Posts mit dem Label Bronzezeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bronzezeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 19. Juli 2018

Eos, die rosenfingrige Göttin der Morgenröte ...

... verehrt von unseren Vorfahren

Ein Gemälde des französischen Rokoko-Malers Honoré Fragonard (1732–1806) (Wiki): Ein duftendes Weib, Verkörperung der Morgenröte, schwebt im Licht, während im Dunkel auf dem Boden noch in letzten Träumen die Verkörperung der Nacht liegt.

Abb.: Honoré Fragonard (1732-1806) - Die Göttin Aurora triumphiert über die Nacht (1755)

Über das gesamte Gemälde ist viel rosiger Duft ausgebreitet. Auch schon Homer beschreibt Eos als anmutige, schön gelockte, rosenarmige und rosenfingerige Gottheit (ῥοδοδάκτυλος Ἠώς rhododaktylos Ēōs) in einem safran-farbigen Kleid (Wiki). Auf die Bezeichnung "rosenfingrig" muß man ja auch erst einmal kommen. Und sicherlich ist das Gemälde von Fragonard von der Dichtung Homers inspiriert.

Aber schon unsere Vorfahren am Beginn der Bronzezeit müssen irgendwie ähnlich empfunden haben wie dieser Rokoko-Künstler und wie Homer. Laut einer neuen Forschungsstudie haben sie Weihgaben für die Sonnen-Gottheit in der freien Natur abgelegt und zwar am liebsten an Orten mit freiem Blick zum Sonnenaufgang, insbesondere am Tag der Sommer- oder der Wintersonnenwende (1).

Sorgfältig ausgewählte Bronze-Gegenstände wurden in der Frühen Bronzezeit in Schottland an auffallenden Orten innerhalb der Landschaft als Weihgaben für die Gottheit niedergelegt. Mehr als die Hälfte dieser Orte hatten direkte Sicht auf den Punkt des Sonnenaufgangs oder Sonnenuntergangs zur Winter- oder Sommersonnenwende. Diese Forschungsergebnisse erinnern daran, daß die Beobachtung von Sonnenauf- und -untergang an markanten Punkten in der Landschaft auch eine Rolle spielt etwa bei der Himmelsscheibe von Nebra (2).

Der Schwerpunkt scheint auf der Wintersonnenwende gelegen zu haben. In einer früheren archäologischen Studie war schon dargelegt worden, daß diese Bronzegegenstände immer an hervorgehobenen Punkten der Landschaft niedergelegt worden waren, an landschaftlich schönen Punkten, auch in Grenzbereichen von Landschaften. Das heißt etwa am Übergang von Ackerland zu Weideland (3). Alles Umstände, die bezeugen, daß unsere Vorfahren in der Bronzezeit Sinn für die Schönheiten der Landschaft hatten. 

Wenn es solche Sitten von Sachsen-Anhalt bis hinauf nach Schottland gegeben hat in der Frühen Bronzezeit, dann wird deutlich, von welcher Sehnsucht nach der Sonne die Menschen dieser Zeit beseelt gewesen sind, welche Verehrung sie ihr zugedacht haben. Es ist dies eine Verehrung, die sich ja auch noch in der "Ilias" von Homer wiederfindet, wenn er etwa Eos, die Göttin der Morgenröte (Wiki). Und in diese Verehrung reiht sich auch der "Sonnenwagen von Trundholm" (4) ein.

Aber diese Sehnsucht gab es in Mitteleuropa schon vor dem Eintreffen der Indogermanen. In zahlreichen Kreisgrabenanlagen wie der von Goseck aus dem Mittelneolithikum kann man am Tag der längsten Nacht beobachten, wie im Südwesttor die Sonne untergeht. Am Morgen danach geht die Sonne im Südosttor wieder auf (Wiki). Vermutlich haben die Indogermanen die Verehrung der Sonne in Mitteleuropa von den Vorgängerkulturen übernommen.
_________________________________________ 
  1. The Placing of Early Bronze Age Metalwork Deposits: New Evidence from Scotland. By Richard Bradley, Chris Green, Aaron Watson. First published: 01 February 2018, Oxford Journal of Archaeology, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/ojoa.12135?campaign=woletoc& 
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Himmelsscheibe_von_Nebra 
  3. Bading, Ingo: Menschen aus der Bronzezeit hatten ein Auge für die Landschaft. 13.2.2018, https://plus.google.com/+IngoBading/posts/LzyU4J9NFgR 
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenwagen_von_Trundholm

Donnerstag, 4. August 2011

Schlacht mit Holzknüppeln in der Ostsee-Region, 1200 v. Ztr.

Vorbemerkung: Dieser von uns vor drei Jahren erstellte Blogbeitrag erhält neue Aktualität durch neue Veröffentlichungen (siehe 1, 2). Insbesondere liegen jetzt offenbar eindeutigere zeitliche Datierungen vor, die auf 1200 v. Ztr. (nicht 1300 v. Ztr.) hinweisen.

Die vielen gefunden Bronzen geben heute schon ein weniger "primitives" Bild als noch vor drei Jahren (Presse, 25.5.11)
 

 




Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet von den germanischen Stämmen seiner Zeit (1. Jhdt. n. Ztr.), daß bei diesen nur die Wohlhabenden über Metallwaffen verfügt hätten, und daß die einfachen Krieger Holzknüppel benutzt hätten. Lange Zeit war der keulenschwingende "Bühnengermane" der Wagner-Opern als eine schwülstige Übertreibung angesehen worden. Ihm waren die "edlen Germanen" gegenüber gestellt worden, die natürlich "niemals" mit Holzkeulen gekämpft hatten. Nun, heute bekommen wir jenes differenzierte Bild, das der Wahrheit am nächsten zu kommen scheint. Sie haben schlicht mit beidem gekämpft: Mit Holzkeulen ebenso wie mit Bronzewaffen!

Mittwoch, 30. Juni 2010

1320 v. Ztr. - Die Schlacht an der Tollense in Mecklenburg

Ein Ortstermin

Vorbemerkung: Dieser Artikel war am 30.6.2010 eingestellt worden. In ihm war deer Ort der Ausgabungen bekannt gemacht worden. Diesen hatten die Archäologen bis dahin geheim gehalten. Deshalb schrieben sie mich an und baten, ihn nicht öffentlich zu machen, um Raubgrabungen zu verhindern. Deshalb habe ich den Artikel damals wieder vom Blog genommen. Heute - am 19.4.2019 - ist der Ort des Schlachtfeldes ja längst öffentlich bekannt (Wiki). Somit kann der Blogartikel sicherlich wieder öffentlich gemacht werden.




Abb 1: Das Dorf Weltzin in Mecklenburg westlich des Tollense-Tales

Über die Ausgrabungen zu einer bronzezeitlichen Schlacht in Mecklenburg an der Tollense, acht Kilometer nördlich der heutigen Stadt Altentreptow bei dem Dorf Weltzin um 1350 oder 1250 v. Ztr. haben wir schon in früheren Beiträgen berichtet (1, 2). 

Abb. 2: Ein Teil des mutmaßlichen bronzezeitlichen Schlachtfeldes östlich von Weltzin an der Tollense - derzeit mit großer Mutterkuh-Herde (eigenes Foto, 2010)

Am Sonntag schaute dieser Blog einmal auf einem Ortstermin dort vorbei. (Und zwar während des Fußballspieles Deutschland gegen England, das mit 4:1 ausging.)

Abb. 3: Die Kirche von Weltzin (eigenes Foto, 2010)

Dorfkinder in dem Dorf Weltzin konnten schließlich Auskunft geben über den Ort der Ausgrabungen und der Tauchgänge.

Abb. 4: Die Dorfstraße von Weltzin (hinter der Biegung rechts geht's, der Lindenstraße folgend zum Schlachtfeld hinunter)

Solche Auskünfte hatte man man bei der Befragung anderer Personen zuvor in den Dörfern nördlich von Altentreptow nicht erhalten können an diesem Sonntag auf diesen abgelegenen Dörfern Mecklenburgs.

Abb. 5: Nördöstlich von Weltzin mit Blick hinüber zum Tollensetal

Eine außergewöhnlich friedliche, sommerliche Landschaft empfängt einen. Bestens geeignet, um dort Urlaub zu machen. Storchennester in den Dörfern, Störche auf den einsamen, friedlichen Wiesen im Tal der landschaftlich unauffälligen Tollense. Das Flüßchen durchfließt gemächlich sanfte, zum Teil bewaldete Anhöhen.

Abb. 6: Weg nordwestlich von Weltzin hinunter zur Tollense

Dörfer mit zum Teil verfallenen Häusern, gerne auch in Ortsmitte. Gerne auch - so in Weltzin - das frühere Hauptlokal des Ortes mit zusammengefallenem Doppeldach. Ein "Schlachtfeld-Bummler-Boom" hat in diesem Dorf ganz eindeutig noch nicht eingesetzt. So verschlafen, wie es sich an diesem Sonntag präsentiert. Schlachtenbummler im Sinne, sagen wir, eines Johann Wolfgang von Goethe (Wiki):
"... Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte  aus und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen ..." 

Abb. 7: Hinunter ins Tollense-Tal nordöstlich von Weltzin (zwischen dem Schilfbewuchs die Tollense)

Wie man Google Earth, Panoramio und Wikipedia entnehmen kann, muß es in diesem Bereich östlich des Dorfes Weltzin in vorgeschichtlicher und geschichtlicher Zeit Furten für Handelswege gegeben haben, die noch in slawischer, bzw. hochmittelalterlicher Zeit durch die östlich der Tollense gelegenen Burgen Conerow (Wiki) und Klempenow (Wiki) geschützt worden sind.

Abb. 8: Offenbar die auf Wikipedia erwähnte Ansammlung von Findlingen am Westufer der Tollense im Bereich des bronzezeitlichen Schlachtfeldes

Die diesbezüglichen Wikipedia-Einträge versichern einen im Nachhinein der Richtigkeit der Angaben der Dorfkinder und erweitern die Kenntnisse zu dieser Schlacht nicht ganz unbedeutend (Wiki):
Etwa 200 Meter flußaufwärts (der Burgruine Conerow) auf dem Westufer der Tollense fand 2009 ein Amateurarchäologe aus Burow ein bronzezeitliches (erste Schätzung 1350 v. Chr.) Schlachtfeld, das ab 2010 ausgegraben werden soll. Bisherige Sondierungsgrabungen brachten Knochen von etwa 80 Toten zu Tage. Ob die auf dem Westufer der Tollense fast gegenüber der Burg liegende Ansammlung von Findlingen auf eine frühe Besiedlung im Megalithikum hindeutet, ist noch nicht erkundet. Etwa 500 Meter südlich im Wodarger Wald, östlich der Tollense, befinden sich zwei Megalithgräber.
Das sind lauter spannende Fragestellungen und Bezüge, denen nachzugehen sein könnte.

Abb. 9: Die in den örtlichen Dörfern aufgestellten Wandertafeln zeigen, daß die Gegend auch sonst ein vorgeschichtlich recht reichhaltiges Gebiet darstellt, etwa mit vielen Anlagen von Megalithgräbern

Weiter heißt es auf Wikipedia:
Nur wenige Kilometer flußabwärts (von der Burg Conerow) befindet sich die Burg Klempenow. Vielleicht waren beide Burgen eine Art Grenzposten, die sich an Furten von damals wichtigen Handelswegen über die Tollense befanden. (...) Das 2009 gefundene bronzezeitliche Schlachtfeld an der Tollense steht möglicherweise in Zusammenhang mit einer solchen Furt.
Abb. 10: Die Tollense im Bereich des mutmaßlichen bronzezeitlichen Schlachtfeldes

Aus einem anderen Bericht aus dem Jahr 2009 erfährt man:
Die Funde erstrecken sich mehr als vier Kilometer entlang des Flußlaufes der kleinen Tollense in 1 m Tiefe. Taucher fanden im letzten Sommer auch am Grund der Tollense menschliche Überreste, die durch die Strömung freigespült wurden. Naturwissenschaftliche Datierungsverfahren ergaben, daß die Überreste entlang der Tollense alle gleich alt sind. Im Jahre 1320 v. Chr. muß dieses Ereignis stattgefunden haben, also in der Bronzezeit.
Wenn man es recht sieht, liegt ein Teil des vorgeschichtlichen Schlachtfeldes derzeit im Bereich der großräumigen Weide mit einer Mutterkuh-Herde, deren Elektrozaun dem vorgeschichtlich Interessierten ziemlich heftige Elektrostöße versetzen kann. Außerdem wird auf Tafeln vor dem Bullen gewarnt, der der Herrscher dieser Mutterkuh-Herde ist: "Lebensgefährlich".

Abb. 11: Elektrozaun und Warnung vor dem Bullen ("Lebensgefährlich"), im Hintergrund unten die Tollense

Über die freie Weide zu gehen, war dem Autor dieser Zeilen angesichts dieser Warnungen nicht ganz geheuer.

Abb. 12: Das weidende Vieh trinkt aus der Tollense und tritt dabei die westliche Uferböschung herab

Einer ihn dennoch überraschenden Begegnung mit diesem Bullen (- oder gibt es deren mehrere?), der sehr ruhig und gelassen wirkte (- aber was will das heißen?), konnte er sich durch vorsichtiges Umgehen durch - möglicherweise - schützenden Niederwald entziehen ....

Abb. 13: An solchartigem Flußufer werden wohl die ersten archäologischen Funde gemacht worden sein


Das alles wirkt jedenfalls derzeit touristisch noch wenig einladend. Aber vielleicht ist das auch gut zu dem Zweck, etwaige Raubgräber abzuschrecken.

Abb. 14: Blick über das mutmaßliche Schlachtfeld nach Norden (Tollense am rechten Bildrand)

Von den auf Abb. 16 gezeigten Hügeln könnte das von Westen kommende (Völkerwanderungs-?) Heer herab in die Schlacht gezogen sein. Von ihnen aus könnte die Schlacht auch beobachtet oder befehligt worden sein, entweder von den Verteidigern oder den Angreifern.
 

Abb. 15: Nochmals Blick über das mutmaßliche Schlachtfeld nach Norden (Tollense am rechten Bildrand)

Man könnte sich auch denken, daß Frauen und Kinder, sowie Viehherden im Schutz dieser Hügel, bzw. in der Gegend des heutigen Dorfes Weltzin zunächst zurückbehalten worden waren, um diese nach gewonnener Schlacht über die freigekämpfte Furt nachziehen zu können.

Abb. 16: Blick vom Tollensetal nach (Süd-)Westen

Man muß diesbezüglich einfach die weiteren Forschungen abwarten.

/ Anmerkung: Es sind seither immer einmal wieder Artikel zum Thema hier auf dem Blog erschienen, unter den Stichworten: Bronzezeit, Schlachtfeldarchäologie oder Tollense. /
___________________________________
  1. Bading, Ingo: 1.250 v. Ztr. - Die Schlacht von Altentreptow. Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!, 8.10.2008, http://studgenpol.blogspot.com/2008/10/1300-v-ztr-die-schlacht-von.html
  2. Bading, Ingo: Schlacht mit Holzknüppeln in der Ostsee-Region, 1250 v. Ztr.. Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!, 13.10.2008, http://studgenpol.blogspot.com/2008/10/schlacht-mit-holzknppeln-in-der-ostsee.html
  3. Jantzen, Christine / Jantzen, Detlef / Terberger, Thomas: Der Fundplatz Weltzin, Lkr. Demmin - Ein Zeugnis bronzezeitlicher Konflikte? In: Archäologie und Geschichte im Ostseeraum. Traumatologische und pathologische Veränderungen an prähistorischen und historischen Skelettresten - Diagnose, Ursachen und Kontext. Interdisziplinärer Workshop in Rostock-Warnemünde, 17.-18. November 2006 (89-97), http://www.vml.de/d/inhalt.php?ISBN=978-3-89646-463-7

Mittwoch, 8. Oktober 2008

1.200 v. Ztr. - Die Schlacht von Altentreptow

Was? Sie kennen die Mecklenburgische Seenplatte noch nicht? Ist das möglich? Ja? - Nun gut, dem Verfasser dieser Zeilen geht es genauso. Doch lassen Sie sich ein wenig entführen in diese abgelegene, wenig bekannte Gegend Deutschlands. Am Ende werden wir etwas Spannendes dort entdecken. Wir wollen auch gar nicht in das Zentrum der Mecklenburgischen Seenplatte. Das ist uns zu überlaufen, sondern wir fahren an ihre nordöstliche Ecke, an den Tollensee bei Neubrandenburg:

Und hier setzen wir uns ins Kanu, bzw. Paddelboot und paddeln ...

... auf dem ruhig nach Norden dahinfließenden kleinen, nicht motorisierten Flüßchen Tollense ...

... vorbei an Kuhweiden und Ufergebüsch ebenfalls mit der Strömung langsam Richtung Norden.

Nach etwa 15 Kilometer kommen wir in die Nähe des malerischen, mittelalterlichen Städtchens Altentreptow (siehe Foto links).

In der Nähe dieses Städtchens sollte man sich in der Flußniederung ein wenig genauer umschauen. Denn nach neuesten archäologischen Entdeckungen soll hier um sage und schreibe 1300 v. Ztr. eine Schlacht stattgefunden haben. Es würde sich dabei um die Entdeckung eines ersten europäischen spätbronzezeitlichen Schlachtfeldes handeln (Uni Greifswald, Welt):
In den letzten Jahren kamen in einem Flusstal in der Nähe von Altentreptow wiederholt menschliche Skelettreste zutage. Seit 1996 wurden auch menschliche Überreste mit Verletzungsspuren sowie Waffenreste entdeckt. Naturwissenschaftliche Datierungsverfahren bestätigen jetzt, dass die menschlichen Überreste ca. 3300 Jahre alt sind und in die Bronzezeit datieren. Die Gesamtsituation legt den Schluss nahe, dass hier erstmals ein Schlachtfeld aus dieser Epoche entdeckt wurde.
Übermorgen wird auf einer Pressekonferenz
eine von Jürgen Piek und Thomas Terberger herausgegebene Veröffentlichung präsentiert, in der auch erstmals über erste Ergebnisse zu diesem Fundplatz berichtet wird. Körperreste aus der Bronzezeit seien äußerst selten, da die Toten in der Erde bestattet wurden, sagte Archäologe Detlef Jantzen. Die besonderen Lagerungsbedingungen in dem Flusstal seien ein „Glücksfall“ für die Archäologie. Die Knochen hätten unter Luftabschluss die Jahrtausende überdauern können.
Wo liegt das noch mal genau? Schauen wir nach bei Google Earth:

Daß es in der Spätbronzezeit Handels- und Kulturkontakte zwischen dem Nord- und Ostseeraum und dem Mittelmeer-Raum gegeben hat, ist auf "Studium generale" schon häufiger erwähnt und behandelt worden (siehe etwa Schlagwort "Bronzezeit"). Doch das ist nun eine Nachricht von einer völlig neuen Kategorie

Fortsetzung folgt ---> hier.

Dienstag, 16. September 2008

Handels- und Diplomaten-Schiff, 1330 v. Ztr.

Auf einer Rundreise im östlichen Mittelmeer - mit Hausmaus an Bord

Im Mai war "Studium generale" kurzzeitig mit der Chronologie der Ausbreitung der Hausmaus von Süd- nach Nordeuropa befaßt. (Stud. gen. 1, 2) Diesbezüglich gibt es noch keine letztendlich sicheren Erkenntnisse. Es konnte also noch keine endgültige Klärung der Frage erreicht werden, ob schon die Trichterbecherkultur an der Ostsee (3.000 v. Ztr.) die Hausmaus kannte oder ob sich die Hausmaus erst in der Eisenzeit mit den Kelten und Römern nach Mittel- und Nordeuropa ausbreitete. In einem spätbronzezeitlichen Schiffswrack (um 1330 v. Ztr.), gefunden 1982 an der heutigen südtürkischen Küste, fanden sich, wie jüngst veröffentlicht wurde (Tagesanzeiger.ch, Originalartikel), auch Knochen der syrischen Hausmaus. Da aus diesem Zeitraum wenige sichere Hausmausfunde bekannt sind, könnten aus dieser Tatsache vielleicht noch mancherlei Implikationen abgeleitet werden. (Dazu vielleicht später noch einmal.)

Aber dieses "Schiff von Uluburun" (Wikipedia), von dem noch nicht jeder Leser schon einmal etwas gehört haben wird (so auch nicht der Verfasser dieser Zeilen), ist offenbar auch sonst ein unglaublich spannendes Thema. Es ist reich beladen gewesen und gewährt einen vielfältigen, lebendigen Eindruck von dem Wohlstand und den dichten Handelsverbindungen der spätbronzeitlichen Stadt- und Adels-Gesellschaften im Mittelmeerraum.

Diese Gesellschaften waren das hethitische Reich mit seinen ahlreichen Stadtstaaten, besonders an der (heutigen türkischen) Küste (- etwa Troja). Dazu gehörte natürlich das ägyptische Reich, dessen politischer Einfluß sich bis zu den zahlreichen Stadtstaaten an der levantinischen Küste erstreckte ("Phönizien"). Dazu gehörte das assyrische Reich, die mykenischen Stadtstaaten in Griechenland, die minoischen Stadtstaaten auf Kulturen auf Zypern und Kreta. - Man mache sich auch bewußt, daß dies eine Zeit ist, lange bevor in Jerusalem etwa im 5. Jhdt. v. Ztr. - vielleicht während einer Belagerung durch die Assyrer - die heutige jüdische, biblische Religion entstanden ist.

Spätbronzezeitliche Kultur im Mittelmeerraum

Dieses Schiff ist aber nur wenige Jahrhunderte vor jenen Ereignissen gesunken, die dazu führten, daß die Mykener (Griechen) Troja am Rande des hethitischen Reiches belagerten. Raub der Helena - man erinnert sich vielleicht. Sie könnte auch mit eben einem solchen Schiff geraubt worden sein. - Neben Waffen aus dem gesamten genannten östlichen Mittelmeerraum fanden sich in diesem Schiffswrack auch bisher archäologisch nicht belegte, in der "Ilias" aber erwähnte, aufklappbare Holztafeln ("Bücher"). Auf Wikipedia heißt es allgemein zu diesem Schiffswrack:
Das Schiff von Uluburun war offenbar ein Handelsschiff auf einer Rundroute im östlichen Mittelmeer und gilt somit als Nachweis einer regen Handelstätigkeit im Gebiet. Die Route selbst ist nicht restlos geklärt, da das Schiff Waren aus allen bekannten Gegenden der Zeit beherbergte. Es wird allerdings vermutet, dass es aus dem östlichen Mittelmeerbereich Levante, via Zypern unterwegs in die Ägäis war. Die Öllampen des Schiffes waren eindeutig levantinisch und deuten somit auf die phönikischen Städte hin. Die Waffenfunde auf dem Schiff deuten auf die Mitreise zweier mykenischer Personen höheren Ranges, möglicherweise Abgesandte oder Diplomaten eines mykenischen Palastes zur Begleitung und Bewachung der Ladung.
Zur Bedeutung des Schiffsfundes allgemein heißt es:
Die gefundene Vielfalt an Objekten der unterschiedlichsten Herkunft ist für diese Zeit einmalig. Bisher war die Wissenschaft auf schriftliche und bildliche Überlieferungen angewiesen, um das damalige Wirtschaftssystem und den Handel der späten Bronzezeit zu rekonstruieren. Nun ist bewiesen, dass alle damaligen Staatsgebilde des östlichen Mittelmeerraums (und auch einige darüber hinaus) an diesem Handel teilnahmen. Es existierte ein weit gespanntes Handelsnetz, das sogar so entfernte Regionen wie die Ostsee mit einbezog. Funde aus dem östlichen Mittelmeerraum, wie z. B. die Ochsenhautbarren, fanden sich andererseits auch in Süddeutschland und Südfrankreich.
(Hervorhebungen nicht im Original.) Falls die Atlantikroute schon damals befahren worden sein sollte, wäre es merkwürdig, wenn auf dieser nicht spätestens damals schon die Hausmaus nach Nordeuropa gelangt wäre. Aber vielleicht konnte sie damals in Nordeuropa sich infolge zu weniger großer, zusammenhängender, städtischer Siedlungen noch nicht dauerhaft halten und ausbreiten.

Auf die spätbronzezeitlichen Handels- und Kulturkontakte zwischen dem Mittelmeer, sowie dem mittel- und nordeuropäischen Raum wurde auf "Studium generale" schon an früherer Stelle verwiesen. (Stud. gen.) Dieses Schiffswrack ist offenbar ein neuerlicher, recht guter Beleg dafür.

In Bochum gab es übrigens 2006 zu diesem Schiffsfund eine Ausstellung, siehe Uluburun.de - mit vielen Bildern.

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Follower

Social Bookmarking

Bookmark and Share