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Sonntag, 8. September 2013

Jürgen Elsässer - oder: Eine rundum angemessene Vertretung der Lebensinteressen der europäischen Völker?

Auf einem Kongreß in Leipzig am 23. November 2013 stellt Jürgen Elsässer ein Kernthema dieses Blogs in den Mittelpunkt. Endlich (Elsässer, Handelsblatt):

Werden Europas Völker abgeschafft?
Familienfeindlichkeit - Geburtenabsturz - Sexuelle Umerziehung

Der Kongreß soll offenbar durch Teilnahmegebühren finanziert werden. Sie betragen 75 Euro. Mit einem Jahresabo der Zeitschrift "Compact" - für 60 Euro - "verringern" sie sich auf 35 Euro. Hm, ich hatte schon angefangen, meine Finanzen zu überschlagen ... Aber dann liest man die Einladung von Jürgen Elsässer genauer:

Letztes Jahr waren 750 Besucher begeistert. Dieses Jahr wollen wir noch einen drauf legen. Am 23. November in Leipzig können Sie mit Peter Scholl-Latour, Eva Herman und Thilo Sarrazin die Großen Drei erleben. Jene Publizisten, die mit ihren Büchern in den vergangenen Jahren die meisten Leser hatten. Unser Konferenzthema dieses Jahr ist die Familienpolitik: „Werden Europas Völker abgeschafft? Familienfeindlichkeit, Geburtenabsturz und sexuelle Umerziehung“ ist an den Titel von Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ angelehnt und stellt Eva Hermans Anliegen in den Mittelpunkt. Peter Scholl-Latour wird den geopolitischen Rahmen skizzieren, in dem sich das absterbende Europa bewegt. Mit dem Theologen Ulrich Schacht, der letztes Jahr das Publikum begeisterte, und dem wertkonservativen CSU-Bundestagsabgeordneten Norbert Geis haben wir weitere Experten gefunden.

Bevor ich den letzten Satz gelesen hatte, hatte ich tatsächlich noch große Lust, mich anzumelden ...

Einladungsplakat zum Elsässer-Kongreß

Aber: "Begeisternde" Theologen und Edelkatholiken (Wiki) ... Also Vertreter jener Lobby, die die Völker Europas dorthin gebracht haben, wo sie heute stehen .... Und mehr Lust hatte ich auch noch, bevor ich das weitgehend blödsinnige Interview von Jürgen Elsässer mit Thilo Sarrazin - offenbar als "Anbeißer" - gelesen hatte (Elsässer). Warum druckt der Elsässer so etwas (Wiki) überhaupt? Nun, wer Theologen als Freunde hat, dem paßt das alles wahrscheinlich gut in den Kram. Monotheistisches Ressentiment-Geschwafel vom allerfeinsten.

Edelkatholiken und Theologen sind natürlich begeistert. 

Ekelhaft.

Auf mich wirkt das eher, als sollten hier die Völker Europas weiterhin für dumm verkauft werden. Nun halt einmal auf eine andere, neue "Tour". Solche Interviews mit Thilo Sarrazin zu veröffentlichen und damit dem Ernst des Themas eine Note zu geben, die völlig unmöglich ist. Was sich diese monotheistischen Lobbykräfte heute alles herausnehmen. Zur Verteidigung hat Jürgen Elsässer auch nichts wirklich Nachhaltiges zu sagen. 

Sollen es also wirklich ein Jürgen Elsässer und seine Theologen-Freunde sein, die die Völker Europas vor ihrer Abschaffung bewahren?

/ Nachtrag: Noch sieben Jahre nach Erscheinen dieses Blogbeitrages hatten wir über die großen Gefühle zu berichten, mit denen die "Antideutschen" ihrem Vorkämpfer Jürgen Elsässer nachtrauern: "Der Elsässer fehlt halt" (GA-j 2020). /

Dienstag, 15. Januar 2013

Kinderfreundlichkeit - das grundlegendste Prinzip der Evolution und der Geschichte

Abb. 1: Kindheit im Havelland, 1930er Jahre
Warum sind die traditionellen Gesellschaften die kinderfreundlichsten Gesellschaften auf dieser Erde? Wo immer man auch hinkommt zu traditionellen Völkern und Volksgruppen?

Nun, die Frage stellen, heißt eigentlich schon, sie beantworten. Traditionelle Gesellschaften sind Gesellschaften, die schon seit langen Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden so leben, wie sie noch heute leben. Wie hätten sie wohl so lange überdauern können - ohne kinderfreundlich zu sein?

Warum also sind die traditionellen Gesellschaften die kinderfreundlichsten Gesellschaften auf dieser Erde? Die Antwort lautet: Weil die Begründer dieser Gesellschaften aus dem Innersten heraus kinderfreundlich waren. Und weil ihnen - bewußt oder unbewußt - bei der Durchstrukturierung ihrer Gesellschaft und ihres gesellschaftlichen und familiären Lebens nichts wichtiger war, als diese Kinderfreundlichkeit.

Ist es anders zu erklären? Daß in der traditionellen bäuerlichen Arbeitswelt die Arbeit und die gesellschaftlichen Strukturen sämtlich um die Tatsache herum strukturiert sind, daß Menschen Kinder haben? Und daß Kinder die bestmögliche Entfaltungsmöglichkeit haben?

Die Kinder etwa hätten sich an diese Lebensweise angepaßt und nicht etwa umgekehrt die Eltern die Bedürfnisse ihrer Kinder in vollstem Umfang berücksichtigt? Schon die Frage zu stellen, ist lächerlich. Natürlich letzteres. Kinder sind auf der ganzen Welt und in allen Gesellschaften ähnlich. Auch ihre Bedürfnisse.

Welches sind die wesentlichsten Bedürfnisse von Kindern? Um so jünger, um so mehr? 
1. Die enge Bindung an primäre Bezugspersonen.
2. Die enge Bindung an primäre Bezugspersonen.
3. Die enge Bindung an primäre Bezugspersonen.
Mindestens bis zum dritten Lebensjahr gilt das unumschränkt. Danach stufenweise - und individuell je nach Kind - weniger. Um so mehr ältere Geschwister, Verwandte und enge Freund der Familie da sind, um so leichter fällt dem Kind die Trennung von der primären Bezugsperson. 

Deshalb ist in traditionellen Gesellschaften das ganze gesellschaftliche Leben so durchstrukturiert, daß Eltern auch bei der Arbeit möglichst in der Nähe ihrer Kinder sind. Das simpelste Prinzip von der Welt. Nur nicht verständlich solchen Gesellschaften, die eh schon lange untergegangen sind, oder die gerade untergehen. Eben weil Kinderfreundlichkeit nicht das zentralste Prinzip ist, nach dem sie ihre Gesellschaft durchstrukturiert haben.

Kinderfreundlichkeit - ein Prinzip naturalistischen Denkens und des Evolutionären Humanismus

Und keineswegs ist es so, daß dieses Prinzip jemals in der Evolution, in der Humanevolution oder in der Weltgeschichte an Bedeutung verloren hätte. Im Gegenteil. Evolution ist eine ständige Steigerung und Ausdifferenzierung von kindlicher Hilflosigkeit und elterlicher Fürsorge (Adolf Portmann). Es ist eines der tiefsten Gestaltungsprinzipien der Evolution überhaupt. 

Schon die grundlegendsten Unterscheidungen im Tier- und Pflanzenreich machen darauf aufmerksam: Ursprünglichere Gymnospermen, Nacktsamer, schützen ihre Nachkommenschaft weniger als die fortgeschrittenen Angiospermen, Bedecktsamer. Letztere bedecken ihren Samen, umgeben ihn mit einer Schutzhülle. Die Schönheit aller Blütenpflanzen auf dieser Erde ist dem Prinzip Nachkommenfürsorge geschuldet. 

Abb. 2: Kindheit im Havelland, 1930er Jahre
Und im Tierreich ist es nicht anders. Ursprünglichere Amphibien und Reptilien kümmern sich weniger um ihre Nachkommenschaft als die Säugetiere. Und bei den Vögeln sind die Nesthocker, also jene Tierarten, die die hilflosesten Jungen zur Welt bringen und sich am meisten um sie kümmern, die intelligentesten Vögel (Adolf Portmann). Nicht die Nestflüchter. Bei den Säugetieren ist es nicht anders. Das extrauterine Frühjahr, das heißt die vollendete Hilflosigkeit bei der Geburt, ist eines der wesentlichsten Kennzeichen des Humanum. Die verlängerte Kindheit. Nicht die verkürzte.

Und damit auch die Ängstlichkeit des Kleinkindes, der große innere Streß bei der Trennung des Kleinkindes von primären Bezugspersonen.

Im Sinne einer krankhaften Ideologie - anders kann man es nicht nennen - fallen alle diese Erkenntnisse über die Gesetze der Evolution bei der Durchgestaltung unserer heutigen Gesellschaft völlig unter den Tisch.

Es wäre das ein "naturalistisches Denken". Menschen würden sich die Prinzipien ihres Lebens aus anderen Erkenntnissen ableiten als aus dem Weltbild eines kruden Atheismus oder einer kruden Gläubigkeit an Heilige Schriften. Und das geht ja nicht. Da schreit ja jeder rechtskonservative, Männerbünde und Mönchsorden liebende Vordenker im Innersten seines Herzens auf: Nein, so nicht! Wenn wir aus der Natur selbst die Prinzipien unseres Handelns ableiten und nicht aus Heiligen Schriften und den Beschlüssen von Kardinalskonzilien, dann landen wir im gottlosesten Heidentum. In der Ketzerei! Weg von alle dem! Die zivilisatorische Kraft des Christentums darf nicht beiseite gewischt werden!

Heilige Schriften wirken zwar heute, als sollte sich durch sie das Wort erfüllen: Viel Steine gab's und wenig Brot. Aber gerade das ist für die modernen Gesellschaften richtig. Es ist die "katechontische Größe", die wir brauchen. An diesem Gegenprinzip, an diesem geradezu satanischen Prinzip mögen sich moderne Gesellschaften "abarbeiten". Vielleicht ist es ja zu ihrem Heil? Sagt nicht Jesus Christus irgendwie so etwas?

Aha. Noch ein Einwand könnte kommen: Der Autor will also traditionelle Lebensformen verherrlichen und zu ihnen zurück kehren? Ja, Phantasielose könnten auf diesen Gedanken kommen. Mit Phantasielosigkeit haben Gesellschaften noch niemals Krisenzeiten überwunden.

Sonntag, 24. April 2011

Gleichberechtigung ...

Wertewandel oder Werte-Starrheit?

In einer patriarchalen Gesellschaft bedeutet Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, daß Frauen ebenso arbeiten gehen dürfen wie Männer. Bislang aber sind wir noch "Jahrhunderte" davon entfernt, daß dabei soziale Berufe technischen und Büro-Berufen in der Bezahlung als gleichwertig an die Seite gestellt werden würden. Die heutige Art der "Gleichberechtigung" ist also die tiefste Form von Heuchelei und Zynismus. Sie kommt nur einer Minderheit von Frauen und deren Männern zugute, die wahrscheinlich in einer sowieso schon kinderarmen Gesellschaft noch überdurchnittlich kinderarm sein werden.

In einer matriarchalen Gesellschaft würde Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau - vermutlich - bedeuten, daß Männer ebenso zu Hause bleiben und Kinder betreuen "dürfen" wie dort die Frauen. Weil in dieser vermutlich das Betreuen von Kindern gesellschaftlich eine viel höhere Wertschätzung erfahren würde, als "sonstige", viel geringschätziger bewertete berufliche Tätigkeiten. Wobei möglicherweise auch nach einer großspurig verfolgten "Gleichberechtigung" immer noch für "Jahrhunderte" die technischen und Büro-Berufe wesentlich schlechter bezahlt sein würden als die sozialen Berufe.

Und was wollen wir? Patriarchat? Matriarchat? Kalifat?

Weitere familienpolitische und geschlechterpolitische Hochstapelei und Gesellschaftszerstörung wie seit vielen Jahrzehnten?

Montag, 13. Dezember 2010

"Die Frauenarbeit im Hause" - sie ist allen egal, seit 1905

Zufallsfund im Netz (1) des heutigen Tages (aus: 2):
Der Gedanke, den nationalökonomischen Wert der häuslichen Frauenarbeit abzuschätzen, zu prüfen, ob die Frauen für die Erfüllung so zahlreicher Pflichten das gebührende Aequivalent an Geld, an bürgerlichen und politischen Rechten, an sozialer Wertschätzung erhalten, dieser Gedanke ist den Nationalökonomen nur selten gekommen. Haben sie mit Absicht dieses Kapitel der Wirtschaftslehre außer Acht, außerhalb ihrer scharfsinnigen Analysen, ihrer eindringenden Forschung gelassen? Verdiente dieser Gegenstand die Aufmerksamkeit des Mannes nicht?
Oder hat man gefühlt, daß hier eine Gefahr vorlag, eine Mine, die springen und das Gebäude der "Männerwelt" zum Sturze bringen konnte? Hat man gefürchtet, durch eingehendes Studium der Frauenarbeit im Hause zu einer Umwertung bestehender Werte, zur wissenschaftlichen Anerkennung unbequemer Forderungen gezwungen zu werden?
- Es mutet einem wie totaler Wahnsinn an, daß eine so ganz und gar banale und selbstverständliche, sich von selbst verstehende Forderung der Frauenbewegung noch hundert Jahre später auch nicht ansatzweise Erfüllung gefunden hat, auch nicht ansatzweise ihrer tatsächlichen Bedeutung gemäß öffentlich erörtert worden ist. Ja, daß sie geradezu tabuisiert wird. Die Autorin des eben gebrachten Zitates (siehe auch Foto rechts) ist schon 1930 gestorben.  Also vor achzig Jahren.

Wahnsinn. Totaler Wahnsinn. Und da wundert man sich - mit oder ohne Sarrazin - warum moderne arbeitsteilige Gesellschaften der Nordhalbkugel seit Jahrzehnten viel zu wenig Kinder auf die Welt bringen? In so krass existenzgefährdender Weise?

Wir selbst haben vor drei Jahren eine Annäherung an diese Fragen versucht, entlang der Forschungsliteratur unserer Zeit zu dieser Thematik (3).

________________________
1. Schröder, Hiltrud: Käthe Schirmacher. Auf: Fembio.org
2. Schirmacher, Käthe (1905): Die Frauenarbeit im Hause. Ihre ökonomische, rechtliche und sociale Wertung. Leipzig. Dietrich (Rechtsfragen, 3) 1905, S. 3
3. Bading, Ingo: Warum Erziehungsgehalt? In 7 Teilen. Auf: Studium generale, Mai und Juni 2007

Dienstag, 23. März 2010

Familienpolitische "cheater detection" auf Michael's Blog

"... Nicht dumme, parasitäre Hausfrauen, sondern Königinnen ..."

Auf dem Blog von Michael Blume hat die "Amazon-Rezensentin" Lena Waider in den letzten zehn Tagen mit Bravour und großem Engagement, Können und Intelligenz die familienpolitischen Vorschläge von Peter Mersch dargestellt und verteidigt (Natur des Glaubens, 14.3.10 ff). 

Abb. 1: Junge Familie Mitte der 1960er Jahre

Da wurde so viel Gutes gesagt, daß hier eine Zusammenstellung von wichtigen Diskussionsbeiträgen gegeben werden soll. Lena Waider begann die Diskussion mit den Worten:

Positiv scheint mir (in der gegenwärtigen Zeit) auch zu sein, daß nun zunehmend der "Gleichheitsfeminismus" in die Kritik gerät. In der Natur ist bei Arten, bei denen auch die Weibchen soziale Aufgaben übernehmen, stets recht bald eine Arbeitsteilung unter den Weibchen entstanden (und damit wieder Ungleichheit), nur daß die einen dann nicht dumme parasitäre Hausfrauen, sondern Königinnen heißen.
Der Satz saß. Und:
Es muß dann einen echten Beruf für Familienarbeit geben, bei dem Frauen (eventuell Männer) für das Aufziehen ihrer eigenen Kinder bezahlt werden. Und wie im Tierreich muß es zum Teil zu einer Arbeitsteilung unter Frauen kommen: die einen ("Arbeiterinnen") sind eher an einer Karriere in der Wirtschaft interessiert und haben dann keine oder nur wenige Kinder, während die anderen (Königinnen/Göttinnen ;-)) im Aufziehen von mehreren eigenen Kindern (und ggf. dem Betreuen anderer Kinder) ihre Lebensaufgabe sehen und dafür dann auch bezahlt werden (möchten). Im Internet nachzulesen ist das hier:

http://knol.google.com/...echtigten/6u2bxygsjec7/2

Der Artikel ist in der betont kühlen Art des Autors gehalten (kaum ein Tabuthema bleibt außen vor). Er ist aber meiner Meinung nach dennoch sehr lesens- und bedenkenswert.

Neben anderem warf Mitdiskutantin Mona ein:

„Die Arbeitslosigkeit ist eine Folge der hohen Erwerbsbeteiligung von Frauen im Zusammenwirken mit den niedrigen Geburtenraten. Das geht aus den Zahlen des statistischen Bundesamtes klar hervor.“

Wie bitte, die Frauen sind schuld?

"Heute besitzen Frauen in den Büros die Mehrheit"

Lena Waider:

Schuld: Wer redet von Schuld? Frag doch mal ältere Männer (Rentner): Noch um 1970 saßen in den meisten Büros überwiegend Männer. Männer waren die Chefs und Sachbearbeiter, Frauen Sekretärinnen. Arbeitende Frauen waren vorwiegend im Niedriglohnbereich anzutreffen, weil die versuchten, zu dem mickrigen Lohn des Ehemanns noch etwas dazuzuverdienen (sofern es überhaupt einen Ehemann gab). Gutverdienende Männer gaben noch in den 60er Jahren den Spruch von sich: "Ich habe es nicht nötig, daß meine Frau arbeiten geht." Die erste Tagesschausprecherin kam 1974 (Berghoff), der Versprecher der ersten Sportschaumoderatorin (Schalke 05) löste ein kleines mediales Erdbeben aus.

Heute besitzen Frauen in den Büros die Mehrheit, in den Medien sowieso. Das statistische Bundesamt zeigt auf: Ab 1970 brachen die Geburtenraten von vorher ca. 2,3 auf dann 1,3-1,4 ein (Pillenknick). Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenquote kontinuierlich an, obwohl die Wirtschaft immer mehr Erwerbsarbeitsplätze anbot (es gibt also heute mehr Arbeit). Der Anstieg bei der Arbeit war aber klein im Vergleich zum Anstieg bei den Erwerbspersonen, der in erster Linie durch zusätzliche Frauen bewirkt wurde.

Hier ist zu berücksichtigen, daß vor allem qualifizierte, gut ausgebildete Frauen nachgerückt sind. Die bekommen nun besonders wenige Kinder, weil sie besonders viel arbeiten. Die Auswirkungen davon sind so gut wie irreparabel: 1981 wurde unter den deutschen Jugendlichen (ca. 15) ein mittlerer IQ von 107 gemessen (damals Weltspitze), heute liegt er bei 98. 15-jährig in 1981 bedeutet: Man ist Teil der Babyboomer, die um 1965 geboren wurden. Von denen sind ganz besonders viele beiderseitig berufstätig und haben wenige Kinder. Die sind heute um 45 und besetzen die wichtigsten Schaltstellen in unserem Land. (...)

Mersch hat gezeigt, daß allein ein Familienberuf für eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit um 4 Millionen sorgen würde. (...) Die kinderlose Christiane Nüsslein-Volhard hat mit ihren Nobelpreiseinnahmen u. a. eine Stiftung für Frauen in der Forschung gegründet, damit diese leichter einen Kinderwunsch realisieren können. Sie schreibt es in einem Geleitwort in aller Deutlichkeit: Eine Forscherin muß alle Veröffentlichungen selbst lesen, sie kann das nicht delegieren. Reduziert sie ihren Arbeitsaufwand, fällt sie in ihrem Gebiet zurück. Gleiches gilt auch für Künstler, Sportler, Manager etc.. (...)

In modernen, hochtechnisierten Ländern wie Deutschland, Japan, Taiwan, Süd Korea, Singapur etc. läßt sich das Nachwuchsproblem meiner Meinung nach nur durch:
a) Massive Zuwanderung
b) Rückkehr zum Patriarchat
c) einen zusätzlichen Beruf für Familienarbeit
lösen. (...)

Geringe Geburtenraten in Wohlstandsländern, die durch Migranten aufgefüllt werden müssen (!), sind Kolonialismus und nichts anderes.

"Heute bekommen so viele Menschen keine Arbeit, weil so wenig Kinder in die Welt gesetzt werden"

Frau Waider sagt unglaublich klare, deutliche Sachen:

Wir haben genug Arbeitsplätze. Unser Problem sind die vielen Erwerbspersonen. Es werden kaum Kinder in die Welt gesetzt, weswegen nun beide Geschlechter einen Vollzeitarbeitsplatz für sich beanspruchen. Das kann nicht funktionieren. Es muß immer einen Ausgleich zwischen Produktion und Reproduktion geben. Wer verbraucht, muß auch erneuern. Deutschland hat kein Öl, sondern nur Humanressourcen. Wir behandeln die aber aktuell so wie Öl: Angeblich sprudeln die einfach aus der Erde. Das Aufziehen von neuen Menschen ist aber mit Arbeit verbunden, und genau die sparen wir uns. Folglich ist die Arbeitslosigkeit aktuell so hoch.
Man hört immer wieder: setzt besser keine Kinder in die Welt, denn die kriegen später keine Arbeit. Tatsächlich ist es so, daß heute viele Menschen keine Arbeit bekommen, weil so wenige Kinder in die Welt gesetzt werden. Stattdessen meinen wir, das könnte die 3. Welt für uns erledigen. Das ist Verlagerung von Arbeit in Niedriglohngebiete, genau das, was unsere Wirtschaft mitunter auch tut, aber nicht so radikal, wie es die Bevölkerung getan hat.

Verlagerung von Arbeit in Niedriglohngebiete - durch die moderne Familienpolitik

In einem Exkurs fragt Michael Blume:

Erlauben Sie mir eine Frage: Hat P. Mersch die durchschnittlich höhere Kinderzahl religiös vergemeinschafteter Menschen (die u.a. Varianten von Wertezuschreibung, Familienrollen und gemeinschaftlicher Kinderbetreuung organisieren) in seinen Modellen schon berücksichtigt? Ich könnte mir vorstellen, daß dieser Aspekt für ihn interessant sein könnte, bin bislang jedoch bei ihm nicht darauf gestoßen.
Antwort Waider:
Ich konnte mich auch nicht erinnern, bei Mersch etwas darüber gelesen zu haben und habe ihm ein email geschickt. Die Zahlen (die höhere Fertilität religiös vermeintschaftlicher Menschen) sind ihm geläufig. Er erwartet aber dennoch keineswegs, daß der von ihm vorgeschlagene Familienberuf hauptsächlich von solchen Personen angestrebt werde, da bei den religiösen Gruppen meist ein patriarchalischer Hintergrund bestehe, während der Familienberuf in erster Linie matriarchalisch ausgerichtet sei (was für viele Menschen ein Problem darstelle).

Erziehungsgehalt stärkt die matriarchalische Komponente in unserer Gesellschaft

Mitdiskutant Ralf Würfel:

Ich zitiere hier mal die entsprechende Stelle aus Merschs Aufsatz „Familienarbeit in gleichberechtigten Gesellschaften“, auf den Lena hinwies:
„Jeder Bürger müsste gemäß seiner individuellen Leistungsfähigkeit für ein Kind Unterhalt zahlen. Allerdings könnte er sich von dieser Verpflichtung durch das Aufziehen eines eigenen Kindes befreien. (...) Die Differenz zu einer bestandserhaltenden Geburtenrate könnte dann von staatlich beschäftigten Familienmanagerinnen abgedeckt werden, die in aller Regel größere Familien mit drei oder mehr Kindern gründen. Da die Familienarbeit dabei zum Fulltimejob generiert, würden solche Familienfrauen (oder auch -männer) vom Staat für die von ihnen geleistete Erziehungsarbeit - in Abhängigkeit von der Zahl ihrer Kinder - bezahlt. Allerdings benötigten sie entsprechende Qualifikationen, da sie einen Beruf mit sehr hoher Verantwortung ausüben. Auch müssten sie sich regelmäßig fortbilden. Sie gingen einer echten Erwerbsarbeit nach. Für sie würde das folgende ergänzende Familienmodell zum Einsatz kommen: Der Mann geht arbeiten und verdient Geld, die Frau zieht die Kinder auf und verdient dafür ebenfalls Geld.
Dieses Familienmodell trägt den Namen Familienmanager-Modell. Es dürfte das einzige Familienmodell sein, welches einen nennenswerten Anteil gut ausgebildeter Frauen unter der Rahmenbedingung der Gleichberechtigung der Geschlechter zur Gründung einer Mehrkindfamilie bewegen könnte. Natürlich würde auch die umgekehrte Variante (Die Frau geht arbeiten und verdient Geld, der Mann zieht die Kinder auf und verdient dafür ebenfalls Geld) funktionieren, allerdings dürften solche Konstellationen eher selten sein.“

Das Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern würde sich komplett ändern

Lena Waider auf Einwände:

Das Konzept ist das genaue Gegenteil von totalitär. Keiner muss den Beruf ergreifen, genauso wenig wie heute jemand Gerichtsmediziner werden muss. Die Menschen werden es trotzdem.
Es ist im Grunde ganz einfach: Menschen (i.d.R. Frauen), die lieber eine größere eigene Familien haben wollten als irgendwo arbeiten zu gehen, interessieren sich für den Job als Familienmanagerin (FM) und machen frühzeitig eine entsprechende Ausbildung. Quereinstiegsmöglichkeiten sollte es auch geben. (...)
Durch die Bezahlung würde sich das Machtverhältnis unter den Geschlechtern in den Familien komplett umdrehen ("solange du deine Füße unter meinen Tisch..."). Mersch rechnet schon bald mit so etwas:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mosuo
(...) Ferner glaubt er, dass sich einige (viele?) zusammenschließen und größere Einheiten (Kinderland) bilden werden: Ganze Straßen mit Wohnen, Homeschooling, Kindergärten, Mal- und Musikschulen, Bolzplätzen, Restaurants, ggf. einem angeschlossenen Altenheim, und das alles bankfinanziert, da die FMs ein sicheres Einkommen beziehen. Älteren Künstlern etc. wird es eine Ehre sein, dort zu unterrichten.
Wenn man es durchzieht, würde sich unsere Gesellschaft komplett umdrehen. Es würde im Grunde wieder der Mensch und die menschliche und kulturelle Weiterentwicklung ins Zentrum rücken und nicht so sehr die Frage, welche Eigenschaften der nächste VW Golf hat. Die Reproduktion würde mehr in den Mittelpunkt geraten.
Zum Unterhalt und den Kinderlosen: Da gäbe es keine Ausnahmen. Jeder, der kein Kind großzieht, müsste z. B. von 35 bis 60 Unterhalt zahlen, und zwar unabhängig von seiner Zeugungsfähigkeit. Damit würde auch endlich mehr Gerechtigkeit zwischen den Singles entstehen, denen mal ein Kondom geplatzt ist, und denen das noch nie passiert ist. Denn Erstere müssen schon jetzt Unterhalt für ein Kind zahlen, obwohl sie es vielleicht nie oder nur ganz selten zu Gesicht bekommen.

Hier werden so viele Wahrheiten auf einmal gesagt, Wahrheiten, die auch hier auf dem Blog schon verschiedentlich betont wurden, daß man sich wundert, daß das so lange dauert, bis die sich herumsprechen. Aber immerhin: Bis zum Blog vom Michael haben sie sich ja schon herumgesprochen. Waider:

Unter totalitär verstehe ich das:
"No woman should be authorized to stay at home to raise her children. Society should be totally different. Women should not have that choice, precisely because if there is such a choice, too many women will make that one."
Aus: Sex, Society and the Female Dilemma: A Dialog between Simone de Beauvoir and Betty Friedan, in: Saturday Review, 14.06.1975, 13, S. 16-20, 56 (...)
Unter totalitär verstehe ich, (...) wenn Frauen arbeiten gehen müssen (!), um ihre Kinder ernähren zu können, wenn Kinderlose (wie hier anzutreffen) meinen, sie hätten ein Recht darauf, dass sie sich ihre Rente von den Kindern anderer finanzieren lassen, wenn Frauen mittlerweile meinen, Kinder ließen sich nur in staatlichen Kindergärten ordentlich erziehen, wenn Menschen meinen, (...) eine ordentliche Bezahlung für die Erziehungsleistung von Müttern (die auch im Wesentlich gar nicht vom Staat, sondern von Kinderlosen käme), sei unfinanzierbar, wenn Frauen wie immer mehr nach Arbeitsplätzen rufen, obwohl sie den Mangel an Arbeitsplätzen genau mit dieser Rufe erst hervorrufen. Das ist totalitär, diese die ganze Gesellschaft durchziehende fast pathologisch zu bezeichnende alleinige Orientierung hin auf eine Erwerbstätigkeit in der Wirtschaft. (...)
Der Pförtner am Firmentor wird bezahlt, die auf die Kinder wachende Mutter auf dem Spielplatz nicht. Ein gleicher Anspruch auf Bezahlung besteht für die Mutter nicht, da sich der Anspruch des Pförtners aus dem Arbeitsvertrag ableitet, und den hat die Mutter nicht. Das ist das Problem.

Manche Dinge sind zu simpel, als daß es viele Menschen noch verstehen könnten. Sie verstehen nur "komplizierte" Dinge - und dann zumeist auch die nicht richtig, weil sie sich immer mehr in irgendwelche Kompliziertheiten hineinsteigern. Waider stattdessen:

Beim Elterngeld bestehen aber (...) noch viel größere Ungerechtigkeiten, denn nun bekommt die arbeitslose Hochschulabsolventin für das Aufziehen ihres Kindes 300 Euro, die mit dem Job aber z. B. 1.600 Euro. Und diese Unterschiede wurden von Frauen verabschiedet! (...)
Einer der Gründe für unser gesellschaftliches Problem ist: die Menschen können nicht rechnen.
Unternehmen rechnen so: Der Forscher für unsere Medikamente kostet uns 25 Jahre lang nur Geld. Viel Geld. Gewinne wirft er erst ab, wenn die Medikamente der nächsten Generation (!) auf den Markt kommen, an deren Entwicklung er beteiligt war. Das ist aber erst in 25 Jahren.
Kein Mitarbeiter bei der Herstellung der Pillen würde auf die Idee kommen zu behaupten, dass er mit seinem Job (der aktuell gewinnbringend ist) den Forscher bezahlt und der doch bitte deshalb eine eine Bezahlung verzichten solle. Alle wissen: Wir können nur deshalb Geld verdienen, weil die Forscher der vorherigen Generation so gute Medikamente entwickelt haben. Und deshalb bezahlen wir die heutigen Forscher, damit die Arbeitnehmer in 25 Jahren noch immer in diesem Unternehmen gutes Geld verdienen können.
So denken Unternehmen, so denken Mitarbeiter in Unternehmen. Die rechnen nämlich immer in 2 Generationen, und nicht in einer, wie der moderne Ichling, der kein Morgen kennt.
Wer ist der größte Steuerzahler in einem Sozialstaat? Derjenige mit dem Hochschulabschluss und dem gut bezahlten Job? Nein, es ist die Mutter mit den 4 Kindern, die vorher ggf. sogar noch etwas studiert hat, diesen Beruf dann aber nicht ausgeübt hat.
Warum? Weil man in einer Gesamtkostenrechnung auch ihren "Output" mitberücksichtigen muss, nämlich die 4 guten Steuerzahler, die sie auf den Weg gebracht hat. Die zahlen aber erst in der nächsten Generation.
So einfach sieht die Welt aus, wenn man rechnen kann.

Und (Seite 3):

Diese unsere Gesellschaft funktioniert nur deshalb einigermaßen gut, weil unsere Mütter einen guten Job gemacht haben, und zwar trotz Krieg, Hitler und Co.
Und obwohl ihnen die Männer dabei die ganze Zeit in den Ohren gehangen haben, nur das, was sie machten, sei im Grunde wichtig. Deshalb sollten sie mal schön still sein, denn nur er bringe das Geld nach Hause.
Die heutigen Frauen haben denen das schlussendlich geglaubt. Nun sind auch die meisten Frauen der Meinung, nur die Arbeit draußen in der Wirtschaft sei wichtig. Nur wer dort arbeitet und Geld verdient, der leiste etwas. Die unschätzbare Leistung von Frauen, die alles kulturell Wertvolle an ihre Kinder weitergegeben haben, zählt dagegen heute nichts mehr. Nun kann auch jede kinderlose Frau einer engagierten Mutter vorrechnen, dass sie ihr in Wirklichkeit auf der Tasche liege.
Und wir wundern uns über den modernen Ichling, wenn die großen sozialen Leistungen heute nichts mehr wert sind? Wenn die großen sozialen Leistungen nicht einmal mehr als solche erkannt werden?
Mersch hat das mir gegenüber in einem email einmal so ausgedrückt: "Mein Vater hatte ein mittelständiges Unternehmen, meine Mutter war Hausfrau und Mutter von 4 Kindern. Das, was mein Vater geschaffen hat, gibt es längst nicht mehr, das von meiner Mutter aber alles noch."
Wir haben heute ein gesellschaftliches Problem, das eine ganz andere Ursache hat, als wo alle immer hinschauen.

Oder (Seite 4):

Der Staat rechnet aus, wieviele FamilienmanagerInnen er aufgrund der aktuellen Geburtenzahlen braucht. Wenn die ohnehin schon (z. B. aufgrund der Unterhaltszahlungen bei Kinderlosigkeit) gegen 1,8 gehen, dann würde der Staat überhaupt keine FMs einstellen, denn wozu? Es werden doch auch so genügend Kinder geboren!

(Setzen wir besser statt 1,8 Kinder pro Frau/Mann 2,3. Aber dann ist es schlüssig.)

Immerhin würden die FMs nicht mehr auf den normalen Arbeitsmarkt drängen und diesen hierdurch massiv entlasten. Und sie würden Stellen schaffen für Personen mit geringeren Qualifikationen. Das ist doch auch schon mal was.

Und:

Hier 4 Beispiele:
1. Hans ist Single und kinderlos. Er hat eine gute Ausbildung und verdient 5.000 Euro Brutto im Monat.
2. Werner ist Single. Allerdings zahlt er Unterhalt für ein uneheliches Kind, welches Ergebnis eines ONS ist. Das Kind sieht er nur ganz selten, da er bei München, die Mutter aber in Flensburg lebt. Er hat eine gute Ausbildung und verdient 5.000 Euro Brutto im Monat.
3. Susanne ist Single und hat ein Kind. Sie ist Alleinerziehende. Aufgrund ihres Kindes arbeitet sie nur halbtags. Sie ist froh über die regelmäßigen Unterhaltszahlungen, die sie vom Vater erhält. Sie hat eine gute Ausbildung und verdient 1.800 Euro Brutto im Monat.
4. Josef und Maria sind verheiratet und haben 2 kleine Kinder. Ihren leitenden Job, bei dem sie viel unterwegs war, musste Maria wegen der Kinder aufgeben. Wenn sie größer sind, will sie wenigstens wieder halbtags arbeiten gehen. Josef hat eine gute Ausbildung und verdient 5.000 Euro Brutto im Monat.
Fragen:
a) Wer von den oben genannten Personen hat das meiste Geld für sich persönlich, kann also am meisten konsumierne (Auto, Urlaub etc.)?
b) Wer hat später Anspruch auf die höchste Rentenzahlung?
c) Wer bezahlt Hans später dessen Rente?

Und:

So könnte der Slogan lauten: "Hey Leute, ihr habt sicherlich auch schon mitbekommen, dass man bei den Unternehmen aktuell nicht gerade offene Türen einrennt. Ein riesengroßer Arbeitsbedarf besteht aber nachwievor bei mütterlichen Leistungen. Schon seit 40 Jahren werden bei uns nur 1,3 bis 1,4 Kinder pro Frau geboren. Das sind nicht viele und das ist nicht gut. Wir wollen das jetzt ändern. Und deshalb suchen wir Frauen und Männer, die diesen Job gerne machen möchten. Voraussetzung sind bestimmte Qualifikationen, da die Personen in der Regel für viele kleine Menschen Verantwortung tragen und vielleicht auch noch einige Kinder aus anderen Familien tagsüber betreuen werden. Wir zahlen übrigens richtig gut, da uns das alles so am Herzen liegt. Für unsere Kinder wollen nämlich nur das Beste. Also liebe Bürgerinnen und Bürger, schickt uns eure Bewerbungen zu. Wir warten auf Euch! Eure Angela"

"Alice Schwarzer eine der Hauptverantwortlichen für den Mist, den wir heute erleben."

Und was sagt Lena Waider über Alice Schwarzer auf den Einwurf einer Diskussions-Teilnehmerin:

" Am liebsten würde ich Alice Schwarzer mal zu diesem Dialog hier einladen - hej, das wäre ein Spaß! *g*"
Die würde dabei untergehen, denn die ist doch eine Hauptverantwortliche für den Mist, den wir aktuell erleben. Die hat doch diesen Sozialdarwinismus in der Familienfrage eingeführt: starke Frauen gehen arbeiten und lassen arme Kinder zurück. Die Emanzipation wurde auf dem Rücken der Schwächsten in unserer Gesellschaft ausgetragen: den Kindern. Außerdem fordere ich endlich Gleichberechtigung für Frauen. Alice Schwarzer hat genau die nicht gebracht. Sie hat Frauen gleiche Rechte gebracht, wenn sie einen männlichen Lebensentwurf anstreben. Sie hat Frauen, die gerne mehrere eigene Kinder großziehen möchten die Armut gebracht.

Waider (Seite 7):

Hinter dem Evolutionsprinzip steckt - heimlich still und leise - verborgen das Prinzip der Generationengerechtigkeit. Wenn eine Gesellschaft aus 1.000 Menschen nur 10 Nachkommen in die Welt setzt, weil sie lieber Urlaub macht, dann verletzt sie die Generationengerechtigkeit: Den Nachkommen wird es deutlich schlechter gehen. (...)
Ich bemühte mich die ganze Zeit darauf hinzuweisen, dass in dieser Gesellschaft ein systematischer Organisationsfehler besteht, und diesen Fehler kann ich durch die Aussage "dann gehen Sie doch bitte nach drüben" leider nicht beheben. Dieser Organisationsfehler sorgt für zunehmende Arbeitslosigkeit, Verarmung von Familien und Kindern etc. Ich finde das nicht schön. Solche Situationen mobilisieren mein soziales Bewusstsein, das ich mir noch ein wenig bewahrt habe. Natürlich könnte ich genauso darüber hinwegsehen und auf die wunderschöne Lebensform von irgendwelchen exotischen religiösen Lebensformen in der Ferne hinweisen, hilft aber leider nicht darüber hinweg, dass unsere Gesellschaft aktuell in einem rasanten Tempo dequalifiziert.

Irgendwann mischt sich Michael Blume in die Diskussion ein und möchte Lena Waider durch seine Forderung nach Trennung von Naturwissenschaft und gesellschaftspolitischen Forderungen "auf die Schliche" kommen. Er sagt z.B.:

Es war und ist einfach nie gut, wenn man wissenschaftliche Evolutionstheorie, quasi-religiöse Weltanschauung und politische Forderungen miteinander vermischt hat.

Dazu sagt Lena Waider:

Dem widerspreche ich. Evolution heißt fortlaufende Anpassung, oder anders ausgedrückt: Erhalt von Lebensraumkompetenzen. Auch ein Unternehmenslenker muß keinerlei weltanschauliche Begründungen für seine Investitionsentscheidungen vorlegen. Es reicht, daß er sagt: "Wir können damit unseren Marktanteil in der Zukunft erhalten und vielleicht sogar noch ausbauen." (= wir können damit unsere Marktkompetenzen erhalten).
Mehr brauche ich nicht. Auf die Gesellschaft übertragen heißt das: Generationengerechtigkeit. Oder: "Unseren Kindern soll es mal besser (nicht schlechter) gehen."
Wenn ich dieses Prinzip anerkenne, verbietet es sich sofort von selbst, alle Meere zu verseuchen. Ich muß dann mit darauf achten, daß diese Welt auch für die nächsten Generationen noch lebenswert ist. (...)
Ich habe es eigentlich jetzt schon x-mal gesagt: Für universell halte ich nur das obige Prinzip: Fortlaufende Anpassung bzw. "Erhalt von Kompetenzen". Das ist das universelle Evolutionsprinzip. Andere nennen das: Evolutionär stabile Strategie. (...)
Ein Sozialstaat muß sich entsprechend organisieren, wenn er langfristig vorhandene Kompetenzen bewahren und ausbauen möchte. (...) Nicht jede Organisationsweise ist jedoch eine evolutionär stabile Strategie (= kompetenzbewahrend).

Nach dieser Kaskade guter Diskussionsbeiträge konnte man selbst nur noch zustimmend anfügen (Seite 9):

Liebe Frau Waider,
geradezu "fassungslos" erlebe ich, wie Sie sich hier ganz und gar "bravourös" schlagen. Gegen ein Meer von Widerspruch: Einfach Klasse. Man möchte Ihnen so gern mit ähnlicher Bravour beistehen, weil man ja sieht, wie sehr Sie in allem, allem, allem recht haben (bis vielleicht auf Nebensächlichkeiten), wie sehr es eben vor allem darum gehen muß, soziale Gerechtigkeit für Familien herzustellen, wie sehr also einfach auch schlicht auf das Gerechtigkeitsprinzip abzustellen ist.
Die Soziobiologen erforschen gerade auch in Deutschland derzeit weltweit führend und mit viel Akribie "tit-for-tat"-Zusammenhänge, "cheater detection" gegen "Trittbrett-Fahren" und ähnliches, scheinen aber den großen Elefanten im Raum unserer Familien- und Sozialpolitik gänzlich zu übersehen, wenn sie mit ihren Probanden Computerspiele spielen ...
Gerade auch deshalb kann Mersch so viel Anregung für die empirische Forschung geben. (Und ebenso Sie hier mit Ihren Beiträgen.)
Würde Gerhard Mackenroth heute noch leben, der bedeutendste deutsche Bevölkerungswissenschaftler des 20. Jahrhunderts, dessen Reformvorschläge Adenauer in den Wind geschlagen hat, der Grundlagenforschung mit angewandter Forschung zu verbinden wußte - er würde Ihnen (und Peter Mersch) sicherlich in fast allem zustimmen.
Sie sollten die maßgebliche Politikberaterin für Angela Merkel werden!
In meinen Blogbeiträgen zum Thema "Warum Erziehungsgehalt"
http://studgendeutsch.blogspot.com/...ehungsgehalt
bin ich vor drei Jahren zu ähnlichen Ergebnissen gekommen wie Mersch und Sie. Sie drängen sich ja doch auf, schon wenn man nur herausbekommen will, wie gerecht heute eigentlich Kinderaufzuchtkosten zwischen Menschen mit viel und weniger Kindern in unserer Gesellschaft tatsächlich aufgeteilt sind.
Die Wissenschaft kann es nicht, da die Verteilungsprinzipien viel zu kompliziert und undurchschaubar geworden selbst, sogar für die Wissenschaft selbst - wie dann erst für den einfachen Bürger, der sich ein Urteil darüber bilden soll?
Schon der 5. Familienbericht der Bundesrepublik Deutschland unter der Federführung von Rosemarie von Schweitzer kam zu ähnlichen Ergebnissen wie Sie - ohne daß es damals breit in den Medien diskutiert worden wäre.
Die Rolle der Medien muß auch einmal evolutionspsychologisch und gruppenpsychologisch durchleuchtet werden und alle Vorgänge, die dort eine Rolle spielen bei Information und Desinformation.
Wie kann eigentlich in modernen Großgesellschaften "cheater detection" wirksam durchgesetzt werden? Soweit ich sehe, nur dadurch, daß Menschen ähnlich engagiert und intelligent die Dinge zu durchdenken lernen wie Sie, Mersch und immer mehr Menschen (etwa auch in der Familienpartei Deutschlands).

Wozu noch viel zu sagen wäre ...

Keine soziale Komponente in Darwins Theorie

Google-Suche bringt übrigens zu Tage, daß sich Lena Waider inzwischen tatsächlich als --> ernstzunehmende Wissenschaftlerin versucht. Sie schreibt (Weitergen, 15.3.10):

"Survival of the fittest heißt eben nicht das Überleben des Stärkeren, sondern das des am besten Angepassten."
Doch, leider marginalisieren Sie. Der Fehler lag nicht in einem Übersetzungsfehler, sondern in massiven Defiziten der Darwinschen Theorie, die über keine soziale Komponente verfügt. Deshalb läßt sie sich überhaupt nicht auf menschliche Sozialstaaten anwenden.
Siehe hier:
http://knol.google.com/k/lena-waider/systemische-evolutionstheorie/1gkbevzlim11a/1

Mittwoch, 3. Februar 2010

"Religiöser werden für mehr Kinder?", fragt die "Zeit"

Am 23.1. wurden in der "Zeit" kurz die Thesen von Religionswissenschaftler Michael Blume angeführt (1). Ausgangspunkt ist übrigens, daß sich der Optimismus von Michael bezüglich der neuen Familienpolitik von Ursula von der Leyen bis heute nicht bestätigt hat. Die Berechtigung für diesen Optimismus wurde von "Studium generale" schon vor zwei Jahren angezweifelt, woraufhin Michael eine Wette abschließen wollte darüber, wer Recht behalten würde (- hoffentlich erinnert er sich noch daran!). Im Grunde stand dieser Optimismus ja auch im Widerspruch zu Michaels eigenen Kernthesen. Will heißen: Mit finanzieller Förderung allein kann man die Geburtenrate um keinen Deut heben derzeit in Deutschland. Zumal wenn sie so ungenügend bleibt und so ungleich, halbherzig, knauserig verteilt wird, wie man sich das spätestens seit den Zeiten Konrad Adenauers angewöhnt hat in Deutschland.

Aber der Schlußsatz des genannten neuen "Zeit"-Artikels lautet ebenso wenig optimistisch:
Wer den Glauben an die Familienpolitik verloren hat, aber zum Glauben an Gott nicht zurückkehren will, kann auch für eine massive Einwanderung plädieren und für eine rasche Aufnahme der Türkei in die EU.
Nicht berücksichtigt wird bei den bisherigen Erörterungen, daß auch eine "Rückkehr" zum Namenschristentum wie es konfessionell gebundene Menschen heute im Durchschnitt leben, die Geburtenrate allenfalls nur um 0,1 Kinder pro Frau oder Mann erhöhen würden. Es müßte sich schon mindestens um eine Rückkehr zu einer Religiosität wie die der Freikirchen handeln, wenn man zu halbwegs bestandserhaltenden Geburtenraten zurückkehren will.

Im Widerspruch zu der "Zeit"-Stellungnahme von Seiten der Schriftstellerin Tanja Dückers (2) muß an dieser Stelle insbesondere betont werden, daß laut einer Studie von "Studium generale" (3) der Zusammenhang zwischen Religiosität und Kinderzahl auch anhand von überdurchschnittlich konfessionslosen Gruppierungen aufgezeigt werden kann, etwa anhand von Menschen, die einen "anthroposophischen Lebensstil" leben.

Beschäftigt Euch mit den Anthroposophen!

Es gibt also auch noch andere Gradmesser für solche Zusammenhänge als Gottesdienstbesuch oder Häufigkeit des regelmäßigen Betens.

Und das heißt, daß man auch auf einem solchen Weg wie dem der Anthroposophen oder auf ähnlich strukturierten Wegen "Neuer Religiosität" "religiöser werden kann für mehr Kinder". Wichtig scheint allerdings für einen solchen Weg zu sein - wiederum im Widerspruch zu Frau Dückers, für die moderne Religiosität offenbar nur als individuelle Religiosität vorstellbar ist -, daß bei solchen Wegen alle Faktoren, die zu positiver "Gemeindebildung" beitragen, berücksichtigt werden. Diese ist ja bei den Anthroposophen deutlich genug gegeben, ohne daß der Freiraum des einzelnen gar zu sehr eingeengt wäre, soweit man sieht.

Es geht also um den Faktor soziales Engagement ganz allgemein, der in einem Zusammenhang mit Religiosität steht - ebenso wie die Liebe ("belonging" in der Begrifflichkeit der amerikanischen Anthropologin Barbara King). Der Staat hat ein Interesse daran, daß über all diese Dinge sehr gründlich und intensiv nachgedacht wird. Und daß eben nicht nur über Geld nachgedacht wird.

Monotheistische Kreise lähmen dieses Nachdenken spätestens seit Konrad Adenauer stärker als daß sie es fördern würden, so "familienfreundlich" sie sich auch heute noch nach außen darstellen. Gerade auch deshalb sind die derzeitigen, kritischen, gesellschaftlichen Debatten rund um solche einflußreichen, elitären katholischen Organisationen wie den Jesuitenorden so wichtig.

Die oft sehr stark nachwirkenden, polarisierten Einstellungen innerhalb solcher Organisationen spielen innerhalb "gesellschaftlicher Eliten" eine viel größere Rolle, als nach außen hin sichtbar wird. Es sollte einmal deutlich nachgefragt werden, ob auf Seiten fanatisch überzeugter Katholiken überhaupt ein Interesse daran bestehen "kann", daß die Geburtenrate von so lauen Katholiken und Nichtkatholiken, wie sie heute in Deutschland und vielen Teilen der Nordhalbkugel leben, und wo die Menschen zudem allzu oft so papstkritisch sind, gehoben werden? Soll man denn die Hebung der Geburtenraten von ausgesprochenen "Ketzern" auch noch fördern?

Es seien hier noch einmal die abschließenden Sätze aus dem Beitrag vom 31. Januar zitiert:
Diese Lähmung gesellschaftlichen Aufbruchwillens geschieht beispielsweise auch durch ein Herabspielen der Bedeutung der modernen naturalistischen Weltsicht oder durch Mißdeutungen derselben. Denn eine naturalistische Weltsicht ist mit Monotheismus nicht mehr zu vereinbaren. Eine konsequent naturalistische Weltsicht gibt aber Anlaß, viele Dinge viel grundlegender neu zu durchdenken, als das bislang zumeist geschehen ist. Der amerikanische Anthropologe Joseph A. Tainter sprach schon im Jahr 1990 von mangelnder "Mindestproduktion von innovativem Wandel" als Ursache des "Zusammenbruchs komplexer Gesellschaften" (3).

Literatur:

1. Malte Lehming: Familienpolitik - Religiöser werden für mehr Kinder? In: Die Zeit, 23.1.2010
2. Tanja Dückers: Geburtenrate in Deutschland - Religiosität hilft nicht. In: Die Zeit, 1.2.2010
3. Bading, Ingo: Der "anthroposophische Lebensstil" als demographischer Faktor. Studium generale, 26.2.2008
4. Tainter, Joseph A.: The Collaps of Complex Societies. Cambridge University Press, 1990 (Bücher)

Sonntag, 21. Juni 2009

Karl Marx, die Ausbeutung und die Familien

Argumentiert die Partei "Die Linke" auf der Höhe unserer Zeit?
Die weltweite Krise ist das Resultat einer gigantischen Umverteilung des von vielen erarbeiteten Reichtums zugunsten weniger.

So standen die Worte in einer Zeitungsanzeige der Partei "Die Linke", mit der sie für die Europawahl zum 7. Juni 2009 für sich warb. Diese Zeitungsanzeige machte einen einmal aufs Neue auf ein Thema aufmerksam, das noch viel zu wenig in das Bewußtsein der heutigen Menschen gedrungen ist. 

Die kapitalistischen Wirtschaftsverhältnisse sind von Karl Marx als Ausbeutungs-Verhältnisse charakterisiert worden. Im Mittelpunkt seiner Analyse der kapitalistischen Wirtschafts-Verhältnisse steht seine "Mehrwert"-Theorie, über die man sich bei Wikipedia informieren kann (Wiki). Es ist nun merkwürdig, daß selbst in parteiinternen Diskussionen der Partei "Die Linke" die Analyse der heutigen kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse derzeit nicht wirklich über solche klaren und eindeutigen Sätze wie den obigen hinaus weitergeführt werden. Selbst von so vermeintlich kommunistischen und linken VordenkerInnen wie Sarah Wagenknecht (Wiki) und der "Kommunistischen Plattform" (Wiki) nicht. Soweit man das mitbekommt, können sich demgegenüber innerparteiliche Kritiker nicht durchsetzen. 

Auch die neuerliche Rede von Oskar Lafontaine (hier) drischt mehr Phrasen, als daß klare Analysen gegeben werden und daraus klare und grundlegende Schlußfolgerungen gezogen würden. Da stellt sich die Frage, ob die Kommunisten überhaupt jemals richtig verstanden haben, um was es bei der Mehrwert-Analyse von Karl Marx geht und wie sie auf die jeweilige aktuelle Situation zu übertragen ist. Nur allzu oft gewinnt man den Eindruck, daß die heutigen Wirtschafts-Theoretiker und -Analysten - aus welcher Richtung sie auch immer kommen - den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. 

Man lese dazu nur einmal damit zusammenhängende Wikipedia-Artikel wie "Arbeitswerttheorie" (Wiki) oder "Verteilungsgerechtigkeit" (Wiki).  

Wie sollen Rationalisierungsgewinne verteilt werden? 

Daber geht es letztlich um einfache Zusammenhänge. Auf diese haben wir auf "Studium generale" auch schon des öfteren hingewiesen. Die moderne Wirtschaftsentwicklung bringt aufgrund der hochgradigen Arbeitsteilung Rationalisierungsgewinne mit sich, die einen sehr großen ungeheuren Umfang haben können. Der einzelne Bürger kann sich diese Rationalisierungsgewinne zumeist gar nicht vorstellen, ihm wird auch zumeist keine Vorstellung von ihnen gegeben. 

/ Ergänzung, 22.11.2021 Die Wirtschaftswissenschaft spricht diesbezüglich von "Economies of scale" (Wiki), bzw. zu Deutsch von "Skaleneffekten" (Wiki), auf denen das "Gesetz der Massenproduktion" (Wiki) beruht. 

Daß sich die Menschen tatsächlich eklatant über die Ungleichverteilung von Vermögen täuschen, ist von dem Betrugs-Forscher Dan Ariely (Wiki) 2011 aufgezeigt worden (s. Abb. 1). /

Abb. 1: Die von US-Amerikanern als ideal angesehene Vermögensverteilung (unten), die von ihnen geschätzte Vermögensverteilung (mitte) und die tatsächliche Vermögensverteilung (oben) (n. Dan Ariely, 2011) (Quelle: Wiki)

Ein klassisches Beispiel ist der Verkauf von Computer-Software des Computer-Giganten Microsoft. Die Gewinne, die ein Bill Gates hier eingefahren hat, sind alles Rationalisierungsgewinne. Aber wer sagt denn eigentlich, wer legt fest, daß diese Milliarden Euro, die er dabei verdient werden, ausgerechnet diesem Bill Gates zustehen? Es wird hier einfach überall in der Wirtschaft ein ganz imenser Wohlstand erarbeitet. Und es gilt, überall in den Wirtschaftsprozessen nach diesen Rationalisierungsgewinnen zu fragen und zu fragen, ob diese gerecht auf jene Gesellschaft zurückverteilt werden, die sie erwirtschaftet hat.

Denn ohne intelligente und neugierige Konsumenten kann auch ein Bill Gates seine Rationalisierungsgewinne gar nicht einstreichen und anhäufen. Um die hier etwaig vorliegenden wirtschaftlichen Ausbeutungsverhältnisse zu analysieren, dazu ist ja die Mehrwert-Theorie von Karl Marx einstmals formuliert worden.*)

Adam Smith, Arbeitsteilung, Rationalisierungsgewinne 

Alle Analyse in diesen Zusammenhängen geht zurück auf den berühmten britischen Wirtschaftstheoretiker Adam Smith, der erstmals auf die Ursachen und Auswirkungen des Prinzips Arbeitsteilung im wirtschaftlichen Produktionsprozeß aufmerksam gemacht hat. Dieses Prinzip ermöglicht die Rationalisierungsgewinne, also den "Mehrwert" der Arbeit. 

Die Arbeit eines einzelnen hat um so mehr Wert, um so mehr sie rationalisiert wird. Aber der einzelne hat keinen Anteil an dieser Wertschöpfung, sondern der "Kapitalist", der die zur Rationalisierung notwendige Maschine entwickelt hat oder zur Verfügung stellt, streicht den Mehrwert ein. Es ist leicht vorauszusagen, daß es bei der egoistischen Mentalität von Menschen - zumal in Zeiten des "Kapitalismus", in Zeiten der "Unübersichtlichkeit" und in Zeiten teilanonymer Gesellschaften - dabei nicht unbedingt besonders gerecht zugehen muß. Der grundlegende Zusammenhang findet schon im zweiten Absatz des Wikipedia-Artikels zu "Mehrwert" (Wiki) /Version von 2009/:

Das Wort Mehrwert (surplus value) verwendet bereits William Thompson. Wie Engels und Kautsky gegenüber Anton Menger nachweisen, bezeichnet Thompson mit diesem Terminus den zusätzlichen Profit, den ein maschineneinsetzender Kapitalist gegenüber dem Handwerker erzielt.

Es handelt sich also um Gewinne, die auf Rationalisierung im Produktionsprozeß beruhen, also auf dem Prinzip Arbeitsteilung.

William Thompson: "Die Verteilung des Volkswohlstandes" 

Die von Marx gezogene praktische, ethische Schlußfolgerung, Nutzanwendung aus der theoretischen Analyse - die allgemeine Verteilung aller Produktionsgüter und damit die Abschaffung des Privateigentums - war sicherlich die ganz und gar falsche - wie uns ja die Geschichte bis 1989 belehrt hat. Denn dadurch wird der wichtigste Antrieb, die Eigenverantwortung für die eigene Leistung aus den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Austauschprozessen heraus genommen. 

William Thompson, auf den im obigen Zitat als eine Quelle von Karl Marx hingewiesen worden ist, schrieb 1824 "An Inquiry into the Principles of the Distribution of Wealth Most Conducive to Human Happiness". Was erfahren wir über diesen Iren Thompson?

Die gegensätzlichen Anschauungen von William Godwin und Thomas Malthus spornten Thompson an, sein eigenes Forschungsprojekt über die Rolle der Verteilungsgerechtigkeit in der Volkswirtschaft voranzubringen; es führte ihn zunächst nach London, wo er 1824 seine 'Untersuchung über die Grundlagen der fürs menschliche Glück förderlichsten Verteilung des Wohlstands' eröffentlichte. (...) In der Argumentation folgt Thompson der Arbeitswerttheorie, die Ricardo in seinen sieben Jahre vorher veröffentlichten Principles of Political Economy (Grundlagen der Politischen Ökonomie) dargelegt hatte. Allerdings charakterisiert er die Aneignung des Löwenanteils des Mehrwerts durch den Kapitalgeber der Produktionsmittel als Ausbeutung. (...) Thompsons Buch enthüllt seine eigene Entwicklung; beginnend mit der Forderung nach dem gesamten Arbeitsprodukt [für den Arbeiter] und der Steuerung der Verteilung, entwickelt er schließlich kommunistische Auffassungen, das heißt die der unbegrenzten Verteilung.

Also zunächst an einer klaren Analyse der Gesetzmäßigkeiten und Möglichkeiten von Rationalisierung und dann an der gezogenen Schlußfolgerung, nämlich der Forderung nach Enteignung von Privateigentum, scheitert die marxistische Theorie.  

Gerhard Mackenroth und die Bedeutung der Demographie für die Stabilität von arbeitsteiligen Gesellschaften 

Konkreter und passender wurde das Prinzip der Verteilungsgerechtigkeit wohl unter anderem durch den bedeutendsten deutschen Demographen des 20. Jahrhunderts, durch Gerhard Mackenroth formuliert. Er erkannte, daß die Leistungen, die zur Aufrechterhaltung einer hochgradig arbeitsteiligen Gesellschaft erbracht werden - um so stärker der Rationalisierungsgrad vorangeschritten ist, sogar um so mehr - in immer stärker wachsenden Anteilen sozialer und familiärer Art sind: Wenn Wirtschaft auf Kosten der Demographie betrieben wird, geraten Gesellschaften in Instabilität. 

Und tatsächlich hat ein "Rationalisierungsfachmann" wie Bill Gates die demographischen, wirtschaftlichen und bildungsmäßigen Grundlagen und Voraussetzungen gar nicht geschaffen, die ihm seine Rationalisierungsgewinne überhaupt ermöglichten, die ihm nämlich eine so breite, bildungs- und fortschrittswillige und -fähige Käuferschicht für seine Computerprogramme überhaupt zur Verfügung stellte. 

Diese Käuferschicht wurde erst in den Familien "produziert", bzw. "reproduziert". Und dieser Umstand ist in eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung genauso wie die Umweltkosten mit hineinzunehmen, wie schon im 5. Familienbericht der Bundesrepublik Deutschland 1994 ausgeführt worden ist. Denn Kinder aufzuziehen kostet Arbeit, Zeit und Geld wie alles andere auch in der Wirtschaft und im Arbeitsleben. Und wird das nicht in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung mit hineingenommen, bildet sich dieser Umstand in den wirtschaftlichen Austauschprozessen in keiner Weise ab.  

Eine Rangliste der sozialen Ansprüche an das Volkseinkommen 

Wie nun stellte sich Gerhard Mackenroth die Verteilung des Wohlstandes vor? Darüber schrieben wir schon vor zwei Jahren in einem Beitrag (St. gen., 1, 2) und es soll hier erneut zitiert werden. Er spricht nämlich davon, daß eine "Rangliste der sozialen Ansprüche an das Volkseinkommen" aufgestellt werden müsse. Diese Rangliste dürfe nicht "von Tag zu Tag" je nach den verfügbaren Mitteln geordnet und neu geordnet werden, sondern müsse ganz unabhängig vom täglich erwirtschafteten Volkseinkommen aufgestellt sein und bleiben. Es geht ihm also um neutrale Objektivität in der Sozialpolitik und darum, von vornherein möglichst viele, sich einschleichende Egoismen aller Art auszuschließen. Er sagt ganz unmißverständlich:

"Die Rangordnung der sozialen Ansprüche (...) hat mit der jeweiligen wirtschaftlichen Lage der betreffenden Volkswirtschaft nichts zu tun. Sie ergibt sich in einem innerlich gefestigten Gemeinwesen aus den Forderungen des sozialen Gewissens und der Einheit des ethischen Bewußtseins. Wo in einer sich desintegrierenden Gesellschaft diese Werte zerfallen, ergibt sie sich allein aus den politischen Machtpositionen der Interessengruppen, und die Gefahr aller demokratischen Gemeinwesen, in denen der Nichtbesitzende politische Macht übt, besteht darin, daß sich die zufällig an der Macht befindlichen Interessentengruppen große Beträge aus dem Staatssäckel bewilligen oder bewilligen lassen, während andere leer ausgehen, die sie dringender brauchen." (1; 2, S. 48)

Das braucht gar nicht kommentiert werden. Weitergehend erläutert Mackenroth seinen Grundgedanken folgendermaßen:

"Interessentenorganisationen sollen und müssen sein, nur muß es darüber noch eine höhere Instanz geben, die sie in ihre Grenzen und Schranken verweist und sie miteinander koordiniert und schließlich auch die zum Zuge kommen läßt, die durch Interessentenorganisationen noch nicht vertreten sind. Ich kenne noch keine Vertretung der ungeborenen Säuglinge und kann mir eine solche auch schlecht vorstellen. In Amerika hat es freilich einmal eine Organisation gegeben, der 'Veterans of future wars', aber das war ein Studentenulk und keine politische Wirklichkeit." (1; 2, S. 48f)

Dann spricht Mackenroth einen Gedanken aus, der noch heute nicht vollständig das öffentliche und politische Bewußtsein durchdrungen hat, denn auch heute noch denkt man in den Prinzipien, daß man sich durch "Sparen", Geldeinzahlen in Fonds, Versicherungen jene "Reserven" "ansparen" würde, die man dann bei Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Alter "gerechterweise" aufbrauchen könne. Ein solches Denken war - folgen wir Mackenroth - schon im Jahr 1952 völlig veraltet. Ganz besonders merkwürdig aus dieser Sicht, daß es noch heute so allseits vorherrschend ist.   

Gesellschaften haben noch niemals "Vorratswirtschaft" betrieben, die nicht aus Kindern bestand

Mackenroth:

"Nun gilt der einfache und klare Satz, daß aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden muß. Es gibt gar keine andere Quelle und hat nie eine andere Quelle gegeben, aus der Sozialaufwand fließen könnte, es gibt keine Ansammlung von Fonds, keine Übertragung von Einkommensteilen von Periode zu Periode, kein 'Sparen' im privatwirtschaftlichen Sinne -, es gibt einfach gar nichts anderes als das laufende Volkseinkommen als Quelle für den Sozialaufwnad. Das ist auch nicht eine besondere Tücke oder Ungunst unserer Zeit, die von der Hand in den Mund lebt, sondern das ist immer so gewesen und kann nie anders sein. Ich darf dabei wohl absehen von den Fällen einer vorindustriellen Naturalwirtschaft, wo man Sozialpolitik treibt durch Anlage von Getreidemagazinen u.a.." (1; 2, S. 45)
Und Mackenroth präzisiert in verschärfter Weise:
"Es gibt volkswirtschaftlich gesehen keine Möglichkeit einer Versicherung gegen irgendwelche sozialen Risiken, nicht einmal gegen die mit Sicherheit eintretenden Ereignisse wie Alter und Invalidität, ganz abgesehen von einem so allgemeinen in seiner Versicherungsfähigkeit angezweifelten Risiko wie der Arbeitslosigkeit. (...) Die volkswirtschaftliche Problematik läßt sich nicht dadurch lösen oder beiseite schieben, daß man nach den Grundsätzen eines ordentlichen Kaufmanns private Risiken versichert. (...) Das Versicherungsprinzip ist geeignet, den einzelnen zu sichern gegen die Abweichung seines Falles von der sozialen Norm, es kann aber nicht die Volkswirtschaft sichern gegen eine Änderung der sozialen Norm, gegen eine soziale Katastrophe." (1; 2, S. 45f)
"Diese Tatsache bezeichne ich hier und anderswo als das Prinzip der Einheit des Sozialbudgets: Es gibt nur eine Quelle allen Sozialaufwandes, das laufende Volkseinkommen." (1; 2, S. 47)

Natürlich beginnt sich dieser Gedanke in Zeiten der zahlenmäßig abnehmenden Nachkommenzahlen und in Zeiten, wo man absehen kann, wozu "Versicherungs-Einzahlungen" der Vergangenheit gut waren, wenn künftig keine Menschen mehr da sind, die die Rückzahlungen der Einzahlungen erwirtschaften, allmählich - langsam, langsam - durchzusetzen. Dazu ist aber auch zu sagen: 1. Es wäre wohl besser gewesen, wenn sich diese Erkenntnisse schon Jahrzehnte früher "langsam, langsam" durchgesetzt hätten. Hier haben inzwischen schon abgetretene Generationen auf Kosten der gegenwärtigen und künftigen Generationen gelebt. 2. Noch heute könnte man es für notwendig halten, daß viel zur Beschleunigung der Durchsetzung solcher Einsicht getan wird. Die heute noch geradezu revolutionären Kernteile des Mackenroth-Planes aber befinden sich dann in dem Abschnitt "Sozialpolitik und Familie". Es sollen hier noch einmal die wichtigsten Passagen gebracht werden.

"Die sozialpolitische Großaufgabe des 20. Jahrhunderts: Familienlastenausgleich"

"... Ich greife nur eine Aufgabe heraus, die uns noch bevorsteht, und die mir besonders am Herzen liegt: an Stelle einer Klasse muß heute Objekt der Sozialpolitik die Familie werden, und zwar quer durch alle Klassen und Schichten, es gibt da überhaupt keine Unterschiede mehr." (1; 2, S. 60)

Das ist lange vor 1968 gesprochen worden. Und dabei ist Mackenroth keineswegs einem veralteten Familienbild verhaftet. Er sagt zum Beispiel, man bedenke, schon im Jahr 1952:

"Wir können nicht einen widerstrebenden jugendlichen Arbeitslosen in eine ebenso widerstrebende Familie hineinzwingen und ihn damit der patria potestas" (der väterlichen [Erziehungs-]Gewalt) "ausliefern. Solche Holzhammermethoden würden mehr zerstören als erhalten. Die patriarchalische Familie ist im Abbau und kann nicht über die Sozialpolitik konserviert werden. Die Familie der industriellen Gesellschaft ist ein ganz anders konstruiertes Gebilde und in der Beziehung zwischen den Erwachsenen viel lockerer, sie gewinnt aber gerade bei dieser äußerlich gelockerten Beziehung eine eigentümliche innere Festigkeit. Dennoch bedarf sie der Stützung durch die Sozialpolitik, besonders was die Stellung der Kinder angeht, und hier beginnt die zweite Schicht der Sozialpolitik und setzt ihre aktive Aufgabe ein. In der alten bäuerlichen Wirtschaft und im Frühkapitalismus mit seiner Kinderarbeit waren Kinder von früher Jugend an Miterwerber im Rahmen des Familieneinkommens. In der bäuerlichen, besonders in der kleinbürgerlichen Wirtschaft sind sie gelegentlich heute noch willkommene Arbeitskräfte. In der Arbeiter- und Angestelltenfamilie der heutigen industriellen Gesellschaft sind Kinder - um es auf eine einfache Formel zu bringen - zu reinen Kostenelementen in der Familie geworden, nicht zuletzt durch unsere sozialpolitischen Errungenschaften, wie das Verbot der Kinderarbeit, oder auch ganz allgemein durch die höheren Anforderungen an Aufwand und Ausbildung, die wir heute für unsere Kinder stellen. Damit hat sich unsere ganze Verteilungsordnung entscheidend geändert, und zwar nicht zwischen Sozialklassen oder Einkommensschichten, sondern innerhalb jeder Sozialklasse und Einkommensschicht zwischen den familienmäßig Ungebundenen und den Familien mit keinem oder wenigen Kindern auf der einen und denen, die die volle ökonomische Last einer notwendigen Kinderaufzucht übernehmen, auf der anderen Seite. Ich weise in meiner 'Bevölkerungslehre' nach, daß darin einer der Hauptfaktoren für den Geburtenrückgang, jedenfalls für seine extremeren Ausmaße, zu suchen ist. Er ist, so gesehen, gewissermaßen eine unerwünschte Nebenwirkung der Sozialpolitik und des sozialen Fortschritts." (1; 2, S. 60f) "Hier erwächst der Sozialpolitik noch einmal eine neue Großaufgabe, die sozialpolitische Großaufgabe des 20. Jahrhunderts: Familienlastenausgleich, m.E. der einzig sozial sinnvolle Lastenausgleich, denn sein Richtmaß ist nicht vergangener Verlust, sondern eine gegenwärtige Leistung, deren Lasten ausgeglichen werden sollen: die Lasten für das Aufbringen der jungen Generation, ohne die kein Volk und keine Kultur ihre Werte erhalten und tradieren können, müssen gerecht verteilt werden, so daß das Volk nicht durch falsche Verteilung dieser Lasten seinen Bestand gefährdet." (1; 2, S. 61)

"Eine grundsätzliche Neugestaltung der Verteilungsordnung"

"Ich möchte nur keinen Zweifel daran lassen, daß es mit einer Politik der kleinen Mittel nicht getan ist - alle solche Maßnahmen würden hoffnungslos verpuffen -, sondern daß es sich hier um eine ganz große Einkommenumschichtung und eine grundsätzliche Neugestaltung der Verteilungsordnung handeln muß, wenn man damit etwas ausrichten will, eine Umschichtung nicht zwischen Einkommens- und Sozialschichten, sondern innerhalb jeder Schicht zwischen den Familien." (4, S. 62) "Das Familienprinzip auch in der laufenden Sozialpolitik muß über eine viel stärkere Berücksichtigung des Kindes und des Jugendlichen durchgesetzt werden, des noch nicht arbeitsfähigen Schulkindes und der Lehrlinge, bis zum Abschluß ihrer Ausbildung. Wir werden überhaupt früher oder später vor der Notwendigkeit stehen, unser Interesse und auch unsere Mittel in Politik und Sozialpolitik und Wirtschaftspolitik viel mehr auf unsere Jugend zu konzentrieren, wenn uns nicht der Osten darin den Rang ablaufen soll." (1; 2, S. 62)

Es gilt also zu klären: Wer trägt - auch nach all den vielen Rationalisierungen der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte in der Landwirtschaft, im gewerblichen Bereich und im Dienstleistungsbereich - wer trägt die Hauptlasten zur Aufrechterhaltung dieser unserer arbeitsteiligen Gesellschaft? Und bildet sich das sozial gerecht in der Verteilung des wirtschaftlichen Wohlstandes, in der Verteilung der Rationalisierungsgewinne ab, die zugleich auch Zuteilung von Verantwortungsbereichen darstellen?

Wie jede berufliche Position, wie jede Geldeinnahme Verantwortung mit sich bringt und deshalb dementsprechend auch bemessen ist - auch entsprechend der Art und des Ausmaßes, wie der einzelne der jeweiligen Verantwortung gerecht wird -, so bringt auch die Position von Menschen als Eltern Verantwortung mit sich. Sogar sehr große. Und diese Verantwortungspositon muß deshalb einfach gesellschaftlich die gleiche Achtung genießen wie jede andere verantwortliche Position.

Und gesellschaftliche Anerkennung und damit allzu oft auch Selbstwertgefühl wird in der heutigen Zeit vor allem durch Lohn- und Gehaltsabrechnungen zugeteilt oder entzogen. Zu solchartigen Analysen der heutigen Situation hört man von der Partei "Die Linke", die dafür wohl prädestiniert wäre (- oder wer sollte es sonst sein?), so gut wie gar nichts. Was nützen uns da hohle, abgenutzte, abgedroschene Phrasen des Klassenkampfes?

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*) Ob sie - in den Formulierungen von Karl Marx selbst - zu diesem Zweck jemals ihrer Anlage nach wirklich ausreichend fähig gewesen ist oder ob sie nicht doch eher verwirrt als klärt, das haben wir für uns noch nicht überprüft und wäre noch einmal zu klären. Das bleibe an dieser Stelle dahingestellt. Hat Karl Marx den Zusammenhang womöglich doch noch nicht klar genug gesehen und als grundlegend genug angesehen oder er hat zu mißverständlich darüber gesprochen? Jedenfalls scheinen seine Anhänger bis heute darüber nicht ausreichend klar strukturiert argumentieren zu können. Nichts anderes aber könnte notwendig sein in unseren Zeiten, wenn man einen gesellschaftlichen Konsens in diesen Fragen erreichen will. Daß sich Karl Marx der Rationalität des Prinzips Arbeitsteilung aber durchaus bewußt war, geht aus vielen seiner Ausführungen hervor. Nur mögen diese Ausführungen womöglich auch untergehen in seinen sonstigen Analysen (siehe z.B. --> hier).

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  1. Mackenroth, Gerhard: Die Reform der Sozialpolitik durch einen deutschen Sozialplan. In: Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Neue Folge Band 4, Berlin 1952, S. 39-48, 56-59. Gekürzter Wiederabdruck in: 2., S. 43-74
  2. Böttcher, Erik (Hg.): Sozialpolitik und Sozialreform. Ein einführendes Lehr- und Handbuch der Sozialpolitik. J.C.B. Mohr, Tübingen 1957
  3. Henßler, Patrick: Bevölkerungswissenschaft im Werden - Die geistigen Grundlagen der deutschen Bevölkerungssoziologie. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007
  4. Mackenroth, Gerhard: Bevölkerungslehre. Theorie, Soziologie und Statistik der Bevölkerung. Springer-Verlag, Berlin u.a. 1953

Freitag, 12. Juni 2009

Eva Herman's neuer Internet-Fernseh-Kanal ...

... und Peter Sloterdijk's neues Buch "Du mußt dein Leben ändern"

Eva Herman hat recht. Sie macht es wie Borris Becker oder der Papst und präsentiert ihre Sicht auf die Welt einfach mit einem eigenen Internet-Fernseh-Kanal. Warum sich auch abhängig machen von den "großen Medien" und von der Art, wie sie die Kommunikationsstrukturen in unserer Gesellschaft gestalten, zumeist aber eher: korrumpieren? Am 16.6.2009 soll der Internet-Fernseh-Kanal von und mit Eva Herman und zahlreichen Experten (Kinderpsychologen, Wirtschafts-Experten und anderen mehr) offiziell eröffnet werden: "Family fair - Mehr Liebe, mehr Leben". Die Seite befindet sich derzeit noch im Aufbau.

Man spürt ein wenig ein gesellschaftsveränderndes Zerren und Rütteln auf dieser Seite, schon wenn man das zum Teil freundliche, zum Teil verbitterte Gesicht von Eva Herman in den beiden bisher eingestellten Sendungen sieht. Und vor allem deshalb soll an dieser Stelle auf diese Seite verwiesen werden.

So sehen sie eben aus. Menschen, die unter den gesellschaftlichen Verhältnissen leiden, die unter speziell dieser Gesellschaft leiden ...

Peter Sloterdijk "Du mußt dein Leben ändern"

Und Leid bewegt. Leid ruft Reformen hervor. Und von wem sollten Reformen in der heutigen Gesellschaft kommen? - Etwa von Bücher wie Peter Sloterdijk "Du mußt dein Leben ändern"? Gerade hat der Autor dieser Zeilen die erste Hälfte dieses neu erschienenen Buches mit allerhand Vorerwartung gelesen. Sucht doch Sloterdijk, so heißt es in Ankündigungen, nach Alternativen zu der „lähmenden Harmlosigkeit sämtlicher gängigen Diskurse“.

Und was findet man beim vielen "Üben" des Peter Sloterdijk bei der Überwindung dieser "Harmlosigkeit"? *) "Viel Steine gab's und wenig Brot." Ständig geht es dem Sloterdijk um das Phänomen Religion, es ist das Thema dieses Buches. Und das Buch versucht ständig nur aufzuzeigen, daß es das Phänomen, von dem es seinen Ausgang nimmt - recht besehen - gar nicht gibt. Geht von solchen Büchern Reform aus? Setzt denn der Sloterdijk da an, wo die Menschen heute stehen? Nein, er setzt da an, wo Intellektuelle heute stehen. (Und zwar vorwiegend geisteswissenschaftlich orientierte.) Eigentlich muß man nichts dagegen haben. Aber einem Intellektuellen geht es doch - letztlich und zumindest seinem Anspruch nach - vor allem darum, (im geistigen Bereich) nicht trivial zu sein. (Ob im persönlichen Leben auch, bleibe einmal dahingestellt ...) Dieser Anspruch ist ja nun auch gewiß nicht der schlechteste. Die Fragen "Askese oder nicht" und "Wenn ja, wann, wo und wie?" sind gewiß keine falschen. Aber das Leben, das eigentliche Leben verliert man dabei halt doch auch leicht aus den Augen. Und Leben ist zunächst einmal ganz banaler, oft allzu "trivialer" Alltag. Tägliches Zusammenleben von Menschen.

Aber wie geht man mit Trivialität um?

Die Windeln eines Babies zu wechseln, kann mitunter - mitunter - auch sehr trivial sein. Aber wie geht man damit um - "philosophisch"? Wie ordnet man es gedanklich in den allgemeinen Zusammenhang der Dinge ein?

Und genau bei solchen Dingen setzt "Familyfair" an. Mit der "praktischen Philosophie" des Lebensalltages, die heute sehr eng mit politischer Philosophie verquickt ist, mit Medientheorie, mit Auffassungen von sozialer Gerechtigkeit, mit gesellschaftlichen Diskursen und so vielem anderen mehr. Und es ist sinnvoll, daß all diese Fragen endlich auch einmal primär aus der Sicht der Kinder und jener, die sich mit ihnen befassen, behandelt werden.
__________

*) (13.6.09) Die folgenden Ausführungen beziehen sich im Wesentlichen auf ein Querlesen der Seiten 37 bis 698 dieses Buches, das insgesamt 714 Seiten hat. Wenn man das Buch vom letzten, sehr wertvollen Kapitel her neu liest, ergeben sich vielleicht auch auf die anderen Kapitel noch neue, bessere Perspektiven (?).

Samstag, 9. Mai 2009

Teilzeit-Waisenhäuser - Erzieherinnen fehlen

Niemals sieht man in Berlin so häufig Eltern mit ihren Kindern unterwegs, als morgens auf dem Weg zur Arbeit. (Siehe Bild.) Allerwege Eltern mit ihren oft recht kleinen Kindern. Wohin wollen sie denn mit ihnen? Sie wollen sie abgeben. Sieht man sich die Parterre-Wohnungen in den Straßen an: allerorten Kinderhorte.

Auf dem Weg in den Kinderhort ...

Von "Studium generale" werden Kinderhorte und Kindergärten seit Jahren als Teilzeit-Waisenhäuser betrachtet. (Dieser Begriff fiel dem Schreiber vor einigen Tagen auf dem Weg zur Arbeit ein.) - Und das mit allem Recht. In Waisenhäusern geschieht nichts anderes als in Kinderhorten und Kindergärten - nur eben in Vollzeit (für die Kinder). Und deshalb wird die derzeitige Politik der Bundesfamilienministerin von der Leyen mit großer Skepsis betrachtet. Diese Politik legt den Schwerpunkt nicht auf die Betreuungs- und Erziehungsarbeit durch die eigenen Eltern der Kinder und deren angemessene Bezahlung wie sie schon aus Anlaß der großen Rentenreform unter Adenauer von führenden Sozialreformern und Rentenpolitikern in einem "Familienlastenausgleich" vorgeschlagen worden war (von Gerhard Mackenroth und anderen) (da hat man ja Sorge, die Eltern würden sich davon Zigaretten und sonstiges kaufen - was die Waisenhaus-Erzieherinnen natürlich nicht machen *)) - nein, ganz anders: Wer die Kinder anderer Eltern betreut, wird - einigermaßen - leistungsgerecht bezahlt für seine Arbeit (... einigermaßen!). - Aber gewiß nicht der, der "nur" seine eigenen Kinder betreut.

Eine hedonistische, falsch ideologisierte Gesellschaft

Die Folgen dieser neuen Schwerpunkt-Legung in unserer hedonistischen, falsch ideologisierten Gesellschaft sind so lächerlich, daß es kaum noch zu glauben ist. Während überall die Arbeitslosenzahlen steigen, fehlen die Erzieherinnen für Kinderhorte in den Innenbezirken von Berlin schon jetzt. (Welt) Offenbar. (Man ist sich noch nicht ganz einig ...) Es sind jene Bezirke, in denen auch die Polizei so ihre Hauptschwierigkeiten hat - nicht nur am 1. Mai. Und auch die Lehrer ("Studium generale" berichtete vor einigen Monaten über den Brandbrief Berliner Schulleiter ...).
... Der Bezirk (- hier Friedrichshain -) hatte massiv um Tagesmütter geworben, 30 Plätze konnten dadurch im letzten halben Jahr gewonnen werden. Doch nun gebe es kaum noch Frauen, die Kinder aufnehmen wollen, heißt es in dem Brief. In vielen Erdgeschosswohnungen haben sich Elterninitiativkitas gegründet, doch jetzt würden die Initiativen an fehlenden Räumen scheitern.
Ja, in den Häusern - auch in dem des Schreibers dieser Zeilen - sind Kitas nicht sehr beliebt. Der tägliche Essensgeruch, die Unruhe. Deshalb neue Schwerpunktlegung: eigene Häuser ... Groteske Texte entstehen beim derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Klima Kindern und der Erziehungsarbeit eigener Eltern gegenüber, zu dem die Kerner-Show und der Eva Herman-Rausschmiß nicht zu geringsten Anteilen mit beigetragen haben (denn seither wird das Thema kaum noch auf der Ebene und in der sachlichen Breite gesellschaftlich diskutiert, in denen es zuvor diskutiert worden war):
Karin Prida, Leiterin der Kita Spatzenhausen vom Träger Boot gGmbH, spürt die dramatische Situation fast täglich. „Immer wieder kommen junge Mütter vorbei, die verzweifelt nach einem Platz suchen“, sagt sie. Vor allem diejenigen, die erst jetzt zuziehen, hätten so gut wie keine Chance. „Es tut mir selbst weh, die berufstätigen Eltern wegschicken zu müssen, vor allem weil ich weiß, dass es in den anderen Einrichtungen kaum besser aussieht“, sagt die Kita-Leiterin.
Oh, dem Schreiber dieser Zeilen tun ganz andere Dinge weh, wenn er morgens zur Arbeit fährt. Und er weiß auch von Kita-Mitarbeiterinnen selbst, daß diese oft noch froher sind, wenn sie von Eltern erfahren, die für ihre Kinder nicht nach einem Kitaplatz suchen. (Und zwar um der Kinder selbst willen.) - ... Nein, wir brauchen eine "Gewerkschaft der Kinderlosen und Eltern", die das sozial gerechte Erziehungsgehalt einfordert und damit das zeitgemäß richtige Signal für eine neue Schwerpunktlegung in der gesellschaftlichen Entwicklung und in der Familienpolitik setzt.

[22.6.2009] Wir brauchen auch noch etwas anderes: Eltern, Menschen überhaupt mit - - - mehr Seele. Es laufen zu viele Menschen herum in der Welt, die überhaupt keine Seele mehr haben. Hat man das schon gemerkt? Man selbst ist immer wieder davon bedroht. Nämlich durch die Einflüsse der Umgebung, durch die Anpassung an die Umgebung seine eigene Seele zu verlieren. Aber: Was ist denn das eigentlich: Seele? Das fragte auch er "letzte Mensch". Und er "blinzelte" dabei. So empfand es zumindest Friedrich Nietzsche. - Vielleicht war er einer der letzten Menschen, die noch Seele hatten?

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*) Im Innenhof des Hauses des Schreibers dieser Zeilen rauchen sie wie die Schlote. Das nur auch dazu ...

Mittwoch, 15. April 2009

Familienpolitik - Stagnation oder Fortschritt?

Maria Steuer vom "Familiennetzwerk" lädt zur Tagung in Erfurt ein

Auf "Studium generale" erschienen in früheren Jahren mehr Beiträge über Familienpolitik als derzeit (Stud. gen.). Mit wenigen Mitarbeitern können nicht alle Themen zu allen Zeiten gleichmäßig bearbeitet werden.

Aber es waren wertvolle Beiträge, die auf "Studium generale" erschienen, Beiträge, die auch heute nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt haben. Es wurde über Eva Herman, Christa Müller, und über die Notwendigkeit eines Erziehungsgehalts berichtet. Es wurde über die böse Fehlentscheidung schon Konrad Adenauers berichtet, die damalige bedeutende Rentenreform nicht mit einem Familienlastenausgleich verbunden zu haben (wie es damalige führende Sozialpolitiker vorgeschlagen und gefordert hatten). Es wurde über den bedeutendsten deutschen Demographen des 20. Jahrhunderts, Gerhard Mackenroth, berichtet, von dem eben jene Forderung nach Familienlastenausgleich zum ersten mal aufgestellt worden war. Es wurde über die "Familienpartei Deutschlands" und über das "Familiennetzwerk" berichtet.

Es wurde gefragt, warum nicht die Kinderlosen und die Eltern eine gemeinsame Gewerkschaft bilden, die die Forderung nach Erziehungsgehalt endlich so wie die anderen Gewerkschaften auch durchsetzt. (Stud. gen 1, 2) Auch mit Demonstrationen und allem, was dazu gehört. (Stud. gen. 1, 2) Es wurden klar die Gründe genannt, warum Kinderlose und Eltern keine oder keine weiteren gewünschten (!) Kinder bekommen in unserer etwas arg merkwürdigen Gesellschaft. (Stud. gen.)

Wie deutlich werden könnte, sind all diese Beiträge hochaktuell. Derzeit wird ja von einflußreicheren Vereinigungen wenigsten ein Grundeinkommen für Kinder von 500 Euro monatlich bis zum 17. Lebensjahr gefordert. Das geht genau in die Richtung all jener Forderungen, wie sie auch hier auf "Studium generale" herausgearbeitet worden sind, auch im Zusammenhang mit dem Thema "Umverteilung" und "soziale Gerechtigkeit".

Schmuddel-Talkshows lenken den gesellschaftlichen Diskurs

Aber es ist schon außergewöhnlich auffällig, wie sehr das Thema Familienpolitik aus dem aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskurs in genau dem Augenblick wieder in den Hintergrund gedrängt worden ist, in dem es - mit den Veröffentlichungen von Eva Herman - einen gewissen Höhepunkt erreicht hatte. Seit Eva Herman bei Johannes B. Kerner "zur Sau" gemacht wurde (St.gen 1, 2, 3), scheint das Interesse an dem Thema unter Journalisten stark zurückgegangen zu sein. So banal und schlicht sind manchmal die Zusammenhänge in hedonistischen Gesellschaften, in denen jeder nur an sich selbst denkt ...

Das folgende Video, in dem die Vorsitzende des "Familiennetzwerkes", Maria Steuer, zu ihrer diesjährigen Tagung in Erfurt einlädt, läßt einen einmal aufs Neue auf das Thema aufmerksam werden. Erfreulich, daß sich auch Maria Steuer - wie der Papst - zur Nutzung des Mediums Video durchgerungen hat. Es handelt sich offenbar um den ersten Beitrag einer "Familien-TV" benannten Reihe:




Das Internet bietet ja viele Möglichkeiten, die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Schmuddel-Fernsehens für den gesellschaftlichen Diskurs zu untergraben. Schön, daß man jetzt beginnt, sie zu nutzen. Vielleicht findet ähnlich auch die Berichterstattung über die Tagung statt?

Christa Meves und Eva Herman

Es wird also auf dieser Tagung (siehe Familie-ist-Zukunft.de) auch Christa Meves sprechen, die sehr viele gute Familienratgeber-Bücher geschrieben hat. (s. Bücher) Ebenso Eva Herman. Außerdem natürlich Kinderpsychologen. Und außerdem die Familienministerin von Tschechien, die mit einem Preis ausgezeichnet wird, zu dem ein Staatssekretär der Regierung Thüringens die Laudatio hält.

Adenauers Versagen war ein christliches Versagen

Hier übrigens ein Video, auf dem Christa Meves und Eva Herman im letzten Jahr ebenfalls schon gemeinsam auf einer - katholischen - Tagung aufgetreten sind. Übrigens haben die Katholiken - und die Christen allgemein - nicht besonders arg viel Recht, sich heute besonders mit ihren richtigen Positionen zur Familienpolitik zu "brüsten", solange sie nicht beginnen, selbstkritisch die Adenauer-Zeit diesbezüglich aufzuarbeiten. Diese Positionen zu vertreten, dazu hätten sie nämlich schon, wenn sie damit hätten glaubwürdig sein wollen, unter Adenauer hervorragende Ausgangspositionen gehabt. Oder auch unter der Regierung Helmut Kohls.

Nicht das Christentum ist die eigentliche Motivationskraft, sich für richtige Positionen in der Familienpolitik einzusetzen. Sondern das sind säkulare Gründe. Christa Meves ist erst später in ihrem Leben betonter christlich - und schließlich sogar katholisch - geworden. Auch sie hat ihre wichtigsten Anregungen - wie Eva Herman - von der modernen Wissenschaft erhalten. Diese Abfolge sollte man nicht aus den Augen verlieren und zeigt einmal auf's Neue die Bedeutung des naturalistischen Weltbildes auf, ohne das auch konservativste Christen heute kaum noch sinnvoll würden argumentieren können.

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