972 (!!!) erstmals vollständig veröffentlicht worden ist, und die antiquarisch derzeit nicht unter 85 Euro zu erhalten ist, ist eines der Hauptwerke in der Geschichte der Bibelkritik (7). Nein, es ist das Hauptwerk, auf dessen Inhalt die Mehrheit der Theologen noch heute auf Abstand geht. Niemand hat seit Reimarus besser aufgezeigt, wie so durch und durch "von Menschen gemacht" die Bibel ist. Niemand hat besser verständlich gemacht, welche historischen Textschichten innerhalb der Bibel übereinander getürmt worden sind. Niemand hat besser aufgezeigt, daß dabei die jeweils jüngere Textschicht in grandiosen, haltlosen Widersprüchen zu den früheren Textschichten steht.
Durch dieses Werk also versteht man die Entstehungsgeschichte des Judentums, des Monotheismus, sowie des Christentums in den jeweiligen "inneren Gesetzmäßigkeiten" und von den Motiv-Lagen der jeweiligen Verfasser der Bibeltexte klarer und deutlicher als jemals zuvor.
Und Sie haben, lieber Leser, so wie der Verfasser dieser Zeilen bis vor wenige Wochen den Namen Reimarus noch nie gehört? Obwohl Sie - wie der Verfasser dieser Zeilen - schon einige Lebensjahrzehnte auf diesem Planeten verbracht haben? Wenn das mal nicht "Methode" hat.
Im vorliegenden Beitrag werden einige Gründe zusammen getragen, warum dieser bedeutendste Bibel- und Christentumskritiker - noch heute - außerhalb von Theologie und Religionswissenschaft so auffallend wenig bekannt ist.
Freilich, heute kann uns ChatGPT in Sekundenschnelle gute Gründe zusammen tragen für eine grundlegende Kritik am Christentum. Darauf machte uns vor drei Jahren Daniel Hermsdorf aufmerksam (GAj23). Aber selbst Ausführungen von ChatGPT zum Thema sind selten so punktgenau, ausführlich und strukturiert wie Hermann Samuel Reimarus das Thema angeht (7).
Eineinhalb Jahrtausende waren die Völker des Abend- und des Morgenlandes von der Bibel hypnotisiert. Sie sind es zum Teil noch heute. Sie hatten kein ChatGPT. Und auch nichts Vergleichbares. Ebenso waren sie vom Papsttum hypnotisiert. Martin Luther hat die Völker des Abendlandes ab 1518 von der Hypnose durch das Papsttum befreit. Die Hypnose durch die Bibel hatte er durch seine Übersetzung ins Deutsche aber nur noch verstärkt und nachhaltiger verankert. Wie doppelt hypnotisiert starrten die Völker und ihre bigotten Priester seit Martin Luther auf die Bibel. Und die Völker wurden dadurch ganz konfus und an sich selbst irre. Aber vor allem: Sie wurden durch die Hypnose so lenkbar - in der Hand von Priestern. Und das war der einzige Zweck des Verfassens der Bibeltexte. Und die Völker sind bis heute so schmachvoll lenkbar geblieben.
Zweihundert Jahre nach Martin Luther und hundert Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg kam dann: Hermann Samuel Reimarus. Der "bedeutendste Religionsphilosoph zwischen Leibniz und Lessing", so wird uns gesagt (4). War denn Leibnitz wirklich der bedeutendere Religionsphilosoph im Vergleich zu Reimarus? Und war Lessing wirklich ein bedeutenderer Religionsphilosoph im Vergleich zu Reimarus? Wir stellen das in Zweifel. Leibnitz und Lessing waren bedeutend, ohne Frage. Aber wer hätte jemals die Bibel so gründlich auseinander genommen wie Reimarus? Und ist das nicht die wesentlichste Aufgabe eines "Religionsphilosophen" in christlichen Zeiten im Abendland?
Im Frühjahr 1937 gab die Bibel- und Christentums-Kritikerin Mathilde Ludendorff (1877-1966) (Wiki) eine Lessing-Biographie heraus (1). An dieser hatte sie schon seit 1935 gearbeitet, worauf wir weiter unten noch einen Hinweis anführen werden.
Die "Glaubenskrise" während des Dritten Reiches und der daraus geborene Überlebenskampf der christlichen Kirchen - genannt "Kirchenkampf" - war 1931 nicht zum wenigsten durch Mathilde Ludendorffs Buch "Erlösung von Jesu Christo" (3) ausgelöst worden. Ein Buch der gründlichsten inhaltlichen Kritik des Neuen Testamentes, das ein Hermann Samuel Reimarus sicherlich mit der aller tiefsten Anteilnahme gelesen hätte. Denn Reimarus und Mathilde Ludendorff sind von völlig denselben Anliegen geleitet. Die christlichen Kirchen tobten und rasten ab 1931 - wild und fanatisch - gegen das Buch von Mathilde Ludendorff an. Spätestens ab diesem Zeitpunkt stand sie in der Tradition des geistigen Ringens, mit dem in der Öffentlichkeit unter anderem Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) (Wiki) begonnen hatte: nämlich im geistigen Ringen der Befreiung der Völker von der Bibel-Hypnose.
Interessant eigentlich, daß man Lessing selten mit der zeitgleichen "Sturm und Drang"-Periode (Wiki) der deutschen Literatur-Geschichte in Verbindung bringt. Auf dem diesbezüglichen Wikipedia-Artikel ist gar nicht erst verzeichnet. Und das ist gut so. Denn das Rütteln eines Gotthold Ephraim Lessing an den Grundfesten des Christentums in seinem "Fragmentenstreit" (Wiki) ab 1777 "Sturm und Drang" zu nennen, wäre ja nun wirklich nicht angemessen. Dieses Rütteln aber machte erst die Bahn frei dafür, daß sich dann die deutschen Dichter und Denker in der Zeit um 1800 herum so offen und frei äußern konnten - auch über Christentum und Kirche.
Lessing hat deshalb der weiteren freiheitlichen Geistesentwicklung in Europa mit viel machtvollerem Wirken den Weg gebahnt als alle anderen. Diesen Umstand macht man sich selten klar. Und Lessing tat das auch nur dadurch, daß er Bruchstücke, "Fragmente" des großen Werkes des Hermann Samuel Reimarus veröffentlichte. Schon Bruchstücke dieses großen Werkes genügten, um die Fundamente des Christentums, der Kirchen und der Synagogen ins Wanken zu bringen.
Schon wenige Jahre nach seinem "Fragmentenstreit" konnten viel Autoren viel kritischer über die Bibel und das Christentum schreiben in der Öffentlichkeit als das bis zum Einsetzen des "Fragmentenstreits" irgendjemand auch nur ansatzweise gewagt hätte. Reimarus selbst hat bis zu seinem Tod gegenüber der Öffentlichkeit nicht die leisesten Andeutungen gemacht, daß er der Verfasser eines so grundlegenden, kritischen Buches ist, das er auch keinesfalls zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wissen wollte. Reimarus war ein frei Denkender, ein Gelehrter, ein gemäßigt denkender Mensch. Er verzichtete dankend darauf, als "Ketzer" auf Scheiterhaufen öffentlich verbrannt zu werden oder sich auch nur in die tobende Meute von - - - Theologen hinein zu begeben.
Denn das gesamte Volk war und die gebildeten Schichten waren noch zu seinen Lebzeiten von der Bibel und seinen Auslegern vollkommen hypnotisiert, vollkommen urteilsunfähig ihr gegenüber gemacht worden. Und diese Urteilsunfähigkeit ist bis heute in weiten Teilen aufrecht erhalten worden, auch wenn es der Bibel gegenüber längst gleichgültig geworden sein sollte. Die mit der Bibel eineinhalb Jahrtausende lang eingeführte Urteilsunfähigkeit und Feigheit wirken bis heute fort. Oder könnte das irgend ein Leser dieser Zeilen übersehen?
Es war ganz klar, daß Erich und Mathilde Ludendorff insbesondere aufgrund dieser besonderen Bedeutung von Lessing sich mit seinem Lebenswerk und seinem machtvollen Wirken eng verbunden fühlten. Mitten in der Glaubenskrise während des Dritten Reiches stehend und mitten im Abwehrkampf der christlichen Kirchen dagegen haben sie im Jahr 1936 ihre flammende Schrift ins Volk geworfen (4):
"Das große Entsetzen - Die Bibel nicht Gottes Wort".
Schon die Kapitel-Überschriften in dieser Schrift haben sich seither als vollkommen zutreffend erwiesen. Sie lauten: "Das alte Testament - ein junges Buch" und: "Das 'fabrizierte' neue Testament". Der israelische Archäologe Jonathan Adler etwa hat erst vor wenigen Jahren aufgezeigt, daß es die jüdische Religion erst seit etwa 250 v. Ztr. gibt (5) (!!!), und daß deshalb diese jüdische Religion nicht - wie propagandistisch von ihrem ersten Bestehen an behauptet worden war - die "älteste" aller Religionen weltweit wäre. Nein: Sie ist - so lächerlich wie nur möglich: die jüngste aller Religionen weltweit. Und sie ist schlichtweg "fabriziert" worden wie das niemand besser aufgezeigt hat als Hermann Samuel Reimarus.
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| Abb. 2: G. E. Lessing um 1767/68 - Gemälde der deutschen Porträtistin Anna Rosina de Gasc (1713-1783), einer Freundin Lessings (Wiki) - Gleimhaus (mitunter Georg May zugeschrieben) |
Wenn man nun Mathilde Ludendorffs Lessing-Biographie des Jahres 1937 liest, dann spürt man deutlich, wie diese Biographie insbesondere ab dem 4. Kapitel innerlich "Fahrt" aufnimmt. Betitelt ist es "Lessing kämpft für die Freiheit der Bibelkritik gegen orthodoxe Priester". Sie behandelt darin Lessings Ringen im sogenannten "Fragmentenstreit" (Wiki). In diesem rüttelte Lessing - wie gesagt - an den Grundlagen des Christentums so wie Mathilde Ludendorff selbst ab 1931.
Im Januar 1778 war Lessings Ehefrau Eva König - nach einjähriger, tief und wahr erlebter Ehe - bei der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes gestorben. Mathilde Ludendorff schreibt über die Folgezeit (1, S. 126f):
Von dem Sterbezimmer seiner lieben Frau aus, das seit ihrem Tode seine Arbeitsstätte geworden war, focht er seinen Kampf mit den orthodoxen Pastoren, der für das Deutsche Volk eine noch stärkere Nachwirkung haben sollte als der Kampf Luthers gegen Rom. (...) Lessing hat (...) vor allem Volke Bruchstücke eines Deutschen Werkes (...) veröffentlicht, das mit Deutschen Moralwertungen und klarer Vernunft an die Beurteilung der Bibel herantrat, Buch für Buch unerbittlich beleuchtet und verurteilt hat. (...) Die Kraft der Sprache, die unerbittliche Folgerichtigkeit des Denkens, die ernste Deutsche Moral, mit der es geschrieben war, war von ganz ungeheurer Wirkung. (...) Lessings Tat war das erste Rütteln an der protestantischen und katholischen Priestertyrannei in Deutschland.
Das sind Worte wie sie in die geistigen Stürme der Zeit des Jahres 1937 hinein geschrieben worden sind. Es waren das jene Jahre, in denen der Nuntius Pacelli auf Reisen nach Frankreich und in die USA jenen Krieg gegen Deutschland mit vorbereiten half, dessen geplantes Völkermord-Ende von 1945 in den USA dann konsequent von Seiten des Kardinal Spellman gegenüber dem US-amerikanischen Staatsoberhaupt befürwortet wurde (6), nämlich: Ausbreitung des atheistischen, sowjetischen Machtbereiches bis an die Elbe, Vertreibung von 15 Millionen Deutschen, sowie Ermordung von Millionen von Deutschen in Ostmitteleuropa, Traumatisierung von Millionen von Deutschen bis in die heute lebende "Kriegsenkel"-Generation hinein (Wiki). Wer weiß es denn etwa, daß die auch Ehefrau des Bundeskanzlers Helmut Kohl als Zwölfjährige 1945 in Sachsen von mehreren russischen Soldaten vergewaltigt worden ist und "wie ein Sack Zement" aus dem Fenster geworfen worden ist (Wiki)? Sie litt an am Ende ihres Lebens an chronischen Schmerzen und nahm sich um dieser willen das Leben. Wie wird es ihren Söhnen gehen, die - damit - ebenfalls "Kriegsenkel" sind? Folgen von Priestertyrannei. Nicht die letzten wie seither in den täglichen Nachrichten zu besichtigen ist.
Priestertyrannei
Und warum sollte es eigentlich schon 1937 so "übertrieben" gewesen sein, von "Priestertyrannei" zu sprechen? Hatte doch die katholische Kirche Österreich auch schon in den Ersten Weltkrieg hinein getrieben (siehe den ungeheuren Satz: "Papst billigt scharfes Vorgehen Österreichs gegen Serbien") (s. Wiki). Und haben wir denn Priestertyrannei heute wirklich überwunden? Hat nicht die orthodoxe Priesterschaft unterschwellig das Sagen in Israel? Und ist nicht von ihrem Wollen das außenpolitische Handeln Israels und damit der USA und womöglich vieler anderer Staaten weltweit geleitet? Wurde nicht auch im Iran eine orthodoxe Priesterschaft installiert, um den Völkern der Welt gegenüber besser die "Strategie der Spannung" fahren zu können? Priestertyrannei wirkt bis heute und in der nachhaltigsten Weise fort.
Mathilde Ludendorff referiert in ihrem Lessing-Buch vom Frühjahr 1937 in groben Zügen die Geschichte der Kritik an Bibel und Christentum, die ab 1697 durch den französischen Aufklärer Pierre Bayle (1647-1706) (Wiki) begonnen worden war. Diese wurde dann durch die Veröffentlichungen mehrerer britischer "Deisten" (Wiki) fortgesetzt.
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| Abb. 3: Hermann Samuel Reimarus |
Sie stellt die Dinge im wesentlichen so dar, wie sie heute auch auf Wikipedia dargestellt werden wie sie aber viel zu wenig bekannt sind (Wiki):
Den Hauptvertretern des Deismus (wie etwa John Locke oder dessen Schüler John Toland) ging es vor allem darum, „natürliche“ Gesetze der Vernunft dem Offenbarungsglauben entgegenzustellen. (...)Matthew Tindal veröffentlichte im Jahr 1730 sein Werk (...), das (...) bald als „Bibel des Deismus“ galt. Unter allen Religionen hielt er allein ein von Offenbarung befreites Christentum, die deistische Urreligion, für wahrhaftig. Die Bibel sei das Dokument dieser natürlichen Religion, welches vernünftig zu interpretieren sei. Wunder und Prophezeiungen, die in der Bibel geschildert werden, lehnte er ebenso ab wie jede anthropomorphe Gottesvorstellung. „Offenbarung“ bezeichnete er als Schwindel, der der Welt durch Priester untergeschoben worden sei. Die Religion solle auf moralischen Grundsätzen beruhen und eine tolerante Haltung gegenüber Andersdenkenden einnehmen (...). Bereits im Jahr 1741 wurde der Text ins Deutsche übersetzt und gewann danach einigen Einfluß in protestantischen aufgeklärten Kreisen der deutschen Länder. Ein Buch Tindals wurde 1710 auf Veranlassung des Unterhauses verbrannt. (...)Der Deismus war im aufgeklärten Absolutismus großer Teile Deutschlands weniger verbreitet als in seinem Herkunftsland. (...) Hermann Samuel Reimarus war ein Wegbereiter der Bibelkritik, hielt sich in der Öffentlichkeit aber zurück. Die von Gotthold Ephraim Lessing zwischen 1774 und 1778 veröffentlichten Fragmente seiner Schriften (Fragmente eines Ungenannten) führten zum so genannten Fragmentenstreit, der wichtigsten polemisch geführten Auseinandersetzung zwischen Aufklärung mit mehr oder weniger deistischen Positionen, verbunden mit detaillierter radikaler Bibelkritik einerseits und der protestantischen Orthodoxie auf der anderen Seite. Die Hauptkontrahenten waren Lessing und Johann Melchior Goeze.
Mathilde Ludendorff sagt, durch Immanuel Kant oder durch Bibelkritiker wie David Friedrich Strauß hätte die Bibelkritik der französischen, britischen und deutschen Deisten des 18. Jahrhunderts in keiner Weise an Aktualität verloren. David Friedrich Strauß etwa hat während seines Lebens seine Positionen immer mehr verändert und stand der Bibel am Ende völlig gleichgültig gegenüber. Aufgrund einer solchen Haltung konnte er einen Reimarus nicht ersetzen und auch nicht die englischen Deisten. Mathilde Ludendorff schreibt (1, S. 134):
Die Kritiken, die die Deisten über die Bibel schrieben, bestehen für alle Zeiten unantastbar. (...) Für kein Werk gilt das so wie für das Werk des Reimarus.
Sie schreibt über eine 1862 erschienene Reimarus-Schrift von David Friedrich Strauß (1, S. 134f):
Nur soweit er Reimarus wörtlich anführt, bekommen wir ein Bild von der Wucht der Beweisführung dieses Verfassers.
"Von der Wucht der Beweisführung des Verfassers", diese Worte seien wiederholt.*) Sie zitiert einige Passagen und sagt dann (1, S. 137):
Mögen diese Worte genügen, um den Leser ahnen zu lassen, welches erschütternde Ergebnis nun bei der Prüfung der gesamten Bibel, Buch für Buch des alten und des neuen Testamentes, durch Reimarus zustande kommt. (...) Das Ergebnis ist vernichtend für die ganze Bibel. (...) So wurde die Bibel vollkommen nackt enthüllt und ihr Offenbarungwert vernichtet. (...) Der Morallehre Jesu konnte der Deismus des Reimarus noch keine überlegene Moral gegenüberstellen. So ergänzt sein Werk nur mein Buch "Erlösung von Jesu Christo".
Reimarus hat nach ihren Worten schon vieles vorweg genommen, auch bei der Kritik des Neuen Testamentes. Aber diese Kritik sieht Mathilde Ludendorff nur als eine "ergänzende" an zu der Kritik ihres eigenen Buches "Erlösung von Jesu Christo". Und ab dieser Stelle merken wir allmählich: Der eigentliche Held der Lessing-Biographie von Mathilde Ludendorff ist gar nicht Lessing selbst, sondern - - - Hermann Samuel Reimarus.
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| Abb. 4: Eva König, die Ehefrau von Lessing |
Deshalb brandmarkt Mathilde Ludendorff in ihrem Buch auch immer und immer wieder den Umstand, daß das so wesentliche, grundlegende, Bibel-kritische Werk des Reimarus selbst im Jahr 1937, 180 Jahre nach dessen Tod immer noch nicht veröffentlicht ist. Sondern daß man sich mit den von Lessing herausgegebenen "Fragmenten" begnügen muß und mit den Zitaten und Inhaltsangaben, die man bei David Friedrich Strauß findet (9). Schon diese "Fragmente" hatten zu diesen großen geistigen Erschütterungen geführt. Wie dann erst das gesamte Werk?
Und so stellt sich uns auch heute noch als Leser der Lessing-Biographie von Mathilde Ludendorff die Frage, ob sich bezüglich dieses Umstandes der Nichtveröffentlichung eines der bedeutendsten Bibel-kritischen Werke der europäischen Geistesgeschichte seit 1937 etwas geändert haben mag.
Sechs Jahre nach dem Tod Mathilde Ludendorffs ...
Und da finden wir: 1972, sechs Jahre nach dem Tod Mathilde Ludendorffs - und während des Verbots der von ihr begründeten geistigen Bewegung, des "Bundes für Gotterkenntnis" - wird das Gesamtwerk des Reimarus endlich heraus gegeben (7). Wir lesen über den Herausgeber, den Hamburger Bibliothekar Gerhard Alexander (1903-1988), daß dieser ab 1969 in den Ruhestand gegangen sei (Wiki):
Er erstellte die erste vollständig kommentierte Edition der Bibelkritik Hermann Samuel Reimarus. (...) Die Arbeit Alexanders, bei der er Reimarus Handschriften verwendete, kann als eine seiner größten Leistungen angesehen werden.
Mit welchen Worten hätte Mathilde Ludendorff wohl die Deutschen und alle frei Denkenden auf dieses Werk hingewiesen. Wie sehr hätte sie es ihren Lesern ans Herz gelegt, diese Gesamtausgabe nun auch in die Hand zu nehmen und zu studieren. Das weiß man, wenn man ihre Lessing-Biographie gelesen hat. Aber haben diese Aufgabe denn nun ab 1972 ihre "Nachfolger" übernommen? Davon ist uns vorderhand nichts bekannt.
Mathilde Ludendorff sah das Werk des Reimarus - obwohl sie nur so wenig von ihm im Wortlaut hatte lesen können - als eine wesentliche Ergänzung zu ihrem eigenen Buch "Erlösung von Jesu Christo" an und zu dem übrigen geistigen Ringen gegen die mosaischen Religionen und die mit ihnen verbundene Priestertyrannei. Sie sah in Reimarus einen Gleichgesinnten, der unbefangen, mit klarer Vernunft und ruhiger, gelassener Moral an die Inhalte der Bibel heran gegangen ist.
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| Abb. 5: Reimarus-Ausgabe 1972 |
Mathilde Ludendorff hatte am Ende der Zitate, die sie aus dem Fragmentenstreit gebracht hatte, schon geschrieben (1, S. 159):
"Jeder, der aufmerksam diese kurzen Auszüge aus Lessings Kampf gegen die Orthodoxie liest, für den wird Lessing lebendig, für den steht Lessing heute in unserer Reihe, für den siegt sein Wirken über Zeit und Raum und hilft in unseren Tagen noch."
Das selbe hätte sie mit dreifachem, vierfachem Recht von Hermann Samuel Reimarus sagen können, wenn sie denn jemals sein Werk vollständig in die Hände bekommen hätte.
Seit der ersten vollständigen Reimarus-Ausgabe des Jahres 1972 nimmt die Fachwissenschaft von dem Reimarus durchaus Kenntnis und es reißt innerhalb der Theologie die Auseinandersetzung mit ihm nicht mehr ab. 2004 wird etwa über Reimarus festgehalten (8):
Reimarus, der bedeutendste Religionsphilosoph zwischen Leibniz und Lessing, wurde erst 1862 durch D.F. Straußens Reimarusschrift einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Sein Werk "Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes", die er als Hamburger Professor für orientalische Sprachen am Akademischen Gymnasium heimlich schrieb, stellt ein Hauptwerk deistischer Religionskritik dar. Dieses herausragende Zeugnis der deutschen Aufklärung entstand in den Jahren 1735-68.
Nun, "herausragend" gewiß. Aber vieles andere an diesem Zitat mag immer noch falsch eingeordnet sein: auch "heimlich" hat Reimarus sein Werk nicht geschrieben. Heimlichtuerei war seine Sache nicht. Er hat es Freunden übergeben. Er hat es ausdrücklich für die nachfolgenden Generationen geschrieben als "Schutzschrift" für diese. Er hat es nur nicht selbst in Druck gehen lassen. Heimlichtuerei ist wirklich eine falsche Kennzeichnung. Freilich nachvollziehbar: Die Theologen rühmten das Lebenswerk von Reimarus, so lange sie nicht wußten, das Reimarus der Verfasser der "Schriften eines Unbekannten" war, die Lessing heraus gegeben hatte. Da lag der Vorwurf der Heimlichtuerei nahe. Denn sie fühlten sich von ihm hintergangen. Wie sie mit ihm umgegangen wären, hätte er sein Werk zu Lebzeiten veröffentlicht, daran denken sie freilich nicht. Daß sie ihn übel zugerichtet hätten, daran denken sie nicht.
Auch 2018, 250 Jahre nach dem Tod des Hermann Samuel Reimarus, sind zahlreiche Aufsätze über Reimarus, über sein Leben und sein Wirken erschienen. Keiner dieser Aufsätze stellt seine geistesgeschichtliche Bedeutung in einer solchen Klarheit und Deutlichkeit heraus wie das die Lessing-Biographie von Mathilde Ludendorff im Jahr 1937 getan hatte. Und wie an dem eben gebrachten Zitat erkennbar wurde, scheint darüber bis heute selbst innerhalb der Wissenschaft keine ausreichende Klarheit zu bestehen. Den modernen Christentumskritikern - wie Richard Dawkins - scheint Reimarus sogar völlig unbekannt zu sein. ChatGPT weiß darüber jedenfalls nichts. Was für ein krasser Mißstand!
Sechzig Jahre nach dem Tod Mathilde Ludendorffs
In der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main liegt die Reimarus-Ausgabe von 1972 in einer ganz unerwartet abgegriffenen, viel benutzten, das heißt: viel gelesenen Ausgabe vor (Abb. 6). Dieser Umstand überrascht. Das heißt ja doch, daß diese Ausgabe in den letzten fünfzig Jahren sehr sehr fleißig ausgeliehen worden sein muß, fleißig gelesen worden sein muß. Das gilt gewiß nicht für alle Bücher, die man an viel frequentierten Universitätsbibliotheken so ausleihen kann.
Man fragt sich: Wer hat dieses Werk wohl in den letzten fünfzig Jahren so fleißig studiert? Die Jesuiten vom Jesuitenkollegium in Frankfurt? Aber werden die nicht ihre eigene Ausgabe besitzen? Aber von wem dann?**)
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| Abb. 6: Speckig und abgegriffen, weil viel gelesen - die "Apologie" des Reimarus in ihrer Erst- und Letzt-Ausgabe von 1972 in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main |
Aber gerade auch weil sie so abgegriffen und stark benutzt ist, überlegen wir, eine eigene solche Ausgabe zu erwerben. Erneut große Überraschung: Im Buchantiquariat ist eine solche gebrauchte Ausgabe nicht unter 85 Euro zu erhalten (Abb. 7). Und auch für einen solchen und höhere Preise stehen offenbar nur wenige Exemplare zur Verfügung.
Das Werk wurde 1972 beim Insel-Verlag herausgegeben: "Einmalige Auflage in 1200 Exemplaren" (s. Abb. 7). 1200 Exemplare? Insel-Verlag? Was tust du? Um nur einen Vergleich zu nennen: 1968 war bei Reinbek bei Hamburg das Buch von Joachim Kahl erschienen "Das Elend des Christentums oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott". Es erfuhr "mehrere Auflagen; Übersetzungen ins Englische, Japanische, Italienische, Niederländische. Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe 1993 sowie 2014".
Krasse Leistung, Insel-Verlag (!) - 1200 Exemplare gingen 1972 in Druck
Und einen Hermann Samuel Reimarus, der sich für eine "Humanität mit Gott" einsetzte, speist ihr mit 1200 Exemplaren ab? Und seit diese 1200 Exemplare verkauft worden sind, ist euch dieses Hauptwerk der Christentumskritik egal? Von diesen 1200 Exemplaren sind vermutlich die Hälfte schon von Bibliotheken erworben worden. Was für ein krasser Mißstand. So etwas kommt doch in der Geistesgeschichte der zweiten Hälfte des 20. und der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts sonst nur äußerst selten vor.
Wer will denn hier, daß diese Schrift ungelesen bleibt? Wer wollte denn hier keine "Volksausgabe" heraus bringen und bewerben? Wer wollte denn Christentumskritiker in Deutschland mit der Herausgabe dieses Reimarus gar nicht erst in Unruhe versetzen? Und selbst Verleger der Ludendorff-Bewegung, unter denen es doch wirklich einige wache gab, sind in all den Jahren nicht auf dieses wesentliche Werk aufmerksam geworden und haben Nachdrucke organisiert?
Das bedeutende Werk des Reimarus ist heute auch - soweit übersehbar - im Internet nicht frei verfügbar (etwa auf Archive.org oder ähnlich).
Der Herausgeber Gerhard Alexander gibt in der Einleitung des zweibändigen Reimarus-Werkes übrigens eine sehr detaillierte Übersicht über die Überlieferungsgeschichte der Handschriften des Reimarus, die seiner ersten vollständigen Druck-Ausgabe zugrunde liegen. Er berichtet, daß jene Handschrift, die Lessing seinem Braunschweiger Herzog ausliefern mußte, nachdem der Fragmenten-Streit so hohe Wellen geschlagen hatte, und nachdem Lessing deshalb Veröffentlichungsverbot erhalten hatte, daß genau diese Handschrift bis heute verloren (!) gegangen ist.
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| Abb. 7: Die Reimarus-Ausgabe von 1972 ist erst ab 85 Euro antiquarisch zu erhalten (!) |
Zum Glück handelte es sich nicht um die letzte Fassung des Werkes, an der Reimarus noch bis an sein Lebensende gerarbeitet hatte, und die erhalten geblieben ist. Lessing selbst schon hatte das Gesamtwerk des Reimarus im Druck heraus bringen wollen. Allerdings haben ihm wohl seine Freunde Mendelsohn und Nicolai davon abgeraten. Auch das ein sicherlich bezeichnender Umstand.
"Gefahr!" - "Gefahr!" - "Gefahr!"
Aber es wird noch krasser. Auch noch Alexander schreibt im Jahr 1972 (!) über die "Gefahr", daß dieses grundlegende Werk des Reimarus zur "falschen Zeit" öffentlich gemacht werden würde (7, Bd. 1, S. 19):
Die Gefahr, daß die Apologie zu politischer Propaganda mißbraucht würde, bestand: wie aus den Beilagen zur Hamburger Handschrift hervor geht, versuchten 1935 Anhänger der "Ludendorff-Bewegung", den Direktor der Bibliothek, Professor Wahl, zur Herausgabe des Werkes zu bestimmen. Professor Wahl lehnte aus Kostengründen ab, was zu einem sehr polemischen Briefwechsel führte.
Wenn die Einsichtnahme eines Hauptwerkes der Geschichte der Christentums- und Bibelkritik in Deutschland, das zweihundert Jahre zuvor entstanden war, "aus Kostengründen" abgelehnt wird, wird man wohl durchaus "polemisch" reagieren können, so möchten wir meinen. Aber - was denn: Wie kann denn die Veröffentlichung eines Werkes, das über zweihundert Jahre alt ist, und das über zweihundert Jahre lang unveröffentlicht geblieben ist, noch zweihundert Jahre später eine - - - "Gefahr" darstellen?!? Mit was für einem "Brandsatz" haben wir es denn hier zu tun? Welche Explosivkraft enthält dieses Werk?
Wir werden zu diesem Blogartikel noch einen zweiten Teil veröffentlichen. Da werden wir uns dann eingehend mit dem Inhalt der beiden Reimarus-Bände beschäftigen. Der Leser mache sich auf mancherlei Überraschungen gefaßt.
Wenn dieses Buch aber noch heute so "gefährlich" ist, dann verstehen wir schon, daß es nur noch für 85 Euro zu erwerben ist und daß dieser "Brandsatz" im Internet nicht frei verfügbar ist.
Wir entnehmen dieser Anmerkung aber auch, daß die Vorarbeiten für das Lessing-Buch von Mathilde Ludendorff offenbar schon im Jahr 1935 begonnen hatten, und daß offenbar Anhänger Mathilde Ludendorffs in Hamburg bei diesen Vorarbeiten versuchten, mitzuhelfen.
Man müßte einmal die Zeitschriften-Bände der Ludendorff-Bewegung ab 1935 und ab 1972 auf das Suchwort "Reimarus" hin befragen.
Reimarus war weitsichtiger als Schiller und Hölderlin
Reimarus war vielleicht weitsichtiger als alle deutschen Dichter und Denker noch der Zeit um 1800. Er hat den religionslosen, atheistischen Fanatismus des Marxismus, des Anarchismus und des Nationalsozialismus voraus gesehen. Er forderte - um 1750 herum! - jene unter seinen Lesern, die sich von der Unmöglichkeit, noch Christ sein zu können, überzeugt hatten, auf (7):
Machet eine unverbrüchliche Verbindung unter euch, daß ihr euer Licht durch Zucht, Ehrbarkeit und Wohlstand, durch Gerechtigkeit, Dienstfertigkeit, Verträglichkeit und Menschenliebe, durch die innigste Hochachtung und Anbetung eures weisesten, gütigsten und mächtigsten Schöpfers ...
... den nahm er also noch an, er wußte von ihm aber sicher, daß dieser sich nicht durch die Bibel offenbart hatte ....
... und durch die möglichste Erfüllung seiner Absichten, gleichsam in einem Wettstreit mit der Christenheit wollet leuchten lassen; und diejenigen durchaus nicht für eure Mitglieder erkennt, welche die Vernunft und Menschlichkeit durch Schandtaten und Bosheiten entehren. Dann wird euch diese Schrift leicht gegen die falschen Beschuldigungen und Verleumdungen, welche euch mögen aufgebürdet werden, schützen und verteidigen können.
Reimarus sieht so klar und so wahr die Bedeutung seiner eigenen Schrift. Er blickt über künftige Jahrhunderte hinweg. Seine "Verteidigungsschrift", seine "Apologie", seine "Schutzschrift" sollte also gemäßigte, verträgliche Menschen vor falschen Verdächtigungen in Schutz nehmen, nicht aber schändliche und boshafte Menschen, die ihre "Gottlosigkeit" dazu benutzen, nur noch schändlicher und boshafter zu werden.
Genau um solcher Umstände willen hat diese Schutzschrift für alle nichtchristlichen Gottgläubigen noch heute einen so unglaublich großen Wert und eine so unglaublich große Aktualität. Vielleicht ist ja gena deshalb dieses Buch 1972 nur in 1200 Exemplaren und Druck gegangen und deshalb heute nur für 85 Euro gebraucht zu kaufen und war seither nie ein volkstümliches Buch. Es hätte unter seinen Lesern einen anderen Geist hervor gebracht als viele andere Bibel-kritische Werke, die seit 1972 erschienen sind.
Wenigstens wurde das Hauptwerk des Reimarus 1943 vor den britischen Bombern bewahrt
Aber hat denn der oben genannte Professor Gustav Wahl (1877-1947) (Wiki), der die Veröffentlichung dieses Werkes im Jahr 1935 für "gefährlich" hielt, und der 1938 Mitglied der NSDAP wurde (die er also mit 61 Lebensjahren offenbar nicht für "gefährlich" hielt), hat denn dieser Herr Wahl diese Worte nicht gelesen in dem von ihm "gehüteten" Werk? Wie hätte er es denn für "gefährlich" erachten können anstatt als "Schutz" vor Gefahr - wenn er diese Worte gelesen hätte? Immerhin werden wir in diesem Zusammenhang auch noch auf das folgende aufmerksam (Wiki):
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bibliothek 1943 in der Operation Gomorrha weitgehend zerstört, der Westflügel bei einem weiteren Luftangriff im Juni 1944. Von den bis dato vorhandenen 850.000 Bänden wurden 700.000 bei den Luftangriffen vernichtet. Nur ein geringer Teil des Bestandes war zuvor ausgelagert worden. Die Hamburger Bibliothek gilt als die deutsche Bibliothek mit den größten Kriegsverlusten.
Was für eine "Gefahr" schwebte also noch Anfang der 1940er Jahre über der Handschrift des Reimarus - weil sie bis dahin immer noch nicht in Druck gegeben worden war. Offenbar aber hatte Professor Wahl nun wenigstens dafür gesorgt, daß dieses Werk zu dem "geringen Teil des Bestandes" gehörte, der zuvor ausgelagert worden war. Wenigstens das.
Wie hätte die Herausgabe dieser im Ton so außerordentlich gemäßigten Schrift Mitte der 1930er Jahre einen Schutz darstellen können gegenüber den Schandtaten und der Boshaftigkeit, die damals - unter anderem von Seiten des Sicherheitsdienstes der SS - unter anderem auch im Namen der Ablehnung von Christentum und Kirche begangen wurden. Auf einen Hermann Samuel Reimarus, der "Zucht, Ehrbarkeit und Wohlstand, Gerechtigkeit, Dienstfertigkeit, Verträglichkeit und Menschenliebe" hoch hielt, hätten sich diese "gottgläubigen" Nichtchristen in der SS gewiß nicht berufen können. (Zur Erinnerung: Innerhalb der führenden Ränge der SS war die Mehrheit der Angehörigen ab 1935 aus der Kirche ausgetreten und nannten sich "gottgläubig", ebenso die Mehrheit der NSDAP-Abgeordneten des Deutschen Reichstages [2]. Zahlreiche SS-Offiziere, die an den Massenerschießungen der Sonderkommandos im Osten beteiligt waren, im Rahmen jener Sonderkommandos also, die von Werner Best aufgestellt worden waren, nannten sich - - - "gottgläubig". Von jenem Werner Best aufgestellt, vor dessen Mordmoral in den "Boxheimer Dokumenten" Erich Ludendorff schon 1931 öffentlich gewarnt hatte.)
__________
- Ludendorff, Mathilde: Lessings Geisteskampf und Lebensschicksal. Ludendorffs Verlag München 1937 (GB)
- Erich und Mathilde Ludendorff: Die machtvolle Religiosität des Deutschen Volkes vor 1945. Dokumente zur deutschen Religions- und Geistesgeschichte 1933 bis 1945. Freiland-Verlag, Süderbrarup 2004 (Archiv)
- Ludendorff, Mathilde: Erlösung von Jesu Christo. Ludendorffs Volkswarte Verlag, München 1931 (Archiv)
- Ludendorff, Erich und Mathilde: Das große Entsetzen - Die Bibel nicht Gottes Wort. Ludendorffs Verlag 1936 (Archiv)
- Adler, Yonathan (bzw. Jonathan): The Origins of Judaism. An Archaeological-Historical Reappraisal (The Anchor Yale Bible Reference Library) Yale University Press, 15. November 2022 (Amz, GB)
- Bading, Ingo: Wie kam Stalin in die Mitte Europas? - Kriegsziele der westlichen Demokratien seit 1941. Magisterarbeit Mainz 1993; 2011 (Lulu)
- Reimarus, Hermann Samuel: Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes (unveröffentlichtes Manuskript seit 1730er Jahren geschrieben), erste vollständige Ausgabe im Auftrag der Joachim-Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften, Hamburg herausgegeben von Gerhard Alexander. In 2 Bänden. Insel Verlag, Frankfurt 1972
- Kuhn, T.K. (2004). Reimarus, Hermann Samuel. In: Vinzent, M. (eds) Theologen. J.B. Metzler, Stuttgart. https://doi.org/10.1007/978-3-476-02948-5_151
- David F Strauss: Hermann Samuel Reimarus: Und seine Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes. Brockhaus, Leipzig 1862 (288 S.)
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