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Mittwoch, 6. Mai 2009

Vor 2.000 Jahren - Ein zäher Kampf zwischen zwei Kulturen

Neue Erkenntnisse zu den Ereignissen des Jahres 9 n. Ztr. östlich des Rheins


Offensichtlich haben die Römer nach der Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Ztr. im Römerlager Haltern an der Lippe doch noch zäheren Widerstand geleistet gegen die Germanen (siehe Bild links), als das bislang bekannt gewesen ist.

Dies scheinen zumindest neue Ausgrabungen in diesem Römerlager Haltern und ihre Auswertung aufzuzeigen, wie heute berichtet wird. (Münstersche Ztg., Focus, Münsterländ. Volksztg., Halterner Ztg.)

Da dieses Militärlager auf der Nachschublinie der Römer entlang der Lippe vom Rhein zur Weser etwa im Jahre 9 n. Ztr. aufgegeben worden sein muß - abzulesen an der Datierung seiner reichhaltigen Kupfermünz-Funde, dem Handgeld der einfachen römischen Legionäre -, war die Forschung bislang davon ausgegangen, daß dieses Lager entweder im Kampf oder kampflos von den Römern nach der Niederlage von Kalkriese 9 n. Ztr. geräumt worden sein muß. - Aber nun widersprechen gefundene, achtlos in einem Römerofen bestattete Skelette von jungen germanischen Kriegern im Alter von etwa 20 bis 30 Jahren dieser bisherigen Ansicht:
Eine sogenannte Sauerstoff-Strontium-Isotopenanalyse der Zähne ergab: Sechs der ehemaligen Männer zwischen 20 und 50 Jahren stammten aus der näheren Region, vier Personen hatten weite Reisen hinter sich. Sie kamen alle aus der gleichen Gegend, entweder aus dem Schwarzwald oder aus Böhmen, wie man an winzigen Getreidespuren feststellte, die sich in den Zähnen ablagerten.
Unter König Marbod aus Böhmen nach Kalkriese und nach Haltern an der Lippe gezogen

Diese Herkunft ist schon für sich bedeutsam, zeigt sie doch - und bestätigt zugleich die schriftlichen Berichte der römischen Historiker darüber -, daß es in der Tat in jener Zeit zu einer weitreichenden Zusammenarbeit zwischen den vielen germanischen Stämmen gekommen war, und daß die Krieger sogar aus Böhmen - unter ihrem König Marbod - (- und aus dem Schwarzwald?) gekommen waren, um den Römern östlich des Rheins diese vernichtende Niederlage beizubringen:
Alle Getöteten hatten ihre Kindheit und Jugend entweder im Umkreis von Haltern oder im Schwarzwald und Böhmen verbracht und gehörten so vermutlich zu örtlichen oder verbündeten Germanenstämmen.
Ein römisches Maultier, das in Kalkriese gefunden wurde, stammte übrigens auch aus Süddeutschland, womit die Angabe "Schwarzwald" manches Widersprüchliche aufwirft. Denn natürlich dienten auch in den römischen Legionen zahlreiche germanische Hilfsvölker. Hilfsvölker, die nach der Schlacht übrigens auch zu den Germanen übergelaufen sein könnten.
An winzigen Getreidespuren im Zahnschmelz konnte man ablesen, dass die meisten Personen aus der Umgebung von Haltern kamen, vier jedoch wohl aus Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald oder aus dem Böhmerwald stammten.
Hastig und ohne Sorgfalt in einem Töpferofen verscharrt

Aber vielleicht gibt das auch schon so ungefähr herkunftsmäßig die proportionale Zusammensetzung jener germanischen Krieger wieder, die da im Jahre 9 n. Ztr. die römische Herrschaft östlich des Rheins aus dem Lande, also aus dem "freien Germanien", fegten. - Vielleicht kamen auch Germanen, die unter der Herrschaft der Römer im Schwarzwald lebten, dazu. - Aber was noch weitreichendere Implikationen in sich bergen könnte, sind bei genauerer Betrachtung die weiteren Tatbestände:
„Die Leichen wurden nach dem misslungenen Überfall auf das Halterner Römerlager im Winter 9/10 nach Christus ohne erkennbare Sorgfalt hastig in einen der zehn Töpferöfen geworfen und verscharrt“, erklärte Dr. Rudolf Aßkamp.
Und die Schlußfolgerungen daraus:
... Viele Experten seien jedoch bislang davon ausgegangen seien, dass das Lager in Haltern unmittelbar nach der niederschmetternden Niederlage der Römer im Kampf gegen die Germanen aufgegeben worden sei, sagte Aßkamp. Falls nun Haltern bis zum endgültigen Rückzug der Römer aus Germanien im Jahr 16 nach Christus weiter genutzt worden sei, komme die römische Niederlassung nun auch als Standort für die bei Tacitus beschriebene römische Rückzugsfestung Aliso in Betracht. Über den Standort von Aliso kursierten bereits viele Theorien. Aliso würde demnach irgendwo weiter entfernt liegen. «Die Indizien deuten nun auf Haltern hin», sagte Aßkamp.
Ein kritisches Überdenken der neu erforschten Tatsachen muß tatsächlich zu dem Ergebnis kommen, daß dieses Lager zumindest für einige Wochen nach Kämpfen mit Germanen noch in Besitz der Römer war oder wieder gekommen ist. Denn wenn die Germanen das Römerlager Haltern im ersten Ansturm - oder auch in einer späteren Phase - siegreich eingenommen hätten, hätten sie, so kann man vermuten, ihre eigenen Gefallenen doch ordentlich bestattet, bevor sie abgezogen oder weitergezogen wären.

Tor eines Römerlagers

Daß dies hier ganz offensichtlich nicht geschehen ist, sondern daß die Gefallenen achtlos - also sicherlich von den Römern - "beiseite" geschafft wurden, deutet viel eher darauf hin, daß zumindest jene Germanen, die hier bestattet worden sind, eine örtliche Niederlage im Kampf um das Lager erlitten haben müssen, und daß die römische Besatzung zeitlich zumindest noch so viel Gelegenheit gehabt haben muß, umgekommene feindliche germanische Krieger achtlos zu bestatten. Man könnte auch ein Szenario entwerfen, in dem diese Germanen Opfer eines siegreichen Gegenangriffes der Römer gewesen sind.

Die Römer hielten Haltern wohl mindestens für so manche Woche gegen die Germanen

Andererseits: Warum "entsorgte" man sie in sicherlich zuvor benutzten Öfen? Dann war man sich doch einigermaßen sicher, daß man diese künftig nicht mehr benutzen würde, also daß man das Lager selbst langfristig nicht würde halten können oder wollen?

Ob nicht auch die Münzfunde schon seit langem gegen ein längeres Verweilen der Römer in Haltern nach dem Jahr 9 n. Ztr. sprechen? Da müßte man sich noch einmal die Einzelheiten in den Datierungen ansehen. - Bei dieser Bestattung handelt es sich wohl sozusagen nur um eine kurzfristige Zwischenphase der Kämpfe, und sie zeigt lediglich auf, daß die Römer durchaus noch versuchten, das Lager militärisch zu halten, auch wenn sie es dann doch wenige Wochen oder Monate später verließen.

Denkmal im so genannten "Teutoburger Wald" -
falsch plaziert, denn der Teutoburger Wald der Römer war das Wiehengebirge bei Kalkriese

So daß die weitergehend daran angeschlossenen Aliso-Thesen doch nicht so viel Zugkraft hätten? Man wird die künftigen Forschungen da mit großer Aufmerksamkeit weiter verfolgen. Auch das Römerlager Haltern an der Lippe (Wiki) jedenfalls rückt mit diesen - seit den Ausgrabungen bei Kalkriese - immer mehr in ein Bild großer und immer konkreter werdender historischer Zusammenhänge hinein. In das Bild eines zähen militärischen Kampfes zwischen zwei sehr unterschiedlichen - auch rein militärischen - Kulturen. Von allem, was über das rein Militärische hinaus geht, ganz abgesehen.

Nur eine Minderheit von germanischen Kriegern trug zu jener Zeit zum Beispiel Eisenwaffen - und zwar sowohl nach den Berichten des Tacitus wie nach archäologischen Funden: An dem langen, archäologisch ergrabenen Holzweg über das "Große Moor" (nördlich von Kalkriese) , jenem Moor, in dem die Römer "verreckten" (und möglicherweise auch jene "pontes longi" der römischen Berichte) fanden sich anstelle dessen solche gut erhaltenen Holzwaffen wie in diesem Beitrag ganz oben links abgebildet, Holzwaffen, die Schläge mit Eisenwaffen abgewehrt haben müssen, wie anhand der quergerichteten Scharten auf ihnen vermutet werden kann.

Freitag, 31. Juli 2009

Tod den Landesfeinden!

So in etwa könnte es auch nach der Schlacht von Kalkriese im Herbst vor 2000 Jahren (9 n. Ztr.) ausgesehen haben (siehe Bild rechts). Denn Angeln und Sachsen, Nachfahren der Cherusker, Chatten, Sigamber und all der germanischen Stämme im heutigen Norddeutschland und in Jütland, die ein so blutiges Gemetzel an den Römern bei Kalkriese angerichtet hatten, wanderten um 400 n. Ztr. nach England aus. Und sie wurden dort die - "Angelsachsen".

Und diese machten auch noch 900 Jahre "nach Kalkriese", nach dem Gemetzel an den römischen Legionen zwischen Wiehengebirge und "Großem Moor", und nachdem sie längst Christen geworden waren, nicht viel Federlesens mit ihren Feinden. (Epoch) Nun waren es aber nicht mehr die Römer, die sie nicht in Frieden leben lassen wollten, und die sie nicht ruhig ihr Korn anbauen und ihr Vieh weiden lassen wollten. Nein, diesmal waren es die Wikinger aus Dänemark, diese Viehdiebe und Tageräuber.

In der Nähe von Weymouth in Südengland kriegten die ansässigen Angelsachsen einundfünzig von diesen Kerlen zu fassen. Und die wurden blutig niedergemacht. Das hatten sie sich wohl doch zu einfach vorgestellt. Vielleicht konnten andere von ihnen fliehen, vielleicht aber war es auch eine Gruppe, die "bis zum letzten Mann" niedergemacht worden war. Trauer und Wehklagen jedenfalls sollten noch so manche Wochen und Monate später durch die wikingischen Heimatsiedlungen gehen, aus denen diese erschlagenen Männer stammten, und wo ihre Mütter, Schwestern und Frauen so hoffnungsfreudig auf ihre Rückkehr warteten. Und das war ja wohl auch nur recht so.

Den Göttern dargebracht

Nach "altem Brauch" wurden die Leichen der toten Feinde auf einer Bergkuppe den Göttern dargebracht. Den Göttern? Natürlich: Gottvater, Sohn "Kriste" und dem Heiligen Geist. Man glaubte, ein Gott oder den Göttern wohlgefälliges Werk getan zu haben und erhoffte ihren Segen auch noch für künftige, weitere Bestrafungen von Rechts- und Landfriedensbrüchen und für das Niedermachen eingedrungener Fremdlinge.

Nackt wuden sie ausgezogen, die Leichen der Feinde, dieser Ehrlosen. Die Köpfe wurden ihnen samt und sonders abgeschlagen. So wie es insbesondere die Kelten in ihren Viereckschanzen schon lange vor der Zeit der Römer im heutigen Frankreich mit ihren Feinden gemacht hatten. Damals wurden die Köpfe sogar auf Pfählen allen Freunden und Feinden zur Abschreckung vor die Heiligtümer gestellt. So wie es noch vor allerhand Jahrzehnten die Kopfjäger im heutigen Nordindien taten. Hier nun wurden die Köpfe nur einheitlich neben den Körpern aufgeschichtet. Damit sie auch wirklich nicht von den Göttern übersehen werden würden.

- - - Tausend Jahre später kamen dann wiederum Nachfahren dieser alten Angelsachsen an diesen Ort. Längst waren die alten Götteropfer auf dieser Bergkuppe vergessen. Und diese Nachfahren nannten sich - - - "Archäologen". Und sie scharrten neugierig und kleinfuzzelig den Staub über diesen Skeletten hinweg. Und sie resümierten schließlich:
Alle Getöteten haben das Alter und den Körperbau von Kriegern. Ihre Skelette weisen tiefe Kerben an Kiefer, Kopf und Nacken auf, die von einem schweren Kampf stammen müssen. Überreste von Kleidung können wir nicht entdecken – anscheinend landeten die Körper nackt in der Grube, nachdem jemand die Köpfe vom Rumpf geschlagen hatte.
Und voller Respekt und Ehrfurcht und mit machem Schauder und Entsetzen verstauten sie all die Überreste der erschlagenen Dänen in ihren Kartons und Schachteln.

"Ein Lohgerber neun Jahre ..."

"Was jemals faul war im Staate Dänemark," so riefen sie einander scherzend zu im Tone ihres großen Dichters, der ebenfalls schon vor allerhand Jahrhunderten das Zeitliche gesegnet hatte, "was jemals faul war, ist längst verrottet":
... Hamlet: Wie lange liegt wohl einer in der Erde, eh' er verfault?
Erster Totengräber: Mein' Treu', wenn er nicht schon vor dem Tode verfault ist (wie wir denn heutzutage viele lustsieche Leichen haben, die kaum bis zum Hineinlegen halten), so dauert er Euch ein acht bis neun Jahr aus; ein Lohgerber neun Jahre. ...
- - - Aber nicht nur von heldenhaften und wüsten Taten wissen die Bergkuppen und Chroniken jener Zeit zu berichten. Nein, es war das auch die Zeit, als sich diese verflixte Hausmaus, die uns früher immer den Käse stahl, von Oldenburg an der Ostsee (um 700 n. Ztr.) über Skandinavien nach Schottland ausbreitete. (--> St. gen.) Wiederum zusammen mit einigen von solchen wüsten Kerlen, wie sie da auf einer Bergkuppe bei Weymouth in Südengland den Göttern dargebracht worden waren.

So wüst sie gewesen sein mögen: Diese Kerle, ihre Frauen und Verwandten hatten dennoch eine komplexere Wirtschafts- und Siedlungsweise als zumindest die damaligen Schotten und Iren. Und da die Schotten und Iren erst durch die Wikinger zu dieser komplexeren Wirtschafts- und Siedlungsweise "bekehrt" wurden, leben sie noch heute mit skandinavischen Hausmäusen zusammen, während in England wohl schon "seit Stonhenge" (in der Bronzezeit) die mitteleuropäische Hausmaus Fuß gefaßt hatte. Und mit ihr auch eine so große Siedlungsdichte, daß man einundfünfzig landräuberische Kerle schon einmal ins Verderben eines Hinterhaltes laufen lassen konnte.

- Und dann hieß es nur noch: Auf sie mit Gebrüll! Tod den Landesfeinden! Tod den Okkupanten! Tod den Strauchdieben und Tageräubern!

Donnerstag, 11. Dezember 2008

... Und noch ein Schlachtfeld (3. Jhdt. n. Ztr.)

Da "Studium generale" nun schon begonnen hat, aktuelle Nachrichten über die sich derzeit ständig ausweitende "Schlachtfeld-Archäologie" weiterzugeben, sei auf die neueste Entdeckung hingewiesen:

"Es ist nicht nur eine absolute Sensation, sondern der totale Wahnsinn!"

So springt der Bürgermeister eines niedersächsischen Ortes derzeit verbal im Dreieck und in unberechenbaren Vielecken vor Begeisterung. (Stern [mit toller Google-Karte], HNA, Focus, Süddt., Welt ...)

Es handelt sich um eine Schlacht im frühen dritten Jahrhundert nach Beginn der Zeitrechnung bei dem heutigen Dorf Wiershausen in dem hügeligen Bergland zwischen Northeim und Bad Gandersheim. Also wiederum in der Nähe der A7 und sogar östlich (!!!) der Weser auf dem Weg Richtung Elbe. Das ist tatsächlich: Wahnsinn!

Römisches Schlachtfeld östlich der Weser

Man hätte doch nicht geglaubt, daß sich die Römer "nach Kalkriese" (9 n. Ztr.) und zumal so viele Jahrhunderte spaeter noch so tief ins feindliche Germanien hineingetraut hätten. Aber wie schon ein Kommentator im Netz bemerkte: Die Tatsache, daß über eine solche Schlacht von den Römern nichts schriftlich überliefert ist, könnte darauf hinweisen, daß sie für diese ebenfalls nicht besonders erfolgreich verlaufen ist.

Und man hat (seit dem Jahr 2000) schon über 600 Funde mit zahlreichen spannenden Detaileinsichten entdeckt (bspw. Holz aus Afrika, Katapult-Benutzung). Am Montag ist Pressekonferenz. Der Wissenschaftsminister von Niedersachsen, der Landrat und andere "Würdenträger" wollen einen Teil der Begeisterung auf sich ziehen und auch an ihr Teil haben.

Hier noch ein Video mit Eindrücken von dem recht bergigen Gelände dieses Schlachtfeldes, das weitaus bergiger gewesen zu sein scheint als das von Kalkriese (HNA).

Im Kernland der einstigen Cherusker

- Es handelt sich um eine sehr schöne Gegend, wie der Schreiber dieser Zeilen bestätigen kann, der bei Bad Gandersheim vor ein paar Jahren einige Tage Urlaub gemacht hat. Harzvorland, aber auch schon Anklänge an norddeutsche Tiefebene. Ackerland, begrenzt von waldigen, Eichenbestandenen Hoehenzuegen. Und das muß ja doch wirklich das Kernland der vormaligen Cherusker gewesen sein, denen der Stammesfürst Arminius entstammte, der die Römer 9 n. Ztr. bei Kalkriese schlug und später von eigenen Verwandten ermordet worden ist.

Römischer Goldhelm aus dem frühen 4. Jhdt.

Und östlich des Harzes bis hinter die Elbe lebten die Semnonen, denen schon der römische Feldherr Drusus um 9 v. Ztr. einen Besuch abgestattet hatte. Beim Rückweg fiel er vom Pferd und starb. Eine semnonische Seherin war ihm zuvor entgegen getreten mit den beschwörenden Worten: "Zurück, stolzer Drusus ..." Ein gigantisches Marschlager der Römer aus dieser Zeit wird ja gegenwärtig, wie an früherer Stelle berichtet, an der Werra, dem Zufluss der Weser ausgegraben, ebenso wie jüngst das Sommerlager des Varus an der Weser bei der Porta Westfalica entdeckt worden ist.

Die Römer könnten also weserabwärts oder werra- und fulda-aufwärts zu diesem Schlachtfeld aus dem 3. Jhdt. gezogen sein. Man kann vermuten, daß sie sich an den schiffbaren Flüssen orientierten und über sie zumindest einen Teil der Versorgung und des Nachschubs regelten, vielleicht die Katapulte über Schiffe "bis vor den Feind" transportierten.

Freitag, 17. April 2009

230 - 235 n. Ztr. - Vernichtende Schlacht gegen die Römer westlich des Harzes

Der römische Kaiser Maximinus Thrax, "der Thrakier"
und "Größte Germanenbesieger" (173 - 238 n. Ztr.)
Wie schon in einem früheren Beitrag berichtet (Stud. gen.), wurde im letzten Jahr ein neues antikes Schlachtfeld westlich des Harzes, auf dem sogenannten Harzhorn südlich von Bad Gandersheim, westlich der A 7 entdeckt. Am heutigen Freitag sind aufregende neue Forschungsergebnisse darüber veröffentlicht worden nach intensiven Forschungsarbeiten in den letzten Monaten. (Stern, DDP) Danach befand sich eine römische Armee, möglicherweise unter dem römischen Kaiser Maximinus Thrax, im Jahr 235 n. Ztr. auf dem Rückmarsch von einem Eroberungszug ins freie Germanien zurück an den Rhein, wahrscheinlich nach Mainz. (Dort wurde auf jeden Fall Maximinus Thrax, der zuvor Truppen in einem Feldzug im Freien Germanien befehligt hatte, im Jahr 235 von eben diesen Truppen zum römischen Kaiser ausgerufen.) Einer solchen Armee also wurde der Rückzug auf dem Höhenzug des Harzhornes durch germanische Stammeseinheiten versperrt. Vor der dort angelegten germanischen Berg-Befestigung (?) müssen hunderte, wenn nicht tausende von römischen Soldaten ihr Leben gelassen haben, denn hier finden sich noch heute unzählige Nägel von römischen Soldatensandalen, römische Münzen und andere Ausrüstungsgegenstände (auch Katapultgeschosse, was auf das Mitführen schwerfälliger Katapulte hinweist).
Am Harzhorn gefundene römische Lanzenspitzen
Daß die römischen Soldaten diese Schuh-Nägel im Laufen verloren haben sollen, wie im "Stern"-Artikel vermutet, wird natürlich reichlich Humbug sein. Es kann doch wohl nur von Leichenfeldern unbestatteter römischer Soldaten ausgegangen werden und das deutet darauf hin, daß die Römer diesen befestigten (?), germanischen Höhenzug nur unter schweren Verlusten oder gar nicht haben nehmen können, daß sie an diesem Ort also eine empfindliche Niederlage haben hinnehmen müssen. Das muß nicht im Widerspruch zu der Tatsache stehen, daß Maximinus Thrax zum "Größten Germanensieger" ausgerufen wurde ("Germanicus Maximus"). Diese schwülstige und oft ganz falsche, die Tatsachen auf den Kopf stellende Sprache wurde damals immer mehr üblich im Römischen Reich der Spätantike.

Daß es sich um keinen bedeutenden Sieg der Römer gehandelt haben kann, wird auch schon als Grund dafür vermutet, daß von dieser Schlacht aus römischen Quellen so gut wie gar keine Einzelheiten bekannt geworden sind. Die auf dem Schlachtfeld gefundenen Münzen sind von dem Numismatiker Frank Berger datiert worden, der aufgrund der Münzfunde auch das Schlachtfeld von Kalkriese nördlich des Wiehengebirges auf das Jahr 9 n. Ztr. datierte und damit mit zu der Erkenntnis beitrug, daß der Teutoburger Wald das Wiehengebirge ist und nicht der heute so genannte "Teutoburger Wald". (Denn der Name dieses Waldes ist allein von den Römern überliefert im Zusammenhang mit Berichten über diese Schlacht des Jahres 9 n. Ztr..) Frank Berger nimmt als Zeitpunkt der Schlacht am Harzhorn nun die Jahre zwischen 230 und 235 n. Ztr. an (s. Stern).

Das gefundene Schlachtfeld am Harzhorn ist zwei Kilometer lang und 500 Meter tief und hat schon über 800 Einzelfundstücke hervorgebracht. Damit wird der Vergleich mit Kalkriese besonders naheliegend, das Schlachtfeld jener geschichtlich bedeutenden Schlacht, die sich dieses Jahr zum 2.000. male jährt, und in der drei römische Legionen unter dem römischen Feldherren Varus durch die Germanen unter ihrem Feldherren Arminius vernichtend geschlagen worden waren. So vernichtend, daß Kaiser Augustus in Rom seine germanische Leibwache entließ, vor der er sich zu fürchten begann.
Die Ausgrabungen am Harzhorn gehen weiter. - Für weitere Einzelheiten siehe - sicherlich auch künftig: Wikipedia.

Dienstag, 26. August 2008

Diese "Barbaren" - an der Mosel, am Rhein und an der Weser

Als die Germanen vor 2.000 Jahren im Jahre 9 n. Ztr. in der "Schlacht im Teutoburger Wald", dem heutigen Wiehengebirge bei Kalkriese, die Römer vernichtend schlugen, nagelten sie Köpfe der gefangen genommenen Tribunen an die Eichenbäume, rissen ihnen zuvor die Zunge herraus und anderes mehr. - Diese "Barbararen". "Du Natter hast nun aufgehört zu zischen!," riefen sie dabei. Einige gefangene Römer konnten ja später freigekauft werden und berichten.

Immerhin, es wirkte. Wir sprechen heute Deutsch und nicht so eine "verwelschte" Sprache wie die Franzosen, Italiener oder Briten. (!)

Die Vorfahren der Franzosen taten das mit dem Annageln der Köpfe ihrer Feinde auch, wie aus obigem Bild ersichtlich. (FR-Online.de) Aber damals waren die Römer vielleicht noch nicht "verweichlicht" genug. Der Cäsar machte ihnen jedenfalls dennoch den Garaus (bis auf ein abseitiges Dorf in Gallien natürlich ...).

Römische Geschichtsschreiber waren ehrliche Leute

Viele "germanophile" Leute sagen ja, die römischen Geschichtsschreiber hätten die Germanen nicht richtig beschrieben, sondern als viel zu primitiv, barbarisch. Wenn die Kelten in ihren Viereckschanzen Menschenopfer dargebracht haben, wofür es in zwischen unzählige archäologische Belege gibt - der obige ist wohl nur noch der letzte, ultimative -, dann ist es doch keineswegs unplausibel, daß das auch unsere Vorfahren schon seit vielen Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden damals gemacht hatten. Vielleicht sind auch wir schon viel zu "verweichlicht", um das zumindest "verstehen" zu können.

Wir müssen ja nicht alles nachmachen, was "unsere Ahnen" einst taten. (Siehe auch weitere Beiträge über "Menschenopfer" und Kanibalismus auf Stud. gen..)
Einen menschlichen Schädel mit einem durchgeschlagenen, eisernen Nagel haben Archäologen bei Ausgrabungen nahe Kobern-Gondorf an der Mosel entdeckt. Wahrscheinlich handele es sich um den Schädel eines römischen Legionärs, den Kelten etwa 50 vor Christus nach einem Kampf als Trophäe aufbewahrten, teilte die Generaldirektion Kulturelles Erbe am Montag in Koblenz (Rheinland- Pfalz) mit.

Nach Angaben des Archäologen Axel von Berg ist es die erste Kopftrophäe, die so gut erhalten in Deutschland gefunden wurde. Europaweit seien den Experten nur wenige Vergleichsfunde dieser Art bekannt.

Von Berg hält es für denkbar, dass der Schädel zu einem Legionär der Truppen von Julius Cäsar gehörte. Bei ihren Feldzügen gegen Gallien seien die Römer 55 und 53 vor Christus im Neuwieder Becken unterwegs gewesen, um den Rhein zu überqueren.

Die Kelten sammelten nach Erkenntnissen der Experten üblicherweise die Köpfe der im Kampf erschlagenen Legionäre. Diese präsentierten sie dann in ihren Siedlungen, indem sie sie an den Portalen ihrer Häuser annagelten. Der Brunnen, in dem der Schädel entdeckt wurde, gehörte zu einem spätkeltischen Gehöft.
Frühere Beiträge auf "Studium generale" zu Themen wie Schlachtfeld-Archäologie, "furor teutonicus", "thymotischen Energien", gnadenlose Freund/Feind-Unterscheidung und dem Kampf selbst als eine Art von Religion werden - unter anderem - unter dem Schlagwort "Kalkriese" zusammengefaßt --> hier (ältere) und hier (neuere).

Donnerstag, 28. August 2008

Das Sommerlager des Varus an der Weser 9 n. Ztr. entdeckt

Höchstwahrscheinlich ist das Sommerlager des Varus aus dem Jahre 9 n. Ztr. entdeckt worden, jenes Sommerlager an der Weser, von dem er Anfang Herbst vor (nächstes Jahr) 2000 Jahren in seinen Untergang nach Kalkriese ins "Große Moor" gezogen ist. Das Sommerlager lag in Porta Westfalica-Barkhausen (Wiki).

Abb. 1: Ausgrabungen auf dem Areal des Römerlagers bei Porta Westfalica-Barkhausen, im Hintergrund der Wittekindsberg mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal - Fotograf: Ronald Reimann, 2008 (Wiki)

Hier ist ein schönes Video über die gegenwärtigen Ausgrabungen. Viele - und erschöpfende - Zeitungsberichte dazu findet man gegenwärtig hier.

Es wäre das eine glänzende Ergänzung zu der Entdeckung des eigentlichen Schlachtfeldes bei Kalkriese vor 20 Jahren.

Montag, 22. September 2008

Das Römerlager bei Hedemünden an der Werra (9 v. - 9 n. Ztr.) - Fortsetzung

Römische Eisenfessel aus Hedemünden/Werra

Vor wenigen Wochen berichteten wir über die Entdeckung des Sommerlagers des römischen Feldherren Varus an der Weser. (Stud. gen.) Und schon vor einem Jahr haben wir über das Römerlager von Hedemünden weiter flußaufwärts an der Werra berichtet, das vor zehn Jahren durch Raubgräber entdeckt worden war. (Wikipedia, Stud. gen.) Die Erforschung dieses letzteren Römerlagers hat inzwischen deutliche Fortschritte gemacht. (Epoc) Die Archäologen haben dort inzwischen über 1.700 Waffen, Werkzeuge und Alltagsgegenstände gefunden, darunter eine Eisenfessel wie oben abgebildet. Auch zahlreiche Gebäudefundamente.

Und offenbar besteht die Vermutung, daß dieses Römerlager an der Werra nicht nur über den Landweg, sondern auch von der Nordsee über die Weser per Schiff von den Römern erreicht und versorgt wurde. Die gefundene Eisenfessel ist in ihrer Art bislang einmalig für die römische Zeit und erinnert an ähnliche Geräte aus dem Mittelalter ("Halsgeige"). Entweder diente sie für Strafen an den Soldaten selbst oder für den Sklavenhandel mit den einheimischen germanischen Stämmen.

Rekonstruktion - Blick von Osten (von der Ortschaft Hedemünden)
auf das imposante Lager über einer Werrafurt

Bei Wikipedia heißt es über das Lager zusammenfassend zur zeitlichen und räumlichen Einordnung:
Nach den archäologischen Befunden wurde das Lager Hedemünden um etwa 11 bis 9 v. Chr. gegründet. Es bestand mindestens bis 8 oder 7 v. Chr., eventuell auch noch bis in die Jahre nach Chr. und bis zur Varusschlacht. Letztlich kann es noch einmal in den Jahren 15 und 16 n. Chr. während der römischen Revanchefeldzüge unter Germanicus eine Rolle gespielt haben. Mit Hedemünden wurde ein wichtiger strategischer und logistischer Lagerkomplex der römischen Vorstöße entdeckt. Er orientierte sich an der Überquerung einer alten Fernstraße, die von Nordhessen nach Südniedersachsen führte, über die Werra, die als Oberlauf der Weser noch rund 150 Kilometer weiter flussaufwärts schiffbar war und gleichermaßen eine wichtige überregionale Verkehrs- und Handelslinie darstellte. Hedemünden (...) ist bislang das am weitesten nach Osten vorgeschobene bekannte Lager in Germanien.
Auch die römische Militärstraße nach Hedemünden und über das dortige Kastell hinaus wird inzwischen archäologisch erfaßt. Damit wird immer deutlicher, wie umfassend die römischen Eroberungen des freien Germaniens ins Auge gefaßt und durchgeführt wurden. Die Zangenbewegung über die Landwege und über die Flußläufe von Weser und Werra (zum Teil auch über die Elbe) hätten sicherlich nur wenige Jahrzehnte später in der vollständigen Eingliederung der nordeutschen Tiefebene in das römische Weltreich geführt, wenn eben nicht dort sich der Widerstand gesammelt hätte, der sich in der Schlacht von Kalkriese im Jahr 9 n. Ztr. manifestierte. (Stud. gen. 1, 2, 3)

Samstag, 18. April 2009

Und was sagt Thusnelda? - Zu Macht und Einfluß germanischer Frauen

Eine Vortragsreihe an der Freien Universität Berlin

Hochkarätig besetzt ist eine Vortragsreihe aus Anlaß der 2.000. Wiederkehr des Jahres der "Schlacht im Teutoburger Wald" (am Nordrand des heutigen Wiehengebirges bei Kalkriese) im Jahre 9 n. Ztr. an der Freien Universität Berlin (--> Varus.topoi.org).

Am 20.4.2009 wird der Osnabrücker Archäologe Reinhard Wolters sprechen, eine Woche später auch die die Ausgrabungen leitende Archäologin Susanne Wilbers-Rost. Beide Vorträge werden sehr spannend sein. Eine Woche später spricht Uwe Puschner, Spezialist für die Geschichte der völkischen Bewegung in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts, über den Arminius-Mythos im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Woche später kommt dann der Althistoriker Alexander Demandt dran, auf den wir hier auf dem Blog schon an anderer Stelle hinwiesen.

Abb.: Thusnelda im Triumphzug des Germanicus (Karl von Piloty, 1873)

Bemerkenswerterweise wird in dieser Vortragsreihe auch der Ehefrau des Arminius gedacht. Zwei Wochen später lautet das Thema nämlich:

"Und was sagt Thusnelda? Zu Macht und Einfluß germanischer Frauen"

Dieser Vortrag von Dagmar Beate Baltrusch könnte besonders spannend sein, da die Stellung der Frauen in der heidnisch-germanischen Gesellschaft eine ganz andere war als seither in der christlichen Gesellschaft. Man sprach den Frauen besondere religiöse Bedeutung zu (in vollem Gegensatz zum Christentum und Judentum). Sie spielten bei der Vermittlung von Friedensverträgen eine große Rolle - z.B. die Seherin Weleda, bzw. Veleda (ADB, Wiki, engl) in ihrem Turm - und viel anderes dergleichen mehr.

Als Arminius seinen Bruder, der auch nach der Schlacht im Teutoburger Wald noch als Reiteroffizier in römischen Diensten stand, in einer Unterredung an der Weser auf seine Seite herüberziehen wollte, sprach er laut Tacitus ...

... von der heiligen Pflicht gegenüber dem Vaterland, von der von den Vätern ererbten Freiheit, von den heimischen Göttern Germaniens, von der Mutter, die sich seinen Bitten anschließe. Er solle nicht zum abtrünnigen Verräter an seinen ferneren und näheren Verwandten, ja an seinem eigenen Volke, vielmehr dessen Heerführer werden.

Also auch hier steht die Mutter auf einer Ebene mit dem Vaterland, der ererbten Freiheit und den heimischen Göttern. Deshalb ist es um so unverständlicher, daß als "offizielle" deutsche Nationalhymne nur die dritte Strophe des von Heinrich Hoffmann von Fallersleben gedichteten Deutschlandliedes gelten gelassen wird. Als könneman auf die zweite Strophe so leicht verzichtet werden, die da doch lautet (Wiki):

Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!

(Siehe auch: "Thusnelda".) - Am 6.7. wird außerdem über das neu entdeckte Schlachtfeld am Harzhorn um 230 n. Ztr. berichtet.

Das Grab des Arminius (Caspar David Friedrich, 1813/14)

Donnerstag, 4. August 2011

Schlacht mit Holzknüppeln in der Ostsee-Region, 1200 v. Ztr.

Vorbemerkung: Dieser von uns vor drei Jahren erstellte Blogbeitrag erhält neue Aktualität durch neue Veröffentlichungen (siehe 1, 2). Insbesondere liegen jetzt offenbar eindeutigere zeitliche Datierungen vor, die auf 1200 v. Ztr. (nicht 1300 v. Ztr.) hinweisen.

Die vielen gefunden Bronzen geben heute schon ein weniger "primitives" Bild als noch vor drei Jahren (Presse, 25.5.11)
 

 




Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet von den germanischen Stämmen seiner Zeit (1. Jhdt. n. Ztr.), daß bei diesen nur die Wohlhabenden über Metallwaffen verfügt hätten, und daß die einfachen Krieger Holzknüppel benutzt hätten. Lange Zeit war der keulenschwingende "Bühnengermane" der Wagner-Opern als eine schwülstige Übertreibung angesehen worden. Ihm waren die "edlen Germanen" gegenüber gestellt worden, die natürlich "niemals" mit Holzkeulen gekämpft hatten. Nun, heute bekommen wir jenes differenzierte Bild, das der Wahrheit am nächsten zu kommen scheint. Sie haben schlicht mit beidem gekämpft: Mit Holzkeulen ebenso wie mit Bronzewaffen!

Freitag, 3. Juli 2009

Deutschland, repräsentiert auf einer Briefmarke

"2000 Jahre Varusschlacht". Eine neue Briefmarke, die das Bundesfinanzministerium herausgebracht hat im Gedenken an die Schlacht bei Kalkriese zwischen Wiehengebirge und "Großem Moor" im Jahre 9. n. Ztr. gegen die römischen Okkupanten.

Freitag, 3. Juni 2011

"Diese Zuversicht, welche die kommende Vernichtung bejaht ..."

"Im Wirken Satans die Allmacht Gottes sehen" - Friedrich Hielscher: SS-nah, okkultgläubig, rechtskonservativ, "Neuheide", als Gesprächspartner international geschätzt

Es findet sich ein Aufsatz über Friedrich Hielscher (1902-1990) (Wiki) (1) - jenen neuheidnischen Religionsgründer im Umfeld von Rechtskonservativen, NSDAP und SS, auf den wir schon im Buch des Rudolf Steiner-Verehrers Trevor Ravenscroft gestoßen (GA-j!2011) waren. Dort wurde er als ein ranghohes Mitglied der vorgeblich einflußreichen satanistischen Okkultloge "Vril" bezeichnet. - Schon im Leitwort dieses neuen Aufsatzes nun wird mit Ernst Jünger schlicht und schnörkellos die Zwangsherrschaft und Tyrannei verherrlicht:

"Zwei Tyrannen tun dem Deutschen not: ein äußerer, der ihn zwingt, sich der Welt gegenüber als Deutscher zu fühlen, und ein innerer, der ihn zwingt, sich selbst zu verwirklichen."
Ernst Jünger

Wie mußte man sich da über einen Adolf Hitler freuen. Unter dieses Leitwort wird jedenfalls in diesem Aufsatz das Leben des Friedrich Hielscher gestellt, des lebenslangen engen Freundes und Gesinnungsgenossen von Ernst Jünger und - damit - möglicherweise auch des Gestapo-Generals Werner Best. Was mußs angesichts eines solchen Leitwortes von einem solchen Aufsatz noch alles erwartet werden? Wir deuten schon im Zitat der Überschrift an, daß uns hier wieder einmal erneut ein ideologisches, wohl gar satanistisches "Selbstmordprogramm" erwartet. Ein solches, das Friedrich Hielscher offenbar zu einem so geschätzten Gesprächs- und Briefpartner so unterschiedlicher Leute gemacht hat wie den jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber, den Jesuitenpater Muckermann, den katholischen Theologen Karl Rahner oder den Bundespräsidenten Theodor Heuß.

Einiges Wesentliche, was man diesem Aufsatz entnehmen kann, soll im folgenden zusammengestellt werden. Friedrich Hielscher legte 1919 mit 17 Jahren sein "Kriegsabitur" ab. Im Juni 1919 schloß er sich dem Freikorps Hasse an (1):

Zu den Freikorpskameraden Hielschers gehörte Arvid von Harnack, der später durch seine Mitarbeit in Harro Schulze-Boysens Roter Kapelle zu Berühmtheit gelangen sollte.

Die Rote Kapelle gab militärische Geheimnisse an die Sowjetunion weiter, was ganz im Sinne der "Ideologie" auch eines Friedrich Hielscher geschehen sein könnte, der ja ebenfalls schon früh den kommunistischen "Osten" dem kapitalistischen Westen gegenüber bevorzugte, gerne auch unter der Prämisse, daß damit "Vernichtung alles Bestehenden" verbunden sein könnte (siehe unten). An anderer Stelle heißt es für die späten 1920er Jahre (1):

Von Dauer war die weitere Beteiligung als Alter Herr am Verbandsleben der (Studentenverbindung) Normannia Berlin, wo Hielscher die Bekanntschaft von Persönlichkeiten wie Horst Wessel, Hanns Heinz Ewers und Kurt Eggers machte.

Dem in diesem Aufsatz von Hielscher Zitierten ist zu entnehmen, daß Hielscher im Großen und Ganzen wenig Eigenständiges geäußert hat, stattdessen vor allem jene verworrenen, verschwommenen Gedanken, wie sie unter "Konservativen Revolutionären" spätestens ab etwa 1926/1927 gängige Münze geworden waren, bloß noch einmal neu formuliert. Aber auffällig und eine Besonderheit ist, daß schon in den ersten Veröffentlichungen Hielschers im Jahr 1927 satanistische Bezüge hindurchklingen.

"Wenn Luther im Wirken Satans die Allmacht Gottes geschehen sah" (1927) 

Und es wird vor allem auch der Gedanke vom "blindwütigen" "Kampf" als alleinigen oder vorwiegenden Sinn des Lebens gefeiert. Ganz im Sinne des lebenslangen Hielscher-Freundes Ernst Jünger, der in seiner Schrift "Strahlungen" auch selbst auf Hielscher häufig Bezug nimmt. Und dazwischen fallen dann geradezu "blitzartig" solche merkwürdigen Sätze wie der Satz über Marin Luther, der "im Wirken Satans die Allmacht Gottes gesehen" hätte. Aber auch sonst klingt alles merkwürdig "hart", "grausam" und "erbarmungslos" und irgendwie nach der "Kultur" von Männerbünden (nach: 1; Hervorhebungen nicht in der Quelle selbst, nach der zitiert wird):

"Das versteht nur ein Deutscher, daß man sich gegenseitig die tiefsten Wunden schlagen und dennoch die beste Freundschaft halten kann. "

Man faßt sich wahrlich an den Kopf bei solchen Sätzen.

"Der Kampf wird zum Selbstsinn" (1927)

Eine solche Haltung soll eine ganz tolle deutsche Eigenart sein? Man soll entschuldigen, ja, geradezu darüberhinweg gehen, daß einen der beste Freund zutiefst verletzt hat. Schon Friedrich Nietzsche hat das ganz anders gesehen: "Ich vergebe dir, was du mir tatest. Aber daß du es dir tatest, wie sollte ich dir das je vergeben können?" - Hielscher jedenfalls weiter:

"Denn der Deutsche ist in seinem Innern selber so: hundert- und tausendfältig zerrissen, ein Schlachtgebiet aller holden und unholden Geister, und aus dieser Zerrissenheit seinen Stolz herausholend ...
- Mann, oh Mann ... - 
... und eine höhere Einheit, die über allem Ernste sich ein Lächeln bewahrt hat, und über allen Abgründen eine einsame und lichte Höhe, die ihren Glanz in alle Tiefen schickt ... Wenn Eckehart die brennende Seele lehrte, in der doch eine ungetrübte schweigende Stille herrscht, wenn Luther im Wirken und durch das Wirken Satans die Allmacht Gottes geschehen sah, wenn Goethe alles Drängen und Ringen als ewige Ruhe in Gott erlebte, wenn endlich Nietzsches Welt des Willens zur Macht, diese Welt des Ewig-sich-selber-Schaffens und Ewig-sich-selber-Zerstörens als endloser Kreislauf zu sich selber guten Willen hatte, so war das immer nur das alte Lied"
(gemeint: der nordischen Mythologie).

"So wird der Kampf zum Selbstsinn, und die Treue in diesem Kampfe ist das Höchste. Es gibt nichts anderes. Um des Kampfes willen ist die Innerlichkeit da, weil sie die Kraft zu diesem Kampfe gibt ... Das ist eine ganz andere Treue, als die Gegenwart sie kennt. Das ist die Treue, die alles opfert, den Schwur, die Ehre, das eigene Blut; die Treue, die nur das eigene Werk und seine Vollendung im Kampfe kennt."

Hört man nicht durch wie hier nur Phrasen gedroschen werden?

"Ein Schlachtgebiet aller holden und unholden Geister" (1927)

Daß man sich in und aus Freundschaft Wunden schlägt, klingt nun wirklich ziemlich deutlich nach "faustischer Seele", nach "schlagender" Studentenverbindung - wenn nicht sogar ziemlich deutlich - wie jener Satz über Luther - überhaupt nach Satanismus. Hielscher (nach 1):

Das Reich ist noch nicht stark genug, um oberirdisch gedeihen zu können. Es ist verborgen im Inneren seiner Glieder, eines neuen Menschentypus, keine sichtbare Gestalt. Innerlichkeit und Wille zur Macht verknüpfen sich miteinander.

Auch hier klingt allzu deutlich Geheimbündelei, Männerbündelei und ein organisiertes "geheimes Deutschland" hindurch. Ebenso bei der These, es bliebe angesichts der Ohnmacht des derzeitigen Deutschland übrig ...

... einzig und allein ein verbissenes, unterirdisches, schweigendes und selbstverleugnendes Arbeiten.

Hielscher glaubt nun an die Zukunft der "Völker des Ostens", an die Zukunft "Chinas, Indiens und Rußlands" (nach 1):

In der Verehrung des Ostens verbeugt sich der Deutsche "vor einer weiten unendlichen, durchaus uneuropäischen und geheimnisvollen Welt einer sehnsüchtigen und zutiefst ruhigen Weisheit und Selbstsicherheit, aus der er seine Kraft strömen fühle". Die deutsche Innerlichkeit ist ein Widerspruch gegen den Westen und dessen Zivilisationsdenken. "Die Völker des Ostens glauben an unverrückbare Kräfte, denen sie sich verdienstet wissen, aus denen ihre Art entspringt, und zu der sie zurückkehrt, wenn ihre Stunde geschlagen hat. Der Deutsche gehört zum Osten und nicht zum Westen. Der Westen ist Zivilisation, der Osten ist Kultur."
Was für ein schnöseliger Quark. Was für ein Quark. Und man beachte: Die Kultur "Chinas, Indiens und Rußlands" ist hier gemeint. Sie wird auf eine viel höhere Stufe gestellt, als die vorgeblich vornehmlich durch die römisch-katholische Kirche, die Freimaurerei und das Judentum gesprägte "Zivilisation" und den Kapitalismus der westeuropäischen und nordamerikanischen Gesellschaften. Hielscher weiter:
"Die Zivilisation ist auf dem Gelde und der Berechnung aufgebaut und kennt keine Innerlichkeit. Die Kultur errichtet auf dem Grunde einer unerschütterlichen Gewißheit die Werke einer hohen Kunst, eines demütigen Denkens, einer hingebenden Weisheit. Die Völker des Westens sind Zivilisationsvölker, die Völker des Ostens tragen ihre großen Kulturen."

Unglaublich dummer Quark.

Hielscher auf Seiten der NS-Partei-Linken

Aber all das läßt natürlich viel östlich-okkulte Hintergründe erahnen, wenn man die Völker eines William Shakespeare und Charles Darwin, eines Giordano Bruno und eines Voltaire als Völker bezeichnet, die ihre großen Kulturen nicht tragen würden. - Ob hier auch an so "kleine" Völker wie die Ukrainer gedacht worden ist oder die Kosaken oder die Tibeter oder die Japaner, geht aus diesem Aufsatz und seinen Zitaten nicht hervor. Wir erfahren weiter über Hielscher (1):

Der Kampfverlag der NS-Parteilinken unterstützte Hielschers internationalistisch-nationalistische Thesen ebenso wie Franz Schauweckers "Standarte". Bezeichnenderweise kam vom hitleristischen "Völkischen Beobachter" und von den Vereinigten Vaterländischen Verbänden schroffe Ablehnung.

Hielscher sah die Links-Rechts-Verteilung der Parteien, wie er in seinen Memoiren in den 1950er Jahren schrieb, als einen zu schließenden Kreis an. Aber zwischen den Kommunisten, so schrieb er über die 1920er Jahre, ...

... "und den Nationalsozialisten klaffte eine Lücke, die sich um so weniger schließen konnte, als die Nationalsozialisten und die Kommunisten bereits nur noch dem Namen nach Parteien waren, in Wirklichkeit aber Horden, und zwar Horden in Bundesgestalt und mit parlamentarischer Maske. Sie wollten Massenbewegungen sein, gaben sich vor ihren gutwilligen Anhängern das Gesicht eines Bundes und spielten nach außen die Partei, um nicht verboten zu werden. Den Bund kennzeichnet im Aufbau die gegenseitige Verpflichtung zwischen Haupt und Gliedern, im Wesen der Geist, der sie verbindet, sei es nun ein Glaube oder auch nur eine besondere Menschlichkeit, im Sinne der freiwilligen Dienste an diesem Geiste und im Zwecke das Ziel, das er dem Haupte und den Gliedern aufgibt.  Der Horde mangelt im Aufbau die Gegenseitigkeit, im Wesen der Geist, im Sinne der freie Wille und im Zwecke das Ziel. An die Stelle der Gegenseitigkeit tritt der einseitige Gehorsam, an die Stelle des Geistes das Programm, an die Stelle des freien Willens der Zwang und an die Stelle des Zieles der erstrebte Vorteil und Nutzen, sei es des Hordenführers allein, sei es zugleich seiner Garde oder der ganzen Horde. (...)
So sehen wir nicht nur an den äußeren Flügeln des Parteienhufeisens zwei offenkundige Horden in Bundesgestalt und mit scheinbündischen Gliederungen wie hier der SA oder der SS und dort dem Rotfrontkämpferbunde, sondern auch bis fast in die Mitte heran jede Partei bemüht, sich eine Horde heranzubändigen oder sich eines Bundes zu versichern. (...)  Zwischen den beiden Hordenflügeln aber kochten die Einzelgänger ihren Trank und bildete sich Bund. Hier schlugen die Flammen von rechts nach links herüber, um der Feuerzange die nötige Glut zu geben."

Ein unglaublich schnöseliges, hohles Gerede. Aber auch hier spürt man viel Wissen um geheimbündlerisches Geschehen im Hintergrund mitschwingen, von dem ja auch der NS-Partei-Linke Otto Strasser so viel wußte (siehe die Schrift von Franz Wegener über Paehlke-Weishaar, bzw. künftige Beiträge hier auf dem Blog).

"Hielscher bewegte sich in bunt zusammengewürfelten Zirkeln"

Vielleicht war das aber auch nur eine Umformulierung seiner Gedanken, als er in der "Bundes"republik Deutschland lebte. Unter einem "Bund" läßt sich ja sehr vieles verstehen. Jünger-Freund Werner Best und viele weitere führende Gestapo-Führer schwärmten noch lange nach 1945 von dem "Gemeinschaftsgefühl statt Individualismus", das in den vielen völkischen Klubs und Orden der 1920er Jahre gepflegt worden sei. Weiter erfahren wir in dem genannten Aufsatz (1):

Unterhalb der agitatorischen Ebene verkehrte Hielscher in diversen Zirkeln, von denen vor allem der Salon Salinger zu nennen ist. Der jüdischstämmige Hans Dieter Salinger, Beamter im Reichswirtschaftsministerium und Redakteur der "Industrie- und Handelszeitung", versammelte hier einen bunt zusammengewürfelten Kreis um sich. Neben Hielscher sind hier Ernst von Salomon, Hans Zehrer, Albrecht Haushofer, Ernst Samhaber oder Franz Josef Furtwängler, die rechte Hand des Gewerkschaftsführers Leipart, zu nennen.

Dies mußte in der Tat "unterhalb der agitatorischen Ebene" geschehen. Denn was hätte wohl die Antisemiten-Partei NSDAP, diese in den Augen Hielschers "unelitäre" "Horde" zu einem Rechtsintelektuellen gesagt, der in einem jüdischen Salon ein und aus gegangen war? Jedenfalls erinnert auch hier manches an Werner Best, der ähnlich wie Hielscher auf "vielen Hochzeiten tanzte" und bei vielfältigen völkischen Klubs, Zirkeln, "Arbeitsgemeinschaften" und Orden mitmischte und in denselben eine "Kamarilla" um sich versammelte. Daß hier Albrecht Haushofer genannt ist, der ebenso wie Hielscher damals so deutlich in "pan-arischer" "Geopolitik" gemacht hat, würde eine damit also keineswegs unwichtige Angabe von Trevor Ravenscroft gewissermaßen bekräftigen, nach der beide leitende Personen in der internationalen satanistischen, pan-arischen Okkultloge "Vril" eine Rolle gespielt hätten. Wobei Hielscher aber in der Logenhierarchie noch höher gestanden sei als Haushofer.

Das "bunt Zusammengewürfelte" könnte man übrigens auch als eine Parallele empfinden zu den "bunt zusammengewürfelten" Mitgliedern in der Geschichte der "Fraternitas Saturnis". Wie man ja überhaupt in Okkultkreisen leicht "bunt zusammengewürfelt" sein kann. Da treffen dann vormalige Kommunisten wie Rudolf Steiner oder Eugen Grosche auf gegenwärtige Nationalsozialisten und künftige Liberale und verstehen sich alle ganz prächtig miteinander. Von einflußreichen Jesuitenpatern, jüdischen und katholischen Theologen und Religionsphilosophen natürlich mit Zeichen des Wohlwollens begleitet.

"Die kommende Vernichtung" (1931)

Aber dann im Jahr 1931 kommt es ganz dick. Da fällt nun in den Worten Friedrich Hielschers auffälligerweise besonders häufig der Begriff "Vernichtung". Vernichtung aller bestehenden Ordnung, insbesondere auch von jeglichem Privateigentum. Er äußert also klar kommunistische Gedanken. So daß man fast das Gefühl bekommt, als hätte Hielscher schon 1931 die Bolschewisierung und Sowjetisierung Mitteleuropas von Seiten des von ihm und der NS-Linken favorisierten "Ostens" aus "frohgemut" vorausgesehen. Ja, richtiggehend "erhofft" und darauf hin gearbeitet.

So wie dies dann auch Beamte des britischen "Foreign Office" schon im Jahr 1941 ziemlich unverhohlen taten (vgl. "Wie kam Stalin in die Mitte Europas?"). Wobei nach Hielscher möglicherweise eine Art damals schon angedachtes "Nationalkommittee Freies Deutschland" den Geist eines von ihm so benannten "unwandelbaren", "unsichtbaren" Reiches gegenüber dem deutschen Volk würde vertreten müssen. Vielleicht darf man diesen "Geist" auch verköpert sehen in solchen Freunden des Gestapo-Generals Werner Best wie Ernst Achenbach, der 1933 unter deutschen Industriellen Parteispenden für Adolf Hitler sammelte und 1970 die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie in den Ostverträgen anbahnte (Achtung! Wieder: "Ostverträge"!!!):

"Diese Zuversicht, welche die kommende Vernichtung bejaht, glaubt an das unvernichtbare ewige Wesen des Reiches."
Solch einen Satz kann man sich nicht genug auf der Zunge zergehen lassen. Er klingt mehr als okkult. Er klingt satanistisch. Da scheint jemand in der Tat "im Wirken Satans die Allmacht Gottes" zu sehen. Beziehungsweise gemäß eines Grundsatzes der "Fraternitas Saturnis": "Sind nicht jene, die Welt verderben, die Brüder der Tugendreichen?" Aber hallo! Bejahe deinen gesellschaftlichen Selbstmord und glaube an das unvernichtbare, ewige Wesen "des Reiches". "... Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden ...." Oder noch einmal Hielscher:
"Die Entscheidung, die sich hier vorbereitet, bedeutet die vollkommene Vernichtung der heutigen Ordnungen und Güter."

"Die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges werden gering vor dieser Zukunft" (1931)

Oder:

"Die Vernichtung dessen, was heute besteht, ist sogar notwendig. Denn daß der Westen die Entscheidung gerade in dem Raume zwischen Rhein und Weichsel sucht, liegt an dem Rang, den dieses Gebiet innerhalb der - westlichen - Weltwirtschaft besitzt. Weil China, Indien und Rußland bereits zum größten Teile aus ihr heraus gefallen sind, darf sie Deutschland nicht auch noch verlieren, um keinen Preis. Sonst ist sie selbst verloren. Darum setzt der Untergang des Westens die Vernichtung dessen voraus, was heute Deutschland heißt, was mit dem Wesen des Reiches nur mehr den Namen gemeinsam hat.

Die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges werden gering vor dieser Zukunft."

Das sind alles furchtbare Worte und Ankündigungen. Im Jahr 1931. 

In all diesen Ausführungen wird schon deutlich, daß Hielscher mit jenem neuen mitteleuropäischen Krieg, Bürgerkrieg, ja, Weltkrieg, bzw. "Weltbürgerkrieg" im Jahr 1932 rechnet, vor dem zu gleicher Zeit Erich Ludendorff warnte, auf den sich die Sowjetunion unter den Marschällen Stalin und Tuchatschewski und mit dem ukrainischen Hungerholocaust und einer dadurch finanzierten gigantischen Militärrüstung ebenso vorbereitete, wie das Polen Pilsudskis seinen "Präventivkrieg" gegen eine Wiedererstarkung Deutschlands vorbereitete und zuversichtlich erwartete - im Zusammenwirken mit Frankreich und England. Auch an die zehn Millionen Toten des ukrainischen Hungerholocaustes darf man denken, wenn man diese Worte Hielschers liest, der die "Kultur des Ostens" so sehr preist. Hielscher:

"Die Wissenden erkennen sich auf den ersten Blick. Sie haben einander gefunden und finden sich weiter,"
aber hallo: Wohl zu den furchtbarsten satanistischen Verbrechen, die nur denkbar sind? Hielscher weiter 1931:
"Die Menschen des unsichtbaren Kerns haben einander entdeckt."
Und egal, ob dabei ein paar Millionen drauf gehen. Hinter all diesen Worten darf, ja muß man wohl eine umfassende und weit fortgeschrittene okkulte Verblödung vermuten. Sie erst wird Friedrich Hielscher in den Augen etwaiger internationalen Leiter von Okkultlogen oder Geheimdiensten als so geeignet dafür angesehen haben, daß er führende deutsche (NS-)Politiker beraten könne. Ja, in vielen seiner Aussagen schwingen eschatologische, geradezu endzeitliche Vorstellungen mit hinein. Dem müssen wir auch in künftigen Beiträgen noch genauer nachgehen. Denn so geht es dann auch "fröhlich" nach 1933 weiter. Wir lesen (1):
Ziemlich zutreffend rechnete er - nach der NS-Machtergreifung - mit einer Dauer des Tausendjährigen Reiches von ca. 12 Jahren, während der Großteil der nationalrevolutionären Parteigänger Hitler zu diesem Zeitpunkt nicht ernst nahm.

Woher nahm er solches "prophetische" Wissen? Wie konnte er damals schon wissen, daß zwölf Jahre später "der Osten" in Berlin residieren würde?

".... des vor uns stehenden Zweiten Erdkrieges" (1934)

1934 veröffentlicht er Sätze wie diesen, in denen er Gedanken von 1931 wiederholt, also keineswegs aufgegeben hat:

"Durch die von Deutschland ausgehende Erschütterung ist es zum entscheidenden Lande auch des vor uns stehenden Zweiten Erdkrieges geworden. Es leuchtet ein, daß dort, wo alle Kräfte sich überschneiden, die Entscheidung fallen muß."

Wie wahr vorausgesagt. Die Entscheidung fiel, als sich an der Elbe amerikanische und sowjetische Truppen die Hand reichten. Wolfram Sievers, einer seiner "Schüler", wurde 1935 Geschäftsführer der SS-nahen Kulturstiftung Ahnenerbe (1):

Die völkisch-indogermanischen Elitevorstellungen der Hielscher-Gruppe 

- von der wir an dieser Stelle in diesem Aufsatz zum ersten mal hören! - 

trafen sich durchaus mit denjenigen der SS. (...) Zunächst beteiligte der Geschäftsführer sich daran, das bäuerlich-defensive Element des Reichsnährstandes aus dem Ahnenerbe hinauszudrängen

- also war man selbst außenpolitisch keineswegs "defensiv", es gab aber Kräfte auch im Nationalsozialismus, die "bäuerlich-defensiv" gesonnen gewesen sind - 

und stattdessen dem soldatischen Charakter der SS-Ideologie mehr Platz zu verschaffen. Von Bedeutung war neben frühgeschichtlichen, volkskundlichen und indogermanologischen Forschungen z.B. der Versuch, die deutschen Hochschulen zwecks Schaffung eines neuen wissenschaftlichen Geistes von der Schutzstaffel infiltrieren zu lassen.

Dieser Geist wirkt, wir wiesen schon an vielen früheren Stellen darauf hin, fort. Nicht nur an Universitäten und Forschungsinstituten, sondern auch in zahllosen Ministerien und Behörden. In Deutschland Ost wie in Deutschland West.

Ob sich wohl irgendwo auch einmal, so möchte man fragen, Menschen wie Aleister Crowley, Allen Dulles und Friedrich Hielscher getroffen haben, um miteinander abzustimmen, wie man "zuversichtlich" die "kommende Vernichtung" Deutschlands und Europas "bejahen" könne?

"Telesma" oder "Thelema"?

Einen schwachen Hinweis auf die okkulten Hintergründe des Friedrich Hielscher gibt vielleicht auch die beigebene Abbildung, nach der Schriften von Friedrich Hielscher in einem "Telesma"-Verlag und - Buchversand herausgegeben worden sind (Telesma). Dieser gibt heraus oder bewirbt neben buddhistischen Schriften und Büchern, sowie den Tibet-Büchern von Sven Hedin und Heinrich Harrer auch Bücher von und über C. G. Jung, Stefan George, Ernst Jünger, Oswald Spengler, Julius Evola, Jan und Aleida Assmann, Alexander Demandt, sowie über die Varusschlacht bei Kalkriese und deutsche und ägyptische "Mythologien". Auch Alfred Schuler, Ludwig Klages und ähnliche Autoren fehlen nicht.

"Telesma" klingt natürlich sehr stark nach der satanistischen "Thelema"-Gesellschaft (Wiki) des Aleister Crowley. Wir erfahren auf der Verlagsseite:

Der Name des Telesma-Verlags geht auf einen Begriff aus der alchemistischen Tradition zurück: ‚Telesma’ (von griech. telein = vollenden) bezeichnete ursprünglich einen Schutzzauber (vgl. ‚Talisman’); zu einem Grundbegriff der Alchemie wurde das Wort aber durch die zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert entstandene ‚Tabula smaragdina’ des Hermes Trismegistos. Dieser spricht dort von einem „pater omnis telesmi mundi“ und meint mit ‚Telesma’ eine kosmische Ursubstanz.

Also ganz tief verwurzelt im Okkultismus! Dieser Verlag wird heute geleitet - aha, soso! - von dem rechtskonservativen Publizisten Baal Müller (geboren 1969), der regelmäßig für die rechtskonservative Wochenzeitung "Junge Freiheit" und den ähnlich orientierten Verlag "Antaios" und das ähnlich orientierte "Institut für Staatspolitik" schreibt. Auf dem Blog "Sezession im Netz" hat er für die Hielscher-Veröffentlichung seines Verlages 2009 zustimmend-distanziert Werbung gemacht (Sezession).

Baal Müller, Friedrich Hielscher und "Telesma"

Unter dem Suchwort "Thelesma" findet man im Internet manches Okkulte oder Satanistische. Vielleicht ist darunter auch einzureihen, was Baal Müller auf SiN erwähnt:

Spätestens seit der Veröffentlichung der CD „Wir rufen Deine Wölfe“ mit Vertonungen des gleichnamigen Hielscher-Gedichtes durch Bands wie Sturmpercht, Werkraum, Waldteufel, Blood Axis u.a. hat er ja auch Kultstatus in der Neofolkszene. 

"Kultstatus", so möchte man weiter fragen, wie etwa auch ein Aleister Crowley? Auch eine okkulte unterscheidende Defintion von "Thelesma" im Sinne des Hermes Trismegistos im Gegensatz zur "Thelema" des - - - Aleister Crowley findet sich (Tudor Georgescu: "What is New Age?"). - Hat man da dann noch weitere Fragen? Nur mit "Alchemie" und ohne satanistisches Gedankengut jedenfalls scheint man diese beiden Begriffe in ihrem heutigen Wortgebrauch nicht verstehen zu können.

Mit dem auffallenden geistigen Programm des "Telesma"-Verlag und - Buchversand (Telesma), auf den wir hier zum ersten mal stoßen, werden wir uns jedenfalls ebenfalls noch ausführlicher beschäftigen müssen. Wir können nur wünschen, daß er nicht auf ebenso "vernichtenden" Abwegen wandelt wie sein Autor Friedrich Hielscher.

/  Der Inhalt dieses Blogbeitrages wurde weitergeführt in einem weiteren --> GA-j!2011  /
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  1. Schapke, Richard: Innerlichkeit und Staatskunst - Zum Wirken Friedrich Hielschers. Veröffentlicht am 11.11.2009 auf "Euro-Synergies", dem "Forum des résistants européens", also dem "Forum des europäischen Widerstandes".
  2. Hielscher, Friedrich: Das Reich. Hermann & Schulze, Leipzig 1931

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