Posts mit dem Label Hijacking werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Hijacking werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 10. Februar 2025

Pfaffenmief im Weserbergland

- und die "Neue Rechte" in Deutschland
Klerikale Einflüsse auf die Politik - In Deutschland und weltweit

Für diesen Blog war es immer schon sehr verstörend, daß die heutigen Vordenker der "Neuen Rechten" die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse über das Sein und Werden der Völker weltweit so außergewöhnlich sparsam zur Kenntnis nehmen wollen und sich so außergewöhnlich sparsam darum bemühen, diese in den politischen Diskurs einfließen zu lassen. Seit Jahrzehnten. 

Abb. 1: Kloster Buchhagen im Weserbergland - Mönche vom Berg Athos in Griechenland

Die Gründe dafür werden sofort deutlich, wenn man sich klar macht, welche geistigen, spirituellen Hintergründe hinter den Vordenkern der Neuen Rechten stehen. Diese sind so verquastet klerikal, daß die geringe Freude an den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zum Menschsein, zu unserer Welt und zu dem Sein und Werden der Völker nichts weniger als folgerichtig ist.

Es stehen Kräfte hinter der Neuen Rechten, die die gesamte moderne Welt seit dem Mittelalter ablehnen. Es sind das sehr viele orthodoxe Klerikale und es sind das viele katholische Klerikale. Derselbe Umstand gilt übrigens auch für die wachsende, rein demographische Macht des orthodoxen Judentums im modernen Israel und weltweit. Die ultraorthodoxen Juden interessieren sich Null Komma nichts für alles "Moderne". Für sie zählen keine Schulbildung, keine Universitäten, sondern allein die religiösen Schriften des Judentums. So auch die Klerikalen in der katholischen, in der evangelischen, in den orthodoxen oder in den freikirchlichen Gemeinden. Dieser Umstand ist so verstörend und irritierend und erschreckend, daß man sich diesen gar nicht oft genug vor Augen führen kann. Welcher "Macht" dienen all diese Kräfte? Dem Mittelalter? Zutiefst gruselig und unheimlich.

Warum spielen naturwissenschaftliche Argumente noch heute innerhalb der AfD so gut wie keine Rolle, ja, sind tabuisiert und verpönt wie es schlimmer nicht gehen kann? Warum haben konservative Christen wie Beatrix von Storch in der AfD einen solchen großen Einfluß? Um all das besser zu verstehen, ist jüngst ein neues Puzzle-Teil bekannt geworden (1, 2).

Mönchsgezänk am Berg Athos in Griechenland

Das "sagenumwobene" Kloster am Berg Athos (Wiki) in Griechenland - es ist schon seit Jahrhunderten ein religiös und politisch sehr einflußreiches Kloster. 

So wie seit Jahrhunderten in allen orthodoxen Kirchen Osteuropas ein Kampf geführt wird darüber, ob sich diese Kirchen der Oberherrschaft des Papstes in Rom unterwerfen sollen - wie das die Jesuiten wollen - oder ob sie die Oberherrschaft des Patriarchen von Moskau anerkennen sollen, so wird dieser Kampf auch innerhalb des Klosters auf dem Berg Athos - noch bis heute - in aller Schärfe geführt. Auch der orthodoxe Patriarch der Ukraine in Kiew hat sich schon vor Jahrhunderten der Oberherrschaft des Papstes in Rom unterworfen. Am Berg Athos jedoch - und anderwärts - gibt man sich weiterhin sehr, sehr "störrisch".

Die - nicht selten pädokriminellen - Päpste in Rom und ihre fanatische Jesuiten-Truppe wollen also nicht nur jede Menschenseele weltweit und insbesondere auch in Rußland, sondern auch die Mönchsgemeinde auf dem Berg Athos schon seit Jahrhunderten unter ihre Oberherrschaft bringen. So hat es Mönchsgezänk auf dem Berg Athos schon seit Jahrhunderten gegeben, Mönchsgezänk, das dumpf-muffig mittelalterlich anmutet, in das sich aber - bezeichnenderweise - einflußreiche weltliche Mächtige bis heute immer wieder einmischen. Über die heutige Situation im Kloster auf dem Berg Athos heißt es (Wiki):

Auch noch im Jahr 2022 galt (...) der unbestrittene Einfluß der russischen Kirche auf die Mönchsrepublik als erheblich und Rußland versuche, den kulturellen Einfluß auf den Norden Griechenlands auszuweiten. Russische Staatsbeamte und Oligarchen versuchten mit Spenden, bestimmte Geistliche und die russische Präsenz zu stärken. Es wurde über falsche Mönche berichtet und den Kampf gegen Kriegspropaganda auf russischen Websites, welche „Vertreibungen“ russischer Mönche herbeischrieben.

Rund um den Berg Athos schwelt mithin derselbe religionsimperialistische, fanatisch geführte Pfaffen-Zank zwischen Moskau und Rom, wie er auch sonst über ganz Europa, bzw. Eurasien hinweg seit Jahrhunderten zu beobachten ist, und worauf wir in früheren Beiträgen hier auf dem Blog schon den einen oder anderen Blick geworfen haben (s. GAj2010GAj2021a). Über den Berg Athos lesen wir noch detaillierter (Wiki):

Für internationale Schlagzeilen sorgte im Dezember 2005 die Besetzung des Konáki (Sitz des Vorstandes der Mönchsrepublik) durch 20 Mönche des Klosters Esfigménou. Damit protestierten sie gegen den Beschluß der übrigen 19 Klöster, die Vertretung ihres Klosters in den Gremien der Mönchsrepublik nicht mehr anzuerkennen. Ausgelöst wurde der Eklat nach jahrzehntelang schwelender Krise 2003, als die Mönche von Esfigménou dem Oberhaupt der orthodoxen Kirche, Patriarch Bartholomäus I. von Konstantinopel „Verrat an der Orthodoxie“ vorwarfen, weil er mit der römisch-katholischen Kirche Gespräche aufgenommen hatte. Daraufhin forderte der Patriarch die Rebellen zum Verlassen der Mönchsrepublik auf. Die Mönche von Esfigménou ignorierten die Forderung. Im Dezember 2006 kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung, als gemäßigte Mönche versuchten, den besetzten Verwaltungskomplex zu räumen. Es gab eine Handvoll Verletzte, aber die Besetzung dauert an. Die griechische Regierung bot Polizei- und Militärhilfe an, was vonseiten der Mönche abgelehnt wurde. Im August 2008 drohten die Mönche damit, sich und ihr Kloster in die Luft zu sprengen, falls die Polizei versuche, es zu räumen. „Orthodoxie oder Tod“ ist denn auch das Motto dieser auch Zeloten genannten Mönche der GOC (Kirche der wahren orthodoxen Christen Griechenlands).
Die Mönche hielten die Räumlichkeiten auch im Jahr 2022 besetzt. Auf Nachfrage der NZZ beklagte Abt Bartholomäus die klandestinen Bewegungen der Unterstützer illegal über die Landesgrenzen; niemand wisse genau, wer sich in dem besetzten Gebäude verstecke.

Mönchsgezänk also vom Allerfeinsten. 

Auf den ersten Blick könnte man denken: Alles weit weg, nicht unsere Welt. - - - Aber: Von wegen! Diese Mönche wollen Europa zu ihrem Glauben bekehren und missionieren eifrig. Und sie sind damit so erfolgreich, daß über ihre abstrusen Missionsbemühungen nicht nur TAZ und Neues Deutschland berichten, sondern auch Vordenker der Neuen Rechten in sie involviert sind.

"Reconquista" - Ein orthodoxes Missionskloster für Deutschland

So gab es da beispielsweise den bulgarischen orthodoxen Metropoliten Simeon (1926-2016) (Wiki), der viele Jahrzehnte als orthodoxer Missionsbischof in Westeuropa tätig war. Über seinen religiösen Werdegang ist zu erfahren, daß er 1957 in Moskau Theologie studierte (Wiki),

... wo er am 8. Oktober 1958 vom Moskauer Patriarchen Alexius I. zum Mönchspriester geweiht wurde.

Dieser Metropolit unterstand also dem Patriarchen von Moskau - nicht dem Papst in Rom. Seit 1980 war er "Missionsbischof" der bulgarisch-orthodoxen Kirche - und damit auch des Patriarchen von Moskau - in Westeuropa (Wiki). Als solcher entfaltete er Wirksamkeit an Standorten wie Budapest, Wien, Berlin und andernorts.

Als dieser Missionsbischof hat dieser Herr Simeon 1994 nun das bislang einzige bulgarisch-orthodoxe Missionskloster in Westeuropa eingeweiht, nämlich das "deutsch-orthodoxe" Kloster Buchhagen (Wiki) im Weserbergland. Sein "Abt" ist ein Mensch, der mit bürgerlichem Namen Johannes Pfeiffer (geb. 1955) heißt und aus Hofgeismar in Hessen stammt. Und vermutlich war auch damals schon Götz Kubitschek (geb. 1970) (Wiki) dabei, der sehr umfangreich in den Aufbau dieses Klosters involviert ist - wie neuerdings bekannt geworden ist (1, 2). Der Johannes Pfeiffer hat lange unter den Mönchen auf dem Berg Athos in Griechenland gelebt. Vermutlich ja doch insbesondere auch unter solchen Mönchen, wie sie seit 2006 mit dem Schlachtruf "Orthodoxie oder Tod" das Verwaltungsgebäude des Klosters gewaltsam besetzt halten und damit drohen, sich mit dem gesamten Gebäude in die Luft zu sprengen. Diese wunderliebsten Leute. Dieser Johannes Pfeiffer nennt sich also "Abt". Und Götz Kubitschek unterwirft sich ihm. Man kommt ja fast auf den Gedanken, daß Götz Kubitschek und manche seiner Freunde dann nicht nur "Raki am Igman" getrunken haben (s. Amaz), sondern auch den Berg Athos besucht haben werden. Ehrfürchtig. Ohne Raki.

Götz Kubitschek - Einem orthodoxen Abt vom Berg Athos unterworfen

Mitbegründet und sehr engagiert in seinen Aufbau ist also niemand geringerer als Götz Kubitschek, der langjährige "Vordenker" der Neuen Rechten in seinem Tagungszentrum Schnellroda (1, 2). Ob zu dem Unterstützerkreis dieses Klosters nicht auch Jürgen Elsässer gehört, der sich doch auch schon seit Jahren zur "Orthodoxie" hingezogen fühlt, kann an dieser Stelle einstweilen offen bleiben. Er bewegt sich in jedem Fall religiös in ähnlichen Zusammenhängen. Es werden aber gewiß noch zahlreiche andere Leute sein, die im politischen und vorpolitischen Raum tätig sind, und die solchen Klerikalen Ehrerbietung zeigen.

Der langjährige rechte französische "Vordenker" Alain de Benoist (geb. 1943) (Wiki) versteht sich ja in ähnlicher Weise schon seit vielen Jahren mit dem russischen Vordenker Alexander Dugin so herzerwärmend gut (GAj2015, a) - warum sollten da seine deutschen Freunde Karlheinz Weißmann oder Götz Kubitschek auch so ganz und gar anders gestrickt sein? Karlheinz Weißmann hätte von seinem Wohnort Northeim aus auch einen viel kürzeren Weg zum Meditationszentrum Kloster Buchhagen. 

Es wird zu berücksichtigen sein, daß sowohl der Patriarch von Moskau wie auch die Mönche vom Berg Athos in Verbindung stehen mit der Priesterkaste von Tibet, die nach außen hin durch den Dalai Lama repräsentiert wird, der nun wieder auch gute Kontakte aufrecht erhielt etwa zu einem Jörg Haider in Kärnten (wenn wir uns recht erinnern) (GAj2012). 

Man mag sich in diesem Zusammenhang auch an Äußerungen von Ernst Jünger, Friedrich Hielscher oder Hermann Hesse erinnern (die alle hier auf dem Blog schon behandelt worden sind), nach denen Angehörige östlicher oder westlicher Priesterkasten oft über die jeweiligen "Machtgrenzen" hinweg im friedlichem Gespräch miteinander stehen würden. Etwa in Berliner Cafe's oder in Freimaurerlogen. Vermutlich auch öffentlich, etwa so, wie sich der Atheist Jürgen Habermas mit dem - im weltlichen Bereich nie verurteilten Pädokriminellen - Josef Ratzinger unterhalten konnte.

Missionsversuche unter "Neuen Rechten"

Nun gibt es da den einstmals "links-", heute "rechtsorientierten" politischen Aktivisten Erik Ahrens (geb. 1994) (Wiki), der neben anderer Verwandtschaft in Griechenland auch eine griechisch-orthodoxe Großtante hat, mit der er schon früher griechisch-orthodoxe Gottesdienste besucht hat.

In einem neuen Video berichtet er von Geschehnissen aus dem Mai 2019, also von Geschehnissen, die fünf Jahre zurück liegen, und zwar von einem Besuch im Kloster Buchhagen, zu dem er von Götz Kubitschek eingeladen worden war, und der ihn, den Erik Ahrens, offenbar ebenfalls zu Gläubigkeit und Pfaffen-Verehrung bekehren wollte (1, 2):

"Der Kubitschek betreibt da dieses Kloster oder ist Teil dieses Klosters. (...) Er fährt da sehr oft hin und er hilft seit Jahrzehnten, dieses Kloster aufzubauen. Er hat mich eingeladen, da doch auch mal hinzufahren."

Und über den "Abt", den Herr Pfeiffer aus Hofgeismar, sagt er (1, 2)

"Götz Kubitschek unterwirft sich ihm spirituell. Das heißt, hier ist das innere geistige Zentrum der Neuen Rechten." "Hier kommen die Ideen her."

Und (1, 2):

"Alles, was die Neurechte predigt, kommt von dem."   

Und (1, 2):

"Er will einen deindustrialisierten, mitteldeutschen Agrarstaat, im besten Fall feudal, so eine Art völkische, christliche Bauernromantik" 

Ahrens spricht von einem "deutsch-orthodoxen Sektenkult", zu dem er auch Martin Sellner zählt, der den Götz Kubitschek "Chef" nennen würde. Es hat schon 2019 Streit gegeben zwischen Ahrens und Kubitschek, nämlich darüber, daß der AfD-Politiker Maximilian Krah aus der rechtskonservativen Fraktion des Europäischen Parlamentes ausgeschlossen wurde. Seither scheint der Haussegen zwischen Kubitschek und Ahrens schief zu hängen und Ahrens plaudert solche Missionsversuche aus und äußert sich auch sonst äußerst abfällig über die Aktivitäten der Leute in Schnellroda (1, 2):

"Was ihr macht, ist GZSZ, was ihr macht, ist Fake."  

Nun, dieser Blog sieht das schon seit vielen Jahren so (GAj2018). Die ganze "konservative Revolution" dient im Wesentlichen nicht dazu, Völker erhaltende, sondern Völker zerstörende Ziele zu verfolgen. Nämlich solche, wie sie in klerikalen Kreisen schon seit Jahrhunderten verfolgt werden. In dem Kloster Buchhagen leben nur wenige Mönche. Aber es gibt einen größeren Unterstützerkreis von Seiten offenbar "gläubiger" Menschen und Familien rund um dieses Kloster herum. "Viele junge Männer" kommen immer wieder zu Besuch in dieses Kloster. Frauen sind dort - offenbar - weniger erwünscht. (Vielleicht gibt es für die ja Nonnenkloster und sonstige Schwestern-Zirkel, die noch nicht bekannt geworden sind.)

Ein Bericht über das Kloster auf dem Berg Athos, 1920/1961

Frauen dürfen auch das Kloster des Berges Athos nicht betreten. Der griechische Schriftsteller Nikos Kazantzakis (1863-1957) (Wiki) gab 1961 sein aufgesetzt-tiefsinniges Buch "Rechenschaft vor El Greco" heraus. Es war das jene aufgesetzte Tiefsinnigkeit, die in den 1950er und 1960er Jahren in der westeuropäischen Literatur so üblich war, und die sich heute oft außerordentlich unangenehm liest in all ihrer Aufgesetztheit. In dem Kapitel "Berg Athos" berichtet er über einen Besuch, der zu jenem Zeitpunkt schon vierzig Jahre zurück lag, der also Anfang der 1920er Jahre stattfand:

Wir betraten den heiligen Boden; die Mönche am Landungskai prüften mit geübtem Auge jeden einzelnen, der an Land ging, ob er eine Frau in Männerkleidung sei. Seit tausend Jahren, da der Heilige Berg der Jungfrau geweiht wurde, hat kein Frauenfuß den Boden betreten, kein Frauenatem die Luft entweiht. (...)
"Und hat niemals eine Frau den Heiligen Berg betreten?" fragte ich. 
"Niemals, niemals", antwortete der Ältere und spie in die Luft. "Geh hinter mich, Satan," murmelte er.

Manchmal würden Frauen trotzdem versuchen, in Männerkleidung ins Kloster zu kommen. Aber die Mönche würden sie sofort erkennen, nämlich am Geruch:

"Riechen Frauen denn anders, heiliger Vater?" fragte er ihn. "Wie denn?"
"Wie Stinktiere", antwortete der Alte und beschleunigt den Schritt.  

Wir merken: Wir begegnen hier dem Tiefsinn auf höherer Ebene. Statt daß der Autor nach einer so ekelhaften Begegnung stante pede diesen zutiefst ekelhaften Boden wieder verlassen hätte, führte er seine "Pilgerreise" fort - und zwar, wie es heißt: "verzückt und glücklich". Der ganze Bericht, der sich über viele Seiten hinzieht, liest sich abscheulich. Es findet sich auch folgender Wortwechsel, der trotz seiner sehr eindeutigen Andeutung kommentarlos stehen bleibt:

"Hast du jemals, heiliger Pförtner, den Teufel gesehen?" fragte wiederum mein Freund.
"Und ob ich ihn gesehen habe! Natürlich habe ich ihn gesehen."
"Wie sieht er aus?"
"Bartlos, mollig, zarthäutig, zwölf Jahre alt."

Es ekelt und würgt einen, wohin man in diesem Bericht blickt. Überall nur solcher - - - "Tiefsinn". 1961. "Geh hinter mich, Satan," möchte man in der Tat dauernd nur zu all dem Ekelhaften sagen.

"Rechte" wie "Linke" - Mit Blick zum Patriarchen von Moskau?

Spätestens seit 2003 hat der der "Abt" Pfeiffer und sein Missionskloster von Mainstream-, und vor allem linksorientierten Presseorganen keineswegs nur keine oder bestenfalls spöttische oder neutrale mediale Anteilnahme erhalten. Im Gegenteil: Ehrfurchtsvolle (s. Welt2003TAZ2003NeuesDtschld2008). Von kritischer Berichterstattung bislang in solchen Presseorganen keine Spur. Peinlich, oder, TAZ? Hat der Abt Johannes euch etwas vorgegaukelt? Auch euch? Kann doch wohl nicht sein? Götz Kubitschek baut dieses Kloster auf und linke Presseorgane berichten positiv über dasselbe. Dann versteht man womöglich auch, warum ein Jürgen Elsässer so leicht zwischen "links" und "rechts" changieren kann ....  

Bemerkenswert ist womöglich auch eine Stelle in dem Literaturverzeichnis des Wikipedia-Artikels zum Kloster Buchhagen (Wiki):

Archimandrit Johannes: Vom Mysterium des Mönchtums. Verlag des Klosters Buchhagen, 2012, ISBN 978-3-926236-16-6 (64 Seiten).
Auf Veranlassung des Patriarchats von Moskau und der ganzen Rus ins Russische übersetzt:[30] Схиархимандрит Иоанн: О таинстве монашества, 2016

Nachfolger des Metropoliten Simeon ist seit 2013 der sicherlich ähnlich glaubensfeste Metropolit Antonij (geb. 1978) (Wiki). Über diesen heißt es  (Wiki):

Am 27. November 2021 traf sich Metropolit Antonij bei einer Privataudienz mit Papst Franziskus. Diesem war er bereits bei Franziskus’ Bulgarienreise 2019 begegnet.

Wir können nur innigst hoffen, daß er bei solchen Gesprächen keinen "Verrat an der Orthodoxie" begeht. Aber traue niemals. Satan ist überall ... 

Wir selbst hatten Leute wie Alain de Benoist, Götz Kubitschek, Ellen Kositza oder Karlheinz Weißmann bislang als "Rechtskatholiken" eingeordnet. Sind sie vom Jesuitenorden als Sturmtruppe aufgestellt worden, um die Machtbasis des Patriarchen von Moskau zu untergraben durch freundliche Gespräche mit Alexander Dugin und Konsorten? Man soll auf diesem Gebiet nichts für unmöglich halten. "Falsche Mönche" gibt es überall. Und falsche "Nonnen" sowieso. Patriarch von Moskau hüte dich, der Jesuit verkleidet sich in die unmöglichsten Gewänder. Manchmal in die Gewänder von "Rechtsintellektuellen".

Aber vielleicht nimmt das Kloster Buchhagen auch ganz offiziell eine Art "Mittler"-Stellung, "Vermittler"-Stellung ein zwischen den beiden stark verfeindeten, miteinander im Bekehrungskrieg stehenden Priesterkasten, nämlich der Päpstlich-jesuitisch-westlich-orthodoxen und der Moskau-orthodoxen. Vielleicht ködert man auch junge Männer, die katholisch aufgewachsen sind - wie Götz Kubitschek -, damit, daß sie in der orthodoxen Kirche alles als viel "ursprünglicher" vorfinden würden als in der auf Abwege geratenen katholischen Kirche. Am Berg Athos erkennt man den Satan ja noch am Körpergeruch. Das ist doch was!   

Es kann also - wie wir unterstellen möchten - auch sein, daß sich hier der Jesuitenorden als "deutsch-orthodox" tarnt, um - auch - über dieses Kloster sowohl in den Bereich der Neuen Rechten in Deutschland als auch in die russisch-orthodoxe Kirche in Osteuropa hineinzuwirken (was er ja auch sonst auf vielerlei Art in so gut wie alle Richtungen hin über die möglichsten und unmöglichsten Vertarnungen hinweg tut). Es kann aber auch heißen, daß das Moskauer Patriarchat sich hier einen Kommunikationskanal offen hält, über den es hofft, seinen Machtbereich - im Sinne von Alexander Dugin und Co - weiter nach Westen ausdehnen zu können.

Die moderne Welt ist auf einem Abgrund von klerikalen Bestrebungen errichtet. Die Gefahr, daß sie in diesen Abgrund hinein stürzt, war in keinem Geschichtsabschnitt der Neuzeit größer als im heutigen.

Spiegel TV fragt erstmals kritisch nach ....

/ Nachtrag, 28.2.25: In einem Beitrag wird betont, das Kloster Buchhagen sei ein ganz und gar unpolitischer Ort. Zu behaupten, in und mit dem Kloster würden politische Ziele verfolgt, würde das Kloster "beschmutzen" (3). Das hört sich sehr genau danach an, als ob sich jemand stark angegriffen fühlt. Und die Ausflüchte verfangen nicht. Auch im Kloster von Berg Athos geht es ja - offensichtlich - nicht völlig unpolitisch zu. Seit wann wäre Religion, zumal christliche Religion, jemals "unpolitisch" gewesen. In diesem Zusammenhang kann man sich gerne auch einmal den vielsagenden X-Account des Klosters selbst ansehen (X/Deutschorthodox). Entgegnung zu erstgenannten Beitrag hat es auch gegeben (Yt6.2.2025). / 

/ Nachtrag, 5.3.2025: SpiegelTV hat auf all das überraschend schnell reagiert. Im Verlauf des Februar 2025 hat ein Team das Kloster Buchhagen besucht und den dortigen Abt vor laufender Kamera zu Stellungnahmen gedrängt (4). /

/ Ergänzt durch Ausführungen 
zu Kazantzakis: 16.2.25
zu Jonathan Rudolph: 28.2.25 / 

________

  1. Ahrens, Erik: Mit Kubitschek im Kloster (das Geheimnis von Schnellroda), 3.2.2024 (Yt2024) (Kurzfassung)
  2. Ahrens, Erik: VRIL-Talk: Bericht aus der Unterwelt (mit Kubitschek im Kloster), 3.2.2024 (Yt2024) (Langfassung)
  3. Rudolph, Jonathan ("einwaldgaenger"): Ahrens, Kubitschek und das Kloster - eine Klarstellung (X, 5.2.2025)
  4. Neumann, Henrik: Pilgerort für Rechtsextreme - Kubitscheks Denkfabrik. SpiegelTV, 26.02.2025 (Yt)

Samstag, 24. Oktober 2020

"Antes-Kurve" versus "Adolf-Kurve"

Deutschland und Kroatien im Vergleich bezüglich der Häufigkeit der Vergabe des Vornamens seines faschistischen Führers bis 1945 und seit 1970

Eine neue Vornamen-Studie

Eine positive Erinnerung der Teilnahme Kroatiens im Zweiten Weltkrieg an der Seite Deutschlands unter dem klerikalfaschistischen Ustascha-Regime (Wiki) blieb in Kroatien immer viel stärker erhalten, auch in der kommunistischen Zeit als dies bis heute für Deutschland der Fall geblieben ist.

Es zeigt sich dies - auch - daran, daß die Kroaten ab den 1970er Jahren ihren Kindern wieder verstärkt den Vornamen "Antes" gegeben haben, sowie Vornamen weiterer, vormals führender kroatischer Generäle des Zweiten Weltkrieges (1). Ante Pavelić war der Staatsführer des von den Deutschen im April 1941 in Kroatien errichteten Ustascha-Staates.

Abb. 1: Klerikalfaschismus - wieder und wieder geht er in der Geschichte mit der Unterdrückung Andersdenkender einher. In Deutschland gingen die Kircheneintrittszahlen 1933 bis 1935 in die Höhe, in Kroatien kam es nach 1941 zu Zwangskonversionen von orthodoxen Serben zum Katholizismus (Wiki) - Hier in Mikleuš (Slawonien), durchgeführt vom Priester Vlaho Martić. (http://znaci.net/damjan/fotogalerija.php?slika_po_strani=50&fraza=&stranica=86, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36994619)

Eine statistische Auswertung von Menschen mit solchem Vornamen nach Teilnahme und Tod während des kroatisch-serbischen Krieges 1991 bis 1995 und nach sonstigem Wahlverhalten (politischer Einstellung) zeigt, daß mit der Vergabe dieser Vornamen auch Einstellungen von den Eltern auf die Söhne weiter gegeben worden waren (1). Interessanterweise geschah dies in ländlichen Regionen Kroatiens häufiger als anderwärts in Kroatien und im Umfeld von vormaligen Konzentrationslagern seltener als anderswärts in Kroatien (1, Fig. 4).

Dazu muß man wissen, daß sich - schon - während des Zweiten Weltkrieges der Hauptkampf des kroatischen Staates gegen die Serben, insbesondere gegen die Tito-Partisanen, gerichtet hatte. Serben wurden als größte Gruppe - zusammen mit anderen "oppositionellen Gruppen" - in Konzentrationslagern ermordet, sie wurden auch zum Katholizismus zwangsmissioniert (Abb. 1). Es herrschte also eine Stimmung vor, wie sie häufiger aus der Geschichte überliefert wird: Tod oder Taufe. Man wird schon sehr katholisch gewesen sein müssen, wenn man ab den 1970er Jahren seinem neugeborenen Sohn immer noch den Vornamen Antes gegeben hat.

Aber insgesamt ist das natürlich so, wie wenn in Deutschland Geburtsjahrgängen zwischen 1970 und 1980 von den Eltern wieder Vornamen gegeben worden wären wie "Adolf". Oder auch Vornamen, die auf andere legendäre deutsche Militärs des Zweiten Weltkrieges verweisen könnten, sagen wir etwa "Erwin" (nach Erwin Rommel) oder meinetwegen "Heinz" (nach Heinz Guderian). Aber so etwas hat es - unserer Kenntnis nach - weder links noch rechts der Elbe in Deutschland ab den 1970er Jahren gegeben. Schweigen, aller größtes Schweigen zu den eigenen, etwaig positiven, nationalen Erinnerungen an die Zeit vor 1945 im Kernland Europas, hier auch ablesbar an den seither vergebenen Vornamen.*)

Von den 480.000 kroatischen Soldaten, die 1991 bis 1995 - freiwillig oder regulär eingezogen - an dem blutigen Krieg gegen Serbien teilnahmen, kamen 6060 ums Leben. Das waren 1,6 Prozent (1). Die meisten von ihnen sind schon gleich bei Beginn dieses Krieges 1991 ums Leben gekommen, weitere folgten dann noch einmal 1995 (1, Fig. 2). Von diesen 480.000 Soldaten waren aber nur 74 % katholisch und können darum noch heute als ethnische Kroaten identifiziert werden (vielleicht waren auch Abkömmlinge von Zwangsmissionierten dabei?). Jedenfalls sind das 350.000 Soldaten. Die anderen waren ethnische Serben (griechisch-orthodox, bzw. muslimisch). Von diesen 350.000 Soldaten nun trugen 8000 den Vornamen Antes, also 2,3 %. 26 % der Soldaten trugen weitere Vornamen, die von militärischen Führern des Ustascha-Regimes abgeleitet waren. 

Ante als Vorname - ebenso andere Vornamen des Ustascha-Regmies - waren bis 1945 sehr beliebt, sanken dann in ihrer Beliebtheit bis 1970 stark ab, um von diesem Tiefpunkt bis 1995 allmählich zu einem neuen Höhepunkt in der Häufigkeit der Vergabe anzusteigen (1, Fig. 3). Am Anfang des Krieges dann, im Jahr 1991, war die Wahrscheinlichkeit, als Soldat ums Leben zu kommen, für Soldaten mit dem Vornamen "Antes" gegenüber anderen Soldaten erhöht (1). Ein solcher Name "verpflichtete" also womöglich. Aber damit sind bis hier nur einige grobe Ergebnisse dieser neuen Namensstudie referiert (1).

... Und in Deutschland?  

Eine solche Studie läßt die Frage aufkommen, welches eigentlich die bekanntesten und beliebtesten deutschen Politiker und Militärs bis 1945 und/oder nach 1945 waren, nach denen Menschen - womöglich - gerne ihre Kinder benannt haben. Könnten dazu nicht auch Namen von "Fliegerassen" gehören wie Hans-Ulrich Rudel, Werner Mölders, Erich Hartmann (Wiki)? Es steht zu vermuten, daß es dazu schon wissenschaftliche Studien gibt. Diese wären noch einmal herauszusuchen.

Bei den häufigsten Vornamen der Jahre 1940 bis 1945 in Deutschland sind solche Vornamen nicht zu finden (2). Adolf kommt unter den 35 beliebtesten deutschen Vornamen jener Zeit gar nicht vor (2), auch nicht in dem Jahr der - vielleicht - größten "Beliebtheit" des "Friedens-Reichskanzlers" Adolf Hitler, also auch nicht im Jahr 1938 (3). An "Zeitgeistigem" ist in der Namensvergabe in Deutschland auf den ersten Blick das folgende zu erkennen (4):

So stieg während der Zeit des Nationalsozialmus der Anteil an germanischen Vornamen an. So waren in der Zeit zwischen 1930 die beliebtesten Frauennamen Helga, Ursula, Ingrid, Gisela, Christa, Inge, Renate, Karin, Erika und Gerda. Bei den Männern führte Hans vor Günter, Horst, Klaus, Karl, Werner, Peter, Heinz, Gerhard und Jürgen. 

Aber auch der Vorname Antes gehörte ja - offenbar - nie zu den beliebtesten vergebenen Vornamen in Kroatien, sondern bewegte sich in der Häufigkeit weit unter 10 Prozent. So auch der Vorname Adolf. Immerhin läßt sich aber auch in diesem geringen Prozent-Bereich eine Kurve der Häufigkeit über die Jahre hinweg erstellen und an dieser etwas über die Beliebtheit - womöglich Adolf Hitlers und des Nationalsozialismus - in Deutschland ablesen. Der Historiker Götz Aly spricht diesbezüglich jedenfalls von einer "Adolf-Kurve". Diese Kurve sinkt aber schon seit 1890 kontinuierlich ab (5). Immerhin, aus dieser Kurve (4) wird das folgende heraus gelesen (4):

... Nachdem Hitler an die Macht gekommen war, nahm der Name aber nochmals einen großen Aufschwung. Das gilt besonders für die Jahre 1933/34 und 1937. Im zweiten Halbjahr 1933, also wenige Monate nach Hitlers "Machtergreifung", bekamen mehr als drei Prozent aller damals geborenen deutschen Jungen den Vornamen des "Führers" verpaßt. Das lag wahrscheinlich an der Anfangseuphorie oder dem Opportunismus vieler Deutscher nach Hitlers "Machtergreifung". Der Schub von 1937 könnte auch aus Hitlers großer Beliebtheit im Jahr zuvor rühren, als er, unter anderem durch die Olympischen Spiele in Berlin, sein Ansehen nochmals hoch schrauben konnte. In den folgenden Monaten und Jahren gab es zwar Schwankungen, aber insgesamt hielt sich die Beliebtheit des Namens auf recht hohem Niveau. Die häufige Vergabe dieses Vornamens war so ein deutlicher Hinweis auf die große Beliebtheit Hitlers in weiten Teilen des Volkes. Bis 1942. In diesem Jahr schwante immer mehr Deutschen, daß der von Hitler vom Zaun gebrochene Krieg in einer Katastrophe enden könnte. Mit Folgen für die Namensgebung der Neugeborenen: Von nun an stürzte der Anteil Adolfs an allen Jungens-Vornamen ständig ab. Im zweiten Halbjahr 1945, also unmittelbar nach dem Kriegsende, lag er bei etwa 0,2 Prozent. Zurecht spricht daher der Historiker Götz Aly von der "Adolf-Kurve" - umso größer das Ansehen Hitlers war, umso häufiger wurde auch sein Vorname verwendet. Und umgekehrt.

Die "Adolf-Kurve" ist hier veranschaulicht (5, 6)**), wobei "Der Spiegel" bezeichnenderweise die Adolf-Kurve erst ab 1933 zur Darstellung bringt, was natürlich hochgradig fehlerhaft ist, wenn man in einer vollständigeren Adolf-Kurve sieht, daß die Beliebtheit des Vornamens Adolf in Deutschland 1890 am höchsten war und auch 1933 nicht mehr erreicht worden ist (5). Was sicher sein dürfte: Ein so starker Abfall der Adolf-Kurve nach 1942 kann nicht anders erklärt werden als daß die Deutschen merkten, bewußter oder unbewußter, daß sie einem Hijacking auf den Leim gegangen waren, einem mehr als folgenreichen. Aber die Deutschen merken das ja auch heute meistens noch viel zu spät. Viel zu spät, viel zu spät. Sie sind noch nicht wirklich klüger geworden.

Immerhin - sie merken sie es nicht ganz so spät wie die bäuerlichen Familien im ländlichen Kroatien der 1970er Jahre ..... Wenn man sich deshalb auf die Schultern klopfen möchte - bitteschön!

_______

*) Nun gut, um das vielleicht etwas "plumper" zu veranschaulichen: Björn Höcke heißt eben Björn Höcke und nicht Adolf Höcke. Vielleicht heißt er Björn, vielleicht - Hypothese!, Verschwörungstheorie! - weil er nach dem damals populären Tennisspieler Björn Borg benannt wurde. (Hm, Björn Höcke wurde am 1. April 1972 geboren, genau in dem Jahr, in dem Björn Borg anfing, international bekannt zu werden. - Der Autor dieser Zeilen weiß immerhin, wovon er spricht. In seiner Kindheit wollte er beim Federball-Spielen immer Aufschläge wie "Björn Borg" machen. Dieser Name ist tief in seinem Gehirn verankert. Spätschäden von seelisch krankmachendem und verblödendem Fernsehkonsum in der Kindheit ...)

**) Am häufigsten wurde der Vorname Adolf - nach dem Telefonbuch von 1998 - in Bayern vergeben, sowie in Süddeutschland, Rheinland-Pfalz und Westfalen, also vorwiegend in katholischen Gegenden (5). Auffällig ist, daß er "punktgenau" in den neuen Bundesländern nur sehr selten vertreten war 1998. Es darf vermutet werden, daß sich hier viele nach 1945 selbst andere Vornamen gegeben haben, um sich nicht verdächtig zu machen.

_______

  1. Jurajda, Š., & Kovač, D. (2020). Names and behavior in a war. Journal of Population Economics. Volume 34, Issue 1, Oktober 2020, doi:10.1007/s00148-020-00782-6 
  2. https://www.beliebte-vornamen.de/jahrgang/j1940
  3. https://www.beliebte-vornamen.de/jahrgang/j1938
  4. Armin Fuhrer: Vornamen im Dritten Reich, 23.11.2018, https://www.zeitklicks.de/nationalsozialismus/zeitklicks/zeit/81/4/welche-vornamen-tragen-die-kinder-zwischen-1933-und-1945/
  5. https://www.nameadolf.de/die-statistiken/
  6. https://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/hitler-und-die-deutschen-passive-mitlaeufer-mit-schlechtem-gewissen-a-454213.html

Dienstag, 26. Mai 2020

Harald Lesch - Protestant, Lehrer der Jesuiten und Labertasche, mitunter hörenswerte

Warum so oft Unbehagen über die derzeitige "Koryphäe" der Wissenschaftsvermittlung im deutschsprachigen Raum?   

Harald Lesch (geb. 1960) (Wiki) ist unter Wissenschaftsbegeisterten sehr beliebt. Er hat eine sehr dominierende Stellung in der Vermittlung des modernen naturwissenschaftlichen Wissens in der Astrophysik inne und in der Erörterung von damit verbundenen philosophischen und religiösen Fragen. Deshalb kommt man als Physik-Laie kaum darum herum, sich ein Urteil bilden zu müssen über ihn und seine Art, Wissenschaft zu vermitteln, sowie über den weltanschaulichen Hintergrund, aus dem heraus diese Art der Wissenschaftsvermittlung geboren zu sein scheint.

Harald Lesch ist - wie er selbst sagt - "vom Scheitel bis zur Sohle Protestant" (1). Er glaubt ganz naiv an den Gott, der ihm im Konfirmantenunterricht gelehrt worden ist (1). Dazu paßt offenbar punktgenau, daß er zusätzlich zu seinen sonstigen Lehraufträgen Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Münchener Hochschule für Philosophie der Jesuiten ist (1). Die Jesuiten sind also ganz offensichtlich mit seiner Lehrweise, mit seiner Art der Naturbetrachtung, mit seiner Art des Philosophierens über Natur und mit seiner damit verbundenen Art des Blicks auf die überkommenen Religionen außergewöhnlich zufrieden. Womöglich macht es viel Sinn, sich diesen Umstand auf der Zunge gründlich zergehen zu lassen.

Um so mehr man sich mit Harald Lesch über die unzähligen Videos und Zeitungsartikel beschäftigt, die man über ihn finden kann, um so mehr stellt man fest, daß er sich bei der weltanschaulichen Deutung unseres naturwissenschaftlichen Weltbildes sehr häufig und sehr gerne selbst widerspricht, oft innerhalb eines einzigen kurzen Interviews mehrmals hintereinander. Er antwortet etwa auf die Frage "Sind wir Zufall oder sind wir gewollt?" (1):
Ich tendiere zum "gewollt sein". Man fühlt sich ja sehr wohl in der Welt, und man merkt ja auch, daß man gut aufgehoben ist. Das spiegelt sich unter anderem an solchen Erkenntnissen wider, daß die Welt so fein abgestimmt ist, daß wir überhaupt existieren.
Hier sagt er also im Jahr 2010 - unter Berufung auf die Feinabstimmung der Naturkonstanten (Anthropisches Prinzip), daß unser Universum "gewollt" ist. Im vorigen Beitrag hier auf dem Blog hatten wir gerade erst ein Zitat von ihm aus dem Jahr 2016 gebracht, wo er kurz und flapsig zu eben derselben Frage sagte, wir (unser Universum und seine Feinabstimmung) wären bloß Zufall. So etwas macht ärgerlich. Es drängt sich der Eindruck auf: Harald Lesch ist eine Labertasche, die sich "mal so, mal so" positioniert - wie es ihr gerade paßt. Eine Labertasche ohne Ende. Er kann jedes naturphilosophisches Thema von beiden Seiten begründen, bewerten und vor allem, damit - - - "zerreden". Man spürt sehr bald, daß die Jesuiten mit einer solchen Behandlung naturphilosophischer Fragen gut zurecht kommen könnten. Nachdem er also in dieser Weise über die Eigenschaften unseres Universums gesprochen hat, sagt er dann - wiederum - über die Eigesnchaften "seines" (protestantischen) Gottes, der ja offenbar - aus seiner Sicht - dieses Universum geschaffen hat (1):
Wenn man versucht, aus den Naturwissenschaften auf die Eigenschaften von Gott zu schließen, dann kann das eigentlich immer nur schief gehen.
Aha, es kann immer nur schief gehen, sagt er. Sein protestantischer (und jesuitischer?) Gott hat also mit diesem unserem Universum wenig bis nichts zu tun, von den Eigenschaften dieses Universums aus auf das Wollen Gottes oder des Göttlichen zu schließen, das kann nur schief gehen. Wenn das nicht absolut gottlose Äußerungen der Labertasche Harald Lesch sein sollen, was dann? Harald Lesch sagt (1):
Ich schlage mich ja mehr oder weniger damit herum, wie ich meine Naturwissenschaft mit meiner Philosophie zusammenbringe. Dadurch, daß ich an der Hochschule der Jesuiten Philosophie doziere, ist es eben weltanschaulich geprägt.

Aha, es ist "eben" weltanschaulich geprägt. Und wie weltanschaulich geprägt? Natürlich ist jede Herangehensweise an moderne Naturwissenschaft weltanschaulich geprägt. Dazu muß man nicht Hochschullehrer für Jesuiten sein. Aber offenbar ist ihm dieser Umstand hinsichtlich seiner weltanschaulichen Prägung ja doch wichtig.

Und man merkt dann schon allmählich, in welcher Weise diese Art des "Herumschlagens" weltanschaulich geprägt ist. Harald Lesch kriegt eigentlich immer alles unter einen Hut, alles, auch das Widersprüchlichste. Und da er alles unter einen Hut kriegt, sagt er am Ende gar nichts mehr. Alles ist möglich - in und nach seiner Weltanschauung. Jeder Standpunkt ist möglich, keiner bevorzugt. Vor allem aber: Seine philosophische Deutung der physikalischen Eigenschaften unseres Universums sind jederzeit mit einem monotheistischen Gottesglauben vereinbar. Dann versteht man schon, warum es gerade ein Harald Lesch ist, der eine so prominente Stellung in der heutigen deutschsprachigen Wissenschaftsvermittlung einnimmt.

Sagte er nicht auch, daß er sich im Bereich der bundesdeutschen Medienastalten viel freier bewegen kann als im Bereich einer deutschen Universität, daß er in den Medienanstalten nur rote Teppiche ausgelegt bekommt, während ihm in Universitäten nur Steine in den Weg gelegt werden (1)? Woran das wohl alles liegen mag?

Aber indem wir solche Eindrücke hier aufschreiben, wollen wir keinesfalls dafür plädieren, Harald Lesch zu ignorieren und ihn nicht dennoch immer einmal wieder wohlwollend anzuhören und auf sich wirken zu lassen (2). Denn eines erscheint sicher: Die Monotheisten aller Sparten haben längst verstanden, daß sie auf dem Gebiet der Naturwissenschaft vom Prinzip her nichts falsch darstellen dürfen, wenn sie in er heutigen Öffentlichkeit von der großen Mehrheit der Menschen ernst genommen werden wollen. Sie müssen konsequent im Rahmen unseres modernen, naturwissenschaftlichen Weltbildes argumentieren, bzw. in Auseinandersetzung mit ihm. All das kann Harald Lesch fast wie kein zweiter (2). Sprich, ein bloß halbwissenschaftlich argumentierender Naturphilosoph wie Teilhard de Jardin ist in der heutigen Zeit mit einer so großen Popularität nicht mehr denkbar und möglich. Immerhin, dieser Umstand darf als außergewöhnlicher geistiger Fortschritt verstanden werden.

Aber anderes ist möglich: Ich kann ganz sicher zu Hause sein im heutigen physikalischen Weltbild und aller Arten des Deutens dieses physikalischen Weltbildes. Und ich kann aus diesem "Sicher-zu-Hause-Sein" die Wunderwelt der Erkenntnismöglichkeiten des Menschen nach und nach - als Labertasche - immer mehr und mehr "zerreden". So daß am Ende keinerlei tiefere Anteilnahme für unsere Welt und für unser Universum übrig bleibt. So daß dennoch fast der weltanschaulichen Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet bleiben. Und so daß wir insbesondere am Ende doch wieder nur auf den Gott des Konfirmantenunterrichtes des Harald Lesch verwiesen bleiben. Aber Harald Lesch ist schlau. Das sagt er keineswegs apodiktisch. Es kann auch alles ganz anders sein. Er legt sich nicht fest. Heute so, morgen so. Seit vielen, vielen Jahre und in vielen, vielen, von hunderttausenden von Menschen gesehenen Videos und Fernsehsendungen macht Harald Lesch das so.

Versteht man dann, warum unsere Welt so ist wie sie ist? Versteht man dann, warum es so wenig seelische Anteilnahme und Ergriffenheit gibt in dieser Welt, selbst unter Wissenschaftsbegeisterten im Angesicht all dessen, was wir über diese Welt aus der modernsten Forschung wissen?

Wozu sind Bibelgläubige in der Welt?

Damit soll also insgesamt in Bezug auf Harald Lesch dasselbe gesagt werden, was wir hier auf dem Blog schon in Bezug auf den Evolutionären Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume gesagt haben: Laßt Euch durch die Art der weltanschaulichen Einbettung der von diesen beiden Christen behandelten modernsten naturwissenschaftlichen Forschung nicht von der Auseinandersetzung mit der von ihnen behandelten naturwissenschaftlichen Forschung selbst abhalten. Bitte nicht! Lernt unterscheiden. Lernt unterscheiden zwischen der naturwissenschaftlichen Forschung selbst, die von beiden - sehr oft völlig korrekt und einwandfrei - dargestellt wird. Und unterscheidet das von der Art, wie von beiden mit dieser naturwissenschaftlichen Forschung insgesamt umgegangen wird, wie sie sie einbetten und was sie für Schlußfolgerungen daraus ziehen.

Laßt Euch - insbesondere - nicht ernüchtern. Laßt Euch nicht "enttäuschen" von der Art, wie hier faszinierendste naturwissenschaftliche Forschung menschlich und weltanschaulich eingebettet ist. Bleibt auf Seiten der Wissenschaft. Sie hat es so sehr verdient und sie braucht noch so viel mehr Befürworter, und zwar nicht - ausgerechnet und so verwunderlicherweise neuerdings insbesondere: Christen, die weiter dem Gott ihres Konfirmantenunterrichtes anhängen. Monotheisten arbeiten so, wie dies schon Walter Rathenau beschrieben hat (GB):

Wissen Sie, wozu wir (bibelbläubigen Juden) in die Welt gekommen sind? Um jedes Menschenantlitz vor den Sinai zu rufen. Sie wollen nicht hin? Wenn ich sie nicht rufe, wird Sie Marx rufen. Wenn Marx Sie nicht ruft, wird Spinoza Sie rufen. Wenn Spinoza Sie nicht ruft, wird Christus Sie rufen.

Es geht also für Monotheisten darum, so viele weltanschauliche Angebote zu machen wie nur immer möglich, so daß jedes weltanschauliche Bedürfnis - unter Nicht-Bibelgläubigen - "Genüge" findet, so daß jede Art des Zugangs zu Sinnfragen oder grundlegenderen Fragen des Menschseins von ihnen abgedeckt wird. Im 20. Jahrhundert kamen zu diesen von Walter Rathenau aufgezählten weltanschaulichen Angeboten noch viele weitere hinzu: Sigmund Freud, Franz Boas, Richard Lewontin, Stephen Jay Gould ... (2). Sprich, sie nehmen auch atheistische (Marx) oder pantheistische (Spinoza) Weltbilder gerne mit in Kauf, wenn mit ihnen nur die Menschen - auf lange Sicht - "vor den Sinai", sprich vor den internationalen, monotheistischen Gott geführt werden und wenn diese Menschen dabei dann nicht - auf lange Sicht - dennoch zu sich selbst, zu eigenen, "regionaleren" Gottanschauungen und Gottauffassungen kommen. Diesbezüglich noch nicht von dem Evolutionären Gruppen- und Kulturpsychologen Kevin MacDonald ausgedeutete (2) weltanschauliche Angebote aus dieser Richtung wäre zum Beispiel das weltanschauliche Angebot des Hans Jonas. Und sicher könnten nach und nach auf dieser Linie noch viele weitere genannt werden.

Halten wir abschließend zu Harald Lesch noch den Eindruck fest, daß er  im Podiums-Gespräch mit anderen Astrophysikern und mit Zuschauern insgesamt einen besseren Eindruck macht als wenn man ihn isoliert für sich hört (3). 

Aber man muß immer wieder höllisch aufpassen. Erst beim wiederholten Anhören dieses zu Anfang begeistert angesehenen Videos (3) fällt uns auf, daß Harald Lesch sogar schon mit dem ersten Wort, das er in diesem sagt, Irrtümer verbreitet. Natürlich kann Philosophie an der Erfahrung scheitern. Z.b. die Philosophie Hegels hat viel von ihrer Überzeugungskraft verloren, nachdem sie in manchen wesentlichen Punkten an der Erfahrung gescheitert ist. Noch deutlicher kann dies etwa aufgezeigt werden anhand der Philosophie des historischen Materialismus von Karl Marx. Vielmehr muß gesagt werden, daß die Möglichkeit des Scheiterns einer Philosophie an der Erfahrung (Falsifizierbarkeit) zugleich ein Hinweis darauf ist, daß ein Nichtscheitern an der Erfahrung ein wertvoller Prüfstein für jede Philosophie ist.

Insgesamt: Liebe Leser, laßt Euch einfach Eure Begeisterung für moderne naturwissenschaftliche Forschung und für modernes Philosophieren nicht dadurch vermiesen, daß ihre öffentliche Vermittlung heute allzu oft in die Hände von Christen (sowie religiösen und atheistischen Globalisierern) gekommen ist. Noch einmal: Stellt diesen Umstand gelassen in Rechnung - - - und bleibt auf Seiten des gigantischen naturwissenschaftlichen Erkenntnisfortschrittes unserer Zeit.


______________________
  1. "Ich bin vom Scheitel bis zur Sohle Protestant" - Harald Lesch im Interview,  08.01.2010, https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2010/01/08/ich-bin-vom-scheitel-bis-zur-sohle-protestant-harald-lesch-im-interview/.
  2. MacDonald, Kevin: Eine Kultur der Kritik. 1998
  3. Philosophie und Allgemeines - Live-Fragen - 5 Jahre Urknall, Weltall und das Leben (35.882 Aufrufe, Stand: 26.5.2020), 02.02.2020, mit Harald Lesch, Josef M. Gaßner, Andreas Müller, Hartmut Zohm und Elmar Junker; auf Videokanal "Urknall, Weltall und das Leben" (182.000 Abonnenten, Stand 26.5.2020), https://youtu.be/42syIQD_PXk.

Donnerstag, 30. März 2017

Die "Lähmung" der deutschen, patriotischen Kreise - Und katholische Sorgen deshalb

Der Videokanal "wir selbst" wird offenbar von einem Jesuiten oder Jesuitenschüler betrieben und er kann - wieder einmal - bestens aufzeigen, "wie Jesuiten arbeiten"

Die Verschwörungstheoretiker sind schuld an einer derzeitig festzustellenden "Lähmung im patriotischen Lager". So der Tenor eines neuen Video's, das der anonym betriebene Videokanal "wir selbst", der sich geistig im Umfeld des "Instituts für Staatspolitik" (IfS) bewegt, herausgebracht hat (1). So platt vor sich her getragen, bekommt man eine solche These selten zu hören. Und deshalb wollen wir sie uns doch einmal anhören .... (1)

Den Tenor und die Inhalte dieses Video's (1) kann man gar nicht genug auf sich wirken lassen. In diesem Video ist so viel zum Ausdruck gebracht.

Müssen wir das noch im einzelnen analysieren, was hier zum Ausdruck kommt? Insbesondere: Wer hier spricht? Hat man Ohren - zu hören? - - -

Greifen wir doch einmal eines der vielen hier gebotenen Pralinchen heraus, nämlich den "recht interessanten" Umstand, daß unter den sonstigen weitgehend nichtssagenden Fotos, die ständig eingeblendet werden, um die Gefühlslagen zu spiegeln, von denen gerade die Rede ist, in Minute 6'55 - während nun noch sehr allgemein von den "bösen", den ganz "bösen" "anderen" die Rede ist, nämlich von jenen, die das patriotische Lager "lähmen" (oh, hört doch bloß diesem einen Wort nach: "lähmen") - einmal ein Videokanal eingeblendet ist. Damit wird ein bisschen konkreter ein Hinweis gegeben, worauf der anonyme "wir selbst"-Sprecher wünscht, seine Ausführungen bezogen zu sehen.

Uns fiel unter den vielen dabei eingeblendeten Video's eines mit dem Titel "Identitätere Bewegung - Karnevalscherz" ins Auge (2). Weiiiiiß ich jetzt auch nicht, warum! Aber es ist halt einfach eine klare Ansage, nicht wahr? Und so eine klare Ansage kann ja jemanden ... "lähmen", der sich als "wir selbst" identifiziert. Das ist verständlich. Und das kann man sich ja dann schon einmal ansehen, dieses Video. Ist ja auch erst einen Monat zuvor, am 7. Februar 2017, veröffentlicht worden ....

(Bezeichnenderweise ist das folgende Video - schon wenige Tage nach Veröffentlichung dieses Blogartikels leider - zumindest für Youtube-Zuschauer mit der Länderkennzeichnung Deutschland - gesperrt worden. In ihm macht man sich über die Identitären ziemlich arg und sehr überzeugend lustig, so daß jedes weitere Argumentieren auch wirklich überflüssig wird.)

"... Kölle Alaf, rättättä". Ja. Und dann versteht man es schon, was an einem solchen Video schmerzen und wehtun kann. Es kann einem da nur noch unser immer wieder so notwendiger Wilhelm Busch in den Sinn kommen und man kann nur mit Jammer-Miene beklagen:

... Dieses plötzliche Ereignis
Tut ihm in der Seele leid.
Ach, man will auch hier schon wieder
Nicht so wie die Geistlichkeit.

Unglaublich. Da wird doch unser aller allseits beliebter, dieser so sympathische junge Mann mit Namen Martin Sellner, zu dem wir alle aufblicken - ab Minute 2'49 - in Zusammenhänge gestellt, in die wir ihn doch wirklich nicht gern gestellt sehen. Das muß uns nun wirklich alle schrecklich lähmen.

Ach je. Aber ist das denn ein neuer Zusammenhang? Wer etwa die Zeitschrift "Sezession" des IfS der vielen letzten Jahre gelesen hat, weiß doch, daß all diese Zusammenhänge so schon immer bestanden haben. Sie ergeben sich schon aus der christ-katholischen Grundausrichtung in diesen Kreisen. Und so konnte ja schon 2006 etwa der damalige Papstberater Robert Spaemann in der Zeitschrift "Sezession" die These vertreten, daß es, was das jüdische Volk betrifft, nicht auf genetische Kontinuität ankäme, um sich in besonderer Weise mit ihm identifizieren zu können. Und auf diese Identifikation hinzuweisen, war der Zeitschrift "Sezession" eben wichtig. Und auch der allseits beliebte und ach so "kluge" Autor Gunnar Heinsohn hat mit seiner besonderen Verbundenheit mit Israel weder in einem "Sezession"-Interview, noch sonst besonders hinter dem Berge gehalten. (Mit dem hübschen Tenor: "Ich habe Bewunderung für Israel und bin an Deutschland gewöhnt." - Das ist so "Sezession-"Orginalton. Und darauf hinzuweisen, muß natürlich alle schrecklich lähmen. Denn: Wer hätte denn daran bislang größeren Anstoß genommen?

Nur noch einmal zwischen geschoben: Gegen eine besondere Identifikation eines Nichtjuden mit dem jüdischen Volk ist grundsätzlich nichts zu sagen. Jeder darf sich mit dem Volk "besonders" verbunden fühlen, das ihn am meisten zusagt. Nur merkwürdig, daß gerade in politischen und religiösen Führungskreisen es immer nur ein Volk ist, mit dem man sich besonders identifiziert. Warum zum Beispiel haben die Tschetschenen dort keine Lobby? Warum haben die Tuareg keine Lobby? Tschetschenien konnte vor den Augen der gesamten Weltöffentlichkeit zerbombt werden - niemand zuckte mit der Wimper. Kaum jemand zeigte Verbundenheit mit diesem Volk. Alle jubeln heute jenem zu, der mitverantwortlich war für die Bomben: Wladimir Putin.

Kevin MacDonald wird weiter ignoriert und mit ihm fast die gesamte Evolutionäre Anthropologie

Der Tenor des ersten Video's ist jedenfalls, es solle bloß "Ideologiekritik" betrieben werden, aber nur ja keine "Verschwörungstheorie". Als ginge nicht beides zugleich! Lächel. Als müsse nicht beides zugleich geschehen. Und von dem Bereich, wo beides zugleich geschieht, nämlich in der Evolutionären Anthropologie, bzw. in der Wissenschaft allgemein ist schon wieder einmal gar nicht die Rede. Aber hallo! Wir werden uns doch hüten, wir von der - Geistlichkeit. Wie schon seit Jahrzehnten nicht. Genau so wie es schon anhand des Wirkens von Alain de Benoist hier auf dem Blog aufgezeigt worden ist. Allerliebst. Und es merkt immer noch keiner? Immer noch nicht? Uns fällt dazu eigentlich nur noch ein:

Freut Euch des Lebens,
Großmutter wird mit der Sense rasiert.

Ein Satz, der letztlich aber auf beide hier behandelten Videokanäle anwendbar ist. In dem zweiten Video vom 7. Februar 2017, mit dessen Machern und politischer Einstellung man sonst auch wirklich nicht viel am Hut haben kann, werden aber nun Zusammenhänge auf den Punkt gebracht, auf die hier auf dem Blog schon seit vielen Jahren hingewiesen wird. Das muß auch - sinnvollerweise - gar nicht so emotional und aggressiv vorgetragen werden wie das in diesem Video geschieht. Schließlich ist das alles von dem US-amerikanischen Evolutionären Psychologen Kevin MacDonald schon sachlich-nüchtern gründlich analysiert worden. Im Umfeld des "Instituts für Staatspolitik" und des Ares-Verlages in Graz zum Beispiel wurde schon vor vielen Jahren auf die Veröffentlichungen des Kevin MacDonald über Judentum und Antisemitismus als gruppenevolutionäre Strategien aufmerksam gemacht. Man hat die Auseinandersetzung mit diesem Autor Kevin MacDonald aber in diesem Umfeld nie gesucht. Bzw.: Es ist offensichtlich, daß man ihr tunlichst und bis heute aus dem Weg geht. Denn auch hier will einer wieder einmal "nicht so wie die Geistlichkeit".

Die Folge einer solchen Nichtkonfrontation der Anhängerschaft mit dem Stand der Forschung sind dann solche Auseinandersetzungen wie die, die durch diese beiden Video's besonders prägnant charakterisiert werden.

Es wäre gut, wenn diese zur Wahrheit mutigen Videomacher zunächst einmal das Dritte Reich selbst einen "Karnevalscherz" nennen würden. Dann würden sie auch selbst glaubwürdiger herüber kommen. Hier auf dem Blog sind jedenfalls - zusammen mit Karlheinz Deschner ("Der Molloch") und vielen anderen - wirklich genug Anhaltspunkte gesammelt worden dafür, daß auch das Dritte Reich ein "Karnevalscherz" war. In meinem Buch "Hitler und die Astrologen" verwende ich sogar fast den gleichen Ausdruck. Aber wir freuen uns sehr, daß in dem Video von "Mut zur Wahrheit" auf den lächerlichen Umstand hingewiesen wird, daß von diesen "Konservativen Revolutionären" noch nicht einmal die ganze Frage der "Geschichtspolitik" rund ums Dritte Reich aufgerollt wird. Was nun wirklich alles über diese Gruppierung sagt, alles. Das ist so lächerlich und schreit so sehr zum Himmel, daß darüber kein Wort mehr verloren werden muß. Man befasste sich dort so lange mit Geschichtsrevisionismus, so lange man sich sicher sein konnte, daß er nicht zur gesellschaftlichen Anwendung kommen könne. In dem Augenblick, wo er das - mit der AfD - könne, bricht sofort das Schweigen der Lämmer aus. Oh, ihr Trantüten, ihr lächerlichen. Und lächerlich genug weiterhin, daß hier - offenbar - erst eine sehr starke Identifizierung mit einem sehr undifferenziert gsehenen Dritten Reich vorhanden sein muß, um von "wir selbst" überhaupt für würdig empfunden zu werden, als "Gegner" gekennzeichnet zu werden. Nicht wahr? Die Geistlichkeit und ihre Schliche!

Allgemeines Astroturfing und Schäfchentreiben am "rechten Rand"

Solche Video's wie diese beiden kommen also heraus, wenn man die gebildete nachwachsende Generation eines Landes über Jahre und Jahrzehnte hinweg verdummt, sie nicht über die Fortschritte in der Wissenschaft, insbesondere in der Evolutionären Anthropologie und auch in der Zeitgeschichte informiert und aufklärt, sondern stattdessen über Jahre und Jahrzehnte hinweg das Volk mit Phrasen abspeist. Phrasen, Phrasen, Phrasen. Wir haben all das hier auf dem Blog oft genug gekennzeichnet, es hängt uns zum Halse heraus. Zuletzt in unserem Artikel "Tapfer voran, AfD, mit Michael Klonovsky als informiertem Vordenker!" (GA-j!, 10.7.2016)

Im Umfeld der "Identitären Bewegung", des "Instituts für Staatspolitik"*) und der Partei "Alternative für Deutschland" spielt sich also gegenwärtig eine Auseinandersetzung ab zwischen zwei Lagern. Ein für allerhand Geistlichkeiten höchst sinnvolles, munteres Schäfchentreiben zwischen den ach so "seriösen" (!) "Rechtskonservativen" (4) und den ach so "unseriösen" (!) Stiefelträgern, den Neonazi's. Dabei sind beide in den meisten Aspekten nur Auswuchs von Astroturfing und - eben: Schäfchentreiben. Und warum dieses Schäfchentreiben? Um es nicht bemerkbar zu machen, daß der eigentlich sinnvolle, nennen wir ihn "dritte Weg" genau zwischen beiden mitten hindurch geht. Daß man die Globalisierungs-Mafia und organisierte Eliten-Kriminalität schon lange kritisieren kann, ohne dümmlich auf der "Neocon"-Linie, aber auch ohne auf einer Springestiefel-Linie zu fahren. Solange nur diese beiden Alternativen gesehen werden, sind alle glücklich und niemand nimmt - wirklich - Anstoß. Da bleibt allerhand Geistlichkeit dann ganz zufrieden und spricht nicht von "Lähmung". :) Ob nicht doch einmal eine junge Generation sich so viel Blödheit auf einmal nicht mehr zumuten will?

Orwell'sches Neusprech

Vielleicht noch einmal ein Hinweis auf einen Aspekt in dem Video von "wir selbst", nämlich auf das niedliche und hübsche Herumdrehen von Worten. Das sollte man sich doch auch auf der Zunge zergehen lassen. Den Begriff vom gesellschaftlichen "Selbstmordprogramm" benutzen wir hier auf dem Blog seit 2011 (GA-j!, 2/2011). Und ich kann mich als Autor nicht erinnern, diesen Ausdruck von irgendwo übernommen zu haben. Dieser Gedanke drängt sich auf, wenn man - irgendwann - auf die Thematik des Elitären Satanismus stößt. Aber interessant erscheint da jetzt, daß dieser Begriff nun von "wir selbst" umgedreht wird (!) und diese "Konservativen Revolutionäre" mal eben so schlankweg behaupten: Wer ihrer Linie nicht folgt, verfolgt ein Selbstmordprogramm. Das ist doch ein wunderhübsches Pralinchen, nicht wahr?

Wie soll man eine Benennung wie "wir selbst" eigentlich verstehen? Sollen wir Klartext sprechen? Sollen wir nicht sagen, daß dieser Videokanal nicht viel eher benannt werden sollte "wir Jesuiten"? Oh, oh, Verschwörungstheorie! Verschwörungstheorie! Unglaublich! Die "lähmt" doch! Zeter mordio. Aber es ist hier so viel Schwefel im Raum und so viel süßliche Heuchelei - wo kommen die her?

Es ist das alles eine Art Dejavu. Nachdem ich seit 2010 den Begriff "Verdummung" benutze (GA-j! 4/2010), durfte ich - glaube letztes Jahr - feststellen, daß es auch mein lieber - mit den Rechtskonservativen liebäugelnde Bloggerkollege und Monotheist Michael Blume - im Einklang mit Kirchenfürsten - verwendete - natürlich wiederum: gegen die "Verschwörungstheoretiker". Ja, wenn man wenigstens noch Einfälle hätte. Aber alles, alle Ausdrücke muß man von der Gegenseite nehmen, um diese Kennzeichnungen von sich selbst abzuwehren im Orwell'schen Neusprech. So natürlich auch vom Videokanal "wir Jesuiten". Dies alles einmal nur als einige wenige der vielen Pralinchen in diesem Video. Ist er übrigens nicht wunderhübsch, dieser leichte Pfarrerston? Ob der Sprecher mal nicht Theologie studiert? ;)

Abschließend noch das folgende. Man mag es erstaunlich finden, wie viel Mühe sich "wir selbst" resp. "wir Jesuiten" gibt. Zum Beispiel im Einfühlen in die Gefühlslagen der jungen, nachwachsenden Generation eines Volkes, die sieht, wie ihr alle weltgeschichtlichen Felle davon schwimmen. Das mag man wirklich erstaunlich finden. Und das verleitete uns auch im ersten Absatz davon zu sprechen, daß einem einmal wieder "unheimlich" werden könne, wenn man sieht wie gearbeitet wird. Immerhin: Hut ab, alle Achtung für diese Mühe im Einfühlen. Man hätte es ihm fast abgenommen.

Aber wer solches Astroturfing schon länger beobachtet - so wie wir - der weiß, daß man sich diese Mühe schon immer gegeben hat (s. z.B. Stud. Nat. 2011). Oh, man ist darin ganz schön gut. Da könnte man Geschichten erzählen! Geschichten über Geschichten. Man wird da richtig zu einem "Versteher" von Leuten, die einen echten gesellschaftlichen Aufbruch erstreben. Anders funktioniert ja auch Hijacking nicht. Für die Mühe jedenfalls gibt es schon einmal 100 Punkte.

"Wer sich im Theologiestudium verplappert ..."

Ergänzung (30.3.17). Wir werden wohl schon den richtigen Riecher gehabt haben, als wir vermuteten, der Macher von "wir selbst" sei Theologiestudent - oder sei es einmal gewesen. Wer darauf so sensibilisiert ist wie wir, riecht ja Pfaffen auch zehn Meter gegen den Wind. Man entschuldige schon! Und nun entdecken wir, daß das in einem Video schon vom 27.12.16 (5) eigentlich mehr als deutlich wird (Yt). In ihm argumentiert "wir selbst" insgesamt so, wie ich auch argumentieren würde, wenn ich fanatischer katholischer Christ und Jesuit in heutiger Zeit wäre. Zum Beispiel hebt er auf Josef Ratzinger ab und auf sein Religionsgespräch mit Jürgen Habermas und auf Habermas' "Rückkehr zur Religion". Er steht also völlig auf der, ähm, nunja: "Höhe" der geistigen Debatten unserer Zeit soweit sie sie rund um die katholische Kirche stattgefunden haben und positioniert sich - aus jesuitischer Sicht - außerordentlich brav und geschickt. Außerordentlich. Besser wird man es wohl kaum tun können. (Wenn auch vielleicht ein wenig weniger Naivität und ein wenig mehr Gerissenheit natürlich nicht schaden könnten. Aber "wir selbst" ist ja noch jung. Und dressier-, äh... lernfähig ...)

Abgesehen von dem ständigen Schäfchentreiben zwischen Islam und Christentum, das er in diesem Video und auch sonst - ganz auf der Neocon-Linie - betreibt, denkt er völlig, völlig in den Denkstrukturen der katholischen Kirche. Völlig. Er ist ein 150-Prozentiger. Das ist die Aussage des gesamten Videos. Und in Minute 8'09 sagt er so konkret wie nur immer möglich:

Leeres Grab, Auferstehung der Toten, Kreuzestod Christi als Sühneopfer für die Sünden der Menschen, Jüngstes Gericht, Heilsnotwendigkeit der Kirche - wer sich im Theologiestudium verplappert und zugibt, an derlei zu glauben, hat schlechte Karten.

Allerliebst vor allem das letzte: "Heilsnotwendigkeit der Kirche". Das ist zutiefst monotheistisch gedacht. "Kein Heil außerhalb der Kirche". Wer nicht katholischer Christ ist, kommt in die Hölle. Insgesamt jedenfalls wird so etwas nur jemand sagen können, der selbst einmal Theologie studiert hat. Und dann gleich der nächste Satz:

Der letzte dezidiert katholische Intellektuelle, der was zu sagen hatte, und der dementsprechend auch gehört wurde, war Kardinal Josef Ratzinger.

Das sagt der "hochsensible" "wir selbst"- (sprich "wir Katholiken"-/"wir Jesuiten"-)Blogger in seinem so süßlich-verständnisvollen Ton, ohne auch nur mit einer Silbe auf den Umstand zu sprechen zu kommen, daß genau dieser Josef Ratzinger für zehntausende von Fällen von sexualisierter Gewalt an Kindern weltweit wie kein zweiter Mensch seiner Generation verantwortlich gewesen ist, verantwortlich dafür, daß das Wissen um zehntausende solcher Verbrechen innerhalb der katholischen Kirche nicht an die staatlichen Stellen weiter geleitet wurde, und daß tausende oder zehntausende von Verbrechern als Priester einfach "versetzt" wurden in andere Gemeinden, wo sie dieselben Verbrechen weiter begehen konnten. Diese Tatsache dürfte den Blogger "wir Jesuiten" wohl schon ausreichend kennzeichnen. Daraus ist nämlich zu folgern, daß auf seinen süßlich-verständnisvollen Tonfall, daß auf seine angebliche "Hochsensibilität" nicht die Bohne zu geben ist. Schließlich geht er hier gleichgültig über das Schicksal von zehntausenden von Kindern weltweit hinweg.

Wie kann man auf Josef Ratzinger als Intellektuellen noch in irgend einer Weise hören, wenn man sich seine Verantwortlichkeiten bewußt macht?

Und es ist weiterhin so zutiefst jesuitisch, daß der "wir selbst"-Theologe ständig sogar eine atheistische oder auch nur säkulare Kultur als auf den Wurzeln des Katholizismus beruhend herauszuarbeiten bestrebt ist. - Die Firma dankt und wünscht weiter gute Reise. - Schön übrigens auch - und allerliebst - das Jammern am Anfang des Video's über die vielen "Dislike's", die seine Video's von "Trollen" erhalten würden. Wir sind gerade auch zu einem solchen Troll mutiert, wir haben es getan, sein Video ... "gedisliked". Es qualmt aus ihm bei weitem zu viel Jesuitismus heraus.

In Bonn-Bad Godesberg gibt es das Aloisiuskolleg (Wiki). Gehen wir richtig in der Annahme, daß der liebe "wir selbst"-Theologe dieses schon von innen gesehen hat? Schon angesichts seines Dialektes liegt das nahe. Es sollte uns fast wundern, wenn nicht ...


/zuerst veröffentlicht 15.3.17
ergänzt und mit neuem 
Titel versehen: 30.3.17/

_________________________________________________________
*) beide übrigens rechtskatholisch gestrickt, wie schon - wenn an nichts anderem - zu erkennen an einem solchen Begriff wie "Reconquista" (3). Der Begriff kommt nicht von uns. :)
__________________________________________
  1. wir selbst: Die Lähmung im patriotischen Lager. 6.3.2017, https://www.youtube.com/watch?v=pAAfWD2D8yM
  2. Mut zur Wahrheit: Identitäre Bewegung - Karnevalscherz. 7.2.2017, https://www.youtube.com/watch?v=wE5nKfhWd3U
  3. Alexander, Nikolai (Reconquista Germania): Paranoide Trojanophobie. 4.5.206, https://www.youtube.com/watch?v=vMAC6ur0OPU
  4. noch mehr Astroturfing übrigens wohl hier: wir selbst: Gegen die Lähmung: Aktivierende Videos - 12 Videos. Zuletzt am 07.03.2017 aktualisiert. https://www.youtube.com/playlist?list=PL1afRUzqEVPyx8h0Uwj1XQ5pOA9OnMoiH
  5. wir selbst: Vom Atheist zum Christ - Eine geistige Reconquista Teil 1, 27.12.2016, https://www.youtube.com/watch?v=lJa-ivwr4NA&t=1008s

Donnerstag, 9. März 2017

Die Piratenpartei - Bewusst brutal gegen die Wand gefahren?

Die zynisch-offenkundige Überflutung des Führungspersonals der Piratenpartei mit Maulwürfen und Hijackern aller Art

"In dieser Partei herrscht Krieg", wurde schon Ende 2013 auf dem Bundesparteitag der Piratenpartei geäußert. Ist aus vielen damit verbundenen Erfahrungen zu schlussfolgern, dass die Piratenpartei eine Art "Spielwiese" darstellte, auf der Geheimdienste eine kleine Gruppe ihres politischen und geheimdienstlichen Nachwuchspersonals die ihnen beizubringende zynisch-offenkundige Brutalität und Abartigkeit ausprobieren ließ?

Im Februar 2012 äußerte sich einmal Christoph Hörstel in einem Interview zu der Piratenpartei.


Diese Äußerung ist so bemerkenswert, dass sie hier auch verschriftlicht werden soll (Yt, ab 1:14:14):
Wir haben ja inzwischen auch eine Partei, die es aller Voraussicht nach in den Bundestag schafft. Das ist sozusagen die organisierte Wirrkopf-Partei, die Piraten. (...) Die Partei existiert seit vier Jahren und hat nichts zu sagen zu Afghanistan. Und natürlich haben diese sehr nett aussehenden und wirkenden Menschen nicht den Hauch einer blassen Ahnung von dem, was in Nah- und Mittelost gerade passiert. (...) Aber warum fragen die nicht? Warum holen sie sich nicht Experten, die bereit stünden? Immerhin, mit Professor Hanke reden sie offenbar. Und mit den Euro- und Europa-Sanierern, das tun sie. Aber das findet keinen Eingang in ihre Programmatik. Und das ist dann der Punkt, wo ich sage: Das ist ja eine Kunstpartei. Irgendwer hat die gefördert. Ein paar von denen habe ich kennen gelernt, aber das war der wohlmeinende Teil. Es gibt meiner Ansicht nach auch ein paar Leute mit ganz anderem Hintergrund. Und ich würde mich nicht wundern, um das so zu sagen, wenn da umgeleitete Gelder aus dem Verfassungsschutz eine Rolle spielen. Wir haben in Deutschland eine Geschichte für so etwas. Ich sag mal sozialliberaler Hochschulbund.

Er meint wohl den Sozialliberalen Hochschulverband (Wiki). Worauf Christoph Hörstel hier konkret anspielt, wird nicht ganz klar. Jedenfalls sei dieses Zitat mit Dank gebracht an Daniel Hermsdorf, der schon zur Zeit seines Erscheinens auf seinem Blog darauf verwies (filmdenken, 02/2012).

Totalitäre Meinungsmache durch den Berliner Klüngel

Abb.: 1 Mitgliederentwicklung der Piratenpartei Deutschland

Die Mitglieder-Entwicklung der Piratenpartei erlangte Ende des Jahres 2012 ihren Höhepunkt (s. Abb. 1). Danach gab es immer nur noch mehr Austritte als Eintritte. Und es stellt sich die Frage: Gab es denn nicht innerhalb der Piratenpartei auch schon einige Leute, die diese Entwicklungen so sahen und auch so benannten wie sie Christoph Hörstel benannte?

Im folgenden sollen einige Recherche-Ergebnisse dazu zusammen gestellt werden. So wurde schon Ende Juni 2011 in der TAZ über interne Vorgänge innerhalb der Piratenpartei berichtet (TAZ) (1):

Simon Lange, ehemaliger Sprecher der Bundespartei, erzählt von Passwörtern privater Computer, die auf Mitgliederversammlungen parteiintern ausgespäht worden seien, von persönlichen Diffamierungskampagnen, einem Strafantrag wegen Beleidigung. "Hier gibt es eine Aggressivität, die teilweise schon strafrechtlich relevant ist", sagt Lange.

Und am 13. Februar 2013 wird ein Braunschweiger Pirat namens Dennis Plagge folgendermaßen zitiert (RBB-Online) (2):

Ich bin seit 2009 bei der Piratenpartei. Eine bestimmte Gruppe, insbesondere im Landesverband Berlin, arbeitet mit Methoden, die unseren Grundsätzen massiv widerspricht. Das ist definitiv eine Art Klüngel. Und es gibt auch Hinterzimmerpolitik, ja. Es wird totalitär Meinung gemacht.

Es wurde in diesem Zusammenhang auf den häufig sehr rüden Ton von Christopher Lauer hingewiesen. Es wurde berichtet, dass Alexander Morlang seinen Parteikollegen Simon Lange schlichtweg physisch in den Rücken getreten habe. In einer Stellungnahme dazu redet sich dann der Bundesvorsitzende Horst Schlemmer - oh, Entschuldigung, nein, er heißt: Bernd Schlömer, bekennender Katholik und Mitarbeiter des Bundesverteidigungsministeriums - heraus. Er hat dazu schlichtweg "nichts Konkretes" zu sagen, außer - - - "politische Sprechblasen".

"In dieser Partei herrscht Krieg" (Ende 2013)

Der genannte Dennis Plagge hat dann auf dem Bundesparteitag der Piratenpartei Deutschlands in Bremen am 30.11. und 1.12.2013 eine Rede zu seiner Kandidatur für das Amt des Bundesvorsitzenden gehalten. Darin hat er etwas gesagt, durch das wir erst auf ihn aufmerksam geworden sind. Was er da sagte, sei ebenfalls einmal verschriftlicht (Yt):

Wo Streit ist, gibt es Gründe. Diese werden aber meist verschwiegen. Stattdessen wird Streit zur Parole ernannt. Worum es hier wirklich geht, sind Interessendurchsetzungen mit undemokratischen, ja, faschistoiden Methoden, Klüngelgruppen, Bedürfnisse, Selbstbestätigung und Angst. Die Wahrheit ist, dass sich seit 2009 Klüngel in der Partei gebildet haben, die ihre Interessen durchzusetzen versuchen. Und das hat wenig mit Ideologie und Flügel zu tun, sondern mit Selbstbestätigung. Wir alle haben den Wunsch, erfolgreich zu sein und in Parlamente einzuziehen. Die Bedingung lautet fünf Prozent. Deshalb ist uns Außendarstellung und Medienwahrnehmung statt Überzeugung mit dem Erfolg seit 2010 immer wichtiger geworden - unbewusst, wie Gift. Einige haben erkannt, dieses Bedürfnis anderer für sich zu nutzen, um persönliche Interessen durchzusetzen. Diese Gruppen haben gelernt, Stimmungs-Kampagnen gezielt einzusetzen, um die für sie Richtigen oder Falschen zu pushen oder zu diskreditieren. Medienberichte garantieren Listenplätze, wem man einen Makel andichtet, macht man unfehlbar. Diese Form von Gewalt und Manipulation findet man überall, nicht nur in Berlin. In Berlin gibt es aber einen Klüngel, der besonders menschenverachtend agiert und großen Einfluss auf die Bundespartei hat. Sie sehen sich als Elitepiraten, nannten sich teilweise selbst Sys-Piraten. Und deren Gesetz lautet: Sprich nicht über die Gruppe. Wer mitmacht, wird belohnt, wer nicht, bestraft. Mir gegenüber wurde gesagt: "Wer das nicht aushält, ist halt zu schwach. Kann ja jeder eine andere Gruppe gründen." Was hier in dieser Partei geschieht, ist systematisch Unterdrückung, Mobbing, Isolation durch Kontaktsperren, systematische Störung (?), sprachliche sowohl wie technische Manipulation, Hausverbot und Ausgrenzung. In dieser Partei herrscht Krieg.  .... Narzissmus, Kriegsführung und der Desinformation .... Möglichkeit, einen Bundesvorstand zu wählen, der ...

Nur wenige Zeit nach dieser Äußerung schon war die Piratenpartei in der politischen Bedeutungslosigkeit versunken. Dem Redner wurde am Ende seiner Ausführungen - mit "Dankeschön" und unter teilweise höhnischem und jubelndem Gelächter aus dem Publikum - das Mikrophon abgeschaltet. Allerdings ist es diesem Wortlaut nach nicht auszuschließen, dass Dennis Plagge selbst eine Zeit lang zu diesem Berliner Klüngel der "Elitepiraten" gehört hat. Als Journalist ist er ja auch sonst sehr intensiv mit Geheimdienst-Themen befasst (3). Und hätte ihm sonst überhaupt gesagt werden können, dass er eine eigene Gruppe gründen könne, wenn er es in (oder mit?) der von ihm umschriebenen Gruppe nicht aushalte?

2014 kandidierte Dennis Plagge noch einmal für den Bundesvorsitz und aus diesem Anlass sagte er im Juni 2014 unter anderem (Kompass, 23.6.2014):

Innerparteiliche “Peergroups” beeinflussen mich nicht und ich bin auch in der Lage, Druck, „Shitstorms“, Angeboten oder Drohungen Stand zu halten. (...) Die Sachebene und die persönliche Ebene trenne ich sehr stark. Alles Andere wäre ja der selbe Filz, den ich auch selbst in der Vergangenheit kritisiert habe (übrigens nicht als erster in Berlin). (...) Es kann nicht sein, dass einige in der Piratenpartei meinen, dass sie aufgrund der „Peergroup“, oder eines Mandats mehr Rechte genießen als andere Piraten. (...) Mein Lieblingsvorstand setzt sich aus Piraten zusammen, die (...) insbesondere nicht unter dem Einfluss der aggressiven “Berliner Linie” stehen (...), die die Partei an den Abgrund geführt hat. (...) Ich habe durch meine Aufgaben als Bundesbeauftragter in Berlin und im Bund natürlich sehr früh tiefe Einblicke in Bereiche gehabt, die den meisten Mitgliedern so nicht zur Verfügung standen und dabei eben auch viele Schlüsselpunkte miterlebt, die am Anfang dieser jahrelangen Entwicklung standen. Das ist keine Spekulation sondern Wissen, das man erlebt, gehört und gesehen hat. Es ist natürlich einfach, Unterredungen im kleinen Kreis zu dementieren, auch wenn man die vielfachen Blüten dieser Entwicklungen heute überall sehen kann. Was ich dazu leisten kann, ist, dieses Wissen in den Dienst der Partei zu stellen und bei den Lösungen dieser Probleme anzuwenden. (...) Wenn man Liquid Feedback (LF) an den ursprünglichen Zielen und Versprechen misst, ist es faktisch gescheitert. (...) Nicht zuletzt markiert LF den Anfangspunkt, an dem undemokratische Methoden zur Interessendurchsetzung in der Partei Einzug gehalten haben. Das hat alles massiven Schaden für die Partei und ihre Mitglieder bedeutet.

An keiner Stelle gibt es auch in diesem Interview nur ansatzweise eine Andeutung darüber, dass "Klüngel"-Bildung tiefergehende Ursachen haben kann, dass Geheimdienste, Logen und Orden aus dem Hintergrund auch hier wieder einmal ihre Spielchen spielen könnten. Es erscheint einem geradezu auffällig, wie noch einer der wohl deutlichsten Kritiker des "Berliner Klüngels" um solche Mutmaßungen einen großen Bogen macht, obwohl sie doch nun wirklich mehr als naheliegend sind. Schon Christoph Hörstel hatte sie ja deutlich genug angesprochen.

Die Piratenpartei - Eine "Spielwiese" der Geheimdienste?

Was konnte mit den beschriebenen Vorgängen alles an Einzelvorgängen, Beobachtungen und Erlebnissen verbunden sein? Nachdem wir mehrere Blogbeiträge über Gerwald Claus-Brunner veröffentlicht hatten, haben wir durch Zuschriften aus der Leserschaft in den letzten Wochen darüber noch allerhand an Eindrücken erfahren können. So zum Beispiel: Es konnten einflussreichere Parteimitglieder so denken und sich so verhalten und Symbole zeigen wie das ein Satanist tun würde, der Mitglied der „Fraternitas Saturnis“ ist.

Es konnten andere Parteikollegen damit prahlen, dass sie Angehörige einflussreicher Logen sind, dass sie in der Vergangenheit Kapitalbetrug begangen haben, dass sie Staatsführer in nordafrikanischen Staaten beraten würden und weitere Dinge auf dieser Linie mehr, auf die sich solche Leute etwas einbilden mögen und womit sie zugleich glauben mögen, andere, Nichtsahnende einerseits sowohl beeindrucken wie andererseits einschüchtern und zugleich für sich und ihre Ziele „vereinnahmen“ zu können.

Es konnte ein anderes Parteimitglied hinwiederum - sagen wir vom Typus „Pirat LB“ (4) - eine Art Sonderstatus innehaben, eine Art Welpenstatus genießen und fröhlich und unbefangen „Kompromate“ sammeln wie das offen benannt wurde, es konnte filmen, fotografieren, sich in anderer Leute Computer, Handy's und Internet-Account's einhacken und behaupten, belastende Geheimdienst-Dokumente über andere Parteimitglieder zu besitzen und zugleich mit all diesen Tätigkeiten drohen und einschüchtern. Und dies alles, während wiederum andere Parteimitglieder diesem Verhalten gegenüber beschwichtigen mochten mit dem merkwürdigen Argument, man müsse junge Parteikollegen doch vor „den Fängen der Pädophilen-Gruppe“ bewahren und dürfe sie deshalb nicht zu streng verurteilen.

Und der ahnungslose Dummbürger bleibt zurück und fragt sich: Nicht verurteilen? Wegen einer Pädophilengruppe? Eine Pädophilengruppe im Umfeld der Piratenpartei? - - -

Ein solcher junge Parteikollege kann dann also - wenn man es recht versteht - Pädophilen-Gruppen beschwichtigen dadurch dass er kriminell tätig ist und "Kompromate" sammelt. Hätte man damit dann nicht eine klare Vorstellung von der Art dieser Pädophilen-Gruppe? Nämlich dass sie junge Leute einer Satanisten-Ausbildung unterwirft? Und hätte man dann nicht weiter klare Vorstellungen davon, was jene tun, die hier beschwichtigen und entschuldigen? Nämlich dass sie Mitwisser sind?

Ein weiteres Parteimitglied mag von Praktikanten im Deutschen Bundestag Dokumente erhalten, deren Namen „nicht geschwärzt“ sind, die also ebenfalls fröhlich als „Kompromate“ gesammelt werden.

Auch auf dem Gebiet des Geschlechtslebens ist man tätig - wie dies auch sonst aus Geheimdiensten bekannt und üblich ist, und woran man bei solchen Dingen wieder einmal erinnert wird.

So benutzte der britische Geheimdienst Männer, um Verhältnisse mit Frauen einzugehen. Das britische Fliegerass des Zweiten Weltkrieges, der spätere Schriftsteller Roald Dahl (1916-1990) (Wiki), wurde beispielsweise dazu eingesetzt, politisch einflussreiche Frauen der „America First“-Bewegung nach 1941 zu verführen und sie damit im Sinne der Kriegsinteressen Großbritanniens unter Beobachtung zu halten und zu „kontrollieren“ - wenn nicht gar politisch ganz zu „neutralisieren“.

Ähnlich ist bekannt, dass das "Ministerium für Staatssicherheit der DDR" mitunter gerne einmal eigene Mitarbeiter ein Verhältnis mit unter Beobachtung stehenden Frauen eingehen ließ. Das konnte bis hin zur Heirat gehen. Ebenso kann im Internet leicht recherchiert werden, dass in den freiprotestantischen Gemeinden der USA wiederholt die Erfahrung gemacht wurde, dass sich Jesuiten als Freiprotestanten ausgegeben haben und in angesehene Pfarrersfamilien der Gemeinden eingeheiratet haben.

Übrigens machte ja letztlich in irgendwie ähnlich gelagerter Weise jüngst innerhalb der Berliner CDU die Nachwuchspolitikerin Jenna Behrends (geb. 1990) Erfahrungen, die einer gewissen typischen Art des Verhaltens von Männer-Cliquen gegenüber einzelnen, einflussreicher werdenden Frauen nahe kommt (6).

Oder es mag eine Gruppierung geben, die eine Kandidaten-Vorauswahl vornimmt für die Aufstellung von Parteilisten zu Landtags- und Bundestagswahlen und die arbeitet wie ein Recruiting-Büro.

Psychosekte Piratenpartei

Es mag Parteimitglieder geben, die unter Alkoholeinfluss erzählen, dass sie V-Männer des Verfassungsschutzes seien.

Andere Parteimitglieder haben viel mehr Mailinglisten abonniert, als ein einzelner jemals allein lesen und auswerten könnte.

Und in Verbindung mit solchen und vielen weiteren Erfahrungen und Erlebnissen, Einzelbeobachtungen schält sich dann ein Bild heraus des Wesens dessen, was da mitunter „Berliner Klüngel“ innerhalb der Piratenpartei genannt wird. Etwas, das sich auf unsichtbare Weise gegenseitig zuarbeitet. Alles Merkmale der Arten von Aktivitäten, die im Umfeld der Spitze der Berliner Piratenpartei zwischen 2010 und 2016 entfaltet worden sind zur Durchsetzung ihrer Machtposition und zum Erhalt derselben. Aber zu welchem Zweck? Wurde nicht geradezu jedes Anliegen der „Piratenpartei“ dabei nach außen hin diskreditiert und mit voller Wucht gegen die Wand gefahren? Und ohne dass nachher irgendwo ein größeres Bedauern der Beteiligten zu hören gewesen wäre darüber - ? Stattdessen stahl man sich danach stillschweigend davon, räumte sang- und klanglos die Abgeordnetenbüros ... - ?

Fast die Hälfte der Zugehörigen zu diesem Klüngel konnten auf manche näherstehenden Beobachter den Eindruck machen, als hätten sie eine Persönlichkeitsstörung, als agierten sie gespalten. Einmal agieren sie offen, herzlich, menschlich-warm-entgegenkommend, wie authentische und aufrechte Demokraten. Und ein andermal wieder können sie plötzlich kalt, unbeherrscht, brutal sein, austicken, ausfällig werden, beleidigen. Nicht nur Gerwald Claus-Brunner machte auf Beobachter, die mit ihm in Kontakt kamen, einen solchen gespaltenen Eindruck. Aber auch er gehörte offenbar letztlich zu einem solchen Typ Mensch ... Das wird uns nicht nur durch Aussagen bestätigt, die man in der Presse lesen kann, sondern auch durch Menschen, mit denen wir uns über ihn unterhalten haben und die ihn persönlich kannten.

Wenn er wirklich so gespalten war in seinem Verhalten wie zahlreiche weitere seiner führenden Parteikollegen, dann würde man manches, was aus seinem Leben berichtet wird, besser einordnen und verstehen können. So etwa der offenbar recht gut und zuverlässig - und nicht nur durch Presseveröffentlichungen - bezeugte Umstand, dass Gerwald Claus-Brunner auf seinem persönlichen Computer in seiner Wohnung Videos und Fotos gespeichert hatte, die mit Geheimkameras gemacht worden waren, die eingebaut waren in den Wohnungen anderer Parteimitglieder, so zum Beispiel in Duschen und WC-Räumen.

Auch der Umstand, dass Gerwald Claus-Brunner, obwohl er von nahestehenden Freunden dazu aufgefordert worden war, ermuntert worden war und ihm Unterstützung zugesichert worden war, sich dann doch nicht mit letzter Konsequenz gegen die Machenschaften des Berliner Klüngels gestellt hat, wie es seine Freunde ihm eigentlich ansonsten zugetraut hatten.

Man erfährt, dass auch sonst Druck aufgebaut wurde gegenüber einzelnen Parteimitgliedern, dass sogar mit Schlafentzug gearbeitet wurde.

Man erfährt, dass einige sich zurück zogen, weil sie dem Druck psychisch nicht mehr gewachsen waren. Andere taten das auch, tauchten aber einige Monate später wieder auf - völlig gewandelt. So als wären sie gehirngewaschen, so als hätten sie eine Persönlichkeitsänderung durchgemacht. So als handele es sich bei der Piratenpartei insgesamt um eine Psychosekte.

Indem man von solchen und vielen weiteren, persönlichen Erfahrungen erfährt, beginnt man zu ahnen, dass das äußerlich wahrnehmbare politische Geschehen rund um eine Partei wie die Piratenpartei nur ein Oberflächen-Geschehen ist, nur die Spitze eines Eisberges ist, dem ein wenigstens gleich vielfältiges, komplexes Geschehen im Untergrund zugrunde liegt, das für viele Beteiligte viel entscheidender ist als das Vordergrund-Geschehen. Und das sie zumindest zeitweise auch viel stärker persönlich vereinnahmt als jenes. Es konnte dies so intensiv sein, dass die sensibelsten Menschen diesbezüglich der Piratenpartei am frühesten den Rücken gekehrt haben.

In diesem Geschehen ging es darum, am Machterhalt einer bestimmten Gruppierung zu arbeiten, es ging darum, missliebige Parteigenossen, die diesen Machterhalt gefährden können, ihres Einflusses und Ansehens zu berauben. Es ging darum, dass die Anliegen der Partei gehijackt und gegen die Wand gefahren wurden, dass dazu Parteimitglieder auf Linie gebracht wurden, dass sich Parteimitglieder den Zielen der herrschenden Gruppe unterordneten oder sich ihr zumindest nicht in den Weg stellten.

Das Geschehen mutet geradezu so an, als ob es zugleich als „säkulares“ Übungs- und Bewährungsfeld für noch unerfahrenere, altersmäßig jüngere Satanisten und ihre Mitläufer dienen würde, als ob schweigende Mitwisser auf dieses ihr Mitwissen festgenagelt werden sollten. Wer einmal kooperiert, kooperiert immer, so mag diesbezüglich die Erfahrung und Methodik von Hintergrundmächten sein. Und auf solche bewährten Methoden mag man setzen. Ekeltraining halt. Wer nicht kooperiert, wird an den Rand gedrängt. Oder erfährt Schlimmeres.

Die Kettenhunde der Hölle sind losgelassen

Ein Geschehen, in dem die Kettenhunde der Hölle losgelassen sind, und dem sich die einzelnen unterwerfen und von dem sie vordergründig profitieren, weil sie es von Kindesbeinen an nicht anders gewohnt zu sein scheinen, weil es ihnen zur zweiten Natur geworden ist. Und weil sie oft noch nicht einmal den Schimmer einer Ahnung haben, dass man auch anders leben könnte. Dieser letztere Umstand gerät völlig aus dem Blickfeld, und zwar um so mehr, um so mehr auch die Kultur der Mehrheitsgesellschaft, der dumpfen und dummen Masse sich immer mehr der in solchen Untergründen gepflegten "Kultur" anpasst, etwa in der Musikkultur, etwa in der ständigen Berieselung mit Krimis und Kriegsfilmen aller Art, mit Brutalitäten und Ausfälligkeiten aller Art, etwa in Nachrichtensendungen und politischen Diskussionen, sowie in der sonstigen dummblöden Fernseh-„Unterhaltung“. Etwa in der allseits propagierten Wahllosigkeit auf dem Gebiet des Geschlechtslebens. Überall geht es doch auch nur darum, wer übertrifft wen an Zynismus, wer betrügt wen am Besten, wer taktiert am Besten, wer ist der Schlaueste im Spiel, wer blendet am besten. Machtspielchen, Einschüchterungen, coole Sprüchchen, Drohungen, zynisches Verharmlosen oder gerne auch einmal vorgeschobenes Besorgtsein. Wohin man blickt.

Als Resümee solcher Erfahrungen und Beobachtungen schreibt uns ein Beobachter etwas so treffend Beobachtetes und so allgemeingültig Formuliertes, dass man diese Worte fast klassische nennen kann und auf vieles anwenden kann:

Wenn man die Öffentliche Meinung bezüglich einer sozialen oder politischen Gruppierung, Bewegung/Netzwerk und natürlich auch einer Partei oder Parteiströmung beeinflussen, wandeln oder zumindest Kritisches kontrollieren - bzw./oder nicht gewünschte Themen "verbrennen" möchte, klappt das am Besten, indem man sich (seine Gruppe)
1. selbst als Anhänger dieser Themen ausgibt und sich innerhalb der Bewegung bis in entsprechende Positionen engagiert, um sich dann
a) entweder so daneben zu benehmen (psychopathisch, rassistisch, antisemitisch, dumm, extrem o.ä.), dass man damit die Bewegung komplett lächerlich macht und am Thema Interessierte verprellt und abschreckt oder indem man
b) entsprechendes Programm/Projekt durch verdeckte Sabotage gezielt gegen die Wand fährt oder indem man
c) als Auffangbecken für Kritiker fungiert, um dann gezielt diese Szene zu schwächen, von den betreffenden Themen abzulenken und in gewünschte Bahnen zu lenken.
2. Gleichzeitig ist man so in der besten Position, um nicht manipulierbare Kritiker/Gruppen ausspionieren, erpressen, bestechen oder gezielt demontieren zu können. Diese Methode ist eigentlich uralt. Aus der ehemaligen DDR sind entsprechende Zersetzungsmaßnahmen durch die Stasi inzwischen gut dokumentiert. Angesichts der heute zur Verfügung stehenden Mittel und Techniken war die Stasi jedoch rückblickend in Sachen Effektivität Kinderkram... Und alles, was funktioniert, wird leider auch getan ...

An all solchen Beobachtungen und Erfahrungen wird übrigens auch erkennbar, dass die Piraten-Partei von der Gegenseite aus für eine Zeit lang, anfangs durchaus als eine gefährliche Sache erachten worden sein muss. Welche Anliegen wurden als "gefährlich" erachtet? Dazu gehört sicherlich die Forderung nach dem "bedingungslosen Grundeinkommen". Das scheinen die Eliten zu fürchten. Sie brauchen schlecht bezahlte Menschenmassen, die für ihr geringes Gehalt gehetzte 40-Stunden-Wochen haben und dabei nicht zur Besinnung kommen über das Leben, das sie eigentlich führen.

In diesem ganzen Zusammenhang wird dann am Schluss auch das Bild von Gerwald Claus-Brunner differenzierter, wie schon angedeutet. Fast schon genau auf der Linie, auf der er im letzten Beitrag zu ihm hier auf dem Blog schon Eindrücke gesammelt worden waren.

Im Zusammenhang mit seiner Person erfährt man außerdem noch, dass er selbst oder einer seiner Brüder mit zwölf Jahren nach England ins Internat gegeben worden ist. Der Grund war, dass dieser Sohn zu Hause so viele Schwierigkeiten gemacht hatte. Wer sich mit elitärer Kriminalität beschäftigt hat, weiß, dass Internate ein wichtiger Baustein in diesem System darstellen, da hier junge Menschen - fern ihres Elternhauses - so "geformt" werden können, wie die Elite es braucht und wünscht.

_________________________________________________________
  1. Bergt, Svenja: Wahl 2011 - Klarmachen zum Kentern. TAZ, 1.7.2011, http://www.taz.de/!5117332/
  2. Marx, Iris: Das Piratenschiff geht unter - Eine Partei in der Krise. RBB-Online, 13.2.2013, http://www.rbb-online.de/klartext/ueber_den_tag_hinaus/landespolitik_berlin/das_piratenschiff_geht_unter_eine_partei_in_krise.html
  3. Plagge, Dennis: Ex-NSA-Chef Hayden „We kill people based on metadata“ entschlüsselt. In 2 Teilen, auf: Tarnkappe-Info, 26.6.2015, https://tarnkappe.info/aussage-von-ex-nsa-chef-kill-people-based-metadata-entschluesselt/
  4. Knake, Dennis: Piratenbengel sucht Aufmerksamkeit. Auf Nachrichten-Polizei, 15. Dez. 2011. http://www.nachrichtenpolizei.de/2011/12/15/piratenbengel-sucht-aufmerksamkeit/
  5. Im Zusammenhang mit letzterer wird dann raunend von einem Gay-Dating-Portal wie „Planet Romeo“ („Erasys“) gesprochen. - Ganz allgemein hat in den parteiinternen Erörterungen der Piratenpartei das Thema Pädophilie übrigens mehrfach eine nicht geringe Rolle gespielt (vgl. z.B.: http://netzwerkb.org/2012/03/16/warum-die-piratenpartei-fur-padokriminelle-interessant-ist/)
  6. Behrends, Jenna: Warum ich nicht mehr über den Sexismus in meiner Partei schweigen will. EDITION F, 23.9.2016, https://editionf.com/sexismus-parteien-jenna-behrends

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Follower

Social Bookmarking

Bookmark and Share