Posts mit dem Label Zeitgeschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Zeitgeschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 10. November 2020

"Querdenkende" Nationalsozialisten nach 1945 - Wie sie die Geschichte des Dritten Reiches sahen ...

Thema hier: Johann von Leers über den vielfältigen Canaris-Verrat während des Dritten Reiches (1954/55)
 
Vorbemerkung: Bis zum Jahr 2014 hat der Bloginhaber hier auf dem Blog - wie an den damaligen Blogartikeln erkennbar wird - sehr intensiv viele zeitgeschichtliche Fragen recherchiert, insbesondere auch zu den weniger bekannten Hintergründen des Dritten Reiches. Irgendwann ist er dabei auch auf die Thematik "Eichmann vor Jerusalem" (21) (also in Argentinien) und auf den Kreis der nationalsozialistischen Intelektuellen rund um die dortige Zeitschrift "Der Weg" gestoßen. Diese Zeitschrift hat er intensiv durchforstet damals. Nicht alle Aufsatzentwürfe, die damals aus diesen Recherchen heraus entstanden, sind bis heute hier auf dem Blog veröffentlicht worden, sondern schlummern seither als Entwürfe im "Blogarchiv". Durch Anfragen wird der Bloginhaber gerade veranlaßt, den folgenden Aufsatzentwurf aus dem Jahr 2013 - ohne weitere inhaltliche Überarbeitung - öffentlich zu machen (erstmals). Das ist ein etwas mißliches Unterfangen, denn der Bloginhaber steckt gar nicht mehr so stark in der Thematik drin wie das vor sieben Jahren der Fall war, als er die spannenden Recherchen damals recht willkürlich abbrach (weil sich solche - wenn man einmal anfängt - als "endlos" herausstellen). Aufgrund des zeitlichen Abstandes muten dem Bloginhaber nun selbst manche Charakterisierungen und Bewertungen in diesem Blogartikelentwurf als "ungewöhnlich" oder gar "kühn" an. Die Perspektive dieses Blogs auf das Dritte Reich war und ist ja seit den damaligen Recherchen auch immer noch eine recht ungewöhnliche. Die damaligen Bewertungen und Charakterisierungen werden sicherlich auch weiterhin ihre Berechtigung haben und sollten schon deshalb sieben Jahre später nicht "abgemildert" werden. Denn das wäre auch eine Verfälschung unseres ursprünglichen Kenntnisstandes, vor dem auch dieser Aufsatzentwurf damals entstanden ist. (I.B.)

Nach 1945 teilte sich das deutsche Nachdenken über die Ursachen des Geschichtsablaufs zwischen 1933 und 1945 in zwei Gruppen. Die eine Gruppe stellte den deutschen Widerstand gegen Adolf Hitler als vorbildlich in den Mittelpunkt ihres Nachdenkens. Ihr Geschichtsbild hat seither an vielen Stellen Risse erhalten. Der "Widerständler" Wilhelm Canaris und viele seiner Mitarbeiter waren nicht nur "Verschwörer gegen Hitler" und sei es sogar um den Preis einer deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg. Sie trieben vielmehr jene imperialistische Politik Hitlers - zwischendurch - sogar kräftig voran und wehrten in diesem Zusammenhang die Entmachtung der kriegsunwilligen Wehrmachtspitze im Jahr 1938 nur halbherzig ab. Zwar versuchen dies viele Historiker oder Zeitzeugen damit zu entschuldigen, daß man zur besseren Tarnung hätte "mitmachen" müssen. Aber immer mehr Einzelheiten, die bekannt werden, widersprechen einem solchen schlichten Geschichtsbild. Sie sind auch hier auf dem Blog zum Teil schon behandelt worden (bis Ende 2013).

Für die andere Gruppe war der deutsche Widerstand gegen Adolf Hitler während des Krieges einfach nur "Verrat" an Deutschland. Auf diese Widerständler richtete sich deshalb der ganze Haß dieser Gruppe. Sie machten diese Widerständler nach und nach für alles Unglück verantwortlich, das Deutschland zwischen 1933 und 1945 ihrer Ansicht nach wiederfahren war. Dieser Gruppe fühlten sich nach 1947 natürlich nur noch wenige Deutsche zugehörig. Intellektuell sammelte sich diese Gruppe ab 1947 um den deutsch-argentinischen Dürer-Verlag in Buenos Aires in Argentinien und um seine Zeitschrift "Der Weg". Es waren dies Menschen wie Johann von Leers, Otto Skorzeny, Wilfried van Oven, Dieter Vollmer, Willem Sassen (1918-2001) (Wiki). Wenn sie in ihrer Erschütterung über den militärischen Zusammenbruch des Dritten Reiches über seine Ursachen nachdachten, stand natürlich unter anderem die Gruppe des deutschen Widerstandes gegen Hitler im Mittelpunkt ihres Nachdenkens.

Abb. 1: Johann von Leers (1902-1965) - Nationalsozialistischer Schriftsteller

Es ist nun erstaunlich, daß um so mehr zeitlichen Abstand wir zu den Ereignissen vor und nach 1945 bekommen, wir zunehmend erkennen, daß auch die letztgenannte Gruppierung wesentliche Einsichten zum Geschichtsablauf hatte, wenn sie dabei jedoch auch manchmal über das Ziel hinausgeschossen sein mag. Aber das ist ja die erstgenannten Gruppierung viel zu oft auch. In vielen größeren Gesamtzusammenhängen ist sie aber wohl der eigentlichen, heute erkennbaren Hintergrund-Geschichte des Dritten Reiches oft viel näher gekommen, als die erstgenannten Gruppierung.

Es wurden dort in Argentinien schon genau die gleichen Fragen gestellt, die sich auch heute zunehmend den Historikern stellen, und von denen wir viele schon hier auf dem Blog behandelt haben: Wer steckt eigentlich wirklich hinter dem Reichstagsbrand? Wer hinter der Gestapo, den Röhm-Morden, der Blomberg-Fritsch-Krise, dem Canaris-Geheimdienst? Und welche Ziele wurden mit all dem verfolgt? Otto Skorzeny und Wilfried von Oven waren ja schon früh mißtrauisch geworden gegenüber dem Wirken des Wilhelm Canaris im Zusammenhang mit dem spanischen Bürgerkrieg und dem Nichteintritt Spaniens in den Zweiten Weltkrieg, was zur Nichteroberung Gibraltars durch die Deutschen führte.

Als erster war es wohl der völkische Schriftsteller Johann von Leers (1902-1965) (Wiki), der vielen Wahrheiten um die Hintergründe des Reichstagsbrandes und der Geschichte des Dritten Reiches, wie wir aus der Sichtweise des vorliegenden Blogs sagen müssen, schon Ende 1954 erstaunlich nahe gekommen ist. von Leers war "intellektualisiert" worden "im Jünger-Kreis", so heißt es im Klappentext zu der jüngst zu ihm erschienenen Biographie (Sennholz 2013). Er stand also den Kreisen, die hinter dem Dritten Reich standen, einerseits erstaunlich nahe, war aber zugleich offenbar diesen gegenüber auch reichlich ahnungslos und naiv.

Doch Ende 1954 konnte er sich schon vieles besser "zusammenreimen", was da seit 1933 von Seiten der rechtskonservativen "Widerständler" geschehen war. Er schreibt da (5, S. 852):

Zum ersten Male erfährt nun die Öffentlichkeit, daß sich die Regierung Hitlers buchstäblich vom ersten Tage an einer ausgezeichnet organisierten, im Schutze des eigenen militärischen Geheimdienstes getarnten konservativen Verschwörung gegenüber sah. Wegen ihrer soliden Stützpunkte in der russophilen Bendlerstraße und anderen wichtigen Reichsministerien gelang es einem kleinen, aber fanatischen Zirkel östlich orientierter Militärs und konservativer Politiker, allmählich einen konspirativen Apparat aufzubauen, der später England zur Kriegserklärung an das Reich veranlaßte, dann im Kriege durch zielbewußte Blendung der deutschen Kriegsführung den alliierten Sieg überhaupt erst ermöglicht, bis er dann in der Flamme seiner letzten verzweifelten Aktion, dem Attentat vom 20. Juli 1944, bis auf geringwertige Reste verbrannte.

Das ist natürlich ein ungewollter Scherz des Johann von Leers gewesen. Der größte Teil dieser Verschwörergruppe überlebte das Umbruchjahr 1945. Aber das konnte ein von Leers wohl im Jahr 1954, als es noch keine langjährigen Forschungen etwa zum Reichstagsbrand gab, noch gar nicht so recht übersehen.

von Leers: Der militärische Geheimdienst unter Canaris stand hinter dem Reichstagsbrand

Wenn man das folgende von ihm liest, kann man sich im Hinterkopf behalten, daß nicht die genannten Personen selbst die Hauptrolle gespielt haben müssen, sondern noch weitgehend unbekannte Kreise und Klüngel, die hinter ihnen standen und auch diese dirigierten. von Leers jedenfalls schreibt (5):

So sammelte sich buchstäblich vom ersten Tage an eine hintergründige Opposition. Neben dem militärischen Schleicher-Hammerstein-Kreis der Oberfohren-Flügel der DNVP, die "Jungkonservative Vereinigung" mit Ewald v. Kleist-Schmenzin, Fabian v. Schlabrendorff, Hans-Bernd Gisevius, eine Gruppe orthodoxer Protestanten um Professor Karl Bonhoeffer, seine Söhne Dietrich und Klaus, sein Schwiegersohn Hans v. Dohnanyi und Rüdiger v. Schleicher und der mit ihnen eng befreundete Otto John. Verflochten damit war der nationalbolschewistische "Widerstandskreis" Ernst Niekischs sowie Erich Klauseners "Katholische Aktion". Als auslösendes Moment und Fanal sollte der Brand des Reichstagsgebäudes dienen, seine Flammen den blutigen Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten heraufbeschwören.

Viele von diesen Personen hatten also Geheimdienstkontakte, schon damals, im Jahr 1933. Oder sagen wir es anders: die deutschen Geheimdienste behielten schon damals - wie sie es seither immer machen - nicht nur Hitler selbst, sondern auch die Hitler-Opposition in guter Kontrolle. von Leers schreibt weiter über den Reichstagsbrand unter anderem (5):

Als ausführendes Organ der Brandstiftung muß die Abteilung II der "Abwehr" angesehen werden. Nur sie besaß alle technischen Hilfsmittel. Die gestellte Aufgabe bedeutete für sie wenig mehr als eine Routineangelegenheit der Art, wie sie sie vielfach im Ruhrkampf durchexerziert hatte. Als Mittel kam flüssiger Phosphor in Betracht, ein Brandstiftungsmittel, das damals nur in Fachkreisen bekannt war und von dem schon eine kleine Menge genügte, einen Großrand hervorzurufen.

Er zitiert mehrmals Hans Bernd Gisevius und charakterisiert ihn ähnlich, wie wir ihn schon charakterisiert hatten (5):

Die Plastizität der Schilderung läßt deutlich durchblicken, daß Gisevius zu den Eingeweihten und Mittätern der Brandstiftung gehört.
Genau das war auch unser eigener Eindruck bei der Lektüre der vielen Bücher des Hans Bernd Gisevius. Aber das ist allerdings hier doch schon sehr deutlich gesagt. So weit waren wir selbst noch nicht gegangen! Johann von Leers war schon im Jahr 1933 mit der Zurückweisung der Behauptungen des Reichstagsabgeordneten der DNVP Ernst Oberfohren (1881-1933) (Wiki) beschäftigt (1). Schon von daher mußte er Einblick gehabt haben in die Vorwürfe zu den Hintergründen des Reichstagsbrandes. Schauen wir uns Oberfohren etwas genauer an. Er war an der Spitze der DNVP ein Gegenspieler von Hugenberg gewesen und scheint wegen seines Wissens um die Hintergründe des Reichstagsbrandes ermordet worden zu sein. Auf Wikipedia heißt es über ihn (Wiki) (zitiert natürlich nach der Version von 2013):
Im Januar 1933 befürwortete Oberfohren ein Zusammengehen der DNVP mit der NSDAP. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 distanzierte Oberfohren sich von Hugenberg und dessen NSDAP-nahen Kurs. Obwohl er auch noch für das Ermächtigungsgesetz vom März 1933 stimmte, das mit der Zusammenlegung von Legislative und Exekutive die Grundlage für die Errichtung der NS-Diktatur bildete, sah er sich verstärkt politischen Gängelungen ausgesetzt: Er wurde zunächst bespitzelt und mehrmals verhört. Am 29. März 1933 wurde sein Büro und einen Tag später seine Privatwohnung von Nationalsozialisten durchsucht. Obwohl er noch am 22. März als Fraktionsvorsitzender bestätigt wurde, legte er am 30. März sein Reichstagsmandat nieder und zog sich aus der Politik zurück.
Oberfohren war also zunächst einmal nur - grob gesagt - ein kritischer Geist und "Quertreiber". Weiter heißt es nun über ihn (Wiki) (zitiert nach der Version von 2013):
Eine Oberfohren zugeschriebene Denkschrift über den Reichstagsbrand, die der "Manchester Guardian" Ende April veröffentlichte (The Oberfohren-Memorandum), ...
- das von Leers zu jener Zeit in der britischen Presse zu widerlegen versuchte (1) -
... wahrscheinlich aber von Albert Norden stammte, mag zu seinem Tod beigetragen haben: Am 8. Mai 1933 wurde Oberfohren in Kiel erschossen aufgefunden.
Wie wohl dieser Tod auf von Leers gewirkt hat? Weiter (Wiki) (zitiert nach der Version von 2013):
In der Literatur dominiert die Auffassung, daß er den Schikanen durch die Nationalsozialisten, die er bis zu dieser Zeit hatte erdulden müssen, psychisch nicht gewachsen war und sich deshalb das Leben nahm. Alternativ kursiert die Behauptung, daß der Ernst Röhm nahestehende ehemalige Kampfbundführer Paul Röhrbein Oberfohren als eine den Nationalsozialisten unbequeme Persönlichkeit ermordete und den Mord als Suizid tarnte. Diese Behauptung, die angeblich auf Prahlereien Röhrbeins nach seiner kurz darauf erfolgten Inhaftierung gegenüber anderen Häftlingen zurückgeht, läßt sich in der Literatur erstmals in einer Exilanten-Publikation aus dem Jahr 1936 nachweisen.
Dieser SA-Führer Paul Röhrbein (1890-1934) (Wiki) war Mitglied des gar nicht so einflußlosen Homosexuellen-Kreises um Ernst Röhm. Dadurch war er womöglich an der Brandstiftung des Reichstages und der Vertuschung, dem "Cover up" der Brandstifter beteiligt. Warum er dann aber womöglich mit seinen Auftraggebern in Zwist geriet und sogar von Röhm selbst fallengelassen worden ist, wird noch nicht so recht deutlich. Über Röhrbein heißt es auf Wikipedia bislang nur (Wiki) (Version 2013):
Im Sommer 1933 wurde Röhrbein aus unbekannten Gründen in „Schutzhaft“ genommen. In der Literatur taucht in diesem Zusammenhang häufig die unbelegte Behauptung auf, Röhrbein habe mit dem Reichstagsbrand vom Februar 1933 zu tun gehabt, sei womöglich sogar Mitglied eines Trupps gewesen, der durch einen unterirdischen Tunnel in das Reichstagsgebäude eingedrungen sei und diesen angesteckt habe. Daneben wurde auch der Verdacht geäußert, Röhrbein habe am 7. Mai 1933 als Anführer eines SA-Rollkommandos den DNVP-Politiker Ernst Oberfohren ermordet, der die Nationalsozialisten belastendes Material zum Reichstagsbrand gesammelt haben soll, und die Tat anschließend als Selbstmord getarnt. Diese Behauptung geht auf den ehemaligen Chefredakteur der Münchener Sonntagszeitung, Walter Tschuppik, zurück, der 1934 im Exil in der österreichischen (oder tschechischen) Zeitung Der Morgen erklärte, Röhrbein 1933 im Polizeigefängnis Löwengrube als Mitgefangenen getroffen zu haben. Dabei habe Röhrbein ihm gestanden, Oberfohren im Auftrag Görings umgebracht zu haben.
Soweit übersehbar, erfolgte die Schutzhaft, die Isolationshaft und Folter von Röhrbein in Übereinstimmung mit den Wünschen Röhms. Was ihn aber keinesfalls vor seiner eigenen Ermordung schützte, heißt es doch weiter (Wiki):
In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1934 wurde Röhrbein anläßlich der als Röhm-Putsch bekannt gewordenen politischen Säuberungswelle der Nationalsozialisten vom Frühsommer 1934 von Angehörigen der Dachauer SS-Lagerwache erschossen. Außer ihm wurden noch vier weitere Männer getötet, die seit längerem als „Schutzhäftlinge“ in Dachau festgehalten wurden.
Ein offenbar sehr verwickeltes Geschehen, über das noch nicht alle Hintergründe klar zu sein scheinen. Einmal erneut wird deutlich wie kräftig offenbar gemordet wurde auch beim "Cover up" der eigentlichen Urheber des Reichstagsbrandes - und der Machtergreifung allgemein.

Der Verfassungsschutz-Mann und Spiegel-Historiker Fritz Tobias schreibt 1962 in seinem Buch "Der Reichstagsbrand" (15, S. 583):
Eine der verwegensten, aber auch politisch zielbewußtesten Legenden-Konstruktionen wurde nach dem Kriege von emigrierten Nationalsozialisten in Argentinien regelrecht zusammengebastelt. Als Verfasser zeichnete Paulus van Obbergen, hinter welchem Namen sich niemand anders verbirgt als Dr. Johann von Leers, der sich heute Osman Amin von Leers nennt und aus seiner nationalsozialistischen Überzeugung und seinem fanatischen Antisemitismus auch heute noch kein Hehl macht. Seine Darstellung "Vom Reichstagsbrand zum Untergang des Reiches" erschien im Organ des berüchtigten Dürer-Verlages, Buenos Aires, "Der Weg", ....

Wenn ein Mitarbeiter des niedersächsischen Verfassungsschutzes eine solche Zuschreibung vornimmt, wird man ihr schwer ohne alle Anhaltspunkte widersprechen wollen.

von Leers: Canaris war der Auslöser der stalinistischen Säuberungen des Jahres 1937

von Leers überblickt jedenfalls gar nicht, daß das Ziel der Hinterleute der "kontrollierten Opposition" des Dritten Reiches gar nicht einmal gewesen sein muß, den Ausbruch eines Weltkrieges zu verhindern oder Hitler vor dem Ausbruch eines solchen Krieges zu stürzen, sondern vielmehr zunächst einmal einfach nur, die ehrlich gemeinte Opposition gegenüber einem neuen Weltkrieg zu "kontrollieren" und in Schach zu halten. Und zwar auch gar nicht einmal besonders wegen Hitler-Freundlichkeit. So weit kann von Leers nicht denken. Interessant ist die Deutung der Tuchatschewski-Affäre durch von Leers:

Eine Militärverschwörung unter der Leitung Marschall Tuchatschewskis entstand. Während der Beisetzungsfeierlichkeiten für den englischen König nahmen Vertrauensleute Tuchatschewskis Fühlung mit Mitgliedern der deutschen Delegation, um für ihre Staatsstreichpläne sich der Hilfe Adolf Hitlers zu versichern. Auf der Rückreise weilte Tuchatschewski selbst einige Tage in Berlin. Jetzt bot sich für Canaris eine ausgezeichnete Gelegenheit, Adolf Hitlers Auftenpolitik einen schweren Schlag zu versetzen. Die Informationen gerieten nämlich in die falschen Kanäle. Wahrscheinlich über Kapitän Patzig, der als Kommandant eines Kriegsschiffes an der Beisetzung in England teilnahm, erhielt Canaris Kenntnis von dem Vorhaben der Russen. Seine Gegenaktion bestand darin, über Abwehrkanäle den prosowjetischen Benesch über die Vorgänge zu informieren und so Stalin zu warnen. Die anschließenden blutigen Säuberungen führten zur Massakrierung der letzten potentiellen antikommunistischen Kräfte der Sowjetunion. Ein Vorgang, der ohne Zweifel sich auf Hitlers spätere Ostpolitik auswirkte. Um auch hier die Spuren zu verwischen, erfand der Kreis um Canaris später nach dem Tode Heydrichs die Version, daß angeblich der SD mittels Brieffälschungen Tuchatschewski ans Messer geliefert habe. Das war eine Lüge. Die Nachkriegs-Öffentlichkeit schluckte sie ungeprüft. 

Immerhin eine interessante Sichtweise und Deutung, von der man nicht gleich auf den ersten Blick sich zu sagen getraut, ob sie völlig unrealistisch sein muß. Jedenfalls bekommt so diese Affäre viel eher einen Sinn. Und sie macht einmal erneut deutlich, wie sehr es der Abwehr daran gelegen gewesen sein könnte (in Übereinstimmung mit einem Friedrich Hielscher?), die Sowjets mit ihren Methoden nach Mitteleuropa hineinzuziehen. Diese Deutung erweitert den Deutungsspielraum insgesamt.

von Leers meint dann, der Sturz Blombergs sei auf Betreiben der Abwehr zustande gekommen. Hier berücksichtigt er wohl zu wenig die Gestapo.

Was von Leers dann über das Wirken der Canaris-Abwehr während des Zweiten Weltkrieges sagt, deckt sich mit den Einschätzungen dieses Blogs vollständig.

Auf diesen Aufsatz von Leers aufbauend ging dann womöglich Otto Skorzeny (Paul Beneke) aus Madrid noch deutlich weiter. (Siehe nächster Beitrag.) [2020: Dem Bloginhaber ist gerade nicht klar, welcher Beitrag hiermit gemeint ist und ob er schon veröffentlicht wurde.]

Leiter des Forschungsamtes Korvettenkapitän Hans Schimpf ( - 10.4.1935).

[2020: Dem Bloginhaber ist gerade nicht klar, weshalb dieser Name in diesem Aufsatzentwurf genannt wurde.]

... Wilfried von Oven (1912-2008) (Wiki) war Autor des Dürer-Verlages mit seinen Erinnerungen an Joseph Goebbels. von Oven ist 1951 nach Argentinien gekommen ... (Wiki)

... ausgestattet mit einem von Rudolf Augstein unterschriebenen Presseausweis. Als Auslandskorrespondent berichtete er (...) für den "Spiegel" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Später schrieb er für die deutschsprachige argentinische Zeitung "Freie Presse" und gab unter eigener Regie den "La Plata Ruf" heraus. Laut Mitteilung des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" vom Juni 2013 bestätigte der Bundesnachrichtendienst (BND) diesem, daß von Oven ab 1950 zunächst für die Organisation Gehlen, dann nach dessen Gründung bis 1966 unter verschiedenen Decknamen für den BND als Informant des Geheimdienst tätig war.
...
 
/ Entwurf: 24.11.2013 /

___________________________________________
  1. van Obbergen, Paulus (= Johann von Leers): The Oberfohren Memorandum London German Information Bureau, 1933
  2. von Oven, Wilfried: Mit Goebbels bis zum Ende. Dürer-Verlag, Buenos Aires. Band 1 1949 (295 S.), Bd. 2 1950
  3. Obbergen, Paulus van (= Johann von Leers): Invasion 1944 - Sieg der Alliierten oder der deutschen Verschwörer? In: Der Weg, Jg. 1954, S. 561 - 568
  4. von Leers, Johann: Zum Fall Otto John. In: Der Weg, Jg. 1954, S. 619 - 626
  5. Obbergen, Paulus van (= Johann von Leers): Vom Reichstagsbrand zum Untergang des Reiches. Aufsatz in drei Teilen. In: Der Weg, Buenos Aires, 12/1954, S. 851 - 858, 1955, S. 23 - 30, 169 - 174 (enthalten in: ScribdEbookArchive.org)
  6. Beneke, Paul: Franco hielt den Schlüssel in der Hand. Warum Spanien 1941 nicht in den Krieg eintrat. In: Der Weg, 1955, S. 641 - 648
  7. Leers, Johann von: Reichsverräter II, 2. Folge. Sonderheft zu „Der Weg“. Dürer Verlag, Buenos Aires 1955 (siehe Metapedia)
  8. Leers, Johann von: Reichs-Verräter III. dritte Folge [Sonderheft der Zeitschrift: 'Der Weg'] Dürer-Verlag, Buenos Aires 1956 (67 S.)
  9. Beneke, Paul: Canaris und der Tod Udets. In: Der Weg, 1956, S. 157 - 166
  10. Beneke, Paul: Die Rolle der Gestapo. In: Der Weg (Buenos Aires, Argentinien) 10 (1956): 353 - 358, 476 - 480 (enthalten in: ScribdEbookArchive.org)
  11. von Leers, Johann von: Geschichte des deutschen Volkes - deutsch gesehen - Band 1: Von der Frühzeit bis zum Beginn der Neuzeit, Herausgegeben von einer Arbeitsgemeinschaft unter Leitung von Prof. Dr. Johann von Leers, Sonderdruck der Zeitschrift "Der Weg". Dürer-Verlag, Buenos Aires 1956
  12. Sievers, Wolf: Hintergründe des deutschen Polizei-Regimes in Frankreich. In: Der Weg, 1956, S. 605 - 611
  13. Der Weg. Unabhängige Monatsschrift für Freiheit und Ordnung in Staat, Politik, Wirtschaft, Recht und Kultur. 11. Jahrgang, 1957. 12 Hefte in einem Band. Dürer-Verlag, Buenos Aires 1957 (896 S.) 
  14. Roth, Heinz: Widerstand im Dritten Reich. 2. ergänzte Auflage, Selbstverlag Odenhausen/Lumda 1976 (Scribd, Ebook, Archive.org)
  15. Tobias, Fritz: Der Reichstagsbrand - Legende und Wirklichkeit. Grote, 1962 (723 S.) (Google Bücher, engl.)
  16. Irving, David: Das Reich hört mit. Görings "Forschungsamt" - Der geheimste Nachrichtendienst des Dritten Reiches. Arndt-Verlag, Kiel 1989 (Scribd) [u.a.über Hans Schimpf]
  17. Meding, Holger M.: Der Weg. Eine deutsche Emigrantenzeitschrift in Buenos Aires 1947 - 1957.  wvb Wissenschaftlicher Verlag Berlin 1997 (182 S.)
  18. von Oven, Wilfred: Ein "Nazi" in Argentinien. VAWS, 1999 (224 S.) (Google Bücher)
  19. Gorman, Robert F.: Great Events from History. The 20th century, 1901-1940, Band 5. Salem Press, 2007 (3453 S.) (Google Bücher) [erwähnt von Leers Oberfohren-Zurückweisung]
  20. Stahl, Kurt Daniel: Erlösung durch Vernichtung. Von Hitler zu Nasser - Das bizarre Schicksal des deutschen Edelmannes und Professors Johann von Leers. In: Die Zeit, 30. Mai 2010
  21. Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem. Das unbehelligte Leben eines Massenmörders. Arche Literatur-Verlag, Zürich, Hamburg 2011 (Google Bücher)
  22. Sennholz, Marco: Johann von Leers. Ein Propagandist des Nationalsozialismus. be.bra wissenschaft verlag, Berlin 2013 (Amazon)
  23. Senft, Alexandra: Johann von Leers - Übelster Antisemit seiner Zeit. Besprechung des Buches von Marco Sennholz: In: FAZ, 07.11.2013

Samstag, 5. September 2020

"Okkultistische Neigungen", Wissenschaft, Kunst und Politik

Auf Schloß Liebenberg in der Mark Brandenburg

Liebenberg, ein Schloß in der Nähe von Oranienburg in der Mark Brandenburg, weist vielfältige geschichtliche, hintergrundpolitische und kulturgeschichtliche Zusammenhänge auf. Dazu sollen in diesem Beitrag einige "Daten" zusammen getragen werden, ergänzend zu einem gestern erstellten Video (1).

Auf diesem Schloß versammelte sich der "Liebenberger Kreis" rund um den Kaiser Wilhelm II. und seinen Freund, den Schloßinhaber Philipp zu Eulenburg. Letzterer hatte im Jahr 1890 maßgeblich zum Sturz Bismarcks beigetragen, galt aber nach der Jahrhundertwende als ein außenpolitischer Bremser. Das Netz von Intrigen, das sich rund um diesen Liebenberger Kreis geflochten hat, ist nach Ursachen und Absichten womöglich sehr vielseitig. Offensichtlich ist, daß die Hintergrundmächte hier viele ihrer üblen Spielchen spielten. In deren Zentrum stand zeitweise der sehr "vielseitige" Journalist Maximilian Harden. Aber auch der in "höhere Welten" "eingeweihte" Rudolf Steiner war dabei ....

Abb. 1: Hans Lietzmann - Ausschnitt aus dem Altarbild in der Schloßkirche Liebenberg (Brandenburg) (1915) 

Der zweite Sohn von Philipp von Eulenburg war - wie sein Vater - Komponist. Er hatte schon ab 1906 zum intimen Schülerkreis von Rudolf Steiner gehört, ebenso seine Schwestern und seine Schwägerin (2-5).

Andererseits war der bedeutende Biologe und Darwinist Jakob von Uexküll mit Philipp zu Eulenburg (und seiner Familie) befreundet. Ein Kapitel seines Erinnerungsbuches hat er Philipp zu Eulenburg gewidmet (6), ebenso sein Buch "Umwelt und Innenwelt der Tiere". Uexküll hat auf Schloß Liebenberg auch gearbeitet, unter anderem 1925, zeitweise begleitet von seinem "vielseitig begabten" Mitarbeiter Felix Groß (7).


Die Kinder von Philipp zu Eulenburg hörten nach dem Gefallenen-Tod ihres Bruders "Mitteilungen aus dem Leben nach dem Tod" (2):
"Nachdem Botho Sigwart 1914 im ersten Weltkrieg (...) stirbt, meldet er sich bei seiner Schwester und seiner Schwägerin aus 'der geistigen Welt'. Seine 'Mitteilungen aus dem Leben nach dem Tod' wurden von der Familie gesammelt und 2008 neu herausgegeben. Rudolf Steiner hielt diese Mitteilungen für authentisch."
Auf der Tafel neben seinem Grab im Schloßpark steht:
"Vielleicht hängt die Wahl des Bestattungsortes mit besonderen okkultistischen Neigungen zusammen."
Auch der ältere Bruder des Gefallenen, Friedrich Wend zu Eulenburg, Schloßherr auf Liebenberg bis 1945, Gutsnachbar von Hermann Göring, war Anthroposoph. Er setzte sich noch 1941 für die Christengemeinschaft ein (3-5). Harro Schulze-Boysen, verheiratet mit einer Enkeltochter Philipp zu Eulenburgs, hat sich mit Gleichgesinnten oft auf Schloß Liebenberg getroffen. Er stellte sich unter anderem gegen den Auslandseinsatz der Wehrmacht im Spanischen Bürgerkrieg, wobei er immer unter der Beobachtung der Gestapo stand. Für die Sowjetunion hat er sich womöglich aus ähnlichen Motiven begeistert wie der zuvor "rechtskonservative" Friedrich Hielscher. 1942 wurde er zusammen mit seiner Frau hingerichtet (8).

Abb. 2: Hans Lietzmann - Ausschnitt aus dem Altarbild in der Schloßkirche Liebenberg (Brandenburg) (1915) 

Das Altarbild in der Schloßkirche von Liebenberg stammt von Hans Lietzmann (1872-1955)(Wiki) (Abb. 1 und 2). Es entstand im Jahr 1915. Rechts neben dem gekreuzigten Christus steht ein römischer Soldat, ganz wirklichkeitsnah, "gegenwärtig", links ein trauernder Mann und eine trauernde Frau, ebenso wirklichkeitsnah und "gegenwärtig". Der gekreuzigte Jesus Christus dazwischen ist aschfahl und ganz "unwirklich" dargestellt, weit abseits der Erfahrung der Gegenwart, während - wie gesagt - der Soldat und die Trauernden sehr "wirklich" dargestellt sind. So als wollte der Maler - bewußt oder unbewußt - sagen: Was soll in dieser Zeit des Krieges und der Trauer uns - - - ein 2000 Jahre alter Jesus noch sagen? Wo wir doch so viel wirklichkeitsnäheres Erleben haben? Wo wir selbst mitten in einer Gegenwart stehen, in der täglich Menschen einen ähnlichen Tod sterben wie dieser aschfahle Christus da am Kreuz?

Hans Lietzmann ist vor allem als Landschaftsmaler am Gardasee bekannt geblieben. Während des Ersten Weltkrieges war er aber als Kriegsmaler eingesetzt. Seine Gemälde zu religiösen, biblischen Themen findet man, indem man die Suchworte "Hans Lietzmann Postkarte" nutzt.
_______ 
  1. Bading, Ingo: Liebenberg, 4.5.2020, https://youtu.be/vBv_0PWP7Nc
  2. https://anthrowiki.at/Sigwart
  3. http://www.mitteilungen-von-sigwart.com/ 
  4. https://en.wikipedia.org/wiki/Botho_Sigwart_zu_Eulenburg 
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wend_zu_Eulenburg
  6. Uexküll: Nie geschaute Welten. Die Umwelten meiner Freunde, 1936, https://books.google.de/books?id=hgRoCQAAQBAJ
  7. https://studgenpol.blogspot.com/2014/05/frauen-um-adolf-hitler-ihr-okkultismus.html 
  8. https://de.wikipedia.org/wiki/Harro_Schulze-Boysen

Sonntag, 24. Juli 2016

AfD - Aus welcher Geschichte willst Du lernen?

Verschwörungstheorien - Wichtiger Teil politischer Bildungsarbeit 

Ein Beitrag für AfD-Mitglieder und alle anderen Deutschen. In ihm sollen einmal einige Gedanken zur allgemeinen politischen Bildung vorgetragen werden, Gedanken, bezüglich denen bei Deutschen aller Art sehr viel Nachholbedarf besteht, ein Nachholbedarf, der weder durch die Bundeszentrale für politische Bildung, noch durch Stammtisch-Parolen gedeckt werden kann. In diesem Beitrag soll hierbei nur einmal ein wesentlicher Punkt aus diesem Bereich grundlegender politischer Bildung, bezüglich dessen es Nachholbedarf zu geben scheint, herausgegriffen werden. 

Es gibt zu fast jedem Thema der Zeitgeschichte eine offizielle Verschwörungstheorie. Zum Beispiel die folgende: "Adolf Hitler und die Deutschen haben sich gegen den Weltfrieden verschworen." Und diese eine offizielle Verschwörungstheorie ist dann angeblich jene Geschichte, aus der wir zu "lernen" haben. Das Lernpensum, das aus dieser einen Verschwörungstheorie abgeleitet werden kann und wird, ist dann natürlich nur ein sehr beschränktes und einseitiges. Und dementsprechend sehen dann auch die "Selbstverständlichkeiten" aus, mit denen Politiker - zum Teil auch Spitzenpolitiker der AfD - hantieren als "Lehren", die sie aus der Geschichte gezogen haben.

Aber: Mit solchen eindimensionalen offiziellen Verschwörungstheorien werden Völker natürlich dazu gebracht, gerade nicht aus der Geschichte zu lernen. Sie können nämlich erst dann aus der Geschichte lernen, wenn verschiedene Verschwörungstheorien neben einander gestellt werden und wenn es eine freie, nicht tabuisierte Erörterung darüber gibt, welche von mehreren Verschwörungstheorien nun die zutreffenden sind und was dann aus den betreffenden Verschwörungstheorien als Lehren für die Gegenwart und Zukunft abzuleiten sind. Die eindimensionale offizielle Verschwörungstheorie steht zur Auswahl oder alternative oder revisionistische.

In der Wochenzeitung "Junge Freiheit" - auch nur als Beispiel - galt bis vor wenigen Jahren für selbstverständlich, dass jene Verschwörungstheorien hinsichtlich des Dritten Reiches, aus denen zu lernen sei, andere sind als jene, aus denen heute offiziell gelernt wird. Da sich die Ausrichtung dieser Zeitung, seit sie sich Bernd Lucke anbiederte, nicht als besonders zuverlässig erwies und erweist, will man vielleicht gar nicht mehr so richtig wissen, wie es um jene politische Bildung bestellt ist, die sie ihren Lesern heute nahe zu bringen sich bemüht.

Abb.: MI6-Informant und NPD-Gründer
Adolf von Thadden
By Eric Koch / Anefo (Nationaal Archief) 
[CC BY-SA 3.0 nl 
(http://creativecommons.org/licenses/
by-sa/3.0/nl/deed.en)]
via Wikimedia Commons
Kommt man nun aber - wieder nur als Beispiel - mit dem namhaftesten deutschen Kirchenkritiker der Nachkriegszeit, mit Karlheinz Deschner (1924-2014), zu dem Ergebnis, dass Adolf Hitler von der Wallstreet gekauft worden ist (so wie alle amerikanischen Präsidenten des 20. Jahrhunderts) (siehe sein Buch "Der Molloch"), hat das natürlich Folgen dahingehend, wie kritisch ich der Möglichkeit gegenüber stehe, dass auch die AfD - wie zuvor die NSDAP, die NPD (beginnend mit dem Informanten des britischen Geheimdiensts MI6 Adolf von Thadden [1921-1996]), die Grünen (unter anderem mit der linksradikalen, gewalttätigen "Putztruppe" rund um Joschka Fischer [geb. 1948]) und zahllose andere Parteien (die Sozialdemokraten, die Christdemokraten) gehijackt werden könnte von Menschen, die ganz andere Interessen vertreten als jene, für die diese Parteien einst nach außen hin angetreten sind.

Um aus solchen alternativen Verschwörungstheorien angemessen lernen zu können, sollte man - zum Beispiel - sehr genau den Inhalt der Publikationen von entsprechenden Verschwörungstheoretikern und Revisionisten lesen und sich darüber gegenseitig Vorträge halten und die Inhalte kritisch erörtern und verbreiten. Das ist jene politische Bildungsarbeit, die notwendig ist, wenn Deutschland überleben soll. Es geht zugrunde an eindimensionalen Verschwörungstheorien.

Der AfD am nächsten stehen hierbei nun vielleicht - unter anderem - Jürgen Elsässer und seine Veröffentlichungen. Aber auch er sei nur als ein Beispiel genannt für ein breites Spektrum, dem - zum Beispiel - auch der ehemalige SPD-Bundesminister Alexander von Bülow (geb. 1937) angehört, und die auch mit dem Schicksal rechtskonservativer Spitzenpolitiker von Jörg Haider über Uwe Barschel bis Jürgen Möllemann befasst sind.

Dieser Gedankengang richtet sich gegen so manche Gedankenlosigkeit, die man an der Basis der Berliner AfD bezüglich solcher Dinge vorfinden kann. In großen Parteiveranstaltungen in Berlin soll sich in den letzten Wochen auf die offene Frage, wer etwas zum Fall Wolfgang Gedeon sagen möchte, niemand zu Wort gemeldet haben. Das wird man vielleicht doch als einen Hinweis auf Gedankenlosigkeit bezeichnen dürfen.

Die Restabgeordneten der Landtagsfraktion in Baden-Württemberg scheinen jedenfalls aus alternativen Verschwörungstheorien schon so manche wesentliche Lehre gezogen zu haben. Das könnte man als vorbildlich ansehen.

Donnerstag, 10. September 2015

Menschen, die sich zwischen 1945 und 1989 für die Wiedervereinigung Deutschlands eingesetzt haben

Zu der Biographie des politischen Journalisten Richard E. Sperber (1921-2000)

Als ich mich in den letzten Monaten mit dem Leben meines Vaters beschäftigte und seine alten Briefe durchsah, stieß ich auch auf den Brief eines Journalisten Richard E. Sperber (1921-mind. 2000) aus Michigan/USA. Und zwar vom 5. Dezember 1963. Diesen Journalisten hatte ich bis zu diesem Sommer gar nicht gekannt. Mein Vater hatte von ihm und seinem Brief nie erzählt. Richard E. Sperber war die Wiedervereinigung Deutschlands Zeit seines Lebens wie im folgenden dargestellt werden soll ein ebenso großes Anliegen wie meinem Vater. Und aus dieser Gemeinsamkeit heraus war der Brief geschrieben worden wie ich dann noch in einem weiteren Beitrag berichten will.

Hier aber soll es um Richard E. Sperber gehen. Meinem Vater war damals, 1963 - lange vor den Zeiten des Internets und beruflich eingespannt wie er damals war - und wohl auch danach bis zu seinem Lebensende gar nicht wirklich bewußt geworden, wer ihm da als Richard E. Sperber geschrieben hatte. Denn sonst hätte er ihn sicher einmal gesprächsweise erwähnt. Wenn ich also im folgenden von Richard E. Sperber berichte, setze ich damit gewissermaßen das Gespräch mit meinem Vater fort über seinen Tod hinaus. Aber natürlich macht es Sinn, an Richard E. Sperber zu erinnern auch ganz unabhängig von meinem Vater. Sonst würde in diesem Blogbeitrag nicht die Rede von ihm sein.

Abb. 1: Wahlkampfplakat der SPD, 1949
(Bundesarchiv)

Im folgenden soll das an Auskünften zusammen gestellt werden, was ein erster Überblick in Form von Internetrecherchen über das Leben dieses Richard Sperber ergibt. Aus ihnen wird erkennbar, daß es auch Sinn machen könnte, sich mit Richard E. Sperber gründlicher zu beschäftigen, als es in dem folgenden Überblick geschehen kann. Wie erkennbar werden wird, haben das offenbar auch schon allerhand Historiker, Hobbyhistoriker und pensionierte Alt-„68er“ getan aus unterschiedlichen Perspektiven heraus. Insbesondere auch Menschen aus der ehemaligen DDR und aus dem ehemaligen Westdeutschland, die sich noch heute mit den sehr konkreten und handlungsnahen Plänen beschäftigen, die es innerhalb der deutschen Friedensbewegung westlich und östlich der Elbe vor 1989 gegeben hat für eine Wiedervereinigung Deutschlands. Und zwar in Form eines „dritten Weges“, also neutral von Ost und West, sowie als Friedensgarant in Europa und der Welt.

Man taucht in so eine ganz andersartige Welt ein, wenn man sich nur so wenige Jahrzehnte in der Geschichte Deutschlands von heute aus gesehen zurückbewegt. Fast ist einem ja noch - aufgrund seiner ideologischen Allgegenwärtigkeit - das Dritte Reich innerlich "näher" als diese 1950er Jahre in der Geschichte Deutschlands. Und daran mag auch erkennbar sein, welche rasanten Entwicklungen sich gerade gegenwärtig in Deutschland vollziehen.

Jedenfalls: Mein Vater verehrte Mathilde Ludendorff (1877-1966) und las die Zeitschriften der Ludendorff-Bewegung. Mathilde Ludendorff legte ihren Lesern in den 1950er Jahren immer und immer wieder bis zu ihrem eigenen Tod nachhaltig und warm ans Herz, sich unermüdlich und ohne zu erlahmen für die Wiedervereinigung Deutschlands einzusetzen. Und Wiedervereinigung hieß in den 1950er Jahren noch - quer über alle deutschen politischen Parteien hinweg (s. Abb. 1): einschließlich des Memellandes, Ostpreußens, Westpreußens, Danzigs, Pommerns und Schlesiens. Und für diese Wiedervereinigung setzte sich auch mein Vater ein und deshalb war Richard E. Sperber auf ihn aufmerksam geworden.

Alpha-Journalist“ in den deutschsprachigen Medien der USA

Richard E. Sperber war, wie man Internetrecherchen entnehmen kann, gebürtiger Nürnberger. Wie er in die USA gekommen ist, wird zunächst nicht erkennbar. Vielleicht gibt es ja auch noch irgendwo eigenhändig verfaßte Lebenserinnerungen dieses Richard Sperber? Jedenfalls war er spätestens 1952 Deutschland-Redakteur der großen amerikanischen Tageszeitung „Cleveland Plain Dealer“ in Cleveland (Ohio). Er wurde auch Chefredakteur und Herausgeber weiterer deutschsprachiger Zeitungen und Zeitschriften in den USA.

In einem Lebensbericht über ihn heißt es1 (wobei es hier nur um die Sachinformationen geht, nicht um die politischen Zusammenhänge, in denen diese 1991 veröffentlicht wurden):

Nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR ergriff Sperber mit Hilfe des US-Kongressabgeordneten Charles J. Kersten eine Initiative für die Wiederherstellung der deutschen Einheit, die zur einstimmigen Annahme einer gemeinsamen Resolution beider Häuser des amerikanischen Kongresses führte. Darin wurde das Recht des deutschen Volkes, in einem vereinten Staat zu leben, durch die USA ausdrücklich anerkannt. Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher hat Sperbers Verdienst um das Zustandekommen dieser Resolution in einem Schreiben im Jahr der deutschen Einigung lobend gewürdigt.
Als Vorsitzender des von ihm in Chicago gegründeten „Amerikanischen Rates für die Wiedervereinigung Deutschlands“ entwarf Sperber einen „Generalplan“ zur Wiederherstellung der deutschen Einheit, der von mehreren US-Senatoren, darunter dem späteren Präsidenten John F. Kennedy, gutgeheißen wurde.

Über die Aktion von 1953 wurde auch noch einmal 1994 berichtet2. An anderer Stelle heißt es3:

Mehrere Jahre lang fungierte er auch als Programmdirektor des von dem Rundfunkproduzenten William L. Klein geleiteten „Germania Broadcast“, des ältesten deutschen Radioprogramms in Amerika.

Im Juni 1957 gründete er als erster Vorsitzender den „Amerikanischen Rat für die Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit“. In dieser Eigenschaft sollte er 1963 auch an meinen Vater schreiben. 

Juni 1957 - „Generalplan“ zur Wiedervereinigung Deutschlands

Über diesen „Rat“ (englisch „council“) wurde schon zeitgleich 1957 im „Ostpreußenblatt“ berichtet. Das ist die bis heute weiterbestehende große deutsche Vertriebenenzeitung, zu der Richard E. Sperber, wie wir noch sehen werden, offenbar bis zu seinem Lebensende ein herzliches Verhältnis beibehielt. Ihr Chefredakteur war ab 1967 der schätzenswerte Autor Hugo Wellems, der zugleich Freimaurer war (zumindest einer Tempelherrenordens-artigen Organisation angehörte - ob im übrigen auch Richard E. Sperber Freimaurer war oder freimaurerähnlichen Organisationen angehörte, was angesichts seiner Biographie nicht gänzlich unwahrscheinlich sein muss, ist zunächst nicht bekannt)4:

Der „Amerikanische Rat für die Wiedervereinigung Deutschlands“, eine private Organisation amerikanischer Bürger deutscher Herkunft, die vor einiger Zeit in Chikago gegründet wurde, legte vor einigen Tagen eine längere Denkschrift vor, die sich mit den Fragen der deutschen Wiedervereinigung und der europäischen Sicherheit befasst. Der Vorsitzende des Rats, Richard E. Sperber, der den sogenannten „Generalplan für die Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit“ der amerikanischen Regierung und dem Kongress zuleitete, erklärte vor Pressevertretern, seine Organisation habe eigentlich erwartet, dass die deutsche Bundesregierung bei der Viermächtearbeitsgruppe für die Wiedervereinigung oder während des Adenauer-Besuches in Washington von sich aus einen konkreten Wiedervereinigungsplan vorlegen werde. Da das jedoch nicht erfolgt sei, habe sich seine Organisation verpflichtet gefühlt, einen eigenen Plan auszuarbeiten. Der acht längere Punkte umfassende „Generalplan“ ist insgesamt über zehn Schreibmaschinenseiten lang.

Zusammen mit dem Kongressabgeordneten Caroll Reece sprach sich Richard E. Sperber auch als Gegner der Oder-Neiße-Linie aus und forderte, daß Deutschland in den Grenzen von 1937 wieder errichtet werden müsse. Deshalb wurde er vom „Milwaukee Journal“ - schon damals - als „Unruhestifter“ angegriffen. Das Ostpreußenblatt berichtete5:

Der „Amerikanische Rat für die Wiedervereinigung Deutschlands“ (American Council for the Reunification of Germany) hat durch seinen Vorsitzenden Richard Sperber dem „Milwaukee Journal“ einen Offenen Brief übersandt, in dem er die Vorwürfe der Unruhestiftung ganz energisch zurückweist.

Der Bericht wird ergänzt durch die Mitteilung:

Die „Gesellschaft der Freunde Kants“ in Göttingen (früher Königsberg) hat den amerikanischen Abgeordneten Dr. jur. B. Carroll Reece in Würdigung seiner Verdienste um die Vertretung des Rechtsgedankens im Sinne der Kantischen Philosophie zu ihrem ordentlichen Mitglied ernannt. Der amerikanische Abgeordnete hat, wie wir berichteten, in seinen Reden vor dem amerikanischen Repräsentantenhaus wiederholt auf die Bedeutung der Universität Königsberg und des Lebenswerks Immanuel Kants für die abendländische Kultur hingewiesen und daraus Forderungen für die Deutschlandpolitik der amerikanischen Regierung abgeleitet.

In was für absurd ferne Zeiten taucht man hier ab! Dies war also eine politisch durchaus einflussreiche deutsch-amerikanische Vereinigung, die sich in den USA für die Wiedervereinigung Deutschlands einsetzte und einen Friedensvertrag für Deutschland forderte6.

1958 hat Richard E. Sperber für sein journalistisches Wirken in den USA die „Eichendorff-Gedenkmünze für seine Verdienste um die Pflege und Verbreitung der deutschen Sprache“ erhalten, in diesem Fall als Mitherausgeber der „Abendpost und Sonntagpost Chicago“. So wurde es in den damaligen „Mitteilungen des Instituts für Auslandsbeziehungen“ berichtet7.

1960 – Ostpreußen und Schlesien sind ein Teil Deutschlands

Als der amerikanische Präsidentschaftskandidat Nixon in der Öffentlichkeit so verstanden wurde, als hätte er sich für die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie ausgesprochen, protestierte Sperber im Jahr 1960 energisch8:

Auch der Herausgeber der vielgelesenen deutschsprachigen „Abendpost“ in Chicago, Richard Sperber, hat sich wie viele andere deutschsprachige Blätter der USA in einem energischen Protestschreiben an die republikanische Partei und an Nixon gewandt. Er erklärt, die Äußerungen Nixons in Buffalo seien in den USA wie auch in anderen Ländern so verstanden worden, dass der Präsidentschaftskandidat die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als endgültige Grenze zwischen Deutschland und Polen befürwortet habe. Wenn diese Interpretation richtig sei, dann werde damit jeder Grundsatz, für den Amerika bis heute in seiner Geschichte eingetreten sei, verletzt, darunter auch die Atlantik-Charta.

Ab 1965 – Rückkehr nach Deutschland

In dem schon eingangs zitierten Lebensbericht heißt es über das weitere Leben von Richard E. Sperber:
1965 in die Bundesrepublik zurückgekehrt, war Sperber bei mehreren westdeutschen Tageszeitungen als Redakteur und bei der FDP als Pressereferent tätig.
Nach dem Nachrüstungsbeschluß der NATO von 1979 schloß Sperber sich der Friedensbewegung an und kämpfte damals gegen die Stationierung der „Pershing 2“-Atomraketen auf deutschem Boden. (Diese wurden bekanntlich 1989 demontiert.)
Als Sprecher des „Initiativkreises Friedensvertrag“ trug Richard Sperber mit seinen drei Friedensvertrags-Entwürfen wesentlich zur Diskussion innerhalb der Friedensbewegung und der Partei „Die Grünen“ bei. Seine Entwürfe zielten darauf ab, durch eine friedensvertragliche Regelung zwischen den vier Alliierten und den beiden deutschen Staaten zwei bündnislose, von fremden Truppen freie, souveräne, defensiv bewaffnete deutsche Staaten zu bilden, die sich dann konföderativ verbinden könnten.

Ganz grob und im Vorgriff auf weitere Studien wird man sagen können, daß sich ein Richard E. Sperber in solchen Dingen mit einem Rudi Dutschke sehr gut hätte verstehen müssen. Als Rudi Dutschke jedenfalls zu den „Grünen“ ging, war es ihm um die Zusammenarbeit mit solchen Menschen wie Richard E. Sperber zentral zu tun (wie Gretchen Dutschke in ihren Erinnerungen berichtete). Und als wie brisant offenbar in Geheimdienstkreisen eine solche Zusammenarbeit von Rudi Dutschke mit diesen Kreisen und als wie abträglich ihren Zielen diese eingeschätzt wurde, mag man daran erkennen, daß Rudi Dutschke 1979 sehr überraschend in der Badewanne ertrunken ist. Da auch Uwe Barschel - offiziell - in der Badewanne ertrunken ist und angesichts der langen Geschichte des politischen Mordes in der westlichen Welt und in Rußland darf man hinter den Tod Rudi Dutschkes im Jahr 1979 heute sehr große Fragezeichen setzen. Bekanntlich wäre das ja auch nicht der erste Mordanschlag auf Rudi Dutschke gewesen.

Über Richard Sperber würde man sicher noch vieles in der Literatur finden, wenn man gründlicher recherchieren würde9. Über sein folgendes Leben können hier vorerst nur noch bruchstückartige Ausschnitte referiert werden, insbesondere anhand von Google-Bücher-Zitaten (die zumeist nicht vollständig zitiert werden können). 1985 heißt es in der „Antimilitarismus Information“10:

Stärker ins Detail geht der „Initiativkreis Friedensvertrag“ um den Publizisten Richard Sperber mit seinem Entwurf eines solchen Vertrags: BRD und DDR werden zwei neutrale, defensiv gerüstete Staaten, West-Berlin unter den Schutz von ...

1987 wird in den „Blättern für deutsche und internationale Politik“11 erwähnt:

früher oder später auf ein neues Gesamtdeutschland hinauslaufen. Als Ausgangspunkt dient meist der „Dritte Friedensvertragsentwurf“ des rechtsneutralistischen Publizisten Richard Sperber und seines „Initiativkreis Wiedervereinigung“. ...

1987 wird in den „Studies in German Democratic Republic Culture and Society“ berichtet:

A recent case in point is the account by Richard Sperber, a moving force behind the West German „Initiativkreis Friedensvertrag“, of a discussion „mit einem prominenten DDR- Journalisten und mit zwei Dozenten des „Instituts für Internationale ...

In einem im gleichen Jahr erschienenen Buch heißt es12:

A parallel document drawn up by one of the signatories of the Memorandum, Richard Sperber, sets out the possible provisions of a German Peace Treaty. It is available in an English translation from Initiativkreis Friedensvertrag, Elsterweg 2, 3008 Garbsen 9.

Nach 1989 - "Synthese aus Religion und Nationalbewusstsein"

1990 heißt es im Buch eines Wiedervereinigungs-Gegners (klar doch, die deutsche Geschichte hat alles zu bieten aus der Rappelkiste des Irrsinns!) - wobei dann auch gleich der Tonfall ein ganz anderer wird13:

Die Idee der Konföderation war politisch tot, sieht man von dem randständigen neofaschistischen Schenke-Kreis ab. Erst Anfang der 80er Jahre wurde er von den neofaschistischen Nationalrevolutionären wieder aus der Kiste gezogen: von Schenke in der „Neuen Politik“, von Wolfgang Venohr (dem alten Schenke-Mitstreiter aus den 60er Jahren), der wie Theodor Schweisfurth oder Richard Sperber (dem alten Schenke-Mitstreiter aus den 50er Jahren) im nationalrevolutionären Umfeld an völkerrechtlichen Konföderationsvorschlägen arbeitete, von Peter Brandt und Herbert Ammon in ihrem Faschisten und Linke umarmenden Dokumentenband „Die Linke und die nationale Frage“ von 1981.

1991 erschien der hier schon ausführlicher zitierte biographische Bericht über Richard Sperber in der von vielen Menschen als sehr „rechts“ eingeschätzten Zeitschrift „Wir selbst“14. 1993 dokumentiert die Ostberliner „Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“15 die Bemühungen Richard E. Sperbers in den 1950er Jahren. Sie bringt als „Dokument“:

Amerikanischer Entwurf für deutschen Friedensvertrag - Vorschläge des Wiedervereinigungsrates Chicago.
12. Februar. Der „Amerikanische Rat für die Wiedervereinigung Deutschlands“ verbunden mit der „Federation of American Citizens of German Descent Inc.“ hat in seiner gestrigen Sitzung den Entwurf eines Friedensvertrags für Deutschland einstimmig angenommen, der von dem Ratsvorsitzenden Richard E. Sperber ausgearbeitet und vorgelegt worden war.

Im Mai 1996 berichtet Richard Sperber im „Ostpreußenblatt“16 über einen Vortrag von Alfred Mechtersheimer (geb. 1939) zum Thema „Wie ruiniert man einen Staat?“. Am Ende des Artikels werden sehr ungewöhnliche, bzw. besser sehr aufgeweckte Gedanken geäußert:

Zur Abwehr dieser Gefahren forderte der Redner eine gewaltfreie deutsche Volksbewegung, die ein neues Bewußtsein und ein geistiges Kraftfeld schaffen könne. Impulse dazu müßten von einer intellektuellen Minderheit ausgehen. Entscheidend für den Erfolg sei eine gemeinsame Synthese aus Religion und Nationalbewußtsein.

Dieser letzte Gedanke – eine „Synthese aus Religion und Nationalbewusstsein“ wird auch in einer Zwischenüberschrift hervorgehoben. Er ist aber vom christlichen „Ostpreußenblatt“ und von vielen anderen deutschen „Nationalbewussten“ offenbar bis heute nicht nachhaltig weiterverfolgt worden.

Im Oktober 1998 reiste Richard E. Sperber mit einer deutschen Delegation zur „Woche der unterdrückten Völker“ nach New Jersey, USA, zur "Captive Nations Week". Und er hielt dort eine Rede17:

Als letzter Redner kam der Leiter der deutschen Gruppe, Richard E. Sperber, zu. Wort.

In seiner Rede bezichtigte er anhand von Worten von Michael Gorbatschow Hans Dietrich Genscher der Lüge, wenn letzterer gesagt hatte, die Wiedervereinigung der alten mit den neuen Bundesländern von 1990 wäre nur durch den Verzicht auf Schlesien, Pommern und Ostpreußen erreicht worden. Auch protestierte er dagegen, daß Deutsche sich nicht auf polnischem Staatsgebiet niederlassen dürfen und dort auch nicht ihr Eigentum zurück erhalten. Noch mindestens bis zum Jahr 2000 war Richard E. Sperber journalistisch tätig und berichtete über Zuwanderungsprobleme in der Schweiz18.

2006 fragte dann die „Thüringer Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte und Politik“19:

Wer kennt noch Richard Sperber, der einen Friedensvertragsentwurf für Deutschland bereits im August 1983 der Öffentlichkeit vorstellte. (…) Auch mit Blick auf die Würdigung Richard Sperbers und des Initiativkreises Friedensvertrag könnte ...

Und so unvollständig wie dieses Zitat muss vorläufig auch dieser Lebensbericht Richard E. Sperbers bleiben. All diese Bemühungen früherer Generationen für eine gedeihliche Fortentwicklung Deutschlands generieren einem derzeit zur „Farce“, wenn man nur noch fassungslos die gegenwärtige Einpeitschung der Abschaffung Deutschlands durch Massenzuwanderung beobachtet.

Eines wird man wohl fast sicher sagen können. Lebte Richard E. Sperber heute noch, er würde sicher zustimmen, wenn heute auf Plakaten in Dresden auch in seinem Geiste steht:

Wir sind der Mut,wir tragen die Fackel
der Freiheit
ins deutsche Land.
Sei auch Du
der Mut.

(Leider ist vorderhand keine Fotografie von Richard E. Sperber über das Internet erreichbar.)

_________________________________________
  1. 1Ein Leben für die Einheit Deutschlands. Publizist Richard Sperber wurde 70 Jahre alt. In: Wir selbst - Zeitschrift für nationale Identität 2/1991, S. 39, http://wir-selbst.de/wp-content/uploads/2014/02/Wir_selbst_1991_02.pdf
  2. 2Edelmann, Josef: Dem Volk zu seinem Recht verhelfen. 1953 sprach sich der US-Kongress für die Einheit der Deutschen aus. In: Das Ostpreußenblatt, 19.11.1994, S. 5, http://archiv.preussische-allgemeine.de/1994/1994_11_19_46.pdf
  3. 3Weißenburger, E. Leo: Vor der eigenen Türe kehren. In: Das Ostpreußenblatt, 24.5.1997, S. 2, http://archiv.preussische-allgemeine.de/1997/1997_05_24_21.pdf
  4. 4Generalplan für Wiedervereinigung. Vorschläge einer privaten deutsch-amerikanischen Organisation. In: Das Ostpreußenblatt, 22. 6. 1957, S. 2, http://archiv.preussische-allgemeine.de/1957/1957_06_22_25.pdf
  5. 5Mißglückte Attacke gegen Reece. „Die Oder-Neiße-Gebiete sind und bleiben deutsch“, In: Das Ostpreußenblatt, 17.8.1957, S. 2, http://archiv.preussische-allgemeine.de/1957/1957_08_17_33.pdf
  6. 6Sperber, Richard E.: Wie kann Deutschland wieder vereinigt werden? Chicago/USA 1957 (20 S.); Sperber, Richard E.: Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit. In: Nation Europa, 8. Jg., März 1958, Heft 3, S. 17ff; Sperber, Richard E.: Amerika und die deutsche Frage. (Memorandum) In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Heft 4, 1958, S.; Sperber, Richard E.: Disengagement – Voraussetzungen und Konsequenzen. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Heft 11, 1958, S.; Sperber, Richard E.: Das ganze Deutschland soll es sein! Bericht von einer Deutschlandsreise mit Dokumentation. Verl. Ostdt. Heimatzeitungen, Tauberbischofsheim/Baden 1959 (47 S.); Deneke, J. F. Volrad; Sperber, Richard E.: Einhundert Jahre Deutsches Ärzteblatt - Ärztliche Mitteilungen 1872 – 1972. Deutscher Ärzte Verlag, Lövenich / Kreis Köln, 1973 (111 S.)
  7. 7laut der „Mitteilungen des Institutes für Auslandsbeziehungen“ (Okt-Dez, 1958), http://www.archive.org/stream/universityofilli1113univ/universityofilli1113univ_djvu.txt
  8. 8Amerika-Deutsche an Nixon! Ernste Fragen bis heute nicht befriedigend beantwortet. In: Das Ostpreußenblatt, 12.11.1960, S. 2
  9. 9Erste Hinweise (im folgenden fast alles nach Google Bücher): Schmige, Georg: Das bundesdeutsche Kartenhaus. Holsten-Verlag, 1969 (170 S.), S. 140f; Laboor, Ernst: Der Rapacki-Plan und die DDR. Die Entspannungsvision des polnischen Außenministers Adam Rapacki und die deutschlandpolitischen Ambitionen der SED-Führung in den fünfziger und sechziger Jahren. Fides, 2003 (322 S.), S. 188
  10. 10Antimilitarismus Information, Bd. 15, 1985, S. 16
  11. 11In: Blätter für deutsche und internationale Politik, Band 32, 1987, S. 219
  12. 12Alternative Defence Commission: The Politics of Alternative Defence. A Policy for a Non- Nuclear Britain. Paladin, Grafton Books, 1987 (399 S.)
  13. 13Kratz, Peter: Die nationalrevolutionäre Connection. Gaddafi - Mechtersheimer – Schönhuber. Quellen und rotgrüne Querverbindungen neofaschistischer Deutschland-Vereiniger. Bonn 1990, http://www.bifff-berlin.de/Gadganz.htm
  14. 14Ein Leben für die Einheit Deutschlands. Publizist Richard Sperber wurde 70 Jahre alt. In: Wir selbst - Zeitschrift für nationale Identität 2/1991, S. 39, http://wir-selbst.de/wp-content/uploads/2014/02/Wir_selbst_1991_02.pdf
  15. 15Dokument: Amerikanischer Entwurf für deutschen Friedensvertrag - Vorschläge des Wiedervereinigungsrates Chicago. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 1993, S. 235
  16. 16Sperber, Richard: „Wie ruiniert man einen Staat?“ In: Das Ostpreußenblatt, 18.5.1996, S. 2
  17. 17R.E.S. (also Richard E. Sperber): Die Opfer kommunistischer Regime nicht vergessen. In: Das Ostpreußenblatt, 31.10.1998, S. 44, http://archiv.preussische-allgemeine.de/1998/1998_10_31_44.pdf
  18. 18Sperber, Richard E. (upd): Schweiz zieht die Notbremse. Wer ohne Papiere ist, wird interniert. In: Das Ostpreußenblatt, 1.7.2000, S. 5 
  19. 19In: Gerbergasse 18 - Thüringer Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte und Politik, 2006, S. 39

Sonntag, 12. Juli 2015

Das monströse Ausmass der Pädokriminalität in England

Die derzeitige Wahrheitskommission im Mutterland der Demokratie rüttelt an den Grundlagen unseres 200 Jahre alten Demokratie-, Gesellschafts- und Geschichtsverständnisses

"Britannia, lass flattern deine verdreckten Fahnen ..." (Wiki)
Foto: Vaughan Leiberum
Das steht im Wochenmagazin "Der Spiegel" vom Donnerstag der letzten Woche über den landesweiten, viele Gesellschaftsteile durchziehenden Mißbrauchsskandal in Großbritannien:
In England und Wales könnte jedes 20. Kind Opfer von Missbrauch geworden sein. ... Das wahre Bild könnte noch schlimmer sein.
Könnte mit weniger Worten mehr gesagt werden? Es wird einige Zeit brauchen, bis überhaupt verstanden worden ist, was diese Aussage bedeutet. Eine solche Aussage über das Mutterland der modernen Demokratie. Es sei noch der Vollständigkeit halber zitiert, was in dem Artikel weiter erläuternd steht:
Im Zuge der Affäre um den ehemaligen BBC-Entertainer Jimmy Savile waren in Großbritannien verheerende Missstände quer durch alle Bevölkerungsschichten aufgedeckt worden. Entertainer, Geistliche, Politiker, Krankenhausmitarbeiter - Missbrauchsskandale gab es in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Der Polizei wird vorgeworfen, über Jahrzehnte Skandale ignoriert oder nur nachlässig ermittelt zu haben. Unter anderem sollen neben zahlreichen Unterhaltungsstars im Umfeld der BBC der inzwischen gestorbene frühere Innenminister Leon Brittan sowie weitere hochrangige Politiker beteiligt gewesen sein. In mehreren Städten flogen Ringe von Sexualstraftätern etwa in der Taxifahrerszene auf.
(Siehe auch z.B. RTL.) - Findet das ständige herabsetzende Reden von "Verschwörungstheorie" jetzt endlich einmal ein Ende? Oder bedarf es noch mehr, damit das nun endlich ein Ende hat?

Aber viel mehr noch: Merkt man es? Spürt man es? Das ist jene Nation, die uns Deutschen 1945 die Demokratie bringen wollte. - - - Da muss eine ganze politische Elite vollständig ausgewechselt werden. Wie sonst will man mit dieser Erkenntnis umgehen? Das wird doch nicht besser, indem nicht auch etwas an den moralischen Grundlagen einer solchen Gesellschaft verändert wird.*)

Finden heutige Gesellschaften der Nordhalbkugel dazu noch die Kraft? Oder gucken sie weg? Was sagt ein Jürgen Habermas dazu? ... Ja, ja, er lebt noch, jener Mann, der sich noch 2004 mit jenem Herrn Joseph Ratzinger so gut verstanden hatte, dessen Biographie, nunja, seither ja auch so manches "Geschmäckle" bekommen hat, zurückhaltend ausgedrückt. Was sagen sonstige moralinsaure Demokraten der westlichen Welt dazu? Oder noch grundlegender: Was würden ein Baron de Montesquieu und ähnlich grundlegende Staatsdenker zu solchen Feststellungen sagen?

Leon Britain (1939-2015), Innenminister unter Margaret Thatcher, steht unter dem Verdacht vielfachen sexuellen Missbrauchs. Er war entscheidend daran beteiligt, dass die Ermittlungen gegen den Kinderschänder-Ring im britischen Parlament Anfang der 1980er Jahre bis kurz vor der deutschen Wiedervereinigung niedergeschlagen worden sind. Womit sicherlich hundertfach neue Fälle von Pädokriminalität ermöglicht worden sind. 

Und diese christkonservative Regierung machte Deutschland 1989/90 Vorschriften darüber, wie es seinen Stellung in Europa nach der Wiedervereinigung bestimmen sollte. Wie es seine Grenzfragen mit Polen lösen sollte. Diese Regierung warnte 1990 vor einem Deutschland, das wieder gefährlich werden könnte. Wo sie selbst jedem 20. Kind ihres eigenen Volkes gefährlich war.

Die Erkenntnisse dieser Wahrheitskommission gehen weit über die Erkenntnisse rund um den Mißbrauchsskandal innerhalb der katholischen Kirche hinaus. Und womöglich versteht man nun gerade auch besser, warum sich der "Papst" nennende Herr Joseph Ratzinger, dieser Edelkatholik, so überraschend wohlwollend ausgerechnet gegenüber der britischen Elite und dem britischen Königshaus aussprach, diesem edlen, anlässlich seines Besuches in England im September 2010 (GA-j!, 9/2010). Wo doch England aus der Sicht seiner Klientel eigentlich eines der Kernländer der Ketzerei sein sollte. Aber so mancher Fragenkreis schließt sich gerade, nicht nur dieser. Denn es gibt offenbar doch noch so manche - - - "Gemeinsamkeit" mit Ketzern. Hoffte Herr Ratzinger womöglich damals noch auf politisches Asyl in Großbritannien, falls er strafverfolgt werden sollte um seiner tausendfachen Verbrechen willen - ? Wo die Polizei und Gerichte in Großbritannien doch damals noch so erfreulich milde waren, ahnungslos taten, was die Art speziell seiner Verbrechen betrifft (nämlich Mitwisserschaft, Vertuschung und Ermöglichung von Pädokriminalität).

Die Erkenntnisse dieser Wahrheitskommission gehen weit über den Mißbrauchsskandal innerhalb der katholischen Kirche hinaus

Es stockt einem der Atem. Was man nicht glauben wollte, nämlich, dass auch der britische Geheimdienst und die britische Regierung während des Zweiten Weltkrieges infiltriert waren von Pädokriminellen, dass offenbar an oberster Spitze selbst mit Winston Churchill ein Pädokrimineller stand (es ist hier auf dem Blog schon darüber geschrieben worden, insbesondere anhand der Aussagen von T. Stokes und anderer), gewinnt durch diese neuen Sachverhalte natürlich schnell an weitaus größerer Glaubwürdigkeit.

Solche Zustände wie jene, die jetzt zutage kommen, entstehen doch nicht über Nacht. Sie müssen eine lange Vorgeschichte haben. Man kann auch sagen: Diese Nation, die Regierung und die Presse dieser Nation stellten sich 1914 gegen Deutschland in einen Krieg mit einem Phrasenschwall voll von triefender Moral. Auch dieser Umstand erhält durch die aktuellen Aufdeckungen eine ganz neue Beleuchtung. Versteht man besser, wie die damalige britische Lügenpresse den deutschen Soldaten 1914 vorwerfen konnte, belgischen Kindern die Hände abzuhacken - ? Wie sie rufen konnte "Hang the Kaiser!" Wie sie Deutschland die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg aufbürden konnte? Versteht man es? Ich jedenfalls glaube gerade manches zu verstehen.

Und man versteht vielleicht damit heute auch wieder besser den tiefen, tiefen Zorn der deutschen Frontsoldaten nach dem Ersten Weltkrieg, von einer solchen zutiefst korrupten Nation militärisch überwunden und geknebelt worden zu ein mit dem "Schandvertrag" von Versailles. Oder - die Frage läßt sich auch andersherum stellen: Welche große Nation legt eigentlich einer anderen großen, zivilisierten Nation einen solchen Schandvertrag auf, wenn ihre Eliten nicht pädokriminell zutiefst versumpft und verseucht sind?

In Deutschland hat wohl noch kaum jemand wahrgenommen, was für ein grundlegender Wandel zwangsläufig in unserem Demokratieverständnis stattfindet durch diese derzeitige "Wahrheitskommission" in Großbritannien. Wenn die Demokratie darin versagt hat, jedes 20. Kind zu schützen vor Pädokriminalität. In jeder Schulklasse ein Kind.

Zeiten eines Nero im "Mutterland der Demokratie"

Was ist das dann für eine "Demokratie"? Nein, Großbritannien war niemals eine vorbildliche Demokratie. Diese kann es gar nicht gewesen sein. Zumindest nicht in den letzten 100 bis 150 Jahren. Wer kann das noch glauben? Wir wissen, dass das britische Königshaus, auf das gegenwärtig rund um die Pädokriminalitäts-Vorwürfe erneut ein so schwerer Verdacht  fällt (etwa auf den Bruder des Kronprinzen), schon 1888 tief versumpft war, da von Hochgradfreimaurern umgeben, aufzeigbar nicht zuletzt an den "Jack the Ripper"-Morden jenes Jahres (GA-j!, 4/2014).

Es waren Händler und Heuchler, genau das, was die Deutschen 1914 bis 1918 über die Engländer glaubten. Und diese Nation hat die deutschen Städte zusammen gebombt 1940 bis 1945. In dieser Nation konnte ein Lord Vansittard 1940 als geistige Vorbereitung auf diese Verbrechen sein Hetz- und Lügenbuch "Black Record" veröffentlichen. Aus solchen Verhältnissen stammend, konnte ein Winston Churchill während des Zweiten Weltkrieges so zynisch mit dem Völkermörder Josef Stalin küngeln. Und gerade einmal eben Deutschland auf zwei Drittel seines Vorkriegsterritoriums zurückschneiden unter der Vertreibung eines Viertels seiner Vorkriegsbevölkerung unter begleitendem Massenmord an 2,5 Millionen Deutschen. Es wird gerade vieles klarer über die Grundkonstellationen jener westlichen Politik, die die Geschichte des 20. Jahrhunderts bestimmten.

Eine Nation von Pädokriminellen, von Mitwissern von Pädokriminalität und von Überlebenden pädokrimineller Gewalt

Ich wunderte mich schon 1993 in meiner Magisterarbeit über die tiefe Korrumpiertheit, über die schweren Verbrechen der britischen Regierung während des Zweiten Weltkrieges (siehe --> meine Magisterarbeit). Der deutsche Historiker Klaus Hildebrand war beim Studium derselben Sachverhalte 1986 dazu gekommen, vom "Zeitalter der Tyrannen" zu sprechen, in das er neben Hitler und Stalin Churchill und Roosevelt bewusst mit einschloss. Das war im Zusammenhang mit dem legendären "Historikerstreit" desselben Jahres geschehen. Und von wem wurde - auch - Klaus Hildebrand damals so angegriffen, dass er sich seither niemals wieder so deutlich und offen zur verbrecherischen britischen Politik während des Zweiten Weltkrieges geäußert hat? ..... Ääääähm, nun, ähm, ja, von: Jürgen Habermas. Es wird gerade vieles klarer.

Leon Britain, der des Missbrauchs verdächtige Minister der Thatcher-Regierung (soweit man das überblickt, gibt es noch andere ehemalige Minister der Thatcher-Regierung, die diesen Verdacht auf sich gezogen haben, die ihn aber empörter zurückgewiesen haben als Britain) ist auch noch jüdischer Herkunft (Wiki). Sein Volk wurde traumatisiert 1933 bis 1945 - wie so viele andere Völker - und er musste diese Tramatisierungen nach 1945 fortsetzen? Es reicht. Tausend mal reicht es. Es ekelt einen, wohin man blickt. Wann ist endlich Schluss mit diesem "Jahrhundert der Lüge", der triefenden, sabbernden, salbadernden Moral und Heuchelei, die sich durch so viele Gesellschaftsbereiche moderner "Demokratien" zieht - ebenso wie die Pädokriminalität?

Das einstmalige prunkvolle britische Empire - was bleibt von ihm übrig? Eine Nation von Pädokriminellen, von Mitwissern von Pädokriminalität und von Überlebenden pädokrimineller Gewalt. Man versteht, warum sich in dieser Nation der Edelkatholik, Herr Joseph Ratzinger, vor fünf Jahren so wohl fühlte und für die multikulturelle Gesellschaft warb. Was einem schon damals so auffallend vorkommen konnte (GA-j!, 9/2010). Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, diejenigen, die seit hunderten von Jahren vor Sodom und Gomorra warnen, die derartige Schreckensbilder beschworen - sie selbst waren es, die genau dieses erst herbei führten. Unter der Maske der Saubermänner, der Gut- und Edelmenschen.

Und damit drängt sich auch immer schärfer die Frage auf: Welche Zusammenhänge bestehen zwischen elitärer Pädokriminalität und dem mangelhaften Leisten von Widerstand gegenüber der Befürwortung, dem Bewerben und Einpeitschen des Gedankens von der multikulturellen Gesellschaft? Fühlen sich Pädokriminelle etwa in multikulturellen Gesellschaften "wohler", "sicherer"? Und wenn ja - warum? Weil in diesen - nach dem Wort von Robert Putnam - "jeder allein kegelt" und es deshalb niemals zu einer großen gemeinsamen Aktion kommt, Abwehraktion. Weil andere sehr fortgeschrittene, hoch kultivierte multikulturelle Gesellschaften auch schon nicht fertig geworden sind - mit einem Nero? Warum sonst?

Zeiten eines Nero im "Mutterland der modernen Demokratie".

_____________________________________
(Als Titel für diesen Artikel war ursprünglich gewählt worden: "Die stolze, ekelhafte, versumpfte britische Nation".)

___________________________________
*) Man möchte sogar noch weiter gehen. Man möchte fragen: Können solche Zustände überwunden werden von der heutigen unter Evolutionären Humanisten beworbenen hedonistischen Moral? - Gegenwärtig stürzen gerade unglaublich viele, auf seichtem Fundament errichtete Gebäude ein - und seien es nur moralische oder Gedankengebäude.

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Follower

Social Bookmarking

Bookmark and Share