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Sonntag, 6. Dezember 2020

Gute Filme

Ein Film-Tagebuch

In diesem Beitrag sind Bemerkungen und Gedanken gesammelt über wertvollere Filme, die man als empfehlenswert erachten möchte, ein Filmtagebuch (gegenchronologisch angeordnet)*). Leider sind die meisten der hier erwähnten Filme dort, wo sie erstmals frei zugänglich auf Youtube zu sehen waren, inzwischen schon wieder nicht mehr zugänglich. Frei zugänglich ist dafür - haufenweise - "Schrott". Wer das "Zufall" nennen möchte - - - bitteschön.

Abb. 1: Symbolbild - Kino in Florenz (Fotograf: sailko)

Freuen wir uns deshalb lieber über die wenigen Perlen in diesem riesigen Haufen Schrott, die man als eine Art Trüffelschwein sich so "erriechen" muß .... Ergänzung: Vielleicht sollte man immer auch einmal auf Archive.org oder OK schauen, wozu man durch einen neuen Beitrag von Thomas Wangenheim angeregt wird, der ergänzend zu diesem Blogbeitrag gelesen werden kann (1) (Wangh). Unsere eigene Filmliste auf Youtube "Gute Filme" ist noch sehr unvollständig (Yt).

"Immer wenn ich glücklich bin" (1938)

[8.01.2026] Schon ein wertvoller Film, der in letzter Instanz auch von der Aussage her überzeugen kann (Yt). Da es sich um einen "Revuefilm" handelt, zieht sich alles ein wenig übermäßig in die Länge. Aber unterhaltsam.

"Das alte Lied" (1944/45)

[6.12.2020] Dies ist ein Film (Wiki, Yt), der einem - insgesamt - nicht gefallen muß. Denn was für alte, versumpfte Verhältnisse werden über den größten Teil des Handlungsverlaufes des Filmes hindurch zur Darstellung gebracht. Und wie wird sogar noch neben abstoßenden Gefühlen gegenüber diesen Verhältnissen zugleich "Verständnis" für diese versumpften Verhältnisse geweckt. Das muß einem wirklich nicht gefallen. Und dennoch ergreift der Film. Was ergreift, ist aber, daß man - wie nicht selten in Spielfilmen dieser Zeit - echtes, tiefes Mitleid mit den Frauen hat, mit der sonderbaren Art, in der man es den Frauen zumutete, mit dem Egoismus der Männer zurecht kommen zu sollen. Das ist es, was auch an diesem Film ergreift. Ansonsten wünscht man sich diesen Film und die versumpften Verhältnisse, die er darstellt, zum Mond.

- - - Bis man sich plötzlich bewußt wird, daß ja zumindest der letzte deutsche Kaiser und sein Sohn so ziemlich genauso gelebt haben, sprich, mit "Liebschaften" neben der Ehe, wie auch in diesem Film der männliche Hochadel Preußens dargestellt wird. Auch vom britischen Thronfolger Prinz Charles ist ja genau dieses Verhalten - und seine Folgen - allzu bestens bekannt. Und man versteht nun von einem solchen Spielfilm aus eher die Lebensentscheidung des ältesten Sohnes des deutschen Kronprinzen, des Prinzen Wilhelm, im Jahr 1934, lieber eine Liebesheirat einzugehen und auf den Anspruch auf die Thronfolge zu verzichten als sich in diesem moralischen Sumpf und Moder von Generation zu Generation weiter zu bewegen. Über den Spielfilm ist noch zu erfahren (Wiki):

Das Drehbuch entstand frei nach den Novellen "Stine" (1890) und "Irrungen, Wirrungen" (1888) von Theodor Fontane.

"Ein hoffnungsloser Fall" (1939)

[Nov. 2020] Ein deutscher Arzt-Film aus dem Jahr 1939 (Wiki). Sehr schön werden die Verhältnisse und Anschauungen unter den Studenten an der Charite in Berlin in dieser Zeit dargestellt. Heiter - aber nicht ohne Tiefe. 

Jenny und der Herr im Frack (1941)

[2020] Unterhaltsam, mehr nicht. Aber eben auf einem Niveau wie es 1941 noch üblich war, also auch nicht herunter ziehend (Yt).

Katharina die Letzte (1936)

[2019] Ganz richtig steht in der Videobeschreibung (Yt): "Nachdem ich den Film das erste mal gesehen hatte, war ich etwas verwirrt: Wie kann etwas lustig daherkommen, gar ein Happy End bieten und mich zugleich so erschüttert, ja traurig aus dem Kinosaal treten lassen?" Das ist genau auch meine Erfahrung.

"Liebe muß verstanden sein" (1933)

[24.11.2017] Das ist ein so harmloser und fröhlicher Film (Wiki), den man sich sogar mit achtjährigen Mädchen ansehen kann und sie haben einen riesengroßen Spaß daran. Verwechslungskomödie. Ein toller Spaß. Hauptdarstellerin ist die jüdisch-ungarische Schauspielerin Rózsi Bársony-Sonnenschein, die ab 1935 Aufführungsverbot in Deutschland hatte, aber die Kriegszeit in Budapest überstand. Sie starb 1977 und ist in Wien begraben.

  1. https://youtu.be/ZG_D2hap2BM

"Der Gasmann" (1941)

Alltag im Dritten Reich - eingestreut in einen Spielfilm. Hitlergruß und Ariernachweis, hier einfach wie selbstverständlich zwischen die sonstige Handlung hinein gestreut. Zum Verständnis der Normalität des - für uns - Ungewöhnlichen ist ein solcher Spielfilm sicher ganz nützlich. Aber auch sonst hat der Film "Der Gasmann" aus dem Jahr 1941 mit Heinz Rühmann seinen Wert. Es handelt sich um die Verfilmung eines Romans von Heinrich Spoerl.

Google+, 6.6.2017

"Ein Mann mit Grundsätzen" (1943)

Über weite Strecken ein oberflächlicher, seichter Unterhaltungsfilm. Durch die Auflösung am Ende ist er jedoch ergreifend. - Dem Zweiten Weltkrieg parallel ging - so wird einem hier bewußt - eine gesellschaftliche Debatte darüber, ob eine beruflich erfolgreiche Frau auch eine gute Ehefrau sein könne. Allerhand Filme jener Jahre sind mit dieser Frage beschäftigt,  bzw. suchen das Publikum zu überzeugen: ja, sie kann es sein. Immerhin interessant, denn: beruflich erfolgreiche, gute Ehefrauen hatte es auch schon eine Generation zuvor gegeben. Die Debatte darüber war also nicht zu Ende.

Google+, 20.5.2017

"Die 4 Gesellen" (1938)

Einer der ersten Filme mit Ingrid Bergmann.

Was soll man sagen, außer das Wort: Wertvoll. 

"Fahrt ins Abenteuer" (Spielfilm, 1943)

Erstaunlich, was für eine Fülle von "harmlosen" - aber doch keineswegs völlig wertlosen - Unterhaltungsfilmen bis 1945 produziert worden ist. Das wird einem erst bewußt, wenn man sich gegenwärtig diesbezüglich unter den auf Youtube hoch geladenen Spielfilmen aus dieser Zeit umtut. - Oft ist erkennbar, daß diese im DDR-Fernsehen ausgestrahlt worden waren (wobei dann nämlich oft die jetzt hoch geladenen Aufnahmen entstanden sind).

In der Masse stechen diese Filme durchaus ab von der Masse des nach 1945 Produzierten. Das läßt sich, so möchte man meinen, objektiv sagen. Es geht also auch anders - als heute. Und es geht besser  - als heute.

Erwähnt sei auch eine Kritik aus einer ganz anderen Richtung, die nämlich besagte, daß auch schon die Goebbel'sche Filmpolitik die Massen "abgelenkt" und "bloß unterhalten" habe. Eine solche zeitgenössische Kritik von Menschen, die dem Dritten Reich kritisch gegenüber standen, läßt sich von den Erfahrungen SEIT 1945 nur noch schwer nachvollziehen. Aber sie kann ein Umstand sein, den man in der Gesamteinordnung mit berücksichtigen könnte.

Festzustellen ist: Die ganzen Liebesschnulzen, Verfilmungen von "Arzt-Romanen" etc. pp., die HEUTE nach den 20-Uhr-Nachrichten (vor allem für Frauen) gesendet werden, sind tiefste Unkultur, weil Gehirn-erweichend bis zum Abwinken.

Und mit ziemlicher Sicherheit kann - dem gegenüber - gesagt werden: Solche Themen wurden vor 1945 oft viel wertvoller behandelt. Und zwar so, daß die Sphäre der Kultur (in Richtung von gar zu großer Seichtheit oder Kitsch oder bloßem Ansprechen der Sensationslust) eigentlich nur sehr selten verlassen wurde. Und man darf auch sagen - vor den Erfahrungen seither (also seit 1945): Dies kann man einen geradezu begeisternden Umstand nennen.

"Operettenklänge" (1945)

"Und wieder ein Glück erlebt," möchte man mit Hölderlin sagen. Der Film "Operettenklänge" (so der Titel in Österreich), bzw. "Glück muß man haben" (so Titel in Deutschland) war 1945 zwar fertig gestellt, Theo Lingen hatte die Regie geführt. Aber er erlebte 1950 in Österreich seine Uraufführung, 1954 in Deutschland. Im DDR-Fernsehen lief er erst 1987 das erste mal. Und jetzt ist er frei auf Youtube verfügbar. Eine außerordentlich anrührende Geschichte. Erst durch Recherche erfährt man:

"Der Film erzählt Skizzen aus dem Leben des Wiener Komponisten Carl Millöcker - bis zur Entstehung seiner Operette Der arme Jonathan (1890)."

Carl Millöcker (1842-1899) war ein berühmter Wiener Operetten-Komponist. Von ihm stammt die Operette "Der Bettelstudent", von ihm stammt das Lied "Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküßt".

"Nationalsozialistisches Filmpolitik"

[18.4.2017] Den Einschätzungen meines bisherigen Filmtagebuches wird auf dem Wikipedia-Artikel "Nationalsozialistische Filmpolitik" eigentlich nirgendwo widersprochen. Da sollten doch einmal längere Zitate gebracht werden. Es heißt da:

"In den Kurz- und Spielfilmen lassen sich politisch-propagandistische Inhalte grundsätzlich seltener nachweisen als in den nichtfiktionalen Genres. Der Filmhistoriker Gerd Albrecht, der in den späten 1960er Jahren die erste umfangreiche Datenerhebung zum NS-Spielfilm durchführte, bezifferte den Anteil der Propagandafilme an der gesamten Spielfilmproduktion auf 14,1 %. Wenn man ein vollständigeres Sample zugrunde legt, als Albrecht zur Verfügung stand – z. B. hat er keine internationalen Koproduktionen berücksichtigt –, beträgt der Anteil der Propagandafilme sogar nur 12,7 %."
Wenn das nicht eine Aussage ist. Im weiteren wird der Eindruck, den man heute auf Youtube sammeln kann, gut bestätigt:
"Die größte Gruppe innerhalb der Spielfilmproduktion der NS-Zeit bilden die heiteren Filme. 569 Filme – das sind 47,2 % der Gesamtproduktion – lassen sich als Komödie, Verwechslungslustspiel, Schwank, Groteske, Satire oder ähnliches einstufen. Daß die Zugehörigkeit zum heiteren Genre nicht immer ideologische Unbedenklichkeit garantiert, zeigen etwa die zeitgenössischen Militärkomödien (z. B. Soldaten – Kameraden, 1936), aber auch Lustspiele wie Robert und Bertram (1939) und Venus vor Gericht (1941), in denen starke antisemitische Momente vorhanden sind. In der Mehrzahl der heiteren Filme, für die Die Feuerzangenbowle das bekannteste und noch heute populärste Beispiel bildet, finden sich jedoch kaum Hinweise auf nationalsozialistische Propaganda."
Und was uns mindestens genauso wichtig ist: Es finden sich auch kaum Hinweise auf sonstige bodenlose Seichtheit und Unkultur. Und weiter:
"Die zweite große Gruppe bilden Filme, die vor allem an ein weibliches Publikum adressiert sind. 508 NS-Spielfilme (42,2 %) sind Liebes- oder Ehefilme bzw. lassen sich einem der verwandten Genres – wie Frauenfilm, psychologischer Film, Sittenfilm, Arztfilm, Schicksalsfilm, Jungmädchenfilm usw. – zuordnen. Auch in dieser Gruppe gibt es Filme, die eine hochbrisante Mischung aus Propaganda und Unterhaltung boten: z. B. Annemarie (1936), Wunschkonzert (1940), Auf Wiedersehen, Franziska! (1941) und Die große Liebe (1942). Wunschkonzert und Die große Liebe waren sogar die kommerziell erfolgreichsten Filme der gesamten NS-Zeit. Diesen offensichtlich mit NS-Ideologie angereicherten Filmen stand jedoch wiederum eine Vielzahl von weitgehend unauffälligen Filmen gegenüber, die – wie Der Schritt vom Wege (1939) oder Romanze in Moll (1943) – noch heute ihr Publikum finden."
Wir können ergänzen: "... die noch heute ihr Publikum finden dürfen". :) Aber das ja sogar schon, soweit man sieht, in der DDR! Und hier wird sogar noch deutlicher gesagt:
"Das Menschenbild der NS-Spielfilme stimmt mit den Vorgaben der nationalsozialistischen Ideologie nur selten eng überein. (...) Die Mehrzahl der weiblichen Hauptfiguren kinderlos und berufstätig."
An solchen Umständen wird wohl schon manche berechtigtere zeitgenössische Kritik angesetzt haben, über deren Existenz ich oben mutmaßte. Interessant übrigens, dass Goebbels irgendwann jede Filmkritik verbot. Auch DAS ist interessant! Und:
"Unter den männlichen Hauptfiguren bilden nicht Soldaten und Helden, sondern ganz alltägliche Zivilisten die wichtigste Gruppe, besonders solche Männer, die als Liebhaber zwar etwas ungeschickt und hölzern, dafür jedoch durch und durch nett und verläßlich sind."
Und eine vorwiegend männliche Zuschauergruppe wurde folgendermaßen angesprochen:
"Wenn Liebes- und Ehefilme auf der Skala der Filmgenres den weiblichen Pol markieren, so findet man am „männlichen“ Ende die aktionsbetonten Genres. 333 NS-Spielfilme (27,6 %) sind Abenteuer-, Kriminal-, Kriegs-, Spionage- oder Sensationsfilme. Der Anteil der Propagandafilme ist in dieser Gruppe auffällig hoch, es sind 75 Einzelfilme, also fast ein Viertel aller vornehmlich für ein männliches Publikum produzierten Spielfilme."
Und:
"179 NS-Spielfilme (14,8 %) sind im Hochgebirgs- oder Dorfmilieu angesiedelt, darunter klassische Heimatfilme wie Der Jäger von Fall (1936), Der Edelweißkönig (1938) und Die Geierwally (1940). Fast 90 % dieser Filme weisen keine offene Propaganda auf."
Und dann noch folgendes:
"Eine Sondergruppe stellen die Filmbiografien und Historienfilme dar, die an der Spielfilmproduktion der NS-Zeit einen Anteil von 5,9 % haben. Auffällig viele dieser Filme besitzen politisch-propagandistischen Charakter; fast alle der 19 Historienfilme, von denen viele den preußischen Königshof zum Schauplatz haben, nutzen die Gelegenheit zu einer Geschichtslektion im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. Von den 52 Filmbiografien enthält fast jede zweite propagandistische Elemente, bilden die Helden dieser Filme in ihrer Gesamtheit doch sozusagen eine „Hall of Fame“ von – in den Augen der nationalsozialistischen Machthaber – herausragenden Deutschen. Obwohl Filmbiografien und Historienfilme von den Nationalsozialisten besonders häufig als Propagandamedium genutzt worden sind, sind sie andererseits keine Erfindung des NS-Kinos, sondern Teil einer langen Tradition des Genres, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg einsetzt, weit in die Geschichte des Nachkriegsfilms hinein reicht und keineswegs auf Deutschland beschränkt war."
Ich glaube also, man darf sich von der Spielfilm-Produktion in der Zeit des Dritten Reiches durchaus - was die Masse betrifft - begeistert zeigen. Eben immer, wie gesagt, vor dem Hintergrund dessen, was nach 1945 geschah.

Ich möchte sogar noch weiter gehen. Aus künstlerischer Sicht ist den Schauspielern nicht zum Vorwurf zu machen, dass sie vor 1945 beim deutschen Film mitgearbeitet haben --- sondern danach. 

Google+, 18.4.17

"Ein Mann wie Maximilian" (Spielfilm, 1944)

Selbst oberflächlichere Filme bereut man nicht, gesehen zu haben, wenn sie nicht gar zu tief unter Niveau - oder gar in Kitsch - absinken. Der Film "Ein Mann wie Maximilian" (1944) (Erstaufführung März 1945) tut genau das eben auch nicht.

Vor allem die Schauspielerin Karin Hardt (1910-1992) (Wiki) hinterläßt Eindruck. Sie spielt die frisch verheiratete Ehefrau. Damals war Karin Hardt mit dem Schauspieler Rolf von Goth (1906-1981) (Wiki) verheiratet. 


Google+, 11.4.17

"Der schwarze Husar" (1932)

Ein deutscher Historienfilm. Auf Wikipedia heißt es (Wiki):

"Im Kinojahr 1931/32 wurden in der Weimarer Republik acht 'vaterländische Filme' uraufgeführt, die UFA produzierte dabei neben 'Der schwarze Husar' noch den Film Yorck und setzte damit zum einen das Genre der Filme mit 'nationalem Inhalt' fort, mit deren Produktion sie bereits in den 1920er Jahren begonnen hatte."

Google+, 7.4.17
  1. Der schwarze Husar, 1932, https://youtu.be/xjbFYhfhEBs 

"Engel mit dem Saitenspiel" (1944)

Ein sehr schöner Film von Heinz Rühmann aus dem Jahr 1944. (Von ihm, nicht mit ihm.)

30.3.17

Maischberger trifft Riefenstahl 2002

Ein Interview von Sandra Maischberger mit Leni Riefenstahl  im Jahr 2002, dem Jahr des 100. Geburtstages von Leni Riefenstahl und ein Jahr vor ihrem Tod.

Man sieht hier noch einmal jene Leni Riefenstahl, die man schon in der mehrstündigen Film-Dokumentation "Macht der Bilder" von 1993 als Mensch und Künstler so außerordentlich faszinierend, ja, begeisternd erfahren konnte. Was sie hier am Ende über die Penthesilea sagt ...

Wie so häufig empfindet man das Verhalten von Sandra Maischberger ein bisschen störend. Während man als Zuschauer schon verstanden hat, was Leni Riefenstahl sagen will, fragt die Maischberger noch einmal nach und noch einmal und noch einmal - und jedes mal weitgehend verständnislos. - Etwas unheimlich.

Leni Riefenstahl war ein sehr, sehr guter Mensch. Das Sensorium für eine solchen Menschen scheint bei der Frau Maischberger nicht wirklich vorhanden zu sein. ....

23.3.17 
  1. "Die Maßlosigkeit, die in mir ist - Sandra Maischberger trifft Leni Riefenstahl", 2002, https://youtu.be/xjgYS8uXwFk

Amateurfilme als historische Quelle zum Dritten Reich

Ein Vortrag über Amateurfilme als historische Quelle zum Dritten Reich. Er enthält eine schöne Sequenz über eine Kanufahrt auf der Oder von Ratibor in Oberschlesien abwärts im Jahr 1939. Er enthält auch Sequenzen von der Erschießung von Juden. Es wird auch erwähnt, daß sich bis heute nur wenige Filmaufnahmen von dem Geschehen in Konzentrationslagern erhalten haben.

22.9.16

"Geronimo - Eine Legende" (1993)

Dies ist ein sehr wertvoller Film (Wiki). Die Apachen unter Geronimo. Ein Volk, das um sein Überleben kämpft. Für jeden dieser Indianer war es normal, völlig normal, ERST an das eigene Volk zu denken. Und dann - - - lange, lange später an sich. Und sie zwangen Mit- und Nachlebenden bis heute Bewunderung dafür ab. Warum bewundern wir bei anderen - was wir bei uns selbst verteufeln? Ernste Männer sind es. Auch alle überlieferten historischen Fotos von Geronimo sagen nichts anderes als das: tiefer Ernst. Wir sollten uns wirklich auf etwas anderes besinnen und uns diese Indianer zum Vorbild nehmen.

10.7.16

"Wie sagen wir es unseren Kindern" (1949)

Ein sehenswerter Film. Aus dem Jahr 1949.

  1. https://www.murnau-stiftung.de/movie/1004
7.6.16

Alt-Berlin in den 1930er Jahren

Ein schöner Film!, https://youtu.be/sK6mxLL2M84

23.11.15

"Die Anstalt" vom 20.10.15

ALLES, was zur Flüchtlingskrise zu sagen ist, ALLES wird gesagt in "Die Anstalt" vom 20. Oktober ab 29. Sendeminute bis 39. Sendeminute im "Zweiten Deutschen Fernsehen". Eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen man sich freuen kann darüber, daß man GEZ zahlt.

- Ob das, was da gesagt wird, auch bei der Pegida in Dresden angekommen ist? Und ob jetzt endlich - ALLE gemeinsam: die Deutschen, die Syrer, ... - auf DIE hinweisen, die EIGENTLICH schuldig sind, anstatt sich in Talkshows gegenseitig metaphorisch und auf den Straßen tatsächlich die Schädel einzuschlagen?

Ob sich wenigstens - wie in der "Anstalt" gespielt - WENIGSTENS die CSU in Bayern um diese Dinge kümmert? Ob man merkt, daß die großen Medien AUSSERHALB "der Anstalt" bei diesem Spiel trotzdem immer weiter mitmachen?

  1. https://youtu.be/YLr65tP1W44
4.11.15

Hermann Hesse liest

Darüber ist nichts zu sagen. Es ist schön, Hermann Hesse zuzuhören.

  1. Hermann Hesse liest - Über das Glück, https://youtu.be/7rLsb3w8ZaM
29.10.15

"Ewiger Rembrandt" (1942)

11.3.2015

Der Massenselbstmord von Demmin, Mai 1945

11.3.2015

"Der gebieterische Ruf" (1944)  

Ein erstklassiger Film. Den kann man sich ansehen.

31.12.14

"Der Verräter" (1936)

Ein Geheimdienst-Film, vom Drehbuch her sehr schlicht.

Was hier schon im Jahr 1936 zur Darstellung kam, ist nichts anderes, als was in jener Zeit - und seither - in großem Stil betrieben wurde und wird: Landesverrat mit und ohne "Stil". Erstaunlich, für wie "normal" das schon damals im Film gehalten und dargestellt wurde.

Wilhelm Canaris und seine Leute von der Wehrmacht-Abwehr (die in diesem Film eine wichtige Rolle spielt) ebenso wie die damaligen Gestapo-Leute (die in diesem Film ebenfalls eine wichtige Rolle spielen) werden sich an vielen Stellen in diesem Film fast historisch genau wieder gesehen haben.

Sollte der Film womöglich "einstimmen" auf all die Dinge, die schon damals geschahen oder noch kommen würden im Umfeld von Geheimdiensten ... - ?

Die Verbindung zwischen deutschem Geheimdienst und Film ist schon spätestens seit 1924 enger gewesen als das der Öffentlichkeit bewußt ist, so etwa bezeugt durch die Aktivitäten des damaligen Geheimdienstchefs Walter Lohmann (1878-1930) (Wiki).

 
20.12.14

"Jugendliebe" (1944)

Das Drehbuch ist ziemlich holprig, fast unbeholfen, klischeehaft. Aber insgesamt dennoch ein liebenswerter, nicht oberflächlicher Film. Man bereut nicht, ihn gesehen zu haben.

20.12.14

"Dreimal Komödie" (1945)

Sehr schön, sehr sehenswert, dieser unterhaltsame Film.

20.12.14

"Das Mädchen vom Moorhof" (1935)

Eine sehr gelungene, "milieu-genaue" Verfilmung einer Novelle von Selma Lagerlöff. Schon in den ersten Minuten erschüttert die Filmhandlung. Sehr wertvoll, dieser Film.

20.12.14

"Franz Schubert - Ein unvollendetes Leben" (1954)

Dieser Film kann sehr stark bewegen. Selbst wenn man das letzte Drittel noch gar nicht gesehen hat. Schon mit 31 Jahren ist er gestorben, der Franz Schubert!  Musiker verändern die Welt. Musiker verändern die Welt vielleicht mehr als alle anderen Menschen zusammen.

Es entsteht deshalb auch die Frage danach, ob es nicht noch mehr solcher erschütternder Verfilmungen von Musiker-Biographien gibt. Karl Marx hat den bekannten Satz geprägt: "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt drauf an sie zu verändern." Für Musiker, so wird einem gerade bewußt, würde dieser bekannte Satz gar nicht gelten, denn für sie gilt: "Musiker haben die Welt nicht nur verschieden interpretiert, sondern sie DAMIT zugleich auch verändert." Und dieser Umstand gilt, so fällt einem in diesem Zusammenhang auf, eigentlich für alle großen kulturellen, wissenschaftlichen und philosophischen Leistungen. Denn jeder Wechsel im WIE der Art, wie wir die Welt wahrnehmen, ÄNDERT die Welt zugleich auch.

Der Satz von Karl Marx drückt also - genau besehen - nicht jenes Vertrauen gegenüber Philosophie, Wissenschaft und Kultur aus, wie es ihnen eigentlich zukommt.

Übrigens wird die genannte große Macht der Musik auch einer der Gründe dafür sein, daß sich elitäre Satanisten und Pädokriminelle gerade dem Musikschaffen immer wieder so sorgfältig scheinen "angenommen" zu haben ...

7.12.14

Stranger than Emma Thompson 

"Stranger than Fiction", eine Verfilmung mit Emma Thompson als Hauptdarstellerin. Emma Thompson ist ja eigentlich immer schon eine Empfehlung, die für sich selbst spricht. Es muß halt nur jemanden geben, der einen dankbarerweise darauf hinweist, daß es einen solchen (neuen) Film gibt, der sich durch Emma Thompson empfiehlt ....

Emma Thompson

Es kommt ein Busunfall darin vor. Der Film kann einen total erschüttern und umwerfen. Bestimmt nicht wegen des kitschigen Inhalts. Und der Film ist von vorne bis hinten kitschig - rein vom Inhalt her gesehen. Aber wenn es jemanden gibt, der aus Kitsch ernst macht - machen kann, dann sollte dies - - - Emma Thompson sein. Sie ist brutal genug, all dem Seichten in unserer Welt (in unserer kulturellen Welt) eine brutale Wendung zu geben. Und sie ist ironisch genug, um allem Brutalen in unserer Welt (in unserer kulturellen Welt) jenen Hauch von Ironie zu geben, ... - - - nun, also, es muß ja charakterisiert werden, oder? Also: jenen Hauch von Ironie, ... der auch unseren besten Talk-Show-Mastern schon vor mehreren Jahrtausenden abhanden gekommen ist.

Maggie Gyllenhaal

Nachdem dieses also gesagt wurde, kann weiterhin nur gewarnt werden. Man sollte sich den Film nicht allein anschauen. Denn: Es ist ja doch ein Liebesfilm. Letztlich. Es kann ja doch kaum einen guten Film geben, wenn er nicht - letztlich - in irgend einer Weise ein Liebesfilm wäre. Und diese Maggie Gyllenhaal ... - Na also.

25.2.2007

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*) Bis 2017 auf dem Social-Media-Dienst "Google+" veröffentlicht, den ich eigentlich sehr mochte, der aber 2017 eingestampft wurde. Dort hatte ich in den letzten Jahren allerhand Kurzbeiträge eingestellt, die zwischenzeitlich in verschiedenen Blogbeiträgen gesichert worden sind. In diesem Blogbeitrag wird - sozusagen - "Mein Film-Tagebuch 2014 bis 2017" eingestellt, ergänzt durch spätere "Eintragungen". 
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  1. Wangenheim, Thomas: Die schönsten Vorkriegsfilme, 7. Dez. 2020, https://thwangenheim.wordpress.com/2020/12/07/die-schonsten-vorkriegsfilme/

Montag, 2. April 2018

Um der Kunst willen - Leidenswilligkeit und Leidensfähigkeit

Die weltberühmte koreanische Sopranistin Sumi Jo
- Ihre Kindheit und Jugend in Korea

In Abwendung von so viel Nichtigem, Scheußlichen und Banalen, das uns politisch, menschlich und kulturell umgibt kann es so wertvoll sein, diese oder jene Dokumentation, dieses oder jenes Interview, manches Konzert anzusehen und anzuhören, die es derzeit auf Youtube zu finden gibt über den deutschen Dirigenten Herbert von Karajan (1908-1989) (Wiki) und über seine Schülerin, die deutsche Violinistin Anne Sophie Mutter (s.a. GooglePlus). Man darf diese Video's alle für sehens- und hörenswert erachten. Man erfährt hier, daß sogar der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt sich in einem Interview sehr positiv über Herbert von Karajan ausgesprochen hat. Unmittelbar nach dem Tod Wilhelm Furtwänglers Ende 1954 begann die "Ära Karajan" im deutschsprachigen, europäischen und weltweiten Musikleben. Und sie endete erst mit seinem Tod im Jahr 1989. Es waren gute Jahre und es kann wertvoll sein, sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Abb. 1: Herbert von Karajan, 1987
Wenn man etwa eine Karajan-Biographie liest (etwa die von Franz Endler), in der all das diplomatische "Ränkespiel" auf nationaler und internationaler Ebene rund um den "Tyrannen", den "Despoten", den "Herrscher", den sich seiner Macht bewußten "Renaissance-Menschen" Herbert von Karajan zu Darstellung kommt, kommt einem zugleich der Gedanke, daß künftig die Zeit zwischen 1955 und 1989 nicht mehr benannt werden wird nach den ekelhaftesten Aspekten dieser Jahre, also nicht mit Begriffen wie "Adenauer-Ära", Zeit des "Kalten Krieges", Zeit des weltweiten Regierungs- und False Flag-Terrorismus, "Terrorjahre" oder welchen verbrecherischen, ekelhaften Aspekt man sonst für diese Zeit herausgreifen will. Nein, man wird mit den benutzten Benennungen dann nicht mehr in erster Linie die Aufmerksamkeit auf die ekelhaften, verbrecherischen, banalen, schändlichen, schamvollen Dinge richten. So wie wir die Bismarck-Zeit nach dem hervorragendsten Menschen benennen, der damals in Deutschland, in Europa und der Welt Friedenspolitik betrieben hat, von allen Seiten anerkannt und geschätzt, so wird künftig die Zeit zwischen 1955 und 1989 die "Ära Karajan" heißen. Und genug.

Und damit wäre dann auch jener Bereich benannt, in dem Deutschland seine Weltgeltung behielt, auch noch in einer Zeit, in der es ansonsten politisch und kulturell ein Bild beispielloser Schande abgegeben hat und abgibt.





Schon im Jahr 2007 war auf unserem Blog die Aufmerksamkeit gerichtet worden auch auf jene Filmsequenz, in der man unmittelbar daneben steht, als Herbert von Karajan 1988 die bedeutende Sopranistin unserer Zeit entdeckte, die Koreanerin Sumi Jo (geb. 1962) (Wiki) (s. St.gen.2007).  Das wurde letztes Jahr noch einmal in überarbeiteter Form veröffentlicht (s. Für Kultur2017). Schon bei der Zurkenntnisnahme dieser Filmsequenzen und der Weltkarriere von Sumi Jo konnte bei manchem Zuschauer die Frage entstehen, wie diese Frau eigentlich in Südkorea aufgewachsen ist, was sie erlebt hat, wie sie zu jenem Menschen wurde, der da 1988 bei Herbert von Karajan vorsang. Und endlich - seit knapp einem Jahr - kann man auf Youtube darauf eine Antwort finden (Yt)!! Dieser Umstand ist der eigentliche Anlaß für den vorliegenden Blogartikel.

In der Dokumentation werden viele Stationen der Lebensgeschichte von Sumi Jo von Schauspielern nachgespielt. So entsteht eine sehr "rührende" Geschichte. Dadurch daß Sumi Jo aber zwischendurch immer wieder selbst zu Wort kommt im Interview über ihre Lebensgeschichte, erhält die Dokumentation eine sehr große Authentizität. Diese Form der Dokumentation einer Lebensgeschichte ist im Westen wohl nicht so gebräuchlich, aber eigentlich gar nicht schlecht.

Der Film wendet sich ins Heroische


Alles fühlt sich in dieser Dokumentation - natürlicherweise - sehr "koreanisch" an. Sumi Jo ist in Korea selbst schon sehr früh als Wunderkind entdeckt worden. An einer Stelle drohte ihr Vater mit dem gemeinsamen familiären Selbstmord, als sie begann, ihr Musikstudium schleifen zu lassen, da sie innerhalb von Korea keine Herausforderungen mehr fand, zugleich in einen jungen Mann verliebt war und nur noch in Disco's ging. Und dann die abrupte Wendung: Ihre Lehrerin schlägt ihr vor, ins Ausland zu gehen, ins Land des Gesanges, nach Italien. Sumi Jo verläßt Lehrerin, Eltern und ihre große Liebe: Um der Kunst willen verzichtet sie auf alles. Der Film wendet sich ins Heroische.

Aber man darf das eindrucksvoll finden. Noch heute spricht die ebenfalls von Karajan entdeckte Geigerin Anne-Sophie Mutter davon, daß es in den ostasiatischen Ländern deshalb so viele musikalische Spitzentalente gibt, weil der Ehrgeiz, die Leidensfähigkeit und Leidenswilligkeit um der Kunst willen dort noch viel größer sind. Dieser Umstand ist auch an dem Lebensweg von Sumi Jo aufzeigbar. Es werden schließlich ihre Leidensjahre in Italien dargestellt, in denen sie täglich Italienisch lernte, Gesang studierte und nur vier Stunden in der Nacht schlief, in denen es ihr schwer fiel, all die vielen unterschiedlichen Ratschläge der Gesanglehrer auf sich anzuwenden und unter den verwirrenden Eindrücken ihren eigenen Stil zu finden.

Mit Leidenschaft bringen die koreanischen Regisseure das "Hecheln" vor die Kamera, das zu den Übungen des Gesangsunterrichts in Italien gehörte, und dessen sehr komische Wirkung auf das koreanische Publikum man auch als Regisseur offenbar empfand. An solchen Szenen ist deutlich spürbar, daß diese Dokumentation nicht auf europäisches Publikum berechnet sein kann. Und genau dieser Umstand macht sie zugleich auch so authentisch. - Leider gibt es für den zweiten Teil der Dokumentation (Yt) noch keine englischen Untertitel. Und so auch leider nicht von so vielen anderen verfügbaren Dokumentationen in koranischer Sprache über das Leben dieser Sumi Jo, das von so viel Leidenschaft erfüllt ist und in der Lage ist, jeden Zuschauer so durch und durch lebendig zu machen, selbst wenn er längst zu Wachs geworden sein sollte. Aber in einem anderen Video (Yt) erzählt Sumi Jo immerhin, wie sie in den drei Jahren, bevor sie 1988 bei Herbert von Karajan vorsang, sich oft verloren gefühlt hätte auf den internationalen Bühnen:
"I often felt lost on the international stage."
Es wird auch in der ersten Dokumentation nachgespielt wie ihre Manager ihr vorschlagen, um der internationalen Karriere willen einen europäischen Namen anzunehmen. Sie spricht schließlich davon, daß das Zusammentreffen mit Karajan so gewesen wäre als ob sie einen Lehrer getroffen hätte:
"Meeting Karajan was like meeting a mentor."
Er gab ihr den gebührenden Platz im weltweiten Musikleben. Und natürlich war das möglich, ohne den Namen zu ändern. Womöglich wäre aber Sumi Jo ohne Karajan nie so berühmt geworden wie sie es heute ist. Diese Frage darf man wohl stellen. Deshalb sei in diesem Beitrag auch noch einmal das Video eingestellt von den acht Minuten im Leben von Sumi Jo, die dieses Leben die Wendung hin zur Weltkarriere machen ließ (s. Yt, es liegt auch vor: hier und hier mit englischen Untertiteln). Das Besondere und die Seltenheit dieser Filmaufnahme besteht ja eben darin, daß hier der Zuschauer unmittelbar daneben sitzen darf, wie eine außergewöhnliche musikalische Begabung - quasi mitten aus der künstlerischen Alltagsarbeit heraus - von einem so schöpferischen, kongenialen Menschen wie Karajan entdeckt wird.




Bekannterweise sind von Karajan viele der begabtesten Musiker unserer Zeit entdeckt worden. Aber natürlich war nicht in jedem Fall ein Filmteam - geradezu wie "nebenbei" - dabei und filmte mit (1). Man wird also selten so unmittelbar das Geschehen nacherleben können wie hier, würde es auch noch so anschaulich in Worten der Erinnerung wiedergegeben werden.

Zum Beispiel gibt es auch seit 2017 ein schönes Video, in dem die Sängerin Gundula Janowitz in eben jenem Jahr 2017 außerordentlich eindrucksvoll über ihre Zusammenarbeit mit Karajan - und auch das Ende dieser Zusammenarbeit berichtet (Yt, 2017). Das Ende der Zusammenarbeit ergab sich daraus, daß Karajan wünschte, daß Gundula Janowitz Beethovens "Fidelio" für ihn singen sollte. Gundula Janowitz fühlte sich aber noch nicht reif genug dazu und spielte ihm in der Gesangsprobe dazu eine gar zu naive Sängerin vor. Sie tat dies, weil sie sich nicht traute, ihm rundweg abzusagen. Karajan durchschaute sie aber sofort (!) und wünschte sich dann, daß sie später mit ihm den Fidelio machen würde. Und man darf es in der Tat bedauern, daß es dazu nicht mehr kam. Gundula Janowitz machte den Fidelio nämlich dann - entgegen der Absprache - mit Leonard Bernstein. Und sie erzählt, daß Bernstein sie von Anfang an ebenso wenig mochte wie sie ihn. Und sieht man Aufnahmen von der dabei entstandenen Inszenierung, wird einem klar, wie Gundula Janowitz tatsächlich - ohne Karajan - so ganz und gar "mißraten" konnte in einer Rolle wie dem Fidelio. Und man empfindet zugleich den riesen großen Verrat an der Kunst, den Karajan empfand als er hörte, die Janowitz singt den Fidelio für Bernstein. Danach jedenfalls wollte er nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten und verabschiedete sich, wie sie berichtet, sehr höflich von ihr. - Außerordentlich krass. Im Musikleben um Herbert von Karajan ist überall so viel "Leben" drin, so viel "Dramatik", so viel pure Kraft und Leidenschaft. - Aber nun abschließend nur noch einige weitere Videos mit Sumi Jo.





Hier singt sie die "Königin der Nacht" und es wird ein kleiner Überblick über die "Legende" dieser Sängerinnen-Karriere gegeben (Yt).




Hier singt sie den "Frühlingsstimmen" -Walzer von Johann Strauß,
Die Lerche in blaue Höh' entschwebt,
der Tauwind weht so lau;
sein wonniger milder Hauch belebt
und küsst das Feld, die Au.
Der Frühling in holder Pracht erwacht, – ah, ah, ah –
alle Pein zu End' mag sein,
alles Leid, entfloh'n ist es weit!

Schmerz wird milder, frohe Bilder,
Glaub' an Glück kehrt zurück;
Sonnenschein – ah – dringt nun ein, – ah –
alles lacht, ach, ach, erwacht!
Sonnenschein …

Die Lerche in blaue Höh' entschwebt, …



Hier singt sie "Wiener Blut" von demselben.
Ich spür' es,
das Wiener Blut.
Wiener Blut,
Wiener Blut!
Eig'ner Saft,
Voller Kraft,
Voller Glut,
Du erhebst,
Du belebst
Unser'n Mut!
Wiener Blut!
Wiener Blut!
Was die Stadt
Schönes hat,
In dir ruht!
Wiener Blut,
Heiße Flut!
Allerort
Gilt das Wort:
Wiener Blut!
Und hier erzählt sie ein bißchen, wie sie sich auf einen Auftritt vorbereitet. Und hier gibt es ein sehr interessantes 25-minütiges Interview aus dem Jahr 2005 mit Sumi Jo im "New York Public Radio", in der sie einiges über ihr Leben und ihren Beruf erzählt. Auch über die Oper des nächsten Abends "La Sonambula" ("Die Schlafwandlerin"), eine Oper des Italieners Vincenzo Bellini (1801-1835).
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  1. Froemke, Susan; Gelb, Peter; Dickson, Deborah: Karajan at the Salzburg Festival. Rehearsal (Probe) and backstage from the Salzburg Festival. Deutsch: Karajan in Salzburg, 1 h 22 min, Sony, 1988, http://www.medici.tv/en/documentaries/karajan-in-salzburg-deborah-dickson-susan-froemke/, auch https://www.youtube.com/user/cagin/videos

Montag, 26. März 2018

Peder S. Krøyer, Marie Krøyer und Hugo Alfvén - Eine vergangene Welt

Die Skagen-Künstler - Unbeschwertheit, Fröhlichkeit, Glück, Gelassenheit, Ruhe im Kulturleben Europas vor 1914

Wendet man sich nach langen, kulturlosen Zeiten einmal wieder der Kultur zu, so kann es so leicht sein, überrascht zu werden. Man könnte zum Beispiel eines morgens im Radio noch einigermaßen verschlafen den "Tanz des Hirtenmädchens" hören  (6). Das Musikstück könnte auffälliger Weise den ganzen Tag über in einem nachklingen. Und es könnte einen veranlassen, nach seinem Schöpfer, seinem Komponisten zu fragen. Und indem man sich mit diesem Komponisten beschäftigt, könnte man - nach einer Weile - auch auf die Bilder eines dänischen Malers norwegischer Abstammung stoßen, namens Peder S. Krøyer (1851-1909) (Wikiengl). Weil der betreffende Komponist nach dem Tod dieses Malers fast zwanzig Jahre lang mit der vormaligen Frau dieses Malers verheiratet war, einer Frau, die dieser Maler in zahlreichen, zum Teil weltberühmten Gemälden festgehalten hat (s. z.B. Abbildung 1), und die man über diese besser Gemälde wohl kennenlernen kann als über so vieles andere.

Abb. 1: Peder S. Krøyer - Marie Krøyer, 1890

Nanu, wie konnte dieser Maler solche eindrucksvollen Bilder malen? Bilder, denen sogar ein eigener Wikipedia-Artikel gewidmet ist (Wiki). Und das mit Recht, wie man sich sogleich sagen muß. Was sind denn das für Leute? Und nun wühlt man sich statt in das Leben eines Komponisten in das Leben eines Malers hinein, dieses Peder S. Krøyer, fragt nach seinen Werken, seinen Lebensumständen.

Und erneut findet sich so viel. Eine ganze verlorene, vergangene Welt. Man findet die Welt der "Skagen-Künstler" (Wiki). Skagen, ein Küstendorf im Norden Dänemarks war - sozusagen  - das dänische Worpswede in der Zeit vor 1914. Und auch hier - wie in Worpswede: Eine verlorene Welt. Eine Welt, in die man voller Sehnsucht blickt, mit geradezu zaghafter, trauriger, wehmütiger Neugier (1, 2). Wer war denn das? Was waren denn das für Leute? So viel Glück! Gab es das einmal? Wirklich? Hier auf dieser Erde? Ein so lebendiges, fruchtbares Kulturleben? Dessen Lebensfäden sich von Nordjütland über ganz Europa hinweg bis hinunter nach Sizilien zogen? Ist Frieden möglich? Diese Bilder, sie werfen so viele Fragen auf. Aber sie geben zugleich Antworten, zusammen mit Fotografien, zusammen mit komponierter Musik. Und all das sollte dann doch eigentlich Beweis genug sein ....

Abb. 2: Peder S. Krøyer - "Hip, hip, hurra!, 1888

Während es damals im deutschen Sprachraum eine Alma Mahler (1879-1964) (Wiki) gab, die in erster Ehe verheiratet war mit einem weltberühmten Komponisten, später ein Verhältnis hatte mit einem weltberühmten Maler, ein zweites mal verheiratet war mit einem weltberühmten Architekten, schließlich eine Verbindung einging mit einem berühmten Schriftsteller, während es in Schweden und Deutschland August Strindberg gab und seine erschütternden Erlebnisse in Ehen, während es in Norwegen und Deutschland Edvard Munch gab, der Bilder malte wie "Der Schrei", während es in Norddeutschland die Künstlerkolonie Worpswede gab, der eine Künstlerin angehörte, mit der der deutsche Dichter Rainer Maria Rilke verheiratet war - - - in dieser Zeit gab es in Dänemark die "Skagen-Maler". Und unter diesen war das Künstlerehepaar Peder S. Krøyer und Marie Krøyer das bedeutendste, bekannteste. Als das Paar aus Paris nach Dänemark zurückkehrte und Marie Krøyer, diese schöne Frau, nach der neuesten Pariser Mode gekleidet war ... da blickten alle Menschen diesem Paar hinterher, wie im Märchen. Da geht Marie, die schönste Frau Kopenhagens ....

... Das wundersame Märchen "Es war einmal ...."

1888 lernten sie sich kennen, ein Jahr später heiratete der 38-jährige Maler Peder S. Krøyer, genannt Søren, Marie Triepke (1867-1940) (Wiki). Marie war damals 22 Jahre alt. Ihre Eltern waren zwar Deutsche, lebten aber zumeist in Kopenhagen. In Augsburg jedoch fand die Hochzeit statt.

Der Stolz des Malers Krøyer auf Marie, die Begeisterung für sie ist auf keinem der vielen Bilder, die er von ihr gemalt hat, verhohlen. Weltberühmte Bilder sind darunter wie "Sommerabend am Skagener Südstrand" (1893) oder "Sommerabend am Strand von Skagen" (1899) (Wiki).

Abb. 3: Peder S. Krøyer - Ferdinand Meldahl, 1882

Für diesen Blogbeitrag ist nur eines der schönsten dieser Bilder von Marie herausgegriffen (siehe Abb. 1). Es steht den zeitgleichen Bildern eines Lovis Corinth wohl nicht nach. - Oder sollte der Pinsel geworfen werden nach demjenigen, der solche Vergleiche überhaupt anstellt? ... 

Über viele Bilder von P. S. Krøyer, die einen nicht auf den ersten Blick beeindrucken, möchte man hinweg gehen, weil zunächst der Eindruck entsteht, es handele sich um etwas zu seichte, gar zu "melancholische", süßliche Bilder. Aber nein. Auf gar keinen Fall. Schaut man genauer hin, umfangen sie einen mit einer Atmosphäre so großen Friedens, einer solchen inneren Ruhe und Ausgeglichenheit. Das mag zum Beispiel auch gelten für das Gemälde "Hip, hip, hurra!" von 1888. Im Internet findet man, was die inzwischen schon verstorbene junge Bloggerin Linda 2016 über dieses Gemälde ganz richtig schrieb (Linda 2016) (3):

Auf einem Bild meines Lieblings-Skagenmalers, P.S. Krøyer wird auch ordentlich gefeiert. „Hip, Hip, Hurrah!“ ist der Titel eines seiner berühmten Werke (...). Das Bild zeigt einige der Skagenmaler, die vergnügt beisammen sitzen, anstoßen und offensichtlich etwas zu feiern haben. Ich mag das Bild sehr. Ich mag es auch, mit Freunden zusammen zu sein und das Leben zu genießen. Uns geht es so gut, daß wir das manchmal vergessen. Das Bild erinnert mich jedes Mal daran, daß mein Glück nicht selbstverständlich ist und ich es hüten muß wie einen Schatz.

Abb. 4: Søren und Marie Krøyer, Doppelportrait, 1890 (jeder von beiden malte den anderen)

Oft aber auch müssen wir überhaupt erst einmal diesen inneren Frieden in uns finden, der auf dem Gemälde ausgedrückt ist, um diesem Gemälde seinen ganzen Wert dann auch abgewinnen zu können.

1895 kam die Tochter Vibeke zur Welt. Die vielen gehaltvollen historische Fotografien dieser Zeit (1, 2) geben einen Eindruck von dem beseelten Familienleben, von dem Schönheitssinn in den damaligen Künstlerfamilien in Skagen, von ihren Wohnungen, ihren Einrichtungen. So vieles erinnert an Worpswede, an die Heimatbewegung, an diese große Sehnsucht nach Frieden, Schönheit, Geborgenheit, Ausgeglichenheit.

Wenn man das Glück sieht, die Gelassenheit, die innere Selbstsicherheit, die innere Erfülltheit, die auf diesen Gemälden und in den historischen Fotografien zum Ausdruck kommen, ist man betroffen, daß all dem nur grob zehn Jahre Dauer beschieden sein sollte. Was muß Søren Krøyer für ein Mensch gewesen sein, daß er all dem Ausdruck geben konnte, aber dann psychisch so sehr erkrankte, daß er zeitweise in die Nervenheilanstalt eingewiesen werden mußte (ab 1900). War es zu viel des Glückes für ihn geworden?

Im Mittelpunkt fast der meisten seiner bedeutendsten Gemälde steht immer nur sie, Marie. Sie, sie, sie. Nun, man erinnere sich: So gehört sich das doch eigentlich auch für einen großen Künstler. Könnte von Titian, könnte von Rembrandt, von Renoir, von Lovis Corinth oder wie sie alle heißen, könnte von ihnen etwa etwas anderes gesagt werden? Als daß "sie" im Mittelpunkt stand? Sie, sie, sie? Oh, wir Menschen, wir sind gebannt von Schönheit und sinken dann ins Grab.

Aber auch schon Krøyer's Portrait von Ferdinand Meldahl aus dem Jahr 1882 spricht unmittelbar an, aus einer Zeit, in der es Marie in seinem Leben noch nicht gab. So ruhig, so klar, so friedvoll (Abb. 3) (Wiki). Wer diesen - porträtierten - Menschen zum Freund hat - dem sollte doch eigentlich nichts Böses im Leben mehr geschehen, so ist der Eindruck. Und geschähe es doch, so wäre es zu bestehen - - - wie auch immer.

Hugo Alfvén, ein Komponist, tritt in die Welt der Maler

Der schwedische Komponist Hugo Alfvén (1872-1960) (Wiki, engl) wirkt  in dieser Welt der Skagen-Künstler fast ein wenig wie ein Fremdkörper. Und irgendwie hat ihn Krøyer auf seinem letzten großen Gemälde aus dem Jahr 1906 - "Sonnwendfeuer am Strand von Skagen" (Wiki) - auch so dargestellt: Nun, nach der Trennung Marie's von ihm ein Paar mit Hugo Alfvén. Der junge 30-jährige schwedische Komponist galt in diesem Kreis als oberflächlich. Dennoch verliebte sich die 35-jährige Marie auf Sizilien in ihn. Das zerrüttete ihre Ehe mit Søren zusätzlich zu dem Umstand seiner wiederholten psychischen Erkrankung.

Ihr Ehemann lud Hugo Alfvén schließlich zum Wohnen im gleichen Haus in Skagen ein. 1905 ging aus der Beziehung zwischen Marie und Hugo Alfvén die spätere Schauspielerin Margita Alfvén (1905-1962) (Wiki) hervor. Nach ihrer Geburt wünschte Marie die Heirat mit Hugo Alfvén. Dieser jedoch erklärte ihr - seinem Ruf als oberflächlicher Mensch offenbar tatsächlich gerecht werdend - er könne sie nicht heiraten, da er schon verlobt sei (4). Nun, man erinnere sich doch an so viele andere Künstler-Ehen und -Beziehungen der damaligen Zeit (von denen einige oben erwähnt wurden), um zu verstehen, daß auch ein solches Schicksal nicht gar so ungewöhnlich sein mußte.

Marie verbrachte dennoch seither die meiste Zeit mit Hugo Alfvén, ihre Tochter Vibeke auf deren Wunsch hin mit ihrem Kindermädchen bei ihrem Vater zurücklassend.

Abb. 5: Die Welt der Schären, die Welt von Hugo Alfvén

In die vormalige, hinreißende Idylle, in dieses friedvolle Leben, in diese glückliche Ehe war das Leid eingebrochen, tief - und fast eine Welt war unwiderbringlich zerstört. Man glaube nicht, daß moderne Verfilmungen (4) dem damaligen Leben gar zu leicht gerecht werden könnten oder würden. Dazu ist unsere Zeit zu weit von der damaligen entfernt. Dazu sind auch die seelischen Bedürfnisse der meisten Menschen von heute, auch der Filmschaffenden von der seelischen Erfülltheit der damaligen Menschen viel zu weit entfernt. Wer wollte diesen damaligen Zauber festhalten? Müßte er nicht selbst Künstler sein, von ähnlicher Sehnsucht erfüllt wie die Menschen und Künstler damals? Das wäre doch das mindeste ...

1909 starb der Maler so vieler kostbarer Gemälde mit 58 Jahren: Peder S. Krøyer. Konnte er für diese Welt ersetzbar sein? Nein. Und doch ist auch der Autor dieser Zeilen auf ihn erst nach dem 50. Lebensjahr zum ersten mal aufmerksam geworden. Ist Krøyer im deutschen Sprachraum ausreichend bekannt? Womöglich dürfen diesbezüglich Zweifel geäußert werden.

Hugo Alfvén und Marie Krøyer, sie heirateten 1912 doch, obwohl letztere wußte, daß ihr zweiter Ehemann auch Beziehungen zu anderen Frauen hatte. Sie wünschte sich für ihre beiden Töchter einen Vater. Alfvén hinwiederum hatte mit der Heirat auch deshalb gezögert, weil er zu Lebzeiten des bekannten Malers Krøyer fürchten mußte, um seines Ehebruches willen seine Stelle als Chorleiter in Uppsala zu verlieren.

Nun folgten noch einmal friedvolle Jahre. Ja, auch in Hugo Alfvén muß - vielleicht ebenfalls durch die Verbindung mit Marie Krøyer - ein Übermut gewachsen sein, ein Übermut, der sich spätestens im Jahr 1916 Ausbruch verschaffte in seinem berühmten "Tanz des Hirtenmädchens" (6).

Der "Tanz des Hirtenmädchens" (1916)

1916, als die Tochter Margita 11 Jahre alt war (und Vibeke 21), komponierte Hugo Alfvén das Ballett "Der Bergkönig" und darin den "Tanz des Hirtenmädchens" (6). Ist darin noch einmal die ganze Welt des Künstler-Idylls von Skagen vor 1914 zusammen gefaßt? Der Friede, der Übermut, die Lebensfreude, der Überschwang? Es handelt sich um ein Musikstück, das so viel Schwermut, so viel Mißmut vertreiben kann, ja, das allen Mißmut geradezu im Keim ersticken hilft.*) Darf man diesen Tanz vielleicht auch hören als eine Erinnerung an den so unbeschwerten, fröhlichen Maler Peder S. Krøyer, der sieben Jahr zuvor gestorben war, an seine Ehe, an das übermütige, stolze, selbstbewußte Glück dieser Ehe, das sich in allen seinen Bildern dieser Zeit wieder findet, und das der damalige Ehemann seiner Frau auch gönnte, als er selbst es - für sich - schon verloren hatte (siehe sein Gemälde von 1906)? Was für ein stolzer, freier Mensch muß Krøyer gewesen sein.

Peder S. und Marie Krøyer, Hugo Alfvén - sie gehören zu uns. Wir wollen uns durch all die schlimmen Schicksale, die zwischen uns und der fernen, vergangenen Zeit vor 1914 liegen, nicht mißmutig machen lassen, nicht uns den alten Übermut, nicht die alte Fröhlichkeit, die alte Sorglosigkeit, Unbeschwertheit, Gelassenheit nehmen lassen. Nein, sie gehören zu uns, immer, sie sind immer da. Wenn wir nur wollen. Niemand kann sie uns nehmen, niemand darf sie uns nehmen, niemand soll sie uns nehmen.

Niemand auch darf sich und andere im Unklaren lassen darüber, daß es die Frauen sind, die uns glücklich machen und die uns zu Hochleistungen in der Kunst und im Kulturleben anfeuern, begeistern, auffordern, ihre Schönheit, ihre Stille, ihre Ruhe, ihre Anteilnahme. Immer wieder ist das die Erfahrung, die der kulturbewußte, dem Seelischen aufgeschlossene Mensch machen muß, immer wieder ist das die Erkenntnis, zu der er zurück kehrt. Wohl ihm, wenn er zu dieser Erkenntnis zurück kehrt, zurückkehren kann.

Denn wie so oft, wie so leicht, wie so unendlich leicht lassen wir uns von unserem Weg abbringen.

Verfolgen wir noch ein wenig die privaten Schicksale weiter.

1928 wollte Hugo Alfvén sich scheiden lassen, seine Frau Marie wollte aber zu diesem Zeitpunkt nicht.

1936 wurde die Ehe dann dennoch geschieden.

Nach der Scheidung heiratete Hugo Alfvén Carin Wessberg (1891-1956) und blieb mit ihr bis zu ihrem Lebensende zusammen.

1940 starb Marie Krøyer. Sie starb mit 73 Jahren vereinsamt in Stockholm. Diese Frau. - Wir wissen oft nicht, wohin uns das Leben führt.

1957, ein Jahr nach dem Tod seiner zweiten Frau, schrieb Alfvén mit 75 Jahren im volkstümlichen Stil das Ballett "Der verlorene Sohn". Es handelt sich um anmutige, zauberhafte Melodien, vor allem Polka's (8). Auch der Satz manches wunderschönen Volksliedes stammt von Hugo Alfvén (9, 10). Hugo Alfvén hat auch Gemälde hinterlassen, er hat Lebenserinnerungen hinterlassen, die sehr schön zu lesen sein sollen und in denen viele Abenteuer aufgezeichnet sein sollen.

1959 heiratete Hugo Alfvén mit 77 Jahren sogar noch ein drittes mal, und zwar die 68-jährige Anna Lund (1891-1990).

Ein Jahr später, 1960, starb auch er. Seine Musik lebt weiter. So wie die Gemälde von Peder S. Krøyer noch viele Generationen fröhliche und beseelte Menschen gefangen nehmen werden, nicht zuletzt - - - von der Schönheit Marie's.

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*) Es gibt auch ein skandinavisches Saxophon-Quartett, das diesen "Tanz des Hirtenmädchens" sehr schön spielt (7). (Als Besonderheit kommt dazu, daß dessen junge Musiker auch optisch auffallen ...) 

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  1. Marie Krøyer - Fotografien, https://www.marie-kroyer.dk/
  2. Marie Krøyer - Fotografien, auch von Wohnung und Einrichtung, http://www.kunstnerhjemiskagen.dk/
  3. Linda: Die Skagenmaler - Søren und Marie Krøyer. Auf dem Internetblog "Dänemark, wo das Glück wohnt", http://www.xn--dnemarkwodasglckwohnt-51b97c.de/die-skagenmaler-soren-und-marie-kroyer/
  4. Marie Krøyer, Spielfilm, Dänemark 2012, (Wiki), http://net.adjara.com/Movie/main?id=3305http://zeilenkino.de/die-liebe-im-lichte-daenemarks-ueber-marie-kryer-von-bille-august
  5. Aaselind: Marie Krøyer, Danish Painter in Skagen. Kunstblog, 30.11.2012, https://aaselind.wordpress.com/category/hugo-alfven/
  6. Alfvén, Hugo: Tanz des Hirtenmädchens ("Vallflickans dans", engl. "Dance of the Shepherd Girl" oder "Hermaidens Dance") aus dem Ballett "Der Bergkönig" (Bergakungen"), op. 37 (1916-23), gespielt vom "Royal Scottish National Orchestra" geleitet von Niklas Willén, https://youtu.be/0sez0LzN3Sk?t=11m53s, auch: https://youtu.be/WavIvzYiV5o
  7. Alfvén, Hugo: Tanz des Hirtenmädchens, gespielt vom Skandinavischen Saxophon-Quartett (2011), https://youtu.be/Sd7z-WW4nro
  8. Alfvén, Hugo: Das Ballett "Der verlorene Sohn" ("Den förlorade sonen", engl. "The Podrigal Son") (1957), https://youtu.be/eHKoqbJYpvI
  9. Uti vår hage - Schwedisches Volkslied, Satz: Hugo Alfvén, https://youtu.be/6LPuMZ_gq6w
  10. Och jungfrun hun går i ringen, (Deutsch: Zum Tanze da ging ein Mädel), Schwedisches Volkslied, Satz: Hugo Alfvén, https://youtu.be/P_yAlO84LiE

Donnerstag, 31. Dezember 2015

... die er einst mit Susette Gontard gehört hatte ....

Der "wahnsinnige" Hölderlin
- Er sang oft das Lied "Mich fliehen alle Freuden"
- Wie konnte er nur!

Eine Fülle von Lebenszeugnissen kann belegen, dass der deutsche Philosoph und Dichter Friedrich Hölderlin (1770-1843) in seinen Altersjahren in Tübingen keineswegs - - - "wahnsinnig" war. Sondern einfach wie auch zuvor schon geistig weitaus gesünder und wacher als das ganze übrige damalige und heutige Deutschland zusammen genommen (1-5).

Abb: Hölderlins Wohnturm in Tübingen bis 1843
Zuerst sind die Lebenszeugnisse dafür von dem Franzosen Pierre Bertaux zusammen getragen worden (5). Später von anderen. Dabei hatte sein bester Freund Sinclair seinen Zeitgenossen schon ganz zu Anfang lapidar gesagt, dass es sich bei dieser - "Geisteskrankheit" nur um eine "angenommene Äußerungsart" handele. Um sich Ungemach vom Leibe zu halten. Hölderlin ließ seine Zeitgenossen also bei ihrem Glauben, förderte diesen Glauben durch oberflächliches, leichtes Verstellen. Und lebte weiter. Wie er es für seine Pflicht hielt. Er, der über den Freitod lange nachgedacht und ihn zu Ende gedacht hatte. Aber bis heute möchten sich viele über den Umstand hinweg täuschen, dass Hölderlin noch in diesen Jahren ein so geistig gesunder, rüstiger, lebendiger Mensch gewesen sein soll.

Hölderlin saß oft am Klavier und spielte

Hölderlin sah sich in jener Zeit weiterhin als Dichter und dichtete. Er zeigte volle Aufgeschlossenheit und Erschlossenheit dem Naturerleben gegenüber. Er hatte volle Aufmerksamkeit für die Schönheit von Menschen, für die Kunst. Er zeichnete auch selbst. Er hatte Aufmerksamkeit für die Musik, er spielte Klavier und sang dazu. Er hatte Humor. Und er hatte Verantwortungsbewusstsein. Für all diese Aspekte können reichen Zeugnisse angeführt werden. An dieser Stelle sollen einmal nur einige Zeugnisse für seine Beschäftigung mit der Musik angeführt werden. Christoph Schwab berichtet (1, S. 247):
Er saß am Klavier und spielte. ... Sein Spiel war sehr fertig und voll Melodie, ohne Noten. ... Einigemal, besonders, wenn er einen recht melodischen Passus ausgeführt hatte, sah er mich an. ... Es schien ihm zu gefallen, dass ich so gerührt war.
Er berichtet:
Mit kindischer Einfalt,
habe Hölderlins Auge auf ihm geruht. Wilhelm Waiblinger berichtet aus den Jahren 1827/28 (1, S. 148; 2, S. 330):
Hat er eine Zeitlang gespielt, ... so richtet sich sein Haupt empor ... und er beginnt zu singen. ... Er tats mit überschwenglichem Pathos.
Und der Schreiner Zimmer, bei dem Hölderlin in jenen Jahren wohnte, berichtete 1837 (1, S. 225):
Oder er sitzt am Spinett und musiziert vier Stunden lang, in einem Ton als wollte er den letzten Fetzen herunterspielen. Und immer dasselbe simple Lied, immer dieselbe Leier, dass einem im ganzen Hause Hören und Sehen vergeht. Man muss schon stark hobeln, sonst wird einem wüst im Kopf. Oft aber spielt er auch recht schön.
Der Besucher Diefenbach berichtet aus dem 1837 (2, S. 330):
Hölderlin war einst ein ausgezeichneter Musiker und Sänger.
Und Christoph Schwab (2, S. 461):
Gesang und Flötenspiel übte er vom Jahr 1817 an seltener, nahm es aber 1822 wieder mit Eifer für einige Zeit von Neuem auf.
"Eine seltsame Mischung von Freundlichkeit und Fremde"

Ebenso (2, S. 468):
Ein einfaches Thema, wie z. B. die Melodie: "Mich fliehen alle Freuden," variierte er unermüdlich.
Er
sah dann wieder mit einer seltsamen Mischung von Freundlichkeit und Fremde die Zuhörer an.
Mit mehr Fremde als Freundlichkeit hätte Hölderlin 1998 in das Magazin "Focus" geblickt, wo es hieß, „Mich fliehen alle Freuden“ sei eine Opernarie aus der Oper „Die schöne Müllerin“ von Giovanni Paisiello (1789) (4),
die er einst gemeinsam mit Susette Gontard gehört hatte. Der italienische Komponist war berühmt-berüchtigt für seine endlosen, schier unerträglichen Motiv-Wiederholungen, durch die, wie es damals hieß, "sogar der auf die Spitze getriebene Wahnsinn sich äußern könne".


Nun, davon, wie unsinnig eine solche Charakterisierung dieses Liedes ist, kann sich jeder heute leicht über Youtube überzeugen (z.B.: mit Klavierbegleitung oder mit Orchester) (s.a. Wiki). Leider gibt es gegenwärtig nur Aufnahmen mit dem italienischen Liedtext. In deutscher Übersetzung lautet dieser Liedtext schlicht (2, S. 467):
Mich fliehen alle Freuden,
ich sterb vor Ungeduld;
an allen meinen Leiden
ist nur die Liebe schuld.
Es quält und plagt mich immerhin,
ich weiß vor Angst nicht, wo ich bin;
wer hätte dies gedacht?
Die Liebe, ach, die Liebe
hat mich so weit gebracht,
hat mich so weit gebracht.
- Und es ist schon Wahnsinn, wenn man ein solches Lied beim Singen und Klavierspielen oft wiederholt und variiert? - - - Die spinnen, die Deutschen, die ihre größten Dichter so behandeln.

Der Beethoven war übrigens auch so verrückt, genau zu diesem Lied sechs Variationen zu schreiben (Yt.), zum Beispiel von Elly Ney interpretiert (Yt). Über Susette Gontard, die "Diotima" seiner Dichtungen, durch die er erst das geworden war, was er war, konnte sich der "wahnsinnige" Hölderlin zuweilen auch auslassen. J. G. Fischer berichtet darüber (2, S. 429):
"Ach," sprach er, "reden Sie mir nicht von Diotima, das war ein Wesen! und wissen Sie: dreizehn Söhne hat sie mir geboren, der eine ist Kaiser von Rußland, der andere König von Spanien, der dritte Sultan, der vierte Papst u. s. w. Und wissen Sie was dann?" Nun sprach er folgendes schwäbisch: "wisset se, wie'd Schwoba saget: Närret ist se worda, närret, närret, närret." Das sprach er so erregt, daß wir gingen, indem er uns mit tiefer Verbeugung an die Tür begleitete.
Nein, sie war nicht verrückt geworden. Sie war einfach nur gestorben an der unerfüllten und in jenen Zeiten unerfüllbaren Liebe zu ihm. 
______________________________________________________
  1. Wittkop, Gregor (Hrsg.): Hölderlin, der Pflegesohn. Texte und Dokumente 1806 - 1843 mit den neu entdeckten Nürtinger Pflegschaftsakten. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart 1993
  2. Hölderlin, Friedrich: Sämtliche Werke. 'Frankfurter Ausgabe', hrsg. v. D.E. Sattler u. M. Franz, Bd. 9: Dichtungen nach 1806. Mündliches. Verlag Roter Stern, Frankfurt/M. 1983
  3. Hölderlin, Friedrich: Sämtliche Werke. 'Stuttgarter Ausgabe', hrsg. v. ..., Bd. 1 - .., Kohlhammer-Verlag, Stuttgart u.a. 1968
  4. Pabst, Reinhard: Hölderlins Verrückung. Neueste Erkenntnisse über die Ausgrenzung eines Dichtergenies. In: Focus 49/1998, S. 142-146
  5. Bertaux, Pierre: Friedrich Hölderlin. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt/M. 1978

Dienstag, 9. September 2014

"Das unerreichbare Herz" (1949)

Der erste Nachkriegsroman von Karl Springenschmid
- Vom Ringen um eine neue Form des Lebens
Die nachfolgende Buchbesprechung in ähnlicher Form auch andernorts erschienen (Amaz.).

"Das unerreichbare Herz" ist der erste Nachkriegsroman, den der deutsche Schriftsteller Karl Springenschmid (1897-1981) (Wiki, Salzburg-Wiki) im Jahr 1949 veröffentlicht hat. Folgeauflagen sind erscheinen 1958, 1966 und 1976. Dieser Roman behandelt die inneren Erschütterungen einer jungen, ganz nach innen lebenden Frau, deren Ehemann seit dem letzten Jahr des (Zweiten) Weltkrieges als Soldat vermißt wird und vielleicht gefallen ist. Er handelt von den Erschütterungen und von den Gedanken, durch die sie - aus der "Sackgasse" dieser Liebe, nämlich zu einem "unerreichbaren Herz" - wieder ins Leben zurück findet.

Ein Ausschnitt aus dem inneren Ringen von Menschen in der damaligen Zeit, denen eine lebenszugewandte innere Offenheit wichtig war, und die die Gefahr sahen, daß man sich "drein geben" könnte dem schweren Schicksal, das einen traf. Oft über Jahre waren Männer und Frauen damals durch Krieg, Kriegsgefangenschaft und Vertreibung getrennt voneinander. Sie entfremdeten sich in dieser Zeit oft. Es war individuell sehr verschieden, wie mit dieser Situation umgegangen worden ist. Erst in den letzten Jahren ist der Geschichtswissenschaft an verschiedenen Orten diese Problematik bewußt geworden. Diese Problematik war eine generationenweite. Über sie ist damals aber öffentlich - und über viele weitere Jahrzehnte hinweg - mehr geschwiegen als gesprochen worden.

Springenschmid selbst hatte Schicksale dieser Art im nächsten Bekanntenkreis erlebt. Er war von ihnen erschüttert. Seine schriftstellerische Begabung fühlte sich heraus gefordert, um auf seine Art mit einem Roman auf dieses Geschehen zu reagieren.

Autor heiterer und erschütternder Romane

"Novè" auf Niederländisch
Insgesamt hat Springenschmid nach 1945 drei Romane geschrieben, in deren Mittelpunkt ein Frauen- bzw. Mädchenschicksal steht. Auf den genannten ersten Roman folgte 1951 "Novè - Mädchenschicksal zwischen Ost und West". Und es folge 1953 "Das goldene Medaillon". Beide Romane sollten viele Folgeauflagen haben und auch Übersetzungen erfahren in andere europäische Sprachen.

Und alle drei Romane sind im tiefsten Sinne heute noch "lesenswert". 

Erst in den Folgejahren wandte sich Springenschmid mit "Ein Mensch unterwegs" (1953) wieder einem männlichen Lebensschicksal zu, allerdings einem, in dem wiederum auch Frauen eine große Rolle spielen. Denn er handelt von einem Frauenarzt. In Folgeauflagen erschien der Roman denn auch unter dem Titel "Frauenarzt Jan Lujka".

Springenschmid war in der Zeit vor 1945 eigentlich vornehmlich als Autor "heiterer" Geschichten und Romane bekannt geworden. Es handelte sich insbesondere um Bergsteiger- und Ski-Geschichten. Aber auch diese waren oft schon mehr als nur "heiter". Sie sind noch heute liebenswert und gehaltvoll. Und sie erlebten auch noch viele Jahrzehnte nach 1945 viele Auflagen: "Am Seil vom Stabeler Much" (zuerst 1933), "St. Egyd auf Bretteln" (1935), "Da lacht Tirol" (1935), "Ein Tiroler geht nicht unter" (1939). Nach 1945 folgte auf dieser Linie "Die Tschullerer Buben" (1952), "Sieben Tage Sexten" (1965), "Rundherum Abgrund" (1977), "Engel in Lederhosen", "Sieben Takte Liebe" (eine Salzburg-Novelle). Und "Die sizilianische Venus", die - wie der Titel auch schon andeutet - auf Sizilien spielt.

Springenschmid war 1931 mit "Der Sepp - Lebensroman von Sepp Innerkofler" bekannt geworden. Springenschmid war auch noch mit dem Sohn dieses Sepp Innerkofler gut befreundet. Dieser deshalb aus dem Leben geschöpfte Roman sollte sein erfolgreichstes Buch überhaupt sein und bis heute bleiben. Es handelte von einem Tiroler Bergführer, der 1916 im Ersten Weltkrieg bei Verteidigung seiner Heimat fiel. 1975 ist dieser Roman in 57. Auflage erschienen (s.a.: 1, 2).

Seine Romane - Nach 60 Jahren immer noch jung und frisch 

Liest man zeitgenössische Besprechungen (3), so wird schnell deutlich, daß die Zeitgenossen die Bedeutung von Springenschmid in den meisten Fällen noch nicht so wahr genommen haben wie das heute möglich geworden ist. Diese behandelten ihn fast alle als einen Romanautor .... "unter vielen". Während aber der größte Teil der anderen Autoren längst - und mit sehr großem Recht - vergessen ist, sind die Romane Springenschmids erschütternd. Sie sind in der Aussage gültig geblieben. Sie lesen sich, als wären sie erst gestern oder im Vorjahr herausgekommen. Jung und frisch stehen sie da. Man merkt ihnen die Jahrzehnte ihres Alters, ihr Alter von mehr als 65 Jahren in keiner Weise an. Nichts Verquastetes findet sich in ihnen, nichts Verstaubtes, nichts billig Oberflächliches, nichts, was billig auf Wirkung aus ist und deshalb schon wenige Jahre nach Erscheinen als "gemacht" erlebbar geworden wäre. Noch heute sprüht Jugendlichkeit und Frische aus allen Seiten hervor.

"Das unerreichbare Herz" ist in drei Teile gegliedert. Die ersten beiden Teile geht man mit immer größerer Anteilnahme mit. Ein Springenschmid, ein echter, sagt man sich mit jeder Seite mehr. Gertrud Gorenflor. Irgendein besonderer Name muß es ja sein. Sonst wäre es ja nicht ein Springenschmid. Eine Frau, zurückhaltend, sparsam gezeichnet. Sie hat einen Mann, Rainer Gorenflor. Er ist ein außergewöhnlicher Mann. Aber zugleich ebenfalls ganz unauffällig, zurückhaltend, nur in Andeutungen gezeichnet. An der stärksten Stelle übrigens wird er mit Hilfe eines Gedichtes von Josef Weinheber gekennzeichnet. Gefallen ist dieser Mann - höchstwahrscheinlich - in Kämpfen mit Partisanen in der Slowakei 1945. Offiziell aber gilt er als "vermißt".

Springenschmid läßt den Handlungsablauf am Ende des zweiten Teiles des Romanes mit einem Ereignis enden, das einen als Leser, der zuvor emotional stark mitgegangen ist, auf den Autor geradezu mit Haß reagieren läßt.

Eine seltene Erfahrung.

Für Tage kann man das Buch nicht mehr in die Hand nehmen. Denn dafür ist man zu aufgewühlt. "Dieser Mann, der Springenschmid, ist einfach nur ein Mistkerl," so ist das Grundgefühl. Man ist abgestoßen. "Mußte" der Geschehens-Ablauf wirklich so sein, so fragt man sich. - Warum? - Und erneut stellt man sich diese Frage, wenn man das Ende auch des dritten Teiles fast erreicht hat und die "Lösung" der im Roman gestellten Problematik durch den Autor vor einem steht. Auch im dritten Teil kommt der Roman einem beim Lesen streckenweise so sinnlos vor.

Man haßt den Autor.

Aber der Roman "rumort" zugleich in einem. Zu stark hatte er einen schon in den ersten beiden Teilen mitgehen lassen. Und schließlich will man ihn, "muß" man ihn doch zu Ende lesen. Er handelt vom Ringen um eine neue Form des Lebens. Nachdem alle früheren Formen durch die Ereignisse des Jahres 1945 zerbrochen worden sind, fragwürdig geworden sind. Springenschmid hat, wie aufgezählt, viele Romane geschrieben. "Das unerreichbare Herz" wird sicher sein ungewöhnlichster sein.

Thema ist: Wie kann eine Frau nach kurzer, tief verinnerlicht erlebter Liebe und Ehe und nachdem der Mann seit dem letzten Jahr des Krieges als vermißt gilt, weiter leben? Und nicht nur weiter "existieren". Springenschmid behandelt an einem einzelnen Lebensschicksal, was ihn grundlegender umtreibt: Wie kann ein Volk, wie kann eine Welt, denen es um solche Menschen und Frauen wie den dargestellten um mehr als um alle anderen gehen muß, weiter leben? Wobei ihm beides gleich wichtig ist: Seelisches und biologisches Weiterleben.

"Konstruiertes" im ersten Nachkriegsroman?

Die Nationalsozialisten hatten ja die Lebensborn-Heime gegründet, nicht zuletzt aus Sorge um das biologische Weiterleben des Volkes. Doch Springenschmid geht es um mehr. Es geht ihm darum, "die Substanz zu erhalten", wie er an einer Stelle einen Protagonisten sagen läßt. Damit ist die seelische Substanz gemeint. Wie kann sie erhalten werden, ohne die biologische zu opfern? Während die Nationalsozialisten eigentlich nur die biologische Substanz gesehen hatten, sieht Springenschmid mehr noch die ganze seelische Not seiner Zeit. Vor allem die seelische Not der am verinnerlichsten lebenden jungen Menschen. Der Frauen. Seit 1945 war - und ist - beides zutiefst fragwürdig geworden: die biologische wie die seelische Substanz. Und Springenschmids Anliegen war es, beides zu "sichern".

Und was ein Springenschmid machte, machte er ganz. Er machte keine halben Sachen. Springenschmid wäre sonst nicht Springenschmid gewesen.

Und so oft man tatsächlich streckenweise als Leser auch daran zweifelt: Der Autor löst die Aufgabe, die er sich gestellt hat. Noch während des Lesens kommt einem gegen Ende des Romans manches "konstruiert" vor. Legt man den Roman aber aus der Hand, merkt man, daß er etwas mit dem Leser gemacht hat. Und das kann er nur, wenn er mehr ist als nur etwas "Konstruiertes". Konstruiertes kann nur Gedanken auslösen. Der Roman aber erschüttert. Ein klares Zeichen dafür, daß Springenschmid die Lösung seiner Aufgabe gelungen ist. Obwohl man es - fast - nicht glauben kann oder will.

Und doch bleibt ein Rest. Als Leser kann man ihm alles verzeihen. Doch daß er das Schicksal eines unschuldigen Kindes in diesem Roman - am Ende des zweiten Teiles - eine solche Wendung nehmen läßt. Nachdem er es einem so ans Herz hat wachsen lassen - - - Er, der Autor, hätte doch die Freiheit gehabt, es anders zu schreiben. Warum tut er das? Mit dem Verstand ist es vielleicht zu begreifen, daß es womöglich auch noch dieser Erschütterung bedurfte bei dem gestellten Thema. - - -

Aber vielleicht spiegelt sich in der Wahl einer solchen Härte im Handlungsablauf auch noch etwas wieder von der Härte dessen, was da auch in Springenschmid selbst "neu" werden mußte, anders werden mußte in dieser Zeit. - Zusammen gefaßt: Erneut bestätigt sich, daß man kaum wertvollere Lektüre zu nennen wüßte, als Romane von Karl Springenschmid.

____________
  1. Bading, Ingo: "Das wiedergefundene Antlitz" von Karl Springenschmid (1944) - Kunstraub, Kunstschutz und Massenmord aus ungewohnter Perspektive. (GAj, 20. Juli 2010)
  2. Bading, Ingo: Costabella - Berg meiner Jugend. Auf: Studium generale, 22. November 2007, (Stg2007)
  3. Zeugnisse zu Karl Springenschmid. Auf: http://www.historisches-alpenarchiv.org/data/dokumente/main/27/00130126_m.pdf
  4. Bading, Ingo: Portrait einer Generation - "Servus Heiner" - Karl Springenschmid erinnert sich an seinen Freund Karl Heinrich Waggerl. (GAj!, 12. August 2010)
  5. Laserer, Wolfgang: Karl Springenschmid - Leben, Werke, Fotos, Dokumente. Biographie. H. Weishaupt Verlag, Graz 1987

Sonntag, 10. November 2013

Hitler war Schichtleiter bei VW in Argentinien

/Achtung, das ist einer der wenigen "Blödel-Beiträge" hier auf dem Blog. Bitte nicht so wichtig nehmen! Es gibt wahrlich Wichtigeres. Auch hier auf dem Blog./

Dieses Interview ist mir grade von Youtube "vorgeschlagen" worden. Böse, dieses Youtube*). Aber letztlich doch auch wieder nicht: "Hitler war Schichtleiter bei VW in Argentinien." Allein die Titelzeile. Hatte man es nicht immer schon gewußt? G-E-W-U-S-S-T ? Damit bestätigt sich endlich alles, was wir hier auf dem Blog immer schon geahnt hatten. Geahnt! Alles, was wir hier auf dem Blog behandelt hatten. Endlich kommt auch hier die Wahrheit ans Licht. Endlich kommt auch 3Sat auf den Trichter. Endlich. - - - Super, super, super. Einfach Klasse.

Bis 1964. Deshalb war der Käfer auch so ein Erfolgsmodell. Und konnten die Autobahnen weiterverwendet werden. Damit sie künftig als Ufo-Landeplätze dienen können und nicht überwachsen sind.

Der Führer unerkannt beim beim Radwechsel fotografiert (Wikipedia)

Der Führer war sich nicht zu schade dafür. Das kennzeichnet ihn wieder einmal so richtig. Er faßt dort an, wo Not am Mann ist. Bescheiden. Uneigennützig. Kein großes Aufsehen von sich machend. Immer nur im Dienst der Sache stehend. Damals, als Adolf Eichmann entführt wurde, hatte grade seine Schicht begonnen. Er war dort unentbehrlich. Er konnte nicht weg! Er konnte nicht weg. Sonst wäre doch alles ganz anders gekommen. Alles.

"Psychotricks für den Umgang mit Verschwörungstheoretikern"

Übrigens hat das Video unter den Youtube-Kommentatoren allerhand Verwirrung gestiftet. Darauf daß es im Rahmen der Reihe "Offenbarung 23" produziert worden ist und daß Jan Gaspard endlich auch den bekannten Schauspieler Hannes Hellmann (geb. 1954) (Wiki) für sich hat gewinnen können (siehe auch die Youtube-Seite Hellmann's), hat dort noch niemand aufmerksam gemacht **). Es ist aber doch nahe liegend, da immer wieder zwischendurch die Zahl 23 eingeblendet wird.

Und übrigens: Das neue Buch "Starrköpfe überzeugen - Psychotricks für den Umgang mit Verschwörungstheoretikern, Fundamentalisten, Partnern und ihrem Chef" wird manchem hilfreich sein:

Leugner der Evolutionstheorie, Befürworter der Homöopathie oder Impfgegner

können mit den Tipps dieses Buches zur Einsicht gebracht werden, heißt es in einer Rezension von "Spektrum der Wissenschaft" vom 30. Oktober. Aber ob in ihm auch der wichtigste Tipp enthalten ist: Dieses Buch bei Verwandtenbesuchen nicht offen in der Wohnung herumliegen lassen - ?! :-)


/ Seit 6.5.2019 nicht mehr veröffentlicht,
weil er ständig als "meistgelesener Blogartikel"
auf dem Blog auftaucht. /


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*) Ein Blogleser brachte uns erst auf den Trichter: Solche Vorschläge erhält man, wenn man zu viele Axel Stoll-Videos sieht. Womit unser Blog einmal erneut überführt worden ist .... Muß man einfach wissen!!! ;-)
**) Dieser stiere Blick. Einfach Klasse.

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

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