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Dienstag, 20. Dezember 2022

"Der Mansfeld kommt!"

- Geheimregie hinter dem Ablauf des Dreißigjährigen Krieges?
Das Wirken des Graf Ernst von Mansfeld (1580-1626) - Ermöglichte es erst das In-Gang-Halten dieses Krieges, der womöglich sonst bald "eingeschlafen" wäre, zum Schaden der katholischen Sache?
- Betrieb er auf Seiten der Protestanten Verrat im Dienste der Rekatholisierung Europas?*)

"Der Mansfeld kommt" war ein Schreckensruf der Menschen des Dreißigjährigen Krieges. Er ist von Hermann Löns in seinem Roman "Der Werwolf" im Jahr 1910 aufgegriffen worden (Wiki). In diesem sehr nah an der historischen Wirklichkeit sich bewegenden Roman finden sich alle Schrecken des Dreißigjährigen Krieges wieder. Wer aber war dieser "Mansfeld"? Haben sich die Historiker das schon ausreichend klar gemacht?

Wer sich mit der Geheimgeschichte der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts beschäftigt hat, ausgiebig beschäftigt hat (was hier auf dem Blog in vielen Beiträgen geschehen ist), der ist schon längst zu dem Schluß gekommen, daß es eine geheime Regie hinter den Kulissen gab, die - über die Beschlüsse der befehlshabenden Generäle hinweg - den Verlauf der Kriege so zu lenken wußte, daß es zum Vorteil dieser Geheimregenten war und der Vervollkommnung ihrer Machtstellung in den Völkern diente und daß es zum Nachteil aller kriegführenden Völker selbst war. Gemeinhin werden diese Kräfte Freimaurer und Jesuiten genannt, womit klar ist, daß sie einen nicht geringen Teil ihres Fanatismus und ihres wohl organisierten satanistischen Handelns aus der mosaischen Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch beziehen.

Abb. 1: Der furchtbare Dreißigjährige Krieg

Diese Geheimregie des 20. Jahrhunderts war darauf angelegt, die Kriege in die Länge zu ziehen und sie nicht schnell enden zu lassen. In einem aufwühlenden Dokument aus dem Jahr 1937 hat genau dies der amerikanische Präsidentenberater William C. Bullit auch unverhüllt und wörtlich so ausgesprochen. 

Nennen wir hier nur einige wichtigere Eckpunkte in dieser geheimen Regie: Das "Wunder an der Marne" verhinderte ein schnelles Ende 1914 im Westen, die Schlacht bei Tannenberg verhinderte - durch die überraschende Berufung Ludendorffs zum Befehlshaber in Ostpreußen - ein schnelles Ende im Osten. Falkenhayn verhinderte mit seiner "Zermürbungstaktik" ein schnelles Ende im Osten 1915 und als Ludendorff 1916 zur OHL berufen wurde, ging es erneut darum, den Krieg zu verlängern, denn er hätte sonst schon 1916 allzu leicht mit einer deutschen Niederlage enden können und die bolschewistische Revolution in Rußland hätte dann nicht so leicht siegen können wie sie gesiegt hat.

Und so ähnlich läßt sich auch die Geschichte des Zweiten Weltkrieges erzählen. Frankreich kapitulierte überraschend schnell 1940. Ähnlich viele andere europäische Länder. England wurde in Dünkirchen geschont. Gibraltar wurde nicht von den Deutschen eingenommen (dank der "hervorragenden" Arbeit des Herrn Canaris). Die Murmanskbahn wurde niemals eingenommen, wodurch die entscheidende materielle Untestützung der Kriegsführung der Sowjetunion durch die USA immer gesichert blieb. Die Invasion in der Normandie 1944 wurde ermöglicht, der Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte 1944 wurde ermöglicht, jeweils durch falsche Meldungen und "Aufklärungen" der Abteilungen "Fremde Heere Ost" (Reinhard Gehlen) und "Fremde Heere West" (Alexis von Roenne), beides Abteilungen, die durch den Admiral Canaris aufgebaut worden waren. Wir brechen ab. Diese Geschichtsvorgänge sind alle längst verstanden. Und viel zu furchtbar, um ruhig bei ihnen bleiben zu können. Geheimregie durch Personalpolitik, Geheimregie durch "Wissensgefälle".

Georg Wolmar von Fahrensbach in Kurland - 1610 bis 1620

Wer in all diese Vorgänge tiefe Blicke geworfen hat, muß aufmerken, wenn er auf eine solche merkwürdige Biographie aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stößt wie die des Georg Wolmar von Fahrensbach (1586-1633) (Wiki), dessen Agieren in Kurland und gegen Riga schon zwischen 1610 und 1620 unglaublich aufwühlend nachzuvollziehen ist und viele, viele Fragen aufwirft, weil alles, was man hier erfährt, einfach nur verwirrend und verstörend ist. Im Auftrag der Jesuiten hat dieser Mann immer wieder unter persönlicher Lebensgefahr Unruhe gestiftet in Kurland und gegen Riga, damit der polnische König und die Jesuiten die protestantischen Herzöge von Kurland und das protestantische Riga "bei den Haaren kriegen" konnten, wie sich Fahrensbach auszudrücken beliebte gegenüber einem, den er dabei zur Mitarbeit gewinnen wollte (Seraphim 1893). Es ging um haarsträubende Provokationen zu Handlungen, die die beteiligten Protestanten ins Unrecht setzten, die sie zum Beispiel Morde begehen lassen sollten (tatsächlich oder nur angeblich), aufgrund deren sie dann vom katholischen Polen aus mit Krieg überzogen werden konnten, mit einem Krieg, der dem polnischen, von Jesuiten beratenen König schließlich die schwedische Königskrone bringen sollte. 

Aufgrund insbesondere der festen Haltung des protestantischen Riga und des protestantischen Schweden sollte Fahrensbach bis 1620 vergleichsweise wenig Erfolge in den genannten Ostseeländern mit seinem Agieren haben und dort nur üblen Gestank hinter sich zurück lassen (Preußen2022). 

Wir sehen ihn aber nach 1621 in ganz anderen Zusammenhängen erneut auftreten und agieren. Konnte er das innere Wesen seines Handelns in seinem nachherigen Leben so stark ändern, jenes Wesen, daß sich schon in Kurland so überaus deutlich gezeigt hatte und das doch immer einmal wieder auch später ganz und gar unverhüllt und boshaft wieder zum Vorschein kommen sollte? Offenbar doch nicht. Wie aber ist dann all das viele "bunte", chamäleonartige Handeln und Leben dieses Georg Wolmar von Fahrensbach zwischen 1621 und 1633 insgesamt einzuordnen? Und wie ist von daher eine womöglich bestehende Geheimregie hinter dem Ablauf des Dreißigjährigen Krieges überhaupt anzunehmen und zu deuten?

.... Und der Graf Mansfeld?

Wenn man nun im weiteren auf die für den Verlauf der ersten Phase des Dreißigjhrigen Krieges so wichtige Biographie des Grafen Ernst von Mansfeld (1580-1626) (Wiki, ADB) stößt, so gelangt man zu einer ersten Ahnung davon, daß in dieser Biographie grundsätzlich ähnliche Handlungsmuster vorliegen könnten wie bei dem Agieren des Georg Wolmar von Fahrensbach.

Beide Biographien erscheinen den Historikern immer und immer wieder so, daß sie an verschiedenen Stellen Worte benutzen wie "unberechenbar", "unbegreiflich". Beide scheinen ihre Religionszugehörigkeit ihr Leben lang in der Schwebe gehalten zu haben. So konnten sie bezüglich derselben jederzeit ihre Farbe wechseln wie ein Chamäleon. Beide genossen das Vertrauen führender protestantischer Fürsten und Könige. Beide starben als Katholiken, nachdem ihnen die Beichte abgenommen worden war. Will man eigentlich noch mehr wissen? Ist das nicht alles schon genug "Muster"? Unter dem Vorwand, "Protestant" zu sein und der protestantischen Sache zu dienen, haben sie der katholischen Sache gedient? Was wäre dran an einer solchen Vermutung, an einer solchen Unterstellung? Nur Humbug?

Sind wir denn etwa die ersten, die das so klar und eindeutig sehen? Eine so klare, deutliche Kennzeichnung und Deutung zu den Leben beider Personen finden wir sonst in der Literatur bislang jedenfalls nicht. Auch nicht in der kritischsten (Ludendorff 1929). Das soll uns aber nicht beirren, die Dinge endlich einmal zu Ende zu denken und zu verfolgen. Am nächsten unserer Einschätzung kommen aber die folgenden Worte auf Wikipedia (Wiki):

Auch die Bezeichnung als protestantischer Heerführer ist fragwürdig, weil er nach 1610 seine wahre Konfession geschickt verbarg, sich nirgends erkennbar von konfessionellen Motiven hat bestimmen lassen und im übrigen später auch katholischen Mächten diente.

Ist damit nicht eigentlich schon alles gesagt? Graf Mansfeld stammte aus einer katholischen Familie in Luxemburg. Er ist katholisch erzogen worden. 1610 ist er zum Protestantismus übergetreten, hat aber vor seinem Tod sich die Beichte abnehmen lassen und ist katholisch gestorben wie berichtet wird. (Wobei die Berichte über seinen Tod insgesamt als "legendär" gelten. Ob er überhaupt so gestorben ist wie berichtet wird, scheint nicht sicher zu sein. War seine Rolle womöglich einfach nur "ausgespielt"? Und hat er womöglich unter anderem Namen in anderen Zusammenhängen weiter gelebt? Das sind Fragen, die sich uns jedenfalls stellen.) Graf Mansfeld scheint jedenfalls ein Obergauner nach dem Buche gewesen zu sein (Wiki):

An der Schlacht am Weißen Berge nahm er nicht persönlich teil, wofür er 100.000 Gulden aus der gegnerischen Kasse erhielt. 

Was will man eigentlich noch mehr hören? Ist damit nicht das ganze Leben dieses Menschen genug gekennzeichnet? Wie soll man eine solche Person noch als einen überzeugungstreuen Parteigänger der protstantischen Sache erachten, der sich für die Nichtbeteiligung an dieser für die Protestanten so entscheidenden, so vernichtenden Schlacht des Jahres 1620 100.000 Gulden aus der gegnerischen Kasse hat bezahlen lassen? Deutlicher geht es doch gar nicht. Natürlich wird diese Tatsache erst heute auf Wikipedia erwähnt. Offenbar war sie nur den wenigsten Zeitgenossen bekannt und ebensowenig vergleichsweise kritischen Historikern im Jahr 1884 (ADB). Ohne diese Tatsache konnte man womöglich noch zu keinem so klaren Urteil über das Wesen dieses Grafen Mansfeld kommen wie das mit Wissen um diesen Vorgang möglich geworden ist. 

Planlos und ziellos

Wie kann man da glauben, daß nicht genau dies der Grundzug seines ganzen Lebens? Der Sache nach nur einer einzigen Partei zu nutzen, nämlich der katholischen, nach außen hin aber sich als Vertreter der protestantischen Sache auszugeben. Das ganze militärische Handeln rund um Mansfeld nach der Schlacht am Weißen Berg mutet planlos und ziellos an. Es konnte nur darauf ausgelegt sein, den Krieg am Laufen zu halten, ihn zu verlängern, um so Handhaben zu haben, um auch Norddeutschland weiter in Unruhe zu versetzen und katholisieren zu können, wobei aber zugleich entscheidende Niederlagen der katholischen Seite zu verhindern waren und wobei zugleich die protestantischen Länder, durch die Mansfeld's Söldner zogen und aus denen sie lebten, sehr tüchtig ausgeplündert werden konnten. Ist das das Muster?

Graf Mansfeld hat an mehreren Stellen die Möglichkeit zu entscheidenden Niederlagen für die katholische Sache nicht ausgenutzt oder sie gar - um es deutlicher auszudrücken: bewußt hintertrieben und sabotiert. Indem wir diesbezüglich noch einiges ähnliche aus den Jahren davor übergehen, lesen wir dann etwa zu dem Jahr 1621 so klare und deutliche Worte wie diese (ADB):

Anstatt (...) zu entscheidenden, vernichtenden Schlägen (...) überzugehen und schließlich einen ehrenvollen Frieden zu diktiren, begnügte sich Mansfeld damit, Erzherzog Leopold und dessen Straßburger Bistum mit Krieg zu überziehen und nächstdem den Verhandlungen wieder Gehör zu schenken, (...) welche den kühnen Parteigänger noch viel unberechenbarer, ja unbegreiflicher erscheinen lassen als zuvor!

Er zog den Krieg also auf einen Nebenkriegsschauplatz, verhinderte entscheidende Schläge auf dem Hauptkriegsschauplatz und verhielt sich dann auch noch in überraschenden Unterhandlungen mit der katholischen Partei als "unberechenbar", "unbegreiflich", zumindest aus Sicht der protestantischen Sache. Man fragt sich angesichts solcher Wortwahl, warum bisher scheinbar kein einziger Historiker klar und deutlich genug die Meinung scheint vertreten zu haben, daß Mansfeld schlicht und einfach immer und durchgehend um katholischer Interessen willen gehandelt hat als Geheimagent auf protestantischer Seite - so wie Georg Wolmar von Fahrensbach und so wie vielleicht - bei genauerem Hinschauen - noch so manch anderes "liebevolle" Persönchen der damaligen Zeitenläufte. (Wobei ja eigentlich nur an den katholischen Minister des calvinistischen Kurfürsten von Brandenburg erinnert werden muß, um deutlich zu machen, daß auf dieser Linie allerhand an Abstrustitäten möglich war.)

Auch über die Schlacht bei Wimpfen 1622 gegen Tilly lesen wir dann wieder (ADB):

Denn nur wenige Tage später trug Tilly einen glänzenden Sieg über die vereinigten badischen Truppen (gegen 20,000 Mann) bei Wimpfen davon, da Mansfeld sich erst in der letzten Stunde dazu entschloß, die beiden, bei seinem Korps befindlichen Herzöge Wilhelm und Bernhard von Sachsen-Weimar mit zwei Regimentern Infanterie und 2000 Reitern zum Markgrafen stoßen und an jenem verhängnißvollen Kampfe Anteil nehmen zu lassen.

Zwischen solchem Handeln mußte Mansfeld natürlich auch immer wieder "glänzende Siege" gegen die katholische Partei erringen, sonst wäre seine Maske womöglich doch zu stark verrutscht. Womöglich sind diese aber nur zugelassen worden, damit die protestantischen Fürsten und die protestantische Welt ihm weiterhin Vertrauen entgegen bringen konnten. Ein ähnliches Muster sehen wir ja ebenfalls bei Fahrensbach.

Scheinbar scheint es immer wieder gelungen zu sein, andere für verantwortlich erklären zu können für das, was Mansfeld selbst dann aber der Sache nach tat, so etwa bei der außerordenlich üblen Plünderung Ostfrieslands 1623, das als Handelskonkurenz von England, Frankreich und der Niederlande galt, die aber doch nicht wollen konnten, daß ein protestantischer Landstrich so übel ausgeplündert wurde ([ADB]: "die Feder sträubt sich").

"... wird wohl auf immer ein Rätsel bleiben" - 1626

Über die Jahre 1624 bis 1626 berichtet der Historiker wieder über ihm völlig Unverständliches (ADB):

Er scheint schon damals den Plan entworfen zu haben, den Krieg wieder in des Kaisers Erblande zu spielen, sich den Weg bis nach Ungarn zu bahnen und Bethlen Gabor dort die Hand zu reichen. Warum er dies (...) nicht ins Werk setzte, warum er es vorzog, das gefährliche Wagestück zu unternehmen, die feindlichen Stellungen an der Dessauer Brücke zu stürmen, wird wohl auf immer ein Rätsel bleiben. - Hier hatte Wallenstein (...) einen starken Brückenkopf auf dem rechten Elbufer errichtet (...). Anstatt nun seine Streitkräfte (...) direkt nach Schlesien, Böhmen und Innerösterreich zu führen, die Schrecken des Kriegs in die kaiserlichen Erbstaaten zu tragen, zog er es vor, seine Kampfmittel an einem Punkte aufs Spiel zu setzen, wo Wallenstein alle Vorteile des Bodens (...) für sich hatte und eine unglückliche Fügung, ein Zufall gleichsam, ihm den blutigen, teuer errungenen Lorbeer wieder aus den Händen riß.

Wenn man Mansfeld als jesuitischen Geheimagenten erachtet, bleibt hier gar nichts mehr ein Rätsel. Aber freilich wäre dann die Truppenführung des Mansfeld auch als außerordentlich verbrecherisch zu bezeichnen. Er hätte seine Truppen dann bewußt und mit Absicht in eine blutige Niederlage hinein geführt. Aber da er schon so viele andere Schlechtigkeiten begangen hatte - warum sollte man ihm diese dann nicht auch noch zutrauen?

Der planlos wirkende Zug nach Schlesien - 1626

Sein ganzer Zug nach Schlesien im Jahr 1626 hat irgendwie das Aussehen von Planlosigkeit und Ziellosigkeit. Der Zug endete im Nichts, zog aber Schlesien - wie zuvor viele Länder Norddeutschlands: Ostfriesland, Lüneburg, Brandenburg - in den Krieg mit hinein und ermöglichte es so der katholischen Seite, gegen die Protestanten in Schlesien vorzugehen, die zu den Fahnen Mansfelds geeilt waren.

Der Historiker Julius Krebs schildert 1886 (2), wie Wallenstein es seit Herbst 1625 immer fest im Auge behielt, welche Pläne Mansfeld verfolgte, und daß man sich schon früh Sorgen machte, er könne von Niedersachen über Brandenburg aus in das protestantische Schlesien einbrechen, wo er aufgrund des protestantischen Glaubens als - vorgeblich - protestantischer Heerführer viel Unterstützung finden würde, und wo ihm Bethlen Gabor von Ungarn her entgegen ziehen konnte. Und in einer Geschichte der Herzogtümer Troppau und Jägerndorf (Österreichisch-Schlesien) von 1874 lesen wir die bezeichnenden Worte für die Zeit zwischen 1621 und 1626 (Gottlieb Biermann: Geschichte der Herzogthümer Troppau und Jägerndorf, 1874, S. 523f, GB):

Man fand es jedoch noch nicht an der Zeit, die sogenannte Gegenreformation im Troppauischen, für dessen protestantische Bevölkerung der Kurfürst von Sachsen intervenierte, schon jetzt durchzuführen. (...) Mansfeld's Einfall in Schlesien bot die heiß ersehnte Gelegenheit, auf welche die in Wien alles vermögende Jesuitenpartei längst schon ungeduldig harrte, um sich des lästigen Akkords zu entledigen.

Gemeint ist hier der Dresdner Akkord von 1621 (Wiki), laut dem die katholische Partei sich noch Zügel auferlegen mußte was ihre Pläne der Gegenreformation betraf. Was für bezeichnende Worte hier der Historiker Gottlieb Biermann (1828-1901) (Wiki) wählt. heute nennt man so etwas "Agent provokateur". 

Mansfeld brach also nun am 10. Juli 1626 von Havelberg aus nach Schlesien auf. Die Regimenter zogen unter seiner eigenen Führung und unter der Führung des Herzogs Johann Ernst (1594-1626) (Wiki) auf parallelen Wegen über Kyritz, Fehrbellin, Kremmen, Spandau, Oranienburg und trafen sich in Frankfurt an der Oder (Krebs). Dort setzten sie über die Oder und zogen weiter durch Schlesien. Ziel war ihre Vereinigung mit Bethlen Gabor in Oberschlesien. Am 12. August wurde Mansfeld Teschen ohne Gegenwehr übergeben, am gleichen Tag dem Herzog Johann Ernst Troppau. Wir lesen über den weiteren Verlauf (ADB):

Herzog Johann Ernst unterwarf fast ganz Schlesien, Mansfeld drang nach Ungarn vor. Ihm folgte Wallenstein, die Generale Schlick und Serini wurden gegen Johann Ernst gesandt. Letzterer aber wußte nicht nur sich gegen sie zu behaupten, sondern schlug sie entscheidend. Nach diesem glücklichen Erfolge teilte der Herzog sein Heer, ließ die eine Hälfte als Besatzung in Schlesien zurück, die andere sandte er nach Mähren, wo er verschiedene wichtigere Plätze unterwarf. Währenddem war dem Grafen Mansfeld eine Vereinigung mit Bethlen Gabor gelungen; die Truppen, die er aus Deutschland mitgebracht, unterstellte er dem Siebenbürger. Auch mit den Türken trat man in Verhandlung. Aber während hier sich eine neue Gefahr für den habsburgischen Staat zu bilden schien, gelang es dem Kaiser, Gabor zur Untätigkeit zu veranlassen. Mansfeld fand in diesen Tagen unerwarteter Weise den Tod. 

Auf dem Weg über Dalmatien nach Venedig, wo Mansfeld Geld für neue Truppen aufbringen wollte, ist er in der Nähe von Sarajewo am 29. November 1626 einen "geheimnisvollen Tod" gestorben. Und (Wiki):

Kurz vor seinem Tod ließ er sich von einem katholischen Priester die Beichte abnehmen.

Er hatte maßgeblich dazu beigetragen, daß der Krieg über 1621 und 1623 hinaus verlängert worden war. So heißt es auf Wikipedia. Und  er starb als Katholik. Und er hat die protestantischen Länder überall, wohin er gekommen war, geplündert und übel mitgenommen zurück gelassen. "Der Mansfeld kommt," galt als Schreckenswort in protestantischen Ländern. Wahrlich "Heldentaten" - aber wofür? 

Während Mansfeld in Ungarn unter ging, vollzog sich auch das Schicksal der vorwiegend dänischen Truppen in Schlesien (ADB):

Wallenstein mußte zunächst nach Schlesien vordringen und der Kaiser gedachte endlich die Acht gegen den Herzog (Johann Ernst) zu verhängen. Der Fürst schien verloren. In seiner großen Not entschloß er sich, des Kaisers Gnade und Verzeihung zu erbitten und verhandelte mit Landgraf Georg von Hessen-Darmstadt über Interzession am Wiener Hofe. Wilhelm, Johann Ernst’s Bruder, bemühte sich eifrig für ihn, schrieb an den Kaiser wegen Aufschub der Achtserklärung und erbot sich, Boten an den Herzog zu senden, um die Unterwerfung herbeizuführen. Ferdinand ging auf diese Vorschläge ein und versprach, wenn der Herzog sofort die habsburgischen Erblande räumen würde, mit der Acht nicht vorgehen zu wollen. Aber Johann Ernst konnte sich zur Räumung des besetzten Gebietes nicht entschließen: er ließ die Truppen in den okkupierten Städten und drang an der Spitze des größten Teiles seines Heeres nach Ungarn - da, als sich alles zu einer Katastrophe vorzubereiten schien, hat den Herzog unvermutet der Tod hingerafft. Der Genuß einer ungaren Speise warf ihn aufs Krankenbett, ein unbesonnener Versuch, sich durch Gewaltmittel zu kurieren, verschlimmerte das Übel, das am 4. Dezember 1626 zu St. Martin in Ungarn seinem Leben ein Ziel setzte.

Johann Ernst war erst 31 Jahre alt. Mansfeld war 46 Jahre alt als er starb. Was für ein erschütterndes und zugleich sinnloses Geschehen. Was hatte dieser ganze Zug nach Schlesien überhaupt für einen Sinn gehabt? Man spürt aus den Berichten nicht heraus, daß die Macht Habsburgs sich durch diesen Zug wirklich gefährdet gefühlt hat. 

Flüche als Nachrufe

Das Urteil der Historiker über Mansfeld lautet einigermaßen einhellig (NDB):

Die außerordentliche Verrohung des Kriegswesens während des 30jährigen Krieges bleibt mit seinem Namen verbunden.

Und (Wiki):

Er trug aus persönlichen Gründen wesentlich dazu bei, die Reichswirren über die Zäsuren von 1620/21 und 1623 hinaus zu verlängern und zu einem europäischen Krieg auszuweiten.

Es fällt einem also mehr schwer, mit wohlwollenden Gedanken an diesen furchtbaren Truppenführer zurück zu denken. Eine finnische Studie aus dem Jahr 2011 ordnet das Handeln des Grafen Mansfeld unter die Thematik der "assymetrischen Kriegsführung" (Wiki) ein. In der Zusammenfassung ihrer Ergebnisse heißt es (Bäckström 2011, S. 83f):

Die Zeichen symmetrischer Kriegsführung, als da sind klare politische Ziele und der Vorsatz, Entscheidungsschlachten führen zu wollen, waren auffallend abwesend in Mansfeld's Kriegsführung.
The signifiers of symmetrical warfare, the clear political goals and the disposition to engage in decisive battles of annihilation, were conspicuously absent from Mansfeld’s warfare.

Was für verräterische Sätze. Und der Autor schreibt weiter über Wallenstein (Bäckström 2011, S. 83f):

Seine Übernahme und Verfeinerung von Mansfeld's assymetrischen Methoden halfen dem Kaiser alle Flammen des Widerstandes in Deutschland bis zum Ende des Jahres 1629 zu ersticken.
His adoption and refinement of Mansfeld’s asymmetrical methods had helped the Emperor to smother all flames of resistance in Germany by the end of 1629.

Wir furchtbar das alles, wenn es wahr wäre. Unter der Fahne des Protestantismus hätte dann ein katholischer Feldherr eine barbarische Kriegsführung in Europa eingeführt, die dann die katholische Seite als "Nachahmung" übernehmen konnte, die aber womöglich sie selbst zuvor erst eingeführt hatte.

Was für ein Erbe und Andenken der Graf Mansfeld in solchen Worten der Nachwelt hinterlassen hat! Wird hier nicht klar genug gesagt, daß Mansfeld die Wallenstein'schen Rekatholisierung in Norddeutschland - der Sache nach - vorbereitet hat? Erst mit dem Auftreten Gustaf Adolfs von Schweden ab 1629 kam es wieder zu einer "symmetrischen Kriegsführung", allerdings nun auf den Linien, die zuvor von Mansfeld und Wallenstein vorgegeben worden waren. Mit seinem Vormarsch war die Macht der Katholiken in Wien erstmals wirklich ernsthaft gefährdet. 

Zumal eine Verständigung zwischen Gustav Adolf und dem hervorragenden protestantischen Staatsmann, Feldherrn und Kulturförderer Bethlen Gabor in Ungarn immer näher gerückt war. Da starb ganz "überraschend" Bethlen Gabor am 15. November 1629 mit 49 Jahren mitten in seinen weitausschauenden Plänen zur Übernahme der polnischen Königskrone mit Hilfe des polnischen protestantischen Adels. Vor einem Bündnis Gustav Adolfs von Schweden mit Bethlen Gabor in Siebenbürgen wäre Habsburg militärisch unweigerlich in die Knie gegangen. Aber auch ohne Bethlen Gabor blieb Gustav Adolf gefährlich genug für die Habsburger in Wien.

Und da kam dann - unter anderem - der Georg Wolmar von Fahrensbach zum Zuge und ins Spiel. Als Regimentsführer bei der Verteidigung von Frankfurt an der Oder und der Festung Ingolstadt sollte er wesentliche "Heldentaten" für die katholische Seite erbringen, ohne daß ihm die katholische Seite das jemals wirklich ausdrücklich gedankt hätte (ebensowenig wie sie es nach außen hin gegenüber Mansfeld hat tun können). Sonst hätte das viel zu viele Blicke erlaubt in die Geheimregie hinter dem Dreißigjährigen Krieg. 

Und so mancher überzeugte Katholik hätte sich mit Abscheu abgewandt von solchen Methoden der Kriegsführung, die - um "höherer Ziele willen" - bereit war, Verrat an den eigenen Kameraden zu begehen und sie dem Feind auszuliefern.

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*) Teil 6 der Beitragsreihe: "Minen hört man und Geschütz / täglich dumpf erdröhnen" - Im Kampf für die evangelische Freiheit - Einblicke in das Leben der Deutschen des baltischen Adels und der Bürgerschaft des 17. Jahrhunderts in Livland und Kurland. Vorige Beiträge: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5.

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  1. „Mansfeld, Ernest Graf zu“ von Ludwig Graf Uetterodt zu Scharfenberg in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 222-232, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mansfeld,_Peter_Ernst_II._F%C3%BCrst_von&oldid=- (Version vom 20. Dezember 2022, 03:40 Uhr UTC)
  2. Krebs, Julius: Schlesien in den Jahren 1626 und 1627. In: Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens. 1. Bis zu Manfeds Zug, Band 20, 1886, S. 1-32 (GB); 2. Manfeld's Zug durch Schlesien, Band 21, S. 116-148 (GB); 3. Der Einmarsch der Herzogs von Friedland, 4. Die Forschritte der Dänen und Mansfelder bis Ende 1626, Band 25, S. 124-184; 5. Die Winterquartiere der Kaiserlichen, 6. Vordringen des Feindes in Oberschlesien und Aufmarsch der kaiserl. Regimenter (Jan. - Juni 1627) Bd. 27, 1894, S. 150-203 (GB); 7. Wallensteins Feldzug in Oberschlesien, Bd. 28, S. 147-178 (GB)
  3. Seraphim, Ernst: Der Kurländer Wolmar Farensbach. Ein Parteigänger und Verräter des 17. Jahrhunderts. Nach archivalischen Quellen. In: Seraphim, Ernst und August: Aus der Kurländischen Vergangenheit. Bilder und Gestalten des siebzehnten Jahrhunderts. Stuttgart 1893, S. 9-152 (GB)
  4. Ludendorff, Erich und Mathilde: Das Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende. Ludendorffs Verlag, München 1929 (Archiv)
  5. Heinisch, Reinhard R., "Mansfeld, Peter Ernst II. Fürst von" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 80-81 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119338882.html#ndbcontent 
  6. Olli Bäckström: The German Military Entrepreneur Ernst von Mansfeld and His Conduct of Asymmetrical Warfare in the Thirty Years War, 2011 (pdf)

Samstag, 14. November 2020

Völkisch-katholische Okkultlogen, die sich als "verlorene Stämme Israels" ansehen

"Denn der HERR, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifriger Gott." 

Seit mehr als einem Jahr kommentiert auf unserem Videokanal ein Mensch, der sich das Pseudonym "Flamme des Herrn" gibt, der indogermanische Stämme als "verlorene Stämme Israels" deklariert, der - scheinbar - Männerorden toll findet (was ja naheliegend ist, wenn man sich als verlorenes Priestervolk ansieht), und der als Leitspruch auf der Kanalinfo seines Videokanals verzeichnet hat (Yt):

"Denn der HERR, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifriger Gott."

Abb. 1: Anbetung der jüdischen Bundeslade - Macht Sinn, wenn du zu einem "Verlorenen Stamm Israels" gehörst (Wiki)

Das ist ein Bibelspruch aus dem Alten Testament, aus dem 5. Buch Moses. Als Vorstellungsvideo hat er auf seinem Videokanal ein Lied aus den Freiheitskriegen gegen Napoleon eingestellt ,"Flamme empor". Zusammen genommen mit dem Leitspruch darf man sich da schon so einiges dabei denken. Aber lassen wir das. Er hat bislang - seit 2017 - elf Videos hoch geladen - bzw. wohl zumeist von anderen Kanälen neu hoch geladen - und zwar mit folgenden Titeln:

  1. Der Volkslehrer - Gastbeitrag Der Völkermord auf den Rheinwiesen überlebt Teil 1
  2. Bill Gates kapert Deutschland!
  3. Polizeigewalt in der BRD - Coronadiktatur
  4. Eurabia - Eine Kolonie des Islam
  5. Diä Chatz chund widär (Katze kommt wieder)
  6. Das Netz - Dokumentation über den "Unabomber"
  7. EVOLUTION - Fehler in der Evolutionstheorie
  8. Windkraftanlagen sind der TOD
  9. Geschichte des nordisch-atlantischen Menschen
  10. Die Radioaktivitätslüge 3/3 (zwei Teile)
Aus dieser Auflistung ergibt sich thematisch keine rote Linie, sie wirkt zusammen gewürfelt und soll wohl anzeigen, daß man sich breit im Bereich der "alternativen Öffentlichkeit" umgetan hat und dort für vieles "Interesse" hat. Welches auch immer. Als "verlorener Stamm Israels" muß man ja nach anderen "verlorenen Schafen" sehen, nicht wahr ....

Sieht man nun die Kommentare durch, die ein solcher Mensch im Lauf des letzten Jahres auf meinem Youtube-Kanal hinterlassen hat, schält sich das Bild heraus, daß es sich um einen Katholiken handelt, der manche Sympathien mit Rudolf Steiner äußern kann, der sehr zwiegespaltene Sympathien äußern kann gegenüber dem europäischen Heidentum, der den "nordisch-atlantischen Menschentypus" toll findet, der aber nichts übrig hat für den Islam oder den - so, so: "verjudeten" - Protestantismus, dessen Einstellungen aber insbesondere kulminieren darin, daß er .... Männerorden toll findet.

Daß man als "verlorener Stamm Israels" und mit einem Bibelspruch aus dem Alten Testament als Leitwort, sich besser einmal - wenn schon - dann selbst die Charakterisierung "verjudet" geben könnte - geschenkt. Synkretismus ist angesagt, wenn es um Männerorden und um Herrschaft geht. Wer interessiert sich schon für solche Widersprüche? Das kann alles gut zusammen gebracht werden. Es kommt nur auf ausreichend willkürliche Argumentation an. Aber - warum, warum, warum, warum - muß sich ein solcher Mensch ausgerechnet auf unseren Videokanal verlieren? Warum? ??? Hat er nichts Besseres zu tun? Scheinbar nicht. Es gilt, verlorene Schafe im Auge zu behalten, sie in "verlorene Stämme Israels" zu integrieren, scheinbar ....

Heidnisch, katholisch, alttestamentarisch, anthroposophisch .... ? Dieser Mensch wird sich doch wohl nicht im Umfeld jesuitischer Okkultorden bewegen? Solchen Orden, die sich einstmals - vor 1945 - zum Beispiel Skladenorden nannten? Ach, nicht doch, alles Verschwörungstheorie. Und eines ist sicher: Diese "Flamme des Herrn" gehört nur den unteren Rängen an. Er soll sich die Argumentationsweisen verlorener Schafe anschauen und - ggfs. - darüber referieren, gerne auch im Austausch ein wenig für seine Sache - den katholisch-völkisch-anthroposophischen Okkultorden - Werbung machen. 

Zu "Turkvölker, Indogermanen ..." 

Gehen wir gegenchronologisch seine Kommentare im letzten Jahr durch. Zu dem Video "Turkvölker, Indogermanen ..." fügte er vor fünf Tagen zunächst erläuternd hinzu, was im Video nur kurz angedeutet worden war, nämlich zur Herkunft des Odinsglaubens bei den Germanen:

"Wanen = Narten"

Dann schrieb er:

"Skythen und Sarmaten sind die verlorenen Stämme Israels."

Hier wird schon erkennbar, daß wir einer in seinem völkischen Okkultorden gelehrten Kernlehre mit unserem Video sehr nahe gekommen waren. Wir empfanden das aber eher als einen sehr lustigen Gedanken und antworteten:

"Ich kann mir aber auch überhaupt NICHTS anderes denken als DAS. .... Ähm ..... aber wer gehört eigentlich noch mal NICHT zu den 'verlorenen Stämmen Israels'? - ??? Wenn man die ganze Welt zu seinem Nationalgott (Jahweh) bekehren will (und das ist ja das erstrebte Ziel des Alten Testaments), dann macht es Sinn, jedem Volk ein kleines Stück von jener 'Auserwähltheit' abzugeben, die man sich selbst zuspricht (als 'Volk Gottes', als einziges) und dann darf jede Nation und ihre 'Eingeweihten' sich einmal als ein 'verlorener Stamm Israels' fühlen und dabei natürlich als etwas ganz, ganz Tolles und Besonderes. Fast als so toll und besonders wie das eigentliche 'Volk Gottes'. Viel Vergnügen dabei. Ja, es darf sich noch mehr fühlen - - - es darf sich - dann - fühlen als: 'Flamme des Herrn'!!!! :-) 

... Im Sturmschritt voran. 

Darauf antwortete "Flamme des Herrn":

"Also zu deinen letzten Worten: Ist es nicht aktueller Forschungsstand der Archäologie und Geschichtswissenschaft, daß die Indogermanen patriarchale Gesellschaften waren? Daß es die indogermanischen Reitervölker waren, welche das Patriarchat nach dem heutigen Europa gebracht haben?"

Wir verstanden die Zielrichtung dieser Bemerkung erst nicht und antworteten:

"Hm, eine Hypothese, ja. Wieso?"

Darauf "Flamme des Herrn":

"@Ingo Bading Weil du die Existenz von Männerbünden bei den Indogermanen so selbstverständlich zu verneinen scheinst.... Ich denke, daß es bei patriarchalischen und kriegerischen Gesellschaften eher wahrscheinlicher ist, daß solche Männerbünde existieren als nicht."

Das rief bei uns erneut ziemlich viel Belustigung hervor. Immerhin sind wir hier in den Kernbereich der ideologischen Lehren mancher völkischer Okkultlogen geraten. Und es mag ja sinnvoll sein, wenn man Menschen, die zu solchen Lehren und Orden neigen, doch noch einmal vor Augen führt, was dazu zu sagen wäre:

Grins, scherz, lächel. Und warum mußt das jetzt gerade DU sagen? Na, da paßt ja - wieder einmal - alles zusammen, oder? Oh, diese Männerbünde. Herrje, sind DIE WICHTIG!!! Es MUSS sie geben bei den Indogermanen, denn warum sollten sonst HEUTE Nachfahren der Indogermanen Männerbünde WICHTIG finden und bei ihnen mitmachen wollen, nicht wahr? Als "verlorener Stamm Israels", nicht wahr? Als "Flamme des Herrn", nicht wahr? Oh, oh, oh. Ich kann das schon verstehen. Aber so was von .... Das ist schon alles sehr, sehr wichtig. Ich bin da ja so was von empathisch. Man glaubt es kaum.

Aber zugleich stehe ich VÖLLIG auf Seiten des Nordisten und Religionshistorikers Bernhard Kummer, der genau diesem Gedanken, der sich während des Dritten Reiches so grassierend ausbreitete (WARUM WOHL?), der genau DIESEM Gedanken mit Vehemenz entgegen trat zu jener Zeit öffentlich (neben natürlich so unwichtigen Gestalten wie Erich Ludendorff oder Mathilde Ludendorff), und der gerade deshalb aus der SS heraus (WARUM WOHL?), GERADE aus der SS heraus so viel Gegenwind bekommen hat (sich berufend auf Otto Höfler, glorreichen Angedenkens ...) (1-3).

Archäologisch - wie gesagt - halte ich die These für völlig unbegründet (1) (bitte erst mal nachlesen und dann weiter reden).

Insgesamt: Die Indogermanen waren und sind das freiheitsliebendste Volk der Weltgeschichte. IHR Grundgedanke ist die Freiheit und die Gleichheit aller vor dem Gesetz, IHR Grundgedanke ist ECHTE Demokratie. Was man bei den Germanen besichtigen kann, in England, in Athen (Antike). Von selbst wären die nicht darauf gekommen, Männerbünde zu gründen. Vielmehr sind sie - unbewußt oder bewußt - zu allen Zeiten die geschworensten Feinde der Männerbünde gewesen. Deshalb werden sie ja so bekämpft und "eingefangen", die Indogermanen, nicht wahr? Von Männerbünden weltweit ....

Daß diese sogenannte "patriarchalische" Grundausrichtung bei den Indogermanen eine gewisse Einseitigkeit dargestellt hat und darstellt - bis heute, das könnte ich mir durchaus vorstellen. Und vielleicht war es auch nur aufgrund dieser Einseitigkeit den Indogermanen möglich, sich gegen so viele andere Kräfte der Weltgeschichte durchzusetzen und zu behaupten, vielleicht. Aber WENN diese Einseitigkeit heute überwunden werden MÜSSTE, dann ganz bestimmt nicht dadurch, daß der Gedanke des Männerbundes noch höher gehalten werden müßte in Europa als das sowieso schon bald 1.800 Jahre lang geschieht, seit der erste christliche Priester seinen Altar aufgeschlagen hat in römischen Städten am Rhein, ebenso wie sich etwa zeitgleich dort jüdische Gemeinden mit ihrer Erzpriesterschaft etablierten .... 

______ 

  1. Bading, Ingo: 2017, https://studgenpol.blogspot.com/2017/07/kultische-geheimbunde-haben-sie.html
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Kummer
  3. http://www.nibelungenlied-gesellschaft.de/03_beitrag/galle/fs06_galle.html

Seit diesem Kommentar herrscht Funkstille. Seither hat "Flamme des Herrn" nicht mehr geantwortet. Aber dieser Gedankenaustausch ließ den Bloginhaber nun doch noch einmal fragen, was "Flamme des Herrn" eigentlich alles schon zu Videos kommentiert hatte, und welcher "roter Faden" sich da wohl herausstellen könnte ,wenn man das einmal zusammen stellen würde. Und genau das geschieht im folgenden, und zwar gegenchronologisch immer unter dem Titel des jeweiligen Videos, unter dem die Kommentare gesetzt worden waren.

Zu "Inzest ..."

Vor vier Monaten äußerte sich die "Flamme des Herrn" zunächst einmal als so wissenschaftsfern wie nur möglich:

"Ich frage mich immer, woher die Archöologen diese Zahlen haben. Die C14-Methode wurde doch längst als unbrauchbar bewiesen..."

Puh. Warum kommentiert er dann auf meinem Kanal? Was soll das überhaupt?

Zu "Hegel ..."

Flamme des Herrn, vor 4 Monaten:

"YHWH ist der Panentheos!"

Was immer das nun wieder heißen möge und welche religiös-ideologische Kulissenschieberei damit wieder beabsichtigt sein könnte. 

Zu "Erich Ludendorff und die Spanische Grippe"

Im Mai 2020 hat er es mit der "Wertneutralität", er rät uns in Bezug auf Psiram ...

"... zur höchsten Vorsicht und Wertneutralität was die Information selbst anbelangt".

Nun gut, das mag ja für manche noch keine Selbstverständlichkeit sein. Geschenkt. Aber dann gibt er uns folgende hübschen Segensgrüße mit auf den Weg:

"Ach ja: Sollten Sie selbst mal etwas berühmter werden mit Ihrem Kanal, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, daß auch Sie auf Psiram Ihren persönlichen Artikel erhalten werden. Denn die Hintermänner dieser Plattform sind politisch röter als rot und die Ludendorffs eines deren Feindbilder. Daß Sie sich stets absolut wertneutral und politisch korrekt verhalten und ausdrücken, dürfte dabei wohl kaum eine Rolle spielen.... ;-)

Allvaters Segen!

Wenn einem ein Katholik und jemand, der sich gerne als Angehöriger eines "verlorenen Stammes Israels" ansieht und Männerorden toll findet, Allvaters Segen wünscht, dann darf man sicher viel Segensreiches unter solchen Segenswünschen verstehen .... Hust, hust, hust.

Zu "Unser Immunsystem und die Tiere"

Zu diesem Video schrieb er:

"Danke für das Video, war wie immer sehr interessant und aufschlußreich! 👍🏻"

Und:

"Ja (...) so ein Video fordert dem Gewissenhaften und Tüchtigen viel Zeit ab wenn er nicht geübt ist darin. Mach es weiterhin so wie es dir am besten in die Agenda paßt, denn so wie es jetzt ist, ist es gut. Ich mag deine Videos echt, obwohl ich als Christ bei einigem in der Vergangenheit den Kopf schütteln mußte. Doch deine Themen interessieren mich und ich bin irgendwie fasziniert von M. Ludendorff. Ich lese ihre Bücher und es ist ein Hin und Her zwischen purer Ablehnung und energischer Zustimmung. Wenn man nicht über den epistemologischen Tellerrand guckt, bleibt man in einer unaufhörlichen Selbstspiegelung stecken.... Darum nochmal Danke dafür, daß du hier mit uns deine Erkenntnisse teilst. 👍🏻"

Was man auch immer unter solchen Dankesworten verstehen kann ....

Zu "Wie evoluiert die Intelligenz?"

Zu diesem Video schrieb er:

"Dieser Stream war wiedermal sehr interessant, Herr Bading. Habe mir übrigens Ludendorffs 'Triumph d. Unsterblichkeitswillens' besorgt und gelesen. Diese Frau war wohl gesegnet und verflucht zugleich."

Wir halten fest: "Gesegnet und verflucht zugleich". Und weiter:

"Schade, daß sie so wenig Durchblick und Verständnis hatte was den INDOGERMANISCHEN Allvater Yahuwah anbelangt und den wahren Glauben an Yahushwah Immanuel Massiah, den Erlöser Europas. Das lag wohl am damaligen Zeitgeist und der antichristlichen Indoktrinierung. Das ist sehr schade. Alles andere aber ist ein wahrer Gewinn für jeden spirituellen und philosophischen Leser aus der keltogermanischen Ethnokultur.

Möge der Herr des Lichts auch sie zum wahren Weg anfeuern, Herr Bading!

Allvaters Segen!

🔥🔥🔥 

🔥♥️🔥

🔥🔥🔥"

Ist ja toll, daß da jemand so viel Durchblick und Verständnis hat inzwischen, bezüglich des indogermanischen Jehowah. Dazu muß wohl nichts weiter gesagt werden. Da sind alle Menschen, die heidnischer sind als dieser "indogermanische Jehowah" "gesegnet und verflucht zugleich". Aber man möchte doch meinen: Vorsicht vor einem solchen Segen, mehr noch Vorsicht vor solchen Flüchen ... Und: "Keltogermanische Ethnokultur". Hui ui ui.

Zu "Audio-Guide II"

Das Video handelte vom Schlachtfeld bei Wittstock aus dem Dreißigjährigen Krieg. Und "Flamme des Herrn" hat es scheinbar mit Schlachtfeldern, was man doch interessant finden kann:

"Yahuwahs Feld. Es gibt kein Eigentum an Grund und Boden. Alles gehört dem Schöpfer Yahuwah. Wir sind bloß Mieter in diesem Haus." 

Warum ihm das jetzt gerade bezüglich des Schlachtfeldes eines der blutigsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges wichtig ist, da mag sich jeder selbst seinen Reim darauf machen. Mit den Schlachtfelder haben es die Okkulten ja (wie hier auf dem Blog aufgezeigt wurde anhand des größten Freimaurertempels der Welt in Leipzig). Deshalb verständlich, wenn er weiter voller monotheistischen Eifers sich äußert:

"Möge der Herr des Lichts deine Seele zum wahren Leben durch, mit und in Yahushwah Massiah Immanuel erwecken!

Halleluyah!

Heil dir Yahuwah!

DEUS LO VULT  

🕯777🕯 

☀️🌙⭐ 

🔥♥️🔥 

⚔🙏🏻⚔ 

🤚🏻 "

Mit bestem Dank zurück für - solche - "Segenswünsche".

Zu "Heidnisch-germanisch ..."

Über das Christentum wußte er im Dezember 2019 zu sagen:

"Das Christentum hat sich so rasant verbreitet, weil es eben im Gegensatz zu den heidnischen Kulten keine Religion der Eliten war und sich auch gegen das bestehende Herrschaftssystem richtete. Vor allem die Sklaven, von denen es im heidnischen Europa unzählige gab, nahmen den neuen Glauben sofort mit großer Begeisterung an. Das Erfolgsgeheimnis des Christentums war es eben, daß es sich von Oben und von Unten gleichzeitig verbreitete und allen Menschen das versprach (und immer noch verspricht), was sie sich sehnlichst erhoffen. Ganz im Gegensatz zum alten Kult, bei denen man den Geistern immer mehr geben mußte als man von ihnen letzten Endes zurückbekam... Die alten Geister waren eben Ausbeuter, weshalb sie von den heiligen Himmelsscharen des einen Allvaters verdrängt wurden."

Die alten Geister waren Ausbeuter. Nunja. Toll zusammen gestoppelt, die religiöse Ideologie dieser völkisch-anthroposophisch-katholischen Okkultloge. Außerdem:

"Das europäische Christentum von heute hat sich in über tausenden von Jahren kulturell-evolutionärer Vermischung mit den heidnischen Kulten des alten Europa ergeben. Das Meiste des katholischen Glaubens ist in seinem Kern uraltes, alteuropäisches spirituelles Kulturgut. Erst der Protestantismus hat sich dieses europäischen Teils wieder entledigt und das Christentum völlig durchjudaisiert."
Solche Dinge sind ihm also wichtig. Wir halten fest: Protestantismus scheint für ihn "nicht gut" zu sein. Da ist ihm der okkulte, katholisierende Rudolf Steiner schon lieber:

"Rudolf Steiner war ein erleuchteter keltogermanischer Geist. Das wahre Christentum ist die Vollendung der alten heidnischen Kulte. Was unsere Ahnen bereits ahnten, kam im Christentum schließlich vollends ans LICHT. Ragnarök ist nichts anderes als das Aufkommen des einzig wahren Glaubens an den einen dreieinigen Herrn des Lichts im Norden. (Surtr ist Michael)

Halleluyah!

Heil dir Yahuwah!

DEUS LO VULT  

🔥🔥🔥 

🔥♥️🔥 

🔥🔥🔥"

Wenn im Christentum das ans Licht kam, was unsere Ahnen bereits ahnten, dann fragt sich ja wohl doch, warum wir nach eineinhalb tausend Jahren Christentum so merkwürdig schief in der Weltgeschichte da stehen. Aber dafür wird es sicher eine Erklärung geben. Wir haben halt die Wege des Heils verlassen und uns zu sehr zurück zum Heidentum zurück gewendet (vermutlich). Eine "Anja" hatte zu dem Video geschrieben:

"Taufspruch bei 52:20 min '...verfluche, was du angebetet hast, bete an, was du verflucht hast.'  - hört sich irgendwie wie Satanismus an!? Vielen Dank für dieses Video! ...

Das konnte unser katholisierender Steiner-Jünger so nicht im Raum stehen lassen und mußte schreiben:

"Dieser Tauspruch entstammt der vorchristlichen Religionskultur Europas wie eigentlich das meiste in der christlichen Volksreligiosität und im katholischen Glauben (der noch nicht vom Protestantismus durchjudaisiert und völkisch-kulturell beschnitten wurde)."

Und flugs hat man die vorchristliche Religionskultur Europas zu einer satanistischen gemacht. Daß es dort religiöse Duldsamkeit gegeben haben könnte statt monotheistischem Eifer, ein solcher Gedanke fällt - manchen - natürlich schwer. Unser katholisierender Steiner-Jünger schreibt weiter:

"Ohne das Christentum gäbe es keine großen europäischen Nationen. Entweder wären wir immer noch  grausame Kultisten ..."

man höre!

"die sich in endlosen Stammesfehden an der kulturellen Weiterentwicklung hindern, oder wir würden alle auf Teppichen gegen Mekka beten. Denn wenn die Stämme Europas nicht freiwillig den wahren Glauben angenommen hätten, was sie zu geeinten Nationen machte und überhaupt erst sowas wie ein pangermanisches Kollektivbewußtsein schuf, hätte spätestens der Mohammedanismus im Frühmittelalter die ohne Christentum wehrlosen Stämme im Norden zwangsvereint in einem Kalifat. Dank dem christlichen Glauben konnten wir jedoch bis jetzt den Dämon aus der Wüste immer abwehren... bis jetzt.. ."

Den monotheistischen Dämon aus der Wüste unter der Fahne eines - sehr ähnlichen - monotheistischen Dämons aus der Wüste. Solche Dinge müssen unter denkenden Menschen ja eigentlich gar nicht mehr eingeordnet werden. Christen werden gegen Muslime gehetzt und umgekehrt - seit mehr als tausend Jahren. Und auch über die Religionshistorikerin Sigrid Hunke hat er eine Meinung. Sie ist nichts weiter als - schwachsinnig, das typische Krafturteil eines Monotheisten:

"Sigrid Hunke hat zwar ein interessantes (wenn auch zu vielen Teilen schwachsinniges) Buch über 'die Religion' Europas geschrieben. Aber daß sie eben zu all ihrem Interessanten auch soviel Schwachsinn geschrieben hat, ist wohl der Tatsache geschuldet, daß sie selbst ein sehr opportunistisches Wesen war, was sich zb. in blinder Regimetreue (insbesondere zum Hitlerregime) ausdrückte und wohl auch ihre blinde und undifferenzierte Araber- und Mohammedanismusverehrung erklärt. Den antideutschen Machthabern, die seit der Weimarer 'Republik' bzw. Besatzerherrschaft über das deutsche Volk mittels diverser Regierungssysteme herrschen, waren blinde Mohammedanophile stets sehr genehm...."

In die Abgründe dieser zerrissenen Seele, die zwischem "Interessantem" und "Schwachsinn", zwischen "Segen" und "Fluch" hin und her taumelt, wollen wir uns nicht weiter hinein begeben. Sie erscheinen uns hochgradig ungut. Und wir merken, indem wir diese Kommentare komprimierter auf uns wirken lassen, daß wir diesem Kommentator auf unserem Videokanal eigentlich nur noch ungern weiteren Raum gewähren zu solchen zerrissenen Äußerungen. Unser damaliger Einspruch lautete:

"Also ich sehe wirklich nicht, warum man nicht die positiven Seiten der islamischen Kultur behandeln und hoch schätzen kann."

Auch da gibt es wieder klare Urteile, geleitet von monotheistischem Eifer:

"@Ingo Bading Weil alles Positive in der arabischen Kultur sich ZUM TROTZ oder GEGEN den Mohammedanismus erhalten und entwickelt hat und weil das allermeiste dieses Positiven nichtmal von den Arabern stammte sondern von den eroberten Kulturen. In der ganzen arabischen Geschichte gehen Kulturniedergänge immer mit der Erstarkung des Mohammedanismus einher. Und umgekehrt blühten in den arabischen Kulturen die positiven (und eben eigentlich fremden) Aspekte stets dort, wo der Mohammedanismus an Macht und Geltung verlor... Die Ideologie Mohammeds ist rein destruktiv und hemmt leider auch die eigenständige kulturelle Entwicklung der arabischen Völker selbst."

So kann man sich alles zurecht bügeln wie man es gerade braucht, indem man "Segen" und "Fluch", "Interessantes" und "Schwachsinn" bei jeder historischen Erscheinung ganz sauber voneinander trennt. Man versteht da schon, weshalb diesem Kommentator da "Wertneutralität" als etwas "Besonderes" auffallen muß.

Zu "Indogermanen an der Nordgrenze ..."

Zu diesem Video aus dem Dezember 2019 schrieb er:

"Die Europäer werden gerade mit Araber und Afrikaner vermischt. Wir müssen uns bald wieder entmischen...."

Und:

"@Ελ Μπαντίντο Es wird bald keine blonden und blauäugigen Menschen mehr geben und das ist auch gewollt. Die nordischen Menschen waren/sind die Kultur- und Zivilisationsbringer der Menschheit. Auf der ganzen Erde hat der nordisch-atlantische Mensch die Zivilisation zum erblühen (sic!) gebracht. Dem soll nun Einhalt geboten werden. Daß es so ist, ist offensichtlich. Aber WER diesen Entwicklungsstopp der Menschheit will und aus welchem Grund, das bleibt ein Rätsel...."

Tja, wirklich sehr rätselvoll, nicht wahr? Wie innerlich hin- und hergerissen man sein muß, wenn man völkischen Okkult-Logen und -Orden angehört und sich in ihren gedanklich verquasteten Zusammenhängen bewegt. Wir können das schon verstehen. Er schreibt auch:

"Ich will, daß die europäischen Ethnokulturen überleben, denn wenn sie sterben, stirbt die Menschheit."

Das klingt alles sehr jesuitisch und hat man in ähnlicher oder anderer Form schon anderwärts oft genug gehört.

# # # # # # # 

Nachdem "Flamme des Herrn" diesen Blogbeitrag gelesen hatte, schrieb er als Kommentar unter das Video "Turkvölker, Indogermanen ...":

@Ingo Bading Danke für diese umfangreiche Auseinandersetzung mit meinen Diskussionsbeiträgen.
Bitte vergessen Sie aber nicht, dass YT für viele in erster Linie ein reines Unterhaltungsmedium ist und keine wissenschaftliche Diskussionsplattform, weshalb sich viele - wie u.a. ich - nicht die Mühe geben auf inhaltliche und thematische Zusammenhänge ihrer Beiträge und ein sich möglicherweise daraus ergebendes Gesamtbild zu achten. Oder konkret: Man macht sich irgendwann einmal einen Kanal und denkt sich evtl. etwas bei der Namensgebung und dann lädt man spontan und lust-, laune-, zeitbedingt vielleicht mal ein Video hoch das gefällt. Genauso verhält es sich mit den Kommentaren. Manchmal verfasst man kurz einen Kommentar während man auf den Zug wartet und sich dabei langweilt, manchmal schaut man aber auch bewusst ein inhaltlich komplexes Video um sich zu informieren und hinterlässt danach einen ernsthaft gemeinten, reflektierten und komplexeren Kommentar, manchmal guckt man Trashvideos weil man nicht einschlafen kann und schreibt dann einen dazu gehörigen Müll im Halbschlaf, oder man gibt besoffen unter random Videos Kommentare ab während man vom Ausgang heimfährt bzw. gefahren wird..... Ich denke Sie verstehen was ich meine, denn zu diesem "man" gehöre u.a. ich selbst. 😉 Auch wenn der zugegebenermassen missionarisch klingende Kanalname vielleicht den Eindruck macht: Mein Kanal war für mich nie als Instrument der Mission oder politisch-religiösen Agitation gedacht, auch wenn ich ab und zu dementsprechend auf YT agiere wenn ich gerade Zeit und vorallem Lust habe. Ironischerweise war der Kanalname selbst sogar einst ein Ergebnis von Ironie. 😄
Ihre Videos schaue ich wirklich aus wissenschaftlichem Interesse/Neugier und weil ich weltanschaulich von der Thematik "betroffen" bin. Über den Gesamtzusammenhang meiner unterschiedlichen Kommentare habe ich mir jedoch auch hier in bezug auf Ihren Kanal - bis jetzt -  keine Gedanken gemacht. Ich schaue, überlege und schreibe anschliessend nach Lust und Laune drauflos, ohne mich wie in einem wissenschaftlichen Kolloquium um irgendwelche Diskursregeln und Reputationen zu kümmern. Ich schätze mal dass ich damit zur Mehrheit auf YT gehöre.
Mit all dem möchte ich Ihnen eigentlich sagen: Ich fasse es ernsthaft und aufrichtig als Kompliment auf, dass Sie meinem Onlineauftritt so viel Zeit widmen und ich  habe daraus für mich selbst wieder etwas gelernt, aber bitte nehmen Sie meinen Kanal nicht allzu ernst, da einiges darin wie bereits erwähnt spontanen Regungen entspringt und keiner allumfassenden politisch-religiösen Motivation.
Gottes Segen und Aufwiederlesen!
Interessanter an diesem Kommentar ist womöglich eher, worauf er nicht eingeht als worauf er eingeht.

Dienstag, 26. Mai 2020

Harald Lesch - Protestant, Lehrer der Jesuiten und Labertasche, mitunter hörenswerte

Warum so oft Unbehagen über die derzeitige "Koryphäe" der Wissenschaftsvermittlung im deutschsprachigen Raum?   

Harald Lesch (geb. 1960) (Wiki) ist unter Wissenschaftsbegeisterten sehr beliebt. Er hat eine sehr dominierende Stellung in der Vermittlung des modernen naturwissenschaftlichen Wissens in der Astrophysik inne und in der Erörterung von damit verbundenen philosophischen und religiösen Fragen. Deshalb kommt man als Physik-Laie kaum darum herum, sich ein Urteil bilden zu müssen über ihn und seine Art, Wissenschaft zu vermitteln, sowie über den weltanschaulichen Hintergrund, aus dem heraus diese Art der Wissenschaftsvermittlung geboren zu sein scheint.

Harald Lesch ist - wie er selbst sagt - "vom Scheitel bis zur Sohle Protestant" (1). Er glaubt ganz naiv an den Gott, der ihm im Konfirmantenunterricht gelehrt worden ist (1). Dazu paßt offenbar punktgenau, daß er zusätzlich zu seinen sonstigen Lehraufträgen Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Münchener Hochschule für Philosophie der Jesuiten ist (1). Die Jesuiten sind also ganz offensichtlich mit seiner Lehrweise, mit seiner Art der Naturbetrachtung, mit seiner Art des Philosophierens über Natur und mit seiner damit verbundenen Art des Blicks auf die überkommenen Religionen außergewöhnlich zufrieden. Womöglich macht es viel Sinn, sich diesen Umstand auf der Zunge gründlich zergehen zu lassen.

Um so mehr man sich mit Harald Lesch über die unzähligen Videos und Zeitungsartikel beschäftigt, die man über ihn finden kann, um so mehr stellt man fest, daß er sich bei der weltanschaulichen Deutung unseres naturwissenschaftlichen Weltbildes sehr häufig und sehr gerne selbst widerspricht, oft innerhalb eines einzigen kurzen Interviews mehrmals hintereinander. Er antwortet etwa auf die Frage "Sind wir Zufall oder sind wir gewollt?" (1):
Ich tendiere zum "gewollt sein". Man fühlt sich ja sehr wohl in der Welt, und man merkt ja auch, daß man gut aufgehoben ist. Das spiegelt sich unter anderem an solchen Erkenntnissen wider, daß die Welt so fein abgestimmt ist, daß wir überhaupt existieren.
Hier sagt er also im Jahr 2010 - unter Berufung auf die Feinabstimmung der Naturkonstanten (Anthropisches Prinzip), daß unser Universum "gewollt" ist. Im vorigen Beitrag hier auf dem Blog hatten wir gerade erst ein Zitat von ihm aus dem Jahr 2016 gebracht, wo er kurz und flapsig zu eben derselben Frage sagte, wir (unser Universum und seine Feinabstimmung) wären bloß Zufall. So etwas macht ärgerlich. Es drängt sich der Eindruck auf: Harald Lesch ist eine Labertasche, die sich "mal so, mal so" positioniert - wie es ihr gerade paßt. Eine Labertasche ohne Ende. Er kann jedes naturphilosophisches Thema von beiden Seiten begründen, bewerten und vor allem, damit - - - "zerreden". Man spürt sehr bald, daß die Jesuiten mit einer solchen Behandlung naturphilosophischer Fragen gut zurecht kommen könnten. Nachdem er also in dieser Weise über die Eigenschaften unseres Universums gesprochen hat, sagt er dann - wiederum - über die Eigesnchaften "seines" (protestantischen) Gottes, der ja offenbar - aus seiner Sicht - dieses Universum geschaffen hat (1):
Wenn man versucht, aus den Naturwissenschaften auf die Eigenschaften von Gott zu schließen, dann kann das eigentlich immer nur schief gehen.
Aha, es kann immer nur schief gehen, sagt er. Sein protestantischer (und jesuitischer?) Gott hat also mit diesem unserem Universum wenig bis nichts zu tun, von den Eigenschaften dieses Universums aus auf das Wollen Gottes oder des Göttlichen zu schließen, das kann nur schief gehen. Wenn das nicht absolut gottlose Äußerungen der Labertasche Harald Lesch sein sollen, was dann? Harald Lesch sagt (1):
Ich schlage mich ja mehr oder weniger damit herum, wie ich meine Naturwissenschaft mit meiner Philosophie zusammenbringe. Dadurch, daß ich an der Hochschule der Jesuiten Philosophie doziere, ist es eben weltanschaulich geprägt.

Aha, es ist "eben" weltanschaulich geprägt. Und wie weltanschaulich geprägt? Natürlich ist jede Herangehensweise an moderne Naturwissenschaft weltanschaulich geprägt. Dazu muß man nicht Hochschullehrer für Jesuiten sein. Aber offenbar ist ihm dieser Umstand hinsichtlich seiner weltanschaulichen Prägung ja doch wichtig.

Und man merkt dann schon allmählich, in welcher Weise diese Art des "Herumschlagens" weltanschaulich geprägt ist. Harald Lesch kriegt eigentlich immer alles unter einen Hut, alles, auch das Widersprüchlichste. Und da er alles unter einen Hut kriegt, sagt er am Ende gar nichts mehr. Alles ist möglich - in und nach seiner Weltanschauung. Jeder Standpunkt ist möglich, keiner bevorzugt. Vor allem aber: Seine philosophische Deutung der physikalischen Eigenschaften unseres Universums sind jederzeit mit einem monotheistischen Gottesglauben vereinbar. Dann versteht man schon, warum es gerade ein Harald Lesch ist, der eine so prominente Stellung in der heutigen deutschsprachigen Wissenschaftsvermittlung einnimmt.

Sagte er nicht auch, daß er sich im Bereich der bundesdeutschen Medienastalten viel freier bewegen kann als im Bereich einer deutschen Universität, daß er in den Medienanstalten nur rote Teppiche ausgelegt bekommt, während ihm in Universitäten nur Steine in den Weg gelegt werden (1)? Woran das wohl alles liegen mag?

Aber indem wir solche Eindrücke hier aufschreiben, wollen wir keinesfalls dafür plädieren, Harald Lesch zu ignorieren und ihn nicht dennoch immer einmal wieder wohlwollend anzuhören und auf sich wirken zu lassen (2). Denn eines erscheint sicher: Die Monotheisten aller Sparten haben längst verstanden, daß sie auf dem Gebiet der Naturwissenschaft vom Prinzip her nichts falsch darstellen dürfen, wenn sie in er heutigen Öffentlichkeit von der großen Mehrheit der Menschen ernst genommen werden wollen. Sie müssen konsequent im Rahmen unseres modernen, naturwissenschaftlichen Weltbildes argumentieren, bzw. in Auseinandersetzung mit ihm. All das kann Harald Lesch fast wie kein zweiter (2). Sprich, ein bloß halbwissenschaftlich argumentierender Naturphilosoph wie Teilhard de Jardin ist in der heutigen Zeit mit einer so großen Popularität nicht mehr denkbar und möglich. Immerhin, dieser Umstand darf als außergewöhnlicher geistiger Fortschritt verstanden werden.

Aber anderes ist möglich: Ich kann ganz sicher zu Hause sein im heutigen physikalischen Weltbild und aller Arten des Deutens dieses physikalischen Weltbildes. Und ich kann aus diesem "Sicher-zu-Hause-Sein" die Wunderwelt der Erkenntnismöglichkeiten des Menschen nach und nach - als Labertasche - immer mehr und mehr "zerreden". So daß am Ende keinerlei tiefere Anteilnahme für unsere Welt und für unser Universum übrig bleibt. So daß dennoch fast der weltanschaulichen Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet bleiben. Und so daß wir insbesondere am Ende doch wieder nur auf den Gott des Konfirmantenunterrichtes des Harald Lesch verwiesen bleiben. Aber Harald Lesch ist schlau. Das sagt er keineswegs apodiktisch. Es kann auch alles ganz anders sein. Er legt sich nicht fest. Heute so, morgen so. Seit vielen, vielen Jahre und in vielen, vielen, von hunderttausenden von Menschen gesehenen Videos und Fernsehsendungen macht Harald Lesch das so.

Versteht man dann, warum unsere Welt so ist wie sie ist? Versteht man dann, warum es so wenig seelische Anteilnahme und Ergriffenheit gibt in dieser Welt, selbst unter Wissenschaftsbegeisterten im Angesicht all dessen, was wir über diese Welt aus der modernsten Forschung wissen?

Wozu sind Bibelgläubige in der Welt?

Damit soll also insgesamt in Bezug auf Harald Lesch dasselbe gesagt werden, was wir hier auf dem Blog schon in Bezug auf den Evolutionären Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume gesagt haben: Laßt Euch durch die Art der weltanschaulichen Einbettung der von diesen beiden Christen behandelten modernsten naturwissenschaftlichen Forschung nicht von der Auseinandersetzung mit der von ihnen behandelten naturwissenschaftlichen Forschung selbst abhalten. Bitte nicht! Lernt unterscheiden. Lernt unterscheiden zwischen der naturwissenschaftlichen Forschung selbst, die von beiden - sehr oft völlig korrekt und einwandfrei - dargestellt wird. Und unterscheidet das von der Art, wie von beiden mit dieser naturwissenschaftlichen Forschung insgesamt umgegangen wird, wie sie sie einbetten und was sie für Schlußfolgerungen daraus ziehen.

Laßt Euch - insbesondere - nicht ernüchtern. Laßt Euch nicht "enttäuschen" von der Art, wie hier faszinierendste naturwissenschaftliche Forschung menschlich und weltanschaulich eingebettet ist. Bleibt auf Seiten der Wissenschaft. Sie hat es so sehr verdient und sie braucht noch so viel mehr Befürworter, und zwar nicht - ausgerechnet und so verwunderlicherweise neuerdings insbesondere: Christen, die weiter dem Gott ihres Konfirmantenunterrichtes anhängen. Monotheisten arbeiten so, wie dies schon Walter Rathenau beschrieben hat (GB):

Wissen Sie, wozu wir (bibelbläubigen Juden) in die Welt gekommen sind? Um jedes Menschenantlitz vor den Sinai zu rufen. Sie wollen nicht hin? Wenn ich sie nicht rufe, wird Sie Marx rufen. Wenn Marx Sie nicht ruft, wird Spinoza Sie rufen. Wenn Spinoza Sie nicht ruft, wird Christus Sie rufen.

Es geht also für Monotheisten darum, so viele weltanschauliche Angebote zu machen wie nur immer möglich, so daß jedes weltanschauliche Bedürfnis - unter Nicht-Bibelgläubigen - "Genüge" findet, so daß jede Art des Zugangs zu Sinnfragen oder grundlegenderen Fragen des Menschseins von ihnen abgedeckt wird. Im 20. Jahrhundert kamen zu diesen von Walter Rathenau aufgezählten weltanschaulichen Angeboten noch viele weitere hinzu: Sigmund Freud, Franz Boas, Richard Lewontin, Stephen Jay Gould ... (2). Sprich, sie nehmen auch atheistische (Marx) oder pantheistische (Spinoza) Weltbilder gerne mit in Kauf, wenn mit ihnen nur die Menschen - auf lange Sicht - "vor den Sinai", sprich vor den internationalen, monotheistischen Gott geführt werden und wenn diese Menschen dabei dann nicht - auf lange Sicht - dennoch zu sich selbst, zu eigenen, "regionaleren" Gottanschauungen und Gottauffassungen kommen. Diesbezüglich noch nicht von dem Evolutionären Gruppen- und Kulturpsychologen Kevin MacDonald ausgedeutete (2) weltanschauliche Angebote aus dieser Richtung wäre zum Beispiel das weltanschauliche Angebot des Hans Jonas. Und sicher könnten nach und nach auf dieser Linie noch viele weitere genannt werden.

Halten wir abschließend zu Harald Lesch noch den Eindruck fest, daß er  im Podiums-Gespräch mit anderen Astrophysikern und mit Zuschauern insgesamt einen besseren Eindruck macht als wenn man ihn isoliert für sich hört (3). 

Aber man muß immer wieder höllisch aufpassen. Erst beim wiederholten Anhören dieses zu Anfang begeistert angesehenen Videos (3) fällt uns auf, daß Harald Lesch sogar schon mit dem ersten Wort, das er in diesem sagt, Irrtümer verbreitet. Natürlich kann Philosophie an der Erfahrung scheitern. Z.b. die Philosophie Hegels hat viel von ihrer Überzeugungskraft verloren, nachdem sie in manchen wesentlichen Punkten an der Erfahrung gescheitert ist. Noch deutlicher kann dies etwa aufgezeigt werden anhand der Philosophie des historischen Materialismus von Karl Marx. Vielmehr muß gesagt werden, daß die Möglichkeit des Scheiterns einer Philosophie an der Erfahrung (Falsifizierbarkeit) zugleich ein Hinweis darauf ist, daß ein Nichtscheitern an der Erfahrung ein wertvoller Prüfstein für jede Philosophie ist.

Insgesamt: Liebe Leser, laßt Euch einfach Eure Begeisterung für moderne naturwissenschaftliche Forschung und für modernes Philosophieren nicht dadurch vermiesen, daß ihre öffentliche Vermittlung heute allzu oft in die Hände von Christen (sowie religiösen und atheistischen Globalisierern) gekommen ist. Noch einmal: Stellt diesen Umstand gelassen in Rechnung - - - und bleibt auf Seiten des gigantischen naturwissenschaftlichen Erkenntnisfortschrittes unserer Zeit.


______________________
  1. "Ich bin vom Scheitel bis zur Sohle Protestant" - Harald Lesch im Interview,  08.01.2010, https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2010/01/08/ich-bin-vom-scheitel-bis-zur-sohle-protestant-harald-lesch-im-interview/.
  2. MacDonald, Kevin: Eine Kultur der Kritik. 1998
  3. Philosophie und Allgemeines - Live-Fragen - 5 Jahre Urknall, Weltall und das Leben (35.882 Aufrufe, Stand: 26.5.2020), 02.02.2020, mit Harald Lesch, Josef M. Gaßner, Andreas Müller, Hartmut Zohm und Elmar Junker; auf Videokanal "Urknall, Weltall und das Leben" (182.000 Abonnenten, Stand 26.5.2020), https://youtu.be/42syIQD_PXk.

Samstag, 16. September 2017

Von Blogs wie diesem ablenken - Wie geht das ....?

Der Budenzauber und die Kunstrasen-Bewegung genannt "alternative Öffentlichkeit", die insbesondere ab 2010 inszeniert wurde

Im Januar 2007 wurde unser Blog "Studium generale" gegründet, der anfangs auch politische Themen mitbehandelte. Er wurde gegründet in einer Zeit als es die sogenannte "alternative Öffentlichkeit" in ihrer heutigen Breite noch gar nicht gab. Als Gründungsjahr der heutigen "alternativen Öffentlichkeit" - die aufgrund bekannterer Vertreter derselben bis weit in den politischen Hauptstrom hinein Aufmerksamkeit auf sich zieht - wird das Jahr 2010 zu benennen sein. Das wollen wir weiter unten etwas genauer chronologisch einordnen. Diese "alternative Öffentlichkeit" entstand also drei Jahre nach der Gründung unseres (ersten) Blogs. Und das geschah auffallend plötzlich und unter auffallenden Begleitumständen wie gleich aufgezeigt werden soll.

Abb. 1: Beispiel für Mimikri - Weiblicher Archaeoattacus edwardsii (Saturniidae) aus Indien
(Herkunft: Wikipedia)

Heute ist unser Eindruck: Die "alternative Öffentlichkeit" erhielt ab 2010 so große Öffentlichkeitswirkung, weil sie zu 80 bis 90 Prozent als Astroturfing inszeniert worden war, um von authentischen Blogs wie dem vorliegenden abzulenken. Dieser Umstand ist nicht zuletzt an dem Sachverhalt erkennbar, wie unglaublich wenig in der "großen" alternativen Öffentlichkeit von den umwälzenden naturwissenschaftlichen - und auch philosophischen - Erkenntnissen unserer Zeit die Rede ist, wie sie dort noch nicht einmal öffentlichkeitswirksamer "zur Diskussion" gestellt werden.

Obwohl doch unübersehbar gerade aus diesem Bereich die stärksten Argumente kommen für den größten Teil der Anliegen der alternativen Öffentlichkeit. Der Grund liegt natürlich zunächst darin, daß sich weitaus mehr Menschen für Politik als für Wissenschaft und Philosophie interessieren, und daß unter den politisch Interessierten die Menschen, die sich zugleich für volkserhaltende - seriöse - Wissenschaft und Philosophie interessieren, nicht besonders groß ist, bzw. daß auch die Sensibilität für die Bedeutung der genannten Bereiche bei diesen nicht besonders groß ist. Aber allein in diesem Umstand kann das benannte Phänomen - so wie es in seiner ganzen Breite heute sichtbar ist - keinesfalls begründet sein. Für so blöd muß man sich nicht mehr verkaufen lassen.

Gehen wir im folgenden einmal einige Stationen durch in der Geschichte der alternativen Öffentlichkeit seit 2001.

2001 bis 2007

Einstweilen seien an dieser Stelle die Jahre 2001 bis 2007 nur kurz erwähnt. In diesen Jahren spielt natürlich die 9/11-Wahrheitsbewegung (Wiki) die Rolle der wichtigsten Initialzündung. Aber für diese Zeit wäre auch die Geschichte von Blogs wie "Politically Incorrect" (Wiki) zu behandeln, der 2004 gegründet worden ist. Zu ähnlicher Zeit wurde das "Politische Tagebuch" des Rechtskatholiken Götz Kubitschek gegründet, das 2008 - nach einer bezeichnenden Restrukturierung - in der Internetseite Sezession.de aufgegangen ist. Hier könnten überall auffallende Entwicklungen beschrieben werden. Aber das sei bis auf weiteres an dieser Stelle übergangen.

Um die Entwicklungen in diesen Jahren zu verstehen, muß natürlich auch die technische Seite derselben mitberücksichtigt werden. Etwa ab 2006/07 breitete sich unter Internetnutzern die Gewohnheit aus, "Blogs" zu gründen und zu schreiben, bzw. zu lesen, weil dies technisch immer leichter umsetzbar war und weil hier am übersichtlichsten Beiträge veröffentlicht und verbreitet werden konnten. Davor war es häufig üblich, zum Beispiel "Yahoo-Gruppen" oder ähnliche Foren zu betreiben, zu lesen und in ihnen mitzudiskutieren. Aber solche Foren fanden selten so viel Aufmerksamkeit wie das seitherige Phänomen "Internet-Blog" (Wiki).

Im November 2007 wurde beispielsweise ein solcher Blog wie "Adelinde" gegründet (Adelinde). Er spricht sich zwar auch für die pseudowissenschaftliche "Germanische Medizin" von Geerd Hamer aus, weist aber in seiner Themenauswahl zugleich manche inhaltlichen Überschneidungen mit unseren Blogs auf.

Der vorliegende politische, zeitgeschichtliche und hintergrundpolitische Blog "Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!" wurde im Mai 2008 gegründet, um die politischen Themen aus dem Wissenschaftsblog "Studium generale" auszugliedern und um beide Bereiche - Politik und Wissenschaft - mehr getrennt voneinander zu halten und so unterschiedliches Lesepublikum anzusprechen.

Blog-Prototypen gehen in Serie - Das Beispiel "Der Honigmann" (2010)

Im Januar 2010 machte der Jesuitenorden selbst die systematische sexualisierte Gewalt an Kindern bekannt, die er Jahrzehnte lang auf allen Jesuiten-Gymnasien in Deutschland, Österreich und in der Schweiz betrieben hatte. In anderen Ländern der Welt war diese Diskussion schon Jahre vorher ausgebrochen, da zu viele Überlebende dieser Gewalt ihrer Empörung Luft gemacht hatten. Dadurch war dem Jesuitenorden klar geworden, daß er auch in Deutschland diese Diskussion nicht mehr länger unter der Decke halten konnte. Also trat er die "Flucht nach vorne" an und tat so, als würde er - unglaublich menschenfreundlich - von sich aus über seine eigenen Verbrechen "aufklären". Ach, diese so unglaublich menschenfreundlichen Jesuiten! Man glaubt es nicht, was für eine Wohltat sie für die Menschheit sind. Sie begehen Jahrzehnte lang systematisch Verbrechen an Kindern und Jugendlichen - und klären dann die Öffentlichkeit über diese auf. Und sind weiterhin so angesehen wie "eh und je". Nicht wahr? So funktioniert doch Leben.

Zu den Einzelheiten dieses Geschehens: Auf dem viel gelesenen Blog "Spreeblick", betrieben von dem Jesuitenschüler Johnny Häusler, erhielten zahlreiche Überlebende dieser sexualisierten Gewalt zum ersten mal im Kommentar-Bereich die Möglichkeit, vor einer größeren Öffentlichkeit von ihren Erfahrungen und Gefühlen zu sprechen und sich darüber auszutauschen (Spreeblick 28.1.2010 und 2.2.2010). Selbstredend kochte hier sehr bald der Zorn auf den Jesuitenorden außerordentlich stark hoch. Sodann gab es einige auffällige Kommentatoren, die beleidigend wurden - eine schöne Steilvorlage für den Bloginhaber, die Diskussion schon am 10. Februar, bzw. 13. März 2010 zu schließen. Es ist doch immer klug, wenn man als eine verbrecherische Psychosekte wie der Jesuitenorden nicht nur die Verbrechen begeht, sondern auch noch die Aufklärung über diese Verbrechen moderiert. So soll es doch sein. (Diese Welt ist dermaßen abartig, daß man es immer wieder nicht glauben kann, wie abartig sie ist.)

Nun gut. In unmittelbarer Folge dieser emotional sehr aufwühlenden Ereignisse formierte sich 2010 dann die heutige größere sogenannte alternative Öffentlichkeit. Zumeist gab es von Seiten der darin Handelnden schon vorher in abseitigerem Rahmen Aktivitäten, in denen man im Internet "probierte" und "probte". Aber das spielte sich - wenn dann - eher auf abseitigeren Foren ab und war für eine größere Öffentlichkeit noch nicht so "sichtbar" wie jene Blogs, Internetseiten und Portale, die ab 2010 gegründet wurden, und die dann in auffallend großer Geschwindigkeit Leserzahlen in einem Umfang in ihren Bann zogen wie diese der vorliegende Blog - sonderbarer Weise - nie hatte und bis heute auch nie bekommen sollte. Ein ganz, ganz übler Schelm, wer gar zuviel Böses dabei denkt - wollen wir einmal sagen.

Und in besonders auffallender Weise wurde insbesondere noch im Februar 2010 der Blog "Der Honigmann" gegründet (von einem Herrn Ernst Köwing [1947-2008] [Psiram]). Dieser ging anfangs annähernd anonym vor und ließ vieles über seine Hintergründe im Dunkeln. Wir selbst stießen erst am 15. April 2010 - zwei Monate nach dessen Gründung - das erste mal auf diesen Blog. Wir stießen deshalb auf diesen Blog, weil dieser damals ganz klar als einer der ersten - genauso wie wir - nicht nur sich mit den Stimmen der Überlebenden der Verbrechen des Jesuitenordens beschäftigte, sondern weil er - wie wir - allgemeiner die Geschichte des Jesuitenordens, seiner Strukturen, seiner Verbrechen, seines Einflusses auf die "Kultur", die Wirtschaft und die Politik der Länder und Völker weltweit sehr kritisch unter die Lupe nahm. Wir können uns noch gut erinnern, wie einsam wir uns damals mit unseren Jesuiten-kritischen Beiträge im Internet fühlten, weil wir einfach niemanden anderen im Internet fanden, der ähnlich grundlegend kritisch über den Jesuitenorden schrieb.

Und genau deshalb mußte uns die die Gründung dieses - ebenfalls Jesuiten-kritischen - Honigmann-Blogs sehr auffällig erscheinen. Geradezu wie ein "Zeichen", wie ein "Signal". Zugleich hatte dieser Honigmann-Blog in so auffälliger Weise auch die "Germanische Medizin" und ähnliche pseudowissenschaftliche Inhalte in seinem "Programm". Auch dieser Umstand erschien uns auffallend, bzw. "signifikant". Anfangs erschien uns dieser Blog auf den ersten Blick wie eine Kopie des oben schon genannten Adelinde-Blogs, zum Teil natürlich auch wie eine Kopie unseres eigenen Blogs. In privaten Emails wurde von unserer Seite damals an Freunde geschrieben:

Der schreibt ja wie ich. Hallo, ich werde kopiert. Die wenigen Blog-Prototypen, die es bislang gab, gehen in Serie. Künftig kann man mit dem Spruch werben: "Lesen Sie das Original. Oft kopiert, doch nie erreicht." - Der Honigmann kopiert mich und sagt mir kein Wort. ...

Nach weiteren Recherchen hielten wir in einer weiteren Email am 16. April 2010 fest:

Der Honigmann, der überraschende, neue, Geheimdienst-kritische und mitunter Papst-kritische Blogger-Kollege in der "Szene" seit Februar, auffälliger Weise der erste Blogger nach mir, der gründliche Aufklärung über den Jesuitenorden betrieben hat, ist 63 Jahre alt, scheinbar Bankkaufmann und wohnt in Varel, Ostfriesland (zwischen Wilhelmshaven und Oldenburg). Er betreibt offenbar zwei Blogs mit diesem Namen auffälliger Weise (genau und erst) seit Februar, hat schon zahlreiche Freunde und "verfolgt" auch öffentlich viele Blogs. - Meiner ist allerdings bislang nicht dabei. Über Ratzinger/Williamson vertritt er Thesen, die ich aus Rundbriefen und Emails von einem Freimaurer und Verleger aus Bremen her kenne und nicht teile (siehe zum Beispiel: "Die 'Synagoge des Satans' nimmt Rache an Ratzinger").
Eine merkwürdige Kanone. Einerseits greift er die Jesuiten an (- wirklich?) und klärt über den "Mammon und die Kirche" auf (bislang nur während des Mittelalters). Aktuell verweist er auch recht willkürlich auf ein Video von Richard Dawkins. Andererseits verteidigt er die Kirche (!?).
Und heute gibt der "Honigmann" ganz unkommentiert "Vatikan-Nachrichten" weiter, die ja für sich recht spannend sind - aber doch einer sehr kritischen Bewertung gewürdigt werden müßten, eine kritische Bewertung, die sicher auch bald von Kirchenkritikern gegeben werden wird.
Irgendwie ist mir bei diesem Honigmann etwas faul. Irgendwie "schmeckt" da etwas.  - Wem schmiert er Honig ums Maul?
Außerdem stellt er heute als "Gastbeitrag" den kirchenkritischen Kommentar eines Paolo Flores d’Arcais ein, eines italienischen Autors, der schon zusammen mit Herrn Ratzinger Bücher herausgegeben hat. Der Kommentar erschien schon im "Tagesspiegel" (vor einer Woche).
Frage: Merken die Jesuiten etwa, daß sie noch zu wenige Eisen im Feuer haben unter den "Extremisten" der Kirchen- und Geheimdienstkritiker und daß sie deshalb hier ebenfalls "Verharmloser" (bzw. Zersetzer) hinein schieben müssen, die freilich HIER nur als Verharmloser (und später als Zersetzer) wirksam werden können, wenn sie zugleich auch kräftig kirchen- und geheimdienstkritisch auftreten und sich damit erst einmal eine ihnen vertrauende Anhängerschaft aufbauen?

Im Dezember 2010 hielten wir über anderweitige Aktivitäten fest:

Mein erster Eindruck ist der gleiche wie beim Jesuiten-kritischen Blogger "Honigmann": Jesuiten versuchen, sich an die Spitze der Jesuiten-Kritiker zu setzen, die Kritik dabei in ein "Perception management" einzubetten (s. etwa Zündel), das sie möglichst wenig anknüpfungsfähig macht an Kirchenkritik a la Karlheinz Deschner, um sie so in bewährter Weise zu ihren Gunsten abbiegen zu können über die Jahre hinweg.

Danach haben wir den "Honigblogger" nicht mehr weiter verfolgt. Neuerdings ist sein ganzer Blog - nach gerichtlicher Verurteilung wegen Holocaust-Leugnung - von Wordpress aus dem Netz genommen worden - womöglich als Auftakt für ein ähnliches Vorgehen gegen andere, ähnlich gestrickte Blogs? - ???

Zwischenzeitlich sind ja nun auch viele weitere, ähnlich gelagerte Blog-Gründungen aus dem Boden gesprossen, so daß man kaum noch mitkam und das alles auch gar nicht mehr so wichtig nehmen konnte, da eben alle diese Blog-Gründungen - wenn man nach einer Weile tiefer blickte - je in ihren individuellen Besonderheiten dennoch so manche auffallenderen Gemeinsamkeiten in ihrer Programmatik aufwiesen. Viel zu oft traf und trifft man dann auf irgendwelche Verbundenheiten mit Monotheismus und/oder Buddhismus.

Und womöglich wächst derzeit gerade das Mißtrauen der Hintergrundmächte gegenüber der Möglichkeit, daß dieses Astroturfing immer mehr Menschen, die sich der alternativen Öffentlichkeit verbunden fühlen, durchschauen könnten, und daß sie - besser als früher - die authentischen Blogs von der Kunstrasen-Bewegung zu unterscheiden lernen könnten.

Und für diesen Fall mag man - wiederum als "Prototyp" - als einen der ersten einmal den Honigmann aus dem Netz genommen haben, "verboten" haben, um später auf ähnlicher Linie gegen andere Blogs vorgehen zu können. Womöglich dann auch gegen solche, die ihnen noch gefährlicher erscheinen und erscheinen müssen als ausgerechnet dieser Honigmann ..... Oh, die Hintergrundmächte und ihre Schliche. Sie denken weit ins Voraus hinein ....

Blog-Prototypen gehen in Serie - Weitere monotheistisch Verwurzelte wie Alexander Benesch, Jürgen Elsässer und Konsorten (2010)

Aber zurück ins Jahr 2010. 2010 faßte beispielsweise auch Daniel Hermsdorf Mut und gründete seinen Blog "Filmdenken". Dieser Blog ist bis heute - mit all seinen Stärken und Schwächen - klar einer der wenigen authentischen Blogs in der alternativen Öffentlichkeit.

2010 wurde "BewußtTV" gegründet.

2010 wurde recentr von Alexander Benesch gegründet. Dieser hatte auf der vom Verbrecher-Kardinal Ratzinger gegründeten "Katholischen Universität Ingolstadt" studiert (eine Universität, die gegründet wurde, nachdem man mit ähnlichen, Jahrzehnte lang verfolgten Gründungsplänen in Salzburg nicht weiter gekommen war). Die geistige Ausrichtung von "recentr" entspricht klar der Tatsache, daß Alexander Benesch auf dieser Universität studiert hat. Seine Beiträge sind oft sehr klug und durchdacht - hervorzuheben ist insbesondere seine gesunde Skepsis gegenüber aller Esoterik. Seine Beiträge haben aber dennoch - und fast unsichtbar und unbemerkbar - wenn man genauer hinschaut die genannte ideologische-religiöse Schlagseite. Es wird also in ihnen entsprechend einer sehr genau zu umreißenden gruppenevolutionären Strategie argumentiert. Das sollte man bei diesem Blog immer berücksichtigen.

Ende 2010 wurde von Jürgen Elsässer und anderen die Monatszeitschrift "Compact" gegründet. Daß es sich hierbei um reinstes Astroturfing handelt, wird wohl an dieser Stelle nicht mehr groß nachgewiesen werden müssen. Darüber gab es ja schon genug anderweitige kritische Beiträge. Und das ist ja wohl zu leicht durchschaubar. - Jürgen Elsässer besucht in Berlin und seinem Umland Gottesdienste der russisch-orthodoxen Kirche, er ist jedenfalls ein Monotheist reinsten Wassers, auch wenn er das - wie die meisten - nicht an die große Glocke hängt. (Das macht niemand all dieser Astroturfing-Protagonisten und doch findet sich genau diese Gemeinsamkeit eben dann doch immer und immer wieder unter ihnen.)

Seit 2011 wird Ken Jebsen als führender Vertreter der alternativen Öffentlichkeit bekannt. Auch er mutet uns an als einer der wenigen authentischen Vertreter der alternativen Öffentlichkeit. Er kennt aber auch jene "Grenzen", die er nicht überschreiten darf. Sie wurden ihm ja schon anläßlich seiner Entlassung aus den Staatsmedien aufgezeigt. Und zusätzlich hat er immer wieder "Freunde" wie Pedram Shayar, die ihn auf diese Grenzen hinweisen. Und solche "Freunde" werden wohl auch viele andere Vertreter in dieser Szene haben, die sich ansonsten authentisch anfühlen. Solange der entsprechende Protagonist auf die Ratschläge solcher "Freunde" hört, wird er größere öffentliche Aufmerksamkeit genießen. Sollte er aber einmal diese Ratschläge dieser seiner "guten Freunde" unbeachtet lassen, wird er schnell starken oder noch stärkeren Gegenwind zu spüren bekommen. Und vermutlich wissen oder ahnen das auch Leute wie Ken Jebsen.

Soweit zunächst einmal ein erster kleinerer Überblick, der natürlich vielfältig ergänzt werden kann mit Einschätzungen. Abschließend eine Geschichte von Hoimar von Ditfurth, um das Prinzip aufzuzeigen, nach dem hier insgesamt gehandelt wird im Rahmen von Astroturfing.

"Mimicry"

Im Jahr 1981 veröffentlichte der deutsche Sachbuchautor Hoimar von Ditfurth (1921-1989) sein Buch "Im Anfang war der Wasserstoff". In der Einleitung dieses Buches machte er mit einer sehr ausführliche Beschreibung das Tarnverhalten der Raupe des Schmetterlings Attacus edwardsii (Wiki), englisch "Edwards Atlas Moth", bekannt. Man findet heute im Internet manche, die sich auf dieses Beispiel berufen (1).

Dieser Schmetterling ist in Indien und Südostasien in feuchten Gebieten verbreitet und gehört zu den größten Schmetterlingen der Welt. Hoimar von Ditfurth entnahm sein Wissen zu ihm dem Buch "Mimicry" von Wolfgang Wickler (eines Schülers von Konrad Lorenz) (2).

Kurz gefasst tarnt die Raupe dieses Schmetterlings ihr Verpuppungsstadium dadurch, daß sie ein Blatt abbeißt und es mit Spinnfäden erneut anhängt und sich dann an dieses Blatt anheftet. Das Blatt verwelkt und umhüllt damit die Puppe, die so "versteckt" ist. Schon das Abbeißen des Blattes und erneute Anhängen stellt für eine solche Raupe ein erstaunlich "kluges" Verhalten dar. Noch überraschender ist aber, daß diese Raupe zugleich auch noch mehrere andere Blätter abbeißt und wieder anhängt, die dann ebenfalls verwelken. Dies hat nun einen großen Vorteil. Ein Vogel als Freßfeind wird selbst wenn er nun verwelkte Blätter als Nahrungsquelle untersuchen würde, bald wieder davon ablassen, da er mit größerer Wahrscheinlichkeit leere Blätter vorfinden wird als ein Blatt, das fette Beute enthält.

Wie aber kann die Raupe auf einen so genialen Einfall der Tarnung kommen, auf den noch nicht einmal der menschliche Leser kommen würde, so fragte Hoimar von Ditfurth. Insgesamt will Hoimar von Ditfurth mit diesem Beispiel herausarbeiten, was so unzählige Beispiele von Mimicry im Pflanzen- und Tierreich so eindrucksvoll belegen, daß nämlich Intelligenz in dieser Welt schon vorhanden war, bevor bewußte Intelligenz in Form des Menschen evoluiert ist, ja, daß es dazu also keinesfalls eines Großhirnes bedurfte (1, S. 16):

In Wirklichkeit verfügen wir, wie es scheint, nur deshalb über Bewußtsein und Intelligenz, weil die Möglichkeiten von Bewußtsein und Intelligenz in dieser Welt von Anfang an angelegt waren und nachweisbar sind.   

Ein philosophisch tiefer Satz, der an anderer Stelle von seiner philosophischen Seite noch weiter ausgedeutet werden soll. An dieser Stelle kommt es uns aber nur auf das Prinzip an, daß man durch Vervielfältigung oder "Spiegelung" des eigenen Versteckes sich vor Entdecktwerden schützen kann. Und umgekehrt kann man durch Vervielfältigung von Informationen mit größtenteils ähnlichen Inhalten und Argumentationslinien bestimmte andere Informationen verstecken, die man sich eben als in unsichtbarer Form vorliegend wünscht .... (Womöglich fällt das auch in den Bereich der sogenannten "Black Hat"-Suchmaschinen-Optimierung, auf die sich unter anderem auch der Satanist und Psychosekten-Guru Ralph Tegtmeier spezialisiert hat.)

Der geneigte Leser mag sich aufgerufen fühlen, über solche Zusammenhänge einmal etwas tiefer nachzudenken und sie auf Stichhaltigkeit zu prüfen.

/ leichte Überarbeitungen: 
22.12.2024 /
_______________________________________________________
  1. Ditfurth, Hoimar: Im Anfang war der Wasserstoff. 1972, https://www.dtv.de/_files_media/title_pdf/leseprobe-33015.pdf, https://machtderpolitentscheidung.files.wordpress.com/2014/01/ditfurth_hoimar_von-im_anfang_war_der_wasserstoff.pdf (Martin Kriele 2007Esoterikforum 2012, (Heise 2016)
  2. Wickler, Wolfgang: Mimikry. Nachahmung und Täuschung in der Natur. Kinder-Verlag, München 1968 und viele Folgeauflagen bis 2002

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