Samstag, 15. August 2015

Die SS - Das Hofgesinde des Teufels

Ritualmorde innerhalb der SS um Otto Rahn und Karl Maria Wiligut?

Gerade erhalte ich unter dem Betreff "Literatur der Gegenwart" folgende Zuschrift:
Der Thrillerautor Philip Kerr stellt in "Im Sog der dunklen Mächte", dem zweiten Teil seiner Berlin-Trilogie, einen Ritualmord an jungen "arischen" Mädchen dar. Die Täter sind eine Gruppe von meist homosexuellen SS-Männern, unter anderem Otto Rahn und Karl Maria Wiligut.
Meine Antwort: Ja, darüber hatte ich auch schon gelesen. Macht sicherlich Sinn, diesen Roman mal genauer zu lesen und zu gucken, ob er auf authentischen Auskünften - oder zumindest "Hörensagen" - beruhen könnte. Dann läge das auf der Linie von "Das Foucault'sche Pendel" von Umberto Eco oder "Gravity's Rainbow" von Thomas Pynchon. - Meine Auseinandersetzung mit den Romanautoren David Perkins und Udo Röbel lässt mir aber auch manche Vorsicht und Skepsis angeraten erscheinen. Es muss bestimmt nicht jeder "Roman", der wenig bekannte historische Bezüge aufweist, auf authentischen Auskünften beruhen oder auf zumindest häufigen oder mehrheitlich authentischen Auskünften. Jedenfalls habe ich bei den beiden genannten Autoren Perkins und Röbel bislang kein Kriterium finden können, anhand dessen ich bei ihnen Dichtung und Wahrheit auseinander halten könnte (ähnlich wie bei dem "Sachbuch"-Autor Felix Groß ...). Darauf erhielt ich die Antwort:
Nach meinem ersten Eindruck ist das - abgesehen von der Homosexualität Rahns, nicht aber Wiliguts - eine bloße Fantasie.
Darauf ich: Wir waren uns doch schon einig, dass Bisexualität in Logenkreisen ein weiter verbreitetes Phänomen ist. Warum also nicht auch bei Wiligut? Der Fall Rahn weist ja manche Ähnlichkeiten mit dem Fall Sigmund Rascher auf (s. früherer Blogartikel).

Die Hausangestellte und Geliebte von Rascher verschwand 1944 bei einem Bergausflug, das Ehepaar Rascher geriet unter Mordverdacht. Insofern finde ich, dass man die von dir genannte Handlung des Romans von Kerr für sehr plausibel halten kann, zumal ja in England ebenfalls offenbar ein "arischer" "Baldur" in einem Ritual in Flammen gesetzt wurde, wahrscheinlich vom Herrn Aleister Crowley persönlich, der ja gute Verbindungen hatte zu den ariosophischen Logenkreisen der SS (s. früherer Blogartikel, z.B. diesen).

Die Handlungen beiderseits des Kanals in satanistischen Okkultlogen werden vor wie nach 1939 sehr häufig aufeinander abgestimmt gewesen sein.

Und aus dem Tatsachenbericht "Isis Fürstin der Nacht" von Karin Jäckel wissen wir, dass im Thüringer Wald nach 1945 in "Wandervereinen" und auf nächtlichen "Bergausflügen" auch so allerhand bisexuelle und gruppensexuelle, satanistische Rituale stattfanden, wobei ich mich jetzt nicht erinnere, ob es dort auch zu rituellen Morden gekommen ist.

Ritualmorde an "arischen" Mädchen in homosexuellen Kreisen von SS-Männern hat es in Deutschland zwischen 1933 und 1945 meines Erachtens ziemlich sicher gegeben, wohl mit allerhand Plausibilität auch im engsten Kreis um Rahn und Wiligut, Friedrich Hielscher, Wolfram von Sievers, Sigismund Rascher und wie sie alle heißen. Was Ernst Jünger in dieser Zeit gemacht hat, will ich offen lassen. Sein eigener Sohn ist ja unter merkwürdigen Umständen ums Leben gekommen während des Zweiten Weltkrieges (manches daran mutet wie eine Opferung an). Der Kriegshetzer Canaris sowieso. Ich würde mir zutrauen, über all das entlang der bisherigen Berichte "anthroposophischer Geschichtsschreibung" a la Trevor Ravenscroft noch ganz schön "schaurige" Bücher und Romane schreiben zu können, die sehr dicht an den realen Ereignissen dran wären, da man sie leicht hochgradig plausibel abfassen kann.

Das alles aber geschrieben, ohne jemals den genannten Roman von Kerr in der Hand gehabt zu haben. - - - Diese Zuschriften geben aber Anregung, im folgenden einen seit November 2013 unveröffentlichten Blogartikel zu veröffentlichen.

Otto Rahn, die Katharer, Tibet und die SS

Über den Schriftsteller und Himmler-Vertrauten Otto Rahn fällt sehr deutliches Licht auf die okkulten Hintergründe der SS (Wikip.) (Hervorhebungen nicht im Original). 1928
lernte Rahn seine spätere Sponsorin die Spiritistin Gräfin Miryanne Pujol-Murat kennen, die sich für eine Nachfahrin der Gräfin Esclarmonde de Foix (um 1151–um 1215) hielt, einer prominenten Angehörigen der mittelalterlichen Sekte der Katharer im Frankreich des 13. Jahrhunderts. Gräfin Pujol-Murat war Mitglied der Gnostischen Kirche und unterhielt enge Kontakte zur Okkultgruppe der "Les Polaires" (gegründet 1930), die sich mit den Hyperboreern und den Mythen um Ultima Thule beschäftigten und den Ideen der Welteislehre des von der SS protegierten österreichischen Ingenieurs Hanns Hörbiger (1860–1931) vertraten.
Im Auftrag dieser Okkultgruppe leitete Rahn Ausgrabungen in Südfrankreich:
Am 3. März 1932 berichtete die Zeitung La Dépêche du Midi von Ausgrabungsarbeiten einer theosophischen Gruppe der „Fraternité des Polaires“, kurz „Les Polaires“, mit Sitz in Paris (Avenue Rapp), in der Nähe von Massat, die von einem Deutschen [gemeint war Otto Rahn, der dies dementierte] geleitet werden.
Otto Rahn
1935 wurde Rahn dann über Karl Maria Wiligut dem persönlichen Mitarbeiterkreis von Heinrich Himmler angegliedert. Seine Arbeit stieß auf Interesse nicht nur bei Himmler, sondern auch bei den anderen höchsten SS-Führern, unter anderem dem Skaldensordenmitglied Werner Best, dem Anfeuerer von Mordmoral innerhalb der NSDAP und SS schon vor 1933 (in den Boxheimer Dokumenten):
1937 lernte Rahn bei Alfred Schmid den Schweizer Franz Riedweg kennen, den er auf Einladung Himmlers im selben Jahr bei einem Mittagessen im Nobelrestaurant Horcher wiedertraf. An diesem Essen nahmen der Leiter des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) Reinhard Heydrich, der Gruppenführer im „Persönlichen Stab des Reichsführer-SS“ Karl Wolff, der Schweizer Politiker Jean-Marie Musy und Werner Best teil. Himmler bahnte dabei Dr. Riedwegs Eintritt in die SS an, indem er ihm anbot, als Hauptsturmfüher und Truppenarzt bei der SS-Standarte Deutschland zu dienen, wodurch Otto Rahn ein Jahr später erhebliche Probleme entstanden, die letztlich zu seinem Freitod beitrugen.

Da Rahn fließend französisch sprach und als Katharer-Experte und Kenner der zu besprechenden okkulten Themen galt, wurde er von Willigut als Vermittler zu einem Gespräch zwischen Himmler und dem französischen Okkultisten Gaston de Mengel hinzugezogen. Der Brite Gaston de Mengel, war wie Rahns Freund Maurice Magre, Mitglied des Geheimbundes „Les Polaires", der vorgab, über eine spiritistische Orakelmethode mit einem spirituellen Zentrum in Tibet in Verbindung zu stehen
Otto Rahn
Für diesen Geheimbund hatte ja Rahn selbst schon gearbeitet, wie wir oben erfuhren.
De Mengels Reiserouten entsprachen den Interessen des Ahnenerbes. Im Rahmen seiner Spionagetätigkeiten, die von Heinrich Himmler finanziert wurden, hatte er über französische Geheimorganisationen zu berichten. Aus einem Schreiben Karl Wolffs vom 19. Februar 1937 an Karl Maria Wiligut geht hervor, dass es bei diesen Gesprächen auf Basis der Studien De Mengels über vorchristliches, indisches, persisches und teilweise chinesisches Schrifttum um die Edda, die Veden, die Kabbala und um seine metaphysischen Berechnungen über den Pyramidenbau ging. Oberscharführer Otto Rahn, soll die Richtigkeit derjenigen Forschungen De Mengels betätigt haben, die er auf seinen Reisen selbst beobachten konnte. Willigut schlug Otto Rahn für die Übersetzung der Werke Gaston de Mengels vor, in denen die Steuerung politischer Vorgänge geheimen spirituellen Zentren, namentlich Agartha und Shambhala zugerechnet wurde und die von tibetanischen Weltverschwörungstheorien und einem erwarteten neuen messianischen Weltlehrer namens Maitreya, handelten
Otto Rahn
Und weiter erfahren wir auf Wikipedia, wobei auch weiter viele Bezüge zu dem Inhalt des Buches "Das schwarze Reich" deutlich werden:
Rahn war überzeugt, dass die Katharer durch manichäische Missionare christianisierte Druiden gewesen seien, wozu ihm der Shambala-Mythos als Beweis diente: Im Shambala-Mythos wird der Mani-Stein des Chakravartin in Zusammenhang mit einem wunscherfüllenden Juwel in einem ähnlichen Kontext erwähnt, wie in Rahns Gralsmythos, in dem er behauptet, eine weiße Taube hätte den Gral „nach Asiens Bergen“ gebracht, womit er das Himalaya-Gebirge meint. 

Rahns Erkenntnisse, dass das höchste Mysterium der Katharer, die Manisola, das Rahn als identisch mit dem Gralsmahl sah, und seine Thesen, dass der von den Katharern verehrte Stein (Mani), den Rahn mit tibetisch-buddhistischen Analogien assoziierte, und die ihn zu dem von ihm konstruierten Rezeptionsstrang Katharer - Gral - Tibet veranlassten, wie er ihn in seinem Buch Kreuzzug gegen den Gral darstellte, stammen von seinem Freund, dem Dichter Maurice Magre, einem Mitglied des Geheimbundes „Les Polaires“. Maurice Magre, der Mentor Rahns, war Mitglied der okzidentalisch-esoterischen Gruppe der Polaires, die ihre Erkenntnisse mittels einer spiritistischen Orakelmethode gewannen, die sie mit einem spirituellen Zentrum in Tibet in Verbindung brachte. Gemäß der Durchsagen diesen Sternenkraftorakels, wünsche sich das tibetische Zentrum die Errichtung eines europäischen Einweihungszentrums unter der Leitung der Polaires, dass anknüpfend an katarische Traditionen, eine Neuauflage der sapientes, der Weisen der Katharer werden solle. Heinrich Himmler hatte durch den von Rahn gedolmetschten Abgesandten der Polaires, den Briten Gaston de Mengel, Kenntnis von der von dieser okkulten Orakel-Kommunikation mit dem geheimen Einweihungszentrum im Himalaya erhalten, und war seit seiner Lektüre des Buches „Tiere, Menschen und Götter“ von Ferdinand Ossendowski (1921/1924), mit mongolischen Erzählungen vertraut, die über ein geheimnisvolles unterirdisches Reich namens Agarthi und einem Einweihungszentrum, dass der Legende zufolge unterhalb des Himalayas liegt und von einem „König der Welt“ regiert wird, vertraut.

Die Thesen des Buddhisten Magre, die Katharer und überhaupt alle europäischen Ketzer seien getarnte Anhängern der Buddhalehre, haben in Rahns Büchern deutliche Spuren hinterlassen. Diese Auffassung wird jedoch von Historikern nicht geteilt, da sie auch sehr toleranter Kritik nicht standhalte. Ossendowskis Adepten, beispielsweise René Guénon, brachten den Agharta-Mythos mit der Gralslegende in Verbindung und konstruierten eine chiliastische Vorstellung, in der der „König der Welt“ die guten gegen die bösen Menschen in den Kampf führen wird.
(Über Ossendowski Erlebnisse in Sibirien informiert Wikipedia ebenfalls.) Weiter erfahren wir auf Wikipedia unter "Varia":
Der Thrillerautor Philip Kerr stellt in Im Sog der dunklen Mächte, dem zweiten Teil seiner Berlin-Trilogie, einen Mordfall in Form eines Ritualmords an jungen arischen Mädchen dar. Die Täter sind eine Gruppe von meist homosexuellen SS-Männern, unter anderem Rahn und Wiligut.
Todesanzeige für Otto Rahn
Otto Rahn schrieb "Der Kreuzzug gegen den Gral" und 1937 "Luzifers Hofgesind" (Wegener, S. 63):
Otto Rahn identifizierte die Katharer als Jünger Luzifers. Der Völkische Beobachter schrieb im April 1937 in einer Besprechung von Rahns neuem Buch (...): "'Unter Luzifers Hofgesind', schreib wörtlich Otto Rahn, 'verstehe ich diejenigen, die nicht eines Mittlers bedurften, um zu ihrem Gott zu kommen oder mit ihm Zwiesparche halten zu können, die vielmehr ihren Gott aus eigener Kraft suchten und nur deshalb, das ist mein Glauben, von ihm erhört wurden. ... Unter Luzifers Hofgesind verstehe ich diejenigen, die sich nicht in den Himmel erwinseln, sondern herzhaft in ihn Einlass heischen, weil sie ihr Menschenmöglichstes getan, um einer Vergottung würdig zu sein!' Viele mögen erschrecken vor dem Titel 'Luzifers Hofgesind', da auch der schönste und tiefste Wortsinn, nämlich Lichtträger, durch tausendfältige Umkehrung zu einem Höllenspuk gemacht werden kann. Aber Otto Rahn scheut sich nicht, dem Worte seinen Sinn zu lassen ..." Das Buch war ursprünglich als Arbeit über Konrad von Marburg, den berühmten Ketzerjäger, gedacht.
Himmler bestellte 100 Bände, zehn davon in Schweinsleder, zehn weitere Luxusbände waren in Pergament gebunden. Er schenkte Hitler zum Geburtstag ein Exemplar. (...)

Im Januar 1938 versandte Otto Rahn im Auftrag Himmlers einen Artikel aus der Zeitschrift "Volk im Werden" vom November des Vorjahres. In dem Artikel mit dem Titel "Verbannte Götter" heißt es: "In der Kirchenbibliothek St. Nikolai zu Greifswald befindet sich eine Handschrift aus der Zeit um 1400, die das 'Handbuch eines Inquisitors' darstellt und in ungeregelter Folge allerhand Sachen aus dem Bereich der päpstlichen Inquisition bringt. In dieser Handschrift findet sich folgendes Glaubensbekenntnis der 'Luciferiner': 'Herr, mein Schöpfer, mein Herr, mein Gott. Ich glaube an dich. Ich glaube, dass der neugeborene Gott von seiner Mutter ward geboren, wie ein andrer Sohn von seiner Mutter geboren wird. Ich glaube, dass er dich verstieß durch seinen Frevel, wie noch mancher Gerechte von seinem Gut und Erbe freventlich wird verstoßen. Ich glaube, dass du noch sollst kommen an dieselbe Stätte, da der neugeborene Gott kommen soll an diese Stätte, da du nun, Herr Lucifer, bist. Ich glaube, daß alle die, die in dem Himmel nun sind, sollen verstoßen werden mit dem neugeborenen Gott. Ich glaube, daß ich und alle, die dir, Herr Lucifer, gefällig sind, mit dir kommen sollen auf den obersten Thron, und wennich das glaube, Herr Lucifer, so hilf mir zu dir.'"
Einem Freund soll Rahn gesagt haben (Wegener, S. 64):
Ich bin bei Rosenberg und soll an der deutschen Religion mitarbeiten.
Das klingt also ganz nach jener Art von Tätigkeit, mit der auch Friedrich Hielscher in jener Zeit in SS-nahen Kreisen befasst gewesen ist. Es sollte also doch womöglich einmal überprüft werden, ob Philip Kerr "anthroposophische Geschichtsschreibung" auf der Linie von Trevor Ravenscroft getrieben hat oder ob er einfach nur wilde Phantasien veröffentlicht hat, die zu unplausibel und wild klingen, um konkreteren Wirklichkeitsbezug aufweisen zu können.

(Erster Entwurf: 14.11.2013)

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