Sonntag, 29. März 2009

Konrad Lorenz im Gespräch mit Karl Raimund Popper

1983 diskutierten der 80-jährige Verhaltensforscher, Psychologe und Philosoph Konrad Lorenz und der 81-jährige Philosoph Karl Raimund Popper miteinander (Google Video). 

Zwei greise Herren. Auf den ersten Blick meint man: Zwei greise Herren nicht mehr ganz auf der Höhe ihrer geistigen Elastizität und Leistungskraft. Konrad Lorenz starb sechs Jahre nach diesem Gespräch, Karl Raimund Popper elf Jahre später.

Das Video darüber, das im Internet frei verfügbar ist, vermittelt immerhin einen persönlichen Eindruck und man sieht es sich deshalb mit einigem Interesse an.

- Einen Eindruck von dem jüngeren Konrad Lorenz und von jenem Konrad Lorenz, wie er auch von anderen Menschen häufig geschildert worden ist - und wie er sich in seinen eigenen Büchern wiederfindet -, erhält man derzeit in einem spanischen Video (Youtube), in dem er sich auf Englisch äußert. Ein dreiteiliges italienisches Video findet sich ebenfalls (Youtube 1, 2, 3), in dem er sich Deutsch äußert. -

Nein, aber man muß sich das obige Video - mindestens - zwei mal anschauen. Erst ab dem zweiten mal Anschauen wird einem möglicherweise die intellektuelle Brisanz der Gesprächsinhalte deutlich. Es geht um die Stellung des Menschen zwischen Vergangenheit und Zukunft. Es geht darum: Wie funktioniert Evolution überhaupt? Es geht um Evolution als erkenntnisgewinnender Prozeß. Es geht um die Freiheitsgrade und um die Zielstrebigkeit sowohl in der Evolution einzelner Arten wie im menschlichen Handeln: "Der Mensch ist" - wie jede biologische Art - ein "riskiertes Wesen."

Es geht darum, daß das menschliche Wertempfinden und das, was wir in der Evolution beobachten, in vielen Bereichen merkwürdige Überschneidungen aufweisen: "Das Leben sucht nach einer besseren Welt," sagt Raimund Popper. Das Leben sucht fremde Umwelten auf, so Popper's "Entfremdungs-Theorie", und bildet in Auseinandersetzung mit dem "Fremden" Neues, erkennt Neues. Es handelt sich um Gedanken aus dem Buch von Konrad Lorenz "Der Abbau des Menschlichen" und um Gedanken aus späten Büchern Popper's. Es geht auch um Induktion, um induktive Erkenntnis - sowohl auf individueller wie auf evolutiver Ebene.

Auf den zweiten Blick erkennt man: Es handelt sich um einen dichten und lebendigen Austausch zwischen Naturwissenschaft und Philosophie. Auf einem Niveau, wie man es nur selten erlebt.

Donnerstag, 19. März 2009

Daniel Barenboim im Interview

Auch im Interview wirkt Daniel Barenboim glaubwürdig. (Zuvor zu Barenboim --> hier.)
Barenboim will in Berlin, wo er lebt, auch sterben, wie er sagt. Könnte einen wieder ein bischen mehr mit Berlin versöhnen ...

Hier noch ein Interview auf ---> 3sat.

Dienstag, 17. März 2009

Der "metaphysische Naturalismus" und seine Skeptiker

Manche Wissenschafts-Journalisten, Wissenschaftler und Philosophen verwahren sich heutzutage immer noch eifrig und allzu oft "staatstragend" dagegen, daß von einem "methodischen" auf einen "metaphysischen Naturalismus" geschlossen werden dürfe. Das heißt, daß man die Naturwissenschaft dazu benutzen würde, um sich Fragen nach dem Wesen der Welt zu beantworten. Da haben natürlich Theologen und Theologie-Sympathisanten so ihre Sorgen. 

Wo kämen wir da auch hin?

Physik-Doktorand Sven Kleßen vom Blog "Begrenzte Wissenschaft" hat sich nun dazu einmal, wie man finden kann, recht treffend geäußert (1, 2). (Aktualisierung 1.12.2023: Der Blog ist inzwischen leider auf privat gestellt.)

Es wäre auch merkwürdig, wenn einem Physiker, der um die Verrücktheit des erforschbaren Universums im Größten und im Kleinsten und im Komplexen weiß, solche Sprüche nicht auf den Nerv und den Keks gehen würden.

Nebenbei kritisiert in den Kommentaren ein "El Schwalmo" (wohl bekannt vom "Freigeisterhaus" der Giordano-Bruno-Stiftung) die gegenwärtige atheistische Propaganda, den "Agitprop" eben jener Giordano-Bruno-Stiftung ganz wie das auch hier auf dem Blog schon geschehen ist (GA-j!). Schön, daß man auch mit dieser Kritik nicht so ganz allein steht. Vielleicht bildet sich unter den Gebildeten der westlichen Welt ja doch allmählich einmal ein Konsens heraus in Bezug auf die Deutung der Stellung des Menschen in der Welt, in der Kosmologie und in der Evolution.

Ein Konsens jenseits vom "Agitprop" der einen wie der anderen Seite ...

_____________

  1. https://kamenin.wordpress.com/2009/03/08/wie-anmasend-muss-man-eigentlich-sein/
  2. https://kamenin.wordpress.com/2009/03/09/neutralitat-und-ihre-tucken-eine-antwort-an-reinhold-leinfelder/


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