Montag, 18. April 2011

Oswald Spengler - Mitglied der Fraternitas Saturni?

"Die unsichtbaren Väter" - Ein Kriminalroman über völksich-okkulte Logen und Orden aus dem Jahr 1935, der 1936 verboten wurde

Ein Autor wie Wolfgang Eggert (1) zeigt auf, daß man auch die Autoren der Ludendorff-Bewegung noch heute sinnvoll auswerten kann in dem Bemühen, die geheime politische und okkulte Geschichte des 20. Jahrhunderts aufzuklären. Unter diesen Autoren hat Wolfgang Eggert auch die Arbeiten von Hermann Rehwaldt (2 - 5) studiert. Der Autor Peter-Robert König  (6) behauptet nun, daß in dem Kriminalroman von Hermann Rehwaldt aus dem Jahr 1935 "Die unsichtbaren Väter" insbesondere die Logenarbeit in der völkisch-okkulten Freimaurerloge Fraternitas Saturnis in romanhafter Form behandelt worden sei.

Da P.-R. König sicherlich unter den lebenden Autoren einer der besten Kenner der Geschichte der Fraternitas Saturni ist, gehen wir im folgenden davon aus, daß diese seine Einschätzung zutreffend ist. Den Roman "Die unsichtbaren Väter" hat Wolfgang Eggert nicht ausgewertet. Er interessiert uns im folgenden auch in keinerlei Weise um seiner etwaig vorhandenen - oder nicht vorhandenen - Qualitäten als Roman willen (also irgendwie als ein Stück "Literatur"), sondern allein um der Sichtweise Hermann Rehwaldts und seiner Kenntnisse von der Arbeit völkisch-okkulter Logen zwischen 1920 und 1935.

Wühlen in okkulten Geheimschriften

Der Ausgangspunkt der Arbeit von Hermann Rehwaldt war unter anderem die inhaltsreiche Schrift von Mathilde Ludendorff "Induziertes Irresein durch Okkultlehren" (7), erschienen Januar 1933 (siehe auch: 8 - 10). Mathilde Ludendorff behandelt darin unter anderem auch eine Kultfeier des "Ordo Templi Orientis" (7, S. 84 - 90) anhand der damals noch als Geheimschrift geltenden Schrift "Die gnostische Messe" von Aleister Crowley, 1917/18 ins Deutsche übertragen von einem der Gründer des O.T.O., von Theodor Reuß ("Merlin Peregrinus") (Wikip., E.-P. König). Beide Autoren waren Mathilde Ludendorff offenbar 1933 dem Namen nach noch gar nicht bekannt. (In Neuausgaben ihrer lesenswerten Schrift "Induziertes Irresein durch Okkultlehren" sollte dringend auf diese Zusammenhänge hingewiesen werden.)

Von Gérard Encausse, über Aleister Crowley über Paul Köthner zu der Fraternitas Saturni von Eugen Grosche  

Soweit übersehbar, behandelt Mathilde Ludendorff hingegen die Fraternitas Saturnis in ihren Schriften nicht. Die Fraternitas Saturnis behandelt Mathilde Ludendorff erst in einem Aufsatz aus dem Jahr 1955 (s. Scribd, S. 102f). Schon in Jahr 1933 veröffentlichte sie ihren Aufsatz "Der Orden und der Satanismus" (behandelt --> hier). In diesem Punkt wurde sie nun ergänzt durch den Roman "Die unsichtbaren Väter" von Hermann Rehwaldt. (Denn es spricht alles für die Deutung von P.-R. König, daß in diesem Roman die Fraternitas Saturnis behandelt ist.) Zwar behandelt Mathilde Ludendorff zum Beispiel auch das Thema "Spiegelmagie" (7, S. 108), allerdings nach der Zeitschrift "Die Wandlung" von Paul Köthner von 1929. Nicht nach den von diesem darin besonders warm empfohlenen "Magischen Briefen" der Fraternitas Saturni, die Eugen Grosche seit 1925 herausgegeben hat. Diese "Magischen Briefe" erwähnt Hermann Rehwaldt nun in seinem Literaturverzeichnis (2, S. 392) und auch im Text des Romans selbst mit folgenden Worten (2, S. 294):
Der Professor holte aus dem Bücherschrank eine Reihe Bücher, deren Umschlag eine krause Überschrift "Magische Briefe, Okkulte Praxis", ein Pentagramm und andere kabbalistische Zeichen zeigte. "Hier," sagte er. "Das sind die von Br. Köthner in seiner "Wandlung" besonders warm empfohlenen "Magischen Briefe". In meinem Kampf gegen die Okkultverbrecher habe ich mich durch diesen Wust von hochgradigem Blödsinn durchfinden müssen. Es ist eine Zumutung für einen normalen und vernünftigen Menschen.
Die "Magischen Briefe"
Diese "Magischen Briefe" bilden sicherlich einen der wesentlichsten Ausgangspunkte für den Roman. Und in diesen wird beispielsweise die Spiegel- und Kristallmagie gleich im Heft 1 von 1925 behandelt (siehe etwa hier).

Die Spiegelmagie wird auch schon von dem französischen Okkultisten Gérard Encausse, genannt "Papus", 1891 behandelt (in "Traite methodique de Magie practique", heute auch auf Deutsch erhältlich) (15, S. 80). Gérard Encausse hat 1901 bis 1906  den russischen Zaren Nikolaus II. und seine Frau in Esoterik unterrichtet (Wikip.):
Dabei gründete er eine Martinistenloge, der auch der Zar selbst angehörte. (...) Er assistierte dem Zarenpaar bei wesentlichen Regierungsentscheidungen und warnte sie vor den Einflüssen Rasputins.
Angesichts eines solchen Beispiels wird man wohl mit vielen leitenden Okkultisten zu rechnen haben, die in früheren Zeiten und heute Aspirationen haben, "bei wesentlichen Regierungsentscheidungen" zu "assistieren". Oder die leicht geneigt sind, das anderen - gerne auch konkurrierenden - Okkultisten zu unterstellen (vgl. auch: 16).

Einige Stärken und Schwächen des Romans

Ob Hermann Rehwaldt zusätzlich auch mancherlei persönliche Erfahrungen in diesem Roman verarbeitet hat oder die Erfahrungen von persönlichen Informanten, bleibt offen. Da der Roman aber mancherlei Vorgänge und Umstände recht detailliert schildert, die es - nach Berichten auf Foren im Netz - in paralleler Form vor einigen Jahren in sehr ähnlicher Form immer noch gegeben hat (siehe unten), würde es einem sehr kühn anmuten, wenn Rehwaldt sich das alles nur anhand der Literatur und einer reichen Phantasie erarbeitet haben sollte. Indem wir das sagen, wollen wir aber zugleich auch auf einige offenbare Schwächen des Romans hinweisen.

1. Ein unrealistisches Geschehen im Roman ist es, daß eine Mordkommission Tage lang, über Wochen hinweg sich trifft, nur um aus dem "magischen Tagebuch" eines mutmaßlich ermordeten Hochgradfreimaurers vorzulesen, anstatt einfach Abschriften für alle herstellen zu lassen und sich zu treffen, nachdem es alle gelesen haben.

2. Die Einflußnahme der Freimaurerei auf die Politik, die Medien, die Clubs ist - zumindest vom Kenntnisstand von heute her geurteilt - etwas gar zu grobschnitzig dargestellt. Die einzelnen Journalisten, Politiker usw. müssen psychologisch viel geschickter in Entscheidungsfindungen mit eingebunden sein, bspw. muß ihnen zugeraunt werden, was noch viel wichtiger ist als das bisherige, daß das und das gut sei, daß sie bei dem und dem - wie alle - mitmachen müßten, wenn sie ihre Stellung nicht verlieren wollten und vieles ähnliche mehr (vorauseilender Gehorsam insbesondere aufgrund von wenigen Andeutungen ..., Erpreßbarkeit ...).

Wie arbeiten Geheimdienste und -gesellschaften?

Dies gilt zum Beispiel auch, was die Stimmungsmache für einen Krieg betrifft oder das "Hijacking" gegnerischer Bewegungen. Dazu gibt es ja "Thinktanks", die die Logenmitglieder ideologisch vorbereiten, psychisch schulen und suggerieren auf die nächsten Schritte, die zu leisten sind. (Wir haben hier auf dem Blog in einem späteren Artikel Hans Zehrer und seinen Tatkreis als einen solchen "Thinktank" behandelt.) Es wird damit gearbeitet, daß gesagt wird, daß das und das "kommen wird", das und das "komme sowieso", es müßten - in Vorbereitung darauf - nur noch die Einzelheiten festgelegt werden. Eben einfach insgesamt so, wie auch eine Mafia arbeitet, arbeiten muß.

In dem Roman wird an mehreren Stellen Oswald Spengler erwähnt. Gerade seine These vom "unvermeidlichen", "gesetzmäßigen" "Untergang des Abendlandes" stellt allzu deutlich ein solches Ideologie-Element eines gesellschaftlichen Selbstmordprogrammes, einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung dar, für das man deshalb gerne viel journalistischen Rummel veranstalten konnte.

Aber zu all dem gehört auch, daß den einzelnen Beteiligten ein Gefühl von "Macht" und "Einfluß" gegeben wird, gerne auch nur in "simulierter" Form. Möglicherweise kann dies auch geschehen - wenn man Cathy O'Brien folgt - in Form von Macht über trauma-programmierte Politiker-Prostituierte, bzw. sonstige "Logen-Sklaven", über Gewalt- und Mordexzesse in satanistischen Orgien und ähnliches. Oder einfach darüber, daß man Menschen einfach nur teilhaben läßt an dem Wissen von "Eingeweihten", was bei vielen die Eitelkeit schmeichelt. Indem man sie gar als "blinde Werkzeuge" vor irgendwelchen politischen Entscheidungen irgendwelche "Rituale" ausführen läßt oder Quasi-Rituale. Alles Dinge, bei denen sich Menschen wichtig vorkommen könnten, ohne es eigentlich wirklich zu sein. Die Magie selbst wird bei all dem, zumindest heute, nur noch "unterstützende", stabilisierende Funktionen haben.

Es wird jedenfalls insgesamt die Lebenssituation des einzelnen, seine Psychologie in Rechnung gestellt von Geheimdiensten, um ihn dann so zu platzieren wie er platziert wird. Victor Ostrowski etwa berichtet von einer großen psychologischen Abteilung innerhalb des Mossad. Wie staatliche Geheimdienste arbeiten, ist ja erst in den letzten Jahrzehnten besser bekannt geworden. Ähnlich umfangreich arbeiten aber Logen, Orden und sonstige Geheimgesellschaften, auch natürlich der Jesuitenorden, schon seit vielen Jahrhunderten.

3. Für einen im Gehirn "inselartig" okkult-verblödeten Hochgradfreimaurer, der auf gutem Fuße steht mit Leuten von der Kategorie Oswald Spengler, Schacht, Papen, Schleicher, Reichskanzler Hermann Müller (wie im Roman dargestellt), ist der "Herr von der Höh", die Hauptfigur des Romans, auch viel zu holzig-einsiedlerisch-versponnen dargestellt. Er müßte als wesentlich weltgewandter, mit vielen hundert Fäden in Zusammenhang mit dem politischen und geistigen Leben stehend dargestellt sein, als das im Roman gelungen ist, der wohl dabei eher die Person des Autors Hermann Rehwaldt selbst wiederspiegelt.

Die "Konservative Revolution" im Kriminalroman: Die Firma "Oswald Spengler & Co."

Oswald Spengler
An einer Stelle des Romans wird ein innerer Zirkel der Fraternitas Saturni noch genauer gekennzeichnet. Es heißt dort über den Berliner "Sprengel", die Berliner "Burg" dieses inneren Zirkels der Fraternitas Saturni (2, S. 184):
Der politische Leiter dieses Sprengels des namenlosen Ordens war ein anderer Herr, dessen Namen ich verpflichtet bin, für mich zu behalten, der Sie aber in höchstem Grade erstaunen würde. Sie kennen ihn alle aus der Presse und aus dem Schrifttum, seine politisch-philosophischen Werke zieren die Bücherschränke aller Intellektuellen in Deutschland und vielleicht auch im Auslande.

"Spengler?" fragte der Ministerialdirektor dazwischen. "Ich darf Ihnen weder nein noch ja sagen. Spengler ist nicht der einzige Vertreter dieser Art Schrifttum."
Das intellektuell-geistige Umfeld, das Hermann Rehwaldt hier zu kennzeichnen versucht, ist dasjenige, das Armin Mohler nach dem Zweiten Weltkrieg als das Umfeld seiner "kategoriensprengenden Autoren" der sogenannten "Konservativen Revolution" bezeichnet hat (11) mit Autoren wie: Ernst Jünger, Arnold Gehlen, Carl Schmitt,  Arthur Moeller van den Bruck, Julius Evola oder eben Oswald Spengler und viele ähnliche Autoren mehr.

Übrigens kann man Armin Mohlers wissensschaftliches Referenzwerk "Konservative Revolution" (11) - ein Seitengedanke - auch wie den Endbericht der zuständigen Abteilung eines innerdeutschen "Nachrichtendienstes" zum Thema "Gegnerforschung / Freundesforschung" lesen. Und bei dem Sekretär eines Ernst Jünger werden sowieso viele Informationen zusammengeflossen sein, die für Nachrichtendienste - und natürlich "Verfassungsschützer" - ... "interessant" sind. (Vor wie nach 1945.)

Dazu paßt auch der auffallende Umstand, daß im Umkreis der "kategoriensprengenden" Autoren der Konservativen Revolution und deren geistigen Nachfolgern seit Jahrzehnten auffallend wenig - oder höchstens sehr zurückhaltend - über die reichen Erkenntnisse berichtet wird, die heute schon über Geheimdienste und Geheimgesellschaften und ihren umfassenden Einfluß auf Politik und Medien bekannt sind.

Der Freiherr von Sebottendorff - ein antivölkischer "Völkischer"?

In dem magischen Tagebuch, das der Romanautor Hermann Rehwaldt den Hochgradfreimaurer seines Romans an seinen innerhalb der Loge vorgesetzten "Guru" gerichtet schreiben läßt, wird dieser im Jahr 1920 auch als Angehöriger der Thule-Gesellschaft gekennzeichnet (2, S. 126f) (auch hier ist wieder psychologisch wohl etwas gar zu grobschnitzig offen von "Befehl" die Rede):
Ich fügte mich gern deinem Befehl, bei völkischen Kreisen Anschluß zu suchen. Ich sah ein, daß diese Gefahr nur durch Lahmlegung von innen heraus bekämpft werden kann, indem man in diese Kreise hineingeht und sie unter ihrer Fahne und in ihrem Wappenrock zu Zielen führt, die die unseren sind. In dem Bruder von Sebottendorf, den Leiter der Thule-Gesellschaft, die damals in München die führenden  Köpfe der Bewegung vereinigte, habe ich einem Eingeweihten hoher Grade kennengelernt. Ich bewunderte seine Kunst, seine schärfsten und erbittersten Gegner so führen zu können, daß sie der festen Überzeugung waren, er sei einer der ihrigen. Ich bewunderte auch seine Geschicklichkeit in dem Verkehr mit den Mitgliedern der Räteregierung, die ihm innerlich entschieden näher standen, als diejenigen, die er anführte, bis auf wenige Eingeweihte, wie ich einer war. Er verstand es, bei den Roten den Eindruck zu erwecken, er sei ihr entschiedener Gegner, und erst im Augenblick höchster Gefahr wie er sich bei einem der mit seiner Verhaftung betrauten Kommissare, wenn ich mich nicht irre, einem ehemaligen österreichischen Offizier und Mitglied einer Feldloge in höheren Graden, als das aus, was er in Wirklichkeit war. Er rettete dadurch auch ein paar der Thule-Leute. Andere aber überließ er ihrem Schicksal, und sie wurden als Geiseln erschossen. (...)

Außer der Thule-Gesellschaft verkehrte ich um diese Zeit in einer kleinen verschwiegenen Geheimloge in Schwabing (...). Es war eine gemischte Loge, d. h. eine solche, die aus Männern und Frauen bestand, mit arischem Weistum, das für unsere Begriffe deutsche oder altgermanische Worte hatte. Die Tendenz der Loge ging außer den üblichen okkulten Bräuchen und Übungen dahin, Herrenmenschen und Priestermagier heranzubilden. Die Logenschwestern waren, wie es üblich ist, eidlich verpflichtet, sich dem Ritual und dem Hohepriester zur Verfügung zu stellen.
Und an einer späteren Stelle des Romans heißt es über den Schreiber des "magischen Tagebuches" (2, S. 182 - 184):
Er selbst sei führendes Mitglied eines völkischen Geheimordens, der zum Zwecke der Bekämpfung der Freimaurerei mit gleichen Mitteln seinerzeit von völkischen Männern gegründet wurde. Der Name des Ordens spielt an sich keine Rolle, nennen wir ihn zum Beispiel Germanenorden. Die Logen dieses Ordens pflegen "altarisches Weistum", "Erziehung zu Herren", und ein Ritual, das sich stark an das freimaurerische anlehnt, aber für alles deutsche Bezeichnungen hat. So mauert der Orden am "Deutschen Dom" und nicht am "Tempel Salomos", wie die Freimaurerei usw. (...) Er suchte zu erforschen, woher denn all diese Übereinstimmungen des Ordensbrauchtums mit dem Freimaurerritual kämen. Die Erklärung der Ordensliteratur, all dieses Weistum und Brauchtum sei ursprünglich arisches, germanisches Geistesgut gewesen und später erst von Juden gestohlen und für ihre Zwecke verfälscht worden, genügte ihm nicht. Trotz der planmäßigen Ordensdressur hat er genug Urteilskraft behalten, um sich zu sagen, daß der Orden ja erst nach der Freimaurerei entstand, also auf keine tausendjährige Tradition zurückblicken kann. Daß also auch das Brauchtum neueren Datums sein müsse als das der Freimaurer. (...)

Durch eifrige Ordensarbeit, besonders auf politischem Gebiet - der Unbekannte war einer der höchsten Führer einer großen nationalen Partei - gelangte er in die höchsten Grade seines Ordens und schließlich in das, was bei manchen Systemen der Freimaurerei "innerer Orient" oder "strikte Observanz" oder die "schwarzen Logen" genannt wird. Es war ein Orden innerhalb des Ordens, ein Kern der geheimen Führer, von deren Existenz als ein geheim verschworener Verband die Brüder niederer Grade keine Ahnung hatten. Die Zugehörigkeit zu diesem namenlosen "Orden" wurde durch Eide gesichert. (...) In diesen namenlosen Orden wurde Magie, Kabbalistik und Astrologie betrieben, nur, daß alle diese "Weistümer" als rein germanisch, arisch, als "Armanenweistum" hingestellt wurden. (...)
"Hinein in die nationalen und völkischen Organisationen"

Und im Jahr 1927 angesichts des Freimaurerkampfes von Erich Ludendorff läßt Hermann Rehwaldt seinen Protagonisten, den Hochgradfreimaurer in sein Tagebuch schreiben (2, S. 218):
Ein Abgesandter der Oberen war bei mir. Der Befehl lautet: hinein in die nationalen und völkischen Organisationen. Den "Herrenstandpunkt" pflegen und propagieren und die Herrschaft der Tat, des Immer-Wiedergeborenen, des Sohnes Hermes' Trismegistus vorbereiten. Namentlich wurde die Rotary-Gesellschaft und die verschiedenen Herrenklubs, die jetz auf höhere Weisung erstehen, als Betätigungsfeld anempfohlen.
So der Blick des Hermann Rehwaldt auf die damaligen völkischen Okkultlogen. Es wäre zu überprüfen, ob man solche Gedankengänge auch bei so vielgelesenen Romanautoren wie Dan Brown findet. Oder ob Romane wie die von Dan Brown demgegenüber eher nur der Verharmlosung von mancherlei Geschehen dienen.

"Spaltungsmagie" - besteht ein Zusammenhang zur Multiplen Persönlichkeitsstörung?

Obwohl die Psychiaterin Mathilde Ludendorff, deren Erkenntnisse Hermann Rehwaldt auswertet und vertritt, in ihren Bücher - soweit übersehbar - nie den Begriff einer psychischen (oder auch nur magischen) "Spaltung" behandelt, tut genau das Hermann Rehwaldt in diesem Roman. Er läßt seinen Tagebuchschreiber verliebt sein in eine der neu aufzunehmenden Frauen der Loge (2, S. 131) (eine "Schwester Ni"):
Da nahm ich gegen Morgen den magischen Spiegel vor (...). Da spaltete ich mich ohne vorherige Vorbereitung, leicht, als wäre es mein gewöhnlicher Zustand, und mein astrales Ich trat an sie heran ... (...)

Im ersten Augenblick konnte ich nicht fassen, was vorgefallen war. Dann allmählich wurde es mir klar, daß ich einer spontanten Spaltung verfallen war, und zwar so, daß die Kontrolle über meinen Astralkörper mir für eine Zeit lang vollständig entglitten war.
Diese "Spaltungsmagie" wird noch an mehreren anderen Stellen des Romans erwähnt, etwa im folgenden Abschnitt (2, S. 187):
Manchmal verzweifle ich an der Möglichkeit, den Sumpf der schwarzen Magie jemals überschreiten zu können. Aber mein Wollen ist rein und mein Wille in der phyischen Ebene fast allmächtig. Die Spaltung ist kein Problem mehr für mich. Nach kurzer Vorbereitung trennt sich mein astraler Körper von dem physischen und wandelt, wohin ich will. Ich sehe Dinge, die Profanen ewig verschlossen bleiben, unterhalte mich mit Menschen, die viele Meilen weit von mir leben ...
Br. Eugen Grosche, empfohlen von Br. Paul Köthner
Aus dem weiteren Text geht hervor, daß nach Rehwaldt hinter diesem Phänomen der "Spaltung" Gehör-, Gesichts-, Tastsinn und Geruchshaluzinationen stehen, so wie sie Mathilde Ludendorff (7, S. 98 - 116) auch beschrieben hat, allerdings nicht mit direktem Bezug zur Spaltungsmagie. Der Begriff "Spaltung" ist nämlich der sogenannten "Spaltungsmagie" entnommen (siehe hier). Und diesem Thema hat der Gründer der Fraternitas Saturni, Eugen Grosche (Gregorius), im Rahmen seiner von Paul Köthner empfohlenen "Magischen Briefe" 1925 auch eine eigene Abhandlung gewidmet (siehe Abbildung rechts).

Auf Internet-Foren (Pagan-Forum) wird die in der Spaltungsmagie behandelte Spaltung ausdrücklich auch mit jenen Fähigkeiten zu "Dissoziationen" beim normalen Menschen in Verbindung gebracht, die von der Wissenschaft (siehe Michaela Huber) als Wurzel der multiplen Persönlichkeitsstörung (MPS) angesprochen werden. Spaltung wird in der Spaltungsmagie auch als "körperfreies Wandern innerhalb von Raum und Zeit" bezeichnet (gut erläutert z.B. hier).

Es ist mehr als naheliegend, daß sich die moderne Psychiatrie und Psychotherapie, evtl. zuerst wiederum in den USA, mit dieser sogenannten "Spaltungsmagie" schon beschäftigt hat. (Um hier weiterzukommen, wäre aber zunächst zu klären, wie der Begriff der Spaltungsmagie ins Englische übersetzt wird.) Der Unterschied zur Multiplen Persönlichkeitsstörung besteht zunächst in jedem Fall darin, daß die abgespaltenen Persönlichkeiten bei der MPS reale, aber verdrängte Erlebnisse darstellen, keine Haluzinationen.

Fraternitas Saturnis gegenüber 1935 heute kaum verändert?

Das Eigentümliche an dem Roman ist wohl vor allem, daß er zahlreiche Charakteristika der Fraternitas Saturni nennt, von denen man auch heute noch in Berichten hört, etwa:

- übermäßiger Alkoholgenuß (2, S. 191)
- Konzentration eines einzelnen Meisters auf eine oft komplizierte Beziehung zu einer einzelnen,  im besonderen Maße in die magische Logenarbeit involvierten Frau. Im Roman sind es gleich drei Frauen, von denen die erste Selbstmord begeht, die zweite in der Psychiatrie landet und die dritte ermordet wird (s. S. z.B.: 2, 117 - 149; Kapitel VII. "Der Magier lernt die Liebe kennen" und VIII. "Der Liebe Tod"; S. 210ff uam.). Da diese Schilderungen zu dem Detailliertesten des Romans gehören, könnte man zu der Vermutung gelangen, daß ein etwaiger persönlicher Informant Rehwaldts eine Frau gewesen sein könnte, die hier einiges erlebt hat.
- Führen eines - geradezu psychotherapeutisch ausgerichteten -  magischen Tagebuches für den Ordensoberen.

Bis hier soll nur eine Teil-Analyse des Romans gegeben werden,  die vielleicht anregen kann, weiteren, hier angeschnittenen Fragen nachzugehen. Daß vor allem die Art des Redens der Herren der Mordkommission im Roman (nicht der Inhalt der Gespräche) bei dem Leser insgesamt einen schalen Beigeschmack aufkommen läßt, erschwert den Zugang zu den aufklärenden Inhalten des Romans, der wohl besser einfach als ein Sachbuch geschrieben worden wäre. Jedenfalls erscheint er nur als solcher heute noch lesbar.

Das Inhaltsverzeichnis des Romans

Abschließend noch das in dem Buch nicht enthaltene Inhaltsverzeichnis mit einigen inhaltlichen Erläuterungen:
Vorwort
I. Die Mordkommission rückt an
II. Der Kriminalrat berichtet
III. Der unbekannte Freund
IV. Der "unbekannte Freund" prophezeit weiter
V. Ein Blick in die hohe Politik
VI. Hindernisse und Opfer
VII. Der Magier lernt die Liebe kennen (München - 1920)
"Schwester Ni"
VIII. Der Liebe Tod (München - 1920)
"Schwester Ni" und ihr Selbstmord
IX. Der Magier in Berlin
X. Br. Arl in der Falle
XI. Abenteuer im Grunewald
XII. Der Magier im Orden
XIII. Wiederum hohe Politik (Berlin - 1927) /200/
(Nach einer Indienreise und dortiger Weihung zum "Mahatma" Beginn der sexualmagischen Arbeiten mit "Mara".)
XV. Sumpfblasen /230/
XVI. Maras Ende - der große Plan abgewandelt /246/
XVII. Der diplomatische Auftrag (Berlin 1928) /267/
"Kriegshetze und Völkermorden" erscheint. Als Diplomat in Genf. Reichskanzler Hermann Müller.
XVIII. Der hohe Besuch /282/
XIX. Der Mann auf verlorenem Posten /297/
XX. Das neue Medium /308/
XXI. Hindernisse /320/
XXII. Die zweite Verwarnung - Spioniert Br. Arl? /330/
XXIII. Der Auftrag in Swinemünde /344/
XXIV. Gespenster, Testament und Theurgenring /362/
XXV. Das Gutachten (Berlin 1934) /379/
XXVI. Keine Resignation - Kampf! /387/
Ergänzung 26.09.2013: In einem der letzten Kapitel des zweiten Bandes seines "Untergang des Abendlandes", veröffentlicht 1922, schrieb Oswald Spengler (Zeno, Gutenberg) :
Die Macht verlagert sich heute schon aus den Parlamenten in private Kreise, und ebenso sinken die Wahlen unaufhaltsam zu einer Komödie herab, für uns wie für Rom. Das Geld organisiert den Vorgang im Interesse derer, die es besitzen und die Wahlhandlung wird ein verabredetes Spiel, das als Selbstbestimmung des Volkes inszeniert ist. Hier liegt das Geheimnis, weshalb alle radikalen, also armen Parteien notwendig die Werkzeuge der Geldmächte, in Rom der equites, heute der Börse werden. Theoretisch greifen sie das Kapital an, praktisch aber nicht die Börse, sondern in deren Interesse die Tradition. Das war zur Zeit der Gracchen ebenso wie heute, und zwar in allen Ländern. Die Hälfte der Massenführer ist durch Geld, Ämter, Beteiligung an Geschäften zu erkaufen und mit ihnen die ganze Partei.
(So auch zitiert in der Zeitschrift "Mensch & Maß", Folge vom 23.1.1974, S. 86.) Dieses Zitat zeigt natürlich sehr deutlich, daß Oswald Spengler Hintergrundpolitik-Wissen hatte. Es wäre sicherlich sinnvoll, seine Werke und die Ernst Jüngers und ähnlicher Autoren noch gründlicher auf solche Zitate zu durchsuchen. Hinweise auf Veröffentlichungen, in denen das womöglich schon geschehen ist, werden gerne entgegengenommen. Es wäre ja im Grunde genommen, merkwürdig, wenn das in den vielen Jahrzehnten seither noch nie sollte unternommen worden sein.

1936 - Der Roman wird verboten

(Nachtrag 29./30.11.2013) Die "Reichsstelle für die Förderung des deutschen Schrifttums" gab am 9. Dezember 1935 ein gebührenpflichtiges positives "Gutachten für Verleger" zu diesem Roman ab. In ihm heißt es unter anderem (DHM):
Das Buch ist vorzüglich geeignet, über das menschen- und völkerfeindliche, auch vor den gemeinsten Verbrechen nicht zurückschreckende Treiben der überstaatlichen Mächte in weite Kreise Klarheit hinauszutragen. Mit erschreckender Deutlichkeit wird gezeigt, welche verruchten Mittel und Wege (...) von den Logen und Geheimorganisationen benützt werden, um sich willenlose Werkzeuge in den Intelligenzschichten der Völker zu züchten und mit ihrer Hilfe Nationen und Rassen zu vernichten. (...) Das Buch ist mit seiner erschütternden Enthüllung furchbarer Geheimnisse ein Fanal für alle. Wir empfehlen es mit Nachdruck!
Dieses Gutachten wurde vom Verlag auch auf Buchwerbezettel gedruckt. - Aus uns zugesandten Kopien von Briefen Hermann Rehwaldts vom 11. Oktober 1936 und 3. Januar 1937 geht aber hervor, daß der Roman im Gegensatz dazu im Jahr 1936 verboten worden ist. Am 11. Oktober 1936 schreibt er von seinem Wohnort Fischbeck an der Elbe an Freunde in Zeeven bei Bremervörde:
Die beiliegenden Gutachten der Reichsschriftumskammer machen es fraglich, ob es mir gelingen soll, einen anderen Roman irgendwo unterzubringen. „Man“ schnürt uns langsam die Kehle zu.
Und am 3. Januar 1937:
Vorläufig gilt es durchzuhalten, was nicht leicht fällt, da die Verhältnisse sich immer mehr zuspitzen. Man fragt sich manchmal, ob das Schaffen noch irgend eine praktische Verwertung findet, denn wer nimmt noch Sachen von mir an nach dem Verbot der „Unsichtbaren“? Aber man kann aus seiner Haut nicht heraus und arbeitet weiter, mag kommen, was da will. Ich muß aber gestehen, daß ich ein paar Tage lang vor den Feiertagen ganz mutlos war und zu keiner Arbeit fähig. Wofür mir Paul Lehnert den Kopf mit Erfolg gewaschen.
Dieses Verbot wird bestätigt durch die "Liste der von den Nationalsozialisten verbotenen Bücher". Bezeichnenderweise lautet der Titel der zweiten von Hermann Rehwaldt verbotenen Schrift "Rassenkunde und Rassenwahn". Sie war 1936 veröffentlicht worden. Es wäre sicherlich von großem Interesse, die Gründe für das Verbot in den genannten Gutachten der Reichsschriftumkammer zu lesen. Daß ein Roman über Verbrechen in der satanistsichen Okkultloge "Fraterniatas Saturnis", ohne daß in ihm überhaupt der Name dieser Loge genannt wird, ausgerechnet im Dritten Reich verboten wird, könnte womöglich zeigen, wie einflußreich solche Logen in diesen Jahren noch waren.

Oder war es insbesondere die - böse - Unterstellung dieses Romans, daß solche Logen rechtskonservative und völkische politische Kreise unterwandern und steuern würden? Wurden durch solche Verbote Leute wie Oswald Spengler geschützt? Gehört dieses Verbot hinein in das Ringen zwischen dem Okkultismus-kritischen und dem Okkultismus-fördernden Flügel der NSDAP? Also zwischen dem Amt Rosenberg und dem Mitarbeiterkreis von Rudolf Heß? (siehe Stephan Berndt) Dazu mäßten zunächst die genannten Gutachten studiert werden.Die Akten der Reichsschrifttumskammer befinden sich im Bundesarchiv.

[Letzte Überarbeitung: 29.11.2013]
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  1. Eggert, Wolfgang: Im Namen Gottes. Israels Geheimvatikan als Vollstrecker biblischer Prophetie. Bd. 3. Propheten-Verlag, München 2001, (besonders die Anhänge A - F)
  2. Rehwaldt, Hermann: Die unsichtbaren Väter. Roman. Verlag Karl Pfeiffer & Co. Landsberg (Warthe) 1935 [Vorgänge in der Fraternitas Saturni in romanhafter Form]
  3. Rehwaldt, Hermann: Die "kommende Religion". Okkultwahn als Nachfolger des Christentums. Ludendorffs Verlag, München 1937
  4. Rehwaldt, Hermann: Vom Dach der Welt. Über die "Synthese aller Geisteskultur" in Ost und West. Ludendorffs Verlag, München 1938
    Pinning, German (d.i. Hermann Rehwaldt): Vor einem neuen Äon. An der Schwelle zweier Zeitalter. Verlag Hohe Warte, Pähl 1958 [Überblick über die Strömungen im Okkultismus]
  5. König, Peter-R.: The Ordo Templi Orientis Phenomenon. A Research Project. Auf: http://www.parareligion.ch . Deutschsprachige Ergänzungen und erweiterte Texte: http://www.parareligion.ch/deutsch.htm ; In Nomine Demiurgi Nosferati. 1970 - 1998. Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen. o.J. (München 1998) (--> http://www.parareligion.ch/sunrise/fs6.htm und http://www.parareligion.ch/2010/homunc/homunc.htm)  
  6. Ludendorff, Mathilde: Induziertes Irresein durch Occultlehren. Erstauflage 1932 (ausgeliefert im Januar 1933). Verlegt bei Franz v. Bebenburg, Pähl 1970 [sehr grundlegende Abhandlung von der früheren Assistentin von Emil Kraepelin] [kritisch behandelt von André Sepeur auf Umweltjournal.de, 25.1.2009, oder hier, sowie auf  Esoterikforum.at, 4.9.2010]   
  7. Ludendorff, Mathilde: Der "Orden" und der Satanismus. In: Ludendorffs Volkswarte, Folge 7, 19.2.1933 (auch unter dem Titel "Der Satanismus der Hochgradbrüder".) 
  8. Henschen, Hedwig: Occultisten an der "Arbeit". In: Ludendorffs Volkswarte, 7.5.1933 [über den okkulten Schriftsteller Gustav Meyrink]
    Ludendorff, Mathilde: Eine der Gefahren der Occultschriften. In: Ludendorffs Volkswarte, Folge 21, 28.5.1933 [über den okkulten Schriftsteller Gustav Meyrink]
     
  9. Mohler, Armin: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918 - 1932. Ein Handbuch. (4. Aufl.) Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1994  12. Ludendorff, Erich: Kriegshetze und Völkermorden. 1928 (Google Bücher)
  10. Ludendorff, Erich und Mathilde: Europa den Asiatenpriestern? Ludendorffs Verlag, München 1936
    Ipares, S. (d.i. Jean Paar, d.i. Harry Dörfel): Geheime Weltmächte. Eine Abhandlung über die "Innere Regierung der Welt". Ludendorffs Verlag, München 1936
  11. Wegener, Franz: Weishaar und der Geheimbund der Guoten. Ariosophie und Kabbala. Kulturförderverein Ruhrg, 2005 (Google Bücher)
  12. Encausse, Gérard: Wie ich Okkultist wurde. Notizen einer intellektuellen Autobiographie. [1888 ?] Im Netz veröffentlicht von  Dieter Rüggeberg. (Zu Rüggeberg, einem umfassend Okkultgläubigen und Anhänger Rudolf Steiners, der zugleich Bücher über allseitig okkulte Hintergründe der weltweiten Geheimpolitik schreibt, siehe auch: Esowatch; siehe auch: 17)
  13. Rüggeberg, Dieter: Über die Irrlehren der Mathilde Ludendorff. Rüggeberg-Verlag, Wuppertal 2005 (freies pdf.)

Kommentare:

Leser hat gesagt…

Ernst von Salomon hat in seinem Buch "Der Fragebogen" unfreiwillig (?) eine Anspielung Ernst Jünger auf Spenglers Mitgliedschaft in der oben genannten Loge überliefert:

"Als ich ihn, nachdem ich ihm lange Jahre nicht mehr begegnet war, eines Tages im Jahre 1937 zur Zeit des Nürnbergers Parteitages in Berlin auf der Straße traf, geschah dies just vor einem Kino, aus dem die Scharen der Besucher strömten. (...) Ich fragte ihn, was er treibe, er sagte: "Ich habe mir einen erhöhten Standort ausgesucht, von dem ich beobachtete, wie sich die Wanzen gegenseitig auffressen." Ich sagte etwas gereizt, nun, er habe sich immer gern auf einen anderen Stern zurückgezogen, worauf er sofort erwiderte: "Ja, auf einen relativ anständigen, auf den Mars oder die Venus, nicht auf den Saturn, der hat Nebelstreifen und außerdem sitzt da schon Spengler."

Nachzulesen ist dieses Zitat in einem alten Artikel der "Jungen Freiheit", der im Netz aufbewahrt ist.

http://www.geocities.ws/films4/derdoppelteernst.htm

Grundsätzlich finde ich Ihren Blog interessant, wenn mir auch die metaphysischen Grundlagen zu kurz kommen, weshalb ich auch nicht so ganz verstehe, was denn eigentlich mit dem "Satanismus", der hier als Gefahr andauernd beschworen wird, eigentlich gemeint ist.

Ingo Bading hat gesagt…

Vielen Dank. Das scheint mir ein wertvoller Hinweis zu sein! Ich habe mich mit Ernst Jünger unter anderem schon in diesem Beitrag beschäftigt:

http://studgenpol.blogspot.de/2011/09/hermann-hesse-ernst-junger-und-kollegen.html

Daß der Satanist (- ja!) Hermann Hesse auf Jünger noch lange nach 1945 positiv zu sprechen kommt, ausgerechnet auch im Fall der Bewertung der - - - Astrologie, dies und so vieles andere weist in dem genannten Beitrag Behandelte weist meiner Meinung nach in ähnliche Richtungen.

Hersch Fischler behauptet, daß Ernst von Salomon 1933 den Reichstag angezündet hat. Ich könnte mir denken, daß auch Friedrich Wilhelm Heinz dabei war. Sie alle gehörten zum Freundeskreis von "Bogumil", nämlich Friedrich Hielscher, dem "Herr des Feuers", so einer der jüngsten Buchtitel über Hielscher.

Das von Ihnen genannte Zitat passt hervorragend. Wer vom Saturn weiß, wie Jünger, hat natürlich auch Erfahrung mit dem Saturn. Daß er sich auf einen "erhöhten" Standpunkt zurückgezogen hat, paßt auch. Den Kontakt zu Werner Best, dem dritten Mann hinter Himmler und Heydrich, hielt Jünger ja immer aufrecht. Und Best hat die Einsatzkommandos im Osten organisiert, auch die Röhm-Morde, wohl auch die Abräumung der kriegsunwilligen Generäle und des kriegsunwilligen Außenministers 1938. Alles im Sinne des Programms, das Hielscher 1932 in "Das Reich" verkündet hat: durch Krieg und größtmögliches Chaos das Kommen des Bolschewismus in Mitteleuropa vorbereiten.

Ingo Bading hat gesagt…

Metaphysische Grundlagen? Dieser Blog vertritt ein konsequent naturalistisches Weltbild wie die Giordano Bruno-Stiftung, wie Richard Dawkins, wie die Mehrheit der heutigen Naturwissenschaftler. Für alle übernatürlichen "Kräfte" und "Einflüsse" etc. pp., für Magie und jegliche Sorte Okkultismus ist im modernen Weltbild kein Platz mehr.

Den Okkultismus und seine Wirkung, insbesondere wie er bis zum Satanismus führen kann, habe ich am besten erklärt und erläutert gefunden in dem Buch der Psychiaterin Mathilde Ludendorff "Induziertes Irresein durch Okkultlehren". Ich arbeite grade an zwei Dokumentationsbänden über alle nicht in Buchform veröffentlichten Äußerungen der beiden Ludendorffs zu Satanismus, Okkultismus und Logen. Dabei hab ich viel gelernt.

Dabei habe ich auch gelernt, daß das Phänomen des Satanismus eine psychiatrische Seite hat ("Irresein", Verblödung), aber auch schlicht eine moralische Seite. Die MORAL des Satanismus ist - nach Mathilde Ludendorff - noch eine viel niedrigstehendere als die des (alt- und neutestamentarischen) Christentums. Und das scheint mir sehr treffend zu sein.

Mathilde Ludendorff hinwiederum schlägt in ihrer eigenen Philosophie eine konsequent mit dem modernen naturwissenschaftlichen Weltbild vereinbare Metaphysik vor. Also auch einen "Gottesbegriff", der dem "Gott Albert Einsteins" nahesteht, und den z.B. Richard Dawkins in seinem Buch "Gotteswahn" grundsätzlich nicht angegriffen sehen wollte. Grob gesagt ist das der Gottesbegriff des Pantheismus.

Ingo Bading hat gesagt…

Über den Begriff des Satanismus selbst besonders viel "Metaphysik" zu betreiben, erschiene mir unangemessen. Gotteswahn, Verblödung und Unmoral hat nichts mit Metaphysik zu tun, sondern ist schlichtweg Wahn, Verblödung und grauenhafteste Unmoral.

Auf das Thema Satanismus bin ich nicht über metaphysisches Nachdenken gekommen, sondern dadurch, daß ich vermutete, daß der Autor des Buches "Das schwarze Reich" der Satanist Ralf Tegtmeier ist und dann den Implikationen dieser Tatsache nachgegangen bin,

http://studgenpol.blogspot.de/2011/01/zombifizierung-der-politik-durch.html

insbesondere solche Bücher wie "Vater unser in der Hölle" gelesen habe und die dazugehörigen wissenschaftlichen Publikationen von Michaela Huber. Siehe meine Literaturliste:

http://studgenpol.blogspot.de/2011/02/literaturliste-satanismus.html

Ingo Bading hat gesagt…

Übrigens habe ich erst vor wenigen Tagen die erste okkultismuskritische Schrift von Hermann Rehwaldt, "Das schleichende Gift", gelesen, auf dem wohl auch der in diesem Beitrag behandelte Roman beruht. Und in dieser Schrift "Das schleichende Gift" sind Spengler (und die Fraternitas Saturnis) ebenfalls ausführlicher behandelt:

http://de.scribd.com/doc/77217972/Rehwaldt-Hermann-Das-schleichende-Gift-Der-Okkultismus-seine-Lehre-Weltanschauung-und-Bekampfung-Ludendorffs-Verlag-Ludendorff

Diese Schrift ist die wichtigste Ergänzung und Erläuterung zum Roman. In der Schrift wird übrigens auch die Vril-Kraft erwähnt, die offenbar auch von Eugen Grosche in den Magischen Briefen behandelt wird, was man ja als einigermaßen bemerkenswert auffassen könnte.

Leser hat gesagt…

Danke Herr Bading für Ihre Antwort auf meine implizite Frage, was denn eigentlich der metaphysische Standpunkt dieser Seite ist.

Sie vertreten also wie die Ludendorffs, mit denen ich mich in letzter Zeit etwas beschäftigt habe, weshalb ich auch auf Ihre Seite gestoßen bin, eine sozusagen "deflationäre" Metaphysik des Satanismus, wonach es keinen Satan gibt, sondern nur wahnhafte Anhänger einer eingebildeten metaphysischen Entität.

Allerdings stellt sich dann die Frage, warum der "Satanismus" eine so große Gefahr sein soll. Denn Wahnvorstellungen haben es doch an sich, an der Realität zu scheitern. Aber Sie gehen doch davon aus, dass die "Satanisten" die Realität meistern, da sie überaus mächtig sind, ja den Lauf der Weltgeschichte mitprägen,.

Die Ludendorffs versuchen diesen Widerspruch aufzulösen, indem sie von einer umfassenden jüdischen Verschwörung ausgehen, vor deren Hintergrund der "Satanismus" eine Suggestivlehre ist, mit der Nichtjuden für Hilfsdienste gewonnen werden. Sie aber, Herr Bading, scheinen von einer jüdischen Verschwörung nichts wissen zu wollen (ich habe allerdings auch nur einen kleinen Teil Ihrer Artikel gelesen, weshalb ich mich in meiner Einschätzung täuschen mag). Vor diesem Hintergrund ist es rätselhaft, wie der "Satanismus" so mächtig geworden ist.

Grundsätzlich finde ich Ihren Blog interessant, und ich habe mir auch schon viele Fragen bezüglich bestimmter Personen gestellt, die Sie zu beantworten suchen. Doch eine wirklich befriedigende Erklärung der Weltgeschichte scheint sich mir mit dem“Satanismus“-Postulat nicht zu ergeben. Fast fände ich es interessanter, wenn man eine „inflationäre“ Metaphysik des Satanismus postuliert (mit funktionnierender schwarzen Magie, mit echten Teufelspakten etc.), obwohl ich eigentlich selbst zum Agnostizismus neige. Denn dann hätte man wenigstens eine Erklärung dafür, dass eine kleine Gruppe so mächtig werden konnte und den Rest der Menschheit in eine Art Hypnose zu versetzen vermag.

Was mir auch aufgefallen ist, dass zwielichtige Person wie Guido Grant in den schlimmsten Massenmmedien (Pro 7) vor den Gefahren des "Satanismus" warnen dürfen, obwohl nach den Anhängern der „Satanismus“-Verschwörungstheorie die Medien von "Satanisten" beherrscht werden. Und gerade im englischsprachigen Raum, gibt es viele Netzseiten, hinter denen angeblich Juden stecken (so z.B. „vigilant citizen“), die behaupten, dass unsere Welt von „Satanisten“ regiert wird. Also die These einer jüdischen Verschwörung scheint mir insgesamt plausibler zu sein als die einer „satanistischen Verschwörung“. Es ist ja auch auffällig, dass Judenkritiker in der BRD verfolgt werden, während die staatlich gestützen Kirchen gerne vor einem Neo-Satanismus warnen.

Ich habe mir noch keine abschließende Meinung zu dem Komplex gebildet, weshalb ich hier ein echter Fragender bin, und im Gegensatz zu Guido Grant kommen Sie mir recht ehrlich vor, weshalb ich mal hier meine grundsätzlichen Fragen artikuliern wollte.

Ingo Bading hat gesagt…

Ihr Kommentar ist bei mir im Email-Postfach gelandet, warum nicht gleich hier, weiss ich nicht. Ich hab ihn grade nachträglich reingestellt.

Ihre Kommentare machen mir Spaß.

Was für eine Moral aus dem Alten Testament folgt, und wie Menschen nach dieser Moral handeln müssen, die buchstabengläubig daran glauben, das ist ja offensichtlich und ist zuletzt von R. Dawkins ("Gotteswahn") oder Peter Sloterdijk ("Zorn und Zeit") behandelt worden (etwa die Feindvernichtungsgebete). Auch Wolfgang Eggert hat in seinem 3-bändigen Werk "Geheimvatikan" darüber ausreichend viel zusammengetragen. Und schließlich schätze ich den amerikanischen Psychologen Kevin MacDonald und sein Buch "A Culture of Critique" von 1998 sehr, weshalb für mich alttestamentarische Einflüsse auf die Weltgeschichte die noch am leichtesten zu erklärenden zu sein scheinen, weshalb ich diese hier auf dem Blog und auch sonst nicht noch großartig glaube thematisieren zu müssen. Auch Juri Slezkine hat darüber ja ausreichend aufgeklärt ("Das jüdische Jahrhundert").

Und all das ist in einer naturwissenschaftlichen, humangenetisch-soziobiologischen Theorie zur Evolution des höchsten durchschnittlichen Intelligenzquotienten, den ein Volk weltweit aufweist, nämlich des aschkenasisch jüdischen, etwa in solchen Studien wie "Natural History of Ashkenazi Intelligence" zusammengefasst worden, was auch von Stephen Pinker und ähnlichen Leuten positiv aufgenommen worden ist.

Für die alttestamentarische Weltsicht ist Jehova, die jüdische Stammesgottheit "Gott" und alle anderen, nichtjüdischen Götter sind Satan. Dieser Glaube hat in der Weltgeschichte in der Tat "Berge" versetzt, auch wenn man nur allein die Geschichte christlicher Völker betrachtet.

Warum soll Gotteswahn nicht tiefgreifenden Einfluß auf die Geschichte haben? Vielmehr: Es ist ja offensichtlich. Und soll ein solch tiefgreifender Einfluß ein Hinweis darauf sein, daß es nun DOCH nicht Gotteswahn ist? Darüber sind wir, glaube ich, hinaus.

Ich muß noch einmal darauf hinweisen, daß ich es selbst schwer verständlich fand, anfangs, wie man eigentlich Satanist werden könnte, zumindest ein solcher, wie sie in "Vater unser im Himmel" und ähnlichen Büchern beschrieben sind.

Im Grunde findet sich dazu in der Literatur bisher nur ganz wenig wirklich gute Erklärungsansätze. Mir ist jedenfalls bis heute kein besserer bekannt geworden als der von Mathilde Ludendorff.

Erich Ludendorff hat im Anschluß daran einen Leitartikel geschrieben mit der Überschrift "Verblödung als Befähigungsnachweis für Staatsmänner" (und zwar Ende 1932!). Sollte man nicht allgegenwärtig das Gefühl haben, daß derartige Verblödung ein solcher Befähigungsnachweis ist heute???

Ingo Bading hat gesagt…

Wesentlich ist halt, was Mathilde Ludendorff dazu ausführt, daß Verblödung, induziertes Irresein meistens INSELARTIG vorliegt. Das heißt, auch hochintelligente Leute mit IQ von 160 können induziert irre sein, aber jeweils nur innerhalb ihres Wahnsystems, was nicht ausschließt, daß sie etwa zugleich gute Mathematiker oder Genetiker etc. pp. sind. Max Planck war inselartig verblödet, wenn er an den christlichen Gott glaubte - aber dennoch verdientermaßen Nobelpreisträger. Und so viele christ- und bibelgläubige Wissenschaflter seit dem okkultgläubigen Johannes Kepler bis heute.

Ich kann hier nicht all das wiederholen, was in dem kleinen Büchlein "Induziertes Irresein durch Okkultlehren" drinsteht. Aber ich halte die Ausführungen darin für durch und durch überzeugend. Okkultlehren wirken auf ALLE Seelenfähigkeiten. Auf das Denken und auch auf den Willen. Beide sollen gelähmt werden. Auch auf das FÜHLEN. So versucht z.B. Mazdaznan oder Yoga Glücksgefühle herzustellen, die mit der tatsächlichen Lage des jeweiligen Menschen gar nichts zu tun haben.

Die Okkultlogen und Psychosekten hatten Jahrhunderte Zeit, um die diesbezüglichen Techniken zu verfeinern und an die jeweiligen neuen geistigen Entwicklungen anzupassen. Ich bin grade auf ein Bild des niederländischen Malers Hieronymus Bosch ("Der verlorenen Sohn") gestoßen, auf dem schon ein Freimaurer dargestellt ist. Und lesen Sie dann mal den Wikipedia-Beitrag zu Hieronoymus Bosch!!!! Okkulte Geheimlogen gab es schon damals, Ende des 14. Jahrhunderts, nicht erst mit Gründung der Freimaurerei 1717 oder so ähnlich. Das waren dann eben Rosenkreuzer oder Templer oder schlicht "Proselyten" gegen die schon die römischen Kaiser in den ersten Jahrhhunderten Front machten, und aus denen nicht nur Christentum udn Islam entstanden sein werden, sondern eben auch die Vorläufer von Freimaurerei, Rosenkreuzern, Templern usw.. Überall ist der Grundmythos die Wiedererrichtung des jüdischen Tempels in Jerusalem, das Sinnbild der religiösen Weltherrschaft des Judentums.

Aber die jüdische Priesterkaste ist bei weitem nicht die einzige Priesterkaste, die schwer okkultgläubig ist. Auch der geegnwärtige Papst glaubt an Prophezeiungen, an den Teufel, etc. pp. Und ebenso auch die tibetische Priesterkaste, von der ja so viele, wie ich glaube, berechtigterweise, annehmen, daß sie ebenfalls großen Einfluß auf die Weltgeschichte und -politik nimmt. Warum ist sonst so vielen Politikern daran gelegen, auf gutem Fuß mit dem Dalai Lama zu stehen (Jörg Haider etwa oder Roland Koch usw.).

Paul Köthner, Friedrich Hielscher, Karl Strünckmann, Harry Dörfel ... unzählige Logen-Ideologen sagten den Sieg "des Ostens" über "den Westen" voraus und stellten sich mit Vertretern der tibetischen Priesterkaste, bzw. des Buddhismus gut.

Ingo Bading hat gesagt…

Guido Grandt: Ich habe sehr, sehr viel von ihm gelesen und bin dabei auf nichts gestoßen, was in mir ein Urteil hervorgerufen hätte, das "zwielichtig" gelautet hätte. Für mich macht Guido Grandt ebenso gute und wichtige Arbeit wie Wolfgang Eggert und noch allerhand andere Leute auf dieser Linie.

"Die ganze Weltgeschichte" soll übrigens mit dem Satanismus nicht erklärt werden. Das wäre reichlich Unsinn. Es gibt noch andere weltgeschichtliche Kräfte als den Gotteswahn.

Der Mensch strebt danach, ein guter Mensch zu sein. Und die Weltgeschichte ist voll von edlen Menschen, die Weltgeschichte gemacht haben. Ich zähle dazu Bismarck, Friedrich den Großen, Bismarck, Alexander den Großen (über weite Strecken hin) und so viele andere griechische Politiker, auch viele römische Politiker. Also das Streben, Gutes, Edles zu tun, ist eine wichtige weltgeschichtliche Kraft (von Leopold von Ranke z.B. gut herausgearbeitet in seinen Werken). Ebenso ist eine wichtige weltgeschcihtliche Kraft der Ethnozentrismus, der sich nicht - wie im Alten Testament - verneinend gegenüber der Existenz anderer Völker und ihrer Götter positionieren muß, sondern diesen auch große Wertschätzung entgegenbringen kann. Eine Wertschätzung wie sie in einem Buchtitel wie "Das Gottlied der Völker - Eine Philosophie der Kulturen" (M. Ludendorff) etwa zum Ausdruck gebracht werden kann.

"Oh du der Geisterkräfte gewaltigste," ruft Friedrich Hölderlin aus: "du löwenstolze Liebe des Vaterlands."

Das sind Kräfte, die kaputt gemacht werden sollen. Und "die Weltgeschichte" ist weit damit gekommen. Aber mit Hölderlin möchte ich auch sagen: "im schiefesten Orkus auch" schläft "das Rechte und Wahre". Und es kann jederzeit neu erwachen. "Und dann mögen sie rechnen mit Delphi ..."

Ingo Bading hat gesagt…

Wenn übrigens drei Priesterkasten sich gegenseitig den Rang abzulaufen versuchen, weil sie SELBST die religiöse Weltherrschaft anstreben und sie nicht den beiden jeweils anderen gönnen (erst vor wenigen Jahren ist aus diesem Grund der oberste Jesuit in Rußland offenbar im Auftrag des Patriarchen von Moskau brutal ermordet worden), wenn diese sich also befehden, dann muß man immer damit rechnen, daß in der Presse die jeweils andere Priesterkaste als Satansanhänger "entlarvt" werden.

Die katholische Kirche versuchte Jahrhunderte lang die Freimarerei als "Satanspriester" zu entlarven. Und immer wieder werfen die einen den anderen vor, (böse) schwarze Magie zu treiben, während man selbst (gute) weiße Magie treibt. (Dabei sind die Methoden so ziemlich die selben.)

Die Steiner-Anhänger (Trevor Ravenscroft und andere) bezeichneten die Thule-Leute als Schwarzmagier und die Thule-Leute (Wilhelm Landig) im Gegenzug die Steiner-Leute.

Dementsprechen könnten auch solche Bücher wie "Gotteswahn" von jeweils jener Priesterkaste gefördert werden, die glaubt, dadurch am wenigsten gefährdet zu werden (hier könnte man an die tibetische denken), während umgekehrt andere Priesterkasten dann im Gegenzug wieder anderes fördern. So jedenfalls könnte man erklären, warum auch "gute" Leute mitunter in die großen Medien kommen. Es erfolgt aber in JEDEM Fall immer nur "wohldosiert", also so, daß keine Gesellschaft jemals wirklich RICHTIG wach würde und Priesterherrschaft an sich dadurch gefährdet würde.

Holocaust-Leugner wie Horst Mahler übrigens - und seine früheren Anwaltskollegen Schily und Ströbele - haben alle drei Kontakte zu Anthroposophen. Ist das nicht auffällig? Und zugleich hat ein Holocaust-Leugner wie Horst Mahler und ähliche gute Kontakte zur derzeit dezidiertesten Priesterdikatur weltweit, nämlich derjenigen des Iran, wo Priester immer das letzte Wort haben. Wobei noch gar nicht gesagt ist, ob nicht letztlich in der russisch-orthodoxen Kirche und im Islam dieselbe "östliche Priesterschaft" das letzte Wort hat, die auch ihre Missionare in Form von Anthroposophen und Theosophen und Yoga-Anhängern und Buddhisten immer wieder nach Europa sendet.

Sie wird auch viel Einfluß haben etwa im Kopp-Verlag. (Obwohl JEDE Lobby-Gruppe ÜBERALL ihre Eisen im Feuer hat. Das ist ihr eigentliches Überlebensprinzip.)

Ingo Bading hat gesagt…

(Ich merke grade, daß oben das Hölderlin-Wort über "Delphi" mißverstanden werden könnte. Ich sehe keinerlei Anzeichen dafür, daß Hölderlin in irgendeiner Weise okkultgläubig und priesteranbetend war, nein, nur das Gegenteil. Wenn er von griechischen Göttern spricht oder hier eben von "Delphi", dann ist das rein metaphorisch gemeint, wobei eben die guten, edlen, göttlichen Kräfte in der Menschenseele angesprochen sind, die sich in Einklang setzen können mit der göttlichen Natur, die uns umgibt.)

Ingo Bading hat gesagt…

Die Fortsetzung und auch gewissermaßen eine Neuinterpretation dieser Diskussion findet sich hier:

http://studiengruppe.blogspot.de/2013/07/unser-ludendorffscher-ansatz-teil-2.html

Ingo Bading hat gesagt…

In einem der letzten Kapitel des zweiten Bandes seines "Untergang des Abendlandes", veröffentlicht 1922, schrieb Oswald Spengler (Zeno, Gutenberg) :

"Die Macht verlagert sich heute schon aus den Parlamenten in private Kreise, und ebenso sinken die Wahlen unaufhaltsam zu einer Komödie herab, für uns wie für Rom. Das Geld organisiert den Vorgang im Interesse derer, die es besitzen und die Wahlhandlung wird ein verabredetes Spiel, das als Selbstbestimmung des Volkes inszeniert ist. Hier liegt das Geheimnis, weshalb alle radikalen, also armen Parteien notwendig die Werkzeuge der Geldmächte, in Rom der equites, heute der Börse werden. Theoretisch greifen sie das Kapital an, praktisch aber nicht die Börse, sondern in deren Interesse die Tradition. Das war zur Zeit der Gracchen ebenso wie heute, und zwar in allen Ländern. Die Hälfte der Massenführer ist durch Geld, Ämter, Beteiligung an Geschäften zu erkaufen und mit ihnen die ganze Partei."

Dieses Zitat zeigt natürlich sehr deutlich, daß Oswald Spengler Hintergrundpolitik-Wissen hatte. Es wäre sicherlich sinnvoll, seine Werke und die Ernst Jüngers und ähnlicher Autoren noch gründlicher auf solche Zitate zu durchsuchen. Hinweise auf Veröffentlichungen, in denen das womöglich schon geschehen ist, werden gerne entgegengenommen. Es wäre ja im Grunde genommen, merkwürdig, wenn das in den vielen Jahrzehnten seither noch nie sollte unternommen worden sein.

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