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Dienstag, 25. Oktober 2016

Bolschewisierung Osteuropas - Ernst Jünger wusste schon 1939 um dieses freimaurerische Kriegsziel

Der Roman "Auf den Marmorklippen" munkelt im Jahr 1939 viel über die Kriegsziel-Planung der westlichen Alliierten und - natürlich - der 1939 weiter bestehenden deutschen Freimaurerei (etwa im Umfeld des Admirals Canaris und seiner Leute)

Wie ich in meiner Magisterarbeit (3) dargelegt habe, hat es Planungen zur Bolschewisierung Osteuropas und zur Zweiteilung Europas und Deutschlands entlang der Elbe unter Vertreibung der Deutschen östlich der Oder etwa seit 1937 in den USA (William Bullitt) und in Großbritannien gegeben. Dass 1939 auch Ernst Jünger (1895-1998) und wohl auch sein Bruder Friedrich Georg Jünger (1898-1977) in diese Pläne eingeweiht waren, zeigt allzu deutlich sein Roman "Auf den Marmorklippen". Nachdem Alexander Benesch auf den Autor Guido Giacomo Preparata und sein Buch "Wer Hitler mächtig machte", hingewiesen hat (1, 2), fällt uns in diesem Buch unter anderem die darin enthaltene Deutung des Romanes "Auf den Marmorklippen" von Ernst Jünger auf. Sie gibt erste Anhaltspunkte dazu, wie eigentlich sein Roman "Auf den Marmorklippen" zu lesen ist. Hat man diese ersten Anhaltspunkte erst einmal zur Kenntnis genommen, ist die vollständige Entschlüsselung dieses Romans nicht mehr schwer. Ob der US-Italiener Guido Giacomo Preparata (geb. 1968) (Wiki) der erste war, der mit einer solchen Deutung begonnen hat, ist nicht ganz klar. Er bewegt sich jedenfalls im akademischen Bereich, vergleichbar in etwa mit dem Schweizer Daniele Ganser (geb. 1972) (Wiki). Über Preparata heißt es etwa auf Wikipedia:

Seine Hypothesen ähneln stellenweise dem Denken von Antony C. Sutton und Carroll Quigley. Ernst Jüngers „Auf den Marmorklippen“ deutet er nicht als Werk versteckten Widerstandes, sondern im Gegenteil als Allegorie auf den kommenden Krieg gegen Josef Stalin und das bolschewistische Russland.
Abb: Jevgenij Kulikov (Bildhauer): Ernst Jünger, 1994
Fotograf: Hoibo [CC BY-SA 4.0]
über Wikimedia Commons

Nun, fast richtig, aber nicht ganz richtig. Denn in dem von Freimaurern und Katholisch-Gesinnten durchsetzten deutschen Widerstand standen keineswegs alle Beteiligten für das "Gegenteil", sondern einflussreiche Kräfte um Wilhelm Canaris, Reinhard Gehlen, Alexis von Roenne - vermutlich auch Martin Bormann - arbeiteten offensichtlich ebenfalls auf diese Bolschewisierung Osteuropas hin.

Jedenfalls gehört in diesen Zusammenhang auch, dass Jünger die Niederschrift des Romans am 28. Juli 1939 beendete (s. Helmut Kiesel). Zwei Tage zuvor, am 26. Juli, hatte der deutsche Legationsrat Karl Schnurre dem sowjetischen Botschaftsrat Astachow die deutsche Bereitschaft zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt gegeben (Wiki). Jüngers Buch erschien dann nach Kriegsausbruch im Spätherbst 1939, als sowohl Deutschland wie die Sowjetunion ihren Machtbereich territorial erweiterten.

Wenn man den Roman von Ernst Jünger aber nun aus dieser neuen Perspektive liest, dann weiß man auch, dass Jünger - wie die führenden westliche Planer (3) - den künftigen Kriegsablauf und das künftige Kriegsende mit der Bolschewisierung Osteuropas, der Ermordung von 2,5 Millionen Ostdeutschen und der Vertreibung von 15 Millionen Deutschen aus Ostmitteleuropa sehr klar voraus gewusst hat und dementsprechend sehr detailliert schildern konnte. Also natürlich voraus gewusst hat, nicht nur geahnt hat. Denn dafür sind seine Voraussagen in vielen Details viel zu genau und treffend.

1914 - "Die Luft der Freimaurerei, die von Grund auf böse war"

Die beiden Brüder Jünger hatten Teile ihrer Jugend vor 1914 in Hannover verbracht. Und sie waren vermutlich schon vor 1914 Freimaurer geworden. Diese werden in dem auffallend autobiographisch gefärbten Roman "Mauretanier" genannt. Wer hätte das vor 1914 anderes sein können als die Freimaurer? Es dürfte deshalb lohnend sein, einmal zusammen zu tragen, wer in der Freimaurerei Hannovers damals eine Rolle gespielt hat. Hannover war unter anderem auch der Lebensmittelpunkt von Paul von Hindenburg und natürlich zahlreicher anderer "alter Herren" der konservativen (und verborgen: freimaurerisch-revolutionären) Eliten.

Zentral zum Verständnis seines Romans ist eine Figur, die Ernst Jünger den "Oberförster" nennt. Er beschreibt diese Figur als ein leitendes Mitglied seiner Freimaurerloge, das offenbar rechtskonservativen Adelskreisen angehört, das aber im künftig voraus gewussten Krieg als leitende Figur auf Seiten der bolschewistischen Mordhorden kämpft und siegt und dann auch in den besiegten Städten mit seinem Mitarbeiter "Biedenhorn" die Polizeigewalt übernimmt. Unter diesen Figuren kann man sich natürlich viele Gestalten der Geschichte vorstellen, Nationalsozialisten, die bewusst das Vordringen des Kommunismus förderten (dies ist von Martin Bormann mit guten Argumenten angenommen worden), Gegner der Nationalsozialisten, die bewusst das Vordringen des Kommunismus förderten oder später auch Offiziere des "Nationalkommittes Freies Deutschland" um den General von Seydlitz. Ernst Jünger hatte ja auch gute Kontakte zur Stahlhelmführung, in der wohl die Mehrheit Freimaurer waren, und von denen viele wohl auch nach Hannover gravitierten. Unter all diesen gab es ja auch offen oder verdeckt agierende "Nationalbolschewisten".

Um so mehr wir über die Geschichte des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges erfahren (auch hier auf dem Blog schon oft behandelt), um so mehr wird ja deutlich, wie viele Figuren es gegeben hat, die äußerlich auf der Seite des Dritten Reiches standen, innerlich und im Hintergrund aber auf eine Niederlage Deutschlands in diesem Krieg hinarbeiteten, eine Niederlage aber erst nach einem langen und erschöpfenden Krieg. So gibt es beispielsweise nicht nur hinsichtlich des Erfolges der westalliierten Invasion im Sommer 1944, sondern auch hinsichtlich des gleichzeitigen überraschend schnellen Zusammenbruchs der Heeresgruppe Mitte im Sommer 1944 im Osten deutliche Hinweise darauf, dass beides von Seiten der leitenden Figuren des deutschen Geheimdienstes vorbereitet und ermöglicht worden war, nämlich von Alexis von Roenne im Westen und von Reinhard Gehlen im Osten. Und auch Wilhelm Canaris ist offensichtlich in einem solchen Sinne tätig gewesen.

Leute, die Adolf Hitler schon vor 1933 nur als den "Eisbrecher" des Kommunismus in Mitteleuropa betrachtet haben, und die ihm in diesem Sinne zu Macht und zu Erfolg verholfen haben, kann man inzwischen sehr viele heranziehen, um sich eine solche merkwürdige Figur des Romans wie den "Oberförster" zu veranschaulichen. Am Schluss des Romans ist er tätig wie eine Art sowjetischer Kommissar, anfangs erhält man den Eindruck, es könnte jemand gemeint sein wie Paul von Hindenburg oder Alfred Hugenberg, bzw. natürlich noch ein höher Eingeweihter als diese beiden Politikdarsteller bei den Freimaurern (im Roman "Mauretanier" genannt) (alle Hervorhebungen im folgenden nicht im Original) (4):

Der Oberförster war uns seit langem als Alter Herr der Mauretania bekannt. Wir hatten ihn auf den Conventen oft gesehen und manche Nacht mit ihm beim Spiel gesessen und gezecht. Er zählte zu den Gestalten, die bei den Mauretaniern zugleich als große Herren angesehen und als ein wenig ridikül
(komisch, lächerlich, lachhaft)
empfunden werden - so wie man etwa einen alten Oberst der Landwehr-Kavallerie, der hin und wieder von seinen Gütern kommt, beim Regiment empfängt. (...) Damals empfand ich auch das Starre an seinem Wesen kaum als störend, denn alle Mauretanier nehmen im Lauf der Zeit den automatischen Charakter an. Vor allem in den Blicken tritt dieser Zug hervor. So lag auch in den Augen des Oberförsters, besonders wenn er lachte, der Schimmer einer fürchterlichen Jovialität.

Bei diesen "automatischen" freimaurerischen Charakteren darf man gerne an die freimaurerischen "Freiheitskämpfer", dargestellt an und in dem größten Freimaurertempel der Welt, nämlich dem Völkerschlachtdenkmal von Leipzig, denken (siehe andere Beiträge hier auf dem Blog). Zusammen mit seinem Bruder Friedrich Georg habe er die Mauretanier- (sprich Freimaurer-)Zeiten später als Irrtum erkannt. Nun aber dachte er 

an die Lage, in der wir uns befanden, als dieser Orden uns an sich zog. (...) Wir begannen, von Macht und Übermacht zu träumen. (...) Bei solcher Neigung war es unvermeidlich, daß Mauretanier sich uns näherten. Wir wurden durch den Capitano, der den großen Aufstand in den Iberischen Provinzen erledigt hatte, eingeführt.

Vielleicht handelte es sich um einen höheren Offizier, der 1900 den Boxeraufstand in China oder 1906 den Hereroaufstand in Südwestafrika oder der ähnliche Aufstände niederschlug. Jünger munkelt wissend weiter und an der Treffsicherheit, mit der er hier spricht, wird nur allzu schnell klar, dass er die Freimaurerei nicht nur "von außen" kennt:

Wer die Geschichte der geheimen Orden kennt, der weiß, daß sich ihr Umfang schwierig schätzen läßt. Desgleichen ist die Fruchtbarkeit bekannt, mit der sie Zweige und Kolonien bilden, so daß man, wenn man ihren Spuren folgt, sich bald in einem Labyrinth verliert. Das traf auch für die Mauretanier zu. Besonders seltsam war es für den Neuling, wenn er in ihren Räumen Angehörige von Gruppen, die sich tödlich haßten, im friedlichen Gespräche sah. Zu den Zielen der Mauretanier zählte auch die artistische Behandlung der Geschäfte dieser Welt. Sie verlangten, daß die Macht ganz ohne Leidenschaft und göttergleich gehandhabt würde, und entsprechend sandten ihre Schulen einen Schlag von klaren, freien und stets fürchterlichen Geistern aus. Gleichviel, ob sie innerhalb des Aufruhrs oder an der Ordnung tätig waren - wo sie siegten, siegten sie als Mauretanier, und das stolze „Semper victrix" dieses Ordens galt nicht seinen Gliedern, sondern seinem Haupte, der Doktrin. Mitten in der Zeit und ihren wilden Läufen stand er unerschütterlich, und in seinen Residenzen und Palästen setzte man den Fuß auf festen Grund.
Auffälligerweise wird auf dem Wikipedia-Artikel zu diesem Roman gar nicht erwähnt, dass dieser Roman in zentralen Handlungssträngen es mit "geheimen Orden" zu tun hat. Merkwürdig, nicht? Sollten die bisherigen Deuter und Interpreten des Romans diese Seite desselben völlig überschlagen haben? Jünger erlebte in der Loge das Herannahen des Ersten Weltkrieges folgendermaßen:
Bei den Mauretaniern aber herrschte unberührte Stille wie im Zentrum des Zyklons. Wenn man in den Abgrund stürzt, soll man die Dinge in dem letzten Grad der Klarheit wie durch überschärfte Gläser sehen. Diesen Blick, doch ohne Furcht, gewann man in der Luft der Mauretania, die von Grund auf böse war. (...) Seit jenen Tagen kannte ich die Grenzen, die dem Übermut gezogen sind, und vermied, den dunklen Saum der Forsten zu betreten, die der Alte seinen „Teutoburger Wald" zu nennen liebte, wie er überhaupt in vorgespielter, schlingenreicher Biederkeit ein Meister war.

Der Alte ist hier wieder der "Oberförster". Der Krieg wurde also - offensichtlich - ausgelöst, um zur Weltrevolution des Oberförsters zu kommen. Wahrlich eine Luft, die von Grund auf böse war.

Der Bolschewismus - Die Frucht des Ersten Weltkrieges

Dann wächst - während des Ersten Weltkrieges und danach - die Macht des Bolschewismus in Osteuropa und in Deutschland, und zwar unterschwellig genährt von dem freimaurerischen "Oberförster", weshalb man sich bei diesem auch jemanden wie den Grafen Brockdorf-Ranzau vorstellen könnte, der als deutscher Botschafter in Dänemark für die Finanzierung der bolschewistischen Revolution in Petersburg mitverantwortlich war und der 1917 dafür sorgte, dass Lenin von der Schweiz nach Rußland reisen konnte. Über einen solchen freimaurerischen "Oberförster" schreibt Ernst Jünger jedenfalls:

Gerade hierin lag ein meisterhafter Zug des Oberförsters: er gab die Furcht in kleinen Dosen ein, die er allmählich steigerte, und deren Ziel die Lähmung des Widerstandes war. Die Rolle, die er in diesen Wirren, die sehr fein in seinen Wäldern ausgesponnen wurden, spielte, war die der Ordnungsmacht, denn während seine niederen Agenten, die in den Hirtenbünden saßen
also: unter den Kommunisten
den Stoff der Anarchie vermehrten, drangen die Eingeweihten in die Ämter und Magistrate, ja selbst in Klöster ein, und wurden dort als starke Geister, die den Pöbel zu Paaren treiben würden, angesehen. So glich der Oberförster einem bösen Arzte, der zunächst das Leiden fördert, um sodann dem Kranken die Schnitte zuzufügen, die er im Sinne hat.

Der Widerstand (gegen den Kommunismus) soll also allmählich gelähmt werden. Wenn Ernst Jünger das 1939 schreiben konnte, dann wusste er auch, dass das Dritte Reich - aus der Sicht solcher Oberförster - dazu diente, in der richtigen "Dosierung" den Widerstand gegen den Bolschewismus zu lähmen. Und genau das ist ja die Geschichte des 30-jährigen Krieges von 1914 bis 1945. Bei diesem "Oberförster" könnte man also auch an Menschen denken wie den Admiral Canaris, an Martin Bormann, an Freimaurer und Katholisch-Gesinnte jedenfalls, die die "weltgeschichtliche Rolle", die der Kommunismus zu spielen hatte, kannten: nämlich die bürgerliche Welt zu zerstören im Dienste der weltweiten Globalisierung und Versklavung der Völker.

1925 - Ernst Jünger lässt seine Freimaurermitgliedschaft "ruhen" (angeblich)

Sieben Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges - also 1925, als er dazu ausersehen wurde, eine Bewegung wie die "Neuen Nationalisten" hervorzurufen, will Ernst Jünger in die "Feierzunft" der Freimaurerei versetzt worden sei, sprich, seine Mitgliedschaft in dieser ruhen gelassen haben:

Wir kamen bei den Mauretaniern um ehrenvollen Abschied ein und wurden mit dem schwarz-rot-schwarzen Bande in die Feierzunft versetzt. 

Ein kleiner Scherz des Ernst Jünger. Bekanntlich kann man aus der Freimaurerei sich nicht "verabschieden", man bleibt immer Mitglied. Und gewiss wird - so wissend wie Ernst Jünger ständig geredet und geschrieben hat, er nicht nur Johannisfreimaurer, sondern Hochgradfreimaurer geworden sein. Auch achte man auf "sieben" Jahre. Dieser Siebenjahres-Zyklus spielt ja auch im Leben des Anthroposophen Otto Schily so seine Rolle und im Denken so manches anderen Okkultgläubigen. Aber lassen wir dem Ernst Jünger einmal diesen Scherz durchgehen, wenn er fortsetzt:

In diesem Orden hoch emporzusteigen, hatte es uns wohl nicht an Mut und Urteilskraft gefehlt. Doch war die Gabe uns versagt geblieben, auf das Leiden der Schwachen und Namenlosen herabzusehen, wie man vom Senatoren-Sitze in die Arena blickt.

Dieser Scherz ist schon ein etwas heftigerer. Das möchte er zwar vielleicht sich und den Lesern einreden. So musste er ja auch schreiben, schließlich war die Freimaurerei 1939 - offiziell - verboten. Da tat eine gewisse Distanzierung not. Aber natürlich nur eine gewisse. Tatsächlich nämlich schreibt Ernst Jünger fast durchgängig genauso so wie er es hier charakterisiert hat: "wie vom Senatoren-Sitze in die Arena" hinabblickend, so wurde er auch von unzähligen anderen Lesern schon empfunden. Diese Gabe ist ihm also keineswegs "versagt geblieben", nein, er lebte sie schlicht ein Leben lang. Nun, das ist dann eben so die "Logik" von Freimaurern und sonstigen Eingeweihten. Man behaupte nur dreist, wie man gesehen werden möchte - es werden schon genug glauben. So verdammt ja auch E. R. Carmin in "Das Schwarze Reich" jene "Zombifizierung der Politik", die er in diesem Buch letztlich nur wissend glorifiziert. Und um solche Trickserei nicht gar zu schwer entschlüsselbar zu machen, folgt denn auch bei Ernst Jünger gleich wieder eine Verteidigung der Freimaurerei:

Wie aber, wenn die Schwachen das Gesetz verkennen, und so in der Verblendung mit eigener Hand die Riegel öffnen, die zu ihrem Schütze geschlossen sind? So konnten wir auch die Mauretanier nicht durchaus tadeln, denn tief war Recht und Unrecht nun vermischt; die Festen wankten, und die Zeit war für die Fürchterlichen reif. Die Menschen-Ordnung gleicht dem Kosmos darin, daß sie von Zeit zu Zeiten, um sich von neuem zu gebären, ins Feuer tauchen muß.

Nein, die Freimaurer sind nicht schuld, dass die "Schwachen" mit "eigener Hand" die Riegel öffneten. Wie sollten sie denn auch! Haben Sie noch nicht genug, lieber Leser? Der Autor kann Ihnen versichern: dieser Artikel wurde nicht an einem Tag verfasst. Zwischen dem ersten Entwurf und der abschließenden Bearbeitung lagen mehrere Wochen. Zu doof kommt einem der ganze Inhalt dieses Romanes vor.

1927 oder 1928 übrigens sprach Erich Ludendorff Ernst Jünger persönlich an auf seinen Kampf gegen die Freimaurerei (wie Jünger irgendwo berichtet). Ludendorff versuchte, Ernst Jünger auf seine Seite zu ziehen. Dafür hatte Jünger zwar nur ein müdes Lächeln. Aber vielleicht waren es auch solche Anlässe, die ihn seine Freimaurermitgliedschaft "ruhen" ließen. Unter Rechtskonservativen und Völkischen hatte man damals mit einer Freimaurermitgliedschaft nicht mehr gar so viel Ansehen.

Ein lebender Leichnam Loyolas warnt und schützt Ernst Jünger wiederholt vor persönlichen Gefahren

Ernst Jünger ist ja noch kurz vor seinem Tod zum Katholizismus übergetreten. Wie bei vielen Elitären - etwa auch Hermann Hesse - fließen bei Enrst Jünger Freimaurerei und der in Orden gegossene Katholizismus fast übergangslos ineinander. Und so wandte er sich denn einem Jesuiten oder führenden Katholiken zu, nachdem er seine Freimaurermitgliedschaft ruhen ließ. Im Roman besteht eine gute Freundschaft zu einem Mönch, einem einflußreichen Kleriker in Deutschland. Ganz offensichtlich soll ein Jesuit dargestellt werden, ein "lebender Leichnam":

Wir fanden in Pater Lampros einen Mann, der etwa fünfzig Jahre zählen mochte, von mittlerer Gestalt und feinem Gliederbau. Als wir ihm nähertraten, faßte uns ein Bangen, denn Gesicht und Hände dieses Mönches kamen uns ungewöhnlich und befremdend vor. Es schien, wenn ich es sagen soll, als ob sie einem Leichnam angehörten, und es war schwer zu glauben, daß Blut und Leben sich darin befand. Sie waren wie aus zartem Wachs gebildet - so kam es, daß das Mienenspiel nur langsam an die Oberfläche drang und mehr im Schimmer als in den Zügen des Gesichtes lag. Auch wirkte es seltsam starr und zeichenhaft, wenn er, wie er es liebte, während des Gespräches die Hand erhob. Und dennoch webte in diesem Körper eine Art von feiner Leichtigkeit, die in ihn eingezogen war gleich einem Atem-Hauche, der ein Puppenbild belebt. Auch fehlte es ihm nicht an Heiterkeit.
Der letzte Satz darf natürlich nicht fehlen zu dem kaffkaesken Bild, das Ernst Jünger hier wieder einmal über die Hintergrundpolitik des 20. Jahrhunderts zu geben weiß, hier und auch sonst. Vielleicht soll hier der Nuntius Pacelli dargestellt sein, der sich ja auch gut mit dem rechtskonservativen bayerischen Thronfolger Kronprinz Rupprecht und der ganzen bayerischen Königsfamilie bestens verstand. Wozu jedenfalls auch das folgende passen könnte:
Sein Grundsatz war, daß jede Theorie in der Natur-Geschichte einen Beitrag zur Genesis bedeute, weil der Menschengeist in jedem Alter die Schöpfung von neuem concipiere - und daß in jeder Deutung nicht mehr an Wahrheit lebe als in einem Blatte, das sich entfaltet und gar bald vergeht.
Und weiter:
Wir durften die Muße, die uns Pater Lampros schenkte, um so höher schätzen, als sein Name bei den Christen in hohem Ansehn stand, und viele, die Rat und Trost erhofften, sich ihm näherten. Doch liebten ihn auch solche, die an den Zwölf Göttern hingen, oder die aus dem Norden stammten, wo man die Äsen in weiten Hallen und umzäunten Hainen ehrt. 
Gemeint sind also die Neuheiden oder jene, die äußerlich so taten, als wären sie Neuheiden, also etwa jemand wie Friedrich Hielscher:
Auch ihnen, wenn sie zu ihm kamen, spendete der Pater aus der gleichen Kraft, doch nicht in priesterlicher Form. Oft nannte Bruder Otho, der viele Tempel und Mysterien kannte, es an diesem Geiste das Wundersame, daß er so hohe Grade der Erkenntnis mit der strikten Regel zu vereinigen verstand.
Wahrlich "wunderbar"!!!! Und weiter:
Bei dem Vertrauen, das alle Kräfte, die an der Marina (sprich: in Deutschland) wirkten, dem Pater Lampros zollten, war er in den Gang der Dinge vollkommen eingeweiht. Er übersah das Spiel, das dort getrieben wurde, wohl besser als jeder andere.
Und:
Wir fragten uns zuweilen, ob die Verderbnis ihm schon zu weit fortgeschritten scheine, um sie zu heilen; oder ob Bescheidenheit und Stolz ihn hinderten, im Streite der Parteien aufzutreten, sei es in Worten, sei es mit der Tat. Doch traf wohl Bruder Otho den Zusammenhang am besten, wenn er sagte, daß für Naturen wie die seine die Zerstörung des Schrecklichen entbehre, und sie geschaffen seien, in die hohen Grade des Feuers einzutreten wie durch Portale in das Vaterhaus.
Nein, ein Satanist hat das gewiss nicht geschrieben ... Und er spricht auch nicht von einem Satanisten. Und so macht man es in Geheimgesellschaften, wenn alles dem Feuer ausgeliefert werden soll, aber gewiss nicht die engsten Mitarbeiter und Freunde:
Wie dem auch sei - wenn Pater Lampros die Sicherheit für sich verschmähte, so zeigte er sich doch getreu um uns besorgt. Oft kamen seine Zettel (...) und mahnten uns, (...) auf Exkursion zu gehn. Wir ahnten dann, daß er uns zu bestimmter Stunde an entferntem Orte wissen wollte, und handelten danach. Er mochte diese Form wohl wählen, weil er vieles unter Siegeln, die unverletzlich sind, erfuhr.

Also, sie waren wieder bei einem "Mauretanier", nur diesmal im christlichen und Mönchs-Gewand. Sie hatten sich von Geheimgesellschaften gar nicht "verabschiedet". Wir ahnten es ja schon. Und diese Zettel scheint Ernst Jünger auch viele zwischen 1939 und 1945 erhalten zu haben, er scheint auf manche "Exkursionen" nach Paris und anderwärts gesandt worden zu sein, die ihn vor allzu großer Frontnähe in Sicherheit brachten.

Dann berichtet Ernst Jünger von Versuchungen, sich vor 1933 auf die Seite Adolf Hitlers zu schlagen. Aber der Rat des genannten lebenden Leichnams bewahrte sie vor dieser Versuchung. Es gab aber auch, so nennt es Jünger, "schwache Tage":

Doch sollen wir auch jene nicht verschweigen, in denen das Niedere über uns Gewalt gewann. In unseren schwachen Stunden erscheint uns die Vernichtung in schrecklicher Gestalt, wie jene Bilder, die man in den Tempeln der Rache-Götter sieht.

In unseren "schwachen Stunden". Wenn man also nicht vom Senator-Sitz aus in die Arena blickte. Es wird an solchen Stellen deutlich wie tief Ernst Jünger vom satanistischen Denken durchtränkt gewesen sein muss: Der Schrecken verliert seine Schrecken, wenn man nur seinen Standpunkt hoch genug wählt, wenn man zu den - angelich - "Starken" gehört. Hier ist er ganz dicht bei Friedrich Hielscher, der exakt genauso geschwafelt hat. Dann wird geschildert, wie der Bolschewismus näher und näher kommt mit Grausamkeiten und Vernichtungen aller Art. Dabei kann natürlich berücksichtigt sein, dass Ernst Jünger auch den Faschismus als eine Art Bolschewismus verstanden wissen können wollte. Aber natürlich wusste er 1939, dass noch viel mehr "Bolschewismus" über Europa kommen würde, als bis dahin über Europa gekommen war.

1939 - Diskussionen in Logen und Orden rund um einen Morgenthau-Plan

Der weitere Handlungsablauf wird dann eher Zukunftsprognose. Da kommt - kurz vor Kriegsende 1945 - ein adliger Freimaurer (sprich "Mauretanier") mit dem Namen Braquemart zu Besuch auf die Marmorklippen am Bodensee (wo die Jünger-Brüder 1939 wohnten, und den den autobiographischen Bezugspunkt im Roman darstellt):

Er  war der Meinung, daß es auf Erden seit Anbeginn  zwei Rassen gebe, die Herren und die Knechte, und  daß im Lauf der Zeiten zwischen ihnen Vermischung eingetreten sei. In dieser Hinsicht war er ein  Schüler vom alten Pulverkopf und forderte wie dieser die neue Sonderung.
Mit dem "alten Pulverkopf" ist natürlich der Oberförster gemeint. Auch hier ist wieder Friedrich Hielscher ganz nah. Braquemart träumt von dem alten Ägypten, einem Idealstaat der Freimaurer:
Auch ließ  er den längst versiegten Strom die Schiffe mit den Purpurdecks hinunterfahren; man sah die hundert Ruder mit insektenhaftem Regelmaß ins Wasser tauchen und hörte den Klang der Becken und der Geißel, die auf den Rücken der unglückseligen Galeeren-Sklaven fiel. Das waren Bilder für Braquemart. Er zählte zum Schlage der konkreten Träumer, der sehr gefährlich ist.
Und weiter lässt sich Jünger aus über einen damaligen inneren Konflikt unter den Freimaurern, nämlich einen solchen zwischen "Nihilisten" und "Anarchisten", zwischen den Plänen des freimaurerischen "Oberförsters" und den Plänen des freimaureischen Braquemart für die Zukunft Deutschlands ("Marina"). Wenn man diese Gedanken zu Ende denkt, schwant einem, was für Ungeheuerlichkeiten damals die freimaurerischen Logen und katholischen Orden auch in Deutschland ausbrüteten. Es werden hier die Diskussionen geführt, wie sie nur wenige Jahre später rund um den "Morgenthau-Plan" und vergleichbare Pläne vor allem in den USA geführt wurden:
Darin bestand jedoch Verschiedenheit insofern, als der Alte die Marina mit wilden Bestien  zu bevölkern im Sinne hatte, indessen Braquemart sie als den Boden für Sklaven und für Sklaven-Heere betrachtete. Es drehte sich dabei im Grunde um einen der inneren Konflikte unter Mauretaniern, den hier in seinen Einzelheiten zu beschreiben nicht  tunlich ist.
Allerdings: "nicht tunlich", den Nazis schon im Jahr 1939 die Zukunft Deuschlands so konkret voraus zu sagen. Für das Deutschland östlich der Oder, des Bayerischen Waldes und der Karwanken setzten sich die Pläne des "Oberförsters" durch (Entvölkerung), für das verbliebene Deutschland die Pläne Braquemarts (Sklaverei mit der Peitsche des Kapitalismus links, Sklaverei mit der Peitsche des Sozialismus rechts der Elbe). Schöne "Arbeitsteilung" und Dreiteilung Deutschlands. Und weiter über Braquemart wieder so recht freimaurerisch-satanistisch:
Auch faßte er wie alle seinesgleichen das Leben als ein Uhrwerk auf, und so erblickte er in Gewalt und Schrecken die Antriebs-Räder der Lebensuhr.
Ernst Jünger spricht ganz wie ein viel wissender Okkultgläubiger:
Vor der Entscheidung treffen sich die Geister wie die Ärzte am Krankenbett. Der eine möchte zum Messer greifen, der  andere will den Kranken schonen, und der Dritte sinnt auf Mittel von besonderer Art. Doch was sind Menschenrat und -wille, wenn in den Sternen schon der Untergang beschlossen liegt?

Womit dann abschließend die Astrologiegläubigkeit des Herrn Jünger zu Tage tritt. Logen- und Ordensgespräche kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Einige Details des Infernos von 1945 sehr präzise im Voraus geschildert

Dieser Freimaurer Braquemart zieht mit einem freimaurerischen Begleiter in die Schlacht mit dem freimaurerischen, bolschewistischen Oberförster und wird von dem Lumpenpack des Oberförsters gelyncht. Also einmal erneut wie in der im Freimaurerdenkmal für die Völkerschlacht von Leipzig von 1813 zelebriert: Freimaurer gegen Freimaurer. Die Köpfe der beiden Freimaurer, mit denen die Jünger-Brüder noch kurz zuvor Freimaurergespräche geführt hatten, werden von den bolschewistischen Horden auf Spieße gesteckt. Man möge sich vielleicht an die Leiche Mussolinis im Jahr 1945 erinnern. Ernst Jünger erfasst Begeisterung beim Anblick dieser beiden aufgespießten Köpfe:

Ich fühlte (...) die Tränen mir in  die Augen schießen - doch jene Tränen, in welchen mit der Trauer uns herrlich die Begeisterung ergreift. Auf dieser bleichen Maske, von der die abgeschundene Haut in Fetzen herunterhing, und die aus der Erhöhung am Marterpfahle auf die Feuer herniederblickte, spielte der Schatten eines Lächelns von höchster Süße und Heiterkeit, und ich erriet, wie von dem hohen Menschen an diesem Tage Schritt für Schritt die Schwäche abgefallen war - so wie die Lumpen von einem König, der als Bettler verkleidet ging.
So also haben Freimaurer und Ordensnahe ihre - - - "notwendigen" "Opfertode" im Zweiten Weltkrieg gefeiert oder feiern lassen. Man mag auch denken an die noch kurz vor Kriegsende erschossenen Eingeweihten Wilhelm Canaris oder Albrecht Haushofer. Bei der Schilderung des Todes des Begleiters des Freimaurers Braquemart darf man dann gerne an Adolf Hitler, Joseph Goebbels, Heinrich Himmler oder Hermann Göring denken und sich dabei fragen: Woher hatten die ihre Ideen? Ernst Jünger 1939:
Ich erriet, daß er zur rechten Zeit die Pille eingenommen hatte, die jeder Mauretanier am Körper führt. Es ist dies eine Kapsel aus buntem Glase, die man zumeist im Ringe und in den Augenblicken der Bedrohung im Munde führt. In dieser Haltung genügt ein Biß, die Kapsel zu zermalmen, in die ein Gift von ausgesuchter Wirkung eingeschlossen ist.
Das ist schon erstaunlich, dass der Jünger das so genau voraus wusste. Hatte man denn gar nichts dem Zufall überlassen? Aber Hitler hatte ja schon 1923 und 1932 über Selbstmord-Pläne nachgedacht und sich zu ihnen geäußert. Und auch für ihn stand ja vieles in den Sternen geschrieben. Da hier so präzise die Zukunft vorausgesagt wird, sei aber auch noch zitiert, was weiter dazu von Ernst Jünger ausgeführt wird:
Dies ist die Prozedur, die in der Mauretanier-Sprache als die Berufung an die dritte Instanz bezeichnet wird - entsprechend dem dritten Grade der Gewalt, und sie gehört zum Bilde, das man in diesem Orden von der Würde des Menschen hegt. Man hält die Würde durch den gefährdet, der niedere Gewalt erduldet; und man erwartet, daß jeder Mauretanier zu jeder Stunde zum tödlichen Appell gerüstet sei.
War das die Lehre, die auch Adolf Hitler früh von seinen "Artamanenbrüdern" gelehrt bekommen hatte? Man wundert sich ja schon ein wenig über die Einheitlichkeit der Todesart an der Spitze des Dritten Reiches. Solche "Selbstmord-Epidemien" wie in Deutschland im Frühjahr 1945 (5) hat es während oder nach dem Ersten Weltkrieg nicht gegeben. Kam sie 1945 wirklich aus heiterem Himmel? Oder hatten - - - Orden ein Losungswort ausgegeben?

Aus dem Inferno der Endtage des Zweiten Weltkrieges mit Totschlag, Raub und Morden, Vergewaltigungen, brandlohen Städten, vertriebenen Männern, Frauen und Kindern retten sich Ernst Jünger und sein Bruder nach England, das abgeschlagene Haupt desjenigen Freimaurers mit sich führend, der sich mit einer Giftkapsel das Leben genommen hatte. Dieses Haupt - vermutlich sinnbildlich eines Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus? oder gegen den Bolschewismus? oder gegen beide?, jedenfalls ein echter und rechter "Freimaurer" - sollte beim Wiederaufbau der zerstörten Dome in Deutschland in die Grundmauern eingemauert werden. Also auch schon an den freimaurerischen Wiederaufbau nach dem Krieg dachte Ernst Jünger 1939 ....

Soweit in einem ersten - vermutlich noch viel zu schnell dahin geschriebenen - Durchgang das, was man im dem Roman "Auf den Marmorklippen" finden und lesen kann. Jedenfalls, wahrlich "die Luft" war böse, aus der das alles kroch. Und wahrlich im letzten Teil eine sehr lebensnahe Prophetie. Ist es mehr? Nein. Bertold Brecht hatte schon recht, als er diesem Werk rundweg absprach, zu guter Literatur zu gehören. Es ist bestenfalls Logen-, bzw. Ordens-Literatur, so wie sie hier auf dem Blog schon in vielen führeren Beiträgen charakterisiert worden ist. BEsonders erinnert dieser Roman an das Buch "Das Reich" von Friedrich Hielscher aus dem Jahr 1932, das hier auf dem Blog schon gründlich behandelt worden ist. Der Roman bezieht seine ganze Bedeutung, all das angeblich "Geheimnisvolle", das ihn umgibt, aus einem Wissen, das Uneingeweihten nicht zugänglich ist. Aber nur geheimnisvoll munkeln ist noch nicht eine Literatur, die auch ohne Munkeln irgendeinen Wert hätte.

/25.9.2019: Dieser Artikel hat inzwischen eine Ergänzug erfahren hier:

studgenpol.blogspot.com/2019/09/ernst-junger-er-schwelgte-in-der.html /
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  1. Preparata, Guido Giacomo: Wer Hitler mächtig machte. Wie britisch-amerikanische Finanzeliten dem Dritten Reich den Weg bereiteten. Perseus-Verlag Basel 2010 (engl. OA.: Conjuring Hitler. How Britain and America made the Third Reich. Pluto Press, London Ann Arbor 2005)
  2. Benesch, Alexander: Der Geheimplan zur Neutralisierung von Europas Konservativen. Auf: Recentr.com, 30. Mai 2016, http://recentr.com/2016/05/30/der-geheimplan-zur-neutralisierung-von-europas-konservativen/
  3. Bading, Ingo: Wie kam Stalin in die Mitte Europas .... 
  4. Jünger, Ernst: "Auf den Marmorklippen" (1939) 
  5. Huber, Florian: "Kind, versprich mir, dass du dich erschießt". Der Untergang der kleinen Leute 1945. Berlin Verlag, Berlin 2015 (303 S.)

Montag, 14. September 2015

Mit welchen Aufträgen waren Friedrich Hielscher und Ernst Jünger nach 1933 unterwegs?

Rechtselitäre Schwarz-, Quer- und Geheimfröntler - Bereit gehalten für einen etwaigen Militärputsch?

Hier auf dem Blog sind schon zwei Beiträge veröffentlicht worden zu dem Vordenker der heutigen christlichen Rechtskonservativen, bzw. der "Neuen Rechten" mit Namen Friedrich Hielscher (1902-1990), und zwar:
K. Lehner, 2015
Ein dritter Blogbeitrag zu diesem Vordenker aus dem Mai 2012 ist bislang nie veröffentlicht worden. Er soll hiermit veröffentlicht werden. Inzwischen ist auch eine neue Biographie über Friedrich Hielscher erschienen:
  • Lehner, Kurt M.: Friedrich Hielscher. Nationalrevolutionär, Widerständler, Heidenpriester. Schöningh Verlag, Paderborn 2015 (233 S.),
die vor knapp zwei Wochen auch in der rechtschristlichen Wochenzeitung "Junge Freiheit" besprochen worden ist:
  • Weißmann, Karlheinz: Eigentümlich eigenwillig. Der Nationalrevolutionär und Religionsphilosoph Friedrich Hielscher im biographischen Fokus. In: Junge Freiheit, 28. August 2015, S. 21
(Mit Dank an einen Hamburger Blogleser für die Zusendung dieser Buchbesprechung!) Karlheinz Weißmann lässt in dieser Buchbesprechung womöglich eine größere innere Distanzierung von diesem "Vordenker" erkennbar werden, als man das bislang von Autoren seines Schlages zu hören bekommen haben mag. (Aber das kann auch - nach beiderlei Richtungen hin - ein Irrtum sein. Man hält sich ja immer gerne alle Türen offen ...) Seine Rezension enthält jedenfalls mehrere Absätze, die als willkommene inhaltliche Ergänzung und Bestätigung der beiden genannten, hier schon erschienenen Blogbeiträge dienen können. Deshalb sollen diese Absätze angeführt werden. 1932, so schreibt Weißmann, habe Hielscher erkannt, 
dass das entscheidende Feld überhaupt nicht der Staat, sondern die Religion sei. In der Folge konzentrierte er sich auf die Schaffung eines Bundes, der in vielen Zügen Ähnlichkeit mit dem des verhassten Konkurrenten Stefan George hatte, aber in seinem Anspruch weit darüber hinaus ging.
1932 - das ist kurz nachdem die Männerbund-kritischen Erich und Mathilde Ludendorff ihre weltanschauliche, religiöse Vereinigung "Deutschvolk e.V." gegründet hatten. Für die von ihm gegründete Glaubensgemeinschaft erarbeitete Hielscher nun eine "Liturgie". Weißmann (Hervorheb. nicht im Original):
So hat Hielscher zwar gegenüber Außenstehenden ein großes Geheimnis um seine Konzeption gemacht, konnte aber nicht verhindern, dass durch enttäuschte Anhänger bekannt wurde, in welchem Ausmaß er seine Verkündigung abänderte, von den germanischen Göttern zu den keltischen überging und schließlich bei einem Monotheismus landete, der sich auf irritierende Weise jüdischer Formeln bediente.
... Grins .... ;) "Irritierend" kann das natürlich für Leser dieses Blogs keineswegs sein. Haben wir doch schon im oben genannten zweiten unserer Blogartikel anhand genauer Lektüre des Buches "Das Reich" dargelegt - was auch immer wieder in der Zeitschrift "Sezession" hindurchklingt (etwa in einem dort vor Jahren gebrachten Aufsatz des katholischen Philosophen Spaemann) -, dass der Bezug zum Judentum sowohl bei der Zeitschrift Sezession allgemein wie bei Friedrich Hielscher im Besonderen ein sehr "besonderer" immer schon war und gar nicht erst werden musste. Woraus sich fast zwanglos die Schlussfolgerung ergibt, dass dieser sehr besondere Bezug zum Judentum nur zuvor bei der Verehrung germanischer oder keltischer Götter verbrämt werden musste, um überhaupt in jenen religiös interessierten Kreisen, die sich vom (jüdischen) Christentum abgewandt hatten, Anklang finden zu können. Lauschen wir dem gewiss nicht besonders "irritierten" Karlheinz Weißmann weiter:
Dazu kam noch der dramatische Wechsel in Bezug auf die Lehre vom unfreien hin zum freien Willen, das Ganze weiter kombiniert mit einer Art rationalistischer Esoterik und schließlich noch bereichert um Vorstellungen der Freimaurerei.
Ach ja, und wenn man nun sagen würde, da wäre gar nichts durch Vorstellungen der Freimaurerei "bereichert" worden, sondern diese Vorstellungen bildeten immer schon den Kern jener Religiosität, auf die der gute Friedrich Hielscher hinaus wollte, der ja nach 1945 dann auch ganz offen Freimaurer geworden ist, so würde man sicherlich ganz und gar falsch liegen!! "Völkische" Freimaurerei jedenfalls, Orakelgesellschaften wie Thule-Orden, Bund der Guoten, Ariosophen und Vril-Gesellschaft. Die alle gar nichts anderes waren als Freimaurerei. Oder sagen wir besser, die Freimaurerei waren für - - - "Freimaurergegner". ;) (In der Geschichte des menschlichen Irrwahnes gibt es alles. - Alles.) Der, wie gesagt, keineswegs besonders irritierte Karlheinz Weißmann (der sich ja übrigens auch von einem Herrn Lucke in den letzten Monaten viel zu lange viel zu wenig "irritieren" ließ in der sicher klugen "Strategie", sich immer alle Türen offen zu lassen) schreibt weiter:
Niemand außer Hielscher wusste, welchen zahlenmäßigen Umfang die Gemeinschaft eigentlich hatte, und ein hierarchisches System von "Enkeln", "Söhnen", "Vätern" und "Großvätern" führte dazu, dass die jungen Frontoffiziere in Bezug auf die Bewertung des Kriegsverlaufs kein Wort mitzusprechen hatten, sondern sich stattdessen die Weisung ihres ungedienten Meisters und und Älteren ohne militärische Erfahrung demütig anhören mussten.
Weißmann meint, hier hätte Hielschers "Arkandisziplin absurde Formen" angenommen. Dreimal laut gelacht. Weißmann sollte kein Vorstellungsvermögen darüber besitzen, dass in Geheimgesellschaften eigentlich immer die Absurdität vorherrscht, dass "Ungediente" es besser wissen als das doofe Fußvolk, die "Frontschweine"? Wie lächerlich! Was man der Leserschaft der "Jungen Freiheit" alles so zu bieten wagt. Und wieder einmal besonders auffallend, wenn dann ein Jürgen Elsässer mit solchen Augenwischern sich so herrlich versteht ... Aber all das nur nebenbei.

Jedenfalls: Wie kommt uns das alles doch so bekannt - und keineswegs "absurd" - vor. Das allseits beliebte "Wissensgefälle" von Geheimdiensten und Geheimgesellschaften. Jeder soll nur das wissen, was er zur Erfüllung speziell seiner Aufgabe benötigt ... Und Herr Weißmann sollte sich in seinem Leben noch nie in Lebensbereichen bewegt haben, in denen Wissensgefälle vorherrscht? Wer's glaubt, wählt Lucke, möchte man mal hier ein wenig burschikos sagen. Am Ende von solchem Wissensgefälle haben wir jedenfalls dann immer solche Dinge wie: NSU und RAF, Terrorismus hier und Terrorismus dort, Regierungsumsturz hier und Regierungsumsturz dort, Krieg hier und Krieg dort, Flüchtlingswellen hier und Flüchtlingswellen dort, Gutmenschentum hier und Gutmenschentum dort, Dunkelmenschentum hier und Dunkelmenschentum dort. Und keiner war's gewesen. Keiner.

Das ist ja der springende Punkt. Sondern Bönhard, Tschäpe und Mundlos waren es. Oder Lee Harvey Oswald. Oder Siegfried Nonne. Oder das deutsche Volk. Oder Adolf Eichmann. Schuldige müssen natürlich - mitunter - genannt werden. Sonst wird die Unruhe zu groß. Sonst kämen ja auch noch Leute wie Werner Best - also Freunde Ernst Jüngers - vor Gericht. Na, das wollen wir ja dann doch verhindern!

Nachdem wir jedenfalls diese Absätze aus der Weißmann-Besprechung zitiert haben, können wir den Anlass nutzen, den genannten, bislang unveröffentlichten Blogbeitrag aus dem Jahr 2012 hier folgen zu lassen. Er beinhaltet eine Art Zusammenfassung von vielen disparaten, verteilten Bloginhalten aus früheren Jahren, sowie ihre gedankliche Weiterführung, indem auf das Wirken des elitären Salons Salinger ab dem Jahr 1927 hingewiesen wird.

Hielscher - Jünger -Schmitt - Die intellektuelle "Reservearmee" der Wallstreet, des Vatikans und asiatischer Geheimorden für den Fall eines erfolgreichen deutschen Militärputsches gegen Hitler und seinen Krieg?

Was die reale und faktische politische Bedeutung von Friedrich Hielscher und seines Kreises betrifft, muss man beachten, dass weite Kreise innerhalb Deutschlands und in den Führungsetagen der anderen Großmächte für das Jahr 1932 ziemlich sicher einen neuen Weltkrieg erwarteten. Bei kaum jemanden werden diese geradezu religiösen Erwartungen eines neuen Krieges, ja, sein Herbeisehnen so deutlich wie bei Friedrich Hielscher und der Bibel seines Freundeskreises, seiner "Kirche", nämlich in seinem Buch "Das Reich" aus dem Jahr 1931. 

Die Kreise, die mit dem Ausbruch dieses Krieges an die Macht zu kommen hofften und glaubten, waren eben jene "nationalrevolutionären" Kreise der "Neuen Nationalisten", die spätestens mit der Reichskanzlerschaft des Kurt von Schleicher und mit seinen Querfront-Konzepten ihre politischen Ideale hatten verwirklichen wollen.

Von der "Schwarzen Front" (1930) über die "Harzburger Front" (1931) und die "Querfront" (1932) zur "Geheimen Front" (1933/34)

Es waren dies - neben anderen - die Kreise rund um den "Deutschen Herrenklub" (dem unter anderem Franz von Papen angehörte) und mehr wohl noch rund um den "Tatkreis", der von Hans Zehrer geleitet wurde. Werner Best hinwiederum hat damals wohl eher dem Herrenklub nahe gestanden. Seine Freunde Friedrich Hielscher, Ernst Jünger und andere standen dem Tatkreis nahe. Man verteilte sich, um überall einsatzbereit zu sein, um überall die "Eisen im Feuer" zu haben. Es wird hier auch viele Überschneidungen gegeben haben. In beiden Kreisen glaubte man - wie Hitler und die Nationalsozialisten - mit einer neuen "Herrenschicht" "Das Reich" oder "Das Dritte Reich" oder "Das Dritte Reich und die Kommenden" (nämlich die östlichen Buddhisten) schaffen zu können.

Insbesondere glaubten die mehr intellektuellen Kreise um Salinger, Zehrer, Hielscher, Best (Alexander Rüstow, Carl Schmitt ...) die mehr als proletenhaft empfundene NSDAP am langen Arm von der Macht entfernt halten zu können, bzw. zugleich doch auch ihre Machtstellung ausnutzen zu können und sie nach und nach "einbinden" zu können für die eigenen elitären, totalitären, priesterdiktatorischen ("theokratischen"), ordensartigen Zwecke. (Die Organisation des Staates selbst "als Orden", als totalitäre "[Einheits-]Kirche" und Priesterhierarchie ist der hier vorherrschende faschistische Grundgedanke. Und dies ist auch der faschistische Grundgedanke des zeitgleichen Julius Evola in Italien.)

Als dann all diese Pläne für so viele so plötzlich und überraschend Ende Januar 1933 mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler "zunächst" einmal fehlgeschlagen waren, machten sich viele weiterhin Hoffnungen auf eine "Geheime Front" (so der "Jungdeutsche Orden", der "Bund der Guten" unter Kurt Paehlke, die Strasser-Brüder und andere) (vgl. Franz Wegener / Weishaar und der Bund der Guten). Auch zu diesem Zweck schon war es gut, sich in Positionen im neuen Staat hinein zu schieben oder diese Positionen zu behalten und auszubauen.

Einige blieben auf der Strecke ...

Die länger vorbereiteten Morde des "Röhm-Putsches" vom 30. Juni 1934 scheinen genau gegen diese "Geheime Front" und damit zum Teil auch gegen die vormalige Schleicher-Strasser(-Röhm[?])'sche "Querfront"-Politik gerichtet gewesen zu sein, die die NSDAP also offenbar immer noch fürchtete und brutalst einzuschüchtern bestrebt gewesen ist. Auch die Querfront-Intellektuellen selbst wären im Falle ihrer Machtübernahme vor ähnlichen Maßnahmen nicht zurückgeschreckt (siehe die Hielscher-Bibel "Das Reich"). Weshalb diese Morde von dieser Seite auch nur "kalt" registriert, bzw. "kalt"-enthusiastisch gerechtfertigt wurden (Carl Schmitt), quasi als eines der vielen "notwendigen" "Stahlgewitter" des weitergehenden "Dreißigjährigen Krieges". Nur dass "Proleten" "Edle" mordeten, war für die nationalrevolutionären Herrenschicht-Kreise womöglich ein Problem. Nicht jedoch, dass sie überhaupt mordeten.

Nach dieser endgültigen Entmachtung der rechtselitären Nationalrevolutionäre und "Neuen Nationalisten" durch den "Röhm-Putsch" setzten Friedrich Hielscher, Ernst Jünger, Friedrich Wilhelm Heinz, Carl Schmitt und andere dann endgültig in der Weiterverfolgung ihrer Ziele auf die Unterwanderung von Partei und SS durch die eigenen Leute. Dabei waren sie nicht zimperlich. - Aber was wollten sie dabei? Was hatten sie mit der "Querfront"-Regierung unter von Schleicher denn gewollt?

Für Carl Schmitt endete die "Unterwanderung" schon im Oktober 1936. Werner Best wurde 1940 in Nebenpositionen abgedrängt, behielt aber nicht geringe Macht in Frankreich und Dänemark bis 1945. Friedrich Hielscher und zahlreiche Freunde hielten sich im Umfeld des "Ahnenerbes" und konnten sogar einen Schüddekkopf - und wohl zahlreiche andere - ins Reichssicherheitshauptamt schieben.

Aber eigentlich haben sie alle außen- und kriegspolitisch nichts anderes gewollt als die NSDAP, nur dass eben jetzt die "proletarischere" NSDAP - und nicht sie selbst (also die vorgeblich "Intelektuelleren", "Überlegeneren", "Abgehobeneren", "Konspirativeren"), am Ruder waren. Wenn sie also in der Folge das Dritte Reich unterwanderten und gerne auch - im Zusammenwirken mit den Geheimdiensten unter Canaris und Best - die Kriegsbemühungen zunächst (bis 1940) anfeuerten und dann (ab 1940) dosiert sabotierten, so nicht etwa deshalb, weil sie die Verwirklichung der als bürgerlich-spießerhaft empfundenen demokratischen, rechtsstaatlichen Prinzipien im Dritten Reich vermissten, beziehungsweise weil sie etwa - Spaß beiseite!: "bürgerlich-spießerhaft" - seine Mordmoral verurteilen würden. 

Nein, nein, keineswegs. Sondern schlicht weil sie insgesamt selbst nicht jene Macht in Besitz hatten, von der sie zumindest bis Ende 1932 fast sicher geglaubt hatten, dass diese ihnen zufallen würde und deshalb auch zukommen müsse. Schlicht deshalb, weil der oberste religiöse Führer Adolf Hitler hieß - und nicht Friedrich Hielscher (oder Kurt Paehlke). Dieses ganze Intrigenspiel wurde bis 1945 weitergespielt und nach 1945 dann als "Widerstand" verkauft. Einige blieben auf der Strecke (Gerhard von Tevenar 1943, Kurt Paehlke 1945, Albrecht Haushofer 1945, Wolfram von Sievers 1946 ...). Andere hievten sich nach 1945 in neue Machtpositionen: Friedrich Wilhelm Heinz als erster Geheimdienstchef Adenauers. Andere sollten noch lange nach 1945 von ihren Auftraggebern ans Messer geliefert werden (vermutlich): Rudolf Diehl etwa.

Umstürzlerische Tendenzen im "Salon Salinger" seit 1927?

Schon im "Salon Salinger", der etwa seit 1927 bestand, hatte die politische Polizei der Weimarer Republik gefährliche Umsturz-Tendenzen vermutet (a):
Der jüdischstämmige Hans Dieter Salinger, Beamter im Reichswirtschaftsministerium und Redakteur der „Industrie- und Handelszeitung“, versammelte hier einen bunt zusammengewürfelten Kreis um sich. Neben Hielscher sind hier Ernst von Salomon, Hans Zehrer, Albrecht Haushofer, Ernst Samhaber oder Franz Josef Furtwängler, die rechte Hand des Gewerkschaftsführers Leipart, zu nennen.
Der Bombenleger Ernst von Salomon wurde im Dezember 1927 nach nur "symbolischer" Haft aus dem Zuchthaus entlassen (1, S. 889):
Am Tage seiner Entlassung lernt er Friedrich Hielscher kennen, der ihn mit dem Wirtschaftsexperten Hans Dieter Salinger in Kontakt bringt. (...) Außerdem trifft er Hans Zehrer, Dr. Erwin Topf, Albrecht Haushofer, Ernst Samhaber und Franz Joseph Furtwängler. Alle zusammen bilden den "Salon Salinger".
Und darüber heißt es weiter (1, S. 893):
Es waren meistens Journalisten (Salinger, Zehrer, Topf) junge Wissenschaftler (Haushofer, Samhaber), Privatgelehrte vom Schlage Friedrich Hielschers und Gewerkschaftler wie Furtwängler. Die Tätigkeit dieses "Salons" war nichts anderes, als jeden Freitag bei Salinger zusammen zu kommen, um über die unterschiedlichsten Dinge zu debattieren. (...) Es war dieser "Salon" eben nicht ein Verschwörernest, wie die "politische" Polizei der Republik annahm, wo konkreter umstürzlerische Pläne geschmiedet wurden und mit Dynamit konkretisiert wurden.
Aber eben doch ...:
 ... Alles zusammengenommen eine politisch hochbrisante Gruppierung, die zu allem imstande schien.
Verneinende Bejahung nennt man das. Oder wie? Jedenfalls: Auch der Schriftsteller Alfred Bronnen, der trotz all seiner Bemühungen die proletarierhaften Nationalsozialisten nicht von seiner "arischen" Herkunft überzeugen konnte, tummelte sich in diesem Kreis (2, S. 423):
Das Phänomen Bronnen indes hatte eine große Anzahl von Freunden in Bogumils (= F. Hielschers) Wohnung gelockt. Hans Dieter Salinger, der mittlerweile auch den wirtschaftspolitischen Teil des "Vormarsch" betreute, saß seiner Gewohnheit gemäß mit untergeschlagenen Beinen auf dem Sofa, Hans Zehrer (...), Otto Strasser war in Begleitung von Herbert Blank (...) erschienen, (...) Samhaber war da, Friedrich Georg Jünger, der Bruder von Ernst, und natürlich eine Anzahl von Jünger-Jüngern, die zu Füßen des Meisters kauerten.
Man kann auch sagen, diese Kreise blieben auch nach 1934 "in Bereitstellung" für den Fall, dass - z.B. - ein eher unerwarteter aber dennoch nicht unmöglicher Militärputsch "nationalkonservative Intellektuelle" gebrauchen sollte. So weit kann man sicherlich gehen, wenn man ihre "Widerstands"-Tätigkeit definieren wollte. Ob ein Militärputsch gegen Hitler etwa im Jahr 1938 oder später - der ja immer vor allem der Kriegsvermeidung oder Kriegsbeendigung hätte dienen sollen (also der schlimmstmögliche Fall für das Weltbild eines Friedrich Hielscher und damit sicherlich auch eines Jünger) - mit solchen "nationalrevolutionären Intellektuellen" nicht auf geradestem Wege von "dem Regen in die Traufe" geführt worden wäre, steht deshalb noch lange dahin.

Bereitstellung für einen - unerwarteteren - Militärputsch

Vielleicht wurden diese Kreise auch nur deshalb als "Widerstand" in "kritischer Distanz" zum Regime gehalten, um im Falle eines Militärputsches unter anderem Gewand völlig identisch auf der Linie weitermachen zu können, auf der man bis dahin jeweils schon mit Hitler und Konsorten marschiert war. Oberstes Leitziel musste ja bleiben, dass der Dreißigjährige Krieg Hielschers und Churchills den "Untergang des Abendlandes" zu vollenden hätte. - "So oder so".

Nach 1945 konnten sich Jünger, Schmitt und Hielscher in der beruhigenden Sonne wärmen, dass es ja "zum Glück" insgesamt doch noch ohne ihr direktes Eingreifen so weit gekommen war, wie es sowieso hätte kommen sollen und müssen. Zumindest gemäß den ideologischen, gesellschaftlichen Selbstmordprogrammen, die sie in ihren Köpfen herumwälzten.

So konnten die Hielscher, Jünger, Best, Schmitt und Konsorten ihren Lebensabend verbringen, sei es beleidigt (Schmitt), "großsegnieurhaft" (Jünger), die SS-Vergangenheitsbewältigung dirigierend (Best), kleinkariert an "Kirche" bastelnd (Hielscher). Auf jeden Fall waren es langwieirig sich hinziehende Lebensabende, die noch heute ganze Heere von Schreiberlingen in der Aufarbeitung dieser Lebensabende auf Trab hält. Von der großen Bühne des Weltgeschehens waren sie abgetreten, sie wurden kaum noch gebraucht und gaben zu diesem dementsprechend mehr oder weniger nur noch ihre griesgrämlichen, nichtssagenden und verhüllenden Kommentare ab.
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  1. Am Zehnhoff, H.W.: Der Fall Ernst von Salomon. Aktionen und Standortbestimmung eines preussischen Anarchisten in der Weimarer Republik. In: Revue belge de philologie et d'histoire, Année 1977, Volume 55, Numéro, 55-3, pp. 871-896
  2. Aspetsberger, Friedbert: Arnolt Bronnen. Biographie. Böhlau, Wien u. a. 1995 (Google Bücher)

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