Dienstag, 16. Februar 2010

Jesuitische Diskussionkultur?

Eine Analyse zum Abbruch der Diskussion auf "Spreeblick" vor einer Woche

In diesem Beitrag soll eine Analyse erfolgen der simplen Methode, mit der auf dem Blog "Spreeblick" die Diskussion, eine sehr offene, sehr freie Diskussion über den Jesuitenorden abgewürgt worden ist. Das ist erst sechs Tage her, also noch ein sehr frisches Geschehen.

Vom 28. Januar bis zum 10. Februar, also innerhalb von nur zwei Wochen, gab es da 485 Diskussionsbeiträge. Das sind - klein ausgedruckt - 130 Din-A-4-Seiten.

"Spreeblick" - 28. Januar bis 8. Februar: Hohes Niveau der Diskussion

Der Blog "Spreeblick" ist nach allem, was man hört, einer der meistgelesensten, angesehensten deutschsprachigen Blogs. In der deutschen Presse wurde wiederholt auf diese Blog-Diskussion zu den Jesuiten hingewiesen und aus ihr auch länger zitiert. Diese Diskussion wurde also wirklich gelesen. (Im Gegensatz zu so manchem anderen Blog ... ;-) ) Sie hatte eine unglaubliche Öffentlichkeit. Nirgendwo anders wurde bislang so offen, so dicht, so umfassend und von so vielen Leuten, die es wissen mußten, um alles rund um den Jesuitenorden diskutiert wie hier.

Und fast bis zum Schluß wurde von fast allen Mitdiskutierenden das hohe Niveau, der ruhige, sachliche Ton gelobt, der von allen Teilnehmern bis dahin eingehalten worden war trotz der hohen Emotionalität, die diese Diskussion mit sich bringen mußte, trotz der Tatsache, daß einige Mitdiskutierenden sagten, der Jesuitenorden solle ihnen dankbar sein dafür, daß sie keine Terroristen geworden wären. Trotz einer solchen Emotionalität, die in diesem Thema beschlossen liegt.

Und der Bloginhaber, der sich auch sonst viel mit "Netzkultur" beschäftigt, ja, von vielen dazu auch sonst interviewt wird, zeigte sich in mehreren Interviews, die er genau zu dieser Diskussion gab, über das lange Anhalten des hohen Niveaus in dieser Diskussion sehr erstaunt und überrascht. Und warum hätte dieses Niveau auch verlassen werden sollen? Nachdem es sich über so viele Tage hinweg eingespielt hatte? Wer will denn als neu dazu Kommender in einer Diskussion derjenige sein, der das Niveau herabzieht?

Nun. Wenn man gewisse "Absichten" hat, scheut man sich um solche "Empfindlichkeiten" bestimmt nicht. Wenn ich Jesuitenorden bin und wenn ich einer noch weitergehenden, ausbordenden, "Unheil" stiftenden Diskussion einen Riegel vorschieben möchte: was kann ich tun? Was werde ich tun, wenn ich Jesuit bin und hier "Gefahren" sehe?

Um das zu erfahren, muß man die genannte Seite nur nach diesen beiden Suchworten absuchen: "exsj" und "ExWeinhändler". Im folgenden soll eine Zusammenfassung der Diskussionbeiträge der beiden Geschöpfe gegeben werden, die sich mit diesen beiden Pseudonymen dort zu Wort gemeldet haben, und die unter Gottes freier Sonne herumlaufen.

Am 1. Februar meldet sich in Beitrag 128 zum ersten mal ein "exsj" zu Wort. Zunächst noch ganz sachlich. Ebenso in Beitrag 135 vom gleichen Tag.

"Spreeblick" am 8. Februar: Das Hetzen beginnt

Aber eine Woche später, nach - wie man meinen möchte - für alle Beteiligten sehr wichtigen Erörterungen, die jeden Tag aufs Neue auf diesem Blog den Erkenntnishorizont erweiterten und angesichts der Tatsache, daß noch viele wichtige Aufklärungen zu erwarten waren, daß sich mehrere Journalisten auch vom ZDF in die Diskussion positiv mit einbrachten, wird am 8. Februar in Kommentar 407 der Ton plötzlich ganz anders. Und zwar sehr abrupt. Und nicht nur der Ton wird anders, es wird auch - quasi sofort - mit dem Aufdecken von Pseudonymen gedroht. Wie billig. Und wie bekannt. Und wie so ganz und gar typisch. ...

Zunächst geht es noch um einen Kommentar, der die Kirche mehr oder weniger in Schutz genommen hatte. Dennoch meint der Ex-Jesuit ("exsj"), der Kommentator, auf den er sich bezieht, solle nicht geringeres als den Psychiater aufsuchen:
Den Beitrag von “Hajo” @Hajo (383) kommentieren wir lieber nicht. Völlig absurd. Der Autor sollte einen Psychiater aufsuchen. Hoffen wir, daß dahinter nicht Hajo K. steht.
Das ist ein unglaublich perfider Kommentar. Und am gleichen Tag der gleiche "exsj" in Kommentar 410:
Hocke und Nordhausen – dasselbe Pack.
Es geht um Journalisten, die über den Jesuitenorden schreiben. Plötzlich, mit einem Schlag ein völlig anderer Ton in der Diskussion. Einer der ganz offensichtlich provozieren soll, der Diskussion kaputt machen soll. Was wohl sonst sollte ein solcher Ton? Das ist doch viel zu durchsichtig. Wird aber der Streich gelingen? Wird man es denn nicht durchschauen, daß hier eine aufklärende Diskussion kaputt gemacht werden soll aus allzu durchsichtigen Gründen?

In Kommentar 413 versucht Bloginhaber Johnny Häusler, der ja selbst Jesuitenschüler war und - soweit man sieht - nicht gar zu anti-katholisch geworden ist seither, die Diskussion im Rahmen zu halten:
Ich bitte darum, von Beleidigungen Abstand zu nehmen. Natürlich ist auch die Debatte um die Rolle der Medien eine wichtige, aber das geht sicher auch, ohne Autoren, die sich hier mit vollem Namen dem Dialog stellen, als “Pack” zu bezeichnen.

Man möchte meinen, daß das doch angesichts des angeschlagenen Tonfalls eine sehr milde Zurückweisung ist. - Wie hätte man als Bloginhaber auch reagieren können? Man hätte die Vermutung aussprechen können, daß das wohl jesuitische Diskussionskultur mit Gegnern des Jesuitenordens sein soll. Und man hätte für diesen Fall den Kommentar als ein Anschauungsbeispiel für eine solche Diskussionskultur stehen lassen können. Wäre es in diesem Tonfall weitergegangen, hätte man noch einmal darauf hinweisen können und diese Kommenare dann einfach löschen können. Oder für einen neuen, eigenen Beitrag sammeln können, sozusagen als "Schmutzkübel". Dann wäre das Niveau erhalten geblieben. Aber so dann leider nicht der dann emotional wohl doch etwas überlastet wirkende Johnny Häusler.

Aber vielleicht schiebt er ja selbst noch eine so ähnlich gelagerte Analyse irgendwann hinterher.

Zunächst nimmt der "Ex-Jesuit" seinen Ton noch - etwas - zurück. "Entschuldigen" ist offenbar schnell gemacht. - Zumindest für den Angehörigen oder Ex-Angehörigen eines in den letzten Wochen bekannter gewordenen Ordens.

"Spreeblick" am 10. Februar: Das Wild ist in der Falle, nämlich die Redefreiheit

Dann am 10. Februar der nächste Knaller: Ein "ExWeinhändler" meldet sich zu Wort, natürlich auch ein Ex-Jesuit oder Jesuit. Er verschärft noch einmal den Ton. Von Kommentar 459 bis 465 melden sich nur die beiden bisher genannten "Ex-Jesuiten" zu Wort. Auszüge:

Mein aufrichtiges Bedauern für Deinen Haß und Deine Unfähigkeit (und/oder Unwillen?) verstehen zu können und verzeihen zu wollen. (...) Die Jesuiten als “totalitäres System” zu bezeichnen, halte ich für absurd. ...

Man merkt also schon, an welcher Stelle für die Jesuiten - oder sogar für Ex-Jesuiten - "neuralgische Punkte" erreicht sind.

... eine üble Hetzkampagne gegen CK und RKK ...

Also gegenüber Canisius-Kolleg und Römisch-katholischer Kirche von seiten der Medien. Aber dann Kommentar 463 vom gleichen Tag:

Meine absolute Verachtung für Ihre o.a. geistigen Auswürfe, die Sie auch noch in einer Zeitung veröffentlichen dürfen.

Das hat nichts mit Berichterstattung zu tun, sondern ist pure Hetze, ganz im Sinne der Kreise, die hinter Ihren Arbeitgebern stehen. Unerhebliche Details genüßlich für den Boulevard ausgewälzt, um Stimmung zu machen. Nicht weit weg von Sudel-Ede, nur nicht so lustig wie der damals.

Meine beste platonische Freundin hat lange als Hure gearbeitet. Ich kannte sie schon lange davor, und sie hat mir sehr viel darüber erzählt. Daher habe ich den Unterschied zwischen Hure und Nutte gut kennen gelernt (außer in Wien, da kennt man den verbalen Unterschied nicht).

Daher weiß ich, daß bei “Presse-Hure” das falsche Wort benutzt wird, denn Huren haben viel mehr Ehre!

Hat man hier etwa jesuitische Diskussionkultur in Reinform vorliegen? Braucht man noch mehr Anschauungsmaterial? Wird man sich etwa durch das Kürzel "Ex" verwirren lassen? Der Mann, der hier auf diese Weise angegriffen wird, ist Frank Nordhausen, jener Journalist, der wertvolle Beiträge geschrieben hat über den Jesuitenorden, aus denen auch hier auf dem Blog schon zitiert wurde.

"Stahlkappenbewehrte Schuhe ..."

Einer derjenigen, der sich in der Diskussion bis dahin am überlegtesten und auch kritischsten geäußert hatte über die Jesuiten ("Alt-CKler"), antwortet in Kommentar 468 sicherlich völlig richtig:

Da entdecke ich sie wieder, diese hinterfotzige Verlogenheit, die meine Kindheit vergiftet hat – oben tropfen salbungsvolle Worte aus dem Mund und unten wird mit stahlkappenbewehrten Schuhen kräftig gegen das Schienbein getreten! ...
Es folgen noch weitere Analysen, die alle wichtig sind. Und auf 472 droht dann der Bloginhaber das erste mal:
Es wäre schade, wenn ich die Kommentare schließen müsste.

Warum löscht er nicht einfach die provozierenden Kommentare der "Ex-"Jesuiten? Nein, er läßt dem "Ex Weinhändler" weiter freies Feld, Auszüge von 481 und 482:

... Ersetzen Sie mal das Wort “Jesuiten” durch “Türken” oder “Juden” ...

... Schmierenschreiberei ...

Und damit ist es dann erreicht. Das, was - offenbar - hatte erreicht werden sollen. Der Bloginhaber schließt die Diskussion:

… das ist nicht mehr zu moderieren ...
Man hat - offenbar - alle Anständigen auf seiner Seite, wenn man eine "solche" Diskussion schließt. Aber wenn alle so handeln, handeln würden, würde der Jesuitenorden oder würden "Ex-"Jesuiten jede offene Diskussion über ihn kaputt kriegen.

Man ist gespannt, ob Johnny Häusler sich noch einmal zum Thema zu Wort meldet. Auf jeden Fall hat man wieder etwas gelernt zum Thema Jesuiten.

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