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Freitag, 30. Juli 2021

Ekelhafte Hintergründe zur AfD

Wie so außerordentlich ekelhaft das alles ist.

Außerordentlich ekelhaft. Es erinnert das sofort an Dinge, die uns über das Innenleben und die Hinterleute der Piraten-Partei vor einigen Jahren mitgeteilt worden sind, und die hier auf dem Blog ausgiebigst behandelt worden sind.

Oh, wie ekelhaft.

Und wie zynisch - und nicht wirklich glaubhaft und schön - das Lächeln der Alice Weidel. Und was sie alles sagt. Man höre doch mal genau zu.

Und so was will Deutschland reformieren?

So was?

Oh, Schande, Schande, Schande.

Wer dahinter steht? Geheimdienste, was sonst? Logen, was sonst? Orden, was sonst?

_______________

  1. STRG_F: Geheimes AfD-Netzwerk: was will Strippenzieher Tom Rohrböck?, 23.6.2021, https://youtu.be/MNcll9OBE1I

Mittwoch, 14. September 2016

"Völkisch" - Frauke Petry spricht sich für die Enttabuisierung eines wichtigen Begriffes aus

Der Blog "Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!" tat dies schon vor vier Jahren und löste damit Kontroversen in kirchenfreien, humanistischen Kreisen aus

Auf diesem Blog schrieben wir schon vor Jahren, dass man über die Möglichkeit eines "völkischen Humanismus" nachdenken müsse. Danke, dass nun auch die Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) so weit ist. 

Schon am 28. April 2016, einen Tag vor dem Parteitag der AfD in Stuttgart, teilte Frauke Petry auf ihrem Facebook-Account ein Foto mit der Nachricht "An den Rückzugs-Gerüchten ist nichts dran". Damit wies sie auf ein Interview hin, das sie dem RTL-Nachtjournal gegeben hatte, und sie schrieb dazu:

Außerdem rege ich im Interview dazu an, mit dem Begriff "Volk" oder "völkisch" entspannter umgehen, denn sich für das eigene Volk einzusetzen, ist die Aufgabe eines jeden Politikers und ich spreche über die Zukunft unserer Partei.

Im April reagierte die große Presse auf diese Aussage überraschenderweise nirgendwo. Erst jetzt, als Petry am 13. September diese Aussage in ähnlicher Weise wiederholt, wird sie breit in den Medien erörtert. Von wo kommt denn eigentlich diese - offensichtliche - "Presselenkung"?

Dieser Blog verwendete bis 2012 für seine Selbstbeschreibung den Begriff "völkischer Humanismus". Er bedurfte dazu nicht der Fürsprache einer Frauke Petry oder auch ihres außerordentlich zynischen (s. GAj, 7/2016) politischen Beraters Michael Klonovsky. Die Benutzung dieses Begriffes führte damals zu Erörterungen innerhalb des säkularen Humanismus in Deutschland, insbesondere in seinen Verbandszeitschriften und ihrem Umfeld. Diese Diskussion wurde hier auf dem Blog in einem Artikel ausführlicher dokumentiert (GA-j! 13.6.2013). Und dieser Artikel soll aus Anlass der aktuellen Erörterungen hier auf dem Blog noch einmal eingestellt werden. Damals, vor vier Jahren, war dieser Blog sicherlich der einzige, der diesen Begriff in positiven Zusammenhängen verwendete. Wir dürfen uns durch die derzeitigen Diskussionen rund um diesen Begriff in Deutschland in unserer damaligen Themenwahl bestätigt fühlen.

Und man möchte sagen: Wer einen Blick in die weitere geistige Entwicklung in Deutschland über die nächsten Jahre und Jahrzehnte werfen möchte, lese auf unseren Blogs. Er dürfte auf diesen auch sonst manche zukunftsträchtigeren Inhalte finden. Das liegt in der Natur der Sache, waren wir doch schon immer geistige Avantgarde. Jeder ist das im Grunde, der einen vorurteilsfreien, weltanschaulich ungebundenen Blick auf die Naturwissenschaft, insbesondere die Evolutionäre Anthropologie wirft.

Aber soweit übersehbar, gibt es zum Beispiel auch vom "Humanistischen Pressedienst" noch keine Stellungnahme zur aktuellen Debatte rund um den Begriff völkisch. Man darf auf eine solche Stellungnahme ein wenig gespannt sein. (Oder auch nicht - nämlich dann, wenn eine etwaige Stellungnahme beispielsweise von Armin Pfahl-Traughber stammen sollte .... ) Auch dieser hpd ist ja - bekanntermaßen - immer ein bisschen hinterher und gar zu oft ein wenig gar zu altbacken in den Wahrnehmungen und Argumentationsstrukturen. Und das scheint uns dann doch "Methode" zu haben. Denn viel zu viele wissen ja - gerade in diesen Kreisen -, dass es auch anders ginge.

- - - Nun die Dokumentation aus den Jahren 2011/13.

Säkularer Humanismus - kleinkariert und altbacken

Journalist Malte Jessl äußert sich denunzierend über "Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!"


für den September 2016 in den Formulierungen leicht angepasst)

Abb. 1: Kirchenfreie Gesprächrunde neulich in Deutschland (oder so ...)

Eigentlich sollte sich ein Blog wie der unsere sagen: "Jede Publicity ist besser als gar keine". Aber die "Publicity" unseres Blogs in den Jahren 2011 bis 2013 in den Verbandszeitschriften der Kirchenfreien Deutschlands und ihres Umfeldes ließ einen doch ein wenig an diesem Grundsatz zweifeln. War das alles denn nicht nur noch peinlich? Und war dieser Blog etwa schuld, damals zu solchen Peinlichkeiten Steilvorlagen geliefert zu haben (1 - 12)?

Kritikerin Adah Gleich

Im Nachgang zu den Diskussionen rund um die Facebook-Gruppe "Generation Giordano" (3 - 6) (die nach einer Art feindlicher Übernahme von den ursprünglichen Gründern neu gegründet wurde unter dem Namen "Initiative Humanismus") meinte eine Adah Gleich, uns in der Vierteljahres-Zeitschrift "Diesseits - Das Magazin für weltlichen Humanismus", herausgegeben vom "Humanistischen Verband Deutschlands", erwähnen zu müssen mit dem Satz (9):

An anderer Stelle appellierte Ingo Bading, Gründungsmitglied der "Initiative Humanismus", im Namen der "intellektuellen Freiheit" gar für die Aufhebung der Strafe für Holocaust-Leugnung.

Aber hallo. Wie konnte er nur. Diese Erwähnung unserer Wenigkeit erfolgte unter dem Titel "Rechtspopulismus in der säkularen Szene" (9). Im gleichen Aufsatz, bzw. im gleichen Heft sind übrigens neben diesem Blog gleich drei der altbekannten Kollegen und Freunde dieses Blogs erwähnt, bzw. wurden sie interviewt. Nämlich Michael Blume ("Natur des Glaubens"), Edgar Dahl ("Libertarian") und Frank Berghaus ("Wissen bloggt"). Und es war da doch interessant zu sehen, wer von uns vieren des "Rechtspopulismus" verdächtigt wurde und wer interviewt wurde. Der einzige Christ von diesen vieren, nämlich Michael Blume, erhielt zu seinem Standardthema - "Religiöse haben mehr Kinder als Atheisten" - ein ganzes Interview. Die drei Nichtchristen und Christentumskritiker unter diesen vieren - nämlich Edgar, Frank und ich, Ingo Bading - wurden des Rechtspopulismus verdächtigt. Damals hatten die beim "Humanistischen Verband Deutschlands" offenbar nichts Besseres zu tun. Schon bei dieser Gelegenheit gab es also sicherlich genug Anlaß zu der Frage, ob das nicht alles nur noch peinlich ist.

Der Artikel von Adah Gleich wurde zwar in der konkurrierenden, vierteljährlich erscheinenden Verbandszeitschrift des 1976 gegründeten "Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten e. V. (IBKA)" (nämlich des "MIZ - Materialien und Informationen zur Zeit - Politisches Magazin für Konfessionslose und AtheistINNen") von Chefredakteur Gunnar Schedel eher in die Rubrik "Denunziation" als in die Rubrik "Aufklärung" eingeordnet (10). (So jedenfalls die beiden Begriffe des Titels seines Artikels [10]). Aber auch damit sollte noch nicht das letzte Wort in dieser peinlichen Erörterung gesprochen sein. Der Artikel von Gunnar Schedel rief in der gleichen Zeitschrift "MIZ" dann wieder einen Artikel eines Diplom-Biologen und Wissenschaftsjournalisten aus Mainz, bzw. Wiesbaden auf den Plan. Nämlich eines Malte Jessl (geb. 1979) (11).

Kritiker Malte Jessl

Jessl findet nun sowohl die Artikel von Adah Gleich wie von Gunnar Schedel oberflächlich. Und glaubt nun selbst natürlich wesentlich gründlicher und grundlegender zu argumentieren. Nein, sagt er, die säkulare Szene wird nicht "rechtspopulistisch unterwandert". Ja, meint er, die säkulare Szene und ihr "Aushängeschild", die Giordano Bruno-Stiftung - unternehmen aber dennoch eine "Gratwanderung" hart entlang des Abgrundes genannt "Biologismus". /... Freu! .../

Und im Mittelpunkt seines Artikels stand nun niemand geringerer als der Blog "Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!". Weil wir uns - zugegeben! - den Anliegen der Giordano Bruno-Stiftung sehr verbunden fühlen. Und das nicht erst seit 2012. Sondern schon spätestens seit der Zeit als der Bloginhaber feststellte, dass auch sein früherer Doktorvater, der Humansoziobiologe Eckart Voland, dort mitmachte.

Egal. Malte Jessl's Artikel ist nun jedenfalls nicht viel weniger peinlich und oberflächlich als der von Adah Gleich. Aber ihn deshalb hier auf dem Blog ganz unbehandelt lassen geht auch nicht. Der Artikel von Malte Jessl hat zwar inzwischen eine verdiente Abfuhr durch Harald Stücker erfahren, auf den dann auch der "Humanistische Pressedienst" von Carsten Frerk von der Giordano Bruno-Stiftung hingewiesen hat (12). Damit kann man sich schon viele grundlegendere Einwände gegen Malte Jessl an dieser Stelle sparen. Allerdings geht Stücker auf viele Einzelheiten nicht ein. Dafür hat er wohl auch keinen Anlass. (Obwohl auch Stücker, den wir ebenfalls bislang noch nicht kannten, von Adah Gleich unter die "Rechtspopulisten" eingeordnet worden war. Denn das geht heutzutage ziemlich schnell ... Und wir haben hier noch längst nicht alle genannt, die von Adah Gleich unter diese Rubrik eingeordnet worden waren. Ist wohl auch nicht besonders wichtig. Sondern eher peinlich.)

Der Artikel von Malte Jessl - er kann vollständig im Netz nachgelesen werden (11) - bewegt sich entlang der "exemplarischen" "ideologischen" Einordnung von drei Personen:

Lauter Leute, die der Naturwissenschaft zumindest sehr nahe stehen. Kritisierenswert findet Malte Jessl aber auch manche Äußerungen  

Die schon tausendmal zwischen zwei Menschenkiefern zerkaute Grundthese von Malte Jessl lautet so langweilig, ja, peinlich wie eh und je: die Giordano Bruno-Stiftung unternimmt mit solchen, soeben aufgezählten "Freunden" eine "Gratwanderung" entlang des Abgrundes "Biologismus". Eine Gratwanderung, die "nicht immer gelingt". So unkt Malte Jessl mit besorgtem, erhobenem Zeigefinger.

Vorweg sei gleich genommen: "Biologismus" ist ein bloßes, nichtssagendes Schlagwort, worauf schon Harald Stücker hinwies. Wenn nicht "Totschlagwort". Mit ihm ist in der Sache gar nichts gesagt. Malte Jessel konkretisiert deshalb sogar. Unter "Biologismus" versteht er den "Biologismus der 'Warum-Frauen-immer-Schuhe-kaufen-Schublade'." Ach ja! Und wer hätte jetzt noch Lust, dazu etwas zu sagen? Hallo? Wir befinden uns in einer Szene gebildeter Leute. Wie Harald Stücker schon sagte, sind das Diskussionen - Entschuldigung! - der 1970er Jahre. Inzwischen sind sage und schreibe vierzig Jahre ins Land gegangen. Mit welchen altbackenen Uralt-Humanisten bekommt man es denn hier zu tun? Gibt es einen solchen altbackenen Humanismus noch in angloamerikanischen Ländern? Etwa rund um Richard Dawkins? Man kann es sich fast kaum noch vorstellen. Aber möglich ist alles.

Thomas Junker, Sabine Paul und Ulrich Kutschera sind im übrigen in säkularen, humanistischen Kreisen genügend bekannt und anerkannt, als das sie sich selbst oder als dass andere sie in dieser Sache gegen einen Malte Jessl noch groß verteidigen oder in Schutz nehmen müssten. (Anmerkung 2016: Ist auch seither - soweit uns bekannt - nie geschehen. Wer hat Malte Jessl seither überhaupt in einer solchen Sache ernst genommen? Uns ist niemand bekannt.)

Kritisiert: Armin Geus

Hingegen werden die Namen Armin Geus und Remigius Geiser nicht jedem so geläufig sein wie die erstgenannten. Dem Autor dieser Zeilen jedenfalls waren sie ganz neu. Interessant also, wen da der Wissenschaftsjournalist Malte Jessl alles aufstöbert unter den Mitgliedern des Förderkreises der Giordano Bruno-Stiftung. Wie er das wohl wieder rausgekriegt hat? (2016: Malte Jessl übrigens arbeitet bis heute, 2016, für die Wissenschaftsredaktion von 3Sat und wir gehen davon aus, dass er dort auch - wie schon früher - so manchen guten Beitrag erarbeitet und veröffentlicht haben wird. Nur mit weltanschaulich-politischen Einordnung naturwissenschaftlicher Aussagen hat er es nicht so, das ist der einzige Kritikpunkt, der in diesem Blogartikel von 2013 gegen ihn vorgebracht wurde.)

Man lernt ja immer gern dazu. Mit Geus und Geiser also werde ich, Ingo Bading, von Malte Jessl in eine Reihe gestellt. Also sollte ich mir diese beiden "Kameraden" und "MitfalscheFreundederGBS" wohl einmal genauer anschauen.

(Das geht aber nicht von heute auf morgen. Im folgenden nur der Zwischenstand des Jahres 2013, seither kam es unsererseits zu keiner weiteren Beschäftigung mit der Biographie und dem Lebenswerk dieser beiden Personen.) Das Schlimme an Armin Geus sollte nach Malte Jessl sein, dass er 2008 einen Sammelband zur Islamkritik herausgebracht hat, in dem er neben Texten von Ralph Giordano, Thomas Junker, Hubertus Mynarek, Klaus Rainer Röhl auch Texte des Journalisten Dr. Günter Zehm (geb. 1933) und des Sozialphilosophen Professor Günter Rohrmoser (1927-2008) aufgenommen hatte. - Ja, du liebe Güte!, möchte man sagen. Wenn der gute Malte Jessl weiter keine Probleme hat. Das kann einem einfach viel zu billig sein, über einen solchen Umstand überhaupt irgend ein Wort zu verlieren.

Höchstens wäre hier der Wunsch zum Ausdruck zu bringen, dass Armin Geus nun zusammen mit Günter Rohrmoser dann gleich auch noch einen Sammelband zur Christentumskritik oder zur Kritik von "Gotteswahn" überhaupt herausgebracht hätte (*freundlich lächel oder grins*). Hätte einen schon interessiert, ob der gute Rohrmoser und Horst Mahler-Freund da ebenso fröhlich mitgemacht hätte. (Man darf vermuten: nicht.) Rohrmoser steckt(e) tief drin in der christ-katholischen Lobby. Für die nichts so kennzeichnend ist wie seine Freundschaft mit dem RAF-Terroristen und Stasi-Mitarbeiter Horst Mahler. Wenn sich Armin Geus von solchen Leuten die "Schwesterreligion" des Christentums "kritisieren" lassen will, soll er das doch tun. Aber man darf zunächst einmal davon ausgehen, dass Armin Geus noch andere Verdienste hat, als solcherlei, Verzeihung: ... Merkwürdigkeiten. Über die ich kein Wort verlieren würde. Nun, Malte Jessl hat halt so seine eigenen Sorgen, wenn er an die Giordano-Bruno-Stiftung denkt, benannt nach einem der größten Freigeister der Geschichte der Menschheit. (Ach je, wie kleingeistig erscheint einem das alles, wenn man sich nur einmal an diesen Geistesriesen und Feuergeist aus Italien erinnert ...)

Ja, man kann - "besorgt"! - einzelne Worte oder Taten einzelner Personen kritisieren. Aber diese Pauschalverurteilungen und -verdächtigungen, weil "mal der mit dem" usw.. Das sollte eigentlich einer freigeistigen Aufbruchbewegung unwürdig sein. Wer das nicht unwürdig findet, den kann ich gar nicht als jemanden empfinden, der sich einen gesellschaftlichen Aufbruch wirklich wünscht. Wollen wir eine derartige Gesellschaft "des Verdachts"? Hat da noch jemand Vertrauen in das Gute im Menschen? Oder herrscht das Ressentiment vor?

Kritisiert: Remigius Geiser

Und daß Remigius Geiser von Malte Jessl unredlich zitiert wird, kann jeder überprüfen, der den von Malte Jessl zitierten Text selbst liest (1) und sich nur ein wenig mit soziobiologischer Literatur auskennt. Geiser macht darin in der Tat eine eugenisch klingende Äußerung. Jessl zitiert aber nicht, daß Geiser dann weiter schreibt:

Man muß diese Vorhaltungen wissenschaftlich ernstnehmen, aber es gibt auch Gegenargumente.
Und weiter heißt es unter anderem:
Und drittens besteht neuerdings die Aussicht, daß die ganze Frage insgesamt irrelevant wird.
Nun, das klingt doch dann schon wesentlich differenzierter, als Malte Jessl es darstellt. Wie Jessl auch überhaupt nicht herausstellt, dass - wie an dieser Stelle - auch sonst der Text von Remigius Geiser ein nur deskriptiver (wissenschaftliche Theorien und Fakten referierender) Text ist. Ein Text, der unter der Berücksichtigung seiner letzten Sätze gelesen werden muss:
Es stimmt, die Soziobiologie ist die ultimative Herausforderung der menschlichen Sozialphilosophie. Sie ist eine völlig neue Weltanschauung, ein neues System der Welterklärung. Die "darwinische Revolution" (Richard Dawkins) ist eine ideologische Revolution von fundamentaler gesellschaftspolitischer Relevanz. Die bisher dominierenden Weltanschauungen (= Memplexe) werden nicht nur herausgefordert, sondern vielleicht sogar tödlich getroffen. Klar, dass sie sich zur Wehr setzen.
- Warum denkt man bei einem solchen Satz jetzt an Malte Jessl? Weiß man eigentlich nicht so recht (*freundlich grins*). Geiser jedenfalls weiter:
Die Menschheitsgeschichte bietet immer wieder interessante Überraschungen, unvorhergesehene Wendungen, unberechenbare Entwicklungen und eine ungewisse Zukunft. Wir stehen jetzt an einem Punkt, wo der Mensch sich der egoistischen Basis seines gesellschaftlichen Handelns voll bewusst wird. Mal sehen, was er daraus macht ...
Abb. 2: Richard Dawkins - er ist dort, wo es nötig ist

Wie wahr. Und sehr richtig: "Mal sehen, was er daraus macht." So lautet der letzte Satz von Geiser in einem 36-seitigen Manuskript. Geiser behauptet also nicht von sich, auf die von ihm bloß referierte "ultimative Herausforderung der menschlichen Sozialphilosophie" in Form der Soziobiologie eine befriedigende Antwort zu wissen. Welcher Schluß also vom Sein zum Sollen gezogen werden soll, läßt er in den meisten Fällen ganz offen. Oder er gibt von sich aus nur vage Lösungsvorschläge.

Was ja zunächst einmal auch gut ist, um überhaupt unsere Erkenntnisse über das Sein ergebnisoffen zur Kenntnis nehmen zu können. Und tatsächlich ist das ja die Frage, die so viele von uns umtreibt: "Mal sehen, was er daraus macht". Dieser Mensch von heute, dessen Denken und Instinkte vom Geist des Alten Testamentes noch immer tief durchtränkt sind. Da bestehen durchaus Gefahren, in der Tat. Und um diesen zu begegnen, nennen wir uns Humanisten und identifizieren wir uns mit Humanismus. Ich denke, das gilt auch für Remigius Geiser. Jedenfalls konnte mich Malte Jessl mit seinen kurzen Zitaten keineswegs vom Gegenteil überzeugen. Remigius Geiser ist kein "falscher Freund" des Humanismus. Wer das nachweisen will, muß anders argumentieren, als Malte Jessl.

Zwischenbemerkung: Altruismus wird durch die Soziobiologie erklärt, nicht "entzaubert"

Wobei langjährige Leser dieses Blogs wissen, daß wir schon den Grundansatz des Redens von "egoistischen Genen" - also auch den Grundansatz des Textes von Remigius Geiser - für verfehlt halten. Diese Begrifflichkeit stammt von Richard Dawkins, der bei all seinen Verdiensten keinen Unfehlbarkeitsanspruch aufgestellt hat. Dieser wird ihm auch von niemandem zugesprochen. Dawkins ist auch nicht der Begründer der Soziobiologie. Sondern nur ihr bekanntester Popularisierer (neben Edward O. Wilson).

Das Verhalten, das durch die Grundtheoreme der Soziobiologie erklärt werden soll, ist vielmehr altruistisches. Daß dieser (phänotypische) Altruismus durch eine naturwissenschaftliche Erklärung auf der Ebene der Gene "entzaubert" werden könnte, ist eine weit verbreitete Einschätzung, die in unserer atheistischen Gesellschaft auch besonders gut ankommt. Sie ist aber eine interpretatorische Vorwegnahme, die uns die Natur selbst und auch die Grundtheoreme der Soziobiologie wie sie in mathematischer Form vorliegen, nicht aufdrängen. Natürlich muß alles, was in der Natur existiert, genetisch überleben. Sonst würde es ja in der Natur nicht vorkommen. Und deshalb dürfen die Lebensprinzipien der Natur nicht mit dieser Rationalität im Widerspruch stehen. Darauf gründet das Denken der Soziobiologie.

Abb. 3: Simon Conway Morris

Daß das genetische Überleben aber das einzige Lebensprinzip in der Natur sein soll, ist ein Mythos, den auch der Begründer der Soziobiologie, William D. Hamilton, nie vertreten hat. Im Gegenteil. Er hat ähnlich wie etwa Isaac Newton immer betont, daß er glaubt, daß die Welt so wunderbar ist, daß sie sich nicht durch wenige mathematische Formeln entzaubern läßt (13). Es handelt sich jedoch um einen von Richard Dawkins formulierten Mythos, den auch Remigius Geiser ein wenig gar zu drastisch und übertrieben darstellt.

Wobei Richard Dawkins selbst schon längst viel weiter ist. Andere Lebensprinzipien der Evolution werden heute etwa mit dem allseitig vorkommenden Tatbestand von "konvergenter Evolution" erforscht. Simon Conway Morris schließt aus dem allseitigen Vorkommen derselben auf eine Zielgerichtetheit der Evolution (gegen Stephen Jay Gould's "Zufall Mensch"). Und Richard Dawkins schrieb schon 2004 im abschließenden Kapitel seines schönen Buches "Ancestors Tale", daß er grundsätzlich Conway Morris darin folgen könne. Dawkins denkt also viel ergebnisoffener als viele seiner stiernackigen Anhänger.

Kritisiert: Ingo Bading

Nun aber weiter im Text von Malte Jessl. Vorweg sei noch bemerkt, daß wir nach den Diskussionen rund um "Generation Giordano" (4 - 6) eine Zeit lang einmal versucht haben, den diffamierend gegen die Giordano Bruno-Stiftung angewandten Begriff "völkischer Humanismus" positiv zur Beschreibung unseres Blogs zu verwenden (7). Nachdem im April 2013 schon Facebook-Freundin und Blogleserin Nina Hagen die Verwendung dieses Begriffes kritisiert hat, haben wir ihn jetzt - ja, nach der Lektüre des Artikels von Malte Jessl! - wieder aus der Selbstbeschreibung des Blogs entfernt. Denn offensichtlich verleiten wir Kritiker unseres Blogs mit der Verwendung dieses Begriffes zu zu oberflächlichem Denken und Wahrnehmen. Während wir das genaue Gegenteil mit der Verwendung dieses Begriffes hatten erzielen wollen (7). Deshalb also jetzt nicht mehr in der Selbstbeschreibung. - Ob wohl der ganze Artikel von Malte Jessl geschrieben worden wäre - hätte geschrieben werden können -, wenn wir auf die Verwendung dieses Begriffes von vornherein verzichtet hätten? Jedenfalls setzt er seinen Artikel folgendermaßen fort:

Von der Evolution zum „Volk“
Zugestanden werden muss Geiser allerdings, dass er sich zumindest recht deutlich gegenüber Nationalismus und Rassismus abgrenzt.
Eine solche Abgrenzung ist nicht die Sache von Ingo Bading, auf den Adah Gleich auch kurz in ihrem Artikel eingeht. Bading ist Gründungsmitglied der Initiative Humanismus und Mitverfasser des „Manifests“ der Gruppe. Gleich wirft Bading – und hier zeigt sich wieder die Oberflächlichkeit ihrer Kritik – lediglich vor, dass er die Strafbarkeit der Holocaustleugnung ablehnt ...
In einer Anmerkung schreibt Jessl dazu: "Diese Position teilt Bading mit so unterschiedlichen Autoren wie Henryk M. Broder und Noam Chomsky, entsprechend wenig sagt sie also über seinen ideologischen Hintergrund aus." Eine sehr informierte Anmerkung, aus der sogar wir noch etwas lernen. Warum ist Diplom-Biologe Malte Jessl sonst nicht so gut informiert? Er fährt dann nämlich fort:
... und bemerkt dabei gar nicht die wirklich bedenklichen Aspekte seiner Ideologie. Auf Badings „Weltnetzseite“ [sic!] Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt ist folgende Selbstdarstellung zu lesen:
„Dieser Blog vertritt einen völkischen Humanismus, weil er mit den Erkenntnissen der Evolutionären Anthropologie und Humangenetik weiß, dass die Humanevolution bisher immer in Völkern stattgefunden hat und – ganz offensichtlich – auch künftig stattfinden wird. Und für diese Erkenntnis muss es einen Namen geben. Völkischer Humanismus scheint uns der geeignete dafür zu sein.
Die öffentliche Debatte rund um das Buch von Thilo Sarrazin ‘Deutschland schafft sich ab’ bewegte sich sowohl in ihrem rationalen wie in ihrem emotionalen Kern rund um diese sowohl natur- wie kulturwissenschaftliche Erkenntnis.
Es muss einfach verstanden werden, dass konsequent vertretener Evolutionärer Humanismus (EH) per se politisch unkorrekt ist, unter anderem deshalb, weil die Natur, Evolution und Humanevolution selbst sich nicht an politische Korrektheit gehalten haben und weil politische Korrektheit direkt in ‘Controlled Demolition’ ganzer fortschrittlicher Gesellschaften führt. Unter anderem weil EH deshalb zwangsläufig nicht nur Religions-, sondern auch Ideologiekritik mit einschließt und einschließen muß. Und unter anderem weil EH deshalb spätestens seit K.-H. Deschner und Colin Goldner, Robert Trivers, Richard Dawkins, Noam Chomsky, Kevin MacDonald, James Watson und vielen anderen auch immer Hintergrundpolitik- und Lobbymächte-Kritik mit einschließen muss.
Die Humanevolution fand 200.000 Jahre lang in Stämmen und Völkern statt. Es besteht viel Anlass dafür zu vermuten, dass die Weltall-Entstehung und die Evolution zielgerichtet erfolgt sind, was auch Richard Dawkins für möglich hält. Wenige andere Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft werden heute von allen globalisierenden Priestern und Ideologen mehr gefürchtet, als diese, denn mit ihnen ist ihnen ihre ‘Sinngebungs’-Funktion vollständig entzogen.
[...]
Multikulturelle Gesellschaften sind jene Gesellschaften, die weltweit am schlechtesten funktionieren (Robert Putnam) und die außerdem der Humanevolution nicht ausreichend Material geben, denn Humanevolution findet auf mehreren Ebenen statt, nicht nur auf der individuellen, sondern auch auf Gruppenebene, wie die Humangenetik allerseits derzeit besser erkennt.
Dies ist deshalb ein Blog wider das von Lobbymächten aufrecht erhaltene ‘Wissensgefälle’ zwischen Eliten und Volk. Ein Blog wider die zahlreichen gesellschaftlichen Selbstmordprogramme der intellektuellen Eliten.“ (Rechtschreibfehler korrigiert)
Es bleibt jedem selbst überlassen, wo genau zwischen den Eckpunkten „völkische Ideologie“, „Verschwörungstheorie“ und „geistige Verwirrung“ Bading einzuordnen ist. Dass seine Positionen indiskutabel sind und rein gar nichts mit Aufklärung und emanzipatorischer Religionskritik zu tun haben, sollte aber schon nach Lektüre dieser wenigen Zeilen klar sein – zahllose weitere Belege dafür lassen sich auf seinem Blog finden.

Was nun eigentlich an dieser Selbstdarstellung rein sachlich, inhaltlich "bedenklich" ist, was "indiskutabel" ist, was "geistige Verwirrung" darstellt, was "rein gar nichts mit Aufklärung und empanzipatorischer Religionskritik zu tun hat", sagt Malte Jessl nicht. Ihm ist es "schon nach Lektüre dieser wenigen Zeilen klar".

"Zahllose weitere Belege dafür lassen sich auf seinem Blog finden," unkt er noch weiter. Nun. Wenn er es nicht begründet, gibt es auch keinen Anlass, ihm zu begründen, warum wir das natürlich nicht so sehen.

Warum soll eigentliche eine Abgrenzung von Nationalismus und Rassismus "keine Sache von Ingo Bading" sein? Hat Malte Jessl zahllose Artikel dieses Blogs nicht gelesen? Wir grenzen uns sogar nicht nur von Nationalismus und Rassismus ab. Wir fragen auch: Wo kommen sie her? Und zwar in ihrer fürchterlichsten geschichtlichen Ausprägung. Und wir haben hier die Moral und Ideologie des Alten Testamentes identifiziert, auf der sich alle drei großen Weltreligionen gründen. Und wir haben die Moral und Ideologie völkischer, freimaurernaher Okkultlogen während des 20. Jahrhunderts dafür ausgemacht. All das braucht ja Malte Jessl nicht zu erwähnen, wenn er uns mangelnde Abgrenzung von Nationalismus und Rassismus vorwirft.

Gruppenselektion - Dieser Blog steht für Wissenschaft, nicht Ideologie

Um es aber auch noch einmal einem Malte Jessl klar zu sagen: Wir weisen es überhaupt entschieden zurück, dass wir eine "Ideologie" vertreten. Dass Evolution und Humanevolution Gruppenevolution sind, ist nicht "Ideologie", sondern eine in der Wissenschaft immer noch heiß erörterte Frage. Malte Jessl sollte schon davon gehört haben. Wenn nicht, sollte er schweigen. Denn schon an der Dauer der innerwissenschaftliche Diskussion rund um diese Fragen wird deutlich, dass diese Frage keine wissenschaftliche "Eintagsfliege" ist. Sie wurde von Charles Darwin höchstselbst in den Ring geworfen. Wie man schon am Untertitel seines Hauptwerkes ablesen kann.

Sie erfuhr dann von eben jenem eigentlichen Begründer der Soziobiologie William D. Hamilton erstmals in der Wissenschaftsgeschichte eine Zurückweisung (1964). Durch diese Zurückweisung wurde die Soziobiologie einstmals begründet. Im Jahr 1964. Und sie wurde von demselben innovativen Denker (!) nur wenige Jahre später (um und nach 1967), zusammen mit George R. Price wieder aufs Tapet zurück gebracht. Einfach durch mathematische Herleitung. Nicht durch irgend ein "Wunschdenken" (vgl. die wunderbaren autobiographischen Texte in "Narrow Roads of Gene Land" dazu [13]). Price war sicher der letzte, der mit einem solchen Ergebnis seiner Price-Gleichung gerechnet hatte. Und das alles geschah zu einer Zeit, als alle Welt noch Mühe hatte, die ursprüngliche Hamilton'sche Zurückweisung der Gruppenselektion nachzuvollziehen. So "gegenläufig" kann Wissenschaftsgeschichte sein.

Aber die Neuformulierung der Gruppenevolution durch William D. Hamilton und George Price hat seither mit Soziobiologen wie David Sloan Wilson und zahllosen anderen, schließlich sogar mit Edward O. Wilson ständig mehr Anhänger hinzugewonnen. Sie steht heute in der Mitte der soziobiologischen Forschung. Nur wird sie heute oft auch unter Begriffen wie "Superorganismus" erörtert. (Ein Ameisenstaat, ein Bienenvolk und natürlich auch eine menschliche Gesellschaft sind "Superorganismen".) Oder unter dem Begriff "multi-level-selction" (Mehr-Ebenen-Selektion). Von einem Diplom-Biologen wie Malte Jessl darf man erwarten, dass er sich zuvor informiert, bevor er, was diese Themen betrifft, von "Ideologie" spricht. Auf unserem Wissenschaftsblog "Studium generale" behandeln wir diese Fragen schon in der Kurzbeschreibung. Warum ist eigentlich nicht diese Kurzbeschreibung von Malte Jessl zitiert worden?

Mag ja sein, daß für Malte Jessl die ganze Soziobiologie "Ideologie" ist. So ein bischen klingt das bei ihm durch. Aber dann sollte er das auch so sagen. Oder liegt die "geistige Verwirrung" womöglich auch sonst auf seiner Seite? Nämlich in der Form, daß er von den eben genannten Entwicklungen noch nicht besonders viel sollte mitbekommen haben? Daß er nichts gehört hat von "Lewontins Fehlschluß", von der "Naturgeschichte der aschkenasisch-jüdischen Intelligenz", von der Aussage von Stephen Pinker im Jahr 2006, daß die "gefährlichste Idee der nächsten zehn Jahre" die Idee von den angeborenen Begabungsunterschieden zwischen den Völkern wäre?

Und warum soll es - womöglich - ein Zeichen für "geistige Verwirrung" darstellen, wenn man sich auf Robert Putnam beruft, den Autor von "Bowling Alone"? Den Erforscher multikultureller Gesellschaften? Wer ist hier geistig verwirrt oder überfordert? - Das Reden von "geistiger Verwirrung" ist im übrigen beleidigend.

Nachtrag (18.6.2013)

Wie wir erst nachträglich - und gewiß auch zu unserer Beruhigung feststellten - scheinen Adah Gleich und Malte Jessl innerhalb der GBS selbst nicht unumstritten zu sein. Rechtfertigte doch Malte Jessl vor einem Monat in einem "Diskussionsbeitrag" auf der Seite des von der GBS gegründeten "Humanistischen Pressedienstes" (14) - offenbar insbesondere gegenüber Michael Schmidt-Salomon persönlich - einmal erneut seine sehr pauschalen "Biologismus"-Vorwürfe im Grunde gegen einen großen Teil der Evolutionären Psychologie überhaupt.

Es steht nicht zu vermuten, daß er mit diesen neuerlichen Äußerungen sich gegenüber der Mehrheit der Leser überzeugender äußern würde, als mit seinen bisherigen. Und nicht die Glaubwürdigkeit der säkularen Szene steht auf dem Spiel, wie Malte Jessl darin unkt, sondern viel mehr seine eigene. Wie man ihm nur sehr ernsthaft raten kann. - Zum Beispiel: Hypothesen sind in der Wissenschaft dazu da, überprüft und danach angenommen oder verworfen zu werden. Jessl führt aber in seinem Artikel einige Hypothesen nur ganz kurz an, die er schon ohne empirische Überprüfung als "absurd" und damit offenbar gar nicht erst der Überprüfung für wert empfindet. (So wie er das ja oben auch gegenüber unserer Blogbeschreibung tat.) Eine dieser Hypothesen stammt noch dazu von dem verdienten Evolutionären Psychologen Edward O. Wilson persönlich.

So arbeitet aber die Wissenschaft nun einmal nicht. Und schon gar nicht die Soziobiologie. Richard Dawkins schreibt in seiner Neuauflage von "Das egoistische Gen", daß er inzwischen davon überzeugt worden wäre, daß einige Theorien, die er zuvor für zu "verrückt", zu "verstiegen" gehalten hatte, um wahr zu sein, nun doch für wahr halten würde. Und zwar im Zusammenhang mit seiner Behandlung des von Amoz Zahavi in die Wissenschaft eingeführten "Handicap-Prinzips". Konrad Lorenz hinwiederum übte sich darin, jeden Morgen eine seiner "Lieblingshypothesen" zu verwerfen. Das würde geistig frisch halten.

Vielleicht sollte sich Malte Jessl einfach für ein halbes Jahr einmal monatlich in das Doktoranden-Seminar des von ihm schon interviewten (15) Eckart Voland in Gießen setzen. Vielleicht bekommt er dabei dann ein besseres Gefühl dafür, wie man heutzutage sinnvoll in und mit - oder gerne auch gegen - die Soziobiologie oder soziobiologisches Forschen argumentieren kann. Und wie nicht. Auch Abstract-Bände von jährlichen Tagungen der US-amerikanischen "Human Behavior and Evolution Society" (HBES) oder ihres deutschen Ablegers, der "MVE-Liste" (auch einen europäischen Ableger gibt es) könnten hierfür dienlich sein. Welch eine Fülle von zum Teil schrillen und verstiegenen Thesen findet man da alljährlich behandelt. Das ist geistig durch und durch erfrischend. Das ist doch das Schöne an dieser Wissenschaft, dass sie noch jung ist und dem Ideenreichtum vielfältigsten Spielraum lässt.

Im Grunde verwundert der Eifer von Malte Jessl. Schließlich hat er als Journalist und Wissenschaftsjournalist doch ansonsten schon manches durchaus Beachtliche veröffentlicht, wie eine Netzsuche ergibt (16 - 21). Wir selbst, so erfahren wir dabei auch, zitierten ihn schon im Jahr 2008 im Zusammenhang mit einer uns sehr wichtigen Thematik (nämlich dem Zusammenhang zwischen Monogamie und der Evolution von Altruismus - - - der auch neuerlich im Jahr 2016 weitere wissenschaftliche Bearbeitung erfährt, siehe die Arbeit der verdienstvollen Kollegin Jacqueline Dillard in The Scientist, 1.8.2016).

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Literatur 

  1. Geiser, Remigius: Alles nur schnöder Egoismus - die biologischen Grundlagen des menschlichen Soziallebens. In: In Familie und Gesellschaft. (= Bräuche im Salzburger Land. Zeitgeist/Lebenskonzepte/Rituale/Trends/Alternativen. CD-ROM 3) Hrsg. Lucia Luidold und Ulrike Kammerhofer-Aggermann Redaktion: Melanie Lanterdinger. (= Salzburger Beiträge zur Volkskunde 15) Salzburg 2005; auch auf: http://remigius.org/
  2. Jessl, Malte: Das Gehirn im Doppelpack. Rezension von Hans G. Gassen "Das Gehirn". In: Spektrum der Wissenschaft, 2. 8. 2008 (weitere Artikel und Rezensionen in "Spektrum d.W." und in "Gehirn & Geist", 2008)
  3. Bading, Ingo: Mit Facebook-Demokratie wider die Macht von Lobbygruppen! GA-j!, 15. Oktober 2011
  4. Bading, Ingo: "Generation Giordano" - inmitten einer Wolke aufgewirbelten Staubes. "In erster Linie bin ich Humanist und Menschenfreund. Für mich gibt es keine Völker, sondern nur Menschen." (David Farago) GA-j!, 18. Oktober 2011
  5. Bading, Ingo: "Die Anerkennung biologisch-kultureller Evolution mit allen ihren beobachtbaren Unterschieden gehört zum Wesen des Humanismus." Lichten sich die Staubwolken rund um "Generation Giordano"? GA-j!, 21. Oktober 2011
  6. Gleich, Adah; Navissi, Frank: Wirbel um die Generation Giordano. In: MIZ 4/2011 (Materialien und Informationen zur Zeit) 
  7. Bading, Ingo: Ist Evolutionärer Humanismus "völkischer Humanismus"? Auf: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!, 18.11.2012
  8. Stücker, Harald: Angst vor der Ungleichheit. Auf: Evidenz-basierte Ansichten, 21.1.2012
  9. Gleich, Adah: Woher der Wind weht - Rechtspopulismus in der säkularen Szene. In: diesseits – Das Magazin für weltlichen Humanismus, September 2012 (Editorial) (s.a. Wissenbloggt) [vollständiger Text kann auf Anfrage vom Blogautor zugesandt werden]
  10. Schedel, Gunnar: Aufklärung und Denunziation. In: MIZ 3/2012
  11. Jessl, Malte: Falsche Freunde. Rechte in der säkularen Szene sind selten, aber ein deutliches Zeichen für eine falsche Außenwirkung. In: MIZ 4/2012
  12. Stücker, Harald: Politisch korrekt und moralisch orientierungslos. Auf: Evidenz-basierte Ansichten, 13. 2. 2013; auch auf Freidenker.at, 13.2.2013; auch auf: Humanistischer Pressedienst, 10.6.2013  
  13. Hamilton, William D.: Narrow Roads of Gene Land. Vol. 1. Oxford University Press, Oxford 1996
  14. Jessl, Malte: Das Kreuz mit der Biologie. Diskussion. Humanistischer Pressedienst, Nr. 15885, 10.05.2013
  15. Jessl, Malte: Irrtum Sozialdarwinismus. Charles Darwin zum 200. Geburtstag (5). HR 2 Wissenswert, Freitag, 13.02.2009 (Audio) (pdf
  16. Jessl, Malte: "Im Namen des Islam werden im Iran Frauen hingerichtet" - Shahnaz M., vor 20 Jahren aus dem Iran geflüchtet, kritisiert die Religion aufs Schärfste. In: Frankfurter Rundschau, 4.4.2007
  17. Jessl, Malte: Ernst Haeckel - Darwins Prophet. Charles Darwin zum 200. Geburtstag. HR 2 Wissenswert, 16.02.2009 (Audio)
  18. Jessl, Malte: Der Mann, der uns zum Affen machte. Zum 175. Geburtstag von Ernst Haeckel. In: Spektrum der Wissenschaft, 13.2.2009Die Welt, 16.2.2009 
  19. Jessl, Malte: Warum die Sprache der Musik universell ist - Ein Stamm in Afrika hörte jetzt erstmals Elvis und die Beatles. In: Die Welt, 23.3.2009Berliner Morgenpost, 23.03.2009 
  20. Jessl, Malte: Debatte über den Ursprung der Menschenrechte. Veranstaltungsbericht. Humanistischer Pressedienst, Nr. 8193, 11.11.2009
  21. Jessl, Malte: Eine angeknabberte Plastiktüte. 3-Sat, 16.7.2012  

Sonntag, 24. Juli 2016

AfD - Aus welcher Geschichte willst Du lernen?

Verschwörungstheorien - Wichtiger Teil politischer Bildungsarbeit 

Ein Beitrag für AfD-Mitglieder und alle anderen Deutschen. In ihm sollen einmal einige Gedanken zur allgemeinen politischen Bildung vorgetragen werden, Gedanken, bezüglich denen bei Deutschen aller Art sehr viel Nachholbedarf besteht, ein Nachholbedarf, der weder durch die Bundeszentrale für politische Bildung, noch durch Stammtisch-Parolen gedeckt werden kann. In diesem Beitrag soll hierbei nur einmal ein wesentlicher Punkt aus diesem Bereich grundlegender politischer Bildung, bezüglich dessen es Nachholbedarf zu geben scheint, herausgegriffen werden. 

Es gibt zu fast jedem Thema der Zeitgeschichte eine offizielle Verschwörungstheorie. Zum Beispiel die folgende: "Adolf Hitler und die Deutschen haben sich gegen den Weltfrieden verschworen." Und diese eine offizielle Verschwörungstheorie ist dann angeblich jene Geschichte, aus der wir zu "lernen" haben. Das Lernpensum, das aus dieser einen Verschwörungstheorie abgeleitet werden kann und wird, ist dann natürlich nur ein sehr beschränktes und einseitiges. Und dementsprechend sehen dann auch die "Selbstverständlichkeiten" aus, mit denen Politiker - zum Teil auch Spitzenpolitiker der AfD - hantieren als "Lehren", die sie aus der Geschichte gezogen haben.

Aber: Mit solchen eindimensionalen offiziellen Verschwörungstheorien werden Völker natürlich dazu gebracht, gerade nicht aus der Geschichte zu lernen. Sie können nämlich erst dann aus der Geschichte lernen, wenn verschiedene Verschwörungstheorien neben einander gestellt werden und wenn es eine freie, nicht tabuisierte Erörterung darüber gibt, welche von mehreren Verschwörungstheorien nun die zutreffenden sind und was dann aus den betreffenden Verschwörungstheorien als Lehren für die Gegenwart und Zukunft abzuleiten sind. Die eindimensionale offizielle Verschwörungstheorie steht zur Auswahl oder alternative oder revisionistische.

In der Wochenzeitung "Junge Freiheit" - auch nur als Beispiel - galt bis vor wenigen Jahren für selbstverständlich, dass jene Verschwörungstheorien hinsichtlich des Dritten Reiches, aus denen zu lernen sei, andere sind als jene, aus denen heute offiziell gelernt wird. Da sich die Ausrichtung dieser Zeitung, seit sie sich Bernd Lucke anbiederte, nicht als besonders zuverlässig erwies und erweist, will man vielleicht gar nicht mehr so richtig wissen, wie es um jene politische Bildung bestellt ist, die sie ihren Lesern heute nahe zu bringen sich bemüht.

Abb.: MI6-Informant und NPD-Gründer
Adolf von Thadden
By Eric Koch / Anefo (Nationaal Archief) 
[CC BY-SA 3.0 nl 
(http://creativecommons.org/licenses/
by-sa/3.0/nl/deed.en)]
via Wikimedia Commons
Kommt man nun aber - wieder nur als Beispiel - mit dem namhaftesten deutschen Kirchenkritiker der Nachkriegszeit, mit Karlheinz Deschner (1924-2014), zu dem Ergebnis, dass Adolf Hitler von der Wallstreet gekauft worden ist (so wie alle amerikanischen Präsidenten des 20. Jahrhunderts) (siehe sein Buch "Der Molloch"), hat das natürlich Folgen dahingehend, wie kritisch ich der Möglichkeit gegenüber stehe, dass auch die AfD - wie zuvor die NSDAP, die NPD (beginnend mit dem Informanten des britischen Geheimdiensts MI6 Adolf von Thadden [1921-1996]), die Grünen (unter anderem mit der linksradikalen, gewalttätigen "Putztruppe" rund um Joschka Fischer [geb. 1948]) und zahllose andere Parteien (die Sozialdemokraten, die Christdemokraten) gehijackt werden könnte von Menschen, die ganz andere Interessen vertreten als jene, für die diese Parteien einst nach außen hin angetreten sind.

Um aus solchen alternativen Verschwörungstheorien angemessen lernen zu können, sollte man - zum Beispiel - sehr genau den Inhalt der Publikationen von entsprechenden Verschwörungstheoretikern und Revisionisten lesen und sich darüber gegenseitig Vorträge halten und die Inhalte kritisch erörtern und verbreiten. Das ist jene politische Bildungsarbeit, die notwendig ist, wenn Deutschland überleben soll. Es geht zugrunde an eindimensionalen Verschwörungstheorien.

Der AfD am nächsten stehen hierbei nun vielleicht - unter anderem - Jürgen Elsässer und seine Veröffentlichungen. Aber auch er sei nur als ein Beispiel genannt für ein breites Spektrum, dem - zum Beispiel - auch der ehemalige SPD-Bundesminister Alexander von Bülow (geb. 1937) angehört, und die auch mit dem Schicksal rechtskonservativer Spitzenpolitiker von Jörg Haider über Uwe Barschel bis Jürgen Möllemann befasst sind.

Dieser Gedankengang richtet sich gegen so manche Gedankenlosigkeit, die man an der Basis der Berliner AfD bezüglich solcher Dinge vorfinden kann. In großen Parteiveranstaltungen in Berlin soll sich in den letzten Wochen auf die offene Frage, wer etwas zum Fall Wolfgang Gedeon sagen möchte, niemand zu Wort gemeldet haben. Das wird man vielleicht doch als einen Hinweis auf Gedankenlosigkeit bezeichnen dürfen.

Die Restabgeordneten der Landtagsfraktion in Baden-Württemberg scheinen jedenfalls aus alternativen Verschwörungstheorien schon so manche wesentliche Lehre gezogen zu haben. Das könnte man als vorbildlich ansehen.

Sonntag, 10. Juli 2016

Tapfer voran, AfD, mit Michael Klonovsky als informiertem Vordenker!

Michael Klonovsky schreibt schnell Dinge hin, die man als langsamer Deutscher nur schwer verdauen kann ... Versuchen wir es wenigstens, das mit der Verdauung - - -

Der "rechtskonservative" Intellektuelle Michael Klonosky, einstmals Focus-Journalist, derzeit politischer Berater von Frauke Petry und ein Mensch, der voller Bewunderung und Stolz über den Staat Israel und das jüdische Volk reden kann, dem auch seine zweite Ehefrau angehört, hat im Fall Wolfgang Gedeon schon vor zwei Wochen die vielleicht bemerkenswerteste Stellungnahme überhaupt abgegeben (28.06.2016). Er brachte zunächst das folgende Zitat:

„Die jüdische Tradition setzt voraus, daß unter der Messias-Herrschaft bzw. Gottesherrschaft die Völker ihre angestammten Kulte preisgeben (müssen) und zur Anerkennung der Autorität der Torah gezwungen sein werden, ohne die Torah selber zu studieren oder gar halten zu dürfen. Sie haben vielmehr unter Anerkennung des Gottes Israels als des alleinigen Gottes und der Torah als höchster Offenbarungsautorität unter Androhung der Todesstrafe sich auf die Praktizierung der sieben ‚noachidischen Gebote’ zu beschränken und erwerben sich so den ihnen geziemenden Anteil am endgültigen Heilszustand.“
Abb.: ... Michael Klonovsky ...

Und nachdem er dieses Zitat gebracht hat, schreibt Klonovsky weiter:

Schreibt Gedeon? Nein, das steht so bei Johann Maier, „Geschichte der jüdischen Religion“, Herder Verlag 1992. Maier war Gründer und Direktor des Martin-Buber-Instituts der Universität Köln, an der er von 1966 bis 1996 als Professor für Judaistik lehrte.

Und dazu sage ich: Genau den Gedanken dieses Judaistik-Professors äußerte ich selbst auch schon während meines Geschichtsstudiums an der Freien Universität Berlin im Sommersemester 1991 in einem Hauptseminar zum Thema "Die Auseinandersetzungen mit dem Judentum in der griechisch-römischen Welt", gemeinsam veranstaltet von den Professoren Alexander Demandt (Alte Geschichte) und Peter Schäfer (Judaistik), und zwar ohne daß mir jemand widersprach. Ich hatte ganz schön Bammel, als ich solche verwegenen Ziele dem Judentum unterstellte.

Mein Referat war angesetzt für den letzten Tag des Seminars und hatte das Thema "Die Gesetze der christlichen Kaiser im Corpus juris civilis zu Juden" (vor allem Codex Theodosianus und Codex Justinianus). (Ich sollte die zugehörige Seminararbeit vielleicht einmal herauskramen und veröffentlichen.) Der Tag meines Referates war der 14. Juli und an diesem letzten Tag fand das Seminar draußen an der frischen Luft statt. Nachdem ich einleitend davon gesprochen hatte, daß das religiöse Ziel des Judentums darin bestünde, daß alle Völker vor den Tempel Jerusalems kämen und dort den jüdischen Gott anbeteten, daß allerdings nur die Juden selbst in den Tempel hineindürften, um ihren Gott anzubeten, setzte sich Professor Peter Schäfer - wie ich das Gefühl hatte: etwas unwillig - um, um im Schatten eines Sonnenschirmes zu sitzen und nicht mehr die direkte Sonne abzubekommen. Aber es wurde sonst nichts dazu gesagt.

Kurz noch zum weiteren Inhalt meines damaligen Referates, für das ich mir auch "Geschichte des Judentums im Altertum" von Johann Maier (1989, EA 1981) erworben hatte: In der Judengesetzgebung der Spätantike war das ständig wiederholte Hauptthema das Verbot des Proselytenmachens durch die Juden. Ein Verbot, an das sie sich natürlich überhaupt nicht hielten, weshalb diese Verbote von den Kaisern über die Jahrzehnte und Jahrhunderte hin immer wieder wiederholt und erneuert werden mußten.

Aus dieser wiederholten Gesetzgebung ging hervor: Die Juden bekehrten damals alle ihnen nur erreichbaren Menschen zum Judentum, vor allem auch die von ihnen erworbenen christlichen Sklaven.*) Was mir im Zuge dieser Seminararbeit ebenfalls erst klar wurde: Die ersten nichtjüdischen Christen und Moslems waren: Proselyten. Man könnte auch sagen, daß die Freimaurerei aus dieser Proselytenmacherei hervorgegangen ist. Insgesamt ist das ein Thema voller Implikationen und Schlußfolgerungen. Es gab ja damals richtige Missionskirchen von den Juden, die von den Archäologen ausgegraben worden sind. Es wurde richtig stark Propaganda gemacht für die "einzigartige" jüdische Religion.**) Trotzdem: Was für ein erschreckender Text, der Text von Johann Maier. - - - Doch was macht nun Herr Michael Klonovsky mit diesem Zitat? Er schreibt:

Die Texte liegen nun mal vor, die Tradition existiert.

Eine klare Aussage. "Die Tradition existiert." Es sei auch angemerkt: Herr Klonovsky spricht hier nicht in Vergangenheitsform, er sagt nicht: "Die Tradition existierte." Und man darf ja dann schon auch einmal fragen: Wo existiert sie denn? In welchen Köpfen existiert diese Tradition? Wie weit ist dieses Denken verbreitet? Müssen nicht alle rechtgläubigen, also orthodoxen Juden, die ja heute so viel politischen Einfluß haben in Israel (und wer weiß, wo sonst noch) so denken? Einfach weil das zur Rechtgläubigkeit, zur Orthodoxie dazu gehört? So ähnlich lautete ja auch die Rechtgläubigkeit der Katholiken: "Dem römischen Pontifex unterworfen zu sein, ist für jegliches menschliche Geschöpf zum Heile notwendig." (Modernere Wortfassung: "Dem römischen Papst sich zu unterwerfen, ist für alle Menschen unbedingt zum Heile notwendig.") "Extra ecclesiam nulla salus." "Kein Heil außerhalb der Kirche" (Wiki). Das eben ist Monotheismus, monotheistischer Eifer. Gotteswahn.

... Und dann schreibt Michael Klonovsky nur noch hochgradig verblödend weiter

Michael Klonovsky ist aber über solche Dinge im weiteren ganz unbekümmert. Er schreibt fröhlich weiter:

Aber nur Narren oder Fundamentalisten nehmen das alles für bare Münze, ...

Scherz beiseite, Michael Klonovsky kommt! Sein Tenor ist: Lieber Leser, Sie nehmen für bare Münze, was ein angesehener deutscher Professor für Judaistik in einem Buch schreibt? Wie können Sie nur? Wozu schreibt ein Wissenschaftler ein Buch? Etwa damit man seine Inhalte für bare Münze nimmt! Was für ein Irrsinn. Der Professor wollte natürlich ein Witzbuch verfassen. Er selbst war der Narr und schrieb ein Buch für Narren. Und wir fragen weiter: Oder war er etwa ein Fundamentalist? Oder wer war und ist hier ... Fundamentalist? Ach je, so viele Fragen. (... Vielleicht ja Herr Klonovsky? Warum schreibt er sonst ganz und gar lächerlich und damit zugleich so zynisch wie es hier und im weiteren zu lesen sein wird? Was verteidigt er? Was verharmlost er? Und vor allem: ... warum?) Klonovsky also fröhlich weiter:

... und der Politischen Korrektheit schaudert’s ...

... freilich ...

an der falschen Stelle.

Freilich!

In Rede stehen Phantasien ...

... "Phantasien". Es war zwar die Rede von einer "jüdischen Tradition", die "existiert". Aber man kann ja da mal schnell und schlankweg sagen, daß diese existierende jüdische Tradition ein "Phantasma" ist. Sonst wäre man ja ein Antisemit, wenn man sie nicht für Phantasien hielten. ... Oder - ? Hören wir also weiter von diesem "Phantasma" ...

... eines kleinen, von den damaligen Großmächten an die Peripherie gedrängten und teilweise versklavten Völkchens, die natürlich von Vergeltungsgelüsten und Kompensationsbedürfnissen durchsetzt sind, ...

Schon in der Antike wurden die Juden so nicht wahrgenommen. Aber das eigentlich nur am Rande. Wenn jedenfalls ein solches Volk, aha: "Vergeltungsgelüste" hat, dann brauchen nichtjüdische Völker diese ja überhaupt nicht als gefährlich ansehen. Warum auch? Es sind ja bloß Phantasmen. Klonovsky sieht keine Gefahr.

Exkurs: "Schöpferisches" oder "gegen-schöpferisches Ressentiment"?

Bei seiner schnellen Hinwegschreiberei muß er auch noch folgenden Nebensatz einfügen:

... (hier sind sowohl Nietzsches schöpferisches Ressentiment als auch Odo Marquards Homo compensator am Wirken) ....

Und den Begriff "schöpferisches Ressentiment" muß man sich auch erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Der soll von Nietzsche stammen? Und indem man dieser Frage hinter her recherchiert, bekommt man es einmal noch deutlicher mit, wie Michael Klonovosky so im allgemeinen und besonderen zu denken und zu arbeiten scheint. Er hat sich nämlich über dieses angeblich "schöpferische Ressentiment" auch schon vorher Gedanken gemacht und sie sogar veröffentlicht: 18.02.2016

Und da wird nun also deutlich, daß auch Klonovsky weiß, daß Ressentiment nach Nietzsche keineswegs schöpferisch, sondern: "gegen-schöpferisch" ist. Aber das ist ja für einen Klonovsky kein Problem. So wie er auch sonst so leicht schwarz zu weiß und weiß zu schwarz umschreiben kann, Existenz zu Phantasie und Phantasie zu Existenz ..., so macht er aus "gegen-schöpferisch" halt einfach einmal "schöpferisch". Um es einmal genau zu sagen: Gegen-schöpferisch ist das Gegenteil von schöpferisch. Es ist gegen das Schöpferische gerichtet. Es versucht, (bewusst oder unbewusst) Schöpferisches zu verhindern, zu beseitigen, man kann auch sagen: zu vernichten. Und manche nennen dann ein solches Geschehen "schöpferisch". Michael Klonovsky zum Beispiel. Hier liegt - wir wollen es klar sagen: Satanistisches Denken vor, genau so wie wir es hier auf dem Blog schon oft analysiert haben. Weiß wird in schwarz umgedeutet, schwarz in weiß nach dem schönen, von uns schon häufiger hier zitierten Motto: "Sind nicht jene, die die Welt verderben wollen, die Brüder der Tugendhaften?"

Exkursende - - - außerdem: Michael Klonovsky wird zum "sekundären Antisemiten"

Ja, und im weiteren kann Michael Klonovsky eigentlich nur noch bewundern:

... eines Volkes, dessen heilsgeschichtlichen Optimismus ...

er meint eben jene "jüdische Tradition", die zugleich "existiert" und "Phantasie" ist, zugleich weiß und schwarz ist, sie ist nur ein - - - "heilsgeschichtlicher Optimismus", den ...

... man übrigens nur bestaunen kann, das sich mit bewundernswerter Beharrlichkeit seit mehr als zweieinhalbtausend Jahren in der Geschichte hält, obwohl ihm die Umstände zwischen (evtl.) Nebukadnezar II., Titus und Hitler mehrfach den Garaus hätten bereitet haben müssen ...

... Fundamentalisten, Buchstabengläubige werden das dann ja wohl nicht sein, die so etwas zuwege bringen - ? ...

... und das, weil es dem Boden entrissen wurde, in dem es wurzelte, stattdessen im Himmel der Gottesfurcht und der Verheißung Luftwurzeln schlug, um ein Bild Heinrich Heines aufzugreifen. Und genauso wie Krone und Wurzel hat sich auch die Richtung des Ressentiments umgekehrt - die Juden verwandelten sich in dessen Zielscheibe.

Die genannte "jüdische Tradition", das Streben nach religiöser Weltherrschaft, ist nun also uminterpretiert in Worte wie "heilsgeschichtlicher Optimismus", "Gottesfurcht" und ähnliches. Aber lesen wir einmal genau: Das Ressentiment, das die Juden den nichtjüdischen Völkern entgegenbrachten, kehrte sich um und traf nun die Juden selbst. Oh jeeee! Wenn das mal nicht "sekundärer Antisemitismus" ist nach der Definition unseres seligen Herrn Werner Patzelt! Ich muß mir große Sorgen machen, Herr Klonovsky. (Auch andere machen sich inzwischen Sorgen, denn mit dem Vorwurf des "sekundären Antisemitismus" kann man die ganze AfD leicht zur antisemitischen Partei umdeuten, siehe "Das Patzelt-Gutachten in der Sache Gedeon – Quo vadis, AfD?")

... Ahnungen rund um das naturwissenschaftsnahe Menschenbild sind auch vorhanden ...

Aber zurück zum Klonovsky-Text. Was ist zwischenzeitlich mit besagter "jüdischer Tradition" geworden? Mit all diesen ... "Phantasien" ...? Klonovsky:

Daß dieses unbedeutende, in alle Welt zerstreute, permanenter Verfolgung ausgesetzte Völkchen heute einen Staat besitzt und Einfluss und Atomwaffen im Megatonnenbereich - Geist und Geld besitzt es ja seit Olims Zeiten -, ...

... und wird deshalb zum Beispiel Israel-Lobby genannt ...

... daß es jenes Jerusalem zurückerobert hat, welches ihm in Zeiten der Demütigung als Verheißung immer vor Augen stand - „Und nächstes Jahr in Jerusalem!“ lautete der uralte Abschiedsgruß -, das gilt den Antisemiten natürlich als Beweis für seine weltherrschaftsplanende Teufelsbündnerei, während es unsereinem bloß ein Beleg dafür ist, was ein intelligentes, Intelligenz gezielt produzierendes und förderndes, ...

- ja, ja, da hat jemand Kevin MacDonald gelesen (1994/1998) und "Natural History of Ashkenazi Intelligence" (2005), ohne Frage. Aber warum sagen Sie es nicht klar, Herr Klonovsky? Daß Sie selbst für ein naturwissenschaftsnahes Menschen- und Völkerbild stehen? Die doofen Nichtjuden sollen davon wohl doch nicht zu viel wissen, oder? Sie wissen doch genau, daß Intelligenz sehr stark erblich ist und auf Völker in unterschiedlicher Häufigkeit verteilt ist, daß sie evoluiert ist.

"Ein ein rundes, stimmiges, schönes Bild" - das hat uns der Herr Klonovsky doch gemalt, oder etwa nicht?

Klonovsky weiter:

... starkes, an sich glaubendes Kollektiv - eine „Rasse“ im Sinne Spenglers, Rasse hat man, Rasse ist man nicht - gegen alle Widerstände zuwege bringen kann, mögen auch viele seiner Angehörigen an Diabetis und Unmanierlichkeit und manche an einer grässlichen Chuzpe leiden.

Und diese "gräßliche Chuzpe", die haben viele, ein Michael Klonovsky allerdings nicht. Schon klar. Ob man so viele Worte des Stolzes auch über das deutsche Volk lesen kann aus der Feder des Herrn Klonovsky? Das wäre doch einmal interessant zu erfahren. Aber er hat eine flüssige Schreibe, da fließt einem so etwas ja leicht aus der Feder. Aus diesen Worten geht jedenfalls hervor, daß seine Sympathien für das Volk seiner zweiten Ehefrau - und seine Gottesfurcht - geradezu unbegrenzt sind. Michael Klonovsky weiter:

... Apropos Atomwaffen und Wehrhaftigkeit: Zusammen mit meiner Frau besuchte ich einmal ihren alten Klavierlehrer, der am Rande Jerusalems – oder, wie ich lieber sage: Urushalims – ein Grundstück besitzt, auf dem er einen kleinen Konzertsaal mit zwei Flügeln und Porträts der großen Komponisten an den Wänden gebaut hat. Der alte Mann kam, eskortiert von einem respektgebietenden Pitbull, an das Tor, und als er es öffnete, erblickte ich die Auschwitz-Häftlingsnummer an seinem Unterarm. Die Tätowierung und der Kampfhund: Was für ein rundes, stimmiges, schönes Bild!

Ja, was für ein rundes, stimmiges, schönes Bild! Ein solches will Herr Klonovsky ja auch zusammen mit Frauke Petry abgeben. -  Aber der Leser wird mit diesem Text wohl schon verstanden haben, worum es geht. Er erinnert sich, daß es unter den Hinterleuten und Vordenkern der völkischen Bewegung und der NSDAP der 1920er und 1930er Jahre auch mancherlei Philosemiten gab, was einem auf den ersten Blick ebenso wenig eingehen will wie dieser Text von dem Herrn Klonovsky. Aber allmählich und gaaaanz, gaaaaanz langsam, lernen ja sogar - - - Deutsche dazu.


/ ergänzt und überarbeitet: 17. Juli 2016;
Zwischenüberschriften eingefügt: 12.7.17;
ergänzt um (5): 5.3.2019 /



___________________________________
*) Ergänzung 5.3.2019: Dieselben Verhältnisse liegen übrigens - interessanterweise - auch noch vor im Merowingerreich des Frühmittelalters (5).
**) Es sei hier noch einmal dokumentiert, was sich in meinen Seminaraufzeichnungen an Notizen findet (die Seminararbeit selbst fand sich noch nicht). Da ich das folgende ja nirgendwo gelesen haben kann, muß es wohl von Professor Peter Schäfer selbst so im Seminar geäußert worden sei (ggfs. auch von anderen Studenten):
Schäfer gilt in Israel einfach als der "Goi". Streit mit Maier in Köln, Gingen sich ganz aus dem Weg. Frau von Maier? In Israel macht man keine Wissenschaft daraus.

Gemeint ist: aus der Judaistik.

(Orthodoxe) Schwarzgelockte sind die Träger des Judentums, haben es 2.000 Jahre aufrecht erhalten. Wissenschaft haben sie sich von anderen abgeguckt. Zwei Fragen werden einem in Israel gestellt: "Bist du Jude?" "Bist du verheiratet?" Konvention, Mädchen heiraten mit 21, 22, Jungen mit 25. "Namens"juden wie bei uns, man macht "Haßgesänge" auf Goi, auf Christen. Witze über Beschneidung usw.. Das jüdische Volk muß als Zeugenschaft dafür, daß es Jesus Christus gegeben hat, erhalten bleiben.

Letzteres ist das Denken der katholischen - und ebenso der evangelischen - Kirche. Johann Maier spricht in "Geschichte des Judentums im Altertum" (1989, S. 7) von der Lehre der vier Weltreiche im Buch Daniel Kapitel 2 und 7. Danach sollte nach dem Untergang des römischen Reiches die Gottesherrschaft folgen. Das Heilige Römische Reich endete bekanntlich 1806. Und Johann Maier schreibt im Einklang mit dem oben gebrachten, rot gefärbten Zitat:

Die Vorstellung von Rom als vierter und damit letzter Weltmacht vor der Heilszeit (...) beherrschte im großen und ganzen das jüdische Geschichtsbewusstsein bis zur Zeit der Aufklärung herauf. Die revolutionäre Sprengkraft dieses Schemas ist kaum zu unterschätzen und das mächtige Rom hat in zwei blutigen Kriegen seine Wirkung zu spüren bekommen.

Auch hier wird deutlich, daß es sich um etwas mehr als bloß um "Ressentiment" handelt. Nach Maier handelt sich - zumindest - um ein "Ressentiment" mit "revolutionärer Sprengkraft". Zum christlichen Antisemitismus in der Spätantike notierte ich mir 1991:

Werbe-Konkurrenz. Auserwähltheit Israels auf Kirche übergegangen. Aufhebung der Gesetze durch die Offenbarung. (...) Warum polemisieren die Kirchenväter gegen die Juden? Angst vor Abwanderung. (Dort Gottesdienst bunter und lebendiger?) "Ungezügeltes Leben" der Juden, sagt Chrysostomos. Welche Realität des jüdischen Lebens spiegelt sich wieder? Konzilbeschlüsse des 3. Jhdts.: Den Christen verboten, in die Synagoge zu gehen.  (...) Papst im Mittelalter hat versucht, Juden als Relikt zu erhalten. Juden notwendig für das Ende der Zeit. Endzeitliche Bekehrung. Müssen erhalten bleiben.

Das monotheistische Denken ist in allen mosaischen Religionen gleich: Kein Gott außer Gott. Und das soll für alle Menschen auf der Erde gelten. Erich Ludendorff nannte 1934 in Zusammenhang mit der Erkenntnis dieses monotheistischen Eifers eine seiner Schriften "Deutsche Abwehr - Antisemitismus gegen Antigojismus". Kevin MacDonald geht in seinen drei Büchern von 1994 und 1998 dem Aufeinanderbezogensein von Judentum und Antisemitismus als gegeneinander gerichtete "gruppenevolutionäre Strategien" nach. Und in dieses Geschehen ordnen sich allzu deutlich auch die Bücher von Wolfgang Gedeon ein, sowie der Umgang mit ihnen und ihrem Autor.

___________________________________
  1. Schürer, Emil: Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi. 1907
  2. Maier, Johann: Geschichte des Judentums im Altertum. Grundzüge. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989 (EA 1981)
  3. Schäfer, Peter: Geschichte der Juden in der Antike. Stuttgart 1983
  4. Demandt, Alexander: Die Spätantike. München 1989 (darin Seiten 430-437: Die Juden)
  5. Lotter, Friedrich: Die Stellung der Juden im Merowingerreich nach dem Zeugnis der Synodalakten. In: Aschkenas, Band 28, Heft 2, Seiten 175-216, Online erschienen: 01.03.2019, DOI: https://doi.org/10.1515/asch-2018-0008, https://www.degruyter.com/view/j/asch.2018.28.issue-2/asch-2018-0008/asch-2018-0008.xml

Freitag, 31. Juli 2015

Bernd Lucke - Er sabotierte seine eigene Partei - Wer tut es noch?

Schon im September 2013 sah dieser Blog - der "Oberverdachtschöpfer"-Blog - über Bernd Lucke klar

Abb.: Bernd Lucke, April 2013
Fotograf: Mathesar
Bernd Lucke - mit seiner kinderreichen Familie und seinem sachkompetenten Auftreten kam er einem von Anfang an so seriös und so sympathisch herüber. Bis heute ist ein wenig Bedauern darüber zurück geblieben, dass er sich von seiner Partei und sie sich von ihm verabschiedet hat. Doch bei der Durchsicht der Rundbriefe, die ich manchmal per Email an Freunde versende, stoße ich aber gerade auf folgenden Rundbrief vom 29. September 2013, den ich im Betreff betitelt hatte "Bernd Lucke sabotierte bewusst seine eigene Partei und sich selbst". Und ich merke, dass ich schon vor zwei Jahren ein klares Urteil über ihn hatte. Darin schrieb ich nämlich:

Leider hat Jürgen Elsässer sein Interview im letzten Compact-Heft mit Bernd Lucke nicht vollständig ins Netz gestellt (Compact 09/2013), dort steht nur:
Elsässer: Nun hat die AfD mit dem Euro nicht nur ein recht trockenes Thema in den Fokus Ihres Wahlkampfauftrittes gestellt, sondern macht das für Otto Normalverbraucher auch noch zusätzlich kompliziert: Statt einem plakativen „Raus aus dem Euro“ vertritt Ihre Partei ein sehr anspruchsvolles Modell einer allmählichen Umstellung mit Währungs-Zweigleisigkeit. Wer soll das kapieren?
Lucke: Ich will nicht populistisch sein, sondern ehrlich. Mir wurde Populismus vorgeworfen, dabei geht es mir gerade ums Gegenteil: Wir vertreten nur das, was wir für richtig halten.
Im Gesamt-Interview wird dann aber noch wesentlich klarer, warum die AfD nicht in den Bundestag kam. Weil sie bewusst das Euro-Thema in den Vordergrund gestellt hat. Und bewusst das Zuwanderungs- und Sarrazin-Thema nicht. Wer sich bewusst so positioniert in dem sicheren Wissen, dass er mit einem anderen Thema viel sicherer im Bundestag wäre, dem kann ich nicht mehr vollständig Vertrauen entgegenbringen. Vielleicht kann ich dem Lucke noch unterstellen, dass er und seine Partei "zu schnell" in der Politik gelandet sind und deshalb etwas zögerlich vorgehen. Aber sonst sehe ich für dieses Verhalten keine Entschuldigung.

Bernd Lucke: "Ich will nicht populistisch sein"

Zuvor war schon ganz klar erörtert worden, was die den Wählern noch viel mehr auf den Nägeln brennenden Themen sind:
Jürgen Elsässer:  „Deutschland schafft sich ab“ prognostiziert Thilo Sarrazin. Teilen Sie seinen Befund?
Bernd Lucke: Sarrazin gebührt das große Verdienst, mit seinem Buch auf wichtige Missstände in Deutschland hingewiesen zu haben: Unsere Bildungsmisere, Integrationsprobleme von Zuwanderern, unser enormes demographisches Problem. Das alles wird von der Politik gerne totgeschwiegen, weil sie die erforderlichen unbequemen Antworten nicht geben will. Dennoch würde ich nicht von „Deutschland schafft sich ab“ sprechen, weil das ja so klingt, als ob wir die Selbstabschaffung aktiv betreiben. Tatsächlich ist Deutschland einfach schwach und nachgiebig gegenüber schleichenden Veränderungen, die langfristig die Substanz unserer Gesellschaft bedrohen. Diese Schwäche Deutschlands, dieser Mangel an Selbstbewusstsein und der fehlende Mut, offen zu sagen, was für uns gut und wichtig ist, ist freilich nicht minder alarmierend, als wenn irgendwo aktiv selbstzerstörerische Kräfte am Werk wären.
Ja, warum tat er es dann nicht selbst im Wahlkampf? Was für ein Schwachsinn! Lucke redet so und handelt so. Blödsinn hoch fünf. Und weiter heißt es:
Elsässer: Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ hat sich 1,4 Millionen mal verkauft. Sein Nachfolger „Deutschland braucht den Euro nicht“ ging nur 180.000 mal über die Ladentheke. Bedeutet dass, dass das Euro-Thema weniger zieht als der Problemkreis Einwanderung/Islam/Demographie?
Lucke: Ich glaube ja. Das Thema Islam und Zuwanderung emotionalisiert mehr als das Thema Geld und Währung. Aber für die AfD ist es schwierig, aus dieser Feststellung Konsequenzen zu ziehen. Das Euro-Thema ist nun mal die Wurzel unseres Engagements. Und das Thema ist enorm bedeutend: Es betrifft unsere langfristige finanzielle Stabilität ebenso wie unsere demokratisch-parlamentarische Kultur, unsere freiheitlich-rechtsstaatlichen Traditionen und unsere Souveränität innerhalb Europas. Doch so wichtig das alles ist: Wir sind keine Ein-Themen-Partei, auch wenn uns die Presse gerne so darstellt. Gerade die von Sarrazin aufgegriffenen Probleme, Bildung, Zuwanderung und Demographie werden auch in unserer Programmatik sehr stark betont.
Wer so redet, sabotiert seine eigene Partei. Bewusst. Da brauche ich dann gar nicht mehr nach "sonstigen" Wahlfälschungen zu suchen. Dies hier ist schon die größte.

So schrieb ich damals. Und bin grade über meine eigenen damaligen Worte erstaunt. Und ein politisch Superkluger schrieb mir damals noch:
Professor Lucke macht das richtig.
Und so weiter und so fort. Und eine andere Bloggerin schrieb mir damals auf diesen Rundbrief:
Wieder einmal betätigst Du Dich als Oberverdachtschöpfer. Die Antworten des Bernd Lucke, die Du anführst, sind doch durchaus integer.
Sie würden das wohl heute so nicht mehr schreiben. Hoffe ich einmal. Die AfD selbst sieht es heute jedenfalls anders. Anders als sie und als der politisch Superkluge. Aber dieser Blog liest halt nur genau. Und er zieht daraus ohne alle Schnörkel die notwendigen Schlussfolgerungen. Und er ist deshalb ein: Oberverdachtschöpfer. Er denkt über seine Mitmenschen immer nur das Allerschlimmste.

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