Samstag, 18. Juli 2009

"Lächerlich optimistisch": Pat Brown

"... aber Sie - Sie wollen eine Revolution!"

In "PLoS Genetics" ist ein Interview erschienen mit dem Genetiker Pat Brown. (PLoS Genetics)

- Er war und ist eine treibende Kraft der "Open Access"-Bewegung in der Wissenschaft. "Wo würde Jesus veröffentlichen?", fragt gleich ein Poster an seiner Tür. - Aber es gab und gibt auch viele andere spannende Projekte in seinem Leben. In seinem nächsten Forschungsfreisemester will er sich damit beschäftigen, wie eine der umweltschädlichsten Wirtschaftsformen des Menschen gegenwärtig auf der Erde - nicht die Kernkraft, nicht die Autos, nicht die Flugzeuge, sondern: Tierzucht - drastisch zurückgefahren werden kann in der nächsten Zukunft.

Die immensen Umwelt- und Klimakosten, die die Tierzucht heute mit sich bringt, müssen einfach auf die Preise für Fleisch mit angerechnet werden, sagt Pat Brown. Und zugleich müssen sinnvolle Nahrungs-Alternativen zu Fleisch angeboten werden. Und um diesen Gedanken gründlich zu durchdenken und für ihn weiter Werbung zu machen, dafür will Pat Brown sein nächstes Forschungsfreisemester benutzen, dieser Gedanke ist sein "nächstes großes Projekt", nach vielen anderen, im Interview erörterten. In den Worten von Pat Brown selbst:
"The gist of my strategy is to rigorously calculate the costs of repairing and mitigating all the environmental damage and make the case that if we don't pay as we go for this, we are just dumping this huge burden on our children. Paying these costs will drive up the price of a Big Mac and consumption will go down a lot. The other thing is to come up with yummy, nutritious, affordable mass-marketable alternatives, so that people who are totally addicted to animal foods will find alternatives that are inherently attractive to eat, so much so that McDonald's will market them, too. I want to recruit the world's most creative chefs—here's a REAL creative challenge!"
Das ist übrigens der gleiche Gedanke, der überall verwirklicht werden muß, wo sich Egoismus und Gedankenlosigkeit austoben zum Schaden künftiger Generationen und zum Schaden des Fortbestandes von menschlichen Kulturen überhaupt: Diese Schädigungen müssen einfach über die Preise den Menschen berechnet werden, sie müssen ihnen über die Preise unmittelbar "spürbar" werden. - Die gleiche Rationalität steckt beispielsweise auch hinter der Forderung nach einem klar und leicht nachvollziehbar strukturierten Familienlastenausgleich. Auch hier müssen die real vorhandenen Kosten, die Kinderlosigkeit und Kinderarmut mit sich bringen, auch von jenen voll und ganz gespürt werden, die eben kinderlos und kinderarm sind. Und das ist eben nur dadurch möglich, so wurde auf "Studium generale" schon vielfältig erörtert, daß Eltern ein Erziehungsgehalt gezahlt wird, das von Kinderlosen und Kinderarmen vollgültig mitzufinanzieren ist. Da Kinderlose von der Tatsache, daß andere Menschen Kinder haben, mehr profitieren, als daß Leistungen dafür erbringen.

- Der Interviewerin Jane Gitschier jedenfalls fällt auch sonst dauernd nur der Kinnladen herunter bei jedem neuen Projekt, das Pat Brown in den Sinn kommt.
"Fühlen Sie sich denn nicht auch manchmal lächerlich optimistisch?",
wird sie schließlich umgekehrt von Pat Brown gefragt. Und sie antwortet:
"Ich? Ja, manchmal. Ich habe durchaus auch so die eine oder andere wilde Idee. Aber Sie - Sie wollen eine Revolution."
Auch sonst hat Pat Brown so manches zu erzählen aus seinem Leben. Von ehrgeizigen Forschungsanträgen mit weitreichenden Perspektiven. In den 1990er Jahren hat er viel mit der Leistungssteigerung der genetischen Sequenziermethoden zu tun gehabt. Dort ist er fachlich zu Hause. Und noch mit allerhand anderen Dingen mehr. Aber man lese doch einfach selbst ... Leute, die Revolution wollen, trifft man viel zu selten, als daß man sich das entgehen lassen sollte.

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