Freitag, 3. Juni 2011

"Diese Zuversicht, welche die kommende Vernichtung bejaht ..."

"Im Wirken Satans die Allmacht Gottes sehen" - Der international als Gesprächspartner geschätzte SS-nahe, okkultgläubige, rechtskonservative "Neuheide" Friedrich Hielscher

Es findet sich ein Aufsatz über Friedrich Hielscher (1902-1990) (1) - jenen neuheidnischen Religionsgründer im Umfeld von Rechtskonservativen, NSDAP und SS, auf den wir schon im Buch des Rudolf Steiner-Verehrers Trevor Ravenscroft gestoßen waren. Dort wurde er als ein ranghohes Mitglied der vorgeblich einflussreichen satanistischen Okkultloge "Vril" bezeichnet. - Schon im Leitwort dieses neuen Aufsatzes nun wird mit Ernst Jünger schlicht und schnörkellos die Zwangsherrschaft und Tyrannei verherrlicht:
"Zwei Tyrannen tun dem Deutschen not: ein äußerer, der ihn zwingt, sich der Welt gegenüber als Deutscher zu fühlen, und ein innerer, der ihn zwingt, sich selbst zu verwirklichen."
Ernst Jünger
Wie musste man sich da über einen Adolf Hitler freuen! Unter dieses Leitwort wird jedenfalls in diesem Aufsatz das Leben des Friedrich Hielscher gestellt, des lebenslangen engen Freundes und Gesinnungsgenossen von Ernst Jünger und - damit - möglicherweise auch des Gestapo-Generals Werner Best. Was muss angesichts eines solchen Leitwortes von einem solchen Aufsatz noch alles erwartet werden? Wir deuten schon im Zitat der Überschrift an, dass uns hier wieder einmal erneut ein ideologisches, wohl gar satanistisches "Selbstmordprogramm" erwartet. Ein solches, das Friedrich Hielscher offenbar zu einem so geschätzten Gesprächs- und Briefpartner so unterschiedlicher Leute gemacht hat wie den jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber, den Jesuitenpater Muckermann, den katholischen Theologen Karl Rahner oder den Bundespräsidenten Theodor Heuß.

Einiges Wesentliche, was man diesem Aufsatz entnehmen kann, soll im folgenden zusammengestellt werden. Friedrich Hielscher legte 1919 mit 17 Jahren sein "Kriegsabitur" ab. Im Juni 1919 schloß er sich dem Freikorps Hasse an (1):
Zu den Freikorpskameraden Hielschers gehörte Arvid von Harnack, der später durch seine Mitarbeit in Harro Schulze-Boysens Roter Kapelle zu Berühmtheit gelangen sollte.
Die Rote Kapelle gab militärische Geheimnisse an die Sowjetunion weiter, was ganz im Sinne der "Ideologie" auch eines Friedrich Hielscher geschehen sein könnte, der ja ebenfalls schon früh den kommunistischen "Osten" dem kapitalistischen Westen gegenüber bevorzugte, gerne auch unter der Prämisse, daß damit "Vernichtung alles Bestehenden" verbunden sein könnte (siehe unten). An anderer Stelle heißt es für die späten 1920er Jahre (1):
Von Dauer war die weitere Beteiligung als Alter Herr am Verbandsleben der (Studentenverbindung) Normannia Berlin, wo Hielscher die Bekanntschaft von Persönlichkeiten wie Horst Wessel, Hanns Heinz Ewers und Kurt Eggers machte.
Dem in diesem Aufsatz von Hielscher Zitierten ist zu entnehmen, daß Hielscher im Großen und Ganzen wenig Eigenständiges geäußert hat, stattdessen vor allem jene verworrenen, verschwommenen Gedanken, wie sie unter "Konservativen Revolutionären" spätestens ab etwa 1926/1927 gängige Münze geworden waren, bloß noch einmal neu formuliert. Aber auffällig und eine Besonderheit ist, daß schon in den ersten Veröffentlichungen Hielschers im Jahr 1927 satanistische Bezüge hindurchklingen.

"Wenn Luther im Wirken Satans die Allmacht Gottes geschehen sah" (1927) 

Und es wird vor allem auch der Gedanke vom "blindwütigen" "Kampf" als alleinigen oder vorwiegenden Sinn des Lebens gefeiert. Ganz im Sinne des lebenslangen Hielscher-Freundes Ernst Jünger, der in seiner Schrift "Strahlungen" auch selbst auf Hielscher häufig Bezug nimmt. Und dazwischen fallen dann geradezu "blitzartig" solche merkwürdigen Sätze wie dem Satz über Marin Luther, der "im Wirken Satans die Allmacht Gottes gesehen" hätte. Aber auch sonst klingt alles merkwürdig "hart", "grausam" und "erbarmungslos" und irgendwie nach der "Kultur" von Männerbünden (nach: 1; Hervorhebungen nicht in der Quelle selbst, nach der zitiert wird):
"Das versteht nur ein Deutscher, daß man sich gegenseitig die tiefsten Wunden schlagen und dennoch die beste Freundschaft halten kann. "


"Der Kampf wird zum Selbstsinn" (1927)

Und so eine Haltung soll eine ganz tolle deutsche Eigenart sein? Man soll entschuldigen, ja, geradezu darüberhinweg gehen, daß einen der beste Freund zutiefst verletzt hat. Schon Friedrich Nietzsche hat das ganz anders gesehen: "Ich vergebe dir, was du mir tatest. Aber daß du es dir tatest, wie sollte ich dir das je vergeben können?" Jedenfalls Hielscher weiter:
"Denn der Deutsche ist in seinem Innern selber so: hundert- und tausendfältig zerrissen, ein Schlachtgebiet aller holden und unholden Geister, und aus dieser Zerrissenheit seinen Stolz herausholend ...
- Mann, oh Mann ... - 
... und eine höhere Einheit, die über allem Ernste sich ein Lächeln bewahrt hat, und über allen Abgründen eine einsame und lichte Höhe, die ihren Glanz in alle Tiefen schickt ... Wenn Eckehart die brennende Seele lehrte, in der doch eine ungetrübte schweigende Stille herrscht, wenn Luther im Wirken und durch das Wirken Satans die Allmacht Gottes geschehen sah, wenn Goethe alles Drängen und Ringen als ewige Ruhe in Gott erlebte, wenn endlich Nietzsches Welt des Willens zur Macht, diese Welt des Ewig-sich-selber-Schaffens und Ewig-sich-selber-Zerstörens als endloser Kreislauf zu sich selber guten Willen hatte, so war das immer nur das alte Lied" (gemeint: der nordischen Mythologie). "So wird der Kampf zum Selbstsinn, und die Treue in diesem Kampfe ist das Höchste. Es gibt nichts anderes. Um des Kampfes willen ist die Innerlichkeit da, weil sie die Kraft zu diesem Kampfe gibt...Das ist eine ganz andere Treue, als die Gegenwart sie kennt. Das ist die Treue, die alles opfert, den Schwur, die Ehre, das eigene Blut; die Treue, die nur das eigene Werk und seine Vollendung im Kampfe kennt."
"Ein Schlachtgebiet aller holden und unholden Geister" (1927)

Daß man sich in und aus Freundschaft Wunden schlägt, klingt nun wirklich ziemlich deutlich nach "faustischer Seele", nach "schlagender" Studentenverbindung - wenn nicht sogar ziemlich deutlich - wie jener Satz über Luther - überhaupt nach Satanismus. Hielscher (nach 1):
Das Reich ist noch nicht stark genug, um oberirdisch gedeihen zu können. Es ist verborgen im Inneren seiner Glieder, eines neuen Menschentypus, keine sichtbare Gestalt. Innerlichkeit und Wille zur Macht verknüpfen sich miteinander.
Klingt nicht auch hier ziemlich deutlich Geheimbündelei, Männerbündelei und ein organisiertes "geheimes Deutschland" hindurch? Ebenso die These, es bliebe übrig angesichts der Ohnmacht des derzeitigen Deutschland ...
... einzig und allein ein verbissenes, unterirdisches, schweigendes und selbstverleugnendes Arbeiten.
Hielscher glaubt nun an die Zukunft der "Völker des Ostens", an die Zukunft "Chinas, Indiens und Rußlands" (nach 1):
In der Verehrung des Ostens verbeugt sich der Deutsche "vor einer weiten unendlichen, durchaus uneuropäischen und geheimnisvollen Welt einer sehnsüchtigen und zutiefst ruhigen Weisheit und Selbstsicherheit, aus der er seine Kraft strömen fühle". Die deutsche Innerlichkeit ist ein Widerspruch gegen den Westen und dessen Zivilisationsdenken. "Die Völker des Ostens glauben an unverrückbare Kräfte, denen sie sich verdienstet wissen, aus denen ihre Art entspringt, und zu der sie zurückkehrt, wenn ihre Stunde geschlagen hat. Der Deutsche gehört zum Osten und nicht zum Westen. Der Westen ist Zivilisation, der Osten ist Kultur."
Man beachte: Die Kultur "Chinas, Indiens und Rußlands" ist hier gemeint! Sie wird auf eine viel höhere Stufe gestellt, als die vorgeblich vornehmlich durch die römisch-katholische Kirche, die Freimaurerei und das Judentum gesprägte "Zivilisation" und den Kapitalismus der westeuropäischen und nordamerikanischen Gesellschaften. Hielscher weiter:
"Die Zivilisation ist auf dem Gelde und der Berechnung aufgebaut und kennt keine Innerlichkeit. Die Kultur errichtet auf dem Grunde einer unerschütterlichen Gewißheit die Werke einer hohen Kunst, eines demütigen Denkens, einer hingebenden Weisheit. Die Völker des Westens sind Zivilisationsvölker, die Völker des Ostens tragen ihre großen Kulturen."
Hielscher auf Seiten der NS-Partei-Linken

Das läßt natürlich viel östlich-okkulte Hintergründe erahnen, wenn man die Völker eines William Shakespeare und Charles Darwin, eines Giordano Bruno und eines Voltaire als Völker bezeichnet, die ihre großen Kulturen nicht tragen würden. - Ob hier auch an so "kleine" Völker wie die Ukrainer gedacht worden ist oder die Kosaken oder die Tibeter oder die Japaner, geht aus diesem Aufsatz und seinen Zitaten nicht hervor. Wir erfahren weiter über Hielscher (1):
Der Kampfverlag der NS-Parteilinken unterstützte Hielschers internationalistisch-nationalistische Thesen ebenso wie Franz Schauweckers "Standarte". Bezeichnenderweise kam vom hitleristischen "Völkischen Beobachter" und von den Vereinigten Vaterländischen Verbänden schroffe Ablehnung.
Hielscher sah die Links-Rechts-Verteilung der Parteien, wie er in seinen Memoiren in den 1950er Jahren schrieb, als einen zu schließenden Kreis an. Aber zwischen den Kommunisten, so schrieb er über die 1920er Jahre, ...
... "und den Nationalsozialisten klaffte eine Lücke, die sich um so weniger schließen konnte, als die Nationalsozialisten und die Kommunisten bereits nur noch dem Namen nach Parteien waren, in Wirklichkeit aber Horden, und zwar Horden in Bundesgestalt und mit parlamentarischer Maske. Sie wollten Massenbewegungen sein, gaben sich vor ihren gutwilligen Anhängern das Gesicht eines Bundes und spielten nach außen die Partei, um nicht verboten zu werden. Den Bund kennzeichnet im Aufbau die gegenseitige Verpflichtung zwischen Haupt und Gliedern, im Wesen der Geist, der sie verbindet, sei es nun ein Glaube oder auch nur eine besondere Menschlichkeit, im Sinne der freiwilligen Dienste an diesem Geiste und im Zwecke das Ziel, das er dem Haupte und den Gliedern aufgibt.  Der Horde mangelt im Aufbau die Gegenseitigkeit, im Wesen der Geist, im Sinne der freie Wille und im Zwecke das Ziel. An die Stelle der Gegenseitigkeit tritt der einseitige Gehorsam, an die Stelle des Geistes das Programm, an die Stelle des freien Willens der Zwang und an die Stelle des Zieles der erstrebte Vorteil und Nutzen, sei es des Hordenführers allein, sei es zugleich seiner Garde oder der ganzen Horde. (...)
So sehen wir nicht nur an den äußeren Flügeln des Parteienhufeisens zwei offenkundige Horden in Bundesgestalt und mit scheinbündischen Gliederungen wie hier der SA oder der SS und dort dem Rotfrontkämpferbunde, sondern auch bis fast in die Mitte heran jede Partei bemüht, sich eine Horde heranzubändigen oder sich eines Bundes zu versichern. (...)  Zwischen den beiden Hordenflügeln aber kochten die Einzelgänger ihren Trank und bildete sich Bund. Hier schlugen die Flammen von rechts nach links herüber, um der Feuerzange die nötige Glut zu geben."
Auch hier spürt man viel Wissen um geheimbündlerisches Geschehen im Hintergrund mitschwingen, von dem ja auch der NS-Partei-Linke Otto Strasser so viel wußte (siehe die Schrift von Franz Wegener über Paehlke-Weishaar, bzw. künftige Beiträge hier auf dem Blog).

"Hielscher bewegte sich in bunt zusammengewürfelten Zirkeln"

Vielleicht war das aber auch nur eine Umformulierung seiner Gedanken, als er in der "Bundes"republik Deutschland lebte. Unter einem "Bund" läßt sich ja sehr vieles verstehen. Jünger-Freund Werner Best und viele weitere führende Gestapo-Führer schwärmten noch lange nach 1945 von dem "Gemeinschaftsgefühl statt Individualismus", das in den vielen völkischen Klubs und Orden der 1920er Jahre gepflegt worden sei. Weiter erfahren wir in dem Aufsatz (1):
Unterhalb der agitatorischen Ebene verkehrte Hielscher in diversen Zirkeln, von denen vor allem der Salon Salinger zu nennen ist. Der jüdischstämmige Hans Dieter Salinger, Beamter im Reichswirtschaftsministerium und Redakteur der "Industrie- und Handelszeitung", versammelte hier einen bunt zusammengewürfelten Kreis um sich. Neben Hielscher sind hier Ernst von Salomon, Hans Zehrer, Albrecht Haushofer, Ernst Samhaber oder Franz Josef Furtwängler, die rechte Hand des Gewerkschaftsführers Leipart, zu nennen.
Dies mußte in der Tat "unterhalb der agitatorischen Ebene" geschehen. Denn was hätte wohl die Antisemiten-Partei NSDAP, diese in den Augen Hielschers "unelitäre" "Horde" zu einem Rechtsintelektuellen gesagt, der in einem jüdischen Salon ein und aus gegangen war? Jedenfalls erinnert auch hier manches an Werner Best, der ähnlich wie Hielscher auf "vielen Hochzeiten tanzte" und bei vielfältigen völkischen Klubs, Zirkeln, "Arbeitsgemeinschaften" und Orden mitmischte und in denselben eine "Kamarilla" um sich versammelte. Daß hier Albrecht Haushofer genannt ist, der ebenso wie Hielscher damals so deutlich in "pan-arischer" "Geopolitik" gemacht hat, würde eine damit also keineswegs unwichtige Angabe von Trevor Ravenscroft gewissermaßen bekräftigen, nach der beide leitende Personen in der internationalen satanistischen, pan-arischen Okkultloge "Vril" gewesen wären. Wobei Hielscher aber in der Logenhierarchie noch höher gestanden sei als Haushofer.

Das "bunt Zusammengewürfelte" könnte man übrigens auch als eine Parallele empfinden zu den "bunt zusammengewürfelten" Mitgliedern in der Geschichte der "Fraternitas Saturnis". Wie man ja überhaupt in Okkultkreisen leicht "bunt zusammengewürfelt" sein kann. Da treffen dann vormalige Kommunisten wie Rudolf Steiner oder Eugen Grosche auf gegenwärtige Nationalsozialisten und künftige Liberale und verstehen sich dabei alle ganz prächtig miteinander. Von einflußreichen Jesuitenpatern, jüdischen und katholischen Theologen und Religionsphilosophen natürlich mit Zeichen des Wohlwollens begleitet.


"Die kommende Vernichtung" (1931)

Aber dann im Jahr 1931 kommt es ganz dick. Da fällt nun in den Worten Friedrich Hielschers auffälligerweise besonders häufig der Begriff "Vernichtung". Vernichtung aller bestehenden Ordnung, insbesondere auch von jeglichem Privateigentum. Er äußert also klar kommunistische Gedanken. So daß man fast das Gefühl bekommt, als hätte Hielscher schon 1931 die "vernichtende" Bolschewisierung und Sowjetisierung Mitteleuropas von Seiten des von ihm und der NS-Linken favorisierten "Ostens" aus "frohgemut" erwartet und vorausgesehen. Sprich also richtiggehend "erhofft" und darauf hin gearbeitet.

So wie dies dann auch Beamte des britischen "Foreign Office" schon im Jahr 1941 ziemlich unverhohlen taten (vgl. "Wie kam Stalin in die Mitte Europas?"). Wobei nach Hielscher möglicherweise eine Art damals schon angedachtes "Nationalkommittee Freies Deutschland" den Geist eines von ihm so benannten "unwandelbaren", "unsichtbaren" Reiches gegenüber dem deutschen Volk vertreten würde. Vielleicht darf man diesen "Geist" auch verköpert sehen in solchen Freunden des Gestapo-Generals Werner Best wie Ernst Achenbach, der 1933 unter deutschen Industriellen Parteispenden für Adolf Hitler sammelte und 1970 die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie in den Ostverträgen anbahnte (Achtung! Wieder: "Ostverträge"!!!):
"Diese Zuversicht, welche die kommende Vernichtung bejaht, glaubt an das unvernichtbare ewige Wesen des Reiches."
Diesen Satz muß man sich vielfach auf der Zunge zergehen lassen. Er klingt mehr als okkult. Er klingt satanistisch. Da scheint jemand in der Tat "im Wirken Satans die Allmacht Gottes" zu sehen. Beziehungsweise gemäß eines Grundsatzes der "Fraternitas Saturnis": "Sind nicht jene, die Welt verderben, die Brüder der Tugendreichen?" Aber hallo! Bejahe deinen gesellschaftlichen Selbstmord und glaube an das unvernichtbare, ewige Wesen "des Reiches". "... Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden ...." Oder noch einmal Hielscher:
"Die Entscheidung, die sich hier vorbereitet, bedeutet die vollkommene Vernichtung der heutigen Ordnungen und Güter."
"Die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges werden gering vor dieser Zukunft" (1931)

Oder:
"Die Vernichtung dessen, was heute besteht, ist sogar notwendig. Denn daß der Westen die Entscheidung gerade in dem Raume zwischen Rhein und Weichsel sucht, liegt an dem Rang, den dieses Gebiet innerhalb der - westlichen - Weltwirtschaft besitzt. Weil China, Indien und Rußland bereits zum größten Teile aus ihr heraus gefallen sind, darf sie Deutschland nicht auch noch verlieren, um keinen Preis. Sonst ist sie selbst verloren. Darum setzt der Untergang des Westens die Vernichtung dessen voraus, was heute Deutschland heißt, was mit dem Wesen des Reiches nur mehr den Namen gemeinsam hat.


Die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges werden gering vor dieser Zukunft."
Das sind alles furchtbare Worte und Ankündigungen. Im Jahr 1931. In all diesen Ausführungen wird schon deutlich, daß Hielscher mit jenem neuen mitteleuropäischen Krieg, Bürgerkrieg, ja, Weltkrieg, bzw. "Weltbürgerkrieg" im Jahr 1932 rechnet, vor dem zur gleichen Zeit Erich Ludendorff warnte, auf den sich die Sowjetunion unter den Marschällen Stalin und Tuchatschewski und mit dem ukrainischen Hungerholocaust und einer dadurch finanzierten gigantischen Militärrüstung ebenso vorbereitete, wie das Polen Pilsudskis seinen "Präventivkrieg" gegen eine Wiedererstarkung Deutschlands vorbereitete und zuversichtlich erwartete - im Zusammenwirken mit Frankreich und England. Auch an die zehn Millionen Toten des ukrainischen Hungerholocaustes darf man denken, wenn man diese Worte Hielschers liest, der die "Kultur des Ostens" so sehr preist. Hielscher:
"Die Wissenden erkennen sich auf den ersten Blick. Sie haben einander gefunden und finden sich weiter,"
aber hallo: Wohl zu den furchtbarsten satanistischen Verbrechen, die nur denkbar sind? Hielscher weiter 1931:
"Die Menschen des unsichtbaren Kerns haben einander entdeckt."
Und egal, ob dabei ein paar Millionen drauf gehen. Hinter all diesen Worten darf, ja muß man wohl eine immense und weit fortgeschrittene okkulte Verblödung vermuten. Sie erst wird Friedrich Hielscher in den Augen etwaiger internationalen Leiter von Okkultlogen oder Geheimdiensten als so geeignet dafür angesehen haben, daß er führende deutsche (NS-)Politiker beraten könne. Ja, in vielen seiner Aussagen schwingen eschatologische, geradezu endzeitliche Vorstellungen mit hinein. Dem müssen wir auch in künftigen Beiträgen noch genauer nachgehen. Denn so geht es dann auch "fröhlich" nach 1933 weiter. Wir lesen (1):
Ziemlich zutreffend rechnete er - nach der NS-Machtergreifung - mit einer Dauer des Tausendjährigen Reiches von ca. 12 Jahren, während der Großteil der nationalrevolutionären Parteigänger Hitler zu diesem Zeitpunkt nicht ernst nahm.
Woher nahm er solches "prophetische" Wissen? Wie konnte er damals schon wissen, daß zwölf Jahre später "der Osten" in Berlin residieren würde?

".... des vor uns stehenden Zweiten Erdkrieges" (1934)

1934 veröffentlicht er Sätze wie diesen, in denen er Gedanken von 1931 wiederholt, also keineswegs aufgegeben hat:
"Durch die von Deutschland ausgehende Erschütterung ist es zum entscheidenden Lande auch des vor uns stehenden Zweiten Erdkrieges geworden. Es leuchtet ein, daß dort, wo alle Kräfte sich überschneiden, die Entscheidung fallen muß."
Wie wahr vorausgesagt. Die Entscheidung fiel, als sich an der Elbe amerikanische und sowjetische Truppen die Hand reichten. Wolfram Sievers, einer seiner "Schüler", wurde 1935 Geschäftsführer der SS-nahen Kulturstiftung Ahnenerbe (1):
Die völkisch-indogermanischen Elitevorstellungen der Hielscher-Gruppe 
- von der wir an dieser Stelle in diesem Aufsatz zum ersten mal hören! - 
trafen sich durchaus mit denjenigen der SS. (...) Zunächst beteiligte der Geschäftsführer sich daran, das bäuerlich-defensive Element des Reichsnährstandes aus dem Ahnenerbe hinauszudrängen
- also war man selbst außenpolitisch keineswegs "defensiv", es gab aber Kräfte auch im Naitonalsozialismus, die "bäuerlich-defensiv" gesonnen gewesen sind - 
und stattdessen dem soldatischen Charakter der SS-Ideologie mehr Platz zu verschaffen. Von Bedeutung war neben frühgeschichtlichen, volkskundlichen und indogermanologischen Forschungen z.B. der Versuch, die deutschen Hochschulen zwecks Schaffung eines neuen wissenschaftlichen Geistes von der Schutzstaffel infiltrieren zu lassen.
Dieser Geist wirkt, wir wiesen schon an vielen früheren Stellen darauf hin, fort. Nicht nur an Universitäten und Forschungsinstituten, sondern auch in zahllosen Ministerien und Behörden. In Deutschland Ost wie in Deutschland West.

Ob sich wohl irgendwo auch einmal, so möchte man fragen, Menschen wie Aleister Crowley, Allen Dulles und Friedrich Hielscher getroffen haben, um miteinander abzustimmen, wie man "zuversichtlich" die "kommende Vernichtung" Deutschlands und Europas "bejahen" könne?

"Telesma" oder "Thelema"?

Einen schwachen Hinweis auf die okkulten Hintergründe des Friedrich Hielscher gibt vielleicht auch die beigebene Abbildung, nach der Schriften von Friedrich Hielscher in einem "Telesma"-Verlag und - Buchversand herausgegeben worden sind. Dieser gibt heraus oder bewirbt neben buddhistischen Schriften und Büchern, sowie den Tibet-Büchern von Sven Hedin und Heinrich Harrer auch Bücher von und über C. G. Jung, Stefan George, Ernst Jünger, Oswald Spengler, Julius Evola, Jan und Aleida Assmann, Alexander Demandt, sowie über die Varusschlacht bei Kalkriese und deutsche und ägyptische "Mythologien". Auch Alfred Schuler, Ludwig Klages und ähnliche fehlen nicht.

"Telesma" klingt natürlich sehr stark nach der satanistischen "Thelema"-Gesellschaft des Aleister Crowley. Wir erfahren auf der Verlagsseite:
Der Name des Telesma-Verlags geht auf einen Begriff aus der alchemistischen Tradition zurück: ‚Telesma’ (von griech. telein = vollenden) bezeichnete ursprünglich einen Schutzzauber (vgl. ‚Talisman’); zu einem Grundbegriff der Alchemie wurde das Wort aber durch die zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert entstandene ‚Tabula smaragdina’ des Hermes Trismegistos. Dieser spricht dort von einem „pater omnis telesmi mundi“ und meint mit ‚Telesma’ eine kosmische Ursubstanz.
Also ganz tief fundiert im Okkultismus! Dieser Verlag wird heute geleitet - aha, soso! - von dem rechtskonservativen Publizisten Baal Müller (geboren 1969), der regelmäßig für die rechtskonservative Zeitung "Junge Freiheit" und den ähnlich orientierten Verlag "Antaios" und das ähnlich orientierte "Institut für Staatspolitik" schreibt. Auf dem Blog "Sezession im Netz" hat er für die Hielscher-Veröffentlichung seines Verlages 2009 zustimmend-distanziert Werbung gemacht.

Baal Müller, Friedrich Hielscher und "Telesma"

Unter dem Suchwort "Thelesma" findet man im Netz manches Okkulte oder Satanistische. Vielleicht ist darunter auch einzureihen, was Baal Müller auf SiN erwähnt:
Spätestens seit der Veröffentlichung der CD „Wir rufen Deine Wölfe“ mit Vertonungen des gleichnamigen Hielscher-Gedichtes durch Bands wie Sturmpercht, Werkraum, Waldteufel, Blood Axis u.a. hat er ja auch Kultstatus in der Neofolkszene. 
"Kultstatus", so möchte man weiter fragen, wie etwa auch ein Aleister Crowley? Auch eine okkulte unterscheidende Defintion von "Thelesma" im Sinne des Hermes Trismegistos im Gegensatz zur "Thelema" des - - - Aleister Crowley findet sich (Tudor Georgescu: "What is New Age?"). - Hat man da dann noch weitere Fragen? Nur mit "Alchemie" und ohne satanistisches Gedankengut jedenfalls scheint man diese beiden Begriffe in ihrem heutigen Wortgebrauch nicht verstehen zu können.

Mit dem auffallenden geistigen Programm des "Telesma"-Verlag und - Buchversandes, auf den wir hier zum ersten mal stoßen, werden wir uns jedenfalls ebenfalls noch ausführlicher beschäftigen müssen. wir können nur wünschen, daß er nicht auf ebenso "vernichtenden" Abwegen wandelt wie sein Autor Friedrich Hielscher.

/Der Inhalt dieses Blogbeitrages wurde weitergeführt --> in einem weiteren (08/2011). /
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  1. Schapke, Richard: Innerlichkeit und Staatskunst - Zum Wirken Friedrich Hielschers. Veröffentlicht am 11.11.2009 auf "Euro-Synergies", dem "Forum des résistants européens", also dem "Forum des europäischen Widerstandes".
  2. Hielscher, Friedrich: Das Reich. Hermann & Schulze, Leipzig 1931

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