Dienstag, 23. November 2010

Zur Frage nach dem Anteil der Freimaurer an der Machtergreifung Adolf Hitlers, an der Gestapo und damit am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (3. Teil)

"Die Nachkriegsgesellschaft im langen Schatten des Nationalsozialismus" (Buchtitel, 2008)
Der "Spiegel" - (nur) in der Frühzeit ein (totalitaristisches) "Nazi-Blatt"?

Rudolf Augstein 1973
In Teil 1 und Teil 2 dieser Aufsatzreihe gaben wir einige Daten zu den Hintergründen des Reichstagsbrandes wieder und der Art seiner geschichtlichen Aufarbeitung durch Fritz Tobias und zwar ausgerichtet nach jenen Vorarbeiten, die von dem Journalist Hersch Fischler zu diesem Thema veröffentlicht worden sind. Hier im 3. Teil soll nun Hersch Fischler selbst zu Wort kommen mit den wesentlichsten Auszügen seiner Aufsätze und Artikel. Zur allgemeineren Einordnung soll aber zuvor aus einer Rezension zu einer Biographie von Rudolf Augstein zitiert werden (19), die gut die allgemeine Situation in der frühen Bundesrepublik umreißt, in die sich auch die Mitarbeit von Fritz Tobias beim "Spiegel" einordnet. In der Frühzeit beschäftigte der "Spiegel",
das "deutsche Nachrichtenmagazin" ehemaliges Führungspersonal der Gestapo, der Reichskriminalpolizei und des Sicherheitsdienstes (SD) nicht nur als Autoren. Mit Georg Wolff und Horst Mahnke waren Leute als stellvertretender Chefredakteur (Wolff) und Ressortleiter (Wolff und Mahnke) tätig, die vorher schon beim Sicherheitsdienst der SS Karriere gemacht hatten. (...)

"Einen Kujau musste Augstein nie beschäftigen, seine Serien wurden von echten Nazis geschrieben." (...)

(Der Historiker) Hachmeister charakterisierte den SD korrekt als "Mischung aus Secret Service, Meinungs-Observatorium, Ideologiefabrik und Mordbüro". Beim "Spiegel" habe zwar keine Direktive existiert, "die auf Entschuldung der NS-Täter zielte", dennoch habe das Magazin für SD-Leute "als Relaisstation für neue Orientierung im demokratischen Staat" gedient: "Der Spiegel entwickelte sich zu einer SD-Mailbox, in der kräftig um die eigene Sache geworben wurde." 
Prof. H. Köhler, Hersch Fischler
Wenn man den Mordfall Barschel aus der Sicht von Wolfgang Baentsch betrachtet, könnte man noch heute sagen, daß der "Spiegel" - - - eine "Mischung aus Secret Service, Meinungs-Observatorium, Ideologiefabrik und Mordbüro" darstellt. Und auffallend genug ist es, daß weder die Chefredakteure des "Spiegel" selbst, noch die der "Zeit" bis heute bereit waren, sich mit diesen merkwürdigen NS-Frühgeschichten ihrer eigenen Publikationsorgane zu beschäftigen.

Ein Loblied auf die - von Sozialdemokraten gesäuberte - Kriminalpolizei im NS-Staat. Wo? - Im "Spiegel".

Hersch Fischler nun (siehe auch Foto rechts) schreibt konkreter zu den speziellen Hintergründen des Falles "Fritz Tobias", der sich in diese allgemeine Situation beim "Spiegel" und in der frühen Bundesrepublik (31 - 33) einordnet (7):
Im Heft vom 29. September 1949 kündigte Rudolf Augstein eine Serie über den Chef des Reichskriminalpolizeiamtes Arthur Nebe und die Geschichte der deutschen Kriminalpolizei im III. Reich an („Das Spiel ist aus - Arthur Nebe“). Anhand zahlreicher großer Kriminalfälle wurde dargestellt, wie erst die zunehmende Zentralisierung der kriminalpolizeilichen Arbeit in der Weimarer Republik und im III. Reich die Lösung komplexer Kriminalfälle ermöglichte. Sie schilderte eindrucksvolle Ermittlungserfolge der Kriminalisten in dem bereits in der Weimarer Republik konzipierten und 1936 von den Nationalsozialisten realisierten Reichskriminalpolizeiamt (RKPA). Der SPIEGEL behauptete, es habe im Dritten Reich entscheidende Unterschiede zwischen RKPA einerseits und der Gestapo, sowie dem Sicherheitsdienst (SD) der SS andererseits gegeben, obwohl Heydrich 1939 alle drei Institutionen im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) zusammengefaßt hatte. Die führenden Kriminalisten des RKPA seien praktisch (mit Ausnahme von RKPA-Chef Arthur Nebe, dessen Verstrickung in den Völkermord an den Juden und andere NS-Verbrechen eindringlich geschildert wurde) keine Nationalsozialisten gewesen, sondern nur formal, gleichsam „honoris causa“, und unfreiwillig Mitglieder der SS geworden. (...)

Die Nebe-Serie wurde die längste, die der SPIEGEL jemals veröffentlichte. Offenbar lag sie dem Spiegel-Begründer Augstein besonders am Herzen. Zum Abschluß der Serie machte er in einem Nachwort nochmals deutlich, worauf es ihm ankam: Die Serie führe „den heutigen Polizeiverantwortlichen vor Augen, daß die Kriminalpolizei zentrale Weisungsbefugnis für das gesamte Bundesgebiet nötig hat" und deshalb „auf ihre alten Fachleute zurückgreifen muß, auch wenn diese mit einem SS-Dienstrang angeglichen worden waren.“ Eine Ausschaltung der „Angeglichenen“ bei der Besetzung der Bundeskriminalpolizei würde nur Bonner „Partei-Kriminalisten“ Raum schaffen. Im Dritten Reich politisch verfolgte, insbesondere sozialdemokratische und aus Emigration zurückgekehrte Polizeifachleute hatten damals im SPIEGEL keine gute Presse. Sie wurden im Gegensatz zu den „Angeglichenen“ als unterqualifiziert dargestellt.
Offensichtlich also waren hier Polizeifachleute angesprochen, die unter Otto Braun und Carl Severing die preußische Polizei aufgebaut hatten und die - unter anderem - der (Auslands-)Finanzierung der NSDAP nachgegangen waren. Hierzu zählt insbesondere Wilhelm Abegg, der die preußische Polizei nach dem Ersten Weltkrieg aufgebaut hatte, und der während des Dritten Reiches vielfältige Aktivitäten zum Sturz Hitlers entfaltete und auch nach 1945 voller Tatendrang war. Er starb 1951. Sehr plausibel also, daß sich diese Spiegel-Serie insbesondere gegen Abegg und seinen tatendurstigen Kreis richtete, mit dem man sich auch einmal genauer befassen sollte. Hersch Fischler schreibt weiter:
Die treibende Kraft für die Errichtung des BKA war (...) der ehemalige Kriminalkommissar, SS- und SD-Mann Paul Dickopf (...) Schon die internen Papiere Dickopfs (...) machen deutlich, daß Augsteins Kommentare und die Berichterstattung des SPIEGEL zur Lage der Kriminalpolizei und zur Schaffung des BKA in den entscheidenden Jahren 1949-1951 paßgenau mit Dickopfs Konzept übereinstimmten. Zum Teil entsprechen wichtige Details der Berichte wortgetreu vertraulichen Informationen Dickopfs und leisteten ihm geschickt publizistische Schützenhilfe, z.B. im SPIEGEL-Bericht vom 9. März 1950, wo sozialdemokratischen Polizeifachleuten geschickt die Demokratie gefährdende Absichten hinsichtlich des BKA unterstellt werden. (...)
All das sollte eigentlich Anlaß geben, sich einmal sehr gründlich mit Wilhelm Abegg zu beschäftigen. Fischler weiter:
Wo alte Kameraden des RSHA eindeutig schwer belastet waren, verzögerte sich die Wiederverwendung mitunter. Aber auch hier half Augsteins Spiegel nach. Am 14. März 1951 berichtete er über das gerade erlassene BKA-Gesetz und monierte, daß „die Elite der alten Sherlock Holmes aus dem RKPA“ zwar „rehabilitiert, aber in der Mehrzahl bis jetzt noch nicht wieder eingestellt“ sei. Zehn noch wartende deutsche Kriminalisten wurden namentlich aufgeführt. Darunter befanden sich drei, die bereits in die allerersten Anfänge der „fachmännischen“ NS-Kriminalistik verwickelt gewesen waren, die Reichstagsbrandermittlungen. Neben Kriminalrat a.D. Helmut Müller, der in der Nacht des Reichstagsbrands die nicht von v. d. Lubbe stammende Fingerspuren gesichert hatte, befinden sich unter diesen Männern zwei, die für die weitere Spiegel-Berichterstattung eine entscheidende Rolle spielen sollten: Dr. (Walter) Zirpins, der die für Marinus van der Lubbe verhängnisvollen polizeilichen Geständnisprotokolle gefertigt und vor dem Reichsgericht beschworen hatte, und Kriminalrat a.D. Rudolf Braschwitz, der in der Reichtagsbrandkommission der Geheimen Staatspolizei 1933 ermittelte. (...)

Auch Zirpins stieg wieder empor. Begleitet von der publizistischen Fürsprache des SPIEGEL wurde er 1951 Leiter des Referates 24 (Kriminalpolizei) im niedersächsischen Innenministerium und damit (...) faktischer Leiter (des Landeskriminalamtes). (...)
Der 1951 zusammen mit Zirpins zur Wiedereinstellung empfohlene Reichstagsbrandermittler Dr. Braschwitz war unterdessen ebenfalls wieder aufgestiegen. Er wurde stellvertretender Leiter der Kripohauptstelle Dortmund. Am 2. Januar 1959 schrieb ein ehemaliger Gestapohäftling an die Staatsanwaltschaft Dortmund, er habe Dr. Braschwitz Ende 1958 zufällig gesehen und wiedererkannt. Im Oktober 1933 hätte ihn Braschwitz zusammen mit anderen Gestapobeamten schwer mißhandelt um eine Aussage zu erpressen. Es gab sofort Pressemeldungen über den Vorfall. Braschwitz' Tätigkeit in der Reichstagsbrandkommission der politischen Polizei wurde sofort ein Thema und es wurde der Vorwurf erhoben, Braschwitz habe 1933 vor dem Reichsgericht als Zeuge falsch ausgesagt. Die Staatsanwaltschaft Dortmund leitete Anfang 1959 ein Ermittlungsverfahren gegen Braschwitz wegen des Verdachts des Meineids im Reichstagsbrandprozeß ein (Aktenzeichen 10 Js 1/59).

Da damals in der Öffentlichkeit und der Geschichtswissenschaft noch die Meinung herrschte, daß der Reichstagsbrand von den Nationalsozialisten gelegt und die tatsächlichen Täter von der politischen Polizei gedeckt wurden, waren nachhaltige Ermittlungen nicht zu vermeiden. Zeugen wurden herangezogen, unter anderem Dr. Zirpins, der 1933 ja ebenfalls als Mitglied der politischen Polizei in Sachen Reichstagsbrand ermittelt hatte. Für Dr. Zirpins entstand Gefahr, selbst Beschuldigter eines Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts des Meineids zu Ungunsten Marinus van der Lubbes vor dem Reichsgericht zu werden.

Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da die Ermittlungen gegen Braschwitz sich ausdehnten, kündigte Rudolf Augstein im SPIEGEL vom 21. Oktober 1959 in einem engagierten Editorial die Serie über den Reichstagsbrand mit neuen, umwälzenden Erkenntnissen an: Jahrelange, gründlichst vom SPIEGEL überprüfte Recherchen des Oberregierungsrates Fritz Tobias hätten ergeben, daß Marinus van der Lubbe Alleintäter gewesen sei.

Juristische Ermittlungen gegen hohe bundesdeutsche Beamte veranlassen das Tätigwerden
1. des "Spiegel"
2. von Verfassungsschutz-Mann Fritz Tobias und 
3. des "Instituts für Zeitgeschichte" in München (1959)

Proteste gegen Globke
Also ein hochgradig auffälliges zeitliches Zusammentreffen, alles gut aufeinander abgestimmt. Man hatte sich sogar in langjährigen Vorarbeiten auf derartige Ereignisse "weitsichtig" vorbereitet. - Und man fragt sich schon hier parallel, worauf sich Fritz Tobias dann möglicherweise eigentlich mit seiner Arbeit zur Blomberg-Fritsch-Krise vorbereitet hatte ... Wollte er einen Gestapo-Mann wie Werner Best bei Gelegenheit "unter die Arme greifen" ...? Und war das dann nicht mehr nötig, da Werner Best sich über lange Jahre hinweg mit ärztlichen Attesten behalf und schließlich vor der Verfahrenseröffnung starb?

Übrigens an dieser Stelle gleich der Hinweis, daß nicht nur (etwaig) die Freimaurer so verfahren sind, wie hier beschrieben, sondern auch die katholische Lobby hochgestellte Persönlichkeiten wie den Staatssekretär Globke (Foto rechts) vor juristischen Zugriffen geschützt hat (32). Und außerdem der Hinweis, daß es auch sonst mancherorts "Nazijäger" mit "Nazivergangenheit" gegeben hat (33). Über diese ganz merkwürdigen "Erfolggeschichten der Bundesrepublik Deutschland", die noch wenigen wirklich richtig ins Bewußtsein gedrungen ist, müßte überhaupt einmal ein Gesamtüberblick erarbeitet werden. Gerade erst hat sich das Auswärtige Amt dazu durchgerungen, die personellen Kontinuitäten über das Jahr 1945 hinweg unter die Lupe zu nehmen (siehe Foto links). - Fischler jedenfalls weiter:
Zirpins selbst trat in der Serie als glaubwürdiger Kronzeuge für die Alleintäterschaft Marinus van der Lubbes auf. (...) Der Autor der Serie, Fritz Tobias, arbeitete bereits 1951 bei Zirpins Wiederverwendung mit ihm im niedersächsischen Innenministerium zusammen und beide hatten, wie aus einem Schreiben von Tobias an Zirpins vom 13.Februar 1960 hervorgeht, in Sachen Getto Lodz „böse Absichten“ Dritter zu befürchten. (...)
Die Serie wirkte für Dr. Zirpins wie eine maßgeschneiderte Entlastung gegen mögliche Vorwürfe, er habe vor dem Reichsgericht gegen Marinus van der Lubbe falsch ausgesagt und andere, nationalsozialistische Täter gedeckt. (...) Da van der Lubbe leider mit dem Tode bestraft und hingerichtet wurde, so Augstein in seinem engagierten Nachwort im SPIEGEL 2/1960, sei das Thema Reichstagsbrand erledigt und sollte „aus und vergessen“ sein. (...) Die SPIEGEL-Serie zeigte Wirkung. Beschuldigte ehemalige Nationalsozialisten und auch Dr. Braschwitz beriefen sich auf die Ergebnisse des angeblich sorgfältig recherchierenden SPIEGEL und erreichten eine Einstellung der Verfahren. Gegen Zirpins wurde in Zusammenhang mit seiner Ermittlungstätigkeit in Sachen Reichstagsbrand kein Verfahren mehr eröffnet.
An anderer Stelle (11) erfahren wir von noch höher gestellten "Interessierten" an einer Popularisierung der Alleintäter-These:
"Es gab es einen hohen Beamten im Bonner Innenministerium, der ein Interesse daran hatte, seine kriminelle Verstrickung in den Fall Reichstagsbrand zu verheimlichen", sagte der Zeithistoriker Hersch Fischler der Netzeitung, der die Aktennotiz von 1962 fand.
Es geht um Ministerialdirektor Hans Schneppel (1903-1973), seinerzeit Leiter der Abteilung VI des Bundesinnenministeriums, Öffentliche Sicherheit, zuständig für Geheimschutz, Staatsschutz I und Bundesverfassungsschutz, Staatsschutz II und Bundeskriminalamt, Bundesgrenzenschutz und Bereitschaftspolizei der Länder. Mit der Fülle dieser Dienstbereiche war Schneppel einer der wichtigsten und einflussreichsten Bonner Beamten.
Zur Zeit des Reichstagsbrandes - 30 Jahre vorher - war Hans Schneppel Assessor bei der Politischen Polizei, Abt. I A im Berliner Polizeipräsidium gewesen, die durch Oberregierungsrat Diels direkt aus der Polizeiabteilung von Görings Preußischem Innenministerium geleitet wurde.
In der Nacht des Brandes stellte er rechtswidrige Haftbefehle gegen Regimegegner aus, die noch in der gleichen Nacht vollstreckt wurden. (...)
Später spielte Schneppel beim Reichstagsbrandprozess als Mitarbeiter der Gestapo eine wichtige Rolle. Die Originalakten (...). Aus ihnen geht hervor, dass Hans Schneppel im Herbst 1933 dabei half, Aussagen im Reichstagsbrandprozess vorzubereiten und zu manipulieren.
Beispielsweise forderte er den Leiter des Geheimen Staatspolizeiamts, Rudolf Diels, in einem Schreiben auf, seine zu erwartende Zeugenaussage vor dem Reichsgericht im voraus abzustimmen, um das deutlich ins Wanken geratene Alibi des SA-Führers Graf Helldorf nicht noch mehr zu erschüttern.
Manipulationen zu Gunsten NS-Verdächtiger waren auch nach damaligem Recht strafbar. Wären Schneppels kriminelle Verstrickungen in die Ermittlungen zum Reichstagsbrand Anfang der 60er Jahre bekannt geworden, so hätte dies seine Karriere in größte Turbulenzen gebracht und wahrscheinlich beendet, meint Fischler.
Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte 1959/60 mit einer groß angelegten Serie über spektakuläre Forschungsergebnisse zum Reichstagsbrand überrascht.Für Schneppel waren die dort vorgetragenen Erkenntnisse ein guter Schutz. Die Spiegel-Serie behauptete, die Nationalsozialisten seien am Reichstagsbrand von 1933 völlig unbeteiligt gewesen und die damaligen Kriminalisten hätten keine NS-Täter gedeckt. Recherchiert hatte die Serie Fritz Tobias - ein Verfassungsschützer.
Fischler ist nach seinen Recherchen überzeugt, daß Schneppel selbst es war, der die Entwicklung der Alleintäterthese förderte. Für seine Auffassung sprechen die Parallelen in den beruflichen Lebensläufen von Hans Schneppel und Fritz Tobias. (...)
Tobias arbeitete ab 1959 in Hannover im Verfassungsschutz, während Schneppel zur gleichen Zeit in Bonn als oberster Beamter die Aufsicht über den Verfassungsschutz übernahm. Fischlers Fazit: "In Sachen Reichstagsbrand strickte also ein Verfassungsschutzbeamter mit der Alleintäterthese eine Legende, die frühere kriminelle NS-Verstrickungen des obersten Ministerialbeamten, der den Verfassungsschutz beaufsichtigen sollte, vertuschte."
Die vom Spiegel verbreitete Alleintäterthese hatte Aufsehen erregt - und starke Zweifel. Das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) musste sich mit der Spiegel-Publikation befassen und beauftragte den Historiker Hans Schneider, den Fall zu überprüfen. Schneider kam 1962 zu dem Ergebnis, dass die Behauptung, van der Lubbe habe den Reichstag allein in Brand gesetzt, schlichtweg eine Geschichtsfälschung sei. (...)
Anhaltspunkte dafür, dass Hans Schneppel 1962 mit den ihm vertrauten, geheimdienstlichen Methoden in die Forschungsarbeit des IfZ eingreifen ließ, um Hans Schneiders unbequem gewordene Arbeit zu blockieren, sieht er aber in der "dubiosen, an Zersetzungsstrategien von Geheimdiensten erinnernden Vorgehensweise und der Lautlosigkeit des Vorgehens des Instituts gegen Schneider, die ohne Niederschlag in den Erörterungen des Stiftungs- oder wissenschaftlichen Beirates blieb". Fischler: "Wie anders war es möglich, dass eine so einschneidende Maßnahme wie ein generelles Publikationsverbot für einen wissenschaftlichen Mitarbeiter vor dem wissenschaftlichen Beirat nicht erörtert wurde?"
Über diese und weitere zu schildernde Hintergründe ist 2003 eine Fernsehdokumentation beim SWR erstellt worden. In Youtube-Video's (a, b) kann man wesentliche Auszüge dieser Dokumenation ansehen. Es werden auch alle Hauptbeteiligten in Interview's vorgestellt (vor allem Fritz Tobias, Prof. Mommsen vom IfZ, sowie der jetzige Leiter des IfZ).

Albert Norden, SED, 1963
Fischler stellt dann Mutmaßungen darüber an, warum die Sowjetunion und die DDR, die im Besitz der Reichstagsbrand-Akten waren, offenbar ebenfalls kein Interesse an der Klärung der Sachverhalte hatten, bzw. an der Richtigstellung der westdeutschen Geschichtsverfälschung durch Fritz Tobias: Sie konnten durch die Monopolisierung ihres Wissens führende Beamte der westdeutschen Kriminalpolizei erpressen. Ein allgemein übliches Vorgehen in damaliger Zeit, das noch längst nicht erschöpfend erforscht ist.

Beispielsweise präsentierte der DDR-Politiker Albert Norden (siehe Bild links) im Jahr 1963 belastende Dokumente über die nationalsozialistische Vergangenheit des westdeutschen Bundesvertriebenenministers  Hans Krüger, der daraufhin seinen Hut nehmen mußte (Wikip.). Vielleicht noch viel aufschlußreicher als die Tatsache, wann die DDR Vergangenheits-Aufklärung gegenüber westdeutschen Politikern betrieb, wäre es wohl zu fragen, wann sie das nicht tat. Und was man daraus für Schlußfolgerungen hinsichtlich von Gegenleistungen ableiten kann.

Zündete der Pressereferent von Josef Goebbels den Reichstag an?

Weiter berichtet Fischler über den der persönlichen Pressereferent von Josef Goebbels, Wilfried von Oven, der 1951 mit einem von Rudolf Augstein persönlich unterschriebenen Presseausweis als "Spiegel"-Korrespondent nach Argentinien geschickt worden ist:
In den sechziger Jahren informierte der Berliner Journalist Alfred Weiland den damaligen Bundesjustizminister und auch den SPIEGEL über seine Erlebnisse in den Tagen vor der Reichstagsbrandstiftung. Er gab an, er habe damals als Funktionär der Allgemeinen Arbeiterunion (AAU), einer von Moskau unabhängigen syndikalistischen linken Organisation, Kontakt mit van der Lubbe gehabt, der von den holländischen Rätekommunisten nach Berlin gesandt worden sei. Van der Lubbe sei aber in seiner Unwissenheit und Naivität in Kreise von SA- und politischen Polizei-Spitzel geraten. Diese hätten ihn in provokative, aufsehenerregende Aktionen hineingezogen, die die Notstandsmaßnahmen der Regierung Hitler rechtfertigen und herbeiführen sollten. Ein Student Wilfried van Oven (!) sei damals ebenfalls Mitglied der AAU gewesen. Er habe Kontakt zu van der Lubbe gehabt und sei nach dem Reichstagsbrand zu den Nationalsozialisten übergegangen.
Fischlers These: Nicht die Nazis, sondern die Nationalkonservativen zündeten den Reichstag an - wegen des "Osthilfe-Skandals" rund um Otto von Hindenburg

Hersch Fischler schreibt an anderer Stelle (6):
Der Holländer Constant Ferdinand Schoch wurde nach tagelanger Fahndung am 4. März 1933 festgenommen, weil er der Fahrer eines von der Bevölkerung als verdächtig gemeldeten holländischen Autos war, das am Nachmittag des Brandtages und auch zur Brandzeit am Reichstag beobachtet worden war. (...)
Und aus Anlaß dieses Schoch kommt Fischler zu sprechen auf die tatsächlichen Hintergründe des Reichstagsbrandes nach seiner eigenen Einschätzung. Offenbar sind die Andeutungen, die Fischler hier macht, noch an keiner Stelle in der Literatur wie angekündigt weiter ausgeführt worden:
(...) Da aber im Fall des Tatverdächtigen Schoch, wie noch gezeigt werden wird, Anhaltspunkte dafür vorliegen, daß nicht nur die Nationalsozialisten, sondern auch ihre damaligen konservativen Koalitionspartner an der Brandstiftung im Reichstag beteiligt waren, stellt sich die Frage nach dem cui bono, nach den Motiven dieses politischen Verbrechens, die Historiker und Politikwissenschaftler am meisten interessieren, unter neuen Gesichtspunkten. Die Geschichtswissenschaft hat Anlaß, die Bedeutung des Reichstagsbrandes für das Ende von Weimar und die Machteroberung der Nationalsozialisten nochmals zu untersuchen.
Fischler schreibt (6):
Bislang unbekannte Beweise und Indizien liefern Anhaltspunkte dafür, daß die Nationalsozialisten zusammen mit ihren damaligen Koalitionspartnern von der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot (Franz von Papen, Deutschnationale Volkspartei und Stahlhelm) den Brand im Reichstag legten. Die Akten des Fond 551 werfen neue Fragen zur Rolle von Hitlers konservativen Koalitionspartnern bei der Machteroberung der Nationalsozialisten auf. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf den Osthilfeskandal im Januar und Februar 1933, dessen Bedeutung für die Bildung des Kabinetts Hitler, die Auflösung und Neuwahl des Reichstags und das Ende von Weimar zwar vielfach angedeutet, aber nicht ausführlich untersucht wurde.
Zu diesem Zweck haben wir ja schon ausführlich den überraschend auskunftfreudigen Wikipedia-Artikel zum Osthilfe-Skandal zitiert. Fischler schreibt dann:
(...) Die Dokumente des Fond 551 (...) zwingen dazu, nochmals zu überprüfen, inwieweit nicht auch die konservativen Bündnispartner der Nationalsozialisten von der "Kampffront Schwarz-Weiß-Rot" ein drängendes Motiv für die Teilnahme an der Reichstagsbrandstiftung hatten und die Nationalsozialisten ein starkes Interesse an deren Komplizenschaft.

Die überaus schnelle Machteroberung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 läßt im Rückblick leicht verkennen, wie die Haltung der Koalitionspartner in der Hitlerregierung gegenüber dem Reichstag tatsächlich aussah. Nicht nur die Nationalsozialisten, sondern auch ihre Partner von der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot wollten dem Reichstag als demokratischem Parlament unter allen Umständen ein Ende bereiten. Die Nationalkonservativen waren dem Reichstag gegenüber sogar noch feindlicher eingestellt als die Nationalsozialisten.

Die Nationalsozialisten waren stärkste Fraktion im Reichstag und nutzten ihre Reichstagspräsenz sehr effektiv. Einer ihrer Führer, Göring, war Reichstagspräsident. Sie konnten im Reichstag die Präsidialregierungen wirksam bedrohen, bei möglichen Koalitionsregierungen unverzichtbarer Partner sein, Einkommen für ihre in der Regel nicht gerade wohlhabenden Funktionäre erzielen und sehr wirksam Propaganda treiben. Die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot hatte keine relevante Präsenz im Reichstag. Franz von Papen hatte sich mit seiner früheren Partei, dem Zentrum, gründlichst überworfen und besaß keinen eigenen parlamentarischen Anhang. Der Stahlhelm war ein politischer Verband ehemaliger Frontkämpfer, der die Parteiendemokratie explizit ablehnte und eine außerparlamentarische Opposition zwecks Beseitigung des "Weimarer Systems" zugunsten einer autoritären, monarchistischen Regierung betrieb. Die Deutschnationale Volkspartei war mit ihrer geringen Anzahl von Abgeordneten parlamentarisch ohne relevanten Einfluß und ohne entscheidende Bedeutung für Koaltionsbildungen. Auch ihr Ziel war die Beseitigung des "Weimarer Systems" und des Parteieneinflusses zugunsten einer autoritären, die Monarchie wieder errichtenden Regierung, wofür sie im Reichstag aber kaum etwas bewirken konnte. Stattdessen zog sie sich noch die Kritik ihrer Sympathisanten und potentiellen Wähler zu, sich zu sehr am parlamentarischen System zu orientieren.
Im Januar und Februar 1933 war der Reichstag Hitlers Koalitionspartnern - also von Papen, dem Stahlhelm und den Deutschnationalen - gerade besonders verhaßt geworden. In ihm drohte die parlamentarische Untersuchung eines Skandals, der viele prominente Mitglieder von DNVP und Stahlhelm betraf und sowohl die Deutschnationale Partei, von Papen, als auch den Reichspräsidenten Hindenburg und sogar die von den Nationalkonservativen verehrte Familie des Kaisers in Doorn an den öffentlichen Pranger zu stellen drohte. Hitlers konservative Koalitionspartner hatten wirklich drängende Motive, den Reichstag auszuschalten ....
Reichstag anzünden, damit der "Osthilfeskandal" sich von selbst erledigt

(Hervorhebung nicht im Original.) Leider gibt es zum Tatmotiv "Osthilfeskandal" am Ende dann nur die folgende redaktionelle Bemerkung:
Zur weiteren Ausleuchtung des Osthilfeskandals als einem möglichen Motivhintergrund nationalkonservativer Mittäterschaft am Reichstagsbrand hat Hersch Fischler ein zweites Manuskript angekündigt, das die Redaktion des Forums später nachreichen wird.
In dem Zusammenhang könnte wichtig sein, daß, wie schon im früheren Teil erwähnt, der Berliner Polizeipräsident zuvor als Vermittler gegenüber dem Kaiser in Holland tätig gewesen ist, Zusammenhänge, die ja auch von Fischler angedeutet werden. Aber ie gesagt, von Fischler ist ein solches zweites Manuskript bislang offenbar nicht veröffentlicht worden. (Oder haben wir es übersehen?)

Spannend ist ja diese seine These unter anderem deshalb - und hier mag sich ein Kreis schließen -, weil auch der Freimaurer- und Kriegsgener Erich Ludendorff im Jahr 1932 in seiner Wochenzeitung "Ludendorffs Volkswarte" den Osthilfe-Skandal rund um den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg breit thematisierte und ihn - offenbar richtigerweise - als einen der Hauptgründe dafür annahm, daß Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernannte. Möglicherweise handelt es sich hier also keineswegs um "abseitige" Themen, sondern um die zentralsten, die man sich überhaupt nur vorstellen kann. Jedenfalls schreibt Fischler weiter:
Die politische Polizei wurde von einem wenige Tage zuvor neu ernannten Chef geleitet, Oberregierungsrat Dr. Rudolf Diels. Diels war ein Günstling des Nationalsozialisten Göring und des nationalkonservativen Vizekanzlers im Kabinett Hitler, Franz von Papen. Er wurde im April 1933 der erste Chef der Gestapo.
Auch Gestapo-Chef Rudolf Diels vertuschte die Schuldigen am Reichstagsbrand und durfte 1949 für den "Spiegel" schreiben ...

Bei dem Namen Rudolf Diels mögen so manche Glocken läuten. Auch dieser leitende Gestapo-Beamte Rudolf Diels war - schon 1949 - ein "Spiegel"-Autor gewesen (Wikip.). Er wurde als „Beamter zur Wiederverwendung“ bis zu seinem Tode vom Land Niedersachsen besoldet (s. Wikip.). Diels hatte sich 1930 gegen Abegg gestellt, war also frühzeitig eine leitende Persönlichkeit bei der preußischen Polizei, die Kooperationsbereitschaft mit den Nationalsozialisten zeigte, so wie alle anderen mit den Reichstagsbrand-Ermittlungen Befaßten. Diels starb im November 1957 an einem Jagdunfall. Kurz zuvor soll er den Plan gehabt haben, in Zusammenarbeit mit dem "Institut für Zeitgeschichte" eine Rekonstruktion der Vorgänge um den Reichstagsbrand zu erarbeiten (s. Wikip.). Fischler nun weiter:
Dem Verdacht gegen Heise und Albrecht gingen Diels Beamte nicht weiter nach. Auch an den Ermittlungen gegen F.C.A. Schoch, einen Holländer, der am 4.3 nach einer am 28.2 einsetzenden Fahndung festgenommen wurde, scheint man kein Interesse gehabt zu haben. Schochs Wagen mit holländischem Kennzeichen war von zahlreichen Zeugen am Brandtag vor Portal 5 des Reichstag beobachtet und als verdächtig gemeldet worden. Die politische Polizei stellte bei den Vernehmungen Schochs fest, daß dieser auch zur Brandzeit vor dem Reichstag gehalten hatte und zuvor am Mittag wahrscheinlich im Reichstag gewesen war. Obwohl er kein Alibi für die Anfangszeit der Brandstiftung hatte, wurde Schoch schnell freigelassen, als er intensive Kontakte zu Deutschnationalen und Sympathien für die Nationalsozialisten offenbarte. Der Tatverdacht gegen ihn wurde nie bekannt. Während des III.Reiches lebte er in Deutschland und Österreich und nahm eine Führungsposition in Goebbels Filmindustrie ein. (...)
Da wichtigen Spuren nicht weiter nachgegangen wurde, wenn sie ins Lager der Regierungpartner verwiesen, geben die Akten des Fonds 551 außer zu den bereits erwähnten drei Personen Albrecht, Heise und Schoch keine Hinweise zu der wahrscheinlichen Identität der beteiligten Brandstifter. Die Spuren lassen es aber als plausibel erscheinen, daß die Brandstiftung von Nationalsozialisten und ihren damaligen nationalkonservativen Bündnispartnern unter Beihilfe von Beamtenpersonal des Reichstages vorgenommen wurde. (Seit 1932 war Göring Reichstagspräsident) (...)

Wie in den Akten enthaltene Zeugenaussagen nahelegen, die von der politischen Polizei nicht beachtet wurden, öffneten Helfer ihnen wahrscheinlich die Portale 2 und 3.
Schon 1929 hatten Freikorpskämpfer einen Bombenanschlag auf den Reichstag verübt

Fischler weiter:
Die Nationalsozialisten und ihnen nahestehende radikale Gruppierungen hatten damals eigene Nachrichtendienste für die Ausspähung der Kommunisten und Linken. Die suchten nach jungen tatdurstigen Aktivisten wie van der Lubbe, die man irreführen und für Provokationen nutzen konnte. Wegen seiner mangelnden Sehkraft war es besonders leicht, van der Lubbe etwas vorzuspielen, ohne in Gefahr zu geraten, daß er später viel verraten konnte.

Eine sehr wichtiger Hinweis, der 1933 nicht verfolgt wurde, führt zu einem Bombenanschlag auf den Reichstag, der 1929 stattfand. Das Attentat ist heute völlig vergessen. Am 1. September 1929 ließen ehemalige Freikorpskämpfer eine Zeitbombe an der Nordseite des Reichstags explodieren. Die Bombenleger von 1929 kamen aus der Organisation Consul bzw. Brigade Ehrhardt, die in der frühen Weimarer Republik rechtsterroristisch aktiv war (z.B. Rathenau-Mord) und dann 1933 zeitweilig zu den Nationalsozialisten und zur SS stieß. Die Ermittler hätten 1933 dieser Spur sofort nachgehen müssen, taten dies aber nicht, selbst als sie aus der Bevölkerung auf sie hingewiesen wurden. Nach späteren Berichten eines Beteiligten und zeitgenössischen Zeugen war einer der Bombenleger von 1929 der später berühmt gewordene Schriftsteller Ernst von Salomon (1902-1972), der als Mitglied der Organisation Consul schon wegen Beihilfe beim Rathenaumord verurteilt worden war.

Die Reichstagsbrandstiftung weist in wichtigen Punkten erstaunliche Übereinstimmungen mit dem Attentat von 1929 auf. (...)

Im Februar 1933 war Ernst von Salomon wieder in Berlin in der Organisation des Kapitän Ehrhardt aktiv. Andere Täter des Reichstagsattentats von 1929 waren zur SS gestoßen, blieben aber trotzdem bei Ehrhardt organisiert. Ehrhardt verfolgte die Strategie, einen kommunistischen Aufstandsversuch zu provozieren oder vorzutäuschen, um dann mittels einer Notverordnung die Weimarer Demokratie durch eine nationale Diktatur abzulösen und die Kommunisten auszuschalten. (...)
Die 1933 nicht verfolgte Spur zum Reichstagsattentat von 1929 wirft heute noch die Frage auf, ob sich die nationalsozialistischen Führer nicht der "bewährten" Terroristen der früheren Organisation Consul bedienten, um die Reichstagsbrandstiftung "professionell" durchführen zu lassen. 
Soweit die - soweit übersehbar - wesentlichsten Thesen von Hersch Fischler zum Thema Reichstagsbrand.

Woher kommt dieses allseitige Denken und Handeln auf "ähnlichen Frequenzen" nach 1945?

Es ist nun bemerkenswert, daß es gerade Ludendorff war, der viel zur öffentlichen Kritik an diesen Vorgängen beitrug, und daß gerade dieser Ludendorff nun von Fritz Tobias, der auch die eigentlichen Brandstifter des Reichstages deckt, in seiner aus heutiger Sicht durch und durch vorbildlichen Hitler-Feindschaft des Jahres 1933 "entzaubert" werden soll.

Was treibt und trieb diesen Mann Fritz Tobias? Was weiß er und was sucht er zu vertuschen? Die Mitschuld deutscher Freimaurer an der Reichskanzlerschaft Hitlers, an ihrer Stabilisierung, an der Ausschaltung der kriegsunwilligen Generalität 1938? Also die Mitschuld deutscher Freimaurer am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges? Wie anders können wir uns einen Reim auf all den vielen Filz rund um "Spiegel", Fritz Tobias und das Institut für Zeitgeschichte machen? Warum dachten sie alle gleichzeitig auf den "gleichen Frequenzen"? Wie kann so etwas zustande kommen?

Literatur

1. Tobias, Fritz: Stehen Sie auf, van der Lubbe“. Der Reichstagsbrand 1933 – Geschichte einer Legende. Nach einem Manuskript von Fritz Tobias. Nach einem Manuskript von Fritz Tobias. In: Der Spiegel Heft 43/1959 bis Doppelheft 1-2/1960
2. Tobias, Fritz: Der Reichstagsbrand. Legende und Wirklichkeit. Rastatt : Grote, 1962
3. Tobias, Fritz: Auch Fälschungen haben lange Beine. Des Senatspräsidenten Rauschnings „Gespräche mit Hitler“. In: Karl Corino (Hrsg.): Gefälscht! Betrug in Politik, Literatur, Wissenschaft, Kunst und Musik. Greno, Nördlingen 1988, S. 91–105.
4. Tobias, Fritz: Ludendorff, Hindenburg und Hitler. Das Phantasieprodukt des Ludendorff-Briefes. In: Uwe Backes, Eckhard Jesse und Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die Schatten der Vergangenheit. Impulse zur Historisierung des Nationalsozialismus. Propyläen Verlag Frankfurt/Main und Berlin 1990, S. 319–342
5. Tobias, Fritz: Der Sturz der Generäle. Hitler und die Blomberg-Fritsch-Krise 1938 (mit Karl-Heinz Janßen). München : C. H. Beck, 1994
5a. Köhler, Otto: Offizielle Mitarbeiter. In: Konkret, 05/1992
6. Fischler, Hersch: Reichstagsbrand, Osthilfeskandal und das Ende von Weimar: Plädoyer für ein Quellenstudium jenseits verhärteter Polarisierungen. Auf: Reichstagsbrandforum (Startbeitrag) (ohne Datum, wohl 1995)
7. Fischler, Hersch: Der SPIEGEL und der Reichstagsbrand 1933. In: "Wupper Nachrichten", Nr. 7, 8 und 9 (ab 13.4.1996)
8. Fischler, Hersch: "Neue Spuren" - Interview mit Hersch Fischler zur Premiere des Stücks "Aus Protest!". In: Programmheft zum Stück "Aus Protest! Der Reichstagsbrandstifter Marinus van der Lubbe" Deutsches Theater Berlin, Kammerspiele Regie Ronald Steckel, Uraufführung: 16. Oktober 2000
9. Brack, Gerhard: NZZ attackiert Rudolf Augstein - netzeitung.de (8.12.2000)
11. Brack, Gerhard: Geschichtslegende für einen Verfassungsschützer (alt) - netzeitung.de wichtiger Artikel (11.1.2001) -
12. Brack, Gerhard: «Reine Propagandareden» - netzeitung.de (11.1.2001)
13. Brack, Gerhard: Aussagen aufeinander abstimmen - netzeitung.de (24.1.2001)
14. Brack, Gerhard: Die Personen - netzeitung.de (24.1.2001)
16. Brack, Gerhard: Reichstagsbrand am Rosenmontag - netzeitung.de (27.2.2001)
17. Brack, Gerhard: Die Spur der Namensschilder - netzeitung.de (2.3.2001)
19. Gutmair, Ulrich: Vergessene Kameraden - netzeitung.de (9.7.2002) - wichtiger Artikel über Rudolf Augstein
20. Kellerhoff, Sven Felix: Gibt es Neues vom Reichstagsbrand? - Nachrichten DIE WELT. 26.2.2003
20a. Fischler, Hersch; Becker, Holger: Als Schneppel aus dem Schneider kam | deutschesneuland.de (ohne Datum)
22. Schulzki-Haddouti, Christiane: Der Reichstagsbrand - Telepolis. 25.02.2006
23. Pamperrien, Sabine: Rudolf Augsteins Super-Scoop - netzeitung.de (16.1.2007)
24. Fischler, Hersch: . Auf: Spiegelkritik.de, 8.3.2007
25. Schmitz, Henrik: Reichstagsbrand: Über eine schwierige Recherche | evangelisch.de. Interview mit Miriam Bunjes, 8.7.2010
27. Lothar Gruchmann: Ludendorffs „prophetischer“ Brief an Hindenburg vom Januar/Februar 1933. Eine Legende. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 47. Jahrgang, Oktober 1999, S. 559–562
28. Eberle, Henrik: Briefe an Hitler. Ein Volk schreibt seinem Führer. Unbekannte Dokumente aus Moskauer Archiven, Bastei Lübbe 2007, S. 188 - 194.
29. Diesener, Gerald: Rezension von Tobias / "Der Sturz der Generäle". In: Comparativ – Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung - Heft 5. 5/1995, S. 159
30. Buchholz, Arden: Rezensionen von Tobias / "Der Sturz der Generäle"in: Central European History, (1996), 29: 265-267
31. Meining, Stefan: Feindstaat Israel: Der SED-Staat und die Juden (1949–1990). In: Einsichten und Perspektiven. Bayerische Zeitschrift für Politik und Geschichte, 3/2008
32. Reinhardt, Bernd: Der deutsche Jurist Fritz Bauer und die braune Vergangenheit der BRD. Der Dokumentarfilm "Fritz Bauer - Tod auf Raten" von Ilona Ziok. 11.3.2010
33. Mix, Andreas: NS-Aufarbeitung - Nazijäger mit Vergangenheit - einestages, 28.11.2008  

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