Donnerstag, 5. November 2009

Berlin praßt und wuchert ... (Teil 1)

... mit antik-griechischen Kunstwerken

Römische Portraitbüste des 1. Jahrhunderts v. Ztr.

Ja tatsächlich: In Berlin wuchert man seit diesem Jahr 2009 wieder mit dem seit mehr als 100 Jahren vorhandenen, angesammelten Pfund antik-griechischer Kunstwerke von Weltrang in einer Weise, wie man dies hier seit 70 Jahren nicht mehr getan hat.

Es ist dies eine ganz erstaunliche Tatsache, daß seit 70 Jahren in Berlin nicht mehr in diesem Umfang und in dieser Fülle antik-griechische Kunstwerke ausgestellt worden sind, wie sie erst heute wieder im berühmten Pergamon-Museum in der wirklich exklusiven, aufsehenerregenden - und beziehungsreich benannten - Ausstellung "Die Rückkehr der Götter - Berlins verborgener Olymp" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind.

Dabei bezieht sich die Phrase "verborgener Olymp" auf die Tatsache, daß Berlin mit seinen wahrhaft "olympischen", "göttergleichen" griechisch-antiken Kunstschätzen seit 70 Jahren nicht mehr so gepraßt und gewuchert hat, wie das seit diesem Jahr wieder der Fall ist. Denn 70 Jahre lang hielt es seinen "Olymp" - - - "verborgen".

Kunstwerke werden verborgen als seien sie brisanteste zeithistorische Archivalien? Wie das? Kunst hat immer schon viel mit Politik zu tun gehabt. 1945 wurde ein großer Teil der Berliner Kunstschätze in die Sowjetunion transportiert. Ein größerer Teil derselben wurde dann zwar schon im Jahr 1958 wieder an Ostberlin zurückgegeben. Aber auch viele der 1958 zurückgegebenen antik-griechischen Berliner Kunstwerke von Weltrang wurden niemals wieder ausgestellt. Sie verschwanden vielmehr in Museums-Kellern Ostberlins. Die DDR-Museumspolitik erachtete diese Kunstwerke einerseits als nicht ausreichend zeitgeist-konform, bzw. wollte oder konnte nicht genügend Geldmittel zu ihrer notwendigen Restaurierung aufbringen.

Und so kommt es, daß erst heute wieder, im Jahr 2009, in Berlin mit jenem griechischen "Götter-Olymp" gewuchert wird, wie er hier - in "verborgener" Weise - eigentlich immer vorhanden war. Aber nun wird er endlich auch wieder öffentlich gemacht - in aller Pracht und Herrlichkeit. Es geschah dies übrigens in enger Zusammenarbeit mit spanischen Museen.

Diese Ausstellung "Rückkehr der" (Berliner, antik-griechischen) "Götter" muß man einfach gesehen haben, wenn man es sich nur irgendwie einrichten kann. Sie muß - nach den eben geschilderten Tatsachen - richtiggehend als ein "Jahrhundert-Ereignis" angesprochen werden.

In diesem und im nächsten Beitrag kann und soll nur ein erster, "kaleidoskopartiger" Eindruck von dieser Ausstellung gegeben werden. Vielleicht können nach und nach noch Erläuterungen zu den einzelnen Kunstwerken hinzugefügt werden. Aber sie wirken ja auch schon für sich und ohne Erläuterung. Allzu oft stammen sie von den berühmtesten Künstlern der Weltgeschichte. Von Bildhauern wie Phidias, Praxiteles oder Polyklet. Sie stellen Göttinnen und Götter dar wie Athena oder Aphrodite, Apollon oder Hermes, Artemis oder Dionysos. Sie hätten sich als monotheistische Alleinherrscher viel zu einsam gefühlt auf ihrem Olymp. Ein freudiges Zusammenklingen und -wirken aller Götter - das war die antik-griechische Welt.

Zwischen den Kunstwerken auch griechische Grabmale, die jeweils von so hoher künstlerischer Qualität sind, obwohl sie oft nur für gewöhnliche Griechinnen und Griechen aufgestellt worden sind. Und natürlich auch Porträtbüsten und andere Skulpturen-Werke, bzw. auch Reliefs. Oder die berühmten Keramiken. Auch Waffen werden ausgestellt.

In der Ausstellung wird anhand von Dias, die an Wände geworfen werden, auch mit sehr schönen Aufnahmen der heutige Zustand jener antiken Grabungsstätten gezeigt, aus denen die Kunstwerke jeweils ursprünglich stammen. So stehen sie auch nicht ganz so "beziehungslos" "im Raum". Es wird - etwa - erzählt (im "Audioguide"), daß die Einwohner von Knidos das berühmteste Kunstwerk der Antike, die Aphrodite von Knidos, auch nicht um ungeheurer Zahlungen willen bereit waren, aus ihrer Stadt wegzugeben. So sehr liebten und schätzen die Griechen die Kunst. Die ihnen immer mehr war, als "nur" schön. Das Schöne war bei ihnen zugleich immer auch das Gute.

Und man möchte meinen, daß man sich von dieser Einstellung auf dieser Ausstellung auf Schritt und Tritt einfangen lassen kann. Man kann diese Ausstellung nicht verlassen, ohne in eine andere "Sphäre" entrückt worden zu sein.





Gleich folgt noch ein zweiter Teil.

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