In den Weiten und Tiefen des Internets bin ich irgendwann auf Daniel Hermsdorf gestoßen. Da Daniel Medienwissenschaftler ist, da seine Seite äußerlich gut aufgemacht ist, da er sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel hat, war ich doch nicht wenig angetan und beeindruckt. Das machte doch alles schon einen sehr seriösen Eindruck.
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| Daniel Hermsdorf - Vorschaubild seines neuesten Videos |
Vorsicht!
Die Gedanken, die dahinter stehen, werden überhaupt nicht erläutert und sind völlig absurd. Wenn ich es recht verstehe, sollen die Spieler der deutschen Nationalmannschaft nach irgendwelchen Gesichter-Ähnlichkeiten ausgewählt worden sein. Das ist eine irre Theorie, für die ich von Daniel noch nirgendwo eine gute Herleitung und Verortung in irgendwelchen okkulten Texten gelesen habe. Kritiken, die ich schon vor Monaten auf seinem Blog dazu geschrieben habe, hat er nie gut beantworten können bis heute. Nachdem ich mich inzwischen intensiver mit Daniels Kernthemen beschäftigt habe, kann ich vor all dem nur warnen.
Bestimmte medienwissenschaftliche Diskurse und Sichtweisen verleiten ihn dazu, überall - richtiggehend überall - Symbole, Zeichen, Bedeutungen, Inszenierungen zu sehen. Er unterstellt okkulte Zeichen auch dort noch, wo er nicht ansatzweise nachweisen kann, dass diese bewusst aus okkulten Gründen gesetzt worden sind. Hier also jetzt die deutsche Nationalmannschaft. Dabei sollte es doch wahrlich Wichtigeres zu kritisieren geben.
Gesichter-Ähnlichkeit als "Casting-Karussell mit Humor-Effekt für die Logen im Hintergrund" - was für ein Quatsch
Es wird nicht erklärt, warum Gesichter-Ähnlichkeiten in Fußballmannschaften eine "Spaßbremse" sein sollen. Das werden sie doch nur, wenn man die dahinterstehenden Gedankenkonstrukte des Daniel Hermsdorf für plausibel halten kann. Nämlich dass Hintergrundmächte Vordergrundpolitiker - und nun also auch Profisportler - nach Gesichter-Ähnlichkeit auswählen. Aber wenn man diese schon verfolgt und einer Leserschaft nahe bringen will, muss man zunächst einmal die Grundlagen dafür legen und nicht mit den weitest entfernten Schlussfolgerungen derselben anfangen. Es erscheint reichlich blasiert, vom Zuschauer zu erwarten, er würde dieselbe "Inszenierung" in den von ihm dargestellten Gesichter-Ähnlichkeiten sehen wie er selbst. Das allein würde ja nur verständlich machen, warum er dann einzelne Kommentare von dem Philipp Lahm etc. so bewertet, wie er es tut. Wobei einmal erneut der Sinn nicht klar wird. Ist aber auch egal, weil das Thema eh höchst beiläufig ist. Gibt es doch wahrlich, wie schon gesagt, Wichtigeres als Fußballspieler und Trainer-Interviews.
In Facebook-Diskussionen dazu fasst er seine dahinter stehende Hypothese dahingehend zusammen, dass vorliegen würde "ein Casting-Karussell mit Humor-Effekt für die Logen im Hintergrund". Auch diese Phrase lasse man sich doch einmal auf der Zunge zergehen. Solange das alles so nebulös begründet wird, wie er es tut, halte ich seine Arbeit für eine Diskreditierung ernster Hintergrundpolitik-Kritik. Es könnte leicht der Eindruck entstehen: So wie er arbeiten alle. Oder er könnte andere darin ermutigen, ebenfalls so oberflächlich und seicht irgend etwas zu unterstellen, wofür er nicht die Bohne von Anhaltspunkten in okkulter Literatur hat, noch nicht einmal in Äußerungen, die irgendwo "aus Versehen" gemacht worden sind, oder die von Eingeweihten gemacht worden sind aus irgendwelchen anderen Gründen heraus. Oder von sogenannten "Verrätern".
Wie arbeitet ernsthafte Hintergrundpolitik-Kritik?
Denn das sind ja doch zumeist die ersten Quellen gewesen, um sich von einer tatsächlich vorliegenden Inszenierung zu überzeugen. Die Attentäter von Sarajewo sagten von sich selbst vor Gericht, sie wären Freimaurer. Thomas Mann wusste es von seinem Bruder und zählte eins und eins zusammen, während er dessen Reaktionen während des Ersten Weltkrieges beobachtete (s. Thomas Manns berühmte "Betrachtungen eines Unpolitischen"). Der Hochgrad-Freimaurer Paul Köthner schrieb im "Femstern" selbst, dass er von dem Plan zur Ermordung des Thronfolgers in Logen gehört hätte. So sehen die Quellen von Hintergrundpolitk-Kritik aus. Sie sind der Ausgangspunkt. Oder heute natürlich die Erlebnisberichte der Ritual-Opfer von satanistischen Logen. Aber doch nicht so vage Gesichter-Vergleiche ohne die winzigste Äußerung dazu, dass ein solches Auswahl-Prinzip tatsächlich bestehen würde.
Und dann rechtfertigt er sein Vorgehen mit dem Satz: "Es gebe einen Anteil, der ausschließlich mündlich tradiert werde", nämlich bei dem Wirken von Geheimgesellschaften. Mag ja sein. Als anständiger Wissenschaftler hält man sich aber zurück und spekuliert nicht wild in der Gegend herum, was das nun etwa sein könnte, was da mündlich tradiert wird.
Bevor die Verbrechen rituellen Satanismus nicht bekannt waren, wäre niemand auf die Idee gekommen, dass so etwas "mündlich tradiert" würde. Es ist doch ganz unmöglich zu wissen, was "mündlich tradiert" wird. Und was natürlich sonst noch alles in Logen- und sonstigen Archiven geheim gehalten wird. Mündliche Tradierung ist ja auch gar nicht der Punkt, sondern Geheimhaltung. Und eine so umfangreiche Symbol- und Zeichenverwendung, wie sie von Daniel unterstellt wird - warum sollte die so streng geheim gehalten werden? Das ist doch alles nur Unsinn und wilde Spekulation. Sie bringt für eine seriöse, ernsthafte Argumentation gar nichts. Sondern macht andere Argumentationen, die damit in Verbindung gebracht werden, lächerlich und stellt sie in das denkbar unsinnigste Licht.
Man kann nur hoffen, dass Daniel das auch noch einmal von anderer Seite gesagt bekommt, was ich hier sage.
(Erneute Anmerkung: Nach - verständlicherweise - weiter anhaltender Unzufriedenheit von Daniel ist ein von mir verwendeter, von Emil Kraepelin in die Wissenschaft eingeführter Begriff aus dem vorliegenden Text und seiner Überschrift wieder herausgenommen worden, 26.4.14 )
(Ergänzung 18.12.14: Der Artikel war ursprünglich benannt worden "Induziertes Irresein durch Medienwissenschaft". Es ist schon verständlich, dass Daniel auf einen solchen Titel allergisch reagierte. Der Sache nach halte ich diese Einschätzung aufrecht.)

