Samstag, 13. Februar 2010

TV: total katholisch verblödet

Woher kommt der postpubertäre "Sacro pop" in den Medien? (1. Teil)

Achtung, dieser Blogbeitrag kommt ziemlich humorlos daher. Er wittert eine Verschwörung. Nämlich die der Katholiken in der Medienwelt. Das ist natürlich ein dröges Thema. Wem's zu langweilig ist, der schalte halt den Fernseher an und lasse sich weiter berieseln! - - -

In diesem Beitrag werden ein paar erste Daten zum Katholizismus in der Medienwelt zusammen getragen. Sie sind nach vielen Richtungen hin zu vervollständigen. Ein Trend jedoch wird deutlich: Um so "TV-totaler" und blöder, um so katholischer. Warum schämt sich die katholische Kirche eigentlich nicht der vielen Fernsehmoderatoren, die sich mit ihr identifizieren, und die offenbar vor allem auch von ihr, von der Kirche insbesondere hervorgebracht worden sind?

Es sind gerade die Fernsehmoderatoren und Ulknudeln, die seit Jahrzehnten eine Vorreiterrolle spielen, wenn es um eine unglaublich flappsige Art geht, alle Werte und Normen in unserer Gesellschaft, schlichtweg alle infrage zu stellen. - Warum sind aber nun so viele von ihnen bewußter katholisch erzogen worden? Hätte sich nicht gerade dieser Umstand positiv auf den Umgangston im bundesdeutschen Fernsehen auswirken müssen? Wenigstens können? Angesichts der ungeheuren "Mehrwertigkeit" des Katholizismus allen anderen Religionen gegenüber?

Sind solche Umstände eigentlich von Religions- und Kirchenkritikern schon beleuchtet worden?

Es geht ja vielmehr gerade auch von katholischen Fernsehleuten viel zu oft ein grenzenloser Zynismus aus. Aber dann die nächste Frage: Warum sind all diese vielen verdummenden, zynischen Moderatoren denn seither nicht aus der Kirche ausgetreten und haben dem christlichen Glauben abgeschworen? Wie wäre etwas anderes überhaupt denkbar nach dem, was wir alltäglich von ihnen vorgeführt bekommen?

Abb. 1: "Wir glauben - Gespräche mit Prominenten über Gott im Alltag"

Warum identifizieren sie sich stattdessen in aller Öffentlichkeit mit der katholischen Kirche - "trotz" all des Mülls, den sie selbst im Fernsehen verbreiten. Wer glaubt denn, von einer solchen Identifikation Vorteile zu haben? Die katholische Kirche? Die einzelnen Moderatoren? Geschieht das selbstlos? Oder ist das - jesuitisch?

Warum wird Identifikation von total verblödenden Fernsehmoderatoren mit dem Katholizismus nicht als Karrierehemmnis angesehen? Sondern offenbar eher als das karriereförderndes Kriterium? 

Massiver Mitgliederschwund in den letzten Jahren 

Die katholische Kirche hat seit Jahrzehnten massiven Mitgliederschwund. Jetzt beispielsweise sogar in einem traditionellen Kernland des Katholizismus, in Österreich: Nur noch 70 Prozent der Österreicher gehören der katholischen Kirche an. In Wien nur noch 50 Prozent. Die höchsten Austrittsraten gibt es derzeit in den konservativsten Diozösen (14.1.2010). Natürlich sagt sich dazu ein eingefleischter konservativer Katholik: Alles nur "Tageserscheinungen". Die katholische Kirche als Institution hat Jahrtausende überlebt und wird Jahrtausende überleben ...

Und in der Tat. Trotz der vielen Kirchenaustritte erleben wir einen gleichbleibenden oder sogar sich noch steigernden, fröhlichen "Sacro pop" im Fernsehen. (In welchem Sinne in diesem Beitrag der Begriff "Sacro pop" verwendet wird, wird unten erläutert.) Gehen wir einige Prominente durch. Sicherlich ist die folgende Liste noch nach vielen Richtungen hin zu vervollständigen. 

Vorzeige-Katholiken Frank Elstner, Thomas Gottschalk, Günther Jauch und Harald Schmidt ...  

  • Frank Elstner (Wiki) wurde 1942 geboren und war in seiner Jugend Meßdiener. Er wanderte im Jahr 2006 - in Nachfolge seines jüngeren Kollegen (siehe unten) auf dem Jakobsweg. Und sieht das heute fast als die bedeutendste Leistung seines Lebens an ... 
  • Thomas Gottschalk (Wiki) wurde 1950 in Bamberg geboren und stammt von oberschlesischen Eltern. Er ist katholisch und war als Jugendlicher Ministrant. Er wollte einmal - so wie mancher andere spätere, katholisch gebliebene Entertainer (siehe unten) - Priester werden. Gottschalk arbeitete als Kinder- und Jugendbetreuer in der katholischen Kirche. Dann war er Mitglied einer katholischen Studentenverbindung. All das scheint sich nicht karriereschädigend ausgewirkt zu haben. Er geht heute mitunter noch in die Kirche und hat seine beiden Söhne, die aus einer Ehe mit einer Protestantin hervorgingen, katholisch erzogen. Oder hat das doch zumindest versucht, wie er sagt (Berl. Mrgnpst, 27.1.10). Versucht offenbar auch durch seine Fernsehshows ... 
  • Günther Jauch (Wiki), geboren 1956 in Münster/Westfalen, war als Jugendlicher als Ministrant tätig. Nachdem er eine ernsthaftere Journalisten-Karriere vermasselt hatte, weil er Falschmeldungen verbreitet hatte, ging er ins seichtere Showgeschäft. Heute unterstützt unter anderem den Aufbau eines katholischen Gymnasiums in Potsdam. Er unterstützte 2009 auch - zum Glück erfolglos - die Pro-Reli-Kampagne in Berlin, die den christlichen Religionsunterricht an Berliner Schulen als Alternativfach zu dem bisherigen für alle verpflichtenden Fach "Werte und Normen" einführen wollte. 
  • Harald Schmidt (Wiki), diese Ikone des Deutschen Fernsehens, wurde 1957 geboren. Seine Eltern waren Sudetendeutsche Vertriebene. Harald Schmidt ist katholisch, zahlt Kirchensteuern und erzieht seine Kinder katholisch. Er kann das alles ganz herrlich mit seiner Tätigkeit als jener prominente Fernsehmoderator vereinbaren, als der er uns bekannt ist. Er geht mit seinen fünf Kindern regelmäßig in den Gottesdienst, insbesondere in den Weihnachtsgottesdienst. Er ist selbst in einer streng katholischen Familie aufgewachsen. Er war Mitglied bei den katholischen Pfadfindern und hat die Prüfung zum Organisten und Kirchemusiker abgelegt. Seinen Zivildienst leistete er in einem katholischen Pfarrbüro ab. Das Zölibat war es allein, was ihn - wie Thomas Gottschalk - davon abhielt, katholischer Priester zu werden. (Kath.net, 28.2.07) Andere Dinge - also nicht. Und seine Art von Katholizismus wird natürlich in jeder Minute seines reichhaltigen Fernsehlebens praktiziert. 
Abb. 2: "Was Deutschlands Prominente glauben"

Vorzeige-Katholiken (z.T. "in spe"): Johannes B. Kerner, Hape Kerkeling und Jörg Pilawa 

Jörg Pilawa (Wiki) wurde 1965 geboren und ist katholisch. Als Kind fand er das Beichten schrecklich. Was ihn heute nicht davon abhält, täglich zu beten und auf eine "christliche" Erziehung seiner Kinder zu achten. Er erzählt auch gern, daß er nach Rom gereist ist, um an einer Papstaudienz teil zu nehmen und um das "Charisma des Papstes" zu erleben.

Horst Schlämmer, unser beliebter Entertainer, mit bürgerlichem Namen Hape Kerkeling (Wiki), ist - wie so viele - Repräsentant eines politischen Kabaretts, das "nicht eingreifen will" (siehe frühere Beiträge hier auf dem Blog). Er wurde 1964 in Recklinghausen geboren. Nach einer ernsthafteren Lebenskrise begab er sich als einer der ersten Prominenten "auf den Jakobsweg". Die "Bild"-Zeitung weiß zu berichten, daß ihn niemand zum Beicht-, Religions- und Firmunterricht zerren mußte (Bild, 1.6.06):

Die Eltern haben Hape katholisch taufen lassen, ihn zur Kommunion geschickt, später zum Beicht-, Religions- und Firmunterricht. Kerkeling: "Mich mußte niemand dorthin zerren." Sein Interesse an religiösen Themen sei groß gewesen, eine Art "spirituelle Suche". (...) Manchmal habe ihn auch die Idee überfallen, zum evangelischen Glauben zu wechseln und Pfarrer zu werden.

Noch einer also aus dem weltlichen Showgeschäft, der ursprünglich einmal ins geistige Showgeschäft hatte einsteigen wollen. Diesmal ins evangelische ... Nur eines scheint wirklich zu zählen: nämlich daß die "Show" weiter geht - so oder so. Der "Zeit" teilte Kerkeling in flapsiger, schnoddriger Weise über seine religiösen Einstellungen mit (Zeit, 9.11.06):

Ich bin Christ. Gelernt katholisch, ausgetreten. Der Buddhismus ist für mich der Schlüssel für diese Kiste, die ich bisher nicht verstanden habe. Und dieser Schlüssel paßt in die Schatzkiste, und wenn ich die aufmache, kommt für mich Christentum raus. Ist verwirrend, fühlt sich aber ganz gut an.

Das ist der richtige "Slang", mit dem man heute über religiöse Fragen reden muß, ohne Frage. Ganz ohne Frage. Sacro pop vom Feinsten. Und das Wichtigste: man kann immer so weitermachen wie bisher. - Vielleicht läßt sich die folgende Regel aufstellen, die auch noch durch Ausnahmen bestätigt wird: Wenn katholisch erzogene, heutige deutsche Entertainer anfangen, über Religion zu reden, wird's fast so gruselig, als wenn ordinierte katholische Priester über dieses Thema reden. Welcher Art sind diese Parallelen eigentlich? Show hier wie dort? Ist dies der gemeinsame Nenner? 

Show weltlich, Show geistlich - egal: Hauptsache Show 

Und nun unser lieber, netter, berühmt-berüchtigter Johannes B. Kerner (Wiki). Seines Zeichens Eva-Rausschmeißer. Aber nicht aus dem Paradies. Aber vielleicht doch aus dem, was er für "sein" "Paradies" (?) hält. Dieser nette Jüngling und Christgläubige ist 1964 in Bonn geboren worden und ist - wer hätte noch Zweifel daran gehabt? - in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen. Und was hat uns dieser doppelverdienende, christgläubige, jünglingshafte Journalist so alles zu sagen über seine Sacro pop-Religiosität (Livenet, 22.11.04):

"Glaube ist ein wichtiges Thema für mich."
Nicht zu bezweifeln. Keineswegs:
Er stehe zwar nach wie vor zu seinem Austritt aus der katholischen Kirche, ...
"Nach wie vor" ...:
... habe aber im Laufe der vergangenen Jahre zum Glauben zurückgefunden.

Aber hallo. Aber hallo. Na klar. 

"Sacro pop" - das katholische Bildungsideal? 

Nein, nein, er steht schon zu seinem Kirchenaustritt. Hat aber inzwischen zum Glauben zurückgefunden. Spart jetzt nur die Kirchensteuern, um zu seinem früheren Austritt stehen zu können. Wird seinen Priestern darum auf Umwegen schon mindestens das Doppelte dafür geben. Aber zum Kirchenaustritt steht er!

Der Glaube an Gott und die Bibel dominiere in seinem Leben zwar nicht,...
Nein, nein! - Hier exemplarisch das bundesdeutsche Neusprech: Der Verneinung folgt im nächsten Halbsatz immer sofort die bekräftigende Bejahung:
... "aber er spielt eine große Rolle". Auch in seinen Sendungen komme das Thema Glaube häufig vor.
"Letztendlich geht es immer um die Grundthemen Krankheit, Tod, Glaube, Freundschaft, Liebe und Hoffnung." Der Moderator verrät, daß er und seine Frau Britta abends vor dem Einschlafen mit ihren beiden Kindern beten.

Ist ja richtig "goldig". Was uns da der Moderator "verrät". Über seinen Kirchensteuer-sparenden christlichen Bet-Glauben ... Die Rundfunk- und Fernsehräte werden auf all das mit Wohlgefallen sehen ... Wenn auch sonst nichts mehr zur geistig-moralischen Wende geleistet wird, so doch zumindest noch etwas mit solchen Interviews ... (?) ...

Johannes B. Kerner besuchte übrigens - so mancher andere elitäre Jüngling tat es ihm gleich (Heiner Geißler etwa) - das inzwischen berühmt-berüchtigt gewordene Jesuitengymnasium Aloisiuskolleg (Wiki) in Bonn-Bad Godesberg. Dieses ist unglücklicherweise in den letzten Wochen in außerordenlich negative Schlagzeilen geraten. Und der zuvor vielseits beliebte, Kopfnüsse verteilende Schulleiter - in freundschaftlichem Verhältnis stehend zu so manchem Fernsehmoderator (siehe unten) - ist zurückgetreten.

Der Geist, der an dieser Schule herrschte, ist nun schon im Jahr 2004 durch die Erinnerungen eines Schülers dieser Schule - nach dem Urteil vieler ehemaligen Schüler außerordentlich treffsicher - gekennzeichnet worden (siehe Leser-Rezensionen: Amaz.). Miguel Abrantes Ostrowski schrieb über den "Sacro pop" an diesem Jesuitengymnasium. Der darin geschilderte Schulgeist, wiedergegeben von einem inzwischen über 40 Jahre alten Mann, wird von der "TAZ" als "postpubertär" gekennzeichnet. Dieser Geist ist derart abstoßend, daß selbst eine solche zeitgeistnahe Wochenzeitung wie die "TAZ" von ihm nur in höchstem Maße angewidert ist. Und bei einer Wochenzeitung wie der "TAZ" wird das wohl allerhand heißen (TAZ, 10.2.05) .....

Der Titel "Sacro pop" wird uns auch in der vorläufig letzten Entertainer-Biographie zu diesem Thema noch einmal begegnen. "Sacro pop" - damit scheint offenbar heute das Bildungsideal an elitären Jesuitenschulen passend umschrieben zu sein. Denn nun, verehrte Leser, kommen wir zum Höhepunkt der vielen, allzuvielen "beliebten" und bejubelten, aus dem deutschen, katholischen Milieu hervorgegangenen Fernseh-Entertainer. Wir kommen - - - zum Fernseh-"Giganten" ... Stefan Raab.

Selbst die "TAZ" ist angewidert - von Stefan Raab jedoch hörte man bisher nur Positives über seine Schule ... 

Stefan Raab (Wiki) wurde 1966 in Köln geboren. Auch dieser elitäre Jüngling besuchte, na, was wohl: das Jesuitengymnasium Aloisiuskolleg (Wiki) in Bonn-Bad Godesberg. 1999 sagte er in einem Interview, offenbar völlig im Geist dieser Schule und ihres "Sacro pop"-Ideals:

Ich bin katholisch und ich glaube an Gott, ich bin jesuitisch erzogen worden auf dem Internat. Ich glaube schon, daß da jemand ist, der so ein bisschen auf die Welt guckt, ob alles okay ist, der aber auch Riesen-Spaß versteht. Ich meine - Jesus! Das war doch so ein junger Typ, der mit zwölf Freunden durch die Lande zieht - da kannste mir doch nicht erzählen, daß die nicht auch mal die Mädels klar gemacht haben. Das steht natürlich nicht in der Bibel, das würde ich ja auch nicht erzählen. Ich gehe ein oder zwei Mal im Jahr in die Kirche, an hohen Feiertagen. Ansonsten bin ich natürlich Pro-7-gläubig!

Solche Aussagen müssen nicht weiter kommentiert werden. Sie sprechen für sich.

Was für Produkte bringt ein Jesuitengymnasium hervor. Prospektive Träger des Bundesverdienstordens, gewiß, die alle - - - auch "nichts erzählen" würden. Das scheint wirklich ein forschrittlicher, moderner, zeitgemäßer Religions- und Ethikunterricht gewesen zu sein, den man dem lieben Herrn Raab und seinen Mitschülern da auf seiner Jesuitenschule hat angedeihen lassen, an der er sich pudelwohl gefühlt haben muß. (Tenor: "Fühlt sich gut an.")

Herziger Bub, der Stefan, läßt sich "leicht einbinden" ... 

Fast alles so modern wie der derzeitige Priester der Katholischen Hochschulgemeinde in Frankfurt am Main (siehe Fußnote im vorigen Beitrag). Da scheint es also sehr locker zuzugehen auf den heutigen Jesuitengymnasien und in jesuitisch geleiteten deutschen Studentengemeinden. Im Jahr 1999 äußerte sich auch der gerade zurückgetretene Schulrektor des Jesuitengymnasiums Theo Schneider noch fröhlich zu seinem damals gerade erst prominent gewordenen Schüler. Da stand im "Stern" über den lieben, guten, netten, ach so "lustigen" Herrn Stefan Raab (Stern, 8.7.1999):

... Meßdiener, Wehrdienst, ein paar Semester Jura. (...) "Der Stefan hat sich auf leichte Weise immer einbinden lassen", sagt Pater Schneider, sein früherer Schulleiter. Fünf Jahre war Raab Jesuitenschüler auf dem Aloisius-Kolleg in Bonn-Bad Godesberg. Las die Bibel, lernte Latein, trug das Aschenkreuz und beichtete Sünden. Raabs Kindheits-Helden waren Hildegard von Bingen und der heilige Vitus, den die Römer in siedendes Öl stießen. Er gründete eine Sacro-Pop-Band und trommelte für Jesus.
Keine Worte mehr, um das zu kennzeichnen. Und wie rührend er sich seinen Eltern gegenüber verhält:
Mit seinen Eltern will er es sich nicht verscherzen. Ihre Bilder hütet Raab im Portemonnaie, er geht mit ihnen segeln und war über Pfingsten mit Mutter in Rom. Zur Papstmesse im Petersdom. "Wenn der Papst die Leute segnet, das hat schon was." Früher, sagt er, kam zu Hause oft ein kroatischer Franziskanerpater, der Brötchen sammelte für die Armenspeisung. Da habe er eine Ahnung bekommen, wie sinnvoll Kirchensteuer sein kann. Viel Gutes werde damit getan, sagt Katholik Raab. "Ein bißchen Idealismus sollte schon noch sein."

Keine Worte zur Kennzeichnung mehr.

Immerhin: Noch ein Entertainer, der zu Papstmessen nach Rom fährt und sich Anregungen für Shows holt. Wie wird sich doch seine papsttreue Mutter immer so freuen über ihren gut katholischen Sohn und seine lieben, netten, flotten Sprüche abends im Fernsehn. Und was hat das Söhnchen doch alles für gute Freunde. Er ist doch in bester Gesellschaft:

Raabs Mitarbeiter sind auch katholisch. Sein Chefautor besuchte Exerzitien in Münster, der Redakteur wurde am Bischöflichen Gymnasium in Osnabrück erzogen. Produzent Martin Keß war Meßdiener. Es scheint, "TV Total" ist späte Genugtuung dafür, nie am Meßwein genippt zu haben.

Schlußfolgerung: Wer Exzertitien in Münster besucht, kann sonst den allergrößten Mist bauen. Er hat Exerzitien in Münster besucht. Das dürfte reichen. Er ist Gott viel näher als alle anderen.

Die Mitarbeiter sind alle katholisch, da ist der Bub gut "eingebunden" 

Immer befremdender wird vieles. 

Was muß eigentlich alles noch ausgelotet werden, wenn man den Kultureinfluß des Katholizismus und des Jesuitismus auf die heutige Medienlandschaft, auf die "Public Relation-Industrie" ausloten will? Warum katholische Herkunft und Einbindung gerade unter jenen Entertainern, denen man es am wenigsten zutrauen würde? Und die den Zeitgeist so ziemlich am meisten herabziehen? Steckt dahinter etwa - - - "System"? Ist das jesuitisch?

Daß katholisch erzogene Menschen Weltmeister im Zynismus sein können, wird vielleicht mancher schon in seinem eigenen Bekanntenkreis erlebt haben. Aber daß sie sich dennoch gerne zum Katholizismus bekennen, daß sie dennoch bei Exerzitien gern gesehen sind und dort gerne hingehen: mit wieviel Grad zu heißem Badewasser müssen solche Leute eigentlich gebadet worden sein? Was für Mißbrauch an Kinderseelen ist hier noch gar nicht - und auch nur ansatzweise - bewußt geworden, ausgelotet worden?

Abb. 3: "Wir glauben euch nicht"

Eigentlich wird die Sehnsucht da ständig größer nach anderen Gruppen von Prominenten, die einfach einmal nur offen und ehrlich sagen: "Wir glauben euch nicht!" (Infokrieg). 

Und wir glauben auch nicht mehr eurem aufgesetzten Zynismus in der Endlosschleife. Was soll das? Ist das nur eine andere Form der "Wache gegen den Traum vom neuen Menschen" (GA-j! 2010)? Wieviel Köpfe hat jene Hydra, die sich Katholizismus nennt?

Abb. 4: Herkules im Kampf mit der Hydra (von Antico, um 1490)

/ Ergänzung 31.12.2021: Man hat bei der Sendereihe "Hape und die 7 Zwergstaaten" aus dem 2021 (Wiki) das Gefühl, daß sie nur produziert worden ist, um einen Grund zu haben, in dieser Reihe einmal wieder eine Audienz beim Papst in Rom ins Fernsehn zu bringen und den Papst dabei in fast widerlicher Form anzuhimmeln. The Show must go on. /

Der Jesuitenorden - eine Psychosekte?

Schüler sagen: "Gehirnwäsche wie in einer Sekte"

Kurz nachdem der Jesuit Prof. Alighiero Tondi am 21. April 1952 aus dem Jesuitenorden ausgetreten war, gab er einer italienischen Zeitung ein Interview. In diesem sagte er (1, S. 59 - 61):
Ich bin am 7. Februar 1936 mit achtundzwanzig Jahren in den Orden eingetreten, schon im Besitz eines Doktortitels und berufstätig, mit reifem Bewußtsein. Unter diesen Umständen und auch auf Grund meines Charakters konnte ich irgendwelchen Einflüsterungen nicht so leicht erliegen. Ich habe vielmehr immer wohlüberlegt reagiert. Doch war ich nicht losgelöst von meiner Umgebung, ich suchte vielmehr Hilfe und Unterstützung bei ihr, um mit den Problemen, die mich von Anfang an beschäftigt hatten, fertig zu werden. Aber das war zwecklos, sogar gefährlich. Vor allem müssen Sie wissen, daß es unter Jesuiten keine wahre Freundschaft gibt.
Unter Jesuiten gibt es keine Freundschaft, sagt ein ehemaliger Jesuit

Offenbar scheint sich an den von Tondi geschilderten Verhältnissen im Jesuitenorden, wie sie bis zum Jahr 1952 bestanden haben, auch bis heute gar nicht so grundlegend etwas geändert zu haben. Zumindest wenn man dem Frankfurter Studentenpfarrer und Jesuiten Martin Löwenstein zuhört.

Studentenpater Martin Löwenstein

Er sagte vor kurzem in einer Predigt:
In den achtziger Jahren haben wir das bei uns Jesuiten mal auf den treffenden Begriff "Verschonungspluralismus" gebracht: Lass du mich in meiner Welt in Ruhe, dann lasse ich dich in deiner Welt in Ruhe. Nur bitte keine Zumutungen. Das war - und ist manchmal noch - gerade bei Jesuiten verbreitet.
Ob sich nun Löwenstein von Mitbrüdern im Orden inzwischen mehr zumuten läßt als früher, sagt er nicht.*) - - -

In diesem Beitrag erst einmal Tondi weiter in seinem Bericht:
Jeder handelt und denkt für sich. Selbst in den günstigsten Fällen merkt man sehr bald, daß man niemand trauen darf. Wie Sie wissen sind die Jesuiten verpflichtet, ihre Mitbrüder bei den höheren Instanzen des Ordens anzuzeigen.
Man mache sich doch auch diesen Umstand in vollem Maße bewußt. Das würde heißen, daß für alles, was überhaupt geschieht durch Jesuitenpater die Vorgesetzten und der Orden insgesamt in viel größerem Umfang mit verantwortlich sind, als es sonst in irgendwelchen menschlichen Zusammenhängen der Fall ist.

Mißtrauenspflege, Anzeigepflicht innerhalb des Jesuitenordens

Angesichts der ständigen Überwachung jedes Jesuiten durch jeden anderen Jesuiten, für die der Jesuitenorden schon seit Jahrhunderten bekannt ist, mußte die Ordensleitung in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren zu jedem Zeitpunkt sogar viel genauer über das Verhalten jedes einzelnen Jesuitenpaters informiert gewesen sein, als das noch heute die Öffentlichkeit und selbst viele einzelne Mißbrauchsopfer sind. Und zwar eben nicht nur über den "Informationskanal" der Beichte, sondern auch über die ganz gewöhnlichen, typisch jesuitischen "Anzeigen" durch andere Jesuitenpater innerhalb des Ordens.

Wenn die Ordensleitung auf "Anzeigen" von Kindesmißbrauch in der Regel nicht reagiert hat und erst auf Empörung von Seiten der Eltern oder anderer Außenstehender kriminelle Jesuitenpater versetzt hat - versetzt hat, mehr nicht -, dann war schlicht all das, was damals und heute als Mißbrauch angesehen wird in den Augen des Ordens kein Mißbrauch.

Die Mißbrauchsfälle waren nicht "Entgleisungen", sondern hatten "System" ...

Und wenn man studiert, wie - etwa - Alighiero Tondi die grausamen Methoden seiner Ausbildung schildert, seines Noviziats, wird man sich von wenig anderem überzeugen können als davon, daß die Jesuitenoberen in den Kindesmißbräuchen ihrer Patres höchstens - höchstens - "läßliche" Sünden gesehen haben werden (wie es in der jesuitischen Fachsprache heißt).

Ansgar B., ehemaliger Schüler an einer Jesuiten-Schule

... und das heißt? ...

Der Jesuitenorden trägt, wenn man solche Zusammenhänge zur Kenntnis nimmt, alle Kennzeichen einer Psychosekte. Dies sehen auch ehemalige Jesuitenschüler so. Ihre Berichte gleichen in vielem den Berichten Alighiero Tondi 's über seine jesuitische Ausbildung als Jesuitennovize (Spreeblick, Komm. 467, bzw. Berliner Ztg, 10.2.10):
Ansgar B. ist überzeugt, dass hinter den Missbräuchen System steckte. Dass die Patres sich absprachen; “ganz sicher bei ihren sadistischen Praktiken”. Gezüchtigt hätten sie immer nur Schwache, nie Jungs, die sich wehren konnten. Ein System von Belohnungen, Strafen und Beichten habe den Tätern die Kontrolle und Überwachung der Gedanken ihrer Schutzbefohlenen erlaubt. Die Vereinzelung und das Wissen über die geheimen Fantasien der Schüler habe sie geschützt. So sei eine verschworene Gemeinschaft entstanden, aneinander gekettet durch ihr dunkles Geheimnis.

“Es war eine Gehirnwäsche wie in einer Sekte”, sagt Ansgar B. “Die anderen Patres müssen aber etwas mitgekriegt haben. Zumindest während der Beichte. Doch keiner hat uns geholfen.” Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Auch mindestens ein weltlicher Lehrer, selbst früherer Canisius-Schüler, habe ganz sicher Bescheid gewusst. “Er war mit Pater R. befreundet und begleitete uns auf eine Reise nach Irland. Aber er hat nie etwas gesagt.”
Einschüchterungen der internen und äußeren Kritiker des Ordens

Das ist das katholische "Milieu", das gar nicht erkennen kann (?), daß ein solcher Orden wie der Jesuitenorden schlichtweg eine Psychosekte darstellt. Man hat viel zu viel Ehrfurcht und Respekt vor Priestern allgemein und Priestern dieses Ordens insbesondere, der zudem Kritiker noch heute einschüchtert, gerne auch durch vorgeblich aus dem Jesuitenorden ausgetretene Jesuiten (siehe letzte Beiträge auf "Spreeblick"), als daß man die kühne Vermutung auch nur zu denken, geschweige denn auszusprechen wagen würde, hier wäre schlicht eine Psychosekte an der Arbeit.

Wird der Jesuitenorden nicht in der ganzen katholischen Kirche hochgradig geschätzt? Wird er nicht ständig vom Papst gelobt? Wie kann es da in einem solchen Orden Mißstände geben, die sogar offenbar in einem pädagogischen "System" begründet liegen? Hören wir Tondi weiter zu (1, S. 60f):
Jede Vertraulichkeit kann daher gefährlich sein und ist es auch. Man lebt unter ständiger Beargwöhnung. Alles spielt sich im Schatten ab. Außerdem ist der Zweck des Ordens, die Weltherrschaft des Vatikans mit allen Mitteln zu sichern. Der Mensch, der einzelne, ist nur eine Nummer.

In dieser Atmosphäre kann man nicht vorsichtig genug sein. Gerade in diesen Tagen zum Beispiel habe ich erfahren, daß man mich als Geisteskranken suchen läßt, sogar von der Polizei! Offenbar, um mich in irgendein Irrenhaus zu sperren und dort zu begraben, damit mein Mund für immer verschlossen bleibt.
Es gibt kaum eine Spur von Menschlichkeit

Bekanntlich wurden Jesuitenschüler, die über den Mißbrauch, der an ihnen begangen worden ist, schon in früheren Zeiten reden wollten, noch bis vor kurzem mitunter mit kaum weniger drastischen Maßnahmen eingeschüchtert, als der soeben geschilderten. Auch diese typischen Einschüchterungs-Maßnahme einer Psychosekte sind also "System". Tondi weiter:
Können Sie sich vorstellen, daß die Seele dort bald erstickt und man sich einsam fühlt und wirklich einsam ist.

Als mir erste Zweifel kamen, sprach ich mit Dozenten der Gregorianischen Universtität. Da man mir mit den üblichen Argumenten kam, deren Unzulänglichkeit mir nicht nur bekannt war, sondern ja gerade meine Zweifel hervorgerufen hatte, versuchte ich noch eindringlicher zu fragen. Die Reaktion war übel. Zunächst wurde man ärgerlich, dann argwöhnisch und vorsichtig. Wie war es möglich, daß ich mich nicht überzeugen ließ? Ich mußte mich überzeugen lassen. Ich sollte lieber beten, und zwar viel, denn es handele sich um "Anschläge des Teufels", die ich ohne Diskussion zurückweisen müsse. Durch Willen müsse ich die Forderungen des Intellekts zum Schweigen bringen.

Bald verstummte ich. Entgegen meinen Vorsätzen versuchte ich sogar, mich selbst zu hypnotisieren. Immer wieder sagte ich mir, daß ich nichts verstehe. Aber es ist unmöglich, gegen die Logik anzukämpfen, denn sie ist unerbittlich. (...)

Wenn die Christlich-Demokratische Partei und die Katholische Aktion ausarten konnten, so hätte dies auf keinen Fall in einem religiösen Orden geschehen dürfen, in dem das Evangelium angeblich im höchsten und reinsten Sinne des Wortes verwirklicht wird, vor allem nicht in einem Orden wie der Gesellschaft Jesu. Aber das Gegenteil trifft zu. Die Heuchelei herrscht vor, es gibt keine Herzlichkeit, kaum eine Spur von Menschlichkeit. Die Kranken werden schlecht gepflegt, vernachlässigt. [Dazu gibt Tondi an anderer Stelle noch anschauliche, krasse Beispiele, die auch vielsagend sein könnten in Bezug auf Kindesmißbrauch.] Es gibt keine Wärme. Gespräche und Berichte verlaufen immer nach dem gleichen Schema. Form, nichts als Form. Das Leben ist üppig und reich, das Essen hervorragend, herrliche Landsitze stehen zur Verfügung. Der Pater Lombardi, der Opfer und soziale Gerechtigkeit predigt, lebt nichtsdestoweniger in Villa Malta, das heißt auf einem Landgut, wie es Könige nicht besitzen. ...
An dieser Stelle sei zunächst einmal wieder abgebrochen. Um so mehr man sich mit diesem Jesuitenorden befaßt, um so unheimlicher wird einem vieles.

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*) Was man aber bei einer Bildersuche im Netz über den Jesuiten Martin Löwenstein erfährt, zeigt, daß er scheinbar doch gewillt ist, sich selbst sehr, sehr viel "zuzumuten". Alle "Achtung", was er da sich selbst zumutet und anderen zumindest nicht besonders deutlich abrät, sich "zuzumuten" ... (FAZ 2008, Bild 2009). Eigentlich außerordentlich merkwürdig. - Ist auch das "typisch jesuitisch"? Was soll man sich denn eigentlich aus diesen Zusammenhängen zusammenreimen, auf die man hier gerade stößt, und die wirklich nicht in diesem Beitrag hatten behandelt werden sollen? Weiß denn der Papst davon? Weißer oder schwarzer? Werden sie doch wohl wissen müssen? Hatten wir von solchen Dingen wissen wollen? Eigentlich nein. Bestehen Zusammenhänge zum Thema? Eigentlich ... schon ... ? Kann man ausschließen, daß Zusammenhänge bestehen? Wurden solche "Zumutungen" nicht ebenfalls schon in den 1980er Jahren von den kriminellen Jesuiten-Lehrern an ihre Schüler herangetragen? Wie aktuell ist das eigentlich alles?
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1. Tondi, Alighiero: Vatikan und Neofaschismus. Dietz Verlag, Berlin 1955

Donnerstag, 11. Februar 2010

Jesuiten, Macht und Krieg

Ein Situationsbericht aus dem Jahr 1960

Aufgrund der umfassenden "Kulturrevolution", die mit dem Jahr "1968" verbunden wird, fällt es heutigen Menschen oft schwer, sich in die Zeit "vor 1968" zurückzuversetzen. Auch hat das Jahr 1968 zwar den "Muff von tausend Jahren unter den Talaren" mehr oder weniger erfolgreich "ausgepustet". Aber möglicherweise nur an den weithin atheistisch gewordenen Universitäten. Hat jemals jemand wirklich nachhaltig nach dem "Muff" gefragt, der sich noch unter ganz anderen Kutten verbergen könnte? Die Art und Weise, in der der Jesuitenorden heute handelt, und von welchen Seiten er dabei Unterstützung und Wohlwollen erhält, läßt diesbezüglich jedenfalls so manche "Ahnungen" aufkommen.

Irgendwie scheint es dem Jesuitenorden in Deutschland seit den 1960er Jahren gelungen zu sein, gegenüber einer kritischeren Öffentlichkeit auf Tauchstation zu gehen. Seit den 1960er Jahren ist in Deutschland jedenfalls auffälligerweise so gut wie keine ausgesprochen Jesuiten-kritische Literatur mehr erschienen. Oder hat man das nur übersehen? Selbst ausgesprochene Kirchenkritiker haben sich selten intensiver mit dem Jesuitenorden befaßt. Sollte diesem bis in die 1960er Jahre so mächtigen katholischen Orden seither die Macht so ganz und gar von selbst unter den Händen zerronnen sein?

Abb 1: Alighiero Tondi (1908 - 1984), abgefallener Jesuit
(s.a. Life, 26.5.1952)

Ein "Grandseigneur" interessiert sich für Geld - aber wozu?

Hat heute der Jesuitenorden keine Macht mehr? Seine Machtposition im Jahr 1960 soll in diesem Beitrag einmal umrissen werden. Zumindest so, wie sie der damals abgefallene, italienische Jesuit Alighiero Tondi (s. Abb. 1) in seinen Büchern beschrieb (1). Tondi schrieb im Jahr 1960 sehr deutlich über
... das Wiedererstehen und Erstarken der ideologischen, sozialen und politischen Positionen des Katholizismus und des Papsttums
vor allem auch in Deutschland (1, S. 87). Und was schrieb er über die "treibende Kraft" hinter diesem Erstarken?
Die treibende Kraft bei diesem Vorhaben (der Erstarkung der katholischen Macht in Deutschland) war neben den Jesuiten Eugenio Pacelli (der spätere Papst Pius XII., der, bevor er Papst wurde, schon seit 1917 das Amt des Nuntius in Bayern innehatte und dann seit 1920 in Berlin als Nuntius für das gesamte Deutsche Reich wirkte).

Hinter dem Äußeren eines "Grandseigneurs" und eines "sehr geistvollen Mannes" verbarg Pacelli einen zutiefst praktischen Sinn und einen lebendigen und unfehlbaren Geschäftsgeist. Unterstützt von einigen sehr geschickten Mitgliedern der Gesellschaft Jesu knüpfte er engste Verbindungen zum Großkapital und richtete die Zentrumspartei (d.h. die katholische Partei Deutschlands) auf die schlimmste Geschäftemacherei aus. Klerikale katholische Organisationen - nicht nur Deutschlands, sondern auch des Auslandes - investierten unheimliche Summen in der deutschen Industrie- und Finanzwirtschaft.
Abb 2: Nuntius Pacelli 1920 in Berlin: Mehr noch als nur ein "Grandseigneur"

Tondi berichtete 1960 auch über den Jesuitenpater Pietro Tacchi-Venturi, einen engen Freund des Menschenfreundes Benito Mussolini und ein inoffizieller Verbindungsmann zwischen ihm und den menschenfreundlichen Päpsten seiner Zeit. Und Tondi berichtet, daß dieser Pater von dem
glückliche(n) Einvernehmen zwischen dem Vatikan und dem Nationalsozialismus
zur Zeit des Reichskonkordats gesprochen hatte und außerdem ausgeführt hatte (1, S. 89f):
Niemand darf sich somit darüber empören, wenn wir behaupten, daß das Konkordat (...) auch eine Wirkung des Geldes gewesen ist. Gott verwendet hier auf Erden (...) u.a. das Geld und die ökonomische Macht, um seiner Kirche zum Sieg zu verhelfen.

Abb. 3: Der Jesuit Kardinal Bea, Beichtvater von Papst Pius XII.
Große Sprünge nach vorn mit Adolf Hitler, dem Zweiten Weltkrieg und dem "treuen Sohn der Kirche" Konrad Adenauer

Tondi sagt dann weiter:
Während der Zeit des faschistischen Regimes verstärkten der Vatikan und der katholische Klerus ihre ökonomischen Positionen in Deutschland im Bereich der Industrie, der Banken und der Handelsgesellschaften. Ein großer Sprung nach vorn aber wurde vor allem nach dem Krieg getan, als Adenauer und seine Partei die Macht an sich rissen. Mit diesen Herren befand sich der Vatikan in einer um vieles vorteilhafteren Lage. Denn wenn Hitler ein Verbündeter war, so ist Adenauer "ein Kind der Familie". Und ebenso sind die wichtigsten Männer der westdeutschen Regierung "Kinder der Familie".

In diesem Klima haben sich die Jesuiten zu Schiedsrichtern und Herren über die Situation entwickelt. Übrigens waren die Jesuiten Robert Leiber und Wilhelm Hentrich politische Ratgeber Pius' XII. Der Jesuit Gustav Gundlach verfaßte die politischen und sozialen Verlautbarungen des Papstes. Beichtvater des Höchsten Pontifex war der Jesuit August Bea. Kurz, die katholische Kirche befand sich praktisch in den Händen einer kleinen Gruppe deutscher Jesuiten, von denen einige zum Kreis der engsten Freunde Adenauers und von Brentanos gehörten. (...)

Im industriellen Bereich ist der Klerus, der Vatikan, in großem Umfang an folgenden Aktiengesellschaften beteiligt: [- es folgt eine Aufzählung von rund 20 AG's, darunter BMW, Mannesmann, Brown Bovery, BASF, Bayer-Leverkusen u.a. -] (...) Setzt man die jährlichen Einkünfte des Vatikans gleich 100, so stammen 18 % davon aus Westdeutschland, 35 % aus den Vereinigten Staaten von Amerika und der Rest aus den anderen Ländern der Welt.

Indessen vergrößerte sich auch die Zahl der Geistlichen beachtlich. (...) An der Spitze dieses ungeheuren Mechanismus aber, der heute in Westdeutschland einen enormen Einfluß auf die Politik, die Industrie, das hohe Finanzwesen, auf die Universitäten, auf jede Art von Schulunterricht usw. ausübt, stehen vorwiegend Jesuiten. In Wahrheit sind es nicht viele: Jeder von ihnen ist jedoch ein "General", von dem andere und außerordentlich mächtige Kräfte und Organisationen abhängig sind. Das also sind 1300 deutsche Jesuitenpriester, die bereit und entschlossen sind zu allem und die in der Lage sind, jede Arbeit in ausgezeichneter Weise durchzuführen. Sie sind perfekt ausgebildet, vorbereitet, jeder Schwierigkeit gewachsen. (...) Diese 1300 deutschen Jesuiten arbeiten im Hintergrund, ohne hervorzutreten. Überall haben sie Zutritt (...), geben Ratschläge und drohen. Und wenn es möglich ist, kommandieren sie jene Personen, denen wiederum die übrigen Menschen gehorchen. Diese 1300 Menschen sind aber auch selbst gehorsam. Das heißt, sie gehorchen (...) dem General der Jesuiten "wie Kadaver". Und der General ist in Rom und bringt wiederum dem Vatikan blinden Gehorsam entgegen.

Schritt für Schritt, Stufe für Stufe kann man also zum Ausgangspunkt zurückkehren und entdecken, wo die Politik Adenauers, von Brentanos, wo (...) die extremsten Auswüchse des "kalten Krieges" ihre Wurzel haben, (...) wo schließlich der Ursprung jenes unbeugsamen "Nein" liegt, das jedem Bemühen um Entspannung und Koexistenz entgegengesetzt wird.
Abb. 4: Außenminister H. von Brentano - "die extremsten Auswüchse des 'kalten Krieges'"

Der Zusammenschluß der großen Chemiefirmen Deutschlands zu IG Farben mit Firmensitz in Frankfurt am Main (heutige dortige Universität) gehört sicherlich in diese Machterweiterungen mit hinein. Ihr Aufsichtsratsvorsitzender Carl Duisberg war ein finanzieller Förderer des Alldeutschen Verbandes, einer der einflußreichen Steigbügelhalter Hitlers.

"Gott verwendet Geld, um seiner Kirche zum Sieg zu verhelfen"

Und dann folgen die letzten Worte Tondi's in diesem Buch:
An diesem Punkt angelagt, spüre ich, daß mir die Hand schwer wird und daß ich aufhören muß zu schreiben. Tiefe Bestürzung befällt meinen Geist, und fast schwindet mir die Kraft beim Anblick einer solchen Verfälschung des Christentums. Und mir scheint, ich höre wie im Flüstern wieder die Worte, die mir der Jesuit Robert Albrecht in jenem heute so fernen und furchtbaren Septembermonat des Jahres 1939 sagte: "Dieser Krieg sagt dem Vatikan letztlich zu. Heute geht man gegen Polen vor. Doch das ist nur ein Vorwand. Morgen wird man gegen den sowjetischen Bolschewismus vorgehen. Und wenn wir verlieren, werden sich in Zukunft Deutschland und der Vatikan erneut vereint sehen, um das Abenteuer noch einmal zu versuchen."
- Ein Situationsbericht aus dem Jahr 1960. Außerordentlich überraschend ist, daß die zuletzt genannte jesuitische "Prophetie" aus dem Jahr 1939 ein so starker Übereinstimmung steht mit so vielen anderen "Prophetien" führender westlicher Politiker in den Jahren 1938 bis 1941. Man denke an "Prophetien" des amerikanischen Botschafters in Frankreich William C. Bullitt, des Präsidenten der Tschechoslowakei Edward Benesch oder führender Diplomaten des Auswärtigen Amtes in London. (2) Will heißen: "Strategien der Spannung" und "Entspannung", geplant nicht nur in diversen weltweit agierenden Geheimgesellschaften und Geheimdiensten, sondern auch im Jesuitenorden - und im Vatikan.

Sind diese Zeiten etwa vorbei?

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Ergänzung (15.2.2012): Die Veröffentlichung von Alighiero Tondi ist im Jahr 1960 auch in der Wochenzeitung "Volkswarte" besprochen worden (in Folge 11 vom 11.3.1960 unter dem Titel "Enthüllungen eines Ex-Jesuiten - Der Vatikan in Zusammenarbeit mit den USA", S. 4, ohne Autorenangabe). Diese Zeitung war ein Periodikum der christentums- und kirchenkritischen, okkultismus- und hintergrundpolitik-kritischen Ludendorff-Bewegung. Ohne daß es viele Anhängern der heutigen "Infokrieger" und der "Wahrheitsbewegung" bewußt ist, hat es in in früheren Jahrzehnten im Grunde keine anderer Bewegung gegeben, die so sehr jene Traditionen verkörperte, in denen auch die heutigen Infokrieger stehen, als eben diese damalige Ludendorff-Bewegung. Da die damalige Ludendorff-Bewegung aber in manchen Aspekten auch Thesen aufgestellt hat, die über Thesen der heutigen Infokrieger-Szene noch hinausgehen (insbeosndere was etwa die Okkultismus-Kritik betrifft und eine psychiatrische Erklärung des Okkultismus), ist für den vorliegenden Blog eine Auseinandersetzung mit den damaligen Thesen ein immer dringenderes Anliegen geworden. Es sind darüber Buchveröffentlichungen in Vorbereitung, wie schon in anderen Blogbeiträgen angedeutet.
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Ergänzung (26.9.2013): In der Nachfolgezeitschrift der "Volkswarte", "Mensch & Maß", erschien am 9.4.1970 folgende kurze und zugleich mißverständliche Meldung über Alighiero Tondi (S. 333):
Die Europäische Freimaurer-Zeitung vom Mai 1965 schreibt über Tondi auf Seite 202:
"... Er gab sich auf höhere Anordnung die denkbar größte Mühe, alle in Westdeutschland verbreiteten Schriften des Abtrünnigen aufzustöbern und einzuziehen. Es kam sogar so weit, daß er Besuch bei Privatpersonen machte, um in den Besitz dieser "Enthüllungen" Tondis zu gelangen. Man muß sich fragen, warum eine deutsche Behörde so schwarf auf die Veröffentlichungen war."
Leider wird gar nicht mitgeteilt, um wen sich bei dem genannten "er" handelte, offenbar Angehöriger einer deutschen Behörde. Auch wird nicht mitgeteilt, warum die "Freimaurer-Zeitung" überhaupt auf Tondi zu sprechen gekommen war. Womöglich ist Tondi häufiger in dieser Zeitschrift behandelt worden, was dann noch einmal umfassender herauszusuchen wäre als dieser Zufallsfund.
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Literatur:

1. Tondi, Alighiero: Die geheime Macht der Jesuiten. Urania-Verlag, Leipzig, Jena 1960
2. Bading, Ingo: Wie kam Stalin in die Mitte Europas? - Kriegsziele der westlichen Demokratien seit 1941. Auf: Lulu.com.

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