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Montag, 27. Dezember 2021

Der Mensch in seiner Angefochtenheit

Ein paar Worte zum Jahresausklang 2021

Wohl kein Maler zuvor und seither hat zu der Möglichkeit von seelischen Abgründen in Paarbeziehungen so eindrucksvolle Bilder gemalt wie der norwegische Maler Edvard Munch (1863-1944) (Wiki). Anhand seiner vielen, legendären Gemälde, auf die man sich immer einmal wieder gerne besinnen kann, läßt sich so manche Geschichte zu Paarbeziehungen erzählen (s. fb 2021) ...*)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anfangs siehst du nur harmlos "Frauen auf der Brücke" (Wiki) stehen. So mag aus männlicher Sicht gesagt werden.  



Es folgt der erste Kuß (Wiki).



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Du verfällst einer Madonna (Wiki).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Du mußt damit rechnen, daß sie zur Salome mutiert (Wiki)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... oder zur Harpyie (Wiki) ....

 

 


... oder zum Vampir (Wiki) ....


 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... daß sie fähig wird zu Mord ("Der Tod Marats") (Wiki), ....

 

... so daß dir nur noch der hemmungslose Schrei bleibt (Wiki) ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.... und du selbst der Hölle anheim fällst (Wiki), ....

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.... und du schwankst zwischen Haß und Lodern der Leidenschaft (Wiki), ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... und ihr beide in tiefste Verzweiflung geratet (Wiki), ...

 

... (Wiki),

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

euch haßt (Wiki),

 

 

euch trennt (Wiki)

 

 

und Bilder zerschneidet (Wiki)

 

 

und nur noch die Melancholie bleibt (Wiki)

 

 

oder gewisse Häuser (Wiki)

 

 

 und gewisse Damen (Wiki).


Gedanken jedenfalls, zum Jahresausklang ....

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*) Vor Weihnachten hatten wir auf Facebook die folgenden Worte eingestellt:

Die beiden ersten Kommentare enthielten noch jenes Gedicht, dem wir diese beiden Zeilen entnommen hatten. Es ist um 1900 herum entstanden und noch einmal andernorts nachzulesen (DVHS 2021). Ein junger Mann schrieb dazu die Worte:

Frauen können lieben?

Eine Frage, wie sie heutzutage in solchen Zusammenhängen ja nun einmal nicht selten gestellt wird, nicht zuletzt aus der jüngeren Generation heraus. Was soll man darauf antworten? Wir schrieben:

Deine Frage klingt etwas desillusionert. Aber diesselbe Frage kann natürlich auch umgekehrt gestellt werden.

Der Fragende antwortete mit "Gefällt mir". Aber er hatte in uns die Idee zu der hier eingestellten Bilderfolge ausgelöst.

Donnerstag, 17. August 2017

"Die ordentlichsten Jugendlichen der Welt"

Jane Austen in Begegnung mit der modernen Welt

- Junge Erwachsene der "Amish-People" im Gespräch mit Gleichaltrigen aus der Welt, in der wir leben

-  "Klassiker" der Fernsehgeschichte: Fernseh-Dokumentationen aus den Jahren 2010 und 2011

Kloppt alle Wahlkampf-Video's der AfD in die Tonne

Schon in früheren Jahren wurden hier auf dem Blog gelegentlich die Amischen (Wiki, engl) behandelt (1), bäuerlich lebende, streng religiös-bibelgläubige deutschsprachigen Gruppen in den USA. Seit etwa 1994 bin ich fasziniert von ihnen, seit ich im Zusammenhang mit meiner Doktorarbeit auf sie gestoßen bin und dabei die wissenschaftliche Standardliteratur zu ihnen zur Kenntnis nehmen konnte. Die Amischen leben - als streng bibelgläubige Christen, die die Kindertaufe ablehnen - außerordentlich authentisch ein Leben so wie es unsere Vorfahren in vielerlei Hinsicht vor 500 oder noch vor 100 Jahren gelebt haben.

Worauf ich gerade jetzt mit großer Überraschung stoße, sind zwei britische, mehrstündige sogenannte "Dokusoap's" über die Amischen aus den Jahren 2010 und 2011 (2, 3). In diesen lassen die Amischen den Zuschauer über das Medium Film dichter an sich herankommen als das meines Wissens jemals zuvor geschehen ist. Zuvor hat man sie zwar schon über Literatur als menschlich sympathische Gemeinschaften kennen lernen können. Jetzt geht das aber noch besser über diese Fernseh-Dokumentationen. Weil noch wesentlich unmittelbarer.





Diese beiden Fernseh-Dokumentationen habendas Potential, zu "Klassikern" zu werden. Man sieht sie sich über viele Stunden hinweg ziemlich beweg an. Und doch merkt man ein paar Tage später, daß man sie sich noch ein zweites mal mit dem gleichen inneren Gewinn anschauen könnte, ohne daß es langweilig wird. Wann würde man eine solche Erfahrung mit dem Medium Film in unseren Tagen schon häufiger machen?

Und wie kommt die Wirkung zustande? Dafür wird es viele Ursachen geben. An einer Stelle im Film fragt sich Becky Shrock (die Blonde) selbst, was Gott wohl vorhabe, indem sie sie an dieser Dokumentation teilnehmen lassen würde. Das Besondere an der Dokumentation ist, daß die Annäherung an die Amischen hier einmal erfolgt - soweit übersehbar - nicht über dezidierte "Aussteiger" der Amischen. Solche Dokumentation hat es in früheren Jahrzehnten oft gegeben und gibt es auch heute noch oft. Hier jedoch erfolgt sie über "echte" und "ursprüngliche" Amische, also über solche, die auch weiter als Amische leben wollen. Im Film denken sie darüber nach, ob sie das wollen, kommen aber größtenteils zu dem Ergebnis: Ja, sie wollen das. Das ist - soweit mir bekannt - etwas ganz Neues. Und dadurch sind sehr berührende, nein, man muß sagen: aufwühlende Dokumentationen entstanden. Der Blick ist nicht von "außen" gewährt, sondern von innen.

Die erste Dokumentation handelt davon, wie fünf ganz traditionell aufgewachsene Amisch-Jugendliche verschiedenen Jugendgruppen in England begegnen und mit diesen mehrere Tage das Leben teilen, wie ihnen also das Leben Gleichaltriger in der "modernen" Welt in Großbritanniens vorgestellt wird (2). In den Gesprächen der jungen Erwachsenen untereinander werden immer wieder die Unterschiede zwischen beiden Lebensweisen recht offen besprochen. Und was einen fast noch am meisten packt, das ist, wie immer wieder die Rede darauf kommt, wie bei den Amischen das Kennenlernen und Zusammenkommen von Mann und Frau kulturell durchgestaltet ist, so daß es möglich ist, daß dabei Ehen entstehen können, die ein Leben lang auch wirklich halten. Das ist noch fast der berührendste Teil in diesen Gesprächen.

Wo hat man es das letzte mal erlebt, daß über ein solches Thema so ernsthaft und mit so viel innerem Gehalt und auch so verantwortungsbewußt gesprochen wurde? Ich glaube, in diesem Umstand vor allem liegt die große Bedeutung dieser Dokumentationen begründet. Hat man eine solche Ernsthaftigkeit überhaupt schon einmal erlebt? Ohne daß deshalb die jugendliche Fröhlichkeit darüber verloren gegangen wäre? (Der Autor dieser Zeilen glaubt, diesbezüglich in einer Ausnahmesituation zu sein, da es in seiner Verwandtschaft eine Person gab, die genauso von tiefem Ernst erfüllt darüber gesprochen hat. Aber es ist wohl ziemlich sicher, daß die Mehrheit der Leser das so nicht nicht erlebt hat.) Indem wir hier darauf zu sprechen kommen, knüpfen wir auch an einen Beitrag und einen Videoblog vom 1. Juni über die Gestaltung des Verhältnisses zwischen Männern und Frauen an (7). Im Verhältnis zu diesen Amisch-Jugendlichen kommt uns unser eigener Beitrag diesbezüglich ziemlich hilflos vor.

Ernsthaftigkeit in wesentlichen Lebensfragen, ohne Lebensfröhlichkeit zu verlieren


Gelebtes Leben ist eben überzeugender als alle "Theorie". Gelebtes Leben ist überzeugender als jede "Forderung", es solle oder könne doch so oder so gelebt werden. Gelebtes Leben ist überzeugender als jede "Utopie", es könne doch so oder so gelebt werden. Diese Dokumentationen sind schon vor fünf Jahren auch von dem Fernsehsender RTL in Deutschland ausgestrahlt worden. Und endlich einmal bekommt man mit ihnen eine Sendung eine solchen - sonst in der Regel ganz abartigen - Genres zu sehen, aus der man wirklich - und aus der jedermann und jederfrau - lernenund Gewinn ziehen kann, für die man sich richtig gehend begeistern kann.

Es kommt halt immer auf die Auswahl jener an, die man vor die Kamera holt ...

Man wundert sich geradezu, daß heute Filmemacher noch fähig sind, so verständnisvoll, so einfühlsam mit etwas so Ungewöhnlichem wie den Amischen umzugehen, so ohne allen Zynismus. Und dann auch gleich noch in einer Extremsituation wie derjenigen, in der fünf junge Erwachsene dieser Gruppierung wirklich krasse Auswüchse der modernen Welt kennen lernen. Die Amischen "sind zwar gelandet" - aber die Landung ist nicht sehr sanft, möchte man sagen.

Und mit allem drängt sich bald der Eindruck auf, daß diese Dokumentation auch viel gehaltvoller, überzeugender, begeisternder, hinreißender ist, als es jedes Video von Hagen Grell sein kann, als es jede noch so "gelungene" gefilmte "Aktion" der "Identitären Bewegung" oder beliebiger anderer Versuche, das gewachsene kulturelle Erbe in Deutschland und Europa zu bewahren sein können. Als es erst recht jedes Wahlplakat, jedes Wahlkampfvideo, jede Parlaments- oder sonstige Rede von Politikern sein können, stammen sie nun von einem Björn Höcke, einem Christoph Hörstel oder einem beliebigen anderen Politiker, sei er nun von der AfD, von der "Deutschen Mitte" oder einer anderen Partei, die sich - auch nur einigermaßen glaubhaft - für die Bewahrung unseres kulturellen Erbes einsetzt.

Der Unterschied ist, daß nicht nur der Lebensstil selbst ein überzeugender ist, sondern daß letztlich immer spürbar wird, daß hinter ihm authentische religiöse Lebenshaltungen stehen. Und das ist der Kern, as ist der entscheidende Unterschied.

Die Erkenntnis, die anhand gerade dieser Dokumentation so klar wie selten nachvollzogen werden kann, ist schlicht: Es kommt nicht auf Politik an. Es kommt nicht auf Politiktreiben an für das Überleben eines Volkes, für das Überleben einer Gemeinschaft. Es kommt darauf an, daß der Gottglaube in den Mittelpunkt des persönlichen Lebens und der Gemeinschaft gestellt wird, daß er nicht zu einer Randerscheinung wird, daß sich insbesondere auch auf religiöser Ebene eine Selbstsicherheit ergibt und daß aus dieser heraus gelebt werden kann. Und zwar nicht nur als Einzelmensch, sondern eben als Gemeinschaft.




Wenn Politiker der AfD so leben würden, religiös authentisch wären, müßte es ihnen im Grunde leicht fallen, genauso - - - "cool" herüber zu kommen in einer beliebigen Rede oder in einem beliebigen Video wie diese fünf jungen Erwachsenen der Amischen, die in Großbritannien mit dem Leben gleichaltriger Jugendlicher konfrontiert werden. Sie dürften vor allem schon einmal: gar nicht laut werden. Schon daran allein ist ein Unterschied erkennbar.

Die fünf Jugendlichen dieser Dokumentation können einen lehren, daß es auf ganz andere Dinge ankommt. Es kommt darauf an, einen anderen, einen besseren, zukunftsträchtigeren, lebensoffenen, fröhlicheren Lebensstil zu leben - als Gemeinschaft - im Angesicht einer degenerierten, untergehenden, abartigen Gesellschaft rund um einen herum. Es kommt darauf an, aus einem Gottglauben heraus zu leben und zwar sicher, beständig. Es kommt darauf an, Gottvertrauen zu gewinnen und immer wieder abzusichern, insbesondere über Gemeinschaftsleben.

Aus der Dokumentation des Jahres 2010 (2)

Es scheint tatsächlich, als könne einem das heute niemand überzeugender zeigen als die Amischen und insbesondere solche mehrstündigen Filmdokumentationen und "Reality-Show's", die sich eben auch Zeit lassen, sich auf ein so fremd gewordenes Leben, Denken und Erleben wirklich einzulassen.

Bei den fünf Jugendlichen handelt es sich um etwas, das man früher einmal einfach "wohlgeratene Kinder" genannt hätte, "wohlerzogene". Um Jugendliche, um derentwillen die Eltern sich keine Sorgen machen müssen und deren Eltern sich sagen können: So ganz falsch kann unsere Erziehung nicht gewesen sein ... Und die amischen Eltern der Dokumentation sind tatsächlich auch ihrer Kinder so sicher, daß sie sie getrost auf Konfrontations-Kurs mit der modernen Welt gehen lassen können. Sie versichern ihnen lediglich, daß sie für sie beten werden. Im Grunde auch das eine Versicherung, die berührend ist. Womöglich sind die eigentlichen "Helden" dieser Dokumentation die selten gezeigten Eltern dieser Jugendlichen. Das würden sie auch selbst so sagen. Obwohl ja schon der Begriff "Held" kein Begriff ist, der zu ihrer Kultur, zu ihrer Art der Religiosität paßt.

Diese amischen Jugendlichen sind tief und fest in ihren Familien verwurzelt, in ihrem Leben verwurzelt, in ihrer Denkweise verwurzelt. Und sie durchschauen zu leicht aus dieser tiefen Verwurzelung heraus, wie lächerlich oberflächlich, seicht und abartig das Leben moderner Jugendlicher ist, bzw. sein kann und werden kann. Sie können sich an den guten Seiten dieses Lebens freuen, tief erfreuen. Das besonders sei hervor gehoben. - Wie schön etwa mitzuerleben, wie eine junge Frau der Amischen das erste mal das Meer erlebt und die berauschende Kraft brechender Wellen. - Sie können sich tief freuen: Und sie lehnen zugleich mit großer innerer Sicherheit, aus tiefstem Inneren und in tiefer innerer Bewegtheit die bösen und schlechten Seiten dieses Lebens ab. Sie empfinden authentische Trauer, wenn sie Menschen so leben sehen.


Aus der Dokumentation des Jahres 2010 (2)

Wann hätte man jemals eine solche Fernsehdokumentation gesehen? Jane Austen begegnet der modernen Welt.

Fünf Amisch-Jugendlichen, die da über viele Stunden hinweg mit der modernen, westlichen Jugendkultur konfrontiert werden und die dabei ganz und gar cool bleiben. Sie ruhen völlig in sich. Sie blicken mit dem Blick des Fremden, Befremdeten auf diese Welt. Man fühlt sich an Bücher wie den "Papalagi" erinnert (4).

Junge Menschen im Umfeld der Identitären Bewegung 

- Diese innere Sicherheit haben sie nicht


Wenn Jugendliche im Umfeld der "Identitären Bewegung" mit so viel innerer Sicherheit vor diese moderne Welt treten können und sagen können: So wollen wir nicht leben - dann sind sie glaubwürdig. Vorher nicht. Die meisten Jugendlichen und Familien auch im Umfeld der Identitären Bewegung sind insgesamt schon viel mehr seelisch aus dem Gleichgewicht geraten als diese Amischen. Die jedoch ruhen ganz und gar in sich, haben inneren Frieden. Vor allem können sie dadurch auch ganz offen einem Leben gegenüber stehen, dem sie selbst ansonsten ganz ablehnend gegenüber stehen. Gibt es ein solches Leben außerhalb der Old-Order-Amischen noch? Man hat große Zweifel.

Allein diesem Film zuzusehen, erhebt einen in eine bessere Sphäre. Und anders als mit solchen Lebenshaltungen ist das Überleben als ein großes Volk gar nicht möglich. Anders sind dauerhaft nicht jene kinderreichen Familien zu leben, die notwendig sind für das Überleben als ein Volk. Daran kann es eigentlich kaum einen Zweifel geben. Und um so leben zu können - das ist auch klar - braucht man eine ganz sichere, feste weltanschauliche Verwurzelung, Verankerung. Man darf auch nicht zu viel an einer solchen ständig herumkritteln, herumbohren und infrage stellen. Sondern man muß ruhig und sicher aus ihr heraus leben. Man muß in einer solchen seine Heimat haben.

Die Dokumentation aus dem Jahr 2011 (3)
Man darf sich innerlich nicht aufreiben an der Unterschiedlichkeit seines eigenen Lebensstiles im Vergleich zu dem, was um einen herum gelebt wird. Sonst findet man auch seinen eigenen inneren Frieden nicht. Man muß sich entscheiden.

Daß solche Dokumentationen überhaupt entstehen konnten, scheint daran zu liegen, daß zumindest einige Old-Order-Amische Gruppen offener geworden zu sein scheinen. Denn es gibt ja auch Gemeinden, die sogar Fotografieren und Filmen ganz ablehnen. Weshalb man sich bislang zumeist nur über Literatur oder über "Abtrünnige" von ihnen ein "Bild" machen konnte. Vielleicht weil der Unterschied zwischen ihrer Lebensweise und der Abartigkeit unserer Lebensweise inzwischen so krass und offensichtlich geworden ist und so leicht nachvollziehbar ist, fällt es ihnen leichter, offen auf diese Abartigkeit zuzugehen. Sie stellt vielleicht - und mit Recht - gar keine Versuchung mehr dar so wie oft noch in früheren Jahrzehnten, als die Abartigkeit noch nicht so krass war. Aber für wen stellt denn das Leben in der heutigen "modernen Welt" auch sonst noch wirklich eine Versuchung dar? Im Grunde leidet doch fast jeder darunter. Daß das die Amischen inzwischen so empfinden und deshalb diese Lebensweise kaum noch als Versuchung empfinden können, könnte man jedenfalls als nachvollziehbar empfinden.

Zunehmend mehr verliert das typische Leben in modernen Gesellschaften an Anziehungskraft. Wer will denn diesen ganzen Schrott noch? Die Gefahr ist aber, daß es modernen Menschen zunehmend schwerer fallen könnte, zu einem solchen "einfachen Leben" noch rechtzeitig zurück zu kehren. Denn dazu ist die erste Voraussetzung jene, die in den beiden Filmdokumentationen immer wieder ein Hauptthema ist: Wie lernen sich Mann und Frau kennen? Wie beginnen sie eine eheliche Gemeinschaft? Und das Aufregende ist, daß zumindest zwei der "gewöhnlichen" britischen Mädchen nachdem sie sechs Wochen bei Amisch-Familien gelebt haben, sagen, daß sie künftig anders leben wollen, daß sie sich nicht mehr von ihrer Umgebung unter Druck setzen lassen wollen, möglichst früh alle Erfahrungen auszuleben, die man diesbezüglich als Erwachsener ausleben kann (3).

"Die Amischen - Die ordentlichsten Jugendlichen der Welt" so lautet der englische Originaltitel der ersten Dokumentation auf Deutsch übersetzt ("Amish - World's Squarest Teenagers") (2). Zwischendurch ist in ihr immer wieder eingeblendet, wie der Vater der beiden jungen Erwachsenen Leah und Andrew Miller aus der Bibel vorliest zum jeweiligen erörterten Thema. Das ist im Grunde ganz gut gemacht. Es sei zum besseren Verständnis noch festgehalten: Bei den Jugendlichen der ersten Dokumentation handelt es sich um Leah Miller (die Erzählerin), um Leon Lehman, Andrew Miller, Jerry Miller und Becky Shrock. Letztere stammt aus den am konservativsten lebenden Gruppen der Old-Order-Amisch, nämlich den "Schwarzentrubers" (Wiki). Das wird an mehreren Stellen in beiden Dokumentationen erläutert. In der zweiten Dokumentation ist der Erzähler Jonathan Hershberger (3).

Zwischenzeitlich gab es auch eine US-amerikanische "Reality-Serie" einer solchen Machart: "Breaking Amish" (2012-2016) (Wiki). Dieser gegenüber gibt es aber laut Wikipedia Vorwürfe, daß keine echte Authentizität vorläge, da alle Hauptbeteiligten mit ihren Gemeinden schon vor Beginn der Dokumentation gebrochen hatten.

Zusammengefaßt jedenfalls: Menschen wie von einem anderen Stern, die eigentlich nur so leben wie unsere Vorfahren vor hundert oder mehr Jahren. So weit haben wir uns heute von der Lebenswelt unserer Vorfahren schon entfernt. Und das betrifft insbesondere den Kernbereich jeder Kultur, nämlich den der Partnerfindung, der Begründung von haltbaren Ehen als Kernzelle des Volkes.

Man kann an ihnen ganz hervorragend erforschen, wie Gemeinschaftsleben in der Familie und auf Gemeinde-Ebene über Jahrhunderte hinweg erfolgreich und nachhaltig - das heißt insbesondere natürlich auch: demographisch nachhaltig - gestaltet werden kann.

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  1. Bading, Ingo: Die Amischen - Einige Filmdokumentationen. Auf: GA-!, 1.2010, http://studgenpol.blogspot.de/2010/01/die-amischen-einige-filmdokumentationen.html
  2. Die Amischen sind gelandet, Originaltitel: Meet the Amish bzw. Amish - World's Squarest Teenagers, Dokusoap GB 2010, KEO films und Channel 4 Television Corporation; Original-Erstausstrahlung: 25.07.2010; Deutsche Erstausstrahlung, RTL Living, 02.03.2012 (IMDb); Deutsch: https://www.youtube.com/watch?v=gApZNR-FcFEhttps://www.youtube.com/watch?v=bJdxwzb59Wshttps://www.youtube.com/watch?v=wgDtEPLreXshttps://www.youtube.com/watch?v=Lqx0qiX6fTY; Englisch: https://www.youtube.com/watch?v=m64X1hMCJoE oder: https://www.youtube.com/watch?v=IZdxiN_WyjA
  3. Unter Amischen, Originaltitel: Living with the Amish, Dokusoap, GB November 2011, KEO films und Channel 4 Television Corporation (IMDb); 1. Teil (nur Englisch verfügbar) https://www.youtube.com/watch?v=eoXG3__vL8A, ab 2. Teil auch Deutsch: https://www.youtube.com/watch?v=JQyDUZgsdI8, 3. Teil https://www.youtube.com/watch?v=hE3C6uznL5Q&t=34s, 4. Teil https://www.youtube.com/watch?v=bQdfXa7sxfc&t=112s, 5. Teil https://www.youtube.com/watch?v=phh4XSAWDKU, 6. und letzter Teil https://www.youtube.com/watch?v=z0hB9Cg4C6I&t=20s
  4. Scheurmann, Erich: Der Papalagi. 1920, https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Papalagi
  5. Gee, Catherine: Amish teens: pious, prudish - yet remarkably tolerant - Members of the sect have come to the UK for a C4 series. In: The Telegraph, 23 Jul 2010, http://www.telegraph.co.uk/culture/tvandradio/7905385/Amish-teens-pious-prudish-yet-remarkably-tolerant.html
  6. Beck, Sally: From spoilt British teen to Amish girl. In: Dailymail, 21. November 2011, http://www.dailymail.co.uk/femail/article-2064064/Charlotte-Allison-From-spoilt-party-mad-British-teen-Amish-girl.html
  7. Bading, Ingo: Ehret die Frauen! Männer und Frauen - Ein viel erörtertes Thema. Auf. GA-j!, 1. Juni 2017, http://studgenpol.blogspot.de/2017/06/ehret-die-frauen.html

Sonntag, 19. Februar 2017

Verführungscoach Maximilian Pütz im Gespräch mit Hagen Grell

Dieses jüngst erschienene Video über das gegenseitige Sich-näher-Kommen zwischen Männern und Frauen, das definitiv heute ein großes Problem in Deutschland darstellt, kann eigentlich nur wärmstens empfohlen werden (Yt). 

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Millionen von deutschen Kinderwünschen werden nicht umgesetzt, weil Deutsche nicht den Lebenspartner haben, mit dem zusammen sie Kinder haben können oder wollen. Darauf haben wir hier auf dem Blog schon vor Jahren häufiger in Blogartikeln hingewiesen.

In diesem Video findet man womöglich den einen oder anderen sinnvollen Ansatz zur Lösung des Problems. Ich will damit nicht sagen, dass mir die Wortwahl des Maximilian Pütz - zumal wenn es um Benennung menschlicher Geschlechtlichkeit geht - immer und in jedem Fall gefällt. Aber in diesem Interview hält er sich diesbezüglich wohltuend zurück. 

Die beiden passen gut zusammen, der Hagen Grell und der Maximilian Pütz. Witzig, die vielen Grimassen von Hagen Grell während Maximilian Pütz redet.

Sollte es aber auf diesem Gebiet zu positiven Verhaltensänderungen in unserer Gesellschaft kommen, würde das noch nicht heißen, dass das Problem an sich gelöst wäre. Denn zusammen Kommen ist erst die halbe Miete. Es kommt darauf an, zusammen zu bleiben. Und dazu muss wieder die Seele von Menschen angesprochen werden, die Seele und das seelische Erleben von Männern und Frauen. Ohne seelischen Einklang gibt es keine dauerhaften, seelisch starken Partnerschaften zwischen Mann und Frau zum Wohle und zum Gedeihen glücklicher Kinder.

Und es gibt noch etwas, was angesprochen werden muss, und was durch die CIA-Kulturgestaltung seit spätestens 1945 gänzlich aus dem öffentlichen Leben verdrängt worden ist: Es muss das Gemüt angesprochen werden, es muss eine Übereinstimmung zwischen Menschen einer Kultur, eines Volkes, einer Sprache geben im vorrationalen Raum aufgrund von Gemütskräften, die aus dem Unterbewusstsein heraus wirken und durch sich selbst schon auf größere seelische Gemeinsamkeit und ähnlich ausgerichtete Lebensziele hinwirken.

Übrigens haben wir auf unserem Parallelblog darauf hingewiesen, dass monogame Lebensweise in der Evolution schon seit Millionen von Jahren mit Intelligenz-Evolution und mit Altruismus-Evolution in engem Zusammenhang steht, eine Erkenntnis, die erst seit dem Jahr 2007 begonnen hat, sich in der Wissenschaft durchzusetzen (mit Forschungen von Robin Dunbar und anderen) (Konrad Lorenz freilich hat das schon Jahrzehnte vorher gewusst oder besser: geahnt).

/Mit dem nachfolgenden Video von Hagen Grell zum selben Thema muss übrigens nicht jeder etwas anfangen können. Das hätte er sich wohl auch sparen können./

Dienstag, 9. September 2014

"Das unerreichbare Herz" (1949)

Der erste Nachkriegsroman von Karl Springenschmid
- Vom Ringen um eine neue Form des Lebens
Die nachfolgende Buchbesprechung in ähnlicher Form auch andernorts erschienen (Amaz.).

"Das unerreichbare Herz" ist der erste Nachkriegsroman, den der deutsche Schriftsteller Karl Springenschmid (1897-1981) (Wiki, Salzburg-Wiki) im Jahr 1949 veröffentlicht hat. Folgeauflagen sind erscheinen 1958, 1966 und 1976. Dieser Roman behandelt die inneren Erschütterungen einer jungen, ganz nach innen lebenden Frau, deren Ehemann seit dem letzten Jahr des (Zweiten) Weltkrieges als Soldat vermißt wird und vielleicht gefallen ist. Er handelt von den Erschütterungen und von den Gedanken, durch die sie - aus der "Sackgasse" dieser Liebe, nämlich zu einem "unerreichbaren Herz" - wieder ins Leben zurück findet.

Ein Ausschnitt aus dem inneren Ringen von Menschen in der damaligen Zeit, denen eine lebenszugewandte innere Offenheit wichtig war, und die die Gefahr sahen, daß man sich "drein geben" könnte dem schweren Schicksal, das einen traf. Oft über Jahre waren Männer und Frauen damals durch Krieg, Kriegsgefangenschaft und Vertreibung getrennt voneinander. Sie entfremdeten sich in dieser Zeit oft. Es war individuell sehr verschieden, wie mit dieser Situation umgegangen worden ist. Erst in den letzten Jahren ist der Geschichtswissenschaft an verschiedenen Orten diese Problematik bewußt geworden. Diese Problematik war eine generationenweite. Über sie ist damals aber öffentlich - und über viele weitere Jahrzehnte hinweg - mehr geschwiegen als gesprochen worden.

Springenschmid selbst hatte Schicksale dieser Art im nächsten Bekanntenkreis erlebt. Er war von ihnen erschüttert. Seine schriftstellerische Begabung fühlte sich heraus gefordert, um auf seine Art mit einem Roman auf dieses Geschehen zu reagieren.

Autor heiterer und erschütternder Romane

"Novè" auf Niederländisch
Insgesamt hat Springenschmid nach 1945 drei Romane geschrieben, in deren Mittelpunkt ein Frauen- bzw. Mädchenschicksal steht. Auf den genannten ersten Roman folgte 1951 "Novè - Mädchenschicksal zwischen Ost und West". Und es folge 1953 "Das goldene Medaillon". Beide Romane sollten viele Folgeauflagen haben und auch Übersetzungen erfahren in andere europäische Sprachen.

Und alle drei Romane sind im tiefsten Sinne heute noch "lesenswert". 

Erst in den Folgejahren wandte sich Springenschmid mit "Ein Mensch unterwegs" (1953) wieder einem männlichen Lebensschicksal zu, allerdings einem, in dem wiederum auch Frauen eine große Rolle spielen. Denn er handelt von einem Frauenarzt. In Folgeauflagen erschien der Roman denn auch unter dem Titel "Frauenarzt Jan Lujka".

Springenschmid war in der Zeit vor 1945 eigentlich vornehmlich als Autor "heiterer" Geschichten und Romane bekannt geworden. Es handelte sich insbesondere um Bergsteiger- und Ski-Geschichten. Aber auch diese waren oft schon mehr als nur "heiter". Sie sind noch heute liebenswert und gehaltvoll. Und sie erlebten auch noch viele Jahrzehnte nach 1945 viele Auflagen: "Am Seil vom Stabeler Much" (zuerst 1933), "St. Egyd auf Bretteln" (1935), "Da lacht Tirol" (1935), "Ein Tiroler geht nicht unter" (1939). Nach 1945 folgte auf dieser Linie "Die Tschullerer Buben" (1952), "Sieben Tage Sexten" (1965), "Rundherum Abgrund" (1977), "Engel in Lederhosen", "Sieben Takte Liebe" (eine Salzburg-Novelle). Und "Die sizilianische Venus", die - wie der Titel auch schon andeutet - auf Sizilien spielt.

Springenschmid war 1931 mit "Der Sepp - Lebensroman von Sepp Innerkofler" bekannt geworden. Springenschmid war auch noch mit dem Sohn dieses Sepp Innerkofler gut befreundet. Dieser deshalb aus dem Leben geschöpfte Roman sollte sein erfolgreichstes Buch überhaupt sein und bis heute bleiben. Es handelte von einem Tiroler Bergführer, der 1916 im Ersten Weltkrieg bei Verteidigung seiner Heimat fiel. 1975 ist dieser Roman in 57. Auflage erschienen (s.a.: 1, 2).

Seine Romane - Nach 60 Jahren immer noch jung und frisch 

Liest man zeitgenössische Besprechungen (3), so wird schnell deutlich, daß die Zeitgenossen die Bedeutung von Springenschmid in den meisten Fällen noch nicht so wahr genommen haben wie das heute möglich geworden ist. Diese behandelten ihn fast alle als einen Romanautor .... "unter vielen". Während aber der größte Teil der anderen Autoren längst - und mit sehr großem Recht - vergessen ist, sind die Romane Springenschmids erschütternd. Sie sind in der Aussage gültig geblieben. Sie lesen sich, als wären sie erst gestern oder im Vorjahr herausgekommen. Jung und frisch stehen sie da. Man merkt ihnen die Jahrzehnte ihres Alters, ihr Alter von mehr als 65 Jahren in keiner Weise an. Nichts Verquastetes findet sich in ihnen, nichts Verstaubtes, nichts billig Oberflächliches, nichts, was billig auf Wirkung aus ist und deshalb schon wenige Jahre nach Erscheinen als "gemacht" erlebbar geworden wäre. Noch heute sprüht Jugendlichkeit und Frische aus allen Seiten hervor.

"Das unerreichbare Herz" ist in drei Teile gegliedert. Die ersten beiden Teile geht man mit immer größerer Anteilnahme mit. Ein Springenschmid, ein echter, sagt man sich mit jeder Seite mehr. Gertrud Gorenflor. Irgendein besonderer Name muß es ja sein. Sonst wäre es ja nicht ein Springenschmid. Eine Frau, zurückhaltend, sparsam gezeichnet. Sie hat einen Mann, Rainer Gorenflor. Er ist ein außergewöhnlicher Mann. Aber zugleich ebenfalls ganz unauffällig, zurückhaltend, nur in Andeutungen gezeichnet. An der stärksten Stelle übrigens wird er mit Hilfe eines Gedichtes von Josef Weinheber gekennzeichnet. Gefallen ist dieser Mann - höchstwahrscheinlich - in Kämpfen mit Partisanen in der Slowakei 1945. Offiziell aber gilt er als "vermißt".

Springenschmid läßt den Handlungsablauf am Ende des zweiten Teiles des Romanes mit einem Ereignis enden, das einen als Leser, der zuvor emotional stark mitgegangen ist, auf den Autor geradezu mit Haß reagieren läßt.

Eine seltene Erfahrung.

Für Tage kann man das Buch nicht mehr in die Hand nehmen. Denn dafür ist man zu aufgewühlt. "Dieser Mann, der Springenschmid, ist einfach nur ein Mistkerl," so ist das Grundgefühl. Man ist abgestoßen. "Mußte" der Geschehens-Ablauf wirklich so sein, so fragt man sich. - Warum? - Und erneut stellt man sich diese Frage, wenn man das Ende auch des dritten Teiles fast erreicht hat und die "Lösung" der im Roman gestellten Problematik durch den Autor vor einem steht. Auch im dritten Teil kommt der Roman einem beim Lesen streckenweise so sinnlos vor.

Man haßt den Autor.

Aber der Roman "rumort" zugleich in einem. Zu stark hatte er einen schon in den ersten beiden Teilen mitgehen lassen. Und schließlich will man ihn, "muß" man ihn doch zu Ende lesen. Er handelt vom Ringen um eine neue Form des Lebens. Nachdem alle früheren Formen durch die Ereignisse des Jahres 1945 zerbrochen worden sind, fragwürdig geworden sind. Springenschmid hat, wie aufgezählt, viele Romane geschrieben. "Das unerreichbare Herz" wird sicher sein ungewöhnlichster sein.

Thema ist: Wie kann eine Frau nach kurzer, tief verinnerlicht erlebter Liebe und Ehe und nachdem der Mann seit dem letzten Jahr des Krieges als vermißt gilt, weiter leben? Und nicht nur weiter "existieren". Springenschmid behandelt an einem einzelnen Lebensschicksal, was ihn grundlegender umtreibt: Wie kann ein Volk, wie kann eine Welt, denen es um solche Menschen und Frauen wie den dargestellten um mehr als um alle anderen gehen muß, weiter leben? Wobei ihm beides gleich wichtig ist: Seelisches und biologisches Weiterleben.

"Konstruiertes" im ersten Nachkriegsroman?

Die Nationalsozialisten hatten ja die Lebensborn-Heime gegründet, nicht zuletzt aus Sorge um das biologische Weiterleben des Volkes. Doch Springenschmid geht es um mehr. Es geht ihm darum, "die Substanz zu erhalten", wie er an einer Stelle einen Protagonisten sagen läßt. Damit ist die seelische Substanz gemeint. Wie kann sie erhalten werden, ohne die biologische zu opfern? Während die Nationalsozialisten eigentlich nur die biologische Substanz gesehen hatten, sieht Springenschmid mehr noch die ganze seelische Not seiner Zeit. Vor allem die seelische Not der am verinnerlichsten lebenden jungen Menschen. Der Frauen. Seit 1945 war - und ist - beides zutiefst fragwürdig geworden: die biologische wie die seelische Substanz. Und Springenschmids Anliegen war es, beides zu "sichern".

Und was ein Springenschmid machte, machte er ganz. Er machte keine halben Sachen. Springenschmid wäre sonst nicht Springenschmid gewesen.

Und so oft man tatsächlich streckenweise als Leser auch daran zweifelt: Der Autor löst die Aufgabe, die er sich gestellt hat. Noch während des Lesens kommt einem gegen Ende des Romans manches "konstruiert" vor. Legt man den Roman aber aus der Hand, merkt man, daß er etwas mit dem Leser gemacht hat. Und das kann er nur, wenn er mehr ist als nur etwas "Konstruiertes". Konstruiertes kann nur Gedanken auslösen. Der Roman aber erschüttert. Ein klares Zeichen dafür, daß Springenschmid die Lösung seiner Aufgabe gelungen ist. Obwohl man es - fast - nicht glauben kann oder will.

Und doch bleibt ein Rest. Als Leser kann man ihm alles verzeihen. Doch daß er das Schicksal eines unschuldigen Kindes in diesem Roman - am Ende des zweiten Teiles - eine solche Wendung nehmen läßt. Nachdem er es einem so ans Herz hat wachsen lassen - - - Er, der Autor, hätte doch die Freiheit gehabt, es anders zu schreiben. Warum tut er das? Mit dem Verstand ist es vielleicht zu begreifen, daß es womöglich auch noch dieser Erschütterung bedurfte bei dem gestellten Thema. - - -

Aber vielleicht spiegelt sich in der Wahl einer solchen Härte im Handlungsablauf auch noch etwas wieder von der Härte dessen, was da auch in Springenschmid selbst "neu" werden mußte, anders werden mußte in dieser Zeit. - Zusammen gefaßt: Erneut bestätigt sich, daß man kaum wertvollere Lektüre zu nennen wüßte, als Romane von Karl Springenschmid.

____________
  1. Bading, Ingo: "Das wiedergefundene Antlitz" von Karl Springenschmid (1944) - Kunstraub, Kunstschutz und Massenmord aus ungewohnter Perspektive. (GAj, 20. Juli 2010)
  2. Bading, Ingo: Costabella - Berg meiner Jugend. Auf: Studium generale, 22. November 2007, (Stg2007)
  3. Zeugnisse zu Karl Springenschmid. Auf: http://www.historisches-alpenarchiv.org/data/dokumente/main/27/00130126_m.pdf
  4. Bading, Ingo: Portrait einer Generation - "Servus Heiner" - Karl Springenschmid erinnert sich an seinen Freund Karl Heinrich Waggerl. (GAj!, 12. August 2010)
  5. Laserer, Wolfgang: Karl Springenschmid - Leben, Werke, Fotos, Dokumente. Biographie. H. Weishaupt Verlag, Graz 1987

Mittwoch, 16. November 2011

Was ist Weiblichkeit? - fragte der letzte Mensch und blinzelte ...

"Die Lyze" - Ein kleiner Beitrag zum Verständnis des bodenlos Unverständlichen an der modernen Frau
"... Dicht neben dem Gymnasium hatten die Lyzen ihren Sitz. 
Lyzen sind Schülerinnen eines Lyzeums und sonderbare Kerle. Eine Lyze besteht nämlich aus zwei Hälften. Die eine Hälfte ist Backfisch, werdende Dame und künftige Mutter; diese Hälfte ist durchaus weiblich mit allen Reizen und Mängeln dieses beliebten Geschlechtes. Die andere Hälfte der Lyze besteht aus geistiger Arbeit, Logik, Wissenschaft und Schulbetrieb. Diese Hälfte ist nüchtern, sachlich. Man kann auch sagen: sächlich. Selbstverständlich liegen die beiden Hälften im Kampf miteinander. Später wächst sich das nach der einen oder anderen Seite aus. Siegt die eine Hälfte, dann wird aus der Lyze ein braves Hausmütterchen mit allmählich verblassenden Bildungsstreifen; gewinnt die anderen Hälfte die Oberhand, dann entsteht ein gelehrtes Haus mit verkümmernden weiblichen Kennzeichen.
Das Pikante an der Lyze ist, daß man noch nicht weiß, was wird. Darauf beruht ihre Beliebtheit bei jedermann, auch bei den Primanern. ..."
- Ein kleiner Ausschnitt aus dem liebenswerten Roman "Die Feuerzangenbowle" des Schriftstellers Heinrich Spoerl (1887 - 1955). Erschienen im Jahr 1933. Können diese Worte helfen zum Verständnis der Frau und der weiblichen Psychologie in der "modernen Welt"? Oder - um es bombastischer zu formulieren: im "nachmetaphysischen Zeitalter". Im Zeitalter der Nüchternheit und der Selbstverwirklichung? Im Zeitalter der Kollektiverziehung, der Seelenarmut und von Millionen gescheiterten Ehen und Kindheiten? In Zeiten der grassierenden Zunahme von Depression und anderer psychischer Krankheiten?

"Die Feuerzangenbowle" wurde mehrmals verfilmt. Natürlich ist am bekanntesten die Verfilmung mit Heinz Rühmann aus dem Jahr 1944. Weitere gute Romane von Heinrich Spoerl sind übrigens "Wenn wir alle Engel wären" (1936) oder "Der Maulkorb" (1936). 

Zur Erläuterung des Textausschnittes sei noch erwähnt, daß der griechische Begriff "Lyzeum" von Heinrich Spoerl im Sinne von "Höhere Töchterschule", bzw. "Höhere Mädchenschule" verwendet wird. Diese bestand noch zu Spoerls Zeiten  und bis zur Einführung der Koedukation.

Mädchenklasse (Lyzeum in Nürnberg) aus dem Jahr 1936
Dieser Text mag einem deshalb so zeitgemäß erscheinen, weil von den Frauen heute allseits erwartet wird - und sie es, ideologisch indoktriniert und konditioniert, auch von sich selbst erwarten -, die beiden hier genannten Hälften jederzeit in vollendeter Form vereinen zu können. Man wird wohl mit dem vollen Brustton der Überzeugung sagen können: Das ist ein Irrtum und ein Selbstbetrug, wie größerer Irrtum und Selbstbetrug kaum denkbar ist.

Siebzig Jahre nach dem Ersterscheinen dieses Romans hat sich all das noch ziemlich deutlicher in manche Richtung hin "ausgewachsen", als hier von Spoerl angedeutet - trotz oder wegen der Koedukation, das spielt wohl kaum noch eine ursächliche Rolle. 

Sondern man wird die ständig zunehmende Verkopftheit einer ganzen infantilisierten, ständig emotionsloser werdenden Gesellschaft dafür als Ursache annehmen müssen. Einer Gesellschaft, in der der "Wärmetod des Gefühls" (Konrad Lorenz / "Die acht Totsünden der zivilisierten Menschheit") seuchenartige Verbreitung gefunden hat, und die deshalb gerade dem spezifisch Weiblichen in der Psychologie und im Alltag so gut wie gar nichts mehr abgewinnen kann: "Diese Hälfte ist nüchtern, sachlich. Man kann auch sagen: sächlich."

Paßt deshalb auf unsere Zeit nicht nur Nietzsche's "Was ist Seele?, fragte der letzte Mensch und blinzelte", sondern noch viel eher der Satz: "Was ist Weiblichkeit?, fragte der letzte Mensch und blinzelte". Ja, man ist geneigt, so in etwa zu denken.

Dienstag, 12. Juli 2011

Richard Dawkins und die Frauen

(Wie) Ist Flirten in einer atheistischen Gesellschaft möglich?

- Mal ein ganz anderes Thema. Es ist schon schrill, über was andernorts derzeit so alles diskutiert wird. Verpassen tut man da offenbar zumeist nicht viel. Aber dann z.B. folgendes: Richard Dawkins soll in einer Diskussion über die wenigen Frauen unter Kirchenfreien und Atheisten etwas Unpassendes gesagt haben. Und in den letzten fünf Tagen gab es dazu allein auf einem einzigen deutschen Blogbeitrag fast 300 Kommentare (Scienceblogs). Mehr gelangweilt, als amüsiert liest man sich durch die Reihe der Kommentare. Manche bekannten und unbekannten Leute liest man - - - "mal wieder". Man hört sich an, wie auf Richard Dawkins herumgeschimpft wird. (... Der hat ja ein dickes Fell, sagt man sich ...) Bis man dann endlich einmal auf einen Kommentar stößt, von dem man den Eindruck hat, daß er wirklich paßt. Wobei man dann vielleicht auch bedauert, daß dieser Kommentar nicht von Richard Dawkins selbst ist.

Wir sozialen Krüppel

Zur Erläuterung: Es geht darum, daß eine junge Frau (Rebecca) auf einem Atheistenkongreß um vier Uhr morgens am Fahrstuhl, nachdem sie auf der Konferenz darüber gesprochen hatte, daß Frauen falsch behandelt würden unter Kirchenfreien und Atheisten, von einem ihr unbekannten jungen Mann am Fahrstuhl angesprochen und gefragt wurde, ob sie mit ihm zusammen auf seinem Zimmer noch einen Kaffee trinken und sich unterhalten wolle. Sie empfand sein Verhalten unangemessen und einschüchternd. Wie gesagt, diese kleine Szene rief bis dato auf nur einem von sicherlich vielen Blogs weltweit, die darüber schrieben, 300 Kommentare hervor. Soweit übersehbar, übrigens fast nur von Männern (!!!). Nun also sicherlich einer der besten dazu. Und vorweg noch einmal: Schade, daß er nicht von Richard Dawkins selbst stammt:
TSK· 08.07.11 · 01:12 Uhr
Zum Videobeitrag:
Rebecca macht darin einfach den Eindruck, dass sie (Geek, Nerd, Asperger etc.) sehr große Schwierigkeiten hat, mit Avancen allgemein umzugehen. Als sie die Geschichte erzählt, stockt sie, bricht den Augenkontakt, reibt die Hände etc. etc.
Es ist also sinnlos, es von der Warte einer Frau zu betrachten, die damit wesentlich lockerer und selbstbewußter umgehen kann, sondern es ist halt Rebecca.
Zunächst mal: Es ist eine Atheistenkonferenz, bei der es genauso von Geeks, Nerds und Aspergern wimmelt. Man hat die Nacht durchdiskutiert.
Was ich vermute, ist: Der Fahrstuhltyp hat genau dieselben Probleme mit sozialen Kontakten, hat sich genau überlegt, was er sagen will und wartet sehnsüchtig darauf, dass sie alleine ist, um sie ansprechen zu können.
Rebecca geht also zum Fahrstuhl, ist müde und unaufmerksam, der Typ kommt herein und sagt, bevor er sich verhaspelt, seinen Spruch auf. Bautz.
Natürlich ist ihr das dann sehr unangenehm. Sie will ins Bett, ist kaputt, kennt ihn nicht und ist vermutlich erst mal sprachlos. Dann kommt halt die Furcht (eine für *sie* nicht zu beherrschende Situation), Ärger (was habe ich eigentlich heute gesprochen und überhaupt, ich bin müde) und Unwohlsein (wie komme ich hier wieder raus).
Endergebnis: Beide fühlen sich Scheiße. Reparieren läßt sich da nicht mehr viel, höchstens durch Körpersprache (Zurückziehen, wegdrehen) signalisieren, dass man die Abfuhr verstanden hat.
Ich würde ja gerne über das Verhalten schimpfen, aber es soll ja Männer geben, die idiotische Dinge tun, wenn sie verknallt sind....ich gehöre leider auch dazu.
Und damit ist eigentlich alles gesagt. Was für ein schöner Kommentar zwischen all den sonstigen verkrampften, verbiesterten. Ideologien, welcher Art auch immer, machen das Leben verkrampft und verbiestert. Es gibt zu viele davon. Und einfache Freude am Leben und an sozialen Kontakten zu wenig. Warum?

Sonntag, 24. April 2011

Gleichberechtigung ...

Wertewandel oder Werte-Starrheit?

In einer patriarchalen Gesellschaft bedeutet Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, daß Frauen ebenso arbeiten gehen dürfen wie Männer. Bislang aber sind wir noch "Jahrhunderte" davon entfernt, daß dabei soziale Berufe technischen und Büro-Berufen in der Bezahlung als gleichwertig an die Seite gestellt werden würden. Die heutige Art der "Gleichberechtigung" ist also die tiefste Form von Heuchelei und Zynismus. Sie kommt nur einer Minderheit von Frauen und deren Männern zugute, die wahrscheinlich in einer sowieso schon kinderarmen Gesellschaft noch überdurchnittlich kinderarm sein werden.

In einer matriarchalen Gesellschaft würde Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau - vermutlich - bedeuten, daß Männer ebenso zu Hause bleiben und Kinder betreuen "dürfen" wie dort die Frauen. Weil in dieser vermutlich das Betreuen von Kindern gesellschaftlich eine viel höhere Wertschätzung erfahren würde, als "sonstige", viel geringschätziger bewertete berufliche Tätigkeiten. Wobei möglicherweise auch nach einer großspurig verfolgten "Gleichberechtigung" immer noch für "Jahrhunderte" die technischen und Büro-Berufe wesentlich schlechter bezahlt sein würden als die sozialen Berufe.

Und was wollen wir? Patriarchat? Matriarchat? Kalifat?

Weitere familienpolitische und geschlechterpolitische Hochstapelei und Gesellschaftszerstörung wie seit vielen Jahrzehnten?

Donnerstag, 1. April 2010

Frauen in vatikanischen Orden

"Unterwerfung tut wohl"

Die Jesuiten stellt man sich gewöhnlich als einen verbiesterten Männerorden vor. Sieht man sich aber die Netz-Präsentationen beispielsweise der heutigen Jesuiten in den USA an, so wird man dort viele Frauen erleben, die begeistert von den Jesuiten und ihrer Arbeit erzählen und von denen sich dieser Männerorden richtiggehend im Internet "repräsentieren" läßt. Also offenbar recht treue "Töchter der katholischen Kirche" und des Jesuitenordens. Eines Ordens im übrigen, dessen Angehörige sich in den USA derzeit vorzugsweise an der Aufführung von "Vagina-Monologen" auf Theaterbühnen erlaben. Und der vielleicht glaubt, sich mit derartigem besonders passend in die Herzen von Frauen einschmeicheln zu können. Nur einmal so als ein möglicher Interpretations-Ansatz in den Raum gestellt.

- Wie geradezu allerliebst, wenn man so schön zölibatär "brüderlich" und "schwesterlich" vereint im Glauben ins Theater gehen kann und dort dann den "Vagina-Monologen" lauscht ... Da zeigt sich doch so recht die ganze Vorurteilslosigkeit moderner Katholiken und insbesondere des rühmlichen Jesuitenordens.

"Damen" leisten in einem vatikanischen "Grabes-Orden" Dienst

Wer der Frage nachgeht, in welcher Weise der Katholizismus im rechtskonservativen Raum tätig ist, stößt irgendwann auch auf das "Studienzentrum Weikersheim". Letzteres ist eine Vereinigung von "Patrioten, Pfaffen und Politikern" wie einer Schrift aus dem Jahr 1995 zu entnehmen ist (1).

In diesem Studienzentrum Weikersheim (SZW) wird laut der genannten Veröffentlichung eine dezidiert "christliche Grundhaltung" gepflegt und man erfährt nicht zuletzt von einem vatikanischen "Grabes-Orden", der in diesem Studienzentrum eine nicht unwesentliche Rolle spielen soll:
Tatsächlich unterscheidet sich das Studienzentrum Weikersheim durch die Betonung seines Christentums von der französischen „Nouvelle Droite“ des Alain Benoist und seinem deutschen Schüler Armin Mohler (...).

Eine wichtige Rolle in der Braunzone der katholischen Kirche spielt auch der weltliche Orden der „Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem“, zu dessen Ordensrittern auch SZW-Persönlichkeiten, allen voran Präsident Hans Filbinger gehören. Der deutsche Ableger dieses Ordens wurde 1933 gegründet, wobei der Vize-Kanzler der Regierung Hitler, Franz von Papen, eine führende Rolle spielte. Das Motto des Ordens „Deus lo vult“ („Gott will es“) war über Jahrhunderte der Schlachtruf mit dem „Ungläubige“ (...) von den Rittern der Christenheit ermordet wurden.

Der Orden, ein offizieller Teil der katholischen Kirche, vereint führende Konservative bis faschistische Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft. So sollen 44 der Grabesritter führende Stellungen im Bankgewerbe einnehmen. Auch in den großen deutschen Konzernen wie Daimler-Benz, BASF, Siemens und Thyssen sind 36 der Ordensritter tätig.

Das in Weikersheim gepredigte Christentum ist folgerichtig ein höchst reaktionäres, das sich im alleinigen Besitz der Wahrheit wähnt. So referierte Professor Horst Bürkle bei einem Kongress in Rom 1981 über Strategien, „fremdreligiöser Gegenmission“ entgegenzutreten ...
Gefahr: "Das Göttliche" "denaturiert" zur "Vielgötterei"...

Es soll betont sein, daß hiermit bewußt nicht der Atheismus angesprochen ist, wenn man von "fremdreligiöser Gegenmission" spricht, sondern von konkurrierenden (!) religiösen Anschauungen. Da fragt man sich ein wenig verwundert: Wer "missioniert" denn unter Katholiken? Wer hätte das nötig? Wo doch heute die Kirche geradezu mit Gewalt ihre Schäflein aus ihren Mauern treibt. Aber was hier angesprochen ist, kann man auch dem weiteren Satz entnehmen:
... Bischof Josef Stimpfle beklagte an gleicher Stelle, daß „das Göttliche“ in vielen Kulturen „zur Vielgötterei denaturiert“ sei.
Diesen Begriff "denaturieren" kann man sich auch einmal auf der Zunge zergehen lassen. Jedenfalls: Man glaubt, die höherwertige oder höchstwertige Religiosität zu besitzen. Weiter:
Die Weikersheimer Verbindung von Konservatismus bzw. Rechtsradikalismus mit dem Christentum stellt in den Augen der SZW-ReferentInnen dagegen keine „politisierende Theologie“ dar. Professor Nikolaus Lobkowicz kam bei dem Kongress in Rom vielmehr im wesentlichen zum Schluß, daß ein Christ verpflichtet sei, konservativ zu sein.
Wenn man also recht versteht, meint man unter Leuten, die dem Studienzentrum Weikersheim nahestehen, daß es richtig wäre, wenn man im rechtskonservativen Raum "fremdreligiöser Gegenmission" entgegentritt - was immer das auch sein möge.

"Patrioten, Pfaffen und Politiker"

Daß man unter rechtskonservativen "Männerorden"-Spezialisten und in rechtskatholischen Studentenverbindungen so seine besonderen Sichtweisen auf katholische Vereinigungen wie die "Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem" hat, kann ohne Zögern vorausgesetzt werden. Der Typus des mittelalterlichen Ordensritters stellt in diesen Kreisen so eine Art Idealtypus dar. Ebenso die Zwing- und Missionsburgen des Deutschen Ritterordens - etwa in West- und Ostpreußen oder im Baltikum.

Nun ist es aber zugleich interessant zu erfahren, daß diese vatikanischen "Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem" - unerwarteterweise - auch eine Abteilung für Frauen bereithalten:
Der Orden wird in drei Klassen verliehen:

* Klasse der Kollar-Ritter und Kollar-Damen
* Klasse der Ritter (Großkreuz-Ritter, Großoffiziere oder Komture mit Stern, Komture, Ritter)
* Klasse der Damen (Großkreuz-Damen, Komtur-Damen mit dem Stern, Komtur-Damen, Damen)
Nur die allerüberzeugtesten, papst-treuesten Katholikinnen werden - davon kann man ausgehen - in die Gemeinschaft solcher, den Jesuiten nahestehenden "Kollar-Damen" oder ähnlicher Vereinigungen aufgenommen. Und deshalb schreiten sie auch mit besonderer Würde einher. Eingedenk Gottes und seines würdevollen Stellvertreters auf Erden.

Abb. 1: 2009 in Fulda (Foto von Dieter Schmitt, Fulda)
Ein Bild kann man sich von ihnen auf dem Wikipedia-Eintrag machen (größer --> hier). Man stelle sich diese Damen mal beim Kaffeekränzchen vor. Wenn man an treu-jesuitische und -vatikanische Bestrebungen im "Missionsgebiet Deutschland" denkt, ist es nicht notwendig - und irreführend -, wenn man dabei nur an Männer denkt.

Warum sollten sich nicht auch eine, mehrere oder viele der auf dem Foto dargestellten Frauen als im stetigen Einsatz "für Gott" befindlich fühlen und ihre Mitschwestern hierzu zu regelmäßigen Kaffeekränzchen bei sich zu Hause versammeln? Nicht zuletzt, um "fremdreligiöser Gegenmission" in "ritterlichem Geiste", wie Erbischof Zollitsch von ihnen letztes Jahr sagte (siehe unten), entgegenzutreten?

All die labilen, heidnischen, ungeschliffenen, ungeschlachten Charaktere, die "querfeldein" gehen

All die labilen, heidnischen oder quasi-heidnischen Charaktere in ihrer persönlichen Umgebung wieder auf den "rechten", "stabilen" Weg des Glaubens an Jesu Christo zu bringen - das wird man sich sicherlich gerne als Aufgabe stellen. Solche Kaffeekränzchen sollte es heute nicht mehr geben? Und Orden, in die die "allerliebsten" Söhne und Ehemänner von solchen "Damen" gesteckt werden, ebensowenig?

Gewiß sind es nur ehrenwerte, streitbare Frauen, die wir auf dem eben erwähnten Foto dargestellt sehen. Und solche Damen werden sich gewiß immer nur das Beste für die armen Heiden im Missionsgebiet Deutschland und weltweit wünschen.

Würdige, fromme, streitbare Töchter der Mutter Kirche

Mag sein, daß man in den Gesichtszügen dieser Damen wirklich manches Kennzeichnende liest. Vielleicht so manche sanftmütige Bigotterie, die gerne unter'm Tisch gegen die Schienenbeine anderer zu treten fähig ist, sollte es das "Ringen um die Seele eines Mitmenschen", eines prospektiven Mitchristen notwendig machen, dessen Seele verloren ist, wenn er nicht der heiligen katholischen Kirche angehört.

Natürlich sind diese Mienen auch mit einer Haltung vereinbar dahingehend, daß man nicht jedem auf die Nase binden muß, wie erz-katholisch, Vatikan- und Priester-freundlich und "ritterlich" eingestellt man zu allen Zeiten ist oder sein möchte, auch wenn man "keine Ordenskleidung" trägt (s.u.). Denn dann kann man ja noch viel besser für die verlorenenen Seelen wirken, "für Gott" und für die "Heiden-Mission" im Missionsgebiet Deutschland.

Vielleicht nimmt man sich dabei auch ein Vorbild an dem gegenwärtig "bedeutendsten" "protestantischen" Theologen in Deutschland, nämlich an Klaus Berger (geb. 1940), einem Katholiken, der im Schafspelz des Protestanten in der FAZ und andernorts für die "Unterwerfung" der Protestanten und aller anderen Menschen unter den Papst Werbung machte nach dem Motto: "Unterwerfung tut wohl". So manche der sogenannten "christlichen Tugenden" scheinen das herzugeben ...

"Diese ritterliche Formung des ganzen Menschen"

Auf jeden Fall lassen sich die Komtur-Damen gerne von den Jesuiten zu Tagungen einladen und dabei von ihrem Erzbischof Zollitsch im Glauben anfeuern: "Alles zur höheren Ehre Gottes." (Ritterorden.de, Okt. 2009) (Bild rechts: Neuaufnahme von "Damen" in den Grabes-Orden im Oktober 2009 in Mannheim). Zollitsch:
...Heute gehe es darum, ritterliche Tugenden wieder zu finden. „Diese besondere Formung, eine ritterliche Bildung des ganzen Menschen, treffe ich bei den Damen und Herren der Ritter vom Heiligen Grab immer wieder an. Es ist gut, wenn man Sie nicht nur am Ordenskleid, sondern mehr noch an Ihrer ritterlichen Haltung erkennt.
Auch die Jesuiten sind ja bekannt dafür, daß sie keine Ordenskleidung tragen müssen. Würdevolle Worte für würdevolle Damen. "Unterwerfung tut wohl" ... Den Christen und den Nichtchristen:
"Alles zur höheren Ehre Gottes."
______________________
  1. Antifa A Quadrat (offenbar anonyme Autorengemeinschaft): Patrioten, Pfaffen und Politiker. Das Studienzentrum Weikersheim zwischen Neokonservatismus und Faschismus. Juni 1995. Im Netz auf Nadir.org seit 4.1.2001.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Prinzessin Diana (1961-1997)

Die Bedeutung authentischer Identifikationsfiguren für das Funktionieren von Gesellschaften

Nur weil jemand aussieht wie ein Glamour-Star, muß er deshalb nicht schon auch gleich so geistig, seelisch und emotional hohl und oberflächlich sein, als wie sich die meisten Glamour-Stars heutzutage in aller Regel darstellen oder darstellen lassen. Diesen Umstand müßten sich all jene zunächst einmal klar machen, die Prinzessin Diana allein deshalb weniger der Beachtung wert finden, weil sie ja letztlich "nur" ein Glamour-Star gewesen sei. Aber an einem Fall wie dem der Prinzessin Diana kann man sich die Bedeutung authentischer, allgemeiner Identifikationsfiguren für das emotionale Wohlergehen, für einen emotional ausgeglichen Haushalt auch moderner, hochkomplexer arbeitsteiliger Gesellschaften verdeutlichen. Die Trauer bei ihrem Tod in Großbritannien und weltweit war immens, sie war von einer emotionalen Wucht, wie man sie vielleicht sonst nur vergleichen kann etwa mit dem emotionalen Geschehen während der Öffnung der Berliner Mauer im November 1989.

Aufgrund der Forschungen zur "kin recogintion" zur genetischen Verwandtschaftserkennung innerhalb der Soziobiologie und Evolutionären Anthropologie wissen wir heute viel über die Bedeutung des Erkennens genetischer Verwandtschaft für altruistisches Verhalten unter Menschen, für empathisches Erleben und dergleichen mehr. Durch die Forschung wissen wir auch von der engen genetischen Verwandtschaft zum Bespiel zwischen dem englischen und dem deutschen Volk. Und es ist nicht fernliegend, in dem Länder und Muttersprachen überschreitenden emotionalen Mitgehen beim Tod von Prinzessin Diana - auch in Deutschland - an solche Zusammenhänge zu denken. Schon von ihrer äußeren Erscheinung her war Prinzessin Diana jene Art von Identifikationsfigur, wie sie in vielen Jahrhunderten in der nordeuropäischen Märchenliteratur als am emotional ansprechendsten dargestellt wurde.

Jedenfalls: Auch für uns Deutsche gilt: Die historische Bedeutung des Lebens und des Sterbens der englischen Prinzessin Diana (1961-1997) gültig zu fassen, ist ganz gewiß eine Herausforderung und kann viele Einsichten über unser überpersönliches emotionales Funktionieren vermitteln. Noch heute - 2017 - kann man sich und andere nicht an ihr Lebensschicksal erinnern, ohne an starke Emotionen zu rühren.


Abb. 1: Prinzessin Diana (1995)

Eines ist gewiß: Prinzessin Diana war etwas, was ihr ein fernerer Zuschauer, schon gar einer, der über Glamour-Stars gern automatisch hinwegschaut, gar nicht zutrauen würde. Sie war ein durch und durch politischer Mensch. Denn schon als junges Mädchen mit 19 Jahren, anläßlich ihrer Heirat, war sie sich der Rolle, die eine Prinzessin von Wales in der Welt spielen kann, zumindest in recht deutlichen ersten Ahnungen bewußt gewesen. Und weil sie aus Gründen, die nur allein in ihrer Individualität gesucht werden können, diese Rolle von Anfang so ausgefüllt hat, wie es die Welt als angemessen empfunden hat, wurde sie praktisch "über Nacht" zu einem unglaublichen "Politikum" in der Welt. Dies hat sicherlich - unter anderem - auch sehr viel mit ihrem Wunsch, ihrer Sehnsucht nach einem Leben in einer heilen Welt, in einer heilen Familie und in einer heilen Ehe zu tun. Diese Sehnsucht hat sie authentisch verkörpert und gelebt, repräsentiert, zu ihr stand sie. Und soll von einer Prinzessin mehr erwartet und gewünscht werden?

Die große Anteilnahme am Leben und Sterben von Prinzessin Diana ist einfach ein Hinweis darauf, daß es eine unglaubliche Lüge ist, wenn uns Wissenschaftler und andere Menschen glauben machen wollen, diese Welt wäre nur verstehbar, wenn man sie als eine "entzauberte" verstünde. Es ist das einfach eine unglaubliche Lüge. Lüge deshalb: Weil jeder kann sehen, daß es anders ist. Das Lebensschicksal von Prinzessin Diana zeigt es deutlich genug auf.

Die immense Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach einem heiligen, gelungenen Familienleben

Und sie hat diesen Wunsch, diese Sehnsucht dann mehr und mehr nicht nur wie ein schüchternes Mädchen in sich selbst versteckt - weil sie merkte, daß sie das krank macht - sondern sie hat diese mehr und mehr auch in eigenen Worten nach außen getragen. Und warum hätte sie das nicht tun sollen?

Für wieviele Menschen hat sich der Traum eines erfüllten und dem Leben einen Sinn gebenden Ehe- und Familienleben so wie bei Prinzessin Diana ins Nichts aufgelöst? Und wie selten wird darüber in der Gesellschaft so authentisch gesprochen, wie dies Diana über ihre eigene Erfahrung getan hat? Jener Traum von einem Leben, das - die Natur ist unverwüstlich - viele, insbesondere junge Mädchen haben, und der dann in schwere Enttäuschungen mündet? Warum soll der Trauer und der Sehnsucht dieser Frauen keine Stimme gegeben werden? Wenn es doch möglich ist, darüber authentisch zu sprechen? Und wenn die Wissenschaft doch feststellt, daß das Nicht-Gelingen von Partnerschaften einer der Hauptgründe für die schwerwiegenden Überlebensprobleme fortgeschrittener Gesellschaften darstellt (s. St. gen.)?

- Es gibt sicherlich eine Fülle von Möglichkeiten, sich an das Leben - und insbesondere an die Innenwelt - von Prinzessin Diana heranzutasten. Der nächste Weg dazu wird zunächst immer derjenige in das eigene Innenleben hinein sein. Denn nur das, was man in sich selbst erlebt, kann man auch bei anderen erkennen, erleben - und damit verstehen. An dieser Stelle soll vorläufig auf zwei Möglichkeiten hingewiesen werden. (Siehe auch --> Bücher.)

"Diana - Meine Geschichte" (2002) - ein Spielfilm

Da ist zum einen ein eineinhalbstündiger Spielfilm aus dem Jahr 2002 "Diana - Meine Geschichte" von Regisseur Philip Saville. Dieser Film erzählt die Geschichte von Prinzessin Diana aus der Perspektive des Diana-Biographen Andrew Morton, mit dessen Hilfe - so stellt es zumindest Morton bis heute dar - Diana 1992 durch die sensationelle Buchveröffentlichung "Diana - Ihre wahre Geschichte" erstmals eine größere Öffentlichkeit auf ihre Situation in ihrer Ehe und innerhalb der königlichen Familie aufmerksam gemacht hat. Dieser Film kann gegenwärtig kostenlos im Netz angesehen werden. Er kann auch demjenigen empfohlen werden, der nur Unterhaltung sucht (--> hier).

Bei manchem Zuschauer werden sich nach dem Ansehen weitere Fragen stellen. Sehr viele solcher Fragen werden dann beantwortet in Diana's berühmten BBC-Interview vom November 1995 (Yt. 1, Yt. 4, BBC), das zwei Jahre vor ihrem Tod stattgefunden hat.

In diesem Interview spricht sie über ihre Ehe, über den historisch erstmaligen Fall der Scheidung eines Thronfolger-Paares. Sie spricht über die Unfähigkeit und Unwilligkeit der englischen Königsfamilie, der "Royals", mit einem solchen Fall angemessen, großmütig und großzügig - sprich: schlichtweg "königlich" - umzugehen.

Das BBC-Interview (1995)

Und in demselben Interview spricht Diana gegen Ende auch klar und deutlich - sozusagen "unverhüllt" - über ihr eigenes früheres, gegenwärtiges und künftiges Selbstverständnis. Und auf diesen Teil des Interviews soll hier besonders die Aufmerksamkeit gerichtet werden. Obwohl das Interview auch vollständig sehenswert ist.

Aus dem Interview gewinnt man den Eindruck, daß Prinz Charles und seine Mutter sehr kleingeistige, engherzige Menschen sein müssen. Daß man sich überhaupt in der "königlichen" Familie spätestens in den vielen Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg an eine Kaltherzigkeit und emotionale Unbeteiligtheit gewöhnt haben muß, die wohl nur noch von etwas anderem - ein wenig - übertroffen werden kann. Nämlich davon, daß eine regierende Familie einfach auch physisch ermordet wird. So wie 1791 in Frankreich. So wie 1917 in Rußland. Oder daß man eine regierende Familie durch Krieg zur Abdankung zwingt und durch Rufmord ihre Rückkehr auf den Thron verhindert. So wie 1918 in Deutschland.

Daß aber, man möchte sagen, "königlicher Sinn" - trotz all solcher Ereignisse - in den Herzen der Menschen heute dennoch weiterlebt, daß Sinn für das Königliche, Sinn für Großmut, Sinn für Großherzigkeit, Sinn einfach für eine ganz andere, humanere Seite der Wirklichkeit - das zeigte sich eben in jenem Jahr 1981, als ein zwanzigjähriges, schüchternes Mädchen in ihrer mädchenhaften Verträumtheit trotz allem eben doch - wieder - die ganze riesige Bedeutung der Rolle einer britischen Thronfolgerin und Königin nicht mehr nur nach außen repräsentierte, weil sie so aussah und so gekleidet war, sondern weil sie es auch ihrer inneren, schüchternen Anteilnahme nach war.

Sie war - und blieb es, daran kann kein Zweifel bestehen: ein Bild der Unschuld. Ein Bild großer Verletzlichkeit.

Eine reife Frau

Aber das in einem sehr modernen Sinne, das heißt, die ganze Gefährdetheit von "Unschuld" in dieser Welt, von Verletzlichkeit in dieser Welt war in ihr verkörpert. Aber nicht allein in wehleidiger Weise. Man sieht nie eine jammernde Frau. Man sieht eine Frau, die Schmerz zu ertragen weiß, ihn auszuhalten weiß, ihn zu verarbeiten weiß. Und zwar nicht dadurch, daß sie einfach verdrängt, von sich wegschiebt. Man sieht eine reife Frau.

Eine Frau, die einfach deshalb auch vorbildlich ist. Vor allem ab Minute 5'10 in dem obigen vierten Teil des Interviews werden Fragen ihres eigenen Selbstverständnisses angesprochen. Prinzessin Diana wird gefragt *):

"Welche Rolle sehen Sie für sich selbst in der Zukunft?"

Das heißt: Nach einer gescheiterten Ehe mit Prinz Charles. Und die Worte von Prinzessin Diana sind unverfälscht und - sozusagen - eine Lanzenspitze in die völlig vertrockneten Herzen derer, die sie stoppen möchten, beiseite drängen möchten:

"Ich möchte ein Botschafter für dieses Land sein. Ich möchte dieses Land im Ausland repräsentieren. Wo es schon so viel Medieninteresse für mich gibt"

- über die damit verbundenen Probleme auch für sie selbst war immer wieder ausführlich gesprochen worden, auch zuvor in diesem Interview -,

"wo es schon dieses riesige Medieninteresse gibt - warum nur in diesem Land hier sitzen und sich davon bombardieren lassen? Laßt uns diese Leute mitnehmen ins Ausland, um unser Land und seine guten Qualitäten dort zu repräsentieren. - Wenn ich ins Ausland gehe, kommen 60 bis 90 Fotografen allein aus diesem Land mit mir. Also laßt es uns doch benutzen in einer produktiven Weise, um diesem Land zu helfen."

"Die größte Krankheit unserer Zeit ..."

Ist Prinzessin Diana die erste, die das große Medieninteresse, das sie auf sich zieht, ohne dies ursprünglich so gewollt zu haben, schließlich doch bereit ist anzuerkennen und dazu zu benutzen, ausnahmsweise einmal etwas grundlegend Positives damit zu machen? Und sollte das eine falsche Einstellung sein? Es kommt dann die Frage:

"Warum glauben Sie, daß Sie ein Recht haben, sich als Botschafter zu fühlen? In wessen Auftrag?"

Und man merkt, daß das eine von den Fragen sind, die Prinz Charles oder seine Mutter und so mancher andere politische "Berater" ihr schon gestellt haben müssen. Mit der Erwartung, daß sie darauf keine Antwort haben könne. Aber Prinzessin Diana, dieses schüchterne Mädchen, hat eine Antwort darauf. Eine Antwort, die niemand erwartet hatte:

"Ich bin in einer privilegierten Position seit 15 Jahren. Ich habe sehr viel Wissen über Menschen und wie man kommuniziert. Ich habe das gelernt. Ich besitze es. Und ich möchte es nutzen. Wenn ich auf Menschen im öffentlichen Leben schaue .... Ich bin kein politisches 'Tier'. Aber ich denke, die größte Krankheit, an der diese Welt leidet heute und in diesem Zeitalter, ist die Krankheit, daß sich Menschen ungeliebt fühlen. Und ich weiß, daß ich Liebe geben kann. Sei es nur für eine Minute, für eine halbe Stunde, für einen Tag, für einen Monat. Aber ich kann geben. Und ich bin sehr glücklich, das tun zu können. Und ich möchte das tun."

Hier ist ein Mensch, für den Liebe Leben ist, und der einfach nur leben möchte. Und den Wunsch nach "Leben" zu artikulieren - in ihrer Position: Das ist ein Machtanspruch. Ein Machtanspruch im Namen der Liebe. Auch im Namen ihrer eigenen Kinder. Es ist ein Wille zur Macht - - - aber - wie selten! - um eines Zweckes willen, den nur wenige so glaubwürdig würden aussprechen können, wie ihn Prinzessin Diana aussprechen konnte.

Diana's Hoffnungen für die britische Monarchie

Wer die Unwägbarkeiten der menschlichen Seele nicht kennt, wer die Trauer beim Tod von Prinzessin Diana bei Millionen von Menschen nur für "aufgesetzt" halten und empfinden kann, wer dahinter keine Sehnsucht herausspürt, jene Ahnung, jenes Wissen, daß es einmal auf dieser Erde schöner war, weil Menschen anders waren, und daß es auf ihr auch wieder schöner werden kann, weil sich Menschen und Gesellschaften ändern können - und warum nicht auch einmal zum Besseren hin? - der kann nicht verstehen, der wird es niemals verstehen, warum eine Prinzessin Diana hatte - ermordet werden müssen.

Von jenen Kräften, die versuchen, der Weltgeschichte eine umgekehrte Richtung aufzuzwingen. Ermordet von Kräften, die - höchstwahrscheinlich - mit Prinzessin Diana historisch gesehen nicht die erste Hoffnung von Völkern nach einer besseren Welt ermordet haben. Von Kräften, die nicht wollen, daß Liebe Menschen, ja, ganze Völker seelisch stark und optimistisch und handlungsfähig - statt lethargisch, passiv und lebensunfähig - macht. Zum Spielball in der Hand der korruptesten Kräfte in der Weltgeschichte.

Wer konnte auch nur im Leisesten den Gedanken hegen, eine Prinzessin Diana zu ermorden? Und welche Macht muß man in ihr gesehen haben, wenn man glaubte, daß man sie ermorden - - - "müsse". Wieviel Angst müssen solche Menschen haben vor Liebe - - - ihrer Liebe?


/letzte Überarbeitungen:
7.8.17/

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Noch eine Ergänzung (24.10.09): Zum Beispiel die monotheistisch gefärbte "Templeton Foundation" redet in einem ständigen, allzu deutlich christlich gefärbten - Strom von Schmalz von den guten Eigenschaften des Menschen, die es - nun neuerdings auch durch die Wissenschaft - zu fördern gelte. Sie redet etwa von der Fähigkeit, vergeben zu können und von vielen ähnlichen guten Eigenschaften und Dingen. Das ist einem einfach auf die Dauer zu dick aufgetragen und man ist dann doch mehr oder weniger froh, wenn einer - ebenso falsch natürlich - ständig nur von Egoismus und egoistischen Genen redet.

Da einem aber dieser Schmalz auf die Dauer schlichtweg gar nichts mehr sagt, da man darüber schlichtweg nichts mehr hören möchte, möchte man zu solchen Dingen eigentlich nur noch etwas von dem wenigen sagen, was darüber vielleicht noch zu sagen wäre: Sorgt doch einfach dafür, auch ihr bei der "Templeton Foundation", daß Menschen, die diese, von Euch so sehr gewünschten positiven Eigenschaften an prominenter Stelle glaubwürdig vorleben, nicht ständig ermordet werden oder ihnen gegenüber Rufmord geübt wird. Dann braucht ihr gar nicht mehr darüber reden. Denn dann verstehen sich diese Dinge doch früher oder später ganz von selbst. Lebt es doch einfach vor. Aber hört - bitte, bitte - auf, darüber zu reden, als würdet ihr jene Predigten in der Kirche halten, bei denen jeder anständige Christ gleich zu Anfang einschläft - und das mit allzu viel Recht. (... Und nach dieser Ergänzung bekommt dieser Beitrag auch noch den "Tag" "evolutionäre Ethik".)

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*) Im Original:

BASHIR: What role do you see for yourself in the future?

DIANA: I'd like to be an ambassador for this country. I'd like to represent this country abroad.

As I have all this media interest, let's not just sit in this country and be battered by it. Let's take them, these people, out to represent this country and the good qualities of it abroad.

When I go abroad we've got 60 to 90 photographers, just from this country, coming with me, so let's use it in a productive way, to help this country.

BASHIR: You say you feel that your future is as some form of ambassador. At whose behest is that? On what grounds do you feel that you have the right to think of yourself as an ambassador.

DIANA: I've been in a privileged position for 15 years. I've got tremendous knowledge about people and how to communicate. I've learnt that, I've got it, and I want to use it.

And when I look at people in public life, I'm not a political animal but I think the biggest disease this world suffers from in this day and age is the disease of people feeling unloved, and I know that I can give love for a minute, for half an hour, for a day, for a month, but I can give - I'm very happy to do that and I want to do that.

BASHIR: Do you think that the British people are happy with you in your role?

DIANA: I think the British people need someone in public life to give affection, to make them feel important, to support them, to give them light in their dark tunnels.

I see it as a possibly unique role, and yes, I've had difficulties, as everybody has witnessed over the years, but let's now use the knowledge I've gathered to help other people in distress.

BASHIR: Do you think you can?

DIANA: I know I can, I know I can, yes.

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