Dienstag, 20. Dezember 2022

"Der Mansfeld kommt!"

- Geheimregie hinter dem Ablauf des Dreißigjährigen Krieges?
Das Wirken des Graf Ernst von Mansfeld (1580-1626) - Ermöglichte es erst das In-Gang-Halten dieses Krieges, der womöglich sonst bald "eingeschlafen" wäre, zum Schaden der katholischen Sache?
- Betrieb er auf Seiten der Protestanten Verrat im Dienste der Rekatholisierung Europas?*)

"Der Mansfeld kommt" war ein Schreckensruf der Menschen des Dreißigjährigen Krieges. Er ist von Hermann Löns in seinem Roman "Der Werwolf" im Jahr 1910 aufgegriffen worden (Wiki). In diesem sehr nah an der historischen Wirklichkeit sich bewegenden Roman finden sich alle Schrecken des Dreißigjährigen Krieges wieder. Wer aber war dieser "Mansfeld"? Haben sich die Historiker das schon ausreichend klar gemacht?

Wer sich mit der Geheimgeschichte der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts beschäftigt hat, ausgiebig beschäftigt hat (was hier auf dem Blog in vielen Beiträgen geschehen ist), der ist schon längst zu dem Schluß gekommen, daß es eine geheime Regie hinter den Kulissen gab, die - über die Beschlüsse der befehlshabenden Generäle hinweg - den Verlauf der Kriege so zu lenken wußte, daß es zum Vorteil dieser Geheimregenten war und der Vervollkommnung ihrer Machtstellung in den Völkern diente und daß es zum Nachteil aller kriegführenden Völker selbst war. Gemeinhin werden diese Kräfte Freimaurer und Jesuiten genannt, womit klar ist, daß sie einen nicht geringen Teil ihres Fanatismus und ihres wohl organisierten satanistischen Handelns aus der mosaischen Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch beziehen.

Abb. 1: Der furchtbare Dreißigjährige Krieg

Diese Geheimregie des 20. Jahrhunderts war darauf angelegt, die Kriege in die Länge zu ziehen und sie nicht schnell enden zu lassen. In einem aufwühlenden Dokument aus dem Jahr 1937 hat genau dies der amerikanische Präsidentenberater William C. Bullit auch unverhüllt und wörtlich so ausgesprochen. 

Nennen wir hier nur einige wichtigere Eckpunkte in dieser geheimen Regie: Das "Wunder an der Marne" verhinderte ein schnelles Ende 1914 im Westen, die Schlacht bei Tannenberg verhinderte - durch die überraschende Berufung Ludendorffs zum Befehlshaber in Ostpreußen - ein schnelles Ende im Osten. Falkenhayn verhinderte mit seiner "Zermürbungstaktik" ein schnelles Ende im Osten 1915 und als Ludendorff 1916 zur OHL berufen wurde, ging es erneut darum, den Krieg zu verlängern, denn er hätte sonst schon 1916 allzu leicht mit einer deutschen Niederlage enden können und die bolschewistische Revolution in Rußland hätte dann nicht so leicht siegen können wie sie gesiegt hat.

Und so ähnlich läßt sich auch die Geschichte des Zweiten Weltkrieges erzählen. Frankreich kapitulierte überraschend schnell 1940. Ähnlich viele andere europäische Länder. England wurde in Dünkirchen geschont. Gibraltar wurde nicht von den Deutschen eingenommen (dank der "hervorragenden" Arbeit des Herrn Canaris). Die Murmanskbahn wurde niemals eingenommen, wodurch die entscheidende materielle Untestützung der Kriegsführung der Sowjetunion durch die USA immer gesichert blieb. Die Invasion in der Normandie 1944 wurde ermöglicht, der Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte 1944 wurde ermöglicht, jeweils durch falsche Meldungen und "Aufklärungen" der Abteilungen "Fremde Heere Ost" (Reinhard Gehlen) und "Fremde Heere West" (Alexis von Roenne), beides Abteilungen, die durch den Admiral Canaris aufgebaut worden waren. Wir brechen ab. Diese Geschichtsvorgänge sind alle längst verstanden. Und viel zu furchtbar, um ruhig bei ihnen bleiben zu können. Geheimregie durch Personalpolitik, Geheimregie durch "Wissensgefälle".

Georg Wolmar von Fahrensbach in Kurland - 1610 bis 1620

Wer in all diese Vorgänge tiefe Blicke geworfen hat, muß aufmerken, wenn er auf eine solche merkwürdige Biographie aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stößt wie die des Georg Wolmar von Fahrensbach (1586-1633) (Wiki), dessen Agieren in Kurland und gegen Riga schon zwischen 1610 und 1620 unglaublich aufwühlend nachzuvollziehen ist und viele, viele Fragen aufwirft, weil alles, was man hier erfährt, einfach nur verwirrend und verstörend ist. Im Auftrag der Jesuiten hat dieser Mann immer wieder unter persönlicher Lebensgefahr Unruhe gestiftet in Kurland und gegen Riga, damit der polnische König und die Jesuiten die protestantischen Herzöge von Kurland und das protestantische Riga "bei den Haaren kriegen" konnten, wie sich Fahrensbach auszudrücken beliebte gegenüber einem, den er dabei zur Mitarbeit gewinnen wollte (Seraphim 1893). Es ging um haarsträubende Provokationen zu Handlungen, die die beteiligten Protestanten ins Unrecht setzten, die sie zum Beispiel Morde begehen lassen sollten (tatsächlich oder nur angeblich), aufgrund deren sie dann vom katholischen Polen aus mit Krieg überzogen werden konnten, mit einem Krieg, der dem polnischen, von Jesuiten beratenen König schließlich die schwedische Königskrone bringen sollte. 

Aufgrund insbesondere der festen Haltung des protestantischen Riga und des protestantischen Schweden sollte Fahrensbach bis 1620 vergleichsweise wenig Erfolge in den genannten Ostseeländern mit seinem Agieren haben und dort nur üblen Gestank hinter sich zurück lassen (Preußen2022). 

Wir sehen ihn aber nach 1621 in ganz anderen Zusammenhängen erneut auftreten und agieren. Konnte er das innere Wesen seines Handelns in seinem nachherigen Leben so stark ändern, jenes Wesen, daß sich schon in Kurland so überaus deutlich gezeigt hatte und das doch immer einmal wieder auch später ganz und gar unverhüllt und boshaft wieder zum Vorschein kommen sollte? Offenbar doch nicht. Wie aber ist dann all das viele "bunte", chamäleonartige Handeln und Leben dieses Georg Wolmar von Fahrensbach zwischen 1621 und 1633 insgesamt einzuordnen? Und wie ist von daher eine womöglich bestehende Geheimregie hinter dem Ablauf des Dreißigjährigen Krieges überhaupt anzunehmen und zu deuten?

.... Und der Graf Mansfeld?

Wenn man nun im weiteren auf die für den Verlauf der ersten Phase des Dreißigjhrigen Krieges so wichtige Biographie des Grafen Ernst von Mansfeld (1580-1626) (Wiki, ADB) stößt, so gelangt man zu einer ersten Ahnung davon, daß in dieser Biographie grundsätzlich ähnliche Handlungsmuster vorliegen könnten wie bei dem Agieren des Georg Wolmar von Fahrensbach.

Beide Biographien erscheinen den Historikern immer und immer wieder so, daß sie an verschiedenen Stellen Worte benutzen wie "unberechenbar", "unbegreiflich". Beide scheinen ihre Religionszugehörigkeit ihr Leben lang in der Schwebe gehalten zu haben. So konnten sie bezüglich derselben jederzeit ihre Farbe wechseln wie ein Chamäleon. Beide genossen das Vertrauen führender protestantischer Fürsten und Könige. Beide starben als Katholiken, nachdem ihnen die Beichte abgenommen worden war. Will man eigentlich noch mehr wissen? Ist das nicht alles schon genug "Muster"? Unter dem Vorwand, "Protestant" zu sein und der protestantischen Sache zu dienen, haben sie der katholischen Sache gedient? Was wäre dran an einer solchen Vermutung, an einer solchen Unterstellung? Nur Humbug?

Sind wir denn etwa die ersten, die das so klar und eindeutig sehen? Eine so klare, deutliche Kennzeichnung und Deutung zu den Leben beider Personen finden wir sonst in der Literatur bislang jedenfalls nicht. Auch nicht in der kritischsten (Ludendorff 1929). Das soll uns aber nicht beirren, die Dinge endlich einmal zu Ende zu denken und zu verfolgen. Am nächsten unserer Einschätzung kommen aber die folgenden Worte auf Wikipedia (Wiki):

Auch die Bezeichnung als protestantischer Heerführer ist fragwürdig, weil er nach 1610 seine wahre Konfession geschickt verbarg, sich nirgends erkennbar von konfessionellen Motiven hat bestimmen lassen und im übrigen später auch katholischen Mächten diente.

Ist damit nicht eigentlich schon alles gesagt? Graf Mansfeld stammte aus einer katholischen Familie in Luxemburg. Er ist katholisch erzogen worden. 1610 ist er zum Protestantismus übergetreten, hat aber vor seinem Tod sich die Beichte abnehmen lassen und ist katholisch gestorben wie berichtet wird. (Wobei die Berichte über seinen Tod insgesamt als "legendär" gelten. Ob er überhaupt so gestorben ist wie berichtet wird, scheint nicht sicher zu sein. War seine Rolle womöglich einfach nur "ausgespielt"? Und hat er womöglich unter anderem Namen in anderen Zusammenhängen weiter gelebt? Das sind Fragen, die sich uns jedenfalls stellen.) Graf Mansfeld scheint jedenfalls ein Obergauner nach dem Buche gewesen zu sein (Wiki):

An der Schlacht am Weißen Berge nahm er nicht persönlich teil, wofür er 100.000 Gulden aus der gegnerischen Kasse erhielt. 

Was will man eigentlich noch mehr hören? Ist damit nicht das ganze Leben dieses Menschen genug gekennzeichnet? Wie soll man eine solche Person noch als einen überzeugungstreuen Parteigänger der protstantischen Sache erachten, der sich für die Nichtbeteiligung an dieser für die Protestanten so entscheidenden, so vernichtenden Schlacht des Jahres 1620 100.000 Gulden aus der gegnerischen Kasse hat bezahlen lassen? Deutlicher geht es doch gar nicht. Natürlich wird diese Tatsache erst heute auf Wikipedia erwähnt. Offenbar war sie nur den wenigsten Zeitgenossen bekannt und ebensowenig vergleichsweise kritischen Historikern im Jahr 1884 (ADB). Ohne diese Tatsache konnte man womöglich noch zu keinem so klaren Urteil über das Wesen dieses Grafen Mansfeld kommen wie das mit Wissen um diesen Vorgang möglich geworden ist. 

Planlos und ziellos

Wie kann man da glauben, daß nicht genau dies der Grundzug seines ganzen Lebens? Der Sache nach nur einer einzigen Partei zu nutzen, nämlich der katholischen, nach außen hin aber sich als Vertreter der protestantischen Sache auszugeben. Das ganze militärische Handeln rund um Mansfeld nach der Schlacht am Weißen Berg mutet planlos und ziellos an. Es konnte nur darauf ausgelegt sein, den Krieg am Laufen zu halten, ihn zu verlängern, um so Handhaben zu haben, um auch Norddeutschland weiter in Unruhe zu versetzen und katholisieren zu können, wobei aber zugleich entscheidende Niederlagen der katholischen Seite zu verhindern waren und wobei zugleich die protestantischen Länder, durch die Mansfeld's Söldner zogen und aus denen sie lebten, sehr tüchtig ausgeplündert werden konnten. Ist das das Muster?

Graf Mansfeld hat an mehreren Stellen die Möglichkeit zu entscheidenden Niederlagen für die katholische Sache nicht ausgenutzt oder er sie sie gar - um es deutlicher auszudrücken: bewußt hintertrieben und sabotiert. Indem wir diesbezüglich noch einiges ähnliche aus den Jahren davor übergehen, lesen wir dann etwa zu dem Jahr 1621 so klare und deutliche Worte wie diese (ADB):

Anstatt (...) zu entscheidenden, vernichtenden Schlägen (...) überzugehen und schließlich einen ehrenvollen Frieden zu diktiren, begnügte sich Mansfeld damit, Erzherzog Leopold und dessen Straßburger Bistum mit Krieg zu überziehen und nächstdem den Verhandlungen wieder Gehör zu schenken, (...) welche den kühnen Parteigänger noch viel unberechenbarer, ja unbegreiflicher erscheinen lassen als zuvor!

Er zog den Krieg also auf einen Nebenkriegsschauplatz, verhinderte entscheidende Schläge auf dem Hauptkriegsschauplatz und verhielt sich dann auch noch in überraschenden Unterhandlungen mit der katholischen Partei als "unberechenbar", "unbegreiflich", zumindest aus Sicht der protestantischen Sache. Man fragt sich angesichts solcher Wortwahl, warum bisher scheinbar kein einziger Historiker klar und deutlich genug die Meinung scheint vertreten zu haben, daß Mansfeld schlicht und einfach immer und durchgehend um katholischer Interessen willen gehandelt hat als Geheimagent auf protestantischer Seite - so wie Georg Wolmar von Fahrensbach und so wie vielleicht - bei genauerem Hinschauen - noch so manch anderes "liebevolle" Persönchen der damaligen Zeitenläufte. (Wobei ja eigentlich nur an den katholischen Minister des calvinistischen Kurfürsten von Brandenburg erinnert werden muß, um deutlich zu machen, daß auf dieser Linie allerhand an Abstrustitäten möglich war.)

Auch über die Schlacht bei Wimpfen 1622 gegen Tilly lesen wir dann wieder (ADB):

Denn nur wenige Tage später trug Tilly einen glänzenden Sieg über die vereinigten badischen Truppen (gegen 20,000 Mann) bei Wimpfen davon, da Mansfeld sich erst in der letzten Stunde dazu entschloß, die beiden, bei seinem Korps befindlichen Herzöge Wilhelm und Bernhard von Sachsen-Weimar mit zwei Regimentern Infanterie und 2000 Reitern zum Markgrafen stoßen und an jenem verhängnißvollen Kampfe Anteil nehmen zu lassen.

Zwischen solchem Handeln mußte Mansfeld natürlich auch immer wieder "glänzende Siege" gegen die katholische Partei erringen, sonst wäre seine Maske womöglich doch zu stark verrutscht. Womöglich sind diese aber nur zugelassen worden, damit die protestantischen Fürsten und die protestantische Welt ihm weiterhin Vertrauen entgegen bringen konnten. Ein ähnliches Muster sehen wir ja ebenfalls bei Fahrensbach.

Scheinbar scheint es immer wieder gelungen zu sein, andere für verantwortlich erklären zu können für das, was Mansfeld selbst dann aber der Sache nach tat, so etwa bei der außerordenlich üblen Plünderung Ostfrieslands 1623, das als Handelskonkurenz von England, Frankreich und der Niederlande galt, die aber doch nicht wollen konnten, daß ein protestantischer Landstrich so übel ausgeplündert wurde ([ADB]: "die Feder sträubt sich").

"... wird wohl auf immer ein Rätsel bleiben" - 1626

Über die Jahre 1624 bis 1626 berichtet der Historiker wieder über ihm völlig Unverständliches (ADB):

Er scheint schon damals den Plan entworfen zu haben, den Krieg wieder in des Kaisers Erblande zu spielen, sich den Weg bis nach Ungarn zu bahnen und Bethlen Gabor dort die Hand zu reichen. Warum er dies (...) nicht ins Werk setzte, warum er es vorzog, das gefährliche Wagestück zu unternehmen, die feindlichen Stellungen an der Dessauer Brücke zu stürmen, wird wohl auf immer ein Rätsel bleiben. - Hier hatte Wallenstein (...) einen starken Brückenkopf auf dem rechten Elbufer errichtet (...). Anstatt nun seine Streitkräfte (...) direkt nach Schlesien, Böhmen und Innerösterreich zu führen, die Schrecken des Kriegs in die kaiserlichen Erbstaaten zu tragen, zog er es vor, seine Kampfmittel an einem Punkte aufs Spiel zu setzen, wo Wallenstein alle Vorteile des Bodens (...) für sich hatte und eine unglückliche Fügung, ein Zufall gleichsam, ihm den blutigen, teuer errungenen Lorbeer wieder aus den Händen riß.

Wenn man Mansfeld als jesuitischen Geheimagenten erachtet, bleibt hier gar nichts mehr ein Rätsel. Aber freilich wäre dann die Truppenführung des Mansfeld auch als außerordentlich verbrecherisch zu bezeichnen. Er hätte seine Truppen dann bewußt und mit Absicht in eine blutige Niederlage hinein geführt. Aber da er schon so viele andere Schlechtigkeiten begangen hatte - warum sollte man ihm diese dann nicht auch noch zutrauen?

Der planlos wirkende Zug nach Schlesien - 1626

Sein ganzer Zug nach Schlesien im Jahr 1626 hat irgendwie das Aussehen von Planlosigkeit und Ziellosigkeit. Der Zug endete im Nichts, zog aber Schlesien - wie zuvor viele Länder Norddeutschlands: Ostfriesland, Lüneburg, Brandenburg - in den Krieg mit hinein und ermöglichte es so der katholischen Seite, gegen die Protestanten in Schlesien vorzugehen, die zu den Fahnen Mansfelds geeilt waren.

Krebs schildert, wie Wallenstein es seit Herbst 1625 immer fest im Auge behielt, welche Pläne Mansfeld verfolgte, und daß man sich schon früh Sorgen machte, er könne von Niedersachen über Brandenburg aus in das protestantische Schlesien einbrechen, wo er aufgrund des protestantischen Glaubens als - vorgeblich - protestantischer Heerführer viel Unterstützung finden würde, und wo ihm Bethlen Gabor von Ungarn her entgegen ziehen konnte. 

Am 10. Juli 1626 brach Mansfeld denn auch von Havelberg aus nach Schlesien auf. Die Regimenter zogen unter seiner eigenen Führung und unter der Führung des Herzogs Johann Ernst (1594-1626) (Wiki) auf parallelen Wegen über Kyritz, Fehrbellin, Kremmen, Spandau, Oranienburg und trafen sich in Frankfurt an der Oder (Krebs). Dort setzten sie über die Oder und zogen weiter durch Schlesien. Ziel war ihre Vereinigung mit Bethlen Gabor in Oberschlesien. Am 12. August wurde Mansfeld Teschen ohne Gegenwehr übergeben, am gleichen Tag dem Herzog Johann Ernst Troppau. Wir lesen über den weiteren Verlauf (ADB):

Herzog Johann Ernst unterwarf fast ganz Schlesien, Mansfeld drang nach Ungarn vor. Ihm folgte Wallenstein, die Generale Schlick und Serini wurden gegen Johann Ernst gesandt. Letzterer aber wußte nicht nur sich gegen sie zu behaupten, sondern schlug sie entscheidend. Nach diesem glücklichen Erfolge teilte der Herzog sein Heer, ließ die eine Hälfte als Besatzung in Schlesien zurück, die andere sandte er nach Mähren, wo er verschiedene wichtigere Plätze unterwarf. Währenddem war dem Grafen Mansfeld eine Vereinigung mit Bethlen Gabor gelungen; die Truppen, die er aus Deutschland mitgebracht, unterstellte er dem Siebenbürger. Auch mit den Türken trat man in Verhandlung. Aber während hier sich eine neue Gefahr für den habsburgischen Staat zu bilden schien, gelang es dem Kaiser, Gabor zur Untätigkeit zu veranlassen. Mansfeld fand in diesen Tagen unerwarteter Weise den Tod. 

Auf dem Weg über Dalmatien nach Venedig, wo Mansfeld Geld für neue Truppen aufbringen wollte, ist er in der Nähe von Sarajewo am 29. November 1626 einen "geheimnisvollen Tod" gestorben. Und (Wiki):

Kurz vor seinem Tod ließ er sich von einem katholischen Priester die Beichte abnehmen.

Er hatte maßgeblich dazu beigetragen, daß der Krieg über 1621 und 1623 hinaus verlängert worden war. So heißt es auf Wikipedia. Und  er starb als Katholik. Und er hat die protestantischen Länder überall, wohin er gekommen war, geplündert und übel mitgenommen zurück gelassen. "Der Mansfeld kommt," galt als Schreckenswort in protestantischen Ländern. Wahrlich "Heldentaten" - aber wofür? 

Während Mansfeld in Ungarn unter ging, vollzog sich auch das Schicksal der vorwiegend dänischen Truppen in Schlesien (ADB):

Wallenstein mußte zunächst nach Schlesien vordringen und der Kaiser gedachte endlich die Acht gegen den Herzog ( Johann Ernst) zu verhängen. Der Fürst schien verloren. In seiner großen Not entschloß er sich, des Kaisers Gnade und Verzeihung zu erbitten und verhandelte mit Landgraf Georg von Hessen-Darmstadt über Interzession am Wiener Hofe. Wilhelm, Johann Ernst’s Bruder, bemühte sich eifrig für ihn, schrieb an den Kaiser wegen Aufschub der Achtserklärung und erbot sich, Boten an den Herzog zu senden, um die Unterwerfung herbeizuführen. Ferdinand ging auf diese Vorschläge ein und versprach, wenn der Herzog sofort die habsburgischen Erblande räumen würde, mit der Acht nicht vorgehen zu wollen. Aber Johann Ernst konnte sich zur Räumung des besetzten Gebietes nicht entschließen: er ließ die Truppen in den okkupierten Städten und drang an der Spitze des größten Teiles seines Heeres nach Ungarn - da, als sich alles zu einer Katastrophe vorzubereiten schien, hat den Herzog unvermutet der Tod hingerafft. Der Genuß einer ungaren Speise warf ihn aufs Krankenbett, ein unbesonnener Versuch, sich durch Gewaltmittel zu kurieren, verschlimmerte das Übel, das am 4. Dezember 1626 zu St. Martin in Ungarn seinem Leben ein Ziel setzte.

Johann Ernst war erst 31 Jahre alt. Mansfeld war 46 Jahre alt als er starb. Was für ein erschütterndes und zugleich sinnloses Geschehen. Was hatte dieser ganze Zug nach Schlesien überhaupt für einen Sinn gehabt? Man spürt aus den Berichten nicht heraus, daß die Macht Habsburgs sich durch diesen Zug wirklich gefährdet gefühlt hat. 

Flüche als Nachrufe

Das Urteil der Historiker lautet einigermaßen einhellig (NDB):

Die außerordentliche Verrohung des Kriegswesens während des 30jährigen Krieges bleibt mit seinem Namen verbunden.

Und (Wiki):

Er trug aus persönlichen Gründen wesentlich dazu bei, die Reichswirren über die Zäsuren von 1620/21 und 1623 hinaus zu verlängern und zu einem europäischen Krieg auszuweiten.

Es fällt einem also mehr schwer, mit wohlwollenden Gedanken an diesen furchtbaren Truppenführer zurück zu denken. Eine finnische Studie aus dem Jahr 2011 ordnet das Handeln des Grafen Mansfeld unter die Thematik der "assymetrischen Kriegsführung" (Wiki) ein. In der Zusammenfassung ihrer Ergebnisse heißt es (Bäckström 2011, S. 83f):

Die Zeichen symmetrischer Kriegsführung, als da sind klare politische Ziele und der Vorsatz, Entscheidungsschlachten führen zu wollen, waren auffallend abwesend in Mansfeld's Kriegsführung.
The signifiers of symmetrical warfare, the clear political goals and the disposition to engage in decisive battles of annihilation, were conspicuously absent from Mansfeld’s warfare.

Was für verräterische Sätze. Und der Autor schreibt weiter über Wallenstein:

Seine Übernahme und Verfeinerung von Mansfeld's assymetrischen Methoden halfen dem Kaiser alle Flammen des Widerstandes in Deutschland bis zum Ende des Jahres 1629 zu ersticken.
His adoption and refinement of Mansfeld’s asymmetrical methods had helped the Emperor to smother all flames of resistance in Germany by the end of 1629.

Was für ein Erbe und Andenken der Graf Mansfeld in solchen Worten der Nachwelt hinterlassen hat! Wird hier nicht klar genug gesagt, daß Mansfeld der Wallenstein'schen Rekatholisierung in Norddeutschland - der Sache nach - vorgearbeitet hat? Erst mit dem Auftreten Gustaf Adolfs von Schweden kam es wieder zu einer "symmetrischen Kriegsführung", allerdings nun auf den Linien, die zuvor von Mansfeld und Wallenstein vorgegeben worden waren. Nun war die Macht der Katholiken in Wien erstmals wirklich ernsthaft gefährdet.

Und da kam dann der Georg Wolmar von Fahrensbach ganz besonders zum Zuge und ins Spiel. In Frankfurt an der Oder und in Ingolstadt sollte er wesentliche "Heldentaten" für die katholische Seite erbringen, ohne daß ihm die katholische Seite das jemals wirklich ausdrücklich gedankt hätte. Es hätte sonst zu viele Blicke erlaubt in die Geheimregie hinter dem Dreißigjährigen Krieg.

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*) Teil 6 der Beitragsreihe: "Minen hört man und Geschütz / täglich dumpf erdröhnen" - Im Kampf für die evangelische Freiheit - Einblicke in das Leben der Deutschen des baltischen Adels und der Bürgerschaft des 17. Jahrhunderts in Livland und Kurland. Vorige Beiträge: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5.

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  1. „Mansfeld, Ernest Graf zu“ von Ludwig Graf Uetterodt zu Scharfenberg in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 222-232, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mansfeld,_Peter_Ernst_II._F%C3%BCrst_von&oldid=- (Version vom 20. Dezember 2022, 03:40 Uhr UTC)
  2. Krebs, Julius: Schlesien in den Jahren 1626 und 1627. In: Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens. 1. Bis zu Manfeds Zug, Band 20, 1886, S. 1-32 (GB); 2. Manfeld's Zug durch Schlesien, Band 21, S. 116-148 (GB); 3. Der Einmarsch der Herzogs von Friedland, 4. Die Forschritte der Dänen und Mansfelder bis Ende 1626, Band 25, S. 124-184; 5. Die Winterquartiere der Kaiserlichen, 6. Vordringen des Feindes in Oberschlesien und Aufmarsch der kaiserl. Regimenter (Jan. - Juni 1627) Bd. 27, 1894, S. 150-203 (GB); 7. Wallensteins Feldzug in Oberschlesien, Bd. 28, S. 147-178 (GB)
  3. Seraphim, Ernst: Der Kurländer Wolmar Farensbach. Ein Parteigänger und Verräter des 17. Jahrhunderts. Nach archivalischen Quellen. In: Seraphim, Ernst und August: Aus der Kurländischen Vergangenheit. Bilder und Gestalten des siebzehnten Jahrhunderts. Stuttgart 1893, S. 9-152 (GB)
  4. Ludendorff, Erich und Mathilde: Das Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende. Ludendorffs Verlag, München 1929 (Archiv)
  5. Heinisch, Reinhard R., "Mansfeld, Peter Ernst II. Fürst von" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 80-81 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119338882.html#ndbcontent 
  6. Olli Bäckström: The German Military Entrepreneur Ernst von Mansfeld and His Conduct of Asymmetrical Warfare in the Thirty Years War, 2011 (pdf)

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