Freitag, 23. Oktober 2009

Asteroiden-Einschläge und Genomverdoppelungen

Eine aufregende Meldung geht durch die Wissenschaftspresse (Sp. d. Wiss.) hinsichtlich jenes Asteroiden-Einschlags, der für das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren verantwortlich gemacht wird. Bislang ging man von einem Asteroiden aus, der durch seinen Einschlag den heute noch bestehenden Chicxulub-Krater auf der Yukatan-Halbinsel in Mexiko hervorgerufen hat. Das wurde in den 1970er und 1980er Jahren erstmals entdeckt. Man kennt inzwischen auch viele andere Einschlagkrater von Asteroiden anderer Zeitstellungen mit ähnlichen katastrophalen Folgen wie der vor 65 Millionen Jahren, nämlich eklatanten Massenaussterbe-Ereignissen.

Nun aber hat man zusätzlich auch noch einen zweiten Einschlagkrater mit fast gleicher Zeitstellung - 65 Millionen Jahre vor heute - und von noch größerem Ausmaß als der in Mexiko entdeckt. Und wo? An der Westküste Indiens:
Sankar Chatterjee von der Texas Tech University in Lubbock und seine Kollegen machen nicht den Chicxulub-Einschlag vor Yukatan verantwortlich [1]. Sie denken vielmehr, dass ein noch größerer Komet, der etwas später Teile Indiens traf, der Auslöser des Dino-Sterbens war. Er schlug vor rund 65 Millionen Jahren vor der indischen Westküste ein und schuf einen Krater, dessen Durchmesser etwa 500 Kilometer beträgt - der wäre womöglich der größte der Erde (siehe Grafik).
Der Aufprall des im Durchmesser 40 Kilometer großen Geschosses hat womöglich die Seychellen von der Indischen Platte abgetrennt und den Vulkanismus auf dem Dekkan-Hochplateau angeregt. Dessen Ausbrüche gelten ebenfalls als möglicher Auslöser des Massensterbens, weil sie giftige Gase freisetzten und über die Asche und Schwefelpartikel womöglich einen vulkanischen Winter auslösten. Handfeste Belege für ihre Behauptung haben die Geologen jedoch noch nicht: Als Hinweise führen sie das unterseeische Bergmassiv Bombay High an, das im Zentrum des angeblichen Kraters liegt. An Land sollen steile Klippen und heiße Quellen auf den Impakt hinweisen, der die zuvor stabile Geologie des Subkontinents durcheinandergebracht hat. Gesteinsproben sollen nun endgültig Aufschluss bringen, ob Shiva den Dinosauriern den Tod brachte.

[1] Geological Society of America Annual Meeting, Portland (18.-21.10.2009): The significance of the contemporaneous Shiva impact structure and Deccan volcanism at the KT boundary.
Was für eine verrückte neue Erkenntnis. Als ob ein Asteoriden-Einschlag nicht hätte ausreichen sollen für das Aussterben der Dinosaurier und noch so allerhand anderes mehr. Was hat sich die Natur bloß dabei gedacht? Was für ein "Zorn", der sich da gegenüber dem ansonsten so "geschützen" Leben auf der Erde entlädt.

Axel Meyer und Joachim Bauer

Aber noch etwas anderes ist in diesem Zusammenhang spannend: Inzwischen nähert sich nämlich auch Evolutionsbiologe Axel Meyer, über den wir auf "St. gen." schon berichteten, den von Joachim Bauer vertretenen Thesen an, nämlich über die Bedeutung von Genom-Verdoppelungen in katastrophalen Aussterbe-Zeiten auf der Erde für die Weiter- und Höherentwicklung der Arten. Siehe sein zusammen mit zwei Koautoren verfaßter Aufsatz "The evolutionary significance of ancient genome duplications" in "Nature Reviews Genetics", Vol. 10, October 2009, S. 725ff. "Studium generale" behält sich vor, darauf noch einmal zurückzukommen, denn es wird mit solchen Neuerkenntnissen immer offenbarer, daß die klassische neodarwinische Theorie zur Erklärung des evolutionären Geschehens nicht ausreicht.

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