Samstag, 7. November 2009

"Kein Werbefachmann der Welt hätte es besser organisieren können ..."

Das Leben und die Welt aus der Sicht eines PR-Fachmannes

In einem Buch über das Leben und den Tod der englischen Prinzessin Diana (1) heißt es an einer Stelle: "... Diese Kampagne" (der Prinzessin Diana) "gegen Landminen, die unter dem Titel 'Königin der Herzen' firmierte, hätte von keinem Werbefachmann der Welt besser organisiert werden können." (1, S. 147)


Mit diesem Satz ist viel gesagt. Oder auch wenig. Prinzessin Diana verkörperte jedenfalls irgend etwas, das den Menschen Zuversicht und Vertrauen in das Leben einflößte. In das Leben an sich. Braucht das Leben an sich, wenn es unverfälscht daher kommt, so wie man das von Prinzessin Diana vielleicht doch sagen könnte, braucht ein solches Leben denn eigentlich überhaupt noch - - - "Werbefachleute"? Oder muß nur das professionell beworben werden, was sowieso schon tot oder halbtot ist? *)

Das Leben und die Welt, aus der Sicht eines erfahrenen Werbefachmannes dargestellt, wie es solche gab, die sich über die Popularität des Prinzen Charles und seiner Mutter - der unköniglichen Königin - einerseits und der Prinzessin Diana - der königlichen "Königin der Herzen" - andererseits Gedanken machten, - diesmal möglicherweise im Dienst nicht eines solchen Auftraggebers wie des CIA, sondern von Gott höchstselbst stehend - könnte, wollte man solche Gedanken weiter fortspinnen, in etwa folgendermaßen aussehen. Und dann kann es ganz schnell philosophisch werden:
Teile eines Gesprächsprotokolls aus der PR-Abteilung Gottes

Unsere Aufgabe, unsere Zielsetzung lautet: Wie kriege ich die Leute dazu, an irgend einen Sinn in ihrem Leben und in diesem Weltall zu glauben?

1. Schritt: Sie müssen geschaffen werden. Und ebenso ihre Welt. OK, einfache Sache. Für unseren Auftraggeber zumindest: Gott.

2. Schritt: Die Welt und das Leben müssen so für sich Werbung machen, daß es den Menschen Spaß macht, in ihr und mit ihm zu leben. Denn sonst haben sie ja keine Lust und wollen gleich wieder weg. Schon etwas komplizierter. Aber immerhin machbar. Wir müssen Werbung für das Leben machen. Wir müssen die Sonne scheinen lassen. Die Blumen blühen lassen. Frisches Wasser muß her, abwechslungsreiche Landschaften. So. Und darin muß sich der Mensch so richtig wohlfühlen können. Also müssen wir ihm auch eine Appetenz nach all diesen Dingen in seine Seele einfügen. Wohlfühlzentren im Nervensystem, die auf den Anblick solcher Dinge mit Wohlgefallen reagieren. "Belohnungszentren". (Leben und Liebe als "Suchterscheinung": Joachim Bauer; im Spannungsfeld von Lust und Unlust: Konrad Lorenz.)

Aber nein, wir brauchen natürlich noch mehr. Der Mensch muß auch Freude an seinen Mitmenschen haben. Er muß sich über sie freuen, er muß sie schön finden. Also her mit Pinsel und Farben. Weg mit dem garstigen Fell. Wir müssen uns anstrengen. Später werden Michelangelo und Tizian, Raphael, Botticelli und andere kommen und all das abmalen wollen. Da müssen wir uns schon Mühe geben, daß wir ihnen dann nicht gar zu garstige Vorlagen liefern. Sie sollen später einmal nicht glauben, sie könnten es selbst besser als wir (bzw. natürlich - ha, ha - unser angeblicher Auftraggeber). Und sie sollen auch nicht auf den Gedanken kommen, hinter die schöne Fassade schauen zu wollen, nur weil ihnen die Fassade selbst nicht schön genug vorkommt und der genauen Beobachtung wert. Allen solchen Dingen müssen wir von vornherein vorbauen.

Das gilt übrigens auch für die Landschaften und für Stilleben. Wir müssen aufpassen, daß später Leute wie van Gogh oder Cezanne nichts merken. Nein, nein, sie merken schon nichts. So vernarrt wie die sein werden, gesteuert von ihren Belohnungszentren. So leicht wie die sich ablenken lassen von ein paar Sonnenstrahlen, ein paar "interessanten" Beleuchtungen und anderen Geringfügigkeiten.

- Haben wir schon genug getan? Oha! Nein!!! Weit gefehlt!

3. Schritt: Wir müssen das Böse und das Negative in die Welt einbringen. Denn sonst wird es dem Menschen viel zu schnell langweilig hier auf der Erde. Er muß Probleme haben. Mit sich selbst. Mit anderen. Ganz wichtig: Wir brauchen den Tod. Der Mensch muß alt werden und sterben. Sonst kommen ihm Jugend, Schönheit und Leben bald zu fad vor, zu selbstverständlich.

Und die Fortexistenz von Leben und Kultur muß von Fortpflanzung abhängig gemacht werden. Von gelingenden Paarbeziehungen. Ha, ha, ha. Dieser Trick, liebe Freunde, wird sich als einer unserer besten herausstellen ...
Und so scheinen sich die Gespräche dann weiter fortzusetzen. Es kommt dann irgendwann der
n + 1. Schritt: Wir müssen dem Menschen einen Platz in der Welt geben, der erforschbar ist, der günstige Voraussetzungen für Wissenschaft darstellt (Guillermo Gonzales). Und auch hier dürfen wir es uns nicht zu einfach machen. Sonst kommen uns die Menschen gar zu schnell auf die Schliche. Wir müssen das Leben und den Kosmos so komplex und kompliziert gestalten, daß der Mensch Jahrhunderte braucht, nein, Jahrtausende, bevor er in all seiner Unzufriedenheit über sich selbst, seine Mitwelt, über das Unwissen allgemein und sein eigenes besonders und über seine Unvollkommenheit, getrieben von einem ihm selbst unerklärlichen Wunsch nach - größerem - Wissen, nach - mehr - Vollkommenheit, Leben und Kosmos immer gründlicher erforscht.
Hier bricht das Dokument unvermittelt ab. Aber es handelt sich ja sowieso nur um Verrücktheiten aus der PR-Abteilung Gottes. Wieder so ein blödes, angebliches Dokument der Weisen von Zion. Wer solche Texte ernst nimmt, wird schnell zum Verschwörungstheoretiker. Bleib bei deinem Leisten, Philosoph! Und störe meine Kreise nicht ...

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*) Weitere Phrasen des eingangs genannten Buches lauten etwa: "... ein cleverer PR-Schachzug ..." (1, S. 131) "... Seine" (Prinz Charles') "Berater aber suchten verzweifelt nach Möglichkeiten, die ihm positive Schlagzeilen brachten. ..." (1, S. 120, 128) Und vieles andere auf dieser Linie mehr.
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1. Botham, Noel: Der Mord an Prinzessin Diana. Die wahren Hintergründ ihres Todes. (engl.: 2004), Knaur, München 2005

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