Sonntag, 20. März 2011

Ein Okkultist wechselt die Seiten und wird zum Okkultismus-Kritiker (1936)

Wer war "S. Ipares"? - Ein Beitrag zur Geschichte der Anthroposophie, der Theosophie und des Okkultismus in Deutschland 

Hinweis: Zum Thema dieses Blogbeitrages ist inzwischen ein aktuellerer Beitrag erschienen, durch den dieser ältere Beitrag weitgehend ersetzt wird. Hier der neue Beitrag --> Ein Berliner Satanist publiziert in der Ludendorff-Bewegung (1936).
Die Gründerin der Theosophischen Gesellschaft, H. P. Blavatsky, war eine der merkwürdigsten Erscheinungen des vorigen Jahrhunderts.
So beginnt der Autor S. Ipares den von ihm gegebenen Lebensabriß zu der "Urmutter" des modernen europäischen Okkultismus in seiner 1936 erschienen Schrift "Geheime Weltmächte" (8, S. 31). Liest man in diesem Text weiter, wird bald klar, daß hier jemand mit sehr genauen Insiderkenntnissen eines gelebten Lebens innerhalb der Theosophischen Gesellschaft heraus schreibt. Aber wer steckt hinter dem Pseudonym  "S. Ipares"? Auf den Internetseiten des Schweizer Satanismus-Historikers Peter-Robert König, die uns auf diese Schrift hingewiesen hatten, fand sich nur der lakonische Hinweis: "d.i. Jean Paar".

Da sich diese Schrift - nicht nur zum Thema Blavatsky - sehr interessant liest, sucht man nun zu "Jean Paar" im Internet und findet schnell, daß es sich bei ihm um einen theosophischen Autor aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg handelt (3 - 6). 

Bei dem Anthroposophie-Historiker Helmut Zander allerdings, von Hause aus ein katholischer Theologe, findet man noch mehr. Hier kann man erfahren, daß "S. Ipares" ein Mensch mit dem bürgerlichen Namen Harry Dörfel war (2). (So auch in den bibliographischen Angaben von  Bibliotheken.)

Und unter der Voraussetzung, daß diese beiden Angaben stimmen, läßt sich mit weiteren Literaturfunden im Netz eine kleine, sicherlich noch  unvollständige Literaturliste zu dem wenig - oder bislang fast nur unter Pseudonym - bekannten Autor Harry Dörfel zusammenstellen (3 - 8).

Harry Dörfel nun stellt diese eingangs genannte H. P. Blavatsky sozusagen als eine heroische Kämpferin gegen die Vereinnahmung und Unterwanderung des von ihr vertretenen östlich-asiatischen Okkultismus' innerhalb der Theosophischen Gesellschaft durch die westlich-europäische Freimaurerei dar. Dies ist eines der Hauptthemen seiner Schrift und markiert schon die Schnittstelle, an der sich auch der Autor Harry Dörfel selbst in seinem Leben als "eingeweihter" Theosoph gestellt sah. Nämlich zwischen die östlichen und die westlichen Okkult-Systeme, die innerhalb der theosophischen Bewegung seiner Zeit miteinander ringen würden.

"Nur Mitglieder, die die 'richtige Schwingung' haben ..."

Wir können und wollen in diesem Beitrag nur die Sichtweise von Harry Dörfel referieren. Wo er richtig liegt, wo nicht, wagen wir fast nirgends definitiv zu entscheiden. Aber daß hier ein Kenner der Materie spricht, das scheint ziemlich klar zuzutreffen und ist der Grund, weshalb wir diese Schrift und ihren Autor ausführlicher behandeln.

Wenn "S. Ipares" in seiner Schrift weiter über die "Einweihung in die Kleinen Mysterien" der "Esoterischen Schulen" der Theosophen schreibt, mit deren internationalen Leiter er selbst noch 1933/34 im intensiven brieflichen Kontakt stand (siehe unten), und wenn er dann von der Aufnahme in die "blauen" Grade der Theosophischen Gesellschaft spricht (8, S. 31) ...:
... Nur Mitglieder, die die "richtige Schwingung" haben, steigen zu der nächst höheren Schicht der Gesellschaft, den "Prominents" auf, ...
dann wird man nach dem von Helmut Zander Berichteten davon ausgehen dürfen - und man hat auch sonst den sicheren Eindruck, daß Harry Dörfel hier aus eigenen, persönlichen Erlebnissen heraus berichtet. Im weiteren (8, S. 37f) schildert Dörfel mit allerhand erkennbarer Anteilnahme unter anderem den Lebensweg des Chemikers, Okkultisten und Freimaurers Karl Kellner (1851 - 1905)(Wikip.).

Möglicherweise rührt die Anteilnahme an diesem Lebensweg daher, daß Harry Dörfel seinen eigenen Lebensweg als dem von Karl Kellner ähnelnd empfand. Zumindest in der Deutung, die er selbst dem Lebensweg und dem frühen Tod von Kellner gab. In Ermangelung genauerer biographischer Daten zu Harry Dörfel selbst könnte es deshalb sinnvoll sein, seine Worte zu Karl Kellner auch als so etwas wie eine Selbstbiographie von Harry Dörfel zu lesen. Und zugleich erhalten wir hier eine eher "neutrale" Charakterisierung, wie wir sie von einem Mann, der als der Gründer der ältesten bekannten satanistischen Loge in Deutschland gilt, nicht erwartet hatten (8, S. 37):
Bei der Erwähnung Dr. Karl Kellners (1851 - 1905), einem hochbegabten österreichischen Erfinder und Chemiker, schlagen wir eins der dunkelsten Kapitel des modernen Geheimbundwesens auf. Der junge Kellner, der mit kaum 22 Jahren durch seine Arbeiten sich in der wissenschaftlichen Welt einen Namen verschaffte, war frühzeitig mit dem Okkultismus in Berührung geraten und freimaurerischen Gruppen zugeführt worden. Im Jahre 1887 schloß er sich der Theosophischen Gesellschaft an und bekleidete immer höhere Ämter und Würden im internationalen Logentum. Als Eingeweihter wußte er um die freimaurerischen Weltverschwörungspläne und die okkulte Einkreisung Deutschlands. (...)
Karl Kellner und Harry Dörfel - vergleichbare Lebenswege?

So die These von Harry Dörfel. Dann trat im Jahr 1902 nach der Deutung von Dörfel ein "Konkurrent" von Karl Kellner in die Theosophische Gesellschaft ein: Rudolf Steiner. Dieser sei auffallend schnell in höhere Ämter und Würden "befördert" worden. Dörfel weiter:
Dr. Kellners Briefe sind erschütternde Aufzeichnungen einer im dunklen Reich der Okkultbünde und ihrer Schulungen nach Klarheit und Wahrheit ringenden menschlichen Seele. Eine Stelle aus ihnen beleuchtet die ganze Verzweiflung seiner Lage: "Endlich habe ich das gefunden, wonach ich mein Leben lang gestrebt habe. - Ich mache meine Übungen, komme ein wenig in die Höhe und purzle dann um so tiefer wieder hinab. Ich fürchte die hütenden Scharen." (...) Als die "hütenden Scharen" des Westens merkten, daß Dr. Kellner sie mit den eigenen Waffen und denen der indischen Geheimbünde - zu welchen er vor seinem Tode engere Verbindungen aufnahm - vernichtend schlagen und das sich immer dichter über Europa spinnende Schicksalsnetz der Überstaatlichen vor der österreichischen und deutschen Öffentlichkeit enthüllen und damit zerreißen wollte, machten sie ihn zur rechten Zeit "stumm".
Weiter spricht Dörfel dann ganz unkritisch und offenbar ironiefrei von Karl Kellner als einer "Leuchte des Rosenkreuzertums", von einem, der die "fürstliche Krone der Rosenkreuzer" getragen hätte, und der einem Logenmord zum Opfer gefallen wäre:
Die unsichtbare Hand der hütenden Scharen hatte einen ihrem Wirken höchst unbequem und gefährlich gewordenen Wissenden in den "innersten" Osten befördert, eine Leuchte des Rosenkreuzertums zum Verlöschen gebracht und den O.T.O. auf Wege geführt, die keinem seiner nachfolgenden Großmeister zur Ehre gereichen.
Er ging seines Lebens verlustigt, so Harry Dörfel, 
weil er "zu einer Schweigen gebietenden Höhe gelangt, dennoch die Geheimnisse der Maurerei verbreiten" wollte.
War es nicht möglicherweise genau das, was auch Harry Dörfel selbst mit der Veröffentlichung seiner Schrift "Geheime Weltmächte" tat?

"Zu einer Schweigen gebietenden Höhe gelangt ..."

Der soeben angesprochene O.T.O., der Ordo Templi Orientis, der "Orientalische Templerorden" ist jener Orden, als dessen Gründer Karl Kellner vor allem in die Geschichte der Okkultorganisationen eingegangen ist. Die Mitgliedschaft von Rudolf Steiner in diesem Orden war vor einigen Jahren von den Brüdern Guido und Michael Grandt behauptet und darauf von den Anthroposophen in den heftigen Reaktionen bestritten worden, wobei beide male auch diese Schrift von S. Ipares behandelt wurde (9 - 11), in der diese Mitgliedschaft nämlich wie selbstverständnlich behauptet wird (8, S. 37). Diese Mitgliedschaft wird auch derzeit auf Wikipedia ohne Einschränkung festgestellt:
Die deutsche Sektion des O.T.O wurde von 1906 bis 1914 von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie geleitet, der den höchsten Grad („Summus Rex“) erreicht hatte.
Die heutigen Anthroposophen empfinden diese Mitgliedschaft wohl gerade deshalb als so ehrenrührig, weil der O.T.O. inzwischen als die älteste bekannte satanistische Loge in Deutschland gilt. Harry Dörfel erwähnt aber an keiner Stelle seiner Schrift satanistische Rituale und Vorstellungen. Ob deshalb in ihr schon zu Lebzeiten von Karl Kellner satanistische Rituale praktiziert worden sind, oder erst, wie von Dörfel vielleicht angedeutet, nach dem Tod von Karl Kellner (1905), muß hier dahingestellt bleiben.

Diskussion um das "Schwarzbuch Anthroposophie" der Brüder Grandt

Mit all den Ausführungen bis hier soll darauf hingewiesen werden, daß diese vergleichsweise kleine Schrift "Geheime Weltmächte" auch sonst sehr viele intime Kenntnisse über das okkulte Geheimbundwesen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts enthalten könnte. Und das könnte auch dann noch zutreffen, wenn der Rahmen der Gesamtdeutung, in den diese Details gestellt werden, sich als fehlerhaft oder teilweise fehlerhaft erweisen sollte.

Ebenso wie Karl Kellner, ebenso offenbar wie H. P. Blavatsky, ebenso offenbar wie auch Rudolf Steiner, scheint sich Harry Dörfel während seines Lebens an einer Schnittstelle zwischen vielen verschiedenen okkulten, freimaurerischen und Rosenkreuzer-Strömungen entlang bewegt zu haben und aufgrund dieser Position Einblick in sehr vielfältige geistige Ströumungen und Hintergrundmächte in Ost und West gewonnen zu haben.

Aber bevor wir dazu noch einiges aus der Schrift "Geheime Weltmächte"  anführen wollen, soll zunächst zusammen getragen werden, was der Anthroposophie-Historiker Helmut Zander im Jahr 2007 in seiner (bis heute ebenfalls sehr kontrovers diskutierten) Geschichte der "Anthroposophie in Deutschland" (2) über Harry Dörfel zu berichten weiß.

Versuche der weltanschaulichen Gleichschaltung der Theosophie im Dritten Reich ...

Auf Harry Dörfel kommt Helmut Zander zu sprechen, als er über die Lage der Theosophie und Anthroposophie in Deutschland im Jahr 1933 berichtet. Da heißt es einleitend (2, S. 209):
Schon im Februar 1933 öffneten sich die Schleusen der Polemik gegen die Theosophen, von der zu diesem Zeitpunkt vor allem Rudolf Steiner und die Anthroposphie betroffen waren. Dabei spielten Mathilde und Erich Ludendorff eine unrühmliche Rolle, und diese beiden waren in den folgenden Jahren für Anschuldigungen mit paranoiden Zügen gegen alle theosophischen Vereinigungen verantwortlich: Die Theosophie erschien als Teil der "jüdisch-freimaurerischen Weltverschwörung".
(Nur nebenbei: "Polemische Schleusen" gegen die Anthroposophen hatte übrigens schon der bayerische Schriftsteller Ludwig Thoma in den frühen 1920er Jahren in seinen Beiträgen für den "Miesbacher Anzeiger" geöffnet ...) Im weiteren ist dann von dem führenden Theosophen Johannes Maria Verweyen (1883 - 1945) die Rede. Bei ihm handelt es sich um einen Freimaurer (2, S. 199), der 1945 mit 62 Jahren an Fleckfieber im Konzentrationslager Bergen-Belsen verstarb.

Und es ist von den Bestrebungen in der zweiten Hälfte des Jahres 1933 die Rede, auch die deutschen Anthroposophen und Theosophen im Dritten Reich in der "Deutschen Glaubensbewegung" unter Jacob Wilhelm Hauer ebenso "gleichzuschalten", wie die protestantischen Kirchen damals in der "Reichskirche" der "Deutschen Christen" gleichgeschaltet werden sollten. Verweyen hielt, so berichtet Zander (nach Archivalien des Bundesarchivs), in jener Zeit einen Vortrag in der "Akademie für Lebenserneuerung" (2, S. 209). Und bei dieser kommt Zander erstmals auf Dörfel zu sprechen, denn sie sei auffallenderweise:
... mitbegründet von Harry Dörfel, einem NS-nahen Theosophen (...). Die Akademie sei ein "Werk des Hochgradmaurers Alfred Nossig" gewesen. (...) Diese Einrichtung habe von Reichsinnenminister Wilhelm Frick den Auftrag bekommen ..., die bis heute in egoistischer Absonderung verharrenden Reform- und Heilgruppen mit milder Gewalt zur Einheit zu ermuntern".  (...)
"... von uns nahen, höheren kosmischen Intellekten eingeflüstert ..." 

Ein - wie so vieles damals - auf den ersten Blick recht widersprüchliches Geschehen. Denn Alfred Nossig wird von S. Ipares auch in der Schrift "Geheime Weltmächte" zitiert, wobei Nossig mit folgenden Worten eingeführt wird (8, S. 13):
Ein namhafter Vertreter des kultur-politischen Judentums der Gegenwart, Dr. Alfred Nossig, berührt in einer im Jahre 1933 erschienenen und wenig verbreiteten Schrift "Erneuerung" diese Probleme.
- Nämlich die Probleme, wie durch Okkulteinflüsse ganze Gesellschaften umgewandelt würden. - Das mutet dann schon reichlich merkwürdig an: Ein Vertreter des Judentums in einer NS-nahen anthroposophischen Vereinigung mit dem Auftrag, die Gleichschaltung voranzutreiben. Und Harry Dörfel kräftig mit dabei. Aus dem dann von Dörfel gebrachten Nossig-Zitat sei hier auschnittsweise nur der folgende Humbug gebracht, der allerdings sehr - - - "NS-nah" klingt:
Beobachten wir mit starker innerer Sammlung das Entstehen unserer "Gedanken" und "Einfälle", so haben wir sehr oft die deutliche Empfindung, daß sie nicht Produkte unseres Gehirns sind, sondern uns von irgendwelchen uns nahen, höheren kosmischen Intellekten eingeflüstert worden sind. (...) Das Menschengeschlecht (...) empfängt heute neue klare Weisungen für den nächsten Weg, den es zurückzulegen hat.
(Polemik-Modus an:) Unheimlich. Unbeschreiblich. Wenn Gestapo-Leitoffiziere schon zu "höheren, kosmischen Intellekten" mutieren ... (Polemik-Modus aus.)

Gleichschaltung durch einen Hochgradfreimaurer, der zugleich "Vertreter des Judentums" ist?

All das würde also heißen, daß ein Hochgradfreimaurer und Vertreter des Judentums an der Gleichschaltung der Theosophen und Anthroposophen im Auftrag des NS-Ministers Frick beteiligt war. Ob übrigens Harry Dörfel selbst eine Schrift wie "Geheime Weltmächte" schreiben konnte, ohne Freimaurer, bzw. Hochgradfreimaurer oder zumindest Rosenkreuzer gewesen zu sein, muß überhaupt dahingestellt bleiben. Ebenso warum Dörfel nur zwei Jahre später Autor jener Ludendorff-Bewegung werden sollte, die sich einer solchen von ihm noch zwei Jahre zuvor angestrebten weltanschaulichen "Gleichschaltung" - und bis 1945 so wie andere mit Erfolg - verweigert hatte.

Zu vielen hier aufscheinenden Widersprüchen würde man gerne einmal Harry Dörfel selbst befragen können. Vielleicht gibt es dazu ja auch noch irgendwo weitergehendes Quellenmaterial.

Folgen wir zunächst weiter Zander. Da geht es so einigermaßen verrückt weiter. Denn dann ist von dem Präsidenten der internationalen "Theosophischen Gesellschaft Adyar" die Rede, einem Menschen singhalesischer Herkunft namens, ähm, Curuppumullage Jinarajadasa (1875 - 1953). Wenn Harry Dörfel sich in seiner Schrift "Geheime Weltmächte" ein Kapitel lang über "Asiatisches Geheimbundwesen" ausläßt, wird man sich im Hintergrund als Informanten also Träger solcher komplizierter Namen hinzudenken können.

Diesem Herren erstattete Dörfel nämlich interessanterweise noch 1933/34 in englischer Sprache Bericht. Schon von diesem Umstand her wird man zumindest die Kompetenz von Dörfel in der Beurteilung der Beeinflussung der deutschen Theosophen von Indien her, die in "Geheime Weltmächte" eines der Hauptthemen ist, nicht gänzlich infrage stellen können. Zander:
Jinarajadasa, der Leiter der Esoterischen Schule, (...) hatte im Theosophist im Juni 1933 die "Verfolgung der Juden" in Deutschland kritisiert.
Und dazu schreibt Zander in der Anmerkung:
Dörfel kritisierte die Besprechung "Der Terror in Deutschland" von Jinarajadasa (...); Harry Dörfel: Rundschreiben an die Mitglieder der deutschen Landesgesellschaft der T.G. Adyar, ohne Datum [Ende 1933 / Anfang 1934?, nach dem 13.12.1933] (...)
Dörfels Bericht an die theosophische Weltleitung über Gestapo-Tätigkeit in Deutschland (1933/34)

Weiter heißt es dann zu den damaligen Auseinandersetzungen in der Theosophischen Gesellschaft:
Eine wichtige Rolle spielte dabei Harry Dörfel, der offenbar versuchte, Verweyen aus dem Amt zu drängen und eine NS-konforme und von den Nationalsozialisten regelrecht anerkannte Adyar-Theosophie zu etablieren; wieweit dabei seine Intentionen und diejenigen der Gestapo konvergierten, ist zur Zeit nicht zu klären. Im April stellte Dörfel den Antrag, die Theosophische Gesellschaft gleichzuschalten - aber offenbar reagierte die Gestapo nicht darauf. Dörfel behauptete dann, Verweyen sei im Mai 1933 zurückgetreten. (...)

Am 2. Dezember 1933 eröffnete Dörfel in einem Brief an Jinarajadasa aufschlußreiche Details über die nationalsozialistische Unterwanderungspolitik im Zusammenhang dieser innertheosophischen Auseinandersetzungen: Am 20. August 1933 sei in Leizpig die "Theosophische Gesellschaft Leipzig", und zwar diejenige Vollraths, staatlich anerkannt worden. Er habe, schrieb Dörfel, die "Neuorganisation" "als von der Regierung anerkanntes Vorstandsmitglied der Theosophischen Gesellschaft übernommen" und vertrete die deutsche Sektion seit der Vorladung bei der Gestapo am 27. Oktober 1933. Nach der staatlichen Anerkennung der Leizpiger Vollrath-Theosophen (wo ja Dörfel auch Mitglied war) habe er "the initiative with the state-officials to get the same acknowledgement for the 'Adyar' Society" ergriffen; "the States Police" mache nun "general rules for all international societies". Dörfel habe sich selbst als neuen Kandidaten für den Vorsitz vorgeschlagen, möglicherweise auf einer Generalversammlung am 3. Dezember 1933. Ob es wirklich Versuche des Staates gab, eine einheitliche theosophische Gesellschaft, also eine der Reichskirche vergleichbare Institution, einzurichten, ist jedoch unklar, dies scheint vielmehr Dörfels - durchaus eigennützig angelegtes - Konzept gewesen zu sein. Dörfel betrachtete sich jedenfalls als "durch Leipziger Gleichschaltung staatlich anerkanntes Vorstandsmitglied" und unterschrieb seit 1934 als "Kommissarischer Generalsekretär" der Adyar-Theosophie. In Adyar allerdings stärkte man der deutschen Sektion gegen Dörfel im Januar 1934 den Rücken, indem man ihn nicht als Generalsekretär akzeptierte. Am 27. Januar 1934 ging Dörfel in die Offensive und teilte in einem Zirkular mit, als "von der Geheimen Staatspolizei bevollmächtigter kommissarischer Generalsekretär" habe er "den bisherigen gesamten Vorstand der Deutschen Landesgesellschaft mit sofortiger Wirkung abgesetzt". (...) Dörfel verbot die Mitgliedschaft in der Co-Freimaurerei, in der Liberal-Katholischen Kirche, in der Esoterischen Schule, in der Tafelrunde, der "Internationalen Liga für die Verbrüderung der Völker oder irgend einer anderen pazifistischen Organisation" und machte Propaganda für Hauers Deutsche Glaubensbewegung und deren "völkisch-germanische" Haltungen.
Curuppumullage Jinarajadasa reiste übrigens viel in der Welt umher, verbrachte Zeit in Südamerika, starb in den USA und lebte während des Zweiten Weltkrieges in Großbritannien. Wohin dieses Schreiben von Dörfel ging, wird von Zander nicht angegeben. In einer Anmerkung schreibt Zander zu Dörfel, der 1926 nach unseren Vermutungen*) wohl schon um die 54 Jahre alt war (2, S.  211):
Biographische Daten fehlen weitgehend. (...) Wohnhaft Berlin N 65, Luxemburger Str. 29, Kunstgewerbler, römisch-katholisch getauft. 1924 Mitglied der Adyar-Theosophie, 1925 zudem der theosophischen Gesellschaft Vollraths. Er tauchte 1925 im Januar/Februar Heft des Theosophischen Strebens unter den jungen Theosophen auf. 1926 habe er gegen Alice von Sonklar den Kampf gegen die Freimaurerei aufgenommen. 1926 wurde Dörfel Vorsitzender einer nicht näher genannten theosophischen Gesellschaft in Berlin. 1936 veröffentlichte er unter dem Pseudonym "S. Ipares" (also anagrammatisch Serapis) Thesen über eine freimaurerische Verschwörung unter dem Titel: Geheime Weltmächte. Unter Theosophen wußte man um dieses Pseudonym.
Harry Dörfel wechselt die Seiten (1935)

Aufgrund einer fehlenden Google-Buch-Seite können wir hier vorläufig nicht das Ende der von Zander berichteten Geschichte zu Harry Dörfel mitteilen. 1935 wird Harry Dörfel dann also Autor der Theosophie-kritischen Ludendorff-Bewegung (5, 6), wechselt also die Seiten, schlägt sich auf die Seite der damals heftigsten Gegner und Kritiker der Theosophie. Ob dies nur mit der Erfolglosigkeit der eben geschilderten Bemühungen zusammenhängt, in denen Dörfel ja für die Theosophen in Deutschland eine so ähnliche Rolle spielen wollte wie Jacob Wilhelm Hauer für die neuheidnischen Gruppierungen der "Deutschen Glaubensbewegung", oder ob er einfach im Auftrag "östlicher" Bruderschaften nun stattdessen die Ludendorff-Bewegung unterwandern sollte, so wie es solche Versuche auch von Seiten der Hauer-Bewegung gegenüber der Ludendorff-Bewegung gegeben hat, oder ob es noch ganz anders war, all dies kann an dieser Stelle nur als Frage aufgeworfen werden.

Gerade Dörfels vorherige, offenbar gute Kontakte zur Gestapo, wie überhaupt sein ganzes Umfeld bis dahin lassen es einem schwer vorstellbar erscheinen, daß sich hier einer innerhalb von nur einem Jahr von einem Saulus zu einem Paulus (oder umgekehrt) gewendet haben sollte.

In jedem Fall scheint er dabei mit ziemlich offenen Karten gespielt zu haben. Geht doch aus seiner Schrift "Geheime Weltmächte" tendenziell recht deutlich hervor eine weitaus größere Sympathie mit den "östlichen Brüderschaften" und eine deutlich größere Antipathie gegenüber der westlichen, von ihm als verwerflich prosemitisch interpretierten Freimaurerei.

Informant des Hauses Ludendorff

Das Ehepaar Ludendorff beschreibt in seinen Lebenserinnerungen, wie immer wieder abgefallene Freimaurerbrüder oder Angehörige anderer Okkultlogen ihnen im Geheimen Geheimschriften ihrer Logen ins Haus gebracht hätten zur Auswertung und wie sie in Gesprächen dieselben erläutert hätten. Erst diese Auskünfte hätten es ihnen ermöglicht, ab 1927 ihre Schriften gegen Freimaurerei und Okkultismus (12 - 16) zu schreiben. Erst nach und nach, eigentlich erst im Jahr 1933 mit der sicherlich nicht unbedeutenden Schrift "Induziertes Irresein durch Okkultlehren" griff das Ehepaar Ludendorff nicht nur die Freimaurerei als solche an und ihre als lächerlich empfundenen Aufnahmerituale, sondern wies insbesondere ab dann auch darauf hin, daß das Geheimnis der Freimaurerei, besonders in den Hochgraden, vorwiegend in fortschreitender okkulter Verblödung bestehen würde. Einer Verblödung, die dann erst die völlige moralischen Enthemmung in Form des Satanismus in den Freimaurer-Hochgraden ermöglichen würde.

Solche Thesen konnte natürlich Menschen wie Harry Dörfel ihrer ganzen Lebenserfahrung nach ansprechen. Und offenbar reihte sich in die genannte Reihe der bei dem Ehepaar Ludendorff Vorsprechenden ab 1935 auch Harry Dörfel ein, der insbesondere zu den okkulten Hintergründen der ihm vertrauten Geheimorganisationen - zumindest nach Einschätzung des Ehepaares Ludendorff - viel weiteres Material und Wissen beitragen konnte.

Nach den auflagenstarken und aufsehenerregenden "Vorarbeiten", die das Ehepaar Ludendorff seit 1927 und 1933 auf diesen Gebieten erbracht hatte,  und auch nach der zumindest öffentlichen und oberflächlichen Kritik und Stimmungsmache gegen die Freimaurerei  (und zum Teil auch gegen den internationalen Okkultismus und die Anthroposophie) durch die Nationalsozialisten war es natürlich für jemanden, der sich als einen "Karl Kellner" des Jahres 1935 ansah (in der oben angeführten Deutung), bzw. angesehen haben könnte, um viele Grade erleichert, die Seiten zu wechseln und von einem zum Schweigen verpflichteten "eingeweihten" Rosenkreuzer und Theosophen zu einem öffentlich sein Wissen aufdeckenden "Verräter" und Aufklärer über okkulte, freimaurerische, buddhistische und jesuitische Machenschaften zu werden.

"Induziertes Irresein durch Okkultlehren"

In der Schrift "Geheime Weltmächte" wird deutlich, wie genau Harry Dörfel dafür zuvor die Schriften von Erich und Mathilde Ludendorff gelesen hatte, und an welchen Stellen besonders er diese Schriften durch sein eigenes Geheimwissen zu bestätigen und zu erweitern können glaubte aufgrund seiner vormalig eingenommenen "Schnittstellen-Position" zwischen Ost und West. Ob er tatsächlich innerhalb fast nur eines einzigen Jahres gleich alle Eierschalen seines lebenslang praktizierten Okkultismus abgelegt haben konnte, muß dahingestellt bleiben. Manche Redewendung und Gewichtung in seiner Schrift deutet doch darauf hin, daß zumindest seine früheren Kollegen, die nicht die Seiten gewechselt hatten, ihn auch als jemanden hätten ansehen können, der irgendwann noch einmal "zurückzugewinnen" sein könnte.

1912 veröffentliche Dörfel unter dem Namen "Jean Paar" die Schrift "Schwarze und weiße Magie" (übrigens jüngst wieder neu aufgelegt). Und 1936 schreibt Dörfel unter dem Namen "S. Ipares" über die "gesamte Welt der physikalischen und psychologischen Erscheinungen des Okkultismus" (8, S. 11) (wobei er zugleich eine Art Zusammenfassung des Buches "Induziertes Irresein durch Okkultlehren" gibt):
Sie alle kennzeichnet die Tatsache, daß ein von ihnen betroffener Mensch die natürlichen Kräfte seiner Seele und die gesunde Unterscheidungskraft seines Geistes zugunsten undurchschaubarer Seeleninhalte und fremder Willensentschlüsse gradweise aufgeben muß. Je nach dem unterbewußten Grad des seelischen Zustandes verliert der Mensch nach und nach sein natürliches Ichbewußtsein und das "zweite Ich", das "andere Ich", das "magische Ich", das "Stammes-Ich" usw. erscheint auf dem Plan und bestimmt, die Gedanken-, Gefühls- und Willenswelt des Menschen nach eignen Gesetzen leitend, seine Handlungen. (...)

Schließlich ist dem in solchen Zustand Versunkenen, als ob diese Bilder - die in der Geheimschulung aus Okkultsymbolen, die dem Schüler zur "Konzentration" oder "Meditation" vorgelegt weerden, sich entwickeln - einen dichten Stoff annehmen und leibhafte Gestalten auf ihn zukommen. usw.
Auch hier wieder werden eigene Erfahrungen als Grundlage des Gesagten spürbar, bzw. sind plausibel vorauszusetzen. Harry Dörfel beschreibt wie schon angedeutet in seiner Schrift insbesondere ein "Nibelungenringen" zwischen einer "westlichen" ("prosemitischen") Freimaurerei und von östlichen (tibetischen, mongolischen, japanischen) "Brüderschaften" (Priesterkasten) in der Leitung der internationalen Theosophischen Gesellschaft und Bewegung. Das "Ringen" der letzteren war dann nach seiner Beschreibung gerne auch immer wieder einmal mit antisemtischen Untertönen, bzw. von klarer antisemitischer Tendenz begleitet, etwa bei Frau Blavatsky. Dabei trat außerdem - nach seiner Interpretation - die jüdisch-okkulte Geheimlehre der Kabbala in Konkurrenz zu den indisch-okkulten Geheimlehren.

Ringen um Einfluß innerhalb der Theosophischen Gesellschaft

Während Dörfel also H. P. Blavatsky anhand sehr detaillierter Angaben und Hinweise als im Dienste der östlichen Brüderschaften stehend beschreibt (8, S. 27ff), beschreibt er ihre Nachfolgerin Annie Besant (8, S. 30f) als klar im Dienste der westlichen Freimaurerei stehend, welche mit ihr die Vorherrschaft innerhalb der Theosophischen Gesellschaft wieder übernommen hätte. Und auf der groben Linie dieser Annie Besant hätte sich dann auch Rudolf Steiner bewegt (8, S. 33f). Dieser hätte allerdings als Jesuitenschüler zusätzlich auch noch den "Jesuitenvorwurf" innerhalb der damaligen Machtkämpfe auf sich gezogen (8, S. 39). Bei all dem hätten aber die östlichen Bruderschaften immer sozusagen mindestens den Fuß in der Tür zu dieser Gesellschaft behalten, was dann auch zur Trennung Steiners von den deutschen (nichtchristlichen) Theosophen und zur Gründung seiner eigenen Christengemeinschaft und der darauf aufbauenden Anthroposophie geführt hätte (8, S. 34ff).

Harry Dörfel beklagt es heftig, daß aufgrund solcher Entwicklungen "Hunderttausende von Maurern und Theosophen in der ganzen Welt" zu "Handlangern der Juden" geworden seien. Wenn er aber die Einflußnahmen der östlichen Bruderschaften beschreibt, äußert sich seine Ablehnung derselben selten so prononciert. Auch Vorgänge des Jahres 1929 hätten daran nichts geändert (8, S. 32):
Die Theosophie jedoch bleibt vorläufig dem Freimaurertum verfallen und nicht umgekehrt,
schreibt er, wobei er sich wohl über viele Jahre hinweg eher das Umgekehrte gewünscht haben mag und daraufhin gearbeitet haben könnte. Harry Dörfel sagt (8, S. 32):
Ein handgreiflicher Einfluß der Meister des fernen Ostens auf den Freimaurerbund wird von den Meistern des nahen Ostens und ihrer Geheimregierung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln unterbunden.
Verbot der Freimaurerei von 1935 und seine Wirkung

Dörfel behandelt allerdings in seiner Schrift prononciert völkische Freimaurerlogen (Thule-Gesellschaft, Germanenorden, Jungdeutscher Orden etc. pp.), die die Deutschnationalen, die Gestapo, die SS und die Nationalsozialisten allgemein breit unterwandert haben könnten oder werden in jener Zeit, außer Andeutungen (8, S. 6) so gut wie gar nicht. Auf diesem Gebiet hatte er wahrscheinlich viel weniger eigene Erfahrungen aufzuweisen.  Weshalb er hier dann auch nicht von einem "handgreiflichen Einfluß der Meister des fernen Ostens" reden konnte, von dem - etwa - in dem Besteller "Das schwarze Reich" ständig raunend die Rede ist. Allerdings schreibt er schon im Vorwort von "Geheime Weltmächte" zur Freimaurerei Sätze, die sich in ihrer Kaltschnäuzigkeit unglaublich "instinktsicher" anfühlen:
In Deutschland ist seit dem 15. Juli 1935 die vereinsmäßige Freimaurerei "vernichtet", und mit der Zeit kann der "kunstgerechte" und vielseitige Bau am Menschheittempel, der nach alten Maurergesetzen vollkommen geräuschlos vonstatten gehen soll, den profanen und ungeübten Blicken der Gegenwärtigen durch bunte Schleier immer sicherer geborgen werden.
Diese "bunten Schleier" standen dann natürlich auch den etwaigen "Meistern des fernen Ostens" etwaig in okkult-völkischen Freimaurerlogen und esoterischen Zirkeln zur Verfügung.

Das Ringen westlicher und östlicher Geheimbünde um Einfluß

Insgesamt, so Dörfel, geht es ihm in seiner Schrift um folgendes (8, S. 47):
Wir gewinnen Einblick in die vielen Verästelungen und Verzweigungen und die immer neu ersonnenen Abfangvorrichtungen, Auffangorganisationen und die gegenseitige Bespitzelung und Überwachung der Geheimbünde. Wir lernen das Zeitgeschehen verstehen als das geheime und offene Ringen dieser Geheimbünde und Priesterschaften und erkennen, was es mit jenem Bestreben des "west-östlichen" Durchdringens und (...) dem "Yoga" für ein Bewenden hat und wie eine gewisse Jugendliteratur die Jugend schon für Asien begeistern und reifen machen soll.
Man denkt hier etwa an Heinrich Harrer. Dörfel schreibt im Jahr 1936, zu einer Zeit, als ein "Führer und Reichskanzler" fortlaufend von der "Vorsehung" sprach, öffentlich (8, S. 7):
Eingebettet zwischen den "äußeren" Regierungen, deren Staatsmänner von der "Vorsehung" und "Gnade" einer obersten, geheimen Weltlenkung ihre Rollen zugespielt oder abgerufen erhalten, durchziehen die "Willens-, Weisheit- und Tätigkeitströme" der "Inneren Regierung" das kulturelle, politische und wirtschaftliche Leben der Völker und bewahren dennoch, Meeresströmungen vergleichbar, ihre unantastbare Selbständigkeit. Diese aufzugeben werden die Geheimbünde dann erst gezwungen sein, wenn die Menschheit die Geheimreligion der Zeitalter, den Okkultismus, in seiner ganzen Tragweite klar erfaßt und endgültig wirkungslos gemacht haben wird.
Daß Dörfel selbst sich während seines Lebens wirklich tief in den Okkultismus eingearbeitet hatte, geht auch aus der Tatsache hervor, daß er offenbar die hebräische Sprache erlernt hatte, um die Kabbala zu verstehen,  was ihm sozusagen von seinen Oberen scheint nahegelegt worden zu sein. Schreibt er doch an einer Stelle, offenbar im Rückblick seinen Werdegang rhetorisch infragestellend (8, S. 6):
Warum müssen die Deutschen, wenn sie hinter diese "Geheimnisse" kommen wollen, notwendigerweise mindestens die hebräische Sprache beherrschen?
"Die Geheimreligion der Zeitalter, der Okkultismus"

Diese Schrift enthält auch sonst noch viele Einzelheiten und erörtert Zusammenhänge, die wir nicht alle in einem Beitrag behandeln können. Wir wollen nur abschließend noch kurz die der Schrift "Geheime Weltmächte" von ihrem Autor beigegebene Grafik "Die 'Innere Regierung' der Welt" kommentieren.

aus: S. Ipares - Geheime Weltmächte, 1936, S. 24f

Die mit dieser Grafik detaillierter erläuterten Sinngehalte versteht man im Zusammenhang erst, wenn man die Schrift insgesamt gelesen hat. Das Wesentlichste ist, daß links ein östliches, asiatisches System rechts einem westlichen, europäischen System gegenüber gestellt ist, deren innerster Geheimgehalt jeweils stark verblödende Okkultlehren als Herrschaftsmittel wären. Und dabei ist es sicherlich mit viel Bedacht geschehen, daß die "Theosophische Gesellschaft" - im Gegensatz zu anderen westlichen Geheimgesellschaften des Jahres 1936 - zwischen der östlichen und den westlichen Machtgruppierungen angesiedelt ist und zusätzlich auch als eine insgesamt nur "ausführende", nicht "planende" oder "herrschende" Gruppierung charakterisiert ist. Anthroposophie und Rosenkreuzer/Protestanten hingegen werden zwischen die katholische Kirche und die Freimaurerei gestellt. Wohlgemerkt: So sah Harry Dörfel von seinem Standpunkt aus die Welt der Okkult-Gesellschaften, die den Gang der Weltpolitik in wesentlichen Teilen bestimmen würden im Jahr 1936.**)


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*) Andere Aspekte des Lebens von Harry Dörfel erschließen sich, wenn man erfährt, daß unter dem Namen Jean Paar 1894 und 1901 auch ein "Leitfaden der Retouche des photographischen Bildes", 1900 eine Schrift über "Die gebräuchlichsten Vergrößerungs- und Contactverfahren", sowie 1916 und 1929 Erzählungen erschienen sind ("Rotes Edelweiß", "Der geheimnisvolle Fährmann"), und daß 1907 eine Schrift zu "Der Kaiser und die soziale und ethische Bedeutung der Kunst" veröffentlicht worden ist. All das illustriert vielleicht doch ein wenig mehr die krude biographische Angabe von Helmut Zander von dem "Kunstgewerbler" Harry Dörfel. Und es macht deutlich, daß Dörfel 1894 mindestens schon etwa 22 Jahre alt gewesen sein muß, also etwa 1872 geboren worden sein könnte.
**) In der Zeitschrift des Ludendorff-Verlages ("Am Heiligen Quell Deutscher Kraft") erschien unter "Antworten der Schriftleitung" am 20.3.1936, S. 990 eine Notiz, die im Stichwort-Verzeichnis benannt ist "Giftmordversuch an S. Ipares":  
Stuttgart. - Wir können Ihnen leider einstweilen keine nähere Auskunft geben. Der Verfasser der Schrift "Geheime Weltmächte" ist, wie er uns mitteilt, kurz nach dem Erscheinen der Schrift unter Vergiftungserscheinungen erkrankt. Er teilte uns mit, daß er unvorsichtigerweise einer Einladung zu einem Essen folge geleistet hat und er sieht zwischen dieser Einladung und seiner Erkrankung ganz bestimmte Zusammenhänge. Wir werden weiter darüber berichten.
Soweit den Personenverzeichnissen dieses und des nächsten Jahrgangs entnehmbar, erfolgte aber kein weiterer Bericht dazu.
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  1. König, Peter-Robert: Das O.T.O. Phänomen. Über 100 Jahre Magische Geheimbünde und ihre Protagonisten. Erscheinen angekündigt für Frühjahr 2011
  2. Zander, Helmut: Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884-1945. 2 Bände. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007 (Google Bücher)  
  3. Paar, Jean: Goethe, Schiller und Lessing als Spiritualisten. In: Zeitschrift für Seelenleben, Jg. 1909 (neu abgedruckt in der Zeitschrift "Wegbegleiter" 1. Teil vom Juli 1996, Nr. 4, I. Jg., S. 158 ff, 2. Teil vom September 1996, Nr. 5, I. Jg., S. 198 ff, 3. Teil vom November 1996, Nr. 6, I. Jg., S. 263 ff, 4. Teil vom Januar 1997, Nr. 1, II. Jg., S. 17 ff, 5. Teil vom März 1997, Nr. 2, II. Jg., S. 70 ff)
  4. Paar, Jean: Schwarze und weiße Magie. Berlin 1912. (Neu herausgegeben Edition Geheimes Wissen, 2008)
  5. Paar, Jean: Horchet auf! Ein Mahnwort an Freund und Feind in ernster Zeit. Zeitschrift für Seelenleben, Leipzig 1915
  6. Paar, Jean: Warum und wozu der Weltkrieg 1914-1915? Mutze, Leipzig 1915 (64 Seiten)  
  7. Ipares, S.: Liberal-katholische Kirche und Theosophische Gesellschaft. In: Am Heiligen Quell Deutscher Kraft, 5.2.1935
  8. Ipares, S.: Geheime Weltmächte. Eine Abhandlung über die "Innere Regierung" der Welt. Ludendorffs Verlag, München 1936, 1937, 1938 (16. - 20. Tsd.) (Scribd.com)
  9. Grandt, Guido und Michael: Schwarzbuch Anthroposophie. Rudolf Steiners okkult-rassistische Weltanschauung. Carl Ueberreuter, 1998
  10. Feldzug gegen Rudolf Steiner. Über O.T.O.-, Rassismusvorwürfe und Angriffe auf die Waldorfschulen. In: Flensburger Hefte 63 (Leseprobe)
  11. "Gestatten, Under Cover Agent Peter-R. König"  Teil eines Interviews geführt von Wolfgang Weirauch. Auszug aus "Feldzug gegen Rudolf Steiner", Flensburger Hefte IV/98, Flensburg 1998
  12. Ludendorff, Erich: Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse. 1927
  13. Ludendorff, Erich: Schändliche Geheimnisse der Hochgrade. Ludendorffs Volkswarte-Verlag, München 1932 
  14. Ludendorff, Mathilde: Induziertes Irresein durch Occultlehren. Erstauflage 1932. Verlegt bei Franz v. Bebenburg, Pähl 1970
  15. Ludendorff, Mathilde: Der Satanismus der Hochgradbrüder. In: Ludendorffs Volkswarte, Folge 7, 1933  
  16. Ludendorff, Erich und Mathilde: Europa den Asiatenpriestern? Ludendorffs Verlag, München 1936

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Also das ist das dämlichste, was ich seit langem gelesen habe!

Der gehört doch zu eurer christl. Sekte!

Und ich praktiziere trotzdem noch okkultismus, und mir ist nichts passiert.

Im Übrigen, habt ihr Christen-Pack jemal von TOLERANZ gehört?!
Das bedeutet nicht, daß jeder eure Propagande zu tolerieren hat, sondern, daß alle einander zu tolerieren habe.

Oder braucht ihr keinen zu tolerieren, der nicht vor EUREM "Gott" zu Kreuze kriecht?

p.s. Ich freue mich aud Samhain

Ingo Bading hat gesagt…

Es nutzt nichts, als Satanist alle Satanismus-Kritiker zu Christen zu erklären. Dieser Blog ist ebenso antichristlich wie die Satanisten vorgeben, antichristlich zu sein. Wobei er darauf verzichtet, anstatt "Gotteswahn" "Satanswahn" zu treiben.

Mach die Augen auf, sieh dich in der Welt um. Es gibt in ihr noch mehr, außer solche alttestamentarischen, mittelalterlichen Figuren wie Jehova und Satan. ...

Ingo Bading hat gesagt…

Bzw: Es nutzt nichts, als Okkultgläubiger in allen Okkultismus-Kritikern Christen zu sehen. Zumal überzeugte Christen ja selbst schwer okkultgläubig sind.

Hier auf dem Blog schreiben also in der Regel keine Christen. Und von "Pack" ist hier sowieso nicht die Rede, weder werden hier Christen, noch Nichtchristen, noch Okkultgläubige so bezeichnet. Das ist nicht die Sprache dieses Blogs.

Wenn sich "Toleranz" in solcher Sprache ausdrücken würde, wäre mir das auch etwas ganz Neues.

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