Dienstag, 2. Dezember 2008

Religionsgeschichte - sachlich und wissenschaftlich

In einem Interview des Deutschlandradios (heute, am 2.12.08, um 9.45 h herum) erklärte der Religionswissenschaftler Bernhard Maier aus Tübingen die Entstehung der jüdischen Religion - soweit erkennbar - sehr sachlich und wissenschaftlich, was einem Vertrauen in die Publikationen dieses Autors einflößen könnte. (Siehe unser Bücherregal: "Sternstunden der Religionen" und anderes). Nach Maier ist die jüdische Religion im Wesentlichen als Konkurrenz und Abbild zur assyrischen Reichsreligion entstanden und von der israelischen Priesterkaste auch bewußt als solche formuliert worden zur Stärkung und Aufrechterhaltung der Eigenstaatlichkeit Israels (also auch oder sogar vornehmlich aus machtpolitischen Gründen). Und zwar im Wesentlichen nicht vor dem 7. Jhdt v. Ztr.. Auch bei den assyrischen Königen gab es ein ausgesetztes Kind, wie Maier sehr schön berichtet und noch viele andere Parallelen mehr.

Der Mythos vom Auszug aus Ägypten, für den es keinerlei archäologische oder sonstige Beweise gibt, ist, so Maier, etwas vornehmlich für die jüdische Religion Typisches (also die Wanderbewegungen dieses Volkes). Natürlich sind - deshalb? - auch Traditionen aus anderen Kulturbereichen (etwa Ägypten, Babylonien etc.) übernommen worden. (Das Neue Testament weist ja dann auch viele Einflüsse aus Indien auf.)

Was Maier in diesem Interview sagt (morgen vormittag kommt der zweite Teil), steht wohl ziemlich gut in Übereinstimmung mit dem wichtigen Buch "Keine Posaunen vor Jerichow" vom dem Archäologen Israel Finkelstein - und wird auch in vielen Teilen auf ihm beruhen. Und somit wird man auch den Büchern Maiers über Stonehenge, die keltische und germanische Religion einiges Interesse entgegen bringen dürfen. Alle im C.H. Beck Verlag erschienen. (Und all das könnte einem mitteilenswert erscheinen, weil auf dem Gebiet der Religionsgeschichte sich oft noch viel Un- und Halbwissenschaftliches, "Mythisches" und so manche nach irgend einer Richtung hin einseitige Darstellungen tummeln. Denn wenn man Religionen sachlich historisch betrachtet, fällt es immer schwerer, an das "Alleinseligmachende" einer einzigen traditionellen Religion zu glauben, worauf ja so manche Theologen und theologisch beeinflußte Menschen heute noch wert zu legen scheinen.)

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