Freitag, 6. Februar 2009

Päpstlicher als der Papst: die Deutschen

Vorspruch:

Maikäfer flieg!
Dein Vater ist im Krieg.
Die Mutter ist in Pommerland,
Pommerland ist abgebrannt.
Maikäfer flieg!
Frau Merkel spricht den Deutschen aus der Seele

Aus Gründen der zeitgeschichtlichen Dokumentation sollte man die Äußerung von Frau Angela Merkel zum Thema "Holocaust-Leugnung und Vatikan" in Erinnerung behalten.

Man findet das Video offenbar in mehreren Versionen im Netz (FAZ). Bei Youtube gibt es auch ein Video mit Merkel-kritischen Untertiteln.

Das Gesicht von Frau Merkel ist sehr betroffen und sehr traurig. - - -

In der Szene der Wissenschaftsblogger gibt es dazu zwei neuere Beiträge:
"Was sagen Sie zum Papst?" von Edgar Dahl (3.2.09)

"Bischof Williamson und die 'Natur der Universitäten'" von Thilo Kuessner (5.2.09)
In der Tat ist man veranlaßt, sich zu fragen: Was hat Benedikt-Ratzinger sich eigentlich dabei gedacht? Und die Antwort ist wahrscheinlich einfach, daß er, der sonst so Kluge, Intelligente, Schlaue, Gerissene die Sensibilität des Thema's Holocaust für uns heutige Deutsche unterschätzt hat. Er und die nächsten deutschsprachigen Berater in seiner Nähe. Deshalb war er so - "entsetzt". Wir Deutsche können uns - offenbar und offensichtlich - so lange nicht für eine bessere Welt einsetzen, so lange auf dem Gebiet der Zeitgeschichte das Geschichtsbild nicht mit päpstlicher Unfehlbarkeit festgeschrieben ist und bleibt. Und deshalb haben wir Forderungen an den Papst.

Wir Deutschen sind also - wieder einmal - "päpstlicher als der Papst".

Die Deutschen auf der schiefen Ebene

Herr Ratzinger hat die Sensibilität des Thema's immer noch unterschätzt. Und man kann die Sensibilität dieses Themas tatsächlich immer wieder und wieder unterschätzen. Weil wir Deutschen uns hier psychologisch auf eine immer schiefere Ebene begeben.

Würden wir aber versuchen wollen, von dieser schiefen Ebene herunterzukommen, müßte sich zu viel ändern, unsere bürgerlich-seelische "Behaglichkeit", auf die wir uns in den letzten Jahrzehnten eingelassen haben, könnten wir nicht mehr aufrecht erhalten.

Kein Wunder also, daß wir Angst haben, uns auf Veränderungen - auch nur auf die leiseste Andeutung eines Gedankens an solche - einzulassen. Wir klammern uns an das sinkende Schiff eines Weltbildes mit aller Kraft, Verbissenheit und Verstiegenheit, weil wir Angst haben, wir könnten nicht schwimmen, wenn wir es loslassen würden.

Wenn man diesen Dingen hinterherdenkt, dann beginnt man zu vermuten, daß noch nicht einmal solche politischen Kräfte wie der Zentralrat der Juden in Deutschland sich über die ganze, riesige Sensibilität dieses Thema's in vollem Umfang Klarheit verschafft haben. Sie spulen ihr altes und bewährtes Programm ab. Aber bringt nicht auch das auf die Dauer so seine "Gefährdungen" mit sich? Möglicherweise werden die durchaus auch überraschenden Abläufe der derzeitigen öffentlichen Debatte in dieser Frage auch hier einiges neue Nachdenken veranlassen.

Man hat das Gefühl: Die monotheistischen "Hauptkräfte" könnten immer mehr in eine verfahrene, weil verkrampfte, verstiegene Situation hinein geraten. Sind denn auch sie - auf einer schiefen Ebene? Wer wollte das bestreiten? Und kann man da als freier, ungebundener Deutscher, Europäer und Weltbürger gelassen zusehen und sagen, die monotheistische Welt wird schon an ihren eigenen inneren Widersprüchen, an ihren "Monotheismen" zugrunde gehen?

Ja: Was wäre denn, wenn es so wäre? Im tiefsten Elend - ausgelöst nicht zuletzt auch oder sogar vor allem durch Monotheismen - hielten die Deutschen ihren Kopf hoch - und sangen. Und ja, das Singen ist wichtig. Und vieles in Deutschland ist heute so, weil die Deutschen die Fähigkeit, frei und beherzt zu singen, verloren haben. Es waren oft traurige Lieder, die sie sangen - aber selten ganz hoffnungslose. Es gäbe viele Beispiele. Belassen wir es nur bei dem schönen:
Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei,
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen,
mit Pulver und Blei,
die Gedanken sind frei!

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