Montag, 23. August 2010

Charlotte Knobloch fordert Auseinandersetzung mit Mathilde Ludendorff

Verschiebungen auf dem geschichtspolitischen Feld

"Denkmal der Geschichte" n. d. Weim. Verf.(Art.150)
Es gab wohl nach dem Ersten Weltkrieg und in den 1920er Jahren des 20. Jahrhunderts kein Land und kein Volk auf der Erde, in dem es eine solche Vielfalt an weltanschaulichen, kulturellen, politischen und religiösen Bestrebungen "rechts" von der demokratischen Mitte, bzw. ganz unabhängig vom politischen Links-Rechts-Denken gegeben hat, als in Deutschland und im deutschen Volk. Auch viele der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler jener Zeit haben in der einen oder anderen Weise in Berührung gestanden mit diesen vielfältigen Bestrebungen. Man könnte hier Thomas Mann nennen. Oder Hermann Hesse. Oder etwa auch den bedeutendsten deutschen Bevölkerungswissenschaftler des 20. Jahrhunderts, den Sozialreformer Gerhard Mackenroth. In mancherlei Hinsicht kann man sie sogar als sehr bedeutende Repräsentanten dieser Bestrebungen bewerten und zwar sowohl was ihre Tätigkeit vor wie nach 1945 betrifft.

Über die immense Vielfalt und Verflochtenheit dieser Bestrebungen kann man sich informieren etwa in dem Buch des der SPD nahestehenden, langjährigen Vorsitzenden der Freireligiösen Gemeinden in den Deutschland nach 1945, Dietrich Bronder, mit dem Titel "Bevor Hitler kam" (1964, 1975). Oder in dem Standardwerk und "Referenzwerk" zur sogenannten "Konservativen Revolution" von Armin Mohler (1950, 4. erw. Auflage 1994, posthum 1999, 2005), dem Sekretär von Ernst Jünger, mit dem gleichnamigen Titel "Die Konservative Revolution - Ein Handbuch". Natürlich gibt es zu diesem Thema noch eine Fülle weiterer, auch jeweils aktueller Literatur (Übersicht, siehe unsere --> Netz-Buchhandlung).

Es handelt sich hier also um Bestrebungen, die sich vor und nach 1933 jeweils in sehr spezifischer Weise zustimmend oder ablehnend gegenüber dem damals stark polarisierenden Nationalsozialismus positionierten. Diese Richtungen wurden in jüngerer Zeit ganz treffend auch genannt "Hitlers rechte Gegner". Zu ihnen gehörte bekanntlich der militärische Widerstand gegen den Nationalsozialismus und dessen Leichtfertigkeit, sich auf einen Krieg einzulassen, der schließlich weltgeschichtlich deutlich verspätet im Stauffenberg-Attentat von 1944 politische Geltungswirksamkeit zu erlangen versuchte. Bekanntlich vergeblich.

Wandervogel, Jugendbewegung und Avantgarde

Dietrich Bronder war Freireligiöser, Armin Mohler "Neuheide". Inzwischen sind die Vordenker der sich selbst so bezeichnenden "Neuen Rechten" weltanschaulich bewußtere oder weniger bewußte Christen geworden, kennzeichnen sich selbst bewußter als "katholisch" oder sind sogar im Umfeld der Jesuiten anzusiedeln (siehe: a, b, c). Darin wird der Hauptgrund zu suchen sein für die Reaktionslahmheit, die die heutige sogenannte deutsche "Rechte" rechts von der CDU der naturalistischen und humangenetischen Wende im Menschenbild entgegenbringt. Man hütet sich hier allseits sehr, in Berührung mit bewußter naturalistisch und damit zumeist antichristlichen "völkischen" Denktraditionen zu geraten.

Wer mit Abstand oder von "außen" die genannte Vielfalt der 1920er Jahre auf sich wirken läßt, kommt vielleicht zu dem Ergebnis, daß diese Bestrebungen Sinn machen in jenem Volk, das vielfach als das metaphysisch und kulturell begabteste der abendländischen Geistes- und Kulturgeschichte angesehen worden ist. In jenem Volk, das solche kulturellen Blütezeiten erlebte wie die Reformation, den deutschen "Sturm und Drang", die deutsche Klassik, den philosophischen deutschen Idealismus und die deutsche Romantik. Bekanntlich standen gerade auch um die Jahrhundertwende, also um 1900 bis in die 1920er Jahre viele Zweige der deutschen Geistes- und Naturwissenschaften international an erster oder doch zumindest zweiter Stelle, man denke etwa an die Atomphysik oder die Evolutionswissenschaften (Ernst Haeckel, August Weismann). Man denke an die naturwissenschaftliche Psychologie (Emil Kraepelin). Man denke an die Soziologie (Max Weber), man denke an die Archäologie (Heinrich Schliemann). Oder man denke an die Geschichtswissenschaft (Wilhelm Dilthey und viele andere).

In Bezug nun auf die typisch deutschen weltanschaulichen, politischen und kulturellen Bestrebungen der 1920er Jahre, denen in Form der Jugendbewegung auch deutsche Nobelpreisträger nahestanden (siehe etwa Werner Heisenberg "Der Teil und das Ganze"), hat es in den letzten Jahren einen fast unbemerkten "geschichtspolitischen" Wechsel gegeben, auf den in dem vorliegenden Beitrag hingewiesen werden soll. Ein Wechsel, den offenbar Menschen im Umkreis des "Zentralrats der Juden" in Deutschland wahrgenommen haben, und auf den sie reagieren.

Hindenburg, Beck, Ludendorff - Neubewertungen

Es sind nämlich eine ganze Menge von bis heute fortbestehenden geschichtspolitischen Mythen und Legenden in ausgesprochene wissenschaftliche Autorität aufweisenden Werken zweier deutscher Zeithistoriker als eben das nachgewiesen worden - auf neuer Quellenlage -, was sie sind, nämlich: Mythen und Legenden. Hierzu gehört zum ersten die geschichtspolitische Deutung der Integrationsfigur der deutschen demokratischen und antidemokratischen Rechten in den 1920er Jahren in Deutschland, nämlich des Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg (gest. 2.8.1934). (siehe: 1, 12)

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts rechnete man ihm, obwohl er am Ende seiner Reichspräsidentenschaft Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte, an, daß er nach dem Sturz des deutschen Kaisers und der deutschen Monarchie im Jahr 1918 bis 1933 äußerlich loyal zur jungen deutschen parlamentarischen Demokratie gestanden hatte. Selbst die demokratische Mitte also hatte bis zum Ende des 20. Jahrhunderts gar kein Interesse daran, etwaige "Mythen" und "Legenden" rund um diesen Reichspräsidenten großartig zu "entzaubern". Genau dies aber ist mit einer neuen Biographie aus dem Jahr 2007 (1) geschehen,von Hans-Ulrich Wehler in der "Zeit" sehr positiv rezensiert (12).

Hindenburgs Untreue gegenüber Ludendorff (1918)

Diese Biographie zeigt auf, daß dieser äußerliche "Recke", dieses Sinnbild "deutscher Treue" an allen entscheidenden politischen Wendepunkten seines Lebens und damit des politischen Lebens von Deutschland praktisch niemandem die Treue gehalten hat außer vielleicht sich selbst. Insbesondere nicht seinen engsten und treuesten Mitarbeiter, seien diese nun monarchisch oder demokratisch gesinnt gewesen. Das scheint die einzige Konstante im Leben dieses vorgeblichen Sinnbildes "deutscher Treue" gewesen zu sein: Im Jahr 1918 verriet er seinen militärischen "Kameraden" im "Dioskurenpaar" Hindenburg-Ludendorff, nämlich Erich Ludendorff. Als Ludendorff dem Kaiser seinen Rücktritt anbot, der angenommen wurde, verzichtete Hindenburg auf ähnliches Vorgehen und blieb. Für Ludendorff unerwartet, da sie sich bis dahin in allem einig gewesen waren.

Hindenburgs Untreue gegenüber dem deutschen Kaiser (1918)

Als nächstes verriet Hindenburg dann seinen eigenen Kaiser, dem er ja auch äußerlich die Treue geschworen hatte. Als der Kaiser daran zweifelte, ob er nun selbst seinen Rücktritt erklären sollte, der von den Westmächten und den innerdeutschen Kräften links von der demokratischen Mitte gefordert worden war, ließ ihn die Oberste Heeresleitung unter Hindenburg und Wilhelm Groener, dem Nachfolger Ludendorffs, wissen, daß man nicht sicher sein könne, ob sich der Kaiser noch auf sein im Feld stehendes Heer verlassen könne. Während das entscheidende Telefongespräch mit dem Kaiser stattfand, soll Hindenburg schnöde das Zimmer verlassen haben.

Hindenburgs Untreue gegenüber seinen Wählern (1929)

Schließlich unterzeichnete Hindenburg 1929 als von einer rechtsdemokratischen und rechtsnationalen Wählerschaft gewählter Reichspräsident den Young-Plan, was von der deutschen Rechten bis weit in die demokratische Mitte hinein als ein Verrat an der eigenen Wählerschaft angesehen wurde.

Hindenburgs Untreue gegenüber Brüning, Groener und Schleicher (1930 - 1934)

Aber selbst jene, auf die bauend Hindenburg "loyal" mit der demokratischen Mitte in Deutschland zusammenarbeitete, selbst seine engsten Mitarbeiter auf dem Weg in die "Präsidial-Diktatur" (nach 1930), so unter anderem der Reichskanzler Heinrich Brüning, der Reichswehrminister Wilhelm Groener und der kurzzeitige Reichskanzler Kurt von Schleicher, erfuhren die Untreue Hindenburgs, wie die neu ausgewerteten Quellen deutlicher als jemals zuvor zeigen. Sie wandten sich schwer enttäuscht von diesem Mann ab, auf dessen politische Zuverlässigkeit sie ihr eigenes politisches Schicksal aufgebaut hatten.

Als Schleicher und andere vormalig enge Mitarbeiter Hindenburgs dann 1934 während des sogenannten Röhm-Putsches ermordet wurden, scheint Hindenburg, der geistig auch in hohem Alter wesentlich wacher war, als ihm das die deutsche Öffentlichkeit - bis heute - hatte zutrauen wollen, nicht nur keinen Laut des Protestes von sich gegeben zu haben, sondern diese Ermordung möglicherweise sogar stillschweigend befürwortet zu haben.

Hindenburg hat in den Tagen, Wochen und Monaten nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler auch scharfe Protestschreiben und -telegramme, die er von seinem früheren "Kameraden" Ludendorff erhielt, unkommentiert an den Reichskanzler Hitler weitergeleitet. Geradezu so, als wolle er auch seinen zum scharfen politischen Gegner mutierten vormaligen Kameraden Ludendorff gerne den Nationalsozialisten ans Messer liefern bei der demnächst fälligen allgemeinen "Abrechnung" mit politischen Gegnern, die ja dann im Juni 1934 auch durchgeführt wurde, wobei Ludendorff aber verschont worden ist.

Die "Täuschungsmaschine" Hindenburg (1914 - 1934)

Aber der Gipfel und die Krone dieser riesigen "Täuschungsmaschinerie" Paul von Hindenburg liegt in dem Umstand begründet, den diese Biographie klarer als jede Veröffentlichung zuvor nachweist, daß Hindenburg seinen ganzen Ruhm als "Feldherr" und "treudeutscher Recke" - - - im "Schlaf" erworben hatte. Ohne jedes eigene Zutun. Während nämlich General Ludendorff die Schlacht von Tannenberg leitete, die seinen und Hindenburgs Ruhm und Ansehen in Deutschland und weltweit begründete, erfreute sich Hindenburg eines ruhigen und gesunden Schlafes, ging in Ostpreußen auf die Jagd, fuhr nur ab und an mit großen Handbewegungen über die Karte und überlies die eigentlichen militärischen Planungen und die Organisationsarbeit seinem Mitarbeiter Ludendorff. Hindenburg war an die Seite Ludendorffs vor allem deshalb gestellt worden, damit er Ludendorff in seiner Arbeit nicht störte und damit er alles unterschrieb, was Ludendorff ihm vorlegte.

Hindenburg ernennt Hitler zum Reichskanzler und wird von Ludendorff scharf kritisiert

Da Ludendorff hinwiederum weltanschaulich, politisch und kulturell nach 1918 einen so ganz anderen Weg einschlug als sein "Kamerad" Hindenburg, insbesondere von Ludendorff selbst so verstanden als "lebenslanges Lernen" aus den geschichtlichen Erfahrungen des Ersten Weltkrieges (siehe seine dreibändigen Lebenserinnerungen), hatten die demokratische Mitte in Deutschland vor und nach dem Dritten Reich ebenso wie der nach 1925 von Ludendorff scharf bekämpfte Nationalsozialismus ein großes Interesse daran, daß der Mythos und die Legende von Hindenburgs weltgeschichtlichen militärischen Leistungen nicht, bzw. nicht "zu früh" entzaubert würden. (Übrigens eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit zwischen demokratischen und totalitären Kräften.)

Erich Ludendorff als ein führender Kopf des militärischen Widerstandes gegen Hitler (1935)

Denn diese militärischen Leistungen wären ja dann allein und ausschließlich Ludendorff zuzusprechen gewesen vor der deutschen und der Weltöffentlichkeit, was auch die politischen und weltanschaulichen Aktivitäten und Bestrebungen Erich Ludendorffs nach dem Ersten Weltkrieg nur allzu deutlich aufgewertet hätte.

Lügen jedoch haben kurze Beine, sagt ein deutsches Sprichwort. Und ob die genannten Kräfte auch im eigenen Interesse recht daran taten, mit derartigen Geschichtslegenden und -mythen ihre politischen Ziele durchzusetzen, zeigte sich ziemlich bald. Nämlich als der Kopf des deutschen militärischen Widerstandes gegen Hitler, der Kopf also von Kräften, die später unter dem Schlagwort der "konservativen Revolution" zusammengefaßt wurden (s.o.), als Generaloberst Ludwig Beck (1880 - 1944), im Jahr 1935 nach Hindenburgs Tod - im Einklang mit anderen führenden deutschen Militärs - versuchte, den eigentlichen militärisch genialen General des Ersten Weltkrieges Erich Ludendorff als ein Gegengewicht zum totalitär herrschenden "Führer und Reichskanzler Adolf Hitler" politisch in Stellung zu bringen.

Von diesem in seinem Umfang bislang weitgehend unbekannt gebliebenen Bemühen Becks gibt nun Kunde eine weitere 2007 erschienene, ebenfalls mit großer wissenschaftlicher Autorität veröffentlichten Biographie über eben diesen Ludwig Beck von seiten des Historikers Klaus-Jürgen Müller (2). Erich Ludendorff also als ein führender Kopf des militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus und dessen Leichtfertigkeit, sich auf Kriege einzulassen.

Einfügung vom 7. 1. 2012: Mit großer Konsternierung stellt der Autor dieser Zeilen fest, daß die Historiker Manfred Nebelin und Rainer A. Blasius in ihrem Gedenkartikel zum 75. Todestag Erich Ludendorffs (13) an inhaltlich zentraler Stelle ein zeitgenössisches Zitat von Ludwig Beck bringen ("Alle Schuld auf Ludendorff"), das einer schon 1980 erschienenen geschichtlichen Studie über Ludwig Beck von Klaus-Jürgen Müller (1930 - 2011) entnommen ist (14), die das Verhältnis Ludendorff-Beck inhaltlich schon fast deckungsgleich darstellt zu der Darstellung in dem Buch desselben Autors im 2008.

Es handelt sich also hier um keine Neuerkenntnisse des Jahres 2008, sondern um solche des Jahres 1980! Ein Grund von mehreren dafür, daß offenbar kaum jemand auf die Brisanz der Studie des Jahres 1980 aufmerksam geworden ist seither, liegt daran, daß diese Brisanz in der Ludendorff-Biographie von Franz Uhle-Wettler aus dem Jahr 1995 überhaupt nicht herausgearbeitet wird. Obwohl doch gerade sie zu jener "Neubewertung" Veranlassung geben könnte, die im Untertitel dieser Biographie angekündigt wird. Stattdessen werden die Inhalte der Beck-Studie aus dem Jahr 1980 von Uhle-Wettler nur auf gut zwei Seiten behandelt (S. 415 - 417), und ganz ohne dabei eine Neubewertung der Rolle Ludendorffs im Dritten Reich herauszuarbeiten! 


Gerade auch das eben genannte zeitgenössische Zitat wirft inhaltlich eine solche Fülle von Fragen auf, daß es wirklich verwunderlich ist, daß diese Studie von 1980 dreißig Jahre lang zu keinerlei weiteren Eröterungen über die Rolle Erich Ludendorffs innerhalb des Dritten Reiches Anlaß gegeben hat, auch nicht in der Biographie Uhle-Wettlers. Auch auf dem Wikipedia-Artikel zu Erich Ludendorff ist diese für die Biographie Ludendorffs wichtige Studie von Klaus-Jürgen Müller aus dem Jahr 1980 bis heute nicht genannt.

Denkmalpflege in Tutzing am Starnberger See 2010

Denkmalschutz
Nicht zuletzt die Neuerkenntnisse und -bewertungen, die durch diese beiden Biographien veranlaßt werden, könnten mit dazu beigetragen haben, daß der bayerische Kulturpfleger Gerhard Schober (3) und der bayerische Denkmalpfleger Burkhard Körner (4) im Frühjahr dieses Jahres schon vor zehn Jahren angestoßene Pläne verwirklicht haben, nämlich das Wohnhaus Erich Ludendorffs in seinen letzten Lebensjahren in Tutzing am Starnberger See unter Denkmalschutz zu stellen (6 - 11).

An sich ein eher abseitiges Geschehen. Um so bemerkenswerter, daß die derzeitige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, daß Charlotte Knobloch, sich Zeit nahm, um sich zu diesem Vorgang auffallend differenziert zu äußern (7). Da der diesbezügliche Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" vom 16. Juni 2010 im Netz bislang nicht kostenfrei zugänglich ist (7), sei er hier weitgehend vollständig zitiert:

"Wahnhafte Ideologie“
Charlotte Knobloch kritisiert Bund für Gotterkenntnis, der in Tutzinger Ludendorff-Villa residiert

Tutzing – Für Charlotte Knobloch ist das Ganze „im schlimmsten Fall kontraproduktiv“, für Bürgermeister Stephan Wanner „außerordentlich unglücklich“: Das Landesamt für Denkmalpflege in München hat mit der Ludendorff-Villa in Tutzing ein Haus unter Denkmalschutz gestellt, das Sitz eines rechtsextremen Vereins ist, des Bundes für Gotterkenntnis Ludendorff e.V. Die Glaubensgemeinschaft will im Oktober eine sogenannte Hochschultagung in Oberbayern abhalten. Ob das Treffen wieder wie 2002 in dem Anwesen an der Mühlfeldstraße 2 stattfindet, ist unklar. Hausherr ist der Verein Ludendorff Gedenkstätte. Er erhält das Anwesen als eine Art privates Ludendorff-Museum.


Wie die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern auf Anfrage der SZ mitteilt, verstehe Tutzing den Schutz der Villa offenbar als Beitrag wider das Vergessen. „Das setzt aber voraus, dieses Bauwerk nicht unreflektiert unter Denkmalschutz zu stellen“, so Knobloch. Denn eine „wünschenswerte kritische Auseinandersetzung mit dem menschenverachtenden NS-Regime bedingt, sich inhaltlich mit Erich und Mathilde Ludendorff und deren geistigen Erben auseinanderzusetzen“.


Ludendorff (1865 bis 1937) war laut Edith Raim vom Institut für Zeitgeschichte in München „einer der Steigbügelhalter und Wegbereiter des frühen Hitler“. Als Erster Generalquartiermeister und Stellvertreter Paul von Hindenburgs stieg er im Ersten Weltkrieg zum eigentlichen Kopf der dritten Obersten Heeresleitung und zu einem der Machthaber im Reich auf. 1923 beteiligte er sich am Hitler-Putsch, distanzierte sich dann aber von dem Diktator. Später geriet Ludendorff unter den Einfluss seiner Frau Mathilde (1877 bis 1966).


Die überzeugte Antisemitin gründete die esoterisch-diffuse Bewegung der „Deutschen Gotterkenntnis“ und gab mit ihrem Mann sektiererische Schriften heraus. Ludendorff teilte die rassistischen Ansichten seiner Frau. Zu seinen „Kampfzielen“ schrieb er: „Im Inneren gilt der Kampf dem Judentum . . ., das auch das deutsche Volk in der autonomen Wirtschaftsprovinz ,Deutschland’ für sich arbeiten lassen will.“ Bürgermeister Wanner nennt ihn deshalb einen „glühenden Antisemiten“. Wie Knobloch meint, halte der Bund für Gotterkenntnis „die obskure, wahnhafte Ideologie des Ehepaars Ludendorff aufrecht und praktiziert sie weiter“. Die Villa Ludendorff diene der Gruppe „gewissermaßen als Schrein“. Für den Erhalt des Landhauses stünden künftig auf Basis des Denkmalschutzes Steuergelder zur Verfügung, „deren Verwendung genau zu prüfen ist“. (Seite 3) sum

Charlotte Knobloch

Es ist denkbar, daß Charlotte Knobloch, zugleich Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, auf diese Vorgänge auch viel undifferenzierter hätte reagieren können. Etwa in dem Tenor: "Empörend! Warum stellt man nicht gleich den Alterswohnsitz von Adolf Eichmann unter Denkmalschutz." Aber nein, sie sagt nur, daß all das "im schlimmsten Falle" (!) "kontraproduktiv" sein könne. Und sie meint ansonsten, daß eine „wünschenswerte kritische Auseinandersetzung mit dem menschenverachtenden NS-Regime bedingt, sich inhaltlich mit Erich und Mathilde Ludendorff und deren geistigen Erben auseinanderzusetzen“.

Daß die Auseinandersetzung mit dem einen die Auseinandersetzung mit dem anderen "bedingen" soll, wird plausibel - und auch dann nur in ersten Ansätzen -, wenn man Neuerkenntnisse wie die der beiden genannten, im Jahr 2007 erschienenen Biographien in Rechnung stellt. Denn daß man das NS-Regime ausgerechnet dann verstehen würde - und inwiefern überhaupt? -, wenn man sich "inhaltlich mit Erich und Mathilde Ludendorff und deren geistigen Erben auseinandersetzen" würde, eine solche These wäre entweder unüberlegt geäußert oder aber einem so mehrschichtigen Raisonnement entsprungen, wie es dem Normalbürger wohl noch lange nicht zugänglich ist.

In jedem Falle könnte es sinnvoll sein, einmal das Verhältnis zwischen dem Nationalsozialismus und Erich und Mathilde Ludendorff gründlicher aufzuarbeiten. Hier gibt es noch viele Forschungslücken (s. etwa Wikip. und die dort genannte Forschungsliteratur).

Wissenschaft statt "Staatsschutz" ...

Oder ist es sogar richtig, in derartigen Äußerungen neue Nuancen in der jüdischen Argumentation gegenüber Deutschland herauszuhören? Eine jüdisch-orthodoxe "Rechte" und auch völkisch-rassistische "Rechte" gewinnt im heutigen Israel verstärkte politische Bedeutung, ist sogar schon in Ministerränge aufgerückt. Wobei sich beide rechten Richtungen gerne auch aufeinander beziehen, bzw. fließend ineinander übergehen oder bei den neokonservativen Vordenkern in den USA geistige (und natürlich ethnische) Verwandte finden. Warum sollten sich Juden in der Welt, die sich auch mit dem heutigen Israel in der einen oder anderen Weise identifizieren, dann nicht ebenfalls einer kritischen Auseinandersetzungen mit "Hitlers rechten Gegnern", mit den völkisch-naturalistischen Vordenkern der "Konservativen Revolution", mit dem, was "vor Hitler kam", etwa in Gestalt solcher geschichtlicher Erscheinungen wie Erich und Mathilde Ludendorff, in neuer Weise stellen?

Auch Fortschritte in der Wissenschaft (Kevin MacDonald, "Lewontin's Fallacy", jüngste Humanevolution, IQ- und Verhaltensgenetik) könnten hier Veranlassungen zu veränderten Haltungen geben.

Die Menschen im Umkreis des Zentralrates der Juden wissen ebenso wie jeder geschichtspolitisch gebildete Mensch sonst, welch eine Brisanz in einer solchen Neu-Nuancierung liegen könnte. Die Ludendorff-Bewegung wurde 1961 verboten, nachdem mit von der Stasi inszenierten Hakenkreuz-Schmiereien Stimmung gemacht worden war bezüglich der Gefahr eines neuen Antisemitismus in Deutschland. Das Verbot dieser Ludendorff-Bewegung wurde 1976 rückgängig gemacht. Das Problem hat man seither im Wesentlichen der Antifa, anstatt der "Rechtspflege" oder dem "Verfassungsschutz" überlassen. Wenn jetzt Charlotte Knobloch eine kritische Auseinandersetzung mit dem geistigen Erbe von Erich und Mathilde Ludendorff fordert im Rahmen der bundesdeutschen Denkmalpflege (oder darüber hinaus), dann sollte diese Anregung aufgegriffen werden.

Mathilde Ludendorff ist die einzige Vordenkerin der Autoren der "Konservativen Revolution", die ihr Weltbild in profunder Weise auf den modernen Naturerkenntnissen ihrer Zeit aufgebaut hat. Das unterscheidet sie von allen anderen Denkern dieser Zeit innerhalb dieses Spektrums, auch in vielen Aspekten von den Nationalsozialisten selbst. Und in diesem Umstand werden die Menschen im Umkreis des Zentralrats der Juden auch so manche Herausforderungen für die Zukunft sehen.

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  1. Pyta, Wolfram: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler. Siedler, München, 2007
  2. Müller, Klaus-Jürgen: Generaloberst Ludwig Beck. Eine Biographie. Schöningh, Paderborn 2008
  3. Schober, Gerhard: Frühe Villen und Landhäuser am Starnberger See. Zur Erinnerung an eine Kulturlandschaft. Oreos Verlag, Waakirchen 1998 (541 Seiten)
  4. Körner, Burkhard - Zuständigkeit: Führung der Denkmalliste Oberbayern, Stadt und Landkreis München, Landkreis Starnberg. Bayr. Landesamt f. Denkmalpflege. [3.8.2010] 
  5. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Villa Ludendorff, Mühlfeldstr. 2. (Auf: http://www.geodaten.bayern.de/tomcat_files/denkmal_start.html)
  6. Villa Ludendorff auf Denkmalschutzliste. In: Münchner Merkur, auf: Merkur-online.de, 17.3.2010
  7. Summer, Gerhard: "Wahnhafte Ideologie". Charlotte Knobloch kritisiert Bund für Gotterkenntnis, der in Tutzinger Ludendorff-Villa residiert. In: Süddt. Ztg., 18.6.2010, S. 41 (SZ-Archiv, Suchworte: "Ludendorff Knobloch")
  8. Summer, Gerhard: Ludendorff-Villa in Tutzing unter Denkmalschutz gestellt. ("Der Schrein des völkischen Generals") In: Süddt. Ztg., 18.6.2010, S. 43
  9. Wanner, Stephan (1. Bürgermeister von Tutzing): Die Villa Ludendorff – ein Stück lebendiger Erinnerungskultur. In: Tutzinger Nachrichten 6/2010 (29.6.2010), Themenheft "Frauen in Tutzing - Macht und Macherinnen", S. 12 (pdf.)
  10. Schmitz, Elke: Vorwort. In: Tutzinger Nachrichten 7/2010 (30.7.2010 ), Themenheft "Schönes bewahren - Denkmalschutz in Tutzing", S. 3, 4, 6, 8, 10. (pdf.)
  11. EK: Was darf, was muss, was kann in die Denkmalliste? In: Tutzinger Nachrichten 7/2010 (30.7.2010 ), Themenheft "Schönes bewahren - Denkmalschutz in Tutzing", S. 10. (pdf.)
  12. Wehler, Hans-Ulrich: Zwischen Bismarck und Hitler - Wolfram Pytas herausragende Biographie über Hindenburg, eine deutsche Unheilsfigur. In: Zeit, 46/2007, S. 16
  13. Nebelin, Manfred; Blasius, Rainer A.: Stratege in eigener Sache. In: FAZ, 20.12.2012
  14. Müller, Klaus-Jürgen: General Ludwig Beck. Studien und Dokumente zur politisch-militäri­schen Vorstellungswelt und Tätigkeit des Generalstabschefs des deutschen Heeres 1933- 1938, Boppard a. Rhein 1980 (= Schriften des Bundesarchivs Bd. 30) 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Frau Knoblauch, der Aufbruch kommt. Sie sind Staatsbürgerin des Dt.Reiches der Weimarer Republik, wie ich das sehe: http://totoweise.wordpress.com/2012/07/13/rechtliche-hinweise-fu%CC%88r-staatsburger-deutsches-reich/

Ingo Bading hat gesagt…

Der "Germanenherz"-Priester in der Randleiste des Blogs, auf den hier verwiesen wird, kommt mir ja reichlich buddhistisch vor.

Ansonsten ist das hier, wie glaube ich, zu erkennen ist, nicht die Internetseite von Frau Knobloch. "Zurück an Absender."

Anonym hat gesagt…

Wenn Sr. Knobloch sagt, dass eine „kritische Auseinandersetzung wünschenswert“ sei, dann könnte man dies als eine Aufforderung an die Wortverdreher und Begriffsumdeuter auffassen, die im Sold der schwarzen, roten und sonstigen Internationale stehen. Der kleine Unterschied zwischen Profanen und Profunden, der sich auch in Ludendorffs Werken widerspiegelt, aber nie zur Sprache gelangt, weil es einfacher ist, sich auf Nebenkriegsschauplätzen miteinander „kritisch auseinanderzusetzen“.

Deutungshoheit. Wenn Sie sich dazu äußern, hat das weniger Bedeutung(shoheit) als wenn es ein Historiker von Knoblochs Gnaden tut. Rinks und lechts gilt nicht. Kritik ist gut, Kontrolle ist besser. Nur wer dazu autorisiert ist, wird ernstgenommen, findet die nötige BEachtung. Alle anderen ernten MISSachtung. Sind bloß eine Randerscheinung. Ein kurzzeitiger Störfaktor, den man einkalkuliert hat. Falls nicht, gibt es genügend Attentäter in Wort und Schrift.

Wir gelangen zum Ausgangspunkt bzw. zur Frage, warum einem bei Geschichte immer schwindlig-schlecht wird. Die Chronisten, staatlich geprüfte Richtigsteller, drehen am Rad fleißig mit. Damit opfert man zwar keine Jungfrauen, wohl aber ganze Völker, Königshäuser, Staaten. Um den Menschen zu veredeln oder den Edlen zu vermenschlichen.

Rockefeller ist böse? Ich auch. Rothschild ist schlecht? Ich bin schlechter.

Denen kann man nicht mit so kleinlichem Zeug wie Moral kommen, denn sie wollen über den Dingen stehen. Wie der Papst. Sonst würden sich Kanzler, Präsidenten, Dikatoren nicht so doll einscheißen oder erbittert Widerstand leisten, weil sie keiner Loge angehören wollen (das nennt man demokratisieren). Ein Despot, wer Böses denkt. Scheingefechte, damit alles beim Alten bleibt. Ich halte diese Brüder nicht für die Geheimen Oberen. Auch sie sind Befehlsempfänger. Zugegeben, mit ein bißchen Macht ausgestattet, bedingt weisungsbefugt, aber letzten Endes Funktionäre, die manchmal den Kopf hinhalten, wenn der aufgebrachte Mob wieder mal ein Feind- bzw. Trugbild braucht. R&R am nächsten Baum aufknüpfen und damit ist die Sache erledigt? Es gibt Tierarten, die nach ihrem Tod immer noch ihr Gift versprühen! So viel Skrupel- und Zügellosigkeit ist doch in manchen Augen bewunderswert und ein Beweis für echtes Menschsein. Sie können sich jederzeit feige hinter ihren Logenbrüdern verstecken und alles auf die „furchtbaren“ Eide schieben. Also macht den Laden dicht, spielt keine Rolle! Für jedes fehlende Glied in der Bruderkette gibt es Ersatz. Der linkshändige Pfad mag glückverheißender sein als der Rechte. Der Profane mag aus edlen Motiven handeln. Doch der Profunde arrangiert sich mit dem Feind und tritt in dessen Fußstapfen. Nix mit Wahrheitsbewegung. Wohin soll denn die Wahrheit bewegt werden? Ins Abseits? Zu Pilatus? Auf’s Konto?

Selbst wenn jemand ernsthaft daran interessiert ist; welche Garantie hat man, dass es nicht ins Gegenteil, ins antagonistische verkehrt, umgedreht, vertauscht wird? Führt die alten Grabenkämpfe weiter. Hier die Guten, dort die Bösen. Doch ein Rollentausch würde wahrscheinlich die verhärteten Fronten etwas aufweichen. Dazu zitiere ich Br. Coudenhove-Kalergi:

„Lenin und Ludendorff sind in ihren politischen Idealen Antagonisten: in ihrer Willenseinstellung Brüder. Wäre Ludendorff im revolutionären Milieu russischen Studententums aufgewachsen, hätte er, wie Lenin, in früher Jugend die Hinrichtung seines Bruders durch kaiserliche Henker erlebt, wir würden ihn wahrscheinlich an der Spitze des roten Rußland sehen. Während Lenin, in einer preußischen Kadettenschule großgezogen, vielleicht ein Über-Ludendorff geworden wäre. Was diese beiden verwandten Naturen scheidet, ist ihr geistiges Niveau. Lenins Beschränktheit scheint heroisch-bewußt, Ludendorffs Beschränktheit naiv-unbewußt zu sein. Lenin ist nicht bloß Führer – er ist auch Geistiger; sozusagen ein vergeistigter Ludendorff.“

Statt vergeistigt könnte man auch traumatisiert schreiben. Das heiligt die Mittel. Und lenkt die verführten Führer genau dahin, wo man sie haben will.

Ingo Bading hat gesagt…

Wenn ich recht höre, ist das ein Plädoyer für die Aussichtslosigkeit des Aufstandes der Infokrieger. Ja? Weil im Falle der allgemeinen Anerkennung der Anliegen der Infokrieger, Hintergrundpolitik-Kritiker, sagen wir konkreter, im Falle der "Machtübernahme" durch die Partei "Die Neue Mitte" (?) doch wieder alte despotische Herrschaftsverhältnisse durch neue ersetzt werden würden. Lenin oder Ludendorff - wo ist der Unterschied? Keiner kommt es aus der Falle der Machtlosigkeit heraus. Ludendorff in der Hand der Überstaatlichen, verkörpert in diesem Falle durch Coudenhove-Kalergi.

- - - Ok. Wenn geistige und moralische Unselbständigkeit das Prinzip bleiben, gewiß.

Aber da wäre dann doch an vieles zu erinnern.

Mensch sein an sich, heißt nicht, beherrscht werden durch öffentlich bekannte oder geheime Despoten. Dieses Prinzip findet man meiner Meinung zwar schon sehr früh auch archäologisch in den ersten seßhaften Stadtgesellschaften des Vorderen Orients (Pre-Pottery-Neolithic A und B)), sowie in dortigen Folgekulturen bis zu jenen in der Bibel bezeugten.

Aber es ist eben kein typisch mittel- und nordeuropäisches Lebensprinzip von Gesellschaften. Das findet man so schon nicht im archäologischen Befund. Für die ostasiatischen Gesellschaften würden wieder andere Lebensprinzipien gelten - aber ich lasse sie im folgenden mal unberücksichtigt.

Denn für mich das interessanteste Lebensprinzip der Weltgeschichte ist das Freiheitsstreben der germanischen und indogermanischen Völker und freiheitliche Staats- und Gesellschaftsordnungen wie wir sie aus dem mittel- und nordeuropäischen Bereich heraus kennen.

Zwar würden die Okkultlogen gerne auch schon den heidnischen Germanen ihr Prinzip unterstellen, daß nämlich alle Staatlichkeit auf dem Prinzip Männerorden überhaupt beruhen würde. Nur ist dies eben historisch gar nicht richtig. Es gilt dies auch nicht für die vorchristlichen, heidnischen Gesellschaften der antiken Mittelmeerwelt, inbesondere nicht für Griechenland.

Gerade in Griechenland sind eben die modernsten Formen staatlichen, freiheitlichen Zusammenlebens entwickelt worden und durchdacht worden.

Und der deutsche Freiheitsdichter Friedrich Schiller hat darauf aufmerksam gemacht, daß Freiheit nur gelebt werden kann durch innerlich freie, starke, selbstbestimmte Menschen. Die ihr Prinzip in sich selbst finden, nicht in anderen Menschen. Und schon gar nicht in Logen. Und er fand sie in seinem Zeitalter nicht vor. Er erhoffte sie von der Zukunft.

Ob innerlich starke, freie, selbstbestimmte und selbstbewußte Menschen möglich sind, die eines freiheitlichen Staatswesens würdig sind, und in dem dann Machtmißbrauch tatsächlich auf ein Minimum reduziert wäre, ist allerdings noch zu beweisen.

Wer diesen Menschen nicht in sich selbst findet - wie offenbar Coudenhove-Calergi - der wird ihn auch nirgendwo anders finden.

Ihn in den heutigen Zeiten nur schon allein in sich selbst zu finden, ist nicht einfach, gewiß. Das Suchen und Finden dürfte aber wohl aller Mühen wert sein. Und zu dieser tieferen Suche vorzustoßen, ist eine Aufgabe, die auch der Mehrheit der Infokrieger noch gar nicht bewußt ist.

Wer die gegenwärtigen Verhältnisse ändern will, muß die Menschen an sich ändern. Die sittliche Verflachung seit Einführung des Christentums und die damit einhergehende, stetig wachsende geistige und moralische Unselbständigkeit sind von jenen Kräften gewollt, die uns einreden wollen, es gäbe dazu gar keine Alternative.

Ingo Bading hat gesagt…

Übrigens ist in dem letzten anonymen Kommentar auch von "Deutungshoheit" die Rede. Das bezieht sich wohl auf meinen Blogbeitrag zu der "Deutungshoheit der Biowissenschaften" auf scilogs.de. Und schon aus dem Titel jener Blogreihe geht hervor, daß es nicht um MEINE "Deutungshoheit" geht, sondern um jene der Biowissenschaften.

Und da sich das wissenschaftliche Weltbild bisher IMMER gegen nicht-wissenchaftliche Weltbilder durchgesetzt hat, spätestens seit dem Westpreußen Nikolaus Kopernikus, muß man eigentlich grundsätzlich keine Sorge haben, daß die derzeit noch vorherrschende Deutungshoheit der Ideologen aller Sparten aufrecht erhalten wird. Natürlich in keiner Weise.

Das einzige, was jeder einzelne tun kann, ist diese Entwicklung zu beschleunigen. Dadurch wird nicht die Deutungshoheit einzelner Menschen gewonnen, sondern eine andere Weltsicht insgesamt, die dann eben Deutungshoheit hat ANSTELLE von Christentum oder sonstigen Ideologien.

Ingo Bading hat gesagt…

Und die Rolle Erich und Mathilde Ludendorffs im Dritten Reich ist nicht sinnvoll aufzuarbeiten und zu behandeln, wenn man nicht die Gesamtheit des naturalistischen Denkens, das von ihnen vertreten wird, dabei mit in Anschlag bringt.

Ich glaube nicht, daß Charlotte Knoblauch sich dessen etwa nicht bewußt gewesen wäre bei ihrer Äußerung.

Dazu ist der Aufsatz "Natural History of Ashekanzy Intelligence" 2005 zu weit verbreitet kommentiert worden im aschkenasischen Judentum in Deutschland, USA und Israel, als daß der damit einhergehende Paradigmenwechsel im naturalistischen Weltbild und die damit einhergehende "Deutungshoheit" desselben nicht ihr nicht bewußt wären.

Und daß ihr deshalb auch nicht bewußt wäre, daß man auch das naturlistische Denken einer Mathilde Ludendorff dazu in Bezug setzen müßte.

Schließlich liest sich ein solcher Autor wie Kevin MacDonald ja in weiten Teilen nur wie eine modernisierte Ausgabe ihrer eigenen Bücher. Und das gilt auch für andere Themengebiete der Soziobiologie und Evolutionswissenschaften.

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