"Man muß den Teufel anbeten." Und das hätte Hermann Hesse gesagt? Ja, hat er. In seinem Roman "Demian". Dieser wurde erstmals 1919 veröffentlicht, wobei ja schon in seinen Titel sehr bewußt das Wort "Dämon" hineinklingt. Und so weit man das zumindest im Internet übersieht, hat noch kein Literaturwissenschaftler darauf hingewiesen, daß in der Zeit, in der Hermann Hesse anfing, den "Demian" zu schreiben (um 1917), in seinem Freundeskreis auf dem Monte Verita die satanistische Freimaurerloge O.T.O. eine internationale Konferenz abgehalten hat, auf der satanistische Messen gefeiert wurden, und - unter anderem - "Das Buch des Gesetzes" des Obergurus der Satanisten vorgelesen wurde, nämlich von Aleister Crowley. Und daß viele Gedanken, die Hermann Hesse in "Demian" äußert, schlicht satanistische sind. Und daß es auch im Denken seines Ideengebers C. G. Jung viele satanistische Elemente gibt. Und daß sich viele Satanisten auf C. G. Jung berufen. Damit ist der wesentlichste Inhalt des folgenden Beitrages schon zusammengefaßt.
Wie so oft, wenn man sich mit dem Thema Satanismus beschäftigt, insbesondere dem elitären (Hermann Hesse ist schließlich Literaturnobelpreisträger von 1946), kommt man auf Dinge, die auf den ersten Blick völlig abwegig und ganz unglaubhaft erscheinen. Schaut man dann aber nur ein wenig genauer hin, ist es gleich von vornherein klar. Ganz ohne daß man an großartigen Verschwörungstheorien herumbasteln müßte: Hermann Hesse sagt es ja selbst klar und deutlich im "Demian", wie intensiv er sich mit satanistischem Gedankengut identifiziert.
Noch eine allgemeinere Vorbemerkung (hinzugefügt am 13.3.2015). Hermann Hesse begleitet mein Leben, seit ich in meiner Jugend mit großer Anteilnahme seinen "Siddartha" gelesen habe. Lange nachdem der vorliegende Beitrag geschrieben wurde, bekomme ich dementsprechend auch einmal wieder ein weiteres der vielen schönen Hesse-Lesebücher in die Hand. In diesem Fall: "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" - Lebensstufen, Suhrkamp 1986, zusammengestellt von Volker Michels. Und da finden sich doch so ganz und gar wunderbare und überzeugende Lesestücke drin - etwa über den Tod seines Vaters ("Ein Vermächtnis", 1916) oder "Das erste Abenteuer" (1906) oder "Von der Seele" (1918), dass einem einmal erneut klar wird, dass man mit Hermann Hesse nicht so leicht fertig wird. Wie passt das zusammen: Einerseits einen Freund zu haben wie Gusto Gräser und in vielen Romanen Männerorden, Priesterkasten zu glorifizieren (siehe unten) - und andererseits so rundum herrliche und durch und durch begeisternde, wesentliche Dinge zu schreiben?
Nun, da erinnert man sich zunächst - vielleicht mit Befriedigung - daran, dass das Verhältnis zwischen Gusto Gräser und Hermann Hesse offenbar über Jahre auch sehr spannungsgeladen sein konnte. Dass Hesse also offenbar keineswegs alles kritiklos hingenommen zu haben scheint, was von diesem ausging. Das wäre aber für eine Gesamtbeurteilung alles noch viel genauer zu untersuchen, als das im folgenden geleistet worden ist.
Jedenfalls soll der Gesamteindruck zur Person Hermann Hesse hier - in ganz vorläufiger Weise - einmal folgendermaßen festhalten sein: Es scheint fast, als ob die eigentliche Leistung von Hermann Hesse, um derentwillen er gerne auch den Nobelpreis verdient haben mag, gar nicht vorwiegend in seinen größeren Romanen und Erzählungen zu finden ist. Da wirkt er doch oft - auch unabhängig von der Themenwahl - recht "süßlich", so dass man das doch eigentlich auch bestenfalls als Jugendlicher ganz befriedigt lesen kann.
Nein, seine eigentliche Leistung mag man womöglich sogar vor allem in all den vielen Hermann Hesse-Lesebüchern finden, die seit Jahrzehnten gerne als Geschenkbücher verschenkt werden, und die all die über Briefwechsel und die gesammelten Werke hinweg verteilten Weisheiten zusammen stellen, die sich da doch zu einem großen Umfang finden. Ich denke da an solche Bändchen wie "Mein Glaube" (Suhrkamp 1971, zusammengestellt von Siegfried Unseld), "Musik" (Suhrkamp 1976, hrsg. v. Volker Michels) oder "Bäume" (Suhrkamp 1984, zusammengestellt von Volker Michels). Jedenfalls soll vorweg noch einmal betont sein, dass die Achtung vor solchen großen Leistungen des Schriftstellers Hermann Hesse nicht geringer werden muss, wenn man die Inhalte des vorliegenden Beitrages zur Kenntnis nimmt.
"War Hermann Hesse Mitglied einer freimaurerähnlichen Gesellschaft?"
Und das ist nun natürlich eine wesentliche Weiterführung der Satanismus-Beiträge hier auf dem Blog seit einem halben Jahr, insbesondere von zwei früheren Beiträgen, in denen der Verwunderung nachgegangen worden ist darüber, daß ein großer Teil der Romane und Erzählungen von Hermann Hesse sich wie Freimaurer-Romane, wie Geheimordens-Romane, bzw. wie Apotheosen auf Männergeheimbünde, Priesterorden und "Ministerien für Staatssicherheit" lesen (1). Wir hatten deshalb die Frage gestellt: "Waren Hermann Hesse, Ernst Jünger und Kollegen Mitglieder freimaurerähnlicher Gesellschaften?" (1)
Hermann Müller, der Jahrzehnte lange Erforscher des "Gurus" von Hermann Hesse, hat uns dankenswerter Weise versucht, diese Frage zu beantworten. Es war naheliegend, ihn zuerst zu fragen, denn er hat viele Belege dafür gesammelt hat, daß das Logenoberhaupt in Hermann Hesse's Erzählung "Morgenlandfahrt" die Personifizierung dieses Freundes und "Gurus" von Hermann Hesse gewesen ist, nämlich von Gusto Gräser. Und in einer seiner Anworten wies uns Hermann Müller darauf hin, daß der freimaurerisch-satanistische "Orientalische Templerorden" (O.T.O.) auf dem Monte Verita eine Rolle gespielt hätte ...
"... und da wäre noch manches rätsel zu lösen. aber hesse und gräser hatten nichts damit zu tun."Sie hatten nichts damit zu tun? Wo Hesse in zentralen Teilen des "Demian" so dezidiert satanistische Gedanken äußert? Es war nun Hermann Müller selbst, dessen Ausführungen über "den Sperber" im "Demian" und bei Gusto Gräser uns zuerst Verdacht schöpfen ließen in Richtung auf satanistische Hintergründe (2, S. 66f). Und nur ein wenig weitere Netz-Recherche, deren Ergebnisse in diesem und dem nächsten Beitrag zusammengetragen sind, legt doch allerhand "interessante" Zusammenhänge und Parallelen offen und läßt noch viele weitere erahnen.
Ekeltraining (Hermann Hesse, "Demian")
Hängen geblieben waren wir zunächst daran, daß Hermann Hesse in seinem Roman "Demian" einen Traum schildert, in dem er auf Veranlassung seines Gurus "Demian"/Gusto Gräser einen Sperber aufißt (2, S. 66f). Dem hatte man - wie so vielem - beim ersten mal Lesen gar keine Beachtung geschenkt. Aber jetzt merkt man plötzlich: Das klingt doch eigentlich schon sehr deutlich nach satanistischem Ekeltraining. In "Vier Jahre Hölle und zurück" (3) berichtet ein Überlebender satanistischer Gewalt beispielsweise davon, daß er eine lebendige Ratte roh aufessen mußte im Rahmen eines Ekeltrainings. Zu diesem war er unter rohester, brutalster Gewaltanwendung und abartigster Einschüchterung gezwungen worden.
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| Abb. 1: Postkarte, gezeichnet von Gusto Gräser, gesendet an Hermann Hesse am 29.9.1916 (aus: 2, S. 67) |
In der Nacht träumte ich (sc. Sinclair spricht) von Demian und von dem Wappen (sc. über der Haustüre hängt, von Sinclair bislang unbeachtet, das Bild eines Raubvogels). Es verwandelte sich beständig. Demian hielt es in Händen, oft war es klein und grau, oft mächtig groß und vielfarbig, aber er erklärte mir, dass es doch immer ein und dasselbe sei. Zuletzt aber nötigte er mich, das Wappen zu essen. Als ich es geschluckt hatte, spürte ich mit ungeheurem Erschrecken, dass der verschlungene Wappenvogel in mir lebendig sei, mich ausfülle und von innen zu verzehren beginne. Voller Todesangst fuhr ich auf und erwachte.
Der satanistische Gott "Abraxas"
Nun, dazu muß man ja nur ein wenig im "Demian" weiter lesen und merkwürdig genug, daß über das folgende bisher so viele Menschen - offenbar sogar Hermann Müller - darüber hinweggelesen haben, ohne daß ihnen etwas aufgefallen ist. Offenbar muß man für all dies erst sensibilisiert worden sein, indem man sich mit der Krankheit der multiplen Persönlichkeitsstörung und mit den Berichten von Überlebenden satanistischer Gewalt gründlicher befaßt hat. Jedenfalls ist da ja plötzlich sogar die Rede vom - - - satanistischen "Abraxas". Etwas später heißt es nämlich über diesen Sperber reichlich "mystisch"-metaphorisch (4; zit. auch nach Wikip, 5, S. 91 [5. Kapitel]):
"Der Vogel kämpft sich aus dem Ei. Das Ei ist die Welt. Wer geboren werden will, muss eine Welt zerstören. Der Vogel fliegt zu Gott. Der Gott heißt Abraxas."Brauchen wir noch mehr zum Beleg für unsere These? Und auch daß eine Welt "zerstört" werden müsse, klingt doch schon reichlich satanistisch. Und in dem Roman werden dann dem Lehrer "Doktor Follen" die Gedanken von Hesse's Ideengeber C. G. Jung in den Mund geschoben (- allerdings, so weit man sieht, etwas volkstümlich aufbereitet) (5, S. 92):
"Wir müssen uns die Anschauungen jener Sekten und mystischen Vereinigungen des Altertums nicht so naiv vorstellen, wie sie vom Standpunkt einer rationalistischen Betrachtung aus erscheinen. Eine Wissenschaft in unserem Sinn kannte das Altertum überhaupt nicht. Dafür gab es eine Beschäftigung mit philosophisch-mystischen Wahrheiten, die sehr hoch entwickelt war. Zum Teil entstand daraus Magie und Spielerei, die wohl oft auch zu Betrug und Verbrechen führte ...- ... naja, wer wäre auch so ganz "naiverweise" in diesem Zusammenhang auf "Betrug und Verbrechen" gekommen!!! ... -
Aber auch die Magie hatte eine edle Herkunft und tiefe Gedanken. ...Na! Bei diesen Worten jubeln ja zehntausend Teilnehmer auf den zahlreichen Magie-Foren im Internet nur so auf. Das ist es, was sie doch immer schon gesagt haben: Die Magie hat "eine edle Herkunft und tiefe Gedanken". Und damit müssen wir Hesse schlichtweg zu jemanden erklären, der Werbung, Propaganda für Okkultismus macht! Von seinem Ideengeber C. G. Jung war das jedem, der nur etwas genauer hinschaute, schon bekannt. Aber wer hätte das so schlechthin von Hermann Hesse erwartet? Der doch immer "drübersteht", selbst wenn er sich ständig in solchen okkulten Kreisen bewegte?
Jedenfalls glaubte Hermann Hesse damals - 1917/19 - scheinbar noch, mit all seinen Worten seinen Zeitgenossen etwas unglaublich Tiefes und Neues zu sagen über Magie, Okkultismus und Satanismus. Wir sind da heute etwas "abgebrühter" und durchschauen dadurch mehr, wo Hermann Hesse "zeitlos" ist und wo er doch wohl mehr als "zeitverhaftet" den geistigen Modeströmungen seiner Zeit folgt. Wobei er dann nichts weniger als das moralisch bodenlose okkulte Denken aufwärmte. Er läßt den Lehrer Follen/C. G. Jung weiter dozieren:
... So die Lehre von Abraxas, die ich vorhin als Beispiel anführte. Man nennt diesen Namen in Verbindung mit griechischen Zauberformeln und hält ihn vielfach für den Namen irgendeines Zauberteufels, wie ihn etwa wilde Völker heute noch haben. ...So "naiv" darf man sich aber nach Hermann Hesse und seinen Freunden (C. G. Jung etc.) die "edle" und "tiefe" Magie, die sich mit diesem "Zauberteufel" und "Dämon" Abraxas verbindet, keineswegs vorstellen. Bei weitem nicht! Hesse/C.G. Jung weiter:
... Es scheint aber, daß Abraxas viel mehr bedeutet. Wir können uns den Namen etwa denken als den einer Gottheit, welche die symbolische Aufgabe hatte, das Göttliche und Teuflische zu vereinigen."Das ist ja nun wirklich hübsch formuliert: bloß eine "symbolische" (!!!) Aufgabe! Was ist eine "symbolische" Aufgabe? Wir können wiederholt darüber nachsinnen und kommen zu keinem Ergebnis. Wie kann eine Aufgabe nur "symbolisch" sein statt wirkliche Aufgabe zu sein? Ein symbolische Aufgabe ist gar keine Aufgabe oder sie ist nicht symbolisch, sondern eine wirkliche. Merkt Hesse denn gar nicht, was für einen Quatsch er redet, wenn er sich auf solches okkulte Gedankengut seiner nächsten Freunde einläßt?
Und dann wollen wir doch gleich schon an dieser Stelle einschieben, was zuvor schon im "Demian" geschrieben worden war. Nämlich über die Umdeutung seiner eigenen Konfirmation, zu deren Zeitpunkt er schon viele buddhistische, sprich okkulte Texte gelesen hatte, und als er schon zutiefst von den okkulten Gedankengängen des Roman-"Demian" und anderer beeinflußt war (5, S. 65f):
(...) Die feierliche Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche (...). Nicht in die Kirche war ich nun bereit aufgenommen zu werden, sondern in etwas ganz anderes, in einen Orden des Gedankens und der Persönlichkeit, der irgendwie auf Erden existieren mußte und als dessen Vertreter oder Boten ich meinen Freund (Demian) empfand. (...) Die nahe kirchliche Feier (...) sollte für mich die Aufnahme in eine Gedankenwelt bedeuten, wie ich sie in Demian kennengelernt hatte.
.. Und als Reichhardt wieder einwarf, es möchte sich kaum irgendein Mensch finden, der in unserem Klima ohne Haus und ohne Kleider einen Winter überleben könnte, da lächelte sein Gast abermals freudig und sagte: "Gut so, gut so! Sie verstehen mich ausgezeichnet. Ebendas ist ja die Hauptquelle alles Elends in der Welt, daß der Mensch seine Wiege und natürliche Heimat im Schoß Asiens verlassen hat. Dahin wird der Weg der Menschheit zurückführen und dann werden wir alle wieder im Garten Edens sein."
Asien, so träumt er im Singapore-Traum, "Asien war nicht ein Weltteil, sondern ein ganz bestimmter doch geheimnisvoller Ort, irgendwo zwischen Indien und China. Von dort waren die Völker und ihre Lehren und Religionen ausgegangen, dort waren die Wurzeln alles Menschwesens und die dunkle Quelle alles Lebens, dort standen die Bilder der Götter und die Tafeln der Gesetze. Oh, wie hatte ich das nur einen Augenblick vergessen können! Ich war ja so lange Zeit unterwegs nach jenem Asien, ich und viele Männer und Frauen, Freunde und Fremde."
"Eine über die Welt verteilte kleine Gemeinschaft von Zukünftigen"
"Die Welt, wie er sie jetzt sah und nicht anders sehen konnte, bestand aus dem kleinen Kreis primitiver Tätigkeiten, denen er oblag, darüber hinaus war nichts vorhanden als auf der einen Seite eine verderbte, verfaulende und daher von ihm verlassene Kultur, auf der anderen eine über die Welt verteilte kleine Gemeinschaft von Zukünftigen, welcher er sich zurechnen mußte und zu der auch alle die Gästen zählten, deren manche tagelang bei ihm blieben."
Abb. 2: Postkarte von Gusto Gräser, gesendet an Hermann Hesse am 29.9.1916, Rückseite (aus: 2, S. 67)
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"Das Göttliche und das Teuflische vereinigen" (Hermann Hesse, "Demian")
Kehren wir nach diesem Seitenweg zum Roman "Demian" zurück und damit zu zentralen Inhalten des Ordensgedankens bei Hermann Hesse: Das Göttliche und das Teuflische sollen vereinigt werden! Auch damit ist vollkommen klar, daß Hermann Hesse selbst okkultgläubig ist. Er geht keineswegs "naiv" genug an diesen Okkult-Quatsch heran, wie man ihm das bislang immer gerne bereit war zu unterstellen. Und er enttäuscht uns damit zutiefst. Mag er insgesamt in seinem Leben auch moralisch über dieser satanistischen Moral gestanden haben, sie hat auch immer wieder auf ihn, sein Denken und sein Werk abgefärbt, keine Frage. Und sie wird auch weiter auf seine Leser abfärben, wenn sie sich nicht in vollem Umfang klarmachen, was hier eigentlich vorliegt. Nun also Hesse weiter (5, S. 93l):
Demian hatte damals gesagt, wir hätten wohl einen Gott, den wir verehrten, aber der stelle nur eine willkürlich abgetrennte Hälfte der Welt dar (es war die offizielle, erlaubte "lichte" Welt). Man müsse aber die ganze Welt verehren können, ...- Gegenfrage: Warum eigentlich? Warum "muß" ich die teuflische Seite der Welt verehren können? Das "muß" ich nur, wenn ich ein satanistisches, zutiefst okkultes Weltbild habe. Sonst nicht. Herr Hesse vergißt zu denken, will einem scheinen. Er ist zu unselbständig im Kreis seiner Freunde, in seinem Anlehnungsbedürfnis und in seiner Suche nach einem "geistigen Führer" oder mehreren. Hesse weiter:
... also müsse man entweder einen Gott haben, der auch Teufel sei, oder man müsse neben dem Gottesdienst auch einen Dienst des Teufels einrichten. ...Was man also so alles "muß" in den Kreisen von Hermann Hesse und in den Orden, Bünden und Logen, die es da gab, und denen engste Freunde von Hesse angehörten. Sprich: Ich, Hermann Hesse, bin Satanist. Und all meine Freunde um mich herum auch. Wir "Zukünftigen". Das sind die "Grundlagen zu einem Glauben", die ich im "Demian" legen will. Wie Hermann Müller in seiner Einleitung (2, S. 9) zitiert! Hesse weiter:
... und nun war also Abraxas der Gott, der sowohl Gott wie Teufel war.Hat man das verstanden, versteht man alles andere auch, was da im "Demian" noch so dunkel "geraunt" wird. Man kann beispielsweise auch die "gewissenlose" Moral besser einordnen, die sowohl von Hermann Hesse, wie von Gusto Gräser vertreten und gelehrt worden sind laut H. Müller (2, S. 163f):
"Sei unmittelbar", sagt daher Gräser gleich in seinem ersten Stuttgarter Vortrag, "und gehorche nicht einmal ohne weiteres dem Gewissen. Auch das Gewissen ist eine verdächtige Autorität, denn es ist belastet mit Konvention und Sitte" (Schwäbische Tagwacht vom 5. Mai 1913). Ein "unheimlich wispernd Insekt" nennt er das Gewissen, "Teifelsbiß", "Spaltpilz", "Zischewort", "Schuldheißwort", "Herab, herab vom Feierlich-Hochehrenthron, du ungeheuerliche, du Herzgottbeleidigung ...!"
In Hesses "Brief an einen jungen Deutschen" aus dem Jahr 1919 unterstreicht Gräser jene Worte, die seine eigenen Meinung vollkommen wiedergeben: "Schuld gibt es nicht. ... Schuld ... Unschuld, Recht ... Unrecht ... sind Kinderbegriffe ..."
Der "Führung" durch den Gott-Teufel "blind folgen" (Hermann Hesse, "Demian")
Etwa nur eine Seite weiter noch im gleichen fünften Kapitel erfahren wir dann, wie satanistische "Träume" dann so aussehen können (5, S. 94):
Ein bestimmter Traum, oder ein Phantasiespiel, das immer wiederkehrte, wurde mir bedeutungsvoll. (...) Ich kehrte in mein Vaterhaus zurück (...) im Hause kam mir meine Mutter entgegen - aber als ich eintrat und sie umarmen wollte, war es nicht sie, sondern eine nie gesehene Gestalt, groß und mächtig, dem Max Demian (...) ähnlich, doch anders, und trotz der Mächtigkeit ganz und gar weiblich. Diese Gestalt zog mich an sich und nahm mich in eine tiefe, schauernde Liebesumarmung auf. ...Wir sollen ja Hesse so "wörtlich wie nur möglich" lesen! Also weiter:
... Wonne und Grausen waren vermischt, die Umarmung war Gottesdienst ...- aber hallo! -
... und war ebenso Verbrechen. Zu viel Erinnerung an meine Mutter, zu viel Erinnerung an meinen Freund Demian geistete in der Gestalt, die mich umfing. Ihre Umarmung verstieß gegen jede Ehrfurcht und war doch Seligkeit. Oft erwachte ich aus diesem Traum mit tiefem Glücksgefühl, oft mit Todesangst und gequältem Gewissen wie aus furchtbarer Sünde.
(...) Und ich begann zu spüren, daß ich gerade in diesem Ahnungstraum den Abraxas anrief. (...) Engelsbild und Satan, Mann und Weib in einem, Mensch und Tier, höchstes Gut und äußerstes Böses. Dies zu leben schien mir bestimmt, dies zu kosten mein Schicksal.
(...) Ich fühlte die Aufgabe, dieser Führung blind zu folgen.- Gut. Wer die Berichte von Überlebenden satanistischer Gewalt zur Kenntnis genommen hat, dem ist in diesen Worten nichts mehr fremd. Der hat eine gute Vorstellung von dem, was hier Hermann Hesse schildert. Und der versteht ab jetzt vielleicht auch besser, warum Hesse manchmal so unausgeglichen und nervös war, wenn er von einem Zusammensein mit Gusto Gräser - oder mit anderen Freunden - in seine normale Umwelt zurückkehrte (wie es Hermann Müller schildert).
"Der Teufel als Ausweg" (Hermann Hesse, "Demian")
Einige Seiten weiter führt dann Hesse seine satanistische Lebensphilosophie und die vieler seiner Freunde weiter aus (anhand der Reden des "Organisten Pistorius") (5, S. 105):
Alle Götter und Teufel, die je gewesen sind, sei es bei den Griechen und Chinesen oder bei Zulukaffern, alle sind mit in uns, sind da, als Möglichkeiten, als Wünsche, als Auswege.Wir halten fest: "Teufel als Auswege"! (Nur um das auch an dieser Stelle noch mal nur kurz zu Ende zu denken, diese satanistische "Moral": Warum sollte ich dann noch einen Verbrecher wie Hitler, einen Verbrecher wie Stalin grundsätzlich ablehnen und all ihrer Helfershelfer und Genossen, wenn ich so denke? Warum sollte ich mich dann nicht ebenso gut mit dem dritten Mann hinter Himmler und Heydrich verstehen, wie sich Ernst Jünger mit Werner Best verstanden hat? Und so weiter und so fort. Warum soll ich keine Atombomben werfen? Warum soll ich nicht Terror "im Namen des Staates" machen? Das ist also eine herrliche Moral, mit der man genau jene Politik verfolgen kann, jene gesellschaftlichen Selbstmordprogramme verfolgen kann, die in den herrschenden Eliten seit mindestens hundert Jahren en vogue zu sein scheinen.) Übrigens fällt uns an dieser Stelle wieder ein, daß Hermann Hesse gegenüber Jakob Wilhelm Hauer 1934 ebenfalls von einem kommenden "Dreißigjährigen" Glaubens-"Krieg" gesprochen hat, wie Friedrich Hielscher im Jahr 1931. Er hat sich offenbar nicht in der Verpflichtung gesehen, das, was er da auf die Gesellschaften zukommen sah, zu verhindern und abzuwehren. Auch dies ist Teil des auch durch ihn propagierten und in handelnder Weise vorgelebten gesellschaftlichen Selbstmordprogrammes. - Aber folgen wir zunächst Hesse weiter in seinem "Demian" (5, S. 109):
Lieber Sinclair, unser Gott heißt Abraxas, und er ist Gott und ist Satan, er hat die lichte und die dunkle Welt in sich. Abraxas hat gegen keinen Ihrer Träume etwas einzuwenden. (...) Aber er verläßt Sie, wenn Sie einmal tadellos und normal geworden sind.Abraxas verläßt uns also, wenn wir nicht Hitler und nicht so edel sind, wie, sagen wir, hm, Karlheinz Deschner ;-) Sind wir wie Hitler, bleibt er bei uns. Eine ganz "tolle" Moral. Und bestimmt nicht "spießbürgerlich", nein, sie geht "ins Große", so wie die Moral eines Hitler oder eines Stalin "ins Große" gegangen ist. Wow! Nur wenn wir so "tadellos" und "normal" geworden sind, daß wir etwas so abwegig Spießbürgerliches unternehmen wollen wie Kriege zu verhindern, dann verläßt uns Abraxas. Hier scheint Hermann Hesse genau auf einer Linie zu liegen mit dem Freund von Ernst Jünger und Werner Best, nämlich mit dem barfüßigen Propheten Friedrich Hielscher.
"Priester des Abraxas"
Und dann formuliert Hesse sicherlich sein eigenes Selbstverständnis ebenso wie etwa das von Gusto Gräser , C. G. Jung oder auch von Rudolf von Laban oder von Friedrich Hielscher (5, S. 109f):
"Es klingt komisch," sagte Pistorius, "daß ich einmal Theologe war und beinah ein Pfarrer geworden wäre. Aber es war nur ein Irrtum in der Form, den ich dabei beging. Priester sein, ist mein Beruf und mein Ziel. Nur war ich zu früh zufrieden und stellte mich dem Jehova zur Verfügung, noch ehe ich den Abraxas kannte. Ach, jede Religion ist schön. Religion ist Seele, einerlei, ob man ein christliches Abendmal nimmt oder ob man nach Mekka wallfahrt."Oder, so möchte man diesen Gedanken völlig konsequent zu Ende führen - und natürlich in den Augen eines Hesse oder eines Gräser und all ihrer Freunde viel zu "spießerhaft": ... einerlei, ob ich in meiner "Religion" Kinder aufesse, foltere oder schwängere oder Dreißigjährige Kriege anzettele - "alles ist schön". Denn was tut denn wohl der hier so häufig angepriesene Teufel, der Satan sonst, den man verehren - - - "muß"? (Wenn man nicht "Spießer" sein will?)
Teilnahme an verbrecherischen Kulten
Hermann Hesse läßt wirklich nichts zu wünschen übrig. So wie er sich über Logenzugehörigkeit und Logenwesen in den "Morgenlandfahrern" völlig offen und unverhüllt ausspricht, so auch über seinen Satanismus. Läßt er doch seinen Organisten Pistorius sagen - hat das irgendeiner von den Literaturwissenschaftlern mal "wörtlich" genommen? - (5, S. 110):
"Ich habe Kulte begangen, für die ich Jahre von Zuchthaus absitzen müßte, wenn man davon wüßte."Hesses nächste Freunde also haben schwere Verbrechen begangen und er ist so weit eingeweiht, sie können ihm so sehr vertrauen, daß sie ihm davon - zumindest! - erzählen können - wenn er nicht selbst mitgemacht hat - nachdem er im Traum schon einen lebendigen Sperber gegessen, Inzest begangen und ihm sündig erscheinende Homosexualität ausgelebt hatte! Und (5, S. 111f):
"Man darf nichts fürchten und nichts für verboten halten, was die Seele in uns wünscht."
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| Abb. 3: Mit Ehefrau Ruth Wenger (um 1920) |
Wir im engeren Kreise hörten zu und nahmen keine dieser Lehren anders an denn als Sinnbilder ...
Andre standen uns näher, welche das Suchen der Menschheit nach Göttern und neuen Wunschbildern in der Vergangenheit verfolgten und deren Studien mich oft an die meines Pistorius erinnerten. Sie brachten Bücher mit, übersetzten uns Texte alter Sprachen, zeigten uns Abbildungen alter Symbole und Riten und lehrten uns sehen, wie der ganze Besitz der bisherigen Menschheit an Idealen aus Träumen der unbewußten Seele bestand, ...
... aus Träumen, in welchen die Menschheit tastend den Ahnungen ihrer Zukunftmöglichkeiten nachging.
In den Figuren des Demian und Pistorius hat er seine eigenen Seelenführer aus dieser Zeit, den Psychoanalytiker und Jungschüler Lang und C.G.Jung selbst, dargestellt.
Der Teufels-Gott des okkulten C. G. Jung
Und das findet man ja auch auf der schon zitierten Wikipedia-Seite zu "Abraxas":
C. G. Jung beschreibt in seinen Septem sermones ad mortuos den Abraxas als einen „Gott über Gott“, als einen „Gott, von dem Ihr nicht wusstet, denn die Menschen vergaßen ihn. Wir nennen ihn mit seinem Namen ABRAXAS. Er ist noch unbestimmter als Gott und Teufel.“So redet man als Satanist, der in der Öffentlichkeit nicht als dezidierter Satanist wahrgenommen werden möchte, was ja bis heute offenbar mit C. G. Jung auch Hermann Hesse gelungen ist. C. G. Jung laut Wikipedia weiter - und wer das folgende versteht, möge sich bitte bei uns melden:
„Er ist noch unbestimmter als Gott und Teufel. Um Gott von ihm zu unterscheiden, nennen wir Gott Helios oder Sonne. Der Abraxas ist Wirkung, ihm steht nichts entgegen, als das Unwirkliche, daher seine wirkende Natur sich frei entfaltet. Das Unwirkliche ist nicht, und widersteht nicht. Der Abraxas steht über der Sonne und über dem Teufel. Er ist das unwahrscheinlich Wahrscheinliche, das unwirklich Wirkende. Hätte das Pleroma ein Wesen, so wäre der Abraxas seine Verdeutlichung. Er ist zwar das Wirkende selbst, aber keine bestimmte Wirkung, sondern Wirkung überhaupt. Er ist unwirklich wirkend, weil er keine bestimmte Wirkung hat. Er ist auch Kreatur, da er vom Pleroma unterschieden ist. Die Sonne hat eine bestimmte Wirkung, ebenso der Teufel, daher sie uns viel wirksamer erscheinen als der unbestimmbare Abraxas. Er ist Kraft, Dauer, Wandel.“Das ist der okkultgläubige C. G. Jung in "Reinkultur". Wie C. G. Jung überhaupt jemals ein Ansehen in der westlichen Kultur erlangen konnte, das nur wenig hinter dem eines Sigmund Freud zurückblieb, ist uns nach allem, was wir bislang so sporadisch von diesem C. G. Jung zu lesen bekommen haben, unerfindlich. Wenn ihn Hermann Hesse wirklich noch ernster genommen haben sollte, als alle sonstigen "Buddhisten, Astrologen und Kabbalisten" auf dem Monte Verita, dann würde ihn das von all den anderen genannten Okkultgläubigen wirklich nicht gerade weit entfernen. Da hätte er sich wirklich viel vorgemacht. Wer solche Absätze wie die eben zitierten schreibt, der hätte es verdient, noch viel früher auf dem Abfallhaufen der Geschichte zu landen, als - nur um ein Beispiel zu nennen - Karl Marx.
Es folgt noch ein --> 2. Teil.
- Bading, Ingo: Hermann Hesse, Ernst Jünger und Kollegen - Mitglieder freimaurerähnlicher Gesellschaften? (I), (II), 19.9.2011
- Müller, Hermann: Der Dichter und sein Guru. Hermann Hesse - Gusto Gräser, eine Freundschaft. Gisela Lotz Verlag, Wetzlar 1978
- Lukas: Vier Jahre Hölle und zurück. Bastei Lübbe, Köln 1995 (18. Aufl. 2010)
- Heiner, Johannes: Hermann Hesses Weg nach innen. Auf: LyrikRilke.de, August 2006
- Hesse, Hermann: Demian. Die Geschichte von Emil Sinclaiers Jugend. Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt am Main 1974 (Erstveröffentlichung 1925)
- Bading, Ingo: Oswald Spengler - Mitglied der Fraternitas Saturni? GA-j!, 18.4.2011
- Jäckel, Karin: Isis, Fürstin der Nacht. Als Kind in den Fängen einer satanistischen Sekte. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2003 (7. Aufl. 2007)
- König, Peter Robert: Der O.T.O. unter Reuss und Crowley (3).
- Illerhaus, Florian: Gegenseitige Beeinflussungen von Theosophie und Monte Verità. Studienarbeit. GRIN-Verlag, München (Books on Demand, Norderstedt) 2009 (Google Bücher)
- Congrès Coopératif Anational. Auf: Lebensreform in der Schweiz, 6.5.2009
- Witzmann, Pia: Der Einfluss des Okkulten auf den Tanz. Auf: Atemzeit, 5.1.2010






