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Donnerstag, 20. Oktober 2022

Alfred Rosenberg und die Reichskristallnacht

Unsere Amazon-Rezensionen (Amaz) haben wir selten parallel auch gleichzeitig hier auf dem Blog eingestellt. 

Das wäre vermutlich noch einmal nachzuholen. Die nachfolgende Rezension der Neuveröffentlichung der Tagebücher von Alfred Rosenberg (1893-1946) (Wiki) (1), die wir am 20. September 2015 eingestellt hatten, ist inzwischen schon von 32 Nutzern als "hilfreich" gekennzeichnet worden.



Abb. 1: Rosenberg in Nürnberg 1946

Das möchten wir auch meinen, daß sie hilfreich ist (Amaz):

Eine Gesamteinschätzung des Inhaltes dieser Tagebücher ist sicher nicht von heute auf morgen möglich und wird auch in der Einleitung dieses Bandes erst gar nicht versucht für alle darin behandelten Themen. Deshalb möchte auch ich hier zunächst nur einige erste Rechercheeindrücke festhalten.
Die Überlieferungsgeschichte der Tagebücher von Alfred Rosenberg ist eine auffällige (S. 29ff). Auszüge derselben wurden schon während der Nürnberger Prozesse zugänglich gemacht. Der Hauptteil der Rosenberg'schen Tagebücher kam dann aber - unzulässigerweise - für lange Jahrzehnte in den Privatbesitz (!) des Anklägers Robert Kempner und blieb deshalb bis zum Jahr 2015 unveröffentlicht. Nur gut belesenen Fachleuten war bekannt, dass Kempner schon 1948 Auszüge aus diesem Tagebuch veröffentlicht hatte. Diese zum Verständnis der geistigen Entwicklungen im Dritten Reich sicher nicht unwichtige Veröffentlichung aus dem Jahr 1948 ist noch heute - zum Beispiel - nicht auf dem Wikipedia-Artikel zu Alfred Rosenberg verzeichnet.
Und selbst in der Veröffentlichung des Rosenberg-Tagebuches aus dem Frühjahr dieses Jahres fehlen nach Einschätzung der Herausgeber immer noch wichtige Bestandteile dieses Tagebuches. Nämlich Einträge zwischen Herbst 1941 und erster Hälfte 1942. Und auffallender Weise ist dies genau jener Zeitraum, in dem nach der heutigen wissenschaftlichen Meinung innerhalb der deutschen Führungsspitze der Plan zur Ausrottung der europäischen Juden konkrete Gestalt angenommen hat. Welche Stellungnahmen und Hinweise es gibt in Bezug auf Alfred Rosenbergs Sichtweise auf die Judenmorde und bezüglich seiner Verantwortung wird in der Einleitung sehr detailliert erörtert (S. 40-116), allerdings kann sich auch diese Darstellung an den entscheidenden Stellen nicht auf Tagebuch-Einträge stützen.
Die sicher nicht ganz unbedeutsame Kritik Rosenbergs an der Politik seines kulturpolitischen Rivalen und erklärten Gegners Josef Goebbels oder auch an der Politik des Gauleiters Erich Koch in der Ukraine ist schon in diesen Tagebuch-Blättern ähnlich durchgängig enthalten wie er sie dann auch 1946 in seinen Nürnberger Aufzeichnungen formulierte. In ihnen wird Goebbels interessanterweise auch als verantwortlich erklärt für die Reichskristallnacht des Jahres 1938. Und indem man diesem Umstand hinterher recherchiert, findet man, dass sich das Stichwort "Reichskristallnacht" in der Rosenberg-Biographie von Ernst Pieper vier mal findet. Nirgendwo aber wird in dieser erörtert, dass Rosenberg die Reichskristallnacht laut des schon 1956 veröffentlichten Tagebucheintrages ABGELEHNT hat. - Hallo?!?!Da ein Zitat dieses Tagebuch-Eintrages und damit eine Erörterung seines Inhaltes derzeit offenbar auch sonst nirgendwo im Internet oder auf "Google Bücher" zu finden ist, soll es hier einmal gebracht werden. Rosenberg gibt ein Gespräch mit Heinrich Himmler über Josef Goebbels wieder, das wahrscheinlich im Dezember 1938 stattgefunden hat, und über das Rosenberg anfangs schreibt (S. 266f):
"Zunächst erzählte er (Himmler) die ganze Angelegenheit von Fritsch und von Blomberg und machte sein persönliches Unbeteiligtsein klar." (Okay, das "Unbeteiligtsein" von Himmlers Gestapo soll auch in dem Gestapo-Weisswaschbuch "Der Sturz der Generäle" von Fritz Tobias und Karl-Heinz Janßen dargelegt werden, das allerdings auffällig viele ehemalige Gestapoleute sehr unkritisch als Informanten aufführt ohne zu erörtern, ob diese nicht auch ein Interesse daran gehabt haben könnten, vor der Öffentlichkeit für den Sturz der kriegsunwilligen Generäle nicht verantwortlich gewesen zu sein.) So "unbeteiligt" braucht man Himmlers Gestapo an diesem Geschehen ganz bestimmt nicht ansehen. Aber weiter gibt Rosenberg dann das Gespräch unter anderem folgendermaßen wieder:
"Ich: Die Sache mit dem Judenprogrom war doch ebenso staatsschädigend. Dr. Goebbels hat nur auf Grund einer allgemeinen Anordnung des Führers gleichsam in seinem Namen die Aktion geboten. Görings Gegenbefehl kam zu spät. Schaden an Volksgut: fast 2 Winterhilfswerke: 600 Millionen!

Himmler: Ja; alles wird jetzt auf andere geschoben.
Ich: Für alles das, was Goebbels macht, müssen wir bezahlen. Es ist furchtbar."
Ich traue mir so aus dem Handgelenk nicht den Versuch einer weitergehenden kritischen Bewertung und Einordnung dieses Zitates zu. Ich finde es nur auffällig, dass dasselbe, das doch irgendwie auch entlastend für Rosenberg ist, offenbar nirgendwo in der Literatur auch nur erwähnt zu sein scheint (auch nicht in der Einleitung dieses Bandes!). Und mir drängt sich da der dumpfe Verdacht auf, dass man bei genauer Lektüre dieser Tagebücher noch allerhand ähnlicher solcher Dinge finden würde. In der Einleitung werden entlastende Tagebucheinträge Rosenbergs genannt zur schlechten Behandlung der russischen Kriegsgefangenen durch Deutschland. Ausgerechnet die Seitenangaben zu diesen Einträgen scheinen dann aber nicht zu stimmen, denn auf diesen findet sich dieses Thema dann gar nicht behandelt.
Dies nur erste wenige Leseeindrücke. Insgesamt muss sich die Wissenschaft doch allmählich einmal fragen: Welchem Zweck dient ein solches Jahrzehnte langes Verschlossenhalten von Geschichtsdokumenten wie der Gesamtheit der Tagebücher von Alfred Rosenberg, von dem IMMER noch wichtige Teile nicht bekannt sind?

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  1. Jürgen Matthäus, Frank Bajohr (Herausgeber): Alfred Rosenberg - Die Tagebücher von 1934 bis 1944 (Die Zeit des Nationalsozialismus. "Schwarze Reihe".) 23 April 2015

Sonntag, 6. Dezember 2020

Gute Filme

Ein Film-Tagebuch

In diesem Beitrag sind Bemerkungen und Gedanken gesammelt über wertvollere Filme, die man als empfehlenswert erachten möchte, ein Filmtagebuch (gegenchronologisch angeordnet)*). Leider sind die meisten der hier erwähnten Filme dort, wo sie erstmals frei zugänglich auf Youtube zu sehen waren, inzwischen schon wieder nicht mehr zugänglich. Frei zugänglich ist dafür - haufenweise - "Schrott". Wer das "Zufall" nennen möchte - - - bitteschön.

Abb. 1: Symbolbild - Kino in Florenz (Fotograf: sailko)

Freuen wir uns deshalb lieber über die wenigen Perlen in diesem riesigen Haufen Schrott, die man als eine Art Trüffelschwein sich so "erriechen" muß .... Ergänzung: Vielleicht sollte man immer auch einmal auf Archive.org oder OK schauen, wozu man durch einen neuen Beitrag von Thomas Wangenheim angeregt wird, der ergänzend zu diesem Blogbeitrag gelesen werden kann (1) (Wangh). Unsere eigene Filmliste auf Youtube "Gute Filme" ist noch sehr unvollständig (Yt).

"Immer wenn ich glücklich bin" (1938)

[8.01.2026] Schon ein wertvoller Film, der in letzter Instanz auch von der Aussage her überzeugen kann (Yt). Da es sich um einen "Revuefilm" handelt, zieht sich alles ein wenig übermäßig in die Länge. Aber unterhaltsam.

"Das alte Lied" (1944/45)

[6.12.2020] Dies ist ein Film (Wiki, Yt), der einem - insgesamt - nicht gefallen muß. Denn was für alte, versumpfte Verhältnisse werden über den größten Teil des Handlungsverlaufes des Filmes hindurch zur Darstellung gebracht. Und wie wird sogar noch neben abstoßenden Gefühlen gegenüber diesen Verhältnissen zugleich "Verständnis" für diese versumpften Verhältnisse geweckt. Das muß einem wirklich nicht gefallen. Und dennoch ergreift der Film. Was ergreift, ist aber, daß man - wie nicht selten in Spielfilmen dieser Zeit - echtes, tiefes Mitleid mit den Frauen hat, mit der sonderbaren Art, in der man es den Frauen zumutete, mit dem Egoismus der Männer zurecht kommen zu sollen. Das ist es, was auch an diesem Film ergreift. Ansonsten wünscht man sich diesen Film und die versumpften Verhältnisse, die er darstellt, zum Mond.

- - - Bis man sich plötzlich bewußt wird, daß ja zumindest der letzte deutsche Kaiser und sein Sohn so ziemlich genauso gelebt haben, sprich, mit "Liebschaften" neben der Ehe, wie auch in diesem Film der männliche Hochadel Preußens dargestellt wird. Auch vom britischen Thronfolger Prinz Charles ist ja genau dieses Verhalten - und seine Folgen - allzu bestens bekannt. Und man versteht nun von einem solchen Spielfilm aus eher die Lebensentscheidung des ältesten Sohnes des deutschen Kronprinzen, des Prinzen Wilhelm, im Jahr 1934, lieber eine Liebesheirat einzugehen und auf den Anspruch auf die Thronfolge zu verzichten als sich in diesem moralischen Sumpf und Moder von Generation zu Generation weiter zu bewegen. Über den Spielfilm ist noch zu erfahren (Wiki):

Das Drehbuch entstand frei nach den Novellen "Stine" (1890) und "Irrungen, Wirrungen" (1888) von Theodor Fontane.

"Ein hoffnungsloser Fall" (1939)

[Nov. 2020] Ein deutscher Arzt-Film aus dem Jahr 1939 (Wiki). Sehr schön werden die Verhältnisse und Anschauungen unter den Studenten an der Charite in Berlin in dieser Zeit dargestellt. Heiter - aber nicht ohne Tiefe. 

Jenny und der Herr im Frack (1941)

[2020] Unterhaltsam, mehr nicht. Aber eben auf einem Niveau wie es 1941 noch üblich war, also auch nicht herunter ziehend (Yt).

Katharina die Letzte (1936)

[2019] Ganz richtig steht in der Videobeschreibung (Yt): "Nachdem ich den Film das erste mal gesehen hatte, war ich etwas verwirrt: Wie kann etwas lustig daherkommen, gar ein Happy End bieten und mich zugleich so erschüttert, ja traurig aus dem Kinosaal treten lassen?" Das ist genau auch meine Erfahrung.

"Liebe muß verstanden sein" (1933)

[24.11.2017] Das ist ein so harmloser und fröhlicher Film (Wiki), den man sich sogar mit achtjährigen Mädchen ansehen kann und sie haben einen riesengroßen Spaß daran. Verwechslungskomödie. Ein toller Spaß. Hauptdarstellerin ist die jüdisch-ungarische Schauspielerin Rózsi Bársony-Sonnenschein, die ab 1935 Aufführungsverbot in Deutschland hatte, aber die Kriegszeit in Budapest überstand. Sie starb 1977 und ist in Wien begraben.

  1. https://youtu.be/ZG_D2hap2BM

"Der Gasmann" (1941)

Alltag im Dritten Reich - eingestreut in einen Spielfilm. Hitlergruß und Ariernachweis, hier einfach wie selbstverständlich zwischen die sonstige Handlung hinein gestreut. Zum Verständnis der Normalität des - für uns - Ungewöhnlichen ist ein solcher Spielfilm sicher ganz nützlich. Aber auch sonst hat der Film "Der Gasmann" aus dem Jahr 1941 mit Heinz Rühmann seinen Wert. Es handelt sich um die Verfilmung eines Romans von Heinrich Spoerl.

Google+, 6.6.2017

"Ein Mann mit Grundsätzen" (1943)

Über weite Strecken ein oberflächlicher, seichter Unterhaltungsfilm. Durch die Auflösung am Ende ist er jedoch ergreifend. - Dem Zweiten Weltkrieg parallel ging - so wird einem hier bewußt - eine gesellschaftliche Debatte darüber, ob eine beruflich erfolgreiche Frau auch eine gute Ehefrau sein könne. Allerhand Filme jener Jahre sind mit dieser Frage beschäftigt,  bzw. suchen das Publikum zu überzeugen: ja, sie kann es sein. Immerhin interessant, denn: beruflich erfolgreiche, gute Ehefrauen hatte es auch schon eine Generation zuvor gegeben. Die Debatte darüber war also nicht zu Ende.

Google+, 20.5.2017

"Die 4 Gesellen" (1938)

Einer der ersten Filme mit Ingrid Bergmann.

Was soll man sagen, außer das Wort: Wertvoll. 

"Fahrt ins Abenteuer" (Spielfilm, 1943)

Erstaunlich, was für eine Fülle von "harmlosen" - aber doch keineswegs völlig wertlosen - Unterhaltungsfilmen bis 1945 produziert worden ist. Das wird einem erst bewußt, wenn man sich gegenwärtig diesbezüglich unter den auf Youtube hoch geladenen Spielfilmen aus dieser Zeit umtut. - Oft ist erkennbar, daß diese im DDR-Fernsehen ausgestrahlt worden waren (wobei dann nämlich oft die jetzt hoch geladenen Aufnahmen entstanden sind).

In der Masse stechen diese Filme durchaus ab von der Masse des nach 1945 Produzierten. Das läßt sich, so möchte man meinen, objektiv sagen. Es geht also auch anders - als heute. Und es geht besser  - als heute.

Erwähnt sei auch eine Kritik aus einer ganz anderen Richtung, die nämlich besagte, daß auch schon die Goebbel'sche Filmpolitik die Massen "abgelenkt" und "bloß unterhalten" habe. Eine solche zeitgenössische Kritik von Menschen, die dem Dritten Reich kritisch gegenüber standen, läßt sich von den Erfahrungen SEIT 1945 nur noch schwer nachvollziehen. Aber sie kann ein Umstand sein, den man in der Gesamteinordnung mit berücksichtigen könnte.

Festzustellen ist: Die ganzen Liebesschnulzen, Verfilmungen von "Arzt-Romanen" etc. pp., die HEUTE nach den 20-Uhr-Nachrichten (vor allem für Frauen) gesendet werden, sind tiefste Unkultur, weil Gehirn-erweichend bis zum Abwinken.

Und mit ziemlicher Sicherheit kann - dem gegenüber - gesagt werden: Solche Themen wurden vor 1945 oft viel wertvoller behandelt. Und zwar so, daß die Sphäre der Kultur (in Richtung von gar zu großer Seichtheit oder Kitsch oder bloßem Ansprechen der Sensationslust) eigentlich nur sehr selten verlassen wurde. Und man darf auch sagen - vor den Erfahrungen seither (also seit 1945): Dies kann man einen geradezu begeisternden Umstand nennen.

"Operettenklänge" (1945)

"Und wieder ein Glück erlebt," möchte man mit Hölderlin sagen. Der Film "Operettenklänge" (so der Titel in Österreich), bzw. "Glück muß man haben" (so Titel in Deutschland) war 1945 zwar fertig gestellt, Theo Lingen hatte die Regie geführt. Aber er erlebte 1950 in Österreich seine Uraufführung, 1954 in Deutschland. Im DDR-Fernsehen lief er erst 1987 das erste mal. Und jetzt ist er frei auf Youtube verfügbar. Eine außerordentlich anrührende Geschichte. Erst durch Recherche erfährt man:

"Der Film erzählt Skizzen aus dem Leben des Wiener Komponisten Carl Millöcker - bis zur Entstehung seiner Operette Der arme Jonathan (1890)."

Carl Millöcker (1842-1899) war ein berühmter Wiener Operetten-Komponist. Von ihm stammt die Operette "Der Bettelstudent", von ihm stammt das Lied "Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküßt".

"Nationalsozialistisches Filmpolitik"

[18.4.2017] Den Einschätzungen meines bisherigen Filmtagebuches wird auf dem Wikipedia-Artikel "Nationalsozialistische Filmpolitik" eigentlich nirgendwo widersprochen. Da sollten doch einmal längere Zitate gebracht werden. Es heißt da:

"In den Kurz- und Spielfilmen lassen sich politisch-propagandistische Inhalte grundsätzlich seltener nachweisen als in den nichtfiktionalen Genres. Der Filmhistoriker Gerd Albrecht, der in den späten 1960er Jahren die erste umfangreiche Datenerhebung zum NS-Spielfilm durchführte, bezifferte den Anteil der Propagandafilme an der gesamten Spielfilmproduktion auf 14,1 %. Wenn man ein vollständigeres Sample zugrunde legt, als Albrecht zur Verfügung stand – z. B. hat er keine internationalen Koproduktionen berücksichtigt –, beträgt der Anteil der Propagandafilme sogar nur 12,7 %."
Wenn das nicht eine Aussage ist. Im weiteren wird der Eindruck, den man heute auf Youtube sammeln kann, gut bestätigt:
"Die größte Gruppe innerhalb der Spielfilmproduktion der NS-Zeit bilden die heiteren Filme. 569 Filme – das sind 47,2 % der Gesamtproduktion – lassen sich als Komödie, Verwechslungslustspiel, Schwank, Groteske, Satire oder ähnliches einstufen. Daß die Zugehörigkeit zum heiteren Genre nicht immer ideologische Unbedenklichkeit garantiert, zeigen etwa die zeitgenössischen Militärkomödien (z. B. Soldaten – Kameraden, 1936), aber auch Lustspiele wie Robert und Bertram (1939) und Venus vor Gericht (1941), in denen starke antisemitische Momente vorhanden sind. In der Mehrzahl der heiteren Filme, für die Die Feuerzangenbowle das bekannteste und noch heute populärste Beispiel bildet, finden sich jedoch kaum Hinweise auf nationalsozialistische Propaganda."
Und was uns mindestens genauso wichtig ist: Es finden sich auch kaum Hinweise auf sonstige bodenlose Seichtheit und Unkultur. Und weiter:
"Die zweite große Gruppe bilden Filme, die vor allem an ein weibliches Publikum adressiert sind. 508 NS-Spielfilme (42,2 %) sind Liebes- oder Ehefilme bzw. lassen sich einem der verwandten Genres – wie Frauenfilm, psychologischer Film, Sittenfilm, Arztfilm, Schicksalsfilm, Jungmädchenfilm usw. – zuordnen. Auch in dieser Gruppe gibt es Filme, die eine hochbrisante Mischung aus Propaganda und Unterhaltung boten: z. B. Annemarie (1936), Wunschkonzert (1940), Auf Wiedersehen, Franziska! (1941) und Die große Liebe (1942). Wunschkonzert und Die große Liebe waren sogar die kommerziell erfolgreichsten Filme der gesamten NS-Zeit. Diesen offensichtlich mit NS-Ideologie angereicherten Filmen stand jedoch wiederum eine Vielzahl von weitgehend unauffälligen Filmen gegenüber, die – wie Der Schritt vom Wege (1939) oder Romanze in Moll (1943) – noch heute ihr Publikum finden."
Wir können ergänzen: "... die noch heute ihr Publikum finden dürfen". :) Aber das ja sogar schon, soweit man sieht, in der DDR! Und hier wird sogar noch deutlicher gesagt:
"Das Menschenbild der NS-Spielfilme stimmt mit den Vorgaben der nationalsozialistischen Ideologie nur selten eng überein. (...) Die Mehrzahl der weiblichen Hauptfiguren kinderlos und berufstätig."
An solchen Umständen wird wohl schon manche berechtigtere zeitgenössische Kritik angesetzt haben, über deren Existenz ich oben mutmaßte. Interessant übrigens, dass Goebbels irgendwann jede Filmkritik verbot. Auch DAS ist interessant! Und:
"Unter den männlichen Hauptfiguren bilden nicht Soldaten und Helden, sondern ganz alltägliche Zivilisten die wichtigste Gruppe, besonders solche Männer, die als Liebhaber zwar etwas ungeschickt und hölzern, dafür jedoch durch und durch nett und verläßlich sind."
Und eine vorwiegend männliche Zuschauergruppe wurde folgendermaßen angesprochen:
"Wenn Liebes- und Ehefilme auf der Skala der Filmgenres den weiblichen Pol markieren, so findet man am „männlichen“ Ende die aktionsbetonten Genres. 333 NS-Spielfilme (27,6 %) sind Abenteuer-, Kriminal-, Kriegs-, Spionage- oder Sensationsfilme. Der Anteil der Propagandafilme ist in dieser Gruppe auffällig hoch, es sind 75 Einzelfilme, also fast ein Viertel aller vornehmlich für ein männliches Publikum produzierten Spielfilme."
Und:
"179 NS-Spielfilme (14,8 %) sind im Hochgebirgs- oder Dorfmilieu angesiedelt, darunter klassische Heimatfilme wie Der Jäger von Fall (1936), Der Edelweißkönig (1938) und Die Geierwally (1940). Fast 90 % dieser Filme weisen keine offene Propaganda auf."
Und dann noch folgendes:
"Eine Sondergruppe stellen die Filmbiografien und Historienfilme dar, die an der Spielfilmproduktion der NS-Zeit einen Anteil von 5,9 % haben. Auffällig viele dieser Filme besitzen politisch-propagandistischen Charakter; fast alle der 19 Historienfilme, von denen viele den preußischen Königshof zum Schauplatz haben, nutzen die Gelegenheit zu einer Geschichtslektion im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. Von den 52 Filmbiografien enthält fast jede zweite propagandistische Elemente, bilden die Helden dieser Filme in ihrer Gesamtheit doch sozusagen eine „Hall of Fame“ von – in den Augen der nationalsozialistischen Machthaber – herausragenden Deutschen. Obwohl Filmbiografien und Historienfilme von den Nationalsozialisten besonders häufig als Propagandamedium genutzt worden sind, sind sie andererseits keine Erfindung des NS-Kinos, sondern Teil einer langen Tradition des Genres, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg einsetzt, weit in die Geschichte des Nachkriegsfilms hinein reicht und keineswegs auf Deutschland beschränkt war."
Ich glaube also, man darf sich von der Spielfilm-Produktion in der Zeit des Dritten Reiches durchaus - was die Masse betrifft - begeistert zeigen. Eben immer, wie gesagt, vor dem Hintergrund dessen, was nach 1945 geschah.

Ich möchte sogar noch weiter gehen. Aus künstlerischer Sicht ist den Schauspielern nicht zum Vorwurf zu machen, dass sie vor 1945 beim deutschen Film mitgearbeitet haben --- sondern danach. 

Google+, 18.4.17

"Ein Mann wie Maximilian" (Spielfilm, 1944)

Selbst oberflächlichere Filme bereut man nicht, gesehen zu haben, wenn sie nicht gar zu tief unter Niveau - oder gar in Kitsch - absinken. Der Film "Ein Mann wie Maximilian" (1944) (Erstaufführung März 1945) tut genau das eben auch nicht.

Vor allem die Schauspielerin Karin Hardt (1910-1992) (Wiki) hinterläßt Eindruck. Sie spielt die frisch verheiratete Ehefrau. Damals war Karin Hardt mit dem Schauspieler Rolf von Goth (1906-1981) (Wiki) verheiratet. 


Google+, 11.4.17

"Der schwarze Husar" (1932)

Ein deutscher Historienfilm. Auf Wikipedia heißt es (Wiki):

"Im Kinojahr 1931/32 wurden in der Weimarer Republik acht 'vaterländische Filme' uraufgeführt, die UFA produzierte dabei neben 'Der schwarze Husar' noch den Film Yorck und setzte damit zum einen das Genre der Filme mit 'nationalem Inhalt' fort, mit deren Produktion sie bereits in den 1920er Jahren begonnen hatte."

Google+, 7.4.17
  1. Der schwarze Husar, 1932, https://youtu.be/xjbFYhfhEBs 

"Engel mit dem Saitenspiel" (1944)

Ein sehr schöner Film von Heinz Rühmann aus dem Jahr 1944. (Von ihm, nicht mit ihm.)

30.3.17

Maischberger trifft Riefenstahl 2002

Ein Interview von Sandra Maischberger mit Leni Riefenstahl  im Jahr 2002, dem Jahr des 100. Geburtstages von Leni Riefenstahl und ein Jahr vor ihrem Tod.

Man sieht hier noch einmal jene Leni Riefenstahl, die man schon in der mehrstündigen Film-Dokumentation "Macht der Bilder" von 1993 als Mensch und Künstler so außerordentlich faszinierend, ja, begeisternd erfahren konnte. Was sie hier am Ende über die Penthesilea sagt ...

Wie so häufig empfindet man das Verhalten von Sandra Maischberger ein bisschen störend. Während man als Zuschauer schon verstanden hat, was Leni Riefenstahl sagen will, fragt die Maischberger noch einmal nach und noch einmal und noch einmal - und jedes mal weitgehend verständnislos. - Etwas unheimlich.

Leni Riefenstahl war ein sehr, sehr guter Mensch. Das Sensorium für eine solchen Menschen scheint bei der Frau Maischberger nicht wirklich vorhanden zu sein. ....

23.3.17 
  1. "Die Maßlosigkeit, die in mir ist - Sandra Maischberger trifft Leni Riefenstahl", 2002, https://youtu.be/xjgYS8uXwFk

Amateurfilme als historische Quelle zum Dritten Reich

Ein Vortrag über Amateurfilme als historische Quelle zum Dritten Reich. Er enthält eine schöne Sequenz über eine Kanufahrt auf der Oder von Ratibor in Oberschlesien abwärts im Jahr 1939. Er enthält auch Sequenzen von der Erschießung von Juden. Es wird auch erwähnt, daß sich bis heute nur wenige Filmaufnahmen von dem Geschehen in Konzentrationslagern erhalten haben.

22.9.16

"Geronimo - Eine Legende" (1993)

Dies ist ein sehr wertvoller Film (Wiki). Die Apachen unter Geronimo. Ein Volk, das um sein Überleben kämpft. Für jeden dieser Indianer war es normal, völlig normal, ERST an das eigene Volk zu denken. Und dann - - - lange, lange später an sich. Und sie zwangen Mit- und Nachlebenden bis heute Bewunderung dafür ab. Warum bewundern wir bei anderen - was wir bei uns selbst verteufeln? Ernste Männer sind es. Auch alle überlieferten historischen Fotos von Geronimo sagen nichts anderes als das: tiefer Ernst. Wir sollten uns wirklich auf etwas anderes besinnen und uns diese Indianer zum Vorbild nehmen.

10.7.16

"Wie sagen wir es unseren Kindern" (1949)

Ein sehenswerter Film. Aus dem Jahr 1949.

  1. https://www.murnau-stiftung.de/movie/1004
7.6.16

Alt-Berlin in den 1930er Jahren

Ein schöner Film!, https://youtu.be/sK6mxLL2M84

23.11.15

"Die Anstalt" vom 20.10.15

ALLES, was zur Flüchtlingskrise zu sagen ist, ALLES wird gesagt in "Die Anstalt" vom 20. Oktober ab 29. Sendeminute bis 39. Sendeminute im "Zweiten Deutschen Fernsehen". Eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen man sich freuen kann darüber, daß man GEZ zahlt.

- Ob das, was da gesagt wird, auch bei der Pegida in Dresden angekommen ist? Und ob jetzt endlich - ALLE gemeinsam: die Deutschen, die Syrer, ... - auf DIE hinweisen, die EIGENTLICH schuldig sind, anstatt sich in Talkshows gegenseitig metaphorisch und auf den Straßen tatsächlich die Schädel einzuschlagen?

Ob sich wenigstens - wie in der "Anstalt" gespielt - WENIGSTENS die CSU in Bayern um diese Dinge kümmert? Ob man merkt, daß die großen Medien AUSSERHALB "der Anstalt" bei diesem Spiel trotzdem immer weiter mitmachen?

  1. https://youtu.be/YLr65tP1W44
4.11.15

Hermann Hesse liest

Darüber ist nichts zu sagen. Es ist schön, Hermann Hesse zuzuhören.

  1. Hermann Hesse liest - Über das Glück, https://youtu.be/7rLsb3w8ZaM
29.10.15

"Ewiger Rembrandt" (1942)

11.3.2015

Der Massenselbstmord von Demmin, Mai 1945

11.3.2015

"Der gebieterische Ruf" (1944)  

Ein erstklassiger Film. Den kann man sich ansehen.

31.12.14

"Der Verräter" (1936)

Ein Geheimdienst-Film, vom Drehbuch her sehr schlicht.

Was hier schon im Jahr 1936 zur Darstellung kam, ist nichts anderes, als was in jener Zeit - und seither - in großem Stil betrieben wurde und wird: Landesverrat mit und ohne "Stil". Erstaunlich, für wie "normal" das schon damals im Film gehalten und dargestellt wurde.

Wilhelm Canaris und seine Leute von der Wehrmacht-Abwehr (die in diesem Film eine wichtige Rolle spielt) ebenso wie die damaligen Gestapo-Leute (die in diesem Film ebenfalls eine wichtige Rolle spielen) werden sich an vielen Stellen in diesem Film fast historisch genau wieder gesehen haben.

Sollte der Film womöglich "einstimmen" auf all die Dinge, die schon damals geschahen oder noch kommen würden im Umfeld von Geheimdiensten ... - ?

Die Verbindung zwischen deutschem Geheimdienst und Film ist schon spätestens seit 1924 enger gewesen als das der Öffentlichkeit bewußt ist, so etwa bezeugt durch die Aktivitäten des damaligen Geheimdienstchefs Walter Lohmann (1878-1930) (Wiki).

 
20.12.14

"Jugendliebe" (1944)

Das Drehbuch ist ziemlich holprig, fast unbeholfen, klischeehaft. Aber insgesamt dennoch ein liebenswerter, nicht oberflächlicher Film. Man bereut nicht, ihn gesehen zu haben.

20.12.14

"Dreimal Komödie" (1945)

Sehr schön, sehr sehenswert, dieser unterhaltsame Film.

20.12.14

"Das Mädchen vom Moorhof" (1935)

Eine sehr gelungene, "milieu-genaue" Verfilmung einer Novelle von Selma Lagerlöff. Schon in den ersten Minuten erschüttert die Filmhandlung. Sehr wertvoll, dieser Film.

20.12.14

"Franz Schubert - Ein unvollendetes Leben" (1954)

Dieser Film kann sehr stark bewegen. Selbst wenn man das letzte Drittel noch gar nicht gesehen hat. Schon mit 31 Jahren ist er gestorben, der Franz Schubert!  Musiker verändern die Welt. Musiker verändern die Welt vielleicht mehr als alle anderen Menschen zusammen.

Es entsteht deshalb auch die Frage danach, ob es nicht noch mehr solcher erschütternder Verfilmungen von Musiker-Biographien gibt. Karl Marx hat den bekannten Satz geprägt: "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt drauf an sie zu verändern." Für Musiker, so wird einem gerade bewußt, würde dieser bekannte Satz gar nicht gelten, denn für sie gilt: "Musiker haben die Welt nicht nur verschieden interpretiert, sondern sie DAMIT zugleich auch verändert." Und dieser Umstand gilt, so fällt einem in diesem Zusammenhang auf, eigentlich für alle großen kulturellen, wissenschaftlichen und philosophischen Leistungen. Denn jeder Wechsel im WIE der Art, wie wir die Welt wahrnehmen, ÄNDERT die Welt zugleich auch.

Der Satz von Karl Marx drückt also - genau besehen - nicht jenes Vertrauen gegenüber Philosophie, Wissenschaft und Kultur aus, wie es ihnen eigentlich zukommt.

Übrigens wird die genannte große Macht der Musik auch einer der Gründe dafür sein, daß sich elitäre Satanisten und Pädokriminelle gerade dem Musikschaffen immer wieder so sorgfältig scheinen "angenommen" zu haben ...

7.12.14

Stranger than Emma Thompson 

"Stranger than Fiction", eine Verfilmung mit Emma Thompson als Hauptdarstellerin. Emma Thompson ist ja eigentlich immer schon eine Empfehlung, die für sich selbst spricht. Es muß halt nur jemanden geben, der einen dankbarerweise darauf hinweist, daß es einen solchen (neuen) Film gibt, der sich durch Emma Thompson empfiehlt ....

Emma Thompson

Es kommt ein Busunfall darin vor. Der Film kann einen total erschüttern und umwerfen. Bestimmt nicht wegen des kitschigen Inhalts. Und der Film ist von vorne bis hinten kitschig - rein vom Inhalt her gesehen. Aber wenn es jemanden gibt, der aus Kitsch ernst macht - machen kann, dann sollte dies - - - Emma Thompson sein. Sie ist brutal genug, all dem Seichten in unserer Welt (in unserer kulturellen Welt) eine brutale Wendung zu geben. Und sie ist ironisch genug, um allem Brutalen in unserer Welt (in unserer kulturellen Welt) jenen Hauch von Ironie zu geben, ... - - - nun, also, es muß ja charakterisiert werden, oder? Also: jenen Hauch von Ironie, ... der auch unseren besten Talk-Show-Mastern schon vor mehreren Jahrtausenden abhanden gekommen ist.

Maggie Gyllenhaal

Nachdem dieses also gesagt wurde, kann weiterhin nur gewarnt werden. Man sollte sich den Film nicht allein anschauen. Denn: Es ist ja doch ein Liebesfilm. Letztlich. Es kann ja doch kaum einen guten Film geben, wenn er nicht - letztlich - in irgend einer Weise ein Liebesfilm wäre. Und diese Maggie Gyllenhaal ... - Na also.

25.2.2007

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*) Bis 2017 auf dem Social-Media-Dienst "Google+" veröffentlicht, den ich eigentlich sehr mochte, der aber 2017 eingestampft wurde. Dort hatte ich in den letzten Jahren allerhand Kurzbeiträge eingestellt, die zwischenzeitlich in verschiedenen Blogbeiträgen gesichert worden sind. In diesem Blogbeitrag wird - sozusagen - "Mein Film-Tagebuch 2014 bis 2017" eingestellt, ergänzt durch spätere "Eintragungen". 
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  1. Wangenheim, Thomas: Die schönsten Vorkriegsfilme, 7. Dez. 2020, https://thwangenheim.wordpress.com/2020/12/07/die-schonsten-vorkriegsfilme/

Dienstag, 10. November 2020

"Querdenkende" Nationalsozialisten nach 1945 - Wie sie die Geschichte des Dritten Reiches sahen ...

Thema hier: Johann von Leers über den vielfältigen Canaris-Verrat während des Dritten Reiches (1954/55)
 
Vorbemerkung: Bis zum Jahr 2014 hat der Bloginhaber hier auf dem Blog - wie an den damaligen Blogartikeln erkennbar wird - sehr intensiv viele zeitgeschichtliche Fragen recherchiert, insbesondere auch zu den weniger bekannten Hintergründen des Dritten Reiches. Irgendwann ist er dabei auch auf die Thematik "Eichmann vor Jerusalem" (21) (also in Argentinien) und auf den Kreis der nationalsozialistischen Intelektuellen rund um die dortige Zeitschrift "Der Weg" gestoßen. Diese Zeitschrift hat er intensiv durchforstet damals. Nicht alle Aufsatzentwürfe, die damals aus diesen Recherchen heraus entstanden, sind bis heute hier auf dem Blog veröffentlicht worden, sondern schlummern seither als Entwürfe im "Blogarchiv". Durch Anfragen wird der Bloginhaber gerade veranlaßt, den folgenden Aufsatzentwurf aus dem Jahr 2013 - ohne weitere inhaltliche Überarbeitung - öffentlich zu machen (erstmals). Das ist ein etwas mißliches Unterfangen, denn der Bloginhaber steckt gar nicht mehr so stark in der Thematik drin wie das vor sieben Jahren der Fall war, als er die spannenden Recherchen damals recht willkürlich abbrach (weil sich solche - wenn man einmal anfängt - als "endlos" herausstellen). Aufgrund des zeitlichen Abstandes muten dem Bloginhaber nun selbst manche Charakterisierungen und Bewertungen in diesem Blogartikelentwurf als "ungewöhnlich" oder gar "kühn" an. Die Perspektive dieses Blogs auf das Dritte Reich war und ist ja seit den damaligen Recherchen auch immer noch eine recht ungewöhnliche. Die damaligen Bewertungen und Charakterisierungen werden sicherlich auch weiterhin ihre Berechtigung haben und sollten schon deshalb sieben Jahre später nicht "abgemildert" werden. Denn das wäre auch eine Verfälschung unseres ursprünglichen Kenntnisstandes, vor dem auch dieser Aufsatzentwurf damals entstanden ist. (I.B.)

Nach 1945 teilte sich das deutsche Nachdenken über die Ursachen des Geschichtsablaufs zwischen 1933 und 1945 in zwei Gruppen. Die eine Gruppe stellte den deutschen Widerstand gegen Adolf Hitler als vorbildlich in den Mittelpunkt ihres Nachdenkens. Ihr Geschichtsbild hat seither an vielen Stellen Risse erhalten. Der "Widerständler" Wilhelm Canaris und viele seiner Mitarbeiter waren nicht nur "Verschwörer gegen Hitler" und sei es sogar um den Preis einer deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg. Sie trieben vielmehr jene imperialistische Politik Hitlers - zwischendurch - sogar kräftig voran und wehrten in diesem Zusammenhang die Entmachtung der kriegsunwilligen Wehrmachtspitze im Jahr 1938 nur halbherzig ab. Zwar versuchen dies viele Historiker oder Zeitzeugen damit zu entschuldigen, daß man zur besseren Tarnung hätte "mitmachen" müssen. Aber immer mehr Einzelheiten, die bekannt werden, widersprechen einem solchen schlichten Geschichtsbild. Sie sind auch hier auf dem Blog zum Teil schon behandelt worden (bis Ende 2013).

Für die andere Gruppe war der deutsche Widerstand gegen Adolf Hitler während des Krieges einfach nur "Verrat" an Deutschland. Auf diese Widerständler richtete sich deshalb der ganze Haß dieser Gruppe. Sie machten diese Widerständler nach und nach für alles Unglück verantwortlich, das Deutschland zwischen 1933 und 1945 ihrer Ansicht nach wiederfahren war. Dieser Gruppe fühlten sich nach 1947 natürlich nur noch wenige Deutsche zugehörig. Intellektuell sammelte sich diese Gruppe ab 1947 um den deutsch-argentinischen Dürer-Verlag in Buenos Aires in Argentinien und um seine Zeitschrift "Der Weg". Es waren dies Menschen wie Johann von Leers, Otto Skorzeny, Wilfried van Oven, Dieter Vollmer, Willem Sassen (1918-2001) (Wiki). Wenn sie in ihrer Erschütterung über den militärischen Zusammenbruch des Dritten Reiches über seine Ursachen nachdachten, stand natürlich unter anderem die Gruppe des deutschen Widerstandes gegen Hitler im Mittelpunkt ihres Nachdenkens.

Abb. 1: Johann von Leers (1902-1965) - Nationalsozialistischer Schriftsteller

Es ist nun erstaunlich, daß um so mehr zeitlichen Abstand wir zu den Ereignissen vor und nach 1945 bekommen, wir zunehmend erkennen, daß auch die letztgenannte Gruppierung wesentliche Einsichten zum Geschichtsablauf hatte, wenn sie dabei jedoch auch manchmal über das Ziel hinausgeschossen sein mag. Aber das ist ja die erstgenannten Gruppierung viel zu oft auch. In vielen größeren Gesamtzusammenhängen ist sie aber wohl der eigentlichen, heute erkennbaren Hintergrund-Geschichte des Dritten Reiches oft viel näher gekommen, als die erstgenannten Gruppierung.

Es wurden dort in Argentinien schon genau die gleichen Fragen gestellt, die sich auch heute zunehmend den Historikern stellen, und von denen wir viele schon hier auf dem Blog behandelt haben: Wer steckt eigentlich wirklich hinter dem Reichstagsbrand? Wer hinter der Gestapo, den Röhm-Morden, der Blomberg-Fritsch-Krise, dem Canaris-Geheimdienst? Und welche Ziele wurden mit all dem verfolgt? Otto Skorzeny und Wilfried von Oven waren ja schon früh mißtrauisch geworden gegenüber dem Wirken des Wilhelm Canaris im Zusammenhang mit dem spanischen Bürgerkrieg und dem Nichteintritt Spaniens in den Zweiten Weltkrieg, was zur Nichteroberung Gibraltars durch die Deutschen führte.

Als erster war es wohl der völkische Schriftsteller Johann von Leers (1902-1965) (Wiki), der vielen Wahrheiten um die Hintergründe des Reichstagsbrandes und der Geschichte des Dritten Reiches, wie wir aus der Sichtweise des vorliegenden Blogs sagen müssen, schon Ende 1954 erstaunlich nahe gekommen ist. von Leers war "intellektualisiert" worden "im Jünger-Kreis", so heißt es im Klappentext zu der jüngst zu ihm erschienenen Biographie (Sennholz 2013). Er stand also den Kreisen, die hinter dem Dritten Reich standen, einerseits erstaunlich nahe, war aber zugleich offenbar diesen gegenüber auch reichlich ahnungslos und naiv.

Doch Ende 1954 konnte er sich schon vieles besser "zusammenreimen", was da seit 1933 von Seiten der rechtskonservativen "Widerständler" geschehen war. Er schreibt da (5, S. 852):

Zum ersten Male erfährt nun die Öffentlichkeit, daß sich die Regierung Hitlers buchstäblich vom ersten Tage an einer ausgezeichnet organisierten, im Schutze des eigenen militärischen Geheimdienstes getarnten konservativen Verschwörung gegenüber sah. Wegen ihrer soliden Stützpunkte in der russophilen Bendlerstraße und anderen wichtigen Reichsministerien gelang es einem kleinen, aber fanatischen Zirkel östlich orientierter Militärs und konservativer Politiker, allmählich einen konspirativen Apparat aufzubauen, der später England zur Kriegserklärung an das Reich veranlaßte, dann im Kriege durch zielbewußte Blendung der deutschen Kriegsführung den alliierten Sieg überhaupt erst ermöglicht, bis er dann in der Flamme seiner letzten verzweifelten Aktion, dem Attentat vom 20. Juli 1944, bis auf geringwertige Reste verbrannte.

Das ist natürlich ein ungewollter Scherz des Johann von Leers gewesen. Der größte Teil dieser Verschwörergruppe überlebte das Umbruchjahr 1945. Aber das konnte ein von Leers wohl im Jahr 1954, als es noch keine langjährigen Forschungen etwa zum Reichstagsbrand gab, noch gar nicht so recht übersehen.

von Leers: Der militärische Geheimdienst unter Canaris stand hinter dem Reichstagsbrand

Wenn man das folgende von ihm liest, kann man sich im Hinterkopf behalten, daß nicht die genannten Personen selbst die Hauptrolle gespielt haben müssen, sondern noch weitgehend unbekannte Kreise und Klüngel, die hinter ihnen standen und auch diese dirigierten. von Leers jedenfalls schreibt (5):

So sammelte sich buchstäblich vom ersten Tage an eine hintergründige Opposition. Neben dem militärischen Schleicher-Hammerstein-Kreis der Oberfohren-Flügel der DNVP, die "Jungkonservative Vereinigung" mit Ewald v. Kleist-Schmenzin, Fabian v. Schlabrendorff, Hans-Bernd Gisevius, eine Gruppe orthodoxer Protestanten um Professor Karl Bonhoeffer, seine Söhne Dietrich und Klaus, sein Schwiegersohn Hans v. Dohnanyi und Rüdiger v. Schleicher und der mit ihnen eng befreundete Otto John. Verflochten damit war der nationalbolschewistische "Widerstandskreis" Ernst Niekischs sowie Erich Klauseners "Katholische Aktion". Als auslösendes Moment und Fanal sollte der Brand des Reichstagsgebäudes dienen, seine Flammen den blutigen Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten heraufbeschwören.

Viele von diesen Personen hatten also Geheimdienstkontakte, schon damals, im Jahr 1933. Oder sagen wir es anders: die deutschen Geheimdienste behielten schon damals - wie sie es seither immer machen - nicht nur Hitler selbst, sondern auch die Hitler-Opposition in guter Kontrolle. von Leers schreibt weiter über den Reichstagsbrand unter anderem (5):

Als ausführendes Organ der Brandstiftung muß die Abteilung II der "Abwehr" angesehen werden. Nur sie besaß alle technischen Hilfsmittel. Die gestellte Aufgabe bedeutete für sie wenig mehr als eine Routineangelegenheit der Art, wie sie sie vielfach im Ruhrkampf durchexerziert hatte. Als Mittel kam flüssiger Phosphor in Betracht, ein Brandstiftungsmittel, das damals nur in Fachkreisen bekannt war und von dem schon eine kleine Menge genügte, einen Großrand hervorzurufen.

Er zitiert mehrmals Hans Bernd Gisevius und charakterisiert ihn ähnlich, wie wir ihn schon charakterisiert hatten (5):

Die Plastizität der Schilderung läßt deutlich durchblicken, daß Gisevius zu den Eingeweihten und Mittätern der Brandstiftung gehört.
Genau das war auch unser eigener Eindruck bei der Lektüre der vielen Bücher des Hans Bernd Gisevius. Aber das ist allerdings hier doch schon sehr deutlich gesagt. So weit waren wir selbst noch nicht gegangen! Johann von Leers war schon im Jahr 1933 mit der Zurückweisung der Behauptungen des Reichstagsabgeordneten der DNVP Ernst Oberfohren (1881-1933) (Wiki) beschäftigt (1). Schon von daher mußte er Einblick gehabt haben in die Vorwürfe zu den Hintergründen des Reichstagsbrandes. Schauen wir uns Oberfohren etwas genauer an. Er war an der Spitze der DNVP ein Gegenspieler von Hugenberg gewesen und scheint wegen seines Wissens um die Hintergründe des Reichstagsbrandes ermordet worden zu sein. Auf Wikipedia heißt es über ihn (Wiki) (zitiert natürlich nach der Version von 2013):
Im Januar 1933 befürwortete Oberfohren ein Zusammengehen der DNVP mit der NSDAP. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 distanzierte Oberfohren sich von Hugenberg und dessen NSDAP-nahen Kurs. Obwohl er auch noch für das Ermächtigungsgesetz vom März 1933 stimmte, das mit der Zusammenlegung von Legislative und Exekutive die Grundlage für die Errichtung der NS-Diktatur bildete, sah er sich verstärkt politischen Gängelungen ausgesetzt: Er wurde zunächst bespitzelt und mehrmals verhört. Am 29. März 1933 wurde sein Büro und einen Tag später seine Privatwohnung von Nationalsozialisten durchsucht. Obwohl er noch am 22. März als Fraktionsvorsitzender bestätigt wurde, legte er am 30. März sein Reichstagsmandat nieder und zog sich aus der Politik zurück.
Oberfohren war also zunächst einmal nur - grob gesagt - ein kritischer Geist und "Quertreiber". Weiter heißt es nun über ihn (Wiki) (zitiert nach der Version von 2013):
Eine Oberfohren zugeschriebene Denkschrift über den Reichstagsbrand, die der "Manchester Guardian" Ende April veröffentlichte (The Oberfohren-Memorandum), ...
- das von Leers zu jener Zeit in der britischen Presse zu widerlegen versuchte (1) -
... wahrscheinlich aber von Albert Norden stammte, mag zu seinem Tod beigetragen haben: Am 8. Mai 1933 wurde Oberfohren in Kiel erschossen aufgefunden.
Wie wohl dieser Tod auf von Leers gewirkt hat? Weiter (Wiki) (zitiert nach der Version von 2013):
In der Literatur dominiert die Auffassung, daß er den Schikanen durch die Nationalsozialisten, die er bis zu dieser Zeit hatte erdulden müssen, psychisch nicht gewachsen war und sich deshalb das Leben nahm. Alternativ kursiert die Behauptung, daß der Ernst Röhm nahestehende ehemalige Kampfbundführer Paul Röhrbein Oberfohren als eine den Nationalsozialisten unbequeme Persönlichkeit ermordete und den Mord als Suizid tarnte. Diese Behauptung, die angeblich auf Prahlereien Röhrbeins nach seiner kurz darauf erfolgten Inhaftierung gegenüber anderen Häftlingen zurückgeht, läßt sich in der Literatur erstmals in einer Exilanten-Publikation aus dem Jahr 1936 nachweisen.
Dieser SA-Führer Paul Röhrbein (1890-1934) (Wiki) war Mitglied des gar nicht so einflußlosen Homosexuellen-Kreises um Ernst Röhm. Dadurch war er womöglich an der Brandstiftung des Reichstages und der Vertuschung, dem "Cover up" der Brandstifter beteiligt. Warum er dann aber womöglich mit seinen Auftraggebern in Zwist geriet und sogar von Röhm selbst fallengelassen worden ist, wird noch nicht so recht deutlich. Über Röhrbein heißt es auf Wikipedia bislang nur (Wiki) (Version 2013):
Im Sommer 1933 wurde Röhrbein aus unbekannten Gründen in „Schutzhaft“ genommen. In der Literatur taucht in diesem Zusammenhang häufig die unbelegte Behauptung auf, Röhrbein habe mit dem Reichstagsbrand vom Februar 1933 zu tun gehabt, sei womöglich sogar Mitglied eines Trupps gewesen, der durch einen unterirdischen Tunnel in das Reichstagsgebäude eingedrungen sei und diesen angesteckt habe. Daneben wurde auch der Verdacht geäußert, Röhrbein habe am 7. Mai 1933 als Anführer eines SA-Rollkommandos den DNVP-Politiker Ernst Oberfohren ermordet, der die Nationalsozialisten belastendes Material zum Reichstagsbrand gesammelt haben soll, und die Tat anschließend als Selbstmord getarnt. Diese Behauptung geht auf den ehemaligen Chefredakteur der Münchener Sonntagszeitung, Walter Tschuppik, zurück, der 1934 im Exil in der österreichischen (oder tschechischen) Zeitung Der Morgen erklärte, Röhrbein 1933 im Polizeigefängnis Löwengrube als Mitgefangenen getroffen zu haben. Dabei habe Röhrbein ihm gestanden, Oberfohren im Auftrag Görings umgebracht zu haben.
Soweit übersehbar, erfolgte die Schutzhaft, die Isolationshaft und Folter von Röhrbein in Übereinstimmung mit den Wünschen Röhms. Was ihn aber keinesfalls vor seiner eigenen Ermordung schützte, heißt es doch weiter (Wiki):
In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1934 wurde Röhrbein anläßlich der als Röhm-Putsch bekannt gewordenen politischen Säuberungswelle der Nationalsozialisten vom Frühsommer 1934 von Angehörigen der Dachauer SS-Lagerwache erschossen. Außer ihm wurden noch vier weitere Männer getötet, die seit längerem als „Schutzhäftlinge“ in Dachau festgehalten wurden.
Ein offenbar sehr verwickeltes Geschehen, über das noch nicht alle Hintergründe klar zu sein scheinen. Einmal erneut wird deutlich wie kräftig offenbar gemordet wurde auch beim "Cover up" der eigentlichen Urheber des Reichstagsbrandes - und der Machtergreifung allgemein.

Der Verfassungsschutz-Mann und Spiegel-Historiker Fritz Tobias schreibt 1962 in seinem Buch "Der Reichstagsbrand" (15, S. 583):
Eine der verwegensten, aber auch politisch zielbewußtesten Legenden-Konstruktionen wurde nach dem Kriege von emigrierten Nationalsozialisten in Argentinien regelrecht zusammengebastelt. Als Verfasser zeichnete Paulus van Obbergen, hinter welchem Namen sich niemand anders verbirgt als Dr. Johann von Leers, der sich heute Osman Amin von Leers nennt und aus seiner nationalsozialistischen Überzeugung und seinem fanatischen Antisemitismus auch heute noch kein Hehl macht. Seine Darstellung "Vom Reichstagsbrand zum Untergang des Reiches" erschien im Organ des berüchtigten Dürer-Verlages, Buenos Aires, "Der Weg", ....

Wenn ein Mitarbeiter des niedersächsischen Verfassungsschutzes eine solche Zuschreibung vornimmt, wird man ihr schwer ohne alle Anhaltspunkte widersprechen wollen.

von Leers: Canaris war der Auslöser der stalinistischen Säuberungen des Jahres 1937

von Leers überblickt jedenfalls gar nicht, daß das Ziel der Hinterleute der "kontrollierten Opposition" des Dritten Reiches gar nicht einmal gewesen sein muß, den Ausbruch eines Weltkrieges zu verhindern oder Hitler vor dem Ausbruch eines solchen Krieges zu stürzen, sondern vielmehr zunächst einmal einfach nur, die ehrlich gemeinte Opposition gegenüber einem neuen Weltkrieg zu "kontrollieren" und in Schach zu halten. Und zwar auch gar nicht einmal besonders wegen Hitler-Freundlichkeit. So weit kann von Leers nicht denken. Interessant ist die Deutung der Tuchatschewski-Affäre durch von Leers:

Eine Militärverschwörung unter der Leitung Marschall Tuchatschewskis entstand. Während der Beisetzungsfeierlichkeiten für den englischen König nahmen Vertrauensleute Tuchatschewskis Fühlung mit Mitgliedern der deutschen Delegation, um für ihre Staatsstreichpläne sich der Hilfe Adolf Hitlers zu versichern. Auf der Rückreise weilte Tuchatschewski selbst einige Tage in Berlin. Jetzt bot sich für Canaris eine ausgezeichnete Gelegenheit, Adolf Hitlers Auftenpolitik einen schweren Schlag zu versetzen. Die Informationen gerieten nämlich in die falschen Kanäle. Wahrscheinlich über Kapitän Patzig, der als Kommandant eines Kriegsschiffes an der Beisetzung in England teilnahm, erhielt Canaris Kenntnis von dem Vorhaben der Russen. Seine Gegenaktion bestand darin, über Abwehrkanäle den prosowjetischen Benesch über die Vorgänge zu informieren und so Stalin zu warnen. Die anschließenden blutigen Säuberungen führten zur Massakrierung der letzten potentiellen antikommunistischen Kräfte der Sowjetunion. Ein Vorgang, der ohne Zweifel sich auf Hitlers spätere Ostpolitik auswirkte. Um auch hier die Spuren zu verwischen, erfand der Kreis um Canaris später nach dem Tode Heydrichs die Version, daß angeblich der SD mittels Brieffälschungen Tuchatschewski ans Messer geliefert habe. Das war eine Lüge. Die Nachkriegs-Öffentlichkeit schluckte sie ungeprüft. 

Immerhin eine interessante Sichtweise und Deutung, von der man nicht gleich auf den ersten Blick sich zu sagen getraut, ob sie völlig unrealistisch sein muß. Jedenfalls bekommt so diese Affäre viel eher einen Sinn. Und sie macht einmal erneut deutlich, wie sehr es der Abwehr daran gelegen gewesen sein könnte (in Übereinstimmung mit einem Friedrich Hielscher?), die Sowjets mit ihren Methoden nach Mitteleuropa hineinzuziehen. Diese Deutung erweitert den Deutungsspielraum insgesamt.

von Leers meint dann, der Sturz Blombergs sei auf Betreiben der Abwehr zustande gekommen. Hier berücksichtigt er wohl zu wenig die Gestapo.

Was von Leers dann über das Wirken der Canaris-Abwehr während des Zweiten Weltkrieges sagt, deckt sich mit den Einschätzungen dieses Blogs vollständig.

Auf diesen Aufsatz von Leers aufbauend ging dann womöglich Otto Skorzeny (Paul Beneke) aus Madrid noch deutlich weiter. (Siehe nächster Beitrag.) [2020: Dem Bloginhaber ist gerade nicht klar, welcher Beitrag hiermit gemeint ist und ob er schon veröffentlicht wurde.]

Leiter des Forschungsamtes Korvettenkapitän Hans Schimpf ( - 10.4.1935).

[2020: Dem Bloginhaber ist gerade nicht klar, weshalb dieser Name in diesem Aufsatzentwurf genannt wurde.]

... Wilfried von Oven (1912-2008) (Wiki) war Autor des Dürer-Verlages mit seinen Erinnerungen an Joseph Goebbels. von Oven ist 1951 nach Argentinien gekommen ... (Wiki)

... ausgestattet mit einem von Rudolf Augstein unterschriebenen Presseausweis. Als Auslandskorrespondent berichtete er (...) für den "Spiegel" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Später schrieb er für die deutschsprachige argentinische Zeitung "Freie Presse" und gab unter eigener Regie den "La Plata Ruf" heraus. Laut Mitteilung des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" vom Juni 2013 bestätigte der Bundesnachrichtendienst (BND) diesem, daß von Oven ab 1950 zunächst für die Organisation Gehlen, dann nach dessen Gründung bis 1966 unter verschiedenen Decknamen für den BND als Informant des Geheimdienst tätig war.
...
 
/ Entwurf: 24.11.2013 /

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  1. van Obbergen, Paulus (= Johann von Leers): The Oberfohren Memorandum London German Information Bureau, 1933
  2. von Oven, Wilfried: Mit Goebbels bis zum Ende. Dürer-Verlag, Buenos Aires. Band 1 1949 (295 S.), Bd. 2 1950
  3. Obbergen, Paulus van (= Johann von Leers): Invasion 1944 - Sieg der Alliierten oder der deutschen Verschwörer? In: Der Weg, Jg. 1954, S. 561 - 568
  4. von Leers, Johann: Zum Fall Otto John. In: Der Weg, Jg. 1954, S. 619 - 626
  5. Obbergen, Paulus van (= Johann von Leers): Vom Reichstagsbrand zum Untergang des Reiches. Aufsatz in drei Teilen. In: Der Weg, Buenos Aires, 12/1954, S. 851 - 858, 1955, S. 23 - 30, 169 - 174 (enthalten in: ScribdEbookArchive.org)
  6. Beneke, Paul: Franco hielt den Schlüssel in der Hand. Warum Spanien 1941 nicht in den Krieg eintrat. In: Der Weg, 1955, S. 641 - 648
  7. Leers, Johann von: Reichsverräter II, 2. Folge. Sonderheft zu „Der Weg“. Dürer Verlag, Buenos Aires 1955 (siehe Metapedia)
  8. Leers, Johann von: Reichs-Verräter III. dritte Folge [Sonderheft der Zeitschrift: 'Der Weg'] Dürer-Verlag, Buenos Aires 1956 (67 S.)
  9. Beneke, Paul: Canaris und der Tod Udets. In: Der Weg, 1956, S. 157 - 166
  10. Beneke, Paul: Die Rolle der Gestapo. In: Der Weg (Buenos Aires, Argentinien) 10 (1956): 353 - 358, 476 - 480 (enthalten in: ScribdEbookArchive.org)
  11. von Leers, Johann von: Geschichte des deutschen Volkes - deutsch gesehen - Band 1: Von der Frühzeit bis zum Beginn der Neuzeit, Herausgegeben von einer Arbeitsgemeinschaft unter Leitung von Prof. Dr. Johann von Leers, Sonderdruck der Zeitschrift "Der Weg". Dürer-Verlag, Buenos Aires 1956
  12. Sievers, Wolf: Hintergründe des deutschen Polizei-Regimes in Frankreich. In: Der Weg, 1956, S. 605 - 611
  13. Der Weg. Unabhängige Monatsschrift für Freiheit und Ordnung in Staat, Politik, Wirtschaft, Recht und Kultur. 11. Jahrgang, 1957. 12 Hefte in einem Band. Dürer-Verlag, Buenos Aires 1957 (896 S.) 
  14. Roth, Heinz: Widerstand im Dritten Reich. 2. ergänzte Auflage, Selbstverlag Odenhausen/Lumda 1976 (Scribd, Ebook, Archive.org)
  15. Tobias, Fritz: Der Reichstagsbrand - Legende und Wirklichkeit. Grote, 1962 (723 S.) (Google Bücher, engl.)
  16. Irving, David: Das Reich hört mit. Görings "Forschungsamt" - Der geheimste Nachrichtendienst des Dritten Reiches. Arndt-Verlag, Kiel 1989 (Scribd) [u.a.über Hans Schimpf]
  17. Meding, Holger M.: Der Weg. Eine deutsche Emigrantenzeitschrift in Buenos Aires 1947 - 1957.  wvb Wissenschaftlicher Verlag Berlin 1997 (182 S.)
  18. von Oven, Wilfred: Ein "Nazi" in Argentinien. VAWS, 1999 (224 S.) (Google Bücher)
  19. Gorman, Robert F.: Great Events from History. The 20th century, 1901-1940, Band 5. Salem Press, 2007 (3453 S.) (Google Bücher) [erwähnt von Leers Oberfohren-Zurückweisung]
  20. Stahl, Kurt Daniel: Erlösung durch Vernichtung. Von Hitler zu Nasser - Das bizarre Schicksal des deutschen Edelmannes und Professors Johann von Leers. In: Die Zeit, 30. Mai 2010
  21. Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem. Das unbehelligte Leben eines Massenmörders. Arche Literatur-Verlag, Zürich, Hamburg 2011 (Google Bücher)
  22. Sennholz, Marco: Johann von Leers. Ein Propagandist des Nationalsozialismus. be.bra wissenschaft verlag, Berlin 2013 (Amazon)
  23. Senft, Alexandra: Johann von Leers - Übelster Antisemit seiner Zeit. Besprechung des Buches von Marco Sennholz: In: FAZ, 07.11.2013

Samstag, 24. Oktober 2020

"Antes-Kurve" versus "Adolf-Kurve"

Deutschland und Kroatien im Vergleich bezüglich der Häufigkeit der Vergabe des Vornamens seines faschistischen Führers bis 1945 und seit 1970

Eine neue Vornamen-Studie

Eine positive Erinnerung der Teilnahme Kroatiens im Zweiten Weltkrieg an der Seite Deutschlands unter dem klerikalfaschistischen Ustascha-Regime (Wiki) blieb in Kroatien immer viel stärker erhalten, auch in der kommunistischen Zeit als dies bis heute für Deutschland der Fall geblieben ist.

Es zeigt sich dies - auch - daran, daß die Kroaten ab den 1970er Jahren ihren Kindern wieder verstärkt den Vornamen "Antes" gegeben haben, sowie Vornamen weiterer, vormals führender kroatischer Generäle des Zweiten Weltkrieges (1). Ante Pavelić war der Staatsführer des von den Deutschen im April 1941 in Kroatien errichteten Ustascha-Staates.

Abb. 1: Klerikalfaschismus - wieder und wieder geht er in der Geschichte mit der Unterdrückung Andersdenkender einher. In Deutschland gingen die Kircheneintrittszahlen 1933 bis 1935 in die Höhe, in Kroatien kam es nach 1941 zu Zwangskonversionen von orthodoxen Serben zum Katholizismus (Wiki) - Hier in Mikleuš (Slawonien), durchgeführt vom Priester Vlaho Martić. (http://znaci.net/damjan/fotogalerija.php?slika_po_strani=50&fraza=&stranica=86, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36994619)

Eine statistische Auswertung von Menschen mit solchem Vornamen nach Teilnahme und Tod während des kroatisch-serbischen Krieges 1991 bis 1995 und nach sonstigem Wahlverhalten (politischer Einstellung) zeigt, daß mit der Vergabe dieser Vornamen auch Einstellungen von den Eltern auf die Söhne weiter gegeben worden waren (1). Interessanterweise geschah dies in ländlichen Regionen Kroatiens häufiger als anderwärts in Kroatien und im Umfeld von vormaligen Konzentrationslagern seltener als anderswärts in Kroatien (1, Fig. 4).

Dazu muß man wissen, daß sich - schon - während des Zweiten Weltkrieges der Hauptkampf des kroatischen Staates gegen die Serben, insbesondere gegen die Tito-Partisanen, gerichtet hatte. Serben wurden als größte Gruppe - zusammen mit anderen "oppositionellen Gruppen" - in Konzentrationslagern ermordet, sie wurden auch zum Katholizismus zwangsmissioniert (Abb. 1). Es herrschte also eine Stimmung vor, wie sie häufiger aus der Geschichte überliefert wird: Tod oder Taufe. Man wird schon sehr katholisch gewesen sein müssen, wenn man ab den 1970er Jahren seinem neugeborenen Sohn immer noch den Vornamen Antes gegeben hat.

Aber insgesamt ist das natürlich so, wie wenn in Deutschland Geburtsjahrgängen zwischen 1970 und 1980 von den Eltern wieder Vornamen gegeben worden wären wie "Adolf". Oder auch Vornamen, die auf andere legendäre deutsche Militärs des Zweiten Weltkrieges verweisen könnten, sagen wir etwa "Erwin" (nach Erwin Rommel) oder meinetwegen "Heinz" (nach Heinz Guderian). Aber so etwas hat es - unserer Kenntnis nach - weder links noch rechts der Elbe in Deutschland ab den 1970er Jahren gegeben. Schweigen, aller größtes Schweigen zu den eigenen, etwaig positiven, nationalen Erinnerungen an die Zeit vor 1945 im Kernland Europas, hier auch ablesbar an den seither vergebenen Vornamen.*)

Von den 480.000 kroatischen Soldaten, die 1991 bis 1995 - freiwillig oder regulär eingezogen - an dem blutigen Krieg gegen Serbien teilnahmen, kamen 6060 ums Leben. Das waren 1,6 Prozent (1). Die meisten von ihnen sind schon gleich bei Beginn dieses Krieges 1991 ums Leben gekommen, weitere folgten dann noch einmal 1995 (1, Fig. 2). Von diesen 480.000 Soldaten waren aber nur 74 % katholisch und können darum noch heute als ethnische Kroaten identifiziert werden (vielleicht waren auch Abkömmlinge von Zwangsmissionierten dabei?). Jedenfalls sind das 350.000 Soldaten. Die anderen waren ethnische Serben (griechisch-orthodox, bzw. muslimisch). Von diesen 350.000 Soldaten nun trugen 8000 den Vornamen Antes, also 2,3 %. 26 % der Soldaten trugen weitere Vornamen, die von militärischen Führern des Ustascha-Regimes abgeleitet waren. 

Ante als Vorname - ebenso andere Vornamen des Ustascha-Regmies - waren bis 1945 sehr beliebt, sanken dann in ihrer Beliebtheit bis 1970 stark ab, um von diesem Tiefpunkt bis 1995 allmählich zu einem neuen Höhepunkt in der Häufigkeit der Vergabe anzusteigen (1, Fig. 3). Am Anfang des Krieges dann, im Jahr 1991, war die Wahrscheinlichkeit, als Soldat ums Leben zu kommen, für Soldaten mit dem Vornamen "Antes" gegenüber anderen Soldaten erhöht (1). Ein solcher Name "verpflichtete" also womöglich. Aber damit sind bis hier nur einige grobe Ergebnisse dieser neuen Namensstudie referiert (1).

... Und in Deutschland?  

Eine solche Studie läßt die Frage aufkommen, welches eigentlich die bekanntesten und beliebtesten deutschen Politiker und Militärs bis 1945 und/oder nach 1945 waren, nach denen Menschen - womöglich - gerne ihre Kinder benannt haben. Könnten dazu nicht auch Namen von "Fliegerassen" gehören wie Hans-Ulrich Rudel, Werner Mölders, Erich Hartmann (Wiki)? Es steht zu vermuten, daß es dazu schon wissenschaftliche Studien gibt. Diese wären noch einmal herauszusuchen.

Bei den häufigsten Vornamen der Jahre 1940 bis 1945 in Deutschland sind solche Vornamen nicht zu finden (2). Adolf kommt unter den 35 beliebtesten deutschen Vornamen jener Zeit gar nicht vor (2), auch nicht in dem Jahr der - vielleicht - größten "Beliebtheit" des "Friedens-Reichskanzlers" Adolf Hitler, also auch nicht im Jahr 1938 (3). An "Zeitgeistigem" ist in der Namensvergabe in Deutschland auf den ersten Blick das folgende zu erkennen (4):

So stieg während der Zeit des Nationalsozialmus der Anteil an germanischen Vornamen an. So waren in der Zeit zwischen 1930 die beliebtesten Frauennamen Helga, Ursula, Ingrid, Gisela, Christa, Inge, Renate, Karin, Erika und Gerda. Bei den Männern führte Hans vor Günter, Horst, Klaus, Karl, Werner, Peter, Heinz, Gerhard und Jürgen. 

Aber auch der Vorname Antes gehörte ja - offenbar - nie zu den beliebtesten vergebenen Vornamen in Kroatien, sondern bewegte sich in der Häufigkeit weit unter 10 Prozent. So auch der Vorname Adolf. Immerhin läßt sich aber auch in diesem geringen Prozent-Bereich eine Kurve der Häufigkeit über die Jahre hinweg erstellen und an dieser etwas über die Beliebtheit - womöglich Adolf Hitlers und des Nationalsozialismus - in Deutschland ablesen. Der Historiker Götz Aly spricht diesbezüglich jedenfalls von einer "Adolf-Kurve". Diese Kurve sinkt aber schon seit 1890 kontinuierlich ab (5). Immerhin, aus dieser Kurve (4) wird das folgende heraus gelesen (4):

... Nachdem Hitler an die Macht gekommen war, nahm der Name aber nochmals einen großen Aufschwung. Das gilt besonders für die Jahre 1933/34 und 1937. Im zweiten Halbjahr 1933, also wenige Monate nach Hitlers "Machtergreifung", bekamen mehr als drei Prozent aller damals geborenen deutschen Jungen den Vornamen des "Führers" verpaßt. Das lag wahrscheinlich an der Anfangseuphorie oder dem Opportunismus vieler Deutscher nach Hitlers "Machtergreifung". Der Schub von 1937 könnte auch aus Hitlers großer Beliebtheit im Jahr zuvor rühren, als er, unter anderem durch die Olympischen Spiele in Berlin, sein Ansehen nochmals hoch schrauben konnte. In den folgenden Monaten und Jahren gab es zwar Schwankungen, aber insgesamt hielt sich die Beliebtheit des Namens auf recht hohem Niveau. Die häufige Vergabe dieses Vornamens war so ein deutlicher Hinweis auf die große Beliebtheit Hitlers in weiten Teilen des Volkes. Bis 1942. In diesem Jahr schwante immer mehr Deutschen, daß der von Hitler vom Zaun gebrochene Krieg in einer Katastrophe enden könnte. Mit Folgen für die Namensgebung der Neugeborenen: Von nun an stürzte der Anteil Adolfs an allen Jungens-Vornamen ständig ab. Im zweiten Halbjahr 1945, also unmittelbar nach dem Kriegsende, lag er bei etwa 0,2 Prozent. Zurecht spricht daher der Historiker Götz Aly von der "Adolf-Kurve" - umso größer das Ansehen Hitlers war, umso häufiger wurde auch sein Vorname verwendet. Und umgekehrt.

Die "Adolf-Kurve" ist hier veranschaulicht (5, 6)**), wobei "Der Spiegel" bezeichnenderweise die Adolf-Kurve erst ab 1933 zur Darstellung bringt, was natürlich hochgradig fehlerhaft ist, wenn man in einer vollständigeren Adolf-Kurve sieht, daß die Beliebtheit des Vornamens Adolf in Deutschland 1890 am höchsten war und auch 1933 nicht mehr erreicht worden ist (5). Was sicher sein dürfte: Ein so starker Abfall der Adolf-Kurve nach 1942 kann nicht anders erklärt werden als daß die Deutschen merkten, bewußter oder unbewußter, daß sie einem Hijacking auf den Leim gegangen waren, einem mehr als folgenreichen. Aber die Deutschen merken das ja auch heute meistens noch viel zu spät. Viel zu spät, viel zu spät. Sie sind noch nicht wirklich klüger geworden.

Immerhin - sie merken sie es nicht ganz so spät wie die bäuerlichen Familien im ländlichen Kroatien der 1970er Jahre ..... Wenn man sich deshalb auf die Schultern klopfen möchte - bitteschön!

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*) Nun gut, um das vielleicht etwas "plumper" zu veranschaulichen: Björn Höcke heißt eben Björn Höcke und nicht Adolf Höcke. Vielleicht heißt er Björn, vielleicht - Hypothese!, Verschwörungstheorie! - weil er nach dem damals populären Tennisspieler Björn Borg benannt wurde. (Hm, Björn Höcke wurde am 1. April 1972 geboren, genau in dem Jahr, in dem Björn Borg anfing, international bekannt zu werden. - Der Autor dieser Zeilen weiß immerhin, wovon er spricht. In seiner Kindheit wollte er beim Federball-Spielen immer Aufschläge wie "Björn Borg" machen. Dieser Name ist tief in seinem Gehirn verankert. Spätschäden von seelisch krankmachendem und verblödendem Fernsehkonsum in der Kindheit ...)

**) Am häufigsten wurde der Vorname Adolf - nach dem Telefonbuch von 1998 - in Bayern vergeben, sowie in Süddeutschland, Rheinland-Pfalz und Westfalen, also vorwiegend in katholischen Gegenden (5). Auffällig ist, daß er "punktgenau" in den neuen Bundesländern nur sehr selten vertreten war 1998. Es darf vermutet werden, daß sich hier viele nach 1945 selbst andere Vornamen gegeben haben, um sich nicht verdächtig zu machen.

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  1. Jurajda, Š., & Kovač, D. (2020). Names and behavior in a war. Journal of Population Economics. Volume 34, Issue 1, Oktober 2020, doi:10.1007/s00148-020-00782-6 
  2. https://www.beliebte-vornamen.de/jahrgang/j1940
  3. https://www.beliebte-vornamen.de/jahrgang/j1938
  4. Armin Fuhrer: Vornamen im Dritten Reich, 23.11.2018, https://www.zeitklicks.de/nationalsozialismus/zeitklicks/zeit/81/4/welche-vornamen-tragen-die-kinder-zwischen-1933-und-1945/
  5. https://www.nameadolf.de/die-statistiken/
  6. https://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/hitler-und-die-deutschen-passive-mitlaeufer-mit-schlechtem-gewissen-a-454213.html

Donnerstag, 8. März 2018

Wilhelm Furtwängler - Der bedeutendste Dirigent seiner Zeit

Die "Ära Furtwängler" - Die "Ära Karajan" 
- Hört sich das nicht besser, angemessener an als ... "Hitler-Zeit", "Stalin-Ära"?
- Wer sind die eigentlichen "Machthaber" der Menschheit - Politiker? Oder Künstler?

Das politische Geschehen des 20. Jahrhunderts - es war voller Abgründe, voller Ekelhaftigkeiten. Parallel dazu - welch ein Wunder - hat sich bis heute eine Höhe der Geistigkeit und Kultur erhalten, an die zu erinnern vielleicht viel wertvoller ist, als sich an all die Abgründe und Ekelhaftigkeiten zu erinnern.

Eigentlich ist ja ein solcher Umstand kaum verständlich: Auf der einen Seite ein solcher Fluch über der Hälfte der Menschheit, eine solche Unzahl an Verbrechen an Völkern und Kulturen - und auf der anderen Seite schwingt sich das Kulturleben - fast mühelos - hinauf zu höchsten Höhen. Wie ist so etwas möglich? Oder anders herum gefragt: Warum sprechen wir hinsichtlich des Zwanzigsten Jahrhunderts eigentlich zuerst von dem Jahrhundert Stalins, Hitlers, Churchills oder Roosevelts? Anstatt zu sprechen von dem Jahrhundert Wilhelm Furtwänglers, von dem Jahrhundert Herbert von Karajans? 

Abb. 1: Wilhelm Furtwängler - (Wohl) Nachträglich kolorierte Aufnahme

Denken wir etwa bei der Eiszeit zuerst an die Grausamkeiten, die zwischen Menschen vorkamen - oder an die Höhlenmalereien und Elfenbeinschnitzereien? Denken wir bei der antik-griechischen Kultur zuerst an die Grausamkeiten ihrer Kriege - oder an die Bildwerke, die Bauwerke, die Dichtungen und die philosophischen Gedankengebäude, die wir bis heute bewundern? Denken wir beim Mittelalter an die vielen Grausamkeiten und unbarmherzigen Tyrannen - - - oder nicht doch zuerst an die Dome, die Kathedralen?

Und war es nicht gerade das sehr bewußte - oder unbewußte - Ziel aller Geschichtegestaltung des 20. Jahrhunderts, uns von der Kultur der letzten Jahrtausende zu trennen? Ist es denn gelungen? Nein, mühelos schwingt sich das Gottlied der Kultur über die Zeiten hinaus und bringt uns in Sphären würdigen Menschseins. Auch heute noch. Und so wollen wir heute den Blick einmal auf Wilhelm Furtwängler richten, einen der bedeutenden Dirigenten des 20. Jahrhunderts.

Wilhelm Furtwängler (1886-1954) (Wikiengl) muß seine Zeitgenossen beeindruckt haben in einem Ausmaß wie man es sich heute wohl kaum noch vorstellen kann. Nur wenn auch heutige Musikexperten (1) und zahllose Dirigenten heutiger Zeit oder in der Zeit nach Wilhelm Furtwängler über Wilhelm Furtwängler sprechen, gewinnt man einen Eindruck davon. Für die meisten Dirigenten seit Wilhelm Furtwängler ist er das große Vorbild. Auch Herbert von Karajan hat sich ihn als das große Vorbild gewählt (neben Toscanini). Vielleicht kann eine - sicherlich - nachträglich kolorierte Fotografie etwas von dem Faszinierenden der Persönlichkeit Furtwänglers einfangen (Abb. 1).

Viele Möglichkeiten gibt es, sich über Leben und Persönlichkeit von Wilhelm Furtwängler kundig zu machen. Auf Wikipedia, Youtube und in ("Offline-")Bibliotheken (1-34). Ein erster Eindruck ist, daß zumindest gegenwärtig auf Wikipedia eine Annäherung an das Leben von Wilhelm Furtwängler über das englischsprachige Wikipedia viel leichter und differenzierter möglich ist als über das deutschsprachige. Insbesondere auf das englischsprachige wird im folgenden deshalb auch immer einmal wieder Bezug genommen. Zumal der hier vorgelegte Beitrag bis auf weiteres ganz ohne Besuch von Offline-Bibliotheken verfaßt worden ist. (Letzteres wäre aber dringend notwendig zur Klärung vieler weiterer Fragen.)

In einer schon älteren Film-Dokumentation (die derzeit leider nur auf Englisch verfügbar zu sein scheint) (4) wird eine erste respektvolle Begegnung mit seinem Leben ermöglicht. Man gewinnt insbesondere einen Eindruck von den Jugendjahren Furtwänglers, von einem Aufenthalt in Griechenland als junger Mensch, als er seinen Vater zu einer Ausgrabung nach Ägina begleitete. Es wird von seinen Gefühlen berichtet, die er damals in Briefen an seine Verlobte zum Ausdruck brachte. Furtwänglers langjährige Privatsekretärin Berta Geissmar (Wiki, engl) schrieb 1944 über Furtwänglers Jugend (11; zit. n. engl. Wikipedia; eigene Übersetzung):

Furwängler wurde im Skifahren so gut, daß er fast Spitzen-Fähigkeiten darin erreichte. .... Fast jeder Sport zog ihn an: Er liebte Tennis, Segeln, Schwimmen .... Er war ein guter Reiter.

Im Internet findet sich eine Fotografie, auf der Furtwängler Anfang der 1930er Jahre hoch zu Pferde zu einer Orchesterprobe in Bayreuth ritt. Es wird auch berichtet von seiner Liebe zum Bergsteigen und zum Klettern. Nach dem Namen seines Bruders ist sogar ein Berggipfel benannt. Denn dieser hat aus dem Bergsteigen einen Beruf gemacht. All solche Dinge erscheinen einem doch wichtig, wenn man Furtwängler sonst in Bild- und Tondokumenten immer nur als älteren, "würdigen" Dirigenten wahrnimmt.

Furtwänglers erste große Liebe (1900 bis 1907)

Die erste große Liebe eines Lebens - sie kann einen hellen, weiten Glanz auf das ganze übrige Leben werfen. Mag das übrige Leben in Elend und Würdelosigkeit verbracht werden, dieser erste große, helle Schein wird immer weiter leuchten. Denken wir an Peer Gynt. Sein Leben, es war in letzter Instanz gesegnet von seiner ersten großen Liebe.

Abb. 2: Bertele von Hildebrand

Eine erste große Liebe erfuhr auch Wilhelm Furtwängler. Er und seine Geschwister waren in guter Freundschaft verbunden mit den Kindern des Bildhauers Adolf von Hildebrand (1847-1921) (Wiki, engl). Man musizierte gemeinsam, man unternahm gemeinsame Bergtouren. Und eine der Töchter war Bertele von Hildebrand. Wilhelm und Bertele lernten sich im Jahr 1900 kennen. Furtwängler war damals 15 Jahre alt. Schon ein Jahr später verlobten sich beide. Sie blieben fünf Jahre miteinander verlobt - bis zu Furtwänglers 20. Lebensjahr. Es scheint sich für beide um ein sehr frühreifes Erleben gehandelt zu haben. Sie bezeichneten beide die Verlobung später als Ehe. 1909 heiratete Bertele den Komponisten Walter Braunfels (1882-1954) (Wiki) (33). Es wird berichtet, was Bertele nach dem Tod beider Männer über ihre Beziehung zu Furtwängler erzählte (34, S. 32):

Die Beziehungen zwischen Wilhelm Furtwängler und Walter Braunfels blieben zeitlebens davon überschattet, daß der Komponist Bertele von Hildebrand geheiratet hatte, die mit Wilhelm Furtwängler verlobt gewesen war. Drei Jahre nach beider Tod schilderte Bertele Braunfels die entscheidende Begegnung mit dem gleichaltrigen „Willy“ im Dezember 1900: „den jungen Furtwängler sah ich erst wieder, als er vierzehn Jahre alt war. ... Er war vollkommen ausgewachsen (wurde da auch gleich 15 Jahre alt), sehr schlank und groß; blondes wild gelocktes Haar; sehr starke Augenbrauen über seinen feurigen, schönen, ausdrucksvollen Augen. ..... Er hatte etwas Sieghaftes und machte mir gleich einen riesen Eindruck. ... Im darauffolgenden Winter verlobten wir uns. ... Wir glichen Zweien, die tief verbunden in großer Liebe durch Länder ziehen. Nicht versunken ineinander, sondern in die Herrlichkeit, die uns aufging und uns umgab, und das Hauptland war die Musik, durch das er mich führte. Nach fünf Jahren fühlten wir „die Qualen der langen Verlobung, waren längst reif zu heiraten, aber viel zu jung. ... Er schrieb auch viel weniger, kam dann zu Weihnachten auf ein paar Tage und löste selbst die Verlobung auf. ... Plötzlich wachte er dann auf und das war furchtbar. ... Er schrieb mir: All das vom Fortgehen ist ja falsch, ich will dich wiedersehen so bald wie möglich, ich laß mir meine Hoffnung nicht nehmen.“ Furtwänglers Werben blieb jedoch vergeblich, Bertele von Hildebrand hatte sich inzwischen Walter Braunfels zugewandt, den sie 1909 heiratete. Die Briefe, die Willy und Bertele während ihrer Verlobungszeit gewechselt hatten - sie bezeichneten sie im Rückblick als Ehe - bewahrten sie beide auf.

Wer einmal im Leben eine so starke, nach innen gekehrte und gerichtete Liebe erlebt hat und wer zugleich dem Genialen nahe steht, der ist nicht mehr so leicht moralisch oder künstlerisch herunter zu zerren, dessen schöpferische Kräfte können sich groß und frei entfalten. 

Eine große Liebe kann durch ein ganzes Leben tragen. 

1907, als Furtwängler 21 Jahre alt war, starb sein Vater. Furtwängler mußte nun für seinen Lebensunterhalt selbst sorgen. Er tat dies durch Dirigieren.

Eine wertvolle Dokumentation zu Furtwänglers Lübecker Jahren aus dem Jahr 2024

/ Einschub 15.7.2025: Es ist 2024 eine herrliche Dokumentation über die so wesentlichen Lübecker Jahre im Leben von Wilhelm Furtwängler erschienen, erstellt von Ute Neumerkel (38). Es handelt sich um die Jahre 1911 bis 1915.

Die Dokumentation wurde erstellt anhand von Tagebuch-Einträgen und Briefen jener Frauen, die Furtwängler nach Lübeck geholt hatten. Die ganze verträumte, zum Teil kuriose und zum Teil auch heitere Atmosphäre rund um den damaligen jungen, schüchtern-eigenwilligen Wilhelm Furtwängler wird darin deutlich (38). Sie ergänzt und bestätigt vieles, was wir zuvor schon hier in dem Blogbeitrag zusammen getragen hatten. / 

Eine BBC-Dokumentation aus dem Jahr 1964

In einer begeisternden Radiodokumentation des BBC aus dem Jahr 1964 (3), veröffentlicht zehn Jahre nach dem Tod Furtwänglers, erhält man einen geradezu hinreißenden Zugang zu dem Musizieren Furtwänglers. In dieser Zeit zitterte die Erinnerung an Furtwänglers Musizieren noch in der Musikwelt nach. Dieser Umstand kommt in vielen darin gebrachten Interviews zum Ausdruck. Um sich in die englische Sprache dieser Sendung hinein zu hören, macht es Sinn - und es lohnt sich - einzelne Passagen der Sendung zwei mal zu hören.

Als Furtwängler 1921 in Hannover die 8. Sinfonie Bruckners dirigierte (3)(5'03ff), sagte der Orchesterleiter einen Tag nach dem Konzert zu seinem Schüler: "Ja, es war ein wundervolles, wundervolles Konzert, aber er holt die Seele aus einem heraus, deshalb kann man so etwas höchstens zwei mal im Monat machen, es wäre sonst zu harte Arbeit für uns." Es waren seine Aufführungen der Bruckner-Sinfonien, mit denen Furtwängler früh zu Ansehen kam.

Insbesondere die Wiedergabe des Cembalo-, bzw. Klaviersolos des Brandenburgischen Konzerts Nr. 5 von Johann Sebastian Bach, gespielt von Furtwängler selbst, zieht einen unmittelbar in Bann (3) (etwa 11'00). Auch das, was Berthold Goldschmidt, Hans Keller und Daniel Barenboim über Furtwänglers Bach-Interpretation sagen, ist sehr interessant (3) (10'25-16'32):

Die Kritik mochte Furtwänglers Bach nicht, obwohl sie den enormen Erfolg seiner Aufführung der Brandenburgischen Konzerte anerkannte. Bei der nächsten Probe sagte Furtwängler dazu: "Zu viele Menschen denken, daß wenn sie von der Musik von Bach nicht gelangweilt sind, sie nicht im richtigen Stil gespielt worden ist."

Auch die gebrachte Interpretation einer Bruckner-Sinfonie, zu der womöglich ansonsten nicht jeder leicht Zugang finden würde, spricht unmittelbar an. Ab 44'33 erzählt eine Tochter - offenbar eines Fahrers oder Hausmeisters von Furtwängler über diesen (3) (44'33):

Ich erinnere mich immer an seine Kraft sich zu konzentrieren, die etwas wirklich sehr Außerordentliches war. Seine Art, in der er aus dem gewöhnlichen, alltäglichen Leben heraus und hinüber wechseln konnte zu seinem eigenen Leben. Zum Beispiel konnte er eine halbe Stunde vor dem Beginn seines Konzerts beim Essen sitzen und wenn mein Vater kam und sagte: "Sie müssen jetzt kommen, der Wagen steht schon draußen", dann konnte er sagen: "Oh, ... warten Sie einen Moment, ich möchte ein kleines Nickerchen machen." Und auf seinem Stuhl sitzend schlief er für fünf Minuten ein. Und als er wieder aufwachte, war er in einer völlig anderen Welt. Man konnte ihn immer noch ansprechen und er antwortete auf die Fragen. Aber irgendwie war er weit weg.

Er konnte zwei Stunden im Garten sitzen und ganz ohne Partitur vor einem imaginären Orchester dirigieren, ohne sich um die Kinder zu kümmern, die um ihn herum spielten. So erzählt diese Tochter des Fahrers, die damals selbst im Garten spielte.

Wilhelm Furtwängler und die Frauen

Furtwängler hatte eine langjährige Privatsekretärin, mit der er auch lange Telefonate führte, die später von der Gestapo abgehört wurden, und womit ihn die Nationalsozialisten dann zu erpressen versuchten.

Sie berichtet über Furtwänglers sehr besonderes Verhältnis zu Frauen (zit. n. Wiki):

Er war ein Genie, zusammengesetzt aus intellektueller Direktheit und fast exzessiver Schüchternheit. Seine Ängstlichkeit machte ihn bei jedem gesellschaftlichen Anlaß geradezu unsichtbar. Aber er übte eine so große Anziehungskraft auf Frauen aus, daß sie, wenn sie schon nicht seinem musikalischen Genie zum Opfer fielen, von seiner Persönlichkeit selbst stark eingenommen wurden.
A "genius compounded of intellectual directness and an almost excessive shyness: whose timidity made him efface himself in any gathering, but who had such a great attraction for women that, if they did not fall victim to his musical genius, [they] were fascinated by his personality."

Dieser Umstand wird durch die Dokumentation zu seinen Lübecker Jahren sehr anschaulich deutlich (38). Solche Frauen gab es, wie es scheint, sehr, sehr viele. Seine zweite Ehefrau spricht von einem ganzen "Damenwald", der hinter Furtwängler gestanden habe, als sie ihn 1940 kennenlernte (7). Indem man sich diese Frauenbekanntschaften ansieht, bekommt man zugleich auch einen guten Einblick in das deutsche Kulturbürgertum der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Denn diese Frauen stammten nicht selten aus recht bekannten Familien. Im Internet finden sich dazu einstweilen nur bruchstückhafte Ausschnitte. Das folgende wird also künftig - nach Bibliotheksbesuch - noch zu ergänzen sein.

Furtwängler hatte zwei Söhne und vier Töchter: Wilhelm (Geburtsjahr nicht bekannt), Dagmar (geb. 1920), Friederike (geb. 1921), Iva (geb. 1922), Almut (geb. 1934) und Andreas (geb. 1944) sein letztes Kind. Bei Andreas handelt es sich um den späteren Archäologen Andreas E. Furtwängler (Wiki) (36). Jedes dieser Kinder hatte, soweit übersehbar eine andere Mutter.

Abb. 3: Die Schauspielerin Elisabeth Huch (1883-1956)

Schon in seinen Lübecker Jahren hat Furtwängler 1911 die Schauspielerin Elisabeth Huch (1883-1956) als Schwester eines seiner nahestehenden Freunde kennen gelernt. Sie war eine Tochter der deutschen Schriftstellerin Marie Huch (1853-1934) (Wiki). Diese wiederum war Tochter des deutschen Schriftstellers Friedrich Gerstäcker (1816-1872) (Wiki), eines zu seinen Zeiten viel gelesenen Reiseschriftstellers. Gerstäcker schrieb im "gefühlvollen" Stil seiner Zeit. Furtwängler wollte Elisabeth Huch heiraten. Aber da sie zwei Jahre älter war als er, wollte sie darauf nicht eingehen. Und das, obwohl er zeitlebens für sie die große Liebe ihres Lebens blieb. So berichtet es ihre gemeinsame Tochter Friederike Huch (spätere verheiratete Kunz) 2010 (8). Als sie ihn später doch heiraten wollte, so erzählt die Tochter weiter,

war er berühmt geworden und hatte unendlich viele Erlebnisse.

Gemeint ist: mit Frauen. Aus diesen Frauenbekanntschaften, -affären und aus den Beziehungen mit diesen gingen dann die schon genannten Kinder hervor. 1920 wurde (offenbar) Furtwänglers Tochter Dagmar Bella geboren (MyHeritage), die spätere Pianistin Dagmar Bella-Sturli (1920-1999). Diese gab mit ihrem Vater auch Konzerte (s. GGr). Es gab außerdem auch noch den Sohn Wilhelm "Willi" Furtwängler.

Abb. 4: Furtwängler, 1920er Jahre

1921 wurde die schon genannte Tochter Friederike Huch in München geboren. Sie ist Anfang der 1940er Jahre Schauspielerin geworden und wurde nach dem Krieg Mutter von sieben Kindern. In einem Interview des Jahres 2010 blickt sie sehr gelassen auf ein rundum erfülltes Leben zurück. Sie sagt überraschenderweise, daß sie ein ausgesprochenes Wunschkind ihrer Mutter gewesen war (8). Ähnliches berichtet auch die zweite Ehefrau Furtwänglers, Elisabeth, über andere Kinder Furtwänglers (n. Shirakawa):

Die Frauen, von denen er Kinder hatte, waren alle über dreißig und sie wußten alle sehr genau, was sie taten - Sie verstehen, was ich meine. Wilhelm aber hatte niemals im geringsten die Absicht, sie zu heiraten, auch wenn er mit ihnen immer in gutem Einvernehmen blieb.

Eine seiner Geliebten war eine Frau Hutchinson. Sie brachte 1922 die gemeinsame Tochter Iva Hutchinson zur Welt. Offenbar hatte Furtwängler mit Mutter und Tochter bis 1935 einen gemeinsamen Haushalt. Sie lebten in München. 1935 kam es zur Trennung. Die Beziehung hatte unter den langen Zeiten der Abwesenheit Furtwänglers gelitten. Eine Bekannte war bei einem Gespräch beider miteinander anwesend. Sie schrieb in einem Privatbrief danach (GB):

Da er die Frau zu lange allein ließ, ist nun vieles schwierig geworden. (...) Darum reist er ab.

Verstanden war dies von ihr so, daß Furtwängler um der Trennung von dieser Frau willen 1935 die ihm angebotene Stelle in New York annehmen wollte, die er dann doch nicht annahm, was auch viele politische Gründe und Folgen hatte.

... Zita Lund, Irmgard Schwab ...

Am 22. Mai 1923 heiratete Furtwängler die gleichaltrige Dänin Zitla Lund, eine außerordentlich schöne Frau, die er erst drei Monate zuvor kennen gelernt hatte. Zitla Lund war zum Zeitpunkt des Kennenlernens in zweiter Ehe mit einem Millionär verheiratet gewesen. Sie ließ sich sofort scheiden, um Furtwängler zu heiraten. Elisabeth Furtwängler erzählte dem Furtwängler-Biographen Shirakawa, daß Zitla ihr einmal gesagt habe, daß sie wohlhabend geblieben wäre, wenn sie mit ihrem zweiten Ehemann zusammen geblieben wäre, und daß sie sich wundern muß, warum sie ihn für Furtwängler verlassen habe. (Die zweite Ehefrau Wilhelm Furtwänglers macht in vielen ihrer Äußerungen einen gefühlsmäßig außerordentlich "nüchternen" Eindruck, so daß man sich fast wundert, daß Furtwängler mit ihr sein letztes Lebensjahrzehnt verheiratet war.)

Die Anziehung zwischen Zitla Lund und Wilhelm Furtwängler war nicht von langer Dauer. Beide sind ziemlich bald nach der Hochzeit andere Beziehungen eingegangen. Die Schauspielerin Irmgard (Irme oder Irma) Schwab (1905-1995) (MyHerit) (GB) stammte aus Weil der Stadt. Sie wurde dort (nach freundlichen Auskünften von W. Schütz, Stadtmuseum Weil der Stadt) ...

... 1905 als Tochter des praktischen Arztes Dr. med. Ernst Schwab (*23.10.1863 in Öhrringen, † 11.9.1907 in Weil der Stadt) und seiner  Ehefrau Agnes, geb. Schöninger (Tochter des Ochsenwirts August Schöninger  in Weil der Stadt) geboren. Sie lebte in der Nachkriegszeit in Weil der Stadt, später in München.

1934 hat sie die gemeinsame Tochter Almut zur Welt gebracht, spätere verheiratete Hahn. In der Ausgabe der Furtwängler-Briefe aus dem Jahr 1965 sind auch Briefe an seine Tochter Almut enthalten. Es ist auch in den Briefen von ihr die Rede (GB). Bis 1941 hatte er fünf bekannte uneheliche Kinder. Manche Autoren vermuten, daß noch weitere uneheliche Kinder von ihm stammen, die bislang nicht bekannt geworden sind.

Die einzelnen Stationen der beruflichen Karriere Furtwänglers sind nicht Gegenstand des vorliegenden Beitrages. Auch nicht die vielen überlieferten Tonaufnahmen von Konzerten, die Furtwängler gegeben hat. Von diesen kann man sich auf Youtube leicht einen Eindruck verschaffen.

Für Furtwängler sind die Nationalsozialisten eine "Schweinerei" (1933)

Worauf aber noch eingegangen werden soll: Kraftvoll setzte sich Furtwängler 1933 und danach für deutsches Kulturbewußtsein ein. Es ist eine helle Freude, Furtwängler zu erleben, wie geradezu "saftig" er es den Nationalsozialisten wieder und wieder einträufelte. Er hatte ein solches Ansehen weltweit, daß er sich das sogar gegenüber den Nationalsozialisten erlauben konnte. Es ist sehr bedauerlich, daß so viele Verehrer Furtwänglers im In- und Ausland sich darüber noch heute oft so wenig zu freuen scheinen. Und zwar nur deshalb, weil Furtwängler in späteren Jahren des Dritten Reiches - gegen seine eigenen Prinzipien - zwei oder drei Konzerte mit eindeutigerem politischen Bezug gegeben hat. Meines Erachtens fällt das kaum ins Gewicht, wenn man sieht, mit welcher lebendigen Freudigkeit Wilhelm Furtwängler die Nationalsozialisten aus tiefster Seele verachtet und gehaßt hat und wie er auch - zumindest in den Anfangsjahren - aus seinem Herzen dabei selten eine Mördergrube gemacht hat.

Im deutschen Musikleben geschah damals das gleiche wie im wissenschaftlichen Leben, etwa in der Physik und Naturwissenschaft: Hervorragende Wissenschaftler jüdischer Herkunft verloren ebenso ihre Stellen wie hervorragende Künstler. Furtwängler war nun jene Person, die an der Spitze des deutschen Musiklebens stand. Und dieser Stellung ist er vollkommen gerecht geworden. Anfang Mai 1933 schrieb er an Joseph Goebbels ein sehr, sehr schönes Schreiben, aus dem nur die folgenden Kernsätze gebracht werden sollen. Der Kampf der Nationalsozialisten gegen die Verflachung des Kulturlebens wurde von Furtwängler begrüßt. Aber, so schrieb er weiter: 

Wenn dieser Kampf sich auch gegen wirkliche Künstler richtet, ist das nicht im Interesse des Kulturlebens. Schon weil Künstler, wo es auch sei, viel zu rar sind, als daß irgendein Land sich leisten könnte, ohne kulturelle Einbuße auf ihr Wirken zu verzichten. Es muß deshalb klar ausgesprochen werden, daß Männer wie Walter, Klemperer, Reinhardt usw. auch in Zukunft in Deutschland mit ihrer Kunst zu Worte kommen müssen. Deshalb noch einmal: Unser Kampf gelte dem wurzellosen, zersetzenden, verflachend destruktiven Geiste, nicht aber dem wirklichen Künstler, der in seiner Art immer, wie man seine Kunst auch einschätzen möge, ein gestaltender ist und als solcher aufbauend wirkt. 
Im Juni 1933 notierte er sich in Vorbereitung auf ein persönliches Gespräch mit Joseoph Goebbels (zit. n. Wiki): 
Die jüdische Frage in der Sphäre der Musik: eine Rasse brillanter Leute! 
(Rückübersetzt von: "The Jewish question in musical spheres: a race of brilliant people!")
Damit stand er in vollstem Gegensatz zu den Nationalsozialisten. 1934 nannte Furtwängler Hitler öffentlich einen "Feind der Menschheit". Er nannte die politische Situation in Deutschland eine "Schweinerei". Im September 1935 berichtete der Bariton Oskar Jölli, ein Mitglied der NSDAP, an die Gestapo, daß Furtwängler gesagt hätte (zit. n. Wiki):
Die an der Macht sollten alle erschossen werden, es wird sich nichts ändern, so lange das nicht geschehen ist.

Bis Januar 1936 durfte Furtwängler auf Befehl Hitlers nicht mehr dirigieren. Dann boten ihm Hitler und Goebbels teure Geschenke an. - Furtwängler lehnte sie ab. - Hitler gegenüber war Furtwängler keineswegs so bestechlich wie etwa Paul von Hindenburg, dessen Bereitschaft zur Ernennung Hitlers zum Reichskanzler mit seinem hoch verschuldeten ostpreußischen Gut Neudeck von den Nationalsozialisten "erkauft" wurde (siehe andere Beiträge hier auf dem Blog).

"Herr Reichskanzler, im Konzentrationslager wäre ich wenigstens in guter Gesellschaft"

In Bayreuth kam es erneut zu einem Gespräch zwischen Hitler und Furtwängler. Ein Mitglied der Familie Wagner - Friedelind Wagner (1918-1991) (Wiki, engl) - erlebte es persönlich mit und berichtete darüber (in Rückübersetzung) (zit. n. Wiki): 

Ich erinnere mich, daß sich Hitler an Furtwängler wandte und ihm sagte, daß er sich dazu durchringen solle, sich für Propagandazwecke der Partei benutzen zu lassen, und ich erinnere mich, daß Furtwängler das kategorisch ablehnte. Hitler wurde wütend und sagte Furtwängler, daß für diesen Fall ein Konzentrationslager für ihn bereit stünde. Furtwängler antwortete leise: "In diesem Fall, Herr Reichskanzler, wäre ich wenigstens in guter Gesellschaft." Hitler war sprachlos und verließ den Raum. 
(Rückübersetzung von: I remember Hitler turning to Furtwängler and telling him that he would now have to allow himself to be used by the party for propaganda purposes, and I remember that Furtwängler refused categorically. Hitler flew into a fury and told Furtwängler that in that case there would be a concentration camp ready for him. Furtwängler quietly replied: "In that case, Herr Reichskanzler, at least I will be in very good company." Hitler couldn't even answer, and vanished from the room.)

Viele solcher Worte und vieles von einem derartigen Verhalten wurde ja damals in der großen Öffentlichkeit gar nicht bekannt. 

Der italienische Dirigenten-Kollege Furtwänglers, Toscanini, freute sich gar nicht über Furtwängler. Er kritisierte auf den Salzburger Festspielen desselben Jahres Furtwängler dafür, daß er überhaupt für das Dritte Reich arbeiten würde. Furtwängler versuchte, sich durchgehend an den Grundsatz zu halten, daß er Politik und Kunst voneinander streng trennte. Nur bei ganz wenigen Gelegenheiten gelang es den Nationalsozialisten, ihn zu übertölpeln oder mehr oder weniger zu erpressen, diesen Grundsatz nicht einzuhalten. Furtwängler jedenfalls war klar wie selten jemand den Gegnern Hitlers und des Nationalsozialismus zuzurechnen.

Abb. 5: Furtwängler und der Bühnenbildner Emil Preetorius (Wiki) in Bayreuth 1937

Furtwängler kritisierte in einem Brief an Winifred Wagner, den er zugleich an Hitler, Göring und Goebbels schickte, daß sie das Erbe Richard Wagners verraten würde, indem sie rassische und nicht künstlerische Maßstäbe bei der Wahl der Künstler anwende, und indem sie ihr "Vertrauen in die Macht des autoritären Staates" setze.

Furtwängler hatte in seiner Jugend von einem Schüler seines Vaters zeitweise Klavierunterricht erhalten. Es war dies der Archäologe, Kunsthistoriker und Musikwissenschaftler Walter Riezler (1878-1965) (Wiki). Er war damals auch der Hauslehrer in der Familie von Hildebrand. 1933 hat Riezler - als Befürworter der modernen Kunst - seine Stellung als Museumsleiter in Stettin verloren, ebenso wie die von ihm heraus gegebene Kunstzeitschrift "Form". 1936 veröffentlichte Riezler aus seiner Zurückgezogenheit heraus ein Beethoven-Buch. Furtwängler schrieb dafür das Vorwort. 1938 erschien das Buch auch in den USA (35).

Gleich nach dem Anschluß Österreichs im März 1938 sah Furtwängler eine Hakenkreuzfahne in dem Wiener Konzertsaal, in dem er dirigieren sollte. Er ließ sie abhängen, bevor er mit dem Konzert begann.

1939 nahm er den Orden der Ehrenlegion der französischen Regierung an. Das wurde in Deutschland als Affront empfunden. In der deutschen Presse durfte nicht darüber berichtet werden.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges weigerte sich Furtwängler, in von Deutschland besetzten Gebieten - insbesondere in dem von ihm sehr geliebten Frankreich - zu konzertieren. Nur bei einem Konzert in Prag machte er eine Ausnahme. Und dort spielte er den Nationalkomponisten der Tschechen: Smetana.

Katharina von Kardorff-Oheimb und ihr politischer Salon

Noch einmal ein Blick in das Privatleben Furtwänglers in dieser Zeit. Zwischen 1936 und 1940 war Wilhelm Furtwängler - unter anderem - mit Maria Daelen liiert, einer Ärztin, die vorher schon mit vielen anderen Männern liiert gewesen war. Sie stammte aus der ersten Ehe ihrer Mutter Katharina von Kardorff-Oheimb (1879-1962) (Wiki). Letztere war eine privat, frauenrechtlich und politisch umtriebige Frau gewesen. Sie galt zeitweise - Mitte der 1920er Jahre - als politische Beraterin des deutschen Reichskanzlers Gustav Stresemann (Wiki). Sie war in ihrem Leben mit vier Ehemännern verheiratet und hatte sechs Kinder bekommen.

Ihr bekannter und einflußreicher liberaler politischer Salon in Berlin wurde - beispielsweise - 1930 in einem Gedicht von Kurt Tucholsky verspottet. Der Tenor des Gedichtes lautete: Sie könne noch so geziert-betulich-geistreich fortschrittlich sein in ihrem Salon, die roten Arbeiterbataillone seien "schneller" als sie und würden über sie und ihr Wirken hinweg gehen. Wie nebenbei wirft dieses Gedicht dann auch ein Licht auf die Frage, warum so viele Deutsche damals die NSDAP gewählt haben. Wenn Völker so polarisiert werden wie das im 20. Jahrhundert der Fall war - wie viel Unglück muß daraus folgen? Wie schwer muß es dann sein für die einzelnen Menschen, eine wahrhaftige, menschlich saubere innere Linie innezuhalten?

Über die Tochter dieser Katharina von Kardorff-Oheimb, Maria Daelen, lernte Furtwängler auch deren jüngere Halbschwester kennen, die damalige Frau Elisabeth Ackermann. Letztere war aus der zweiten Ehe der gemeinsamen Mutter hervorgegangen. Im Juni 1940 war diese Elisabeth Ackermann mit vier Kindern Kriegerwitwe geworden. Ihr erster Ehemann war als Soldat in Paris beim Hantieren mit Schußwaffen tödlich verunglückt. Viele Details über ihr Leben hat diese nachmalige Elisabeth Furtwängler (1910-2013) (Wiki) erst 2007 in einem Buch veröffentlicht, über das es im Klappentext heißt (Amaz, 2007):

Mit vier Kindern und im Alter von 30 Jahren wird sie Kriegerwitwe und lernt 1940 den 25 Jahre älteren Dirigenten kennen. Er ist mit Maria, ihrer Lieblingsschwester liiert. Daß er sich für Elisabeth entscheidet, ist der Ausgangspunkt tiefgreifendster Konflikte. Davon zeugen die etwa 500 Briefe, von denen in diesem Buch zum ersten Mal eine prägnante Auswahl abgedruckt wird. Die Dokumente zeigen ganz neue Facetten des Musikgenies Furtwängler und geben einen tiefen Einblick in das Innenleben seiner ihm ergebenen und doch selbstbewußten Ehefrau.

In dieses Buch muß unbedingt noch ein Blick geworfen werden, damit ein vollständiges Bild von Person und Wirken von Wilhelm Furtwängler gewonnen werden kann. Im Sommer 1941 schickt Wilhelm Furtwängler Elisabeth Ackermann sein Porträt mit Widmung und zeigt ihr sein Haus in Potsdam. Seinen Annäherungsversuch, der heute wohl unter dem Stichwort "sexuelle Belästigung" behandelt würde, weist sie mit einem kräftigen Rippenstoß zurück. 

Furtwängler wird Schwiegersohn von Katharina von Kardorff-Oheimb (1940)

Aber am 1. Januar 1942 fahren die beiden Schwestern nach Wien, um Furtwängler zu treffen. Und dort verliebt sich Elisabeth nun doch in Furtwängler. Das charakterisiert sie im Interview sehr schön. Es sei gewesen, wie wenn Amor seine Pfeile versendet und dabei ganz "Unschuldige" träfe. Was für eine irre Zeit. Und was für irre Leute. Nun ließ sie es zu, daß Furtwängler sie küßte. Und am Abend danach war sie damit "zufrieden". Es begann nun ein intensiver Briefwechsel zwischen Furtwängler und Elisabeth Ackermann. Im Juni 1942 sahen sich beide in Heidelberg wieder, wo Katharina von Kardorff-Oheimb lebte. Furtwängler sprach ihr gegenüber gleich von Ehe. Elisabeth sagte im Interview noch lange nach seinem Tod dazu:

Ehe - der Furtwängler, ausgerechnet er, mit diesem - ich meine, wie soll ich sagen - "Damenwald" hinter ihm!

Irre Leute. Doch die Ehe wurde geschlossen. In aller Heimlichkeit. Das "Ja!" habe Furtwängler sehr laut heraus gerufen auf dem Standesamt.

Abb. 6: Wilhelm Furtwängler (1944?)

Zurück zur Politik. Zu dieser können im vorliegenden Beitrag längst nicht alle Zusammenhänge vollständig dargestellt werden.

"Große Hochachtung bringt der Führer Furtwängler entgegen" (1944)

Am 4. März 1944 schreibt Joseph Goebbels in sein Tagebuch:

Große Hochachtung bringt der Führer Furtwängler entgegen. Er hat sich in nationalen Fragen tadellos benommen; das werden wir ihm nach dem Kriege nicht vergessen. Der Führer hat angeordnet, daß ihm ein Bunker gebaut ...

Dieser Bunker ist tatsächlich in das Wohnhaus von Furtwängler in Berlin gebaut worden. Furtwängler weigerte sich, ihn zu nutzen. Auch weiterhin ließ er sich keine "Geschenke" geben. Goebbels weiter in seinem Tagebuch:

Er ist nie Nationalsozialist gewesen, hat auch nie ein Hehl daraus gemacht.

Dieser Umstand hätte nun, so Goebbels, Juden und Emigranten ausgereicht, um ihn als einen der ihren zu erachten, als eine Schlüsselfigur der sogenannten "inneren Emigration". Furtwänglers Haltung gegenüber ihnen, den Nationalsozialisten, hätte sich nie geändert. Er sei eine "Persönlichkeit aus einem Guß", auch sei er im Bombenkrieg nicht aus Berlin "ausgerissen wie viele andere sogenannte Künstler". Sondern er habe sich voll in den Dienst seines Berliner Publikums gestellt. Englisch (zit. n. Wiki):

"Furtwängler has never been a National Socialist. Nor has he ever made any bones about it. Which Jews and emigrants thought was sufficient to consider him as one of them, a key representative of so-called 'inner emigration'. Furtwängler['s] stance towards us has not changed in the least ...."

Ein Mann wie Wilhelm Furtwängler hat dann schließlich "entnazifiziert" werden müssen. Man glaubt es kaum.

Hätte Furtwängler im "Deutschland Himmlers" nicht Beethoven dirigieren dürfen? (1946)

Nichts ist für diese sogenannte "Entnazifizierung" kennzeichnender als dieser Umstand. Der zum Deutschenhasser und "Antideutschen" gewandelte deutsche Schriftsteller Thomas Mann, der schließlich sogar Kriegsverbrechen wie die Zerstörung seiner Heimatstadt Lübeck schön zu reden in der Lage war, schrieb - vermutlich konnte er nicht anders - eine Schrift gegen Wilhelm Furtwängler. Thomas Mann hatte Furtwängler bis 1933 verehrt. Am 6. August 1946 hatte ein "Deutscher Prüfungsausschuß" festgestellt:

Der Deutsche Prüfungsausschuß ist der Ansicht, daß Herrn Dr. Wilhelm Furtwängler das Dirigieren gestattet werden kann. Der Ausschuß ist nicht der Ansicht, daß Herrn Dr. Furtwängler zur Zeit eine direktorale Tätigkeit übertragen werden sollte.
Die Begründung unter anderem:
Belastend für Herrn Dr. Furtwängler ist, daß er den Widerstand, den er anfangs gegen die kulturpolitischen Forderungen des Dritten Reiches leistete, 1935 aufgab und von diesem Zeitpunkt ab - zumindest für die deutsche Öffentlichkeit - mit dem Gewicht seiner künstlerischen Bedeutung den kulturellen Interessen des Dritten Reiches diente. Diesem Verhalten stand keine antifaschistische Aktion von Bedeutung gegenüber.

Ein guter Deutscher war also im Dritten Reich nur einer, der auf eine antifaschistische Aktion von Bedeutung zurück sehen konnte. Man wird das nicht kommentieren müssen. Volker Pispers forderte sein Publikum auf, Eintrittskarten von ihrem Kabarettbesuch aufzuheben. Um nachzuweisen, daß sie im "Widerstand" waren. Persilscheine. Pfui Teufel. Auf eigene Veranlassung beantragte Furtwängler schließlich einen Entnazifizierungsprozeß gegen sich selbst. Am 10. Dezember 1946 fand das Vorgespräch dazu statt. Die Verhandlung fand dann am 11. und 17. Dezember 1946 statt. Gegen die Kritik von Thomas Mann sagte Furtwängler während derselben (zit. n. Kanzog 2013):

Meint Thomas Mann wirklich, daß man im Deutschland Himmlers nicht Beethoven musizieren durfte? Konnte er sich nicht denken, daß niemals Menschen es nötiger hatten, es inniger und schmerzlicher ersehnten, Beethoven und seine Botschaft der Freiheit und Menschenliebe zu hören, zu erleben, als gerade die Deutschen, die unter dem Terror Himmlers leben mußten? Ich konnte Deutschland in seiner tiefsten Not nicht verlassen!

Erst in letzter Zeit findet mehr Berücksichtigung, daß Furtwängler in Deutschland den Unterhalt zu zahlen hatte für fünf Kinder, daß diese Kinder unter seinem Schutz standen, ebenso deren Mütter. Es gibt da viele Umstände zu berücksichtigen. An dieser Stelle kann darüber auch gar kein abschließendes Urteil gefällt werden.

Am 1. Juli 1947 - nachdem er als "Minderbelasteter" eingestuft worden war von der Entnazifierungsbehörde - hat Furtwängler einen persönlichen Brief an Thomas Mann geschrieben und hat ihn zu einer Aussprache eingeladen. In der Antwort darauf zeigte sich Thomas Mann unversöhnlich. Er sagte Furtwängler das gewünschte Treffen ab. Einen zweiten Brief Furtwänglers beantwortete Thomas Mann gar nicht mehr. In sein Tagebuch schrieb er: "Neues, langes Schreiben von Furtwängler, töricht."

/ Einfügung 13.7.25: Der jüngste Sohn Furtwänglers berichtet, daß sein Vater unter den Vorwürfen, die nach dem Krieg gegen ihn gerichtet worden sind, schwer gelitten hätte, daß er die Lust zu leben verloren hätte, daß sie also indirekt mit zu seinem vergleichsweise frühen Tod beigetragen hätten (36). Er berichtet auch, daß Furtwängler kurz vor seinem Tod eine Zusammenarbeit mit Oskar Kokoschka begonnen hatte, der Bühnendekorationen für die "Zauberflöte" schaffen wollte, und der zugleich ein Kinderbuch für Furtwänglers Sohn schuf (36). /

Abb. 7: Sonderbarerweise rücken einem auch nur "irgendwie" kolorierte Aufnahmen
Menschen aus der Zeit der Schwarz-Weiß-Fotografie viel näher

Eine Tonaufnahme ist überliefert, in der Wilhelm Furtwängler 1951 Fragen von Musikstudenten an der Hochschule für Musik in Berlin beantwortet (2).

"Das Größte und das Wesentlichste an der Zauberflöte ist der Adel der Natur" (1951)

Manche schöne Äußerung kann man hier von ihm hören. Auch hört man hier sein berühmtes "Zögern" heraus, und wie er noch während des Sprechens um Ausdruck ringt. Über die Auswahl von Sängerinnen sagt er bei diesem Anlaß etwa (2):

Ich weiß aus Erfahrung soundso viele Fälle, wo Sängerinnen, die ich für technisch ziemlich mäßig hielt, viel mehr gewirkt haben als andere, die technisch absolut fabelhaft waren.

Es wird gesprochen über die Natur der Mozart-Oper "Die Zauberflöte" und wie man sie aufführen solle (1951; 9'20):

Sie meinen also, ob man's (aufführen solle) als Märchen, ob man's als Weihefestspiel oder ob man's als Singspiel oder als Operette (aufführen solle)? [Heiterkeit im Publikum] Ja, ... das liegt an der Zauberflöte. Das ist ein einzigartiges Werk in dieser Beziehung. (...) Das Genre der Zauberflöte ist eigentlich auch nicht zu definieren als solches. (...) Es ist zum Teil eine Freimaurer-Oper (...), zum Teil ist es zu einem Vorgänger der späteren Operette [geworden - durch die nachmalige Entwicklung] ... - allerdings in einer ganz hohen Weise, nicht wahr. Es ist der Versuch, wie soll man sagen, absolut gemeinverständlich, bis zum äußersten gemeinverständlich zu sein, ohne irgendetwas von den hohen, den höchsten Ambitionen aufzugeben, die Mozart in sich trug. Und das ist das Einzigartige daran. Und es ist ganz falsch, es ist meiner Meinung nach ein falscher Intellektualismus, sozusagen, wenn man das nun restringieren will auf irgend etwas. Wenn man also nur das Märchen sieht oder wenn man es als große Schau-Oper macht oder nur als Weihe-Festspiel. Man muß eben verstehen, daß da die ganze Natur drin ist. ... Hier ist eine Idee, daß grade keine Idee (da) ist, sondern etwas viel Größeres. Darin liegt das ganz Einzigartige dieses Werkes. ... Die Zauberflöte ist das reifste und das unbegreiflichste Werk der ganzen Weltliteratur.
Furtwängler sagt (2; Min. 13'09):
Das Größte und das Wesentlichste an der Zauberflöte ist der Adel der Natur, der aus allem, jeder musikalischen Bildung spricht. Und dieser Adel, das ist Eigentum von Mozart. Das heißt also, nicht nur des Menschen Mozart, man kann auch sagen, des ganzen Menschentums, was hinter ihm steht, das ist ganz Europa in gewissem Sinne. Aber nicht nur die Epoche, sondern ein ganz- .... Und dieses Menschentum ist eigentlich das Wesentliche. (...) Warm, schlicht, einfach und edel. (...) Diese Art von hoher Naivität. Das ist so schwer, weil wir heute im allgemeinen unsere Naivität verloren haben und sie wieder suchen.

Wilhelm Furtwängler starb Ende 1954 - und allerorten stand als Nachfolger sofort Herbert von Karajan bereit. Soweit man sieht, ist er allseits als würdiger Nachfolger Furtwänglers empfunden worden. Über ihn soll ebenfalls noch ein Beitrag erscheinen, so daß die größte Zeit des 20. Jahrhunderts abgedeckt wäre: Die "Ära Furtwängler" (1922-1954) und die "Ära Karajan" (1955-1989).

Karajan jedoch lebte und erlebte nicht den erschütternden Zwiespalt, den Furtwängler noch kurz vor seinem Tod mit 68 Jahren erlebte, nämlich indem er zeitlebens glaubte, in seinem Leben - eigentlich - versagt zu haben. Noch während seiner letzten Krankheit schrieb Furtwängler in einem Brief (zit. n. 3; 1'21'00)(eigene Rückübersetzung aus dem Englischen):

Die Arbeit eines Dirigenten ist am Abend nach dem Konzert vorbei. Deshalb ist das Dirigieren eine Tätigkeit, die auf (verwehendem) Klang beruht. Im Angesicht der Nachwelt ist eine vollendete Komposition mehr wert als ein ganzes Leben als Dirigent. Deshalb erscheint mir Komponieren als die dringlichere Aufgabe. Unglücklicherweise verführten mich die Umstände der Welt und ich widmete dieser Aufgabe zu wenig Zeit. Heute hat mich meine schwere Krankheit an mein Versäumnis erinnert.

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Korrigiert und ergänzt (nach Auskünften 
von W. Schütz, Stadtmuseum Weil der Stadt):
9.8.2019; stilistisch leicht überarbeitet: 2.2.21;
erneut überarbeitet: 2.12.2024; ergänzt: 13.7.25 /

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  1. Kaiser, Joachim: Warum gilt Furtwängler als größter Dirigent aller Zeiten? Kaisers Klassik-Kunde, Folge 11. In: Süddeutsche Zeitung, 27. Juli 2009, http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/30009/kaisers-klassik-blog ( Yt )
  2. Werner Egk und seine Studenten befragen Wilhelm Furtwängler. Aufgenommen am 27. Februar 1951 in der Hochschule für Musik in Berlin) ( Yt )
  3. Wilhelm Furtwängler 1886-1954. A commemorative programme on the tenth anniversary of his death. Transmitted by the BBC Third Programme on Monday 30th November 1964, Compiled and introduced by Christopher Nupen, Produced by Christopher Sykes, 1 Std., 20 Min. ( Yt  )
  4. Furtwängler Dokumentation - Wilhelm Furtwängler Interviews und Biographie. 1 Stunde. Auf Englisch. o. J. ( Yt )
  5. Wright, Stephen: Pultstars unseres Jahrhunderts. 1. und 2. Teil. 1994 (Yt)
  6. Szábo, István: Taking Sides. Spielfilm, 2001 (Yt)
  7. Jan Schmidt-Garre: So war er. Maria Furtwängler blickte auf ihr Leben mit dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler. Bayerischer Rundfunk, pars media 2004 (Yt)
  8. Furtwängler-Tochter Friederike Kunz erzählt von Wilhelm Furtwängler (Juli 2010). Youtube-Kanal "Music Film Art" von Ute Neumerkel, 2012 (Yt)
  9. Friederike Kunz erzählt - Kostproben aus 2 DVDs Familiengeschichte. Ohne Datum, http://uteneumerkel.de/filme_Kunz_Kostproben.html
  10. Briefwechsel Furtwängler - Goebbels. Deutsche Allgemeine Zeitung, 11. April 1933; abgedruckt in Paul Meier Benneckenstein (Hg.): Dokumente der deutschen Politik, Band 1: Die Nationalsozialistische Revolution 1933, bearbeitet von Axel Friedrichs. Berlin, 1935, S. 255-58; http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/pdf/deu/German84.pdf
  11. Geissmar, Berta: The Baton and the Jackboot: Recollections of Musical Life. London and Edinburgh: Morrison and Gibb ltd. 1944; Deutsche Übersetzungen: Musik im Schatten der Politik. Atlantis, Zürich, 1951; Taktstock und Schaftstiefel. Erinnerungen an Wilhelm Furtwängler. Vorwort und Anmerkungen von Fred K. Prieberg. Dittrich, Berlin 1996
  12. Riess, Curt: Furtwängler, Musik und Politik. Scherz, Bern 1953
  13. Höcker, Karla: Begegnung mit Furtwängler. Bertelsmann 1956; Wilhelm Furtwängler: Begegnungen und Gespräche. Rembrandt, 1961; Die nie vergessenen Klänge. Erinnerungen an Wilhelm Furtwängler. Arani, 1979, 1999
  14. Furtwängler, Wilhelm: Briefe. Mit vier Bildnissen und einem Handschrift-Faksimile. Hrsg. von Frank Thiess, F. A. Brockhaus, Wiesbaden 1965 (GB)
  15. Furtwängler, Elisabeth: Über Wilhelm Furtwängler. Brockhaus, Wiesbaden 1979; 4. Auflage, Atlantis-Musikbuch-Verlag, Zürich/Mainz 2006
  16. Prieberg, Fred K.: Kraftprobe. Wilhelm Furtwängler im Dritten Reich. Brockhaus, Wiesbaden 1986
  17. Schönzeler, Hans-Hubert: Furtwängler. Portland, Oregon: Timber Press 1990
  18. Kraus, Gottfried (Hg.): Ein Maß, das heute fehlt. Wilhelm Furtwängler im Echo der Nachwelt. 1991
  19. Shirakawa, Sam H.: The devil’s music master - the controversial life and career of Wilhelm Furtwängler. Oxford Univ. Press, New York 1992 (GB)
  20. Ardoin, John: The Furtwängler Record. Portland, Oregon: Amadeus Press 1994
  21. Schmidt-Garre, Jan: Furtwänglers Liebe, Filmessay. Auf DVD bei Arthaus
  22. Haffner, Herbert: Furtwängler. Parthas, Berlin 2003 (GB)
  23. Straub, Eberhard: Die Furtwänglers. Geschichte einer deutschen Familie. Siedler Verlag, München 2007 (In der Hauptsache handelt das Buch von Wilhelm Furtwängler)
  24. Lang, Klaus: Elisabeth Furtwängler - Mädchen mit 95 Jahren? Novum Publishing, 2007 (Amaz)
  25. Misha Aster: Das Reichsorchester. 2007
  26. Furtwängler, Wilhelm: Aufzeichnungen 1924-1954. Hrsg. v. Elisabeth Furtwängler und Günter Birkner. Schott Music, Mainz 2009‎ 
  27. Dietrich Fischer-Dieskau: Jupiter und ich. 2009
  28. Roncigli, Audrey: Le cas Furtwängler. Paris: Imago 2009
  29. Lang, Klaus: Wilhelm Furtwängler und seine Entnazifizierung. Shaker Media Verlag, Aachen 2012 (Rez.: Udo Badelt)
  30. Kanzog, Klaus: Offene Wunden. Wilhelm Furtwängler und Thomas Mann. Vortrag in der Furtwängler-Gesellschaft, Berlin, 12. Mai 2013 http://www.furtwaengler-gesellschaft.de/download/Kanzog_Vortrag1.pdf
  31. Wilhelm Furtwängler In Diskussion / Werkverzeichnis Wilhelm Furtwängler. Amadeus Verlag (Bernhard Päuler), Winterthur, Schweiz
  32. Götz Teutsch: Wilhelm Furtwängler in den Fängen der Nazis. Der philharmonische Salon, 6. und 13. Mai 2018https://www.berliner-philharmoniker.de/konzerte/kalender/details/51195/
  33. Pollems, Katrin: “Ganz München ist eben so mit Künstlertum durchtränkt…” - Walter Braunfels: Kindheit und Jugend. o.J. [nach 1980], http://www.walter-braunfels.de/wb-html/deutsch/kindheitjugend
  34. Walter Braunfels (1882-1954). Eine Ausstellung der Walter-Braunfels-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Deutschen Oper Berlin. http://www.walter-braunfels.de/wb-html/wp-content/uploads/2015/05/broschuere-Walter-Braunfels-ger3.pdf
  35. Rietzler, Walter: Beethoven. Atlantis, Berlin 1936; E.P. Dutton, New York 1938 (mit einem Vorwort von Wilhelm Furtwängler) (Archiv)
  36. Prof. Dr. Harald Meller trifft Prof. Dr. Andreas Furtwängler. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle, 03.07.2025 (Yt2025) [im letzten Teil erzählt der Sohn über seinen Vater]
  37. Wilhelm Furtwängler. Dokumentarfilm. Von Florian Furtwängler (1935-1992) (ein Neffe Wilhelm Furtwänglers) nach einem Drehbuch der Furtwängler-Vertrauten Karla Höcker (1901-1992). Studienprogramm des Bayerischer Rundfunks, 1968 (Yt)
  38. Neumerkel, Ute: Furtwängler in Lübeck - Feature Documentary to the 70th Anniversary of his death. Doku, 2024 (Yt)

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