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Freitag, 22. Mai 2020

Die teleologische Struktur unseres Universums

Versuche zu ihrer philosophischen Deutung
- unter Einschluß religions- und kulturwissenschaftlicher Perspektiven -

Richard David Precht oder Harald Lesch - sie sind Mode-Philosophen, bzw. Mode-Naturwissenschaftler, die schon seit Jahrzehnten immer einmal wieder auch über das Verhältnis zwischen Philosophie und Naturwissenschaft, bzw. über das Verhältnis zwischen Religion und Naturwissenschaft nachdenken, sprechen und schreiben. Aber von diesen Popularisierern des Standes des modernen wissenschaftlichen Weltzugangs und moderner, wissenschaftsnaher menschlicher Besinnung ist - unseres Wissens nach - noch niemals etwas von dem gesagt worden, was in den ersten 30 Minuten des hier eingestellten Videos (1) enthalten ist.



Dieses Video wurde auf Youtube veröffentlicht im April 2019, es ist im Dezember 2018 in Stuttgart entstanden. In diesen ersten 30 Minuten sind quasi die Grundzüge des modernsten weltanschaulichen Entwurfs, der dem Blogautor in den letzten Jahrzehnten aus der Universitätswissenschaft heraus bekannt geworden ist, aufgezeigt, und zwar in einer Dichte wie es einem innerhalb der Universitätswissenschaft noch nie begegnet ist. Gemeint ist damit ein weltanschaulicher Entwurf, der einerseits so etwas wie eine Weltseele, etwas Göttliches, eine Innenseite aller materiellen Erscheinungswelt in diesem Universum als existierend voraussetzt und als konstitutiv mit in die Gesamtargumentation einbezieht, und der dabei dennoch und zugleich auch alles Wissen aus der Naturwissenschaft in vollstem Maße anerkennt, zu würdigen weiß und mit einbezieht. Ein Entwurf also, der den Jahrhunderte langen unseligen Zwiespalt zwischen Wissen und Glauben, zwischen Wissenschaft und Gottglaube vollständig zu überwinden in der Lage zu sein scheint und der eine neue "höhere" Einheit zwischen beiden formuliert.

Können moderne Gesellschaften nicht aus dieser neuen, "höheren" Einheit Synergie-Effekte für sich mitnehmen, so fragt man sich unmittelbar beim Anhören dieser halben Stunde.  

Denn es ist schon erstaunlich, wie locker und selbstverständlich und ruhig und gelassen hier so außerordentlich grundlegende Gedanken in die Diskussion plätschern. Im ersten Augenblick fragt man sich: Wo ist man denn hier hingeraten? Was ist denn hier eigentlich los? Das ist gewiß zweierlei nicht: Weder ist es mittelmäßig seichtes bis mittelmäßig anspruchsvolles Talkshow-Geschwätz, noch auch trockenes akademisches Gerede. Nein, es ist ein Drittes. Aufgrund der ersten Überraschung und Konsternierung hatten wir in einem ersten Schritt im März 2020 auf dieses Video erst einmal eigentlich nur - mehr oder weniger hilflos - hingewiesen (GA-j!). Inzwischen ist uns bewußt geworden: Die hier erörterten Gedanken sind so grundlegend und so dicht, daß es notwendig ist, sie zu verschriftlichen, um sich noch besser mit ihnen auseinander setzen zu können, um sich noch besser mit ihnen konfrontieren zu können. Und genau diese Verschriftlichung wird im vorliegenden Blogbeitrag gegeben.

Dazu fügen wir gelegentlich / zwischen Schrägstrichen / einige wenige eigene Gedanken und Erläuterungen ein. Im Wesentlichen aber sollen die Ausführungen dieser Diskussion für sich stehen. Rein von der Sache her werden hier gedankliche Ansätze weiter verfolgt, die gelegentlich auch schon einmal in den 1990er Jahren im geistigen Diskurs aufgetaucht waren (Beispiel: 2, 3).

Der Diskussion, die in diesem Video enthalten ist, muß am Vormittag schon eine erste Runde vorausgegangen sein, die nicht in Videoform verfügbar zu sein scheint, deren Kenntnis aber auch gar nicht notwendig zu sein scheint, um dieser zweiten Runde gedanklich folgen zu können. Jedenfalls geht es gleich zu Anfang "in medias res", mit einem Kopfsprung mitten in das Thema hinein. Die Diskutanten - vier Universitätsprofessoren, und zwar zwei der Theoretischen Physik (Hüfner und Bartmann, links) und zwei der Universitäts-Philosophie (Halfwassen und Tetens, rechts) müssen zunächst einmal nicht näher vorgestellt werden. Sie sind einfach Repräsentanten ihrer Fachbereiche und eines Bewußtseinsstandes, der sich in ihnen gegenwärtig entwickelt. Viel zentraler ist das Gespräch selbst.

Es ist sinnvoll, wenn man Vorwissen mitbringt über Argumentationsstrukturen rund um das Anthropische Prinzip (Wiki) der modernen Astrophysik, sowie rund um eine etwaig daraus abzuleitende Teleologie (Wiki), also rund um eine etwaige Zielgerichtetheit der großen Entwicklungstendenzen in unserem Kosmos und auf unserer Erde. Am Ende der Verschriftlichung geben wir dazu auch noch einmal einige wenige Erläuterungen (siehe unten). Nun die Verschriftlichung.

Verschriftlichung der ersten 30 Minuten dieses Videos

Halfwassen:

Ich hätte einen Punkt, der knüpft bei Herrn Tetens an, sowohl bei der teleologischen Struktur der Gesamtentwicklung und bei dem Anthropischen Prinzip. Da hatten wir ja heute Morgen in der ersten Runde schon gehört: Uns gibt es weniger als 13 Milliarden Jahre. Also wenn das Universum nur sinnvoll ist für uns als Veranstaltung für intelligente Beobachter - muß das so lange warten? Oder gäbe es die Möglichkeit einer anderen Deutung? Da will ich noch einmal auf die Singularität zurück kommen. Wenn ich das richtig verstanden habe mit der Singularität, dann ist die Singularität die punktförmige Zusammenfassung der gesamten Energie und der gesamten Masse des Universums, die dann im Urknall auseinander geht und sich entwickelt. Wenn man nun diese Gesamtentwicklung im Sinne von Herrn Tetens als eine teleologische begreifen will, wäre es dann nicht sinnvoll, die Singularität noch einen Schritt weiter zu interpretieren und zu sagen: Das ist nicht nur die Zusammenfassung der gesamten Energie und der gesamten Masse des Universums. Denn das Universum besteht ja nicht nur aus Energie und Masse, sondern auch, vielleicht sogar vor allem aus Information, es ist auch die Zusammenfassung der gesamten Information. ... In Bezug auf das Universum in seiner Entwicklung eine ähnliche Rolle spielen wie der Samen in Bezug auf ein Lebewesen, nicht, wir kennen das, im Samen ist die gesamte genetische Information ... schon vorhanden. Und das steuert dann die Entwicklung eines Lebewesens im Sinne eines teleologischen Prozesses. Wäre das sozusagen ein Diskussionsangebot, um die Teleologie da einbauen zu können? Und dann will ich gerne noch einen Schritt weiter gehen: Also wenn man das so faßt, das Verhältnis von Singularität ... Prozeß als Verhältnis von Samen und Lebewesen: Lebewesen haben ja eine Innenseite, die wir in der Philosophie traditionell Seele nennen. Wäre dann die alte platonische Idee einer Weltseele nicht auch eine vernünftige Idee? Dann braucht das Universum nicht darauf zu warten, daß .... Sie haben ja darauf hingewiesen, wir wissen gar nicht, sind wir die einzigen denkenden Lebewesen im Universum, höchstwahrscheinlich nicht, gibt es nur unsere Form von Intelligenz, gibt es nicht auch andere Formen von Intelligenz im Universum? Aber die Weltseele ist ja mit der Annahme verbunden: in die Struktur des Universums ist so etwas wie seelische Innenseite, Bewußtsein von Anfang an .... 

Bartmann: 
Na gut, dann lassen wir uns einmal darauf ein. Ich muß gestehen, ich habe Schwierigkeiten mit dem teleologischen Ansatz. .... Wenn man von einer Weltseele sprechen will, dann würde ich die im physikalischen Sinne am ehesten in dieser Information suchen. Dann ist die Frage: Wie ist die Dynamik dieser Information, wie entwickelt sich diese Information weiter? Ein weiterer Aspekt, den Sie angesprochen haben - damit habe ich wirklich große Schwierigkeiten: Ob die Entwicklung des Universums auf uns zielt, ob wir der teleologische Gegenstand der Entwicklung des Universums sind. (...) Ich habe enorme Schwierigkeiten mit diesem Gedanken, weil ich davon ausgehen muß, daß es hunderte von Milliarden von weiteren intelligenten Zivilisationen im Universum gibt. Und welche soll denn dann für sich beanspruchen, daß sie sozusagen das teleologische Ziel ist.
/ Man darf es als in höchstem Maße interessant finden, daß der Theoretische Physiker hier gar keinen gar zu grundlegenden Einwand mehr dagegen macht, daß es eine Zielgerichtetheit der Kosmologie gibt oder geben könnte. Denn jenes Argument, jenes Bedenken, das er an dieser Stelle gerade dagegen vorbringt, wird ja dann auch schnell und leicht von Halfwassen als gegenstandslos aufgezeigt. Und insofern fragt sich: Wenn Bartmann als erstes kein besseres Argument gegen diesen Gedanken vorbringt, welche Gründe gäbe es dann noch, zu glauben, man müsse "enorme Schwierigkeiten" mit ihm haben? Liegen diese "enormen Schwierigkeiten" in der Sache selbst begründet oder in der heutigen vorherrschenden seelischen Haltung diesen Dingen gegenüber, eine Haltung, die sich über mehrere Generationen hinweg insbesondere in Naturwissenschaftlern "verfestigt" hat? /

Halfwassen:
Das braucht man gar nicht. Also im Sinne von Tetens würde man sagen: Für die teleologische Struktur des Universums reicht es, daß es einen intelligenten Erkenner des Universums gibt. Ob wir das sind, ob das eine Weltseele ist, ob das andere Intelligenzen als unsere sind, wäre eine nachrangige Frage. 

Hüfner:
Warum braucht man überhaupt - warum braucht das Universum einen intelligenten Erkenner?

Halfwassen:
Weil es ... Also wenn es erkennbar ist, ist es auf Erkennbarkeit angelegt. Und dann ist es ohne Erkennenden unvollständig. 

Hüfner:
Wie kommen Sie da drauf? Meinen Sie, das Universum hat auf uns gewartet? Oder auf einen solchen ...?

Halfwassen:
Also zur Struktur des Universums, wenn es ein vernünftiges ist, gehört dazu, daß es in dem Universum denkende Wesen gibt. Sonst wäre nicht erkennbar, wieso das Universum für uns überhaupt erkennbar ist.

Hüfner:
Nicht für uns - aber braucht das Universum denn jemand, der die Vernünftigkeit, das heißt, die Naturgesetze erkennt?

Halfwassen:
Eine Vernünftigkeit, die keiner erkennt, ist keine Vernünftigkeit.
/ Auf den ersten Blick ein starker Satz. Ist dem so? Warum soll nicht Rationalität in der Welt sein, ohne daß diese Rationalität dann auch wahrgenommen wird? /

Hüfner:
Was ist denn für Sie Vernünftigkeit?

Halfwassen:
Zur Vernünftigkeit gehört natürlich gesetzmäßige Ordnung dazu, das ist klar. Aber zur Vernünftigkeit gehört auch Selbstbewußtsein, Selbstbeziehung dazu. Also zur Vernunft gehört eben dazu, daß die Vernunft im Erkennen objektiver Ordnungen zugleich sich selbst erkennt. So daß dieses Ganze aus erkennender Vernunft und erkannter Ordnung als eine Form der Selbsterkenntnis dieses Ganzen interpretiert werden kann.
/ Es deutet sich an, vor was für einer riesen großen philosophischen Tradition Halfwassen - als Kenner der platonischen Philosophie - hier argumentiert. Insgesamt wird wohl zu sagen sein, daß Halfwassen einen philosophischen Ansatz vertritt, der in dieser Form in keiner Weise mit irgendeiner Art von Zustimmungspflichtigkeit im Sinne der Naturwissenschaft einhergeht. Er darf sehr wohl innerphilosophische Widerspruchslosigkeit, Stimmigkeit für sich in Anspruch nehmen, sogar Plausibilität angesichts der durch die Naturwissenschaft gegebenen Datenlage (also insbesondere der durch das Anthropische Prinzip gegebenen Datenlage). Es handelt sich aber klar um eine philosophische Deutung der naturwissenschaftlich erforschten Datenlage. Insofern hat natürlich die wiederholte Nachfrage des Professors Hüfner in vollkommenem Maße ihre Berechtigung. Von Seiten der Naturwissenschaft darf so gefragt werden, ganz unbezweifelt. Und es ist gut, daß so gefragt wird. Andererseits darf aber auch gesagt werden, daß diese philosophische Deutung eine außerordentlich behutsame und sparsame ist. (Wie überhaupt alle Diskutanten sehr behutsam miteinander umgehen, auch sehr bezeichnend.) Mit dieser Deutung geht höchstens ein Mindestmaß von logischer Willkür einher. Im Gegenteil: Fast möchte man sagen, daß eine philosophische Deutung des Universums, die intelligente Erkenner innerhalb dieses Universums nicht mit in die Deutung mit einbezieht, eben tatsächlich "unvollständig" wäre. Denn tatsächlich haben wir ja ein Weltall, in dem intelligente Erkenner leben. Und insofern ist die philosophische Deutung von Halfwasser sicherlich die vollständigste, die bei der gegenwärtigen Datenlage möglich ist. /

Bartmann:
Darf ich mal - wie heißt es - eine "steile These" dazwischen legen? Wir stellen ja gewissermaßen einen Gegensatz her zwischen dem Universum und uns. Was wäre, wenn es diesen Gegensatz gar nicht gibt? Und wenn wir sozusagen die logische Fortsetzung einer Entwicklung des Universums sind hin zu einem immer strukturierteren Zustand? Wir hatten während der Kaffeepause heute vormittag schon über folgendes geredet: Es gab in Heidelberg einen Kollegen, Karl-Heinz Meyer, der mit Hilfe von Schaltkreisen, also integrierten Chips kleine, neuronale Netzwerke nachgebaut hat. Er ist kürzlich verstorben, seine Arbeit wird natürlich fortgesetzt. Seine Schaltkreise sind darauf angelegt, daß das Verhalten von Neuronen wie wir es kennen, naturgetreu nachahmen. Dann bilden Sie daraus ein Netzwerk und setzen dieses Netzwerk äußeren Reizen aus. Sie können sogar dafür sorgen, daß dieses Netzwerk Tischtennis spielen lernt oder Zahlen zu erkennen lernt. Und dann koppeln Sie dieses Netzwerk ab von äußeren Reizen und Sie stellen fest, es fängt an zu träumen. 

Halfwassen:
Ach! Aha.

Bartmann:
Das heißt, es verarbeitet Informationen weiter, die es vorher aufgenommen hat. Und wenn Sie es zu lange abkoppeln von diesen äußeren Reizen, dann ... sich das. Aber es legt immerhin die Vermutung nahe, daß Bewußtsein etwas sein könnte, das in hinreichend komplizierten Netzwerken entsteht, wenn man sie nur genügend äußeren Reizen aussetzt. Und dann könnte man spekulieren zumindest, ob nicht unsere Existenz und die Existenz von intelligentem Leben eine Fortsetzung (der Entwicklung) des Universums hin zu immer komplexeren Systemen sein könnte und dann würde tatsächlich das Universum die Existenz erkennender Intelligenz in seiner Entwicklung voraussetzen.  Das wäre sozusagen eine inhärente Erklärung, warum das Universum seine eigene Erkenntnis mitproduziert.
/ Natürlich ist diese These schon allein deshalb "steil", weil ein Physiker (!!!), also: ein Physiker offenbar erst künstliche neuronale Netzwerke braucht, um "zu spekulieren" (!!!), daß "die Existenz von intelligentem Leben eine Fortsetzung des Universums hin zu immer komplexeren Systemen sein könnte". Daß er als Physiker, um dieser Spekulation nachzugehen, natürlich eigentlich nur hinüber in die Fakultät der Biologie gehen müßte, um sich davon zu überzeugen, daß diese Spekulation nicht gar zu spekulativ ist, und daß diese "steile These" nicht gar zu "steil" ist, auf diesen "kühnen" Gedanken scheint dieser eingefleischte Physiker im ersten gedanklichen Schritt scheinbar gar nicht zu kommen. Aber sei es drum! Dennoch ein schönes Argument, das er hier vorbringt. Insbesondere auch wegen der Träume, die sogar künstliche Intelligenz hervorzubringen scheint, also wiederum eine recht ausgesprochene Art von "Innenseite", die auch unabhängig von äußeren Reizen stattfindet. Jedenfalls: Was Bartmann hier "steil" und "spekulativ" nennt, ist schlicht das, was von der Biologie und Evolutionsforschung immer gründlicher erforscht worden ist in den letzten hundert Jahren und immer weiter erforscht wird. Von "Spekulation" und "steiler These" kann hier wahrlich - von der Sache selbst her gesehen - nicht die Rede sein. Aber offenbar macht die psychische Verfaßtheit mancher Naturwissenschaftler diese "Distanzierung" noch notwendig. /

Tetens:
Naja, noch mal zu Ihrer Frage (Herr Hüfner) zurück. Muß das Universum überhaupt auf uns hin angelegt sein?  Kann man sich ein Universum vorstellen, in dem gar keine Beobachter auftreten? Natürlich kann man sich das vorstellen. Und natürlich kann man auch sagen: Dieses Universum, in dem zwar Beobachter im Laufe des Universums aufgetreten sind, nämlich mindestens wir, ist jedenfalls kein Universum, das darauf angelegt war, sondern wir sind mehr oder weniger das Ergebnis eines unglaublichen Zufalls. Dieser Überzeugung kann man selbstverständlich sein. Man kann die Welt dann so im Lichte dieser Annahme interpretieren. Aber dann haben wir diese Situation, daß der Schöpfungsglaube - und darüber reden wir ja, über das Verhältnis von Schöpfungsglaube und naturwissenschaftlicher Beschreibung des Universums - dann steht der eben unverbunden daneben, wenn man nämlich einerseits sagt: Ja, von einem naturwissenschaftlichen Standpunkt sind wir reine Zufallsprodukte, von einem naturwissenschaftlichen Standpunkt ist das Universum nicht auf uns zugeschnitten und auf uns hin angelegt. Und dann müssen wir sagen, also ok, die Menschheit ist eine, sowohl individuell, jeder einzelne Mensch, als auch die Gattung Menschheit, ist eine vorübergehende Erscheinung im Universum nach allem, was wir über dieses Universum wissen. Wir werden eines Tages verschwunden sein aller Wahrscheinlichkeit nach. Ob es dann andere Beobachter gibt, andere Zivilisationen in diesem Universum an anderen Orten, das haben wir vielleicht bis dahin geklärt oder auch nicht geklärt, wir wissen das nicht, wir wissen ja nicht, wir können ja kein Wissen vorher sagen. Und das ist denkbar und dann hat jedenfalls der Glaube den Status einer damit unverbunden Überzeugung, naja, und Hoffnung, daß es doch gut mit uns ausgeht. Ich greife noch einmal die Formulierung von Huber auf, weil mir die passend zu sein scheint. Der Schöpfungsglaube ist vor allem der Glaube, daß dieses Universum ein Ziel hat, daß es auf etwas angelegt ist, nämlich auf etwas Gutes, bei Polkinghorne heißt es, also, angelegt ist von einem Wesen, das Verehrung verdient, und das der Grund - wie er es formuliert - unserer Hoffnung ist. Und dann müßte man sagen, ok, die beiden Perspektiven - das sind zwei unterschiedliche Perspektiven, die kann man beide einnehmen, die sind völlig legitim und die sind aber unverbunden. Und ich finde das jedenfalls nicht besonders befriedigend. Und deshalb kann man sich ja einfach fragen: Ist es völlig unvernünftig, den in der Tat sehr optimistischen, in der Tat sehr kühnen Gedanken zu fassen, das Universum könnte auf uns und auf Erkennbarkeit, insbesondere auf Erkennbarkeit angelegt sein. 

Hüfner:
Wie zentral ist eigentlich der Schöpfungsglaube in der Religion? Ich habe mir überlegt: Wenn Sie etwa in die Bibel gucken, da gibt es zwei, drei Stellen, von sechshundert Seiten gibt es zwei, drei, wo über die Schöpfung gesprochen wird. Sonst wird über ganz andere Sachen, viel weltlichere Sachen gesprochen. Und ist wirklich der Schöpfungsglaube eine zentrale, eine "conditio sine qua non" für die Religion (gemeint also: ist er wirklich eine so zentrale Voraussetzung, ohne die Religion gar nicht möglich wäre)?

Halfwassen:
Das hängt von der Religion ab. 

Hüfner:
Sie haben sozusagen den Schöpfungsglauben sehr stark ins Zentrum gestellt. Das ist ja auch heute unser Thema. Deswegen ist das auch legitim. Aber ich frag jetzt mal: Ist wirklich nötig, könnten wir uns nicht vorstellen, daß wir eine Religion haben, so wie wir jetzt entstanden sind, die unser Verhältnis zur Welt und auch insbesondere unser Verhältnis zu den Mitmenschen regelt, ohne daß wir jetzt darauf rekurieren, daß Gott die Welt geschaffen hat. Also diese naturwissenschaftliche Frage davon einfach lösen. Und da ist eine Frage. Das ist mir gekommen in diesen Diskussionen.

Tetens:
Naja, ich würde sagen, es ist ja bekannt, daß die Religionswissenschaftler immer davor warnen, Religion zu definieren, es gibt natürlich auch höchst unterschiedliche Formen von Religion. Aber trotzdem habe ich einen Vorschlag: Für mich ist, was die Hochreligionen anbelangt, also insbesondere die drei monotheistischen Religionen, so haben sie eine zentrale Botschaft. Das scheint mir ziemlich unübersehbar zu sein. Die zentrale Botschaft lautet, daß die Übel und Leiden in der Welt nicht das letzte Wort in der Sache sind. Daß wir also nicht eben diese Perspektive einnehmen sollten und sagen, ok, also ein typisches menschliches Leben beginnt mit der Geburt, dann gibt es eine Wachstumsphase und dann gibt es eine Phase, wo man seine Fähigkeiten und Möglichkeiten mehr oder weniger ausleben kann und dann beginnt allmählich der körperliche und später auch der psychische und so weiter Abbau bis wir dann sozusagen als Fragmente und unvollendet abtreten und sterben. Und dieser sozusagen noch normale und glückliche Verlauf verläuft bei vielen Menschen noch viel dramatischer, noch viel schlimmer, sie müssen viel früher abtreten, sie werden getötet, sie sind Opfer der Weltgeschichte. Und die Religionen sagen, die zentralen Religionen sagen doch: Man kann nicht sagen: Das war's. Und jetzt kann man sich aber überlegen natürlich: Was muß man denn dann annehmen, wenn die Übel und Leiden in der Welt nicht das letzte Wort sind? Wenn es so etwas gibt wie Erlösung von den Übeln und Leiden. Und ich glaube, die drei monotheistischen Religionen sagen ganz richtig, dann müssen wir annehmen, daß diese Welt nicht einfach eine Welt ist, die auf eine rätselhafte Weise vorhanden ist und wir kommen auf eine mehr oder weniger zufällige und rätselhafte Weise in dieser Welt vor, sondern dann muß diese Welt - wie Polkinghorne sagt - eine Welt sein, der ein Plan oder eine Absicht zugrunde liegt. Und so kommt der Schöpfungsgedanke dann doch als ein vergleichsweise zentraler Gedanke in die religiöse Darstellung, in die religiöse Auffassung von der Welt. So würde ich Ihre Frage ...

Hüfner:
Wenn ich das noch mal sagen darf: Aus dem Gedanken der Erlösung, das heißt, daß unser Leben einen gewissen Sinn hat, schließen Sie, daß jemand diese Welt geschaffen hat vor 14 Milliarden Jahren - ?
/ Man möchte an dieser Stelle einwerfen: In der Tat, das ist ein kühner Gedanke. Das darf durchaus einmal so geäußert und gekennzeichnet werden. Aber warum soll Religiosität und Philosophie nichts mit Kühnheit zu tun haben? Warum soll Menschsein an sich nicht auf Größe hin angelegt sein, auf etwas, das nur mit Mut und Kühnheit gewonnen werden kann? Immer wieder drängt sich der Eindruck auf: Was für spannende Fragen hier erörtert werden. /

Halfwassen:
Man kann natürlich - also eine der großen Weltreligionen, eine Erlösungsreligion wie das Christentum auch, ist der Buddhismus, eine Erlösungsreligion, die ohne Schöpfungsgedanken auskommt. Also das buddhistische Heilsversprechen ist ein Erlösungsversprechen, das ohne Schöpfungsgedanken auskommt. Aber was auch für den Buddhismus als Erlösungsreligion konstitutiv ist, ist, daß wir uns und die Welt interpretieren müssen, daß wir uns als vernünftige Subjekte - das ist jetzt ein westlicher Ausdruck, das würde man in der Sprache der indischen Philosophie anders formulieren - aber daß wir uns als vernünftige Subjekte in diese Welt irgendwie einschreiben können. Das machen die Buddhisten nicht über einen Schöpfergott, das geht da anders, das ist vielleicht sogar Ihren Vorstellungen ein Stückchen weit näher, also nach buddhistischer Auffassung gibt es so etwas wie ein universales Weltgedächtnis. Also alle Information, die je im Universum vorhanden war, bleibt in diesem Weltgedächtnis immer gespeichert. Das ist eine Form von, ich weiß nicht, ob man es Weltseele oder Weltgeist nennen würde. Das wäre jedenfalls die buddhistische Variante, Welt, also unser Verhältnis zur Welt so zu interpretieren, daß wir uns als vernünftige Wesen in diese Welt einschreiben können. Aber ich denke, Tetens teleologischer Interpretation entkommt man damit nicht, denn das Weltgedächtnis braucht dann eben auch eine Struktur, die so ist, daß das irgendwann einmal zum Selbstbewußtsein seiner selbst kommt.

Bartmann:
Da würde ich gerne einhaken, weil ich ... ein ganzes Stück weit folgen kann, bis ich dann beinah davon abweichen muß. Die Überlegung ist die folgende: Wenn ich davon ausgehe, daß wir bei weitem nicht die einzige, sagen wir mal, bewußte Zivilisation in diesem Universum sind, dann kann ich dieses ganze Spektakel also unmöglich auf uns allein beziehen. Das geht nicht, weil so selbstbezogen kann ich nicht denken. Dann muß ich also davon ausgehen, daß die Entwicklung von Bewußtsein im Universum ... angelegt ist und dann an verschiedenen Stellen im Universum auf verschiedene Weise zum Ausdruck kommt. Dahinter stünde die Überlegung, daß ein Universum, das lange genug existiert, die Möglichkeit schafft, genügend komplexe Systeme zu entwickeln, also neuronale Systeme zum Beispiel, die am Ende erkenntnisfähig werden. So wie das Karl-Heinz Meyers neuronale Netzwerke tun. Die können lernen, die können sich entwickeln, die beginnen so etwas wie ein eigenes Bewußtsein zu entwickeln und so weiter. Also bis dahin komme ich mit. Also zu sagen, daß im Universum die Möglichkeit seiner Erkenntnis schon mit angelegt ist. Und dann muß ich fragen: Warum wäre das eine Entwicklung zum Guten? Man kann natürlich sagen, daß wir ... bewundernswerte Entwicklungsstufe von Materie sind. ... Und was tut er damit? Wir schaffen in Blitzeseile die Möglichkeit unserer eigenen Zerstörung. Ist das wirklich gut? Ich meine, damit hätten wir ja sozusagen dieselben Fähigkeiten, die uns aufgrund der sich entwickelnden Komplexität mitgegeben wurden, genau dazu entwickelt, um uns am Ende wieder aus der Schöpfung zu entfernen. Das ist die eine Sache. Und einen Gedanken hätte ich noch. Wenn Sie sich die evolutionäre Biologie anschauen, dann stellen Sie fest: Das Individuum spielt in dieser Biologie eine völlig untergeordnete Rolle. Gegenüber dem Individuum ist die Natur völlig grausam. Worauf sie achtet, ist, daß die Art nicht untergeht. 

Tetens:
Aber biologisch sind natürlich unglaublich viele Arten untergegangen in der Evolutionsgeschichte, unglaublich viele. 

Bartmann:
Durch wessen beherztes Einschreiten? Doch durch unseres zum allergrößten Teil.

Hüfner:
Auch früher natürlich. Das ist keine Garantie, daß die eine Art überlebt. Aber das ist eher das Bestreben [gemeint: das eigentlich in der Evolution vorherrschende Bestreben].

Halfwassen:
Zum Guten, ich meine also, man sollte da vielleicht einen moralischen Begriff des Guten von einem ontologischen Begriff des Guten unterscheiden. Also mein Vorschlag wäre, einen ontologischen Begriff des Guten dahingehend zu bestimmen, daß man sagt, das ontologisch Gute ist eine Anreicherung der Information. Also: je mehr Information, aristotelisch gesagt: je mehr Form, je mehr Eidos in der Materie manifestiert ist, um so vollkommener ist das. Und insofern ist es eine Entwicklung zum Guten, je komplexeres Leben, je höheres Bewußtsein wir haben, ist eine höhere Fülle von Information unabhängig davon, was wir jetzt als frei handelnde Wesen moralisch damit machen, ob wir Blödsinn machen oder ob wir damit etwas Sinnvolles machen.

Bartmann:
Das kann ich akzeptieren. (...)

Hüfner:
Dieser Gedanke verstört mich, daß Sie sagen - Information ist ja ein physikalischer Begriff. Weniger Entropie verbinden sie mit einem moralischen Ausdruck "gut".

Halfwassen:
Nein, das ist ein normativer Ausdruck. Also zunächst einmal ein Ausdruck höherer Vollkommenheit.

Hüfner:
Aber dafür müssen wir ja nicht das Wort "gut" nehmen, dafür gibt es ja schon ein Wort in der Welt, nämlich die Entropie. Oder - ich möchte nämlich - "gut" hat diese moralische Konnotation, Verbindung und daß da - deswegen frage ich jetzt.

Halfwassen:
Von der wollte ich erst einmal ein Stück weg. Deshalb habe ich gesagt, ein ontologischen ... da können Sie auch sagen Vollendung oder Vollkommenheit oder so, was ja nicht unmittelbar moralisch aufgeladen ist. Wir reden ja auch davon "Was ist ein gutes Messer?" Oder "Was ist eine gute Kamera?" Was seine Funktion erfüllt, das ist zunächst einmal nichts moralisch Aufgeladenes. Das Messer ist einfach gut, wenn man damit ordentlich schneiden kann.

Tetens:

Ich würde sagen, Herr Hüfner, das ist erst einmal eine Intuition und über die kann man natürlich streiten, daß ein Universum, in dem Einstein auftritt und die Feldgleichungen hinschreibt, irgendwann hinschreiben kann für die Struktur der Raumzeit und für den Zusammenhang mit der Verteilung der Materie und in dem er damit etwas Objektives, Richtiges am Universum feststellt, daß ein solches Universum ein "besseres" Universum ist, als ein Universum, in dem es auch diesen Sachverhalt, diese Gesetzmäßigkeit gibt, in dem es aber niemanden gibt, der das erkennt, der das zum Beispiel zu würdigen weiß, und der sagt "Ach, das ist aber großartig". Ein anderes Beispiel, was ich sofort anführen würde zur Unterstützung, zur Plausibilisierung dieser Intuition, daß ein erkanntes Universum ein besseres Universum ist, ist natürlich jede Form von Kunst. Ich meine, ich finde es großartig, daß Johann Sebastian Bach Musik geschrieben hat, und daß wir diese Musik hören können, und daß wir von dieser Musik angerührt sind, daß wir sogar so angerührt werden können von dieser Musik, daß unsere grundsätzliche Einstellung zum Ganzen der Welt sich ändert. Das hat ja auch etwas mit religiösen Gefühlen zu tun.

/ Diese Sätze heben wir rot hervor. Denn es ist deutlich genug, daß hier gesagt wird, daß Kunst ein Weg zur Innenseite der Welt ist, ein Ausdruck der Innenseite der Welt, insbesondere die Musik. Und indem dies gesagt wird, sind die Grundzüge eines haltbaren weltanschaulichen Entwurfs ausgelegt. Erst über die Kunst bekommt der Mensch den wirklich gültigen Zugang zur Innenseite der Welt, zum Wesen der Welt. Und dieser Zugäng ermöglicht es, daß sich "unsere grundsätzliche Einstellung zum Ganzen der Welt" ändert. Damit ist mehr ausgesagt als vielleicht auf den ersten Blick hin erahnbar wird. - Heben wir auch noch hervor, daß an dieser Stelle Kunst als ein Weg des Erkennens von Wesenszügen dieses Universums angesprochen wird, als ein Weg der Erkenntnis. Nämlich als ein Zugang zur nichtrationalen Seite aller Wirklichkeit. /

Und in diesem intuitiven Sinne (...) würde ich sagen, ist ein Universum, in dem es Subjekte gibt, die dieses Universum erkennen, ein besseres Universum als ein Universum, wo Materie, geistlose, bewußtseinslose, blinde Materie einfach vor sich hin agiert, nach bestimmten Mechanismen abläuft, ohne daß jemals jemand auftritt, der das erkennt, und der sich fragt "Welchen Sinn hat das Ganze? Hat das Ganze einen Sinn oder hat es keinen Sinn? Was muß ich denn annehmen, wenn es einen Sinn hat oder nicht?" Ich gebe zu, das kann ich nicht beweisen. Aber das ist meine Intuition. Und das ist im übrigen eine Intuition, die betrifft einen so zentralen Aspekt meines Selbstverständnisses, daß ich nicht ohne weiteres bereit bin, davon Abstand zu nehmen. Denn es betrifft mich vor allem als ein Wesen, das im Positiven wie im Negativen damit beschäftigt ist, die Wahrheit zu erkennen, daran scheitert, es wieder versucht und so weiter. Es betrifft also einen so zentralen Aspekt unseres Menschseins, daß ich jedenfalls die These, daß alles nur Zufall sei, "Du bist als ein erkennendes Wesen in diese Welt geworfen, aber da steckt keine Absicht dahinter, mach dir nichts draus, du wirst sowieso sterben, ein paar werden sich noch an dich erinnern, irgendwann werden auch die letzten, die sich noch an dich erinnern, gestorben sein, du wirst spurlos aus diesem Universum verschwunden sein", bevor ich das glaube, muß man wirklich sehr, sehr starke Gründe haben, um zu sagen: "Das ist aber leider so, gewöhne dich bitte an den Gedanken, das ist so." Denn zuerst einmal möchte ich sagen können: Ich darf mich in dieser Welt als ein um Vernunft bemühtes, selbstbewußtes Wesen verstehen. (...) Deshalb lasse ich mir die These, daß das Universum auf Erkennbarkeit angelegt ist, nicht so leicht von jemandem ausreden, sondern da würde ich sagen: Da mußt du sehr, sehr gute Gründe haben, wenn du sagst "Das ist eine völlig unhaltbare, alberne, nur von Wunschdenken bestimmte These."

Abschließende Bemerkungen

Es ist sehr verstörend (oder andererseits begeisternd), daß hier - dem Sinne nach - die nichtrationale Seite der Wirklichkeit ebenfalls als der Erkenntnis zugänglich angesprochen wird, als "erkennbar" angesprochen wird. In einem weiteren Schritt wäre nun zu fragen: Welches Erkenntnisorgan hat der Mensch für diese nichtrationale Seite der Wirklichkeit, also für die Rezeption von Kunst? Es drängt sich hier auf, von seinem Empathie-Vermögen zu sprechen, seinem Einfühlungsvermögen, von seiner Rezeptivität für Schönheit, von seiner Rezeptivität für Gefühle des Staunens gegenüber dem Unendlichen, dem Ewigen dieser Welt. Es wird - alles in allem - erkennbar: In der Erörtrung dieses Videos werden Grundfragen des Sinns der Existenz dieses Universums und des Sinns der Existenz von uns Menschen in diesem Universum erörtert. Und es werden auch zugleich Antworten auf diese Fragen gegeben, die zugleich so viel Präzision wie auch Allgemeinheit aufweisen, daß sie als konsensfähig erachtet werden können für alle Menschen, denen es wichtig ist, ihrem Leben und der Existenz dieses Universums irgendeine Art von Sinn zuzusprechen, bzw. die überhaupt nach einem solchen Sinn fragen. Mit dem Geben solcher Antworten ist auch das Abgleiten in unwissenschaftliche Esoterik, in Parawissenschaften, in gar zu unscharfes, vages Sprechen vom "Spirituellen" gebannt. Dieser gedankliche Ansatz ist so konkret wie nur immer möglich, ist so dicht entlang moderner Wissenschaft geführt wie nur immer möglich. Und er ist zugleich informiert durch eine 2.500 Jahre alte philosophische Tradition, die bei Platon und Aristoteles beginnt. Hat man von einem solchen Ansatz schon jemals von Seiten ganz normaler Universitätswissenschaftler gehört? Hat gerade die Universitätswissenschaft sich bislang immer mehr oder weniger geweigert, Antworten  auf Sinnfragen zu geben? Und was geschieht nun hier? Hat man ein so wertvolles Raisonnieren über Sinnfragen in einer solchen Dichte aus dem Bereich der "ganz normalen" Universitätswissenschaftlern jemals zuvor gehört? Die Fülle der grundlegenden Gedanken, die hier zur Erörterung stehen, sollen versucht werden, in folgenden Stichworten zusammen zu fassen:

Entspricht die Weltall-Entwicklung derjenigen von einem Samen zu einem vollständigen Lebewesen? / Wie ordnet sich die Innenseite der Lebewesen, das Psychische, das Lebewesen mit sich bringen, diesem Weltall insgesamt zu? / Ist die schlichte "Information" am Ursprung des Universums grundlegender als die von ihr nur geleitete Auffaltung von Masse und Energie in Form eines materiell existierenden Universums? / In wiefern kann Information an sich als eine Form des Psychischen angesehen werden? / Was bedeutet Vernünftigkeit in diesem Universum? / Wie ist es um die Wahrnehmung der Vernünftigkeit in diesem Universum bestellt? / Können auch künstliche, menschengeschaffene Netzwerke "träumen"? Entwickeln sie ein selbstständiges Eigen- und "Innen-"leben? Und was folgt daraus? / 

Und - noch grundlegender: Sind wir nur als das Ergebnis eines unglaublichen Zufalls zu interpretieren? / (Nebenbemerkung: Die Verneinung dieses Gedankens steht übrigens in auffallendem Widerspruch zu so Denkern wie Stephen Jay Gould und sein Buch "Zufall Mensch".) / Sollen wir weiterhin für eine religiöse Einstellung zur Welt plädieren, die unverbunden steht zu dem, was wir von Seiten der Naturwissenschaft über diese Welt wissen? / Besteht nicht auch aus naturwissenschaftlicher Sicht Anlaß zu sagen, "daß die Übel und Leiden in der Welt nicht das letzte Wort in der Sache sind"? Und wenn ja, inwiefern? / Die Haltung des Buddhismus gegenüber der Vernünftigkeit der Welt, gegenüber der Sinnfrage in dieser Welt. / Das ontologisch Gute in Unterscheidung zum moralisch Guten in der Welt. / Und schließlich: Die kaum zu hintergehende Bedeutung der Kunst, der Musik - etwa Johann Sebastian Bachs - für unsere Einstellung zum Ganzen der Welt. /

Auch soll noch einmal zum Verständnis schon der Eingangsworte in dieser Diskussion gesagt werden: "teleologische Struktur des Universums" heißt: die Entstehung und Entwicklung des Universums wäre von einem Ziel (Griechisch "teléōs" = "Zweck", "Ziel", "Ende") her bestimmt. Sprich, sie wäre nicht rein zufälliger - und damit - bedeutungsloser Art (wie sehr oft bislang in der Physik angenommen). Und das Ziel könnte eben - neben der Erkennbarkeit - auch das Erschaffen eines "intelligenten Erkenners" sein. Wobei ein Schaffen von Erkennbarkeit ohne das Erschaffen eines Erkenners von philosophischer Seite aus nicht gerade als die "plausibelste" Variante angesehen zu werden braucht. Und von naturwissenschaftlicher Seite aus ist ein Schaffen von Erkennbarkeit ohne das Erschaffen eines Erkenners empirisch bislang nicht bekannt geworden. Es wäre also sehr unplausibel zu sagen: Diese Welt ist zwar auf Erkennbarkeit hin angelegt und das mag man nicht als Zufall ansehen. Daß in ihr aber ein Erkenner entstanden ist, beruht auf Zufall. Da wäre dann ja wohl doch schon zu sagen: Wenn schon, denn schon.

Und noch ein weiterer Hinweis: Im Mittelpunkt dieser ganzen Erörterung in Stuttgart im Dezember 2018 steht natürlich - ausgesprochen und unausgesprochen - das sogenannte Anthropische Prinzip der modernen Astrophysik und eine mögliche, philosophische Deutung desselben, nämlich jene Deutung, die sagt: Dieses Anthropische Prinzip legt nahe, daß bewußtes Leben in diesem Weltall schon bei seinem Beginn angelegt gewesen sei (3). Von dem Mitdiskutanten Jens Halfwassen gibt es im Rahmen desselben Workshops in Stuttgart einen Einzelvortrag über die Philosophie Plotins (4), die eigentlich nur die Philosophie Platons sein will, vielleicht in etwas andere Worte gefaßt.

Der hier mitdiskutierende Berliner Philosophie-Professor Holm Tetens (geb. 1948) (Wiki) (ganz rechts sitzend) hat sich übrigens noch bis zum Jahr 2015 selbst als Atheist angesehen. Er hatte einen angesehenen Philosophie-Lehrstuhl an der Freien Universität Berlin inne. Es ist seinen Worten anzumerken, daß alle von ihm vorgebrachten Gedanken noch sehr "frisch" sind, und daß sie auch von sehr persönlichen Anliegen mitgeleitet sind. Tetens bezieht sich in seinen Ausführungen außerdem auf zwei evangelische Theologen, nämlich den Deutschen Wolfgang Huber (geb. 1942) (Wiki) und den Briten John Polkinghorne (geb. 1930) (Wiki, engl). Polkinghorne war zudem bis zu seinem 40. Lebensjahr als Professor für Theoretische Physik tätig.

Auf durchaus berechtigte Verständnisfragen zu dieser Diskussion hin und in Weiterführung der Gedanken dieser Diskussion könnte von unserer Seite aus noch gesagt werden: Daß das Weltall auf Selbsterkenntnis hin ausgelegt ist, steht ja zunächst außer Zweifel. (Jedenfalls inzwischen auch für viele Physiker.) Philosophisch könnte - in möglichster Nähe zum Wissenstand der Naturwissenschaft - gesagt werden: Es, das Weltall, will die Menschen "groß". Deshalb ist es selber so "groß". Und im Angesicht der Weiten des Alls, der - für uns - dimensionslos großen Größen des Alls, im Angesicht der ungeheuren Zeiträume, die schon menschlich gesprochen "ewig" genannt werden müssen, die das All besteht, will es uns - womöglich - darüber belehren, daß es auf Zeit, Raum und Materie an sich gar nicht ankommt, sondern - wenn schon - dann noch wesentlich mehr auf "Information", und zwar sowohl auf Information, die rational wahrgenommen werden kann als auch auf Information, die nichtrational wahrgenommen werden kann (etwa im Bereich der Musik). Wenn aber schon das platonisch "Gute" (Halfwassen, John Leslie) in ein materielles Gewand eintaucht (weil Selbsterkenntnis, Bewußt-Werden des jenseits von Raum, Zeit und Kausalität als vorliegend zu vermutenden "Großen" nur dadurch möglich wird), daß es sich dann allerdings ein Gewand von erhabener Größe gibt: "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre."

Tetens jedenfalls wendet die von ihm selbst über viele Jahre hinweg gelehrte Argumentationstheorie an, um das Anthropische Prinzip der Astrophysik philosophisch in nicht-atheistischem Sinne zu deuten. 2015 erschien seine Monographie "Gott denken" (5), in der er argumentierte, daß es vernünftige Gründe gäbe, die Möglichkeit eines persönlichen Gottes anzunehmen und sein Leben darauf auszurichten. Die Argumentationsstruktur dieses Buches stellt Tetens dann in seinem Einzelvortrag auf dem Workshop, auf dem auch dieses Video entstanden ist, vor (6). Auch der Vortrag von Jörg Hüfner über George Lemaître ist mehr als hörens- und sehenswert. Lemaître war der erste Physiker, der einen Anfang des Weltalls aus der Relativitätstheorie Einsteins abgeleitet hat. Er war zugleich katholischer Theologie, hat aber Theologie und Wissenschaft immer streng auseinander gehalten.

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  1. Physiker und Philosophen diskutieren über den Ursprung des Universums. Podiumsdiskussion beim Workshop "Ursprung des Universums" am 7.-9. Dezember 2018 an der  Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Tagungshaus in Stuttgart-Hohenheim, veröffentlicht auf Video-Kanal "Grenzfragen" am 24.04.2019, https://youtu.be/dAUJ8IB3N_0.
  2. Leupold, Hermin: Warum ist das Weltall so, wie es ist? Das Anthropische Prinzip der Kosmologie und seine philosophische Bedeutung. In: Die Deutsche Volkshochschule, Folge 62 (1990), S. 1-19
  3. Leupold, Hermin: Antworten auf Grundfragen zur menschlichen und kosmischen Existenz. In: Die Deutsche Volkshochschule, Folge 71, Januar 1991, S. 1-4, https://fuerkultur.blogspot.com/2017/06/antworten-auf-grundfragen-zur.html
  4. Halfwassen, Jens: Der absolute Ursprung bei Plotin. Vortrag beim Workshop "Ursprung des Universums" am 7.-9. Dezember 2018 an der  Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Tagungshaus in Stuttgart-Hohenheim, veröffentlicht auf Video-Kanal "Grenzfragen" am 24.01.2019, https://youtu.be/jdhNQvi8ac8.
  5. Tetens, Holm: Gott denken. Ein Versuch über Rationale Theologie. Reclam, Stuttgart 2015
  6. Tetens, Holm: Materie oder Geist als Ursprung des Universums. Vortrag beim Workshop "Ursprung des Universums" am 7.-9. Dezember 2018 an der  Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Tagungshaus in Stuttgart-Hohenheim, veröffentlicht auf Video-Kanal "Grenzfragen" am 18.12.2018, https://youtu.be/GWWuVaKNXGI.
  7. Hüfner, Jörg: Georges Lemaîtres Vorstellungen vom Anfang der Welt und vom Verhältnis zwischen Wissenschaft und Religion. Vortrag beim Workshop "Ursprung des Universums" vom 7.-9. Dezember 2018, Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim, veröffentlicht auf Video-Kanal "Grenzfragen" am 20.12.2018, https://youtu.be/8OW2w1zqHVk.
  8. Polkinghorne John: Theologie und Naturwissenschaften. Gütersloh 2002

Sonntag, 26. April 2020

Warum Wissenschaft?

Wissenschaft für Anfänger
- Die Wissenschaft und ihr Platz in der heutigen Welterfahrung

Wer sich für Philosophie interessiert und innerhalb derselben insbesondere naturwissenschaftsnahe philosophische Ansätze verstehen oder gar nachvollziehen will, sich für sie einsetzen will, muß sich zunächst klar machen, daß es sich bei moderner Philosophie immer nur um eine solche auf wissenschaftlicher Grundlage handeln kann.*)

Aber was heißt "wissenschaftliche Grundlage"?

Wissenschaft ist ein Gemeinschaftsunternehmen vieler Völker, vieler Generationen, ja, ganzer Jahrtausende. Der wissenschaftliche Erkenntnisprozeß erstreckt sich über Jahrhunderte, nein, Jahrtausende. Wissenschaft im engeren, konkreteren Sinne begann in der griechischen Antike. Natürlich können zahllose "Vorläufer" benannt werden (Himmelsscheibe von Nebra, Stonehenge, Astronomie, Zahlen- und Schriftsysteme, Heilkunde der Bronzezeit etc., etc. pp.). Insbesondere ist Wissenschaft aber an Schriftkultur gebunden und an die Weitergabe von Wissen über Schriftdokumente.**)

Ein Gelehrter in seinem Studierzimmer. Ein Gemälde von Justus Juncker, 1754. Heute im Städelmuseum in Frankfurt am Main.

Deshalb bedeutete es einen ungeheuren Einschnitt in der Wissenschaftsgeschichte, als mit Einbruch des Frühmittelalters der größte Teil der bis dahin angesammelten Schriftdokumente der Antike verloren ging. Nur bruchstückhaft sind einzelne Bestandteile der wissenschaftlichen (und natürlich auch Dicht-)Werke der Antike über das Mittelalter hinweg auf uns überkommen. Es beruhte das zum Teil auf andächtiger Pflege dieser Schriftüberlieferung durch einzelne wenige Gelehrte und Schriftkundige, zum Teil im arabischen Raum, zum Teil in Byzanz, zum Teil in diversen europäischen Klöstern und anderwärts.

"Wissenschaftliche Grundlage" heißt weiterhin, daß Wissenschaft immer im Kampf gegen die Unvernunft, gegen den "Glauben", gegen "gefühlte Wahrheiten", gegen Dogmen, gegen Maulkörbe und Denkverbote langsam, Schritt für Schritt an Boden gewinnen konnte. Nur langsam und über lange Jahrhunderte hinweg gewannen Menschen und Völker zunehmend mehr Vertrauen zur wissenschaftlichen Erkenntniswelt. Kam den Menschen anfangs der Blitzableiter als ein abergläubischer Spuk vor, vertrauen sie heute ganz selbstverständlich auf seine Wirksamkeit.

Der Mensch und menschliche Kultur, auch die menschliche Seele wurzeln in "Unwissenschaftlichkeit". Seien wir uns dessen klar.  Was ist damit gesagt? In der Wissenschaft ist am Anfang selten klar, was eigentlich das Ergebnis der Forschung sein wird. In der Wissenschaft tritt immer wieder "Unerwartetes" ein. Man stößt auf Dinge, die völlig unerwartet sind. Warum eigentlich sind sie unerwartet? Weil wir alle in uns bestimmte Vorannahmen über die Wirklichkeit tragen. Von Kindheit an versucht unsere Vernunft, die uns umgebende Welt zu verstehen. Und das kindliche Gemüt nimmt zunächst alles für "bare Münze". Der Weihnachtsmann ist der Weihnachtsmann, der Osterhase der Osterhase. So hat der vorwissenschaftliche Mensch durchgehend gedacht. Man muß, um sich davon zu überzeugen, nur in die "Ilias" des Homer schauen. Oder in die germanischen Heldensagen. Eine Wunder- und Märchenwelt.

Hier hat sich überall die Vernunft und die Seele der Menschen eine Welt so "gebastelt" wie sie ihnen auf den ersten Augenschein hin am schlüssigsten erschien und wie sie sie sich - über ihre noch bestehenden Lücken der Erkenntnis hinweg - märchenhaft "ergänzten". Die Wissenschaft und Philosophie traten demgegenüber zweitausend Jahre lang immer nur wieder als Kräfte der "Entzauberung" auf. Der Blitz wird nicht von Göttern gesendet, sondern kann durch eine simple Metallstange folgenlos in die Erde gelenkt werden. Die ungeheure, gewaltige Kraft des Blitzes ist dieselbe und bietet Anlaß für Erstaunen wie schon immer. Aber diese Kraft ist dem Menschen "beherrschbar" geworden. Und manche Menschen können ja nur das "bestaunen", was ihnen unbeherrschbar erscheint. Aber weiter: Der Teufel, an den Martin Luther noch als einen "Leibhaftigen" geglaubt hat, und nach dem er auf der Wartburg sein Tintenfaß warf, weil er glaubte, dieser wolle ihn verführen, dieser Teufel ist eine Phantasiegestalt, entstammt der Märchenwelt der Menschheitsgeschichte.

Und so können unglaublich viele Dinge unserer alltäglichen Welt durchgegangen werden, deren "Märchenhaftigkeit" wir schon seit vielen Jahrhunderten eingesehen haben, und über die sich der allergrößte Teil der Menschheit heute nicht mehr großartig "aufregt". Es halten sich allerdings zähe Überreste von Aberglaube und Unwissenschaftlichkeit auch in der heutigen, modernen Welt. Soweit ich das erkennen kann, liegt ein Hauptgrund für dieses zähe Weiterbestehen von Aberglaube in der modernen Welt in dem Umstand begründet, daß Wissenschaft gerade in den letzten hundert Jahren komplexer und immer komplexer geworden ist. Es ist hier in der modernen Wissenschaft eine "befremdliche", "abstrakte" Welt entstanden. Allerdings sind sogar für diesen Umstand schon wieder - von Seiten der Wissenschaft - Erklärungen möglich geworden.

Menschliche Erkenntnis stößt an Grenzen 


Die wissenschaftliche Erkenntniswelt ist in Teilen abstrakter geworden, weil sie an die Grenzen des menschlichen Erkenntnisvermögens gelangt ist. Und auch, weil sie an die beiden Grenzen gestoßen ist jener Kategorien, in die unsere Welt eingeordnet ist, nämlich an die Grenzen von Raum und Zeit. Was für ein ungeheures Geschehen. Wir sind bis zum Allergrößten und bis zum Allerkleinsten vorgestoßen und haben beide male erkannt: Hier geht es nicht weiter. Wir sind bis zum zeitlich Allerlängsten und Allerkürzesten vorgestoßen und haben erkannt: Noch weiter kommen wir nicht. Aber wir erkennen auch: Dort, an den Grenzen unseres Erkenntnisvermögens wird es auffallend komplex und auch - für unseren Alltagsverstand - auffallend "absurd". 

Beispiel: Alles gegenwärtige Sein, alle Materie soll aus dem Nichts entstanden sein. Geht es - für den Alltagsverstand - absurder? Aber andererseits: Haben Philosophen nicht immer schon über das Wechselverhältnis von Sein und Nichts nachgedacht? Welche Steilvorlagen bietet hier die moderne Naturerkenntnis für uraltes philosophisches Denken.

Die Physiker haben erkannt, daß sie dort, an den Grenzen, mit der Mathematik noch ein Stück weiter kommen als sie es auch selbst mit ihrem eigenen Alltagsverstand noch können. Und sie sagen deshalb, daß die Schönheit der modernen Physik nur der wirklich nachvollziehen kann, der die Schönheit der ihr zugrundeliegenden Mathematik nachvollziehen kann. Da wir Alltagsmenschen das nicht können, bleibt uns hier ein Zugang zur Schönheit der Welt versperrt. Unglaublich, daß so etwas im Weltall vorgesehen ist. Daß nur wenige Superkluge eine Schönheit sehen können, "dürfen", die viele andere nicht sehen können. Immerhin, ein Trost: Viele Physiker haben sich schon Jahrzehnte lang bemüht, die Schönheit der Dinge, auf die sie bei ihren Forschungen gestoßen sind, auch denen zugänglich zu machen, die nicht so mathematisch begabt sind wie sie selbst. Aber daß moderne Physik ein wesentlicher Bestandteil unseres Kulturlebens ist oder sein könnte, davon werden nur die wenigsten heutigen Menschen ein Bewußtsein haben.

Allerdings ist ein Bewußtsein davon ein Bestandteil dessen, wenn gesagt wird: Philosophie auf wissenschaftlicher Grundlage. Auch die Philosophie hat ihren gut strukturierten Platz in der Gesamtheit aller Wissenschaften. Sie steht in Bezug zu allen übrigen Wissenschaften, sie steht weder über ihnen, noch unter ihnen, sondern sie kommuniziert auf Augenhöhe mit ihnen. Und sie ist unentbehrlich - auch zur Einordnung der wissenschaftlichen Erkenntniswelt in die Gesamtheit der menschlichen Erfahrung.

Die Wissenschaft ist ein einheitlicher, in sich widerspruchsfreier Bau. Hegel benannte das mit seinem berühmten Satz: "Die Wahrheit ist das Ganze." Wenn Teilbereiche des menschlichen Wissens in logischem oder empirischem Widerspruch stehen zu einem anderen Teilbereich des menschlichen Wissens, ist das ein Hinweis darauf, daß in einem dieser beiden Teilbereiche noch nicht alles vollständig widerspruchsfrei geklärt ist, daß hier noch Dinge vorliegen, die von der Wissenschaft zu klären sind. Die Wissenschaft steht also quasi - soweit sie die Dinge in den letzten Jahrhunderten tatsächlich schon geklärt hat - monolithisch anderen menschlichen Erfahrungsbereichen gegenüber. Sie spricht diesen anderen menschlichen Erfahrungsbereichen gegenüber "mit einer Stimme".  Warum spricht sie mit "einer Stimme"? Weil das, was sie erforscht mit "einer Stimme" spricht, nämlich die Natur.

Die Naturwissenschaft ist immer und immer nur wieder auf die durchgehende Gültigkeit der von ihr erforschten Naturgesetze im gesamten Weltall, im Größten wie im Kleinsten gestoßen. Eine Durchbrechung von gut erforschten Naturgesetzen hat sie niemals feststellen können. Das ist der Grund, weshalb die Naturwissenschaftler in Südamerika mit derselben Stimme sprechen wie die Naturwissenschaftler in Sibirien oder Australien. Die Wissenschaft ist EINES, ist eine Einheit. Man kann sich aus diesem großen Bau der Wissenschaft nicht einen Teil heraus brechen und sagen: Der Rest stimmt schon - aber dieser Teil, da haben sich die Wissenschaftler aber gewaltig geirrt.

Eine Sache um ihrer selbst willen tun


Diese große Macht der Naturwissenschaft wirkt auf all jene, die in ihrem Alltag seltener mit ihr in Berührung kommen, befremdlich. Sie fühlen sich von diesem allmächtigen Erklärungsprinzip eingeschränkt. Sie wollen - womöglich - "auch noch mitreden". In ihrem Bildungsgang hat man sie womöglich selten mitreden lassen, selten nachvollziehen lassen, was da - in der Wissenschaft - eigentlich alles so an umwälzenden Dingen geschieht. Deshalb fühlen sie sich nach und nach "entmachtet". Wie sollen sie noch mitreden können, wenn nur noch Wissenschaftler das Sagen haben? Wenn Wissenschaftler das letzte Wort haben? Wenn Wissenschaftler die Welt "beherrschen"?

Diese monolithische Erklärungskraft moderner Wissenschaft ruft also - weil sie so unerbittlich und monolithisch auftritt - Widerspruch hervor, Widerstreben hervor. Dieses Widerstreben wird aber auch noch durch einen anderen Umstand hervor gerufen: Die große Begeisterung, die Wissenschaftler beflügelt, die unglaubliche emotionale Anteilnahme, die sie bei ihrem Erkenntnisstreben "gepackt" hat, die innere Erfülltheit, die sie bei ihrem Erkenntnisstreben beseelt, all solche sehr menschlichen Dinge, die auch Bezug haben könnten zu wertvollen sonstigen menschlichen Erfahrungen, diese "innere Erfahrungswelt" der Wissenschaft wird nur noch selten an die Öffentlichkeit weiter gegeben.

Wissenschaft wird stattdessen wahrgenommen als würde sie nur um Anwendungen willen betrieben, als ginge es nur um irgendeinen "Nutzen". Der tiefere Antrieb der Wissenschaft ist aber jener Antrieb, der alle wertvolleren menschlichen Handlungen, der alle menschliche Kultur antreibt: eine Sache um ihrer selbst willen tun. Nicht um ihrer Folgen willen. Wissenschaft um der Wissenschaft willen, um der Erkenntnis willen, nicht um daraus irgendeinen persönlichen oder gar wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen.

Wer diese so außerordentlich wertvolle und dem sonstigen Kulturleben so außerordentlich nahestehende Seite der Wissenschaft nicht berücksichtigt, wird ihr niemals gerecht werden können. Niemals. Diese Seite der Wissenschaft steht dem Kulturleben nicht nur nahe, nein, sie ist Kernbestandteil von menschlicher Kultur. Wer Wissenschaftler ständig und fortlaufend eigensüchtige Motive unterstellt - was für ein Bild von Wissenschaft würde dann gezeichnet? Ist das nicht eine Herabwürdigung aller großen Wissenschaftler, die jemals gelebt haben - von Aristoteles und Platon an? Sie alle sollen nur eigensüchtige Motive verfolgt haben? Wie flach wäre das Bild, das hier gezeichnet werden würde.  - Soweit erste Überlegungen zum Thema.

__________
*) Die Philosophie ist umgekehrt ja schließlich auch nichts anderes als selbst ein Teil der Wissenschaft.
**) Inzwischen ist erahnbar geworden, daß die Gott- und Weltauffassung des Homer um 700 v. Ztr. und der heidnischen Germanen aus der Zeit zwischen 0 und 1200 n. Ztr. eine gemeinsame bronzezeitliche Wurzel hat, der die schriftliche Überlieferung des Homer deutlich näher zu stehen scheint als die mündliche Überlieferung der heidnischen Germanen über viele Jahrhunderte nach 700 v. Ztr. hinweg.

Freitag, 27. März 2020

"Unser Universum ist auf Erkennbarkeit hin angelegt"

... Und wir selbst sind intelligente Erkenner.
- Wollte das Weltall uns?

In Diskussionen zwischen Physikern und Philosophen sind neuerdings die Stühle vertauscht
Ob darin Vorwehen eines künftigen Wandels im Zeitgeist erspürbar sind?

Die ersten 30 Minuten des im folgenden behandelten Videos enthalten - in sehr dichter Form - die Grundzüge des modernsten weltanschaulichen Entwurfs, der in den letzten Jahren und Jahrzehnten bekannt geworden sein mag. Diese ersten 30 Minuten sind am 17. Mai 2020 auf einem Treffen des Freundeskreises dieses Internetblogs und des angeschlossenen Videokanals auch noch einmal mündlich vorgestellt und erläutert worden.
Frage: 
Warum braucht das Universum einen intelligenten Erkenner?
Antwort:
Wenn es erkennbar ist, ist es auf Erkennbarkeit angelegt. Dann ist es ohne Erkennenden unvollständig.
Was sind denn das für Sätze!?!




Und wie locker und selbstverständlich plätschern sie hier in eine Diskussion? - (1) (siehe Video) - Was ist denn hier überhaupt los? Ist die ganze Welt verrückt geworden?

Diese Sätze sind entnommen einer philosophischen Diskussion, die im Dezember 2018 in Stuttgart geführt worden ist (1). Die zitierte Antwort wurde von dem Philosophie-Professor Jens Halfwassen (Heidelberg) ausgesprochen (1). Und den beiden anwesenden Theoretischen Physikern scheint eine solche Antwort noch einigermaßen neu zu sein. Zunächst kurz eine Anmerkung zum Verständnis schon der Eingangsworte in dieser Diskussion: "teleologische Struktur des Universums" heißt: die Entstehung und Entwicklung des Universums könnte von einem Ziel (Griechisch "teléōs" = "Zweck", "Ziel", "Ende") her bestimmt sein. Sprich, sie wäre nicht rein zufälliger - und damit - bedeutungsloser Art (wie sehr oft bislang in der Physik angenommen). Und das Ziel könnte dann eben - neben der Erkennbarkeit - auch das Erschaffen eines "intelligenten Erkenners" sein.

Die Reaktionen der Physiker in dieser Diskussion auf die vorgebrachten Gedanken zeigen, daß auch sie allmählich ein Gefühl dafür bekommen, daß sie sich mit solchen philosophischen Deutungen auseinandersetzen müssen. Nicht weil diese eine zeitgeistige Modeerscheinung wären (davon sind wir ja ziemlich weit entfernt). Aber weil der innerwissenschaftliche Diskussionsstand innerhalb der Astrophysik solchen Argumentationsstrukturen gegenüber immer weniger Ausweichmöglichkeiten zuläßt.

In dieser Diskussion spiegelt sich ein neuer Bewußtseinsstand wieder, ein neuer Diskussionsstand zwischen moderner Physik einerseits und moderner Philosophie andererseits. Die Philosophie wird sich der Stärke ihrer eigenen Argumentationsmuster bewußt, und zwar gerade in Auseinandersetzung mit dem aktuellen Kenntnisstand der Astrophysik. Die Philosophie gibt nicht mehr "klein bei" oder weicht Diskussionen mit dem naturwissenschaftlichen Kenntnisstand aus. Nein: Sie übernimmt inzwischen sogar die Führungsrolle in der Diskussion. Und war es nicht genau diese Situation, mit der einstmals die große neuzeitliche Philosophie bei Immanuel Kant angefangen hat? Daß die Philosophie der Naturwissenschaft vorgegeben hat, gezeigt hat, wo sie, die Naturwissenschaft steht? Und wird es nicht hoch an der Zeit, daß das endlich einmal wieder geschieht? Genau das ist es, was in dieser Diskussion, die in Stuttgart im Dezember 2018 geführt worden ist, deutlich wird. Sie wurde im April 2019 auf Youtube zugänglich gemacht (1). Der beteiligte Theoretische Astrophysiker Matthias Bartmann von der Universität Heidelberg (zweiter von links) versucht dann, aus Sicht der Naturwissenschaft eine Antwort auf die erörterte Frage,
warum das Universum seine eigene Erkenntnis gleich mitproduziert.
Aber was für Sätze im Grunde. Was für Sätze (Minute 10:14).

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Wer die ersten 30 Minuten dieses Videos das erste mal angesehen hat und versucht hat, geistig zu folgen, braucht gewiß danach noch allerhand Zeit, gerne auch Tage und Wochen zur geistigen "Verdauung" und Einordnung. Im folgenden soll der Versuch zu einer solchen ersten geistesgeschichtlichen Einordnung gegeben werden. Auch dieser Versuch ist verfaßt worden allerhand Tage, nachdem diese 30 Minuten das erste mal angesehen worden waren: Die Geistes- und Religionsgeschichte der letzten 250 Jahre läßt sich - beim derzeitigen Stand - ungefähr folgendermaßen zusammen fassen: Die Christen glauben an den Gott, den sie sich vorstellen so, als wäre so sicher über ihn zu reden wie über eine naturwissenschaftliche Tatsache. Im Jahr 1781 veröffentlichte Immanuel Kant in Königsberg sein berühmtes Buch "Kritik der reinen Vernunft". In diesem legte er - für alle Philosophen-Generationen nach ihm und bis heute - überzeugend dar, daß über Fragen wie jene nach "Gott, Freiheit und Unsterblichkeit", also über metaphysische Fragen nicht in der gleichen Weise gesprochen werden kann und darf wie über naturwissenschaftliche Tatsachen. Kant wollte damit keineswegs sagen, daß der Glaube an Gott, an die Willensfreiheit des Menschen und an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele "absurd" wären oder daß darüber keine Aussagen gemacht werden könnten. Kant war kein Atheist.

Aber es war ihm wichtig zu sagen, daß hier genau geprüft werden müsse, wie die Gültigkeit metaphysischer Aussagen beschaffen sei, und daß über sie eben - auf jeden Fall - nicht gesprochen werden könne wie über naturwissenschaftliche Tatsachen, also daß die bis dahin unter Christen übliche Art, über Gott zu sprechen, keine angemessene Art sei, sich diesen Fragen - den womöglich wesentlichsten Fragen des Menschseins - zu nähern. Der Kulturhistoriker Jan Assmann hat diese christliche Art, über Gott zu sprechen, übrigens die "mosaische Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch" genannt. Und er hat heraus gearbeitet, daß es genau diese ist, die jenen "monotheistischen Eifer" bewirkt, der allseits in der Welt sichtbar ist. Diese Unterscheidung und dieser Eifer sind nun - der Sache nach - von Immanuel Kant als ungültig erwiesen worden. Ungültig ist also das schlichte Postulat, die schlichte Behauptung, daß über Gott und seine Existenz ebenso geredet werden könne wie zum Beispiel über den Stuhl, auf dem wir gerade sitzen und seine Existenz.

Seit Immanuel Kant dies gesagt hat, sind die Völker auf der Nordhalbkugel nach und nach immer nachlässiger geworden in ihren "Eifer", in ihrem Glauben an die Existenz von etwas Göttlichem. Es ist ja auch viel "entspannter" und viel bequemer, von der Nichtexistenz von etwas Göttlichem ausgehen. Außer in einem sehr beschränkten Bereich des menschlichen Daseins, der mit der Moral des "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu" hinreichend zu klären ist, gibt es dann keinen Anlaß mehr, daß Menschen weitergehende Ansprüche an ihre Mitmenschen haben bräuchten. Hey, "easy going", "let it be", "take it easy" und wie all die Slogans der hedonistischen, aber in letzter Instanz atheistischen und materialistischen Gesellschaft lauten, der Gesellschaft, die keinen ethischen Eifer, keinen unbedingten Glauben an Göttliches mehr kennt. Angekommen im "Delta der Beliebigkeit", in der "Ebene" wie das Peter Sloterdijk nennt, weit weg von allen "Vertikalspannungen" im Bereich des Menschlichen.

Nach Immanuel Kant hat es zwar viele philosophische Versuche gegeben, über die nicht vollständig naturwissenschaftlich erfaßbare Seite der Wirklichkeit und der darin eingebetteten menschlichen Seele gültige Aussagen zu machen. Hölderlin, Hegel, Schelling haben große philosophische Systeme entworfen, Schopenhauer hat auf die Willenskräfte in allem Sein abgehoben ("Die Welt als Wille und Vorstellung"). Marx hat den Materialismus populär gemacht, der als Ausgangspunkt das Postulat wählt, Antworten auf Fragen zu suchen rund um die Kant'schen Themen Gott, Freiheit und Unsterblichkeit würde letztlich bloß in den banalen Bereich "Opium für das Volk" fallen. Eine nicht vollständig naturwissenschaftlich faßbare Seite der Wirklichkeit wäre doch gar nicht existent. Und von da aus war es dann nur konsequent, wenn ein weiterer deutscher Philosoph sagte: "Gott ist tot - und wir haben ihn getötet." (Nietzsche) Materialismus, Atheismus und Existenzialismus wurden - diesseits und jenseits des Atlantiks - zu den vorherrschenden Weltanschauungen und Lebensphilosophien des 20. Jahrhunderts, auch wenn nach außen hin noch die Fassade eines christlichen Welt- und Menschenbildes sollte aufrecht erhalten werden. Und so ist der Stand heute, im Jahr 2020 immer noch.
 
Parallel dazu aber hat sich nun der naturwissenschaftliche Kenntnisstand über die uns umgebende Wirklichkeit und auch im Bereich der Hirnforschung (also über die uns innewohnende Wirklichkeit) immens erweitert. Außerordentlich immens. Seit Ende der 1920er Jahre weiß die moderne Physik, daß unser Universum einen Anfang in der Zeit hat. Und in den 1970er Jahren hat sich die moderne Astrophysik immer intensiver mit den Anfangsbedingungen des Universums beschäftigt und hat im Zuge dieser Beschäftigung das sogenannte "Anthrophische Prinzip" aufgestellt, das eine Auseinandersetzung mit der Feststellung enthält, daß die Anfangsbedingungen des Universums, die vier Grundkräfte des Universums in ihren Werten zueinander außerordentlich "speziell" sind, daß diese Werte um viele Stellen hinter dem Komma nicht verändert werden können, ohne daß das Universum, das dabei herauskäme, unfähig wäre, sich überhaupt zu bilden oder in sich Strukturen auszubilden, insbesondere dann vor allem Kohlenstoff-Atome, die hinwiederum die Voraussetzung bilden für die Entwicklung von komplexeren Strukturen im Universum wie Biomolekülen, Leben, Nervenzellen, Bewußtsein und menschlichen Wissensgesellschaften.

Um diesen philosophisch außerordentlich herausfordernden Befund zu umgehen, hat die Mehrheit der Astrophysiker in den letzten Jahrzehnten an Multiversen-Modellen gearbeitet. Nicht zuletzt die deutsche Astrophysikerin Sabine Hossenfelder war dann eine der ersten, die zu all diesen Multiversen-Modellen sagte: "Der Kaiser ist nackt." All diese physikalischen Theorien haben gar keine Fundierung in irgendeiner empirischen Evidenz. Und als dann auch noch die Reputation eines der lautstärksten Propangandisten dieser Multiversen-Theorien - Lawrence Krauss - in den Sturmfluten der Mee too-Debatte versank, war es vollends um diese vergleichsweise kurzlebige geistesgeschichtliche Entwicklung geschehen.

Und das ist - grob umrissen - der geistesgeschichtliche Ort, an dem wir heute stehen. Wir sind zurück geworfen auf die Erkenntnis, daß unser Universum außerordentlich speziell ist, daß es auch nicht besonders einfach bloß als ein "Zufallsereignis" erklärt werden kann (im Rahmen von Multiversen-Theorien), und daß wir uns damit zurecht finden müssen, daß dieses Universum auf - - - "Erkennbarkeit" hin angelegt ist. Und genau an diesem Stand der naturwissenschaftlichen Erkenntnis und auch Bewußtseins-Entwicklung, genau in diesem Bereich des philosophischen Nachdenkens setzt die eingangs erwähnte Diskussion - in einem Tagungshaus in Stuttgart im Dezember 2018 - ein.

***

Sehr schnell wird erkennbar: Die Grundfragen der Stellung von uns Menschen in diesem Universum werden hier (in der Diskussion im Dezember 2018) auf einem Niveau und in einer Tiefe erörtert, wie man sie so schon sehr lange nicht mehr hat erleben dürfen.

Als der Autor dieser Zeilen vor 30 Jahren - um 1990 herum - an die Freie Universität Berlin kam, lagen solche Gedanken durchaus schon in der Luft. Er saß auch in entsprechenden Seminaren drin, in denen sich Philosophen mit dem aktuellen Forschungsstand in der modernen Physik auseinander gesetzt haben, etwa in den Seminaren von Philosophie-Professor Rainer E. Zimmermann. Aber das war damals keinesfalls der "große" Mainstream innerhalb der Philosophie, keinesfalls. Noch vor zehn Jahren war er das nicht. Erst neulich hat der Autor dieser Zeilen gesucht, wo Harald Lesch etwas zum Anthropopischen Prinzip gesagt haben könnte. Das hat der Harald Lesch in der Tat schon vor zehn Jahren getan, nämlich in der Sendung "Alpha Centauri". Und sachlich auch sehr richtig. Aber man muß vermuten, daß die wenigsten Zuschauer damals sich der philosophischen Fundamentalität der von Lesch erörterten Fragen durch dessen Ausführungen bewußt geworden sind.

Hier nun, in dieser Stuttgarter Diskussison im Dezember 2018 ist diese Fundamentalität sofort da, sie ist sofort spürbar. Hat man denn schon jemals Physiker, also - - - Physiker, Theoretische Physiker so in die Ecke gedrängt gesehen von Philosophen - wie hier?!? Sonst war es doch immer genau umgekehrt. Sonst hatten doch die Physiker immer nur ein nachsichtiges Lächeln für Philosophen übrig.

Aber im Grunde genommen ist diese Situation von weitsichtigen Physikern und philosophisch Denkenden schon vor 30 Jahren genau so voraus gesagt worden, zumindest vereinzelt vorausgesagt worden. Daß eine solche Entwicklung kommen wird, so ahnt man jetzt auch selbst, ist ab einem bestimmten Stand der naturwissenschaftlichen Erkenntnis der menschlichen Geistesgeschichte wohl mehr oder weniger "inhärent". Und zwar weil eben die moderne Physik voller philosophischer Implikationen ist. Und das war den Weitsichtigeren schon vor mehreren Jahrzehnten erkennbar. Jetzt scheint jedoch der Zeitpunkt gekommen, wo dieses Bewußtsein das Potential dazu hat, "Mainstream" zu werden, wo Philosophen und Physiker vollkommen auf Augenhöhe miteinander über alles zu reden beginnen. Und kein Atheist wie Jürgen Habermas weit und breit, der ihnen diese so wertvollen Diskussionen zerreden würde. Das würde einen völligen Umschwung im Zeitgeist bedeuten. Und zwar von den Fundamenten unseres Denkens her, nicht aufgrund irgendwelcher ideologischer Modeströmungen, wie sie innerhalb des 20. Jahrhunderts so herein und hinaus geschwemmt werden innerhalb der geistig orientierungslos gewordenen materialistischen und atheistischen Gesellschaften der Nordhalbkugel.

Noch ein Hinweis: Im Mittelpunkt dieser ganzen Erörterung in Stuttgart im Dezember 2018 steht das sogenannte Anthropische Prinzip der modernen Astrophysik und eine mögliche philosophische Deutung desselben, nämlich jene Deutung, die sagt: Dieses Anthropische Prinzip legt nahe, daß bewußtes Leben in diesem Weltall schon bei seinem Beginn angelegt gewesen sei. Von dem Mitdiskutanten Jens Halfwassen gibt es im Rahmen desselben Workshops da in Stuttgart einen Einzelvortrag über die Philosophie Plotins (3), die eigentlich nur die Philosophie Platons sein will, vielleicht etwas anders in Worte gefaßt. Und es sagen nun immer mehr kluge, kundige Leute, daß diese philosophische Tradition Plotins zunächst am besten geeignet sei, wenn man das Anthropische Prinzip von philosophischer Seite aus deuten will. Bislang hat es auf diesem Gebiet immer nur einen Einzelgänger unter den Philosophen gegeben, nämlich den kanadischen Philosophen John Leslie, der das getan hatte, schon vor 20 Jahren.

Jetzt ist dieser John Leslie offenbar längst nicht mehr so "abseitig" wie man das vor 20 Jahren noch wahrnehmen konnte. Und genau dieser Umstand wird in dieser Diskussion deutlich. Hier scheint also wirklich etwas im Gange zu sein. Man möchte rufen: Menschheit, horche auf. Deine Philosophen beginnen wieder, sinnvolle Dinge zu tun.

Menschheit, horche auf, das 20. Jahrhundert, sein Materialismus, sein Atheismus sind zu Ende. Und nicht das Christentum ist die Zukunft der Menschheit, sondern moderne philosophische Deutungen wie sie in diesen Diskussionen zum ersten mal geäußert werden.

Dieses Universum und unser Leben in ihm sind also keineswegs ohne Sinn. Denn das wäre die absurdeste Deutung, die man ihnen - vor dem Hintergrund des heutigen Wissens- und Diskussionsstandes - geben könnte. Vollends begeistert war der Autor dieser Zeilen, als ab Minute 26 dieser Diskussion der Berliner Philosophie-Professor Holm Tetens (geb. 1948) (Wiki) (ganz rechts sitzend) anfing, von Kunst zu reden, von Johann Sebastian Bach. "So muß das,", rief er geradezu verzweifelt aus, "verdammt noch mal,so muß das - - - meine Güte!!!" Tetens sagt (1):
Das ist erst einmal eine Intuition und über die kann man natürlich streiten, daß ein Universum, in dem Einstein auftritt und die Feldgleichungen hinschreibt (...) für die Struktur der Raumzeit und für den Zusammenhang mit der Verteilung der Materie und in dem er damit etwas Objektives, Richtiges am Universum feststellt, daß ein solches Universum ein "besseres" Universum ist, als ein Universum, in dem es auch diesen Sachverhalt, diese Gesetzmäßigkeit gibt, in dem es aber niemanden gibt, der das erkennt, der das zu würdigen weiß, und der sagt "Ach, das ist aber großartig". Ein anderes Beispiel zur Unterstützung, zur Plausibilisierung dieser Intuition, daß ein erkanntes Universum ein besseres Universum ist, ist natürlich jede Form von Kunst. Ich meine, ich finde es großartig, daß Johann Sebastian Bach Musik geschrieben hat, und daß wir diese Musik hören können, und daß wir von dieser Musik angerührt sind, daß wir sogar so angerührt werden können von dieser Musik, daß unsere grundsätzliche Einstellung zum Ganzen der Welt sich ändert. Das hat ja auch etwas mit religiösen Gefühlen zu tun.
Und in diesem intuitiven Sinne (...) würde ich sagen, ist ein Universum, in dem es Subjekte gibt, die dieses Universum erkennen, ein besseres Universum als ein Universum, wo Materie, geistlose, bewußtseinslose, blinde Materie einfach vor sich hin agiert, nach bestimmten Mechanismen abläuft, ohne daß jemals jemand auftritt, der das erkennt, und der sich fragt "Welchen Sinn hat das Ganze? Hat das Ganze einen Sinn oder hat es keinen Sinn? Was muß ich denn annehmen, wenn es einen Sinn hat oder nicht?" Ich gebe zu, das kann ich nicht beweisen. Aber das ist meine Intuition. Und das ist im übrigen eine Intuition, die betrifft einen so zentralen Aspekt meines Selbstverständnisses, daß ich nicht ohne weiteres bereit bin, davon Abstand zu nehmen. Denn es betrifft mich vor allem als ein Wesen, das im Positiven wie im Negativen damit beschäftigt ist, die Wahrheit zu erkennen, daran scheitert, es wieder versucht und so weiter. Es betrifft also einen so zentralen Aspekt unseres Menschseins, daß ich jedenfalls die These, daß alles nur Zufall sei, "Du bist als ein erkennendes Wesen in diese Welt geworfen, aber da steckt keine Absicht dahinter, mach dir nichts draus, du wirst sowieso sterben, ein paar werden sich noch an dich erinnern, irgendwann werden auch die letzten, die sich noch an dich erinnern, gestorben sein, du wirst spurlos aus diesem Universum verschwunden sein", bevor ich das glaube, muß man wirklich sehr, sehr starke Gründe haben, um zu sagen: "Das ist aber leider so, gewöhne dich bitte an den Gedanken, das ist so." Denn zuerst einmal möchte ich sagen können: Ich darf mich in dieser Welt als ein um Vernunft bemühtes, selbstbewußtes Wesen verstehen. (...) Deshalb lasse ich mir die These, daß das Universum auf Erkennbarkeit angelegt ist, nicht so leicht von jemandem ausreden, sondern da würde ich sagen: Da mußt du sehr, sehr gute Gründe haben, wenn du sagst "Das ist eine völlig unhaltbare, alberne, nur von Wunschdenken bestimmte These."
Ein unglaubliches Statement. Fast möchte man sagen, eine neue Luther-Rede: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen!" Man spürt sofort, wie viel "Hintergrund" dieses Statement hat, daß damit ein ganzes - und insbesondere: ein neues - Weltbild mit verbunden ist. Ein Weltbild, in dem wir Menschen uns mehr zu Hause fühlen können, das uns Menschen angemessener ist als all der - man Entschuldige! - atheistische Scheiß, der uns seit Jahrzehnten so unendlich lang um die Ohren gehauen wurde. Als all der materialistische und atheistische Scheiß. Man entschuldige schon.

Und vor allem: Man beachte doch bitte, wie sich hier plötzlich die Rollen vertauscht haben. In früheren Generationen haben Physiker selbst noch recht oft mit einem gewissen Nachdruck darauf hingewiesen, daß die Bedeutung ihrer Wissenschaft für Sinnfragen des Menschen nicht unter den Tisch gekehrt werden. Auch Albert Einstein gehörte übrigens zu diesen Wissenschaftlern, ebenso Werner Heisenberg, ebenso Manfred Eigen. Und unzählige weitere könnten genannt werden. Und die Philosophen haben das - nicht selten - infrage gestellt oder zerredet oder - was was am häufigsten vorkam: ignoriert.

In dieser Diskussion jedoch wenden die beiden anwesenden Physiker alle rhetorischen und argumentativen Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen, dazu auf, einer solchen Stellungnahme, einem solchen Bekenntnis auszuweichen. Sie wollen sich nicht festlegen. Sie wollen auch nicht festgelegt werden. Sie wollen ihre Wissenschaft im Nirwana des Elfenbein-Turmes der Wissenschaft machen. Aber bitteschön soll sie doch niemand danach fragen, welche Bedeutung diese ihre Wissenschaft für eine Sinngebung des menschlichen Lebens hier in diesem Universum haben könnte. Dafür ist die Religion zuständig. Und die Religion soll - bitteschön - nicht danach fragen, was die Wissenschaft macht. (Das Mantra von so höchst "lieben" Leuten wie Stephen Jay Gould oder Jürgen Habermas, wobei letzterer sich schon vor zehn Jahren zu ersten Rückzugsgefechte diesbezüglich - in Fragen der Willensfreiheit des Menschen - bereit gefunden hatte.)

Jetzt hier in dieser Diskussion aber sind die Rollen vollständig vertauscht. Die Philosophen fordern - aus ihrer Frage nach Sinngebung in diesem Leben heraus - die Physiker zum Bekenntnis, zur Stellungnahme. Eine völlig neue Situation. Deshalb können einen diese Ausführungen des Herrn Tetens so hinreißen. Sie fordern neuerdings die Vereinheitlichung unseres Weltbildes, unseres Wissens, nicht mehr die Naturwissenschaftler. Was für eine Situation! Wie sind plötzlich die Stühle vertauscht? Wenn das Schule macht. Nicht auszudenken.

(Man beachte allerdings, daß die Diskussion in dem obigen Video nach der ersten Hälfte abflacht. Da kommt dann nicht mehr so viel Neues - aber das wollen wir im Laufe der Zeit noch selbst genauer überprüfen.)

***

Diese Ausführungen geben natürlich Anlaß, sich auch noch einmal den Einzelvortrag des Professors Tetens auf dieser Tagung anzuhören (2). Dieser Mann hat Logik, Wissenschaftstheorie und Argumentationstheorie an der Freien Universität Berlin gelehrt. Er hat sich bis etwa 2015 selbst als Atheist verstanden. Es gibt also wirkich Gründe genug zu sagen, daß seine Argumentationsstruktur ernst zu nehmen ist. Man kann ihr folgen, sie ist naheliegend und nachvollziehbar. In letzter Instanz ist die Annahme eines göttlichen Willens, aufgrund dessen das Universum und die menschliche Erkenntnisfähigkeit innerhalb dieses Universums entstanden sind, "Glaubenssache". So wie der Atheismus auch. Aber die Plausiblitätsargumente für die Annahme eines göttlichen Willens (den man sich nicht mit Tetens monotheistisch vorstellen muß) sind längst viel größer geworden als jene gegen eine solche Annahme. Und dies geschah, das stellt Tetens in seinem Vortrag womöglich noch nicht genügend heraus: durch die moderne naturwissenschaftliche Forschung.

Wenn man beachtet, welchen angesehenen Lehrstuhl Tetens innerhalb der deutschen Philosophie innegehabt hat, dann muß man doch sagen, daß einem in der Öffentlichkeit ein bisschen auffällig zu wenig über diese doch recht gewichtigen Argumente von Tetens (und Leuten seiner Art) geredet wird. Man darf sich auch fragen: Was sagen denn die etwaig noch existenten, früheren Anhänger des Jürgen Habermas, unseres einstigen atheistischen "Staatsphilosophen" dazu? Sollte nicht womöglich endlich einmal klar das Ende des Zeitalters der "Postmoderne" verkündet werden? Es geht ja nicht nur um die Lebensentscheidung einzelner Menschen, es geht auch um den Geist des Zeitalters, von dem diese Lebensentscheidungen mit beeinflußt sind.

Auf Verständnisfragen zu dieser Diskussion hin könnte gesagt werden: Daß das Weltall auf Selbsterkenntnis hin ausgelegt ist, steht ja außer Zweifel. (Jedenfalls inzwischen auch für viele Physiker.) Philosophisch könnte gesagt werden: Es will die Menschen "groß". Deshalb ist es selber so "groß". Und im Angesicht der Weiten des Alls, der - für uns - dimensionslos großen Größen des Alls, im Angesicht der ungeheuren Zeiträume, die schon menschlich gesprochen "ewig" genannt werden müssen, die das All besteht, will es uns - womöglich - darüber belehren, daß es auf Zeit, Raum und Materie an sich auch gar nicht ankommt. Wenn aber schon das platonisch "Gute" (Halfwassen, John Leslie) in ein materielles Gewand eintaucht (weil Selbsterkenntnis, Bewußt-Werden des jenseits von Raum, Zeit und Kausalität als vorliegend zu vermutenden "Großen" nur dadurch möglich wird), daß es sich dann allerdings ein Gewand von erhabener Größe gibt. "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre."

Tetens jedenfalls wendet die von ihm selbst über viele Jahre hinweg gelehrte Argumentationstheorie an, um das Anthropische Prinzip der Astrophysik philosophisch in nicht-atheistischem Sinne zu deuten. 2015 erschien seine Monographie "Gott denken" (5), in der er argumentierte, daß es vernünftige Gründe gäbe, die Möglichkeit eines persönlichen Gottes anzunehmen und sein Leben darauf auszurichten. Die Argumentationsstruktur dieses Buches stellt Tetens dann in diesem Vortrag aus dem Jahr 2018 vor (2).

Insbesondere kann einen das Engagement von Teten faszinieren, das mehr noch sichtbar wurde in der Diskussion mit Theoretischen Physikern, auf die hier eingangs hingewiesen wurde (1). Aber was folgt denn daraus, wenn der Mensch gewollt ist in diesem Universum? War denn damit die heute im öffentlichen Leben allseits verbreitete Versimpelung, Infantilisierung und Veridiotisierung gemeint? Man möchte doch meinen, daß eine Besinnung auf die geistigen Grundgehalte unserer Kultur schon lange an der Zeit ist und auch seit langem überfällig.

Kommt sie also hier zurück, die "Vertikalspannung des Menschen", wie dies von Peter Sloterdijk benannt worden ist - durch die moderne Naturwissenschaft?

Tetens bezieht sich in der Diskussion auf den britischen Physiker und Theologen John Polkinghorne (geb. 1930) (Wiki, engl). Polkinghorne hat - laut Wikipedia - unter anderem folgende Fragen gestellt:
Naturgesetze erwecken Fragen, welche naturwissenschaftlich nicht mehr zu beantworten sind: Warum ist uns die natürliche Welt so verständlich? Warum sind ihre Gesetze so fein aufeinander abgestimmt, daß sich eine fruchtbare Geschichte entfalten kann? Warum ist Naturwissenschaft möglich? Warum hat das Universum so eine besondere Gestalt? 
Und (6):
Religion ohne Naturwissenschaft ist begrenzt; ihr mißlingt es, für die Wirklichkeit völlig offen zu sein. Naturwissenschaft ohne Religion ist unvollständig; es mißlingt ihr, das tiefste mögliche Verstehen zu erreichen.
Im Rahmen genau solcher Gedanken bewegt sich Holm Tetens in dieser Diskussion. Und auffallenderweise sind diese Gedanken heutigen Physikern immer noch - neu. Der Grund dafür dürfte - unter anderem - sein, daß eine vorhergehende Generation von Physikern und Naturwissenschaftlern mehr Philosophie betrieben hat als das viele heutige, führende Physiker und Naturwissenschaftler tun, und zwar aus eigenem Erkenntnisdrang heraus. Da das in der gegenwärtigen Generation von Physikern nicht mehr so ausgeprägt sichtbar ist, kommt der heutige Impuls zum Nachdenken über die philosophische Deutung des Anthropischen Prinzips deutlich stärker von Seiten der Philosophie als von Seiten der Naturwissenschaft, insbesondere auch: vehementer.

Polkinghorne war bis 1979, bis zu seinem 49. Lebensjahr als Physiker tätig. 1979 legte er seine Professur nieder, durchlief eine theologische Ausbildung (Wiki):
In einem Interview sagte er, daß er das Gefühl hatte, daß er nach 25 Jahren seinen Teil zur Wissenschaft beigetragen hatte, und daß er die besten mathematischen Arbeiten, zu denen er fähig war, wahrscheinlich schon geleistet hatte; das Christentum war immer wesentlich für sein Leben gewesen und deshalb eröffnete eine Priesterweihe ihm eine attraktive zweite Karriere.
He said in an interview that he felt he had done his bit for science after 25 years, and that his best mathematical work was probably behind him; Christianity had always been central to his life, so ordination offered an attractive second career.
Und in der Tat machte dann eine steile Karriere innerhalb der Anglikanischen Kirche. Er gesteht ein, daß er von manchen als "vegetarischer Metzger" wahrgenommen werden könnte (Wiki):
Als Theologe mit physikalischem Hintergrund beeindruckt ihn vor allem die formale mathematische Schönheit der Quantenmechanik und Relativitätstheorie, insbesondere die - in den Worten von Eugene Wigner - unerklärbare Effektivität der Mathematik in den Naturwissenschaften. (...) Er sieht darin das Wirken einer höheren, ordnenden Macht. Einen weiteren Hinweis darauf sieht er in den speziellen Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit überhaupt intelligentes Leben im Universum entstehen kann (Anthropisches Prinzip).
_________________________
  1. Physiker und Philosophen diskutieren über den Ursprung des Universums. Podiumsdiskussion beim Workshop "Ursprung des Universums" am 7.-9. Dezember 2018 an der  Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Tagungshaus in Stuttgart-Hohenheim, veröffentlicht auf Video-Kanal "Grenzfragen" am 24.04.2019, https://youtu.be/dAUJ8IB3N_0.
  2. Tetens, Holm: Materie oder Geist als Ursprung des Universums. Vortrag beim Workshop "Ursprung des Universums" am 7.-9. Dezember 2018 an der  Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Tagungshaus in Stuttgart-Hohenheim, veröffentlicht auf Video-Kanal "Grenzfragen" am 18.12.2018, https://youtu.be/GWWuVaKNXGI.
  3. Halfwassen, Jens: Der absolute Ursprung bei Plotin. Vortrag beim Workshop "Ursprung des Universums" am 7.-9. Dezember 2018 an der  Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Tagungshaus in Stuttgart-Hohenheim, veröffentlicht auf Video-Kanal "Grenzfragen" am 24.01.2019, https://youtu.be/jdhNQvi8ac8.
  4. Hüfner, Jörg: Georges Lemaîtres Vorstellungen vom Anfang der Welt und vom Verhältnis zwischen Wissenschaft und Religion. Vortrag beim Workshop "Ursprung des Universums" vom 7.-9. Dezember 2018, Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim, veröffentlicht auf Video-Kanal "Grenzfragen" am 20.12.2018, https://youtu.be/8OW2w1zqHVk.
  5. Tetens, Holm: Gott denken. Ein Versuch über Rationale Theologie. Reclam, Stuttgart 2015
  6. Polkinghorne John: Theologie und Naturwissenschaften. Gütersloh 2002

Dienstag, 11. Juni 2019

Eine neue Zeitschrift für Wissenschafts-Freiheit aus Australien

Das "Intellectual Dark Web" - Was ist sein Sinn? (Teil 2)

Im Kampf um die "Deutungshoheit" auf dem Gebiet des Denkens über Völker und Rassen wird die Verbitterung, ja, der Haß gegeneinander auf beiden Seiten größer, erbitterter, der Tonfall erheblich absprechender als er es sowieso immer schon war. Den Hauptfehler, den ideologie-gesteuerte Wissenschafts-Feinde und Feinde der Wissenschafts-Freiheit dabei begehen, ist, daß sie nicht klar unterscheiden zwischen der Wissenschaft selbst, die nur feststellt und nur feststellen kann, "was ist" (oder "was nicht ist"), und die um dessentwillen auch die verrücktesten Fragen stellen und beantworten können muß, die also um dieser ihrer Funktion willen völlig frei sein muß und dem, was Gesellschaften, Philosophen, Denkende aus dem, was dann wissenschaftlich einigermaßen abgesichert ist, machen.

Die Wissenschafts-Feinde begehen - wie seit Jahrzehnten - den unausgesprochenen "naturalistischen Fehlschluß" vom Sein zum Sollen (Wiki). Sie unterstellen, eine wissenschaftliche Feststellung über das Sein enthalte zwangsläufige, "automatische" Schlußfolgerungen dahingehend, wie in unserer Welt wahrgenommen und gehandelt werden solle. Die Entscheidung darüber, ob mit wissenschaftlichen Erkenntnissen human oder inhuman umgegangen wird, liegt aber weiterhin allein bei den freien Gesellschaften und bei jedem freien, einzelnen Menschen selbst. Diese Entscheidung wird niemandem durch die Wissenschaft abgenommen. Alles andere wäre Bevormundung. Die Gegner der Wissenschaftsfreiheit (und damit eigentlich: die Gegner der Wissenschaft selbst) wollen den Menschen und Gesellschaften aber diese Entscheidung abnehmen, bzw. sie unterstellen, diese Entscheidung wäre den Menschen abgenommen - so oder so. Nämlich nach ihrem reichlich kruden Denken: "Weil nicht sein kann, was nicht sein darf."

Damit aber entmündigen sie freie Gesellschaften. Sie stellen damit das Prinzip der Aufklärung, von dem freie Wissensgesellschaften seit 200 Jahren - und mit großem Erfolg - geleitet sind, außerordentlich grundlegend infrage. Sie reden dann gerne von einem sogenannten "genetischen Determinismus", womit sie - mehr oder weniger stillschweigend - unterstellen, Erkenntnisse über das angeborene Sein von Menschen und Völkern enthalte zwangsläufige ("deterministische") Schlußfolgerungen darüber, wie Menschen und Völker sich selbst und andere wahrnehmen "sollten", wie sie bewerten "sollten" und wie sie handeln "sollten".

Und weiterhin legen sie in einem weiteren Fehlschluß - sozusagen "stillschweigend" - nahe oder unterstellen, ohne dabei zum Nachdenken aufzufordern, daß Menschen und Völker nur die allerschlechtesten und allerübelsten Schlußfolgerungen zu ziehen fähig wären aus Erkenntnissen über das angeborene, evolutierte Sein von Menschen und Völkern.

Abb. 1: Karrikatur von Carlos Latuff (Wiki), Dezember 2011 - Ganz selten einmal wird es so deutlich aufgezeigt, daß die Völker und Religionsgruppen von exakt denselben Hintergrundmächten (hier Oberster Rat der Streitkräfte Ägyptens) gegeneinander aufgehetzt werden - Karrikatur eingebunden auf dem Wikipedia-Artikel "Kopten" (Wiki)

In ihrem Diktus: "Pseudowissenschaftliche" Erkenntnisse über angeborene Begabungsunterschiede zwischen Völkern und Rassen führen "automatisch" zur Auf- bzw. Abwertung einzelner Menschen und Völker und Rassen und dann - weiterhin - ("wir haben ja aus der Geschichte gelernt") "automatisch" nach Auschwitz. Daß zwischen allen diesen Entscheidungen

  1. der Entscheidung darüber, ob überhaupt Pseudowissenschaft oder Wissenschaft vorliegt,
  2. der Entscheidung darüber, ob - wenn keine Pseudowissenschaft vorliegt - Wissenschaft gültige Erkenntnisse nach dieser oder jener Richtung gewonnen hat,
  3. der Entscheidung darüber, ob diese Erkenntnisse "automatisch" zu pauschalen Auf- oder Abwertungen von Menschen, Völkern und Rassen führen "müssen",
  4. der Entscheidung darüber, ob irgendwie vorgenommene "Bewertungen" überhaupt zu Benachteiligung, "Diskriminierung" oder gar noch mehr: zu Vertreibung, Mord, Totschlag, Gewalt und Massenmord und Massenmigrationen führen müssen,

daß also zwischen all diesen Entscheidungen Menschen stehen, die - auch in Auseinandersetzung mit diesen Entscheidungen - ihren Edelsinn in sich entfalten können, moralisch über sich hinaus wachsen können, darüber wird im schnellstmöglichen Tempo bei allen Debatten hinweg gegangen. Es wird also im schnellstmöglichen Tempo darüber hinweg gegangen, daß zwischen allen diesen Entscheidungen keinerlei "Automatismen", "Determinismen" liegen. Und es wird dann die Aufmerksamkeit insbesondere auf jene Personen gerichtet, von denen zumindest im Vorhinein nicht völlig klar ist, daß sie diese Entscheidungen auf astreinem moralischen Niveau treffen würden - sprich: weil es eben - im Diktum der Wissenschaftsfeinde - nichts anderes als "Nazis" sind - oder auch: nichts anderes als "Nazis" sein können.

"Der Nazi" nun wird in diesen Debatten gebraucht, er wird unbedingt gebraucht. Er wird gebraucht, um das ganze Feld der humanen Erörterung  dieser Fragen von vornherein in der größtmöglichen Weise zu kontaminieren. Wenn es "den Nazi" nicht schon gäbe (sagen wir in Form von Hampelmännern wie "Trump" oder neuerdings "Strache" und vielerlei anderen) - dann müßte man ihn schaffen - mit allem, was dazu gehört. Sagen wir, indem man von Geheimdiensten aus Parteien wie die NPD gründet und "formt" oder Terrorgruppen wie die NSU etc. etc. pp..

Volker Pispers hat "den Nazi" allgemeiner als "das Arschloch im Wandschrank" bezeichnet, mit dem der amerikanische Auslandsgeheimdienst seit vielen, vielen, vielen, vielen Jahrzehnten weltweit hunderte von "Terrorjahren", Regierungsumstürzen ("regime change"), Bürgerkriegen, Kriegen und Weltkriegen vom Zaun gerissen hat, um "Strategien der Spannung" zu fahren, um Frieden zwischen den Völkern und Kulturen und innerhalb derselben zu zerstören in einem scheinbar geradezu fanatischen Willen, "die Welt in Flammen zu setzen" (so hier von uns formuliert in Anlehnung an einen Buchtitel über den britischen Auslandsgeheimdienst während des Zweiten Weltkrieges: "Setting Europe Ablaze").

Ohne echte Herzhaftigkeit, aber dennoch "zeitgemäßer" als alle sonst: Die neurechte Online-Zeitschrift "Quillette"

Wenn die neurechte Zeitschrift "Sezession" endlich - Jahrzehnte später - jene Themen aufgreifen würde, um die es in diesem Blogbeitrag geht, und die nicht zu thematisieren von Seiten dieses Blogs schon seit mehr als zehn Jahren als ein außerordentlicher Hohn benannt und begriffen worden ist, als Verdummung des Volkes benannt worden ist und wird (was auch etwa Alain de Benoist seit drei Jahrzehnten so betreibt), wenn also die "Sezssion" endlich jene Themen aufgreifen wird, die unter Schlagworten wie "Biopolitik", "Biorealismus, "Rasse-Realismus" behandelt werden, und die ganz allgemein naturwissenschaftsnahes Argumentieren aufgreifen, was schon spätestens seit zehn Jahren hätte geschehen müssen, dann - - - wird sie inhaltlich ähnlich aufgestellt und strukturiert sein wie das heute schon das 2015 gegründete neurechte australische Online-Magazin "Quillette" ist. Ein Blick in dieses Online-Magazin "Quillette" gewährt also einen Blick in die Diskussionslandschaft auch im Deutschland der Zukunft. In "Quillette" werden nämlich - natürlich immer noch "wohldosiert" - all jene Kernfragen in einiger Regelmäßigkeit weiter erörtert, die 2010 einmal kurzzeitig in Deutschland im Zusammenhang mit der "Sarrazin-Debatte" erörtert worden waren.

Die "Sezession" wird es dann - sicher - genauso wie "Quillette" machen: alle relevanten Fragen, denen nicht mehr auszuweichen ist, wenn einem die Leser nicht gänzlich zu anderen "Meinungsführern" davon laufen sollen, werden sie dann - notgedrungen - aufgreifen mit so unendlich vielen Jahrzehnten Verspätung. Aber zugleich werden sie auch alle relevanten Fragen gleich wieder unterschwellig zerreden, indem man - wieder - irgendeinen "Mittelweg" ("schmalen Grat") findet, indem man - wieder - die Erkenntnise und Fragen der Forschung nicht vollständig und breit und herzhaft zur Erörterung stellt, abbildet, indem man also - wieder - irgendwo, irgendwie "bremst", "Sand ins Getriebe" streut so gut es eben möglich ist, wenn man diese ganzen Themen eben letztlich gar nicht erörtern will und es nur aller notgedrungen und damit eben ohne Herzhaftigkeit tut.

Sorgenvoll wird hingegen weiterhin - zumindest unterschwellig - vor "zu weitgehenden" Schlußfolgerungen gewarnt, bzw. auf die Möglichkeit derselben gar nicht hingewiesen. Es geht hier nämlich schlicht um Schlußfolgerungen in Richtung auf völkisches Denken ganz allgemein, das letztlich aus der Wissenschaft so viel Unterstützung erhält.

Wer also die einigermaßen entscheidenden gesellschaftspolitischen Diskussionen kennenlernen will, die auch die Erörterungen in Deutschland "irgendwann" in der Zukunft bestimmen werden, der muß in "Quillette" hineinschauen, bzw. besser noch auf Twitter gehen und dort die Twitter-Accounts von Claire Lehmann, Emil Kierkegaard, Paige Harden, Angela Saini und vielen ähnlichen Leuten um diese herum abonnieren und verfolgen. In ihnen spiegelt sich - allein von der Stimmung her und auch von der Art der Verbitterung auf beiden Seiten her - etwas Neues wieder, etwas, das man aus deutschsprachigen gesellschaftspolitischen Diskussionen in diesem gegenseitigen Haß vielleicht noch nicht kennt. Und dies liegt - vermutlich - daran, daß sich eben auch inhaltlich die Schwerpunkte der Erörterung in Richtungen verschieben wie man sie in Deutschland in der Breite so noch nie kennengelernt und wahrgenommen hatte. Ich betone: Noch nie.

Das früher sehr randständige, Elfenbeinturm-artige Diskussion-"Feld" rund um die sogenannten "Rasse-Realisten" (in Deutschland in den 1970er Jahren auch "Biopolitik" genannt) und rund um die Evolutionäre Psychologie (Soziobiologie) differenziert und fächert sich gerade weit auf, weiter als es jemals aufgefächert gewesen ist. Und das ist sehr, sehr bemerkenswert. Unterschiedlichste politische Strömungen und Interessenrichtungen fühlen sich inzwischen gehalten, sich zu biopolitischen Themen, zu der biologischen Existenz von Rassen und Völkern zu positionieren. Und jede tut das etwas anders. Die bisherigen, oft nur Kennern bekannten Namen auf diesem Feld der Erörterung waren unter anderem: der US-amerikanische Intelligenz-Forscher Charles Murray, der US-amerikanische Wissenschaftsblogger mit indischen Wurzeln Razib Khan, der US-amerikanische Journalist Steve Sailer, der US-amerikanische Evolutionäre Psychologe Kevin MacDonald. Außerdem, aus allgemeineren Zusammenhängen ("Blank Slate", "Egoistisches Gen") oft besser bekannt: Steven Pinker, Richard Dawkins, Sam Harris oder - neuerdings - David Reich. Sie alle sind - die wenigsten Deutschen werden das zwischenzeitlich mit bekommen haben - seit längerem oder erst seit Kurzem "Rasse-Realisten". Und so natürlich auch allerhand bekanntere oder weniger bekannte Leute um diese herum. Diese Menschen und ihre Meinungen zum Thema Rasse traten für die große Öffentlichkeit bislang immer nur kurz und randständig und "wohldosiert" in Erscheinung, wohl eigentlich zuletzt nur 1994 in der "Bell-Curve-Kontroverse", als diese Meinungen einmal kurzzeitig im Mittelpunkt einer größeren öffentlichen Debatte standen.

In Deutschland wurden spärliche Inhalte dessen, für was diese Leute stehen, erörtert im Zusammenhang mit der "Sarrazin-Debatte" des Jahres 2010. Aber abgesehen von diesen beiden Ereignissen waren die Debatten rund um diese Fragen immer außerordentlich randständig geblieben. In Deutschland hat regelmäßiger über Forschungsfragen in diesem Bereich eigentlich nur der Autor dieses Blogs berichtet. (Auch Andreas Müller von "Feuerbringer" tat es, ebenso tun dies einige Rezensenten auf Amazon wie Volkmar Weiß, Andreas Vonderach und andere dort.)

Nun aber deutet sich im englischsprachigen Raum ein einigermaßen neues Geschehen an, ein sich deutlich verbreiterndes Feld der Erörterung. Eine zum Teil ganz neue Diskussions-Landschaft entsteht, geprägt - einmal erneut - durch die so wunderhübsche "Distanzeritis" von fast allen fast allen anderen gegebenüber, also jener Distanzeritis, mit denen Hintergrundmächte die Völker - und insbesondere die volkserhaltenden Kräfte in ihnen - seit Jahrzehnten so wunderbar gegeneinander ausspielen - und damit "in Schach" und im "Zaum" halten. Wenn in Deutschland in positiver Hinsicht von "Distanzeritis" die Rede sein soll, dann redet man - in den Worten von Götz Kubitschek - gerne vom "schmalen Grat". Entscheidend ist jedenfalls immer, daß sich das ganze "Diskussionfeld" nun immer mehr in die Nähe der Naturwissenschaft verschiebt, bzw. zum Teil schon schon mitten in diese hinein, das hat der "schmale Grad" der Leute um Götz Kubitschek bis heute nicht wirklich zugelassen - abgesehen davon, daß man dem "Feigenblatt" Andreas Vonderach Raum gewährte.

Also ein Geschehen, das in den 1970er Jahren mit dem Begriff "Biopolitik" vorweg genommen worden war, dann aber von der gejiackten "Neuen Rechten" (von Alain de Benoist, Karlheinz Weißmann, Götz Kubitschek und Konsorten) Jahrzehnte lang - und bis heute - auf die lange Bank geschoben worden war, entfaltet sich jetzt, im Jahr 2019 in der englischsprachigen Welt.

Seit dem Jahr 2018 nahmen die polygenetische und die Ancient-DNA-Revolution Fahrt auf

Wodurch ist der Umschwung, der hier sichtbar wird, "notwendig" geworden? Das kann leicht und schnell benannt werden: Einerseits durch die "polygenetische Revolution" seit etwa 2016, andererseits durch die "Ancient-DNA-Revolution" seit 2015. Beide haben wir auf unseren Blogs und in unseren Videos schon ausführlicher oder weniger ausführlich behandelt. Erstere Revolution wurde zunächst repräsentiert durch eine Buchveröffentlichung des namhaften Humangenetikers Robert Plomin aus dem Jahr 2018, letztere durch eine Buchveröffentlichung des namhaften Humangenetikers David Reich aus demselben Jahr (im Frühjahr 2019 zog sein deutscher Kollege Johannes Krause mit einer etwas harmloseren Buchveröffentlichung nach).

Die "London Conference on Intelligence"

Inzwischen - nämlich ab Januar 2018 - ist noch eine weitere Gruppierung ins Spiel gekommen, von der man in diesem Zusammenhang wissen muß, nämlich eine Gruppe von Nachwuchs-Wissenschaftlern, die unter dem Begriff "London Conference on Intelligence (LCI)" (Wiki, RationalWiki) bekannt geworden ist, die sich seit 2014 regelmäßig trifft, die aber erst Anfang 2018 - und dann in arg diffamierender Art - öffentlich bekannt wurde. Sie steht unter dem bekannten Verdikt, "wissenschaftlichen Rassismus" zu betreiben, gar Eugenik zu betreiben, "sprich", so der Duktus, sich in der Nähe von "Nazi-Ideologie" zu bewegen. Lauter "Mengeles" quasi in dem außerordentlich absprechenden, abwertenden Sprachduktus der Feinde der Wissenschaftsfreiheit. Zu dieser Gruppe wird aber sogar der namhafte deutsche Intelligenzforscher Heiner Rindermann von der Universität Chemnitz gezählt, ebenso wie andere namhafte Forscher und Lehrstuhl-Inhaber. Sie hat also einiges akademisches Schwergewicht. Und derzeit scheint es geradezu darum zu gehen, diese Gruppe quasi in "Karantäne" zu nehmen, und alle, die sich ihr gedanklich annähern möchten, einzuschüchtern, damit sich der Gedankenvirus derselben nicht weiter innerhab der ganz normalen, etablierten Wissenschaft, für die ein Heiner Rindermann steht, ausbreitet.

Und dazu eben wird neuerdings eine Gruppe von Autoren, die sich für die Wissenschaftsfreiheit dieser "London Conference on Intelligence" einsetzt, halbironisch oder mehr als halb ernsthaft als "Intellektuelles Dark Web" bezeichnet (Wiki), also als Autoren eines vorgeblichen ideologischen "Dunkelfeldes" im Internet. Zu ihnen werden Autoren gezählt, die lange Zeit als völlig seriös und "etabliert" galten: Sam Harris, Steven Pinker, Claire Lehmann, Michael Shermer, Ayaan Hirsi Ali, Jordan Peterson. All diese werden nach und nach stärker unter "die Bösen" eingereiht, weil sie sich für die falschen Ideen und Gedanken stark machen.

Dami ziehen sich die Fronten eines sich neu andeutenden Wissenschafts-Krieges nicht mehr zwischen eher abseitigen Forschern und Autoren einerseits und dem Mainstream andererseits, sondern neuerdings zieht sich die Front mitten zwischen die Forschung selbst hindurch. Und zwar wird dies repräsentiert durch zwei Offene Briefe an die Universität Cambridge, die jeweils von hunderten von Wissenschaftlern unterschrieben worden sind.

1.400 Wissenschaftler für Wissenschaftsfreiheit

Im Dezember 2018 haben mehr als 500 Wissenschaftler, angeführt durch den anarchistischen US-amerikanischen Völkerkundler David Graeber (geb. 1961) (Wiki), einen Offenen Brief unterzeichnet in Protest dagegen, daß der 28-jährige britische Soziologe und Nachwuchswissenschaftler Noah Carl (geb. 1991) (Wiki) am St. Edmund's College der Universität Cambridge in das angesehene Forschungsprojekt "Human Biological Diversity" mit einem Forschungsstipendium aufgenommen worden ist (1, 2). Noah Carl hat wissenschaftliche Aufsätze veröffentlicht in angesehenen "Peer Review"-Zeitschriften wie: "Intelligence", "Personality & Individual Differences", "The American Sociologist", "Comparative Sociology", "European Union Politics" und "The British Journal of Sociology". Diese Aufsätze wurden seit 2013 235 mal in anderen Aufsätzen zitiert, wurden also in der Wissenschaft zur Kenntnis genommen. All das schützte den Nachwuchs-Soziologen nicht davor, in einem Offenen Brief, der von mehr als 500 Wissenschaftlern weltweit unterzeichnet worden ist, angeklagt zu werden, seine Arbeiten seien "ethisch fragwürdig" und "methodologisch fehlerhaft". In dem Brief wird festgestellt (3):

"Wir sind schockiert darüber, daß eine ganze Reihe von Arbeiten, die wesentlichste Irrtümer in der Datenanalyse und in ihrer Interpretation enthalten, scheinbar so ernst genommen worden sind".
Schon das Vorgehen selbst atmet an Unwissenschaftlichkeit die Fülle. Der normale und gültige Weg, der in der Wissenschaft offen steht, "Irrtümer in der Datenanalyse und in ihrer Interpretation" aufzuzeigen, ist in eigenen Aufsätzen selbst oder in Leserbriefen an jene Zeitschriften, in denen die Aufsätze erschienen sind, die - angeblich - Irrtümer enthalten. Aber es wird im Offenen Brief noch nicht einmal der Versuch des Nachweises irgendeiner Fehlerhaftigkeit unternommen. Weiterhin: Wenn die Aufsätze "ethisch fragwürdig" sind, so hätte sich dieser Vorwurf allein an die Herausgeber der genannten Zeitschriften selbst zu richten, in denen diese Aufsätze erschienen sind, sowie an jeweiligen Gutachter, die die Veröffentlichung der Aufsätze befürwortet haben. Wozu ist sonst das Peer-Review-Verfahren da? Es muß da sehr viele Gutachter gegeben haben, die alle die "ethische Fragwürdigkeit" gar nicht gesehen haben! Es wird vermutet, daß es gar nicht seine wissenschaftlichen Arbeiten selbst sind, die den entrüsteten Offenen Brief hervorgerufen haben, sondern (3):
Das Verbrechen von Dr. Carl ist, daß er Intelligenzforscher verteidigt hat, die über die Tabuthemen von Rasse, Genen und Intelligenz veröffentlicht haben und daß er argumentierte, daß das Abwürgen der Debatte vermutlich mehr Schaden anrichtet als wenn erlaubt würde, daß sie offen durch Wissenschaftler diskutiert werden. Es scheint, daß es dieser Umstand und ist und der Umstand, daß er auf der London Conference of Intelligence von 2017 sprach zusammen mit einigen dieser Forscher (obwohl er selbst gar nicht über Rasse, Gene oder Intelligenz auf dieser Konferenz gesprochen hat), die die Grundlage für die Anklage des Briefes boten, daß er des "pseudowissenschaftlichen Rassismus" schuldig wäre.
Original: Dr Carl’s crime is that he has defended intelligence researchers who’ve written about the taboo topics of race, genes and IQ and argued that stifling debate in these areas is likely to cause more harm than allowing them to be freely discussed by academics. It appears to be this, and the fact that he spoke at the London Conference of Intelligence in 2017 alongside some of these researchers (although he did not himself speak about race, genes or IQ at that conference), that is the basis for the accusation, made in the letter, that he is guilty of “pseudoscientific racism.”
Das ist wirklich eine kraß hysterische Reaktion. Jemand arbeitet wissenschaftlich gar nicht im Bereich Rasse, Gene und Intelligenz, sondern fordert nur die freie Erörterung aller offenen Fragen auf diesem Gebiet und wird schon allein deshalb des "pseudowissenschaftlichen Rassismus" angeklagt. Kann es bessere Zeugnisse geben dafür, daß die Ankläger sich ihrer Sache nicht sicher sind? Wie soll etwas offen und redlich zur Pseudowissenschaft erklärt werden, dessen freie Erörterung sofort bestraft wird? Damit rückt die ganze Debatte zunehmend in den Bereich der gleichen Gesetzmäßigkeiten wie die nicht mögliche freie wissenschaftliche Erörterung des Massenmordes an den Juden während des Zweiten Weltkrieges. Der Hysterie-Pegel steigt, dehnt sich auf weitere Gebiete aus. Ganz richtig wird dazu ausgeführt (3):
Er hat sich noch nicht einmal die Füße naß gemacht in diesen gefährlichen Gewässern - er hat nur das Recht von Wissenschaftlern verteidigt, das tun zu dürfen.
Original: He hasn’t even waded into these dangerous waters himself - he has just defended the right of academics to do so.
Es wird vermutet, daß die meisten Unterzeichner dieses Offenen Briefes die Vorwürfe nur aufgrund von "Hörensagen" unterzeichnet haben, daß sie sich nicht selbst gründlich mit ihnen auseinander gesetzt haben. Viele der Unterzeichner scheinen ganz fachfremd zu sein auf den Gebieten, auf denen Noah Carl veröffentlicht hat, wie gesagt, in völlig anerkannten wissenschaftlichen Zeitschriften. Der nahmhafte Forscher Jonathan Haidt nennt diesen Offenen Brief "schändlich" und eine "Hexenverfolgung". Er sagt ganz richtig (3):
Wenn hunderte von Professoren meinen, daß Noah Carl schlechte Wissenschaft betreibt, dann sollen sie es mit Zitaten und Literaturangaben belegen.
Original: If hundreds of professors think that Noah Carl conducts bad science, let them make the case, with quotations and citations.
Auch der namhafte Forscher Peter Singer hat sich in diesem Sinne zu Wort gemeldet (3). Dieser Umstand bringt in einem die Fragen in Erinnerung: Wie nehmen der Humanistische Pressedienst und die Giordano Bruno-Stiftung in Deutschland, die sich doch so gerne auf Peter Singer berufen, zu dieser ganzen Frage Stellung? Google-Suche scheint uns zu antworten: Sie schweigen sich aus.

Infolge des Offenen Briefes hat das St. Edmund's College eine Untersuchung eingeleitet, durchgeführt von einem Juristen und einem Tiermediziner (!), deren Ergebnis war, daß Noah Carl das bewilligte Forschungsstipendium wieder abgesprochen wurde. Daraufhin haben mehr als 1.400 Wissenschaftler einen Offenen Brief unterzeichnet, in dem das Vorgehen der Unterzeichnen des ersten Offenen Briefes und des St. Edmund's College als Untergraben der Wissenschaftsfreiheit gekennzeichnet wird (4).

Zu den Unterzeichnern des letzteren Offenen Briefes gehören bedeutende und namhafte Wissenschaftler (4). Steven Pinker ist darunter, Jonathan Haidt, Peter Singer, David Gil (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena), der deutsche Intelligenzforscher Heiner Rindermann (Universität Chemnitz), Namen, die längst der Wissenschaftsgeschichte angehören wie der Zwillingsforscher Thomas Bouchard, der Evolutionäre Psychologe John Tooby, der Intelligenzforscher Charles Murray, sogar der - nicht besonders gute - britische Zeithistoriker Niall Ferguson. Ein Magdeburger Physik-Professor befindet sich darunter, ebenso einige deutsche Doktoranden, etwa aus Hamburg, Mainz oder Tübingen. Indem man letzteres erfährt, darf man übrigens innerlich aufatmen. Diese Studenten sind von keiner deutschsprachigen Zeitschrift, auch nicht von "Sezession", auch nicht von Seiten des Humanistischen Pressedienstes dazu aufgefordert oder ermutigt worden. Und sie haben es dennoch getan.

Soweit übersehbar, haben Wissenschaftler der deutschen "MVE-Liste", der deutschen Soziobiologen nicht unterzeichnet. Womöglich ist man dort einfach zu schläfrig, um ein waches Bewußtsein für die Vorgänge zu entwickeln.

Wenn die Arbeiten von Noah Carl in angesehenen wissenschaftlichen Zeitschriften erschienen sind und wenn nun noch über 1400 Akademiker, darunter viele der genannten Namhaften, erklären, daß es ein Fehler ist, diese Arbeiten pauschal als ethisch fragwürdig und als schlechte Wissenschaft darzustellen, dann fällt die Kritik des ersten Offenen Briefen völlig in sich zusammen. Dennoch haben sich die Kritiker - auch in dieser Frage einmal wieder - nicht durchgesetzt (5). Auf dem sogenannten "RationalWiki" werden die Vorgänge übrigens aus Sicht der Kritiker dargestellt (RationalWiki).

Damit ist die Auseinandersetzung mitten in die Naturwissenschaft selbst hinein getragen in einer Weise, wie man es bislang noch nicht erlebt hat (es sei denn in der Sowjetunion ... unseligen Angedenkens). Die Gegner der Wissenschaftsfreiheit sind also gewillt, ihre wissenschaftsfeindlichen Ideologien Zentimeter um Zentimeter zu verteidigen. Darunter werden sich viele Gutwillige befinden, denen es einfach ebenfalls schwer fällt zu durchschauen, daß es hier insgesamt um den naturalistischen Fehlschluß und seine Auflösung geht: Die Feststellung, daß etwas in einer bestimmten Weise ist, enthält keinerlei zwangsläufige Schlußfolgerungen dahingehend, wie etwas von Menschen gestaltet werden sollte.

Die Vorgänge haben in der deutschsprachigen Öffentlichkeit bislang kaum ein Echo gefunden, außer in einem neutralen Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung (1) und außer einem außerordentlich skandalisierenden, stimmungsmachenden auf der "World Socialist Website" (2). Womit die große Medienlandschaft - und auch die sogenannten "freien Medien" - aufzeigen, was ihnen wichtig ist und was nicht.

An dem letzteren Artikel (2) kann übrigens gut erkannt werden, mit was für einer massiven Verhetzung und Unsachlichkeit gearbeitet wird. Es wird alles ausgegraben und in entsprechende Zusammenhänge gestellt, was nur immer an Vorwürfen vorgebracht werden kann. Daraus entsteht das Bild von Neonazi's, die sich in die Wissenschaft "eingeschlichen" hätten. Es wird nicht mehr gefragt: Stimmen die Ergebnisse, die ein jeweiliger Wissenschaftler vorträgt und wenn ja: wie wären sie philosophisch und gesellschaftspolitisch einzuordnen? Es wird gar nicht mehr gefragt, ob die Ergebnisse Anspruch darauf haben, ernsthaft erörtert zu werden. Nein, all das geschieht nicht mehr. Es wird nur noch pauschal auf Diffamierung und Kennzeichnung als "böse, böse, böse" umgestellt.

Ob und wie diese Strategie wohl kurz-, mittel- und langfristig aufgeht? Es wäre dies desaströs für die Weiterentwicklung der modernen Gesellschaften, wenn sie aufginge. Verfolgt man aber den tief verbitterten Tonfall, in dem Wissenschaftler rund um Emil Kierkegaard, Charles Murray und andere (auf Twitter) diskutieren, hat man das Gefühl, sie befinden sich völlig in der Defensive und werden immer mehr ins Abseits gedrängt. Dabei ist zugleich offensichtlich, daß sie wesentliche Fragen der Zukunftsfähigkeit moderner Gesellschaften sachlich, wissenschaftlich bearbeiten.

Übrigens ist auch ein einigermaßen bekannter britischer Mainstream-Journalist, nämlich Toby Young (geb. 1963) (Wiki), seit 2017 Autor von "Quillette" und hat auch für kurze Zeit an einer der "London Conferences on Intelligence" teilgenommen, was ihm von der gegnerischen Seite schwer verdacht wird.

Es ist nun natürlich noch ebenso zu beachten und weiter zu beobachten die Art jenes "schmalen Grates", die Art jener "Distanzeritis", wie sie nun auch innerhalb des verbreiternden Feldes der naturwissenschaftsnahen Erörterung betrieben wird. Davon hat Claire Lehmann (geb. 1985) (Wiki), die Gründerin und Herausgeberin des von "Quillette", schon vor einem Jahr in einem Twitter-Beitrag einen Eindruck gegeben, als sie dort am 10. März 2018 schrieb (9):

Das ist wichtig: Kevin MacDonald's Thesen über Juden und Gruppenevolution sind einer der Hauptgründe dafür, daß der Antisemitismus in den letzten Jahren wieder aufgelebt ist. Nun hat Cofnas eine Punkt-für-Punkt-Widerlegung seiner Kernthesen vorgelegt.
Original: This is important: Kevin MacDonald's ideas about Jews & group evolution is a key reason why anti-Semitism has had a resurgence in recent years. Here, Cofnas has produced a point-by-point rebuttal of his key thesis.

Dazu ist zu sagen, daß es eine außerordentlich krasse Behauptung ist zu sagen, eine rein wissenschaftliche Arbeit über Judentum und Antisemitismus als gruppenevolutionäre Strategien hätte zu nicht geringen Anteilen zu einem Wiederaufleben des Antisemitismus in der heutigen Welt geführt. Da ist also die Distanzeritis natürlich wieder sofort in voller Blüte. Kurz zuvor war der hier erwähnte Artikel von Cofnas selbst erschienen, ein Artikel, der - in dieser oder ähnlicher Form - bei der "Anti-Defamation-League" seit bald 20 Jahren im Schrank gelegen hatte, und zu dessen Veröffentlichung sie sich erst jetzt - im Jahr 2018 - angesichts der heranrollenden neuen Welle von Rassewissenschaft in der Forschung entschließen konnte.

Was dieser Twitter-Beitrag sagt, ist: Claire Lehmann will sich zwar mit ihrer Online-Zeitschrift "Quillette" für das die freie Denken einsetzen. Aber durch dieses - angeblich - so "freien Denken" darf der Antisemitismus nicht gefördert werden so wie es - offensichtlich - das freie Denken von Kevin MacDonald getan hat.

Eine solche Vorgehensweise wie diejenige von Claire Lehmann ist eigentlich in der Wissenschaft selbst nicht üblich, aber wir kennen dieses Distanzieren gegenüber Kevin MacDonald, während man gleichzeitig Kernthesen seiner Arbeiten übernimmt und erörtert, schon von anderen namhaften Autoren, namentlich von Seiten von Steven Pinker und von David Reich. Also nichts Neues unter der Sonne, außer daß damit nun allmählich eine "Verhaltensregel" erkennbar wird unter Menschen, die - jeweils bestens erkennbar - für die Verfolgung jüdischer gruppenevolutionärer Strategien gegenüber Nichtjuden stehen, natürlich immer jeweils bestens angepaßt an jene neue Zeitlage, die sich jeweils durch die aktuellsten Entwicklungen in der Wissenschaft selbst ergibt.

Wichtig sind diese Umstände deshalb: Weil diese Menschen es gegenwärtig sind, die die öffentliche Erörterung über die naturwissenschaftliche Erforschung von Begabungsunterschieden zwischen Völkern und Rassen bestimmen und hierbei - sozusagen - die Strippen ziehen, Claire Lehmann vor allem als Herausgeberin der Zeitschrift "Quillette". - Doch über all solche "Nebenbeobachtungen" hinweg bleibe man sich der Haupterkenntnis dieses zweiteiligen Blogbeitrages bewußt: Eine völlige Veränderung der öffentlichen Debatten-Landschaft kündigt sich an, eine Verlagerung von vormaligen "Bell-Curve"- und "Sarrazin"-Debatten in eine "Zwischenzone", in das "Intellectual Dark Web".

Warum nur fühlt sich dieses "Intelectual Dark Web" - trotz des proklamierten wissenschaftsnahen Säkularismus fast aller Protagonisten - dennoch in letzter Instanz so monotheistisch an? Ähnlich monotheistisch wie in Deutschland - etwa - der "Humanistische Pressedienst"? Darüber mag sich jeder so seine eigenen Gedanken machen .....
__________________________________________
  1. Neumann, Marc: Vorwürfe statt kluger Debatte - die Intelligenzforschung verheddert sich in Polemik. In: NZZ, 18.12.2018, https://www.nzz.ch/feuilleton/intelligenzforschung-und-genetik-polemik-statt-nuechterne-debatte-ld.1444423
  2. Thomas Scripps: University of Cambridge - Akademiker und Studenten protestieren gegen Vergabe eines Forschungsstipendiums an Eugeniker Noah Carl, in 2 Teilen, erschienen auf Englisch Dezember 2018, auf Deutsch April 2019, https://www.wsws.org/de/articles/2019/04/20/carl1-a20.html, https://www.wsws.org/de/articles/2019/04/23/carl2-a23.html
  3. Quillette Magazine: Academics’ Mobbing of a Young Scholar Must be Denounced. In: Quillette Magazine - A platform for free thought, 7. Dezember 2018, https://quillette.com/2018/12/07/academics-mobbing-of-a-young-scholar-must-be-denounced/
  4. Lehmann, Claire: Cambridge Capitulates to the Mob and Fires a Young Scholar, Quilette, 2. Mai 2019, https://quillette.com/2019/05/02/cambridge-capitulates-to-the-mob-and-fires-a-young-scholar/
  5. Quillette Magazine: Noah Carl: An Update on the Young Scholar Fired by a Cambridge College for Thoughtcrime. May 28, 2019, https://quillette.com/2019/05/28/noah-carl-an-update-on-the-young-scholar-fired-by-a-cambridge-college-for-thoughtcrime/
  6. https://rationalwiki.org/wiki/Noah_Carl
  7. Neumann, Marc: Auf der Suche nach der Debattengemeinschaft. Das Online-Magazin «Quillette» um die Ruhestörerin Claire Lehmann schreibt gegen den Strom. NZZ, 18.1.2019, https://www.nzz.ch/feuilleton/online-magazin-quillette-gegen-den-mainstream-debattieren-ld.1452151
  8. The Rubin-Report: Respecting Ideas, Even Dangerous Ones (Claire Lehmann Pt. 1), 26.09.2018, https://youtu.be/lMXYeD6xeRs
  9. Lehmann, Claire: Über Kevin MacDonald, 10.3.2018, https://twitter.com/clairlemon/status/972571330796077056?lang=de  
  10. Bading, Ingo: Kolonialismus - In umgekehrter Richtung - ? Die Rückkehr der Rassewissenschaft  - Oder: "Wie die indische Wissenschaft gerade die Weltherrschaft übernimmt". GA-j!, 17. Mai 2019, http://studgenpol.blogspot.com/2019/05/kolonialismus-in-umgekehrter-richtung.html

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