Posts mit dem Label Video werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Video werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 17. April 2010

Jan Assmann über den Ursprung der Freimaurerei

Nexworld TV mit spannendem Angebot

Auf Nexworld TV kann man wieder viele wichtige, wertvolle Filme ansehen (gegen gutes Geld ...), wobei diese vermischt sind - irgendwie "typischerweise", beabsichtigterweise (?!) - mit dem allergrößten pseudowissenschaftlichen Humbug.

Aber schon im gegenwärtig kostenfrei zugänglichen "Anbeißer" ("Teaser") auf der Startseite spricht etwa der Kulturhistoriker und Ägyptologe Jan Assmann über den Ursprung der Freimaurerei folgende Worte:
So wie Ägypten die Heimstätte der wissenschaftlichen, so galt Israel als der Ursprung der religiösen Freimaurerei. Und hier wird das freimaurerische und das freidenkerische Mysterienparadigma im christlich-pietistischen Sinne umgedeutet und das Reich Gottes als eine Geheimgesellschaft verstanden, in die der Held in verschiedenen Stufen der Einweihung aufgenommen wird.
Man wusste ja noch gar nicht, dass sich Jan Assmann auch mit der Freimaurerei beschäftigt. Auf welche Ergebnisse er da wohl alles noch gekommen ist?! Mit Jan Assmann ist also auch weiterhin zu rechnen. Er hat ja auch den "Appell von Blois" gegen säkular-zivilreligiös-monotheistische Geschichtsdeutungen unterzeichnet, was ihm nicht vergessen sein soll.

Was von der ersten Sequenz des "Anbeißers" zu halten ist, ist schwer zu sagen. Die zweite (Cafe 23 - Schattenarmeen) klingt seriös. Ebenso zunächst - zumindest in dem kurzen Ausschnitt - die dritte, Thema "Weltregierung":
Es gibt sehr viele Theorien, wer die Fäden wirklich zieht im Hintergrund. Einige sagen, es sind die Jesuiten, die römisch-katholische Kirche, andere sagen, es sind die Geldmächte, die Rothschilds, andere sagen, es sind die "alten Blutlinien", diese alten Familien.
Monotheistische Weltherrschaftsansprüche

Jan Assmann
Fotograf: Rama
Das die römisch-katholische Kirche und damit auch der Jesuitenorden ihrem monotheistischen Selbstverständnis nach die Weltregierung anstreben müssen, wird kaum ein Geheimnis genannt werden brauchen. Aber was mit den letzteren "alten Blutlinien" gemeint ist, wird zunächst nicht klar. Aus der modernen Humangenetik wissen wir, dass es im ethnischen Umfeld der "Rothschilds" in der Tat manche alte, sozusagen "Blutlinien" gibt, etwa, dass sich die Männer der Priesterkaste der Kohanim im jüdischen Volk nur auffällig selten mit Nichtjuden vermischt haben. Ablesbar an ihren Genen. Also ist hier möglicherweise ein zweiter monotheistischer Weltherrschaftsanspruch angesprochen mit dem jeweiligen entsprechenden "Gotteswahn" und Ausschließlichkeitsanspruch: Kein Gott außer Gott - bla, bla, bla.

Was in der vierten Sequenz über "Atlantis" gesagt wird, ob eher Seriöses oder eher Unseriöses wird nicht gleich klar. Klingt eher nach Unseriösem.

"Gotteswahn": Kein Gott außer Gott

Die fünfte Sequenz klingt wieder seriös - möglicherweise ein Angehöriger der 9/11-Wahrheitsbewegung (?). In der sechsten Sequenz kommt das schon erwähnte Jan Assmann-Zitat. In der siebten folgt Xavier Naidoo - Geschmackssache. Achte Sequenz scheint zunächst schlicht Wissenschaftsgeschichte zu sein (?). Die neunte Sequenz ("Unsterblichkeit" und Quantenphysik) scheint offenbarer Humbug hoch 10 zu sein. Tenor: "Das Gehirn erzeugt Quantenobjekte" - was für ein Quark (nein, nicht das Elementarteilchen ist gemeint!).

Die zehnte Sequenz scheint wieder echtester, seriösester Enthüllungsjournalismus und damit beste "Cheater detection" zu sein: "Illegal - die Tricks von Polizei und Justiz". In der elften Sequenz geht es um traditionelle Heilkunst in der Tradition der Inkas. Das muss nicht von vornherein unseriös sein ... ehm, räusper ..., je nachdem.

In der zwölften Sequenz geht es um die Geschichte der Hypnose. Ob das seriös ist oder nicht, kann aus der kurzen Sequenz nicht entnommen werden. Aufklärung über Delfinjagd in Japan (13. Sequenz) ist sicherlich sehr wichtig und seriös.

Kleine statistische Auswertung der 12 Sequenzen: 6 mal Plus, 2 mal Minus, vier mal Unentschieden/Neutral.

Außerdem packt Wilhelm Dietl, ein ehemaliger BND-Agent, in einem Film von 50 Minuten Länge aus. Das wird sehenswert sein und man wird dort - wie so oft - schneller auf den Punkt kommen, als wenn man sein ganzes Buch lesen müsste. außerdem ist der Wechsel der Informationsmedien dem menschlichen Abwechslungsbedürfnis angemessen und darum auch "volkspädagogisch" wertvoll.

Also wird man da vielleicht doch mal wieder irgendwann einiges Geld investieren müssen. Um zumindest Jan Assmann in voller Länge zu sehen und zu hören - und so manche anderen auch. Mit den genannten Einschränkungen. Insbesondere also auch den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zu empfehlen. Statt jesuitischer (und Leo Kirch-mäßiger) Stefan Raab-Verdummung ein wenig mehr ... Aufklärendes.

Dienstag, 23. Juni 2009

Darwinischer Konservatismus

Ein Video über Larry Arnhart

Gänzlich neue, zuvor niemals ausgesprochene Gedanken darf man bei Larry Arnhart wohl nicht suchen. Aber überhaupt der Gedanke, Charles Darwin und die Evolutionstheorie aus politisch konservativer Richtung aus neu zu denken und weiterzudenken, ist etwas, das es sicherlich jederzeit sinnvoll sein kann, im Auge zu behalten.

Denn bekanntlich ist auch die Natur selbst zwar oft auf "Weiterentwicklung" hin orientiert aber auf der anderen Seite immer auch sehr "konservativ". Die Natur ändert nur das, was sie zur Weiterentwicklung und Neuanpassung unbedingt verändern muß, Bewährtes aber behält sie konservativ über Millionen von Jahren bei. Deshalb können auch die evolutionären Wurzeln des menschlichen Sozialverhaltens anhand der Verhaltensforschung im Tierreich erforscht werden und so vieles andere mehr.



Über Inhalte geht es in diesem Video nicht. Über diese kann man sich aber beispielsweise auf dem Wissenschaftsblog von Larry Arnhart informieren (hier).

Dienstag, 26. Mai 2009

Robin Dunbar und "theory of mind"

Man kann den britischen Anthropologen und Soziobiologen Robin Dunbar sehr verehren (oder sagen wir: bewundern). Das wird ja auch deutlich aus so manchen bedeutungsvolleren Beiträgen hier auf dem Blog.

Hier das Video eines Vortrages von ihm - das erste, das offenbar im Netz von ihm zugänglich wird (--->siehe hier, bzw. hier). Thema: "Was macht uns Menschen zu Menschen?"



Grob kann man sagen, daß Dunbar hier die neuesten Forschungen zur "theory of mind" in Beziehung setzt zu seinen bisherigen Forschungen zur "social brain"-Hypothese, also der These, daß das menschliche Gehirn mit der Gruppengröße evoluiert ist und zur Lösung von Problemen im Zusammenleben von immer komplexeren Gruppen.

Insbesondere ab der 20. Minute des Vortrages werden lauter Dinge erörtert, die für den Autor dieser Zeilen noch weitgehend neu sind. An Literatur-Angaben kann man von den Folien aufschnappen und muß man noch weiterverfolgen: Stiller & Dunbar 2007; Dunbar & Shultz in press; Hill & Dunbar 2003; Birch 2007.

Hier ist man dicht an der vordersten Front der Forschung dran. Das Video muß man sich mehrmals ansehen, anhören, wenn man alles verstanden haben will. "Theory of mind" (ToM) heißt (siehe Wikipedia), daß man den psychischen Zustand eines anderen Menschen versteht oder mißversteht (also eine falsche "Theorie" darüber hat).

Kinder müssen es erst nach und nach lernen, die Möglichkeit in Rechnung zu stellen, daß man selbst oder andere falsche Theorien über den psychischen Zustand anderer Menschen oder über Sachverhalte in der Welt haben kann. Einerseits wäre das Leben sehr schön, andererseits aber vielleicht auch totlangweilig, wenn es diese Möglichkeit des Irrtums nicht gäbe.

Ein sehr spannendes Thema, nämlich daß menschliche Intelligenz mit menschlicher Gruppengröße und mit menschlicher Irrtumsfähigkeit zugleich evoluiert ist. Philosophisch, ja, politikwissenschaftlich voller Implikationen. Aber noch einmal so spannend, weil es Dunbar eben in Beziehung setzt zur Komplexität von menschlichen Sozialbeziehungen auf verschiedenen Ebenen und zum Schaffen menschlicher Kunstwerke (Dichtung, Theater, Religiosität, Wissenschaft), die zugleich als Werkzeuge dienen, gegenseitiges Vertrauen und Verständnis unter Menschen in Gruppen zu vergrößern oder zu verringern.

Wenn ich glaube, daß Peter Anna falsch versteht, wenn er denkt, Anna hätte was mit Luis, obwohl Luis gar keine Ahnung davon hat, daß Peter solche offenbar falschen Vermutungen hegt, dann glaubt Inge wieder etwas ganz anderes über Anna, Peter und Luis und wir bewegen uns im tief miteinander verflochten Bereich sowohl sozialer Beziehungen, von Gruppenleben und Vertrauensbildung innerhalb der Gruppe, als auch im Bereich von Theorien "of mind", nämlich der dritten und vierten Ordnung. - Und weder Peter, noch Anna, noch Luis, noch Inge müssen recht haben mit dem, was sie über andere - und über sich selbst - denken.

Und da sind dann dem Menschen auch psychische Grenzen gesetzt, wie Dunbar erläutert. Und diese Grenzen strukturieren dann auch die Fähigkeiten des Menschen zum Zusammenleben in Gruppen wie Dunbar zu vermuten scheint. Wissenschaft selbst ist: "theory of mind". Und deshalb - oft - so schwer. Und anspruchsvoll. Und herausfordernd.

Samstag, 9. Mai 2009

Manfred Spitzer ...

Manfred Spitzer "Vorsicht Bildschirm" sollte man sich ruhig einmal anschauen (Yt.) (gefunden in den Kommentaren bei Geograffitico). Unter dem gleichen Titel ist von ihm ja auch ein Buch erschienen. Aber man kann dieses Video zunächst als eindrucksvoller erachten. Spitzer sagt hier viel, was man sicher noch nicht weiß.

Er sagt auch etwas über Synapsen und Lernen im Gehirn, was - zufälligerweise - gut paßt zu dem jüngsten Beitrag auf "St. gen. - Research Blogging": Synapsen werden stärker (dicker), wenn man etwas lernt. Weil sie dann mehr benutzt werden. ...

Eineinhalb Stunden ist das Video, bzw. der Vortrag lang - und man kann es gar nicht abstellen. Es bleibt dauernd spannend. Jetzt (14. Minute) erzählt Spitzer, wie kleine Kinder laufen lernen: "von Fall zu Fall". - Jetzt redet er über das Erlernen der Sprache durch Kinder.

In der 22. Minute redet er über Pisa-Ergebnisse in Japan und USA. - Nicht ganz richtig interpretiert. Man könnte vermuten, daß japanische Kinder biologisch viel schneller reifen und deshalb Schulkinder gleichen Alters zwischen so verschiedenen Kulturen, Ethnien nicht vergleichbar sind. Außerdem sind dabei die angeborenen IQ-Unterschiede noch nicht berücksichtigt. - Sonst aber ebenso spannend wie das übrige.

29. Minute: Gehirnwachstum bei Säuglingen und Kindern. Das Wesentliche ist: Die Nervenzellen werden mit Fett ummantelt. 47. Minute: "Für Babies produzierte Fernsehprogramme, die gehören sofort wieder verboten." Und später sagt er das gleiche zu Gewalt auf dem Bildschirm.

Freitag, 1. Mai 2009

"Hey, yeah - bumm, bumm, bumm ..."

Papageien tanzen nach Rhythmus
Es fällt schwer, dem Thema auszuweichen. Papageien, zum Beispiel Gelbhaubenkakadu's, sind in ihren Nachahmungsfähigkeiten offenbar so gut, daß sie das menschliche Tanzen nach Rhythmus nachahmen können. Zwei Studien in "Current Biology" (1,2) haben sich damit befaßt und damit Youtube-Berichte (s.u.) wissenschaftlich bestätigt, wie "Spektrumdirekt" gestern berichtete. (siehe auch: WDR)



Hm!



Ob sie auch Wiener Walzer könnten, wenn man es ihnen vormachen würde? Oder bevorzugen Papageien den harten "Beat"? Und: Wer ist denn nun eigentlich mehr Papagei - der Papagei oder der Discogänger ...?

________________
Literatur:

[1] Schachner, A et al.: Spontaneuous Motor Entrainment to Music in Multiple Vocal Mimicking Species. In: Current Biology 19, 10.1016/j.cub.2009.03.061, 2009.
[2] Patel, A. et al.: Experimental Evidence for Synchronisation to a Musical Beat in a Nonhuman Animal. In: Current Biology 19, 10.1016/j.cub.2009.03.038, 2009.

Dienstag, 28. April 2009

Gregory Cochran und Yake Young im Interview mit Razib Khan

Im September 2008 hatten wir schon einmal auf ein Video-Gespräch zwischen dem Wissenschafts-Journalisten John Horgan und dem Anthropologen Brian Ferguson auf der Seite "bloggingheads.tv" hingewiesen. (Stud. gen.) Nicht nur inhaltlich können solche Video-Gespräche spannend sein. Durch sie bekommt man auch - und vielleicht erstmals - einen recht persönlichen Eindruck von Wissenschaftlern und Autoren, von denen man zuvor - möglicherweise jahrelang - nur in schriftlicher Form erfuhr. Es ist, als ob man mit ihnen zusammen in der Mensa oder Cafeteria sitzen würde.

Bei Bloggingsheads.tv sind zwischenzeitlich in fast täglicher Folge unzählige weitere Gespräche veröffentlicht worden. Offenbar wird diese Seite auch von der "Templeton Foundation" unterstützt, einer christlichen Wissenschafts-Stiftung, ohne daß atheistische Wissenschaftsjournalisten wie John Horgan (oder Razib Khan) ihre Zusammenarbeit eingestellt hätten. (John Horgan hatte die Frage, wie man mit der Templeton Foundation umgehen sollte als Journalist, auf "The Edge" schon einmal zur Diskussion gestellt.)

Auf zwei Gespräche, nämlich auf diejenigen, die der Humangenetiker Razib Khan vom Wissenschaftsblog "Gene Expression" dort führte, soll im folgenden hingewiesen werden. Im Januar dieses Jahres sprach Razib Khan mit Humangenetiker Gregory Cochran über das von ihm zusammen mit Humangenetiker Henry Harpending herausgegebene Buch "The 10.000 Year Explosion".




Es geht in dem Gespräch um effektive Bevölkerungsgrößen, also um die Tatsache, daß es Familien mit vielen Kindern und Enkelkindern gibt, die erheblich mehr zum Genbestand künftiger Populationen beitragen als Familien mit wenigen oder gar keinen Enkelkindern. (Gregory Cochran wird als vermutlich erster Gesprächsteilnehmer auf Bloggingheads vorgestellt, der fünf Kinder hat.)

Genetische Evolution beim Menschen seit 10.000 Jahren

Cochran erwähnt z.B. (in 22:20 Min.) die Tatsache, daß es acht mal mehr (erblich) Farbblinde unter Menschen in bäuerlichen und industriellen Gesellschaften gibt als in Jäger-Sammler-Gesellschaften. Und das ist für ihn ein Zeichen unter vielen dafür, daß auch in modernen Gesellschaften noch genetische Selektion stattfindet. Es wird auch über Veränderungen der Schädelmorphologie seit dem Mittelalter gesprochen. Dabei wird die Grazilisierungs-These der Mainzer Anthropologin Ilse Schwidetzky nicht erwähnt. Aber solche und viele andere Gesprächsinhalte machen deutlich, daß ein Studium dieses Buches von Cochran und Harpending trotz seines sicherlich in weiten Teilen noch recht spekulativen Charakters viele weitere spannende Anregungen bereit hält.

Man sollte in das Video-Interview auf jeden Fall einmal hineingesehen und hineingehört haben und sich von ihm anregen lassen.

Was heißt es, wenn ein Körper- oder Verhaltensmerkmal erblich ist?

In dem Interview des Humangenetikers Razib Khan mit Humangenetiker Yake Young, einem weiteren humangenetischen Wissenschaftsblogger auf Scienceblogs.com, wird unter anderem über die Erblichkeit von Übergewichtigkeit gesprochen. Razib erklärt, daß 70 % Erblichkeit des Phänotyps Übergewichtigkeit heißt, daß 70 % der Unterschiedlichkeiten im Phänotyp einer Population durch genetische Faktoren erklärt werden kann. Das heißt aber nicht, daß bei gleichbleibenden Genfrequenzen in einer Population nicht dennoch sich über die Jahrzehnte (genauso wie beim IQ) der Phänotyp dramatisch ändern kann. Auch ein Merkmal, das zu 100 % erblich wäre in seiner Variabilität könnte eben dennoch auf Umweltunterschiede (andere Ernährung, andere geistige Anregungen und dgl.) reagieren und würde sich nicht immer gleich ausprägen.

Yake Young macht dann (ab 7:13 Min.) anhand der erblichen Neigung zu Depression (aufgrund von Serotonin-Transporter-Genen) noch auf weitere Zusammenhänge aufmerksam. Die Neigung zu Depression ist nur bei jenen erhöht, die in ihrer Kindheit schlechte (traumatische) Erfahrungen gemacht haben. Bei jenen, die diese erbliche Variante nicht haben, ist die Neigung zu Depression auch bei schlechten Erfahrungen in der Kindheit nicht erhöht.

Mittwoch, 15. April 2009

Familienpolitik - Stagnation oder Fortschritt?

Maria Steuer vom "Familiennetzwerk" lädt zur Tagung in Erfurt ein

Auf "Studium generale" erschienen in früheren Jahren mehr Beiträge über Familienpolitik als derzeit (Stud. gen.). Mit wenigen Mitarbeitern können nicht alle Themen zu allen Zeiten gleichmäßig bearbeitet werden.

Aber es waren wertvolle Beiträge, die auf "Studium generale" erschienen, Beiträge, die auch heute nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt haben. Es wurde über Eva Herman, Christa Müller, und über die Notwendigkeit eines Erziehungsgehalts berichtet. Es wurde über die böse Fehlentscheidung schon Konrad Adenauers berichtet, die damalige bedeutende Rentenreform nicht mit einem Familienlastenausgleich verbunden zu haben (wie es damalige führende Sozialpolitiker vorgeschlagen und gefordert hatten). Es wurde über den bedeutendsten deutschen Demographen des 20. Jahrhunderts, Gerhard Mackenroth, berichtet, von dem eben jene Forderung nach Familienlastenausgleich zum ersten mal aufgestellt worden war. Es wurde über die "Familienpartei Deutschlands" und über das "Familiennetzwerk" berichtet.

Es wurde gefragt, warum nicht die Kinderlosen und die Eltern eine gemeinsame Gewerkschaft bilden, die die Forderung nach Erziehungsgehalt endlich so wie die anderen Gewerkschaften auch durchsetzt. (Stud. gen 1, 2) Auch mit Demonstrationen und allem, was dazu gehört. (Stud. gen. 1, 2) Es wurden klar die Gründe genannt, warum Kinderlose und Eltern keine oder keine weiteren gewünschten (!) Kinder bekommen in unserer etwas arg merkwürdigen Gesellschaft. (Stud. gen.)

Wie deutlich werden könnte, sind all diese Beiträge hochaktuell. Derzeit wird ja von einflußreicheren Vereinigungen wenigsten ein Grundeinkommen für Kinder von 500 Euro monatlich bis zum 17. Lebensjahr gefordert. Das geht genau in die Richtung all jener Forderungen, wie sie auch hier auf "Studium generale" herausgearbeitet worden sind, auch im Zusammenhang mit dem Thema "Umverteilung" und "soziale Gerechtigkeit".

Schmuddel-Talkshows lenken den gesellschaftlichen Diskurs

Aber es ist schon außergewöhnlich auffällig, wie sehr das Thema Familienpolitik aus dem aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskurs in genau dem Augenblick wieder in den Hintergrund gedrängt worden ist, in dem es - mit den Veröffentlichungen von Eva Herman - einen gewissen Höhepunkt erreicht hatte. Seit Eva Herman bei Johannes B. Kerner "zur Sau" gemacht wurde (St.gen 1, 2, 3), scheint das Interesse an dem Thema unter Journalisten stark zurückgegangen zu sein. So banal und schlicht sind manchmal die Zusammenhänge in hedonistischen Gesellschaften, in denen jeder nur an sich selbst denkt ...

Das folgende Video, in dem die Vorsitzende des "Familiennetzwerkes", Maria Steuer, zu ihrer diesjährigen Tagung in Erfurt einlädt, läßt einen einmal aufs Neue auf das Thema aufmerksam werden. Erfreulich, daß sich auch Maria Steuer - wie der Papst - zur Nutzung des Mediums Video durchgerungen hat. Es handelt sich offenbar um den ersten Beitrag einer "Familien-TV" benannten Reihe:




Das Internet bietet ja viele Möglichkeiten, die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Schmuddel-Fernsehens für den gesellschaftlichen Diskurs zu untergraben. Schön, daß man jetzt beginnt, sie zu nutzen. Vielleicht findet ähnlich auch die Berichterstattung über die Tagung statt?

Christa Meves und Eva Herman

Es wird also auf dieser Tagung (siehe Familie-ist-Zukunft.de) auch Christa Meves sprechen, die sehr viele gute Familienratgeber-Bücher geschrieben hat. (s. Bücher) Ebenso Eva Herman. Außerdem natürlich Kinderpsychologen. Und außerdem die Familienministerin von Tschechien, die mit einem Preis ausgezeichnet wird, zu dem ein Staatssekretär der Regierung Thüringens die Laudatio hält.

Adenauers Versagen war ein christliches Versagen

Hier übrigens ein Video, auf dem Christa Meves und Eva Herman im letzten Jahr ebenfalls schon gemeinsam auf einer - katholischen - Tagung aufgetreten sind. Übrigens haben die Katholiken - und die Christen allgemein - nicht besonders arg viel Recht, sich heute besonders mit ihren richtigen Positionen zur Familienpolitik zu "brüsten", solange sie nicht beginnen, selbstkritisch die Adenauer-Zeit diesbezüglich aufzuarbeiten. Diese Positionen zu vertreten, dazu hätten sie nämlich schon, wenn sie damit hätten glaubwürdig sein wollen, unter Adenauer hervorragende Ausgangspositionen gehabt. Oder auch unter der Regierung Helmut Kohls.

Nicht das Christentum ist die eigentliche Motivationskraft, sich für richtige Positionen in der Familienpolitik einzusetzen. Sondern das sind säkulare Gründe. Christa Meves ist erst später in ihrem Leben betonter christlich - und schließlich sogar katholisch - geworden. Auch sie hat ihre wichtigsten Anregungen - wie Eva Herman - von der modernen Wissenschaft erhalten. Diese Abfolge sollte man nicht aus den Augen verlieren und zeigt einmal auf's Neue die Bedeutung des naturalistischen Weltbildes auf, ohne das auch konservativste Christen heute kaum noch sinnvoll würden argumentieren können.

Sonntag, 12. April 2009

Dian Fossey (1932 - 1985) - Unveröffentlichte Filmaufnahmen

Erster Beitrag zum Jahr des Gorillas 2009

Der Film "Gorillas im Nebel" ist eine Verfilmung des gleichnamigen Buches der berühmten, im Jahr 1985 ermordeten Erforscherin der Berggorillas, Dian Fossey (1932 - 1985), das heißt, er ist eine Verfilmung ihres Lebens als Verhaltensforscherin und als Naturschützer in den Virunga-Vulkanbergen von Ruanda. Das Schicksal von Dian Fossey und der von ihr erforschten Berggorilla's hat die interessierte Weltöffentlichkeit ungeheuer bewegt - vielleicht auch ein wenig aufgerüttelt.

Man muß an der Art der Verfilmung im Spielfilm nicht alles besonders gut finden. Vor allem: Verfilmung heißt nicht Original-Aufnahmen von Dian Fossey. Diese hat man - zumal über dieser spielfilmartigen Aufarbeitung - allzu lange vermißt. Ein 45-minütiger Dokumentar-Film von "National Geographic"enthält sehr umfangreich bisher unveröffentlichte Original-Aufnahmen von Dian Fossey, Aufnahmen des Naturfotographen Bob Campbell.

Sie sind ein unwahrscheinlich sprechendes und anrührendes Dokument, ebenso die dabei gebrachten Erinnerungen Bob Cambpell's. (Zum vollständigen Herunterladen aus dem Netz muß man - auch mit Breitband - mit ein bis zwei Stunden rechnen.)

Auch wertvolle, kürzere Original-Aufnahmen von Dian Fossey gibt es im Netz.

Sonntag, 22. Februar 2009

Mensch und Evolution auf "3Sat"

Die Wissenschafts-Sendungen auf 3Sat gewähren so manchen sachlichen Einblick in gegenwärtige Entwicklungen in der Wissenschaft und geben einen persönlichen Eindruck von den beteiligten Wissenschaftlern.

Der Kasseler Biologe Ulrich Kutschera erklärt Evolutions-Kritikern die Evolution. (16.1.09) ---> 3sat. Die Zürcher Verhaltensbiologin und Soziobiologin Barbara Koenig zeigt auf, daß Mäusemütter, die miteinander kooperieren, weniger unter Streß leiden. ---> 3sat. Der Züricher Primatologe Carel van Schaik glaubt, daß kooperative Jungenaufzucht bei Primaten den entscheidenen Antrieb zur Evolution des menschlichen Großhirns darstellte. Ähnlichkeiten zu den Social Brain-Hypothesen von Robin Dunbar sind unübersehbar. Doch scheint Dunbar verallgemeinerungsfähiger zu argumentieren. (13.1.09) ---> 3sat.

Der Freiburger Neurologe Joachim Bauer zeigt, daß die Genome von Organismen nicht nur passiv Mutationen hinnehmen, sondern daß die Wechselwirkung der Genome mit allen Teilen des sie bergenden Organismus (mit dem Ablese-Apparat, mit den wirkenden Proteinen) und mit der Umwelt des Organismus viel komplexer sind als traditionell vom Neodarwinismus angenommen worden war. (12.2.09) ---> 3sat.

Der Bochumer Psychiater Martin Brüne referiert neue Forschungen und Annahmen aus der Evolutionären Medizin, wonach es Psychosen erst geben kann, seit es auch Menschen gibt, weil bestimmte kognitive Fähigkeiten vorhanden sein müssen, um überhaupt psychotische Symptome entwickeln zu können: "Ohne die Evolution der Sprache kann man keine Stimmen hören. Wahngedanken sind nur möglich, wenn man sich in andere Personen hineinversetzen kann. Letzteres haben Affen, einschließlich der Menschenaffen, doch offensichtlich nur sehr rudimentär." Auch Schizophrenie ist auf dieser Linie des Denkens eine Nebenwirkung der menschlichen Kreativität. (12.2.09) ---> 3sat.

Dienstag, 10. Februar 2009

Wilde Eisbären, die mit Hunden spielen ...

... gefunden ebenfalls über "Gedankenstücke" von Bastian Greshake: "Polar Bears and Dogs playing".


Wenn man es recht versteht, handelt es sich um wilde Eisbären - was man schon für hochgradig erstaunlich halten kann. Denn: Der Wolf ist doch der natürliche Feind der Bären. Woher wissen diese, daß diese Hunde ihnen ungefährlich sind - und umgekehrt? Offenbar kann Intelligenz auch der Vertrauensbildung dienen.

Singen, gefördert durch Microsoft

Gefunden über die "Gedankenstücke" von Bastian Greshake: "Songsmith" wird die Singkultur in Deutschland und der Welt fördern, wie zumindest die Firma Microsoft erwartet, die dieses neue Programm entwickelt hat. - Naja, warum eigentlich nicht?

Oh yeah!

Das Wunder "1.000-Dollar-Genom"

Das vielerseits angekündigte und diskutierte "1.000-Dollar-Genom", also die vollständige Sequenzierung des Genoms eines Menschen für nur etwa tausend Euro, das sicherlich dann von den Krankenkassen finanziert wird, und das eine Revolutionierung unseres Wissens von uns selbst bringen wird und eine Revolutionierung unseres Umgangs mit uns selbst und unseren Mitmenschen (siehe frühere Beiträge) - wie wird es rein technisch eigentlich in näherer Zukunft erreicht werden?

Dieses Video, gefunden über "WeissbierundWissenschaft", gibt einem zumindest einen ersten Eindruck. Irgendwie verrückt. Wenn man es recht versteht, werden synchron viele Tausende, wenn nicht Millionen von DNS-Sequenzen gleichzeitig sequenziert und "buchstabengetreu" abgelesen durch die offenbar ziemlich gewitzte Kombination biochemischer, chemischer und technischer Prozeduren.

Aber was gibt es da weiter zu erzählen. Sehen Sie doch einfach selbst.

Sonntag, 8. Februar 2009

Taucher-Legende Hans Hass 90 Jahre alt

"Meine Damen und Herren, es gibt viel schöne und geheimnisvolle Länder auf der Welt. Aber das schönste und geheimnisvollste ist das Meer!"

Mit welcher Begeisterung man 1953 noch Filme ankündigen konnte ... (1).

Ob es so etwas heute noch gibt?

Die Taucherlegende Hans Hass (1919-2013) (Wiki). Von ihm hatte der Verhaltensforscher I. Eibl-Eibesfeldt die Idee, mit einer Kamera "um die Ecke" zu filmen, damit sich die gefilmten Menschen nicht so beobachtet fühlen und ihr Verhalten so ungezwungener dokumentiert werden könnte.

Das Internet und die Nachrichten sind voll mit ihm (Abendblatt). Deshalb sei hier bis auf weitere Ausführungen verzichtet.

Man findet schöne Filmausschnitte von ihm im Netz. Etwa: "Taucherlegenden Hans Hass auf der Boot 2009". 



Was drehte man aber "früher" auch für schöne Filme!

Und hier noch ein längerer Film (2).

Ergänzung 27.2.2021: Inzwischen ist noch eine Verfilmung und eine Dokumentation zum Leben von Hans Hass im Internet zugänglich geworden (3), aus denen die Bedeutung seines Lebens noch klarer hervorgeht. 

___________

Donnerstag, 25. September 2008

Denker und Autoren, die unser Weltbild verändern

Das Internet ist voller Schrott. Deshalb kann es durchaus auch einmal sinnvoll sein zusammenzustellen, was man ab und an - bspw. - an guten Video's findet.

Hier zunächst ein langes, ausführliches Interview mit einem der wichtigsten Gründerväter der Soziobiologie, mit Edward O. Wilson, aus dem Jahr 2006.

Sodann hier ein Interview mit dem bedeutenden britischen Theoretischen Biologen John Maynard-Smith, Gründervater der Soziobiologie, gutem Freund von William D. Hamilton und Richard Dawkins, aus dem Jahr 2001.

In beiden Interview's ist auch von religiösen Grundfragen die Rede und von Motivationen, die in der wissenschaftlichen Arbeit leitend waren oder sind.

In den beiden folgenden Video's kann man sich einen persönlichen Eindruck von dem britischen Buchautor Marek Kohn verschaffen, der sich in dem geistigen Umfeld der beiden vorigen Denker bewegt hat und bewegt. Sein Buch "A Reason for Everything" (2004) über die Geschichte des britischen, biologischen Denkens im 20. Jahrhundert, insbesondere des soziobiologischen Denkens, ist sehr lesenswert. Kohn stand in persönlichem Austausch mit John Maynard-Smith, was sich in diesem Buch widerspiegelt.

Blinkx Video: Marek Kohn | A Reason For Everything

Und dementsprechend wird auch in seinem neuen Buch "
Trust - Self-Interest and the Common Good" (2008) ("Vertrauen - Eigeninteresse und das Gemeinwohl"), über das er in dem nächsten Video leider nur sehr oberflächlich spricht, manches Lehrreiche enthalten sein, vielleicht auch zu Themen wie Gruppenselektion und ähnliches. Manche Übereinstimmungen mit Überlegungen auf "Studium generale" werden ja schon im Buchtitel selbst greifbar.

Ein weiteres Video macht bekannt mit dem Physiker Alan Sokal, dem Autor von "Eleganter Unsinn" und dem subversiven Inszenierer der berühmten "Sokal-Affäre".

Und ein weiteres mit dem britischen Physikochemiker Peter Atkins, von dem das lesenswerte, kleine, auch ins Deutsche übersetzte Buch "Schöpfung ohne Schöpfer" stammt, der aber besonders bedeutend ist durch seine voluminösen Lehrbücher.

Blinkx Video: Peter Atkins | Atkins' Physical Chemistry

Posted using
ShareThis

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Follower

Social Bookmarking

Bookmark and Share