Freitag, 13. November 2009

Das Ehrenamt - Einige statistische Angaben ...

... lassen zentrale Grundkonstanten der sozialen Natur des Menschen sichtbar werden

Auf einem Kommentareintrag zum Thema Gruppenselektion auf dem Wissenschaftsblog "Natur des Glaubens" ist vor mehr als einem Jahr mit dem Thema "Ehrenamt" argumentiert worden.

Es sollen hier noch ein paar statistische Angaben zum Thema Ehrenamt mitgeteilt werden. Ein wenig Recherche diesbezüglich könnte nämlich sichtbar werden lassen, daß eine tiefergehende Analyse der Frage, wann Menschen in unserer Gesellschaft mehr oder weniger zur Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeit neigen und warum, viel ans Tageslicht bringen könnte darüber, wie menschliches Sozialverhalten und menschliche Verantwortungsübernahme überhaupt - auch noch in arbeitsteiligen Gesellschaften - strukturiert und motiviert sind.

Wieder einmal treten Familie und Religiosität - und ihre gegenseitige Verstärkung - in den Fokus der Aufmerksamkeit:
"In Deutschland haben 18 Prozent der Erwachsenen ein Ehrenamt übernommen, das sind 12,1 Mio. Menschen." (Familienministerium 2003)
"Ehrenamtlich Aktive zeichnen sich überproportional häufig durch eine christliche Wertvorstellung aus." (Allensbach 2008)

Bei einem Anteil der Konfessionslosen in Deutschland von insgesamt 19 Prozent stellen sie unter den ehrenamtlich Engagierten nur 12 Prozent. Unter den ehrenamtlich Engagierten finden sich in Deutschland 26 Prozent Katholiken, 22 Prozent Protestanten und nur 12 Prozent Konfessionslose.

"Mit steigender Haushaltsgröße steigt das Engagement. Das unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der Familie für die Entwicklung des sozialen Bewusstseins. Dabei wird auch deutlich, dass kein einfacher Zusammenhang zwischen "Freizeit" und "Ehrenamt" besteht. Arbeitslose engagierten sich in Thüringen nicht ganz so stark wie Menschen, die Arbeit haben. (...) Daraus kann man schlussfolgern: Ehrenamtlicher Einsatz wird besonders durch stabile Einbindung in soziale Gemeinschaften gefördert. Engagement braucht Integration, und Integration fördert Engagement." (Erfurt.de)

Das scheinen sehr wesentliche Einsichten in die soziale Natur des Menschen überhaupt zu sein.

"Männer als Singles haben die (relativ) meisten Schwierigkeiten, Berufstätigkeit und Ehrenamt zu koordinieren, gefolgt von Männern mit Partnerin ohne Nachwuchs." (Klenner 2001, S. 21)

"... Besonders aktiv sind dabei die Mitglieder großer Familien, regelmäßige Kirchgänger und Pendler, die am Rande der Großstädte ihre oft neu gewachsene Nachbarschaft gestalten." (Geo 2005)

"Entsprechend den Daten des Freiwilligensurveys ist davon auszugehen, dass etwa 40% des Freiwilligenengagements, das insgesamt in Deutschland erbracht wird, jungen Familien zugute kommt. (...) Die Engagierten gehören meist selbst der "Zielgruppe" an, für die sie sich engagieren, oder sie haben zumindest einen engen Bezug zu ihr." (Klocke 2001)

Die breiten Medien und das öffentliche Bewußtsein tun auch heute noch so, als ob nicht die Familie im Zentrum des Lebens jedes Menschen stehen würde oder sollte, sondern die individuelle "Selbstverwirklichung". Mit allen sichtbaren Folgen für den inneren, sozialen Zusammenhalt in einer Gesellschaft, insbesondere auch hinsichtlich des Verhaltens einer Gesellschaft gegenüber Rand- und Unterschichten. Das gemeinschaftliche Zusammenleben von Menschen - zumal verschiedener Generationen, Interessen und sogar Bildungsniveau's - motiviert. Die Vereinzelung des Menschen demotiviert - auch - bezüglich freiwillig übernommenen sozialen Engagements.

(Weiteres zum Thema auch schon einmal an früherer Stelle --> Stud. gen..)

Literatur:
1. C. Klenner, S. Pfahl, H. Seifert (2001): Ehrenamt und Erwerbsarbeit – Zeitbalance oder Zeitkonkurrenz? Forschungsprojekt im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen. (
pdf.)
2. Klocke, A.; Limmer, R.; Lück, D. (2001): Das Ehrenamt im Umfeld der Familie.
ifb-Materialien 7-2001

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