Donnerstag, 8. Dezember 2011

"Ganz oben gibt es keine Moral"

Ken Jebsen, der rbb-Radiomoderator, sagt das gleiche wie unser Blog

Radiomoderator Ken Jebsen
Ken Jebsen. Diesen Namen hatten wir bisher nicht gekannt. Dazu hätte man nämlich Sonntag nachmittag den Sender "Fritz" vom RBB hören müssen. Aber "zum Glück" gibt es Henrik M. Broder und er hat uns auf ihn aufmerksam gemacht  (Wiki, Achse, 6.11.11). Und auch Eva Herman hat dann seinen Fall aufgegriffen (Kopp, 05.12.11).

Henrik M. Broder hatte eine privaten Email des Ken Jebsen an einen Hörer von Ende Oktober veröffentlicht. Daraufhin gab der RBB (Radio Berlin-Brandenburg) seine länger als zehn Jahre währende Zusammenarbeit mit Ken Jebsen auf.

Es macht durchaus Sinn, sich diese Email einmal genauer anzuschauen und dazu soll der vorliegende Beitrag dienen (Kleinschreibung und Rechtschreibfehler korrigiert, Hervorhebungen nicht im Original):
Wie gesagt, es ist völlig sinnlos, sich mit Ihnen zu unterhalten. Das ist wie wenn ich versuche, Jehovas Zeugen oder Scientologie-Mitglieder zu überzeugen. Sie sind unfähig, aus ihrem Käfig zu treten.
Was ist das größte Problem der Juden? Ihre Führer. Also wie in der Restwelt auch. Henry Kissinger - selber Jude - hat für Juden überhaupt nichts übrig. Er hat selber gesagt, als er von russischen Juden gebeten wurde, ihre Ausreise nach Israel zu ermöglichen, daß für ihn eine Vergasung der russischen Juden höchstens ein ökonomisches Problem sei.
Henry Kissinger wurde 1923 in Fürth geboren und emigrierte 1938 in die USA. Der Satz muß also lange nach dem Zweiten Weltkrieg gesprochen worden sein. Und warum er damals noch von Vergasung gesprochen haben soll, wird hier nicht so recht klar.

"Welche Moral hatten Allen Dulles und Co.?"

Jebsen weiter:
Sie brauchen mir keine Holocaust-Informationen zukommen lassen. Ich habe mehr als Sie. Ich weiß, wer den Holocaust als PR erfunden hat. Der Neffe Freuds. Bernays. In seinem Buch Propaganda schrieb er, wie man solche Kampagnen durchführt. Goebbels hat das gelesen und umgesetzt. Ich weiß, wer die Rassend(eb)atten im NS-Reich möglich gemacht hat. IBM mit Hollerithmachinen. Ich weiß, wer während des gesamten Krieges Deutschland mit Bombersprit versorgt hat. Standart Oil, also Rockefeller.
Und was macht die CIA seit ihrer Gründung? Sie unterstützt jeden Dikator, wenn er ihr nützt. Dabei setzte sie Alt-Nazis ein bis in die 90iger. Welche Moral hatten Allan Dulles und Co.?
Gar keine. Es geht nur um Macht und Cash und wer dabei über die Klinge springt, ist völlig nebensächlich.
Das sind alles Thesen, denen wir auch hier auf dem Blog nachgegangen sind und nachgehen. Das sind die Thesen des amerikanischen Historikers Anthony C. Sutton. Es sind die Thesen, die Karlheinz Deschner in "Der Moloch" vertreten hat. Es sind Thesen, die - etwa - in dem Bertelsmann-Bestseller "Das schwarze Reich" verfolgt werden. Nämlich daß das Dritte, das "schwarze" Reich über seine diversen elitären Steigbügelhalter an die Macht gebracht wurde, um es dann nur sechs Jahre später in einen Krieg verwickeln und zerschlagen zu können. Wobei der Völkermord an den Juden für diese Mächte ganz nebensächlich war. Die gleiche Masche, die Allen Dulles und der CIA danach noch zig mal wiederholt haben und weiter wiederholen wollen.

"Die ganz oben lassen uns wie Marionetten tanzen ..." 

Jebsen in diesem Sinne weiter:
Vergessen Sie alle Einzelschicksale. Es geht um die große Sache derer, die ganz oben uns alle wie Marionetten tanzen lassen. Da spielt Religion überhaupt keine Rolle. Ob Sie Jude, Christ, Moslem, Buddhist oder FASCHIST sind. Egal. Wenn es der Sache dient!
Tja, Henrik M. Broder hat mit solchen Aussagen ein Problem. Dann weiß man ja jetzt, was man von seiner, ach so "politisch unkorrekten" "Achse des Guten" zu halten hat. Sie kennt auch - wie alle anderen "politisch Korrekten" - die schlimme "Achse des Bösen", die es aus allen einflußreicheren Stellen des Medienwesens hinauszuwerfen gilt. Jebsen weiter:
Ich weiß exakt, wovon ich rede, denn ich habe jede Menge Länder in den demokratisiert bin bereist. (Sinn etwas unklar!) Ich war in Israel und habe mit Holocaust-Opfern gesprochen. Sie selber finden es widerwärtig, was in ihrem Namen passiert.
Ich selber habe iranische und jüdische Wurzeln aber eben auch Verwandte auf der ganzen Welt. Es geht nie um den Menschen und Frieden. Es geht um Macht. Und Krieg ist da ein super Geschäftsmodell.
Sein Vater ist Iraner, seine Mutter Deutsche. Ken Jebsen kennt den Iran gut und hat deshalb noch einen ganz anderen Blick auf die politischen Weltereignisse als die meisten "Nur-Deutschen". (Siehe sein Youtube-Portal.) Jebsen weiter:
Das alles ist nur anwendbar, wenn man die Informationen lenkt. Das passiert. Auf allen Seiten. Aber wer bezahlt?
SIE? ICH?

Passiv. Aber was ist mit den aktiven Opfern?

Mir geht es ausschließlich um diese Menschen und es ist mir egal, welchen Pass sie haben, welche Religion oder was auch immer. Was wollen die Macher von uns? Daß wir unser Feindbild immer schön aufrecht erhalten, damit man uns benutzen kann. Ich lasse mich nicht benutzen. Das ist meine Erfahrung und mein Resumee aus Krieg. Es gibt nur Verlierer.
Außer die, die das alles aus sicherer Entfernung inszenieren.

Fazit? Ganz oben gibt es keine Moral. Und der einzelne spielt keine Rolle. Ich gehe überhaupt nicht davon aus, daß sie und ihr Schwarz-Weiss-Feindbild zu erschüttern sind, denn wie sagte schon Weizsäcker. Eine vorgefaßte Meinung ist schwerer zu zertrümmern als ein Atom.
Genau. Ich - und ich denke, der größte Teil meiner Generation und der jungen Menschen - haben es aber satt. Wir können sehr wohl friedlich miteiander leben, wenn man uns denn ließe. Aber das ist eben überhaupt nicht gewünscht. Die Politik der Spannung ist das erklärte Ziel. Ich spiele dabei aber nicht mit. Ich drücke auch keinen Abzug für die gerechte Sache oder sage Ja zur NATO-Bombardierung Libyens und 26.000 Einsätzen.
"Politik der Spannung"

Über "Politik der Spannung" kann man - zum Beispiel - in Regine Igel's "Terrorjahre" nachlesen. Jebsen weiter:
Das alles ist Politik von Menschenfeinden, kalten Kriegern, Machtmenschen. Diese Menschen haben keinen Respekt vor dem Leben.
Die Erde ist rund. Der Kopf ist rund. Damit das Denken die Richtung wechseln kann. Einfach mal ausprobieren, an seinen “Erzfeind” unvoreingenommen heranzutreten und sich davon zu überzeugen, daß es sehr wohl viele gemeinsame Nenner gibt. Ob wir auf diese mal aufbauen? Oder doch die nächsten 30 Jahre uns immer weiter die Köpfe einschlagen?
Dieser Planet hat schlicht die Zeit nicht, sich mit dieser Steinzeitmethode vor dem globalen Kollaps zu retten.
Bleiben Sie in ihrer Ecke und verschanzen Sie sich hinter “geschichtlichen Tatsachen“. Ich versuche lieber, selber Geschichte neu zu schreiben, indem ich meine Hand ausstrecke. Weniger Hass könnte auch Ihnen nicht schaden. Er vergiftet alles.
Soweit diese Email, die Henrik M. Broder und der jüdischen Gemeinde in Berlin nicht gefallen hat. Da scheint sich wohl jemand - - - angesprochen gefühlt zu haben? - - - Eigentlich schade! Man hätte es lieber gesehen, Broder und die jüdische Gemeinde hätten sich durch diese Email nicht angesprochen gefühlt.

Der amerikanische Politikwissenschaftler Norman Finkelstein wußte auch, "wer den Holocaust als (!!!) PR erfunden hat". Noam Chomsky und Robert Trivers wissen es auch (1).

Das ist eine absolut zulässige, ja, notwendige Sache zu wissen, wer den Holocaust "als" (!!!) Public-Relation-Aktion erfunden hat. Der ukrainische Hungerholocaust wurde von den Nazis noch nicht einmal "als" Public-Relation-Aktion erfunden, geschweige daß sie ihn als geschichtliche Tatsache besonders gewürdigt hätten. (Von den westlichen Demokratien ganz zu schweigen.) Daß "Public Relation" und Propaganda die Wirklichkeit "neu erfinden", ganz unabhängig davon, wie die Wirklichkeit aussieht, das wissen wir schon seit Walter Lippman ("Öffentliche Meinung"). Wer nicht zwischen Wirklichkeit und "Public Relation" so zu unterscheiden gelernt hat, wie das für Ken Jebsen selbstverständlich ist, oder wer das nicht aushalten kann, daß Leute unterscheiden, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen. - - - Oder er hat ein schlechtes Gewissen.

Der Holocaust als geschichtliche Tatsache ist etwas anderes als der Holocaust als Public Relation-Aktion. Im Angesicht von zig Millionen Mordopfern des Kommunismus bedurfte es der "Public Relation", um den Holocaust als etwas viel Schwerwiegenderes in den Köpfen zu verankern als - etwa - die Verbrechen und Morde des Kommunismus. Wer die Email von Ken Jebsen anders liest, über dessen Motive und Denkweise kann man nur spekulieren.

Oder hatte man Ken Jebsen schon länger "auf dem Kieker" und hat nur auf eine Holocaust-Äußerung von ihm gewartet, um ihn abzuschießen? Was er in seiner neuesten 14-minütigen Youtube-Ansprache über den geplanten Krieg gegen den Iran sagt, macht ihn vielleicht auch sonst ... "mißbliebig"?


Die Programm-Direktorin des RBB ist katholische Theologin. Von einer Moral des Standhaltens im Sinne der Meinungsfreiheit hat sie offenbar während ihres Theologie-Studiums nicht so viel gehört.

Alles, was in der zitierten Email von Jebsen steht und was er sonst sagt, muß Platz haben im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und nicht nur dann, wann es "Hofnarren" sagen. Dafür bezahlen wir ihn. Und wir  wollen nicht weiter von Theologen und Meinungshütern bevormundet werden.

Ergänzung (9.12.11): Auf dem "Jacob Jung Blog" wird das inkriminierte Zitat über den Holocaust noch präziser eingeordnet, als es hier in diesem Beitrag geschehen ist, indem zitiert wird, was Edward Bernays in seiner Autobiographie 1955 geschrieben hat, und auf was Ken Jebsen offenbar angespielt hatte.


____________
1. Bading, Ingo: "Zerreißen will ich das Geweb der Arglist ...". Er hat die Schnauze voll: ein Nobelpreisträger. Studium generale, 7.6.2007

1 Kommentar:

Ingo Bading hat gesagt…

Heute hat sich die RBB- Programmdirektorin im der "Märkische Allgemeinen Zeitung" zu Wort gemeldet.

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12245694/63369/Claudia-Nothelle-ueber-Ken-Jebsen-und-redaktionelle-Verantwortung.html

Ein Artikel im neudeutschen "Merkel-Sprech". Gutes wird zu böse umgedeutet, Böses zu gut. Die beiden letzten Absätze offenbaren die ganze Heuchelei. Man trennt sich von KenFM und will dennoch "weiterhin" zu "Experimenten ermutigen anzuecken". - Wie ekelhaft, wie heuchlerisch. Eine ENTMUTIGUNG zu einer ERMUTIGUNG umzuformulieren.

Wir leben im Merkel-Land.

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