Ende März 1941: Deutsche Gebirgsjäger-Divisionen aus dem Salzburger Land und aus anderen Teilen der Alpen und Deutschlands marschieren durch Bulgarien.
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| Abb. 1: Angehörige des Gebirgsjäger-Regiments 141 im Rahmen der 6. Gebirgsdivision im Anmarsch auf das Belasiza-Gebirge in Süd-Bulgarien, Anfang April 1941 (FdW) |
Durch Bulgarien? Ja, Bulgarien. Bulgarien ist zu dieser Zeit mit Deutschland verbündet.
Die Divisionen marschieren an Bulgariens südliche Grenze mit Griechenland. Diese verläuft entlang des Hauptkammes des Belasiza-Gebirges (Wiki) (damals von den Deutschen "Belsica-Gebirge" geschrieben).
Einer unter ihnen ist der Oberjäger Ingo Ruetz (1912-1941) (FdW, RiP), Lehrer und zu jenem Zeitpunkt Seminar- und Schulungsleiter auf der Burg Hohenwerfen im Salzburger Land (1-3). Ingo Ruetz war auch gleich nebenan in Werfenweng geboren worden und ist dort aufgewachsen als Sohn des dortigen Lehrers.
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| Abb. 2: Am Kalabak im Belasiza-Gebirge (FdW) mit Blick Richtung Struma-Tal - Der Kalabak ist der höchste Berg des Belsica-Gebirges mit 2029 Metern (sein Name lautet heute "Radomir") |
Ob diesen Soldaten wohl erklärt worden war, warum sie in dieser gottverlassenen Gegend Bulgariens und Griechenlands Krieg führen sollten?
Es war Befehl gegeben worden zum "Unternehmens Marita", zum Angriff auf Jugoslawien und Griechenland, die ihrerseits mit Italien im Krieg standen. Beide Länder waren mit Großbritannien verbündet, das mit Deutschland im Krieg stand.
Es war die Zeit, in der sich der Krieg zu einem europäischen, ja, einem zweiten Weltkrieg ausweitete - - - während drohend im Osten die Supermacht Sowjetunion - - - "abwartete".
Ein griechischer Historiker schreibt zur Vorgeschichte dieses Krieges (4):
Das Unternehmen Marita wurde als Folge des Debakels der Italiener mit Weisung Nr. 20 vom 13. Dezember 1940 beschlossen („Führerbefehl“). Als sich Hitler und Mussolini im Januar 1941 in Hitlers Landhaus auf dem Berghof in Berchtesgaden trafen, teilte Mussolini mit, daß er über Bulgarien in Griechenland einmarschieren werde. Von diesem Zeitpunkt an hörte die eigenständige Kriegsführung der Italiener auf; neben dem Balkanfeldzug wurde auch die deutsche Intervention in Nordafrika und insbesondere in Libyen mit Rommels Afrikakorps beschlossen (Goebbels, 1992, 22.02.1941).
Diese deutschen Gebirgsjäger-Divisionen marschierten also anstelle von italienischen Gebirgsjäger-Divsionen durch Bulgarien. Die Diplomaten auf politischer Ebene hatten sich da scheinbar etwas besonders Feines ausgedacht.
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| Abb. 4: Gebirgsjäger des Gebirgsjäger-Regiments 141 auf dem Berg Kalabak (Radomir) im Belsica-Gebirge (FdW) |
Es bestand die Absicht, die britischen Streitkräfte und die ihrer Verbündeten auf dem Balkan und in Nordafrika nieder zu werfen. Und weiter der griechische Historiker (4):
Die Deutschen hatten nur lückenhafte Informationen über die Verteidigungsanlagen, die in völliger Geheimhaltung und von den Bulgaren unbemerkt errichtet worden waren. Die Wehrmacht hatte nicht mit nennenswertem griechischen Widerstand gerechnet und konnte sich zudem auch nicht vorstellen, daß die Stellungen schwerem Bombardement standhalten würden, wie es bei den Anlagen im Belasiza-Gebirge bis zum Nestos-Fluß der Fall war. So wurden die Angreifer am ersten Tag des deutschen Angriffs trotz überlegener Feuerkraft und Luftunterstützung zurückgeschlagen, zum Teil mit größeren Verlusten. Aus einem Fernschreiben der 12. Armee vom 7. April 1941 geht hervor, daß die Wehrmacht erkannt hatte: a) daß die griechischen Verteidigungsstellungen unvergleichlich stärker sind als erwartet und b) daß die Verteidiger zum Sterben entschlossen sind - denn wo immer es den deutschen Kräften gelang, die Oberhand zu gewinnen, trafen sie auf der Gegenseite nur auf Tote. Am 8. April 1941 hielt Joseph Goebbels in seinem Tagebuch den schwierigen Vormarsch der Wehrmachtstruppen auf griechischem Boden fest und würdigte die Griechen als tapfere Kämpfer. Er erwähnt sogar, daß auch der „Führer“ die Tapferkeit der Griechen bewundere, die vielleicht noch etwas von den alten Griechen in sich trugen (Goebbels, 1992, 8. April 1941). Am selben Tag meldete die 12. Armee, daß die griechischen Kräfte anscheinend nicht die Absicht hätten, sich zu ergeben. Trotz des heldenhaften Widerstands der Verteidiger und der Tatsache, daß die Festungen aufgrund ihrer Konstruktion und der Selbstaufopferung der griechischen Soldaten den heftigen Angriffen weitgehend standhielten, dauerte die Schlacht nur vier Tage, da der deutsche Angriff über jugoslawischem Gebiet die Verteidigungsstellungen einkreiste und so den griechischen Truppen in den Rücken zu fallen drohte. Am 9. April 1941 wurde die Kapitulation unterzeichnet (Buchner, 1957, 118 ff.). Nachdem Thessaloniki erobert worden war, stießen die deutschen Einheiten zügig nach Süden vor und nahmen am 27. April Athen ein. Parallel dazu wurden bis Anfang Mai 1941 die wichtigsten ägäischen und Ionischen Inseln besetzt und die Vorbereitungen zur Einnahme Kretas liefen an.
Auch bei der Einnahme Kretas sollten dann wieder deutsche Gebirgsjäger zum Einsatz kommen.
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| Abb. 5: Gebirgsjäger des Gebirgsjäger-Regimentes 141 mit Maschinengewehr 34 auf dem Berg Kalabak (Radomir) im Belsica-Gebirge (FdW) |
Der griechische Historiker kennt die Einzelheiten dieses "Unternehmens Marita" (4):
Die Operation in Griechenland wurde von der 12. deutschen Armee unter Generalfeldmarschall Wilhelm List durchgeführt. Die deutsche Invasion begann am 6. April 1941, durchgeführt von Einheiten des XVIII. Gebirgs-Korps, das in der Gegend von Petritsi eingesetzt wurde sowie des XXX. Armeekorps, das nördlich von Xanthi lag. Das 18. Korps bestand aus der 2. Panzer-Division, der 5. und 6. Gebirgs-Division im Belesiza-Gebirge, dem 125. Grenz-Infanterie-Regiment am Rupel-Paß und der 72. Infanterie-Division auf der Hochebene von Kato Nevrokopi. (...) Bis zum Ende des Unternehmens verfügten die deutschen Einheiten über etwa 180.000 Mann, mehr als 500 Panzer und 1000 Flugzeuge, während alle Pionier-, Artillerie-, Flak- und sonstigen Mittel der 12. Armee beim Griechenlandfeldzug eingesetzt wurden (Buchner, 1957, 18 ff.). Es ist klar, daß die deutschen Streitkräfte unvergleichlich besser ausgerüstet waren als die griechischen, denen es an Panzern und essentieller Luftunterstützung fehlte. Fast alle griechischen Kräfte waren an der albanischen Front in den noch andauernden Kämpfen gegen die Italiener gebunden; so oblag es der Metaxas-Linie, die Last des deutschen Angriffs abzufangen. Die Sperranlagen verfügten über ausreichenden Vorrat an Munition, Wasser und Nahrung, um ohne Nachschub mehrere Tage auskommen zu können. Ziel war es, die Wehrmacht aufzuhalten, bis weitere griechische Divisionen und die Alliierten eingreifen konnten. Dies sollte jedoch nicht geschehen.
Der Krieg sollte innerhalb einer Woche entschieden sein. Aber in vielen Bereichen hielt die Metaxas-Linie bis zum Waffenstillstand.
Das Gebirgsjäger-Regiment 141 griff - im Rahmen der 6. Gebirgsjäger-Division unter General von Schörner - in der Gegend nördlich der griechischen Ortschaft Ano Poroia an. Die griechischen Soldaten, die in dieser Region die Metaxas-Linie verteidigten, stammten fast alle selbst aus dieser Ortschaft. Ein Fliegeroffizier namens Deichmann war im Stab der angreifenden deutschen Schlachtflieger-Verbände tätig und schrieb in sein Tagebuch, daß die Bombardements kaum Wirkung zeigten (LdW):
Mit Hellwerden beginnt das Artillerie-Feuer, dann kommen die Bomben-Einsätze. Einige Bomben gehen auch in die Bereitstellungen der 5. Gebirgs-Division - 1 He 123 stürzt in eine Flak-Stellung. Die Infanterie geht dann vor. Erst ist nur geringer Widerstand, der sich dann an den Bergbefestigungen als so stark zeigt, daß die 5. Gebirgs-Division nicht weiter vorkommt. Die Stukas werfen schlecht. Die Bergbunker sind schwer zu treffende Ziele. Die Infanterie an der Straße bleibt liegen. Artillerie, selbst die in vorderster Linie vorgezogenen 2-cm Flak, noch die Bomben machen den Gegner nicht weich. Er schießt eisern mit Artillerie und MG-Garben, so daß unsere Infanterie große Verluste hat. Immer wieder angesetzte Bombenangriffe bleiben erfolglos. Der Angriff auf die Rupel-Paßenge ist fehlgeschlagen. Der Grieche zeigt sich als der bisher zäheste Gegner. Er verfügt hier auch über durch Bomben zu schwer erreichbare Befestigungen in den Bergmassiven.Nur der 6. Gebirgs-Division gelingt überraschend der Grenzübergang. Bis zum Abend kommt sie bis ostwärts Doriansee. Dort muß sie auch schwere Gegenangriffe durchstehen. Unsere Fliegerverbände unterstützen sie laufend.
Über das Geschehen am Rupel-Paß und rund um das Struma-Tal im Bereich 5. Gebirgs-Division wird auf Wikipedia viel detaillierter berichtet als über das Geschehen im Belasiza-Gebirge im Bereich der 6. Gebirgs-Division.*) Zur Lage des erwähnten Dojransees siehe Abbildung 6.
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| Abb. 6: Dojransee im Westen, Struma-Paß im Osten, dazwischen das Belasiza-Gebirge und alles befestigt durch die Metaxas-Linie - Angriffsraum der 6. und der 5. Gebirgsjäger-Divisionen am 6. April 1941 (GMaps) |
An ihr wird erkennbar, daß die 6. Gebirgsdivision an diesem ersten Angriffstag viel schneller und zügiger voran kam als die 5. Gebirgsdivision. Die Menschenverluste waren aber trotzdem ähnlich.
Viele Bunker der Metaxas-Linie, die als Maschinengewehr-Stände angelegt waren, sind noch heute erhalten. An einem derselben nördlich von Ano Poroia befindet sich heute eine Gedenkstätte für den dort gefallenen griechischen Verteidiger Dimitrios Itsios (Wiki). Er gilt als Nationalheld und bezeugt erneut, daß die griechischen Soldaten zum Sterben bereit waren. Er stammte - zusammen mit fast allen seinen Kameraden - direkt aus dem Dorf Ano Poroia unterhalb der von ihm verteidigten Stellung. Auch viele seiner Kameraden sind in dieser Region gefallen.
Auf Google Maps finden sich zu dieser Gedenkstätte viele Fotografien und Kurzvideos eingestellt (GMaps), über die man sich einen Eindruck von den dortigen landschaftlichen Verhältnissen machen kann. Aber die dortigen Abhänge des Belasiza-Gebirges waren im April 1941 keineswegs so dicht bewachsen wie heute, sondern sie boten den Verteidigern ein freies Schußfeld. Und dieses freie Schußfeld verursachte große Verluste bei den deutschen Angreifern.
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| Abb.. 7: Auszug aus dem Gefechtsbericht des Gebirgsjäger-Regiments 141 zum 6. April 1941 |
Wir lesen im Gefechtsbericht des Gebirgsjäger-Regiments 141 zum 6. April 1941 (s. Abb. 7):
Das II./141 erhielt sofort nach Angriffsbeginn gut liegendes und zum Teil flankierendes Feuer, es wurde in einen schwierigen Graben- und Bunkerkampf verwickelt. Langsam wurde Boden gewonnen. Hier sowie auch bei den anderen Bataillonen waren ganz besonders unangenehm die feindlichen Scharfschützen, durch sie entstanden die meisten Verluste. Gegen 6:20 fielt unmittelbar am Grenzkamm der Kommandeur des Geb.Jäg.Rgt. 141 Oberstleutnant Ebeling durch Kopfschuß.
Auf eine sehr ähnliche Weise könnte auch der eingangs erwähnte Lehrer Ingo Ruetz (1912-1941) aus Werfenweng und Werfen im Salzburger Land knapp eine Stunde zuvor gefallen sein.
Angriffsbeginn war am 6. April um 5:20 Uhr, um 5:30 Uhr ist Ingo Ruetz schon gefallen (2), zusammen mit etwa fünfzig weiteren Kameraden seines Regiments an diesem Tag.
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| Abb. 8: Ingo Ruetz, Burgkommandant der Burg Hohenwerfen, gefallen am 6. April 1941 beim Angriff auf die Metaxas-Linie |
All diese deutschen Soldaten sind nach dem Ende der Kämpfe zunächst an Ort und Stelle begraben worden. Anhand der Bestattungsorte der Gefallenen ("Erstgrablagen") kann man sich im Grunde eine sehr detailliertes Bild vom Verlauf der Kämpfe nördlich von Ano Poroia machen (Abb. 11). Zu einem Gefallenen der 15. Kompanie heißt es: "Erstgrablage: 500 Meter südwestlich bulgarisches Zollhaus 85, daneben griechisches Zollhaus Nr. 5". Das heißt, die ersten Verluste entstanden schon unmittelbar während des Grenzübertritts auf dem Hauptkamm des Belasiza-Gebirges. Zu mehreren Gefallenen der 11. und 13. Kompanie heißt es: "Erstgrablage: Kataltas, Südhang, nördlich Ano Poroio, Militärbaracke 3 Kilometer westlich bulgarischem Grenzposten 20 b. Kataporoiain." (FdW)
Während Ingo Ruetz Oberjäger in der 11. Kompanie des Gebirgsjägerregiments 141 war, gehörten acht weitere gefallene Kameraden ebenfalls zur 11., sowie zur 12. und 13. Kompagnie.
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| Abb. 8: Angehörige des Gebirgsjäger-Regiments 141 oberhalb von Ano Poroia (FdW) |
Wie die griechischen Soldaten auf der anderen Seite diese Kämpfe erlebt haben, erzählte einer der überlebenden Maschinengewehr-Schützen in diesen Bunkern noch in hohem Alter den griechischen Zeitungen (Sidirokastro2021):
Ich war am Rasenmähen! Weißt du, was ich mit Rasenmähen meine? Nein. Äh… hey… wo sind denn die Jugendlichen?! Die sind den Hang runter gerannt, und ich war am Rasenmähen. Durch das ständige Maschinengewehrfeuer wurde der Lauf sehr heiß, und mit feuchten Handtüchern habe ich ihn raus genommen und den Ersatzlauf eingesetzt. Die deutschen Infanteristen hatten uns nicht bemerkt. Ich begann die Ernte erneut.
In einem Video wird noch einmal die Geschichte erzählt rund um Dimitrios Itsios und die drei Maschinengewehr-Bunker, die er befehligte und die mit anderen, noch weiter oben liegenden Maschinengewehr-Bunkern den Angreifern schwere Verluste zufügten (Yt2024) (ab Minute 36).
Dabei wird noch einmal die völlig unglaubhafte und inzwischen wohl überholte Legende, nach der Itsios nach seiner Gefangennahme und nach einem Gespräch mit dem Divisionsgenerals von Schörner von den Deutschen auf dessen Befehl hin erschossen worden wäre. Es hätte nicht viel Mühe gekostet zu recherchieren, daß es auf dem griechischen Wikipedia heute - unter Bezugnahme auf den schon zitierten - ausführlichen Augenzeugenbericht berichtet wird (Wiki):
Nach 2014, im Alter von 95 Jahren, präsentierte Itsios Kamerad und Dorfmitbewohner Ioannis Kozartsis eine andere Version seines Todes. Er behauptete, Itsios sei getötet worden, als er mit seiner Arabeske aus dem Bunker 8 heraus stürmte.
Mit "Arabeske" ist wohl eine Pistole vom Typ Walther Q5 gemeint (s. ForgottenWeapons).
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| Abb. 10: Gebirgsjäger neben der Leiche des gefallenen Itsios (Sidirokastro2021) |
Dieser einstige Mitkämpfer, den schon zitierten, berichtete weiter (Sidirokastro2021):
Die Deutschen kamen immer näher, ohne daß einige von ihnen gesehen werden konnten, weil unser Maschinengewehr weder an den Seiten noch hinten ein Schießschartenloch hatte. Da näherte sich jemand von hinten - er war Grieche, ich weiß nicht, ob er auch Deutscher war - und sagte auf Griechisch zu uns: „Kinder, ergebt euch, die Deutschen werden euch nichts tun. Ergebt euch. Sie sind in die Ebene hinabgestiegen und marschieren auf Saloniki zu.“ Itsios wollte es nicht glauben und packte meine Arabeske, rannte schreiend hinaus, voller Patriotismus und Leidenschaft. Die Deutschen standen am und um das Maschinengewehr herum. „Peng…“ Ich öffne die Tür weiter und sehe ihn mit dem Gesicht nach unten liegen. Sein Helm ist abgefallen. Er war am Kopf getroffen worden. Ich gehe mit erhobenen Händen hinaus und laufe zu ihm. Er war über und über mit Blut bedeckt. (...) Ich drehte ihn so, daß er den Himmel „sehen“ konnte (...) ich wischte das Blut ab und deckte ihn mit seiner Decke zu. Die anderen kamen auch heraus. Die Deutschen näherten sich und unterhielten sich. Sie ließen uns in Ruhe.
Es gibt auch zwei Fotografien, die wohl unmittelbar nach dem Tod des Itsios entstanden sind (Abb. 10 und 11). Dieser überlebende Kriegskamerad des Itsios berichtete weiter über die deutschen Soldaten, von denen sie gefangen genommen worden waren (Sidirokastro2021):
Einer von ihnen bedeutete uns, zu gehen. Es war nach Mittag, und wir rannten in Richtung des Dorfes, da ringsum immer noch Zerstörungen stattfanden. (...) Wir kamen spät in Rodopolis an. Was für ein Anblick! Überall Deutsche, die auf dem Marsch nach Kilkis waren.
Die 6. Gebirgsdivision kam - wie oben schon erwähnt - noch am selben Tag bis östlich des Dojransees.
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Zum folgenden 7. April 1941 schrieb der oben schon zitierte Fliegeroffizier Deichmann in sein Tagebuch (LdW):
Die 6. Gebirgs-Division hält zäh die erreichte Stellung, hat aber stark ausgebaute, gegnerische Stellungen vor sich. Um den Gegner zu schwächen, werfen wir direkt vor die 6. Gebirgs-Division feste Bomben. Die 5. Gebirgs-Division greift morgens sehr vorsichtig an und kommt nachmittags gegen Neon Petrich vor.
An dieser Stelle soll der weitere Kriegsverlauf in Griechenland aber nicht weiter verfolgt werden.
Noch im Jahr 1941 sind die nördlich Ano Poroia gefallenen deutschen Soldaten auf den 40 Kilometer weiter östlich gelegenen Soldatenfriedhof im bulgarischen Marino Pole umgebettet worden (s. RIP) (GMaps). Dort wurde ein großer Teil der im Krieg gegen Griechenland gefallenen deutschen Soldaten gesammelt. Marino Pole liegt - wie die ganze hier behandelte Gegend - etwa 100 Kilometer nördlich von Thessaloniki (GMaps).
1939 - Burg Hohenwerfen
Der Oberjäger Ingo Ruetz war nur 29 Jahre alt geworden. Er hinterließ in Werfen seine Witwe Helga Ruetz. Ihr Trauzeuge Karl Springenschmid (1897-1981) überbrachte ihr die Nachricht vom Tod ihre Ehemannes. Er hatte selbst als Nachrichtenoffiziert am Balkanfeldzug teilgenommen (Laserer, S. 89).
Ingo Ruetz war in dem kleinen Schulhaus von Werfenweng aufgewachsen (2). Er wird Sohn des Volksschullehrers von Werfenweng gewesen sein. Ingo Ruetz hatte wie sein Trauzeuge Springenschmid die Lehrerausbildung durchlaufen und war Lehrer in Großarl geworden.
Als Nationalsozialist wurde er schließlich - wie sein Freund Springenschmid - im Ständestaat aus dem Lehrdienst entlassen. Von da an widmete sich Ruetz ganz der Jugend- und Schulungsarbeit in der nationalsozialistischen Untergrundbewegung in Österreich - wiederum ähnlich wie Springenschmid.
In dieser Zeit der Illegalität wird die Freundschaft zwischen Springenschmid und Ruetz entstanden sein. Sie gehörten sicher beide dem illegalen nationalsozialistischen Lehrerbund an.
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| Abb. 12: Karte des Wehrmachtgräber-Offiziers mit den Orten der Erstbestattung der Gefallenen des Gebirgsjäger-Regiments 141 |
Nach dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich wurden auch in Österreich Gauführerschulen (Wiki) eingeführt. Springenschmid suchte als neuer Leiter des Unterrichtswesens im Gau Salzburg nach einem Ort für die Gauführerschule für den Reichsgau Salzburg. Er fand sie in der Veste Hohenwerfen. Die dortige Gauführerschule wurde am 5. März 1939 durch Salzburgs Gauleiter Friedrich Rainer eröffnet. Ihr Leiter war Karl Springenschmid, als Burgkommandant hatte er sich Ingo Ruetz gewählt.
Ingo Ruetz war selbst ebenfalls schriftstellerisch tätig - so wie sein Freund Springenschmid, der auch sein Trauzeuge wurde.
Im Oktober 2025 ist auf der Burg Hohenwerfen eine kleine Dauerausstellung zu dieser Gauführerschule eingerichtet worden (Erinnern, Salzb2025, Unterird). Auf alten Fotografien und durch Zeitungsberichte und Zeitzeugenberichte wird deutlich, welche Inhalte die Kultur- und Schulungsarbeit auf der Gauführerschule Hohenwerfen hatte.
| Abb. 13: Gefallene Soldaten werden bestattet (hier des Infanterie-Regiments 195 am Rupel-Paß), April 1941 |
Ab 1939 haben sich etwa 80 % der Südtiroler für ihre Umsiedlung in das Deutsche Reich entschieden (als sogenannte "Optanten") (Wiki).
Auch etwa der Dichter des Südtiroler-Liedes "Wie ist die Welt so groß und weit", Karl Felderer, hatte sich für die Umsiedlung entschieden. Die geistige Vorbereitung auf diese Umsiedlung fand nun unter anderem auf der Burg Hohenwerfen statt, denn Springenschmid selbst war seiner Herkunft nach Tiroler und hat sich Zeit seines Lebens sehr für die Südtiroler eingesetzt, er saß deshalb auch einmal im italienischen Gefängnis. Die folgende Schilderung veranschaulicht ein wenig, wie es in jenen Jahren auf der Burg Hohenwerfen zuging (3):
Im November 1940 - mitten im Krieg - fand auf der Festung Hohenwerfen im Salzburger Land ein „Führerlager“ für Südtiroler Mitglieder der Hitler-Jugend, der Jugend- und Nachwuchsorganisation des Nationalsozialismus, statt. (...) Der Südtiroler Schulungskurs im November 1940 erstreckte sich gar über drei Wochen: Nach dem Beginn der Unterweisungen in Innsbruck wurden die männlichen wie weiblichen Kursteilnehmer von Burghauptmann Ruetz empfangen und von Untergauführerin Inge Mühlhofer und Bannführer Alf Schopper, den beiden „Lagerführern“, zur Betreuung übernommen. Ruetz starb noch im Mai 1941 im Kriegseinsatz und wurde (von) Karl Springenschmid, dem NS-Leiter des Salzburger Schulwesens (...) als leuchtendes Vorbild nationalsozialistischer Gesinnung gefeiert. Inge Mühlhofer war Führungskraft des Bundes Deutscher Mädel.
Über diese "Option" wurde, soweit übersehbar, nach 1945 mehr geschwiegen als gesprochen.
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| Abb. 14: Soldatenfriedhof in Marino Pole in Südbulgarien (FdW) |
Weder von Karl Felderer noch von Karl Springenschmid ist sie in Erinnerungen erwähnt worden, obwohl es von beiden reichhaltige Erinnerungs-Berichte gibt. Die Tatsache, daß der Nationalsozialismus sie dazu veranlaßte, eine Entwurzelung der Südtiroler zuzustimmen und zu fördern, die ihrer ganzen sonstigen Einstellung widersprach, wird nicht wenig dazu beigetragen haben, daß sich Menschen ihrer Art nach 1945 kopfschüttelnd von ihrem Engagement für den Nationalsozialismus abgewandt haben. Sie wird ihnen die Erkenntnis erleichtert haben, daß Heimat wichtiger ist als alle Ideologien.
Aber natürlich fand auch die sonstige Lehrer-Ausbildung und die vielfältige nationalsozialistische Schulungsarbeit auf der Burg Hohenwerfen statt.
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| Abb. 15: Deutscher Soldatenfriedhof am Ortsausgang von Marino Pole in Bulgarien heute (GMaps) |
Aber als noch wesentlicher erscheint uns heute aus dem Nachhinein: Springenschmid blieb in guter Freundschaft mit Helga Ruetz verbunden, die in Werfen wohnte, und die Springenschmid unter anderem im Sommer 1945 während seiner Waldgänger-Zeit kurz besuchte. Über das Gespräch mit ihr berichtet er sehr ausführlich (1, S. 93-98).
Herbst 1945 - Ein Neuanfang in Bozen
Über dieses Gespräch und über ihre Haltung dachte er auch in der Folgezeit noch oft nach. Dieses Gespräch gab ihm schließlich noch im Herbst 1945 die Anregung für seinen ersten Nachkriegsroman "Das unerreichbare Herz" (6,7). Diesen schrieb er in einem ersten Entwurf in wenigen Wochen bei Freunden in Bozen nieder in der Zeit während und nach der Weinlese. Er legte diesen Roman dann seinem Schriftsteller-Freund Bruno Brehm vor, der sogleich erkannte, daß Springenschmid in diesem Roman zu einem völlig neuen Stil und zu einer neuen Aussage hin gefunden habe.
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| Abb. 16: Volkstanz auf Burg Hohenwerfen |
Springenschmid selbst berichtet über seine Bozener Zeit im Herbst 1945 (1):
Regen und wieder Regen.Der Regen kommt meiner Arbeit zugute. Ich habe eine beglückende Entdeckung gemacht: Ich kann wieder schreiben. Einfälle, Gedanken, Ideen bestürmen mich so heftig, daß ich kaum Zeit genug finde, sie festzuhalten. Es ist freilich etwas Verändertes, was mich bewegt, etwas völlig Neues, vor dem ich mitunter geradezu erschrecke. Eine ganz neue Form, ein neuer Stil, wesentlicher als zuvor, ernster, tiefer. Alle Not, alles Leid dieser Zeit liegt darin.Keine Novelle soll es werden. Das ist mir nun klar geworden. Vielmehr ein Roman wird es sein, eine gewichtige Arbeit. Auch das Thema steht nun fest. Ich muß dabei allerdings über das Schicksal Helgas hinausgreifen. Die Frau, die ich in diesem Roman schildern will, Getrud, war mit dem jungen Dozenten Rainer Gorenflor - der Name kommt aus dem Französischen: "Coeur en fleur", Herz in der Blume - überaus glücklich verheiratet. Rainer Gorenflor gerät als deutscher Offizier in ein Gefecht mit slowakischen Partisanen. Seither wird er vermißt. Gertrud ist allein. Ein Wort, das Helga zu mir gesprochen hat, bald nachdem ich ihr die Nachricht vom Tod ihres Mannes auf die Burg Hohenwerfen gebracht hatte, läßt mich nicht mehr los: "Du warst nicht nur unser Trauzeuge, Till, auch Zeuge unserer Liebe. Ich vermag mir nicht vorzustellen, daß ich noch jemals einen Mann für immer so lieben könnte, wie ich Ingo geliebt habe. Verstehst du das? Man kann nur ein einzigesmal in seinem Leben einem Mann so ganz und vorbehaltlos gehören. Dies aber bedeutet für mich, daß ich nie mehr zu einer neuen Ehe finden werde. Aber - ich möchte ein Kind, Till. Das verstehst du doch. Mutter eines Kindes möchte ich sein. Ist es wirklich widersinnig, wie manche sagen, sich wohl ein Kind zu wünschen, nicht aber einen Mann, mit dem man sein ganzes Leben teilen muß?" Dies ist das Problem, vor dem Gertrud Gorenflor steht. Mit anderen Worten: Bedeutet das "Kind außerhalb der Ehe" für das Schicksal einer mütterlich empfindenden Frau eine echte, überzeugende Lösung? Ich will in diesem Roman keine allgemein gültigen Maximen aufstellen. Vielmehr nur mit diesem Buch aufzeigen, wie in einem einzelnen Fall eine Lösung dieser heiklen Frage versucht worden ist.Immer tiefer wühle ich mich in dieses Problem hinein. -
Dieser Roman ergreift auch ganz unabhängig von der hier behandelten sehr "komplizierten" Fragestellung. Erst gegen Ende des Romans wird diese überhaupt wichtig.
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Und wichtig ist uns auch die Feststellung, die deshalb noch einmal wiederholt werden soll:
Ich will in diesem Roman keine allgemein gültigen Maximen aufstellen. Vielmehr nur mit diesem Buch aufzeigen, wie in einem einzelnen Fall eine Lösung dieser heiklen Frage versucht worden ist.
Wer im übrigen das Buch "Der Waldgänger" gelesen hat, weiß, daß alle Figuren in den Nachkriegsromanen von Springenschmid (so wie auch schon in seinem Romanen und Geschichten zuvor) zutiefst selbst erlebt worden waren: Männer, die aus sibirischer Kriegsgefangenschaft nach Hause kehren, Bauernmägde prall gefüllt mit Lebenslust, schrullige Professoren, erdfeste Bauern - das war für Springenschmid täglich erlebte Wirklichkeit, nichts theoretisch "Erdachtes".
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| Abb. 18: Eine Gruppe junger Frauen (wohl in der Lehrerausbildung befindlich?) während eines Lagers oder einer Schulung auf Burg Hohenwerfen |
Und wer diesen Roman "Das unerreichbare Herz" lieb gewonnen hat, wem er ans Herz gewachsen ist (GAj2014), der interessiert sich auch für alle Umstände, aus denen heraus er entstanden ist.
Aus diesem Interesse heraus ist der vorliegende Beitrag entstanden.
Freilich wird deutlich, daß Springenschmid im Roman mit Gertrud und Rainer Gorenflor ein wohl insgesamt doch recht anderes Ehepaar gezeichnet hat als er es - als erste Anregung - aus der Wirklichkeit her kannte.
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| Abb. 19: Fotografie aus einem zeitgenössischen Bericht über die Gauführerschule Burg Hohenwerfen |
Jedenfalls gehören die im vorliegenden Beitrag zusammen getragenen Umstände mit zu dem Bild, das zur Geschichte der Burg Hohenwerfen in den Jahren 1938 bis 1945 zu zeichnen ist. Vielleicht ist der aus diesen Zusammenhängen heraus entstandene Roman viel länger gültig, viel länger wesentlich als alles allzu Zeitbehaftete, was da sonst geschehen sein mag in den Jahren 1938 bis 1945.
Springenschmid hat in Bozen in der Zeitung auch von dem Tod des Dichters Josef Weinheber erfahren, mit dem er gut befreundet war. Seine Reaktion auf diesen Tod gehört im Grunde mit zu seiner "Waldgänger"-Zeit, ist aber im Roman "Der Waldgänger" gar nicht behandelt.
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| Abb. 20: Der erste bedeutende deutsche Nachkriegsroman, erschienen 1949 |
Davon hatte er schon in einer früheren Veröffentlichung berichtet (Podium, S. 128):
Um von den Amerikanern nicht hinter Stacheldraht gesetzt zu werden, hatte ich mich nach Südtirol durchgeschlagen. Auf einem weltabgelegenen Berghof wartete ich die Zeit ab. Da kam mir eines Tages zufällig ein Zeitungsblatt in die Hände. Da standen, drei Zeilen nur, in kleinem Druck: "... nahm sich der österreichische Dichter Josef Weinheber das Leben."Ich war erschüttert. Weinheber - wie viel hatten wir ihm zu danken. (...) Ich stieg auf den Gipfel des Weißhorn. Unter dem weiten Himmel habe ich damals in mein Tagebuch geschrieben, was mich bewegte."... nahm sich das Leben"Diese Zeile nur: "... nahm sich das Leben."Und Schweigen. Nichts.(...)Was Gutes in uns war,das Edelste der Herzenund was wir littenin stiller Qual,Du sprachst es aus.So laut die Jahre und lärmend viel,Dein Wort allein wird bleiben.(...)Immer warst Du, tiefer sehend, uns voran.Was als Sehnsucht wuchs, unausgesprochen,Du gabst als erster ihmDes Wortes bleibende Gestalt.Und als der Jubel uns die Herzen sprengte,wir nichts denn nur den Himmel sahen,weit offen, frei,klang schon ein dunkles Mahnen aufin Deinem Wort.Doch als die Schatten wuchsen grauenvollund düster uns den Blick verstellten,Abgründe furchtbar aufgerissenrings um uns klafften und Untergang,gabst Du uns Dein Höchstes- oh wie einsam klang Dein Wort.
Dem Buch ist eine Vorbemerkung voran gestellt, die wohl von Springenschmid selbst stammt (Podium):
Von körperlichen Schmerzen gequält und vom Leid des deutschen Volkes durch das bittere Kriegsende zutiefst erschüttert, nahm der Dichter Josef Weinheber eine Übermenge Schlaftabletten. Ob er dabei den Tod suchte, ist ungeklärt, bei seiner Charakterstärke jedoch unwahrscheinlich.
So also die Sichtweise Springenschmids auf den Tod Weinhebers im Jahr 1978.
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*) Die Verhältnisse waren aber ähnlich (Wiki):
Das I. Bataillon / Gebirgsjäger-Regiment 100 wurde vor Beginn des Angriffs, für den frontalen Angriff auf die Befestigungen im Zugang des Rupel-Paß, der über das Grenzgebirge nach Saloniki führt, dem verstärkten Infanterie-Regiment 125 unterstellt. (...)Der gesamte Angriff verlief nicht planungsgemäß, da der Einsatz von Artillerie und Sturzkampfbombern im Gebirge nicht die erwartete Wirkung zeigte, und führte letztlich zu vielen Verlusten bei der Division und den unterstellten Truppen. Die deutsche Aufklärung hatte die Komplexität und den Ausbau der Befestigungen der Metaxas-Linie unterschätzt. Anders als beim Angriff auf die Maginot-Linie gerieten 3,7-cm-Panzerabwehrkanonen, 5-cm-Panzerabwehrkanonen, 8,8-cm-Flak und Infanteriegeschütze, welche im direkten Beschuß die Schießscharten der Bunker bekämpfen sollten, selber unter gezieltes gegnerisches Feuer, da diese im bergigen Gelände nicht über größere Distanz wirken konnten und schon beim Instellunggehen erkannt wurden. Weiterhin wirkten die gut geplanten Bunker flankierend zueinander, so daß wenige Räume im Vorfeld der Befestigungen nicht ständig beschossen wurden. Die verbunkerten Höhenstellungen wurden durch eigenes Artilleriefeuer geschützt (u. a. 6 × 10,5 cm und 8 × 15 cm). Erst nachdem erste Werke der Linie nicht mehr kämpften, konnten die deutschen Truppen die schwere Flak wirksam gegen die verbliebenen Bunker einsetzen.Das III./ Geb.Jäg.Rgt. 85 verlor beispielsweise beim Angriff auf die Höhen des Werk Istibei am 6. April an Toten 3 Offiziere und 37 Mann und Verwundeten 4 Offiziere und 137 Mann, was einem Drittel der Gefechtsstärke des Bataillons entsprach. Die Witterungsbedingungen (Sturm, Regen, Schnee) in der Nacht vom 6. auf den 7. April ermöglichten stellenweise das Vorziehen von Ersatztruppen und das Verschließen und Zuschütten von Bunkerscharten. Die griechische Abwehr wurde von einzelnen britischen Bomberangriffen auf die deutschen Stellungen hinter der Front unterstützt. Am Morgen des 7. April wurde auf der Ostseite des Werk Kelkaja der Eingang zu diesem Werk entdeckt und das III./ Geb.Jäg.Rgt. 100 begann die Anlage zu stürmen, woraufhin sich die überlebende Besatzung aus 4 Offizieren und 150 Mann nach etwa eineinhalb Stunden der Kämpfe im Inneren ergab. Die griechischen Verluste in diesem Werk betrugen etwa 110 Tote und Verwundete. Es folgten weitere Kämpfe um die anderen Werke.
Das hier erwähnte des Werk Istibei gehörte schon zum Belasiza-Gebirge.
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- Springenschmid, Karl: Der Waldgänger. Roman. Leopold Stocker Verlag, Graz und Stuttgart 1975
- Springenschmid, Karl: Ingo Ruetz zum ewigen Gedenken. Salzburger Volksblatt, Folge 110 vom 12. Mai 1941 (FdW)
- Obermair, Hannes: "Großdeutschland ruft!" Südtiroler NS-Optionspropaganda und völkische Sozialisation. März 2020 (Resg2020) (s.a. Salto)
- Dimitris K. Apostolopoulos: Der Einmarsch der Wehrmacht in Griechenland (April-Mai 1941). Veröffentlicht 02.02.22 (Comdeg2022)
- Deutsche militärische Karten zur Metaxas-Linie (Fb2025)
- Streitter, Beatus (d.i. Karl Springenschmid): Das unerreichbare Herz. Stocker-Verlag, Graz 1949 (437 S.)
- Bading, Ingo: "Das unerreichbare Herz" (1949). Der erste Nachkriegsroman von Karl Springenschmid. Gesellschaftl. Aufbr. jetzt!, 9.9.2014 (GAj2014)
- Springenschmid, Karl: Heiteres Podium. Erlebnisse und Geschichten. Rudolf Schneider Verlag, München [1978]












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