Sonntag, 29. November 2009

Sind Atheisten die Krone der Schöpfung?

Tobias Maier, dessen Wissenschaftsblog "Weitergen" man sonst als sehr schätzenswert empfinden kann, hat neuerdings einen recht flappsigen Artikel zu den Themen Gruppenselektion und Religionsdemographie geschrieben. (--> hier) Ulrich Berger hat dort in den Kommentaren schon vieles Richtigstellende gesagt. "Studium generale" hat dort als Kommentar geschrieben (dabei auch auf den Inhalt der jüngsten Beiträge von St.gen.-Research-Blogging Bezug nehmend):

Die ancient-DNA-Untersuchungen, die sich derzeit immer stärker ausweiten, zeigen auf, daß eine Fülle von früher sehr weit verbreiteten, großen menschlichen Populationen heute genetisch als weitgehend ausgestorben angesehen werden müssen.

Das gilt auch für Europa: Etwa die letzten Jäger und Sammler-Völker im Ostsee-Raum, etwa die ersten Ackerbauern in Mitteleuropa (die Bandkeramiker), offenbar auch der Stamm, dem der Ötzi angehörte - für die Etrusker ist dieser Umstand noch umstritten. Und auf dieser Linie könnte noch viel gesagt werden. (Etwa die Skythen in Nordsibirien, die Tocharer in der Taklamakan ...)

Weiterhin wissen wir, daß sich Populationen weltweit sehr deutlich in Häufigkeitsmustern unterscheiden was ihre Verhaltens- und Intelligenzgenetik betrifft.

All diese Daten - und eine Fülle weiterer - deuten darauf hin, daß mit neuer Lebensweise - beispielsweise Ackerbau - auch eine neue Genetik von Populationen herausselektiert wurde. Auch beim Menschen. Und zwar eine Genetik auf allen Ebenen menschlichen Seins: Ernährung, Krankheitsabwehr, Intelligenz, Sozialverhalten etc..

Jüngst wurde ja über ein humangenetisches Selektionsereignis berichtet, das nur 200 Jahre zurückliegt: eine Mutation, die auf Neuguinea das Überleben sichert, obwohl man Menschenfleisch aß (BSE etc.).

Und all diese Erkenntnisse sollten nun nichts mit der weltweit verbreiteten Neigung des Menschen zu tun haben, religiöse Vorstellungen aller Art zu entwickeln? Und mit der menschlichen Neigung, aufgrund von Religiosität kooperativer, altruistischer zu sein, als wenn man nicht religiös ist?

***

Tobias, ich habe schon abgeklärtere Blogbeiträge von Dir gelesen und bin von diesem hier doch etwas arg enttäuscht. Michael Blume als unwissenschaftlich hinzustellen, ist doch absurd. Er mag Daten anders interpretieren als Du. Aber das ist Teil von Wissenschaft. Daß Du dazu so flappsig und oberflächlich Stellung nimmst, zeigt meiner Meinung nur, daß Du Dich nicht ausreichend mit Verhaltensgenetik und mit "Evolutionary Religious Studies" und mit Religionsdemographie beschäftigt hast bisher. Niemand zwingt Dich dazu. Aber dann sei auch ein bischen zurückhaltender in den Urteilen.

***

Manche Erkenntnisse sind unbequem. In der Tat. Und manchmal sogar für Atheisten. Denn die Krone der Schöpfung sind sie nicht. (Wer wollte beurteilen, wer das ist?) Die Atheisten sagen, die ganze Welt, das Leben etc. ist - letztlich - eine Zufallserscheinung. Aber reiner Zufall ist etwas so langweiliges wie reine Determiniertheit. Erst das Wechselspiel von Zufall und Gesetzmäßigkeit, auch was Welt und Leben überhaupt betrifft (und Menschsein), machen dieselben so interessant und macht auch Wissenschaft nicht nur besonders interessant, sondern überhaupt erst in unserem Sinne möglich.

Genetische Selektionsprozesse präsentieren zu weit vorausgeeilten kulturellen Lernprozessen irgendwann die Rechnung

Und auf einen Einwurf von "Saper aude":

Sapere aude -

haben Sie denn das Buch von Blume und Rüdiger Vaas - letzter übrigens ein hervorragender Wissenschaftsjournalist und (soweit ich weiß) überzeugter Atheist - gelesen?

Nirgends behauptet irgend jemand, daß Atheisten grundsätzlich genetisch anders gepolt wären als Gläubige irgend einer Religion. Was für eine absurde These soll das denn sein? Glauben Sie wirklich, daß nach allem, was wir heute in der Anthropologie wissen, noch jemand einen so platten "genetischen Determinismus" vertritt, vertreten kann?

In der Humangenetik geht es heute immer nur um Häufigkeits-Verteilungen, um Wahrscheinlichkeiten, um Neigungen. Es gibt genetisch vorgegebene stärkere oder schwächere Neigungen, altruistisch zu sein, schneller denken zu können, ängstlich zu sein (Depressionen entwickeln zu können), ADHS zu entwickeln.

In der Anthropologie kommt es heute darauf an, die sehr diffizile, offenbar ziemlich "intelligente" Kombination zwischen Genen und Kultur, das sehr dehnbare, aber auch reißbare Band, das zwischen beiden besteht, nach und nach immer besser zu verstehen. Aber dieses Band ist keine Pleuelstange, wie Sie noch zu unterstellen bereit scheinen.

Auch ist die menschliche Psyche kein System von gegeneinander abgeschlossenen Kammern. Musikalität und Schönheitswahrnehmung spielen natürlich hinüber in Vorstellungsbereiche, in Ideologien, in die Art meines Philosophierens, in die Art der phantastischen Geschichten, die ich mir und anderen über meine Herkunft und die Herkunft der Welt erzähle. Und Vorstellungsbereiche spielen wiederum hinüber in die Art der Musikalität und dessen, was ich für schön und für häßlich erachte. Und auch in diesen Bereichen sind natürlich die kulturellen Lernprozesse schneller als die genetischen Selektionsprozesse.

Aber immer deutlicher erkennen wir, daß die genetischen Selektionsprozesse zu weit vorausgeeilten kulturellen Lernprozessen irgendwann "die Rechnung" präsentieren. Etwa durch gesellschaftsweite Aussterbeereignisse und durch das Herausselektieren von neuen, an die vorausgeeilten kulturellen Lernprozesse auch genetisch besser angepaßten Gründerpopulationen.

Samstag, 28. November 2009

Die "Strategie der Spannung" - erklärt von Volker Pispers

Volker Pispers erklärt die "Strategie der Spannung", mit die der CIA, der Secret Service, der Mossad und zahlreiche andere Geheimorganisiationen, nicht zu vergessen der russische Geheimdienst - also die "Vereinigten Dienste aller Länder" - die Welt seit Jahrzehnten, wenn nicht seit mindestens einem Jahrhundert in Atem halten.

Hier wird einmal auf's Neue deutlich, daß das Phänomen "politisches Kabarett" eine sehr zweischneidige Sache ist. (s. a. --> St. gen.) Die Frage ist, ob das, was Volker Pispers hier (im Jahr 2003) erörtert hat, in ein Comedy-Programm hineingehört, und warum das Publikum bei seinen Ausführungen lacht. Und warum er das so erzählt, als ob er erwartete, daß man dazu lachen könne oder dürfe. Die Frage ist, was sich der frühere Theologiestudent*) Volker Pispers dabei denkt, wenn er die Leute mit solchen Themen - *nur* (...?) - zum Lachen bringt.
(Weiterführende Literatur jedenfalls hier --> Politikwissenschaft.)

"Immer, wenn du meinst, blöder geht's nicht mehr ..."

Zitat (Ende Teil 4, Anfang Teil 5):
"Und immer, wenn du meinst, blöder geht's nicht mehr - und das denke ich bei Schröder in immer kürzeren Abständen - immer, wenn du meinst, blöder geht's nicht mehr, kommt von irgendwo ein Merkel her."
Es ist wahrscheinlich schon so, daß man sich eine dicke Portion heiteren Zynismus bewahren muß, um überhaupt noch an seinem gesunden Menschenverstand bei der Beurteilung der internationalen Politik festzuhalten. Diesen gesunden Menschenverstand, den hat jedenfalls Volker Pispers. Wenigstens "Comedian's" sind - manchmal - befähigt, sich nicht verscheißern zu lassen. Er nennt Putin den, der er ist. Er nennt ihn einen Massenmörder.

In welchen Zeiten hat es das schon einmal gegeben? Daß nur noch der Hofnarr die Wahrheit sagt. Daß nur noch der Hofnarr es sich überhaupt erlauben darf, die Wahrheit zu sagen?

_______
*) Übrigens wieder einmal ein Beispiel für einen "Comedian", der früher Theologie studiert hatte. Die Nähe zwischen diesen beiden Berufszweigen ist offensichtlich und - soweit man weiß - noch viel zu wenig - auch statistisch - erforscht: Warum sind gerade Leute, die einmal im Leben versucht haben, Theologie zu studieren, so häufig zugleich begabt für "Schwarzen Humor" und dafür, die ganze Welt als einen riesigen großen Witz zu beschreiben? Und sind es wirklich die "Comedian's", die unsere Welt voranbringen oder auch nur "lebenswerter" machen? Die Theologen sind es ja sowieso schon lange nicht mehr.

Alfred Herrhausen - der Deutschlandfunk kam seiner Informationspflicht nach

Zum Mord an Alfred Herrhausen am 30. November 1989 ist eine Radiosendung des Deutschlandfunks vom 7. Januar 1997 ins Netz gestellt worden, die sicherlich mehr Beachtung finden sollte, als sie bisher gefunden hat:
Schon länger im Netz zu sehen war das ausführliche, letzte Fernseh-Interview mit Alfred Herrhausen:
Die Radiosendung, die zu weiten Teilen auf dem Buch "Das RAF-Phantom" beruht, gibt Hinweise darauf, daß der Personenschutz, den die "Deutschen Bank" für Alfred Herrhausen bereitstellte, mit den Attentätern zusammen gearbeitet zu haben scheint, und daß der deutsche Verfassungsschutz, das Bundeskriminalamt und die Bundesanwaltschaft allzu deutlich zusammen gearbeitet haben, um die eigentlichen Mörder zu vertuschen. Mit ekelhaften Methoden.

Während Politiker wie Wolfgang Schäuble auch mit Worten des Zweifels an der offiziellen Version zitiert werden - ohne daß Schäuble, soweit bekannt, bis heute auf eine wirkliche Aufklärung des Falles gedrängt hätte -, scheint der Generalbundesanwalt Alexander von Stahl noch wesentlich bewußter die eigentlichen Hintergründe des Mordes zu decken.

Ob sich der Herr Alexander von Stahl da ein seiner früheren Tätigkeit angemessenes neues Betätigungsfeld, nämlich als prominenter Unterstützer der Wochenzeitung "Junge Freiheit" gewählt hat? Man scheint diesen Alexander von Stahl in eine ähnliche Kategorie wie den Herrn Heinrich Lummer einordnen zu müssen, dessen Karriere auch von einem Vertuschen von politisch brisanten Straftaten als Innensenator von Berlin über die Verteidigung der Existenz von V-Männern hinwegführte zu einer Unterstützung rechtskonservativer Bestrebungen in Deutschland als - - - "Prominenter".

Was für Einstellungen herrschen vor in den obersten deutschen Strafverfolgungsbehörden und im bundesdeutschen "Staatsschutz" und was für eine Durchfilzung deutet sich hier - wieder einmal auf's Neue - nur allzu deutlich an. Der bundesdeutsche sogenannte "Verfassungschutz" schützt den deutschen Staat vor Rechtsstaatlichkeit und gesunder Demokratie, vor nichts anderem. Er korrumpiert den Staat, weil er selbst völlig korrupt ist.

Beliebte Posts (*darunter finden sich leider selten neuere Beiträge*)

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